Kneipengespräch: Krieger, denk mal …


C360_2013-12-12-17-12-54-529_DxO_thumb.jpg Die ganze Zeit saß er schweigsam neben mir und nur hin und wieder entfuhr ihm ein leichter Seufzer. Ansonsten sagte er nichts. Sein Business-Anzug war von edlem Stoffe. Dessen mattes Dunkelgrau strahlte eine Ruhe und Überlegenheit aus, die allerdings kaum zu den Gesten seines Trägers passten. Immer wieder hob er seine Kölsch-Stange auf Mund-Höhe, setzte sie aber unentschlossen ab, spielte darauf mit seinen Fingern an dem Sockel des Glases und trommelten dort einen unhörbaren Rhythmus drauf. Das machte er drei oder viermal, bis es mich störte und ich mich ihm zuwandte.

„Sie müssen das Kölsch schon trinken. Lediglich es in Gedanken zu tun, hilft nichts, denn dann wird’s schal. Prost.“

Ich hielt ihm mein Kölsch zum Anstoßen hin. Aber er sah mich nur an. Wenn Augen der Spiegel zur Seele sind, dann sah ich tief in einem leeren Abgrund. Mit seiner linken ruckelte er kurz seine fliederfarbenen Krawatte in Position, strich vorsichtig über sein weißes Hemd und ergriff sein Kölsch.

„Wissen Sie, da sagen Sie etwas bedeutendes.“

„Prost?“

„Nein, Gedanken.“

„Sie machen sich Gedanken? Ich mach mir lieber einen schönen Abend.“

„Sie denken nicht, okay, sie geben mir aber zu denken. Wissen Sie, was Nekrophilie ist?“

„Ich denke Gedanken, also bin ich. Und Menschen mit nekrophiler Veranlagung fühlen sich von toten Gegenständen angezogen, weil sie Angst vor dem Lebendigen haben.“

„Richtig, mein Bester“, er hob sein Glas und stieß mit mir an, „auf deutsch, solchen Menschen ist ein Blechschaden an der eigenen Karre mehr Aufregung wert als die weltweit an Hunger sterbenden Kinder. Das Blech ist heilig. Und ein Galgen ist solchen Menschen beachtenswerter als jener Mensch, der drunter steht.“

Ich nahm einen Schluck aus meinem Glas und versuchte abzuwiegeln, um das Gespräch in seichtere Gewässer zu führen: „Sind wir nicht alle ein klein bisschen nekrophil?“

„Für jene ist das größte Aphrodisiakum all jenes, was den Geruch von Tod an sich hat: Uniformen, Raketen, Drohnen. Nicht, weil dies lediglich Totes sind, sondern weil sie den Geschmack des Todes bringen. Und der Tod ist das größte Aphrodisiakum der Menschen.“

„Ich habe aufgehört mir Gedanken darüber zu machen, denn es führt in die Gedankenlosigkeit. Können wir das Thema wechseln?“

„Wissen Sie, Gedanken sind so eine Sache. Wer macht sich denn eigentlich Gedanken. Nur wir Menschen. Evolutionstechnisch hat es uns an die Spitze der Nahrungskette dieser Welt gebracht, aber auch Mord und Totschlag haben sie erschaffen.“

„Und die Religionen. Unterschätze nie die Macht dummer Leute, die einer Meinung sind. Tucholsky.“

Er schien, über meine Bemerkung hinweggehört zu haben, und schaute grübelnd auf sein Glas: „Vielleicht ist die Fähigkeit, Gedanken zu entwickeln und zu haben, einfach nur eine eigentümlich Fehlentwicklung der Natur. Spätestens bei der Frage, wer hat das System erschaffen. Selbst auf eine stundenlange Antwort kann locker die postwendende Frage ‚Und wer oder was war der Schöpfer davon?‘ retourniert werden und zeigt, dass dieses sinnlose Spiel unendlich getrieben werden kann, um Menschen in die Anzweiflung dem Sinn ihrer Existenz zu treiben.“

„Der Gedanke als Virus? Ein Gedanke ist wie ein Virus, resistent, hochansteckend und die kleinste Saat eines Gedanken kann wachsen. Er kann Dich aufbauen oder zerstören. Aus dem Film Inception.“

Dummköpfe zu ertragen, ist sicherlich der Gipfel der Toleranz. Voltaire.“

Jedes Monster hat als Mensch begonnen. Ablee.“

Viele Menschen würden eher sterben als denken. Russel.“

Wir schwiegen. Uns fielen keine Zitate mehr zum Auftrumpfen ein.

Er trommelte wieder auf den Sockel seines Glases und schaute mich an: „Wissen Sie, als der Computer DeepBlue 1996 im Schach den Schachweltmeister Garri Kasparov besiegte, waren wir erstaunt. Aber Schach erschien uns berechenbar, weil endlich. Im Februar 2010 schlug der IBM-Computer Watson im Jeopardy die damaligen Rekordhalter dieses Spiel, Jennings und Rutter, sehr deutlich. Die künstliche Intelligenz Watson verstand bereits menschliche Wortspiele und auch Hintersinne. Inzwischen erschuf Watson auch noch einen Film-Trailer, der letztes Jahr ins Kino kam. Die von der Firma Google geschaffene künstliche Intelligenz AlphaGo hat das äußerst komplexe Brettspiel GO durch einfaches Zuschauen erlernt. Vor einem Monat, am 3. März, hat AlphaGo dann den südkoreanischen Go-Weltmeister Lee Sedol mit 5:0 deklassiert. Computer und deren Software lernt das Denken und wir stehen dabei und wundern uns.“

„Na gut, durch künstliche Intelligenz wäre es keinem Piloten mehr möglich eine Passagiermaschine in einen Berg zu steuern oder mit zu knappen Treibstoffvorrat ein weit entferntes Ziel anfliegen. Eine KI würde dem Piloten die Gewalt entziehen und die Maschine darüber hinweg fliegen oder den nächsten Landeplatz ansteuern. All die Kinder aus Haltern und auch die brasilianische Fußballmannschaft würde dann noch leben.“

„Nur was machen wir, wenn die KI das Lebenswichtigste erkennt, was unser Leben steuert? Zum Beispiel in einem Tesla-Fahrzeug“

