Alles klar auf der Andrea Doria

Es ist ein Spiel des »Müssens«. Ohne Fleiß, keinen Preis, ohne »Müssens«, kein »Können«.

»Soll« heißt »muss«, wenn »kann«.

Kannst du dir gar nicht ausdenken, dass das so ist. Musst da durch. Weil du’s kannst.

Du beabsichtigst, dich für diesen Hinweis zu bedanken? Nicht dafür. Denn, merke dir Folgendes:

Dein Kopf ist rund. Wie ein Ball. Und das Runde muss ins Eckige. Ein Spiel mit Fußball wird im Kopf entschieden, dem runden, dem balligen. Ein Spiel dauert 90 Minuten. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Das schwerste. Sowieso. Denn das nächste Spiel ist immer das schwerste. Wie der Pokal, es hat seine eigenen Gesetze. Und wichtig: Es gibt keine leichten Gegner. Deswegen denken wir nur von Spiel zu Spiel. Tore entscheiden Spiele. Wer die Tore nicht macht, bekommt sie. Wenn du sie vorn nicht machst, kriegst du sie hinten rein. Und nicht vergessen: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Fußball ist ein Ergebnissport. Ein Spiel hat seine eigene Dynamik.

Und deswegen jetzt zu den unausweichlichen und unnegierbaren »Müssens« des Fußballs:

Wir müssen unsere Hausaufgaben machen.
Wir müssen die Basics auf den Platz bringen.
Wir brauchen die richtige Einstellung.
Jeder muss an seine Leistungsgrenze gehen.
Wir müssen unsere Tugenden auf den Platz bringen.
Wir müssen kompakt stehen.
Wir müssen die Räume eng machen.
Wir müssen den Gegner beschäftigen.
Wir müssen unsere Chancen besser nutzen.
Wir müssen unsere Fehler minimieren.
Wir dürfen den Gegner nicht ins Spiel kommen lassen.
Wir müssen mutig auftreten.
Jeder muss 110 Prozent geben.

Die Null muss stehen.

Am Ende zählt nur der Sieg.
Hauptsache drei Punkte.

Die Mannschaft hat heute gut gearbeitet.
Die Mannschaft hat Charakter gezeigt.
Die Mannschaft lebt.
Aus dem Nichts.
Abhaken.

Mal verliert man, und mal gewinnen die anderen. Und überhaupt:

DAS WAR EIN REGULÄRES TOR!

Schiedsrichterfehler!

Wie damals vor 60 Jahren, als uns Uwe und unser designierter Kaiser Beckenbauer den goldenen WM-Pokal mit seinen eigenen Gesetzen von der WM-Insel hätten mitbringen müssen!

Immer diese Schiris! Schiris! Und dann diese Schiris, im Videokeller an deren Playstations beim letzten herausgebrachten FIFA-Spiel.

Pah! Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht! Denn der Parkplatz ist videoüberwacht und wir haben mit Überwachungskameras dein Auto identifiziert. Dann wirst du das sein, was unser weltbester Keeper bei der WM immer war: chancenlos, machtlos, Mund abputzend, weitermachend.

Fußball ist ein Spiel der Fehler, bis der Baum brennt. Und das Momentum kann jederzeit kippen, Schiri! Eiskalt vollstreckt.

Naja, erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu. Wir haben alles gegeben. Wir müssen das Positive mitnehmen. Wir schauen nach vorn. Wir wollten unbedingt gewinnen. Das ist Fußball pur.

Habe ich jetzt eigentlich eine Fußballphrase vergessen? Zum Beispiel als Moral von der Geschicht?

Ach ja, ein KI-Bild meines Geschwafels als Karikaturansicht:

Ertrage die Clowns (18): You’ll Never Walk Alone

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Nachdem sich die Fußball-WM in den letzten Zügen befindet und wir Deutschen wie die Jürgen-B-Klopp-ten wieder mit uns selbst beschäftigen können, fällt schon auf, dass sich dieser Plebejer-Sport verändert hat. Als sich unsere Patrizier Deutschlands noch bei Tennis, Pferderennen und Golf von den »Arbeitersportarten« distanzierten, hat sich seit den Boris-Becker-Fäusten und -Hechtsprüngen in Wimbledon 1985 einiges verändert.

Die Plebejer probten den Aufstand und die Patrizier rächten sich. Ein deutliches Beispiel ist der Umgang mit der damaligen »Punk«-Bewegung. Nachdem jene Bewegung weder beim After-Eight-4-Uhr-Tee übersehen geschweige denn verbieten konnte, wurde »Punk« einfach assimiliert und als neue Modebewegung einverleibt. Gloria von Thurn und Taxis hat »Punk« auch in den oberen Gesellschaftsschichten hoffähig gemacht. »Popper« und »Teds« als Jugendkultur kamen und gingen, nur der »Punk« an sich blieb als subversives Vergnügen der oberen Schicht, die sich beim gegenseitigen Einlochen derer Bälle in offenen Löchern anfing zu langweilen.

Und heute? Bei der diesjährigen Fußball-WM hat sich das Publikum in seiner Zusammensetzung deutlich verschoben. »Plebejer aller Länder, bleibt gefälligst draußen!« Wenn bei den Spielen Spielern applaudiert wird, dann hört man es deutlich.

Der Applaus ist anders geworden. Die Leute auf den billigen Plätzen klatschen wohl noch manuell, also mit ihren Händen. Jene Herrschaften auf den teuren Plätzen aber rasseln mit deren Juwelen. Das macht eine ganz andere Akustik. Dies klingt wie Musik in den Ohren der Infantinos und Trumps.

Und wer die Stunde 13,90 Euro brutto in Deutschland verdient, der bleibt lieber zu Hause und schaltet zum Zuschauen das Free-TV ein. Oder hat ein Abo bei Magenta-TV für einen Monat nur. Denn auch Public-Viewing-Plätze verlangen inzwischen Eintritt.

Fußball, das war mal eine Sportart für die Leute von unten. Inzwischen wird es von oben gemanagt und für die Vermögenden mundgerecht vorbereitet. Wenn bei solchen das Geld bündelweise zu Hause herumliegt, dann freuen die sich, dass es eine Gelegenheit gibt, es auszugeben, um Vermögenden (also Ihresgleichen) beim Einlochen von Bällen in vertikalen, quadratischen Löchern zuzuschauen.

Und einen smarten Effekt hat das Ganze auch noch: Bei den vermögenden Zuschauern ist es eher unwahrscheinlich, dass die als Hooligans nach dem Spiel marodierend durch die Straßen ziehen.

Niemand schaut Hooligans beim Verprügeln anderer Leute gerne zu. Außer die vermögenden Zuschauer freilich: Prügelnde in einem Drahtkäfig, sich mit bloßen Fäusten die Birne für ein Geburtstagskind vor dem Weißen Haus in den USA einschlagend, das ist en vogue.

Dafür zahlen Vermögende gerne, um live dabei zu sein. Oder wie jene Vermögenden, die im großen Krieg in Ex-Jugoslawien auf eine eigenwillige Art Safari gingen: per Barzahlung in Srebrenica mittels Scharfschützengewehr Straßenpassanten abzuknallen.

Man könnte meinen, das dynamic ticket pricing wäre unfair, weil somit die Eintrittspreise bei den WM-Spielen für Normalverdienende nicht mehr bezahlbar wären. Aber das System folgt nur den Marktprinzipien von Angebot und Nachfrage. Und wenn nach teuren Tickets eine Nachfrage besteht, dann gibt es kein Angebot für niedrigpreisige Eintrittskarten.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Nachfrage bei denen da unten erheblich sinkt, damit die da oben sich bald wieder langweilen und zurück auf deren Golf- und Ternnisplätze gehen. Dann könnte auch Fußball für den 08/15-Bürger wieder interessanter werden. Aber das wird nicht passieren. Geld und Fußball sind ein Januskopf, so etwas wird sich wohl nicht trennen lassen.

Kannste dir nicht ausdenken …

In Zeiten, in denen der Körper seinen Menschen lahm legt, geht die Seele auf Wanderschaft. Kommt sie dann nicht zurück, dann ist der Mensch tot.

Würde man die zwei vorherigen Sätze als schönes Aperçu ansehen, dann stellt sich die Frage, warum es den Seelen in deren Menschenkörpern nicht gefällt. Millionen Seelen sind täglich auf Wanderschaft. Ja, gefällt denen der Körper nicht mehr, den sie von Geburt an erhalten haben? Wenn irgendwo mal wieder eine Rakete startet und zielgenau in Menschensiedlungen einschlägt, welchen Seelen freut es dann? Richtig, die Seelen der Aktienbesitzer der Waffenindustrie. Weil, dann wird die Rakete nachbestellt. Dividende schmückt den Erfolgreichen. Immer. Würde die Rakete allerdings einfach nur wie eine Silvesterrakete am Himmel verglühen …

Nein, die Argumentation ist jetzt auch nicht stimmig. Denn das macht der Elon Musk mit seinen Raketen schon eine ganze Weile. Mal lässt er sie von Greifarmen beim Landen in Empfang nehmen, mal lässt er sie einfach in Wasser klatschen, mal kurz vorher über menschenleeren Boden explodieren. Mit letzterem käme er schon eher in Richtung zufriedenen Menschen, die sich in der Rüstungsindustrie ihr Geld vermehren lassen.

Aber immer nur über menschenleeren Gegenden Abstürze fabrizieren? Wahrscheinlich war Donald Trump neulich bei einem weiteren Start der Musk-Raketen vor Ort und stieß mit Elon Musk mit einem Glas Champagner an, um eine neue Flüchtlingsstrategie zu kreieren. Warum die Stufen nicht dort sich selbst zerstören lassen, wo dann eventuell lediglich nur tragischer Kollateralschaden entstünde? Also, über Boat-People in deren überfüllten Nussschalen auf hoher See oder über Flüchtlingslagern an den Grenzen? Oder gar Flüchtlinge als Raketenfänger im Roggen?

Die eigentliche Frage ist doch, macht Waffenindustrie glücklich? Fragt man die Finanziere des Fußballvereins BVB Dortmund, dann ja. Werbung für »Rheinmetall« in einer Sportart, welche sich auf die Fahne geschrieben hat, die Welt zu vereinen und die Menschen zusammenzubringen. Andererseits, welche Sportart basiert auf »Angriff«, »Verteidigung«‚ »Abwehr« und »Schießen«? Wo gab es schon den Bomber der Nation, wo wurde bis zur letzten Minute bis zum Umfallen gekämpft, wo schießt der eine den anderen Spieler ab, wo schreien schon mal die Obersten ihren Untergebenen zu »Knallt die durch die Wand«, wo gibt es die Torjägerkanone und wo jubeln die Schlachtenbummler bei einem Schützenfest?

Warum dann nicht auch mal Rheinmetall ne Fahne für ne Werbung herüberreichen? Denn da, wo Fußball gespielt wird, soll es keine Kriege geben. Dieser Satz konnte bislang nie widerlegt werden. Selbst im Ersten Weltkrieg als zu Weihnachten an der Front bei Frelinghien (nordwestlich von Lille) wurde Fußball gespielt und es herrschte Weihnachtsfrieden. Das Trainingsgelände von Rheinmetall muss dort so gut beackert wie die Frontlinie von Frelinghien damals sein, wenn man die Tabellenposition mit der »Wir schaffen das«-mentalität der Kicker dort und den Gesichtern der Vorstände nach jedem Spiel abgleicht. Also, solange der BVB möglicherweise auf dem Werksgelände von Rheinmetall trainiert, kann nicht damit gerechnet werden, dass von Rheinmetall Krieg ausgehen wird.

Krieg wird aber dieser Welt nie ausgehen. Davon haben wir ja genug.

Das hört sich immer auch ein wenig an, wie der demokratische Grundsatz »Alle Macht geht vom Volke aus«. Und dann kamen gleich die ganzen »Sie haben mir ins Gesicht gefilmt«-Wutbürger, AFD’ler und andere ach-so-besorgte Bürger aus ihren inzwischen rauchfreien Stammkneipen hervor und fragten im Chor: »Aha! Die Macht geht also aus. Einfach so. Vom Volke aus. Ohne uns zu fragen. Ja, wohin geht sie denn? Bei uns ist sie jedenfalls nicht!« Und die BILD-Zeitung hat direkt ungefragt dementiert »Bei uns ist sie auch nicht! Schaut doch auf die ganzen Verkehrsblockiererlampen, also die Ampel. Immer auf rot, selbst wenn sie grün anzeigt.«

Während der Merz mit seiner Cessna über all die Ampeln hinwegflog und huldvoll mit seiner rechten Hand nach unten winkte – Schamlose meinten sogar, all seine Finger seinen beim Winken erschlafft, bis auf exakt dessen Mittelfinger – wurde bei Volkswagen der neuste Porsche auf die Spur gebracht. Und eben mit diesen geschah dann das, womit Lindner dann später einfach mal dessen off-road-Verhalten testete und von der vorbestimmten Route ausbrach. Scholz meinte dazu, das gehe mal gar nicht, so abseits der Straße und da könne der SUV-Junkie denn mal bleiben, wenn er eh nicht gerade auf Sylt urlaube. Lindner konterte darauf einfach nur, Scholz Reaktion sei Wahlkampfverhalten und das hätte seine forsche Porsche-Arbeitsgruppe in allen Szenarien belegbar für die ZEIT dokumentiert. Wo ist die Neuigkeit?

Richtig. Volkswagen und damit auch Porsche stecken in der fetten Krise. Und Schuld daran seien unisono die Nicht-Erdöl-fördernden Länder wie Deutschland, Deutschland und … habe ich noch ein Land vergessen? Ach ja, Deutschland. Einfach auf alternative Energien zu setzen. Auf Windenergie. Aber damit man aus Wind Energie gewinnen kann, setzt auch voraus, dass man den Wind überhaupt wahrnimmt. Bayerns Obersöder will den neuen Wind überhaupt nicht bemerkt haben. Darum pflastern Solarpaneele seinen Weg von Bierzelt zu Bierzelt. Solarpaneele machen nämlich keinen Wind. Nachher kommt noch jemand in Bayern vorbei und versucht zu beweisen, dass der zukünftige Wind global jetzt aus einer ganz anderen Richtung weht. Das mag der technikaffine Bayer, der zärtlich die Euter seiner Kühe auf versteckten Almen knetet, damit er mit aufrechtem Stecken psychisch gestärkt Straßen blockieren konnte, ohne damit als strafrechtlich belangbarer Verkehrsstörer (wie eben jene Klimakleber) identifiziert zu werden. Deshalb will auch der Obersöder, dass eben der Anführer der Bauernblockaden nun als Landwirtschaftsministerium der neuen Regierung einziehen muss.

Richtig gelesen. Der Bär wurde noch nicht erlegt, aber der Obersöder verteilt schon mal das Fell. Ganz demokratisch. Denn in der Problembär-Jagd kennt sich Bayern komplett aus. Bereits als das bayrische Ministerium unter Stoiber ein „beauftragtes Sicherheitsteam“ auf den damaligen Problembären Bruno angesetzt hatte, mit echten Männern, mit echtem zielgenauen Schießen, da war klar, in Bayern hat keiner die Angst, dass denen die Felle wegschwimmen, die die Landesregierung zuvor erlegt hat.

