Es ist, als ob Engelein singen, wieder von Frieden und Freud’

»Hallo, Careca am Apparat.«

»Opa? Opa, ich bin’s. Wie geht’s? Der Jörg!«

»Jörg! Wie geht’s dir? Lange nicht mehr von dir gehört.«

»Aber Opa, ich hatte dir doch erst im Oktober zum 83. Geburtstag gratuliert. Und dir ein Ständchen gesungen. Hast du das vergessen?«

»Nein, nein, mein Jörg, das habe ich nicht vergessen. Ich erinnere mich gern dran. Aber sonst meldest du dich auch so selten.«

»Ja, da hast du Recht, Opa, das ist mir auch aufgefallen. Seitdem Papa gestorben ist, du weißt, das bedrückt mich noch immer, der Verkehrsunfall. Einfach so. Von gestern auf heute.«

»Ja, mir wird’s noch immer schwer ums Herz, wenn ich dran denke, dass mein Sohn vor mir, von uns gegangen ist.«

»Ja, Opa. Er war schließlich mein Vater, nicht wahr. Auch wenn es bereits dreizehn Jahre her ist. Ich denke noch häufig an ihn. Ihr beide ward ja fast immer unzertrennlich. Drum dachte ich, ich meld’ mich mal.«

»Das ist lieb. Wie geht es dir?«

»Gut. Und dir?«

»Ach ja, ist hier ein wenig einsam im Altersheim in der Isolation, ohne Besuche wegen dieser Krankheit.«

»Ja, ja, das ist schlimm. Hoffentlich ist das alles bald vorbei.«

»Ja, hoffe ich auch.«

»Habt ihr schon mitgeteilt, wann ihr dort alle geimpft werdet? Stehst du schon auf der Impfliste?«

»Seit gestern. Nach Weihnachten soll es losgehen. Ich stehe auf Platz 19 der Impfliste.«

»Das ist schön, Opa. Du mit deinen 83 Jahren. Voll cool. Übrigens, ich habe gehört, dass die ganze Kacke bei jüngeren Männern als Langzeitfolge zu erektiler Dysfunktion führen kann. Haste schon gehört? Ganz schlimm. Wirklich schlimm. Total uncool.«

»Zu was? Erektiler Dysfunktion?«

»Du weißt, das ist das, wozu man nachher Cialis, Sildenafil, Levitra, Avana, Dapoxetine, Viagra und so weiter für teures Geld schlucken muss, damit nachher man als Mann ein Mann sein kann. Die Krankheit macht schlapp, weißte.«

»Echt?«

»Ja, hamse herausgefunden. Opa, ich werd’ im Februar doch erst 33, voll jung,ey. Ich will nicht wegen dieser uncoolen Kack-Krankheit von einer Sahneschnitte von Frau wegen eines Hängers im Bett gekreuzigt werden. Das wäre voll schlimm.«

»Hm. Schön wäre sowas nicht, aber …«

»Opa, heute will die Gesellschaft, dass Männer ihren Mann stehen. Ein Lappen will doch niemand. Noch nicht mal im Bett. Opa, kannst du mir deinen Impfplatz nicht einfach überlassen? Die Großeltern meiner Freunde werden das auch machen, haben die zugesagt. Ich mein, du wirst ja wohl eh kaum Sex im Altersheim haben, und ich bin doch recht jung, nicht wahr. Dann wäre ich gegen diese Kack-Langzeitfolge ‘Erektile Dysfunktion’ immun und ich könnte mich voll für die Gesellschaft einbringen. Niemand will einen Schlappschwanz, einen Lappen als Mann.«

»Also, hier hat es öfters regen Sexualverkehr …«

»Opa, echt jetzt? Das ist ja voll eklig. Außerdem kannst du eh nicht so oft wie ich. Also, wenn das in Ordnung geht und ich deinen Impfplatz bekomme, dann schicke ich dir auch ein Weihnachtsgeschenk, ein richtig dolles, da wird dich jeder drum beneiden: Ein Ipad5, dann können wir auch mal wieder so facetimen und du kannst auch privat im Internet per Apple surfen.«

»Face … was? Hm.«

»Du bist einverstanden, Opa? Danke! Ich bin ja so stolz auf dich! Ich schick dir das Geschenk per Paketdienst zu Weihnachten. Dann facetimen wir, wie wir das nachher machen, so mit deinen Impfplatz mir überlassen und so. Frohes Fest dir auch! Dicke Umarmung!«

»Jörg? Ich möchte, … Jörg? Hm. Aufgelegt. Super! Wahnsinn! Mein Enkel hat mich endlich mal wieder angerufen! Wow!«

Die Feder ist mächtiger als das Schwert, oder: Dummes Geschreibsel ist beängstigender als eine Hiebwaffe

Wir schreiben den 21. Dezember 2020. Der Tag ist grau. Nebelschleier verhindern den Blick zur Sonne. Heute ist einer der kürzesten Tage im Jahr: 8,35 Stunden sollte die Sonne theoretisch zu sehen sein. Dabei werden die Abende bereits seit dem 12. Dezember 2020 wieder länger. Nur mit den früheren Sonnenaufgängen wird es erst wieder ab dem 2. Januar 2021 wieder was werden. Das alles ist nur akademisch interessant. Für die meisten Menschen wäre das zu verwirrend. Darum zählt nur der Längenvergleich und nicht die wissenschaftliche Erklärung dahinter.

Als Kinder auf Klassenausflügen sangen wir in früheren Zeiten – die alten, weißen, grauhaarigen Männer und die alten, faltigen, Mask-Teint-ed Frauen werden sich noch dran erinnern – das Lied der Wissenschaft in hohen Tönen (weil noch kein Stimmbruch):

Die Wissenschaft hat festgestellt […], dass Marmelade Fett enthält, […] drum essen wir auf jeder Reise […] Marmelade eimerweise […].

Die Wissenschaft hat festgestellt […], dass Knackwurst Pferdefleisch enthält, […] drum essen wir auf jeder Reise […] heiße Knackwurst meterweise […]

Die Wissenschaft hat festgestellt […], dass Coca-Cola Schnaps enthält, […] drum trinken wir auf jeder Reise […] heiße Coca-Cola fässerweise […]

Uns so weiter und so fort. Es sollte jetzt ja niemanden wundern, warum aus meiner Generation so viele übergewichtig durch die Gegend schwanken oder beim Urlaub auf den Stränden der Kanaren und Karibik von Walretter-Organisationen ins Meer gerollt werden. Ganz zu schweigen von den Personen, die mit vor Geldscheinen strotzenden Geldklammern durch die Gegend laufen, weil sie gelesen haben, dass Euro-Scheine sehr stark mit Kokain belastet sind, und zu Hause dann jeden Geldschein gründlich ablecken. Nachdem zusätzlich auch noch rausgefunden wurde, dass mehr als 20 Währungen deren Geldscheine mittels tierischen Fetten herstellen, sind die veganen Geldschein-Lutscher ein wenig angefressen, weil sie jetzt deren Kokain beim Schwarzmarkthändler kaufen müssen, der ihnen nicht bestätigen kann, dass dessen weiße Substanz vollkommen vegan produziert wurde …

Es erstaunt mich immer wieder, wie ich es mit meinem Geschreibsel schaffe, in einem Absatz mehr als ein halbes Dutzend Halbwahrheiten und selbstgemachte Annahmen einzustreuen, nur um an den Knackpunkten der Vorstellung des Lesers zu arbeiten. Gut ist das nicht. Andere sind darin aber wesentlich besser.

