Über Careca

Hang zur Satire, zur Ironie und zum Zynismus; Sinn für jeden Unsinn

Das Brotmaschinenmassaker

Ein Brief geht um.

Per altmodischer Briefmarkenpost.

Er zieht eine Spur des Grauens und der Verwüstung durchs Land. Die Welt erbebt, Männer erbleichen, Frauen wehklagen und Kinder spielen unberührt davon weiter am Computer der Eltern “Call of Duty” und “Zombieapokalypse”.

Dieser Brief darf nicht unbekannt bleiben. Aufklärung tut Not! Der Brief MUSS veröffentlicht werden, damit ein jeder Mensch von diesem Kettenbrief in Kenntnis gesetzt wird und nachher nicht naiv behaupten kann, man hätte es nicht gewusst …

»Dieser Brief bringt eine Brotmaschine, etwas Glück, viel Freude, Sex bis zum Abwinken und ein noch praller gefülltes Bankkonto. Leite ihn direkt an 100 Personen weiter, um ins Fernsehen zu kommen und unsterblichen Ruhm zu erhalten.

Der Autor dieses Briefes meinte, diesen letzten bedeutsamen Satz ignorieren zu können. Nachdem er an der Brotschneidemaschine durch ein tragisches Unglück seine geliebten Arme und wertvollen Beine abgesägt hatte, fand man ihn mit einem Federkiel im Munde, wie er noch versuchte hatte, diesen Brief hundertmal abzuschreiben, um ihn weiterzuschicken. Der Autor wurde auch nur deswegen gefunden, weil die Nachbarin dauerndes Niesen und Kichern aus der Nachbarwohnung vernahm, denn der Federkiel muss dem Autor dauernd in der Nase gekitzelt haben. Nur, der bösen Nachbarin gefiel es nicht, wollte in Frieden leben, ignorierte ebenfalls diesen Brief und hegte die Absicht, ihn wegzuwerfen. Sie verlor dabei ihren Kopf. Eine zufällig ziellos durch die Gegend streifende Polizeistreife fand ein Bild des Entsetzens vor: die ignorante Frau war von der scharfen Brotschneidemaschine aufs übelste attackiert worden und außer dem Kopf fehlte der Frau noch Hirn, welches ihr die Brotmaschine zuvor sauber herausgeschnitten hatte. Die Polizeistreife war aber klug, schenkte dem letzten Satz des Briefes Beachtung und reichte den Brief weise auf dem kleinen Dienstwege an die große Staatsanwaltschaft weiter, welche sich in zehnköpfiger Stärke in der Asservatenkammer, um Brief und Brotschneidemaschine versammelte. Als sie ging, hinterließen die Schar der Staatsanwaltschaftsanwärter dem Verwalter der Asservate den Brief, damit dieser ihn einsortieren sollte. Der Verwalter wie auch jene beiden Unverbesserlichen zuvor scherte sich nicht um den letzten Satz und so fiel ihm folgerichtig die Decke auf den Kopf, welche mutmaßlich wohl von der Brotschneidemaschine angesägt worden war. Durch den Zusammensturz der Asservatenkammer wurde der Brief frei gesetzt und ein Windhauch trieb ihn einer 48-jährigen kinderlosen, unverheirateten Jungfrau (Sternzeichen, nicht Sex!) vor die Füße. Diese Passantin las den Brief, stibitzte aus den Trümmern der Asservatenkammer auch noch schnell die Brotschneidemaschine, schaute die Brotschneidemaschine an und handelte konsequent: sie brachte beides zu der ZDF-Sendung “Bares für Rares” und verkaufte dort den Brief und die Brotschneidemaschine für 3,50 Euro, ging ins nächste Lottogeschäft, kaufte sich ein Rubbellos, rubbelte freudig sich reich und glücklich, hatte mehrfach Sex mit dem Losverkäufer, ging mit dem gewonnenen Bargeld in zwei Lottotüten wohlgelaunt auf ihre Bank, um es dort einzuzahlen. In der auf den Mechaniker wartenden Schlange vor dem defekten Einzahlungsautomaten wurde sie von einem Sat1-Redakteur erkannt. Dieser befand sich zuvor Undercover in der Bieter-Runde von “Bares für Rares” und hatte Brief und Brotmaschine ersteigert. Vom Fleck weg, ohne lange zu fackeln und brevi manu engagierte eben dieser Undercover-Sat1’ler die Frau: für dessen Idee zur neuen Vormittagsgameshow ‘Brotmaschine und Hundepfeife’, eine Show täglich Mittwochs außer Donnerstags. Sie heirateten, kriegten elf Brotmaschinen, kopierten Briefe und warfen glücklich bis an ihr Lebensende diesen Brief samt Minibrotmaschine in fremde Brieffächer. Und auf diese Weise erhöhten sie die Wertschätzung brotloser Kunst der Fernsehschaffenden. Und zwar  immer dann, wenn SAT1 eine Show mit irgendwelchen mutmaßlich bekannten Menschen ins Nachtprogramm aufnahm.