Okay, von wegen »nicht wegschwimmen«, mal so am Rande bemerkt: nachdem neulich eine Gegend zwischen Ingolstadt und Schrobenhausen durch Regenfälle Land-unter ging und alles Menschliche wegspülte, da war dem Obersöder gleich klar, warum die Katastrophe für die Anwohner so katastrophal und so tragisch war: Die Grünen hatten ja schon immer Ängste dahingehend gestreut, und statt mal die Bayern einfach sich von Gottes Urgewalten positiv überraschen zu lassen, haben die erstens Gott verneint und zweitens die potenziellen Urgewalten beschrieben. So wie damals Dante die Hölle. Ging schon damals nicht.

Aber Obersöder, der ewige Biertester und „Tu-wat“-Varta-Hase (- er nutzt dafür immer Keferloher Bierkrug mit Deckel, denn solche klappern immer so schön bayrisch fordernd -), hat vor den Wasserschöpfenden unter heiter bis wolkigem Himmel gleich mal die Bayernhymne zur Ermutigung gesungen:

»Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! Über deinen weiten Gauen ruhe seine Segenshand! Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau und erhalte dir die Farben seines Himmels, weiß und blau!«

Danach ergriff er gleich eine neben seinem Bierseidel befindliche Essensgabel, um mitzuhelfen beim Wasserschöpfen vor seiner Reporterschar. Als dann allerdings jemand ganz zögerlich und vorsichtig etwas kleinlaut anmerkte: »Herr Doktor Ministerpräsident Söder, mit einer Gabel kommen Sie aber beim Wasserschöpfen nicht weit«, da soll der Obersöder wütend aufbrausend geschrien haben: »Dann bringen Sie mir doch ein Messer, Sie himmiherrgottsakramentzefixhallelujamilextamarschscheissglumpvarrecktsrotgrünversiffter Saupreis!« und mit einem kehligen Schrei warf er die Gabel zu Boden. Die Fotografen beschlossen darauf, doch lieber ein, zwei, drei bis vierkommafünf Katastrophenbilder mehr für deren Reserve zu schießen.

Nebenbei, Bully Herbig soll den Söderschen Schrei aufgenommen und wird ihn wohl in seinem nächsten Film als neusten Wilhelmsschrei verwenden. Wird wohl Kult. Sagt man. Also, meint man. Man weiß es halt nicht so genau.

Nebenbei, Wilhelmsschreie werden in Filme verwendet, um dem Zuschauer zu signalisieren, dass jemand frisch von den Lebenden zu den Toten befördert wurde. Also als Seele auf Wanderschaft ohne Heimkehr, dem ausklingenden Schall seines Wilhelmsschreis sehnsuchtsvoll nachfolgend. Ein schönes Bild. Aber leider nur nicht in KodakChrome.

Führt man sich jetzt noch den »Herr der Ringe«-Teil vor Augen, bei dem an die 840 Sterbenden über die Leinwand röcheln … also, 840-mal den Wilhelmsschrei immer bis zum Ende? Echt jetzt? Kannste dir nicht ausdenken …

Germans next newest TV-Show: Fachkrafttalentsuche

Mia schreim as Joa zwanzger unsara krisdlichn Zeit vom Zwoaradausnder. De Preißn ham se ganze Fuaßboibundesliga untan Nagl grissn. Ganz Fuaßboi? Awa fei wiakli ned! Oa winzigs Gbiet hoid ganz aloa tabfa dageng und gibd ums Varegga ned auf. Do wona nemli lauta schneidige Bayern, de no dazua ziemli schdur san.

Alles verstanden? Hm. Nicht? Dann halt hier die Übersetzung:

Ganz Deutschland steht unter Schockstarre. So etwas hat es lange nicht mehr erlebt. Ein Land im Abwärtsstrudel des Fachkräftemangels. Händeringend sucht man per Papierzettelaushänge an Fußgängerampeldruckknöpfen, Laternenpfähle und Bushaltestellen nach Fachkräften. Aber nie meldet sich einer. Und die Konsequenzen sind brutal. Die Münchner Bäckereikette “Hofpfisterei” muss aufgrund von Fachkräftemangel gleich drei Standorte schließen. Da hätte auch nicht die Brötchentaste der FDP etwas ändern können.

Tja, der Standort Deutschland ist nicht mehr attraktiv. In Berlin sollen vier Puffs aus Gründen des Fachkräftemangels geschlossen haben. In München musste die Putzfirma “Bitzeblank mit Mindestlohn” ebenfalls schließen. Keine Fachkräfte mehr. Krankenhäuser sind auch schon bedroht, weil denen die weiblichen Pflegekräfte ausgehen. Fachkräftemangel. Nachdem bei der letzten Razzia die ohne Rechtsurteil kriminalisierte “Letzte Generation” ihr Vermögen vom bayrischen Staate eingezogen bekommen hat, fehlt auch ihnen jene Fachkräfte, die sich auf Straßen ankleben. Ohne Knete, keine Fete. Bei RTL sollte für das Sommerloch 2023 ein neuer Straßenfeger, also eine neue Show, rausgebracht werden: “Deutschland sucht den Quereinsteiger”. Abgesagt. Den Produzenten fehlen Kabelträger, Kamerahalter mit Galgenmikrofonausbildung und Scherenschleifer im Schnittraum für die Post-Produktion. Fachkräftemangel, wohin man schaut. Die Öffentlich Rechtlichen wollten “Wetten-Dass” ganz neu als große Samstagsabendshow rausbringen. Das Ergebnis ist bekannt. Sie fanden nur Gottschalk, da Lanz bereits seine Show hat, und Silbereisen und Harald Schmidt sich beide mit dem Traumschiff auf dem Rhein-Main-Donau-Kanal verfahren hatten. Oder Sat1-Pro7, da munkelt man bereits, dass ChatGPT mittels den Archiven der 90er das aktuelle Programm erzeugt. Die Not ist greifbar, wenn die Fernsehprogrammzeitschrift einem nichts neues mehr erzählt.

Und was passiert? Wenn die Not am größten ist, dann bedient man sich bei Artfremden. Also, bei den Fachkräften, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Das hatte bereits bei der deutschen Comedy-Szene wunderbar geklappt. Und so bespaßen uns Comedians damit, dass sie vor Kameras um den Preis jeder Grimasse versuchen zu verhindern zu lachen. Oder sie füllen Spätabendprogramme und bespaßen uns. Dieses Konzept funktioniert also wunderbar.

Und was macht der FC Bayern? Also jene Vereinsmannschaft, die so effizient und effektiv spielt, wie die deutsche Nationalmannschaft es von der abgekupfert hat? Zwei Ex-Fußballer werden rausgeschmissen. Aufgrund zu wenig Ahnung von der Fußballmaterie. Tja. Kann schon mal passieren in Deutschland, dem Land des Fachkräftemangels.

Und man holt sich für den einen Ex-Fußballer kompetenten Ersatz. Und in Bayern taugt dazu schon lange kein Bayer mehr. Man krallt sich einen ehemaligen Angestellten der Volksbank Aurich. Erklärung: Aurich liegt nördlich von Emden, da wo der deutsche Comedian Otto Waalkes herkommt. Alles klar? Wenn das Ganze schon bei Comedy klappt, warum sollte der FC Bayern München dann nicht auch versuchen, einen Preußen nördlich von Emden einzusammeln und als nächsten CEO zu installieren?

Was ein Auricher mit Banken-Hintergrund an know-how für Fußball mitbringt? Geld? Verbindungen zur Finanzszene? Weil Fußballer werden ja inzwischen mit Geld bezahlt und nicht mit Naturalien. Auch in Bayern. Selbst wenn mancher noch denken mag, die Balltreter des FC Bayerns erhalten ihr Gehalt in Form von überschäumenden Bierfässern nach Hause gerollt. Ist nicht mehr so. Das war vielleicht so, als die Bayern noch hinter dem größten Isarkiesel hinterher liefen, ihn dann zum Fußball deklarierten, dann aber nach Kopfbällen immer so duhn durch die Gegend taumelten.

Hm? Die Bayern taumeln noch immer duhn durch die Bundesliga? Okay, aber schon mal die restlichen 17 Mannschaften angeschaut? Genau.

Da kann es nur hilfreich sein, einen Bänker zum CEO zu ernennen. Weil in Deutschland der Fachkräftemangel vor dem Fußball nicht halt macht. Klar, die deutsche Nationalmannschaft war schon immer eine Turniermannschaft und die Kinder mit 11 Jahren fragen bereits nervtötend deren Eltern, was denn vor deren Geburt so in der Bundesliga los war und warum denn immer nur Bayern Meister wird. Ob das mit dem Geld zusammenhängt, dass die Bayern auf deren Konten rumlagern haben?

Da gibt es garantiert jene Politiker a la Lindner, der diese Kinder dann anblafft, man solle das Fußballgeschäft denen überlassen, die sich damit auskennen.

Und ich komme dann ins Grübeln. Denn entweder man studiert Jura, wird Anwalt und schlägt dann eine Karriere als Politiker ein. Oder man fängt bei ner Bank an und steuert dann Fußballvereine. Ja, der Fachkräftemangel treibt seltsame Blüten.

Ich starre mein Telefon an. Ob es heute noch klingelt? Ich starre es hypnotisierend an. Will es heute noch klingeln? Da ist beim Bayern noch eine Stelle frei, jene von dem anderen Ex-Fußballer. Und da ich mich in Fußball null auskenne, aber in meinem Job als Fehlersucher in der automatisierten Produktion einen legendären Ruf habe, kann ich die besten Vorrausetzungen vorweisen. Denn ich kann in meinem Beruf noch lächeln, komödiantisch leichte Witzchen reißen und damit alle aufs falsche Gleis locken, bevor ich denen dann meine Fangzähne zeige. Der Söder ist ja schließlich auch Ministerpräsident geworden, obwohl der gar nichts kann. Also, dafür kann, wollt ich damit ausdrücken.

Komm, Telefon. Tu es! Klingel schon. Mach dem Fachkräftemangel beim FC Bayern den Garaus …

Wutrede auf den 1. FC Bayern München und den Headhuntern Europas

Ja, sacht mal zusammen! Seid ihr bescheuert? Echt jetzt total bescheuert? Geht’s noch? Alles knusper, oder was?

Dauernd ruft ihr mich an. Privat. Bei der Füßnägelmaniküre. Beim Nägelkauen. Während beruflichen Besprechungen. Im Puff. Und immer bietet ihr mir in unschuldiger Art und Weise neue Jobs an. Jobs, wie Sachbearbeiter von Sachbearbeiter Abteilungen, die irgendwelche Sachen bearbeiten. Wie Wohnungen putzen. Firmenböden saugen. Bauarbeiter-Toiletten schrubben. Oder als Hilfskraft in klinischen Notaufnahmen.

Und immer muss ich ablehnen, weil ich als Sachbearbeiter für die Formularerstellung zur Sachbearbeiter-Akquise für solche Dinge überqualifiziert bin. Und euer Salär ist immer um 20% niedriger einstuft, als das ich aktuell bekomme. Und dann greint ihr mir heulend ins Telefonhörer-Ohr (immer rechts, weil recht so), dass Fachkräftemangel existiert und kein Mensch euren Headhunter-Angeboten begeistert zustimmt.

Das Problem ist – so erklärt ihr mir – allein meine Anspruchshaltung bezüglich jener Differenz von 20% mehr. Und ihr sagt mir, ich lebe 20% über meine Verhältnisse. Dass ich zu viel verlange. Besonders in München. In denen die Lebenshaltungskosten für Miete und Lebensmittel in diesem Jahr um mehr als 10% gestiegen sind und die restlichen 10% von den Nebenkosten, Inflation und der darbenden Vermieterschaft aufgesaugt werden. Klar, die Vermieterschaft möchte auch gerne von irgend etwas leben und daher auch ein paar Cent extra verdienen, um die brutalste Inflationsauswirkungen in deren Großraumwohnungen abzufangen. Und wer – wenn nicht wir Mieter – versteht nicht deren Ansprüche an billigen Wohnraum.

Wer als Mieter dabei nicht mitspielen oder ausbrechen will, der sollte sich die Schlangen an den Wochenenden vor freien Wohnungen im Münchner Großbezirk anschauen. Und das sind nicht Hinz und Kunz in der Schlange, sondern diejenigen, die nicht durchs Bonitätsraster der Vermieter zuvor ausgesiebt wurden, weil sie nicht fähig sind, die Lebenshaltungskosten der Vermieter zu neutralisieren.

Klar, ich könnt auch in Schongau in Baden-Württemberg wohnen. Da sind viele deutsche Winterspiele-Olympiasieger ansässig gewesen und es ist billiger dort. Selbst wenn ich einen längeren Arbeitsweg zu meiner Stelle in München hätte. Alles gegeneinander aufgerechnet (Wegstrecke, Miete, Lebenshaltungskosten, Preissteigerung etc.) ist billiger als in oder um München zu leben. Mir erzählte jemand, dass im Osten Deutschlands billiger Wohnraum existiert und der Preisdruck aus München nicht existiert. Da brächte man auch nicht streiken. Weil streiken ist mega-super-unsolidarisch der restlichen Bevölkerung gegenüber. Insbesondere den urlaub-affinen Vermietern Münchens gegenüber, nicht wahr.

Statt Schongau Tübingen? Warum nicht? Der Anfahrtsweg allein? Okay. Im Studium wurde mir in den 90ern schon dauernd Mantra mäßig etwas von Flexibilität erklärt. Wer nicht flexibel sei, wäre kein echter Arbeitnehmer. Sondern faule Sau. Das haben wir geschluckt. Die Generationen nach uns haben es kritiklos abgenickt. Die wollten dann alle mit den Geldern der Eltern interkontinental deren Praktika abwickeln. Also die Akademiker in spe, die Azubis waren froh, eine Ausbildungsstelle wohnortsnah zu ergattern, was eh nie gelang.
Darüber hinaus gibt es die Kilometerpauschale. Allerdings kostet jene den Steuerzahlen Unsummen. Und schaufelt zudem jährlich steuerfrei den Nießnutzern Unsummen in deren Tasche. Dabei sollten die doch dankbar sein, einen Job zu haben, der Frau, Kind, Vater und Mutter nährt, während Frau noch den Putzjob hat, bei dem das Kind den Putzeimer hält.

Nun. Den Berechnungen meines Spezls Ulli, dem Lintner nach – wir spielen zusammen immer im Club “Monopoly” jeden Montag Abend südlich der Berliner Lindnerallee – ist es für mich billiger in Albersloh im Münsterland (Westfalen, NRW; no fake-city wie Bielefeld) zu wohnen und jeden morgen per eigenem Diesel-PKW mit Abgas-Abschaltautomatik (© VW) zu meiner Arbeitsstätte in München anzureisen.

