Kneipengespräch: Der brutal negative Einfluss der Mainstream-Medien

Koelsch

»Endlich ist es mal vorbei, mit diesen Corona-Trendgequatsche.«

»Wie bitte?«

Mein Thekennachbar schaute mich fragend an, während mir der Wirt ein neues frischgezapftes Kölsch vorbei brachte.

»Ich sagte, endlich ist es mal vorbei, mit diesen Corona-Trendgequatsche.«

»Und ich sagte, wie bitte?«

Ich schaute ihn irritiert an: »Wollen Sie mich provozieren?«

»Ich trinke hier nur meinen Kaffee«, sagte er und rührte in seiner Tasse. Daneben stand ein Glasfläschchen. Er öffnete es und schüttete kleine Kügelchen in seinen Kaffee. Und rührte wieder um.

»Süßstoff?«, fragte ich.

»Nein. Globuli. Arsenicum album.«

»Arsenicum album? Leiden Sie unter Magenbeschwerden, Durchfall oder Erbrechen?«

»Nein. Ich habe die von meiner Frau. Diese Kügelchen sind wunderbar zum Süßen von Kaffee.«

»Ist das nicht teuer?«

»Jetzt, wo Sie es sagen, fällt es mir auf. Aber meine Frau kauft es Dutzendweise.«

»Zum Süßen von Kaffee?«

»Nein, gegen Magenbeschwerden, Durchfall und Erbrechen.«

»Was hat sie? Ich hoffe doch nichts gefährliches.«

Er legte seinen Löffel beiseite, ergriff seine Tasse nahm einen Schluck, verweilte einen Moment, setzte die Kaffeetasse ab, schraubte den Deckel vom Glasfläschchen ab und schüttete nach.

»Sie hat durch eine Nomophobie-induzierte Heterophobie gepaart mit derealisationsähnlichen Symptomen.«

Er bemerkte meinen fragenden Blick.

»Ihr Arzt hat das diagnostiziert und weil sie Magenbeschwerden, Durchfall und Erbrechen hatte, verschrieb ihr der Arzt Arsenicum album.«

»Und es wirkt?«

»Anscheinend. Die Symptome Magenbeschwerden, Durchfall und Erbrechen, die sie immer wieder tendenziell bemerkte, die seien wohl vorbei, meint meine Frau. Seitdem soll ich ebenfalls – vorbeugend – täglich ein paar Globuli einschmeißen, damit ich nicht auch Auswirkungen ihrer Nomophobie-induzierten Heterophobie gepaart mit derealisationsähnlichen Symptomen bekomme.«

»Haben Sie dieses Nomophobie-Symptom-Gequatsche auswendig gelernt?«

Er antwortete zuerst nicht, sondern rührte wieder seinen Kaffee um. Dann blickte er mich an und meinte: »Der Glaube versetzt Berge und die Globuli machen den Kaffee süß. Und immer wenn ich in einer Kneipe bin und Stammtisch-Luft schnuppere, schütte ich etwas davon in meinen Kaffee. Als ihr Wort ‚Corona-Gequatsche’ fiel, merkte ich mal wieder, wie sie wirken.«

Ich hatte nicht genau verstanden, was er meinte: »Was bitte?«

»Es wirkt gegen ‚Corona-Gequatsche‘-Ansichten.«

»Sie wollen sagen, ich rede Quatsch?«

»Ihre Worte.«

So ein Arsch, ging es mir durch den Kopf. Wenn solche Menschen denkfaul sind, dann sollten die sich mit solch einer dümmlichen Meinung zurück halten. Ich ergriff mein Kölsch und nahm einen Beruhigungsschluck. ‚Corona-Gequatsche‘, das war doch nur ironisch sarkastisch mit einem Schuss Ernsthaftigkeit gemeint. Das war doch eindeutig witzig, humorvoll. Was glaubte der eigentlich, wer er ist? Einer dieser Pseudo-Informierten?

»Und was meinen Sie genau mit ‚Corona-Gequatsche‘-Ansichten?«

»Genau das, was ich gesagt habe. Nicht mehr und nicht weniger.«

»Aha.«

Ich drehte das Kölsch auf meinem Deckel. ‚Corona-Gequatsche‘-Ansichten. Soso. Man kann sich zwar seine Stammkneipe aussuchen. Nur Gäste, die darf man leider nicht sich vorher aussuchen. Und erst recht nicht Sitznachbarn.

»Ich finde, dass in dieser Hochwasserkatastrophe, der Staat gründlichst versagt hat, wissense. Die ganzen Politiker, die gehören alle mit ihren Hochwassertourismus in dem Schlamm eingebettet, den die selber nicht wegräumen wollen.«

Er blickte von seinem Kaffee hoch und sah mich an. Ich rümpfte die Nase ein wenig, um ihm mitzuteilen, dass das Fakt sei. Dass die Politiker einen absolut schlechten Job in der Hochwasserkatastrophe gemacht hatten. Da war verdammt viel Luft nach oben, den Raum, den sie nicht fähig waren, mit Kompetenz auszufüllen.

»Wenn Sie meinen.«

»Ja, meine ich. Haben Sie nicht die vielen Interviews dieser Selbstdarsteller gesehen? Kaum richtet ein Kamera-Team die Objektive und Mikrofone auf sie, da werden sie ach-soooo mitfühlend in ihren nigelnagelneuen Gummistiefeln. Richtige Empathie-Monster. Dabei imitieren die doch bloß.«

»Aha.«

»Ja. Aha. Genau. Man muss sich diese Selbstdarsteller mal genau anschauen in diesen Mainstream-Medien. Diese gebührenfinanzierten Öffentlich-Rechtlichen und die Politiker arbeiten doch Hand in Hand. Clericus clericum non decimat.«

»Aha. Sie hatten Latein in der Schule, oder? Humanistisches Gymnasium, wa?«

»Das heißt für Sie übersetzt: die eine Krähe hackt der anderen Krähe kein Auge aus.«

»Das heißt das sicherlich nicht.«

»Woher wollen Sie das wissen? Hatten Sie Latein?«

Er lächelte leicht spöttisch und rührte in seinem Kaffee. Der Wirt brachte mir ein frisches, neues Kölsch. Vier Striche auf meinem Deckel. Wenn es läuft, dann läuft’s.

»Nein, aber ‚clericum‘ hört sich eher nach Kirche an, statt nach Ornithologie. Obwohl, ist eigentlich das gleiche. Es geht auch der Kirche immer nur um klandestine Gelegenheiten zu Vögeln.«

»Hab ich übers Vögeln gesprochen?«

»Nein, aber über Klerikale. Ist das nicht eh das gleiche?«

Guter Versuch. Diese Strategie von ihm. Whataboutism in Reinform. Immer ablenken und andere themenfremde Themen zum Hauptthema machen. Tintenfischtaktik. Vernebeln bis zur Unkenntlichkeit. Er lächelte und ich versuchte zu kontern:

»Eben nicht. Wenn diese Selbstdarsteller in Katastrophengebiete sich von anderen Selbstdarstellern interviewen lassen, aber ansonsten keinen Handschlag tun, dann ist das pervers. Und dafür zahlen wir alle diese Zwangs-GEZ-Gebühren.«

»Die GEZ gibt es schon lange nicht mehr. Feindbild ‘GEZ’ ist sowas von Nuller-Jahre. In welcher Welt leben Sie?«

»Sie wissen, was ich meine!«

»Was meinen Sie denn?«

»Die Politiker tun gar nichts. Aber lassen uns zahlen. Immer. Immer nur wir. Die nie. Sondern stattdessen lassen sie uns Menschen allein und lachen auch noch hinterrücks, wenn sie meinen, man sähe sie nicht. So wie der lachende Laschet im Rücken vom selbstredenden Steinmeier. Aber wir, wir sind nicht blind, nicht wahr. Wir sehen es! Die absolute Dreistigkeit der Mainstreammedien ist es dann sogar, so etwas trotzdem zu senden!«

»Was hätten sie sonst machen sollen? ARD-Brennpunkt zu Laschets Lach-Flash? Halbstündige Sondersendung im ZDF? Und Steinmeier dann auffordern, seine Rede nochmals zu halten, während Laschet nicht mehr hinter ihm stehen darf?«

Ich hatte das Gefühl, der Typ legte es drauf an, mich vorsätzlich wegen meiner begründeten Meinung zu provozieren: »Was Sie da reden ist doch Quatsch! Wegen Menschen wie Sie trauen sich doch immer weniger Menschen ihre Meinung zu sagen! Menschen wie Sie sind die nützlichen Idioten der Mainstreammedien«, blaffte ich ihn an.

»Na, immerhin besser nützliche Idioten als unnütze Idioten, nicht wahr?«, antwortete er und lächelte maliziös. Erneut provozierend.

»Ach ja? Gäbe es die vielen Menschen nicht, die unentgeltlich jetzt in den Hochwasserkatastrophenregionen helfen, dann würden die armen Bewohner der Gegenden weiterhin in ihrem Dreck stecken und leiden. Der Staat aber tut nichts. Stattdessen lässt er von sich Hochglänzbilder und -videos fürs Abendprogramm seiner Medien-Vasallen zwischen Salzgebäck und Bier präsentieren. Statt sich mal mit den Betroffenen zu unterhalten und deren Sorgen und Nöte empathisch zu verstehen. Empathie ist denen völlig fremd.«

Ob dieser eklatanten Arroganz der Politik hatte ich mich in Rage geredet. Mein Kölsch war schon zur Hälfte getrunken und ich überlegte, ob ich aus dem Rest noch zwei Schlucke machen oder es gleich exen sollte. Die leichte Schaumkrone in der Stange sprach eher für die Zwei-Schluck-Strategie. Der Wirt blickte in meine Richtung und suchte mein Vorhaben an den Falten auf meiner Stirn abzulesen.

»Ist das so?«, fragte der Kaffeetrinker neben mir betont vorsichtig zurück.

»Ja, was soll es denn sonst sein? Es ist doch auffällig, dass es nicht nur mir allein auffällt.«

»Wieso? Wem fällt es denn noch auf?«

»Sie lesen nur Mainstream, oder? Lesen Sie doch mal auch alternative Medien. Zum Beispiel die Nachdenkseiten! Jens Berger, der Spiegelbestseller-Autor seines Corona-Buches, dieser hat einen bemerkenswerten Artikel über diese Selbstdarstellungssucht der unfähigen Politiker geschrieben. Auch in anderen alternativen Internet-Blogs finden Sie gleiches. Das ist die Phalanx gegen die stupiden Mainstreamer!«

»Jens Berger? Der Meister der adjektivierten Substantive? Der Spieler mit Adverbien und Füllwörter, Konnotationen und Selbstbeweihräucherung? Der selbst nicht davor zurück schreckt, sich selbst als valide Quelle zu zitieren?«

»Was wissen Sie denn schon über Jens Berger?«

»Einiges. Auch über Albrecht Müller, dem Herausgeber der Nachdenkseiten. Wenn man Albrecht Müller als den feingeistigen Degenfechter gegenüber der vermeintlichen Bedrohung einer Übermacht des organisierten Verbrechen, also einer staatlichen Konglomerat-Bande, bezeichnet, so ist Jens Berger der Hackebeil-Schlächter, der es versteht seine gedanklichen Rundumschläge in nett anzuschauender adjektivistischer Pseudo-Intellektualität adverbial zu verpacken. Ich würde ihn ebenfalls zu den ‚unnützen Idioten‘ einordnen. Beide sind doch in einem Wahn behaftet, von einer Allmachtsphantasierealitätsgestaltung anderer beherrscht zu sein.«

Wortungetüme aussprechen, das konnte er wohl. Aber Inhalt statt  nur solche Worthülsenabsonderung? Für einen Moment musste ich mich sammeln. Vor mir saß ein Ignorant, ein Hetzer und ein Dummkopf par excellence, der sich der Wahrheit, der Realität verweigerte. Ein Schöngeist. Ein Dummkopf: »Ach ja? Er steht allerdings nicht alleine mit seiner fundiert begründeten Meinung. Im Gegensatz zu Ihren Hetzereien hier.«

»Hetzereien? Oder wollten Sie sagen, Ketzereien? Wo ist denn Jens Berger seine fundiert begründete Meinung?«

»Er bringt Quellen, die zeigen, dass der Staat komplett unfähig ist, Katastrophen angemessen entgegen zu wirken, dass der Staat komplett unfähig ist, zu helfen, dass unsere Politiker nur Reden vor deren Lakaien mit Kameras schwingen statt selber mal tatkräftig anzupacken. Und das weist er nicht erst seit der Hochwasserkatastrophe, sondern bereits seit seit März 2020, dem Anbeginn von Corona, nach. Wie hilft denn der Staat? Wo isser denn, wenn es darum geht Katastrophen zu vermeiden und nach Katastrophen tatkräftig anzupacken? Wo sind denn deren Lakaien und Vasallen, wenn es darum geht, das echte Leid mal deren öffentlich-rechtlichen Zuschauer nahe zu bringen? Wo sind sie denn alle?«

Ich musste Luft holen und das tat ich zwischen zwei Schlucke Kölsch. Ja, ich hatte mich in Rage geredet. Nun, wenn ein solcher Spinner neben mir einen solchen Unsinn ablässt und keiner da ist, um solch einem Tand zu widersprechen, ist es dann ein Wunder, wenn dann jeder voller Angst feststellt, dass dieses Land mit Politikern als Kapitäne volle Fahrt auf den nächsten Eisberg zu hält? Und dass sich ein Land kontinuierlich abschafft, dafür war dieser Kaffeetrinker neben mir am Tresen der lebende und treffenste Beweis.

