Auf Jobsuche

Wissen Sie… man geht ja heute nicht mehr einfach… also, man sucht ja keine Arbeit mehr. Das ist ja vorbei. Arbeit sucht heute *uns*. Sagen sie jedenfalls. Findet uns nur nicht. Weil… na ja, wegen der Ortung. Wenn Sie heute von der Arbeit gefunden werden wollen, müssen Sie sich erst mal unsichtbar machen. Das ist moderne Logik. Das ist… das hat Methode!

Neulich erst. Ich sitze bei so einem… wie heißen die jetzt? Talent-Manager! Früher hieß das Menschenhändler, heute heißt es Talent-Manager. Klingt dynamischer. Nach Turnschuh und agilem Denken. Der schaut mich an, über den Rand seiner randlosen Brille – die haben alle randlose Brillen, damit man die Leere dahinter besser sieht – und fragt: »Sie suchen Arbeit?«

Ich sage: »Man könnte sagen: Arbeit sucht mich. Nur findet sie mich selten.«

Da strahlt der! Ein Lächeln… wissen Sie, das ist kein Lächeln aus Freude, das ist das Lächeln eines Mannes, der Provision riecht. Der riecht mein Gehalt, bevor ich es überhaupt verdient habe. Und er sagt: »Dann sind Sie bei uns richtig. Wir bringen Menschen und Stellen zusammen.«

Ich konnte es mir nicht verkneifen. Ich sag: »Wie die Bahn?«

Er, völlig ohne Zuckung im Gesicht: »Nein. Erfolgreicher.«

Erfolgreicher als die Bahn. Gut, das ist jetzt kein Qualitätsmerkmal, das ist eine mathematische Mindestanforderung, aber bitte. Und dann ging es los. Der Apparat lief warm. Die Maschinerie des absoluten Nichts.

»Dann benötige ich Ihren Lebenslauf«, sagt er. »Aber anonymisiert.«

Ich sehe ihn an. »Anonymisiert?«

»Ja«, sagt er, und bekommt diesen religiösen Blick, den sie alle bekommen, wenn sie das Wort aussprechen. »Datenschutz!«

Verstehen Sie? Datenschutz! Das ist das Hochamt des 21. Jahrhunderts. Wir schützen die Daten vor den Menschen, damit die Daten in aller Ruhe ohne uns leben können.

Ich frage also nach: »Ohne Namen?«

»Selbstverständlich.«

»Ohne Adresse?«

»Natürlich.«

»Ohne Telefonnummer?«

»Unbedingt.«

»Ohne Foto?«

»Um Gottes willen!«

»Und ohne beruflichen Werdegang?«

Da wurde er nachdenklich. Das tat ihm sichtlich weh, das Denken. Das ist ja auch nicht vorgesehen im Prozess. Aber er fing sich wieder. Er strich sich über den Maßanzug und sagte: »Eigentlich… eigentlich auch ohne den.«

Ich schaue mich um. Ich schaue an mir herab. »Was bleibt denn dann von mir übrig?«

Und jetzt kommt der Satz. Das müssen Sie sich auf der Zunge zergehen lassen. Das ist die Krönung der modernen Unvernunft. Er sagt, ganz ernst, ohne zu blinken: »Genau deshalb lieben unsere Kunden anonymisierte Bewerbungen. Sie werden nicht durch Fakten beeinflusst.«

Wunderbar, oder? Fakten stören nur! Wenn wir erst anfangen, uns mit Fakten zu beschäftigen, wo kämen wir denn da hin? Am Ende findet noch jemand den Richtigen für den Job! Das muss verhindert werden! Das ist die reine, destillierte Logik, die nur entsteht, wenn Juristen, Unternehmensberater und PowerPoint-Präsentationen nachts heimlich gemeinsam Nachwuchs zeugen. Eine Missgeburt aus Excel-Tabellen und Paragrafenreiterei!

Ich frage ihn also – ich Depp, ich wollte es ja wissen: »Wie wollen Sie denn feststellen, ob ich geeignet bin?«

»Wir haben bereits Ihr Xing-Profil geprüft«, sagt er.

Ich atme tief durch. »Dort stehen mein Name, mein Foto und mein gesamter Lebenslauf.«

»Ja.«

»Das ist kein Datenschutzproblem?«

»Nein«, sagt er, als wäre ich der letzte Idiot auf Erden. »Das steht ja öffentlich im Internet.«

Ach so! Wenn es im Internet steht, für jeden Geheimdienst, für jeden Heckenschützen, für jede KI in Silicon Valley greifbar… dann ist es privat. Wenn ich es ihm aber auf einem Stück Papier direkt in die Hand drücke, dann ist es hochgradig vertraulich, kriminell und muss sofort geschreddert, sterilisiert und vor der Menschheit verborgen werden!

Wenn die Daten öffentlich sind, sind sie privat. Und wenn sie privat sind, müssen sie geschützt werden. Vor wem eigentlich? Vor uns!

Und dann zieht er ein Formular heraus. Acht Seiten! Für die… halten Sie sich fest… für die »Datensparsamkeit«. Acht Seiten Papier, um mir zu beweisen, wie sparsam er mit meinen Daten umgeht.

»Bitte hier unterschreiben«, sagt er.

»Wofür?«

»Damit wir Ihre Daten speichern, verarbeiten, weitergeben, archivieren und gegebenenfalls bis zum Ende der bekannten Welt aufbewahren dürfen.«

Ich dachte, ich bin im falschen Film. Ich sage: »Ich dachte, wir anonymisieren alles.«

»Das tun wir auch.«

»Und warum brauchen Sie dann meine Daten?«

»Damit wir sie anonymisieren können!«

Das… das müssen Sie erst mal… also, das muss man sich erarbeiten, so ein Delirium. Man braucht die Daten, um sie zu löschen. Man braucht den Menschen, um ihn wegzustreichen. Da saß er vor mir. Der Geist der Bürokratie in Person. Er trug einen Maßanzug, roch nach teurem Aftershave und nannte sich Talentmanager. Ein Verwalter des Vakuums.

