Männer hart wie Hufeisen, die den Sonnenuntergang suchen

Im Jahre 1985 wanderte Detective Captain John Book mit einer kleinen Gruppe seiner Santa-Baum-Gemeinde von Kalifornien mit einem Einbaum nach Europa aus.

Die Meisten des gemischt-geschlechtlichen Einbaums kamen aus dem Raum um den Ort “Peter Total Weir” bei Pennsylvania. Jene Amish-Leute, wie sie auch heute noch genannt werden, leben wie vor Jahrhunderten. Sie wenden sich nach wie vor gegen den technischen Fortschritt wie Dieselmotorensoftware, Alexa, Siri, Hey Google und andere Angebote der modernen Welt. Sie benutzen Pferdefuhrwerke, aber nicht Holzvergaser und trotz Sonnenwind-Mühlen verzichten sie dafür auf Elektrizität, lebten somit ohne Telefon, BILD-TV, Springer-Verlag und anderer dieser populären Mainstream-Medien. Vorwiegend betreiben sie Farn- und Farmwirtschaft. In ihrem Glauben lebend verweigerten sie als Pazifisten den Kriegsdienst. Ihre Gewaltlosigkeit geht sogar soweit, dass sie sich selbst, wenn sie angegriffen werden, nicht zu Wehr setzen.

Einige von ihnen vertrauten in Gott. Sie vertrauten dermaßen in diesem Über-Begriff, dass sie eben einen zusätzlichen Emigrationsschritt ein weiteres Jahr später von Florida mit der Fähre nach Genua unternahmen und als Bio-Baumheilige darauf wie weiland Attila Hiltmann, der vegane Alpen-Ötzi-Überquerer, erschöpft die Gegend um München herum besiedelten. Sie nannten den Stadtteil “Stadt der jungen Gesendeten”, der jünglich Gesendeten, der Sendlinger, und waren somit den Archäologen weit voraus, die meinten Sendlinger wären von gestern. Was nicht stimmt, denn Sendlinger sind nachgewiesenermaßen von vorgestern. Als Gesendete taugten sie immerhin noch als Bauernvolk für das Blutweihnachtsmassaker, während deren Obrigkeit dabei in Brüssel bei Champagner und Knabbereien verweilte und über die Faktenlage entschied. Im 1900 Jahrhundert, als es noch kein WhatsApp gab, aber Tinder in den Adels-und Kirchenkreisen schon fuckable war.

John Book ist somit der letzte Überlebende für Gerechtigkeit und Gnadenlosigkeit unter Amish-Leuten. Aber wen interessiert so etwas noch? Wen interessiert so etwas überhaupt noch, während bei er Dieter-Hildebrandt-Schule eine neue Turnhalle vor meinem Fenster erschaffen wird. Der Acker dazu ist als archäologisch neutral deklariert worden.

Von Westen erleuchtet in den Schluchten der Schule die Sonne das Baugebiet. Die untergehende Sonne wirft rötliche Strahlen ins Baugebiet. Ein Kran ragt in der Höhe. Unterhalb der Kabine drohen vier Scheinwerfer der Dunkelheit derer Nacht zum Tage werden zu lassen. Und das bedeute immer ab sechs Uhr dreißig.

Es ist Wochenende. Kein Scheinwerfer glüht. Die Baustelle ruht im Dornröschenschlaf. Die Bauarbeiter aus Osteuropa sind noch nicht eingetroffen. Deren Wohndorf aus gestapelten Containern steht bereit. Arbeitsbeginn ist noch etwas entfernt.

Der erste Advent ist am Vorübergehen. Die Sonne geht unter. Der klassische Sonnenuntergang. Viel Kitsch, viel rot. Ein richtiger männlicher Sonnenuntergang. Die dritte Schachpartie zwischen Magnus Carlsen und Jan Nepomnjaschtschi blieb heute ohne Prickel-Effekt. Obwohl Nepomnjaschtschi eine halbe Stunde über einen Zug nachdachte. Ein Spiel, zwei harte Kerle, drittes Remis, erste Langeweile.

Noch brennt das erste Licht auf meinem virtuellen Adventkranz meines Monitors. Draußen ist es dunkel. Und diese wirkt auf mich ein. Ich kämpfe gegen meine Müdigkeit an. Gegen meine Ich-will-nicht-ins-Bett-Attitüde.

Meine Corona-App zeigt mir eine Begegnung mit niedrigem Risiko am letzten Montag, am 22-November. Alles grün. Am 22ten war ich nur in der Firma und dann zu Hause. In den letzten 14 Tagen mussten inzwischen schon einige mener Firma in Quarantäne. Ungeimpfte. Mit leichten bis schweren Symptomen. Und jetzt vierzehn Tage ohne Einkommen zu deren Auskommen.

Für Ungeimpfte wird es immer enger. Ich hoffe, wir Geimpfte verlassen sie nicht, auch wenn jene uns bereits als schuldig Verstoßene klassifiziert haben mögen.

Täter-Opfer-Umkehr in deren Sinne. Mainstreamangehörige. Jene, welche blind BILD und Co verfolgen, und somit deren Absolution haben. Die Springer-AG-Jünger. Jene werden sich nie als Mainstreamangehörige einordnen, weil die Springer-AG bereitwillig die Querdenker unterstützt und folglich somit nicht ARD/ZDF/FAZ/WAZ/SZ/etc, welche der Springer-Verlag auch nicht von der Polemik der „Lügenpresse“ in Schutz nehmen wird, weul sie ein Blatt der Opportunisten für Opportunisten des Populismus meiner Meinung nach ist. Weil eben jene anderen immer verwerfkicherweis pro Regierung sind und somit per Springee-Definitionem volxfern, wie es halt die BILD-Nation wohlwollend schweigend nickend goutiert. Meine Meinung.

Egal.

Gut. Okay. Ich habe keinen Bock mich über Ungeimpfte auszulassen.

Warum habe ich trotzdem noch diesen Eintrag verfasst?

Keine Ahnung.

Dubai-Schach!

Dubai-Matt!

Happiness is a warm gun.

But only in Saudi-Arabia, Mr. Khashogi.

Und ewig schleichen die Erben … (1)

»Jetzt geh doch mal zur Tante Erna rüber, nu mach schon.«

»Aber Onkel Heinrich labert die doch gerade zu.«

»Na und? Der ist doch nur hinter ihrem Geld her. Wenn du nicht jetzt rüber gehst und mit ihr Small Talk betreibst, wird die ihn noch in ihrem Testament bedenken und dann ist das ganze schöne Geld futsch.«

»Wir könnten auch einen Kredit aufnehmen.«

»Bist du verrückt? Verschulden? Während unsere Verwandtschaft wie Dagobert in Geld badet? Hast du Lack gesoffen? Das ist hier kein Leichenschmaus, sondern knallhartiger Beauty Contest. Erben läuft nicht von selbst, man muss auch was dafür tun. Leistungsprinzip, verstehste! Wenne nix tust, haste es auch nicht verdient!«

»Soll ich etwa den Halbhorst deshalb jetzt wegbunkern, oder was?«

»Ja, was denn sonst. Der geht bei ihr doch ab wie ein rotes Moped! Denk dran, wir müssen noch die Flyer und Kleber bezahlen, um all die Vollhorste aufzuklären, dass Impfen und Boostern Gefahr für Leib und Leben bedeuten kann und das wir Spenden auf unser Konto brauchen, im Kampf gegen Impfidioten und für Aufklärung.«

»Ich denk ja schon an nichts anderes.«

»Und du hast doch seit gestern den positiven PCR-Test erhalten, dann kannste auch zur Tante Erna rüber. Sei mal cool mit denen dort. Yallah!«