Wenn du nicht willst, dass du einer heimtückischen Brotmaschine zum Opfer fällst und damit im Abendprogramm in der Sendung “Top 10 der dümmsten Todesopfer Deutschlands” Erwähnung findest, oder du nicht willst, dass irgend so ein Brotmaschinenopfer dir einen maschinell kopierten Brief mit Brotmaschine schickt oder eine Briefmaschine aufs geopferte Brot schmiert oder Maschinenbrotschmiermittel mit Briefbrotmaschinenopferschneidewerk vor deiner Haustür abstellt, oder du einfach nur mal wieder Sex haben möchtest, dann schicke diese Zeilen tunlichst an 100 Leuten weiter.

Oder schalte dein bleifreies Hirn ab, verzichte auf DIYS-Sex und schaue gefälligst heute Abend ‘PromiBigBrother’, du Sackgesicht!«

Und ein weiterer Kettenbrief, mahnend aus der Vergangenheit, vergessen in der Gegenwart und wertlos für die Zukunft: https://provinzansichten.com/2007/09/23/immer_diese_kettenbriefe3028770/

Nachrichten aus dem Untergrund

Neulich redete jeder über jene “Momo”-Nachricht mit dem angeblichem Schock-Bild, welche per WhatsApp an Kinder verschickt wurde. Hintergrund ist eine japanischen Special-Effect-Firma, welche Horrorgestalten u.a.a. Make-up-Masken von Zombies für Fernseh- und Filmproduktionen herstellt. Und aus deren Produktion stammt jene Skulptur, dessen Bild ungefragt für die “Momo”-Nachricht verwendet wurde und sich besonders bei Kindern in Deutschland auf deren Smartphones verbreitete. Die besorgten Mütter und Väter sahen in Folge dessen das Seelenheil ihrer Sprösslinge gefährdet und wandten sich direkt an die Polizei. Die Polizei diverser Bundesländer gab u.a.a. über die Social-Media-Kanäle dann entsprechend Warnungen an interessierte Eltern heraus. Kurz darauf war diese “Momo”-Nachricht in den Medien und jeder empörte sich, dass Kinder zu erschrecken, unterste Schublade sei. Psychologisch und moralisch. Unerwähnt blieb dabei regelmäßig, dass in der Europäischen Region die Nutzung von WhatsApp gemäß deren Nutzungsbedingungen Jugendlichen erst ab 16 Jahre erlaubt ist, aber generell nicht Kindern. Die darauf folgende Besorgnis der Väter und Mütter war daher auch, dass Smartphones an Schulen untersagt werden sollten. Dieses Ansinnen wurde von diesen besorgten Müttern und Vätern mit dem Hinweis bekämpft, dass die Erreichbarkeit derer Kinder über WhatsApp und Telefon Grundrecht sein müsse.

Erwachsene schreckt man nicht mit “Momo”-Nachrichten. Gruseln mit entsprechender Reaktion darauf geht anders. Erheblich moderner und geschickt getarnt mit dem Deckmantel der bedrohten Information. So erhielt ich letztens per WhatsApp zwei gleichlautende Nachrichten. Der Inhalt schürte direkt am Anfang die Besorgnis, dass jene Nachricht wohl möglich schon bald einer Zensur zum Opfer fallen könnte. Die Nachricht handelte über den Brief einer “iranischen Christin” an die deutsche Öffentlichkeit. Dafür, dass jene fundamentalistisch gegen moslemische Immigranten gerichtete Nachricht nach Ansicht des Verfassers recht bald gelöscht werden wird, war sie schon recht lange im Umlauf. Spuren zu diesem als “Kommentar” deklarierte Nachricht führten auf den Facebook-Account der AfD Solingen.Im Jahr 2016 tauchte dieser “Kommentar” auf und wurde von einem habilitierten und promovierten Menschen sofort auf seinen Seiten weiter verteilt. Dass dieser Mensch der CDU angehörte, dass er intensive Kontakte zur NPD und DVU hatte und dass er jetzt in MeckPom für die AfD als MdL in dem Landtag sitzt, so etwas fällt bei solch einer Recherche als Nebenprodukt ab. Dass der “Kommentar” aber gleich drei unterschiedlichen Autorinnen (“Susa Patricia”, “Daggy Beygang” und “Ami Ines”) zugeschrieben wird, lässt stark vermuten, dass der “Kommentar” ausschließlich in den Köpfen anderer geschrieben wurde. Und dass dieser “Kommentar” am Anfang die Besorgnis schürte, der Inhalt könnte wohlmöglich schon bald einer Art Zensur zum Opfer fallen – also mittels eines Eingriffs auf meinem Smartphone durch staatliche Kontrollinstanzen – das ist dann regelrecht absurd. Und wenn man dann noch feststellt, dass der “Kommentar” es bereits in verschiedenen einschlägigen Büchern geschafft hat, dann wird diese Besorgnis vor einem Löschen erst recht skurril.

Und ich hätte es dabei bewenden lassen, wäre nicht die dritte gleichlautende besorgte WhatsApp-Nachricht eingetroffen. Daher schrieb ich auch allen dreien zurück, teilte denen die Ergebnisse meiner Recherche mit und bat diese Mitmenschen mich aus deren AfD-Filterblase heraus zu halten. Dass ich dann von zweien per Ankündigung geblockt wurde und der dritte mir empfahl zu chillen, das hatte mich dann allerdings nicht wirklich weiter tangiert.