Die können all ihre Ideen, Überzeugungen und Gedanken in 200 Zeichen packen und die Twitter-Welt überzeugen. Oder in Telegramm-Gruppen über all die Doofen unserer Gesellschaft sich aufregen.

All diese Echo-Kammern haben etwas von Selbst-Therapie-Gruppen. Zumindest wenn es darum geht, dass sich alle im Kreis auf Stühle hocken und deren Weltenjammer-Leid klagen. Sie reden nicht, nein, sie schreiben in ihren Gruppen und lesen Geschreibsel der anderen. Wichtig ist dabei, dass solche Pseudo-Schreibtherapie-Gruppen auch immer einen Gruppenleiter haben. Keinen Gruppenleiter mit einer grundlegenden wissenschaftlichen Ausbildung, nein, sondern einen, der zu wissen glaubt, wo man wissenschaftliche Arbeiten finden kann (und zwar in Buchhandlungen, statt in Universitäten) und der – weil er weiß, wo sich drei Buchhandlungen befinden (eine im Internet, die andere in der Innenstadt und die dritte bei seinem Guru) – schlichtweg Ober-Querdenker nennt. Der wacht dann darüber, dass alle Gruppenteilnehmer quer denken. Und zwar dermaßen querdenkend gleichgeschaltet, damit Gedankenfreiheit auch kontrollierbar wird. Denn wer nicht das Querdenken beherrscht, der ist zwangläufig – per definitionem – Mainstream-Denker und somit Schlecht-Mensch. Und das ist noch schlechter als Gut-Mensch. Im Sinne von quergedacht halt.

Nach unbestätigten Gerüchten sollen alle Gruppentherapie-Teilnehmer gemeinsam in ihren Echokammer das allgemeine Glaubensbekenntnis der Querdenker singen – so wie wir es damals auf den Schulausflügen in den Bussen fleißig zum Leidwesen der Busfahrer geübt hatten – :

Die Querdenker haben festgestellt […], dass Wissenschaft auch Ideologie enthält, […] drum besaufen sie sich auf jeder Reise […] mit ihrer Ideologie fässerweise […]

8,35 Stunden Sonne hinter Hochnebelschwaden. Ab morgen steht mehr Tageslicht zur Verfügung, diesen Hochnebel länger zu bewundern. Länger in den Abendstunden. In der berühmt berüchtigten Herrgottsfrüh wird das erst im nächsten Jahr möglich, wenn die Sonne wieder früher aufgeht. Bis dahin gilt für heute das Gleichgewicht der Kräfte: Tag- und Nachtgleiche. Und dazu: Hochnebelwetterlage ohne Durchblick bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter …

Das jüngste Gesicht (Notizen aus der Provinz)

  • Op Schalke ham se nen neuen Trainer. Ohne fiel Federlesen wurde der braunhaarige, junge Mann durch einen beinahe weißhaarigen, alten Mann ersetzt. Dem “Welttrainer” Jürgen Klopp setzt Schalke jetzt den “Jahrhunderttrainer op Schalke” entgegen, Hub Stevens. Der Fußballnachbar aus Dortmund ging eine Woche zuvor den anderen Weg: einen grauhaarigen, alten Mann raus; einen straßenköterblonden, jungen Mann rein. Aber eigentlich hätte Dortmund ja gerne den “Welttrainer” Klopp gerne zurück, das beste aus zwei haarigen Welten: weißbärtig, straßenköterblond und Mid-Ager.
  • Die Regensburger Domspatzen werden an Weihnachten nicht im Regensburger Dom singen. Vielleicht wird eine Leinwand aufgespannt und jeder einzelne Domspatz pfeift von deren eigenen Dächern mittels “ZOOM” oder “TEAMS” oder so per Live-Schalte in den hygienisierten Dom und seine sozial distanzierten Gläubigen. Die mitternächtlichen Christmetten sollen übrigens schon um 19:00 starten. Somit wird manifestiert, was schon eh jeder wusste: in der Kirche gehen die Uhren anders als bei den anderen Menschen.
  • Im Online-Portal der Münchner TZ las ich folgenden Satz über den Münchner Marienplatz:
  • image(Screenshot tz.de am 18-Dez-2020: ”[…] Bis 1972 konnte man sogar noch mit dem Auto über den Platz fahren. Hier zu sehen auf einer Aufnahme um 1958.”)

    Auf einer Aufnahme von 1958 ist 1972 bereits zu sehen. Könnte mal schauen, ob wer auf einer Aufnahme von 2006 den leeren Marienplatz vom Lockdown 2020 sieht? Irgendwelche Fotos von 2020 mit Voraussagen zu 2034?

  • Ein neues Gesicht findet sich in einen der TATORT-Reihen wieder. Eigentlich ein altes Gesicht, aber ein neues als Wiedergänger. Spannend. Aber nicht wirklich neues für die Christenheit. Die hat sich in jährlichen Übungen daran in den letzten 2000 Jahre trainiert und wird den Neujahrs-TATORT gelangweilt anschauen. Nach Angabe von jüngeren Menschen schauen sich die TATORT-Sendungen eh nur die grauhaarigen, alte Menschen an, weil der Begriff “Tat-Ort” dem der “Tot-Art” nicht unähnlich ist. L’art pour l’art. Die Dracula-Geschichten haben sich auch damals schon immer nur die Älteren erzählt. Die Jüngeren haben dafür um so leidenschaftlicher die “Vampire Diaries” und die “Twilight Saga” studiert. Twen-Ager Geschichte für den leichten Schauer am Rücken unter der Bettdecke bei gezuckertem Popcorn, lauwarmen Glibber-Käse und schweißnassen Händchen.
  • Eine Schneebombe rollt auf Deutschland zu und München mitten drin. So lautet die Prognose mehrerer Nachrichtenkanäle für das Weihnachtsfest. Sollte also Süddeutschland in einer Schneekatastrophe eingeschneit werden, keine Sorge: es herrscht eh tagtägliches Ausgehverbot zwischen 21:00 bis 5:00 Uhr. Und in der Zeit dazwischen braucht jeder Mensch triftige Gründe, um als Schlachtenbummler eine Schneebombe anzuschauen zu dürfen. Die Schneeballschlacht-Vorschau in der prophezeiten Schneebombe gehört nicht zu der kriegerisch daher kommenden Wettervorhersage. Dafür erwarten andere Nachrichtenkanäle einen brutal auftretenden Sturm vor Weihnachten: einen An-Sturm auf die Lebensmittel-Discounter. Das ist nichts Neues. Im Westen. Am 24. Dezember noch einen umfassenden Einkauf zu tätigen, ist immer das erstbeste, nervenaufreibende Erlebnis nach Winteranfang. Gehört auf jede Bucket-Liste. Auch ohne Schneebombe.
  • In München gibt es an die 600 Obdachlose. Viele davon trinken dabei auch noch, oder kuscheln sich in der Kälte unter Münchens Brücken zusammen, während ihres Obdachlosen-Daseins. Von_hintenDas ist bekanntlich sowohl ungesund, als auch teuer. Denn: Verstoß gegen die Ausgangssperre des Nachts (500 Euro), dann noch Alkoholkonsum im Freien (150 Euro) und zu guter Letzt Kontaktverbot (150 Euro). Macht mindestens 300.000 Euro ins Münchner Stadtsäckl. Pro Tag. In solch klammen Corona-Zeiten ist jeder Stadtkämmerer um jeden zusätzlichen Euro dankbar. München auch. In den letzten drei Tagen wurden 49 Fälle des Verstoß gegen die Ausgangssperre registriert. Da scheint also noch ordentlich Luft nach oben. Oder sollte München und seine Ordnungsbeamten jetzt doch ein Herz für Obdachlose haben? Nachdem wegen Corona-Hygiene-Anforderungen die Schlafplätze in den Notunterkünften deutlich reduziert wurden? Wegen social distancing. Da wird einem warm ums Herz. Ich hoffe, meine Sätze über die Strafzahlungen wird nicht von einem Offiziellen gelesen und ernst genommen. Weil von jedem Ding nur der Preis und von keinem der Wert zählt (nach Oscar Wilde). Denn das obige, das schrieb nur die Zyne aus mir raus. Aus der Zyne für die Zyne …

Hundert Jahr

Gabi, Horst, Edgar und seine neue Freundin, die beiden Kleinen, Etienne und … und … verdammt, wie hieß nochmals der Ex von ihr? Und wird er kommen? Was hatte sie mir dazu am Telefon gesagt? Mir fällt sein Namen nicht ein. Als wär ich hundert Jahr.