»Nur Alphakevins hier, walla.«

»Und Onkel Eduard. Bei dem Elch stehen wir doch garantiert im Testament. Solchen Boomern weint doch eh keiner mehr ne Träne nach. So wie die leben. Die mit ihren SUVs, monatlichen Flugreisen und Kreuzfahrten. Das sind doch die, die unser Klima versauen. Die haben schon genug auf unsere Kosten gelebt und verprassen unsere Zukunft und Geld. Mitleid haben die nicht verdient. Alles stabil bei dir? Du schaffst das.«

»Naise. Da nicht für.«

»Also? Moment. Hab ich da gerade “boostern” gehört? Wollen die Boostern? Reden die Boomer über Boostern? Wollen die etwa noch ewig leben? Solche Azzlacks! Da krieg ich Schnitzelpanik! Du musst sofort dazwischen!«

»Mach ich. Ahem. Und was sag ich?«

»Erst umarmen, intensiv abbusseln, Beileid wünschen und dann sagen, dass Onkel Otto eh nie skin positiv war und das hat ihn dahingerafft. Dann kriegen die alle Schnappatmung und du musst nur überlegen tief ausatmen. Beeil dich, da kommt auch Billo-Opa Rainer, der hat ne Finca auf Mallorca und ein Haus in Schwabing, ich steh auf seiner Erben-Liste! Mach! Denk dran, wenn wir fertig sind, dann zusammen Netflix und chill.«

»On fleek. Auf uns und unsere baldige Gönnjamin-Zeit. Chabos wissen, wer der Babo ist.«

»Eben, you’ve got the drip!«

»Covid-XOXO!«

Die beiden Kellner schauten dem Ehepaar zu, als einer davon sich schleichend auf den Weg zu der in schwarz-gekleideten Personengruppe machte. Der eine Kellner schüttelte den Kopf und meinte leise zum anderen:

»Ehrlich? Und ich dachte unsere Jugend wäre so. Es ist wohl doch die Generation, vor der uns früher unsere Jugend immer gewarnt hatte.«

»Mach dir keinen Kopp. Wir müssen nur arbeiten hier, ist nicht unser Leichenschmaus. Lebbe geht weiter. Die Trauergruppe da drüben sieht trocken aus. Bring denen mal ein Tablett Prosecco, damit die wieder lächeln.«

Notstandsbekämpfung

[…] Neulich sah ich ein Haus. Es brannte. Am Dache
Leckte die Flamme. Ich ging hinzu und bemerkte
Dass noch Menschen drin waren. Ich trat in die Tür und rief ihnen
Zu, dass Feuer im Dach sei, sie also auffordernd
Schnell hinauszugehen. Aber die Leute
Schienen nicht eilig. Einer fragte mich
Während ihm schon die Hitze die Braue versengte
Wie es draußen denn sei, ob es auch nicht regne
Ob nicht doch Wind gehe, ob da ein anderes Haus sei
Und so noch einiges. Ohne zu antworten
Ging ich wieder hinaus. Diese, dachte ich
Müssen verbrennen, bevor sie zu fragen aufhören. Wirklich, Freunde
Wem der Boden noch nicht so heiß ist, dass er ihn lieber
Mit jedem andern vertauschte, als dass er da bliebe, dem
Habe ich nichts zu sagen. […]

aus “Das Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus”, Berthold Brecht, 1937

Das ist Porree, du Lauch!

Mir ist das ultimative Interview untergekommen: Warum die Gurtpflicht Scheiße ist und deswegen nicht sein darf. Ein Interview geführt mit einem Stuttgarter Verkehrsrichter, der zuvor zwölf Jahre am Stuttgarter Landgericht Vorsitzender einer Großen Strafkammer war. Zitat:

Mir geht es nur um die Frage: Darf es der Gesetzgeber verantworten – in Kenntnis darüber, daß es Unfallabläufe gibt, wo sich der Gurt verhängnisvoll auswirkt -, den Leuten eine Verpflichtung aufzuerlegen, die auch zu ihrem Schaden führen kann. […] Weil immer nur die positive Seite des Gurtes herausgestellt wird und alles andere unter den Tisch fällt.

Quelle: hier (Anm.: Verlinkung führt auf die Seiten von Der SPIEGEL)

Werde gleich die Argumentation für meine Eigene gegen die Impfpflicht verwenden. Und dann noch ein Spendenkonto einrichten, um mit dem Geld einen Grundsatzprozess in Karlsruhe gegen die Impfpflicht vorzubereiten. In einer Finca am Strand auf den Kanaren. Mit vielen hippen Vorbereitungspartys. Mit den Spendengelder. Was spezielle Vertreter der Querdenker finanziell erreicht haben, will ich auch. Meine Rente ist sicher.


Evidenzbasiert” ist das neue “Geil”. Meine jahrelangen Forschungen in diversen Quellen wie Nachrichten, Bücher, Geheimpapieren und Stammtischbesprechungsprotokollen hat ergeben, dass im Fußball immer wieder Gegentore fallen. Es gibt zwar Mannschaften, die Serien ohne Gegentore aufstellen oder auch Spiele ohne Gegentor bestreiten, aber das sind Randerscheinungen, welche man getrost als Ausnahmen aus der Statistik nehmen kann. Und schaut man sich diese dann bereinigte Gegentor-Statistik an, fällt einem direkt ins Auge, dass in 100% der Fälle die jeweilige Mannschaft mit einem Torhüter aufgelaufen ist. Wenn also eine Mannschaft mit Torhüter aufläuft, muss sie sich nicht wundern, dass sie auch Gegentore kassiert.

Ich habe meine evidenzbasierte Beobachtung dem DFB geschrieben. Eine Antwort steht bislang aus. Ich vermute stark, der DFB will nächstes Jahr in Katar nicht Weltmeister werden, auf Torhüter verzichten und somit Reisekosten sparen. Was mich nicht wundert, denn es gibt eindeutige Hinweise auf finanzielle Machenschaften im Weltfußball mit denen in Katar, über welche das Publikum fahrlässiger weise im Unklaren gelassen wird.


»Ich pupse letzter Zeit so unverschämt viel.«

»Allein?«

»Nein, zusammen mit meiner Freundin. Im Bett.«

»Gibt es da nicht etwas von Ratio-Darm?«

»Ich vermute eher, es hängt mit unserer neuen Kitsch-I-Mea-Diät zusammen.«

»Kitsch-I-Mea-Diät?«

»Yep. Jeweils vier Kapseln davon aufgelöst in unser Low-Carb-Zwiebelsuppe unter zartem Zwiebelschmelz.«

»Kein Wunder, dass ihr pupst. Ihr müsst auch vorher noch eine zur Vorbeugung einschmeißen, damit der Darm nicht so gereizt wird.«

»Und danach?«

»Acht Doppelkorn und drei Bier. Wirkt Wunder. Und danach noch ne weitere Kapsel Kitsch-I-Mea.«

»Echt?«

»Ich schlaf immer sofort ein, schlafe wie ein Stein. Und vom Pupsen in der Nacht merke ich dann auch nichts mehr.«


Das neue neuen Chill-Out-Café hat gut Betrieb. Der Wirt kennt das Niveau der Mehrheit seiner Gäste und lässt dem Monitor das neue Nonstop-Nonsens laufen: “BILD-TV”. Es versendet gerade Nachrichten und zu den laufenden Bildern deren Kommentare der “BILD-TV”-Redacktion. Drei Mittzwanziger sitzen am Tisch unter dem Monitor und amüsieren sich prächtig. Jedes Mal, wenn “BILD-TV” während derer Nachrichtensendung Tote zeigt, kreischen die drei im Choral auf:

»Oh mein Gott! Sie haben Kenny getötet! Ihr Schweine!«

Dreimal fordert der Wirt die Drei auf, still zu bleiben, beim vierten Mal stellt er kommentarlos auf “Sturm der Liebe” um. Viele Gäste winken kurz darauf den Kellner, um zu zahlen. Nach dem 3/4 der Gäste gegangen ist, schaltet der Wirt darauf wieder “BILD-TV” an, lässt die drei Südpark’ler die Rechnung zahlen und rausbefördern. Das Cafè füllt sich erneut und der Wirt schaut wieder zufrieden.