„Wenn in nicht ferner Zukunft erneut ein Tesla-Fahrzeug bei hohem Tempo einen kreuzenden LKW in seiner Fahrbahn entdeckt, dann wird der analysieren, ob er eher rechts in die Gruppe der Rentner oder links in die Kindergruppe am Straßenrand steuert oder ob der Fahrer doch noch sterben muss, weil alle anderen wertvoller sind. Er wird analysieren, was das geringere Übel sein könnte.“

„Falsch. Er wird reagieren wie wir Menschen. Er wird das Prinzip des Überlebens um jeden Preis wählen. Kein Mensch wird sich überlegen, wer wo am Straßenrand steht, sondern nur, wie er am besten der lebensgefährlichen Situation entkommt. Der Tesla wird sich dieses vom Menschen abschauen und berechnen, mit welcher Kollision er den geringsten Schaden an sich erzeugt. Er wird erlernt haben, was es heißt zu überleben und dass der Mensch in lebensgefährlichen Situationen drei Grundregeln kennt: fliehen, tot stellen oder kämpfen. Der Mensch wird für den Tesla dann zweitrangig.“

„Wir sollten dagegen kämpfen.“

„Ah ja. Krieger, denk mal.“

„Denken. Ich denke, also werde ich sein,“ sinnierte ich vor mich hin.

Wie kann es sein, dass ich, der ich bin, bevor ich wurde, nicht war, und dass einmal ich, der ich bin, nicht mehr ‚Der-ich-bin‘ sein werde? Vom Engel Damiel aus Der Himmel über Berlin.“

Aber du bist ja nicht da. Ich bin da. Es wäre schön, wenn du da wärst … du könntest mit mir reden. Peter Falk“, seufzte ich meine Erwiderung und schaute beim Aufblicken den Wirt an. In dessen Augen erkannte ich den mir altbekannten Vorwurf der letzten Zeit. Ich blockierte ihm wohl seinen Feierabend.

„Na? Wieder wach? In letzter Zeit säufst du mir zu viel. Ist zwar gutes Geschäft für mich, aber du ruinierst dich noch. Denk mal drüber nach. Ich mach jetzt zu. Feierabend. Du darfst zahlen und gehen. Compañeiro.“

Ich stand auf, legte ihm ein paar Scheinchen auf den Tresen und wankte auf die mir ausweichende Tür zu …

Rosenmontag war gestern, heute ist Nelkendienstag!


Rosenmontag ist passé und der Südosten Deutschlands bereitet sich schon auf den politischen Aschermittwoch vor, um darauf natlos sich in der Starkbierzeit dem Vergessen des vorherigen Faschingstreibens hingeben zu können.

In der Zwischenzeit wurden kleine güldene Statuen an Personen für deren filmische Machenschaften von einem amerikanischen Elferrat mit Code-Namen „Filmender Frohsinn“ aus Los Angeles überreicht. Und während der Verleihung schauten unterdessen alle auf Twitter nach, was denn der @realDonaldTrump zu jener Oskarverleihung so zu sagen hätte. Aber es kam nichts von ihm. Hatte er etwa seinen Fernseher nicht an? Oder war er überhaupt im Weißen Haus oder seinem Trump Tower? Spekulationen um seinen Gesundheitszustand schossen ins Kraut.

Die der Fake News völlig unverdächtige Klatschpresse um Fox News und so hatte gleich heraus gefunden, was wirklich geschehen war:

Donald Trump versuchte sich in Begleitung eines Secret Service Agenten im Kölner Karneval beim Rosenmontagszug zu amüsieren. Unter den vielen anderen Menschen mit Trump-Masken fiel er, der @realDonaldTrump, ja eh nicht weiter auf. Jedoch – so soll Fox News berichtet haben – als @realDonaldTrump das zwölfte Küppers-Kölsch ge-ex-t haben sollte, brach er wohl zusammen. Er schien nicht mehr zu atmen, seine Augen waren verdreht, Schaum quoll ihm aus dem Mund und sein Smartphone wies kaum noch Akkuladung auf. Der Secret Service Agent griff zu seinem eigenem Smartphone und wählt die Nummer der Amerikanischen Botschaft in Berlin. „Ich glaube, der Präsident ist tot“, schrie er panisch in sein Handy, „was soll ich machen?“ In der Amerikanischen Botschaft versuchte man wohl zuerst, den Mann zu beruhigen: „Regen Sie sich nicht auf, wir werden Ihnen helfen. Stellen sie erst mal sicher, dass er wirklich tot ist.“ Am anderen Ende der Leitung herrschte einen Augenblick Stille. Dann fiel ein Schuss. „Erledigt“, sagte der Agent, „was jetzt?“

Der Agent hatte wohl nicht sorgfältig genug gezielt, wusste Breitbart News Network gleich aus gut unterrichteten Kreisen danach zu berichten. Der Präsident wurde per Luftfracht direkt in die Berliner Charité verfrachtet und dort notoperiert. So lag der @realDonaldTrump erschöpft, aber glücklich, weil lebend, in seinem Bett, als sein Vize Mike Pence auftauchte, um ihn zu besuchen. Mike Pence sah den Präsidenten vor sich liegend, verbunden an eine Unzahl von Schläuchen, die an der Decke und über den Boden liefen. Plötzlich fing der Präsident an zu keuchen. Da er nicht sprechen konnte, bat er Pence in Zeichensprache um einen Stift. Der @realDonaldTrump kritzelt auf einen Zettel einen Satz und fiel anschließend in ein tiefes Koma. Mike Pence sah den Zettel und reagierte sofort: „Das geht mich nichts an, weil nicht getwittert“ und brachte den Zettel umgehend der Frau des Präsidenten. Die studierte den Zettel und fiel in Ohnmacht. Daraufhin nahm Mike Pence den Zettel an sich und las: „Du Idiot, geh von meinem Schlauch runter!“

Berühmt berüchtigte Fake News-Vertreter aus den USA, also die New York Times, CNN und Buzzfeed, meinten dagegen berichten zu wollen, dass es sich bei der ganzen angeblichen Geschichte lediglich um mutmaßliche „Fake News“ handeln würde.