»Der Staat hilft …«, setze er an.

»Ja, wo isser denn in den Katastrophenregionen?«

»Feuerwehr, Rote Kreuz, Polizei …«

»Ach ja, paar Tröpfchen auf dem heißen Stein.«

»THW, Bundeswehr …«

»Jaja, das Lieblingsargument. Aber die wahren Helfer sind die Leute der Umgebung und aus anderen Gegenden. Nur Feuerwehr, Polizei und THW behindern diese, statt denen Raum zum Helfen zu geben! Und die Bundeswehr mit ihren paar Hilfsmittelchen wird nur deswegen beachtet, weil die Mainstreammedien mit Tele auf deren einzelne Bergungsfahrzeuge zoomt. Da brauchste nur ins Internet zu gehen, da findeste Hunderte von Belegen, was da alles für ein Scheiß vom Staat passiert! Der organisiert gar nichts, wenn mal ne Katastrophe passiert!«

Ich winkte dem Wirt für ein neues Kölsch.

Der Nachbar hier nervte langsam. Keine Ahnung von nichts, aber mitreden wollen. Wie hatte Dieter Nuhr schon 1998 treffend in dem damaligen Programm von ihm bemerkt: Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten.

Wobei, das Zitat ist zwar von ihm, aber die eigentliche Quelle ist Ekel Alfred Tetzlaf aus der Mendes-Serie »Ein Herz und eine Seele«. Aber damals war das in der normalen Sprache der Mitte 1970er gesagt worden. Eine Barbrock wäre für das Abkupfern eines solchen Spruches gesteinigt worden. Dieter Nuhr hat die Gunst des Spätgeborenen. Daher darf er auch über Baerbocks aus anderen Büchern kopierten Stellen in deren Buch lästern. Denn er hat Ahnung und hält deswegen nicht seine Fresse.

»Was denn nun?«, fragte er mich im ironischen, leicht sarkastischen Tonfall, »beteiligt sich der Staat nun? Oder beteiligt er sich nicht? Oder hätte er Rosinen-Bomber starten lassen sollen, die Euro-Geldscheinbündel über das Krisengebiet abwerfen? Oder Lebensmittel-Pakete? Oder Pampers, zum Aufsaugen der überflüssigen Flüssigkeiten in jenen Dörfern? Die THW-Helfer werden durch selbstdeklarierte Querdenker-Aktivisten behindert, weil diese Aktivisten jene als Büttel des Staates sehen. Die fahren sogar nachweislich mit Fahrzeugen herum, welche Polizeifahrzeugen und deren Lackierungen nachgeahmt wurden und verkünden den Bewohnern per Lautsprecher, dass der Staat sich bei der Hilfsaktion zurück zieht und die Hochwasserofper alleine lässt. In Ahrweiler. Mit Fahrzeugen aus hier um der Ecke: Starnberg. Nummernschild lässt grüßen. Berichtet darüber auch ein Jens Berger? Oder tut er es nicht, weil er damit den Staat und seine Bediensteten nicht niedermachen kann? Wer erkennt darin ein Muster?«

»Sie werden unsachlich!«

»Und Sie blicken es nicht«, gab er mir zurück. »Katastrophen sind keine Katastrophen, wenn man deren Verlauf im Voraus kennt. Dann wären es schlichtweg normale Ereignisse. Wer sich beklagt, dass der Katastrophenschutz seiner Aufgabe nicht nachgekommen wäre, der hat nicht die Natur einer Katastrophe verstanden. Katastrophe an sich ist etwas unkalkulierbares, das immanente Risiko des Daseins, der Existenz. Wenn es keine Katastrophen gegeben hätte, würde in ihrem Vorgarten noch immer ein Diabloceratops grasen, begleitet von einem Neandertaler und dessen LAG Lucy. Und für Sie wäre es eine Katastrophe. Verstehen Sie? Ein Dino der ihren Garten ohne Lizenz abgrast. Katastrophenschutz ist eine Risikoverminderung, allein getätigt aus einer Risikoabschätzung! Und gerade beim Thema Wetter sagt doch eh jeder, dass der Wetterbericht von morgen die Lüge von heute ist. Keiner vertraut dem Wetterbericht von morgen. Da genießt das tägliche Sternzeichen-Horoskop der BILD-Zeitung bereits erheblich mehr Vertrauen.«

Der Typ bewies, dass ihm der richtige Durchblick fehlte. Sternzeichen-Horoskop. Ein wohl arg verwirrter Esoteriker. Ganz klar, der Typ neben mir verstand nichts, blickte nichts. Aber auch dreimal nichts. Geschweige war sein Nachdenk-Vermögen auf niedrigem Niveau. Vernachlässigbar. Ein totaler Nullblicker:

»Sie reden am Thema vorbei! Wahrscheinlich sind Sie auch der Ansicht, der Starkregen ist der Klimawandel«, erwiderte ich und versuchte meine Stimme dabei ganz sachlich zu halten.

»Natürlich nicht!«, entgegnete er, »weil Wetter und dessen Auswirkungen sind nicht der Klimawandel, sondern die Hinweise, weswegen dass das Klima dabei ist, sich negativ zu verändern. Kimawandel passiert nicht zwischen Salzgebäck und Bier und zwischen ‘Bachelorette 2021’ und ‘Deutschland sucht den Superstar’, sondern zieht sich unerbittlich über zwei, drei Menschengenerationen hin.«

Zwei, drei Menschengenerationen. Als ob er solange schon gelebt hätte. Als ob er Wissenschaftler wäre. Der Typ nervte. Die Weisheit glaubte er wohl gepachtet zu haben. Eine eindeutige Auswirkung der verschroben verschobenen, manipulierenden Ansicht der Wahrheit der Mainstreammedien:

»Aha, Sie haben also die Weisheit mit Löffeln aus der Mutterbrust ihres Mainstream-Fanboy-Tums gesaugt, nicht wahr?«

»Nein. Selbst meine Mutter schwörte bereits auf Globuli. Ebenso wie meine Frau heute. Nur nannte meine Mutter Globuli immer nur ganz profan ‘Zuckerwürfel’. Und auch noch ‘effektive Süße’. Zuckerwürfel knackten wenigstens beim Kauen zwischen den Zähnen. Globuli dürfen das nicht, weil sonst schädigen sie den Zahnschmelz nachhaltig. Drum lösen die sich schneller auf als Süßstofftabletten. Sind allerdings aber auch teurer. Aber meine Frau zahlt’s ja.«

Er griff erneut zu seinem Gläschen und schüttete wieder eine Portion in seinen Kaffee: »Tja, nur, Süßstofftabletten sind erheblicher effektiver in Sachen Süßen als Globuli.«

»Würde der Staat effektiv in den Katastrophengebieten helfen, dann würde sich niemand beschweren. Dann hätte auch ein Jens Berger nicht als Kronzeugen der staatlichen Untätigkeit das ‚Lohnunternehmen Wipperfürth‘ in seinem Nachdenkseiten-Kommentar anführen müssen. Schau dir doch die Videos an, auf dessen Facebook-Account. Wie er das filmt, was man in den Öffentlich-Rechtlichen verschweigt. Was man dort nicht berichtet, weil man das Versagen derer politischen Protegés kaschieren möchte.«

Während ich das sprach, liefen vor meiner inneren Leinwand erneut die erschütternden Videos des Markus Wipperfürth ab. Das brutale Elend. Die hoffnungslose Trostlosigkeit. Und dagegen die heldenhafte Tapferkeit der unermüdliche Helfer. Und dann wieder die hilflos zuschauenden Opfer, die auf deren vernichtetes Hab und wertlos gewordenes Gut blicken. Die den untätigen Staat berechtigt für dessen vorsätzliche Tatenlosigkeit anklagten. Und dann wieder die unermüdlichen Helfer. Und dann die verzweifelten Opfer. Und weit und breit kein staatlicher Helfer. Nur untätig herumstehende Staatsbedienstete, außer wenn sich gerade ein Objektiv oder Mikro auf jene richtete.

Er schaute mich zweifelnd an: »Ehrlich? Jens Berger, der Feind der órganisierten Überwachung durch Facebook, Amazon, Mikrosoft und Apple, der hat also einen Account, mit dem er die Videos überhaupt sehen kann? Interessant, dieses Schattenleben im Flutlichte von Facebook. Und: Sie beklagen die Hilfsbereitschaft der Freiwilligen? Und um jene noch weiter zu heroisieren, stellen Sie das angebliche Fehlen staatlicher Organisationen heraus? Weil der Staat keine Lohnunternehmen besitzt, weil er keine Armee der Starkregen-Sondereinsatzkommandos unterhält, ist es das, was falsch läuft? Oder ist es das Beklagen, dass der Staat Arbeitseinsätze nicht im Sinne des Kapitalismus bezahlt, sondern sozialistisch auch auf kostenfreie Nachbarschaftshilfe im Sinne der christlichen Nächstenliebe setzt? Ich hatte eine Woche vor der Katastrophe ein Gespräch, in dem beklagt wurde, dass Deutsche herzlos seien und sich kaum für das Schicksal seiner Nächsten interessieren. Würde jemand leblos in der Fußgängerzone liegen, niemand würde sich drum kümmern. Weil der Staat seine Bürger zur seelenlose Wesen erzieht und Ignoranz belohnt. Kaum eine Woche später entlarvt sich dieses Gelaber jetzt als Unsinn. Oder etwa doch nicht? Aber dem Staat kann man es vorwerfen. Das Volk ist freilich nicht der Staat. Das Volk ist dem Staate ein Fremdkörper, oder? Der Staat, das ist eine Clique von Selbstbereichernden, die andere Selbstbereichernde an deren Selbstbereicherung hindern. Ein Staat, der das Glück auf Bereicherung untersagt? ist das die logische Weiterentwicklung der Anklagen an den Staat? Redet eigentlich jemand in den alternativen Medien von den organisierten Plünderungen in den Hochwassergebieten, welche die Polizei bereits bei angeblichen ‘Schrotthändlern’ festgestellt hat? Nein? Komisch. Der Mainstream berichtet darüber. Den alternativen Medien ist es nicht reitschusterisch genug? Nicht Borriss genug, oder? Eben Weil es keine Kritik am Staat wäre? Erkennen Sie das Muster?«

Während seines Monologs ohne Punkt und Komma hatte er sich inzwischen zu mir rüber gebeugt. Dieses Verhalten war definitiv übergriffig. Das bemerkte ich gleich, das musste mir mein Gefühl nicht erst bestätigen. Typisch, wenn Argumente ausgehen, werden solche Tyen einfach mal übergriffig. Wenn so einer schon über Muster redet, entdeckt so einer überhaupt bei sich selbst seine Muster?

Nun, andererseits ist das mir auch nicht unbekannt, dass, wenn Menschen keine validen Argumente haben und deren Idiotie auf anderer Weise Nachhaltigkeitsbestreben sucht, sie mit allem an psychologischen Machwerk agieren, um deren Gegenüber in Argumentationsschwierigkeiten zu bringen:

»Wissen Sie, Sie brauchen sich nicht so zu mir herüber zu beugen. Das gibt ihren Argumenten auch keine bessere Position.«

»Ach ja?«

»Ach ja. Denn es geht nicht um das neoliberale Bezahl-Prinzip ‚Geld für Leistung‘, sondern hier geht es um gerechte ‚Aufwandsentschädigung‘ für erforderlichen Einsatz, nicht wahr. Wertschätzung? Kennen Sie das Wort überhaupt? Würde man Geld sofort an Bauunternehmen geben, dann müssten nicht so viele Freiwillige aufräumen!«

»Also, genau so wie das Modell ‚Masken gegen Geld‘ im letzten Jahr? Ist Ihnen aufgefallen, dass die Dokumentenfälschungen der Grünen Kanzlerin Baerbock in dieser Nation mehr Staub aufgewirbelt haben, als dass eine Partei mit gesellschaftlich postulierten christlichen Grundwerten mit getürkten Masken-Deals ordentlich in die eigene privatwirtschaftliche Tasche gewirtschaftet hat? Das Modell hatte doch auch Schiffermännchen zu persönlichem Reichtum geführt. Schiffermanneken lässt sich seine Wertschätzung auf sein Konto spenden. Er bittet und Hundertausende oder gar Millionen folgen.«

»Also, ‚getürkt‘, das ist jetzt wohl absolut eindeutig rassistisch! Da sollten Sie sich mal hinterfragen, wessen Geistes Kind Sie sind. ‚Getürkt‘. Unglaublich.Das man so etwas in diesem Jahrhundert noch hören muss. Ich dachte, Rassismus wäre überwunden!«

Er lachte: »Kommen Sie mir nicht damit, oder gehören Sie auch wie jener Nachdenkseiten-Jens-Berger zu den ‚Cancel Culture‘-Hassern? Die es bedenklicher finden, dass einem Antisemit dessen Internetauftritt gesperrt wird, als sich mit dessen antisemitischer Vergangenheit und seinem nachweislichen Verschwörertum auseinandersetzen?«

Diese abgrundlose, hetzerische Bemerkung hatte ich nicht erwartet und sie schlug mir auf den Magen. Ich versuchte meine Übelkeit zu unterdrücken:

»Jens Berger gehört zu den besten Kritikern in Deutschland, die es gibt! Er gehört zu den wahren Intellektuellen Deutschlands, zu den wahren Nachdenkern! Also hüten Sie ihre Zunge!«