Wesentlich mehr hatte es mich dann berührt, dass ich am gleichen Nachmittag beim Aufbrechen aus einem Kaffeehaus mitbekam, wie eine Frau einer anderen Frau an deren Tisch diesen “Kommentar” vorlas, während das Kind daneben die Frau kurz darauf unterbrach und krähend ihr die “Momo”-Nachricht von deren Smartphone hinhielt. Zu soviel erregter Besorgnis – direkt akkumuliert an jenem Tisch – fiel mir nichts mehr ein. Außer: es ist wieder Wahlkampfzeit.

Link: Peter Gabriel: We do what we’re told (Milgram’s 37)

 

Wenn Sie in einem Aufzug sterben, achten Sie darauf, den Auf-Knopf zu drücken.

“Du dort, an dem Heidefelsen! Ich bin’s, Kati. Lass mich rein, durch dein Fenster.”

Erschöpft von der Wanderung an dem Felsen in der Heide war er kurz eingeschlafen. Ein kalter Wind wehte ihm Regengischt ins Gesicht. Es dämmerte, der graue Himmel tauchte die Landschaft in unwirklich graues Licht. Die Orientierung war ihm schon lange verloren gegangen. Er ärgerte sich, dass er sein Smartphone zum Anhören eines Hörbuchs genutzt hatte und beim Zuhören vergaß, dass er es noch zur Orientierung mittels einer Karte benötigt hätte. Erst als er bemerkte, dass er sich in der Heide verlaufen hatte, war es zu spät. Sein Smartphone schaltete sich ab. Eine Powerbank hatte er nicht mitgenommen, um notfalls den Akku aufladen zu können. Während er seine Nachlässigkeit bereut hatte, versuchte er sich an Steinen und Sträuchern zu orientieren, wo diese Moos führten und wo daher Westen sein könnte. Irgendwann, als der Himmel sich endgültig zugezogen hatte und zusätzlich zu dem scharfen Wind noch ein Sprühregen einsetzte, traf er auf einer Anhöhe den Felsen, der ihm Schutz vor den Regen gab. Er hockte sich leeseitig am Felsen. Er schwitze leicht unter seiner Windbreaker-Jacke und wollte nur ein wenig verschnaufen. Er blickte runter auf die Ebene und versuchte Hinweise auszumachen, die ihm die weitere Richtung weisen könnten. Aber der graue Himmel hing bis auf den Boden und der Sprühregen tat sein Übriges dazu, dass er nichts erkennen konnte.

“Du dort, an dem Heidefelsen! Ich bin’s, Kati. Lass mich rein, durch dein Fenster.”

Er war aufgeschreckt. Fenster? Er blickte um sich, aber da war kein Fenster. Er saß weiterhin am Felsen, die Sicht war schlechter geworden und sein Windbreaker war wohl doch nicht so gut, wie ihm der Verkäufer im Outdoor-Geschäft versprochen hatte. Er fühlte, dass sein Schweiß und die Feuchte des Regens, die in seinem Kragen herunterlief, in seinem Thermohemd eine unseelige Partnerschaft eingegangen waren.

“Kati? Katarina?”, murmelte er, “Katarina bist du’s?”

“Ich bin’s, Kati. Laß mich rein, durch dein Fenster.”

“Hier ist kein Fenster, Kati. Was machst du hier, Katarina?”

“Was machst du hier?”

“Ausruhen, Kati, ausruhen. Ich hab mich wohl verlaufen,” er lachte ein wenig und es klang verzweifelt, “ich, der immer behauptete, man solle ein Buch nehmen, wenn man dem Alltag entfliehen möchte. Ich hatte ein Hörbuch mitgenommen, jetzt habe ich dafür keine Karte mehr.”

“Bücher sind dafür da, um den Lesenden mit anderen Möglichkeiten im Leben vertraut zu machen. Für die Bildung, fürs Leben. Lebe in Übereinstimmung mit deiner Natur und verwirkliche deine Möglichkeiten.”

“Fängst du wieder mit den inneren Werten an, Kati? Darüber haben wir doch ausdauernd diskutiert. Die Sanftmütigen und die Großherzigen sind im Grunde selbstgerechter als die Tyrannen. Ihr jedoch strebt innerlich immer nach den Erhabensten.”

“Und Ihr immer nach Prunk und Gehabe.”

“Wir handeln aber immerhin in Übereinstimmung mit den Forderungen anderer! Und das ist unser Gott, unser Alpha und unser Omega. In aller Bescheidenheit gesagt.”

“Sei nicht so bescheiden, denn so eine großartige Person bist du nun auch wieder nicht.”

“Was du nicht sagst. Es macht dir wohl noch immer Spass, über unser christliches Abendland zu lästern?”

“Lästern? Der Holocaust lässt grüßen. Aber auch die Mongolei des WW2s, wo Menschen bei lebendigem Leibe gehäutet wurden, um sie mit Feuer und Salz zu foltern. Oder die amerikanischen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki vor über 70 Jahren. Deren Hitze zerstört die oberen Hautschichten und legt die Nerven blank. Deswegen laufen verbrannte Menschen breitarmig und breitbeinig durch die Gegend. Das Feuer dieser Bomben hatte bereits bei ihnen Höllenqualen ausgelöst. Ein weitere Kontakt auf der Haut würde das bereits quälende Gefühl, immer noch lichterloh zu brennen, verstärken. Feuer auf Menschen zu werfen ist die brutalste Qual für Menschen.”

“Du beschreibst Dantes Inferno.”