Gesichert ist jedoch laut diverser Teilnehmer der wöchentlichen Narrenveranstaltung in Sachsen, der PEGIDA-Dresden, dass von den berühmt berüchtigten Fake News-Vertretern aus Deutschland (wie SZ, FAZ, Zeit, Stern, Spiegel, taz und Bild) verschwiegen wird, dass an einem Reststück der Berliner Mauer am Berliner Wannsee offensichtlich eine Kinderhand in roter Farbe ein „Gott erhalte Donald Trump“ hinschmierte. Und in kleinen blauen Kleinbuchstaben drunter ein „möglichst bald“ kritzelte. Die Polizei wollte das bislang weder bestätigen noch dementieren, da ihr am Wannsee bislang keine Berliner Mauer bekannt sei. Sie vermutet berechtigterweise nicht „Fake News“, aber eine Ente verkleidet als ultrawichtige Nachricht vom Berliner Wannsee.

Und an dieser Stelle fragt sich der geneigte Karnevalsabstinenzler:

Ist das Humor?

Oder kann das weg?

Synchronizität?


Nicht jede Nachricht erfreut. Selbst die Nachrichten, die man selbst heraus findet, müssen nicht immer freudig sein.

Es war die Zeit der Buchhandlungen, in denen gebrauchter Lesestoff verkauft wurde. Von Comics bis unverdaulichen Wälzern. Meine Suche war zielgerichtet und ich suchte Bücher von Kabarettisten. Und so stieß ich auf ein Buch aus dem Jahre 1976 mit dem Titel „Die Zeit spielt mit – Die Geschichte der Münchner Lach- und Schießgesellschaft“. Es war schon damals gut erhalten und damals erst zwölf Jahre alt. Ich verschlang es. Vor drei Jahren trat der Autor im  „Laden“ auf. Solo-Programm in der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“. Zur Vorstellung hatte ich das Buch mitgebracht, um nach dem Programm eine Widmung von ihm drin zu erhalten. Er sah das Buch, blätterte erfreut ein wenig drin rum und fragte: „Wo haben Sie denn das her?“ Seine Widmung war mir Gold wert. Und sie stand in meinem Regal. Aber wie immer, wenn etwas in einer Wohnung umgeändert wird, kommt manches einstweilen in den Keller. Zur Zwischenlagerung. So auch dieses Buch vor einem dreiviertel Jahr.

Am letzten Sonntag ging ich wieder zu meinem Kellerabteil, um dort etwas hinein zu stellen. Mir fiel ein seltsamer Geruch auf und im schummrigen Licht einer Funzel stellte ich fest, dass es offenbar einen Wassereinbruch gegeben haben musste. Die Kartons zeigten Wasserlinien. Ich räumte aus und schaute mir den Schaden an. Viele Bücher, selbst Tagebücher, Fotos und Dokumente waren verklebt und mit Schimmel überzogen. Darunter  auch jenes Buch „Die Zeit spielt mit – Die Geschichte der Münchner Lach- und Schießgesellschaft“. Es war aber nicht die einzige Rarität, die dem Wasser und Schimmel zum Opfer gefallen war, aber das Buch bedeutete mir sehr viel. Es enthielt die Widmung eines Gründers des legendären Kabarett der Münchner Lach- und Schießgesellschaft des letzten Jahrhunderts.

Heute las ich, das Hans Peter Schreiner vorgestern am Dienstag im Alter von 86 Jahren verstorben ist. Mir blutet das Herz. Erlebte Synchronizität zwischen Entdecken und Erfahren.

Und ein weitere Gedanke schoss mir durch meinem Kopf:

Ich werde alt. Meine Idole sterben …

 


 

von der Internetseite der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ (https://www.lachundschiess.de):

"Es sind nicht immer die Lauten stark,
nur weil sie lautstark sind.
Es gibt so viele, denen das Leben
ganz leise viel echter gelingt"

Konstantin Wecker

Krieger, denk mal!


Du verstehst? Du verstehst nicht? Was verstehst du nicht? Wie oft muss ich dir das Ganze erklären? Einmal? Zweimal? Denke drüber nach. Das Verstehen an sich ist essentiell. Ohne Verstehen geht die Essenz flöten. Und zwar aus dem letzten Loch, du Blockflötenbläser.

Die Essenz des Lebens ist das löchrige Verstehen. Denn ohne löchriges Verstehen wäre es noch nicht mal möglich, guten Kaffee in einem Kaffeefilter zuzubereiten. Du verstehst? Guter Kaffee. Stark, schwarz, geschmackvoll. Wie ein Werbespruch eines Markenreifens vom Reifenhändler deiner Wahl. Gefiltert durch Löcher. Den schwarze Löcher deines Verstehens und als lebenswichtige Essenz eines guten Morgens. Gib dir die Dröhnung. What else? Lass die Kaffeemaschine arbeiten. Du hast in der Zeit noch frei.

Und du faselst noch immer etwas von „nicht verstehen“. Ist das dein Ernst? Nochmals, ein gutes Loch ist Gold wert. Loch bei Loch und es hält doch. Hm. Stimmt nicht. Hat im letzten Jahrhundert bereits Ulbricht als These verworfen und hat darauf gemauert. So wie die Italiener bei den Fußball-WMs in den letzten Jahrhundert, als sie vor dem Strafraum immer Speis angerührt haben. Angeblich war deren Inspiration jener Ulbricht, jener Walter der „so called DDR“. Remis bis zum Finale. In der Verlängerung beim Golden Goal ausgeschieden. Hauptsache, nicht verlieren und in keinem dunklen Loch das eigene Dasein fristen. Und erst recht nicht aus dem letzten einen, welches einer pfeifend ertönen läßt.

Pfeifen. Ein „f“ vor dem „ei“ und  keine zwei hinter’m „ei“!

Bitte. Danke.

Loch. Schwarzes Loch. Loch bei Loch und es hält doch. „Kette“ ist die Lösung diese Wortspiels. Jedes Glied ist in der Kette nur so stark wie sein schwächstes. Und ich bin so etwas von schwach, da kann ich dir diverse Nummern aus dem Rotlichtmilieu zustecken, die schwören dir, was mit mir los ist.

Trotzdem.