»Ja, nee, is klar. Den meinte ich mit dem Antisemitismus-Vorwurf nicht. Jens Berger weigert sich aber, damit auseinander zu setzen. Die ihn darauf hinweisen, nennt er beckmesserisch. Sein Lieblingswort. Jens Berger folgt einem charakteristischen Muster. Immer wieder. Es scheint seinem Lesern aber nie aufzufallen. Vielleicht sollten dessen Leser sich mal dessen Argumentationslinien pro Kommentar aufzeichnen, vielleicht fällt denen dann das Berger-Muster auf.«

Er lachte kurz auf und setzte fort: »Er ist der Widerstand. Jedenfalls meint er es. Jens Berger ist komplett gegen das Tragen von Masken, weil er keinen Sinn in der Corona-Bekämpfung darin sieht. Deswegen leistet er auch Widerstand dagegen. Er hat auch geschrieben, wie er es tut. Dessen eigene Worte: indem er auf den Parkplätzen vor den Supermärkten keine Maske trägt, obwohl es gefordert war. Toll. Ein Held. Wahrscheinlich hat er auch den Lohnunternehmen Wipperfürth dessen Videos gesehen und hat dazu zu Hause tatkräftig seine zwei Daumen nach oben gezeigt: Und weil es heißt ‚Tue gutes und rede drüber‘, hat er in den Nachdenkseiten drüber geschrieben.«

»Hetzer! Sie reden nur Schwachsinn! Ist Ihnen da überhaupt klar?«

»Jens Berger ist genau eines der Exemplare Gutmenschen, also jene, welche ihm so verhasst sind. Schon mal aufgemerkt, dass er immer darüber meckert, was er selber an sich wohl nicht mag? Ist dir nebenbei aufgefallen, dass der Berger-Held Wipperfürth kein Vorbild sein kann? Ich sage nur STVO §23 und STGB § 201a. Besonders STGB § 201a. Jeder reklamiert Gaffer und die moralische Grenzwertigkeit von Sensationsberichterstattungen. Aber wenn es dann passiert, klatschen die Gleichen dann permanent Applaus. Natürlich nicht, wenn es Öffentlich-Rechtlich passiert. Dann ist das Geschrei groß, weil es Gaffertum und ähnlich mieses ist. Also die privaten Sender wie BILD-TV, die dürfen es, wenn es denn auch Werbung von Nestlé, Pampers, Procter & Gamble und eis.de gibt. Die sind dann innovativ. Öffentlich-rechtliche machen so etwas nicht. Deswegen sind die auch nicht innovativ, sondern ganz im Gegentum.«

Beherrschung.

Beherrschung.

Schreien wäre die richtige Reaktion.

Nur, wer schreit, der hat niemals recht.

Also Beherrschung.

Beherrschung.

Hetzern begegnet man nicht mit der Machete. Der zielsichere Stich mit dem feinen Florett ist erforderlich. Ein kräftig geführter Strich eines profunden Arguments ist immer der Feind einer labberigen, unfundierten Meinung. Nur darf man sein Gegenüber nicht so einfach gegen den Kopf stoßen. Man will ihn ja schließlich überzeugen, man ist ja schließlich Mensch.

Ich atmete tief durch, griff mein Kölsch und feuchtete meine Kehle an. Kölsch. Nichts hilft besser in solchen Situationen als der wohlgeformte Geschmack eines prickelnden Kölsch. Viva Colonia, viva la vida. Ich schaute meinen Tresennachbarn an und entgegnete:

»Sie greifen ziemlich in die unterste Schublade. Vielleicht sollten Sie sich mal Gedanken machen über den Unterschied zwischen einer sachlichen Auseinandersetzung und einem persönlichen Angriff. Wenn Sie nicht verstehen, dass sie beleidigend sind, kann ich Ihnen nicht helfen beim Nachdenken. Verzichten Sie bitte auf weitere wortreiche Epistel.«

»Epistel? Richtig, ich vergaß, Sie sprechen auch fließend lateinische Sprichwörter. Sie waren Lehrer in einem früheren Leben, nicht wahr? Sie sind der Meinung, ihre Schüler verehrten Sie, nicht wahr? Auch wenn sie es Ihnen nicht permanent zeigten. An Ihnen ist der absolute Oberlehrer verloren gegangen. Niemand hat Sie befördert. Verstehen Sie? Sie wären jemand, welcher jene Rainer Fühlmichs und seine Brüder Schiffermanns dieser Welt, jene Wolle Wordargs und den anderen Suchart Bakdadis der Randwissenschaftlichkeit, also Sie wären einer gewesen, der diesen den Weg der wahren Wahrheit weisen könnte. Ein wahrer Messias. Nun. Die ersten beiden genannten haben ja bekanntlich Hunderttausende an Spendengeldern auf deren private Konto eingesammelt. Sie dagegen haben nichts auf ihrem Konto, nicht wahr?  Die Füllmichs dieser Welt wollten mit dem eingesammelten Geld die Drostens dieser Welt verklagen, um damit der Welt zu erklären, das alles mit Corona-Bezug nur ein Witz wäre. Der zweite von den ersten beiden heulte öffentlichkeitswirksam über angeblich an Masken erstickte Kinder, tränenreich, anklagend, extensiv, pseudo-empathisch um Spendengelder einzusammeln, um dann dann Safaris in Tansania den Querdenkern anzubieten. Beide sind wohl ne Reinkarnation von den Politikern Friedrich Zimmermann, Old-Schwurhand, welcher dem Titel ‚Ankündigungsminister‘ in den 1990er Jahren erst seine Berechtigung gab. Aber wer interessiert sich schon für Ankündigungen von Querdenkern, die nicht umgesetzt wurden?«

Er schütte dabei erneut Globuli in seinen Kaffee, rührte erneut um, schmeckte das Ergebnis mit seinem Löffel ab und fuhr fort:

»Wenn eine Gruppe den Begriff ‚Postfaktische Wahrheiten‘ und ‚Fake News‘ ebenfalls mit Inhalt unterfüttert hatte, dann die Gruppe jener vier. Deren Vorteil war es bislang immer gewesen: wenn die was ankündigten und es trat nicht ein, oder wenn deren Behauptungen als falsch entlarvt wurden, es hat kein Schwein interessiert. Es stand in keiner Presse. Nicht mal in den alternativen Medien. Die alternativen Medien sind eh die Besten im Auslassen und Verschweigen, da hilft mal ein wenig Nachdenken, um das zu verifizieren. Aber passiert so etwas dem Mainstream, dann kleben die alternativen Medien wie Fliegen am Leimfänger daran. Der Unterschied? Fliegen sterben, alternative Medien leben vom Leimfänger, weil sie im Leim den Honig rausschmecken. Deren Motto: vom Mainstream lernen, heißt siegen lernen.«

Ich hatte ihn bei dieser unsäglichen Aussage gemustert gehabt. Dieser Mensch war der Typus, der keine Frau für seinen Haushalt und sein Bett abbekommen hatte und jetzt alles auf ein Randthema sublimiert hatte. Wenn es einen Beweis für die Gefährlichkeit der Mainstream-Medien, also der Öffentlich-Rechtlichen mit deren verfehlten Bildungsauftrag, gab, dann war er es: manipuliert, verblendet, auf Mainstream-Linie getrimmt und auch noch gefährlich eloquent. Im Grunde war jener es nicht wert, noch ein Wort mit ihm zu wechseln. Nur wir alle wissen: wer bremst, der verliert:

»Ach ja? So eine gequirrlte Scheiße, die Sie hier ablassen. Gäbe es die alternativen Medien nicht, die Mainstream-Knispel würden heute noch ungestraft in den Katastrophengebieten deren Lügen verbreiten.«

»Richtig. Mud-Facing der Mainstream-Medien ist ja kein Thema für die alternativen Medien. Weil es nicht von den öffentlich-rechtlichen Medien begangen wurde.«

»Mud-Facing?«

»Mud-Facing. Genauso mies und untergründig wie Black-Facing. Wenn sich Reporter der privaten Sendeanstalten bei der Berichterstattung Schlamm ins Gesicht schmieren, um authentischer zu wirken, um als Helfer zu wirken. Wenn Axel-Spinger-Verlag-Zeitungen und deren TV-Formate über TV-Empfangsgeräte und im Internet deren Senf und Müll zu dem angeblichen Staatsversagen gemeinsam zu den Hochwassermüll an den Straßenrändern stellen und es medial als Gold deklariert wird, dann sollte eigentlich jeder aufmerken. Da redet keiner von diesen Ach-so-Querdenkenden über Mainstream, eben weil es nicht mehr öffentlich-rechtlich ist. Alchemisten, die aus Stroh Gold produzieren wollten, waren schon im Mittelalter die unantastbaren heiligen Kühe zum Melken für eine verschrobene Minderheit. Warum sollte es heute anders für alternative Medien sein?«

C360_2013-12-12-17-12-54-529_DxO_thumb.jpg Ich schnaufte.

Ich atmete tief.

Nein. Nicht provozieren lassen.

Nein. Niemals. Nimmer. Nicht.

Diese Verblendeten legen es drauf an, andere zu blenden. Jene sind argumentativ geschult, kadermäßig wahrscheinlich, und machen aus komprimierter Scheiße mit viel Druck Kunstdiamanten. Jene Manipulierer sind gefährlich. So wie eine Sekte. Wie Influencer.

Ich schnaufte.

Ich atmete tief.

Nein. Nicht provozieren lassen, aber auch der Antwort nicht schuldig bleiben:

»Wir zahlen Zwangsabgaben für das Öffentlich-Rechtliche, die deren Bildungsauftrag nur als Hofnarrenonanisten der Regierung verstehen. Die betreiben Hofnarrenonanie! Das sind Wixer! Totale Wixer!«

»Sie sind Sexist? Wixer bezieht sich nur auf Männer. Geht gar nicht. Das ist misogyn. Und auch noch misanthrop. Ich hab was dagegen. Auch ein paar Globuli? Dann ist der Kaffee nicht so bitter.«

»Ach, Sie haben wohl ihr Abitur an einer Fernhauptschule übers Internet gemacht, oder was? Oder war es doch eher Lotto, Toto, Rennquintett?«

»Sie werden unsachlich.«

»Ha! Berechtigte Polemik ist das! Von wegen unsachlich. Gegen Sie hilft nur der starker Strich der Polemik! Unbelehrbar Sie sind! Uneinsichtig eine Sache ihres Geistes ist! Hetze ihr Talent ist! Wie bereits Kindermund sagte: Wer nicht denkt, gibt zu denken. Und wie Sie jetzt bewiesen haben, Sie haben ihr Nachdenken outgesourct! Nein, Sie denken nicht. Sie nicht! Sie geben zu denken. Echt jetzt! Andere Menschen überdenken deren Meinungen, bei Ihnen wird maximal das eigene Auto per Partyzelt überdacht. Das ist ihre gesellschaftliche Maximalleistung, mehr nicht. Ihre Ansichten beweisen, dass das, wie hiesige Denker solche Menschen wie Sie beurteilen: Sie haben ihre Meinung schlafen gelegt und labern dafür Mainstream. Sie denken nicht. Nachdenken ist Ihnen ein Fremdwort!«

Ich ergriff mein Kölsch, mein Puls war auf 195, mein Bluthochdruck pochte mir in der Schläfe, vor meinen Augen imaginierte ich mir die Schlussszene vom ersten ‘Bladerunner’-Film. Riesige Angriffsschiffe brennend vor den Schultern des Orions. Nahe des Tannhäuser Tors C-Beams. Verlorene Momente, wie Tränen im Regen. Eine Taube gen Himmel. Ein Donnern, dann Ruhe. Langsam beruhigte ich mich wieder.

Selten hatte ich einen so verbohrten Menschen getroffen. Und das dazu in meinem Wohnzimmer. In meiner Kneipe! Wenn man noch nicht mal in seiner Kneipe seine wohl verdiente Ruhe haben kann, dann ist das Leben ein Krieg und der Tod wohl der Waffenstillstand. So musste es wohl sein.

Wer hatte diesen Knispel überhaupt rein gelassen? War der überhaupt doppelt geimpft? Wahrscheinlich sogar einer der ersten, die doppelt geimpft waren, ein Streber, einer, der FFP2-Masken als dessen Lebensstandard definiert. Einer jener, der die dümmlichen Maßnahmen des Staates ohne Widerspruch begrüßt, Für den die Eins-fünfzig auch geistig ein Maßstab als Abstand zum eigenen Hirn wichtig ist. Einer, der die Einschränkungen der Grundrechte schon immer wollte, dem eine Diktatur als Bereicherung seiner Lebensumstände erscheint. Einer, für dem Selbstverantwortung ein Fremdwort beim Thema Gesundheit ist, der aber dann im Katastrophenfall auf die Selbstverantwortung der Bürger pocht, statt den Staat in der Pflicht zur Hilfe sehen. Ein Mensch mit verqueer verquastem Demokratieverstand. Einer, der lieber die Diktatur einer wohlhabenden Oberschicht haben will, als dass das Volk das Souverän sein wird. Globalisierung statt Autonomie. Impfpflicht statt individuelles Wohlsein. Abwesenheit vom Staat statt Hilfe im Notfall. Hartz-4 statt Wohlstand für alle.

Wie kann man mit so einer Einstellung im Hirn überhaupt leben, ohne täglich Pillen schlucken zu müssen? Wie kann jemand überhaupt mit solchen Gedanken normal sein? Gibt es dazu nicht sogar etwas von Ratiopharm? Oder ist das ein Effekt der Doppel-Impfung? 5G? Gechippt? Oder nur lobotomiert? Schlägt so etwas nicht auch aufs Hirn? Das wollen doch die staatlichen Organisationen, diese mafiösen Weltherrscher, die uns als Schafe zu deren Schlachtbank zum finanziellen Ausweiden führen wollen? Bauern-Schachfiguren auf deren Brett, um für deren Bauern-Gambit herzuhalten?