Ich habe dann die einzig logische Frage gestellt: »Und was passiert, wenn ich nicht unterschreibe?«

Er sah mich an. Ganz traurig. Fast mitleidig.

»Dann können wir Ihre Privatsphäre leider nicht schützen.«

»Vor wem?«

»Vor uns.«

Liebe Leser, mal unter uns. Gehen Sie also nach Hause. Löschen Sie Ihren Namen. Vergessen Sie Ihr Gesicht. Und wenn Sie Glück haben… findet Sie morgen die Arbeit. Aber erschrecken Sie nicht, wenn Sie sich selbst nicht mehr erkennen.

Opa Fred und seine Wal-Verwandtschaft

Opa Fred ist letztens rauf zur Ostsee. Ganz allein.

Was er da wollte? Seinen Traum verwirklichen: einmal Ostsee sehen und sterben.

Sterben? Yep. Da lag er wohl halb nackt im feuchten Sand, also ohne Hawaiihemd, ohne weiße Sportstrümpfe und ohne die obligatorischen blauen Adiletten.

Also fast nackt, lediglich in seinen beigen Bermudas. Am Strand. Regungslos.

Die ersten Passanten kamen vorbei und musterten ihn vorsichtig. Einer fasste sich dann ein Herz:

»Oppa, was machste denn hier am Strand? Ist doch viel zu kalt noch!«

»Lasst mich in Ruh. Ich will die Ostsee sehen und dann sterben.«

»Ostsee, Oppa? Aber das kannste auch daheim im Internet sehen. Dafür brauchste doch nicht hier am Strand. Hier ist kalt, hier holste dir noch den Tod!«

»Hier ist aber ruhiger, als bei mir zu Hause.«

»Oppa, das kannste aber nicht machen, hier am Strand sterben. Was sollen denn die ganzen Leute von dir denken? Wie alt bisste denn?«

»80.«

»80 ist doch kein Alter. Schau dir den Lindenberg, die Cher, den McCartney an, die hüpfen noch herum, wie Kinder auf ner Hüpfburg.«

»Ich will aber keine Hüpfburg.«

»Oppa, du musst vital bleiben. Du musst das Leben genießen. Rausgehen. Den lieben Gott einen Mann sein lassen. Sterben kannste später noch immer, aber jetzt doch nicht.«

»Lasst mich in Ruhe, die Ostsee sehn.«

»Und sterben haste gesagt? Denk mal nach. Also, einsam sterben kann doch kein Ideal sein. Das ist doch Mist, so einsam zu sterben.«

»Mir egal. Ich will hier nur in Ruhe liegen. Wollte ich im Beisein anderer Menschen sterben, wäre in die Ost-Ukraine gefahren. Aber ich wollte Ostsee und …«

»Oppa, ich rufe dir den Matthäser-Hilfsdienst, die werden dir hier weghelfen. Schatzi, mach mal.«

»Ich will aber nicht weg.«

»Die bringen dich zu den deinen, dann wirste das Leben wieder mit anderen Augen sehen.«

»Meine Augen wollen aber …«

»Ost sehen, ich weiß. Nur wenn ich dir tief in deine Augen schaue, dann sehe ich das sprühende Leben, diese Abenteuerlust, diese Vorfreude auf das Leben in der Gemeinschaft der deinigen.«

»Ich …«

»Da! Da kommen’se! Die Jungs vom Matthäser. Wie gerufen!«

»Lasst mich lieber allein. Ich will hier am Strand meine Ruhe, ich will …«

»Hallo. Wir sind vom Malteser Hilfsdienst, wie können wir helfen?«

»Sehr gut. Der halb nackte Oppa hier, der will hier allein am Strand liegen und sterben.«

»Oppa, das geht aber nicht!«

»Ich will doch nur …«

»Könnt ihr Jungs vom Matthäser nicht den fast nackten Oppa hier zu dem rechten Weg hin bringen…«

»Aber sicher. Der kommt bei uns auf die Bahre, wird festgeschnallt, und dann bringen wir ihn mit Lalülala gleich zu den Seinen.«

»Das hört sich gut an, das wird Oppa gefallen. Das wird ihn freuen. Nicht wahr, Oppa?

»Ich will aber nicht von hier weg.«

»Wir wuchten ihn auf die Bahre und dann geht’s mit ihm ins Altersheim.«

»Das ist gut. Der kann doch nicht hier allein am Strand sterben, nur weil es ihm so gefällt. Wie egoistisch ist das denn? Also mal ehrlich. Im Altersheim hat er’s sicher besser.«

Und so wurde Opa Fred auf die mitgebrachte Bahre gewuchtet, festgeschnallt und dann dort, wo Fuchs und Hase sich zur guten Nacht tot überm Zaun hängen, in ein unterbelegtes und überteuertes Altersheim verfrachtet. So wurde mir später erzählt.

Opa Fred soll noch protestiert haben, auf der Bahre, angesichts der Formulare, die er ausfüllen sollte. Trotzdem waren alle einstimmig der Meinung: Das wäre das Beste für ihn, da würde er nicht einsam sterben.

In der folgenden Nacht soll Opa Fred wohl ausgebüxt sein. Man fand ihn erneut wieder an der Ostsee-Küste. Tot im Wasser. Von Einheimischen beim morgendlichen Joggen entdeckt. Entsetzt waren jene auch, weil offenbar schon Möwen den Leichnam als Futterstelle nutzten. Um den Tourismus nicht zu stören, haben sie ihn gleich wieder ins tiefere Wasser gezogen, damit er ordentlich abtreiben sollte, und der Wasserpolizei Bescheid gegeben, dass man einen Leichnam in der Ostsee treiben sah.

Ein Fischerkutter barg ihn eine Woche später in dessen Fischerschleppnetz auf hoher See, als der Leichnam von Opa Fred wohl zu seiner letzten Ruhestätte unterwegs war. Gen Skagerak. Richtung Küste Dänemarks, Antholm. Opa Fred bevorzugte schon immer ruhige Gegenden.

