Leben an der Leitplanke

„Ich hab deinen Tweet auf X letztens gelesen. Mein Beileid.“

„Beileid?“

„Du hattest zu dem Foto eures Hundes ‚Lebwohl‘ geschrieben. Woran ist er gestorben?“

„Gestorben? Der ist nicht gestorben.“

„Nicht? Aber du hattest leb… „

„Quatsch. Wenn jemand stirbt, sagt man doch nicht Lebwohl. Wir hatten ihn an der Raststätte ‚4 Lilien‘ an der A13,5 an der Leitplanke festgebunden.“

„Was? Ausgesetzt?“

„Iwo. Ausgesetzt hieße, wir hätten ihn allein gelassen.  Haben wir aber nicht, weil uns liegt auch das Tierwohl sehr am Herzen.“

„Tierwohl?“

„Unser Opa saß letztens immer so alleine in der Seniorenresidenz. Seine uralten Bekannten waren ihm alle weg gestorben. Und bevor der in seiner Residenz unser Erspartes wegatmet, hatten wir gedacht, unser Harras sollte nicht allein bei den ‚4 Lilien‘ auf seinen neuen Besitzer warten, sondern sollte auch einen Begleiter haben, damit Harras nicht so alleine dort wartet.“

„Ihr habt euren Opa ausgesetzt? Seid ihr nicht ganz knusper?“

„Wieso? Harras passt doch auf ihn auf.“

„Auf ihn auf?“

„Na, wenn er die gemeinsame Leine aufknüpfen sollte. Man weiß ja nie, was so ein seniler, alter grauhaariger Herr anstellen kann. Nachher rennt der über die Autobahn und verursacht nen Unfall. So etwas zahlt doch keine Versicherung. Dafür haben wir kein Geld und unser Erspartes brauchen wir für was anderes, sinnvolleres, nicht wahr.“

„Also habt ihr euer First-Class-Sabatical noch immer in Planung?“

„Freilich. Dafür müssen wir sparen. Der Hund hat uns die Haare vom Kopf weg gefressen  Den konnten wir uns bei alter Liebe nicht mehr leisten. Und warum das Gute nicht mit dem Nützlichen verbinden? Schließlich mag Opa Hunde.“

„Und der Hund mag Opa?“

„Aber klar. Opa war immer ein Alpha-Tier, da wird sich Harras fügen. Schließlich ziehen die jetzt gemeinsam an derselben Leine.“

Kneipengespräch: Wat man nicht selber weiß, dat muss man …

»So! Jetzt lang’s mir echt! Diese linksgrünversifften bayrischen Politiker!«

»Was issn wieder los?«

»Jetzt wollen die mir verbieten, dass ich mich vegan oder gar vegetarisch ernähre. Die Wurst habe quasi Verfassungsrang in Bayern, erklärte letztens der Söder.«

»Und?«

»Muss ich, um den bayrischen Staatshinzugehörigkeitsausweis zu erhalten, etwa Weißwurst zutzeln?«

»Hey, der Söder, der redet immer viel, wenn ihm auf Messen der Tag lang wird.«

»Und was kommt als Nächstes? Dass ich auf mein freitägliches Veggie-Sushi nicht mehr mit Kartoffelstampf essen darf? Was will der Söder uns noch alles verbieten? Etwa, dass keine Gummibärchen in Nutella getaucht werden dürfen, weil es nicht ‚der Nutella‘ heißt, sondern ‚die Nutella‘ und somit in Verdacht von ‚Gender-Mainstream‘ steht!?«

»Nur mal am Rande angemerkt: Söder ist nicht linksgrünversifft. Der ist ein CSU’ler.«

»Ja klar! CSU. Christlich sozial. Soziale Christen. Pah, diese Gutmenschen! Wie die mich immer aufregen, diese Linksgrünversifften mit deren Schafspelz-Überwurf für Arme! Machen einen auf rechts, aber in der Kirche ‚la paloma’ pfeifen wollen.«

»Das heißt ‚keine Haare am Sack‘, und nicht ‚auf rechts machen‘.«

»Besserwisser. Aber bei ‚Rotkäppchen‘-Aufführungen, da will die CSU immer den Wolf spielen. Um deren Gutmenschentum zu verbergen. Ich hab die Faxen so dicke! Anzeige und Verfassungsbeschwerde gegen Söder sind raus! Und gegen all jene Gutmenschen, die unsere Tofuwürstchen im Supermarkt verbieten wollen.«

»Gewissensfrage: Sind Tofuwürstchen mit Weißwurstsenf erlaubt? Und falls ja, muss man nicht damit rechnen, dass Söder darauf besteht, seinen eigenen Senf dazu geben zu wollen?«

»Witzig. Nicht. Solltest im Zirkus als Clown auftreten! Dir ist schon klar, dass Söder und seine CSU mit ‚Liberalitas Bavariae’ soviel am Hut haben, wie Elon Musk mit Pan Tau.«

»‚PanTau’?«

»Der aus dem Fernsehen. Der Herr mit der Melone, der nie ein Wort sagt und über die Probleme der Welt nur lächelt, bevor er sich über die Melonenkrampe streicht, um sie zu lösen.«

»Um die Krampe zu lösen?«

»Die Probleme! Pan Tau ist so einer von den Problem-Ausweichlern. Einer, der die Meinung hat, man müsse einer Kiste, die von einem vorausfahrenden LKW fällt, schlicht ausweichen.«

»Ja, warum denn nicht?«

»Verstehst du es nicht? Als mündiger Bürger lässt man sich nicht von Linksgrünversifften bevormunden und einen eingeengten Disskussionskorridor reindrängeln. Bevormundung geht gar nicht! Und daher biegt man nicht aus Bequemlichkeit einfach ab!«

»Sondern?«

»Einfach so bleiben, wie man war: Geradeaus.«

»Jraaduss.«

»Eben.«

»Nur, trotzdem dann einfach beharrlich auf die Kiste zuzuhalten? Ist das nicht totaler Mainstream?«

»Wie?«

»Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom, bleiben in der Spur. Warum nicht einfach links in die Gegenfahrbahn ausweichen?«

»Links geht gar nicht. Dann lieber eine Alternative für diese wählen. Rechts. Man kann auch den Dritten Weg wählen. Rechts.«

»Stimmt. Da war doch was mit nem Fliegenschiss …«

»Unter Adolf war ja nicht alles schlecht. Zum Beispiel die Autobahnen, da gibt es immer ne Spur in Fahrtrichtung zum Ausweichen. Und man blieb, wie man war: Geradeaus. Da wurde auch nicht gegendert. Oder ein Land mit Demos gegen Rechts gespalten, nur um berechtigte Anliegen der Bauern zu übertünchen. Da herrschte noch der rechte Weg. Und als unbescholtene Frau konnte man damals in der Nacht noch unbehelligt und ungegendert nach Hause gehen.«

»Stimmt, das klappte, wenn man nicht zu den Juden, Andersdenkenden und anderen Einheimischen gehörte, die zu Millionen in die KZs remigriert wurde. War dann auch keiner mehr des Nachts auf den Straßen anzutreffen … nicht mal mehr, Adolf, den Veganer, der im Bunker seine Führer-Dasein auslebte. Als Alternaiver für Deutschland.«

»Mann, mann, mann, du bist echt falsch abgebogen. Total falsch abgebogen. Unnützer Idiot!«

»Immer noch besser unnützer Idiot als nützlicher Idiot, nicht wahr. Nützliche Idioten werden ja noch gebraucht, um den angeblichen ‘Helden’ nachher die Füße zu lecken, so wie du es bereits tust. Prost und Tschüss.«

»Arschloch!«

Kollege Blechkamerad, Beherrscher des Planeten

»Biege rechts ab! Fahre 100 Meter!«

Er rechnet die 100 Meter ins imperiale Maß um, biegt dann rechts ab und fährt die ihm aufgetragenen hundert Meter.

»Foto nach vorne!«

Ein Klick ertönt. Foto gemacht.

»Mach Foto vom Helikopter!«

Das Gefährt tat wie ihm geheißen. Die Kameralinse ist auf den Heli ausgerichtet. Es ist Zeit, den Heli zu beschäftigen.

»Los, Heli, hebe ab!«

Der Helikopter hebt ab.

»Flieg zu den vorgegebenen Koordinaten und mache Foto!«

Der Helikopter arbeitet seine Befehl ab. Braver Heli-Roboter.

Neulich ist der Heli abgestürzt. Kollateralschaden. Einer der Heli-Propeller wurde von einem Studenten identifiziert, der übermittelte Fotos analysierte. Unweit des Flugkörpers lag der Propeller im Sand. Der Name des Helis ist »Ingenuity«. »Einfallsreichtum« auf deutsch. Dumm gelaufen. Ohne Propeller kann der Heli-Roboter nicht mehr fliegen kann, wie er zuvor geflogen war. Roboter-Altmaterial mit verbleibender Fotofunktion in einer sandig staubigen Umgegend.

Indessen, sein Gefährte fährt weiter, erkundet seine Umgegend. Wie man es von dem Roboter erwartet.

So einfach lässt sich ein Planet beherrschen. Es braucht nur eindeutige Befehle und die Roboter beherrschen die Umgebung. Ein Planet beherrscht von Robotern. Und kein Mensch weit und breit.

Planet der Roboter.

Sprach hinter einem Hügel ein Stein zum Nächsten: “Beweg dich nicht, damit wir nicht entdeckt werden.”

Nebenbei, mein Name findet sich auf dem Robotergefährt wieder. Damit man von mir weiß, wenn ich schon längst nicht mehr wissen werde. Etwas wird mich überdauern und an mich auf dem Planeten erinnern.Sollten Erdlinge die Daten des Roboters zuvor nicht vernichten.

Aliens werden meinen Namen lesen und mich als Eroberer einordnen. Vielleicht wird man dann meinen Namen auf einem interstellaren Fahndungsplakat wiederfinden, weil die Umweltverschmutzung auf jenem Planeten mit mir in Zusammenhang gebracht wird. Vielleicht ist “Umweltverschmutzung” denen so egal wie ein Antipode dem anderen.

Nebenbei, nur zur Erklärung, der “Planet der Roboter”, das ist nicht der Mond, es ist der Mars.

Where no man has gone before.

Boldly going, by robots.

Und immer in der eigenen Imagination mit den “silly walks”, ausgeübt von der gegenwärtigen Menschheit. Ohne dass jene dabei auch vor Ort ist …

Freund Hein ist ein unangenehmer Kollege, der immer nur unverhofft kommt …

Wolfgang Neuss (1923-1989; Berliner Kabarettist; u.a.a über seinen damaligen Kollegen Wolfgang Müller):

„Du hast gar keine Chance, nicht zu leben. Du lebst heute schon woanders. Du lebst auf deinen Sohn, auf deiner Tochter. Du lebst auf allen Leuten, bei denen dein Herz etwas schneller geht. Und Müller, der da abgestürzt war mit dem Flugzeug, der Wolfgang Müller hat vorher schon auf jemanden gelebt, bevor er tot war. Das ist die Botschaft, die ich habe: Wir haben gar keine Chance, nicht zu leben. Wir leben immer. Die Botschaft ist zwar nicht tröstend, weil man ja auch ableben muss. Aber man lebt nur ab, um zu leben. Es gibt keinen Tod in dem Sinne. Es gibt keine Chance, nicht zu leben. Keine. Man lebt immer. Immer, immer, immer.“

Treffen der Generationen (4)

Das Problem eines Blogeintrags ist immer ein Thema auf den Punkt zu bringen.

Punkt.

Ende.

Aus.

Das waren jetzt drei Absätze mit drei Wörtern. Und wenn es nicht passt, dann muss ein viertes Kapitel herhalten.

Der Leser seufzt und klagt, denn er hat ja keine Zeit. Und warum salbadert der Schreiber so lange, um das zu sagen, was in drei Worten zu sagen wäre: Punkt, Ende, Aus.

Weiter im Gottschalk-Kontext:

Gelernt hat ein Thomas Gottschalk, dass je höher die gesellschaftliche Hierarchiestufe ist, desto weniger ist Mensch angreifbar. Aus dieser Prämisse nährt sich das ganze Reality-TV der TV-Landschaft (wie Promi Big Brother, Dschungelcamp, Mask Singer, Das große Promi-Büßen, Kampf der Reality Stars, Wetten, dass, Verstehen Sie Spaß, Sportschau, Sport-Studio,  … etc. ). Es ist exakt das, was jeder seiner (Gottschalks) Generation gelernt hat.: Radfahren. Pisse nur dann noch oben, wenn du gewinnen kannst. Ansonsten strample nach unten. Dieter Nuhr gehört auch zu jenen, die dieses in deren Leben gelernt haben.