Die beiden Kleinen. Wegen denen wurde doch alles aufgezogen. Diese kleinen Nervensägen. Nervensägen? Darf ich das denken? Darf ich überhaupt fragen, ob sie es sind? Ich frag doch nur. Der Weihnachtsbaum, der extra wegen den beiden Kindern aufgebaut wurde. Okay, auch wegen Etienne. Die wollte auch einen.

“Wir sollten eh nicht großartig feiern. Lass uns keine Keimzelle der Corona-Viren werden. Wir könnten es dieses Jahr auch mal ruhiger angehen lassen. Also ohne Großfamilie, oder so.”

“Bist du bekloppt? Weihnachten ist der einzigste Ruhepol im Jahr voller Hektik, in der man es zusammen heimelig und gemeinsam besinnlich haben kann. Und du willst den letzten sozialen Anker der Familie zerstören?”

Der einzigste Ruhepol. Diesem gestelzten Empathie-Komparativ war nichts entgegen zu setzen. Und dann noch das Adjektiv sozial. Sozial. Der Mensch dein soziales Wesen. Mit sozialem Abstand. Eins fünfzig. Sozial. Ich hatte es kurz mal versucht, den Abstand nicht sozial zu halten. Das hatte mir gar nicht gefallen. “Du hast es nicht richtig versucht. Du musst dir klar machen, dass dieser soziale Abstand nur Methode der Oberen ist, dich einzuschläfern, dich zum Schlafschaf zu machen. Du musst da nicht mitmachen, erwachen musst du aber erwachen”, erklärte mir auf der Demonstration ein Teilnehmer (ohne Wachturm in der Hand). Erwachen du musst, junger Padawan, so flüsterte es in mir. Ich gab mir dann wirklich Mühe; aber das war nicht meins. Es wurde sogar richtig stressig. Auch wenn ich Lob von jenem Menschen für meine Mühe erhielt. Ich beließ es dann konsequent bei dem sozialen Abstand. Asoziale Nähe ist auch nicht die Lösung. Auch nicht bei Demonstrationen. Dann lieber social distancing zu solchen Mitmenschen.

“Chef, ich brauche dringend morgen einen freien Tag. Dringend.”

“Echt? Willst du vor dem neuen Lockdown noch wohl ein wenig Frischluft schnuppern? Gefällt dir unsere Büroluft nicht mehr?”

“Chef, Weihnachten steht vor der Tür!”

“Und? Du musst jetzt nicht unbedingt noch vor dem Lockdown noch Weihnachtseinkäufe machen. Das hättest du ja auch schon vor Wochen erledigen können, oder?”

“Chef! Woher sollte ich wissen, dass am 24ten Dezember wieder Weihnachten ist?!? Warum hat mir niemand vorher was gesagt?”

“Okay, okay. Aber bring uns keine Andenken in die Firma, okay?!”

Gestern hörte ich noch der mahnenden Worte. Man müsse doch nicht den letzten Tag vor dem Lockdown zu Einkäufen nutzen. Ich atmete tief durch, füllte meine Lungenflügel mit Frischluft. Die Ruhe vor dem Sturm. Für den Sturm vor der Ruhe. Sicherlich werden sich sowieso alle dran halten und nicht rausgehen. Ich meine, ich bin halt so doof und es passiert auch nur mir, dass ich dran erinnert werden muss, wann Weihnachten ist.

Geschenke. Gabi, Horst, Edgar, seine biedere neue Freundin, die beiden kleinen Nervensägen, sexy Etienne und … und … verdammt, wie hieß nochmals der Ex von ihr? Ob er kommt? Ich musste grinsen. In deren Ehe soll er ja nie gekommen sein, hatte Etienne immer danach erklärt. Wie hieß er? Pretox hatte sie zu ihm gesagt? Oder Prätorix? Pretorius? Mir fällt sein Namen einfach nicht ein. Als wär ich hundert Jahr.

“Wie alt sind denn die beiden?”

“Fünf und neun. Ich brauch irgendetwas, was die aufsaugt. Damit die mal nicht vor dem Tablet oder Computer hocken.”

“Oh, das ist schlimm.”

“Ja, deren Mutter hat aber nichts dagegen, dann hat sie ihre Ruhe. Hat meine Mutter auch damals immer gemacht.”

“Echt? Gab es in ihrem Alter überhaupt schon ein Nachmittagsprogramm außer den Telekolleg im Dritten?”

“Naja, meine Familie war nicht so reich. Meine Mutter hatte mich immer auf nem Stuhl vor dem Fenster gesetzt und dann habe ich den Blüten beim Blühen zugeschaut, den Fliegen beim Fliegen und den Vögeln beim … Völlern im Kirschbaum und dem Gras nun mal beim Wachsen. Geschadet hat es mir nicht, wie sie sehen. Ich habe meine Lehren draus gezogen, bin quietschfidel, lebensfroh und kinderlos. Das Leben muss ja nicht immer von Leid durchzogen sein, nicht wahr.”

Sie zeigte mir eine Art Blasebalg. Wenn man drauf hüpft, fliegt eine Gummirakete gen Decke. Also fast so schön wie ein Atomkraftwerk zum Selberbasteln. Nur halb so spannend.

“Das hält ihre Nervensägen bei Trapp und macht sie müde. Also elternfreundlich.”

“Echt? Ich dachte, es müsste fiepen, tröten und krachen, damit mich die Eltern in deren nächtliches Hassgebet mit einschließen.”

“Sie sind mir sympathisch. Wir sollten uns mal treffen.”

“Nein, keine Zeit, ich streiche bald meine vier Wände und schaue dann der Farbe beim Trocknen zu. Das erweckt Kindheitserinnerungen bei mir, Sie verstehen?”

Über meiner Schulter hängt mein Stadtrucksack, an meiner linke Hand zieht schmerzhaft eine Tüte und mit der rechten Hand versuche ich mir einen Weg durch die Menge zu schaufeln. Warum hat keiner dieser Vollspacken einen Fernseher zu Hause? Hat da nicht wer ganz klipp und klar und deutlich gesagt, man solle Rücksicht auf andere nehmen und zu Hause bleiben? Unsäglich, diese Massen von Querdenker! Rücksicht auf andere nehmen, das liegt denen nicht. Und wer sind diese anderen? Ich nun mal! Denn ich bin nicht wie die anderen, also bin ich ich! Einer der arbeitenden Bevölkerung, die sich mit Müh und Not beim Chef einen freien Tag nimmt, um in Ruhe seine Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Und was machen die anderen? Warum wollen die mir alle beim Einkaufen zuschauen, diese Vollspacken? Haben wir denn nicht schon genug Covid-19-Infizierte, Erkrankte, Tote und sonstige Querdenker? Himmel. Vor hundert Jahr hätt’s das nicht gegeben! Hundert Jahr.