Als der Leiter des Altenheims von Opa Freds Verbleib erfuhr, zuckte er nur die Schulter und kondolierte den Vorfall mit einem: »Leider hat der Opa Fred seine Chance zu unserer Freiheit nicht nutzen können.«

Tja. Das war die Geschichte von Opa Fred.

Und wenn ihr recht brav seid, dann erzähle ich euch als Gute-Nacht-Geschichte noch das Märchen von der Rettung des Wals »Timmy«. Oder »Hope«. Oder »Timmine«. Oder »Hopine«. Nun ja, über den Namen des Wals ist man sich jetzt momentan nicht mehr wirklich so recht einig, aber …

Wichtig! Aktuelle Verkehrsdurchsage!

Achtung!

Eine wichtige Verkehrsdurchsage an alle Autofahrer auf der Autobahn in Richtung Süden.

Auf der Fahrbahn in Richtung Köln/Düsseldorf kommen Ihnen die vier apokalyptischen Reiter entgegen.

Überholen Sie nicht, fahren Sie äußerst rechts und warnen Sie diese Gruppe, bestehend aus Prinz, Bauer, Jungfrau und einem herrenlosen Weihnachtsmann, mit der Lichthupe.

Wir geben Entwarnung, wenn die Gefahr vorbei ist und die apokalyptischen Reiter mittels SUV-Karnevalswagen von der Straße geholt wurden.

Also spätestens Aschermittwoch.

Und legen Sie verdammtnocheins das Smartphone weg, wenn Sie gerade diesen Text auf Ihrer Autofahrt lesen!

Der Plan

Sie arbeiteten monatelang, sammelten Zündhölzer und Klebstoff und opferten ihre Freizeit dafür. Unauffällig und unbemerkt.

Zündhölzer zu organisieren, das war kompliziert. Überall wurden ihnen nur Feuerzeuge angeboten. Angeblich, weil für deutsche Zündhölzer die Regenwälder gerodet würden und für Feuerzeuge kein einziger Baum gefällt würde.

Und Klebstoff. Richtig schwierig. An allen Ecken und Enden standen die bayerischen Schlapphüte aus Pullach vom BND unweit der Regale. Eifrig machten sie sich Notizen, wer wie viele Packungen und Arten von Klebstoff kaufte. Lagen zu viele Klebstoffflaschen im Einkaufskorb, zogen sie danach in deren Notizbüchern Linien auf kleinen Karten vom eigenen Standpunkt bis zur nächsten größeren Hauptstraße. Darum konnte nur Tübchen für Tübchen ganz unauffällig an den Kassen eingekauft werden.

Nach einem Jahr hatte es die Gruppe schließlich geschafft. Sie versammelten sich im Schein ihrer Smartphone-Taschenlampen in einer dunklen Ecke eines kleinen, muffigen, kahlen Raums.

Der Anführer erklärte vor den beiden anderen der Gruppe nüchtern:
— »Jungs, wir haben es geschafft! Morgen können wir den Anschlag durchführen!«

»Yeah!«

— »Jetzt müssen wir uns noch auf das Anschlagsziel einigen.«

»Hm.«

— »Irgendwelche Vorschläge?«

»Irgendeinen zentralen Punkt.«

— »Richtig! Mit Bedeutung, sonst bemerkt es keiner.«

»Ich würde sagen, am besten dort, wo es spannend ist. Also, was spannendes!«

»Ja! Und was zum Spielen!«

»Und mit Schokolade!«

— »Aber das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal. Das geht nun wirklich nicht.«

»Hm. Jetzt wird das aber kompliziert.«

»Ja. Ehrlich. Warum einfach, wenn es kompliziert geht.«

»Als Genies geben wir uns mit einfachen Sachen nicht ab. Wir haben doch im letzten Jahr die Lage analysiert und festgestellt: Als Wutbürger kommste nicht weit. Worte sind schön, aber Hühner legen Eier.«

»Wir sind keine Hühner!«

»Ohne Eier keine Hühner.«

— »Leute, jetzt mal im Ernst: Wenn wir etwas mit Spannung, Spiel und Schokolade als Ziel auswählen, weiß doch gleich jeder, wer wir sind.«

»Ja? Und wer sollen wir sein?«

— »Kinder der 90er mit zu viel Fernsehkonsum.«

»Ü-Eier finde ich schon als Kind gut und jetzt immer noch. Dafür brauche ich keinen Mainstream oder Fernseher.«

»Wir müssten uns einen Namen machen.«

— »Richtig! Wir brauchen zuerst einen Namen. Einen unverwechselbaren.«

»Wie wär’s mit ‚Baby-Boomer-Bomberbande‘? Kann man auch hervorragend abkürzen: ‚BBBB’.«

»Och, nö. Das ist so abgegriffen, so linksintellektuell.«

»Wie wäre es mit ‚Bang Boom Bang‘? Kennt jeder, klingt nach Hollywood, und er spricht auch Rechtsintellektuelle an.«

— »Echt jetzt? Die Mitte-Intellektuellen beabsichtigen wir nicht anzusprechen?«

»Wie wär’s mit ‚Boom Bang-a-Bang‘? War bereits ein ESC-Hit und kann jeder Intellektuelle mitsingen.«

»Da finde ich ‚Baby-Boomer-Bomberbande‘ besser.«

»Nö. ‚Bang Boom Bang‘ ist griffiger.«

— »Ist alles Scheiße. Muss knalliger sein, mehr explosiv. Aber bitte keine Comic-Sprache.«

»Wieso nicht? Ich bin damit aufgewachsen. Wie wäre es mit ‚Alea iacta est‘?«

»‘Iacta alea est’

»Wie bitte?«

»‘Iacta alea est’.«

»Quatsch! ‚Alea iacta est‘! Habe ich doch bei Asterix gelesen.«

»Ach komm. Asterix ist so was von letztes Jahrtausend. Marvel Comics sind viel besser.«