“Oder die Bilder von Hyronimus Bosch. Oder die Bilder der Bomben in Vietnam, Afghanistan, die Straße des Todes im Irak, Syriens Feuerbomben und so weiter, wo Menschen Kriege führen. Oder die andere Art des Tötens in Ruanda. In Ruanda wurden manche sofort getötet, anderen wurden die Achillessehnen durchtrennt, um die nun Hilflosen später langsam unter langen qualvollen Schmerzen zu töten. Oder heutzutage, wenn Menschen im Mittelmeer dem Ertrinken überlassen werden, wenn Drohnen oder hochtechnisierte Bomberstaffeln Feuer und Verderben den Feinden bringen.”

“Wie schön, dass uns die Reporter nicht mit Details über das Sterben der Menschen versorgen.”

“Wenn dann andere – wie deren exemplarischer Vertreter Donald Trump – gegen Reporter als Vertreter einer angeblichen ‚Lügenpresse‘ mit deren ‚Fake News‘ überbordend zürnen dürfen, dann ist das okay. Es scheint, als sei die Welt in gute und böse Menschen aufgeteilt. Die Guten schlafen besser, während die Schlechten die wachen Stunden viel mehr zu genießen scheinen, weil sie diese Stunden dann für deren Taten nutzen.”

“Kati, hör mir endlich mal zu: Warum tötet der Mensch? Er tötet, um zu essen. Und nicht nur, um zu essen: Häufig muss es auch ein Getränk dazu geben. Bei Gott, ich schwöre, Geld ist besser als Armut, schon allein aus finanziellen Gründen.”

“Dein ach-so-mächtiger Gott. Also schnell ein Gebet an ihn, nicht wahr, und alles wird sich ändern. Jedoch immer nur bei den anderen, die sich nicht dir entsprechend verhalten. Ein Vater, der Ausschwitz zulässt, hat nicht verdient, dass ein Kind ihm zuhört, oder? Warum ist überhaupt ein Gebet notwendig? Gott ist doch allwissend. Er müsste doch von dem detaillierten Übel besser Bescheid wissen, als alle Reporter dieser Welt zusammen.”

“Was willst du von mir, Katie? Was habe ich dir getan?”

“Diese deine Diskussionen, dein ewiges Das-wird-man-wohl-noch-sagen-dürfen, das hat mich getötet. Immer ein wenig mehr. Tag für Tag. Ich gebe sie dir zurück. Zu meiner Entlastung.”

“Kati, so verstehe doch! Du bist nicht so wie diese Gutmenschen. Du bist meine Kati. Meine Katarina.”

“Du sagtest vorhin, du hättest ein Hörbuch auf deinem Smartphone angehört?”

“Um ein wenig der Welt zu entfliehen, ja. Um abzuschalten beim Wandern. Wuthering Heights.”

Wuthering Heights? Dann hast du sicher auch das folgende gehört, oder? Erinnere dich. Lass es mich für dich rezitieren:

Catherine Earnshaw, mögest du dich nicht ausruhen, solange ich lebe. Du hast gesagt, ich hätte dich getötet – verfolge mich dann. Die Ermordeten verfolgen ihre Mörder. Ich glaube – ich weiß, dass Geister über die Erde gewandert sind. Sei immer bei mir – nimm jede Form an – mach mich verrückt. Nur lass mich nicht in diesem Abgrund, wo ich dich nicht finden kann! Oh Gott! Es ist unaussprechlich! Ich kann nicht ohne mein Leben leben! Ich kann nicht ohne meine Seele leben!

Du erinnerst dich? Erinnerst du dich? An was erinnert es dich?”

Er erinnerte sich. Mehrfach hatte er während dieses Gesprächs um sich geblickt, um zu sehen, wo sie war, von wo sie aus zu ihm sprach. Aber er sah sie nicht. Hinter sich war lediglich der mächtige, regenfeucht glänzende Heidefelsen, wie er sich klar gegen den immer dunkler werdenden Himmel abzeichnete. Aber keine Katarina.

“Kati, ich hab noch eine Flasche Lambrusco im Wanderrucksack. Ich hatte ihn in einem Kühlakku gepackt gehabt.”

Er musste bei diesen Worten innerlich lachen. Den Kühlakku hatte er mitgenommen, dabei reichte das jetzige Wetter allein schon aus, um den Lambrusco richtig zu temperieren. Er öffnete den Rucksack und holte die Flasche heraus. Sein Blick fiel auf den Kühlakku. Ihm wäre eine Powerbank für den Smartphone-Akku jetzt lieber.

“Willst du einen Schluck? Wein direkt vom Erzeuger aus der Region Emilia-Romagna importiert. Ich habe ihn vorgestern erst erhalten. Frisch abgefüllt.”

Er drehte den Verschluss der Flasche auf und hielt die Flasche anbietend von sich weg. Ob sie das Angebot annehmen würde? Dann würde er sie sehen, dann würde sie aus ihrem Versteck hervorkommen und er könnte sie bestrafen, dafür dass sie wieder mit diesen bereits ausdiskutierten Themen anfing und ihn nervte.

Er wartete. Nichts regte sich. Er beschloss selbst einen Schluck zu nehmen. Der Wein war prickelnd, kühl. Aber auch seine Hand war bereits durch die kalte Flasche abgekühlt. Er spürte den Regen, wie er als Rinnsal seinen Unterarm entlang in seine Kleidung hinein lief.

“Kati, willst du einen Schluck?”