Ich hab ihn verschüchtert darauf hingewiesen, dass das Arbeitnehmerschutzgesetz für den Arbeitnehmer eine Ruhezeit von 11 Stunden vorschreibt. Er hat mir dann von der anderen Seite der Berliner Lindnerallee zugerufen, dass er mit seiner grünen-roten FDP-Partei an einer Änderung dieser Vorschrift arbeiten würde. 11 Stunden Schlaf bräuchte nun mal wirklich keine Sau. Sechs müssten locker reichen, Die Pyramiden wurden schließlich auch nicht mittels 11 Stunden Ruhezeiten erbaut. Ruhezeiten bräuchten nur die Uneffektiven, die eh ineffizient arbeiten würden. Ohne klappt es auch mit dem Pilgern zur Arbeitsstätte zwischen Albersloh und München.

Als ich Söder beim Starkbier-Stammtisch im Straußoleum im Hofgarten auf dieses Thema hin anschrieb, erklärte er mir nur, dass Bayern so viele Solar-Panels aufstellen würde, die Energieversorgung meines PKWs zum Pendeln wäre gesichert. Zumindest bis zur nächsten Bayern-Wahl. Falls nicht, dann wäre es Schuld des Finanzausgleichs und der nördlichen Bundesstaaten, die Bayern immer bluten lassen wollen.

Schön. Und nu?

Zurück zum Thema: Warum habt ihr Dödels des Söders mittenmang um den Bayern München herum jenem Bayern-Trainern Nagelsmann (1. FC, soviel Zeit muss sein) gekündigt und eine neuen Abschnitt der “Hänsel und Gretel”-Saga angefügt? Einer Sage mit dem Arbeitstitel: “Gehasst, geschasst und ausgesetzt – warum der nicht-bayrische Wald vor lauter Bäumen angesäuert ist”.

Warum habt ihr verdammten Headhunter mit euren “20% weniger ist gerecht”-Attitüden nicht jetzt zugeschlagen?!? Ihr wisst doch, jedem einzelnen von euch hatte ich zugesagt, dass ihr 10% von meinem monatlichen Netto-Gehalt erhalten würdet, würdet ihr mich als Trainer vom Bayern München (1. FC, soviel zeit muss sein) inthronisieren. 10%! Von meinem Mindestwunschgehalt von 1 Million Netto monatlich. In zwei Monaten hättet ihr eine “Toyota Yaris Hybrid” zusammen und könntet umweltfreundlicher statt eurer “Lombardini”-Flundern in München auf der Leopoldstraße Samstag Abends rumgurken.

Hey, hallo! 1 Million Netto monatlich! Ich wäre der Schnapper am Trainermarkt der 10 Millionen Trainer (als patriarchalisches Land rechne ich nur den männlichen Anteil D-Lands und auch nur jene Männer mit Haare schön).

Ein Schnäppchen! Hallo, kriegt ihr das nicht mit? Meine Forderung ist der Hit. Ist ne Forderung für die Doofen, so ein Trainer wie mich müsst ihr doch koofen!?! 

Und was holen sich die Bayern. Nen Tuchel. Menno. Und der verdient mehr Netto als meine Forderung. In einer Zeit, in der alle den Gürtel enger schnallen sollen, in der alle über den eigenen Verhältnissen leben und zurückstecken sollen, was auch für den FC Bayern München, den Ersten, gelten sollte, nicht wahr.

Weil auch dat Söderle dat so tönt, wenn er wieder auf irgendeinem Fest ein Mäßlein Bier vor den Kameras stemmt. Aber für den Bayern an sich und dem Verein gelten wohl andere Maßstäbe,oder watt? Wobei, Maßstäbe, da ist das Maß schon inkludiert. Würde also passen, woll.

Hey, hallo! 1 Million Netto monatlich! Ich wäre der Schnapper! Gut, nach sechs Monaten wäre ich das Hassobjekt der deutschen Nation (und der Liebling der 1860er), Bayern in der Relegation abgestiegen, während Schlacke 08 sich für die neue Bundesliga-Saison vom Kader bei den Bayern bedienen würde.

Na und?

Hey, ich muss auch mal an mich denken. Wenn vor mir von einem LKW ein Karton runterfällt, dann habe ich doch als Autofahrer das Anrecht zu fordern, dass der Karton mir ausweicht, oder etwa nicht?!? Ich hätte mir ein wenig mehr Kollaboration der Headhunter erwünscht, nicht wahr. Faules Pack. Wenn es um Fachkräftemangel geht, dann hat es sich heute erwiesen, wo der Fachkräftemangel existiert. Und zwar bei den Headhuntern.

Ansonsten hätte mich der Bayern München (der 1. FC, soviel Zeit muss sein) als neuen Übungsleiter für deren Alles-Müller-oder-was-Haufen ausgerufen.

Und wo ich gerade dabei bin, mich über den Fachkräftemangel in Deutschland aufzuregen, und das insbesondere bei den Headhuntern, die es nicht schafften, aus den 80 Millionen mich als qualifizierte Arbeitsfachkraft für den FC Bayern München (1., soviel Zeit muss sein) auszuwählen, also, Fachkräftemangel. Fachkräftemangel, der ja erwiesen und anerkannt ist.

Zudem haben wir in Deutschland generell einen unglaublich verantwortungslosen Mangel. Muss ich mal sagen, weil es sich niemand traut, weil alle Angst haben, dass sie fürs Aussprechen des Fakts eins aufs Maul kriegen könnten. Wir haben einen eklatanten Porschemangel. Einen richtig harten Mangel! Ich versuchte jetzt die sechste Woche in Folge einen Porsche für 10.000 Euro zu kaufen. Und ich fand keinen. Erwiesenermaßen haben wir somit eine Porschemangel. Wer mag das Gegenteil behaupten?

Und das zum zusätzlich anerkannten Fachkräftemangel. Man nimmt lieber jemanden für 10 Millionen Netto, als mich für 1 Millionen Netto. Deutschland schafft sich ab.

Gut. Ich würde den 1. FC Bayern München in die Abstiegszone bringen. Logo. But who cares? Sechs Monate lang würde ich durchhalten, macht 6 Millionen Euro Netto. Dann noch die Abfindungssumme bei der Entlassung en topp. Ich wäre der best gehasste Mensch in Deutschland. Jeder Sportschütze (nicht nur die aus der Zeugen-Yehovas-Überzeugungseigenschaft) würde auf mich anlegen …,

(… nein, nein, nein, nichts gegen Sportschützensportvereine, die sind völlig okay, aber da gibt es immer wieder vereinzelte, rare Individuen, die auch noch durchgeknallt sind und dann als unglaublichen Zufall auch noch Waffen aus deren Sportschützenverein  … Verhältnisse wie bei der Bundeswehr …)

aber ich wäre auf meiner Karibikinsel mit Schirmchen-Cocktail und mit billigen Putten aus der Politik, die mir für jeden Ratschlag einen Marsch oral blasen würden …

… und nach zehn, zwanzig, dreißig Jahren könnte ich nach Deutschland zurück. In Albersloh leben. Im Münsterland, bei den Westfalen. Und keine münsterländische Sau würde sich an mich je erinnern (… eben weil alle gestorben, wegen der Schweine-Grippe …). Und jeder hätte seine Win-Win-Situation, weil ich unauffällig leben würde und dauernd wie Neymar in Paris Gartenpartis in meinem sechststöckigen Dorfhochhaus feiern würde ….

Aber die verdusseligten Headhunter. Echt jetzt. Kein Verlass auf die Bagage.

Kneipengespräch: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

»Ist der Knispel von neulich nochmals wieder gekommen?«

Der Wirt stellte seinem Gast ein frisch gezapftes Kölsch hin und blickte ihn an: »Nein. Bislang nicht. Obwohl er noch Drei Fuffzig schuldig geblieben ist.«

»Echt? Er hatte doch drei Zehner hingelegt gehabt.«

»Rechnen konnte der auch nicht.«

»Was is’n passiert?«, fragte der zweite Gast am Tresen.

»Ach, so ein Zeuge Coronas war hier. Der hat uns letztens mehr als eine Halbe Stunde lang etwas vom Pferd erzählt, auf das er so setzt«, erwiderte stattdessen der erste Gast, der dankbar sein Kölsch entgegen nahm.

»Welches Pferd denn?«

»Dieser geschenkte Gaul. Dem jeder ins Maul starren möchte. Diesen Corona-Mist halt, den er uns hier in der Kneipe im Gespräch aufzwingen wollte.«

»Ach so. Übrigens, ich bin der Peter. Und wie heißt du denn so?«

Gast Nummer Eins schaute den Peter an und ignorierte dessen Frage: »Der hat hier wie aus einer Bibel gelabert.«

»Bibel?«

»Ja, seine Mainstream-Medien.«

»Ach so.«

»Und gegen die alternative Gegenöffentlichkeit hat er gewettert.«

»Gegen welche alternative Gegenöffentlichkeit?«

»Gegen all das, was nicht mit dem Mainstream schwimmt und darauf achtet, dass die uns nicht einseitig belügen. Also Telepolis, RT, KenFM, Nachdenkseiten, Junge Welt und so. Nenn mich Stefan. Prost, Peter.«

»Stößcken, Stefan.«

Beide nahmen einen langen Schluck aus deren Kölschglas und horchten ihrem Schluck hinterher, wie er in deren Kehlen verschwand. Stille. Kein Gurgeln, kein Aufstoßen. Ruhe. Im Hintergrund klampften leise ‘De Höhner’ un-plugged ihr “Alles was ich will”.

»Alles klar? Noch jeder ein Kölsch?«, der Wirt blickte abwartend in die Runde.

»Mir erstmal noch nicht«, antwortete Stefan, »Ich hatte mal bei so einer Mainstream-Zeitung einen wohl argumentierenden Leserbrief geschrieben und der wurde nicht veröffentlicht. War denen wohl nicht genehm genug. Seitdem weiß ich, dass die Leserbriefe nach eigenem Gusto filtern.«

»Mir erstmal auch noch nicht«, antwortete Peter dem Wirt und fuhr zu Stefan gewandt fort: »Kenn ich. Ist mir bei alternativen Medien noch nie passiert. Ich hatte dort mal einen der Autoren auf einen Fehler hingewiesen und dass er nicht jene, die nicht seiner Meinung wären, als komplette Vollidioten hinstellen sollte.«

»Und?«

»Der Autor hatte sich aufrichtig entschuldigt und sofort versprochen, seinen Artikel zu korrigieren.«

»Echt?«

»Nö. Er nannte mich uneinsichtig und ich solle nochmals drüber nachdenken, was ich unsägliches geschrieben hatte, wollte ich nicht auch zu den Vollidioten gehören. Fast in der gleichen Weise wie der Knispel letztens auch.«

Beide schwiegen wieder und schauten in deren Gläser.

»Es erinnert mich an den Mitte-80er-Jahre Witz. Sagt der BRD-Deutsche dem Besucher aus DDR-Deutschland angesichts des Bonner Wasserwerks: ‚Wenn ich hier hinstelle und brülle, dass im Bonner Parlament nur Knallchargen sitzen, dann passiert mir nichts. Das nennt sich Meinungsfreiheit.‘ Sagt der Ost-Deutsche darauf: ‚Haben wir auch. Den identischen Satz kannste auch vor Erichs Lampenladen in Berlin brüllen, und dir wird dort auch nichts passieren‘«, sinnierte Peter.

»Politik?« Der Wirt schaute beide scharf an. »Politik? Nicht hier am Tresen, okay! Dann hinten rechts, dafür gibt es den ‚Speakers Room’, da könnt ihr eure Stammtischhoheiten ausfechten.«

»Ashes to ashes and clay to clay, if the enemy doesn’t get you your own folks may,«, flachste Stefan zurück.

Peter zuckte mit den Schultern: »Stammtischhoheiten? Die Kneipen haben doch ausgedient dafür. Heute geht es doch alkoholfreier und dafür wesentlich ungehemmter im Internet zu. Noch ‘n Kölsch, Stefan?«

Stefan nickte.

»Lass uns über Fußball reden. In drei Wochen spielt der Effzeh hier in München in der Bundesliga gegen Mia-san-mia.«

»Schön. Und ich dachte die Leidenszeit wegen Fußball wäre seit der EM beendet. Dass die Bayern sich auch immer Trainingsmannschaften vom Rhein in deren Stadion einfliegen lassen.«

»Die Kölner werden nicht fliegen. Die kommen mit dem Bus über die Landstraßen.«

»Per Bus über Landstraßen? Dann müssten die ja bereits ne halbe Woche vorher losfahren.«

»Tja. Das ist wegen den vielen Blitzern und roten Ampeln. Schneller kommt der Effzeh bei Auswärtsspielen nie an die wertvollen Punkte.«

»Der ewige Kampf gegen den Abstieg. Und was macht ein Kölner, wenn sein Effzeh Deutscher Meister geworden ist? Die X-Box aus!«

Der Wirt kam, stellte zwei Kölsch hin, schaute beide an und meinte mit leicht leidendem Unterton: »Okay. Es reicht. Eure Köln-Witze sind ein Witz. Dann redet mir lieber ruhig wieder über Politik. Aber hört auf mit euren Köln-Witzen. Die sind grausam.«

Still wurd’s. Die beiden Gäste schauten erst sich und dann den Wirt ratlos an. Der schaute lediglich zurück, zuckte mit den Schultern, schnappte sich eine gespülte Kölsch Stange und fing an sie zu polieren.

»Hm. Ob der Knispel von neulich nochmals wieder kommen wird? Zum Rückspiel?«, fragte der eine Gast.

»Ich glaube nicht. Denn das nächste Spiel ist immer das schwerste«, meinte der andere.

Die Eingangstür knarzte leicht. Ihre Köpfe fuhren von deren Kölsch hoch, sie schauten hinter sich zur Tür. Niemand trat ein. Es wurde still.

Das jüngste Gesicht (Notizen aus der Provinz)

  • Op Schalke ham se nen neuen Trainer. Ohne fiel Federlesen wurde der braunhaarige, junge Mann durch einen beinahe weißhaarigen, alten Mann ersetzt. Dem “Welttrainer” Jürgen Klopp setzt Schalke jetzt den “Jahrhunderttrainer op Schalke” entgegen, Hub Stevens. Der Fußballnachbar aus Dortmund ging eine Woche zuvor den anderen Weg: einen grauhaarigen, alten Mann raus; einen straßenköterblonden, jungen Mann rein. Aber eigentlich hätte Dortmund ja gerne den “Welttrainer” Klopp gerne zurück, das beste aus zwei haarigen Welten: weißbärtig, straßenköterblond und Mid-Ager.
  • Die Regensburger Domspatzen werden an Weihnachten nicht im Regensburger Dom singen. Vielleicht wird eine Leinwand aufgespannt und jeder einzelne Domspatz pfeift von deren eigenen Dächern mittels “ZOOM” oder “TEAMS” oder so per Live-Schalte in den hygienisierten Dom und seine sozial distanzierten Gläubigen. Die mitternächtlichen Christmetten sollen übrigens schon um 19:00 starten. Somit wird manifestiert, was schon eh jeder wusste: in der Kirche gehen die Uhren anders als bei den anderen Menschen.
  • Im Online-Portal der Münchner TZ las ich folgenden Satz über den Münchner Marienplatz:
  • image(Screenshot tz.de am 18-Dez-2020: ”[…] Bis 1972 konnte man sogar noch mit dem Auto über den Platz fahren. Hier zu sehen auf einer Aufnahme um 1958.”)