»Ach ja? Und wie würdest du uns dann nennen wollen? ‚Avenger Action Group‘

»Hört sich an wie ‚Action Puppe’. So nach Sex-Toys für Männer, Epstein und so. Das ist ja so was von Baby-Boomer.«

»Aber explosiv sollte es schon sein? Also etwas Eruptives. Wie ein Vulkan.«

— »Vulkan ist eindeutig machistisch. Zu phallisch. Sexistisch. Geht gar nicht. Aber die Richtung stimmt. Es muss etwas sein, was Spannung vermittelt.«

»Ja, und spielerisch leicht ist.«

»Und mit Schokolade.«

— »Aber das sind ja wieder gleich drei Wünsche auf einmal. Das geht nun wirklich nicht.«

Stille. Eine peinliche Stille. Wie bei einem missglückten ersten Date. Die Stille griff um sich, schlich sich in die dunklen Ecken und verdunkelte die Lichter der Smartphones. Oder wurden lediglich deren Akkus schwach?

Jeder suchte nach Worten. Mit sich verdunkelnden Gesichtern schauten sie sich gegenseitig ratlos an.

»Ähem. Jungs, mal etwas anderes. Ich habe gerade gesehen, dass einige Tuben aus unserem Klebstoff-Vorrat abgelaufen sind. Deren MHD war Dezember letzten Jahres. Ihr hättet beim Einkaufen mal genauer hinschauen sollen. Jetzt müssen wir Ersatz besorgen.«

»Und Handschuhe. Habt ihr die Gefahrensymbole auf den Verpackungen gesehen? Wir sollten vorsichtig sein. Ansonsten geht beim Handling mit dem Klebstoff unser Anschlag nach hinten los.«

— »Ich denke, Atemmasken wären dann auch wichtig. Klebstoffe haben doch auch immer Lösungsmittel, oder nicht? Ich will keinen Lungenkrebs nachher.«

»Und ganz wichtig: Wir brauchen Trocknungsmittel, um die Streichhölzer zu lagern. Feuchte Zündhölzer nutzen uns nichts.«

»Stimmt. Für das Trocknungsmittel brauchen wir dann aber auch die passenden Handschuhe. Bock darauf, im Alter an Fingerkrebs oder so zu erkranken, hab’ ich nicht.«

— »Und wo lagern wir dann das Trocknungsmittel? Hier ist es zu feucht. Wir brauchen einen trockeneren Raum.«

»Stimmt. Mit Steckdose für unsere Smartphones. Mein Akku geht gerade zu Ende. Und er sollte größer als dieser hier sein.«

»Erreichbarkeit wäre nicht schlecht. Meine Familie sollte mich anrufen können. Wir könnten dann auch einen Kicker reinstellen. Work-Life-Balance, versteht ihr? Etwas mehr Spiel und Spannung bei unseren Besprechungen.«

»Und ich bring’ dann Schoki mit. Macht produktiver.«

— »Gut, dann treffen wir uns in sechs Monaten erneut hier. Und dann kann es wohl losgehen.«

»In sieben Monaten.«

»Sieben?«

»Im Juli habe ich Urlaub

»Ich im September. Weil Nebensaison. Die Preise sind dann billiger. Und du? Machst du denn nie Urlaub?«

— »Im August. Gut. Dann treffen wir uns im November.«

»Och nö, Vorweihnachtszeit, geht gar nicht.«

— »Okay, dann nächstes Jahr im Januar, wie immer nach dem Heilige-Drei-Könige-Tag .«

»Gleicher Ort. Gleiche Stelle, gleiche Welle.«

»Alea iacta est.«

»Iacta alea est!«

»Besserwisser.«

»Rechthaber!«

»Klugscheißer!«

»Selber!«

— »Okay, dann wäre das geklärt. Also dann: In alter Frische, Tschüss bis zu unserem nächsten Dreikönigstreffen.«

Mit Donald Trump in der Pommesbude

»Um Gottes willen, dreh dich nicht um. Donald Trump ist gerade hier hineingekommen!«

Doch meinem Kumpel interessierte es nicht die Bohne. Dabei ist eine Aufforderung, etwas nicht zu tun, doch gerade die beste Aufforderung, es doch zu tun.

»Was interessiert mich ein Donald Trump«, knurrte er, wischte mit seinem Holzgäbelchen eine Wurstscheibe über seinen Curry-Wurst-PoRoWe-Teller und schob sich die Scheibe zwischen die Backenzähne.

»Boah ey, echt, Donald Trump, wirklich! Schau nur! Zusammen mit Nina Chuba und Ski Aggu!«

»Wo???«

In Blitzesschnelle fuhr sein Kopf herum, die beiden zuvor genannten suchend.

So ist das mit den Nicht-Boomern. Sie haben einfach ihre eigenen Buzzwords. Dabei haben die Boomer doch jahrelang versucht, den Digital Natives der Gen Z auf solche Schlagworte wie »Robbie Williams«, »Beyoncé« und »Jürgen Milski« zu trimmen. Und was ist deren Mühe Lohn? Shirin Davis mit »Bauch, Beine, Po« oder Moliy & Silent Addy mit »Shake It To The Max (Fly)« als Sommerhits. Sollte es eine Schnittmenge der kleinsten Geschmacksgemeinsamkeiten geben, dann extrem äußerst maximal eine Taylor Swift beim »Off shaken« oder den »Auf uns«-Kevin Bourani. Tausendfach von denen gehört als Hintergrundmusik endloser Selbstoptimierungskurse mit Einzugsermächtigung als Dauerauftrag vom eigenen Konto. Während die anderen ihren Rücken und Knie beugen, um sich tanzend durchzuschütteln.

Da stand also Donald Trump in unserer Pommesbude, während aus musikalisch überforderten Lautsprechern der Pommesbude scheppernd verkündet wurde, dass der Zug keine Bremse habe. Dafür schmeckte die Currywurst mal wieder ausnehmend gut.