Du verstehst nicht? Absolut nichts? Mein Geschreibe ist ein Buch mit sieben mal sieben Siegeln? Feiner Sand?  Verrinnend in deiner kraftvoll zupackenden Hand? Andererseits, du hättest auch gerne jene Pillen, die ich heute morgen geschluckt hatte? Hm. Jene Überdosis irrationalem Glück? Geht nicht. Sind nicht für Deutsche auf Krankenkasse für Harz Verlierer. Die werden nur mit Depressionen ob deren Situation erduldet. Ansonsten, maximal als Verwerter der Re-Importe aus Dritte-Welt-Länder, jener Sahel-Zone oder dem bombigen Jemen oder woanders, weil dort die Verkaufspreise nur für Reiche günstig sind. Und in speziell, weil jene Pillen nur nach dem Essen eingenommen werden dürfen. That’s the way, die Re-Importe are created … denglish …

Hm, Geld macht glücklich? Ja, freilich. Aber sicher das. Was sonst. Oder will jemand so arm sein wie in Kambodscha? Wo sie glücklich scheinen, auch ohne Gelb? Gelb, welch hässliches Wort. Um was geht es sonst? Geld wird sowieso vollkommen überschätzt. Der Gott der Hebräer, der derzeit zwei größten gewalttätigsten und religiösen Weltpotentaten, jener war wohl Jude, als Vater von Jesus und Mohamed. Und deren größten Antipoden waren erwiesenermaßen jene Teufel „Marx“ (PFUI!) und auch noch jenes russische Übel (russisch? Doppelplusungut!) namens „Lenin“. Satan und Beelzebub. Beide haben nur Unglück über diese Welt gebracht. Die „Roten Khmer“ sind brutales Beispiel genug.

Und deswegen erhielt ein unnominierter Beelzebub für seine Rolle in dem Film „Mein Geist will immer nur das eine“ seine „Goldene Himbeere“. Nein, ich beziehe mich ausdrücklich nicht auf jene Hauptdarsteller Mrs. Bo Derek und Mr. Anthony Quinn. Moment, habe ich Beelzebub mit dem Herr der Fliegen durcheinander gebracht? Echt? Mea culpa. Ich bin doch nur The Apprentice! Wie? Was? I am fired? Sackgesicht, du Leser! …

Und? Ändert das etwas? „Beelzebub, you are fired“, wäre der Satz, den hier jeder in D-Land-Umgebung im letzten Jahr erwartet hätte, dem die inneramerikanischen Verhältnisse am Bobbes vorbei gegangen sind. So wie damals in Griechenland bei den Stinkefingerzeiger Giannis Varoufakis aus dem griechischen Kabinett. Der war dem demokratischen Deutschland ein demokratisch gewähltes No-Go. Wer hat gewählt? Das „demos“, jene griechische Volk? Das „demos“vom anderen Ufer, was wir als „USA“ bezeichnen?  Oder gar die Finanzwelt?

Demokratie.

Ich lese in einem sozialen Medium die emotionale Aussage eines Deutschen, der äußert, dass sein Beelzebub der USA überhaupt nicht sein Präsident wäre. Etwas, was faktisch vollkommen stimmt, da er dort – nach eigenen Aussagen – als Nicht-Amerikaner eh nicht wählen konnte und nicht wohnt und somit allgemeinen demokratischen Konsens folgte. Da hat er recht. Aber so etwas von recht. Auch wenn er in seinem Verständnis Löcher hat Aber so etwas von löchrig ….

Löcher des eigenen Verständnisses. Benutzt als positive, vorsätzliche  Verstärkung der eigenen Argumentation. Nur später erinnert man sich ungerne daran. Geht mir auch so. Da bleibt ein schwarzer Fleck. Ein Fleck wie ein Loch. Lediglich das Gefühl, man habe es seinem Gegenüber gezeigt.

Und aus dieser Argumentationskette werden in Deutschland noch immer Kanzlerkandidaten der nächsten Bundestagswahl mit unterschiedlichen Gangarten geboren. Egal ob aus Hamburg, Würselen oder Dresden. Muss ich das verstehen? Freilich muss ich das verstehen. Denn ich bin ja Nachdenker. Der Fluch des eigenen Hirns.

Also:

Ich verstehe? Ich verstehe nicht? Was verstehe ich nicht? Wie oft muss ich mir das Ganze erklären? Einmal? Zweimal? Denke ich drüber nach. Das Verstehen an sich ist essentiell. Ohne Verstehen geht die Essenz flöten. Und zwar aus dem letzten Loch.

Loch bei Loch und es hält doch.

Mir sei die Kette. Euch die Löcher …

Und ansonsten gibt es noch Informationsquellen wie „Aldi informiert“, „Apotheken-Rundschau“ und „Landwirtschaftliches Wochenblatt Westfalen-Lippe“.

Inzwischen erforsche ich derweil meine letzten Löcher, aus denen ich euch meinen nächsten Blog-Post vorflöten werde …

So denn ich die Löcher der Straße meine indifferente  Überzeugung finden werde …

Loch bei Loch … Kettenreaktion … harmlos …

Dahinter steckt immer ein kluger Kopf


Die Messe ist gelesen, das Zäpfchen gelutscht, das Hühnchen gerupft, der Trumpf verbraten. Und weiterhin, sie haben noch immer den klugen Kopf. Immerhin. So deppert, wie andere ins Bild gesetzt werden, da ist mir der Kopf hinter der hochgehaltenen aufgeschlagenen Zeitung immer noch lieber als Bild-ungsbürgertum als Unterlage für ne Pommes. Denn am geschliffenen Geist macht es mehr Lenz, sich zu reiben als an deutscher Eichentümelei.

Nur, da lese ich auf „klugen Kopf“-Internetseite „Deutsche Manager reden sich Trump schön“. Nun, auf meiner Visitenkarte steht dieses plakative Wort. Nein. Nicht „Trump schön“. Sondern „Manager“. Und? Rede ich ihn mir schön? Auf meinem Tisch steht ein Glas Rotwein. Montes Alpha. Chile. Grüße aus dem Feuergürtel dieser Welt. Und sie können das, was andere in Deutschland nicht können, und zwar Rotwein. „Trump schön“? „Clown schöööön“! Der Besitzer der Autorenrechte dieses letzten Zitats ist bereits tot. Und: Gott erhalte Trump! Hat da gerade wer gedacht „möglichst bald“?!? Denkt dran, die NSA ist überall dabei. NSA geht immer. Und seid ihr jetzt sicher, dass diese harmlose kleine Glühlampe an eurem Schreibtisch nicht der Generation „Smart Home“ angehört und mit der NSA verbandelt ist? Präsidentenbeleidigung ist strafbar, woll. Da sei euch der Fall „Erdogan“ ein mahnendes Beispiel, wie sowas funktionieren kann. Also seid brav, nett und demokratisch linientreu. Lediglich lebende Fische sind dem Strom aufwärts eine Bedrohung. Sagt ja auch der der Mann am Joystick der Drohne in Rammstein.