    Auf einer Aufnahme von 1958 ist 1972 bereits zu sehen. Könnte mal schauen, ob wer auf einer Aufnahme von 2006 den leeren Marienplatz vom Lockdown 2020 sieht? Irgendwelche Fotos von 2020 mit Voraussagen zu 2034?

  • Ein neues Gesicht findet sich in einen der TATORT-Reihen wieder. Eigentlich ein altes Gesicht, aber ein neues als Wiedergänger. Spannend. Aber nicht wirklich neues für die Christenheit. Die hat sich in jährlichen Übungen daran in den letzten 2000 Jahre trainiert und wird den Neujahrs-TATORT gelangweilt anschauen. Nach Angabe von jüngeren Menschen schauen sich die TATORT-Sendungen eh nur die grauhaarigen, alte Menschen an, weil der Begriff “Tat-Ort” dem der “Tot-Art” nicht unähnlich ist. L’art pour l’art. Die Dracula-Geschichten haben sich auch damals schon immer nur die Älteren erzählt. Die Jüngeren haben dafür um so leidenschaftlicher die “Vampire Diaries” und die “Twilight Saga” studiert. Twen-Ager Geschichte für den leichten Schauer am Rücken unter der Bettdecke bei gezuckertem Popcorn, lauwarmen Glibber-Käse und schweißnassen Händchen.
  • Eine Schneebombe rollt auf Deutschland zu und München mitten drin. So lautet die Prognose mehrerer Nachrichtenkanäle für das Weihnachtsfest. Sollte also Süddeutschland in einer Schneekatastrophe eingeschneit werden, keine Sorge: es herrscht eh tagtägliches Ausgehverbot zwischen 21:00 bis 5:00 Uhr. Und in der Zeit dazwischen braucht jeder Mensch triftige Gründe, um als Schlachtenbummler eine Schneebombe anzuschauen zu dürfen. Die Schneeballschlacht-Vorschau in der prophezeiten Schneebombe gehört nicht zu der kriegerisch daher kommenden Wettervorhersage. Dafür erwarten andere Nachrichtenkanäle einen brutal auftretenden Sturm vor Weihnachten: einen An-Sturm auf die Lebensmittel-Discounter. Das ist nichts Neues. Im Westen. Am 24. Dezember noch einen umfassenden Einkauf zu tätigen, ist immer das erstbeste, nervenaufreibende Erlebnis nach Winteranfang. Gehört auf jede Bucket-Liste. Auch ohne Schneebombe.
  • In München gibt es an die 600 Obdachlose. Viele davon trinken dabei auch noch, oder kuscheln sich in der Kälte unter Münchens Brücken zusammen, während ihres Obdachlosen-Daseins. Von_hintenDas ist bekanntlich sowohl ungesund, als auch teuer. Denn: Verstoß gegen die Ausgangssperre des Nachts (500 Euro), dann noch Alkoholkonsum im Freien (150 Euro) und zu guter Letzt Kontaktverbot (150 Euro). Macht mindestens 300.000 Euro ins Münchner Stadtsäckl. Pro Tag. In solch klammen Corona-Zeiten ist jeder Stadtkämmerer um jeden zusätzlichen Euro dankbar. München auch. In den letzten drei Tagen wurden 49 Fälle des Verstoß gegen die Ausgangssperre registriert. Da scheint also noch ordentlich Luft nach oben. Oder sollte München und seine Ordnungsbeamten jetzt doch ein Herz für Obdachlose haben? Nachdem wegen Corona-Hygiene-Anforderungen die Schlafplätze in den Notunterkünften deutlich reduziert wurden? Wegen social distancing. Da wird einem warm ums Herz. Ich hoffe, meine Sätze über die Strafzahlungen wird nicht von einem Offiziellen gelesen und ernst genommen. Weil von jedem Ding nur der Preis und von keinem der Wert zählt (nach Oscar Wilde). Denn das obige, das schrieb nur die Zyne aus mir raus. Aus der Zyne für die Zyne …

Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (45): Over and out

Es wird immer schwieriger etwas neues aus “Süd bei Südost” zu schreiben. SARS-CoV-2 ist noch immer ein bestimmender Aktivposten im täglichen Leben. Nicht, dass der Virus aufgegeben hätte, er wird nicht mehr so stark verbreitet. Nur wird man es mit der Zeit auch müde, immer die neusten Zahlen, Daten, Fakten zu verfolgen. Geschweige denn zu kommentieren. Das ist kein Gewöhnungsprozess, sondern ein Entwöhnungsprozess. Nichts passives, sondern aktives. Eine Art der vorsätzlichen Verdrängung.

In den Supermärkten laufen vereinzelt Menschen ohne Maske mit einem zelebrierten Selbstbewusstsein von hier bis Alaska herum. Bei denen scheint es ein Coolness-Faktor sein. Nur hat es etwas von den Autofahrern, die im Auto keinen Gurt anlegen, und dann mit Vollgas durch die Landschaft preschen. Etwas, was Rennfahrer nie machen würden.

Klar, der erste Gedanke zu den Mund- und Nasenbedeckungsverweigerern mag schon sein “Wehe, wenn du dann auf der Intensivstation liegst und nach Luft schnappst”. Aber darum geht es eher weniger, denn die wenigsten erkranken ernsthaft an SARS-CoV-2. Nicht jeder, der keinen Gurt im Auto anlegt, wird kurz darauf in einem Sarg zu seiner Beerdigung angeliefert. Es ist schon richtig, wenn jemand mit Vollgas ohne Gurt den Serpentinen lang braust und es ihn dann aus einer Kurve gegen Fels, Baum oder in den freien Fall haut. Dann können wir schon alle sehr empört nicken und hämisch sagen: “Selber Schuld”. Dumm gelaufen ist allerdings nur, wenn dieser Vollkaskodesperado jemanden anderen mit sich nimmt.

Gut, nicht jeder ist von der Mund- und Nasenbedeckungspflicht begeistert, weil damit ein Gefühl der Fremdbestimmung einhergeht. Dass in der Kommunikation mit den Leuten an Wurst- und Käsetheke und der Kasse erhebliches fehlt, stört dann schon eher. Ohne diesem obligatorischen Utensil war es möglich, allein durch Mimik den Verkäufer zu weiterem zu inspirieren. Oder einfach nur zu verneinen. Nur jetzt ist es schon erforderlich, sich verbal deutlich zu äußern.

Seltsamer erscheinen dabei die Mitarbeiter der Sub-Unternehmen, welche für ein paar Euro fuffzig pro Stunde in den Supermärkten die Regale einzuräumen haben. Deren Bedeckungen hängen oftmals auf Halbmast oder bedecken lediglich deren Bärte. Ich nehme es schulternzuckend hin. Klar, ich könnte locker zum Marktleiter durchstapfen und ihn darauf hinweisen, dass in Bayern so etwas dem Geschäft 5.000 Euro kosten könnte. Und den Mitarbeitern des Sub-Unternehmens könnte deren Niedriglohn-Einkommen eines Tages verlustige gehen . … Aber, würde ich das? Ich nehme es mit einem Schulternzucken hin. Ich muss nicht alles, was ich kann.

Wobei, für den letzten Satz wurde ich bereits schon privat gerüffelt, weil ich so einfach auf meine Rechte verzichten würde. Ich zucke erneut innerlich mit den Schultern und hoffe, dass das Gespräch dazu bald vorbei gehe. Denn wenn der andere immer das perfekte Leben führt und ich mit meinem Leben seiner Ansicht nach komplett daneben haue, dann umgibt mich das Gefühl der Niedergeschlagenheit, der Wertlosigkeit. Bis ich mir dann vergegenwärtige, dass es genau das ist, was der andere erzielen wollte: Demütigen und sich selber durch die Herabwürdigung des anderen aufgewertet fühlen. Wirkliche menschliche Wertschätzung geht anders.

Demütigung und Herabwürdigung ist ja auch die Sprache der Verschwörungstheoretiker, der Populisten, der Hate-Speecher, der Aufwiegler, der Hetzer. Für jene muss es immer einen geben, auf den man herabblicken kann, ansonsten hat man keine erhabene Position. Herabblicken auf andere, koste, was es wolle. Selbst wenn man sich vollkommen entblödet.

Bemerkenswert finde ich, dass in diesem Zeitalter momentan etwas in dieser Richtung Hand in Hand geht: Hate-Speech und die Betonung der Empathiefähigkeit. Zwei Seiten wie von einer Münze. Bist du empathiefähig? Eine manipulative Frage aus dem Lehrbuch der Rhetorik. “Empathische Intelligenz” oder auch „emotionale Intelligenz“ als Phrase in den Rang stilisiert zu einen brutalen Ausgrenzungsmerkmal. Hautfarbe, Nationalität oder auch Religion ist zu billig. “Empathische Intelligenz” oder auch „emotionale Intelligenz“ ist die neuste Masche für ein neues Klassifizierungsmerkmal zur abschätzigen Behandlung von Mitmenschen.

Momentan geht eine ähnliche Phrase durch die Gesellschaft, die genau diesem Muster folgt: “Ob du Lack gesoffen hast, habe ich gefragt!” Diese Aussage gebündelt mit einer anderen Behauptung knallt wie wie ein kalter Waschlappen in jedes Gesicht und schon hängt etwas im Raum, was vorher so nie angedacht war und sich dann auch aufgrund des Überraschungsmoments nur schlecht verteidigen lässt: Erst nicht zuhört haben oder gar schwerhörig und somit alt zu sein, gefährliche Dinge ohne Nachdenken massenhaft zu konsumieren und dann auch noch die Antwort auf einer Frage schuldig geblieben zu sein. Das klappt im privaten Leben, aber verstärkt erst recht im Internet, weil es originell und schlagfertig erscheint.

In dieser Krisenzeit wurden viele Argumente ausgetauscht hinsichtlich der Sinnhaftigkeit von dem Lock-down und über die Bedrohlichkeit von SARS-CoV-2 an sich. Die eine Seite wirft den Politikern vor, sich unter der Diktatur der Virologen begeben zu haben. Die nächste Seite wettert wegen der angestachelten Panik und wegen den wirtschaftlichen Niedergang aufgrund eines unbedeutenden Grippchens. Und die übernächste verweist auf Populisten wie Wodarg und Co, deren einziges Handwerk darin besteht, ein akademischen Titel – wie weiland Brians Anhänger jene Sandale – vor sich herzutragen, um damit Behauptungen aufzustellen, für denen anderen bereits gerechtfertigterweise deren akademische Titel entzogen wurde (s.a. beispielsweise Theodor zu Gutenberg). Erstaunlicherweise glauben viele an solche Bedenkenträger, weil die Gedanken jener in deren eigene finstere Vorstellung vom sinnlosen Sinn des eigenen Lebens passt. Sie werden auch dann nicht von den eigenen Überzeugungen lassen, wenn sie bereits mehrmals widerlegt wurden.

Das hat ein wenig vom Gleichnis über das brennende Haus. Am Fenster standen noch Bewohner und schrien um Hilfe. Die Feuerwehr breitete Sprungtücher aus und forderte die verbliebenen Bewohner auf, zu springen. Worauf dann einer nachfragte, ob es denn regnen würde. Falls ja, dann solle die Feuerwehr ihn doch gefälligst über der Treppe retten. Er hätte keine Lust wegen der Faulheit der Feuerwehr auch noch nass zu werden, da er schon genug Probleme mit dem Feuer habe. Loriot hatte gleiches schon mal mit seinem Sketch “Die neue HS Zwo” (hier) beschrieben.

Es geht nicht mehr um die Sache, sondern ums Prinzip. Und das Prinzip ist heilig. Dem aufrechten Deutschen scheinen Prinzipien heilig zu sein. Und von den aufrechten Deutschen gibt es viele. Denn wer nicht aufrecht ist, ist in deren Augen lediglich ein Affe. Heiliges Prinzip. Das Auto ist beispielsweise so ein Prinzip. Das Blech ist heilig. Weil es für viele gleichbedeutend mit Freiheit ist. Blech gleich Freiheit. Heilig’s Blechle. Da fliegt mir doch das Blech weg.

In einem Internetforum las ich, wie jemand eine flammende Rede zum Thema “Reisefreiheit” hielt. Freiheit wäre ein hohes Gut und bedeute, freie Reisen durchführen zu können. Daher – so die nachfolgende Folgerung – solle jeder dafür kämpfen, dass die Fluggesellschaften die Reisefreiheit nicht durch hohe Preise abstellen würden. Sie sollten preislich da weitermachen, wo sie vor der Krise aufgehört haben und nicht jetzt auch noch Forderungen stellen, ansonsten würden sie sich gegen unsere Freiheit stellen.

Das Virus existiert weiter.

In den Nachrichten erscheint es wie eine biologische Lebenseinheit. Ein Virus ist allerdings kein Lebewesen. Es ist eine Sache mit Informationseinheiten umgeben von Proteine und Fett, welche mit deren Informationseinheiten (RNA-Stränge) den menschlichen Organismus zur Selbstzerstörung bringen können. Trotzdem dichtet man den Viren ein bewusstes Dasein, einen Lebenssinn an. Dabei sind Viren eher wie Bärenfallen: tappt ein Bär rein, schnappt sie zu. Aber Bärenfallen werden von Menschen aufgestellt, um dem Bären nachher das Fell über die Ohren zu ziehen. Aber Viren? Wer hat die denn dann aufgestellt? Wer hat vor, den Menschen zu häuten und zu skalpieren? Will da wer seinen Kaminsims statt mit Elch- und Hirschgeweihen an der Wand mit Menschenköpfen zieren?

Und da kommen die Verschwörungstheoretiker mit ihren geballten Lebenspessimismus und erklären uns die Welt, wie sie sie ihnen maximal gefällt. Da ist kein Platz mehr für positives. Oder Wertschätzung. Wertschätzung ist eh bei denen etwas Sektiererhaftes, Entmündigendes. Weil es sie selber nicht betrifft. Und wenn die neusten Zahlen, Daten, Fakten nicht passen, dann kommt bei denen als Nächstes “Mainstream-Medien”, “Lügenpresse”, “Fake-News” und so weiter auf den Tisch. Auch wenn sie es bestreiten werden, Donald Trump ist deren Verkörperung eines perfekten Jongleurs mit solchen Ausdrücken.

Inzwischen haben jene sich mit ihrem Zukunftspessimismus in einer Partei namens “Widerstand 2020” vereinigt. Wahrscheinlich die Alternative zu der besorgte-Bürger-“AfD”. Eine Partei für Pandemie-Wissenschaft-Widerständler. Und dann möchte man eigentlich in die unterste Schublade langen und denen ein “Ob du Lack gesoffen hast, habe ich gefragt!” um die Ohren knallen.