Aber ja, der Zug war auch mal wieder komplett voll abgefahren, über Weichen und harten Gleisen. Am Anfang langsam, dann aber mit rasenden Fortschritten. Wie beim Lernen von grundlegenden Zusammenhängen: am Anfang null Ahnung, aber dann geht der Wissensfortschritt durchs Lernen mit einem ab wie Lutzie. Das Selbstbewusstsein schießt in ungeahnte Höhen, weil erste Konzepte geglaubt, verstanden zu haben, und gedacht wird, das große Ganze wäre erfasst worden.

Das ist der Moment, in der wenig Wissen eine Illusion von Kompetenz erzeugt und den Glauben generiert, ein Experte zu sein. Derjenige, der weiter lernt, erkennt jedoch bald die wahre Tiefe des Themas. Alles erscheint kompliziert und das anfangs gewonnene Selbstvertrauen bricht ein. Viele geben dann frustriert auf und meinen, sie würden es nie wirklich verstehen.

Allein wer dabei bleibt, begreift mit der Zeit die wirklichen Zusammenhänge. Das Wissen setzt nach einer längeren Zeit des Studiums Stück für Stück zusammen. Dabei erwächst das Selbstvertrauen neu, diesmal auf einem erheblich stabileren Fundament. Der Weg von dem eigen-informierten Laien über einer längeren Studentenphase bis hin zum »Ich weiß, dass ich nicht weiß«-Professor dauert darum auch nicht von zwölf bis Mittags.

Die Psychologen David Dunning und Justin Kruger beschrieben hierbei den Effekt, der sich als übersteigerte Selbsteinschätzung aufgrund Eigen-Information zeigt. Im Jahr 2000 erhielten Dunning und Kruger für ihre Studie »Ungebildet und ahnungslos davon. Wie Schwierigkeiten, die eigene Inkompetenz wahrzunehmen, zu übersteigerter Selbsteinschätzung führen« den satirischen Ig-Nobelpreis. Der »Ig-Nobelpreis« wird in diesem Zusammenhang für Entdeckungen verliehen, welche zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken führen.

Ein Vierteljahrhundert später – die Welt ist jetzt Internet-vernetzt. Jeder Nutzer hat Zugriff auf jede sinnige und unsinnige Information zum Selbststudium. Das findet sich nicht nur in der gesteigerte Experten-Anzahl bei den Wetten auf die Bitcoin-Entwicklung wieder, sondern auch in einer Flut an selbsterklärten Dunning-Kruger-Effekt-Fachpersonal.

Mahnende KI-Stimmen dutzender Videos auf den unterschiedlichsten Social-Media-Kanälen erklären dem geneigten Zuschauer den Effekt in allen Details mittels bunter Grafiken. Durch Verallgemeinerungen und Vereinfachungen, mit Emotionalisierung und moralischen Überhöhung, begleitet von einem elitären und herablassenden Ton plus den fehlenden konkreten Lösungen wird der Dunning-Kruger-Effekt für das eigene Framing verwendet: »Sie nutzen den Dunning-Kruger-Effekt gezielt als Machinstrument, um die Masse zu kontrollieren!« Als Beleg wird unter anderem der vor Selbstvertrauen strotzende Donald Trump angeführt. Mit klassischen, verschwörungstheoretischen Argumentationsstrukturen der Social-Media-Welt legitimierend.

Früher wurde so etwas noch »alternative Fakten« genannt. Der Begriff wandelte sich. Heute heißt es »Sozialisierte Wahrheit«. Denn der Hüter der Wahrheit soll ja im Besitz des einzig selig machenden Grals sein. Und wer würde nicht mal gerne ein Video lang Gott spielen?

Während meine Currywurst dampfend von mir vermampfend sich in Stücken auf meinen Teller reduzierte, trieb mich nur eine Frage um: War das dort der wirkliche Donald Trump, der da in unserer Pommesbude auftauchte? Ich fragte meinen Kumpel, ob er mal dessen Begleitung, also Nina Chuba und Ski Aggu, fragen könnte, ob das der wirkliche Donald Trump wäre. Er schaute mich entgeistert an:

»Wie kannst du nur glauben, das wäre Donald Trump? Haste nicht gehört, der fährt nächsten Freitag mit Graf Vlad Putin in Alaska Schlitten.«

»Echt? Ich dachte, dass die vielmehr gut Kirschen essen gehen. In Alaska ist gerade Kirsch-Saison. Die ‚North Star‘-Kirsche. Ist reif und schmeckt süß-sauer. Aus welchen Gründen sollten die sich sonst dort treffen?«

»Um Wahrheiten zu schärfen.«

Mein Blick ging zum Tresen. Ja, ich hatte mich geirrt. Die Person mit den orange wirkenden, gewirbelten Haaren war wirklich nicht Donald Trump. Der sah nur so aus. Und Nina Chuba und Ski Aggu waren die beiden anderen auch nicht, maximal dessen erwachsene Kinder.

Aber es hätte Donald Trump sein können.

Ich schwöre.

Beim heiligen Gral der Wahrheit.

Der Hahn auf dem Misthaufen

»Du warst neulich in Bremen.«

»Ja.«

»Hast du eigentlich deinen alten Freund von dort besucht.«

»Nein.«

»Warum nicht?«

»Es verbindet mich nichts mehr mit ihm.«

»Hört sich an, als ob du echt konfliktunfähig bist.«

»Ich bin in der Tat so. Ich hasse Konflikte.«

»Du solltest dran arbeiten. Das kannst du verbessern.«

»Niemals.«

»Du stellst dir also hier und jetzt die eigene Bankrotterklärung aus? Echt jetzt?«

»Lieber so etwas, als mich weiterhin zu verbiegen und die Aussagen von ihm und dessen Realität- und Wirklichkeit-Auffassung zu bestätigen. Da breche ich doch lieber den Dialog ab. Aus Eigeninteresse.«

»Ach ja? Eigeninteresse ist doch klar Egoismus und hilft niemandem. Vielleicht bist du auch nur verschroben und du solltest ernsthaft in dich gehen, um mit ihm erneut den konstruktiven Dialog zu suchen. Es wird zu deiner Bereicherung sein.«