»Glatze? Seit wann? Hast du eine Wette verloren?«

»Nein. Die Glatze ist mein Ausdruck für Friedfertigkeit, für Aufgeschlossenheit, für Anstand und Höflichkeit, für Toleranz mit Respekt, …«

»Für was?«

»… für Gewaltlosigkeit, gegen das herrschende ‘Gewalt ist auch eine Lösung’-Dogma, gegen die latente gesellschaftliche Aggressionen, gegen Entsolidarisierung den Schwachen und Vulnerablen gegenüber, gegen …«

»Glatze steht eher für Krankheit oder Neonazis, du Lauch

»… Vorurteile … Hey, was … warum gehst du? Fick dich!«


Wenn die Impfungen ein Segnung für die pharmazeutischen Industrie sein sollen (“Cui bono”), weil sie damit ordentlich Kasse machen, und nur als Nebeneffekt dafür sorgen, dass weniger ins Krankenhaus müssen, dann bin ich gegen die Impfpflicht. Oder gegen die Impfung an sich. Mit jeder Krankenhauseinweisung und jedem Intensivstation-Patienten lässt sich mehr Geld verdienen als mit jenen 30-Euro-Ampullen oder einem, der vielleicht sogar mit Verkehrsunfall oder Herzinfarkt auf die Intensivstation kommt. Ja, richtig, ab jetzt bin ich gegen eine Impfpflicht und gegen die Impfung generell. Weil? Cui bono? Ich! Und nicht nur ich! Meine Aktien steigen mit jedem eingelieferten Corona-Patienten. Meine Aktiengesellschaften verdienen richtig geil und ich mit den Dividenden dadurch ebenfalls. Pfizer, Biontech, Moderna und Co. gehören geächtet, mit deren destruktiven Ertragsvernichtung anderer Menschen mit Aktien. Hatte ich schon mal betont, dass meine Rente gesichert ist? Danke, Corona.


Meine Schwester ist Heilpraktikerin. Nein, keine von diesen Sekten-Esoterikerinnen oder so. Nein, sie ist eine ganz Seriöse ist sie, eine Fundierte, eine, die neue und traditionelle Medizin zum Wohle ihrer Klientel vereint. Sie nutzt sowohl CT-Untersuchungen wie auch Dunkelfeld-Analysen, unvoreingenommen und ehrlich. Ihre Ergebnisse sind herausragend, bestätigen mir ihre Patienten aus derer Freundeskreis. Und weil sie so praktisch denkend und pragmatisch orientiert ist, hat sie mir vor ner Woche ne ganze Packung Corona-Präventionsvitamine D3 + K2 geschickt. Und eine große Dose D6/D12/D15 Similasan-Echinacea- Immunabwehr-Verstärkungsglobuli. Beides erst einmal umsonst, statt zukünftig für 150 Euro das Gesamtpaket. Morgens und Nachmittags zum Kaffee, zweimal täglich, da habe ich sie genommen. Aber ich werde es nicht mehr fortsetzen. Die Globuli und die anderen sind echt Scheiße als Süßmittel, die taugen nichts. Nach drei Tagen war die Packung bereits aufgebraucht. Ich steige jetzt wieder auf Zuckerwürfel um. Die halten länger.


»Freiheit!«, schrie die Marionette und schnitt sich ihre Fäden durch.

Und überhaupt ist mal wieder alles klar, auf der Andrea Doria …

»Das Schiff sinkt!«

»Und woran möchtest du das bitte festmachen?«

»Das Bug hebt sich!«

»Das ist immer so, wenn ein Schiff beschleunigt. Der sehr starke Heckmotor haut rein, zieht das Schiff durch seine Pferdestärken im Dieselaggregat hinten runter und das ganze Schiff beschleunigt. Eine göttliche Power hat dieser Motor!«

»Aber hinten läuft kein Motor mehr.«

»Vergaseraussetzer. Kennt man doch. Scheiss Ingenieurskunst. Taugt ja alles nichts. Made in Germany war mal erheblich besser. Früher war alles besser. Und nicht so schrottig wie heute!«

»Aber die Leute da vorne, am Bug, die rutschen bereits zum Heck runter!«

»Ja und? Ist doch normal, wenn das Heck unterhalb vom Bug liegt. Das ist physikalisch normal. Dazu braucht es keine Wissenschaftler. Hätten die Leute dort jetzt bessere Schuhe, wäre das denen nicht passiert. Die sind selber Schuld dran, dass die jetzt rutschen und gegen die Wände schlagen.«

»Steuerbord habe ich bereits Wasser reinlaufen sehen.«

»Das Schiff hat Lenzpumpen. Die pumpen das locker weg. Ganz easy peasy locker. Dafür sind die ausgelegt. Zum Trockenpumpen.«

»Aber Backbord …«

»Du musst hier nicht den BigMac markieren, nur weil du ein paar Seemannsausdrücke kannst.«

»Mir egal. Backbord liegt oberhalb von Steuerbord. Ich will zu den Rettungsboten.«

»Es gibt keinen Grund für Rettungsbote. Erst recht keinen Grund zur Panik.«

»Wo sind die Rettungsboote? Auf halb achtern?«

»Angst zu verbreiten ist eine ganz miese Tour von dir! «

»Ich will überleben!«

»Wollen wir doch alle. Oder kannst du mir einen nennen, der nicht leben möchte?«

»Aber du sagtest doch, dass hier nichts untergeht! Stimmst du mir jetzt doch zu, dass wir sinken?«

»Na und? Wenn es um Rettungsboote geht, dann immer zuerst die Nicht-Schwimmer, nicht war. Das erfordert schon der Anstand. Anstand heißt, zu warten, bis alle Nichtschwimmer versorgt sind, wenn das Schiff untergeht. Dann können die Schwimmer, denn die können notfalls auch schwimmen.«

»Aber das Schiff geht doch unter!«

»Quatsch. Bleib gefälligst hier und hör auf Panik zu schieben. Nur weil einige um uns herum unbegründet den Untergang ausrufen?«

»Die ersten sind schon zu den Rettungsbooten unterwegs.«

»Ty-pisch! Immer diese, die alles unreflektiert glauben, statt es zuerst einmal zu hinterfragen! Und statt dann sich zu fragen, wer nicht schwimmen kann, …«

»Du kannst nicht schwimmen?«

»Nein. Also gehört mir zuerst ein Platz in den Rettungsbooten.«

»Aber du hast doch gesagt, dass das Schiff nicht sinkt, sondern nur beschleunigt.«

»Eben. Daher besteht auch kein Grund zur Panik. Wenn alle so ruhig bleiben würde wie ich, dann wäre hier keine Panik. Und man könnte die Rettungsboote im Ernstfall auch noch nutzen.«

»Oh Gott! Der Vorderteil des Schiffs ist abgebrochen! Um Himmels willen!«

»Siehste! Das macht die Panik. Alle sind nach vorne zum Bug gelaufen, weil keiner am Heck bleiben wollte. Der Bug wurde dadurch zu schwer und ist jetzt abgebrochen. Das sind die real existierenden Auswirkungen von Angst und Panik, hervorgerufen durch Menschen, die alles nachreden, was man denen vorredet. Statt sich erst einmal auch mit vernunftbegabten Menschen abzusprechen.«