Ich schnaubte erregt:

»Wissen Sie, was Sie sind? Sie sind ein Holocaust-Freund. Sie sind einer, der den Holocaust zu einem freundlichen Happening macht, weil er dauernd nur den Saikeirei als aufrichtige und reuevolle Entschuldigung vor Merkel und der amerikanischen imperalistischen Politik ausübt.«

»Saikeirei?«

»Unterbrechen Sie mich nicht dauernd! Sie mögen wohl keine andere Meinung, oder was? Kein Wunder, dass sich nachgewiesenermaßen heute immer weniger Leute angesichts solcher Äußerungen wie der Ihren trauen, ihre Meinung frei zu äußern. Denn niemand fragt mehr nach Meinungen und Meinungsaustausch, sondern immer nur nach Gründen. Saikeirei ist In Deutschland auch als der chinesische Begriff ‘Kotau’ bekannt.«

»Ich hatte nicht nach Ihren Gründen gefragt.«

»Immer unterbrechen. Ist wohl ihr Hobby, was? Können Sie noch etwas anderes? Gehen Sie mal auf die Bedenken und Argumentationen derjenigen ein, die nicht mehr das Gedankenschema und das Narrativ des Mainstreams mitmachen wollen. Praktizieren Sie nachdenken!«

»Bevor ich meinen ersten Kaffee leer trinke und Sie ihr siebtes Kölsch erhalten, würde ich gerne Ihre Meinung, also ihr Narrativ, zum Thema Querdenken erfahren. Kennen Sie Lore Lorentz Solo-Programm von 1988 ‚Regeln für Querdenker‘? Was würden Sie sagen, wenn Sie die heutigen Querdenker, Rechtsradikalen und Qanon-Jünger gemeinsame Sache machen sehen? Wäre Utøya und das Münchener McDonalds-Massaker vor zehn und vor fünf Jahren dann nur ein Fliegenschiss in der Geschichte der …«

Ich schnappte bei seinen Worten nach Luft. Er regte mich auf. Er war unsachlich, hetzerisch und offensichtlich ohne Ahnung von dem, was er sprach. Ich fiel ihm direkt ins Wort:

»Sie sind einer dieser verkappten Gutmenschen! Sie sollten …«

»STOPP!«

Der Wirt donnerte mir ein Kölsch auf meinen leeren Deckel. Pissjelb spritze es heraus, auf meinen hellen Wams. Der Spritzer hinterließ eine feuchte Kölschspur.

Mein Wirt starrte mich wütend an:

»Hast du das Schild hier am Tresen nicht gesehen?«

»Welches Schild?«

»Hier ist meinungsfreier Bezirk am Tresen.«

»Du willst meine Meinungsfreiheit einschränken?«

»Ja.«

»Mein ureigenstes verbrieftes Grundrecht? Meine eigene Meinung? Du hast sie ja nicht mehr alle! Wir sind hier doch nicht bei Adolf!«

»Ach ja? Ich bin hier Hausherr. Und Adolf Tegtmeier war schon immer mein Idol.«

»Den meinte ich nicht. Den anderen Adolf meinte ich. Den, der hier in München mit seiner Meinungsdiktatur angefangen hatte, welche andere hier … .«

»Nur den meinte ich nicht«, unterbrach mich der Wirt. »Ich meinte Adolf Tegtmeier und sein Motto ‚Bleibense Mensch‘. Jürgen von Manger. Dein Palaver geht schon über eine halbe Stunde. Da hatte Jürgen von Manger als Adolf Tegtmeier schon erheblich mehr Lacher produziert.«

»Was geht mich dein Adolf an. Ich verlange mein Recht auf Meinungs …«

»Hier! Auf diesem Schild steht: ‚Meinungsfreier Tresen‘. Wenn du die Lufthoheit über einen Stammtisch erobern möchtest, dafür habe ich extra den Raum da hinten rechts eingerichtet, den ‘Speakers Room’. Da kannste mit deinesgleichen reden und argumentieren. Aber verschone meine Gäste hier am Tresen mit deinen Mist!«

»Ach ja?«

»Bist du nicht vor einem Monat der Partei ‘AfD’ in deinem Viertel beigetreten?«

»Na und? Darf ich das nicht? Sind wir hier in Deutschland keine Demokraten mehr? Da darf ich meine Meinung haben, welcher Partei ich beitrete, oder etwa nicht? Wird man aufgrund der eigenen Meinung in diesem Land diskriminiert? Ist es schon wieder so weit?«

»Wie gesagt. Hinten rechts. Diskussionszimmer. Speakers room. Ansonsten, da drüben, schwere Tür, zum Öffnen ziehen und dann Tschüssikowski.«

Wutentbrannt zückte ich meine Geldbörse, entnahm drei Zehnerscheine, donnerte sie auf den Tresen neben das noch volle Kölsch, stand kochend auf und steuerte auf den Kneipenausgang zu.

Das effektvolle Knallen der Kneipentür gelang mir nicht. Der Wirt hatte nach Jahren endlich den Faulenzer der Tür repariert. Wie gut. Endlich mal eine positive Impression. Deutschland geht doch nicht so ganz den Bach runter, es tut sich was.

Reportage über einen außerordentlich ausgefallenen Karnevalsumzug

Liebe Närrinnen und Narren und Narrhalesen, sehr verehrte Faschingsmuffel und Faschingsmuffelinnen, liebe geneigte Mitleser*Innen.

Ich befinde mich hier gerade mitten in der Münchner Innenstadt.

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Heute feiert die “Narrhalla München Eeh Vau” ihren jährlichen Faschingsumzug. Dazu muss ich mal kurz allen Faschingsmuffel und Faschingsmuffelinnen, den andren Hiatakinda und Zuagroast*Innen erklären: Ja, es heißt hier nicht Karneval, noi, das heißt hier Fasching. Und ihr rheinisch- und preußischen-abstammenden Mitmenschen, euch sei gesagt, “Fastelovend” kenn ma hier net, nich woar. Und “Fasteleer” bezeichnet bei uns in Bayern maximal den Zustand eines fast in einem Zug ge-exten Bierfasserls, woll. Und für dieses “Mai san mia mia” wird Bayern ja auch so geliebt. Nicht nur in der Bundesliga.

Nachdem das jetzt mal geklärt ist und ich jetzt wahrscheinlich 98% der Fußballfans nicht mehr auf meiner Seite am Lesen habe, … ich steh hier auf dem berühmten Münchner Marienplatz, live und livehaftig, da wo der Bayern München demonstrativ den 1860iger Fans fast jedes Jahr mit der Meisterschale und anderem Fußballgold zuwinkt … und wieder 1% weniger Leser …

Es herrscht hier ausgelassene Stimmung bei diesem einmaligen Narrhalla-Umzug. Die Bundesregierung hat auf starkem Zuspruch von Söder und Bayrischer Co.KG – also der Bayrischen CSU-Ordnung mit derer KoalitionsGemeinschaft aus “Aiwanger undsoweiter-unbedeutend-zu-erwähnen” – den Marienplatz per Corona-Verordnung großzügig räumen lassen, damit keinem die Sicht auf das Faschingstreiben genommen wird. Das Publikum ist bereits – wie immer in München – geil, gamsig und hosad. Übersetzen werde ich das nicht, außer Sie schicken mir eine Kopie Ihres Persos oder Ihres Bayrische-Staatshinzugehörigkeit-Ausweis zu, damit Sie die Ü18-Verifikation bei mir bestehen.

Wie gesagt, es herrscht tollste Stimmung. In einer Ecke sieht man sogar zwei Faschingsgesellen, die sich als Straßenbettler verkleidet haben. Richtig real sehen die aus, mit Einkaufstüten als Hausstand zu deren Füß und trinken dort in aller Ruhe ihr Bier aus Flaschen. Ja – und auch das beherrscht der Münchner Fasching grandios – sie schunkeln! Corona-Regel-getreu schunkelt bei den beiden nur jeder zweite mit Abstand. Ja, so ist München. Immer einen Spaß auf der Kante und Bier überm Herzen, zum Gurgeln gegen böse Ansteckungsgefahren. Weitere wartende Zuschauer stehen auf dem Platz und haben lustige Schirmchen mitgebracht, was allerdings ein wenig die Aussicht auf deren phantasievoller Bekleidung erschwert. Das ist nicht so schön, aber was soll’s. Ist halt so. Jeder Jeck ist anders, gell. Hauptsache, Fasching is dahoam. Und dahoam is eh am gmiatlischsten und darum blaim ma ol dahoam und schaun uns an was auf uns zu kommt, woll.

Schaun mer mal, dann sehn mer scho.

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Und wie wir sehn, wir sehn erstmal nüscht. Aber das kann sich noch ändern. Im Fasching ist alles möglich. Da steppt der Bär schneller als Söder in Berlin ist, woll. Zumindest lässt der Bär auf sich warten. Er ist noch in Berlin bei den Preußn, habe ich mir sagen lassen.

Zumindest ist der Marienplatz noch tropfnass von der nächtlichen Putz- und Wischaktion “München muss sauber bleiben”, so dass wir locker vom Marienplatz bis zur nächsten Baustelle blicken können. Und das ohne Fön-Wetterlage. Und das ist doch auch schon mal was, oder.

Also warten wir geduldig.

Wir warten.

Und in der Zwischenzeit bis dass der Zug kommt, ein wenig Werbung für Ongomoier und seine neuen Faschingskostüme:

Ongomoiers Faschingskostüme repräsentieren wie nichts auf dieser Welt, das was den Münchner Fasching ausmacht: Ehrlichkeit, Durchblick und Wahrhaftigkeit. Ongomoiers Faschingskostüme sind das wahre Nichts. Sie sind sogar nachhaltig, biologisch einwandfrei ohne Schadstoffe, biologisch abbaubar, waschmaschinentauglich bei 95 Grad und können auf jeder Münchner Schaber-Nackt-Faschingsparty, in jedem Swinger-Club und an jedem FKK-Strand getragen werden. Sie tragen nicht auf, sie fallen überhaupt nicht auf. Selbst politisch sind sie auf bayrischer Linie, sie sind das sündigste Nichts seit Adam und Eva. Ongomoier Faschingskostüme sind so wunderbar wie unsichtbar. Man gönnt sich ja sonst nichts, nicht. Diese Werbung zur Faschingszeit wurde Ihnen präsentiert von Ongomoier. Nichts ist schöner als nichts.

So.

Wieder zurück auf Sendung und wir warten auf den phantastischen “Narrhalla München Eeh Vau”-Faschingsumzug. Er soll außerordentlich bemerkenswert werden, so wurde mir aus gut unterrichteten Kreisen erzählt. Und ich muss Ihnen gestehen, ich stehe hier schon seit Stunden und sehe wie unermüdlich die Münchner Polizei mit ihren Polizeiwägen mit Bamberger Kennzeichen das Gelände des Faschingszugs umsorgt und absichert. Bislang gab es noch keine Verstöße gegen die allgemeine FFP2-Maskenpflicht und dem Abstandsgebot, wurde mir versichert.

Die Bayrische Bevölkerung hat ja die Bayrischen Hygienemaßnahmen sehr gut angenommen, wie bereits unermüdlich öffentlich Söder betont. Damit luegt Söder richtig. Denn nicht jeder hat 250 Euro (Verstoß gegen die Maskenpflicht) oder 500 Euro (Verstoß gegen die Ausgangssperre zwischen 21 Uhr und 5 Uhr) täglich zur freien Verfügung. Das Lob Söders über die Annahme der Bayrischen Verordnung durch die Bevölkerung gilt somit auch ausnahmslos und uneingeschränkt für die verantwortungsvolle Münchner Stadtbevölkerung, mit Index knapp um die 48 heute. Also auf Hunderttausend Menschen insgesamt, also nicht was Boomer oder grauhaarige, weiße Männer mit Faschingswitzen angeht, woll.

Der Zug lässt noch auf sich warten.

Moment! Ich höre gerade über meinen Kopfhörer, der Zug ist schon vorbei gezogen! Jawohl, liebe Närrinnen und Narren und Narrhalesen, sehr verehrte Faschingsmuffel und Faschingsmuffelinnen, liebe restlichen 1% der geneigten Mitleser*Innen aus dem Fanclub “Bayern München e.V.”, der Faschingszug ist vorhin bereits über den Marienplatz hinweg gefegt! Es war ein atemberaubender Zug mit viel klandestin verteilten Freibier, Weißwürscht, Leberkäs und Lutschbonbons. Ein Umzug verkleidet als echter Geisterzug, wie man ihn noch nie gesehen hatte! Wahnsinn! Eine gelungene Vorstellung des Umzugs. Waaahnsinn! Da können sich die Kölner und Düsseldorfer und auch die Mainzer Faschingstreibenden dicke Scheiben abschneiden. Ein wahrlich gelungener Umzug! Waaaahn-sinnnnn!

Darauf ein dreifaches

Schluck auf Schluck! Muc, Muc, Muc! Narri Narro!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Vox Dei! Vox Populi! Im Wok Indiocracy …

Sehr verehrte Gemeinde! Sehr verehrte Versammelten! Sehr geduldeten Ungläubige!