Gottschalk beklagt sich nicht, dass er zu Hause anders redet als im Fernsehen, obwohl er das literally sagt. Er meint, dass er es nicht mag, dass er für seine Aussagen kritisiert wird. Früher passierte das auch nicht. Ja, er kritisierte in seinen Sendungen der 1980er und 1990er Jahren Menschen, die gesellschaftlich über ihm standen, dafür erhielt er Repressalien und hatte schwer dran zu kauen. Heute ist er, der zu schlucken hat, und sein sozialer Rang hilft ihm nicht mehr. Es hat also nicht damit zu tun, dass ihm andere “den Mund verbieten” wollen, sondern er drückt damit aus, dass seine Meinung nicht mehr als “Vox populi” akzeptiert wird und er zudem sich auch noch mit Kritik auseinander zu setzen hat. Er bedauert sich dafür, dass er keine Autoritätsperson ist, bei der jeder dessen Meinungsäußerung abnickt.

Das Prinzip “top-down” funktioniert bei Gottschalk nicht mehr. Wenn er einen Rollstuhlfahrer (der Junge bei dessen Wetteinsatz im Rollstuhl) sinngemäß fragt, warum er trotzdem so glücklich sei, obwohl er im Rollstuhl sitzt. Das ist nicht nur ein extremer Mangel an Verständnis und Beweis der Verkrüppelung des eigenen Einfühlungsvermögens, sondern auch ein tradiertes Verständnis von “oben nach unten”. Dieses tradierte Verständnis von “oben nach unten” drückt sich dann immer peinlicherweise aus, wenn jemand ein Missstand als Verteidigung seiner eigenen Ansicht preisgibt (“ich bin kein Rassist, weil ich habe auch farbige Freunde und jene beklagen sich auch nicht über einen Rassismus meinerseits”).

Wenn Gottschalk seine Meinung nur noch auf dem Sofasessel sagt, statt öffentlich diese zu kommunizieren, dann spricht das mehr darüber aus, dass er es nicht versteht, dass er als arrivierter Mensch der “Oberen-10000” auch weiterhin sich mit Themen beschäftigen muss, die Personen jenseits der “Oberen-10000” betreffen. Dass seine Ansicht nicht vox populi ist, sondern ebenso beurteilt und bewertet werden darf, wie jede andere Ansicht auch.

Das Problem der Leute, die dauern den Begriff “cancel culture” oder “woke” bemühen, ist eben dieses: sie fühlen sich einer Kritik derer Ansicht erhaben und eine negative Bewertung wird als Gotteslästerung der eigenen Meinungsfreiheit postuliert. Sie wollen nichtreflektieren, sie wollen Meinungsmacher sein. Meinungsstarke Influencer.

Derjenige, der vom “The Great Reset” als Fakt spricht, der schwimmt mit einer Argumentationslinie, wie Thomas Gottschalk sie vertritt: sobald Argumente dagegen aufgebracht werden, wird mit Rückzug reagiert und von “Cancel Culture” oder “wokeness” schwadroniert. Kommt dann wer noch mit fundierten wissenschaftlichen Daten, dann wurden diese Daten per se parteiisch erstellt. Der beliebte Satz “Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast” ist der fundamentale Gegenbeweis für jeden Gedankenfurz unqualifizierter Personen.

Auf dieser Linie findet sich auch der Applaus für das Zitat:

Ich finde politisches Engagement von Schülerinnen und Schülern toll. Von Kindern und Jugendlichen kann man aber nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.

Profis sind immer wir anderen.

Schuld an der Misere haben immer andere.

Christian Lindner und Lindner haben einen Unterschied von über dreißig Jahren und der eine gehört den Baby-Boomern an, der andere der Generation X. Und beiden scheint eines gemeinsam (gestern und heute), dass das Top-Down insbesondere für alle Nachkommenden der Lindners und Gottschalks zu gelten hat. Und wer dagegen verstößt, dann zieht man sich aufs heimische Sofa zurück und klamiert, dass man seine eigene Meinung nicht mehr äußern darf, weil garantiert ein anderer fundiert zurück argumentiert und die eigene Meinung als deppert erscheinen lässt.

Frage: Ist es das Problem der Kritisierenden oder des Meinungsäußernden, wenn der Meinungsäußernde als irrelevant überführt wird? Ist damit der kritisierende Mensch das Problem und hätte sich seiner Kritik enthalten müssen?

Im Sinne des Meinungsäußernden sind die Antworten eindeutig.

Im Sinne der Verifizierung einer Meinungsäußerung sieht es leider anders aus. Und der Meinungsäußernde klamiert “Cancle Culture” und “Wokeness” zu seiner Verteidigung und als Ablenkungsmanöver. Der Meinungsäußernde hat seinen Sunzi gelesen.

Lediglich der Gottschalk nicht. Gottschalk muss sich mit dem auseinander setzen, was jeder der Baby-Boomer (ab 59 Jahre) machen muss: Wer war ich, woher kam ich, was hat sich geändert, wohin will ich? Gefragt von all den U59-Leuten.

Echt jetzt? Mit Ü59 sich mit Fragen auseinandersetzen, die man noch nicht mal als Twen vernünftig beantworten konnte? Oder in den 30igern? Geschweige denn in den 40ern? Oder 50ern?

Gottschalk und Lindners einmalige Positionen waren es, deren eigene nie beantwortete Sinnfragen öffentlichkeitswirksam zur Disposition zu stellen und Staub aufzuwirbeln, der nur zu Hustenanfällen führt. Sie wurden hinterfragt. Das hat immer eine Anmutung von Häresie.

Der Vorteil eines hohen Alters ist, vorzuschützen, dass man Weisheit erlangt habe. Der Nachteil liegt eher darin, wenn man diese dann auch noch vor vielen Personen als Weisheit verkaufen will. Applaus für solche Ansichtskundgebungen kommt dann immer aus den Ecken, die in einer zwei-dimensionalen Welt leben und immer schon “Cancle Culture” und “Wokeness” als deren fundamentales Hindernis zum eigenen Lebensinhalt gesehen haben, also komplett unkritisiert jenes herauszuhauen, was fern ab jeglicher Vernunft liegt.

Dass so etwas dazu führen kann, dass man vor Sprachlosigkeit nach Luft schnappt hat bereits Fritze Merz nach seiner “Zahnarzt-Syrerflüchtling”-Aussage für sich klamiert: Schnappatmung haben nur immer die anderen. Immer. Immer die, die in Unrecht sind.

Und Gottschalk reitet das gleiche Pferd: “Alles Fotzen, außer Mutti. Insbesondere die, die meine Meinung nicht einfach mal so stehen lassen, sondern sich darüber auch noch echauffieren, weil sie mal aus meinem Bauch und nicht meinem Hirn kam.”

Es sind jene Pferdeschinder, die eine Art von Glück allein an der Beweglichkeit eines Rollstuhls ausmessen. Damit niemand Behinderung des Geistes als deren Art der Einsamkeitsmaß ausmisst.

Wichtig?

Absolut unwichtig.

Am Ende spielt es keine Rolle.

Darüber wollte ich nicht reden.

And in the end it doesn’t really matters …

Weil: das Problem eines Blogeintrags ist immer die Würze in der Kürze des Schlusssatzes:

Gottschalks Problem ist das, dass er damit nicht klar kommt, was er in den 1980ern und 1990ern selber mit Promis gemacht hat und womit er sich heutzutage als Person der sozialen Stellung („Promi“) auseinanderzusetzen hat. Ihn mangelt es an Verständnis von Vorgestern, Gestern und Heute. Er lebt ausschließlich im egozentrischen Heute und hat seinen Weg dahin (das Gestern und seine Herkunft) vergessen.

Das Treffen der Generationen findet ohne ihn statt. Und nun beklagt er sich, dass er nicht extra (explizit er) dazu eingeladen wurde. Statt sich selber drum ernsthaft zu kümmern, zieht er es vor, rumzunörgeln und sich in öffentlichen, populistischen Scheinargumente zu flüchten.

Nebenbei: Es ist nicht nur Gottschalks alleiniges Problem, es trifft so viele Boomer, Baby-Boomer und Gen X-Menschen. Und das ist traurig. Es gibt keine Erbhöfe, sondern immer nur ein Miteinander …

Punkt.

Ende.

Aus.

Treffen der Generationen (3)

“Treffen der Generationen”?

Hieß nicht so ein Star-Treck-Film? Ein “Raumschiff Enterprise”-Film, in dem sich Captain James T. Kirk und Captain Jean-Luc Picard begegneten?

“All I have learned in life I have learned from Star-Treck.”

Es begab sich zu einer Zeit, als ein Showmaster zum letzten Mal auf die Bühne seiner Show begab und seinen endgültigen Abschied verkündete:

„Der zweite Grund ist der, und das muss ich wirklich sagen, immer im Fernsehen das gesagt habe, was ich  zu Hause auch gesagt habe. Inzwischen rede ich zu Hause anders wie im Fernsehen. Und das ist auch keine dolle Entwicklung. Und bevor hier irgendein verzweifelter Aufnahmeleiter hin und her rennt und sagt ‚Du hast wieder einen Shitstorm hergelabert‘, dann, dann sage ich lieber gar nichts mehr. Insofern danke, dass ihr mir solange zugehört habt.“

Ist es so, dass er seiner Meinung beraubt wurde, der Herr Gottschalk, so wie er es zum Abschied verkündete, so dass er nur noch daheim seine Meinung äußern darf, aber öffentlich nicht?

CANEL CULTURE?

WOKENESS?

Wer erinnert sich an die mediale Entwicklung des Thomas Gottschalks? Wer hatte sie mit erlebt?

Es begann mit dem Radiosender “Bayern 3”, wo er seine eigene Sendung in den 1980ern erhielt (welche er danach in legendärer Weise per Doppelmoderation an Günther Jauch übergab, der ebenfalls seinen Start in “Bayern 3” hatte). Gottschalks Credo war damals, dass verschiedene Musikstile nicht vermischt werden sollten, um dem Zuhörer nicht abspenstig zu machen. Das lief der damaligen Denke komplett konträr. Denn Nicki mit “I bin a bayrisches Cowgirl” zu spielen und danach etwas von Deep Purple (“Smoke on the Water”) entsprach nicht nur in Bayern der Idee verschiedene Musik-Stile in einer Sendung zu kombinieren.

Bereits Anfang der 1980er erschufen Radiosender wie “SWR 3” und “WDR 2” einstündigen Spartensendungen, wo es nicht zu einer folkloristischen und rockigen Musik-Vermischung kam. Wer erinnert sich noch an den Radiomoderator Mel Sandock vom WDR 2? Oder an Alan Banks der die legendäre Serie “Rockpalast” erschuf?

Der Radiosender “Bayern 3” war weit dahinter her und Gottschalk war der Fels an der die althergebrachte Mischung “Schlager-Folk-aktuelle Musik” zerbarst. Er wurde deswegen von seinen Zuhörern im Radio geliebt und erhielt letztendlich Sendeplatz im ZDF. Und dort wurde sein Stil richtig populär. Er holte sich immer Personen in seiner Sendung, die er in Frage stellte. Personen, denen er das”das war immer so” nicht durchgehen ließ. Personen, die sich nachher beklagten, dass sie sich rechtfertigten mussten für etwas, was doch eigentlich “common sense” wäre.

Im WDR war es Jürgen von der Lippe und später Harald Schmidt, die diese Fragetechniken verwendeten und ihre Gäste in Bedrouille brachten.

Der Franzose  Emmanuel Peterfalvi (in Deutschland bekannt als “Alfons mit dem Puschelmikrofon”) wurde ein Meister diese Art der Fragetechnik und zelebrierte diese in der damaligen ARD-Satiresendung “Küppersbusch”.