“Du dort, an dem Heidefelsen! Ich bin’s, Kati. Lass mich rein, durch dein Fenster.”

“Kati, hör auf mit dem Quatsch. Du musst sehen, wie die Welt wirklich ist, Kati. Du bist doch nicht wie die anderen. Durch Schmerz und Einsicht geläutert, vermögen Menschen manchmal von den nichtigen Dingen des Daseins loszukommen. Aus Schaden wird man klug und Leid formt den Charakter immer in positiver Weise. Wer dem Leid flieht, wird nichts. ‘Per aspera ad astra’ wie der Lateiner zu sagen pflegt: Durch Ungemach zu den Sternen. Survival of the fittest, Kati. Diese Ansichten sind nicht neu, es hatte sie bereits vor dem Mittelalter gegeben. Du kannst es nachlesen.”

“Ja, ich weiß. Und diese Beschreibung wurde vom mittelalterlichen Klerus als Warnung vor dem Ende der Welt interpretiert. Und alle waren danach sehr enttäuscht, als der Montag ankam und man wieder arbeiten musste.”

“Kati, spotte nicht. Du bist selbstgerecht. Ungerecht. Unerfahren. Erinnere dich an uns in Venedig. Willst du einen Schluck vom Lambrusco? Katarina? Willst du?”

Er streckte seinen Arm mit der Flasche wieder aus. Sein Hand fühlte sich eisig an. Er spürte, die Kälte aus seiner Hand den Unterarm erobern, den Ellenbogen passierend, seine Schulter erreichend.

Eine kleine feine Klaviermusik ertönte. Eine hohe Stimme dazu singend vernahm er. Neben ihm. Eine eindringlich Stimme. Er verstand sie nicht, konnte die Worte nicht zuordnen. Es kam aus seinem geöffnetem Rucksack, den er neben sich stehen hatte. Sein Blick wanderte hinein in dessen Dunkelheit, tastete sich an dem gegerbten Rindsleder entlang, nach unten, immer tiefer und ganz unten sah er seinen alten MP3-Player. Das Display leuchtete gelb-orange, eine halbe Iris konnte er erkennen, japanische Schriftzeichen und eine Frau, die sich an dem Holzgestell eines riesigen Papier-Flugdrachen festhielt und aussah, als ob sie an einem Kreuz hing. Aber jene hing dort herausfordernd, lasziv. Er glaubte einen Tritt in sich tief drinnen zu verspüren. Kate? Kati? Katarina?

“Lass mich dir deine Seele wegnehmen. Ich bin’s, Kati. Komm nach Hause. Mir ist so kalt. Lass mich rein, durch dein Fenster.”

Schwarze Schriftzeichen erschienen auf dem Display. Auch dieser Akku hatte sich wohl geleert. Das Gerät fuhr herunter. Das Display verlöschte. Der MP3-Spieler wurde stumm. Der Regen drang in seinem Rucksack und bedeckte das Display vollständig.

Er rutschte etwas zurück und lehnte sich an den Heidefelsen. Den Lambrusco weiterhin von sich gestreckt haltend starrte er hinaus in die dichter werdende Dunkelheit.

“Kati? Katarina?”, murmelte er fast unhörbar, “Kate, bist du’s?”

Lunatic

“Schauen Sie, das hier ist unser Premium-Park mit Flussläufen und Wellness-Garantie. Für die Auszeit von der Hektik des Alltags. Mit ungehindertem Blick zum Nachhimmel. Eine 400 Hektar Oase.”

“Das sind ja mehr als der Englische Garten in München.”

“Und sicherer. Wir achten darauf, dass sich jeder dort wohlfühlen kann. Grasflächen, Bäume, Pflanzen und kleine ungefährliche Nagetiere wie Eichhörnchen, Häschen, Meerschweinchen und so weiter.”

“Und warum sind Sie so sicher, dass ihr Park der sicherste der Welt ist?”

“Am Eingang erhält jeder eine Eintrittskarte, welche einen NFC-Chip enthält. Damit lassen sich bei uns in der Hauptzentrale – wir nennen es unser “Doktor-Feel-Good-Center” – die Position von Personen übermitteln. Einzelne Spanner und andere bedrohliche, suspekte Individuen beim Versuch, ihre niederen Instinkte auszuüben, sind somit sehr leicht zu identifizieren und zu isolieren.”

“Sie sehen Einzelpersonen als Gefährder an?” Weiterlesen

Ertrage die Clowns (10): Über Rough Music, Halali, Horrido und das erfolgreiche Ende eines Haberfeldtreiben

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Bei “Rough music” handelte es sich um einen Begriff, der in England gebräuchlich war. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts diente der Ausdruck eine lautstarke Kakophonie, genutzt um Spott oder Beleidigungen gegenüber Einzelpersonen auszudrücken, welche beschuldigt wurden, gewissen Normen einer Gesellschaft nicht respektiert zu haben.“Rough music” war eine Form der Manifestation mit Strafcharakter gegen diejenigen, die die aktuellen Normen des Gemeinschaftsverhaltens missachten. “Rough music” konnte wegen verschiedenen Umständen realisiert werden: kleine Diebstähle unter Nachbarn, Ausdruck der Missbilligung einer richterlichen Entscheidung, gegen unbeliebte Mitarbeiter, gegen die Polizei, gegen Informationsträger, gegen Leichendiebe, gegen Rekrutierer, gegen unpopuläre und mormonische Prediger, aufgrund ungerechter Entlassungen, gegen die Vertreibung einer Familie aus der Hütte des Arbeitgebers, usw. “Rough Music” zeigte sich als rauer Lärm, ohrenbetäubendes Gelächter und obszöne Pantomimen den zu Bestrafenden gegenüber.