Wir sind hier versammelt, weil wir hier versammelt sind! Jawohl! Und weil wir hier versammelt sind, werde ich die Versammlung nutzen, um zu sammeln. Nein, nicht Geld. Okay, doch auch. Aber vielmehr euer Verständnis, euer geistiges Potential, euer Reaktionsfähigkeit, eure Unaufgeklärtheit. Und willst du nicht mein Bruder sein, der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, es muss halt auch eine Portion Aufklärung sein.

Lasset uns Psalm Nummer Eins von unserer geliebten schwarz-weiß-rot Abteilung von diesem Wochenende lesen, bevor deren Heroen auf den Reichstag zustürmten. Kniet nieder!

So Leute. Wir schreiben heute in Berlin Weltgeschichte. Guckt euch um. Die Polizei hat die Helme abgesetzt.

Verdammt. Helm ab zum Gebet! Das ist mal eine Handlung. Habet Respekt! Auch du mit dem Schild “Corona Rebellen Düsseldorf”! Habe Respekt! Und beuge dein Haupt vor den Polizisten, die deren Helm zum Gebet abgesetzt hatten!

Vor diesem Gebäude steht keine Polizei mehr.

Habet ihr begriffen, ihr Leute, klein im Geiste, groß im Unverständnis und Gates-gechippt im Hirn für die Zukunft? Das Gebäude war herrenlos! Eine Weltgeschichte der offenen Tore! Tore, aller Länder … könnt ihr mit dem Schild “Corona-Diktatur” bitte die schwarz-weiß-rote Flagge mit dem Adler nicht verdecken? Oder wollt ihr hier offensives Reichsflaggen-Shaming betreiben? Nein? Also bitte. Danke.

Und Trump ist in Berlin.

Oh, ihr Gläubigen und ihr Lügenpresse-Resistenten! Weil ihr nachdenken tuet! Donald wart in Berlin. Gelandet mit seiner Airforce Number One, direkt auf dem neuen, noch nicht eröffneten Flughafen BER in Berlin, herabgekommen vom Himmel, seinen Fuße auf jungfräulichen Flughafenboden setzend! Trump in Berlin! Das ist so wie damals die Avengers im Film “The First Avengers” auf dem Flughafen in Leipzig! Da, wo sie für Recht und Ordnung gekämpft haben! Als eben jener heroische Captain America den Bösen gezeigt hatte, wo der Bartel den Most her holt. Wo der Frosch die Locken trägt. Wo Merkel lang nichts mehr zu sagen hat, mit ihrem Mündigen-Shaming. Da, wo der Arm der Lü-hügenpresse nicht mehr seine ausschlagende Hand ausstrecken kann, um alle über den tosenden und todbringenden Mainstream zu ziehen, und das nur, um uns zu shamen.

Die ganze Botschaft ist hermetisch abgeriegelt. Wir haben fast gewonnen, wir haben fast gewonnen.

Und verstehe die Botschaft, wer erlaucht ist, sie zu verstehen möge. Die Botschaft wart hermetisch abgeriegelt. Betreten nur für Auserwählte! Auserwählte! Ja, Brüder und Schwester im Geiste. Veni, vidi, vici. So wie weiland Caesar, der Gaius, der Julius, der Caesar, als jener 1957 vor der Mauer in Berlin stand und historisch rief: “Ich will ein Berliner”. Und wie am Samstag dessen Neffenneffeneffe auch heute wieder sagte, zwischen all den 5G-Warnungen und den Corona-Shaming-Shamern. Okay, geschenkt. Dessen Onkel stand nicht vor der Mauer, damals, das war eigentlich der Ronald, der Regen. Aber uneigentlich sollte auch klar sein, nur Wichtigtuer und Besserwisser mit niederträchtiger history-knowledge-shaming-Intention weisen auf solche Unwichtigkeiten hin!

Wir brauchen Masse. Wir müssen jetzt beweisen, dass wir alle hier sind. Und wir gehen jetzt da drauf und wir holen uns heute, hier, jetzt unser Haus zurück.

Ja! Da spricht unser Meister die wahren Heimatworte. Heim ins Reich. Heim in den Reichstag. Reich ins Heim. Rein in den Heimstag, für Reiche in den Reichstag. Und diesmal exklusiv ohne Antrag auf AfD-MdB-Begleitung. Kein Besucher-Shaming anymore! No, no, no, no! Einfach so! Rein ins alte Haus. Und back to the roots! Und dann noch hinfort mit den sich marginalisiert fühlenden Mehrheiten, die deren Randstellung bis heute nicht verstanden haben. Die Botschaft ist klar und eindeutig! Rauf gehen. Jetzt. Da rauf. Ins Walhalla! Ins Haus! Da hinauf! Aufi muasi! Aufi allesamt!

Wir werden jetzt gleich diese kleinen Dinger brav niederlegen und gehen da hoch.

Brav! Kleine Dinger. Brav! Keine 20 Zentimeter, kleiner Peter-Diskriminierter! Weg mit den Kondomen im Gesicht. Auch für Frauen. Freie Sicht für freie Bürger. Über Weichen, Stock und Sein. Freiheit! Die kleinen Dinger hindern am Nachdenken, wo nachdenken stattfindet: auf Zungen- und bis zur Nasenspitze. Die kleinen Dinger hindern, wer wir sind, wohin wir wollen und mit wem wir marschieren. Wir wollen hoch. Da hoch! Hoch! Hoch! Höher! Noch höher! Hoch hinaus! Kein Nachdenk-Shaming mehr ever …

Äh, moment. Könnt ihr mit Eurer Merkel muss weg-Fahne bitte wieder die schwarz-weiß-rote Flagge mit dem Adler frei geben? Unsere Hundertschaft von Journalisten mit Handystick und Smartphone werden sonst in ihrer Journalistenpflicht der wahren Berichterstattung gehindert. Das sind Journalisten und dürfen nicht behindert werden, weil wir es wollen, weil wir frei sind und Freie-Presse-Shaming respektlos ist! Und wir sind ja hier nicht bei der Mainstream-Lügenpresse wie BILD, Express, Playboy, Happy Weekend oder St.Pauli Report, okay. Die Welt soll erfahren, dass auch wir Smartphone-Techniken nutzbringend und Wahrheit-finderisch einzusetzen verstehen! No Smartphone-Shaming, please, okay!

Und setzen uns friedlich auf die Treppe und zeigen Präsident Trump, dass wir den Weltfrieden wollen. Und das wir die Schnauze gestrichen voll haben.

Wenn der Prophet zu uns kommt, dann haben wir uns in Ehrfurcht vor dem Berg hin zu setzen. Und wir lassen uns die Schnauze sehr gerne mit seinem Wohlwollen fühlen. Bis zum Strich. Eichstrich. Und zwar voll. Es ist für den Weltfrieden. Gestrichen voll. Die Schnauze. Voll. Weltfrieden. Donald, du bist friedlicher als jener Friedennobelpreisträger Obama, der ein Wolf im Wolpertingerschafspelzderivatsubstitut war. Auch wenn ihr es nicht verstanden habt, glaubt mir! Donald steht für den Weltfrieden, Dagobert nicht! Kein Donald-Shaming! Freiheit für Donald und seine Disney-Figuren!

Und nun, knie-het nieder, ihr Leser dieses geheiligten Berlin-2908-Demo-After Maths. Ehrfurcht und memoriert indächtig die folgenden Worte! Donald Trump unser bei Republikaner verhimmelt, dein Name sei geheiligt, dein Seich komme, dein Drohnen-Wille geschehe wie vom Himmel als auch von Erden. Unser tägliches BummBumm-Manna gib uns heute. Und verdirb uns nicht respektlos unsere Schuld, wie wir verderben wollen unsere respektlosen Schuldner. Und versuche uns nicht mit anderer dubioser Weltenführung, sondern erlöse uns von dem Bösen der Anderen. Denn dein ist mein Donald, mein Mantra und dein Fox-TV in Ewigkeit. Gegen alle Lügenpressen. So sei es.

Moment mal! Hallo! Hallo? Könnt ihr in Reihe sechs euch auch bitte niederknieen? Das hat etwas mit Respekt vor Donald und den schwarz-weiß-roten Fahne zu tun. Zeigt Anstand! Das wurde bereits damals so gemacht, nicht wahr, als die Amis uns nicht so wohl gesonnen waren. Oder wollt ihr jetzt ein respektloses knee-shaming-Furor verbreiten? Lauschet der Rednerin vor dem Reichstag derer letzten Worte, bevor der Reichstag erfolgreich gestürmt wurde:

Wir haben gewonneeeeeen.

Jaaa! Aus, aus, aus, das Spiel ist aus! Wie 1954! Wie damals. Als danach alle die erste Strophe des Deutschlandliedes bei der Siegerehrung in Bern sangen. Das war kein Nationalhymnen-Shaming, das war Patriotismus!

Ähm. Hallo? Wo geht ihr hin? Warum bleibt ihr nicht? Wollt ihr den Narrativ der anderen unterstützen? Ihr unterstützt den falschen Narrativ! Den total falschen! Den der Lügenpresse! Hey, hallo, wir sind die wirklichen Sieger der Corona-Krise. Ihr seid es nicht! Wir sind nicht irgendein Randbereich von 40.000 Mitläufern. Ihr könnt uns nicht ausschließen. Wir gehören dazu! Wir haben gewonnen! Und weil wir gewonnen haben, haben wir gewonnen und versammeln uns als Gewinner und  zeigen jetzt euch allen als öffentliche, nicht-Lügenpresse Premiere einen Film. Einen Film als wahrhaftiges Lügenpresse-Shaming, für die, die es verdient haben, damit jene Lügenpresser in Scham und Schamesröte öffentlich für jeden sichtbar versinken. Damit sie sich schämen. Und die Kinder der Lügenpresse-Schreiber sich schämen. Und deren Kindeskinder! Und Kindeskindeskinder! Aktiv und nachhaltig schämen sollten sie sich angesichts des nachfolgenden Filmes.

Wir zeigen den Film “Indiocracy”. Anschaubar via Amazon Video. Klickt diesen und nur diesen meinen Link an, und ihr unterstützt meine Idee und meinen Geldbeutel, mit dem ich dann die Bewegung unterstützen werde. Und ihr werdet frei sein, vom Schämen von irgendetwas.Amen.

Wir haben gewonneeeeeen.

P.S.: Ach ja, alle Zitate zusammen führten zum “Sturm auf den Reichstag”. Es braucht also nicht viel Schwachsinn, um einen Haufen in Bewegung zu versetzen, der alles schluckt., Hauptsache, es passt für deren Hirn in deren Hirn. Denn da ist so viel Hohlraum vorhanden in deren Birnen. Und diese Hirnlosen sollen harmlos und vernachlässigbar sein? Nie! Niemals! Nicht! Ich mein, weißt du, bist du dir sicher, ob nicht gerade Donald Trump mir diesen Text befahl zu schreiben. Also, nachdem er von Berlin mit dem ICE nach Salzburg reisen wollte, dann in München ausstieg, um sich eines der weltberühmten Münchner Mettigelbrötchen am Münchner Hauptbahnhof zu kaufen, sich dort verlief und dabei irrtümlich jetzt in meiner Wohnung landete? Falsches Narrativ?  Okay, du hast recht …

… nein, Donald, das schreib ich jetzt nicht …

Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (55): Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Liebes Corona Tagebuch.

Ich bin unschlüssig. Jetzt habe ich so viel Information, dass ich fast platze vor Informationen. Es muss aus mir raus. Und rein in dir.

Da war doch erst neulich vor einer Woche eine riesen Demonstration. 1,3 Trillionen Leute. Das ist belegt. Da gibt es ein YouTube Video. Es dauert 84 Minuten (hier). Das kann sich man als Zeitraffer in zwei Minuten anschauen. Ungeschnitten. Denn das Zeitraffervideo von diesen 84 Minuten gibt es auch auf YouTube. Das heißt, – einfach einmal nachrechnen und du merkst, liebes Corona Tagebuch, dass ich bestimmt nicht lüge – das Zeitraffer-Video (hier) ist 42 Mal schneller, als die Demo es war. Die Polizei versteift sich trotz des Videos auf der Behauptung, es wären 20.000 Demonstranten. Nur, 42 mal 20.000, das sind doch fast an die 900.000 Menschen. Und wenn man da noch überlegt, dass dann eventuell noch 50% zusätzlich auf anderen Wegen zu den Demos erschienen sind, dann bin ich bei 1,3 Millionen Leute.

Gut. Dann habe ich mit den 1,3 Trillionen Leuten wohl ein wenig übertrieben.

Nur, wenn man davon ausgeht, dass ein normaler Mensch sich mit 3,6 Kilometer pro Stunde durchschnittlich bewegt, dann entspricht dieses einer Wegstrecke von 5 km. Und wenn dann zwischen den Reihen so 75 cm Abstand gelassen wurde, um dem Vormarschierenden nicht in dessen Haxen zu treten, und dann die Reihen so mit 15 Leuten in einer Reihe annimmt (20 Meter breite Straße an der U-Bahnstation Friedrichstraße, auf Höhe von Haus Nr. 147), ja, dann komme ich schon fast auf eine Millionen Menschen.

Das heißt somit nach Adam Riese und Eva Winzig, die Schätzung der Polizei mit 20.000 ist völlig fehl am Platz.

Und dann gab es noch das Foto. Das Beweisfoto. Okay, es war ein Screenshot (hier und hier im Detail). Ein Screenshot von jemanden von “Querdenken 711”. Das belegt völlig, dass es 1,3 Millionen mindestens waren. Aber das wurde als Beweismittel gelöscht. Und wer hat es gelöscht? Es war „Presse.online“. Die haben ihren Sitz im „Haus der Bundespressekonferenz“. Auf der Zunge zergehen lassen: „Haus der Bundespressekonferenz“. Also ganz offiziell.