Rede ich mir Trump schön? Nicht wirklich. Vielleicht sollte man hier endlich mal zur Kenntnis nehmen, dass Hillary Clinton mit Hilfe ihrer Partei einen Mitkonkurrenten kaltgestellt hatte, damit sie weiter um die Macht mit Trump konkurrieren konnte. Wenn man einen 2CV6 („Ente“) hat, um damit gegen einen alten Cinquecento (Fiat 500) anstinken will und deswegen einen „R5“ alten Kalibers im Rennen um das Präsidentenamt mit Hilfe der eigenen Partei die Reifen abmontieren lässt …

Die Amerikaner wählten schon immer die beste Nase aus der ganzen Schlammschlacht-Arena. Den den sie für als den besten erachteten. Star-Wars-Regen. Praktikant-Klintor. Bomben-Busch. Guantanomo-Auflöser-Drohnen-Obamama. Ach ja, okay. Das Wahlsystem … gut, einverstanden, die Spielregeln des Wahlsystems sind Scheiße, denn sonst wäre Hillary … und wenn vier Ecken ein Elfmeter ergäben, wäre Deutschland schon zehnmaliger Fussball-Weltmeister. Und wer hat’s verhindert? Ein Korrupter …

Das demokratische Leben ist nun mal ungerecht, Scheisse und blöde.. Nur Diktaturen haben eindeutige Spielregeln … würde die AfD ja auch sagen, wenn es nicht so unsäglich undemokratisch wäre …

Ob ich mir Trump schön rede? Nicht die Bohne.

Meine Kreditkartengesellschaft schrieb mir neulich, dass ich bei einem Kartenguthaben von 0 bis 10.000 Euro lediglich 0,2% Zinsen erhalte. Über 10.000 Euro vergüten sie mir mein Guthaben mit 0% Zinsen. Hey ich bin aufgewachsen, da gab es auf dem Sparbuch noch 3% pro Jahr. Heute tauchst du mit 11.000 Euro bei der Bank auf? Dann haste du erstens die Ermittlungsbehörden an den Hacken und danach ziehen dir die Banken auch noch noch zwei Fünfhunderter-Scheine als Strafgebühr bei der Einzahlung ab. Dein Geld ist nicht geschäftskompatibel ist. Du solltest doch lieber in Immobilien investieren. Mach mit bei der nächsten Blase. Kein Wunder, wenn die Mieten hier in München steigen, weil jeder versucht, das Beste aus seinem Geld heraus zu holen. Mit 11.000 Euro kriegste ja noch nicht mal einen Stein der Grundmauern einer Wohnung. Und wundert es den Leser, dass ich deswegen als Mieter auch nicht mit 11.000 Euro meiner Bank eine Krise auslösen kann, weil ich dazu keine Sparchance habe …

Es ist ja offensichtlich nicht mehr so schlimm, eine Bank zu überfallen. Denn um solche Gewaltaktionen kümmert sich der Staat. Nur ist es jetzt erheblich bedrohlicher eine Menge Geld einzahlen zu wollen. Da kümmert sich die Bank mit entsprechenden Zinsstaffelungen drum. Kommt ein Reicher mit seinem Vermögen in die Bank und droht ein Sparbuch aufzumachen. Da droht aber die Bank mit Zinsen und Gebühren dagegen. Aufrüstung der Reichen gegen noch Reichere. Wie sagte bereits der weltweit von Arm und Reich geachtete (wieso?) Mensch Warren Buffet: „If class warfare is being waged in America, my class is clearly winning.“ (übersetzt: „Wenn in Amerika ein Klassenkampf tobt, ist meine Klasse dabei, ihn zu gewinnen.“). Trump ist garantiert auf Warren Buffets Seite beim Buffet am Tisch der Armen (… dieser Kalauer musste jetzt sein …).

Also zurück zu Trump und der Zeitung, hinter der eh immer ein kluger Kopf steckt. Da fällt mir gleich als nächste Schlagseite auf, dass Hunderttausende unter anderem vor allem Frauen gegen Trump demonstrieren. Hunderttausende! Ist das nichts? Gut. Im nächsten Satz wird dann desillusionierenderweise das Wort „weltweit“ gebraucht. So, so. Es gibt wohl auch nur Zweihunderttausend Frauen auf dieser Welt, denn ansonsten wäre das keine Schlagzeile mit der Erwähnung des Wortes „Frauen“ wert. Manager Deutschlands (wie viele?) reden sich Trump schön (Prost!) und Hunderttausende mit „vor allem“ Frauen demonstrieren weltweit gegen den amerikanischen Clown Trump (… liebe NSA, das war nur ein harmloser, satirischer, unwichtiger Witz, ehrlich, echt jetzt  … oder doch nicht? …). Und links die Schlagzeile, dass die Partei „Die Linken“  eine Eintrittswelle verzeichnet, direkt rechts daneben Hurra-Rufe für Petry, Wilders, Le Pen und Trump …

Hm. Ich saufe, pardon, rede mir Trump nicht schön, ich bin keine weltweit demonstrierende Frau und trete auch nicht in die Partei „Die Linken“ ein … ernsthaft, ist mein Leben in Gefahr? Eine wirkliche Notwendigkeit? Ein echter Missstand? Oder ist das lediglich unschön?