»Klar. Beim perfekten vollführten Kotau knirsche ich nachher mit den Zähnen, weil ich den Dreck von vor meinen Füßen im Mund habe, den er für mich ausgewählt hat. Und das alles nur, damit er befreit aufgrinsen kann und sich selber auf den Schultern ob des Fakts klopft. Nur weil er erlebte, dass ich Dreck für ihn gefressen habe. Nö. Das muss nicht sein. Ich struggle nicht mit Leuten, die mich auf deren Schlammterrain ziehen wollen, auf dem sie Meister ihres Faches sind. Das muss ich mir nicht antun. Das ist cringe.«

»Du bist absolut unbelehrbar. Sicherlich mal wohl falsch abgebogen, oder?«

»Freilich. Wenn jemand einen anderen Weg geht und der andere folgt ihm nicht widerwortfrei, dann ist der andere immer falsch abgebogen.«

»Wie kannst du dir denn sicher sein, dass du nicht falsch abgebogen bist und den richtigen Weg vom anderen hättest folgen sollen? Du hast das nicht mal hinterfragt und dessen Meinung nicht mal als potenziell richtig und überzeugend für dich adaptiert. Das wäre doch das Mindeste, was du hättest tun können, um den Konflikt zwischen euch zu nivellieren.«

»Jeder Hahn, der auf seinem Misthaufen kräht, meint immer, er hätte den Mittelpunkt der Welt unter sich. Warum muss ich mir dann dessen Misthaufen antun?«

»Tatsächlich, du bist wirklich absolut unbelehrbar. Und dazu, komplett und total unreflektiert. Du solltest mal ernsthaft und grundlegend darüber nachdenken, warum du falsch denkst und somit verbesserungswürdig lebst. Das wird dein Leben verbessern.«

»Ok. Du hast recht.«

Wasser, Wasabi und Würstchen: So schmeckt der Sommer

Kaum ist es wieder sonnig und warm, kommen sie reihenweise: Einladungen zum Grillabend. Einladungen in bunt und kindlich bebildert, da sollte man nicht ‚Nein‚ sagen, wenn man sich nicht Feinde in der Zukunft aufbauen möchte. Und Feinde brauche ich nicht. Im Kleingedruckten fand ich auch gleich praktische Tipps, was der Gastgeber von seinen Gästen denn so zusätzlich noch mitgebracht haben wollte:

»Bring bitte Bier mit – muss nicht gekühlt sein. Ich hab da einen Trick!«, stand in der Einladung. Beim Grillabend wurde gleich demonstriert, welchen Trick er meinte: in einer Wanne im Garten ließ er kaltes Wasser ein, fügte sechs Säcke »Crushed Ice« und zwei Pakete Salz hinzu, legte die Flaschen rein und nach ein paar Minuten gab es kaltes Bier. Länger dauert allerdings dann die Erklärung, warum das so einfach geht. 15 Minuten Referat über Physik für jeden, der ein kaltes Bier haben wollte.

»Einen gut angemachten Salat wäre auch gut zum Mitbringen. Aber keinen Kartoffel- oder Nudelsalat, den macht meine Frau schon. Nach Uromas Rezept. Grillgut geht notfalls auch.« Nach Uromas Rezept? Okay. Wahrscheinlich handschriftlich überliefert, vermutlich mit Füller und Gefühl – nur eben ohne Mengenangaben. Leider seit drei Generationen ohne Verbesserungen. Praktisch bestand der eine Salat aus Kartoffeln in Salz-Öl-Essig-Gemisch und der andere aus einer nudeligen Matschepampe mit fast aufgetauten Erbsen – wahrscheinlich für den Extra-Biss.

Ich nahm mir von beiden etwas – nicht aus Hunger, sondern aus purer Selbstverteidigung. Nichts beschwichtigt einen Gastgeber mehr als ein voller Teller beim Gast. Auf den prüfenden Blick des Gastgebers gab ich etwas Positives von mir wie »Hmmm, unvergleichlich« oder »Noch nie so etwas gegessen wie diesen hier«. Man will ja nicht lügen.

Das Highlight waren die handgeschnitzten Pommes, natürlich aus der »Ninja«, dem Thermomix unter den Fritteusen. Das achtjährige Töchterchen hatte seinen ganzen Ehrgeiz in die geometrische Form einer jeden Pommes-Stange gelegt. Ich erblickte das Töchterchen in einer Ecke des Gartens. Dort hatte es eine eigene Frisierstation für ihre zahlreichen Spielzeugponys eingerichtet – inklusive Glitzerbürste, Räucherstäbchen und selbstgemachter Kräuter-Maske. Töchterchen erschien ärgerlich: Eines der Stoffponys weigerte sich, die hingehaltene Pommes zu verzehren.

Die Gastgeberin kam auf mich zu und reichte mir ein Schälchen „Wasabi-Mayo“. Früher hatte sie Kunst studiert, erzählte sie beiläufig, während sie die Mayo noch schnell mit einem Löffelchen umrührte. Heute betreibe sie ein Kochstudio, weil Ernährung ja so wichtig sei. Aber Dosenravioli fände sie in der Geschmacksvariante ‚extra pikant‘ auch ganz toll.

Ich kleckste mir zwei Löffelchen von der Wasabi-Mayo auf meine Pommes-Sticks.

»Vorsicht, ist richtig scharf!«, raunte sie mir zu. Es britzelte… nichts.

Auf dem Weg zur Toilette sah ich, wie der Gastgeber nachfüllte – direkt aus einer grünen Flasche. Neugierig inspizierte ich sie später. Inhaltsstoffe: Brandweinessig, Spinatpulver, 0,01 % Wasabi-Pulver. Also ein Drittel Wassertropfen echtes Wasabi auf 300 ml Majo. Und das nannte sich »Wasabi-Mayo«.