Die britische “Rough Musik” hatte seine Entsprechungen in Frankreich als “Charivari”, in Italien als “Scampanate”, in Bayern als “Haberfeldtreiben”, in nördlicheren deutschen Gefilden als “Thierjagen”. Der Begriff “Katzenmusik” hat seine Ursprünge in der Anwendung ebenfalls daher. “Haberfeldtreiben” und “Thierjagen” gehören nicht zu den Ruhmesblättern der deutschen Geschichtsschreibung, weswegen dazu auch nicht viel zu finden ist. Weiterlesen

Kneipengespräch: Dumm gelaufen, Ehrlicher!

C360_2013-12-12-17-12-54-529_DxO_thumb.jpg

Er brabbelte vor sich hin. Nicht laut, aber störend.

“Hey, kannste mal damit aufhören, hier rumzubrabbeln?”

Er stirrte mich verwundert an. Wahrscheinlich schon im Dilirium Tremens. Ich seufzte und wollte mir gerade das nächste Kölsch bestellen, als er loslegte:

“Alles Clowns, alles Clowns. Alle miteinander. Sie schwätzen dir das Rosarote vom Himmel und wollen es dir als Sonnenaufgang verkaufen.”

“Stattdessen ist es wohl nur dein aufgehender Säufermond, woll”, versuchte ich zu kontern.

“Stell dir vor, heute hat man mir in der Firma erklärt, ich sei zu alt und zu erfahren für eine andere Position. Man würde lieber jemanden Jüngeren die Chance geben. Die wäre noch formbar, auch wenn sie keine Erfahrung hat.”

In meiner Tasche kramte ich nach den Ohrenstöpseln, die ich mir am Nachmittag aus einem Krankenhaus habe mitgehen lassen. WO hatte ich die nochmals hingesteckt? Innentasche der Jacke? Oder Außentasche? Weiterlesen

Die Hoffnung stirbt zuletzt …

“Ausgeschieden.“

“Wie ‘ausgeschieden’?”

“Halt ausgeschieden.“

“Aber die spielen doch noch mal, oder?”

“Nein.”

“Wenigstens um Platz 3, nicht wahr. Die haben mindestens doch immer um Platz 3 gespielt.”

Weiterlesen

Wenn der Löw die Meinung des Volkes repräsentiert

Ich grinse. Ich grinse altersdebil. Muss so sein. Ich bin nun mal alt. Zu alt. Ü50. Gnadenlos alt. Arbeitstechnisch den Abstellgleisen zugedacht.

Als ich 20 war, habe ich übelst über die 50-jährigen gelästert. Ahl Männer, aalglatt. Vielleicht war es damals ein Bonus gegenüber den Jüngeren, den U20, um zu zeigen, dass man mit Ü20 besser wäre.

Und heute? Das gleiche. Immer. Insbesondere, wenn man m eigenen Leben bewusst zwölf Weltmeisterschaften der Fußballabtreter miterlebt hat. Damit meine ich mich selber und zwar nur mich immer vor mir der Fernseher (analog bis digital).

Jogi Löw. Der erfolgreiche Weltmeistertrainer. Damals vor vier Jahren im Maracana. Jenem Stadion, Tempel des Fußballs, Gotteshaus des Fußballs. Dort, wo bereits Tina Turner ihren legendäre Rock’n-Roll-Gottesdienst als hingebungsvolle Hymne an die Rock-Musik abhielt. Damals in jenem vergangenen 20. Jahrhundert. Sex, Drugs and Rock’n Roll. Bis es im 21. Jahrhundert wiederentdeckt wurde: als Wein, Weib und Gesang. In der weichgespülten Version, reinkarniert mittels Helene Fischer. Und dann vor vier Jahren die WM in Brasilien: das Hochamt der ehrfürchtigen Fußball-Jünger, atemlos, durch die Nacht begleitet vom Dickicht der TV-Verträge verschiedener Fernsehstationen. Weiterlesen

“Bio” or not to “Bio” oder: Deutsch für Anfänger

“Guten Tag, haben Sie noch einen Platz frei beim Public Viewing am Sonntag Abend?”

”Name?”

“Patricia da Silva.”

“Nationalität“?”

“Brasilianisch.”

“Sie sprechen aber gut deutsch.” Weiterlesen

Ertrage die Clown (9): Über Grautiere, Mohrrüben und wer den Karren aus dem Dreck ziehen soll …

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

In einem Land vor unserer Zeit – und das sagten mir wissende Leute im ehrlichen Brusttone der felsenfesten Überzeugung – muss es wohl geklappt haben, dass man eine an einem Stecken gebundene Mohrrübe dem einfachen Esel vor der Nase hielt und das Grautier dadurch animierte, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, welchen der Kutscher vorher angerührt hatte, um andere zuvor durch selbigen zu ziehen.