Wie hatte Erich Kästner bereits einmal gesagt:

“Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“

Nebenbei, die Münchner Polizei hatte seit dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen immer einen Bericht mit dem Titel “Einsätze der Münchner Polizei im Kontext mit der Corona-Pandemie” veröffentlicht. Hier wurde dann immer vermerkt, wie viele Kontrollen gemäß des bayrischen Infektionsschutzgesetzes durchgeführt wurden und wie viele Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkung (“triftige Gründe”) geahndet wurden. Am 6. Mai wurde der letzte Pressebericht (hier) veröffentlicht. Seitdem berichtet die Polizei nur noch über die verbleibende Kriminalität, welche nicht gleich mit mindestens 150 Euro bestraft werden kann.

Somit kehrt wieder eine gewisse Routine auf allen Seiten zurück. Es lockert sich alles. Wir tragen zwar noch Mund- und Nasenbedeckung, die auch manchmal nur zur Bartabdeckung genutzt wird (sind Bärte selbstredend?). Jedoch das kann auch nicht verhindern, dass hinter den Masken noch ganz andere Viren (Bärenfallen) lauern können, mit denen Menschen anderen zumindest verbal die Haut über den Ohren ziehen können.

Es braucht auch kein Corona-Tagebuch mehr. Es ist so überflüssig wie ein Kropf geworden und hat sich selbst überlebt. Weil es nichts mehr bringt und auch nichts bewegt. Weil es bedeutet, lediglich Eulen nach Athen tragen. Und wer will schon Eulen?

Ob ich Lack gesoffen habe, hast du gefragt? Nein. Das habe ich nicht. Denn meinen Kakao suche ich mir schon selber und allein aus.

Over and out.

Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (53): Kriegsberichterstattung

Endlich!

Endlich!

Endlich!

Wieder Fußball. Die Krise ist vorbei. Wenn Werder am letzten Spieltag ne Packung vom FC bekommt und beide gemeinsam den Hamburger SV vorbei ziehen lassen, dann ist wieder aller erste Bundesliga im Land.

Aber zuerst noch ein wenig von der Corona-Front:

Die Verblödung des Volkes mit Verschwörungstheorien wird momentan nur noch ganz knapp von denen übertroffen, die vorgeben, Regierung machen. Während mit dem Beweis der ultimativen Beteuerung der Verschwörungstheoretiker mir jene weis machen wollen, dass die Regierenden nur einen Plan haben, versuchen mir die Regierenden klar zu machen, dass es mehrere Pläne gibt, als sich Verschwörungstheoretiker vorstellen können. Und beide halten sich für die einzig Wahren, welche daraus ausgewählt werden müssten.

Derweil haben die Verschwörungstheoretiker ihre Geschütze schon auf deren eigenen heimeligen Treibsand aufgebaut. Treibsand hört sich negativ an, weil darin ja alles verschlungen werden könnte. Nur in Wahrheit ist das einfach positiv zu sehen. Denn woher sollen die Verschwörungstheoretiker heute schon wissen, woher sie morgen der nächste Sandsturm verweht. Und die Verwehung passiert in deren Ansicht immer, bevor der Treibsand anfängt zu schlucken. Das hat der Machist mit seinen sexuellen Ansichten gemein: eine Person hat lediglich zu schlucken, damit die andere befriedigt ist. Daher fühlen sie sich auch so sicher vor dem Sumpf der eigenen Ansichten.

“Wie unfair, David!”, werden die Verschwörungstheoretiker an dieser Stelle aufstöhnen, weil deren Existenzberechtigung ihr Selbstverständnis ist, nie Goliath sein zu müssen. Wobei sie das Wort “David” nur nutzen, um jeden Piefke gleich zum Helden zu stilisieren, den man danach vom Sockel stürzen muss. Da staunt der Normalo, da erschrickt die Erkenntnis, da fürchtet sich das Schicksal.

Jene Verschwörungstheoretiker werden also ihre Meinungsverbreiterung wie Stalin-Orgeln aufstellen und aus den Rohren ihre Statements abfeuern, aus denen noch nicht mal der Pfeiffer mit den drei “f”s aus der “Feuerzangenbowle” ein Gute-Nacht-Kissen klopfen würde. Die Hoffnung, dass sich die Klischees der Verschwörungstheoretiker mit der Wirklichkeit decken würden, ist somit völlig unbegründet.

Als noch unbegründeter erwies sich die Hoffnung, dass Merkel, Söder und Laschet deren Publikumsgunst unbewusst wären. Unweit der Spree sah ich sie aneinander geraten. Ich stand auf einem Haufen der Patronen verschossener Argumente und musste alles mit ansehen. Die Laschets wüteten mit furchtbarer Raserei, bis deren Klingen so ausschauten, wie Verschwörungstheoretiker meinten, dass sie ausschauen müssten: krumm wie die Säbel arabischer Barbaren. Die Söders waren auch nicht besser. Denken war denen ein Graus. Es ging denen nur ums Outsourcing. Sie gaben somit zu denken. Und die Merkels? Die investierten ihr Geld in ein Holzbein, um es einen von den beiden auf die Stirn zu binden und dem Volke als gerade gefundenes Einhorn zu verkaufen.

Als dann dieses den Heere der Söders und Laschets in den Fernseh-Talk-Runden gewahr wurde, taten beide alles ihr Bestes, den Klischees der Verschwörungstheoretiker zu entsprechen. Denn aus den gewöhnlich unterbelichteten Kreisen der Verschwörungstheoretiker verbreitete sich aus deren Dunkelkammern fürs unterbelichtete Volk die schlecht entwickelte Meinung, die Söders und Laschets wüssten eh schon, was sie tun, bis jeder es merkelte.

Als die Verschwörungstheoretiker desweiteren auch noch mitbekamen, dass jene Feldherren der Tagespolitik lediglich Bananenzüchter derer eigenen Frühlingserwachen waren, wurde ihre Wut erheblich größer. Und so machte sich in den engen Denkrinnen jener Verschwörungstheoretiker etwas erheblich breiter, was dazu führte, dass etwas überschwappte und dabei auch noch durchsickerte. Dass die Verschwörungstheoretiker auf den erheblichen Nutzen eigener Bananenplantagen schwörten und die Bananenrepublik Deutschland nicht in dem Besitz einiger Bananenplantagenbesitzer wären, sondern in der Hand anderer Nicht-Bananen-Plantagen-Besitzer, das fanden die Verschwörungstheoretiker ganz uncool. Denn nur Bananenländereien gehörten in die Hand der Bananen-Plantagen-Besitzern, eben jenen ureigentlichen Verschwörungstheoretikern. Frei dem Motto: “Wen macht die Banane krumm? Immer nur die anderen.”

Und somit entwickelten Verschwörungstheoretiker etwas, was jene in deren eigenen Langeweile immer gerne entwickeln: Ziele für deren Verschwörungstheorien. Mit dem ersten Hahnenschrei des folgenden Tages standen sie auf den Haufen, den sie sich als Verschwörungstheoretiker selber gelegt hatten und versuchten dabei nicht über jenen auch noch geschossen zu werden. Und falls doch, so wollten sie nur als Opfer und Märtyrer und Unverstandener zu erscheinen. Sie warfen alles in den Kampf, was sie fanden inklusive derer eigenen Unvermögen.

Und sie fanden, dass es Außenstehende gäbe, denen die ganze Schuld aufzuladen wäre. Also Nicht-Politikern, denen sie den Status der fehlbaren Allmächtigen verliehen. Oder Leute, die zu besonnen dafür erschienen. Eben drum hat deswegen ein Reichelt seine BILD sofort den Verschwörungstheoretiker aus reinem Mitgefühl neue Geschütze im Kampfe für deren Verschwörungstheorien öffentlich überreicht: der Russe, der Droste, der Wieler und die anderen Panikmacher seien Schuld, weil es gäbe noch andere wie Wordag und Co zum Zuhören. Lasst uns die Überbringer der schlechten Nachricht schlagen und die Wodargs mit Palmwedeln bei ihrerem Einmarsch in Jerusalem auf dem Sarg der wertlosen Botschafter bekränzen. Und freilich auch den damals für BILD heilsamen Wissenschaftler Manfred Köhnlechner (Gott habe ihn seelig) auferstehen lassen, der aus dem Mund der anderen unbeachteten Virologen spräche.

Deren BILD-unterstütze Argumente waren von Vorteil. Die Verschwörungstheoretiker, obwohl sie zuvor beteits getroffen wurden und deren beide Beine vom Knie abwärts zerschmettert waren, trotz allem sie bluteten wie die Schweine unter der Knochensäge. Für Gott und Verschwörungstheorie. Auffallend war, trotz fehlender Beine, sie fielen weder an den Rand der Grube, noch hinein, jene Grube, welche sie für andere tief und breit ausgehoben hatten.

Fernerhin hatten die Verschwörungstheoretiker festgestellt, dass in den hiesigen Zeiten jedes losgelassene Argumentationsgeschoss eine kostspielige Sache war. Jedes Geschoss war inhaltlich im Stande, eine Familie einen Monat zu ernähren! Das war den Verschwörungstheoretiker der Wohltat zu viel. Denn wer konnte schon bestimmen, ob jene begünstigte Familie nicht entgegen den Überzeugungen der Verschwörungstheoretiker lebte! Das wäre unverantwortlich und ganz und gar verkehrt. Also kehrten sie die These ‘Wer nicht mit Geld umgehen kann, hat keins’ in die revolutionäre These ‘Wer kein Geld hat, kann damit auch nicht umgehen, etst recht nichz fehlerhaft’ um, an deren Ende die Forderung ‚Spendet nur noch uns’ stand. Crowdfunding at its best!

Und so saßen die Crowdfunder in deren spanischen Villen, deren mobilen Lebesräume, deren Luftschlössern, und beklagten, dass die Kämpfer für deren Freiheit nicht mehr deren Herzblut auf dem Schlachtfeld der Verschwörungstheoretiker lassen würden. Und im Umkehrschluss somit, sich mit dem Feinde fraternisiert hätten.

An dieser Stelle senkte sich der Vorhang über das Kriegsgeschehen und der Reporter hatte den Handlungsschauplatz zu verlassen. Er entschuldigte sich mit einem ‘er müsse auch mal schlafen’, aber jeder weiß, dass der Kriegsreporter nur eine Nulpe hoch drei ist, wenn er nicht von Blut, Schweiß, Tränen und Verschwörungstheorien erzählt.

Stattdessen wanderte der Blick wieder zum unbedeutenden Anfang der Reportage und es war lediglich zu wiederholen:

Endlich!

Endlich!

Endlich!

Wieder Fußball. Die Krise ist vorbei. Wenn Werder am letzten Spieltag ne Packung vom FC bekommt und beide gemeinsam den Hamburger SV vorbei ziehen lassen, dann ist wieder aller erste Bundesliga im Land.

Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (40): Fußball und unser Leben

Wir brauchen neue Fliegzeuge. Fliegzeuge, welche den tausendfachen Tod transportieren können. Nein, keine SARS-CoV-2-Streubomben für Frankreich, England, Grönla … wie? Andere Richtung? Rußland? Okay. Richtig. Ich hab die Feindbildorientierung bei mir ein wenig schleifen lassen. Am Jahresanfang hieß das Feindbild ja noch Brexit, aber heutzutage ist das ja auch nicht mehr so sicher.

Es soll um etwas anderes gehen. Wir brauchen neue Fliegzeuge. Hier geht es darum, dass diese Fliegzeuge im Ernstfall in Deutschland stationierte US-Atombomben zum Ziel fliegen können. Dafür braucht es Flugmaterial. Und das alte Tornado-Material taugt nicht so recht. Denn es besteht die Möglichkeit, dass unsere Maschinen in Rammstein starten und dann mit den Massenvernichtungswaffen in Berlin an der Spree abstürzen … und außerdem hat Boing gerade eine Mega-Mega-Krise: erst stürzen deren Flieger ab, jetzt auch noch deren Börsenkurs. Also braucht es amerikanische Militärmaschinen ( – Trump und Boing wird es uns danken – ), damit  diese Air Force mit amerikanischer Atombombenfracht nach amerikanischer Art gegen amerikanische Widersacher drohen kann. Die NATO-Bündnistreue verlangt diese Fähigkeit. Wer was anderes glaubt, gucke mal bei Recep Tayyip Erdoğan nach, wenn wir ihn militärisch unterstützen.

Für diese NATO-Bündnistreuenfähigkeit werden mehr als 10 Milliarden Euro benötigt. Keine Angst, das sind Peanut-Zählchen. EIn Schnapper in Taleman&Söhne-Zeiten. Dieses Schnäppchen wirdd mit nicht eingekauften CoVid-19-Tests und mit SARS-CoV-2-Forschungsgeldern kompensiert. Dazu kommen zusätzlich noch aus die 150-Euro-Strafgelder von nicht getragenen Mund- und Nasenmasken in Geschäften und Nahverkehrsmittel, die perfekte Gegenfinanzierung. Das heißt, jeder der offen sein Gesicht in den Überwaschungskameras der Geschäfte und ÖPNVs zeigt, hilft der Annegret Kamp-Karrenbauer bei der Finanzierung ihrer Fliegzeuge.

Das ist jetzt natürlich nicht offiziell, aber Ministerin in Finanzierungsnot sollte keinem Mitbürger am Allerwertesten vorbei gehen. Denn nur offene Gesichter haben nichts zu verbergen. Auch keine 150 Euro in der Geldbörse.

Nichts zu verbergen? Da ist noch die DFL. Diese Balltreterzusammenschlußorganisation würde auch mal gerne wieder fliegen. Von Rasen zu Rasen. Damit deren Betriebsangestellte wieder einem Fußball hinterher flitzen können, sind Hygiene-Maßnahmen bei den Spielen und rund um eine Spiel-Veranstaltung erforderlich. Diese hat die DFL für jeden Menschen einsehbar hier (pdf-Datei) veröffentlicht.

Nun, da Entscheidungen gemäß Pro oder Kontra eines Spielbetriebs immer auf Landesebene getroffen werden, sind diese von den jeweiligen Landes-Chefes abhängig. Unter anderem auch von einem Ministerpräsidenten Kretschmer. Der hat auch gleich sich ins Studium der (oben verlinkten) pdf-Datei gestürzt. Nur, dabei muss er wohl arg tief gestürzt sein. An ihm rauschte die pdf-Datei wohl komplett vorbei. Trotz allem meinte er in der Talk-Show mit Herrn Lanz, dass das Konzept des DFL überzeugend sei, denn wenn ein Spieler CoVid-19 positiv getestet werde, würde gleich die ganze Mannschaft in Quarantäne genommen. Dass der werte Herr Kretschmer nicht lesen kann, will ich ihm keineswegs unterstellen. Lesen kann er wohl. Allein mit dem Verstehen mag es hapern. Denn die DFL wird allein den positiv getesteten Spieler in Quarantäne schicken, ohne es – gemäß dem Konzept – der Presse mitzuteilen. Das hat der Herr Kretschmer in der Lanz-Talkrunde als nicht verstanden dargelegt.