»Das Schiff sinkt. Ich will zum Rettungsboot.«

»Ty-pisch. Statt erst einmal zu fragen, wer nicht schwimmen kann?«

»Nicht-Schwimmer?«

»Überzeugter! Ich lass mir doch von niemanden sagen, dass ich auf dem Lande schwimmen können muss. Nur weil einige wenige meinen, dass das Überleben im Wasser vom Schwimmen abhängt. Das Überleben im Wasser hängt ab von den anderen Menschen, die einem dann helfen. Niemand muss schwimmen lernen. Und wenn man schwimmen kann und dabei einen Beinkrampf bekommt oder Herzinfarkt oder Schlaganfall oder Krebs und deswegen ertrinkt, was hat es dann gebracht, schwimmen zu können? Schwimmen ist nicht erforderlich, weil es auf dem Land kein Wasser gibt.«

»Aber hier könntest du doch ein Bedürfnis danach haben, oder? Mach hinne, die Zeit rennt auch gegen dich! Renn um dein Leben!«

»Das Bedürfnis schwimmen zu lernen, wird doch von den anderen Menschen hervorgerufen, die dauernd Angst wegen dem Nicht-Schwimmen erzeugen wollen und am liebsten eine Schwimmpflicht hätten. Damit sie in den Schwimmbädern mit Schwimmkursen ein Heidengeld an uns Nicht-Schwimmern verdienen können. Auf unsere Kosten! Für etwas, was nicht über längere Zeit als wirksam überhaupt zu 100% bei jedem Menschen getestet wurde.«

»Soll ich dir jetzt etwa die Grundzüge des Schwimmens beibringen? Oder kommst du freiwillig mit zu den Rettungsbooten?«

»Nun mal keine Panik auf der Titanic. Ich lasse mir von dir doch keine Schwimmstunde aufdrängen, nur damit mir nachher eine Stunde Lebenszeit fehlt. Und außerdem ist es meine freie Entscheidung, in ein Rettungsboot einzusteigen oder nicht.«

»Dann verreck!«

»Moment! Du kannst nicht einfach meinen Platz im Rettungsboot einnehmen! Ich bin Nicht-Schwimmer!«

»Dann lern schwimmen!«

»Bin ich Fisch, oder was? Für sowas opfere ich doch nicht meine Lebenszeit! Das darf ich doch wohl noch selber entscheiden! Oder willst du mir meine Freiheit einschränken?«

»Dann verreck!«

»Ty-pisch! Ty-pisch Spalter! Diese Spalter müsste man ans Kreuz schlagen! Die spalten mit deren Mentalität die Schiffsgemeinschaft und sind Schuld, dass Menschen ertrinken. Nicht weil das Schiff sinkt, sondern weil die uns als Opfer in Kauf nehmen, indem sie uns zur Wahl zwingen wollen zwischen Ertrinken und Schwimmen-lernen! Die wollen uns zwingen, statt uns die freiheitliche Wahl zu lassen.«

»Niemand zwingt dich zu überhaupt zu etwas! Verdammt, das abgebrochene Heck rollt immer stärker! Ich bin dann mal weg, zu den Rettungsbooten! Ciao!«

»Dann hau doch ab zu deinen Rettungsbooten! Und lass uns Nichtschwimmer doch vorsätzlich allein, du asozialer Sack, du! Ich bleib hier. Das hier ist kein Schiffsuntergang. Dafür gibt es keine evidenzbasierten Beweise dazu. Alles wird gut. Alles wird wieder gut! Und ich werde recht behalten. Und euch Panikhansel wird kein Hahn überhaupt ein Kickeriki nachkrähen, wenn ihr in euren Rettungsbooten abgesoffen seid. Denn 10% von diesen ungetesteten Rettungsbooten kentern sowieso. Sowieso. Da! Da hinten, das gelbe Rettungsbott. Siehste! Eine Welle hat es gerade versenkt! Siehst du das, du Schlafschaf, das immer in der Masse schwimmen will, statt selbst mal zu denken?!?  Na. Da hatte ich doch recht. Das Bott ist untergegangen und die Insassen kämpfen jetzt sogar noch um deren Leben. Es gibt keinen Grund für Rettungsboote. Kein Grund. Nicht einen. Die wurden alle nicht getestet. Von wegen Schiffsuntergang! Kellner! Einen Martini-Cocktail, bitte! Aber bitte rühren und nicht schütteln!«

Ein Kellner-Tablett war im Begriff, auf den Holzplankenboden an ihm vorbei zu schlittern. Es trug zwei halb-volle Cocktail-Gläser. Einen Swimming-Pool und einen Martini. Er stoppte das Tablett geschickt mit dem linken Fuß und ergriff beide Cocktails, während der Kellner hinter ihm an ihm vorbei fiel. Der Blick des Mannes mit den beiden Cocktailgläsern in der Hand, fiel auch mich:

»Hey! Hey du! Was machst du da?«

»Ich schreib nur das alles mit. Für meinen Blog. Ein neues Post,« antwortete ich schüchtern.

»Hab ich das erlaubt? Hast du dafür meine Einwilligung? Das ist illegal! Du kriegst Post von meinem Anwalt!«

»Ich dachte, ich könnte weil … das hier ist eine Notsituation und …«

Er bewegte sich mit den beiden Cocktails bedrohlich auf mich zu:

»Notsituation?«

Ich überlegte fieberhaft meine Antwort. Und dann sprudelte es einfach so aus mir heraus, einfach so, während ich alles auf meinem Notebook abspeicherte, es herunterfuhr und in den wasserdichten Seesack stopfte:

»Nun ja, ich dachte, ich schreib mal mit, bevor hier alles voll Wasser ist. Einfach mal, bevor es keiner mehr lesen kann. Als Nachgedanken an die Nachwelt zum Nachdenken. Als etwas Historisches. Heroisches versus feiglinghaftes. «

»Und? Hast du keine Angst? Keine Panik? Willst du nicht das tun, wie hier alle tun?«

»N … n … n …ein, nein.«

Er lachte laut auf.

»Lobenswert! Du lässt dich nicht von der Panik der Masse anstecken und glaubst nichts vom dämlichen Narrativ der Ängstlichen. Von wegen Untergang. Pah! Du bist ein Mann nach meinem Geschmack, mein Bester! Hier, nimm einen Cocktail und lass uns auf das Leben trinken! Und auf diese Panikhansel spucken! PROST!«

Ich nahm den mir angebotenen Swimming-Pool, trank einen Schluck, hustete ein wenig, nahm den zweiten Schluck und danach wurde es dunkel. Absolut finster. Absolutes nichts.

Und so verschwand meine historische Geschichte für die Nachwelt im Orkus des Internets.

Für immer.

Ungelesen.

So war es, ich schwöre.

Parkbankgeschichte: Verantwortungslos

ER sitzt auf seiner Parkbank und schaut auf seine Pulle “THE DUKE”. Bio Gin durch und durch. Und dazu noch destilliert in seinem Minga, seinem München. Da sitzt ER nun im Englischen Garten und seine Gedanken kreisen um diese “42% vol”. Das hatte ER noch nie, diese nachdenkliche Seite an sich, diese zu entdecken, diese echte Nachdenkseite.

“42%? Vol? Was heißt das? Wenn die Flasche voll ist, hat sie 42%?”

Der Banknachbar packt vorsichtig seine “Münchener Currywurst besonders spezial” aus, jenes neue In-Gericht der “Young-Kitchen-Cooking-B30s”. Sechs Euro fuffzig ohne Semmel. Er zelebriert das Auspacken in der Weise als ob der das Gemälde “Jungfrau züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen” von Max Ernst freilegen würde. Dabei schaut er eher wie zufällig neugierig interessiert zu IHM rüber.

ER aber meditiert nachdenklich über das Etikett seiner Flasche:

“Nullkommasieben. Hm. Mit zweiundvierzig Prozent, wenn die Buddel voll ist? Mach wie viel?”