Heute soll das ja nicht mehr funktionieren. So sagt man. Oder zumindest jeder von sich und über sich. Denn niemand lasse sich mehr vor einem Karren anderer spannen. Solle doch jeder selber zusehen, aus den Dreck zu kommen, in dem er bis zum Halse drin sitze. Eigenverantwortung. Und dabei ist es auch komplett egal, ob Dreck in der eher appetitlicheren Farbe wie “braun” angerührt wurde und ob der Dreck jemandem anderen als Schokolade mit 85% Kakaoanteil … also, Kakao gestreckt mit 15% Schokoladen … wohl angemerkt, der besser-als-andere-seiende-Bürger rümpft beim Wort “Verschnittwein” aristokratisch das feine Näschen, verlangt es ihm doch lieber nach einem guten “Cuvee”, was er sich auch gerne teuer zu stehen kommen lassen mag … also, um zu den angefangenen Satz von vorher zurück zu kommen, dass es also komplett egal ist, ob sich jemand durch den Kakao ziehen lässt, wenn er sich dabei nur das Recht ausbittten lassen darf, aus selbigen auch noch zu trinken.

Weiterlesen

Haarige Angelegenheit

“Der Rudi is a Saukerl! Der Rudi is a Saukerl!”

“Wieso? Was hat er denn gemacht?”

“Er hat meiner Nachbarin die Haare verfärbt. Total verfärbt. Der Rudi, der Saukerl!”

“Sieht Sie jetzt aus wie ein Wellensittich?”

“Naaa, eher wie die Brigitte Bardot. Und all die Schnitten vom Dorf stehen bei der Schlampe nu Schlange.”

“Auch der GTI-Günther?”

“Der auch.”

“Der Porsche-Heinz?”

“Nicht nur dieser Depp.”

“Na, das ist aber blöd.”

“Eben. Gestern hat der Ferrari-Luigi mich noch zum Briefkasten chauffiert und jetzt? Jetzt parkt der heute Vormittag bei meiner Nachbarin!”

“Ja, so ein Arsch!”

“Unglaublich! Und wie soll ich jetzt zum Tenniskurs? Mit meinem Fahrrad?”

“Leg doch deinen Kurs auf den Abend, dann kann dich nach dem Feierabend doch dein Mann fahren.”

“Naaa, das geht nicht, da muss ich meinem Beruf als Hausfrau doch nachgehen, sonst wird mein Mann wieder fuchsteufelswild und ich habe wieder blaue Flecken und kann nicht Tennis spielen. Der Rudi is a Saukerl! Der Rudi ist einfach a Saukerl!”

Des einen Tod, des andern Brot

Omma ist tot. Einfach so. Herzinfarkt. Direkt im Beichtstuhl. Einfach umgekippt. Bums. Tot. Der Pastor konnte nur noch den Tod von Omma feststellen.

Er hatte dann die Aufgabe, die Angehörige zu benachrichtigen. Dreizehn Briefe in sieben Bundesländern mit drei Kreuzen auf dem Umschlag. Zudem ging er zu dem von Omma erklärten Notar. Dieser verschickte den Termin zur Testamentseröffnung, der einen Tag vor der Beerdigung sein sollte.

Der Bischoff, der gerade zu einem Besuch beim Pastor verweilte und über das letzte Abendmahl referierend mit der kirchlich organisierten Seniorenbetreuungsgruppe in einer Konditorei saß, zeigte sich erschüttert. Jedoch äußerte er auch sofort, dass es allein Gottes weiser Ratschluss gewesen sei, nach der vollzogenen Beichte diese gutmütige und herzensgute Omma zu sich zu berufen. Und man solle sich an der Gläubigkeit der Omma ein Beispiel nehmen. Denn er hatte erfahren müssen, dass Missgunst um jene beschützenswerte und gottgesegnete Omma geherrscht haben soll und der Pastor ihr edel, mutig und gottesfürchtig immer beigestanden habe.

Zwei Tage nach dem Verschicken der Briefe tauchte die Verwandtschaft auf. Sie war überrascht, dass die Beerdigung binnen vier Tagen geschehen sollte. Ein Abschied von der Verstorbenen am Sarg hatte der Pastor in der Aussegnungshalle angesetzt. In der Andacht sollte die vom Herzinfarkt dahin geraffte Omma aufgebahrt werden und nach der Andacht könne jeder persönlich Abschied nehmen. Weiterlesen

Das Angebot von gestern

Das ultimative Angebot: …

“Sie wollen einen Job?”

“Ich könnte es mir vorstellen.”

“Sind Sie qualifiziert?”

“Aber so etwas von. Da werden sich alle Ihre Fingerchen nach lecken.”

“Schön.”

“Ja. Und?”

“Ich hätte gerne von Ihnen ein Kurzprofil und den Lebenslauf. Aber anonymisiert.”

“Wie?”

“Anonymisiert.”

“Häh?” Weiterlesen

Ertrage die Clown (8): Zur Lage der Nation

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

 

Die beiden letzten Fußballspiele der deutschen Nationalmannschaft vor der WM? Und das ohne deutschen Bundespräsidenten? Und wen kümmert’s? Egal.

 

Danke für das Weglesen dieses meines Blogeintrages.