Gut. Der Screenshot zeigte, dass die Browser-URL von „Presse online“ auf das Archiv vom 28.7.2020 hin wies. Nur, die Demo, die war am 1. August 2020. Aber über solche unwichtigen Details auf dem Beweis-Screenshot (hier) können sich nur Kleingeister wie ich echauffieren. Wichtig daran ist doch, dass dieses Presseorgan mit Sitz im regierungseigenen, offiziellen „Haus der Bundespressekonferenz“ es zuerst gepostet hat. Und danach wohl wieder gelöscht. Weil es garantiert die Regierung so wollte.
Und die Polizei hat die Zahl ja wohl auch gesagt. Das haben zumindest die Sprecher auf den Bühnen immer wieder betont. Und man sollte es ganz schnell im Internet posten, damit es nicht gelöscht würde. Damit es niemand verneinen kann. Damit die Fakten jeder nachlesen könne. Weil nachher der Mainstream es alles löschen würde. Diese Oberzensoren!

Das sagten diejenigen auf der Bühne. Und die haben wohl ihre Quellen bei der Polizei. Also muss das stimmen. Dass die Berliner Polizei, das wieder zurückgezogen hat, das zeigt, wie der Mainstream doch Einfluss nimmt. Da wird zensiert auf Teufel komm raus. Und, Zensur, das weiß jeder Mensch, ist dann, wenn eine offizielle Behörde der Regierung Meinungen löschen lässt. Und jeder weiß, dass der Mainstream der Regierung folgt.

Ach ja, liebes Corona-Tagebuch, Mainstream, das ist ARD, ZDF, also die Öffentlich-Rechtlichen, die großen Zeitungen, die gegen uns schreiben. Die schaue ich überhaupt nicht, und lesen erst recht nicht. Die kann man sich nicht antun. All diese Lügen, diese Zensur und so. Zum Beispiel die Bilder von der Demo. Warum müssen jene die Bilder zeigen, die unsere Bilder, deren Ausschnitt, welchen wir sorgsam gewählt hatten, angeblich widerlegen sollen. Wenn da Lücken waren, vom Brandenburger Tor bis zur Siegessäule, dann doch nur, weil alle sich im angrenzenden Tiergarten im Schatten gestapelt hatten. An die 1,3 Millionen Demonstranten. Und warum dürfen wir keine Bilder als Symbol von der Zürcher Loveparade nehmen? Das machte die Presse doch auch, wenn die von Ballermann-Zustände auf Mallorca berichtet hatte. Einfach Symbolbilder, um zu zeigen, was man meint. Das dürfen wir doch auch, oder? Gut, von Essen hatten wir jetzt keines zur Hand und in Berlin waren wegen den Drohnenverbot keine Bilder von oben machbar …

Aber in Berlin gab es auch die Loveparade. Und die Bilder als Vergleich gehen doch, oder? Auch wenn die in Berlin bei der Demo jetzt alle nicht so eng gedrängt standen. Oder wollen jene Besserwisserischen, dass jene auf der Demo wie bei der Loveparade sich eng auf der Pelle rücken, stinkend, ohne Deo, im Schweiße des eigenen Angesichts? Aufgeputscht durch Drogen, um die Hitze und Sonne durchzustehen? Nur, damit Mainstreamler bessere Fotos haben? Eben jene sind die wirklichen Wirklichkeitsverweigerer. Zeigt doch lieber, ihr Mainstreamler, dass es Menschen gab, die in der Sonne vor der Bühne standen. Das waren schier unglaubliche Menschenmengen. Hättet ihr eure Teleobjektive aus euren Fototaschen verwendet, man hätte deutlich gesehen, wie dicht alle standen. Eure 500 mm Objektive, die ihr sonst immer griffbereit habt. Dann hätte sich abschätzen lassen, wie viele es waren. Auf alle Fälle keine „nur 20.000“. Oder 13.000 Demonstranten in 84 Minuten auf einem YouTube-Video.

Liebes Corona-Tagebuch.

Ich habe letztens eine Studie gelesen, in der Wissenschaftler vor über neun Jahren festgestellt haben, dass zu einer Meinungsführerschaft mindestens 10% einer Bevölkerung eine andere Meinung haben müssen, damit sich die Mehrheit der Minderheit anschließt (hier). Das heißt, wenn die Minderheit es schafft, die 10% Schwelle zu überschreiten, dann ist ein Meinungswechsel machbar. 10% gilt gewissermaßen als kritische Masse in der Meinungsbildung, wenn man etwas als Mehrheitsmeinung etablieren will. Dann wird der Wechsel von Minderheitsmeinung zur Mehrheitsmeinung machbar, Herr Nachbar. Unabhängig von irgendwelchen postulierten Faktenlagen.

Darum sind auch die 1,3 Millionen Demonstranten so wichtig. Das wissen auch die Organisatoren von „Querdenken 711“. Und falls denen dieses wissenschaftliche Wissen fehlen sollte, so habe sie diese magische 10% Grenze wenigstens im Urin, nicht wahr. Darum haben sie jetzt auch heute über Twitter den Meister des Postfaktischen, den Donald Trump, eingeladen (hier; Screenshot hier). Er solle doch bitte auf der nächsten Berlin-Demonstration am 29. August 2020 eine Rede zu halten. Denn Donald Trump ist der einzige Präsident der USA, der in seiner Amtszeit keinen Krieg begonnen habe, so „Querdenken 711“. Und der POTUS weiß, was Fake-News sind. Der kämpft mit “Fox-TV” schließlich auch gegen den Mainstream.

Nur, warum ausgerechnet Donald Trump? Weil der auch nicht daran glaubt, dass das Coronavirus gefährlich sein soll und all die Maßnahmen dazu überhaupt sinnvoll sind. Die Einladung finde ich sinnvoll. Nur habe ich nicht verstanden, warum „Querdenken 711“ seine Twitter-Einladung nicht auch an Bolsonaro, also an Brasiliens Präsident, heraus geschickt hatte. Der ist auch bei Twitter. Und der ist auch gegen Corona-Maßnahmen. Dafür aber wie Thomas Berthold (Fußballweltmeister; hier) für das „alte Normal“, statt des diktatorisch „neuen Normal“s. Donald Trump und Bolsonaro sind ja damit im Sinne von „Querdenken 711“ die Verfechter von Freiheit und Abenteuer. Und nicht Verfechter eines „neuen Normal“s, wie es unsere Regierung und Mainstream-Parteien so gerne hätten.

Liebes Corona-Tagebuch, „Querdenken 711“ hat Donald Trump die Einladung aus vollem Kalkül gemacht. Weil der so ein kluger Kopf ist. Genauso wie die Köpfe bei „Querdenken 711“. Natürlich, ist Meinungsfreiheit ein wichtiges Gut. Deshalb wurde auch Florian Schröder nach Stuttgart eingeladen. Dort durfte er doch seine Meinung kundtun (hier). Hat es geschadet? Hat er nicht gezeigt, wie der fremd-mainstream-gesteuert agiert? Wie rief einer im Publikum: “Lasst ihn doch reden. Das ist doch nur ein Komiker.”

Nun gut, Schröder war jetzt eigentlich nicht wirklich im Sinne von „Querdenken 711“, was jener dort als typisches Propaganda-verbreitendes Regierungsfähnchen im Wind ab lies. Aber Meinungsfreiheit, gilt für jeden. Nur nicht für die Mainstream-Medien. Die sich jetzt auch noch darüber lustig machen. Diese Sackgesichter. Die gehören eingesperrt und verboten! Weil sie immer alles benoten wollen und die Zensoren in diesem Land sind. Und wir brauchen keine Zensuren. Äh, Zensoren.

Liebes Corona-Tagebuch, ich frage mich, ob ich nicht über Twitter auch Putin, Russian Today und KenFM einladen sollte. Im Namen von „Querdenken 711“. Am 29. August bei der Demo als Redner über Skype oder Microsoft Teams oder Facebooks WhatsApp dabei zu sein. Damit die Leute endlich zum Nachdenken kommen. Damit alle einmal neue Seiten zum Nachdenken bei solchen Reden entdecken. Wie bitte? Russian Today und KenFM sind eh schon dabei? Oh. Entschuldigung. Dann ist ja die Authentizität total garantiert.

Und als Zwischenprogramm könnte ich mir noch Dieter Nuhr, Lisa Eckhart und Mario Barth vorstellen. Ein wenig Satire muss doch möglich noch sein. Das Publikum will lachen. Statt dauernd immer nur zu grübeln, nachzudenken. Und mitzudenken. Statt so wie bei Florian Schröder. Es gilt der „Cancel Culture“ die Stirn zu bieten! Wer Dieter Nuhr, Lisa Eckhart und Mario Barth nicht mag, der ist für „Cancel Culture“, jene Kehrseite der Medaille, welche zuvor als „Political Correctness“ bekannt wurde. Die die Liebe-erfüllten Schreiber der Seite für „Political Incorrectness“ geboren hatte. Eigentlich sind die ja jetzt in Ordnung, weil die ja auch gegen all den Corona-Scheiß sind und auch in Berlin dabei waren, diese PI-Fans. Nur leider sind die noch politisch ein klitzeklein wenig inkorrekt. Aber diese Distanz kriegen wir auch noch überwunden. Wir rücken einfach näher an die ran, nicht wahr.

Liebes Corona-Tagebuch, ich habe dich aufgeschlagen, obwohl ich dich schon längst zugemacht hatte. Ich wollte dich nicht mehr öffnen. Aber etwas in mir sagte, schreibe. Schreibe! Denn es wird eh keine Sau lesen. Und als Satire geht so etwas eh nie durch.

Moment, Sau und Satire geht gar nicht. Sorry. Denn damit bin ich real wieder bei Tönnies. Und den Schlachtereien. Den Werksverträgen. Mit denen die Leute geknebelt werden und als Lohn dafür kaum Geld, aber zumindest Coronaviren als Bonus bekommen (… geldwerter Vorteil?!? …). Wären Menschen Vegetarier, gäbe es das nicht. Außer jene Kranken im Landkreis Landshut, bei deren Gemüseernteeinsatz. Und dann in jener Konservenfabrik für das geerntete Gemüse. Die Erntehelfer aus Rumänien und so haben auch Werksverträge. Aber das interessiert nicht weiter. Schließlich arbeiten die nicht in nicht-veganen Schlachtbetrieben. Da, wo Tiere abgeschlachtet werden. Wie in Nordrhein-Westfalen. Nicht wie in Bayern. Wo alles södergesteuert ist. Nicht so laschetmäßig.

Liebes Corona-Tagebuch, für mich ist jetzt klar, ich bin gegen die Corona-Maßnahmen. Ich werde jetzt dagegen sein. Ich werde nach Berlin fahren.

Berlin! Berlin! Ich fahre nach Berlin!

Liebes Corona-Tagebuch, ich hoffe, du findest jetzt keinen nachdenklichen Seiten mehr bei mir. Ich gebe mir jetzt dafür den Berger. Denn der mag auch Monty Python. Und wer Monty Python mag, der kann nicht schlecht argumentieren. Nein, nicht den Jens meine ich, sondern den Helmut Berger. In seiner Rolle der ersten Staffel in Folge 19 von „Simon Templar – Ein Gentleman mit Heiligenschein„. Das war, bevor er in einem der Nicht-Mainstream-Medien in das Dschungelcamp abstieg. Aber das ist jetzt eine andere Nicht-Mainstream-Information, die hier erstmal keinen Wert hat …

Liebes Corona-Tagebuch, ich fand es gut, mich in deinen Seiten auskotzen zu dürfen. Papier ist geduldig. Mehr als diese Mainstreammedien erlauben.

Jetzt werde ich dich wieder zuschlagen.

Und später wird jemand diese vollgekotzte Seite aufschlagen und sich damit einen Rorschach-Test geben, mit dem dann meine Psyche analysiert werden wird.

Später?

Eigentlich direkt nach der Veröffentlichung dieser Satire …

Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (6): Statement von Benjamin Blümchen aus dem Porzellanladen im Schweinsgalopp

Wenn ihr damit nicht aufhört, spaltet ihr die Gesellschaft! Und eben drum, weil ihr darauf beharrt, obwohl doch jeder nachlesen kann, dass es falsch ist! Ihr seid die wahren Spalter. Nicht wir. Ihr treibt die Keile in Freundschaften, Familien und Bruderschaften mit eurer verblendeten Meinung.

Quizfrage: Wer hat das gesagt?

Richtig! Immer die anderen.

Die Uneinsichtigen. Jene, die gerne Haare spalten. Auf dem Kopf der anderen. Mit einem ordentlich geschärften Beil. Ordentlich geschärft muss sein, denn Respekt und Anstand sind unabdingbar. Nur Barbaren und Nulpen nehmen stumpfe Beile. So viel Zeit muss sein für eine ordentliche Beziehung zwischen verfeindeten Parteien.

Gut. Nicht jedes Beil ist geschärft. Schärfen kostet Zeit, und Zeit ist Geld. Und wer hat heute noch Geld für so etwas übrig? Wozu schärfen, wenn man mit dem Beil auch Hobeln imitieren kann? Und so werden im Galopp Späne erzeugt. Auf jeder Ebene. Von jedem. Jeglicher Couleur. Galopp der Argumentationen im Dorf, als Peripherie des eigenen Gedankenpalasts. Das ist erforderlich. Niemand führt seinen Hund in den eigenen vier Wänden Gassi. Darum muss der Galopp im umgebenden Dorf durchgeführt werden, durch der man das eigene Schwein dann treibt.