Was Gottschalk ausmachte, war der Fakt, dass er einen bestimmten damaligen “Common Sense” in Frage stellt. Diesen lernten die Kinder wie er, also der Boomer-Generation, als Argumente im Sinne von “Das fragt man nicht!” oder “Der weiß es besser als du!” oder “Stell den Menschen nicht in Frage, weil er ist ein Ehren-Mensch!” kennen. Und er erntete auch die Reaktionen, dass er für diese Verletzung der Konventionen abgestraft wurde. Denn – auch wenn die Fragen berechtigt waren – wurden die Fragen aus einer “Ich stehe über dir”-Haltung heraus sanktioniert.

Jeder aus der Generation der Boomer, der Baby-Boomer und der Generation x hat dieses kennengelernt.

Die Boomer fragten nach der Nazi-Vergangenheit, wurden sanktioniert und reagierten entsprechend submissiv, weil sie unter anderem auch massiv körperlich durch die alten Nazi-Seilschaften bedroht wurden.

Die Baby-Boomer fragten nach der Inkonsequenz der Boomer und erhielten zum Teil sowohl körperliche als auch neuere psychische restriktive Reaktionen.

Die Generation X hakte nochmals nach und erhielt im Sinne einer körperlich gewaltfreien Erziehung psychologisch gelenkte Gewalt.

Und seit dem es im November 2000 strafrechtlich ein Tatbestand ist, wenn Kinder körperlich beeinträchtigt werden, verlagerte sich die Gewalt der Beeinflussung der Millenials verstärkt auf die psychologische Machtausübung der Schutzbefohlenen (ausgenommen sind rückwirkend wohl weiterhin jene Minderjährigen, die unter dem Einfluss religiöser, staatlich begünstigter Gemeinschaften vergewaltigt oder missbraucht werden).

Nochmals: Was machte Gottschalk damals aus? Er wehrte sich gegen das “Ist so, bleibt so” und stellte Fragen. Er hatte Erfolg damit, aber er wurde auch ordentlich abgewatscht. Und das letzter prägt und bleibt als Erinnerung haften, dass bestimmte Menschen mit entsprechendem Status unangreifbar waren.

Und was hat sich geändert? Dass solche Menschen nicht mehr unangreifbar sind und sich rechtfertigen müssen, für das was sie sagen, leben und tun.

Und daraus erwächst der negative Gedanke von “Cancel Culture” und die negativen Konnotation von “Wokeness”. Es geht um das Bewahren, nicht um das weiter entwickeln. Das Konservative ist immer das, was bewahren möchte und unveränderlich bleiben möchte.

Es sind jene konservative  Personen, die eine Art von Glück allein in Tweets pro Tag und Follower ausmessen. Damit niemand über Followerzahlen deren Art Einsamkeit ausmisst.

Wichtig?

Absolut unwichtig.

Am Ende spielt es keine Rolle.

Darüber wollte ich nicht reden.

And in the end it doesn’t really matters …

Treffen der Generationen (2)

Die Boomer überlebten den Weltkrieg und gründeten als Boomer die neue Generation, die Baby-Boomer. Und es schauderte den Boomern vor deren Baby-Boomern.

“Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“ lautete ein bekanntes Transparent, welches eine ganze Generation begleitete. Den Soundtrack jener Baby-Boomer schrieben unter anderem “Bob Dylan (“The times they are a changin”), “The Who” (“My Generation”) und “The Rolling Stones” (“I can’t get no satisfaction”), Konzerte wie “Woodstock” and “Altamont Free Concert” waren deren Manifestationen und für die Distinguierten gab es “Hair” und “Jesus Christ Superstar” als Dessert. In Deutschland prägten die Baby-Boomer die Nachrüstungsdebatte (“NATO-Doppelbeschluss”), aber als Antipoden der Flower-Power- und Friedensbewegung der 70ern und 80er erblühte ebenfalls der RAF-Terror in dem Zeitraum.

Die Generation X erklärte den Rave als Soundtrack ihres Lebens, was den Baby-Boomern nicht wirklich passte. Denn die Generation X sollte in deren Fußstapfen treten und keine anderen Spuren hinterlassen. Die Love-Parade ist eine der Spuren der Generation X, welche in Essen blutig seelenlos endete.

Später folgten die Millenials, welche die Baby-Boomer zweideutig mit dem englischen “Gen Y” bedachten. Denn die Generation Y hinterfragte auch alles und jeden bis zur Schmerzgrenze, was den Baby-Boomern als heilig erschien.

Zuletzt wurde die Generation Z getauft, welche nun den Baby-Boomern und der Generation X als “Watschn-Peppi” taugt. Denn es gibt in Deutschland nicht nur die Tradition der “Dichter und Denker”, sondern auch der “Richter und Henker”.

Und insbesondere fürs letztere, da muss ja einer diese Rolle übernehmen. Sie kann nicht unbesetzt bleiben. Erst recht nicht-Nicht-Deutschen. Da gilt es eine Tradition zu verteidigen.

“Erben” muss man lernen und das kann man dieser Gen Z nicht einfach mal so überlassen, sagen Baby-Boomer und Generation X. Ein “Erbe” abzulehnen, das ist in Deutschland verpönt. Nur wer erbt, hat die Chance auf ein gesellschaftliches Vorankommen.

Dass die Generation Z die Baby-Boomer mit “Okay, Boomer” abcancelte, dürfte eher weniger verwunderlich sein. Wer mit Pump-Guns schießt, will nicht unbedingt bei seiner Selbstverteidigung einen Blattschuss erzielen.

Materielles ist für die Reichen, kulturelles ist für die unteren Bevölkerungsschichten, dafür sorgen die populistischen Parteien. Um dessen Niveau sorgen sich ebend jene, die äußerst liebend gerne das Thema “kulturelles” mit deren Verständnis füllen wollen, damit klar ist auf welchen Acker welche Samen gesät werden dürfen. Den Acker der Idiotie als Downsizing der Intelligenz darf nicht von Unbefugten beackert werden. Da muss man Experten ranlassen. Experten von Gottes Gnaden. Von Gottes Gnaden, dem der Kaiser der Kaiser eben jene Gnade als Leihgabe übergeben hat. Oder von …

Hey! Geh mir weg mit der Sekte der Wissenschaftler! Die wollen doch nur Wissenschaft der Wissenschaft-willen! Diese Sektierer! Da sind uns doch hundert Christen lieber, die Kinder vergewaltigen, als ein Wissenschaftler, der uns begreifbar machen könnte, was falsch läuft. Jene Sektierer der Wissenschaftler …

Denen das Feld überlassen, und damit riskieren, dass die noch etwas wertvolles raus gewinnen. Geht gar nicht. Wir müssen uns Giordano Bruno den Ketzer eines Weltbildes schlechthin vorstellen, um zu begreifen, was nicht sein darf, was sein kann, wenn Menschen wissenschaftlich sprechen und nicht dem hinterher reden, was jeder Hofnarr bereits verkündet hat.

Drum haben wir ja in der Parteienlandschaft entsprechende Parteien, damit die Drei-Felder-Wirtschaft beim Thema “Brache” nicht gleich positiv produktiv wird, um die Lemminge nicht zu aufklären, auch wenn deren Anzahl noch so hoch ist, als dass …. einer dem Brustton der Überzeugung keinen Glauben schenkt …

Wichtiger ist, eine Art von Glück allein in Selbstoptimierung pro Kurs ausmessen. Damit niemand über deren Sozialstatus deren Art Einsamkeit ausmisst.

Wichtig?

Absolut unwichtig.

Am Ende spielt es keine Rolle.

Darüber wollte ich nicht reden.

And in the end, it doesn’t really matters …

Treffen der Generationen (1)

Nein, es ist nicht, dass sich Generationen gegeneinander auflehnen.

Sicherlich, Kinder lehnen sich gegen ihre Eltern auf, stellen deren Ideen und Ansichten in Frage, um sich selbst zu erfahren, um die Welt auszuloten, um sich Freiräume zu schaffen, um  sich selbst zu finden, um sich etwas selber zu erschaffen, um deren eigenen Weg zu erkundschaften.

Aber dass sich Generationen als Einheit gegeneinander auflehnen? Es ist eher so, dass Generationen als Einheit sich vorsätzlich zu weit aus Fenstern lehnen, um sich zum Abschuss zu präsentieren.

Feuer frei für Hobbysportvereinschützenangehörige. Oder zumindest denjenigen, die mal entfernt an so einem Verein vorbeigejoggt waren, weil sie ganz mainstreammäßig Amok laufen?

Damit das nicht passiert, präsentieren alle lediglich ein Spiegelbild seiner selbst. Aus gewissen Gründen. Aus berechtigten Gründen. Aus Gründen der eigenen Freiheit. Aus Gründen des eigenen Wollens nach dem Motto “Ich denke, also bin ich”. Ein Spiegelbild seiner selbst. Zum aus dem Fenster lehnen. Man wird doch wohl noch sein Spiegelbild zu weit aus dem Fenster lehnen lassen dürfen! Oder etwa nicht? Und falls nein, wohin sind wir denn gekommen, dass wir das nicht mehr dürfen in unserer freiheitlichen demokratischen Gesellschaft der Selbstoptimierung?!?

Und sollte deren Spiegelbilder dann aus deren Fenstern geschossen werden, dann ist aber Ende Gelände und die zuvor extra eingefrorene Hölle aufgetaut.

Dann tanzt der Teufel Samba, die Mutter Jesu geht fürs Erstgeborene anschaffen, damit er auch mal was schönes hat, bevor er gekreuzigt wird, Josef schreinert neugotische Beichtstühle für die Kreuzigenden, Bernd Höcker zieht mit der Kneifzange Nägel aus Handwurzeln und geistige Stiefelhosen und Knickerbocker über ungemachte Gemächte, Freisler steigt derweil dankbar vom Kreuze herab und die Büchse der Pandora wird allen zur tieferen Einsicht geöffnet. Spiegelbilder wie aus einem Alptraum. Wie aus einem Gemälde von Hieronymus Bosch.

Spiegelbilder. Transparenz ist dabei alles, wenn jeder in die geöffnete Büchse der Pandora blickt. Denn, nur was bleibt, bleibt. Und das ist allein die Hoffnung.

Jeder kalkuliert ein, dass das Fell gewaschen wird, nur nass werden darf sie dabei nicht. Allein die unterstellte Absicht, dass man beim Fell waschen auch noch nass werden sollte, allein diese Absicht zählt. Und diese ist selbstverfreilich verwerflich.

Das zählt. Nur das allein.

Würden andere Absichten und andere gestellte Fallen mit hinzugezählt werden, man könnte sich nie zu 100% echauffieren. Es wären dann nur auf 10 % machbar. Oder zu 5,7%. Oder vielleicht auch nur zu Null komma Periode Neun. Also knapp 1% wie der Nicht-Mathematiker und Wissenschaftsfeind im Brustton der Überzeugung behaupten würde. Und niemand würde es bemerken.

Der Brustton der Überzeugung überzeugt an sich per se. Beweis durch mehrfacher Beteuerung. ADHS-Symptome überall und nirgendwo Ritalin auf Rezept in Sicht.

Wie war das noch vor der Pandemie in Sachen Generationen?

Ich finde politisches Engagement von Schülerinnen und Schülern toll. Von Kindern und Jugendlichen kann man aber nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.

Nein, diese drei Sätze entsprangen nicht einem GEMA-unfinanziertem Privatfernsehen, einen der berühmt berüchtigten Freitag-Abend-Privat-TV-Bildungsauftrag-Hirnen. Es entstammt sonders allein dem Hirn eines der jüngsten und bedeutendsten Post-Baby-Boomer Deutschlands. Eines jener Schlüsselkinder, die damals immer ihre Haustürschlüssel bei sich hatten, weil Papa und Mama noch auf der Arbeit waren, während sie deren eigenen Geschäften nachgingen. Es sind jene Kinder, die eine Art von Glück allein in Kilometer pro Stunde ausmessen. Damit niemand in Pferdestärken deren Art Einsamkeit ausmisst.

Wichtig?

Absolut unwichtig.

Am Ende spielt es keine Rolle.

Darüber wollte ich nicht reden.

And in the end it doesn’t really matters …

Wie viel kann man als Seenotretter verdienen?