Sein Nachbar erhebt aufmerksamkeitsheischend seine Hand. Er war schon immer gut im Kopfrechnen. Nur merkt er, dass seine Expertise in diesem Moment nicht gefragt ist. Denn ER grübelt leise vernehmlich weiter:

“Wenn ich also von den Nullkommasieben die Hälfte trinke, dann sind es nur noch einundzwanzig Prozent, weil nicht mehr voll. Und dann davon die Hälfte, dann nur noch knappe elf Prozent. Dann noch zweimal die Hälfte jeweils, dann hat es nur noch den Gehalt eines Light-Bieres. Das ist ungefährlich.”

Sein Nachbar winkte nicht mehr, sondern widmet sich leidlich konzentriert seinem Kochkunstwerk. Er stößt seine Holzgabel in eine der Weißwurstscheiben mitten in der gescheibten Curry-Weißwurst, führt die aufgespießte Scheibe zu seinem Mund, blickt dabei etwas irritiert durch seines Nachbars Worte zu eben diesen, verfehlt dabei im ersten Anlauf seinen geöffneten Mund rechts davon, korrigiert seine Handführung nach links und … . Ein leichter Windstoß umweht die Parkbank, er versucht deswegen ausgleichend seine Holzgabel elegant zu balancieren, aber die Scheibe enthüpft von der Gabel und landet auf seiner beigen YSL-Cargohose.

“Nur, wie komme ich an dieses 2,5% Gin? In der Zeitung las ich, Alkohol ist leichter als Wasser. Und er ist volatil. Also müsste es klappen, wenn ich die Flasche wie vorhin kopfüber trinke. Dann schwimmt der Alkohol oben, entfleucht in den Hohlraum darüber und der Geschmack bleibt unten. Und wenn die 42% der Nullsieben oben ist, dann kann ich ja über die Hälfte trinken, ohne dass ich Alk zu mir nehme.”

Sein Nachbar schaute entsetzt auf seine Hose. In Gedanken stellt sofort die logische Verbindung zwischen Wurstscheiben-Fall und dem irritierenden Gefasels seines Nachbarn her.

“Also”, grübelt ER weiter, “könnte ich doch dreiviertel der Flasche kopfüber trinken, der Hohlraum vergrößert sich, der Alkohol volatiert dahinein und dann habe soviel wie zwei Light-Bier-Mass in mir. Und irgendwer von den wichtigen Menschen in Bayern sagte damals doch, mit zwei Mass kann man noch fahren.”

Sagt es, öffnet die Flasche, stellt zwischen Po-Backen, Rückgrat, Hals und Flasche eine senkrechte Achse her und schluckt. Und schluckt. Und schluckt. Und verschluckt sich, behält aber einen Rest in der Flasche zurück. Den alkoholischen Rest, wie zuvor analysiert.

“So, das war jetzt die vierte Light-Gin- … Light-Gin-Pause. Ei, ein … eine geht noch”, artikuliert ER und platziert die fast leere Flasche zurück in seinen Rucksack zu den anderen Sechsen und holt die nächste Volle heraus. ER schaut sie kritisch an, öffnet sie, stellt die Achse her, setzt zuvor an, noch etwas tiefbewegendes zu sagen, kippt dabei urplötzlich nach links von der Bank, wie ein Brett, und rührt sich nicht mehr. Reglos liegt ER nun dort, neben der Bank unterhalb der Sitzfläche.

Der Banknachbar war in der Zwischenzeit wütend aufgestanden, hatte mit der Edel-Serviette versucht, seine Hose zu säubern, den Fleck aber nur vergrößert. Wutentbrannt hatte er den Rest des In-Gerichts “Münchener Currywurst besonders spezial” vor sich auf den Boden gedonnert, versuchte, dabei den Curry-Spritzern der hingeschmissenen Portion auszuweichen, sah mit wachsendem Entsetzen die Curry-Spritzer auf seinen Schuhen, kriegte mit, wie sein Nachbarn kippte, umkippte und dann regungslos liegen blieb.

Er geht zu IHM rüber und misst dessen Puls an der Halsschlagader, spürt kaum etwas, nimmt seine Finger vom Hals des Mannes und seufzt erbost:

“Typisch mal wieder. Deutschland eben! Unverantwortlich! Und wer bezahlt mir jetzt meine Reinigungskosten?”

Der päpstliche Fasteleer (Teil 2)

Joseph. Auf Deutsch: “Gott vermehre”. Im Rheinland nennt man diesen Vornamen auch Jupp, in Bayern Sepp und in Spanien Pep. Sprachgourmands fällt bereits auf Zwei “p”s im Vornamen kommt immer gut. Wie bei “Pömpel”, “poppen” oder “Papst”.

Aloisius (auf Deutsch: “ganz weise”) dagegen … in meiner Schule im Westfalenland hatte ich einen Mitschüler, der diesen Namen trug. Und alle – von Eltern über Pastor bis hin zum Lehrer – sprachen ihn “Alo-i-sius” aus. Knappe 600 km südlich beharren Eltern, Pastoren, Lehrer und Päpste darauf, dass dieser Vornamen “A-läu-si-us” ausgesprochen wird. Was will man auch machen in einem Bundesland, welches versucht sich die Zunge mit “Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid” zu verknoten, während der Westfale leicht angeödet lediglich ein “Rotkohl bleibt Rotkohl und Brautkleid bleibt Brautkleid” verkündet, um sich danach seine Zunge mit einem Pils und nem Korn zu verknoten. “Alo-i-sius” oder “A-läu-si-us”, das ist schon ein bedeutsamer Unterschied, so wie “Karneval” und “Fasching”. Oder “Knäppchen” und “Scherzerl”. Wichtig ist, um was es dabei im Eigentlichen geht.

Joseph Aloisius. So ein Vornamenkonvolut geht ratzfatz am Standesamt eingetragen und bleibt dem Jungen dann mal eben fünf Dutzend Jahre hängen. Unserm Joseph Aloisius Ratzinger. Unserm Joseph Aloisius, der Ursache für den Aufmacher mit den zwei “p”s: “Wir sind Papst”. Vergelt’s Gott.

Je mehr man sich mit den Verlauf der Geschichte des Papstes Benedikt XVI., unserm Joseph Aloisius Ratzinger, anschaut, so mehr habe ich den Eindruck es war immer schon ein Fangen-Spiel. Oder Fangerl-Spiel, wie der Bayer zu sagen pflegt. Und seine Ankündigung, die als Rücktritt aufgefasst wurde, erscheint mir eher dem Wort “Aus” (“Freio”, “Wupp”, “Haus”, “Klippo”), welches Kinder für einen Ort beim Fangenspiel (Greifen, Haschen, Nachlaufen, Fangkus etc.) ausrufen, an dem man “sicher” ist. Bei jener Ratzinger-Erklärung im Februar 2013 könnte man dessen zeitlichen Umfelds niederträchtiger weise die Züge eines gigantisch historischen Karnevalsstreichs unterstellen.

Jetzt sollte man wissen, dass unser bodenständige bayrische Sepp (“Holleri du dödel di diri diri dudel dö”) und gleichzeitig himmlischer Aloisius (“Wann krieg na i wos z’tringe? … Luhja! Sacklzementhalleluja! Luhja, sog i! Mei Lieber Luja!”) eine besondere Vergangenheit hat. Also noch eine speziellere als man dessen Vitae eh als besonders ansieht.

Was hat der Seppeli Aloisili gemein mit folgenden Personen? Franz Josef Strauß, Bruno Kreisky, Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher, Norbert Blüm, Jürgen Möllemann, Edmund Stoiber, Roman Herzog, Horst Seehofer, Markus Söder?