Also, man stelle sich folgende Situation vor. Ein Balltreterverein, namens Rasenballsport Bayern aus München, so ein Verein pölt gegen irgendeine andere unwichtige, namenlose Mannschaft. Und dann kommt es zu folgendem Verhängnis: Niclas Süle pfählt seinen Gegenspieler eiskalt mittels einer sauber getimten Abwehr-Blutgrätsche auf Schienenbeinhöhe, es kommt zur unübersichtlichen Rudelbildung verschiedenster, allesamt unschuldiger Spieler, danach, von Joshua Kimmich wird der Süle-Niclas aus dem gebildeten Rudel heraus gezogen, der Schiedsrichter belässt es nachsichtig der Wiederholung aus den Kellern von Köln bei einer gelben Karte, und beim nächsten Spiel sind dann Niclas Süle und Joshua Kimmich nicht dabei. Wird der Trainer Hansi Flick darauf sagen: “Die haben Rudelbildung ohne Gesichtsschutz auf dem Rasen betrieben. Das geht ganz und gar nicht. Deshalb habe ich die beiden jetzt im Trainingszentrum an der Säbener Straße fürs Wochenende als Green-Keeper eingeteilt” und Sachsens Herr Ministerpräsident Kretschmer wird am Fernseher verstehend Niclas eingedenk nicken und auf seinen stämmigen Schenckelchen Applaus patschen? Das steht zu befürchten. Lesen kann er ja, aber mit dem Verstehen steht zu befürchten …

Zu befürchten ist dann auch, dass an die 30 Tausend CoVid-19-Test für den verbleibenden Spielbetrieb gebraucht werden. Das ist jetzt kein Problem. Die generieren sich aus den Tests, welche man von den Leuten nimmt, welche wegen fehlendem Mund- und Nasenschutz straffällig geworden sind. Eben jenen auch noch wegen deren Maskenboykott einen CoVid-19-Test zu gönnen, dieses wird sogar einen der Ewig-Gerechten, diesen deutschen Pseudo-Avengers von Söder bis Kretschmer, als Verweigerungsgrund garantiert noch einfallen. Jene Straffälligen werden dann in Bayern pro forma gleich 14 Tage in Quarantäne genommen. Natürlich plus der 150-Euro-Strafgebühr. Wir brauchen ja Annegrets Flieger, nicht wahr.

Wie? Das geht nicht? So etwas lässt das Grundgesetz nicht zu? Da kennt ihr aber das bayrische Polizeiaufgabengesetz, kurz PAG genannt, nicht. Bei Gefahr im Verzug und Bedrohung der persönlichen Unversehrtheit geht alles. Von Söder lernen, heißt siegen lernen. Da guckt sie aber, die AfD, ein wenig pikiert, woll.

Und wenn dann immer noch paar mickrige Milliönchen Euros fehlen, um den Liga-Betrieb der Fußballmannschaften zu sichern, dann gibt es ja die Fernsehgelder. Geisterspiele ist das neue Zauberwort. Es mag für den Zuschauer am heimischen Fernsehempfangsgerät ein wenig fad erscheinen, ein Fußballspiel ohne akustischem Stadionzuschauer-Live-Ton zu sehen. Aber bei den TV-Sitcoms oder bei Dieter-Nuhr-Live-Shows hat der TV-Glotzer ja auch nichts dagegen, wenn das Lachen und Klatschen per Konserve eingespielt wird. Also kann das auch bei Geisterspielen durchgeführt werden. Wenn ein Tor fällt, Jubelschreie aus der Konserve. Oder bei Rudelbildung empörte Pfiffe und Pfui-Rufe. Auf der Playstation klappt das ja auch.

Apropos Rudelbildung: Der Leser möge im Hinterkopf behalten, Rudel ist nicht gleich Herde. Also, das Wort Rudelimmunität gibt es noch nicht. Das mag seltsam erscheinen, denn bei Torjubel scheint oftmals sehr wohl so etwas wie Rudelbumsen angesagt zu sein. Aber von Herdenbumsen hat bislang nie jemand etwas gehört. Wohl aber von Herdenimmunität. Zur Erklärung: Eine Herde besteht beispielsweise aus vielen Schafen, die man beispielsweise rasiert oder schlachtet. Wenn das durchgeführt wurde, dann sind alle aus der Herde immun. Mit einem Rudel klappt das nicht. Hunde leben gerne im Rudel und Hunde, die bellen, beißen. Wuffmäh.


Nebenbei noch etwas zu der Lanz-Talkrunde (ZDF; 23-April-2020):

Der Herr Karl Lauterbach sprach sich gegen Fußballspiele aus. Er meinte, das wäre das falsche Signal an die Jugendlichen, die dann meinen könnten, die Corona-Krise wäre bereits Vergangenheit und dann würden alle bisherigen CoVid-29-Maßnahmen entwertet werden. Irgendwie hat es mich bei dieser Bemerkung gegruselt. Die Jugendlichen werden sicherlich nicht diejenigen sein, die dann alleine eine “alte Normalität” wieder annehmen. Herr Lauterbach sollte sich mal in seiner Altersgruppe und darunter umschauen. Jene nicht-jugendlichen Altersgruppen werden es mit den Maßnahmen genauso wenig ernst nehmen wie die Jugendlichen. Sie setzen die Maßnahmen jetzt schon genauso ernst oder unernst um wie alle Jugendlichen auch. Eine Differenzierung nach Altersklassen braucht es dabei nicht. Das ist spaltend. Generationenkonflikt benötigt keinen weiteren, der diesen verschärft.

Meine Meinung.

Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (27): Grabesruhe

Heute ist Karsamstag. Grabesruhe. Ruhe. Schweigen. Also, Bürgerpflicht.

Über allen Gipfeln
Ist Ruh‘,
In allen Wipfeln
Spürest Du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur! Balde
Ruhest du auch.

Zwei Dinge sind heuer nicht erlaubt und das WARUM? dafür recht schwierig der Bevölkerung zu vermitteln: Fußball und Abseits.

Fangen wir mit dem einfachen an, der Abseitsregel.

Abseits ist dann, wenn jemand in der Nähe eines Zieles steht, wo er eigentlich ja auch hingehört, aber nicht sein darf, wenn ihm das Spielgerät zugespielt wird.

Verstanden? Nein? Dann nochmal.

Steht jemand extrem peripher kurz hinter dem letzten Vertreter der anderen Mannschaft und in diesem genauen Moment (und ganz genau dann und nicht später) wird das Spielgerät von jemanden abgegeben, der den Überblick auf dem Spielfeld komplett verloren hat und nur zu wissen meint, wo der “jemand” sich befände, und eben jener “jemand”, der gerade extrem peripher kurz hinter dem letzten Spieler und Vertreter der anderen stand, erhält eben jenes Spielgerät, dann darf jener “jemand” dieses im weiteren Verlauf nicht mehr verwenden. Dann wird abgepfiffen. Notfalls wird alles per Videoentscheidung mittels kalibrierten Linien in 8K-Auflösung aus 360 verschiedenen Blickwinkeln und mit Extrem-Super-Duper-SloMo überprüft. Dann ist das Spiel unterbrochen, der Schiedsrichter joggt zu seinem Online-Streaming-Monitor, schaut ne Runde Regelerklärung zum Abseits im Handbuch für Schiedsrichter nach, und wenn er dann im Abspann sieht “alles Nähere regelt ein Bundesgesetz” zuckt er die Schultern und überlegt sich ne Entscheidung. Währenddessen wirft die Mannschaft dem im Abseits Stehenden, also jenen “jemand” von oben, mangelnden Mannschaftsgeist vor, und das Publikum ärgert sich lauthals über die Deppen von Spieler und die Entscheidung von eben jenem, von dem alle wissen, wo dessen Auto steht.

Ich weiß, das war noch immer leidlich abstrakt und drum ist die Abseitsregel auch so schwer zu verstehen. Damit sich auch keiner im täglichen Leben mit solchen Regeln beschäftigen muss, wurde Fußball gleich mit verboten.

Gut, da gibt es jetzt sicher den ein oder anderen Besserwisser unter den Lesern, der sofort sagen wird: “Stimmt doch gar nicht! Ist doch alles wegen Corona, dass der Fußball nicht mehr geballert werden darf!”

Aber das ist so nicht so einfach. Ich versuche mal die Abseitsregel ein wenig praxisnäher zu beschreiben:

Man stelle sich vor, da hat es eine Mannschaft aus allen Bundesländern, also elf Spieler und fünf Auswechselspieler. Dann hat’s da noch einen Trainer und einen Physio. Und ein paar Mannschaftsassistenten. Und um die besten aller Bundesländer für die Mannschaft aufzustellen, nehmen wir … nein! nicht den FC Bayern München mit Flick, Mayer-Wohlfahrt und Konsortium! Wir nehmen die 16 Landespräsidenten, fünf davon dürfen ohne jeglichen Libero-len auf der Auswechselbank Platz nehmen, dann noch die Bundeskanzlerin, den Gesundheitsminister und alles, was sonst noch um Trainerin und Physio so rumjoggt.

Jetzt ist es so, dass für die Mannschaft momentan die Aufstellungsformation 1:9:1 gilt. Also, der Laschet als Spitze, neun andere als Abwehr und Söder als Torwart. Söder orientiert nebenbei seine Rolle als Torwart an der Torwart-Interpretation eines Manuel Neuers. Denn Von Bayern München lernen, heißt siegen lernen, so ist Söders Motto. Und daher kann es auch schon mal sein, dass übers Spielfeld eine 0,5:1:9:0,5-Formation rennt. Somit hat es den berühmt berüchtigten Bayern-Block, welcher dann alles zwischen sich nimmt und auf südliche Strategien einnordet. Also, gewissermaßen ein Ein-Mann-Block, ein Bayern-Tor-Block-Wart, der aufpasst, dass so viel gemeinsam wie möglich geschieht.

Doch zurück zum Abseits. Der Physio kontrolliert derweil per Ministerverfügung während des Spiels die Leistungsfähigkeit der einzelnen Mitspieler und erhält dazu Daten aus seinem dienstbaren Umfeld, also all denen, was sonst noch so um Trainerin und Physio rumjoggt. Jetzt dauert ein Spiel bekanntlich ja zwei Hälften lang und da keiner ein Zeiteisen mit sich führt, reagieren die Leute am Spielfeldrand erst einmal nur zeitlos auf Sichtweite. Das heißt, sie schauen sich den momentanen Zustand an, wie die Spieler so rumrennen. Der Sturmspitze, dem Laschet, war das aber nun mal nicht ganz so recht. Also rannte der in einer Atempause kurz ans Spielfeldrand, bestellte einfach mal mehr Analyse-Infos, ob bald denn bald die Halbzeit in Sicht sei, und schlurfte zurück auf seine Position.

Inzwischen hatte aber Söder bereits aus der zwischenzeitlichen 0:9:1-Formation eine 0,5:9:0,5-Formation umgemodelt und das Spiel neu geordnet. Laschet fand das bei seiner Rückkehr nicht wirklich toll. Aber auf mahnenden Zuruf der Trainerin Merkel, ordnete er sich dem Mannschaftsgeist unter, und die Mannschaft akzeptierte die neue 0,5:1:9:0,5-Formation.

Knappe fünf Minuten später regte sich etwas am Spielfeldrand. Ein Helfershelfer aus der medizinischen Sektion hatte in der Kürze die geforderten Informationen hastig zu einer Würze zusammen geschustert und von außen geschickt in die Mannschaft einwerfen lassen. Diese Info wurde dann wie eine heiße Kartoffel auf Laschet weitergeflankt. Eigentlich war jedem klar, dass eine Fünf-Minuten-Kartoffel wie ein Ein-Minuten-Ei wäre: noch nicht wirklich gar. Aber der Laschet erklärte die dampfende Kartoffel betrachtend, die Pause sei nahe, also auf alle Fälle nach Ostern.

Tja, und in genau diesem Moment hatte der Schiri abgepfiffen, auf mögliches Abseits entschieden und ging zu seinem Streaming-Monitor, um sich die Situation dort bei einer Folge “Traumschiff” in Ruhe anzuschauen.

Inzwischen erklärten alle anderen Spieler einmütig, der Laschet sei zu weit vorgeprescht und der Video-Entscheid sei okay, denn um Entscheidungssicherheit zu erhalten und der Bevölkerung Sicherheit zu geben, dafür wäre eine Videoentscheidung okay. Der Schutz der Bevölkerung stehe an erster Stelle. Derweil desinfizierten sich alle erst einmal die Hände mit Unschuld, wechselten ihren Mundschutz und Laschet erklärte, dass er betone, er habe gesagt “nach Ostern”, aber nie welches Jahr er meinte. Es sei wie mit den Terrormaßnahmen nach dem Attentat “09/11”. Der Terror sei auch nach 19 Jahren noch nicht besiegt und CoVid-19 würde ebenfalls einschränkende Maßnahmen weit bis ins nächste Jahrhundert erfordern.

Ein Mitspieler nickte beipflichtend in die Kameras der Reporter und erklärte: “Erst wenn sich die Situation auf dem Spielfeld deutlich und nachhaltig verbessert, werden wir die Schublade mit den sukzessiven Ausstiegsplänen weg von der 1:9:1-Formation ziehen. Sicher ist: Wir werden nicht von null auf hundert schalten.“ Und im Hintergrund hörte man es deutlich södern: “Es sollte so viel gemeinsam geschehen wie möglich. Leider scheren jetzt schon einzelne Mitspieler aus. Wir sollten aber die bewährte 0,5:1:9:0,5-Linie einhalten. Insofern muss auch das gemeinsame Konzept in der Mannschaft den unterschiedlichen Situationen gerecht werden.

Und was sagte die Trainerin dazu? “Ich habe gehört, ich habe 74 Beliebtheitspunkte, der Jens 59 und der Söder nur 72. Damit steht es also 133 zu 72, also fast doppelt so viel beim Söder. Wir müssen ganz, ganz vorsichtig vorgehen. Diese Verantwortung kann mir keiner abnehmen, aber in dieser Verantwortung muss ich agieren. Deshalb wird es wohl nie eine 100-Prozent-Lösung geben, sondern immer eine schrittweise Öffnung. Wir dürfen jetzt nicht leichtsinnig sein – wir müssen konzentriert bleiben – die Lage ist fragil.

Ihr habt jetzt die Abseitsregel verstanden?

Nein?

Dann dürfte es auch klar sein, warum Fußball momentan nicht erlaubt ist. Da säßen dann zu viele Unsachverständige im Rund, welche die ganze Situation eher verkomplizieren als vereinfachen würden. Wenn denn schon Sachverständige deren Forschungsergebnisse von einem Heinsberg nahe bei Laschetshausen nicht klar präsentieren können, was soll man dann schon von uns Unsachverständigen aus Deutschland erwarten?