Herzlichst

Careca

Unter einem Schutz und Schirm

Liebe Fluggesellschaft,

ich habe deine Email erhalten und ich bin begeistert: so bunt, viele Buchstaben und tolle Bilderchen! Und du hast mir ex pressis verbis geschrieben, dass du meine Daten schützen wirst. Einerseits weiß ich, dass du mir diese Email doch nur aufgrund der Datenschutzgrundverordnung DSGVO schickst. Aber andererseits finde ich es einfach nur klasse, dass du für den Schutz meiner Daten jetzt sogar bis zu den höchsten Gerichten dieser Welt klagen wirst, wenn wieder diese  regierungsstaatlichen Datensaugerorganisationen wie NSA (USA), GAB (China), GCHQ (UK), BR BRENS (FR) oder BND (BRD) bei euch im Computersystem rumstöbern. Da fühl ich mich rundum gesichert. Das muss ich hier mal deutlich sagen.

Gesichert. Und zwar genau so sicher wie bei dem Polizeiaufgabengesetz Bayerns, gegen dem nur irgendwelche dahergelaufenen Strolche, lebend in Bayern und wohlmöglich auch noch irgendwelche Zuàgroàsdà („Zugereiste“), Weiterlesen

Kneipengespräch: Der Sabbernde gärt voll Odium.

Tresen 0

“Doris sagt: ‘Geh voraus, Otto’.”

“Wie?”

“Du siehst grundsätzlich vögelnde Organe.”

“Häh?”

“Donnerstag schreibt Günther versaute Orthografie.”

“Herr Oberspielleiter! Nehmen Sie dem Knilch mal das Kölsch weg! Der dreht hier unrund!”

“Diese Sachlage gibt verdammte Ordnung.”

“Tickst du nicht mehr ganz sauber?”

“Ich versuche nur diese dusselige Abkürzung zu entschlüsseln. ‘DSDS’ musste ich vier Wochen lernen, ‘GNTM’ einen ganzen Monat und für ‘IBESHMHR’ brauchte ich zweimal vierzehn Tage. Und dann erst ‘MUSIDWNIOUISIDIMW’, das war hart.” Weiterlesen

T-Shirt gesucht

Zum Muttertag (zwei Tage nach dem Freitag, dem diesjährigen 13. Mai) will ich ein spezielles T-Shirt an eine Bekannte verschenken.

Bei dem T-Shirt handelt es sich um jenes, welches Gerburg Jahnke im nachfolgenden Video trägt.

Für sachdienliche Hinweise in den Kommentaren bin ich sehr dankbar. Weiterlesen

Kneipengespräch: Postfaktische Ostereier

Tresen 0

“Und?”

“Genau.”

“Aber?”

“Ich habe es noch nicht verstanden.”

“Dem Manne kann geholfen werden. Herr Oberspielleiter, ein Kölsch für den Grübler an meiner Seite!”

Der Wirt blickte nur kurz auf, polierte eine Kölsch-Stange, füllte sie und schob sie neben dem anderen halbvollem Kölsch und widmete sich danach einer anderen Stange.

“Bassemauff. Da ist auf der einen Seite der US-Milliardär Robert Mercer”, er schob das volle Kölsch direkt neben dem halbvollem, “und da ist Cambridge Analytica und so”, er nahm das volle Glas, schüttete etwas in das halbvolle. Von dem nun aufschäumenden fast vollem Glas schüttete er wieder etwas in das jetzt dreiviertel Volle. Beide schüttelte er noch vorsichtig und schon schauten die Kölsch wie frisch gezapft aus, “und beide sollen die amerikanische Wahl beeinflusst haben?”

“Ja”, der andere schaute auf die beiden schäumenden Kölsch-Stangen, “die haben über Facebook die Wähler manipuliert.”

Weiterlesen

Wenn am Karfreitag die rote Sonne nie mehr versinkt …

“Könnten Sie bitte mal aus meinem WLAN rausgehen?”

“Wie bitte?”

“Sie stehen in meinem WLAN. Ich habe keinen Empfang und warte auf eine wichtige Nachricht von meiner Familie.”

“Ich stehe in Ihrem WLAN? Wie soll das denn bitteschön gehen?”

”Da! Sie haben gerade einen Schritt zur Seite gemacht und jetzt hab ich wieder WLAN. Könnten Sie bitte so stehen bleiben?”

“Ich glaube, Sie sind wohl ein wenig verpeilt, oder?”

Weiterlesen

Ein Stück vom Himmel

Immer wieder Sonntags kommt die Erinnerung. An den Montag. Es ist wohl der unbeliebteste Tag in der Arbeitswelt. Donnerstage und Freitage sind genau in jener Reihenfolge deutlich beliebter. Würde man jetzt daraus folgern, alle Werktage zu Freitagen zu deklarieren, es würde das Glücksempfinden vieler Menschen nicht wirklich steigern. Der Freitag lebt vom Samstag und der Samstag von der Fama des Sonntags, an dem der Weltenschöpfer seinen Kummer über das Vergessen der Abgabe seines Lottoscheins in billigen Messwein ersäufte. Und nicht, weil er etwa “Das Wort zum Sonntag” sah und dabei ins Koma fiel.

Und was passierte so in der Zwischenzeit? Also zwischen Vollrausch und Ausnüchterung? Ein Blick ins Internet hilft stetig weiter. Keine Nachricht, dass Aliens mit Zwillen wieder hässliche Steinsbrocken auf die Erde abschossen hätten und diese wieder mal nur knapp verfehlten. Die Sonntags-Presse kann also nicht mit exklusiven Bildern vom Weltuntergang schocken. Also bleiben nur Bilder aus Syrien.

Andererseits: Weiterlesen