Na? Ihr grübelt noch? Dann noch ein paar Namen zusätzlich: Andreas Gabalier, Heino, Till Schweiger, Thomas Gottschalk, Aenne Burda, Vitali Klitschko und Wladimir Klitschko?

Immer noch nichts? Keine Idee, was alle verbindet? Keine göttliche Eingebung? Ausnahmsweise noch ein paar Namen: Werner Finck, Vicco von Bülow, Sir Peter Ustinov, Ephraim Kishon, Emil Steinberger, Rudi Carell, Hape Kerkeling, Michael “Bully” Herbig, Dieter Hallervorden?

Nun, die alle und noch viel mehr, wurden sie von der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla mit dem “Karl Valentin Orden” ausgezeichnet. Und der Ratzinger-Sepp hat ihn ebenfalls umgehängt bekommen (Foto). Der Grund? Seitens Ratzinger gab schon immer eine innere Verbindung zu Karl Valentin. Im Sommer 1948 ging er auf einer Pilgerfahrt nach Planegg zum Grab von Karl Valentin 15 km zu Fuß. Als er dann vierzig Jahre später seinen Ausspruch „Ich bin nicht befugt, aus dem Vaterunser ein Mutterunser zu machen“ tätigte, da war er fällig und die Münchner Faschingsgesellschaft fragte ihn, ob er den Orden haben wolle. Entgegengenommen hatte ihn während des Verleihungsfestakts allerdings Joseph Aloisius Ratzinger nicht persönlich, sondern seine Schwester Maria, welche dann auch Ratzingers Dankesredetext verlas. Darin erklärte er:

Eine närrische Ordnung, mit der wir uns selbst und die Ernsthaftigkeit der großen Welt verspotten, ist eine gute Sache. Und das ist auch der Grund, warum ich es gerne angenommen habe. Einige Leute haben Zweifel geäußert, ob das zu einem so seriösen Beruf wie dem meinen passt. Das scheint mir sehr gut zu passen, denn es ist bekannt, dass es das Privileg des Volkes ist, die Wahrheit sagen zu können. An den Höfen der alten Potentaten war der Hofnarr oft der Einzige, der sich den Luxus der Wahrheit LUXUS DER WAHRHEIT leisten konnte … Und da ich in meinem Beruf zufällig die WAHRHEIT sagen MUSS, bin ich sehr glücklich, nun in die Kategorie derer aufgenommen worden zu sein, die dieses Privileg genießen … „Wir sind Narren um Christi willen (1. Korinther 4:10)”.

Was hat der Valentin-Orden nun mit seinem Verzicht auf die Machtausübung als Papst zu tun?

Nun, am 11. Februar 2013 erklärte Ratzinger in seiner Rolle als Papst Benedikt XVI. seinen Verzicht auf das Regieren im Vatikanstaat für den 28. Februar.

Der 11. Februar 2013 war ein Rosenmontag. Es war der ROSENMONTAG, Rosenmontag, eine Fortsetzung der alten römischen Traditionen, in denen Sklaven und Diener für einen Tag zu Herren wurden, wo der klassische Topos der „Welt auf dem Kopf“ noch heute verwirklicht wird. Nebenbei: an einem Rosenmontag ist auch Karl Valentin 1948 (9. Februar) gestorben, zu dessen Grab Ratzinger 15 km zu Fuß hinging.

Ratzinger erklärte in einen seiner späteren Bücher, dass er sich nicht bewusst war, dass jener 11. Februar ein Rosenmontag war, obwohl er explizit zwei später die Liturgie zum Aschermittwoch geplant und durchgeführt hatte. Er meinte, er hätte das Datum auch gewählt, weil am 11. Februar 1858 gegen 11 Uhr 11 wohl die erste Lourdes-Erscheinung der 14-jährigen Bernadette Soubirous statt fand.

1858?

In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts fielen drei Straßenkarnevalsumzüge in Köln aufgrund staatlicher Restriktionen aus, zwei wurden gesplittet durchgeführt (weil sich die Jecken nicht auf einen großen Umzug einigen wollten) und die anderen beiden waren keiner Erwähnung wert. Erst 1858 wurde die Tradition des großen Straßenkarnevalsumzugs wieder durchgeführt, welche am Rosenmontag mit 34 Mottowagen, von Vier-, Sechs- und Achtspännern gezogen, umgesetzt wurde (… ob die Gäule danach im Rheinischen Sauerbraten Verwendung fanden ist nicht überliefert …). Mit dem Wieverfastelovend am 11. Februar 1858 um 11:11 Uhr begann der Kölsche Fasteleer.

Und am 11. Februar 1858 gegen 11:11 Uhr hatte Bernadette Soubirous ihre Vision. Natürlich in Lourdes und nicht in Köln. Seitdem gibt es dort Lourdes-Wasser In Kanister gegen teures Geld für Pilger, während Köln nur kostenloses Rhein-Wasser und Kölsch in Stangen zu bieten hat.

Interessant, welche Koinzidenzen es so in der Geschichte gibt. Das kann doch kein Zufall sein, da steckt sicherlich ein ganz großer Plan dahinter. Bill Gates kann es nicht sein, denn der wurde im Oktober geboren und Papst ist er auch nicht geworden. …

Nebenbei für die Historiker unter uns: in Bayern wäre an jenem Tag der “Unsinnige Donnerstag” gewesen, was die Bayern aber zu jener Zeit noch nicht wussten. Abends wurde in München am 11.Februar “Die heimliche Ehe” von Domenico Cimarosa zum zweiten Mal aufgeführt und alle schwelgten in Schöngeisterei. Tags zuvor veranstaltete der bayrische König Ludwig II. (ja genau, eben jener verrückte Neuschwanstein-Erbauer, welcher später im Starnberger See bei 20 Zentimeter Wasserhöhe ertrank) eine Schlittenfahrt mit einem Sechsspänner durch die Straßen Münchens, um mit seiner Gemahlin zu einem Abendessen zu gelangen.

Fasching selber wurde in München drei Tage später begangen. Als Künstlermaskenfest im ehemaligen Odeonssaal: eine italienischen Nacht im Beisein von König Ludwig II., mit dem damaligen “Prinz Carneval” (sic!) und als Höhepunkt dazu noch eine Depesche der Dresdener Künstler zum Lobe des bayrischen Königs.

Eine Verbindung zu den Visionen von Lourdes lässt sich bei allen Münchner Begebenheiten also getrost nicht feststellen. Luhja, sog i!

Zurück zu unserm Joseph Aloisius Ratzinger und seinem 11. Februar. Der 11. Februar, dieses Datum hat eine innere Verbindung, so schreiben Autor Seewald und Ratzinger in deren Buch “Letzte Gespräche” (2016; ISBN: 9783426276952; auch hier). Denn die Visionistin von Lourdes, jene Bernadette Soubirous starb am 18. April (1879; Gründonnerstag). Unser Ratzinger hat nun ebenfalls seinen Geburtstag an einem 18. April (1927; Ostermontag). Innere Verbindung.

So verbindet sich das eine mit dem anderen, das andere mit dem einem und alles mit allem, so dass Ratzinger seinen Ausspruch „Ich bin nicht befugt, aus dem Vaterunser ein Mutterunser zu machen“ tätigt und daher am 11. Februar seinen Abschiedsbrief mit zwei lateinischen Syntax-Fehlern veröffentlichte. Der katholische Teil des “Wir sind Papst”-Deutschlands hielt verstört in ihrem Helau und Alaaf inne und brachte stattdessen lediglich ein Feierbiest-trunkenes “Echt jetzt?” als Bäuerchen heraus.