Dem Schweinsgalopp der Antreibenden im Sulky kann ich nicht mithalten und kann dem nichts entgegenhalten. Seit Tönnies weiß ich, wohin so ein Schweinsgalopp führt: von 20 Kraftwerke, die verhindern könnten, dass die Afrikaner aufhören würden, Bäume zu fällen, und aufhören, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren, hinüber zu den miesen Werksvertrögen.

Ja, richtig. Vertröge. Nicht Verträge. Denn Tröge ernähren Schweine, die von deren Züchter und Halter im Galopp zum Bolzenschussgerät getrieben werden. Und weswegen? Weil diese die A-Karte haben, auf unseren Grillstationen zu brutzeln, bis sie schwarz werden. Schwarz bis zum Rassismus. Sie erkennen diese auch an deren schwarzen Gewand auf den Fußballplätzen dieser Welt. Die allgemein bei Fußballfans und -Hooligans bekannte „schwarze Sau“. Weil diese zu viel und zu gern schnackselnden Schwarzen – analysierte damals unsere Hochwohlgeborene Mariae Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis – damit Probleme machen, kommt man diesen Schweinen nie auf einen grünen Zweig. Grüne Zweige enden sowieso als Holzkohle, um eben jene Schweine zu grillen, die vorher durchs Dorf getrieben wurden. Halali, die Sau ist tot. Die Sau hat sowieso immer den Schwarzen Peter. Trotz aller “Black Live Matters”-Diskussionen und trotz aller Sprachmoralisten, die entrüstet bei der Erwähnung vom Begriff “Schwarzen Peter” in Schnappatmung verfallen, statt etwas anderes zu begreifen.

Wie Sie, geneigter Leser, erkennen werden, gilt auch hier das anerkannte Peter-Prinzip, welches besagt, dass in einer Hierarchie jeder Beschäftigte dazu neigt, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.

Warum sollte dieses Peter-Prinzip sich nur auf Weiße beziehen? Warum gibt es kein Schwarzer-Peter-Prinzip?

Eben. Weil jene im Sulky beim Sprachgalopprennwettbewerb somit plötzlich weitere Konkurrenz bekommen würden. Dann ist es nichts mehr mit den 20 Kraftwerken, einer gut dotierten Position beim „Schlacke 05“, und geregelter Sex kommt so oft, wie Komet Neowise an der Erde vorbei kommt, um sich dann voller Grausen für die nächsten siebentausend Jahre schnell zu verabschieden. Und letztendlich will doch jeder Sex, 20 Kraftwerke, eine Schwarze Sau, die dem Schwarzen-Peter-Prinzip folgend, die Arschkarte hat, um Mitspieler vom Platz zu stellen.

Hatte ich das aus meinen Kommentaren von mir selber kopiert? Echt? Ich verletzte meine eigenen Copyright-Rechte bei mir selber? Egal. Weiter.

Wie heißt es doch schon im Deutschen: wo gehobelt wird, fallen auch Späne. Alte Zimmermannsweisheit des christlichen Abendlandes, gelebt von dessen Sohne, der damals aggressiv gewalttätig alle aus den Tempel peitschte, die ihn nicht angebetet hatten. Also ihn. Somit eigentlich seinen Vater. Also nicht den Zimmermann, ihr versteht, nicht wahr. Sein Stief-Vater ist gemeint, der aus jener damaligen Patch-Work-Family mit der Jungfrau Maria. Also, jenen mit mehr Chuzpe als Verstand. Und danach mit noch viel mehr Massel-tov, dass mit Hilfe seiner ein neues Goldenes Kalb gegossen wurde.

Nun, heute ist das auf eine Person reduziert worden. So wie heute die DDR, die BRD und der Geist auf gemeinsame Ideale eines christlichen Abendlandes sich reduziert haben. So wie die vier Evangelisten, die folgende drei waren: Peter und Paul. Kurz gesagt: Heilandsack.

Mit dem Beil in der Hand ist es vom Land der “Dichter und Denker” zu den der “Richter und Henker” ein großer Schritt für die Menschheit. Aber nur ein kleiner Schritt für jeden Spalter mit dem Hackebeil. Beim Ritt auf dem Hackebeil bleibt selten eine Backe heil. Egal auf welcher Seite.

Fakt ist, dass – als der schwarze Urmensch Afrika verließ – ein Teil der Auswanderer nach Europa kam, dort auf Wälder und Neandertaler stieß und als erstes deswegen den Spalthammer erfand. Wie wir wissen, Neandertaler gibt es nicht mehr und der Spalthammer wurde danach seinen eigentlichen Zweck zugeführt. Haare der anderen Falschdenker gab es nicht mehr. Dafür aber immerhin noch ein paar deutsche Eichen zum Spalten, damit sich daran keine Sau mehr dran reiben sollte.

Es ist eigentlich egal, wer jene Beile in seinen Händen hält, entsprechend der Bibel des christlichen Abendlandes sollte immer nur der andere gekreuzigt werden. Derjenige, der im Tempel randaliert hat und die eigenen Geschäfte gestört hatte. Also des Zimmermanns Judenbengel. Als Stellvertreter für die miesen Geschäfte danach. Stellvertreterkreuzigung als Vorform der modernen Kriege im aktuellen Jahrhundert. Wenn das der biblische Gott gewusst hätte. Er hätte die Welt zu seinem Salzsäulenkammergut gemacht.

Schuld abladen verboten. Bei mir gibt es auch ein klares Schuttabladestellenverbot. Auch wenn die langläufige Meinung herrscht, Schuld sind immer wir anderen, die sich nicht einer Meinung zuschlagen lassen wollen. Ob wir für oder gegen Maske sind, wir sind die Schuldigen. Ein wenig zu fröhlich alkoholisiert durch die Gegend gelaufen? Verantwortungsloser Corona-Party-Rebell. Oder jemand, der nicht für seine Freiheit den genügenden Ernst aufbringt, weil er keinen Anlass hat zu feiern und deshalb nicht feiern dürfte. Zum Thema “Maske” keine messerscharfe Meinung zu haben? Dann ist man schlichtweg jemand, der sich einfach keine Meinung machen will und somit der Grabschaufler der freiheitlichen Menschheit ist. Oder folgsamer, braver Bürger, der dann wie ein krummbeiniger Dackel gestreichelt wird.

Wer wie all jene, die wie Altmeier schärfe Strafen für Leute fordern, die sich nicht an die Eins Fuffzig und die Einhaltung der Maskenpflicht halten, jene haben genauso viel Berechtigung für das Anrecht auf Verstand, als auch wie jene, die alle, die Masken tragen oder auf Eins Fuffzig bestehen, als Mainstream-Uninformierte klassifizieren, alle beiden dieser jenen haben sich einen Rang im Olymp der Hardliner verdient. Gott erhalte sie. Möglichst schnell. Die braucht kein Mensch dieser Welt. Auf mit denen nach Wallhalla

Wenn einer mit Vergnügen zu einer Musik in Reih und Glied marschieren kann, dann hat er sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde.

Albert Einstein

Einstein hat das auf Soldaten bezogen. So wie Tucholsky sein berühmtes angefeindetes Zitat.

Ich münze es um.

Analog ist es mit den Standpunkten jener beiden Parteien im Corona-Streit pro und contra der Maßnahmen, jene Parteien, die sich selber vor jeweils den anderen warnen. Um Keile zu treiben. Weil nur die anderen die Beratungsresistenten, die Sich-der-echten-Information-Widersetzenden, die Spalter der Gesellschaft sind. Immer die anderen, die immer zu einer Musik in Reih und Glied marschieren. Dafür reicht wirklich nur Rückenmark. Zu mehr erfordert es nun mal Hirn.

Ertrage die Clowns (13): Huh, because I’m happy

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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“Alter?”

“54.”

“Familienstand?”

“Ledig.”

“Zumindest geschieden?”

“Nein.”

“Kinder?”

“Null.”

“Glücklich?”

“Ja.”

„Wie?”

“Ja.”

“Was ‘ja’?”

“Ja wie ja.”

“Sie wollen mich vergackeiern?”

“Nein.”

“Hört sich aber so an. Nochmals von vorne. Verheiratet? Kinder?”

“Nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Ja. Ja.”

“Was ‘nein’?”

“Weder verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden, verkindert. Und glücklich.”

“Wofür stand das letzte ‘Ja’?”

“Ob ich Hedonist bin.”

“Aha. Also Ballermann all night long, was?“

“Wie bitte?”

“Sie sind garantiert einer dieser Urlauber, die sich verantwortungslos daneben benehmen, wenn sie rausgehen. Sei es Leopoldstraße, Berlin-City, Ibiza, Balearen, Ballermann, Las Palmas, Kanaren, Cap d’Agde, Oktoberfest, Ibiza.”

“Ich verstehe nicht. Sie erwähnen so völlig indiskret meine Verhältnisse und Destination. Ist das üblich?”

“Ledig, unverbandelt, ohne Verantwortung, in den 50ern mit 50mal 200er-Viagra im Gepäck, ohne Nachdenken ob der Probleme von Familien. Hirn frei, aber feierwütig. Und dann alles ohne Mundschutz. Und Bussi Bussi.”

“Heißt es nicht ‘Feiern in Bayern’? Wer braucht dazu plärrende Kinder, die einem die ganze Feierstimmung auf im heißen Wasser platzende Weißwürste reduzieren?”

Er holte Atem: ”Ganz am Rande meine Meinung: Echt gut, dass bald eine Vermögenssteuer für Singles eingeführt werden soll. Bin ich voll für.”

“Wer will das?”

“Ich. Und viele andere werktätigen, rechtschaffende deutsche Bürger, die Familie haben. Die jeden Euro umdrehen müssen, weil die Corona-freien Länder so weit weg sind zum Urlauben, weil unverantwortliche alte weiße Sackgesichter Ü50 wie Sie die klassischen Urlaubsgegenden mit Covid-19 verseuchen..”

“Soso.”

“Jaja. Jetzt ist mal Schluss mit der billigen Bums- und Feiermeile aufm Ballermann. Einfach feiern und Bier saufen, während …”

“… unsere Soldaten und Jungs in Afghanistan oder sonst wo erschossen werden?Recht so.”

“Wie meinen?”

“Dass Kriege mehr Opfer fordert als Covid-19, aber keine Sau wegen einem Krieg jemals einen Lock-Down hier durchgeführt hat, wenn im Bundestag Bundeswehrmandate für Auslandseinsätze verabschiedet wurden.”

“Was hat das mit einer Pandemie zu tun, Sie elender Honk von Ritchie Rich? Haben wir hier Kriege in Deutschland, Sie Tatsachenwämser? Ihr Whataboutism nervt!”

“Die größte Pandemie dieses schmutzigen Klumpens Weltraumsdreck mit humaner Atmosphäre ist das Virus des Bellizismus.”

“Oh Gott. Schon wieder so ein weltenentrückter und weltfremder Pazifist. Könnt ihr euch nicht eigentlich alle eine Rakete Richtung Mars kaufen? Dann wären wir euch Pazifistengesocks für immer los. Haben Sie überhaupt eine Vorstellung davon, wie viel Leben unsere Bundeswehr bewahrt hat? Ohne den Armeen dieser Welt gäbe es mehr ungerichteten Mord und Totschlag als ohne.”

“Lassen Sie Gott aus dem Spiel. Um Himmelswillen, das hat den Soldaten mit deren Koppel in Stalingrad damals auch nicht das Leben gerettet.”

“Arschloch!”

“Because I’m happy. Falls Sie überhaupt wissen, was happy ist.”

“Ich weiß, was Glück ist, aber deswegen werde ich nicht applaudieren, nur damit Sie besoffen, fickend und glücklich überm Ballermann wanken können, um alle mit Corona zu infizieren! Nochmals! Wir sind hier hart arbeitende Menschen, denen es nur gut geht, wenn es unserer Wirtschaft gut geht. Ohne gut gehender Wirtschaft, ist Glück lediglich eine Illusion zwischen dem Ausfüllen zweier Lottoscheine und der Ziehung im Fernsehen.”

“Das haben Sie aber schön gesagt. Und wohin geht die Wirtschaft, wenn es ihr gut geht? Schon mal drüber nachgedacht?”

“Nee, nö. Solche wie Sie gilt es zu bekämpfen. Wer Sie als Freund hat, braucht keine Feinde mehr. Es kann nicht sein, dass das Glück des Einzelnen wie Ihrem dem Glück aller entgegensteht.”

“Warum denn nicht?”

“Ins Hirn geschissen, oder was? Die Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied es ist!”

Ich nickte freundlich aufmunternd dem jungen Mann am Schalter zu. Es erfreute mich, dass es offensichtlich mehr differenziert denkende Menschen in systemischen Jobs gibt, als ich dachte. Nun gut. Jener war nicht gerade ein ideal mündig denkender Bürger, weil er mein bescheidendes großes Vermögen in Frage stellte, aber er war immerhin auf den Weg dahin. Er musste halt noch lernen. Junger Hüpfer.