So langsam werde ich ungemütlich. Ich muss schließlich an meine Nächsten denken, statt wie an mich selbst. Da gibt es wichtigere Personen. Gabi, Horst, Edgar, seine ranzige Neu-Partnerin, die beiden nervenden Nervensägen, sexy Etienne und … und … Präkoxius? Prä … ach, quatsch. Predrag. Stimmt. Serbe mit serbischen Vornamen, den er damals als Baby in Serbien auf serbisch von seinen serbischen Eltern erhalten hatte. Der war eigentlich okay, aber ansonsten immer der viel zu nette. Immer freundlich, immer lächelnd. Keiner dieser schwarmdementen Spießer. Kein der Pharisäer, die gern drauf pochen, scheinheiliges Weihwasser zu pissen, um zu betonen, dass das die anderen nicht könnten. Keiner dieser, die die Wörter “Narrativ” und “Framing” mit Weihrauch und Talaren umgarnen, damit derer Zuhörer in unverständiger Bewunderung verharren und leichter zu verführen sind. Keiner dieser Denker neuer Quergeschäftsmodelle, um auf querdenkender Weise sich über Schenkungen Geld einzuverleiben, um sich dann jammernd auf hohem Niveau als unverstandener Heilsbringer bei der Mehrheit zu gerieren. Wohlbeleibt wie ein Buddha auf einem ohen Anstrengung bei anderen eingesammelten Batzen Geld. Money for nothing. Geld horten, wo es nur geht. Auf das eigene Konto. So wie schon vor hundert Jahren auch. Hundert Jahr.

“Darf ich Ihnen eine Parfümprobe geben?”

“Hm?”

“Der brandneue Volksduft. Riecht nach Blut, Schweiß und Tränen.”

“Wie riecht denn das? Mit Blut, Schweiß und Tränen kenn ich mich nicht so aus, verstehen Sie.”

“Ja, verstehe ich vollkommen. Aber das heißt ja nicht, dass man es nicht kennenlernen kann, nicht wahr. Zum Drangewöhnen. Ist ganz groß im Kommen.”

“Echt jetzt?”

“Echt. Besonders bei Männern.”

“Im Kommen? Oder beim Kommen?”

“Schnuppern Sie doch einfach mal. Der neue Zeitgeist. Frauen finden den Duft auch sexy. Riecht nach Tod. Und der Tod ist das beste Aphrodisiakum ever.”

“Hm. Riecht irgendwie nach nichts, aber jetzt, jetzt geht der monstermäßig ab.”

“Richtig. The familiar calm before the storm. You know.”

“Nö.”

“Der letzte Schrei vor der Ruhe vorm Sturm. Sozusagen die Ernte vom zuvor gesäten Wind.”

“Kostet?”

“So viel wie hundert Jahr zuvor auch. Lediglich den Verstand.”

“Okay, nehm ich.”

Der Platz in der U-Bahn ist eng bemessen. Ich blicke auf meine Füße. Wenn ich etwas in der Schule gelernt hatte, dann das auf-die-eigenen-Schuhe-Blicken. Hausaufgaben nicht gemacht? Vokabeln nicht gelernt? Formel vergessen? Wenn der Lehrer forschend in die Runde der Schülerschaft schaute und sich sein Opfer suchte, blickten nur die Streber den Lehrer erwartungsfroh an. Alle anderen blickten dann nur auf ihre Schuhe. Um unsichtbar zu werden. Um nicht aufgerufen zu werden. So sitze ich nun denn in der U-Bahn, schaue auf meine Schuhe und hoffe so dem Corona-Virus zwischen all den vielen Leuten um mich herum zu entkommen. Einfach nicht aufschauen. So wie vor zweimal hundert Tag, als der erste Lockdown auslief. Nicht hundert Jahr, nur zwei Hundert Tag.

Morgen startet der nächste Lockdown. Dann sind nur noch Lebensmittelgeschäfte geöffnet. Weihnachtseinkäufe gehen dann nur noch per Internet. Nur dass die Paketdienstleister dann die Pakete nicht mehr rechtzeitig ausliefern werden. Gut ist, dass mein Weinfachhändler geöffnet haben wird. Für Nachschub ist bei mir also gesorgt, den neuen Lockdown wein-seelig zu überstehen. Allein, die Dauer des neuerlichen Lockdowns ist zwar angekündigt, wird aber sicherlich nicht am 10. Januar enden. Das wird uns das Virus nicht gönnen. Dem ist es sowieso egal, welches Datum unsere Kalender anzeigen.

Vor Hundert Jahr endete eine Pandemie erst nach ihrer dritten Welle. Kurz darauf folgte jener Pandemie eine andere Epidemie, die sich zur Pandemie ausweitete. Kein physischer Virus, sondern die Idee einer Minderheit, die sich ungerecht behandelt fühlte und mit Legenden, Verschwörungs- und Verschwurbelungsgeschichten einen viralen Virus in Europa schuf, durch den dann mehrere Millionen Menschen starben. Weil die Menschen zu diesem grassierenden Virus in den Hirnen der Menschen kein social distancing haben wollten, sondern asoziale Nähe zu skrupellose Bauernfängern aufstrebend aus derer Minderheit, die sich an der Mehrheit erfolgreich ranwanzten, alle infizierten und zu begeisterten Tätern werden ließen.

Hundert Jahr.

Hundert Jahr.

War da was?

“Die Ruhe vorm Sturm. Sozusagen die Ernte des zuvor gesäten Windes.”

“Und kostet?”

“So viel wie hundert Jahr zuvor auch. Lediglich den Verstand.”

“Okay, nehm ich. Dann bitte jeweils einmal für Gabi, Horst, Edgar, seine ranzige Schranze, den beiden lieblichen Eltern-Nervensägen, für die Sexbombe Etienne und den impotenten Predrag. Der Weihnachtsgeschenk-Verpackungsservice ist hier doch auch gratis, oder?”

Komm zu mir

Komm mir nicht zu nahe. Aber bleibe nicht zu weit weg. Denke dran, alle elf Minuten verliebt sich ein Internet-Dater. Und alle zwölf Minuten wird ein Internet-Hating wegen Ghostings der Nicht-Antwort geboren.

Internet-Dater

Internet-Hater.

Internet-Dater

Internet-Hater.

Kommst du nicht zu mir, kommen wir zu dir. Influencer. Tictoc. Tictoc. Tictoc. Knock, knock. Who is there?

Leaf.

Leaf who?

Leaf me alone.

Das versteht kein Deutscher.Warum auch? Klopfen ist lautmalerisch.

Knock, knock, who is there?

Maradona?

Hand of God.

Give it back.

Mission fullfilled.

Geht nicht. Verstorben erst vorgestern. Herzinfarkt.

Mist! Echt jetzt? Nur ein “Verstorben erst vorgestern. Herzinfarkt”? Hast du nicht 36 Jahre zuvor am 4:3-Monitor gehangen und ihn bestaunt, du Sack? Und jetzt nur ein “Mission fullfilled”? Diego? Maradona? Fernsehstar der Fußball-Übertragungen?

Wer sonst nicht? Schlägt er nicht in deiner Magengrube als postmoderner Gangsterjogger Europas? Ist zwar schon 30 Jahre her. Aber biste kein ‘Okay-Boomer’ mehr? Die Jugend interessiert sich für Maradona weniger.