Selbst von der BILD-Zeitung wird berichtet, dass sie es noch nicht mal schaffte, den naheliegenden Aufmacher “Wir Päpste treten zurück” in Schwarz-Rot-Gold zu bringen. Das wäre allerdings eh nicht so günstig gewesen, denn die Mainstream-BILDungsbüger-Leserschaft hätte einen solchen Aufmacher eh nicht verstanden. Stattdessen hätte sie ob der fehlenden Angabe der Richtung bloß ratlos auf die Buchstaben des Aufmachers gestiert, weil denen die Erklärung gefehlt hätte, gegen wen BILD mal wieder tritt.

Überhaupt ist die Geschichte vom angeblichen Rücktritt des Papstes Benedikt XVI. eh recht schwer verständlich, weil nach kanonischen Recht das Papsttum auf zwei Bereiche (munus und ministerium) sich erstreckt und er wohl nur einen Bereich aufgegeben hat. Oder einfacher, betriebswirtschaftlicher erklärt: das Papstamt umfasst CEO und COO. Der Ratzinger hatte wohl den COO-Bereich einfach abgegeben und den CEO behalten. Es könnte die Erklärung sein, weswegen der Kardinal Jorge Mario Bergoglio bei seinem Amtsantritt nur in Weiß erschien, statt sich in dem üblichen roten Papstroben gekleidet zu haben. Aber das ist nur eine herbeigeklaubte Vermutung, wie man sie nur an einem Donnerstag unsinnigerweise machen kann.

Egal. Fakt ist, der Papst war amtsmüde oder hatte keinen Bock mehr oder beides, und die kirchlichen katholischen Feierbiester mit Rang und Namen versammelten sich in der Sixtinischen Kapelle, um dort beim eintägigen Feiern den Zermonien-Meister Jorge zu inthronisieren. Früher wurden die Feierbiester dann auch schon mal zwei Jahre lang eingesperrt, wenn die sich nicht einigen konnten. Da war dann für diese Rock ’n Roller Feiern bei Wasser und Brot angesagt, im Jahre 1279. Sowas war damals in Rom noch machbar. Im Jahre 2013 waren die Hotelpreise für die Kardinal-Bedienstete in Rom erheblich höher, weswegen das ganze Abstimmen auch nur einen Tag lang dauerte. Man wollte ja nicht arm wie eine Kirchenmaus wieder in deren Kardinalshochburgen zurück kommen … .

Und was sagt uns das? Seit jenem Abend des 13. März 2013, noch kurz vorm Wetterbericht der Tagesschau, seit jener Zeit dürfen nun die Katholen an eine dreifaltige Gottheit (Vater, Sohn und Heiliger Geist) vertreten auf Erden durch ein zweifaltigem Papsttum (Sepp Loisl und Jorge) mit einfaltiger Einheit glauben. Einfaltig. Nicht einfältig. Also einfaltig eher so wie ein gefaltetes Blatt Papier.

Gefaltetes Papier. Wenn man gefaltetes Blatt Papier mit nem Locher stanzt, kriegt man doppelt so viel Konfetti, als wenn man es nur einfach stanzt. Dazu darf man dann aber auch nicht die Hände falten und beten, sonst wird das ganze private Konfetti-Stanzen richtig ineffektiv.

Und es wird wieder Zeit Konfetti zu stanzen. Der Elfte im Elften ist wieder eingetreten. Der Reigen beginnt erneut: Advent, Maria Empfängnis, Weihnachten, Wieverfastelovend, Rosenmontag und dann vielleicht wieder ein Rücktritt? Ratzinger war ja auch nur acht Jahre lang aktiver Papst. Warum sollte Jorge Mario Bergoglio in seiner Hauptrolle als Papst Franziskus es anders halten? Denn am Aschermittwoch soll doch alles vorbei sein. Warum auch nicht dann der jetzige päpstliche Fasteleer? Zumindest hätten dann der Seppl Loisl und der Jorge im März den dritten Mann auf Augenhöhe zum Skat spielen. Papst-Skat. Als Einsatz könnten die Einkünfte der “Brüder im Nebel” verwendet werden. Als Aschermittwoch-Spende. An darbende Personen im Vatikan. Überwiesen vom Kölner Erzbischof Kardinal Woelki, der während seiner geistlichen Auszeit sein volles Monatsgehalt von 13.700 Euro weiter erhält. Jene 13.700 Euro, die von den normalen deutschen Steuereinnahmen an ihn weiter geleitet werden. 

Und in der Tradition, dass alle acht Jahre ein Papst zurück tritt, dann wäre in acht Jahren drauf auch Schafskopfen möglich. Das würde den Bayer Seppl Loisl erfreuen. Wäre doch mal ne Anregung, für ein wenig Äkschn im Vatikan.

In der Zwischenzeit lasst uns jetzt Konfetti-Stanzen. Ist ja offiziell wieder Karneval. Und der Wieverfastelovend ist ja nicht mehr weit. Genießen wir also solange das Schisma, solange es noch lebt …

Alles auf dem Tisch aufgetischt

Ich habe Steffen getroffen. Gestern, mitten in der Fußgängerzone. Steffen ging dort mit Stolz geschwellter Brust. Ihr kennt Steffen nicht? Steffen, das ist derjenige, der irgendwo im Internet etwas gelesen hatte, das niemand wusste. Und damit konnte Steffen das Problem lösen, an welchem Experten jahrelang auf der ganzen Welt geforscht und diskutiert hatten, aber zu dem keiner der Experten eine Lösung fand. Außer Steffen. Im Internet. Durch Lesen von etwas. Was niemand wusste. Steffen ist der wahre Experte aller sogenannten Experten.

Ihr kennt Steffen noch immer nicht? Steffen ist einer der ‘hidden champions’ dieser Welt. Er wird aus berufenen Mündern auch gerne ‘Ehren-Steffen’ genannt. So wie ‘Ehren-Mann’, nur halt ‘Ehren-Steffen’. Warum er Euch trotzdem nicht bekannt ist? Fragt euch selber: cui bono? Wem nützt es, dass er nicht Euch bekannt ist. Eben, den Forschenden, die mit der Schmach leben müssten, dass sie es selber im Internet nicht gefunden hatten. Und deswegen findet sich zu Steffen auch nichts in den Mainstream-Medien.

Gestern lief er mitten in der Fußgängerzone, mit seinem Smartphone vor der Brust. Er nutzte es als Fußgängernavigationshilfsmittel, weil er vom Münchner Marienplatz zum Münchner Stachus musste. Und ohne seine Information aus dem Internet, wer weiß, er wäre vielleicht auf der Kölner Domplatte rausgekommen. Oder im Hamburger Kiez. Wer weiß das schon so genau. Steffen verlässt sich halt nicht auf Expertenmeinungen, denn er hat Internet. Mobil auf seinem Smartphone. Er ist ja selber Experte und lässt sich nicht mehr ‘X’ für ein ‘U’ vormachen.

Freilich ist es wohlfeil und billig, mich hier über das Expertentum Deutschlands auszulassen. Vor nicht ganz 24 Stunden hatte ich es mit Experten zu tun. Ich nenne sie mal so, denn sie sind im Besitz akademischen Segnungen. Wie ich übrigens auch. Aber das tut hier nichts zur Sache.

Es ging mir darum, meine Impfung abzuholen. Nachdem viele Experten erklärt hatten, dass alle Geimpften im September sterben würden, dachte ich mir, dass – wenn jetzt binnen 24 Stunden mindestens 64% der Bevölkerung sterben würde – ich mit den restlichen 36% nicht mehr weiter leben mochte.