Somit sollte endlich verständlich sein, was unsere Trainerin in ihre “Wir”-Verantwortung vor sich her trägt. So verständlich wie das Pfeifen im Walde, wie eben jenes bereits der Spatzen von deren Dächern. Und jeder hat schon von Kindesbeinen an gelernt: Lieber eine Taube in der Hand, als solche Spatzen auf seinem Dach.

Da allergings das Publikum noch nicht bereit ist, zu gurren wie eine Taube, muss Fußball deshalb erst einmal abgesetzt werden. Über Geisterspiele, ausgestrahlt im bezahlten Fernsehen, kann man allerdings noch sprechen, nicht wahr.

Über allen Gipfeln
Ist Ruh‘,
In allen Wipfeln
Spürest Du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur! Balde
Ruhest du auch.

Karsamstag. Ruhe. Grabesruhe. Schweigen. Also, Bürgerpflicht.

Nichts zu verbergen …

“… übermorgen ist der Elfte im Elften. Karnevalsbeginn.”

“Tag der Singles.”

“Was?”

“Übermorgen ist Tag der Singles. Der elfte Elfte ist Tag der Singles.”

“Quatsch! Der ist Karnevalsbeginn.”

Bernd zückte sein Smartphone, wischte ein paar Mal und hielt Karl darauf das Display unter der Nase.

“Da! Da steht’s. Kar-ne-vals-be-ginn! Dann beginnt der Karneval auch in München.”

“Haha. München und Karneval. Das ist wie, wenn ein Blinder über Farben redet. ‘Fasching’ nennt ihr euren Mist und vom Elften im Elften habt ihr zehnmal keine Ahnung, ihr Bazis”, blaffte Karl zurück, zog sein Smartphone hervor, wischte ebenfalls und hielt Bernd sein Smartphone hin, “Tag der Singles! Da. Lies. Singles’ Day. Wikipedia.”

“Oh! Du hast das neuste Flagschiff-Smartphone der Koreaner?” Gudrun hatte sich hinter Karl angenähert und ergriff Bernd seine Hand mit dem Smartphone und schaute sich das Smartphone an. “Schick. Und bist du zufrieden?”

Karl drehte sein Smartphone zu Gudrun. “Meines ist das Flagschiff der Chinesen.”

“Und ich habe das neuste Flagschiff aus Cupertino.” Janette war zu der kleinen Gruppe hinzugestoßen und hielt triumphierend ihr Smartphone in die Gruppe.

“Angeberin!” stöhnte Bernd übertrieben und verdrehte demonstrativ seine Augen.

“Nur weil es an deinem männlichen Selbstverständnis kratzt, dass eine Frau besser aufgestellt ist als du? Haste wohl nicht erwartet, nicht?”

“Na, seid ihr wieder beim sublimierten Schwanzvergleich? Wer das bessere Handy hat? Oder ist das nur wieder das Vorgeplänkel für dämliche chauvinistische Fußballplaudereien über Bayern Dümmlich gegen Borussia Dämlich?” Ursula hatte sich zu der Gruppe gestellt und schaute amüsiert in die Runde der Smartphone-Parade in den Händen der Gruppe.

“Janette ist mal wieder am rumstrunzen wegen ihres Obstknochens, dass sie letzten Monat gekauft hat”, grummelte Bernd genervt.

“Ach, Bernd, nur weil du dir kein Handy wie meines leisten kannst und nur so ein kleines Koreaner-Dingens hast, biste jetzt knurrig. Kauf dir doch nen Porsche auf Leasing, dann haste wenigsten passendes für deine Potenz.”

“Du denkst immer nur an Sex, oder? Janette, es kommt nicht auf die Größe an, sondern auf die Technik. Und in deinem steckt viel von meinem …”

“… und beide wurden in den Werken von meinen China-Handy zusammengebastelt!”, warf Karl triumphierend ein.

“China-Schrott”, antworteten Janette und Bernd gleichzeitig im Chor.

“Ihr mit euren Sexthemen. Was anderes: geht ihr am Elften im Elften auch zum Sankt-Martin-Umzug?” Ingrid hatte zuvor unbeachtet den Raum betreten und nutzte die Gelegenheit, das Gespräch in ruhigere Gewässer überzuleiten.

“Wo ist dein Klaus-Dieter?” schaute sie Ursula fragend an, Ingrids Frage ignorierend.

“Hier bei der Arbeit! Mein Drink ist schön, könnt ihr es sehn? Rabimmel, rabammel, rabumm.” Klaus-Dieter hatte den Raum durch die zweite Tür betreten und hielt einen Martini-Cocktail in seiner Linken. “Aha, die Technikerfraktion und die Frage, wer hat welches Smartphone wo schon mal gezeigt, woll? Gleich diskutiert ihr, wer zum Sankt-Martin-Umzug die bessere Laternen-App hat.”

Ingrid schaute entrüstet und indigniert gleichzeitig. “Klaus-Dieter, musst du jetzt schon mit dem Martini-Gesaufe anfangen? Kannst du damit nicht warten, bis wir’s schöner haben?” Bei ihr schien jetzt die Entrüstung zu gewinnen, ihr Gesicht signalisierte Ärger und ihr Kopf lief rot an.

Klaus-Dieter überhörte ihren Einwurf. “Leute, wenn ihr mit den Smartphonen so wedelt, ich hätte da mal nen Vorschlag. Wir machen jetzt das, was die bereits im Film gemacht haben.”

“Film? Welchen Film?” Janette schaute Klaus-Dieter fragend an.

“Er meint den Film ‘Das perfekte Geheimnis’ mit Elyas M’Barek, Wotan Wilke Möhring und so weiter. Der läuft gerade richtig erfolgreich im Kino”, erklärte Ursula.

“Ach den.” Karl schien sich zu erinnern.

Klaus-Dieter setzte ungerührt fort: “Jeder legt sein Smartphone entsperrt auf den Tisch und dann warten wir ab, was dann kommt. Alles ist offen. Und keine Geheimnisse.”

Schweigen.

“Was ist? Keine Lust?”

Karl schaute Gudrun an, Gudrun Bernd, Bernd Janette, Janette Ursula, Ursula wiederum Klaus-Dieter. Ingrid stand mit hochrotem Kopf daneben.

“Also, was ist?”

“Sag mal, hast du sie nicht mehr alle? Es geht niemanden etwas an, was auf meinem Handy reinkommt!” Ursula klang stark angefressen.

“Hast du ne Affäre?” fragte Gudrun lauernd zurück.

„Affäre? Was soll das? Ich habe ne Privatsphäre und die schütze ich. Das darf ich doch als mein Grundrecht ansehen, oder etwa nicht?”

“Sie hat ne Affäre. Wer isses denn? Der junge knackige Apfelhändler aus der Innenstadt?”

“Du hast was?” Klaus-Dieter schaute Ursula über sein Martini-Glas hinweg prüfend an.

“Ja, hab ich!”, gab Ursula patzig zurück. “Und? Interessiert das wen?”

“Der Apfelhändler aus der Innenstadt? Das ist aber MEINER!” brauste Janette unbeherrscht auf.

“Bernd, bist nicht du jener Apfelhändler aus der Innenstadt? Sagtest du nicht mal was von zwei heißen Schnittchen oder so?”, warf Gudrun unschuldig ein.

Es kam, wie es bereits im Film kam. Wortwechsel. Beleidigungen unter der Gürtellinie. Hass, Wut, Tränen. Janette und Karl kamen als Paar und verließen fluchtartig als frisch getrenntes Paar die Wohnung. Ursula rang erst um Fassung und rannte dann erbost schreiend hinter Janette her, um sich mit ihr irgendwie auf Frauenart zu duellieren. Bernd warf Ingrid verschwörerische Blicke zu, rief darauf Gudrun und Klaus-Dieter zu, Bernd und Ingrid würden versuchen, das Schlimmste bei den dreien zu verhindern. Aber das könnte dauern, sie sollten sich keine Sorgen machen. Bernd half Ingrid in ihren Mantel und beide rannten mutmaßlich den Streitenden als Streitschlichter hinterher. Hand in Hand, sich anlächelnd.

Klaus-Dieter schaute Gudrun an, prostete ihr zu und nippte an seinem Cocktail.

“Das klappte ja wie geschmiert. Gudrun, du bist die Beste. Ehrlich.”

Gudrun lächelte verlegen und näherte sich Klaus-Dieter. “Gut, dass deine Frau auch gegangen ist. Deine Idee war aber auch nicht von schlechten Eltern. Das Smartphone-Spiel aus dem Film. Super Idee.”

“Tja, es geht halt nichts über den monatlichen Gang ins Kino, Gudrun. Ich wusste nicht, dass dein Mann ebenso ein Streitschlichter-Gen wie meine Ingrid hat.”

Gudrun stand jetzt direkt vor Klaus-Dieter, Aug in Aug. Zärtlich streichelte sie ihm über die Backe. “Tja, da haben die beiden wohl etwas gemeinsam. Aber jetzt haben wir endlich unsere Ruhe. Und niemand wird uns stören. Wie spät ist es?”

“18 Uhr 25.”

“Oh, Mann, schnell, lass uns beeilen.” Sie ergriff seine Hand, eilte zielstrebig mit ihm in den Nachbarraum und zog ihn aufs Sofa. Er ließ es mit sich geschehen und schaffte es seinen Martini-Cocktail dabei so auszubalancieren, ohne etwas von seinem Cocktail zu verschütten. Er nahm noch schnell einen Schluck. Gudrun drehte sich zu ihm hin, lächelte und meinte hauchend, aber gleichzeitig drängelnd: “Du sitzt drauf!”

Klaus-Dieter griff zwischen seine Beine unter sich, zog die Fernbedienung hervor und zielte damit auf den Fernseher, drückte einen Knopf und das Standby-Licht des Fernseher wechselte von gelb auf grün.

“Klaus-Dieter, wenn ich daran denke, wir wären die nicht los geworden …”

“Grudrun, laß uns nicht über diese Fußball-Ignoranten weiter nachdenken. Die hätten uns die Live-Übertragung wohl hunderprozentig vermasselt. Das sind alle Fußball-Party-Crusher!”

“Still jetzt. Bayern gegen Dortmund. Ich tippe auf 3:1 für Bayern.”

“Sssht! Es beginnt. Dortmund gewinnt 1:2!”

“Guten Nabend meine Damen und Herren zur Übertragung des Samstagabend-Spiel live aus der Münchner Allianz-Arena. Zum echten Männerfußball der Fußball-Bundesliga Bayern gegen Dortmund  … .”

Aus, aus, aus, das Spiel ist aus! So lernt man.

Der Teufel besuchte Gott und fragte ihn, ob man nicht mal ein Fußballspiel Himmel gegen Hölle machen könnte.

Gott hatte dafür nur ein müdes Lächeln übrig:

„Glaubst, du fußkranker Belzebub, dass du mit deiner Mannschaft auch nur die geringste Chance haben magst? Sämtliche guten Fußballspieler sind im Himmel: Pele, Beckenbauer, Charlton, Di Stefano, Müller, Maradona, Ronaldo … “

Der Teufel lächelt baphometisch zurück:

„Macht nix. WIR haben dafür alle Schiedsrichter!“

 


 

Ach ja, wo die Pointe ist?

Nun:

Im Himmel öffnet der Engländer die Tür, der Franzose kocht, der Italiener sorgt für Unterhaltung und der Deutsche organisiert alles.

In der Hölle öffnet der Franzose die Tür, der Engländer kocht, der Deutsche sorgt für Unterhaltung und der Italiener organisiert alles.

Passt zwar nicht zum oben geschriebenen, aber wen interessiert es schon, wenn nicht die 895 Zeichengrenze überschritten wird?

Ertrage die Clowns (10): Über Rough Music, Halali, Horrido und das erfolgreiche Ende eines Haberfeldtreiben

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Bei “Rough music” handelte es sich um einen Begriff, der in England gebräuchlich war. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts diente der Ausdruck eine lautstarke Kakophonie, genutzt um Spott oder Beleidigungen gegenüber Einzelpersonen auszudrücken, welche beschuldigt wurden, gewissen Normen einer Gesellschaft nicht respektiert zu haben.“Rough music” war eine Form der Manifestation mit Strafcharakter gegen diejenigen, die die aktuellen Normen des Gemeinschaftsverhaltens missachten. “Rough music” konnte wegen verschiedenen Umständen realisiert werden: kleine Diebstähle unter Nachbarn, Ausdruck der Missbilligung einer richterlichen Entscheidung, gegen unbeliebte Mitarbeiter, gegen die Polizei, gegen Informationsträger, gegen Leichendiebe, gegen Rekrutierer, gegen unpopuläre und mormonische Prediger, aufgrund ungerechter Entlassungen, gegen die Vertreibung einer Familie aus der Hütte des Arbeitgebers, usw. “Rough Music” zeigte sich als rauer Lärm, ohrenbetäubendes Gelächter und obszöne Pantomimen den zu Bestrafenden gegenüber.

Die britische “Rough Musik” hatte seine Entsprechungen in Frankreich als “Charivari”, in Italien als “Scampanate”, in Bayern als “Haberfeldtreiben”, in nördlicheren deutschen Gefilden als “Thierjagen”. Der Begriff “Katzenmusik” hat seine Ursprünge in der Anwendung ebenfalls daher. “Haberfeldtreiben” und “Thierjagen” gehören nicht zu den Ruhmesblättern der deutschen Geschichtsschreibung, weswegen dazu auch nicht viel zu finden ist. Weiterlesen

Die Hoffnung stirbt zuletzt …

“Ausgeschieden.“

“Wie ‘ausgeschieden’?”

“Halt ausgeschieden.“

“Aber die spielen doch noch mal, oder?”

“Nein.”

“Wenigstens um Platz 3, nicht wahr. Die haben mindestens doch immer um Platz 3 gespielt.”

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Wenn der Löw die Meinung des Volkes repräsentiert

Ich grinse. Ich grinse altersdebil. Muss so sein. Ich bin nun mal alt. Zu alt. Ü50. Gnadenlos alt. Arbeitstechnisch den Abstellgleisen zugedacht.

Als ich 20 war, habe ich übelst über die 50-jährigen gelästert. Ahl Männer, aalglatt. Vielleicht war es damals ein Bonus gegenüber den Jüngeren, den U20, um zu zeigen, dass man mit Ü20 besser wäre.

Und heute? Das gleiche. Immer. Insbesondere, wenn man m eigenen Leben bewusst zwölf Weltmeisterschaften der Fußballabtreter miterlebt hat. Damit meine ich mich selber und zwar nur mich immer vor mir der Fernseher (analog bis digital).