»Scharf, ne?«, grinst mich der Gastgeber an. »Ja, schmeckt… grün.« »Willste mehr?« »Sind die Würstchen schon fertig?«

Meine Gastgeber servierten nicht nur tolle handschriftlich überlieferte Uroma-Rezeptsalate oder auch Mayo mit 0,01 % Wasabi aus der Flasche, nein, sie wollten uns Grillgästen auch deren neuste Grill-Errungenschaft vorführen. Der letzte Schrei unter den Grill-Monstern im Garten. Ein Rolls-Royce-Phantom-Kühlergrill zum Grill umfunktioniert und eine abgesägte Motorhaube als Deckel. Deren Töchterchen stand bereits am Grill, ein frisiertes Pony in der einen Hand, eines meiner mitgebrachten Würstchen in der anderen und grinste wie ein Honigkuchenpferd über sein allererstes Würstchen. Der Gastgeber lächelte auch, zuerst sein Töchterchen und dann mich an, reichte mir eines meiner Würstchen auf einer Stoffserviette (»Handgenäht! Von unserer Reinemachefrau«) und ich biss hinein. Ins Würstchen, nicht in die Stoffserviette.

»Kühlt der beim Grillen, dein Kühlergrill?« »Wieso?« »Das Würstchen hier, das ich mitgebracht habe, ist ja noch schattig im Innern.« »Noch nicht durch? Normalerweise habe ich das immer im Gefühl, wenn Würstchen durch sind. Was hast du denn für Würstchen mitgebracht?« »Pferdewürstchen. Vom Wochenmarkt.«

Wie von der Tarantel gestochen schrie das achtjährige Töchterchen entsetzt: »Pferdewürstchen?«, schmiss ihr Würstchen reflexartig über den Zaun in Nachbars Garten, verbarg ihr frisiertes Pony unterm Shirt und steckte sich sofort den Finger in den Mund. Während sich neben mir auf dem Boden geräuschstark ein kindlicher See aus Matschepampe, Kartoffelsalat und Pferdewürstchen bildete, schaute mich der Gastgeber nur höchst böse an. Ich zuckte mit den Schultern.

Die Grill-Party musste ich verlassen. Pferdewürstchen gehen nun mal gar nicht, wurde mir unmissverständlich zu verstehen gegeben. Ich wäre total unsensibel und hätte zumindest mal an deren Töchterchen denken sollen. Nun, das hätte ich ja gerne gemacht, aber Pferdewürstchen im Prinzessin-Lillifee-Design gibt es leid noch nicht. Dabei hatte ich doch bereits eine Tafel Schokolade mit Milchfüllung und eine Tüte Schoko-Reiswaffeln dem Töchterchen mitgebracht. Oder wäre Bärchenwurst erheblich angebrachter gewesen?

Beim nächsten Mal bringe ich zu deren Pommes einfach mal Wein mit. Pommes an Wein. Aus echten Trauben. Also mindestens 0,01 %. Versprochen.

Die Drecksarbeit der Engel: Eine interessante Debatte

Als Schreiber von Blogartikeln ist es wichtig zu recherchieren und manchmal ist das nicht so einfach. Gestern Nacht hatte ich totales Glück. Auf dem Parkplatz des Walmarts im Münchner Norden ergab sich mir die goldene Gelegenheit zu profunden Recherchen.
In der weiten Leere des Parkplatzes sah ich zwei Gestalten: ein jüngerer sehr hip gekleideter Hopster und einen alten grauhaarigen Opa-Hipster im weißen Kittel. Und die bemühten sich verdächtig unauffällig um einen flachen Supersportwagen. In dessen Tank leerten sie mehrere blaue Dosen mit roten Bullen auf dem Etikett.
»Marty, nicht trinken! In den Tank damit!« »Doc, das ist nur zur Absicherung – falls er nicht mehr fliegt, fliege ich eben allein weiter.« »Jennifer hat dir das gesagt?« »Nein, Clara gab mir den Tipp.«
Bei den Namen »Jennifer« und »Clara« machte es bei mir KLICK-KLACK. Ich überriß kurz die Situation, sprintete zu denen rüber, schubste beide zur Seite, ergriff mir die restlichen Rote-Bullen-Blaudosen in dem schwarzen Karton, sprang in den DeLorean und ab ging die Luzi.

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Interview #1:
»Guten Morgen nach München. Ich sitze hier am ersten Tag meiner Reise mit dem Schöpfer dieser Welt Adonai JHWH und mit einem sehr, sehr schönen Blick auf den Kontinenten Afrika. Allerdings zu den aktuellen Geschehnissen könnte der Kontrast kaum schärfer sein und über diese möchte ich jetzt mit Adonai JHWH an diesem Heilig Abend sprechen. Guten Morgen! Ausweisung ist in den aktuellen Zeiten ein schwieriges Thema. Ist das nicht sehr verlockend, dass ihre Erzengel jetzt die Drecksarbeit machen gegen eine Familie, die für sehr viele in der Welt als einen wirklich großen Störfaktor angesehen waren.«
»Person Careca, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff ‚Drecksarbeit’. Das ist die Drecksarbeit, die meine Erzengel machen für uns alle. Wir sind von dieser Familie auch betroffen. Diese Adam-und-Eva-Sippe hat Tod und Zerstörung über die Welt gebracht, mit Lügen, mit Mord und Totschlag auch bei deren Kindern. Das wäre ohne Adam und Eva nie möglich gewesen. Und um es klar zu sagen: meine Hände wasche ich in Unschuld von diesem Dreck ab.«