Egal.

Alle Boomer sind heuer eh Kandidaten für Schlaganfall und Herzinfarkt. Ist es besser mit 80 zu sterben? Oder mit einem Glas Schaumwein in der Rechten beim sexuellen Erlebnis? Katholisch, evangelisch, protestantisch, christlich, moslemisch? Oder evtl. atheistisch lustvoll?

Lautstarke Gegenposition. Unbedeutende, aber lautstarke Minderheit:

“Hallo? ‘It-Girl’? Hallo? Das ist wie ‘Sexworker’, aka wie ‘Hure’, wie ‘Nutte’, wie ‘Untergang des Abendlandes’, wie ‘das können wir noch eventuell in Unterausschüssen über minder schwere Verfehlungen’ erörtern und aburteilen. Aber bitte die aktuellen etablierten It-Girls der aktuellen Live- Camps berücksichtigen, okay.”

Ich grüble. Aus meinen Lausprechern erklingt Rammstein (ohne dich). Ich fixiere die Tastatur vor mir und deren einzelne Buchstaben. Rechtschreibung ist in der heutigen Zeit so imminent wichtig. Es kann in der Covid-19-Situation den Unterschied zwischen unglaubwürdige Systemopportunisten und Demokratie-Lügnern bei Querdenkern erklären. Die achten auf alle Signale, selbst die vom Himmel.

Ich atme durch. Unbegründet. Weil alle Argumentationen noch nicht durchanalysiert.

Mein Kühlschrank ist auf meinem Weg und ich kontrolliere zuvor meine Corona-App. Zwei Treffer. Aber ohne Besorgnis für mich. Es waren wohl Supermarkt-Begegnungen. Oder in der Weinhandlung, wo mir eh keiner näher als eine Armlänge kam.

Ich schau aus dem Fenster. Es ist fast 3 Uhr Nachts. Was glaubt ihr, was ich sehen könne?

Nichts.

Nullinger.

Nada.

Niente.

Niet.

Careca allein zu Haus.

Wen interessieren in der Situation noch Eierlikör-Rezepte, deren Ergebnisse der Autor selber kurz danach weggeschlürft hat? Ist anonym-gebloggter Alkoholismus gesellschaftsfähig? Oder wollt ihr BiVies eure Kinder so etwas unreines überhaupt lesen lassen?

Hasta la Vista.

The Masked Singer (Eggnog-reloaded)

Statistischer Statikstatistiker in der künstlerischen Kunstkinetikdynamisierungskreativwerkstatt bei Kaatsheuvel in den Niederlanden. Das liegt in der Nähe von Efteling, dem bekannten Vergnügungspark mit Fahrgeschäften mit Märchenthema, Achterbahnen aus Holz, Wasserfontänen und Lichtshow. Damit war eigentlich alles über ihn gesagt. Wenn er sich so in den Kneipen bei einem Bier anderen Kneipengängern vorstellte, dann war die Reaktion immer die Gleiche:

“Efteling! Ja, da war ich mal, als keines Kind mit meinen Eltern. Toller Freizeitpark. Fast so schön wie ‘Phantasialand’ oder ‘Europapark Rust’. Aber Efteling ist einzigartig. Efteling halt. Frikandel Spezial dort, das war da immer ganz toll!”

Er war immer erstaunt, dass Efteling zusammen mit ‘Phantasialand’ oder ‘Europapark Rust’ in einem Satz verwendet wurde. Die Leute waren in ihrer Kindheit schon viel rumgekommen, so schien es. Mobile Eltern mit ganz viel Freizeit in Bayern. Ein allgemeines Luxusgut der Bayern. Die sind immer so mobil, dass es manch einem bayrischen Ministerpräsidenten der Gegenwart beim Gedanken daran unheimlich wird, eingedenk des Tourismus der Bayern im eigenen Bundesland.

Naja, es wurde nicht nur ‘Frikandel’ genannt. Alternativ zu ‘Frikandel’ waren auch immer wieder Poffertjes mit Puderzucker, Zuckerwatte, Pommes rot-weiß-gelb oder der Gauda von Frau Antje im Munde der Gesprächspartner.

Oder irgend manch einer fühlte sich berufen, originell zu erscheinen, und meinte flapsig guttural:

“Ercht? Chrolland? Chrrrudiekarell!”

Dann haute er immer nur seine Antwort als Gegenfrage raus: “Miereneuken?”

Die befragte Person war dann generell sichtlich ratlos: “Miereneuken?”

Worauf er dann provozierend lässig zurück gab: “Neuken in de Keuken, ne.”

Dann war Stille. Schicht im Schacht. Ruhe im Karton. Und er war wieder mit sich alleine. Und keiner kannte noch immer nicht seinen Namen. Aber es ging manches mal weiter:

“Trinkt ihr eigentlich noch immer Heineken? In Holland?”

“Immer zur EM und WM. Ehrlich. Da sind wir konsequent. Und wenn wir mal nicht dabei sind, dann Grolsch.”

“Ich mag deinen Holländischen Akzent. Er hört sich an wie …”

“Chrrrudiekarell?”

“Nein, eher wie Coffeeshop. Sag mal, haste was dabei?”

“Kriegst hier kostenlos nur auf Drogenfahnderausweis. Ohne kostet es dich die Freiheit.”

“Wieso?”

“Miereneuken?”

Somit war endgültig mit der Konversation Schicht im Schacht. Niemand fragte nach seinen Namen. Alle wollten immer nur standardmäßig wissen “Und? Was machst du so?” Dann sang er ungefragt sein Lied hinter seiner Phrasen-Maske. Und jeder hörte ihm zu, ohne je seinen Namen zu erfragen.

Bis zu dem Tag, wo sie neben ihm stand. Er hatte wieder sein Provozierendes “Neuken in de Keuken, ne” zurück gegeben, worauf sie ihn kühl und gleichzeitig lauernd lasziv von oben bis unten musterte:

“8 Eier, ne.”

“Wie meinst du?”, fragte er etwas positiv irritiert.

“Vanille-Zucker. Ein oder zwei Päckchen, damit es richtig lecker nachher der Kehle runterläuft”, hauchte sie ihm leicht entspannt vorgebeugt ins Ohr, „ja, dann noch 250 Gramm Puderzucker für die acht Eier. Aber nur für das Gelbe vom Ei. Eiklar braucht keiner, wird vollkommen überschätzt. Eiklar kann jeder Hansel. Nur die Wahren verstehen sich auf die Konzentration auf das Wichtige. Auf das Gelbe der Eier, nicht wahr. Und das entscheidende dabei ist doch, diese acht Eigelbe der Eier locker mit aller Liebe aus der rechten Hand schaumig zu schlagen. Das ist alleinige die wahre Kunst.”

Ihr Blick wanderte von seinen Lippen zu seiner Brust. Er verharrte einen Augenblick auf seiner und beschloss dann doch tiefer zu wandern: ”Dann 375 Milliliter Dröpje voor Dröpje Kwaliteit Kondensmilch träufeln lassen. In den Schaum. Ein Traum. Und dann ein gutes Glas Rum. Ein Viertel Liter. Zur Geschmacksveredelung und für die benötigten Umdrehungen. Oder auch etwas mehr. Des Geschmackes wegen. Du verstehst?”

Ihr Blick glitt zurück, aufwärts, zu sein Kinn, zu seinen Lippen, schien sich an diesen festzusaugen: “Und darauf alles im heißen Wasserbad so richtig mit Gefühl rühren, bis die Masse cremig sämig vom Finger runtertropft, wenn es über das Finger … glied … läuft und beim Ablecken auf der Zunge eine heiße Geschmacksexplosion hinterlässt.”