»Schau mal Schatz, ich glaube, da ist jemand in Seenot.«

»Wo denn?«

»Dort drüben.«

»Okay. Aber da bin ich mir nicht so sicher. Du weißt, das hier ist Grenzgebiet und wir müssen vorsichtig sein.«

»Wir sollten das aber nicht ignorieren.«

»Du hast recht. Moment: HALLO, SIE DA DRÜBEN! KÖNNEN SIE MICH HÖREN?«

»Ich glaube, er hat irgendetwas gerufen. Aber so unverständlich«

»KÖNNEN SIE MICH SEHEN? KÖNNEN SIE MICH HÖREN?«

»Jetzt schrei doch nicht so laut, man muss doch nicht alles gleich übertreiben, Schatz.«

»Aber sonst hört der mich doch nicht. Ich glaube sogar, es sind drei oder vier Personen.«

»Schatz, ich glaube, eine Person hat gerade Help gerufen.«

»Also Ausländer? HALLO, YOU! CAN YOU SEE ME? CAN YOU HEAR ME?«

»Die machen aber auch ein Spektakel, da auf dem offenen Wasser. Wenn die so weiter machen, haben die nachher keine Kräfte mehr und saufen ab. So lange die noch Help rufen können, Schatz, solange kann es denen nicht wirklich schlecht gehen.«

»Liebling, ich glaube, die rufen Help

»Das habe ich gehört, Schatz.«

»Help. Du verstehst? Das ist kein Deutsch. Kein Deutscher dieser Welt würde Help rufen. Niemals, ein Deutscher tut so etwas nicht.«

»Was meinste damit, Schatz?«

»Kannst du mit Sicherheit sagen, dass das normale Touristen sind? Vielleicht sind es Asylanten, die von einem Schlepper auf dem See hier ausgesetzt wurden, extra mit dem Vorsatz, dass wir die retten.«

»Wir?«

»Ja, Liebling, wir. Und weißte, was dann passiert, wenn wir die an Land bringen? Weißte, was uns dann blüht?«

»Was denn, Schatz?«

»Wir werden als Schlepper verhaftet und kommen ins Gefängnis.«

»Als Seenotretter?«

»Und nicht nur das: sogar Elon Musk wird uns von X verbannen, weil wir illegale Einwanderer einsammeln. Der ist überzeugt, dass solch eine Aktion den europäischen Selbstmord nicht stoppt. Es sei denn, dass die AfD endlich die Regierungsgeschäfte in Deutschland übernimmt.«

»Das heißt, wir verlieren unseren X-Account, Schatz? Mit unseren vielen schönen Urlaubsfotos?«

»Ja, genau.«

»Auch die vom Sonnenaufgang hier am See von heute morgen, wo unsere Freunde so viele Likes für geschickt haben?«

»Auch die, Schatz.«

»Guck mal, Liebling, die haben sich beruhigt, sie plantschen nicht mehr so heftig.«

»Und sie rufen auch nicht mehr so laut Help. Ist vielleicht doch nicht so schlimm, wie es aussah. Die kommen wohl zurecht.«

»Schatz, wo sollen denn die vier auch auf unserer kleinen Außenborder-Nussschale unterkommen. Das Boot ist doch bereits voll, mit unseren Rucksäcken und der Kühlbox. Und außerdem sind es Flüchtlinge. Hätten die ihr Zuhause nicht einfach so verlassen, dann wäre es jetzt nicht zu der Situation hier gekommen. Warum müssen wir jetzt damit belästigt werden. Flüchtlinge geht eh nicht. Da machen wir uns illegal und kommen ins Gefängnis. Das ist es nicht wert.«

»Lasst uns so tun, als hätten wir es nicht bemerkt, Liebling.«

»Okay, wir fahren heim, Schatz.«

Am nächsten Tag.

»Schatz, schau mal hier, im Ortsteil der Zeitung.«

»Hm?«

»Eine türkische Familie ist gestern hier auf dem See gekentert und ertrunken. Niemand hatte denen geholfen. Die führten seit fünf Jahren hier im Ort den türkischen Supermarkt.«

»Mal wieder typisch. Selber Schuld, wenn die nach fünf Jahren immer noch nicht vernünftig auf Deutsch Hilfe rufen konnten …«

Kneipengespräch: Wenn zwei das Gleiche … rien ne va plus …

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„Jetzt haben die die ganze Münchner Innenstadt lahmgelegt!“

„Was?“

„Na die da, die jetzt den ganzen Verkehr behindern!“

„In der Innenstadt? Maxvorstadt?“

“Ja, total. Nichts geht mehr.”

“Gar nichts mehr?”

“Nullkommanull. Vor 14 Tagen konnten ich mit meinem Q4 noch raus und am Stadtrand meine Besorgungen erledigen. Aber heuer? Nüscht! Totale Blockade und die Staatsmacht schaut tatenlos zu, alles total voll zu, nichts ging mehr. Überall haben die ihre Stände hin geklebt und feiern ihre Autos ab.”

“Ah, Sie meinen die IAA in der Innenstadt, sagen Sie das doch. Dachte zuerst, Sie meinten diese Klimaterroristen mit ihren Sekundenklebertuben.”

“Ja, die IAA. Blockade total und keiner tut was, um uns davon zu befreien.”

“So etwas können Sie aber nicht so einfach dahin rotzen, als ob die Staatsmacht tatenlos zuschauen würde. Die schaut immer ganz genau hin. Wenn ein Stand nicht exakt aufgebaut und ausgerichtet worden ist, gibt’s sofort Ordnungsgeldbescheid. Pro überschrittenem Zentimeter. Oder falsche Schrauben, falscher Kleber, falscher Feuerlöscher, nicht gegen Steinschlag oder Hochwasser oder Erdbeben gesichert, Freibier ohne Pfand oder nicht genau auf Eichstrich, zack, Ordnungsgeldbescheid.”

“Wie viel?”

“Mindestens immer doppelt soviel wie einmal Falschparken.”

“Und was hilft es mir? Davon hab ich nichts. Meine Besorgungen bleiben trotzdem auf der Strecke. Im Streckenstau. Vorgestern, ich musste Omma zum Arzt fahren. Meinen Sie, das hat geklappt? Permanent nur Stau, nichts ging mehr, keinen Zentimeter.”

“Tja, diese Klimakleber auf den Kreuzungen.”

“Schön wär’s. Nur Stau wegen der IAA. Weil fast alle Straßen der Innenstadt für die Automobilmesse gesperrt wurden. Hey, vor uns war sogar ein Rettungswagen, Blaulicht, Sirene, der kam auch nicht weiter. Stau, Stau, Stau. Nicht mal Rettungsgasse für den Sani. Ich hoffe, der im Krankenwagen ist nicht gestorben, dann hätte die IAA den aber so was von auf dem Gewissen! Wetten, dass das dann keinen einzigen Staatsanwaltgeist berühren würde? Und dann letztendlich nach Stunden an der Arztpraxis, da konnten wir nicht mal parken. Wegen den anderen Klebern.”

“Ah, doch Klimakleber! Einfach eine Plage, jene. Gas geben und drüberfahren sollte man. Nur dann gibt’s wieder Ärger mit der Staatsmacht. Diese Kleberterroristen können einfach unsere Freiheit einschränken, haben dabei keinen Schaden, lediglich wir. Wir haben den Salat und müssen die von jenen uns eingebrockte Suppe auslöffeln.”

“Nee, nee. Die waren es nicht, das waren die vielen Wahlplakatkleber der AFD, FDP, VOLT, CSU und wie sie alle heißen. Die Plakate einfach auf den Bürgersteig geknallt, an Masten angeklebt, verkehrshinderlich, keine Chance zum Parken auf dem Bürgersteig. Absolut unglaublich. Vorher ging a bisserl immer was, aber heuer nüscht.”

“Und?”

“Musste in zweiter Reihe parken, Omma auf der Straße nur kurz aus meinem Q4 helfen und in die vierte Etage bringen. Gesundheit geht immer vor. Und wissen Sie, was in der Zwischenzeit passierte?”

“Was?”

“Strafzettel! Nur weil ich mich paar Dutzend Minütchen um die Gesundheit meiner Omma sorgte. Wegen so ner Bagatelle von Zeit, da schaut dann die Staatsmacht ganz genau auf ihre Sekundenzeiger. Aber bei den Stauverursacher, diese der IAA, da schaun’se weg, statt mal dafür zu sorgen, dass wir Stau-frei in der Innenstadt fahren können. Wofür gibt es eigentlich das Messegelände in München-Riem? Für Helene Fischer Konzerte?”

“Besser ein Dutzend Helene Fischer Konzerte als ein Dutzend Klimaterroristen, die einem am Fahren hindern und Stau erzeugen.”

“Staus gehen gar nicht! Die schränken die Freiheit ein!”

“Richtig. Staus erzeugen Klimaschäden, wegen den Abgasen. Wenn aber garantiert ist, dass jeder schnell fahren kann, dann ist die Klimabelastung kürzer, weil alle schneller ans Ziel kommen. Nur wer schnell ist, kommt eher ans Ziel als andere. Das sollte man nicht nur den Grünen und ihren Klimaklebern begreiflich machen. Aber das einzige, was jene begreifen, ist maximal Asphalt unter ihren Händen. Zu mehr Begreifen reicht deren Intelligenz nicht. Früher hätte man einfach Gas geben, über solche Klimakleber hinweg. Aber heute?”

“Eben, mit einem Aiwanger als Minipräsi in Bayern wäre in den letzten fünf Jahren alles besser gelaufen. Dann gäbe es auch keine dummen Wahlplakate mehr, die einem die freien Parkplätze wegnehmen.”

“Ähem. Bitte jetzt keine Wahlwerbung hier, okay. Politik und Kneipe zusammen, das sind für mich NO-GOs in ner Kneipe. Ich will entspannen, und nicht Politikgelaber hören.”

“Egal. Jetzt einfach mal Prost.”

“Dito, Prost.”

IAA, damit auch morgen andere Messen wieder kraftvoll gelesen werden können …

Oha. Zwei Menschen zusammen. Nähe Fahrbahnrand.

Protestpotential! Auf einer Parkbank. Nah an der Straße.

Moment, ich notiere mir in meiner Kladde: Parkbank am Stemmer Hof, Kilometer Nullkommazwei, Richtung Kölsch-Kneipe. Er, eins achtzig groß, blond, circa 30. Sie eins fünfundsechzig, 19 oder 20 … hm, eher 24. Halten sich an den Händen. Sie verdeckt zusätzlich einen verdächtig tubenförmigen Gegenstand in der Rechten, sehr verdächtige Tube … .

Lippenstift … hm. Protestpotential negativ. Eher wohl Liebespaar. Hetero. Keine Klimakleber.

Hier in München ist was los. Dabei mögen wir es hier in München doch eher beschaulich. Da hinten, am Hotel, da hat sich schon das “USK Bayern” einquartiert. “USK”, das steht für “Unterstützungskommando” und nicht für “Universitäts- und Stadtbibliothek Köln”, wie so ein Schwurbler in jener Kölschkneipe versuchte, Fake-Nachrichten zu verbreiten.

Nebenbei, Kölschkneipe. Ha. Eine Kneipe mit nicht-Münchner Bier. Das sollte hier nicht erlaubt sein in unserer traditionsreichen Stadt. Dieses pissgelbe Gesöff in Reagenzgläsern ohne Trinkkultur. Da kommt keine Beschaulichkeit auf, weil die Kellner immer rennen müssen, um für ihre Gäste immer neues von diesem Noagerl-Bier herbei zu karren.

Also, wie gesagt, USK heißt Unterstützungskommando und sie bekämpft organisierte Kriminalität, Schwerkriminalität und Drogenkriminalität. Jetzt hier in München.

Also nicht wegen den Biertrinkern, Und auch nicht wegen dem Biertrinker Aiwanger und seinem Flugblatt, an dem sich jener genauso detailliert erinnert wie ein Bundeskanzler Olaf Scholz an seine Cum-Ex-Geschichte mit der Warburg Bank. Oder wegen dem Biertrinker Dr. Markus Söder, der sich inzwischen auch nicht mehr daran erinnert, dass er als bayrischer Umweltminister in 2011 mal mit persönlichen Konsequenzen drohte, sollte der Atomausstieg in Bayern nicht vollzogen werden. Oder wegen der Biertrinker Clan-Tochter. Die aus dem Tandler-Clan. Jene Frau, die ihrem Vater nacheifert und nun ebenfalls es wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung vor Gericht geschafft hat. Oder etwa wegen Akten zu Kindesmissbräuchen vom Freisinger Papst, die eventuell in München zwischen Augustiner-Mönch-Bierfässern gelagert sein könnten. Nein. Ganz und gar nicht.