Interview #2:
»Guten Morgen nach München. Ich sitze hier am zweiten Tag meiner Reise mit dem Statthalter des Römischen Reiches, Herrn Pontius P. aus J., und mit einem sehr sehr schönen Blick auf den Steinbruch und den Felshügel Golgatha. Allerdings zu den aktuellen Geschehnissen könnte der Kontrast kaum schärfer sein und über dieses möchte ich jetzt mit dem Statthalter des Römischen Reiches, Herrn Pontius P. aus J., an diesem Karfreitag sprechen. Guten Morgen! Kreuzigungen durchzusetzen, ist in den aktuellen Zeiten ein schwieriges Thema. Ist das nicht sehr verlockend, dass ihre Legion jetzt die Drecksarbeit macht gegen den Führer einer Gruppierung, die für sehr viele in der Welt als einen wirklich großen Störfaktor angesehen waren.«
»Plebejer Careca, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff ‚Drecksarbeit’. Das ist die Drecksarbeit, die meine Legion macht für uns alle. Wir sind von dieser Gruppierung auch betroffen. Diese sektiererische Gruppierung hat die Negierung von Tod und Zerstörung über die Welt gebracht, mit Lügen, mit angeblichen Wundern und pazifistisch verseuchten Reden auch aktuell hier vor Ort. Das wäre ohne jenen Sohn eines Zimmermanns und Führer jener Gruppierung nie möglich gewesen. Und Position zur Kreuzigung zu beziehen: meine Hände wasche ich in Unschuld von diesem Dreck ab.«

Interview #3:
»Guten Morgen nach München. Ich sitze hier am dritten Tag meiner Reise mit Leiter der Religionsabteilung ‚Christenheit‘, den Herrn Papst Innozenz III, und mit einem sehr, sehr schönen Blick auf den Vatikanischen Hügel mit seinen titanisch ausgeschmückten Religiotheken (Kirchen), wo sich immer Tausende Feierwütige bei Wein, Oblaten und Musik versammeln. Allerdings zu den aktuellen Geschehnissen könnte der Kontrast kaum schärfer sein und über dieses möchte ich jetzt mit dem Herrn Papst Innozenz III an diesem Christi-Himmelfahrt-Tag sprechen. Guten Morgen! Der gerade stattfindende Kinderkreuzzug ist in den aktuellen Zeiten in Hinblick auf Nächstenliebe ein schwieriges Thema. Ist das nicht sehr verlockend, dass ihr Kinderkreuzzug gegen Jerusalem jetzt die Drecksarbeit macht, für die christliche Nächstenliebe, gegen die Besatzer einer Stadt, die für sehr viele in der Welt als einen wirklich großen Störfaktor in Sachen Nächstenliebe angesehen waren.«
»Bruder in Jesus Careca, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff ‚Drecksarbeit’. Das ist die Drecksarbeit, die die Kinder im Dienste der Nächstenliebe machen für uns alle. Wir sind von dieser Besatzern Jerusalems auch betroffen. Diese ungläubigen Ketzer haben Häresie und Blasphemie über die Welt gebracht, mit Raub, Mord und Totschlag auch bei deren Kindern. Das wäre ohne jene Raubmörder in Jerusalem nie möglich gewesen. Und da sollten wir unseren Kindern dankbar sein. Und jetzt reiche mir mal die Schale des Pontius Pilatus, um darin meine Hände in Unschuld von diesem Dreck dort abzuwaschen.«

Interview #4:
»Guten Morgen nach München. Ich sitze hier am vierten Tag meiner Reise, mit einem Kandesbunzler Fritze März und mit einem sehr, sehr schönen Blick auf den die letzten Internet-Meldungen. Allerdings zu den aktuellen Geschehnissen könnte der Kontrast kaum schärfer sein und über diese möchte ich jetzt mit dem Kandesbunzler an diesem Fronleichnam-Tag sprechen. Guten Morgen! Wasser predigen und Wein saufen ist in den aktuellen Zeiten ein schwieriges Thema. Ist das nicht sehr verlockend, dass Sie jetzt die Drecksarbeit machen, in ihrem privaten Weinkeller, Drecksarbeit, die für sehr viele in der Welt als einen wirklich großen Störfaktor angesehen waren.«
»Herr Careca, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff ‚Drecksarbeit’. Das ist die Drecksarbeit, die ich jetzt selber mache für uns alle. Wir alle sind davon auch betroffen. Dieser Weinkeller droht zu verwässern, durch Wasserrohrbrüchen, Starkregen, übertretenden Flüssen und allen anderen Überflutungen, die meinen sauerländischen Weinkeller am ‚Schwarzen Felsen‘ bedrohen. Da muss ich trinkend gegen Schädigung der Weine vorbeugen. Und um es klar zu sagen: meine Hände wasche ich mit Wein in Unschuld von diesem Dreckwasser ab.«
»Herr Kandesbunzler, …«
»Und übrigens ist heute nicht Fronleichnam, Herr Careca. Da liegen Sie mal wieder völlig falsch. Heute ist Pfingsten, da spricht der Heilige Geist zu uns, insbesondere zu mir in meinem Weinkeller. Denn es heißt ‚in vino veritas‘. Und nicht ‚in aqua veritas‘, besonders nicht bei uns im Sauerland.«
»Ich hatte kein Latein in der Schule.«
»So. Mal Klartext für Sie Ungebildeten. Übersetzt heißt das, solange Wein saufen, bis die Wahrheit ausgekotzt werden muss, Sie Dummbeutel!«

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Als mein DeLorean stoppte und ich wieder vor dem unbeleuchteten Walmart stand, rissen mich so ein junger Schnösel und so ein alter Sack gemeinsam aus meinem DeLorean, schimpften unartikuliert, schubsten mich weg und machten sich dann mit dem DeLorean blitzsauber aus dem Staub.
Während ich noch verdattert auf die brennenden Autoreifenspuren starrte, kam ein anderer vierschrötiger Schnösel, stellte sich mir mit seiner rechten Faust in meinem Gesicht als ‚Biff‘ vor, nahm mir meine letzte Rote-Bullen-Blaudose ab, leerte sie in einem Zug, rannte los, den Autospuren hinterher, hob ab und flog dem DeLorean hinterher.

Enttäuscht saß ich allein auf dem riesigen Parkplatz, warmer Wind pfiff mir um die Ohren. Ich schaute betroffen, sah den Vorhang für mich zu und alle Fragen offen.
Wie gerne hätte ich heute noch paar bedeutenden Feldherren und Politikern nur wiederholt eben jene eine Frage gestellt …

Make Drecksarbeit great again.