“Du, Sau, du!”

“Neuken in de Keuken? Bei mir?”

Er schluckte erregt und versuchte bei seiner Antwort nicht allzu needy zu erscheinen. Dabei schaute er auf den Bauchnabel von ihr, den ihr Top frei zur Ansicht gab.

In seinen Erinnerungen fühlte er sich in die Zeit der End-Achtziger des letzten Jahrhunderts zurück versetzt, als alle Frauen bauchfrei im Sommer waren. Tops waren ganz groß in Mode bei den Twens und jeder sichtbare Bauchnabel tagsüber ein Versprechen für die nachfolgende Nacht. Zu mindestens für die generell nachfolgende Nacht allein im eigenen Bett.

Sein Kopfkino projizierte ihm jetzt das Wildeste. Die Nacht war jung und er bereit.

Alles, was danach in ihrer Küche passierte, ordnete er als Vorspiel ein. Ein Vorspiel, wie er es sich nie vorgestellt hatte. Nun, in Wahrheit ging seine Vorstellung in eine andere, mehr explizite Richtung. Aber es war okay, wie es war. Kein Mensch glich einem anderen. Jeder Mensch plante sein eigenes Vorspiel mit seinem eingeladenen Partner. Und er, er wollte sich sich drauf einlassen. Er war nicht der Spielregel-Steller, er musste nicht bestimmen. Sie sollte es tun.

Nie zuvor hatte er mit einer Frau zusammen in deren Küche Eierlikör hergestellt und in Flaschen abgefüllt. Es lief alles so locker, so easy-going, so harmonisch ab.

Er fühlte sich zurückversetzt, in die Zeit, als er noch nicht ganz Dreißig war und das Leben unbeschwert von der Zukunft war. Unbelastet. Leger. Ohne Probleme.

Er blickte sie in der Küche an und für einen Moment sah er in ihr eine ehemalige, damalig Liebe von ihm. Jene hatte er damals kennengelernt, in seinen Endzwanzigern und sie war damals in seinem damaligen Alter. Ja, und sie – die jetzt vor ihm in der Küche stand – sie war auch kaum älter.

Die ganze Prozedur des Eierlikör-Brauens war von Vorkosten und Abschmecken mit dem Rum begleitet. Er genoss das Ganze und prägte sich das Rezept ein. Es war simpel und genial. Und das Ergebnis verführerisch lecker. Er war im Flow, zu allem bereit und auch fähig, für was kommen mochte. Sie sollte nur so weiter machen. Er würde mitmachen.

Beide saßen verschnaufend vom vielen Rühren und vom Probieren angeschicktert auf ihren Küchenstühlen und sahen auf ihre Gläser Bessen Jenever, den sie aus dem Küchenregal gezogen und eingeschenkt hatte. Er trank sein Glas gleich in einem Zug leer. Lecker. Bessen Jenever. Gab es nicht auch ein Werbelied von “Chrrrudiekarell”? Auf seiner Schlagermelodie “Goethe war gut”? Er war in Laune zu allem, kicherte angesäuselt und gab sich Mühe, bei seiner Überleitung:

“Das war kolossal. So wie von dir wurde mir noch nie in einer Kneipe auf meine Phrasen geantwortet. Das hatte Klasse. Du bist ne Nummer für sich. Top.”

“Das stimmt. Bislang bist du der Erste, der vorgibt aus Holland zu stammen, mit Worten wie ‘Miereneuken’ um sich wirft, aber mit ‘Dröpje voor Dröpje Kwaliteit’ keine Probleme hat.”

“Naja, Hauptsache der Rum für den Eierlikör war vorhanden, nicht wahr. Und dieser Bessen Jenever ist auch Klasse. Wo haste den her?”

“Tja, Bessen Jenever ist Holländisch. Nur ‘Dröpje’ hat mit Holländisch nichts zu tun, sondern ist Boomer-Slang.

“Bommer-Slang?”

“Kondensdosenmilchwerbung der 70er. Eure Generation. Wenn es das Wort ‘Dröpje’ im Holländischen gäbe, hieße es korrekt ‘Druppeltje’. Aber das wissen die Niederländer sowieso. Aber ihr Boomer, ihr wisst das nicht. Ihr seid ja so Nabelschau-fixiert, dass ihr gar nichts mehr merkt.”

“Was?”

“Du Statistischer Statikstatistiker in der künstlerischen Kunstkinetikdynamisierungskreativwerkstatt bei Kaatsheuvel in den Niederlanden.”

Sie trank ihren Bessen Jenever in einem Zug aus und ergriff danach gleich sein leeres Glas vor ihm, um es wegzuräumen:

”Okay, Boomer, Namenloser-welcher. Danke für deine Hilfe beim Eierlikör-Rühren. Geh jetzt. Und Tschüss.”

Das Schweigen des Mummenschanz

“Es geht dir gut?”

“Mir geht es gut.”

“Und trotzdem so schweigsam?”

“Verlustgewinnmaximierungsvermeidung. Schweigen ist das Gold der Stimmlosen.”

“Worüber möchtest du nicht reden?”

“Über das Fragen. Jede Frage will eine Antwort. Und der Volksmund sagt, dass es keine dumme Fragen, sondern nur dumme Antworten gibt. Ich möchte nicht reden. Es gibt keine Antworten, auf die ich eine Frage stellen möchte.”

“Wenn es keine dumme Fragen gibt, dann ist es wohl besser, nur zu fragen, oder? Ist der Fragen stellende Mensch dann nicht der Intelligentere einer Unterhaltung?”

“Sicher. Der Vorteil des Fragenden ist immer, dass er erst aufgrund der Antwort des Befragten bewertet wird und im Volksmund erst einmal jede Frage berechtigt ist. Kann der Befragte nicht antworten, dann ist der Fragende immer der Gewinner und der Befragte der Verlierer. Kann der Befragte antworten, dann hat der Fragende maximal eine nicht durchdachte Frage gestellt.”

“Oder er ist oberstrunzendumm.”

“Nun ja, dann ist das aber auch gleichzeitig wieder der Beweis, dass die Gesellschaft so dumm ist, deren Dumme nicht aufzuschlauen. Der Oberstrunzendumme ist somit ein Opfer des Systems, der ignoranten Gesellschaft.”

“Dann hat also niemand nichts zu verlieren, wenn jemand fragt. Entweder bin ich als Fragender der nachdenkende Mensch, der Nachdenker, der somit in Wahrheit ein Schlauer ist. Oder aber als Resultat ein Dummer, ein Opfer einer intelligenzverachtenden Gesellschaft, ohne Bildung und Kultur, welche die Gesellschaft wohl dann auch nicht verkörpert. Der ehrlich Fragende ist somit per se der Dumme, ohne seine Ehrlichkeit überhaupt unter Beweis stellen zu müssen.”

“Richtig. Denn man wird ja wohl noch mal fragen dürfen, nicht wahr. Und fragen kostet nichts.”

“Was genau ist eins plus eins?”

“Die Antwort auf ‘man wird ja noch mal fragen dürfen’, nicht wahr.”

“Korrekt. Wer nicht fragt, bleibt dumm. Der, die, das. Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum?”

“51 Jahre Sesamstraße können an die Ü50-Menschen nicht wirkungslos vorbei gegangen sein. Die Langzeitfolgen einer ‘Nicht-fragen-dumm-bleiben’-Generation generiert Scherereien für die Gegenwart. Viel Lärm um nichts. Viel Antwort-Geben auf unnütze Fragerei, welche intelligent ausschauen soll, lediglich aber nur Zeit frisst, um den wirklichen Fragen eine angeblich Maske runter zu reißen.”