Die USK ist hier, weil München seit 2021 eine neue Messe hat. Zur Erklärung: Messe, das ist das, wenn etwas Goldenes herumsteht und alle drumherum tanzen. Nicht ein Kalb oder Bierfass, sondern das heiligs Blechle. Eine Blechmarke. Von damals. Mit ihr konnten sich damals städtische Arme eines Ortes als approbierte bestätigte Bettler ausweisen, mit jener Blechmarke. Heiligs Blechle. Heute ist das ein Nummernschild an dem Deutschen seinen unantastbaren Heiligtum.

Bis 2018 hatte Frankfurt zum heiligs Blechle noch die passende Messe dazu. Aber dann strampelte Bayern wie ein trotziges Kleinstkind (“Wir sind mal Papst gewesen!”) und plärrte “Wui I aa Messe!” (auf deutsch: “Will ich auch Messe!”). Frankfurt kapitulierte und seit 2021 hat München die IAA.

Ab morgen wird sie erneut gelesen, die Messe. Zu Ehren dem heiligen Automobil mit der ehernen Sankt-Christophorus-Plakette auf dem Beifahrer-Airbag-Deckel. Wenn der Airbag zündet, dann schützt die dem Beifahrer sich entgegenschleudernde Plakette dessen Seelenheil. Sobald die Münze im Kopfe klingt, die Seele in den Himmel springt. Alte katholische Redensart. Als letzte Segnung sozusagen. Jeder seinem Glauben nach. Nur für mich wäre das nichts, weil so eine Plakette auf dem Cockpit ist für mich ein absoluter höllischer Designfrevel.

Also, zurück zur USK: die USK ist zur IAA hier, um den Kriminellen gewissermaßen die Messe zu lesen. Genauer gesagt, also das heißt, eigentlich will die USK nur Autofahrer vor organisierten Schwerstkriminellen mit Sekundenkleber-Fläschchen schützen.

Mein Nachbar meinte zu mir, man wisse doch, was solch ein technologischen Event wie die IAA an Gesindel anlocken wird: Lehrer, Studenten, vegane Körnerfresser, streikende Schüler, Öko-Hausmänner, queere Tabakdampfer und im Gepäck noch nen Habeck und ähnlich schreckliches Zeug. Und? Wo bleibt dabei die Staatsgewalt? Eben, Fehlanzeige!

Nicht mal der deutsche Geheimdienst wird hier tätig und lässt sich beim Observieren blicken. Kein Wunder, meinte der Schorsch vom Internet-Stammtisch, der wird bereits schon passend auf Englisch übersetzt, als “go home service” bezeichnet. Und recht hatte er. Darum bringe ich mich aktiv ein, helfe aktiv mit. Beim Schützen. Gewissermaßen ehrenamtlich. Unentgeltlich. Schon seit drei Monaten.

In meinem Internet-Stammtisch hatten wir bereits vor den Sommerferien festgestellt, dass es erforderlich ist, eine klare Trennung zu vollziehen, also genau das, was sauber denkende Menschen wie Domenika Gruber, Detlev Nuhr und Hubert Einfanger bereits umgesetzt haben. Eine klare Trennung zwischen Politik und Sachverstand. Wir können doch Klimaklebern nicht die Politik der Straße überlassen und uns von denen bevormunden lassen. Wo kämen wir denn dahin, wenn die uns überall nur am Fortkommen hindern? Wir hätten somit einen Progressionsstau. Und will den wer? Eben.

Also, ich hatte mich danach direkt mit Kladde und Bleistift auf den Weg gemacht, notiere seither jede verdächtige Bewegung zur Straße hin, in allen Details. Notfalls mit Fernglas. Ich hab da keine Scheu, dass ich dabei gesehen werde. Tue Gutes und zeige dich dabei, ist mein Motto.

Und was soll ich Ihnen sagen? Es passiert nichts!

Und warum? Weil der Feind bereits unter uns ist.

Eben! Der weiß seine Klimakleberabsichten zu tarnen! Diese Wölfe getarnt als Schlafschaf, welches sich urplötzlich als stauerzeugendes Klebemonster entpuppt! Da muss man doch aufpassen, den Anfängen wehren!

Drum führe ich Buch über alles und jeden. Dabei gibt es immer interessantes zu notieren.

Beispiel: der Mann von gegenüber, der Herr Niederwörgl, 36, verheiratet, zweieinhalb Kinder, Weißbiertrinker, BMW 5er-Fahrer, Affäre mit einer Frau in Schwabing und einer weiteren in Hasenbergl, Wohnhausbesitzer mit nicht mehr allen Latten am Zaun und einige davon sind sogar geklebt! Also, klar, das ist nun doch zu eindeutig! Wer seinen Gartenzaun nicht in Ordnung hält, das ist doch oberverdächtig. Wer dabei klebt statt ordentlich schreinert, der will wohl auch noch Zeit sparen und das ist ein Risiko. Mit seiner eingesparten Zeit klebt der wohlmöglich nachher in Maxvorstadt auf der Leopoldstraße auf dem Asphalt und hält den Verkehr auf. Vielleicht sogar noch auf dem Zufahrtsweg zur IAA!

Ja, solche Beobachtungen sind eindeutig präventiv zu notieren. Und zu bewerten. Wenn die USK bei so einem die Personalien überprüft, dann kann man die Fakten der eigenen Beobachtung präsentieren und – schwupps – ist die Klebersau für vier Wochen in Präventivhaft. Und mit welchem Recht? Mit allem Recht! Zum Wohle der IAA und der Autofahrer, die auf der Zufahrt zur IAA mit deren heiligs Blechle nicht selbstverschuldet wegen Klimaklebereien im Stau stehen wollen.

Nebenbei, Frau Niederwörgl kenne ich persönlich. Man nennt sie auch das Sendlinger Tageblatt. Der Frau Niederwörgl habe ich im Cafe Schuttner vor einem Monat mal meine Beobachtungen mitgeteilt. Danach war in Sendling der Teufel los. Die Hölle muss wohl das reinste Paradies dagegen gewesen sein. Und schnell hatte ich von interessierten Frauen weitere Termine im Cafe Schuttner.

Das Ergebnis? Fünf Scheidungen, siebzehn außereheliche Beziehungen beendet, vier außereheliche Kinder aufgedeckt, acht Zivilklagen, drei Strafverfahren und ein gebrochenes Nasenbein. Aber das war es mir wert.

Ich mache weiter, so etwas hält mich nicht auf. Denn seitdem herrscht in unserem Viertel wieder Zucht und Ordnung. Alles ist jetzt wieder moralisch gefestigt und Gartenzäune werden auch nicht mehr geklebt, sondern ordentlich geschreinert repariert. Wir sind wieder auf dem Weg zum Vorzeigeviertel.

Und sollte ich in der letzten Zeit auch keine verdächtigen klandestinen Klimakleber auf unseren Sendlinger Straßen beobachten können, so ist doch eines keinesfalls mehr von der Hand zu weisen. Man muss nicht alles gleich schlecht reden:

Die Klimakleber haben für unser Viertel eine ganze Menge Gutes gebracht.

Kleinmachnow Löwin-Rätsel gelöst, MacGuffin gefunden

… und Jesus kam und verwandelte Wasser in Wein und Löwin in Wildschwein. Und worum ging es wirklich bei dieser Sommerloch-2023-Geschichte?

… Nachforschungen ergaben, es ging um den berühmt berüchtigen MacGuffin, aus Schottland importiert und bei Kleinmachnow Nähe Bärlin ausgesetzt … :

Es könnte ein schottischer Name sein aus einer Geschichte über zwei Männer, die Zug fahren. Der eine Mann fragt: ‚Was ist das für ein Päckchen in der Gepäckablage?‘ ‚Nun,‘ sagt der andere Mann, ‚das ist ein MacGuffin.‘ ‚Was ist ein MacGuffin?‘ ‚Ein MacGuffin ist eine Vorrichtung, um im schottischen Hochland Löwen zu fangen.‘ ‚Aber im schottischen Hochland gibt es doch gar keine Löwen.‘ ‚Nun, dann ist es eben auch kein MacGuffin.‘ Sehen Sie, ein MacGuffin ist gar nichts.

(aus einem 1966 von François Truffaut geführten Interview mit Alfred Hitchcock:  https://www.youtube.com/watch?v=mNkPLuBjZRM)

Reflektion

Ich rede.

Ich schweige.

Ich rede.

Ich schweige.

Ich rede.

Du sagst, dass ich mehr als nur einmal geschwiegen habe. Ich stimme dem Fakt vorbehaltlos zu.

Du sagst, dass ich hätte nicht schweigen dürfen. Wer etwas zu sagen wichtiges hätte, dessen Prinzip wäre des Schweigens nicht.

Ich schweige.

Deine Argumente sind mehr gewichtiger als mein Schweigen. Du bist mehr als ich.

Ober sticht Unter.

Sowieso. Drum schweig ich. Du hast die Meinungshoheit.

Ich schweig, denn trotz Internet-Suche muss man noch immer nicht alle Infos haben. Die Anzahl der Infos übersteigt die Lebenszeit zum Lesen derer.

Ich bin zu blöde zum Reden. Also habt ihr Recht.

Recht.

Isso

Von Wölfen, Bären, Schafen und Fellen

Wolfspelze sind momentan im Angebot. In XL, in XXL und in 3XL. Totschick. Kombinierbar mit dem neusten, veganen Patchwork Velours-Trainingsanzug aus dem Highend-Labelstore der geheimen Seitenstraße in der Landeshauptstadt. Ausschließlich für Insider, die wissen, was ihnen steht. Für die größeren Größen ab 4XL gibt es Bärenfelle. Ebenfalls wie die Wolfspelze sind diese frisch erlegt, gestriegelt und vorher mit Trichloraldehydbibenzol-haltiger und Vitamin P302 angereicherter Tensid-Lauge gewaschen. Damit diese fies müffelnden Pulverrückstände der Schrottkugelgewehre verschwinden. Vom Material und von der Haptik, da tun sich die beiden Pelze nichts.

Nur zum Verständnis bei den Bärenfellen: Wer eine Körperfülle ausweisen kann, welche die Kleidergröße 4XL erfordert, nur solch eine Person ist für Bärenfelle tauglich und zum Tragen derselben auserlesen.

Denn im Gegensatz zur potenziellen Expansion der Leibeskörperumfangfülle eines Menschen vergrößert sich gleichzeitig nicht auch damit die Ohren an dem Kopf des Bärenfelltragenden. Ohren überschreiten eine gewisse Größe nie, so dass, wenn jemand einem Bärenfellträger auf offener Straße das Fell über die Ohren zieht, dieser Person nicht auch die Ohren abgerissen werden.

Gerade eben drum, weil viele Mitmenschen Ohrenschmuck tragen und sie beim Verlust eines Bärenfells nicht wollen, auch noch dafür bluten zu müssen, ist es wichtig, diese 4XL-Mindestgrößenregel zu beachten. Wolfpelztragende müssen beim Fellabziehen solch ein Risiko in Kauf nehmen. Sie sind also gewissermaßen “Bärenfelle light”-Träger, also eine Spezies der Bulimie-Erkrankten mit Modebewusstsein.

Ob Wolfspelze oder Bärenfelle, eines ist beiden gemein: sie schmücken den Träger und sie verhüllen jedes Schaf.

Richtig. Verhüllen jedes Schaf.

Niemand will mehr Schafe. Oder Schaf sein. Denn das Schaf an sich hat in den letzten Jahren erheblich an Popularität verloren und ist nicht gern gelitten. Das hatte bereits mit der Pandemie und seinen Pandemiegegnern beim Schlafen mit Schafen begonnen. Schlafen mit Schafen? Ja, deren Motto war ganz Woody Allen-mäßig: ”Wie du mi’, so do mi’.” Drum mag jetzt auch keiner Schafe mehr.

Wer heutzutage in einer Dönerbude „Döner mit schaf” bestellt, kriegt die gleichen verachtenden Blicke wie diejenige Person, die in Düsseldorf ein Kölsch mit Weißwurstsenf als Dressing bestellt. Selbst die Schnellsprechversion „Döner schaf” in der Dönerbude macht es nicht besser. Erst recht nicht ein joviales „Döner määäh”. So etwas provoziert maximal angehende Kleingärtenpächter zu der bedenklichen Kalauer-Antwort: »Mäh’ doch selber.«

Denn es gilt der Sinnspruch: wer das „r” nicht ehrt, ist der Schärfe eines Döners nicht wert und wirkt zweitens wie ein dummes Schaf der deutschen „r“-Landschaft. Wer das „r“ nicht beherrscht, beherrscht auch nicht das dominante Wort „richtig“, sondern hat sich verlegen mit dem unterwürfigen Wort „genau“ auszuhelfen. Die „r”-Verwender können somit als die würdigen Bärenfellträger eingeordnet werden. Und die Wolfspelzverwutzer als eher als getarnte submissive „genau”-Sager.