Die Impfstation war leer. Die Mehrheit bestand aus freiwilligen Ärzten, die vor ihren Tischen hockten und Kaffee tranken. Ich wollte mich den Tischen nähern, aber eine Person drückte mir Kugelschreiber und Papier in die Hand. Von der Wiege bis zur Bahre halt Formulare, Formulare, Formulare. Die üblichen Fragen mit Auswahlkästchen zum Ankreuzen halt. Ob ich Allergien hätte. Ob ich schwanger wäre. Ob ich die letzten vierzehn Tage eine Person mit Covid kontaktiert hätte. Ob ich dieses oder jenes hätte oder nicht hätte. Und ob ich bereit wäre auf eine medizinisch-ärztliche Aufklärung zu verzichten. Ja, verzichten, das wollte ich, denn die Infos dazu hatte ich schon mehrfach gelesen gehabt.

Mit den ausgefüllten Zetteln in der Hand, meinem Personalausweis, meinem Impfpass und meinem Genesenen-Zertifikat begab ich mich zu den Tischen und wählte mir einen der Mediziner aus. Ich übergab ihm alle Papiere und setzte mich. Ob es meine erste Impfung oder meine zweite sein würde, war die erste Frage. Ich erklärte, dass ich Genesener sei und ich mir darum jetzt die sogenannte Zwei-Impfung abholen würde. Er schaute mich verwirrt an und beharrte auf die Beantwortung seiner Frage. Ich verwies auf mein Genesenen-Zertifikat, was ihn aber nicht weiter interessierte. Ein Kollege flüsterte ihm etwas zu und erst dann schien er zu verstehen. Darauf wollte er das Datum meiner Erkrankung wissen. Ich verwies erneut auf das Genesenen-Zertifikat. Er erwiderte mir, dass er etwas offizielles benötigen würde. Etwas, worin zu lesen wäre, wann meine Erkrankung festgestellt worden ist. Ich verwies zum dritten Male auf mein Genesenen-Zertifikat. Erst jetzt faltete er es unwirsch auf und erklärte mir:

“Nein, da steht dazu nichts drin.”

“Doch, da steht das Datum der Erkrankung drin. Sie müssen nur lesen.”

“Was soll das überhaupt sein, dieses Genesenen-Zertifikat? Das hab ich ja noch nie gesehen.”

Die Antwort lies mich anfangs sprachlos. Ich erklärte ihm, dass diese EU-Genesenen-Zertifikate seit ungefähr sechs Wochen in Apotheken ausgestellt werden, nachdem eine Gesetzesänderung verabschiedet wurde, welches den Apotheken diese erst ermöglichte. Zuvor war das nur bei Ärzten möglich.

“Ja, aber ich brauche das Datum, wann die Erkrankung festgestellt wurde, und das finde ich hier nicht in diesem seltsamen Wisch.”

Hat schon jemals jemand sich der Versuchung hingegeben, jemand anderem per Telefon die Bedienung eines Fernsehgerätes zu erklären? Oder die Verwendung eines Computers? Oder das Mixen eines primitiven Martini Cocktails? Meine Empfehlung: einfach mal versuchen. Es ist die beste Möglichkeit in tiefen Depressionen zu verfallen und der Menschheit das Überleben aus gewichtigen Gründen abzusprechen. Und bitte! Und bitte, niemals den Satz ‘Lies doch einfach mal in der Gebrauchsanweisung nach’. Das geht gar nicht. Alle Dinge müssen einfach sein. Mundgerecht vorbereitet, abwaschbar, verbrauchergerecht. Und bitte nicht vom Gegenüber verlangen, er müsse selbst etwas tun. Wie lesen beispielsweise. Wer noch nie im Internet eine Gebrauchsanweisung herunter geladen hat, um dem Menschen am anderen Ende der langen Leitung vorzulesen und zu erklären, wie er denn den Fernseher einzustellen habe, der gehört eindeutig zu den glücklichen Teil dieser Menschheit. Zu so etwas fällt mir der Film “Idiocracy” aus dem Jahre 2006 ein. Nicht dass der Film ein wirkliches Kino-Highlight wäre, eher ganz im Gegentum, aber er tröstet so unfassbar sehr. Besonders nach einem Telefongespräch mit Vorlesen und Erklären einer Gebrauchsanweisung, welche der andere Mensch selber lesen und verstehen hätte können.

Und so hatte ich auch meinen positiven PCR-Test von damals dabei. Voraussicht? Vorahnung? Die Gabe? Na gut, eher nur Berufserfahrung. In meinem Beruf rechnet man mit menschlichen Fehlern und versucht diese zu vermeiden. So etwas wirkt sich auch privat aus, was dann von anderen auch gerne als Negativismus ausgelegt wird. Daran habe ich mich bereits gewöhnt. Es ist lediglich die reine Risikoabschätzung. Und somit hatte ich mein damaliges PCR-Testergebnis gleich mit eingepackt gehabt. Somit lagen dann alle meine Papiere vor ihm auf dem Tisch.

Und der gute Mensch mir gegenüber nahm sich mein PCR-Testergebnis und fing auch gleich laut an zu rechnen, ob ich überhaupt impfberechtigt wäre: Erkrankungsdatum plus ein halbes Jahr. Und prompt hatte er sich um vier Wochen verrechnet. Trotz dem Ergebnis seiner Rechnung, wollte er mich ausnahmsweise zulassen.

Demütig schwieg ich zu seinem Rechenfehler. Er war es mir nicht wert. Er war es nicht wert.

Und dann fing er an, mir all jene Fragen zu stellen, welche ich zuvor auf dem Bogen beantwortet hatte und per eigener Unterschrift beglaubigte. Jede dieser einzelnen Fragen nochmals. Den Drang, ihn auf meinen ausgefüllten Bogen hinzuweisen, verkniff ich mir. Dafür unterschrieb ich erneut den Bogen, den er mir frisch aus seinem Laptop ausgedruckt vorlegte. Und auch noch einen Bogen, dass ich auf eine medizinisch-ärztliche Aufklärung zur Impfung verzichten würde. Alles lag nun endgültig auf dem Tisch. Und erst dann durfte ich in den Raum, wo ich den Spritzeninhalt injiziert bekam.

Am Anfang dieses Posts hatte ich übrigens gelogen. ‘Steffen’ habe ich freilich nicht getroffen. Auch nicht in der Fußgängerzone zwischen Marienplatz und Stachus. Und auch nicht im Impfzentrum. Aber ich hätte ihn treffen können. Jederzeit.

‘Steffen’ gibt es natürlich nicht wirklich. Weil ‘Steffen’ nur die Erfindung eines Karikaturenzeichners ist. Von Joscha Sauer. Derjenige, der die genialen “Nicht Lustig”-Cartoons zeichnet. Und das ‘Steffen’-Cartoon (hier) hatte Joscha Sauer über Twitter allen ‘Steffens da draußen’ gezeichnet. Der Arzt im Impfzentrum mir gegenüber war jetzt kein ‘Steffen’, aber er hätte gut und gerne einer der Applaudierenden (- nein, nicht in dem dargestellten Publikum, sondern aus dem applaudierendem Gremium -) in dem Cartoon sein können.

Ach ja. Und heute ist der 1. Oktober. Die Geimpften sind trotz der Aussagen gewisser verquer denkenden Experten gestern nicht wie die Fliegen gestorben, so wie in Kreisen der Impfschwurbler zur Angstmache einfach mal prophezeit wurde. Es ist einfach nicht eingetroffen, dass mal über 64% verstarben, so wie bei dem ‘Thanos’ aus dem Marvel-Universum der Avengers, der mit seinem Snap die Hälfte der Bevölkerung der Erde einfach mal wegschnipste. ‘Thanos’ des Marvel-Universums wohlgemerkt. Nur zum Verständnis: ‘Thanos’ ist das Pendant zu dem ‘Bill Gates’ der Querdenker.

So.

Damit ist das auch mal auf dem Tisch, was unsere vermeintlichen, so ungewertschätzte heimliche Expertenelite da draußen angeht.

#allesaufdemtisch