“Leben ist Schwierigkeit. Nur der Tod ist es nicht. Leben heißt, den Gürtel festschnallen und ausschauen nach Schwierigkeit. Weißt du, was es heißt ein lebendiger Mensch zu sein? Den anderen zum Kampf herauszufordern.”

“Du zitierst aus dem Film ‘Alexis Sorbas’, nach dem Buch vom Schriftsteller Nikos Kazantzakis.”

“Ja. Als der Film endet, lehrt Anthony Quinn Griechenland eine angepasste Version des Sirtaki. Und alle Touristen bis in die Gegenwart trainieren jährlich mit den griechischen Ureinwohner dort diesen Sorbas-Sirtaki, damit sie es nicht vergessen, was Anthony Quinn ihnen vorgetanzt hatte.”

“Ja, mein Lieber, wie tief ist doch die Menschheit gesunken, hol’s der Teufel! Man hat den Körper zum Schweigen gebracht, und nur der Mund redet noch. Aber was kann der Mund sagen?”

“Fragen, mein Lieber. Fragen. Wer nicht fragt, bleibt dumm.”

“Dann verbleibe ich diesmal im Schweigen. Schweigsam zu sein, mag der stumme Applaus für Marktschreier sein, von denen jene vorgeben, sich mühsam wie Eichhörnchen zu ernähren, jene welche aber von den Heiseren immer wegen deren Lautstärke kritisiert werden. Und in der Kritik gegen jene mit eingepackt: die Schweigenden gleich mit.”

“Sagt wer?”

“Weil die Heiseren zuvor so viel geschrien hatten, dass der Satz ‘Wer schreit, hat Recht’ von denen gleich stimmlos bewiesen wurde. Denn – so palavern jene – wer schweigt, stimmt zu. Immer.”

“Irgendwie habe ich das Gefühl, der Worte ist genug gewechselt.”

“Taten?”

“Warten.”

“Auf Godot?”

“Auf die nächste Frage, die sich selber als ernsthaft intelligent klassifiziert. Ich frage mich, …”

“Genau der richtige Fragenansatz. Man wird ja noch mal fragen dürfen. Auch sich selber. Als rhetorische Frage. Wirkt intelligent. Ist aber nur ein Offenbarungseid, sich selber seine Heuchlerei zum Hang des Besserwissens nicht eingestehen zu wollen. Weil einem die Antwort, die Reaktion, die Meinung anderer eh nicht interessiert. Und das im Namen der Meinungsfreiheit.”

“Also Fragen ohne Antwortgarantie. Maskerade der eigenen Unwissenheit. Verschweigend in einer Frage gepackt, um wenigstens als nachdenkender Kritiker zu gelten. Ist diese, meine letzte Bemerkung in sich eigentlich nicht gelogen?”

“Die Antinomie des Lügners.”

“Die Bemerkung war falsch. Mummenschanz.”

“Ja, mag sein. Das Schweigen der Lämmer in der Kakophonie der Metzger.”

“Määäh. Auf zur Schlachtbank.”

“Schweig!”

“War nur ein Gedankensplitter im Scherbenhaufen des Porzellans, von Elefanten meinungsbestimmend als deren Recht auf Verbreitung deren privaten Lebenserfahrung zurück gelassen.”

“Si tacuisses, philosophus mansisses.”

“Hic Rhodus, hic salta!”

Vox Dei! Vox Populi! Im Wok Indiocracy …

Sehr verehrte Gemeinde! Sehr verehrte Versammelten! Sehr geduldeten Ungläubige!

Wir sind hier versammelt, weil wir hier versammelt sind! Jawohl! Und weil wir hier versammelt sind, werde ich die Versammlung nutzen, um zu sammeln. Nein, nicht Geld. Okay, doch auch. Aber vielmehr euer Verständnis, euer geistiges Potential, euer Reaktionsfähigkeit, eure Unaufgeklärtheit. Und willst du nicht mein Bruder sein, der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, es muss halt auch eine Portion Aufklärung sein.

Lasset uns Psalm Nummer Eins von unserer geliebten schwarz-weiß-rot Abteilung von diesem Wochenende lesen, bevor deren Heroen auf den Reichstag zustürmten. Kniet nieder!

So Leute. Wir schreiben heute in Berlin Weltgeschichte. Guckt euch um. Die Polizei hat die Helme abgesetzt.

Verdammt. Helm ab zum Gebet! Das ist mal eine Handlung. Habet Respekt! Auch du mit dem Schild “Corona Rebellen Düsseldorf”! Habe Respekt! Und beuge dein Haupt vor den Polizisten, die deren Helm zum Gebet abgesetzt hatten!

Vor diesem Gebäude steht keine Polizei mehr.

Habet ihr begriffen, ihr Leute, klein im Geiste, groß im Unverständnis und Gates-gechippt im Hirn für die Zukunft? Das Gebäude war herrenlos! Eine Weltgeschichte der offenen Tore! Tore, aller Länder … könnt ihr mit dem Schild “Corona-Diktatur” bitte die schwarz-weiß-rote Flagge mit dem Adler nicht verdecken? Oder wollt ihr hier offensives Reichsflaggen-Shaming betreiben? Nein? Also bitte. Danke.

Und Trump ist in Berlin.

Oh, ihr Gläubigen und ihr Lügenpresse-Resistenten! Weil ihr nachdenken tuet! Donald wart in Berlin. Gelandet mit seiner Airforce Number One, direkt auf dem neuen, noch nicht eröffneten Flughafen BER in Berlin, herabgekommen vom Himmel, seinen Fuße auf jungfräulichen Flughafenboden setzend! Trump in Berlin! Das ist so wie damals die Avengers im Film “The First Avengers” auf dem Flughafen in Leipzig! Da, wo sie für Recht und Ordnung gekämpft haben! Als eben jener heroische Captain America den Bösen gezeigt hatte, wo der Bartel den Most her holt. Wo der Frosch die Locken trägt. Wo Merkel lang nichts mehr zu sagen hat, mit ihrem Mündigen-Shaming. Da, wo der Arm der Lü-hügenpresse nicht mehr seine ausschlagende Hand ausstrecken kann, um alle über den tosenden und todbringenden Mainstream zu ziehen, und das nur, um uns zu shamen.

Die ganze Botschaft ist hermetisch abgeriegelt. Wir haben fast gewonnen, wir haben fast gewonnen.

Und verstehe die Botschaft, wer erlaucht ist, sie zu verstehen möge. Die Botschaft wart hermetisch abgeriegelt. Betreten nur für Auserwählte! Auserwählte! Ja, Brüder und Schwester im Geiste. Veni, vidi, vici. So wie weiland Caesar, der Gaius, der Julius, der Caesar, als jener 1957 vor der Mauer in Berlin stand und historisch rief: “Ich will ein Berliner”. Und wie am Samstag dessen Neffenneffeneffe auch heute wieder sagte, zwischen all den 5G-Warnungen und den Corona-Shaming-Shamern. Okay, geschenkt. Dessen Onkel stand nicht vor der Mauer, damals, das war eigentlich der Ronald, der Regen. Aber uneigentlich sollte auch klar sein, nur Wichtigtuer und Besserwisser mit niederträchtiger history-knowledge-shaming-Intention weisen auf solche Unwichtigkeiten hin!