Allen beiden ist allerdings mithin gemein, dass sie zutiefst in ihrem Innern lediglich Schäfchen sind. Zwar lieben sie scharfe Sachen. Zum Beispiel Frauen mit Leopardenfellhüte in Leopardenfelltangas auf Leopard-Panzer. Oder zum Beispiel Männer mit Leopardenfellhüte in Leopardenfelltangas auf Leopard-Panzer. Aber das war es fast schon.

Fast. Bis auf eine Eigenart: Menschen, die wiederkäuend wie Schäfchen auf Chillies starren. Dann beißen jene todesmutig die Zähne zusammen und hauen sich die Chillies freiwillig in die Ladeluke, wie andere sich ihr Popcorn im Kino einschmeißen. Die schmalen roten Chillies. Oder die dicken kurzen. Oder die mittleren langen. Hauptsache rot und scharf.

Hauptsache Chillies. In Todesverachtung essend. Danach unter rinnenden Schweiß und laufenden Tränen sich dem Ritual der Schnappatmung und des Schluckaufs ergebend. Und zu guter Letzt, wie springende Offiziere von Luftlandetruppen dazu auf und ab gehend. Wie sagte bereits Gert Fröbe als ‘Oberst von Holstein’ im Film „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“?

»Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!«

Also, Leute, kauft Wolfs- und Bärenpelze. Freilich vorzugsweise Bärenpelze. Und vorzugsweise für Männer der Zielgruppe von 23 bis 43 Jahren. Denn dazu passt immer ein passender Kinn- und Backenbart mit frisch rasiertem Schafsschädel. Frauen in diesem Zielgruppenalter können sich ja Leopardenfellhüte besorgen. Sieht auch ganz schmuck aus.

Alle anderen Gruppen von Menschen, die in diesen beiden Gruppen der 23- bis 43-Jährigen nicht reinpassen, die sind eh lost. Die sind dumme Schafe halt, welche in Döner-Läden dumme Schaf-Witze machen und immer »genau« sagen. Die Generation der gutturalen Laute, die lieber wie Tauben auf Dächern sitzen, statt wie ein Spatz in einer Hand.

Diese „g“-Gurru’s murmeln vorzugsweise leise stündlich ihr Mantra »Sich rää-gen, bringg-t sää-gen«, als sich täglich laut im Bärenfell als richtige Retter des „r“s zu präsentieren. Mit ihren Glaubenssatz zum Schutze ihrer Gewissheit schreien sie stumm die Bärenfell- und Wolfspelzträger an:

»Leggt mich am Ge-säß, ihre Schafe! Denn es kommt der Ta-ag, da will die Sää-ge sää-gen.«

Tja. Und mehr ist dann nicht mehr.

Demnächst sind übrigens wieder Zwergpygmäenpinscher zum Schafe-Hüten gefragt. Deckt euch mit diesen lieber heute schon mal für morgen ein.

Deren traurig überzüchteter Hundeblick ist einmalig. Da gehen sogar Wölfe und Bären freiwillig auf die Knie, vor Rührung weich gespült. Schäfchenweich …

Warum mir das 6-Monate-KI-Moratorium von wichtigen beruflich erfüllten Persönlichkeiten Probleme bereitete …

Hin und wieder beteilige ich mich an Online-Abstimmungen. Also solchen Dingen, bei denen man eine Unterschrift unter einer Forderung setzen kann, welche dann wichtigen Personen zugestellt wird.

In den 90ern wurde diese Art der Forderungen an Schlüsselpersonen in Deutschland beliebt. Es schwappte sozusagen als Nachbeben des Tian’anmen-Massakers aus Peking (Chinesien) nach Europa. Bevor Panzereinheiten in Peking unangepasste Studenten niederrollten, gab es ein Zeitfenster, in welchem die Chinesen Eingaben an die Staatspartei machen konnten, um deren Systemfehler zu beseitigen, ohne dafür gleich in ein Arbeitslager geschickt zu werden. ´

Das Ganze in China wurde in Europa als so erfolgreich bewertet, dass diese Methode in der EU in Form von “Petitionen” übernommen wurde. Nur mit der generalistischen Antwort, also mittels Panzer wie in Peking 1989, darüber konnte sich die EU mit Orban & Co noch nicht einig werden. Das Thema wurde einstweilen in Deutschland und dessen Internet ge-outsource-ed . Man will schauen, ob solch ein System auch für die EU tauglich sein könnte.

Die Schweiz – ganz am Rande bemerkt – gehört nicht zur EU, also sind Anmerkungen wie “Wer hat’s erfunden” maximal drollig (ohne “t”) und einer Toblerone ohne Montblanc-Gipfel im Hintergrund wert.

Jetzt habe ich mich an solch einer Petition mal beteiligt. Klar, damit komm ich automatisch in den Ruch, ein Anhänger der “Die Linken” oder der “AfD” zu sein. Aber jeder Kleingartenkarnickkelschlachterverein mit temperaturüberwachter Doppelkugelgrilloption hat bereits bewiesen, nackt pinkelnde Gartenzwerge sind keine alleinige Option von Jugendlichen unter 25. Auch wenn diese so etwas bei sich im Regal stehen haben und damit deren Protest am Establishment Kund tun. Denn die Kleingartenkarnickkelschlachterverein-Angehörigen haben eh schon vögelnde Erotikskulpturen in deren Wohnzimmern in exponierter Lage direkt über die hygienisch abwaschbaren Swinger-Matratze für open-minded-People mit Faible für katholischer Lebensweise.

Also. Ich bin letztens aufgefallen. Ich hatte eine Petition auf ein Moratorium für KI-Entwicklung. Richtig. Es war jene, welche auch Elon Musk unterzeichnet hatte (hier). Ich unterzeichnete als besorgter Bürger. Richtig. Besorgter Bürger. Einem Bürger, dem es besorgt wurde.

Die entscheidende Frage der Petition (hier) ist:

Sollten wir alle Arbeitsplätze automatisieren, auch die erfüllenden?

NEIN!

Sollten wir  nicht! Und “soll” heißt “muss”, wenn “kann”.

Denn jedem Menschen mit Hirn sollte bereits klar sein, dass alle “nicht erfüllenden” Jobs bereits im Begriff sind, ersetzt zu werden. Niemand will mehr jemanden in einer Lackierkammer, in der Bleche so lackiert werden. Weill dann das Ergebnis oftmals nicht dem ästhetischem Empfinden des Auto-Käufers entspricht, und niemand ein Fahrzeug mit unregelmäßig aufgebrachtem Lack haben will. Also, gewünscht ist nur das Auto in der Lackfarbe des eigenen Vertrauens. Kein Käufer eines Fahrzeugs (weder in Deutschland, noch Chinesien) wird jemals einen Inhomogenität auf der Lackoberfläche seines 20.000 € Vehikels akzeptieren.

Gleiches gilt für PC-Monitore oder Fernseher. Wer akzeptiert schon einen Pixelfehler, der von einem Menschen verursacht wurde? Falsche Fragestellung! Niemand akzeptiert auf seinem Monitor einen Pixelfehler. Egal ob von Mensch oder Maschine verursacht.

Daher gibt es KI, die versuchen gerade solche Fehler zu verhindern. Reproduzierbar vermeidend. Dass dabei die Jobs der unteren Klasse, der Billiglohnkräfte, durch KI wegrationalisiert werden, das interessiert keine große Seele. Warum?

Sollten wir alle Arbeitsplätze automatisieren, auch die erfüllenden?

Das geht nun mal gar nicht. Die erfüllenden Jobs, welche Leute wie Musk, Bezos, Biden, Scholz, Putin und ich einnehmen, und sich dafür gnadenlos wie ein Trainer vom FC Bayern München bezahlen lassen … Wollen wir, dass solche Jobs von KIs ersetzt  werden?

NEIN!

Richtig, die Diskussion geht nicht mehr um die Arbeitsplätze von Hinz und Kunz und von dir und mir, sondern von denen, die dir und mir sagen, was zu tun sei. Denn Hinz und Kunz werden bereits de facto von KI ersetzt. Sollen auch die anderen durch KIs ersetzt werden?

Ich hatte unterzeichnet. Meine Zukunft war mir wichtig.

Mein Personalbüro meldete sich bei mir. Ob ich etwas gegen die Geschäftsführung meiner Firma hätte? Warum ich denken würde, dass diese durch KIs ersetzt werden könnte? Denn “Sollten wir alle Arbeitsplätze automatisieren, auch die erfüllenden?” bezöge sich direkt auf die GF meiner Firma. Und so etwas zu unterzeichnen, das impliziere, dass ich überhaupt diesen einen Gedanken auch gedacht hätte. Und das wäre bedenklich. Sehr bedenklich. So ein Gedanke an sich wäre illoyal und somit hätte ich meinen Arbeitsvertrag durch meine Unterschrift als “besorgter Bürger” in Frage gestellt. Ich soll am Montag um 9:00 Uhr Stellung beziehen. Ein Nichterscheinen würde als eindeutige Stellungnahme bewertet. Als negative im Sinne meines Arbeitsvertrages.

Ich werde meinen Urlaubstag annullieren und das Missverständnis vor Ort in Büro “No. 9” aufklären. Ich brauche meinen Job. Ich bin jung und brauche das Geld. Ich will nicht für Niedriglohn-Offerten von Bezos oder Musk in Deutschland arbeiten. Mit der Garantie durch KI ersetzt zu werden durch die, die einen erfüllenden Job besetzen und besetzt haben.

Wobei. Ich werde sowieso eh bald durch ne KI ersetzt.

Weil mein Job eh nicht als erfüllend angesehen werden kann …

Hasta la vista, maybe …

Christliche Symbolik

Also sprach der Mensch zu sich, nachdem er die Büchse der Pandora geöffnet hatte und auf Besserung hoffte:

Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge. (#1)

Ein anderer Mensch blickte ob jener Worte auf und sprach:

Als das Kind Kind war, ging es mit hängenden Armen, wollte der Bach sei ein Fluss, der Fluss sei ein Strom und diese Pfütze das Meer. Als das Kind Kind war, wusste es nicht, dass es Kind war. Alles war ihm beseelt und alle Seelen war eins. Als das Kind Kind war, hatte es von nichts eine Meinung, hatte keine Gewohnheit, saß oft im Schneidersitz, lief aus dem Stand, hatte einen Wirbel im Haar und machte kein Gesicht beim Fotografieren. (#2)

Der erste Mensch ignorierte jedoch die Worte und setzte fort:

Da ich aber ein Mann ward, tat ich ab, was kindisch war. (#3)

Der andere Mensch seufzte und fügte hinzu:

Als das Kind Kind war, würgte es am Spinat, an den Erbsen, am Milchreis und am gedünsteten Blumenkohl und isst das jetzt alles, und nicht nur zur Not. Als das Kind Kind war, erwachte es einmal in einem fremden Bett, und jetzt immer wieder. Erschienen ihm viele der Menschen schön, und jetzt nur noch im Glücksfall. Stellte es sich klar, ein Paradies vor, und kann es jetzt höchstens ahnen. Konnte es sich nichts nicht denken und schaudert heute davor. Als das Kind Kind war, spielte es mit Begeisterung und jetzt so ganz bei der Sache wie damals nur noch, wenn diese Sache seine Arbeit ist. (#4)

Der erste Mensch murmelte weiter:

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (#5)

Ich grübelte. Meine Mutter hatte mir in meiner Kindheit ein Anhänger mit Kreuz, Anker und Herz geschenkt. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, sollte den Glauben verstärken. Das war die Hoffnung. Wie ich nach meiner Kindheit erfuhr, blieb jene als einziges Positives übrig, als im Lande bereits wieder die Büchse der Pandora mit der rationalen Kurzlogik-Ansprache “Das wird man doch wohl mal aufmachen dürfen, oder etwa nicht? Oder sind wir kein freies Land mehr?” geöffnet wurde. Die Büchse der Pandora. Dafür sind viele wohl bereit dessen Blutzoll mit Blut, Schweiß und Tränen zu zahlen. Oder zahlen zu lassen. Outsourcing at its best.