Und jetzt das wichtigste! Fußball-Bundesliga zum Auftakt im Jahr2017: das Ergebnis „1:“2“ gab es bisher wie das Ergebnis „1:0“ gleich zweimal (Stand: Samstag vor dem Sonntag). Drei andere Spielergebnisse wollten sich wohl mit anderen Ergebnissen wichtig machen und damit Wettquoten verderben. Das ist bedenklich. Ernsthaft. Insbesonders da es keine Anhaltspunkte für Bestechung gibt. Und das beim Fußball. Das ist ja so wie Olympia ohne Doping. Geht gar nicht. Könnte da mal wer nachforschen? Ist jetzt absolut wichtig. Es geht um meine Quote! Ernsthaft. Meine Bank wollte mir die 10-Euro-Einzahlung mit 10 Cent strafen, also hab ich gewettet und jetzt schein ich auch im Wettbüro dieser abartigen Modeerscheinung „negative Zinsen“ zum Opfer geworden zu sein.

Trump schön saufen … äh, reden. Als Manager? Benötige ich nicht. Ich fang schon mit den AGBs meiner Bank an. Prost.

Alles gut


Heute bin ich gutmütig. Normalerweise dürfen jene blau gekleideten  Menschenwesen nicht bei schneebedeckten Autos im „Anwohnerparken“ nach den Parkausweisen hinter den Windschutzscheiben forschen. Den Schnee zu beseitigen, ist verboten. Als Rache der Autohalter sind die Klagen wegen Kratzer am Fahrzeug zu häufig. Es ist in München den Politessen und Politess-Essenern untersagt, investigativ tätig zu werden: das Blech ist heilig! Das Schaben an Windschutzscheiben ist in München den Offiziellen ohne Polizeiabzeichen komplett untersagt.

Neuschnee. Neulich. Unberührt, jungfräulich weiß, unbefleckt (… hatte München zu Silvester etwa gar Smog? …)

Alle Fahrzeuge im „Anwohnerparken“ sind schneebedeckt. Sogar das Fahrzeug mit dem Kennzeichen „AC“. Ich habe aus einer gelangweilten, sadistischen Intention meiner einerseits das „AC“-Fahrzeug oberhalb der Motorhaube komplett vom Schnee befreit. Man gönnt den anderen ja sonst nichts. Brot für die Welt, aber die Butter bleibt hier. Der Fahrzeughalter hätte mich ob meiner Handlung wahrscheinlich am liebsten am nächsten katholischen Kirchturm brennend kreuzigen lassen.

Sieben Uhr abends. Sonnenuntergang war bereits Vergangenheit. Präteritum. Die Arbeit lange danach auch. Heimweg. Das Auto stand unberührt von meiner Aktion weiterhin dort. Das Verkehrsschild daneben versprach weiterhin jedem Autohalter nichts Gutes. StVO. Absolut Ungutes. StVO-Doppelplus-Ungut. Nur mir nicht. Freudig lächelnd erblickte ich das Knöllchen im Plastiktütchen unterm Scheibenwischer vom „AC“-Vehikel.

Gewissenbisse? Nö. Das Vehikel ist ja nicht meines. Was geht mich das Unglück anderer an? Also darf ich das. Ergo: Widerspruch zwecklos. Zahlen sollt ihr, ihr vorsätzlichen Falschparker!

Meine Kissenunterlage, jene für das Fenster zur Strasse hinaus, darauf wie eine römische, eherne Statue auf Ellenbogen abgestützt, die ist mit mir legendär. Die kennt jeder in meiner Nachbarschaft: Da bin ich der King und geachtet. Eine lokale Größe. Behandelt mit gebührendem Respekt. Man kennt mich als den „Anzeiger“ und respektiert mich für meinen Ordnungssinn und ob meiner STVO-Kenntnisse. Bin ja sowieso Ü50. Ich darf das und habe auch eine Lebensaufgabe: Alle Macht der STVO!

Echt jetzt? Nun ja, ich habe kein Auto … also egal …

Die Zeit ist das Feuer, in dem wir verbrennen.


Die Zeitansage. Du warst meine erste Liebe, du eiserne Jungfrau.

„Beim nächsten Ton ist es …“

Damals hatte ich dich kostenlos anrufen können und dir überm Lautsprecher des Morgens gelauscht. Vor dem Rausgehen, um rechtzeitig den Bus zu erwischen. Oder des Mittags, um festzustellen, ob der Angelus rechtzeitig geläutet wurde. Oder des Abends, um zu sehen, ob die Tagesschau pünktlich begann. Oder wenn ich Langeweile hatte und einfach mal meine Uhr auf die Sekunde genau justieren wollte. Minute für Minute. Ein Reaktionsspiel, die Uhr genau mit dem „Pieps“ der vollen Minuten synchron zu bekommen.

Du kommst zu spät. Du bist nicht pünktlich. Meine Zeit habe ich nicht gestohlen. Wie Sand zwischen den Fingern ist es beim nächsten Ton …

Es liegen weniger Tage vor mir als bereits hinter mir. Und alle elf Sekunden verlieben sich zwei Minuten beim klar Schiff Machen. Stunde für Stunde. Tag für Tag.

Ich lauschte der Stimme. Sie klang so rational feminin, so sachlich weiblich, so überzeugt fraulich, so sinnlich zeitlos.

„Beim nächsten Ton …“

… komme ich zu dir, meine eiserne Jungfrau, und dann halten wir gemeinsam die Zeit an. Stunde für Stunde, Minute für Minute, sekundenweise.

Aber das reicht nicht mehr. Bei Wettläufen helfen nur noch genaue Uhren, um zu unterscheiden, wer schneller ist. Mit Unterscheidung auf Tausendstel des Augenblicks. Wimpernschlaglängen.

Die Zeit ist wie ein Raubtier. Du kannst versuchen, ihr zu entkommen. Aber sie wird dir folgen, dich jagen und erlegen. Auge um Auge, Zahn um Zahn, Falte auf Falte. Die Zeit vergeht und wartet auf niemandem. Diese vergängliche Erfindung des logischen Menschen. Der Mensch sagt, die Zeit vergehe. Die Zeit sagt, der Mensch vergeht.

Ich höre dich. Beim nächsten Ton. Ich dreh‘ mich um mich und schau mir ernst ins Gesicht. Ernste Zeiten bedürfen der Heiterkeit. Ohne Heiterkeit lässt sich das Leben in der Zeit nicht denken.