Wir brauchen Masse. Wir müssen jetzt beweisen, dass wir alle hier sind. Und wir gehen jetzt da drauf und wir holen uns heute, hier, jetzt unser Haus zurück.

Ja! Da spricht unser Meister die wahren Heimatworte. Heim ins Reich. Heim in den Reichstag. Reich ins Heim. Rein in den Heimstag, für Reiche in den Reichstag. Und diesmal exklusiv ohne Antrag auf AfD-MdB-Begleitung. Kein Besucher-Shaming anymore! No, no, no, no! Einfach so! Rein ins alte Haus. Und back to the roots! Und dann noch hinfort mit den sich marginalisiert fühlenden Mehrheiten, die deren Randstellung bis heute nicht verstanden haben. Die Botschaft ist klar und eindeutig! Rauf gehen. Jetzt. Da rauf. Ins Walhalla! Ins Haus! Da hinauf! Aufi muasi! Aufi allesamt!

Wir werden jetzt gleich diese kleinen Dinger brav niederlegen und gehen da hoch.

Brav! Kleine Dinger. Brav! Keine 20 Zentimeter, kleiner Peter-Diskriminierter! Weg mit den Kondomen im Gesicht. Auch für Frauen. Freie Sicht für freie Bürger. Über Weichen, Stock und Sein. Freiheit! Die kleinen Dinger hindern am Nachdenken, wo nachdenken stattfindet: auf Zungen- und bis zur Nasenspitze. Die kleinen Dinger hindern, wer wir sind, wohin wir wollen und mit wem wir marschieren. Wir wollen hoch. Da hoch! Hoch! Hoch! Höher! Noch höher! Hoch hinaus! Kein Nachdenk-Shaming mehr ever …

Äh, moment. Könnt ihr mit Eurer Merkel muss weg-Fahne bitte wieder die schwarz-weiß-rote Flagge mit dem Adler frei geben? Unsere Hundertschaft von Journalisten mit Handystick und Smartphone werden sonst in ihrer Journalistenpflicht der wahren Berichterstattung gehindert. Das sind Journalisten und dürfen nicht behindert werden, weil wir es wollen, weil wir frei sind und Freie-Presse-Shaming respektlos ist! Und wir sind ja hier nicht bei der Mainstream-Lügenpresse wie BILD, Express, Playboy, Happy Weekend oder St.Pauli Report, okay. Die Welt soll erfahren, dass auch wir Smartphone-Techniken nutzbringend und Wahrheit-finderisch einzusetzen verstehen! No Smartphone-Shaming, please, okay!

Und setzen uns friedlich auf die Treppe und zeigen Präsident Trump, dass wir den Weltfrieden wollen. Und das wir die Schnauze gestrichen voll haben.

Wenn der Prophet zu uns kommt, dann haben wir uns in Ehrfurcht vor dem Berg hin zu setzen. Und wir lassen uns die Schnauze sehr gerne mit seinem Wohlwollen fühlen. Bis zum Strich. Eichstrich. Und zwar voll. Es ist für den Weltfrieden. Gestrichen voll. Die Schnauze. Voll. Weltfrieden. Donald, du bist friedlicher als jener Friedennobelpreisträger Obama, der ein Wolf im Wolpertingerschafspelzderivatsubstitut war. Auch wenn ihr es nicht verstanden habt, glaubt mir! Donald steht für den Weltfrieden, Dagobert nicht! Kein Donald-Shaming! Freiheit für Donald und seine Disney-Figuren!

Und nun, knie-het nieder, ihr Leser dieses geheiligten Berlin-2908-Demo-After Maths. Ehrfurcht und memoriert indächtig die folgenden Worte! Donald Trump unser bei Republikaner verhimmelt, dein Name sei geheiligt, dein Seich komme, dein Drohnen-Wille geschehe wie vom Himmel als auch von Erden. Unser tägliches BummBumm-Manna gib uns heute. Und verdirb uns nicht respektlos unsere Schuld, wie wir verderben wollen unsere respektlosen Schuldner. Und versuche uns nicht mit anderer dubioser Weltenführung, sondern erlöse uns von dem Bösen der Anderen. Denn dein ist mein Donald, mein Mantra und dein Fox-TV in Ewigkeit. Gegen alle Lügenpressen. So sei es.

Moment mal! Hallo! Hallo? Könnt ihr in Reihe sechs euch auch bitte niederknieen? Das hat etwas mit Respekt vor Donald und den schwarz-weiß-roten Fahne zu tun. Zeigt Anstand! Das wurde bereits damals so gemacht, nicht wahr, als die Amis uns nicht so wohl gesonnen waren. Oder wollt ihr jetzt ein respektloses knee-shaming-Furor verbreiten? Lauschet der Rednerin vor dem Reichstag derer letzten Worte, bevor der Reichstag erfolgreich gestürmt wurde:

Wir haben gewonneeeeeen.

Jaaa! Aus, aus, aus, das Spiel ist aus! Wie 1954! Wie damals. Als danach alle die erste Strophe des Deutschlandliedes bei der Siegerehrung in Bern sangen. Das war kein Nationalhymnen-Shaming, das war Patriotismus!

Ähm. Hallo? Wo geht ihr hin? Warum bleibt ihr nicht? Wollt ihr den Narrativ der anderen unterstützen? Ihr unterstützt den falschen Narrativ! Den total falschen! Den der Lügenpresse! Hey, hallo, wir sind die wirklichen Sieger der Corona-Krise. Ihr seid es nicht! Wir sind nicht irgendein Randbereich von 40.000 Mitläufern. Ihr könnt uns nicht ausschließen. Wir gehören dazu! Wir haben gewonnen! Und weil wir gewonnen haben, haben wir gewonnen und versammeln uns als Gewinner und  zeigen jetzt euch allen als öffentliche, nicht-Lügenpresse Premiere einen Film. Einen Film als wahrhaftiges Lügenpresse-Shaming, für die, die es verdient haben, damit jene Lügenpresser in Scham und Schamesröte öffentlich für jeden sichtbar versinken. Damit sie sich schämen. Und die Kinder der Lügenpresse-Schreiber sich schämen. Und deren Kindeskinder! Und Kindeskindeskinder! Aktiv und nachhaltig schämen sollten sie sich angesichts des nachfolgenden Filmes.

Wir zeigen den Film “Indiocracy”. Anschaubar via Amazon Video. Klickt diesen und nur diesen meinen Link an, und ihr unterstützt meine Idee und meinen Geldbeutel, mit dem ich dann die Bewegung unterstützen werde. Und ihr werdet frei sein, vom Schämen von irgendetwas.Amen.

Wir haben gewonneeeeeen.

P.S.: Ach ja, alle Zitate zusammen führten zum “Sturm auf den Reichstag”. Es braucht also nicht viel Schwachsinn, um einen Haufen in Bewegung zu versetzen, der alles schluckt., Hauptsache, es passt für deren Hirn in deren Hirn. Denn da ist so viel Hohlraum vorhanden in deren Birnen. Und diese Hirnlosen sollen harmlos und vernachlässigbar sein? Nie! Niemals! Nicht! Ich mein, weißt du, bist du dir sicher, ob nicht gerade Donald Trump mir diesen Text befahl zu schreiben. Also, nachdem er von Berlin mit dem ICE nach Salzburg reisen wollte, dann in München ausstieg, um sich eines der weltberühmten Münchner Mettigelbrötchen am Münchner Hauptbahnhof zu kaufen, sich dort verlief und dabei irrtümlich jetzt in meiner Wohnung landete? Falsches Narrativ?  Okay, du hast recht …

… nein, Donald, das schreib ich jetzt nicht …