Glaube, Hoffnung, Liebe. Kreuz, Anker, Herz. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Also, du Nächster, mach dich liebenswert. Denn ansonsten werden mit vollen Herzen Kreuze errichtet werden, die in Zentren aufgestellt werden. Ankerzentren. Frei dem Motto: “Ihr müsst uns ja nicht lieben, aber dann macht euch keine Hoffnung, dass wir euren Anliegen glauben. Was geht uns eure Sintflut an?

Ein letzte Mensch blickte kurz auf, sah einen Händler mit venezianischen Lüstern vorüber ziehen und ruinierte die nachdenkliche Stille mit leicht unsinnigen Worten:

Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? (#6)


Zitate #1, #3 und #5 aus des mosaischen Gotts seiner Bibel, Zitate  #2 und #4 Wenders “Der Engel über Berlin”, Zitat #6 von Shakespeares “Der Kaufmann von Venedig”

Die erlogene Geschichte eines Fotos auf einer päpstlichen Beerdigung (Vatikan-Platz am 5. Januar 2023)

S #1: Na? Geht’s?

S #2: Na, wie soll’s schon gehen. Kann mir ja nur gut gehen. Du stehst ja neben mir.

S #1: Keine Sorge, Olaf. Es ist heute Beerdigung. Nur deshalb stehe ich Dir zur Seite.

S #2: Da bin ich ja beruhigt, Markus. Wer dich neben sich hat, der freut sich immer über Gottes Segen.

S #1: Apropos Segen. Du hast mir noch gar nicht zum Geburtstag gratuliert.

S #2: Echt?

S #1: Frank-Walter hat es jedenfalls schon getan. Am Flughafen. Vor laufenden Kameras..

S #2: Ihr beide habt heute am gleichen Tag Geburtstag? Frank-Walter, stimmt das?

S #3: Ssscht! Das ist eine Beerdigung. Seid ein wenig leiser.

M #1: Siehste, Frank-Walter, der Olaf ist immer völlig daneben. Statt mal Panzer und Raketen in die Ukraine zu schicken, gratuliert er noch nicht mal dem Markus.

S #3: Ssscht! Das gilt auch für dich, Friedrich! Hab mal ein wenig Anstand.

M #1: Also, Frank-Walter, ich weiß, was Anstand ist. Das musst du mir nicht erklären. Außer du willst das später mit mir bei meinem Rückflug erörtern.

S #3: Friedrich, ich hab dir doch bereits dreimal erklärt, dass ich ohne meine Sicherheitsleute nicht in deine Cessna steige.

M #1: Also, ich fliege im Anschluss um 12:59 wieder zurück nach Berlin. Mein Angebot steht. Und außerdem ist es keine Cessna. Sondern eine Diamond Aircraft mit zwei Dieselmotoren des Typs Austro Engine AE330 …

S #3: Ssscht! Andacht!

M #1: … und verbraucht weniger Diesel als ein Leopard-Panzer und hat auch weniger CO2-Ausstoß als ein Kreuzfahrtschiff. Also umweltfreundlich und unbedenklich, Frank-Walter. Meine Diamond ist vollgetankt. Die Motoren wurden zum Warmlaufen bereits von mir gestartet. Hier über meine App, Frank-Walter. Schau mal, das ist die absolut neuste High-Tech-Sache. Und total sicher. Mit der App kann ich sogar meinen Flieger steuern und gleichzeitig im Heck mit dir ernsthafte Fragen erörtern …

S #3: Friedrich! Ssscht!

S #1: Nun lass ihn doch, Frank-Walter. Friedrich meint es doch nur gut mit dir.

S #2: Echt, Markus? So gut wie mit mir?

M #1: Also, Olaf, ehrlich, das muss ich mir …

S #3: Ssscht!

S #1: Sag mal, Olaf, wo ist eigentlich deine Silvester-Ansprache-2022-Lamprecht? Ist die keine Christin, deine Christine? Warum ist die nicht hier auf der Beerdigung?

S #2: Die Christine ist im Büro und bearbeitet die Puma-Marder-Geschichte! Die hat zu tun.

S #1: Weiß man’s? Vielleicht steht die wieder vor deinem Kanzleramt und hält eine neue Rede über durchgebrannt Sicherungen in ihrer Abteilung. Also bei den Panzern, die nicht mehr fahren.

S #2: Markus!

S #1: Obwohl, Olaf, das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, so wie die am Sessel klebt.

M #1: Die Christine klebt fester an ihrem Amt als die Klimakleber auf der Straße!

S #1: Das war mein Satz! Du zitierst mich, Friedrich.

M #1: Aber sie klebt. Eben wie Klimakleberterroristen auf den Straßen.

S #2: Ach, ihr beiden. Wenn ihr schon Vergleiche ziehen wollt, dann passt doch dazu besser euer Andreas Scheuer als damaliger PKW-Maut-Minister und seine klaren Gesetzesverstöße …

S #3: Ssscht!

S #1: Recht haste, Frank-Walter. Olaf, das hier ist eine Beerdigung. Und kein vorweg genommenes Provinz-Dreikönigstreffen der SPD.

M #1: Dreikönigstreffen? Wieso nicht? Ich dachte, bei Papst-Beerdigungen werden nur Kaiser und Könige geladen.

S #1: Friedrich!

M #1: Ja, Markus? Ich mein doch nur.

S #1: Friedrich!

M #1: Jetzt sei doch nicht so streng zu mir. Ich bin doch nicht der Laschet, sondern wir sind geschätzte Kollegen. Inzwischen haben wir aus Sympathie schon dieselbe Brille und jetzt willste mich schulmeistern?

S #1: Friedrich!

S #2: Ihr beide seid einfach nur peinlich. Wie könnt ihr nur hier auf dieser Beerdigung sein, ohne dass man sich schämen müsste?

S #1: Joseph Aloisius, ich meine, unser Papst Benedikt, der war Bayer. Und Papst. Und dann erst in zweiter Linie Deutscher sowie Oberhaupt der Katholiken weltweit.

S #2: Ach.

S #1: Friedrich, kann ich bei dir mitfliegen? Ich muss noch zu der Gedenkfeier unserer bayrische Gold-Rosi. Die ist gestern gestorbenen, unsere bayrische Gold-Rosi Mittermaier.

S #2: Vorletzten Monat Hans Magnus Enzensberger, letzten Monat Papst Benedikt, jetzt auch Rosi Mittermaier. Sterben bei euch die Promi-Bayern in Bayern weg?

S #3: Olaf!

M #1: Ja, Frank-Walter, ruf den Olaf zur Ordnung! Ist ja peinlich und frei von jeglicher Sachkompetenz. So wie seine Sesselkleberin Christine. Und das hier auf der Beerdigung. Wenn unser Benedikt das mitbekäme, der würde im Sarg rotieren. Frank-Walter, sprich mal ein Machtwort.

S #3: So! jetzt reicht es mit euch dreien! Friedrich! Ab in die dritte Reihe. Markus, du ebenfalls. Olaf, zweite Reihe links hinter mir. Und wehe, Olaf, du singst das Te-Deum in der falschen Tonlage. Dann entlasse ich deine Christine.

S #2: Olaf, nicht vergessen, das Te-Deum immer in Cis-Moll.

S #1: Markus!

S #2: Frank-Walter, ich wollte doch nur das Beste für Deutschland.

S #1: Ruhe! Oder ihr alle drei werdet von mir aus euren Posten rauskomplementiert.

T #1: Gute Idee, Frank-Walter. Kann ich dann Bundeskanzler? Also als Bundekanzler “Peter Tschentscher, der Erste”?

F #1: Moment, jetzt wäre wieder eine Frau dran wie ich als “Bundeskanzlerin Nancy Fäser”!

S #1: Jetzt reicht’s! Am Dreikönigstag treffen wir uns alle in meinem Schloss Bellevue! Und wehe ihr bringt mir nicht Weihrauch, Gold und Myrrhe mit, ihr Rüpel!

S #2 + S #3 + M #1 + T #1 + F #1: Jawoll, eure Durchlaucht!

S #1: Und, du, Frau Bärbel Bas! Als Bundestagspräsidentin schreibst das Protokoll! Basta!

B #1: Frank-Walter, ich muss Sie zur Ordnung rufen, ihre Redezeit ist abgelaufen. Bitte kommen Sie schnell zu ihrem Ende. Also, die ihrer Rede, nicht Amtszeit, Sie verstehen, nicht wahr …

S #1: RUHE !

 

Beerdigung

Foto: Screenshot)

Die Winterrealität 2022

Sommermärchen werden im Sommer geschrieben, Frühjahrsgefühle im Frühjahr gebettet, Herbstdepressionen im November durchlebt: Allerheiligen, Allerseelen, Hitler-Ludendorf-Putsch, Novemberprogrome, Hungerstreiktod eines RAF-Terroristen, Straßenklebende, Volkstrauertag, Gänseschlachttag (Martinstag), Buß- und Bettag, WM-Fußballspiele der “Mannschaft” …

Und jetzt zur Winterrealität 2022: es ist kalt. Noch drei Wochen, dann ist Heilig Abend vorbei. Wie von Geisterhand werden dann die Innenstädte frei sein, frei von den Suchenden und Süchtelnden nach Weihnachtsstimmung, so zwischen Handwerksbuden, Grillbratgutanbietern und Glühweinständen. Die Fußgängerzonen werden wieder frei von “Last Christmas” sein und unser Heilig’s Blechle unbehelligt von Stock und Stein und Störern seinen Weg von Familienfeier zu Familienfeier finden.

Es wird wieder Frieden im Land herrschen. Frieden und Freiheit zur Weihnachtszeit. Und das unveräußerliche Recht “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” (13:40 im Das Erste) ungestört im Fernsehen anschauen zu können. Oder für die Boomer-Generation: die ganze Serie “Timm Thaler – Das verkaufte Lachen” (auf ZDF neo) mit Horst Frank als Bösewicht vom Dienst. Oder für die Generation “whY” etwas individuelles zum unbeschwerten Ausleben: free-style-binge-watching auf Netflix, Disney+, Prime Video oder xHamster, je nach Lust, Laue und tiefergelegter Motivation. Nur so herrscht wieder Frieden im Land.

Frieden im Land? Allein die Bösen dieser Welt bomben weiter. Die Bösen bomben alleine weiter. Weil sie sich durchs Bomben von der friedlichen, weihnachtlichen Weltgemeinschaft ausschließen. Zuvor werden noch einmal die “Infantino”s dieser Welt erfolglos gebeten haben, dass alle Kriege wenigstens über die Weihnachtstage mal Pause machen sollten. Einfach mal Pause abschalten und machen. Bei einer quadratischen, knusprigen Haselnusswaffel. Dann können auch die Mitarbeiter der Waffenschmieden dieser Welt ihre Überstunden abbauen. Und weil eine Woche später Knaller und Böller für andere Zwecke benötigt werden. Und weil es Tradition ist, sich so etwas vor laufenden Kameras und rausgereckten Mikrofonen eine Pause für die Kriege zu wünschen. Damit die Überlebenden ihre Toten zu Weihnachten begraben können.

Traditionen, die niemand aufgeben will. Weil Tradition, das muss so sein. Weihnachten und Silvester, das sind Werte und Traditionen, welche nur böse Menschen abschaffen wollen. Also die Gutmenschen. Also jene Menschen, die das Gute wollen, und daher folglich böse sind. Während ein böser Mensch doch gar nicht so böse ist, weil man vom bösen Menschen nichts außer Böses erwartet, was schon wieder gut ist. Denn dann weiß man, was man hat. In der Winterrealität 2022.

So kurz vor Weihnachten. Ich stehe an der Supermarkt-Kasse und habe eine Packung Sekundenkleber zwischen den anderen Sachen. Reparatur ist nachhaltig und Kleber sorgt für Nachhaltigkeit. Sorgsam lege ich alles auf dem Supermarktband der Kasse. Zwischen Tageszeitung, einer Packung Hafermilch Barista-Style und der obligatorischen Tüte Geleegummi schiebe ich die Packung mit dem Sekundenkleber.