Ein Schwarzer saß in Dresden in einem Bus, las in einer seltenen Ausgabe des Talmuds und jedes mal, wenn er eine Seite im Talmud weiter blätterte, rückte er seine Kippah zurecht. Ein Mensch, der ihm gegenüber saß, stand auf, schlug ihm ins Gesicht und schrie erbost: „Reicht es nicht schon, dass Sie Jude sind?“

Zeit zu lachen. Lache zur Zeit, du könntest vor Abend weinen. Morgen und Abend. Leben und Tod. Zeit zu leben.

Begleite mich, Zeitansage, du meine 0119-Chiffre. Lebe mit mir, du eiserne Jungfrau meiner Jugend. Sprich mir dein Mantra für unsere Einheit. Bis ich das Zeitliche segne.

Beim nächsten Tod ist es …

… zu spät …

Pop … pop … populär: Tagebuch-Leak


Geheimer Auszug aus meinem eigenen, skandalösen Tagebuch. Von mir unbarmherzig veröffentlich, damit jeder die Wahrheit erfährt. Jeder. Aber auch wirklich jeder. Echt jetzt. Macht man doch so, oder etwa nicht? Egal. Total egal. Mir total schnurzpiepegal.

Heute ist mein Facebook-Tag. Ein knalliger Eintrag muss her. Aber end-knallig! Das letzte Katzenfoto hatte nur zwei magere Likes eingebracht. Irgendetwas, was zündet. Womit ich bekannter werde. Womit ich richtig stark geliked werde. Es muss doch möglich sein, dass ich mal bekannter werde. Höherer Bekanntheitsgrad, mehr Facebook-Likes, mehr Facebook-Freunde, mehr Leser von meinem Blog. Da geht doch was.

Böhmermann als Beispiel? Schon mal ein Anfang. Hat unheimlich viel Bekanntheit bekommen für ein Schmähgedicht, von dem er selber sagte, dass er es als Beispiel veröffentlicht, was nicht veröffentlicht werden darf, oder so. Aber nachher die Staatsanwaltschaft vor der Türe, muss nicht sein. Dann lieber ne andere Strategie.

Oder mal ne vorsätzlich fake news auf Facebook streuen und diese dann direkt als ‚fake news‘  bezeichnen? Hm. Nicht so gut, dieses ‚fake news‘. Da kommen dann die ganzen Pedanten aus den Löchern gekrochen und schimpfen mich wegen dem englischen Ausdruck ‚fake news‘, weil es bereits das ur-deutsche Wort ‚Falschmeldung‘ gibt. Nur ‚Falschmeldung‘ klingt einfach negativ. Schreib ich jedoch ‚Zeitungsente‘, dann kommt der Bundesagrarminister, dieser Freiheitskämpfer wider den fleischlosen Fleischbällchen, aber völlig-nicht-wider die literweise, vegane Kalthopfenschale, also dann kommt jener Bundesagrarminister Christian Schmidt der CSU und meckert, weil das wieder eine Täuschung des Verbrauchers sei. Facebook sei ja keine fleischhaltige Flugnachricht-Zuchtanstalt, und außerdem kenne er nur halbe, gebratene Enten mit Blaukraut aus Muttis Küche. Und dann noch, weil, mit Essen spiele man nicht.

Hm. Brauch ich nicht.

Oder doch!

Politikerschelte ist ja richtig populär. Die CSU-Flugente ‚Münchener Merkur‘  schrieb neulich, dass die als ‚Kabarettistin‘ bezeichnete Gruber Monika (schreibt man in Bayern so), also jene hat Zehntausend Likes erhalten, weil diese Gruber letztens eine Politikerin, jene Simone Peter aus NRW, als ‚dürrer Veggie-Hintern‘ und als ‚GrüPri‘  – Grubers Abkürzung für ‚Grünen-Pritschn‘ – bezeichnet hat. Nebenbei, ‚Pritschn‘ heißt ins Normaldeutsch übersetzt ‚Vagina‘, ‚Prostituierte‘. Es wird benutzt, um damit eine bösartige, aufsässige, klatschsüchtige Frau von einer ehrhaften, folgsamen, schweigsamen Frau abzugrenzen. Die eigene Wertsteigerung durch Abwertung einer anderen Person als Zeitgeist-Masche. Zehntausend Likes als Dreingabe zur Aufwertung und der Wertschätzung willen. Nur, wenn ich ‚GrüPri‘ und ‚dürrer Veggie-Hintern‘ verwendet hätte, also ich wäre dann als mieser Sexist und zusätzlich noch als elender Rassist öffentlich in Zeitungen gebrandmarkt worden.

Aber Frauen dürfen das. Und Christian Schmidt hat wohl auch nichts dagegen, dass der Hintern von jener Simone Peter als vegan klassifiziert wurde, obwohl da Fleisch drin ist. Die Bayern an sich dürfen das ja erst recht. Insbesonderes bei Leuten nördlich des Weißwurstäquators, auf welche die Bayern laut Grundgesetz ja eh nicht mehr schießen dürfen, auch wenn sie’s noch so sehr wollten. Tja, Stutenbissigkeit leben, das können nur Frauen wie Monika Gruber. Ausnahme vielleicht Mario Barth: bei dessen Programmen weiß ich nicht wirklich so genau, ob der in Wahrheit nicht doch ne Frau und dann auch noch mit Desiree Nick verheiratet ist.

Ich brauch ne Beleidigung, die sich gewaschen hat. Mit der ich auf Facebook geliked werde. Ich könnte was gegen Flüchtlinge, Mutti Merkel und Sarah Wagenknecht schreiben. Dann liest es vielleicht Dieter Nuhr und Alice Schwarzer, beide liken und teilen es mit wohlwollendem Kommentar. Das macht dann die ersten Tausend Likes. Eine Viertel Stunde später wird die AfD auf Schwarzers Vermerk aufmerksam und – Schwupps – habe ich fast ne Million Likes.

Nein, das ist es mir nicht wert. Zu billig. Und ich möchte auch nicht mit der AfD in Verbindung gebracht werden. Dieser parteigewordenen Kreuzung aus schlechten NRW-Witzen und Berliner Kalauern …

Es muss auch noch ein anderen Weg geben, um nach Komplimenten zu fischen. Katzenfotos bringen es nicht mehr. Außer vielleicht ein Foto von fünf, süßen, kleinen Katzenbabys. Putzig aus einem braunen Kartoffelsack schauend. Im starken Regen. Mitten auf dem Rhein. Und im Hintergrund, knapp zwei Meter dahinter, die riesige Bugwelle eines Schleppkahns …

Hätte wiederum etwas von AfD-Niveau. Mit Katzenfotos und AfD spielt man nicht. Obwohl, wenn ich so an Tiere denke … Tierschützer passen immer gut als Feindbild. Da sitze ich in einem Boot mit Christian Schmidt. Im gleichen Schleppkahn. Katzen ahoi!