Jogi Löw. Der erfolgreiche Weltmeistertrainer. Damals vor vier Jahren im Maracana. Jenem Stadion, Tempel des Fußballs, Gotteshaus des Fußballs. Dort, wo bereits Tina Turner ihren legendäre Rock’n-Roll-Gottesdienst als hingebungsvolle Hymne an die Rock-Musik abhielt. Damals in jenem vergangenen 20. Jahrhundert. Sex, Drugs and Rock’n Roll. Bis es im 21. Jahrhundert wiederentdeckt wurde: als Wein, Weib und Gesang. In der weichgespülten Version, reinkarniert mittels Helene Fischer. Und dann vor vier Jahren die WM in Brasilien: das Hochamt der ehrfürchtigen Fußball-Jünger, atemlos, durch die Nacht begleitet vom Dickicht der TV-Verträge verschiedener Fernsehstationen. Weiterlesen

“Bio” or not to “Bio” oder: Deutsch für Anfänger

“Guten Tag, haben Sie noch einen Platz frei beim Public Viewing am Sonntag Abend?”

”Name?”

“Patricia da Silva.”

“Nationalität“?”

“Brasilianisch.”

“Sie sprechen aber gut deutsch.” Weiterlesen

Ertrage die Clown (9): Über Grautiere, Mohrrüben und wer den Karren aus dem Dreck ziehen soll …

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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In einem Land vor unserer Zeit – und das sagten mir wissende Leute im ehrlichen Brusttone der felsenfesten Überzeugung – muss es wohl geklappt haben, dass man eine an einem Stecken gebundene Mohrrübe dem einfachen Esel vor der Nase hielt und das Grautier dadurch animierte, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, welchen der Kutscher vorher angerührt hatte, um andere zuvor durch selbigen zu ziehen.

Heute soll das ja nicht mehr funktionieren. So sagt man. Oder zumindest jeder von sich und über sich. Denn niemand lasse sich mehr vor einem Karren anderer spannen. Solle doch jeder selber zusehen, aus den Dreck zu kommen, in dem er bis zum Halse drin sitze. Eigenverantwortung. Und dabei ist es auch komplett egal, ob Dreck in der eher appetitlicheren Farbe wie “braun” angerührt wurde und ob der Dreck jemandem anderen als Schokolade mit 85% Kakaoanteil … also, Kakao gestreckt mit 15% Schokoladen … wohl angemerkt, der besser-als-andere-seiende-Bürger rümpft beim Wort “Verschnittwein” aristokratisch das feine Näschen, verlangt es ihm doch lieber nach einem guten “Cuvee”, was er sich auch gerne teuer zu stehen kommen lassen mag … also, um zu den angefangenen Satz von vorher zurück zu kommen, dass es also komplett egal ist, ob sich jemand durch den Kakao ziehen lässt, wenn er sich dabei nur das Recht ausbittten lassen darf, aus selbigen auch noch zu trinken.

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Fußballgötter

„Und sage mir, wenn unter den zwei Ungerechten ein Gerechter wäre, würdest du alle vernichtend verurteilen?“

„Nein, ich würde es nicht.“

„Und wenn derer Ungerechter doppelt so viele gäbe, und der Gerechte ein echter Gerechter wäre? Würdest du dann auch alle vernichten?“

„Nein, ich würde es nicht. Wer glaubst du, dass ich denn sei?“

„Keine Ahnung, mein lieber Gott. Aber jetzt mal ganz differenziert nachgefragt, wenn die Anzahl der Ungerechten derer Hundertfach wären und darunter einer weiterhin wäre, der Gerecht wäre, was würdest du tun?“ Weiterlesen

Wenn das Runde ins Eckige muss und der korrekt Rundliche auf seinem korrekteren Eckigen stehen will …

Es ist die Zeit, in der das Wünschen wieder Konjunktur hat. 423 Menschen in Polen und der Ukraine dürfen versuchen ihren Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Die einen wollen nur einmal ein Spiel gewinnen, die anderen die Vorrunde überstehen und noch andere wollen vielleicht auch einmal Fußball-Europameister werden.

Während der deutsche Bundestrainer weiter seine Stärken-Schwächen-Chancen-Bedrohungen-Analysen (Fachbegriff: SWOT-Analyse) fährt, jazzen die Medien die nominell schlechteste Mannschaft der EM-Gruppe B zum stärksten Gegner der deutschen Mannschaft hoch. Man wünscht sich einen unbedingten Sieg und selbst mit dem Preis, dass es dazu „Stahlhelme“ benötigen würde. Natürlich war die Erwähnung von „Stahlhelmen“ des Assistenten vom Bundestrainers Löw ein Versprecher. Denn eigentlich wollte der Assistent über „Papierhütchen, Wattebäuschchen und Wattestäbchen“ reden. So wie halt normal in der Sprache der Fußballer.

Über erheblich Wichtigeres grübelt derweil Joachim Löw nach. Ob das Bumsen mit einer Blondine der richtige moralische Umgang für seine Spieler ist? „Vögeln“ vor einem Turnier? Darf ein moralisch gefestigter, deutscher Fußballspieler in seinen jungen Jahren so etwas einfach tun? Jerome Boatengs Einsatz bestimmen also nicht seine fußballerischen Qualitäten sondern maximal die moralische Beurteilung von potentieller sexuellem Wohlverhalten. Ein Verhalten, worüber der Bundestrainer Joachim Löw wohl nur über seine morgentliche Frühstück-Bildung erfuhr.
Wie sangen schon „Die Ärzte“?

Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild.
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht,
aus: Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht!

Dem Löw kann bei seinen Aufstellungen nach moralischen Gesichtspunkten keiner so leicht reinreden. Dafür ist er inzwischen deutsche Leistungsinstanz. Leistungsinstanz, die darüber befindet, was das korrekte Wohlverhalten seiner Angestellten ist.

Und das wünscht sich wohl auch ein deutscher Innenminister: Die Umwandlung des „Sozialgesetzbuches“ in ein moralisches „Strafgesetzbuch“. Man solle doch denjenigen die Sozialleistungen kürzen, die Haßprediger seien. Dass das Sozialgesetzbuch, welches die Sozialleistungen nach Ansprüchen verwaltet, und das Strafgesetzbuch, welches Verstöße gegen geltende Gesetze sanktioniert, zwei völlig verschiedene paar Schuhe sind, dieses Wissen sollte zu der Kompetenz eines Innenministers gehören. Wer gegen Gesetze verstößt, kann bereits jetzt empfindlich bestraft werden. Wer aber die Umwandlung von „Sozialgesetzen“ in „Strafgesetzen“ fordert, der fordert implizit das Wohlverhalten der Bevölkerung der Politik gegenüber. Das Wohlverhalten als einzige gesetzeskonforme Äußerung der eigenen Meinungsfreiheit. Mit dieser Logik hat Rußland übrigens deren geltendes Demonstrationsstrafrecht verschärft und den Widerspruch der nicht-russischen Regierungen erhalten.

Nebenbei, Rußland, wenn ich gerade beim Thema „Rußland“ bin:
Als gestern Rußland gegen Tschechien spielte, drückte der Reporter Bewunderung für die Anreise der tschechischen Fans aus. Über die russischen Fans erklärte er, dass viele der Angereisten ihre Tickets von Putin erhalten haben sollten. Als Belohnung dafür, dass sie ihn gewählt hätten.

Ich hoffe, weder Frau Schröder noch Frau von der Leyen haben zugeschaut. Deren Ideen sind berühmt berüchtigt gefürchtet. Und eine Idee aus der Reporter-Bemerkung könnte ja in analoger Innenminister-Logik nun werden: Warum könnte man die vielen Schlecker-Frauen nicht als Jubelperser zu den Spielen unserer Nationalmannschaft schicken? Wenn wir denen zu den Arbeitslosengeldern und die dazu fälligen Aufstockungsgelder entsprechend dem Sozialgesetzbuch zahlen sollen, dann sollen die Frauen uns wenigstens jubelnd zur Europameisterschaft peitschen. Durch Jobcenter-eigene Beobachter auf 1-Euro-Basis könnten die Frauen dann beim Anfeuern unserer Elf beobachtet werden. In einem Dosier könnte dann notiert sein, wer pädagogisch richtig jubelt: fehlerfreies Mitsingen der Nationalhymne und keine Bengalos oder Besäufnisse mit alkoholfreiem Bier. Und den korrekten Schlecker-Frauen könnte man dann eine Fortbildung zur korrekten Kindererziehung geben.
Wie hatte bereits unsere Ministerin Schröder auf den Leyen-Vorschlag gejubelt? Es gäbe sicherlich zehntausende Schlecker-Frauen, die in ihrem Leben hinter der Schlecker-Kasse und als Schlecker-Regal-Einräumerin nur davon träumten, die Kinder ihrer Kunden zu betreuen. Warum sagt Frau Schröder nicht gleich, die Schlecker-Frauen hätten schon immer von der Arbeitslosigkeit als Fortbildungsmaßnahme geträumt?

Korrekterweise hat die Regierung unter der aktiven Beihilfe von Frau Schröder aber gleich den Träumen und Wünschen der Schlecker-Frauen als KITA-Erzieherin einen Riegel vorgeschoben: Betreuungsgeld für die, welche ihre Kinder nicht in die KITA geben. Schlecker-Frauen als Erzieherinnen? Zu leicht sollte man es den Schlecker-Frauen auch nicht machen, einfach so Sozialleistungen zu beziehen. Denn korrekte Leistung sollte sich wieder lohnen. Sagt ja schon immer die FDP. Und, die Frauen sollten mit ihren Wünschen auf dem Teppich bleiben, den andere vielleicht gar mit Kinderfingern knüpfen.

So wie beispielsweise unser leicht rundliche Entwicklungsminister Niebel. Der wollte auch auf seinem eckigen afghanischen Teppich bleiben. Seinen fliegenden Teppich, mit den er die FDP über die 5%-Hürde fliegen lassen wollte. Nur das wollten andere aber nicht …
Gut. Das ist jetzt platt opportunistisch von mir. Platt wie Niebels roter Teppich, auf dem jetzt alle dem Niebel herzlos herum trampeln. Dabei hat Merkel den Niebel doch bereits öffentlich gerügt. Über ihren Sprecher Steffen Seibert. Der sagte nämlich in der Pressekonferenz, ein anderes Vorgehen Niebels beim Importieren des Teppichs von Afghanistan nach Deutschland wäre „noch korrekter und deshalb vorzuzuziehen gewesen.“
Noch korrekter.
Es gibt also eine Steigerungsform von „korrekt“: korrekter. So wie der äußerste periphere Rand eines Striches, auf den durch kundige Politikermünder die deutsche Sprache geschickt wird. Korrekter Politikermund tut korrektere Weisheit kund. Niebels Verhalten war also schon zuvor eindeutig korrekt.
Wer regt sich über so etwas korrektes auf?
Richtig. „Spiegel Online“.
Immer die gleichen.
Wenn es wenigstens die beiden Preisträger des Henry-Nannen-Preises für investigativen Journalismus, die beiden Journalisten der BILD-Zeitung gewesen wäre. Aber SPON? Immer die gleichen. Immer.

Und dass der BND-Chef Gerhard Schindler nicht wusste, dass der korrekte Teppich-Transport ein korrekte Niebel’sche Privatsache war, das kann als Treppenwitz dieser Affäre gelten. Der Chef des deutschen Geheimdienstes „Wir wissen alles dank V-Leute und Trojaner“-Gesellschaft, jener BND-Chef gab sich komplett als unwissend.
Was bitte, Herr Schindler, war nochmals ihre Aufgabe? Verbrechensbekämpfung? Insbesondere nach dem Strafgesetzbuch, dem StGB §129?

(1) Wer eine Vereinigung gründet, deren Zwecke oder deren Tätigkeit darauf gerichtet sind, Straftaten zu begehen, oder wer sich an einer solchen Vereinigung als Mitglied beteiligt, für sie um Mitglieder oder Unterstützer wirbt oder sie unterstützt, […]

NEIN! Herr Niebel hat sich „korrekt“ verhalten. Keine Straftat. Eindeutig ein Versehen. Ernsthaft korrekt. Auch wenn es noch „korrekter“ gegangen werde. Oder gar am korrektesten. Aber das verlangt ja auch niemand vom BND. Darum wusste Herr Schindler auch nichts und seine jetzige Empörung sollte auch keine andere Empörung auslösen. Auch wenn die Unwissenheit des BND-Chefs bei der Teppich-Geschichte jener BND-Unwissenheit bezüglich der NSU-Morde ähnelt.

Denn die alleinige Wahrheit ist: Herr Niebel ist Entwicklungsminister! Jawohl!

Und den Teppich hatte er aus Afghanistan nur als Benchmarking-Objekt mitgebracht. Sein Plan war, neue Arbeitsplätze in dem Entwicklungs- und europäischem Niedriglohnland Deutschland zu gründen. Eine Teppichknüpfer-Manufaktur als zukünftige Auffanggesellschaft für die Schlecker-Frauen. Von der Leyen hätte die schon zu Knüpferinnen fortgebildet und Schröder – begeistert wie Kermit, der Frosch – „Applaus, Applaus“ gejubelt. Auch wenn jetzt die Zeit des Wünschens ist, vergesst nie, Arbeitslosigkeit ist kein Wunschkonzert.

Tja, aber SPON hatte alles verdorben. Fiese Möp, die! Die sollten sich lieber mal wie die BILD-Zeitung über das sexuelle Balzverhalten von Fußballspielern berichten. Davon hängt die Fußball-Europameisterschaft ab. Wenn so etwas beim Lesen den Joachim Löw sexuell erregt und er deshalb bei der Aufstellung noch vor dem Sommeranfang keinen klaren Gedanken mehr fassen kann, dann ist das staatstragend. Dann kann fast schon das Licht beim deutschen Wunschkonzert dunkler werden:

„Und wenn sie Beleuchtung dimmen
Eine Nation im Stangerlfieber
Im Frühling ist´s besonders schlimm
Darum ist mir der Winter einfach lieber“
Die Ärzte in „M&F“

Also, konzentrieren wir uns bis zum 1. Juli auf das Wesentliche:
Das Runde muss in Eckige und der Rundliche darf dafür auf sein Eckiges.
Korrekt, korrekter, am korrektesten.
Verstanden?

Und dann nach dem finalen Fussballspiel in Kiew, dann werden Leute berichten, sie hätten gesehen, wie der Herr Niebel im ersten Stock seiner Privatwohnung den afghanischen Teppich ausschüttelte und ein Sicherheitsbeamter von unten provokant hochrief:
„Na? Spring er nicht an?“

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P.S.:
Gerade erhielt ich eine Meldung meines rechnerinternen Bundestrojaners von den Schlapphüten aus Pullach. Der klärte mich über einen entscheidenen Irrtum im obigen Text auf:
Es ist korrekter, dass, wer eine Vereinigung gründet, deren Zwecke oder deren Tätigkeit darauf gerichtet sind, Straftaten zu begehen, oder wer sich an einer solchen Vereinigung als Mitglied beteiligt, für sie um Mitglieder oder Unterstützer wirbt oder sie unterstützt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
Aber für die FDP gilt das nicht, denn der StGB § 129 „Bildung krimineller Vereinigungen“ ist nicht anzuwenden, wenn die Vereinigung eine politische Partei ist, die das Bundesverfassungsgericht nicht für verfassungswidrig erklärt hat. …
Sollte der Eindruck entstanden sein, ich halte die FDP für eine kriminelle Vereinigung …

honi soit qui mal y pense!!!