Und irgendwie überkommt mich ein Déjà-vu. Eine Vision steigt auf, längst verdrängte Peinlichkeitsgedanken aus dem Ende der 80er Jahre. An der Kasse sitzt eine wasserstoffblondierte Hella von Sinnen, eine legere jüngere Frau, dann der junge Ingolf Lück, der gerade verschämt seine Packung Kondome halb unter einer Stange Lauch aufs Einkaufsband schiebt und von der ältere Frau nach ihm prüfend angeschaut wird. Die Kassiererin nimmt die Kondome schaut drauf, findet kein Preisschild und tönt durch den Supermarkt: “TINA, WAT KOSTEN DIE KONDOME?” (hier). Stille macht sich raumgreifend im Supermarkt breit, und alle starren den jungen Ingo Lück an, der hörbar unangenehm berührt schluckt.

Déjà-vu. Ich schaue auf meine Packung Sekundenkleber. An der Kasse sitzt keine Hella von Sinnen. Aber was wäre, wenn denn jetzt die Kassiererin zum Telefonhörer greift, dann im Markt den Marktleiter über die Außenlautsprecher anschnarrt: “Heiner, komm mal vom Raucherplatz auf der Straße weg und tu mal wat für mich: sach mir mal, was der Sekundenkleber kostet” und Stille würde eintreten. Alle würden auf mich starren. Auf allen Stirnen stände dann nur “Straßenblockierer-Terrorist” zu lesen.

Unauffällig schiebe ich die Packung Sekundenkleber unter andere Lebensmitteln neben dem Laufband, zu den Dingen, die von anderen putativen Einkäufern dort abgelegt wurde, weil die eigene Geldbörse deren Kauf nicht mehr hergab. Sekundenkleber brauche ich auch nicht wirklich. Und von anderen als Straßenkleber und Heilig’s-Blechle-Blockierer dann schief angeschaut zu werden, brauch ich auch nicht. Und überhaupt: Neukauf ist eh viel, viel besser für die Wirtschaft als dusselige Reparatur und als “Straßenblockierer-Terrorist” blöd angeschaut zu werden. Wahrscheinlich macht dann die Vier-Buchstaben-Zeitung von mir ein Foto mit der Packung in der Hand und warnt den Rest der Republik vor mir. Brauch ich nicht. In der Winterrealität 2022.

Kalt ist’s.

Kneipengespräch: Meckermänner

»Und? Im Urlaub gewesen?«

»Südfrankreich. Nizza.«

»Wow. Da kann man nicht meckern.«

»Stimmt. Wir waren in nem Nobelhobelhotel direkt an der Strandpromenade eingecheckt. Super Frühstück. Super Gegend. Alles in näherer Umgebung.«

»Hört sich gut an.«

»Wir hatten nichts daran auszusetzen. Das Zimmer, erste Sahne. Die Matratzen genau richtig. Geschlafen wie Babys haben wir. Und dann die Aussicht aufs Meer, der Wahnsinn. Alles geräumig, sauber und jeden Tag picobello aufgeräumt. Jedes mal hatten wir das Gefühl, wir hätten ein nigelnagelneues Apartment zur Verfügung gestellt bekommen.«

»Beckmessern musstet ihr dann wohl im Hotel nicht?«

»Iwo. Selbst die ganzen zehn Tage. Alles lief wie geschnitten Brot. Selbst die Zimmernachbarn, komplett unauffällig, als ob wir die einigen Gäste im Hotel gewesen wären. Und dann die Restaurants in der Umgebung. Wir waren bei einem Italiener. Wir hatten das Gefühl, der hätte gerade die sonnengereiften San Marzano Tomaten direkt hinterm Haus frisch geerntet. Das Tomatensugo ein Träumchen in Perfektion, sag ich dir. Da konnte man nicht meckern. Und erst die Pasta. Allererste Sahne.«

»Das kriegt man dann ja wohl auch in Italien nicht besser, oder?«

»Nicht im Traum. Oder der Tunesier. Leck mich fett, war der geil. Und der Albaner. Da kannste hier in München aber mal lange suchen.«

»Wart ihr auch Französisch?«

»Aber hallo, ein paar Mal. Die Weine, der Wahnsinn. Und lecker! Einfach toll. Die zehn Tage haben wir uns wie ein Gott in Frankreich in Nizza gefühlt. Und das Ganze war auch noch billiger als gedacht! Vom Ersparten sind wir bei der Rückreise noch essen gegangen, beim hiesigen Suppen-Japaner am Sankt-Igelmeier-Platz.«

»Und Probleme mit der Anreise mit dem Zug zum Flughafen Nürnberg?«

»Iwo. Null. Superpünktlich. Auch bei der Heimreise. Auf die Minute genau.«

»Unglaublich. Da kann man nicht meckern.«

»Selbst die Flüge. Auf den Punkt, so wie ein gut zubereitetes Steak. Ehrlich. Der ganze Urlaub hätte auch ein 1a-durchchoreographiertes Bühnenstück sein können, bei dem man nicht merkt, dass er überhaupt choreographiert wurde. Erholung pur.«

»Hört sich nach dem perfekten Urlaub an. Glückwunsch. Da kann man echt nicht meckern.«

»Tja. Und genau da liegt das Problem, was uns den Urlaub versaut hat.«

»Was? Das man nicht meckern kann?«

»Eben. Das gibt es doch gar nicht.«

Parkbankgespräch: Real virtuell im Virtuell-Realem

Parkbank»Ich weiß nicht, was ich sagen soll.«

»Dann lass es.«

»Aber ich muss es sagen. Es muss aus mir raus. Weil es hier ne Parkbank ist.«

»Dann sag es und gut ist.«

»Es regt mich auf.«

»Okay, was regt einen momentan eh nicht auf.«

»Aber das hier ist ernst.«

»Ernst ist das Kind von Verhütungsplanung. Ernst sein Vater ist jetzt geschockt, dass Verhütung nicht allein Frauensache ist. Nach zehn Jahren Rumbumsen ohne jeglichen Ernst …«

»Das mein ich nicht.«

»Sondern?«

»Eher das, was mit der Inflation vor Ort am gemeinen Essenslokal angepasst wird.«

»Die Preise von McDonalds?«

»Der Preis der Menschheit.«

»Ach ne, was du nicht sagst, du Hobbyphilosoph.«

»Ich hatte einen Freund …«

»Wer hatte den nicht.«

»… und der war auf seine Weise intellektuell.«

»Jaja, nee, ist klar. Hatte der jemals einen offenen Brief geschrieben? Nein? Dann ist der auch nicht intellektuell. Wenn jemand einen offenen Brief schreibt, dann muss er auch die augenblickliche Inflation der offenen Briefe im Auge behalten. Und der Reaktionen darauf. Und den Stand der Immobilienfonds im eigenen Portfolio. Ansonsten ist so einer nur Schwätzer..«

»Ich glaube, du verstehst nicht, was offene Briefe sind.«

»Briefe, die dem Postgeheimnis unterliegen, auf das der Sender des Briefes keinen Wert legen. Also so wie ein Wichtigtuer von Datenschützer, der mit Google-, Microsoft- und Amazon-Apps auf seinem Smartphone rumläuft, um wichtige Emails zu schreiben. Der allein schon beim Einloggen ins GMS-Netz seine Spuren für jedem hinterlässt.«

»Das ist Kappes, das meinte ich nicht. Eher das folgende: ich denke, also wissen wir.«

»Freilich. Wissen ist immer gut.«

»Wissern ist wichtige!«

»Okay, nur vom eigentlichen Wissen wissen wir immer zu wenig. Sagt bereits die Volksseele.«

»Was uns als Wissen aber fehlt, sind für uns Wissende die Wissenslücken.”

“Freilich. Wir sind Unwissende.”

“Es gibt Menschen, die behaupten aber nicht bloß, dass wir nichts von all dem wirklich wissen, was wir allgemein zu wissen glauben – sie behaupten sogar, dass sie wissen, wie es wirklich ist.«

»Kenn ich. Der Volksmund nennt solche Menschen schlicht und ergreifend: Wichtigtuer. Im Neudeutsch auch ‘Verschwörungstheoretiker’.«

“Somit lässt der Volksmund sie dort liegen, wo sich jene schon immer befanden: an den Rändern der gesellschaftlichen Kommunikation.«

»Mainstream eben.”

“Mainstream bedeutete ja ursprünglich kommerzielle, massentaugliche Oberflächlichkeit. Woraus sich in der Kritik eine gewisse Geringschätzung ergab.«

»Mainstream gab es für uns Boomer nicht. Das ist ein Begriff der ‘Gen Y’ ausgesprochen ‘generation why’. Boomer nannten das damals lediglich ‘Massengeschmack’. Also, etwas ohne besondere Würze und für jeden ohne Schluckauf schluckbar. Gen Y nennt es jetzt ‘Boomer Mainstream’.«

»Egal. Die radikalen Ränder haben nun eben diesen Boomer-Begriff ‚Mainstream‘ gekapert, nur um die gesellschaftlichen Mehrheit zu deren Feind zu erklären. Sie bezeichnen die gesellschaftlichen Mehrheit als Diktatur, weil die Mehrheit sie abweist und an den Rändern hält.«

»Und nu, was soll das? Ränder sind nun mal Ränder. Jede Pizza hat Ränder, auch wenn sie knusprig und lecker sind.«

»Eben jene Ränder sind nun nur deshalb sichtbar, weil die Mehrheit sich mit ihnen beschäftigt. Der Mainstream beschäftigt sich nun mal mit jenen.«

»Wahrscheinlich aus Langeweile.«

»Und das geschieht besonders immer in einer Demokratie. Demokratie setzt sich für so etwas ein, dass soziale Ränder möglichst nicht ausgegrenzt werden. Die Ränder mögen das nicht und schelten sie daher als Diktatur. Paradox.«

»Sie meinen also wohl eher ‘Demokratur’?«

»Nur, in einer Diktatur werden aber solche, wenn sie denn gefährlich zu werden drohen, direkt in Gefängnissen und Lagern isoliert. In der Demokratie lediglich in den verschiedensten Medien berücksichtigt und besprochen.«

»Ich hab noch ne Rollte Alufolie. Kann man locker nen Aluhut raus basteln. Für dich und deine Gefängnisse- und Lager-Argumentation. Du driftest ab in Verschwörungsmythen.«

»Nun. Verschwörungsmythen stellen auch Teil eines Unterhaltungsgewerbes dar.«

»Du meinst, mit wenig Aufwand eine Erschaffung von Gruppenzugehörigkeit und Weltbilder?«

»Und jene sind die irgendwo zwischen Gaming und Kino angesiedelt sind. Zwischen ‘Marvel Universe’ und dessen ‘Avengers’ und einem Krieg a la  ‘Call of Duty’, den erfolgreichsten Beschäftigungsprogrammen für Großhirne vor Monitoren.«

»Aha, beim Lästern bist du jetzt bei der Playstation und den privat finanzierten Fernsehkanälen angekommen? Dem allseits bekannten Kino für geistig Arme?«

»Kino und Internet haben in den letzten 30 Jahren ein ganzes Universum an Verschwörungen ausgedacht. Das Monster bei Karstadt lässt grüßen. Oder Bielefeld und seine Saga

»Und das Drei-Hasen-Fenster in Paderborn.«

»Viele Verschwörungsgläubige scheinen in dem einen oder anderen Blockbustern der eigenen Blasen hängengeblieben zu sein. Da ist das 3-Hasen-Fenster nur das kleinere Übel.«

»Okay, momentan gibt es viele Superhelden- oder Anti-Superhelden-Filme und Serien auf den Streaming-Kanälen. Das ist wohl der neue geistige Existentialismus im virtuellen Hirn, der real viral in solchen Köpfen hoch und runter stiefelt.«

»Nicht wahr? Im virtuellen Raum lässt sich das echt prima ausleben.«

»Wir beide sind hier aber auf einer Parkbank. Die ist nicht viral und auch nicht durch einen Virus verursacht. Und die Parkbank geht auch nicht hoch oder runter.«

»Das ist wahr.«

»Und was sagt das uns?«

»Nun ja. Das alt bekannte Rezept: lasst es uns öffentlich aussitzen.«

»Da vorne ist ein McDonalds. Wir könnten in der Zwischenzeit ja ne Apfeltasche mit Cola mit nem Milcheis danach zu uns nehmen.«

»Gerne. Wenn es danach nicht viral geht …«