Also. Nochmal. Es muss etwas her, was Aufmerksamkeit erregt. Irgendetwas, was zündet. Heureka, ich hab’s! Das ist es! Ich erstelle ne öffentliche Veranstaltung in Facebook. Einladung an alle:

Sonntag Abend, 21:00 Uhr, im Scheine des Mondes, öffentliche Dackel-Verbrennung auf dem romantisch verschneiten Münchner Marienplatz. Unterhalb der goldenen Mariensäule. Um Spenden an Zamperl, Reisigholz und guten Brandbeschleunigern wird gebeten. Mit anschließendem Absingen der Europa-Hymne am wärmenden Feuer. Hot-Dogs gibt’s gratis!

Genau. Absingen der Hymne an Freiheit, Frieden und Solidarität. Die ‚Ode an der Freude‘. Seid umschlungen Millionen! Töchter aus Elysium! Und Söhne freilich auch. Ludwig van ist doch immer passend zu so einem Event …, pardon, ‚Veranstaltung‘ heißt das.

Und weil die Hymne gesungen wird, kann ich es auch als politische Demonstration mit Partycharakter verkaufen. Sobald dann der erste Tierschützer auf meinem Eintrag meckert, kontere ich mit ‚Brunzbisslbled Verkloghafei‘ in Verbindung mit ‚deppater Kletznsepp‘ oder ‚damische Bluzn‘. Ist halt normaler bairischer Gendertalk. Und zack gehen die Likes in die Höhe. Der ‚Münchner Merkur‘ schreibt dann darüber, und Agrarminister Christian Schmidt kann darauf den Söder fragen, ob Dobrindt und Seehofer auch zum ‚Hot-Dog-Essen‘ auf den Münchner Marienplatz kommen. Singen können die ja, auch wenn deren Zungenschlag komplett nicht stimmt.

Hm. Vielleicht sollte ich auch vegan-vegetarsches Freibier organisieren, traditionell gebraut nach dem bayrischen Reinheitsgebot. Denn ansonsten kommt der Hintern von Seehofer garantiert nicht …

Postfaktische Weihnachten


Ein Kinderkoelsch

„Alles voll.“

„Alles voll?“

„Alles voll. Der Altpapiercontainer, die Biomülltonne, der normale Müllcontainer. Alles voll. Auch der Altglascontainer, der Gelbe und Altmetallcontainer daneben, ebenso am Überlaufen.“

„Weihnachten.“

„Jo. Frohe Weihnachten. Unser Mietsblock ersäuft im Müll.“

„Nur die Häppchen und Schnittchen angeschaut und dann alles weg geschmissen?“

„Schlimmer! Erst das zweistündige Essen und danach all die Verdauungsgetränke. Und kein einziges Kölsch dabei. Grauenhaft.“

„Ich hatte Rindsrouladen an einem Knödel mit Feldsalat und nen passablen Rotwein.“

„Bei uns polnische Hafermastgans und Schweinsbraten in Dunkelbiersoße an Rosmarinbutterkartöffelchen mit Rotkohl und Bio-Gemüse auf Tofu-Schnitzel.“

„Großfamilie?“

„Ach quatsch. Wir haben’s halt. Warum sollten wir nicht, wenn wir können. Wir müssen ja nicht unter unsere Verhältnisse leben. Aber irgendwann ist dann auch wieder gut. Man soll’s ja nicht übertreiben. Und du? Auch Großfamilie?“

„Nein. Dialoge zuvor lediglich mit meiner Textverarbeitung und später in Muße dem Fernseher zugehört. Weihnachten in trauter Einsamkeit. Ist ja auch was schönes.“

„Besinnlich.“

„Absolut. Niemand quatsch einem bei der Tischrede dazwischen und Streit gibt es auch nicht. Und ihr?“

„Unsere Omma hatte Heilig Abend Stress mit der Polizei. Meinte, bei der Anreise mit dem ICE mal laut „Allahu akbar“ im überfüllten Abteil zu rufen. Wurde drei Stunden von SEK-Beamten verhört. Dabei wollte sie mit ihrem Rollator doch einfach nur einen Sitzplatz, weil ihr niemand einen freiwillig angeboten hatte.“

„Aber sonst alles harmonisch?“

„Tochter isst nur noch vegan, Sohn ist Anti-Alkoholiker, Ehefrau Rampensau im katholischen Frauenchor. Und ich dazwischen. Und dann alles über Hafermastgans-Massentierhaltung, Folgen des Alkoholismus und Franziskus, dem Papst. Anstrengende Diskussionen.“

„Auch über Angst und Schrecken?“

„Nein, über Trump haben wir nicht diskutiert.“

„Also kein harmonisches Weihnachten.“

„Hätte besser sein können. Im Nachhinein betrachtet ist Weihnachten sowieso schrecklich. Immer diese Streitereien wegen nichts und wieder nichts.“

„Genau deiner Meinung. Vorher Fest der Liebe. Dann nur noch feste Hiebe. In trauter Umgebung.“

„Hätte Josef alles zugegeben, wäre uns viel erspart geblieben. Weihnachten wird völlig überschätzt.“

„Völlig. Macht nur volle Müllcontainer allerseits. Aber solange die Klos dabei noch nicht überlaufen … .“

„Yep. Darauf ein Weihnachtskölsch, Kollege. Herr Oberspielleiter! Einmal Nachschub bitte!“

Da uns schlägt die rettende Stund, Teil 6


[22.12.2016 10:11:21] „Hallo Careca, mit Interesse las ich deine Anzeige, dass auch du Weihnachten nicht allein feiern möchtest. Ist das noch aktuell? Frohe vorweihnachtliche Grüße, Anette“

[22.12.2016 11:21:11] „Hallo Anette, kennen wir uns nicht schon? Bist du nicht die mit den vier lebensfrohen Katzen von vor fünf Tagen?“

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