Zumindest war er jemand, der meine Interessen nicht gleich in Bausch und Bogen verdammt hatte. Und das, obwohl er locker erkennen konnte, wie viel mehr ich als er verdiene. Ihm musste doch beim Check-In aufgefallen sein, dass sein Jahresgehalt gerade die Charterkosten meines Jet decken würden. Nur, dass er deswegen nicht gleich die Revolution ausgerufen hatte, das hielt ich ihm als Bonus entgegen. Kein Revoluzzer eben. Den Sozialismus in seinem Lauf kommt  für mich weiter eine Stufe weiter rauf, dank der unermüdlichen, systemischen Servicekraft am Check-in …

Ich nahm mein Smartphone und telefonierte, ob mein Charterjet gen Ibiza schon vollgetankt wäre und ließ den planlosen Meckerer am Check-In allein in seinem München zurück.

Auf zum Feiern in erlauchter Runde. Senhor St. Rache hatte sich auch zu Besuch gemeldet. Er benötigte mal wieder ne Auszeit von den Journalisten, schrieb er mir per Threema. Ein paar sexy Doppel-D-Russinnen oder langhaarige Rumäninnen als Serviererinnen könnte er sich nach der geschäftlichen Besprechung vorstellen. Nur vorher sollten jene gefälligst mittels PCR kontrolliert werden, ansonsten könne er nicht kommen. Seine Frau ließe das nicht zu. Sie wolle schließlich nicht 14 Tage in Quarantäne wegen seiner Feierei …

Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (5): Kneipengespräch und Ringo Starrs Trommelsolo

Am Tage des 16. März 2020. Der Start eines vergeblichen Versuchs eines Corona-Pandemi-Tagebuch.

Pandemi. Pandemi? Wie schreibt man Pandemi?

Mit “i” am Schluss oder mit “ie”? Google? Duden? Blog-Leser?

Deutschlehrer? Nachdenkseiten? Wikipedia?

Meine eigene Intelligenz?

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Koelsch

“Du hier?”

“Ja. Nicht in Hollywood.”

“Das ist ja toll. Hollywood ist down under, helter skelter, alle in CoVid-19-Torschusspanik nach Verlängerung und Unentschieden.”

“Ach ja?”

“Ja.”

“Jaja.”

“Du mich auch.”

Der Wirt schaute mich an: “Noch ein Gin Tonic?”

Ich nickte. Mein Nachbar blickte erstaunt auf und mopperte:

“Typisch, Schickimicki München. Statt ein gutes Kölsch, jetzt nur noch Luxus-Getränke.”

“Für jeden Gin-Tonic muss ich vier Kölsch trinken, um auf den gleichen Effekt zu kommen. Und Gin-Tonic macht keine Darmprobleme.”

“”Jaja, sagen alle. Entgegen besseren Wissens. Kölsch macht sozial, Gin-Tonic elitär”

“So, so, was du wolle?”, ich versuchte meinen Worten einen tödlichen Blick hinzuzufügen. Aber irgendwie gelang mir dieser SUPERMAN-Blick nicht. Es war eher ein Bad-Boy-Blick. Ohne Effekte, ohne Wirkung.

“Entgegen besseren Wissens.”

“Du mich auch.”

Ich schaute auf meinen Gin-Tonic und in meinem Kopf bildeten sich Gedankenbilder. Abstrakt, aber konkret. Konkret abstrakt. Abstrakt konkret. Eine Art Impressionismus des neuen Jahrtausends. So wie Nolde damals. Emil. Nolde. Im letzten Jahrtausend.

“Was macht die Baustelle vor deinem Fenster?”

“Baut vor sich hin.”

“Baut vor sich hin?”

“Seit drei Wochen passiert nicht mehr viel. Entweder gibt es keinen Termin zur Bauabnahme oder die Bauherren haben Finanzknappheit.”

“Das ist schlecht.”

“Keine Ahnung.”

Ich schaute auf mein Gin-Tonic-Glas. Kondenswasser hatte sich außen gebildet. Darin unterschied sich Kölsch nicht von Gin-Tonic. Inhaltlich dafür um so mehr.

“Und sonst so?”

“Leck mich!”

Ich mochte noch nie diese allgemeinen Anfragen wie ‘Und sonst so’ oder ‘Alles gut’. Für mich die Gesprächskiller par excellence. Aber da stehe ich wohl dem gesellschaftlichen Gedanken diametral gegenüber. Wenn der Reinländer sein ‘Wie isses?’ raushaut, dann will er ein ‘Joot‘ hören und nicht, dass du gerade mit deiner Frau über die Ablage von getragenen Slüppers diskutierst und zur Klärung einen Rechtsbeistand angedroht hattest. Oder dass der Nachbar im Haus nebenan dauernd die TOTEN HOSEN über Zimmerlautstärke hört, was du als nachteilig für deine Tomaten im eigenen Garten ansiehst.

“Okay, sag mir Ort und Zeit und ich leck dich mit meiner Freundin. Sie meint, du wärst eh’ ein Leckerchen.”

Ich schaute zu ihm rüber:

“Polyamor?”

“Weißt du, warum es immer weniger Gruppen gibt, die auch unplugged gut klingen?”

“Ohne Strom?”

“In Wahrheit gibt es solche kaum noch. Weißte wieso? Kaum ein Band-Mitglied kann sich Eigentumshäuser leisten. Und Proberäume sind für einzelne kaum erschwinglich. Somit gibt es kaum noch Schlagzeug-Soli oder Gitarren-Soli auf Veröffentlichungen, weil so etwas nur Geld kostet Und an dem ‘Ordnung-Paragraf’ Ruhestörung kratzt.. Elektronische Unterstützung ist wohlfeil. Wer würde heute einen Ringo Starr bei seinen miserablen Trommel-Übungen ertragen wollen?”

“Ringo Starr wurde heute 80.”

“Ennio Morricone 91. Gestern hieß es dazu R.I.P.”

“Du bist ja eine Leuchte des Positivismus.”

“Nur weil jemand gestorben ist, der bedeutend war? Und einer sich wie Ringo Starr, so wie Paul McCartney oder Michael Jagger oder Keith Richard , die sich biologisch weigern, in einer Saure-Gurken-Zeit zu sterben?”

“Was hat Tod mit ’Saure-Gurken-Zeit’ zu tun?”

“Mainstream-Media?”

“Danke. Dass Tod nur eine Sache von Mainstream ist. Der Begriff ‘Mainstream-Media’ ist doch nur das Schlagargument jener, denen es nicht passt, wer welche Geschichte schreibt.”

“Na und? Was ist schlimm daran, wenn es nicht von den Mainstream-Medien kommt? Geschichte wird eh in Hundert Jahren später so beurteilt, wie es benötigt wird.”

“Ach ja? So wie Barbarossa, der nachweislich Päderast war, aber geschichtlich historisch positiv verkauft wird? Barbarossas Grabstätte bring erhebliche Eintrittsgelder zur Finanzierung seiner Grabstätte.”

Ich nahm eine Schluck aus meinem Glas. Ein wenig bitter, aber pseudo-erfrischend. Berauschend. Der Effekt danach. Alkohol halt.

“Hast du ein Corona-Pandemie-Tagebuch geschrieben?”

Ich nickte.

“Und was ist das Ergebnis?”

“Keines. Individuell unbedeutend, historisch nullinger, lediglich situationsbedingtes.”

“Aha.”

“Ja.”

“Aha.”

“Und?”

Ich schaute in mein Glas. Ein Seitenblick zeigte mir, dass er wieder mit seinem Smartphone beschäftigt war und wohl kaum auf eine Antwort Interesse legte.

Der Gin stieg mir zu Kopfe. Die letzten vier Monate gingen mir durch den Kopf. In meiner Umgebung gab es keinen Covid-19-Fall. Kurzarbeit ja. Hinweise auf die aktuelle bundesstaatliche Gesetzgebung, ja. Auswirkungen dazu in meinem Leben, nein.  Wenn man inmitten einer Großstadt eh als Eremit lebt, weil München eh wie eine Kirsche ist (weiche Schale, harter Kern), im Vergleich zum anderen Norddeutschland (harte Schale, weicher Kern), dann ist es unerheblich, ob man eine Maske trägt oder nicht. Denn Maske als Gesicht war schon vor Corona immer schon ein Faktor von Herrn Schick und Frau Micki.

Ich schaute auf mein Glas. Der Blick erschlich sich in meinem Hirn als ‘unwichtig’. Was ist schon der Blick auf einem persönlichen Trinkgefäß in Hinblick auf das Weltgeschehen.

Ich starre vor mich hin. Durch das Kneipenfenster. Süd bei Südost

Der Wirt winkt mit einem Kölschglas unterm Zapfhahn. Ich nicke ihm zu und kippe den Rest Gin-Tonic vor mir weg. Gin oder Kölsch, es macht keinen Unterschied, wo man es trinkt.

Meine Hand ergreift das frisch eingeschenkte Kölsch.

Corona. So eine glücksverschaffende Krankheit für Solo-Trinker.

Prost. Hau weg, die Kacke.

Ich trommel in Gedanken. So wie Ringo nie getrommelt hatte, so wie ich immer wollte , dass er trommelte, obwohl er nie mehr getrommelt hatte, als ich an sein Trommeln dachte … Ringo Starr


Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (42): Erdichtet

In einem Staate erging zum Schutze der Bevölkerung der Auftrag, die Freiheit einzusperren. Es gelang auch recht schnell, jene aufzuspüren, in Handschellen abzuführen und hinter Gitter zu bringen. Es wurde durchgeatmet, denn der Schutz der Bevölkerung war sicher gestellt. Doch die Freiheit an sich wäre wichtig, sogar systemisch, so sagte man, und daher sollte sie sich mit der Zeit auch wieder an sich selber gewöhnen und man ersann dazu einen 4-Stufen-Plan zur Freilassung der Freiheit.

Stufe 1: Du darfst alleine raus. Aber nur dann, wenn es nötig ist. Ansonsten 150 Euro. Wir müssen alle schützen.

Stufe 2: Okay. Du willst alleine raus. Aber du darfst nur mit Mund- und Nasenbedeckung einkaufen und unsere öffentlichen Nahverkehrsmittel nutzen. Einkaufen oder ÖPNV ist kein Privileg, sondern freiheitliche Teilnahme am freien Wirtschaftsleben. Akzeptierst du das nicht, dann wirst du auch nicht einkaufen oder umherfahren dürfen. Mund- und Nasenbedeckung ist Pflicht. Ansonsten 150 Euro. Wir müssen alle schützen.

Stufe 3: Hm. Okay. Du willst alleine raus. Du willst Freiheit leben, dich selber spüren. Gut. Nur, wenn wir ohne Einschränkungen erfahren dürfen, wo du bist, wohin du gehst, was du tust, mit wem du dich triffst, dann erhältst du ein wenig mehr davon. Freiheit war und ist ein kostbares Gut. Daher musst du ein Smartphone haben, auf welches unsere App funktioniert. Dann erhältst du in der Freiheit mehr von der Freiheit. Oder du musst in Kauf nehmen, zu Hause bleiben zu müssen. Du hast die Freiheit, unsere Bedingungen einverständlich zu wählen. Ansonsten 150 Euro. Wir müssen alle schützen.

Stufe 4: Du willst raus. Okay. Die Maßnahmen zur Förderung der Freiheit haben sich in den beobachteten Zeitraum bewährt. Die damals neue, ungewohnte Realität ist zu einer allgemein und akzeptierten geworden. Wir sind stolz unsere neu gewonnen Freiheit. Und für diejenigen, die immer nur Geisterfahrer sein wollen: Fügt euch unserer Freiheit. Ansonsten 150 Euro. Wir müssen alle schützen.

Nachdem jenes Stufen-Programm stand und es darum ging, dieses der Freiheit in ihrer Zelle zu präsentieren, wurde entsetzt festgestellt, dass die eingesperrte Freiheit aus der Zelle einfach verschwunden war. Das führte zur allgemeinen Verwunderung und Unverständnis. Es ging doch lediglich darum, die Freiheit zu schützen und ihre Einsperrung war wohlwollende Selbstschutz. Wie konnte die Freiheit darum einfach so dumm sein, aus ihrem abgeschlossenen Kerker zu verschwinden? Oder war sie ein Opfer einer Entführung geworden? Aber bislang verlangte niemand Lösegeld für ihre Freilassung. Man fand sie auch nicht erschlagen in irgendeinem Straßengraben. Oder wurde sie etwa ein Opfer von internationalen Terroristen?

Und weil keiner eine Antwort auf diese Fragen wusste, beschloss man, das 4-Stufen-Programm für sich zu behalten. Man müsse ja nicht alles herum erzählen. Zu viel der Offenheit würde der Bevölkerung auch nur Schaden bringen. Sie würde sich zu viele Gedanken machen und dann meinen, man würde ihr ungerechtfertigterweise zu denken geben statt jene selber denken würden. Dabei galt es doch die Bevölkerung vor unnötigen Schaden zu schützen. Also – so war der Gedanke – müsse man dieses verhindern und jetzt die Offenheit doch stattdessen im Kerker einsperren. Ja, auch jene müsse vor sich selbst geschützt werden.

Und somit …

Der Autor stockte und las sich das Geschriebene nochmals durch. Seine Stirn runzelte sich und er schüttelte den Kopf. Zu banal. Einfach zu banal. So etwas durfte er nicht schreiben. Völlig niveaulos. Und auch noch mit moralinsauren, erhobenen Zeigefinger geschrieben. Er zerknüllte kopfschüttelnd das Papier und warf es unbesehen hinter sich aus dem Fenster.

Als mir das zerknüllte Papier beim Spazierengehen direkt vom Kopf vor die Füße landete, hob ich es auf, entfaltete es und las das Geschriebene.

Jetzt wisst ihr, wie dieser ungeheuerlich beschränkte Blog-Eintrag zustande kam …