Die Nacht ohne Morgen, am Tag ohne Sorgen

In leuchtendem Weiß stand Michazrael neben dem in weiß leuchtenden Gaphrael. Von hinten schien die lodernde Gestalt Mattatron, dessen Feuer alles überstrahlt.

Michazrael: Oh Gott, da kommt wieder der Angeber mit einem neuzeitlichen Doppelklingen-Lichtschwert.

Mattatron: Das habe ich gehört! Du sollst nicht nehmen des Herrn und Gebieters abwertenden Menschenbezeichnung in deinem Mund.

Gaphrael: Komm, Mattatron, mach dich mal locker und atme mal durch die Hose.

Mattatron: Hose? Was ist das? Kannst du nicht sehen? Mein goldenes Gewand ist keine stupide Hose.

Michazrael: Jetzt mach hier nicht die Welle, Mattatron. Wir wissen, dass Hosen nur für Leute mit Eier sind, also mit was in der Hose und wir sind nun mal geschlechtslos. Wir stehen über sowas, klar, unverbindlich mosaisch, verbindlich mächtig. Und trotzdem haben wir hier immer die Hosen an. Auch ohne Eier.

Mattatron: Wage es nicht, Michazrael! Beim letzten Mal hätte dich der unaussprechliche Unfehlbare als Assistent von Luzifer abgesandt, hätte ich nicht ein Wort für dich eingelegt gehabt.

Michazrael: Luzifer. Ein schöner Name. Dagegen ist der meinige etwas gewichstes Gemixtes aus. Aber nein, dieser Knilch erhielt den lateinischen Namen des schönen Morgensterns, der Venus, nackt wie sie uns vom Morgenhimmel grüßt. Nur weil dieser Herr der Fliegen gleich mehrfach “Hier!” bei der Namensvergabe gerufen hat, deshalb hat der so viele Namen. Aber ich, ich erhielt lediglich den “Michazrael”. In tausend Jahren wird sich eh keiner mehr an meinen Namen erinnern. Aber den Namen der Venus, den werden noch alle ehrfürchtig aussprechen. Nur weil er mehrfach “Hier!” blökte.

Mattatron: Wage es nicht, Michazrael!

Gaphrael: Komm, Michazrael, lass sein. Hätte der unaussprechliche Unfehlbare bei der Hirnvergabe das mal gemacht, wir müssten diesen Job hier nicht machen.

Mattatron: Gaphrael! Unterstehe ich!

Gaphrael: Ist ja gut.

Mattatron: Setzt euch gefälligst nieder, es kommt Kundschaft. Und seid ehrwürdig! Wenigstens ein bisschen. Wir wollen hier doch nicht an Anstand missen lassen, oder.

Gerne hätte ich länger zugehört, jedoch da mich Mattatron bereits gesehen hatte, schritt ich zum Schreibtisch vor. Mattatron wirbelte noch ein wenig theatralisch mit seinem Doppelklingen-Lichtschwert, schnaubte etwas unhörbares und fuhr die Lichtklingen ein. Erstaunt blickte ich auf dessen Gewand. Es erinnerte mich eher an eine goldene Rettungsfolie statt an teurer Seide oder anderem Geschmeide.

Michazrael: Name?

Ich: Hat man mich nicht angekündigt?

Gaphrael: Wir wollen deinen Namen wissen und nicht deine Kündigung.

Ich: Ankündigung!

Gaphrael: Klugscheißer.

Ich: Selber.

Michazrael: Noch eine solche Bemerkung, oder du kommst hier nicht rein.

Ich: Ihr wollt mich doch nicht etwa zum Belzebub runter schicken?!?

Michazrael: Warum nicht?

Ich: Ich habe keine Lust mit den ganzen Mördern, Kinderfickern, Hitler, Stalins und so den Rest meiner Zeit zu verbringen.

Gaphrael: Ach.

Ich: Aus der Kirche bin ich nicht ausgetreten, nur damit ich die Ratzingers dieser Welt nachher um mich habe.

Gaphrael: Warum sollte der des Teufels satanische Verse im Chor mit Doktor Faustus singen? Ratzinger und Meissner spielen hinter uns Skat und alle hören denen aufmerksam zu. Sie haben vor ihrer fristlosen Lebenszeitkündigung, den Namen des unaussprechlich Unfehlbaren angerufen und wurden erhört.

Ich: Ach? Sagt wer?

Gaphrael: Wagst du des unaussprechlich Unfehlbaren Ratschluss in Frage zu stellen?

Ich: Des unaussprechlich Unfehlbaren? Wenn die beiden im Himmel sind, dann wüsste ich nicht wirklich gerne, wie es um Menschen steht, die in die Hölle geschickt werden müssten.

Michazrael: Wen meinst du?

Ich: Zum Beispiel Karl, den große Sachsenschlächter. Barbarossa, den Kinderficker. Oder Jeanne d’Arc, die Schlächterin im Hundertjährigen Krieg.

Gaphrael: Warum schickt man uns immer nur die Klugscheißer aus dem kleinen Zentral-Europa, Michazrael, ich ertrag das nicht.

Michazrael: Geduld, Gaphrael, Geduld. Diese niederen Kleingeister müssen halt noch durch das Fegefeuer der Erkenntnis.

Ich: Ach, habt ihr sogar Knilche, die nicht Kaiser oder Könige waren. Also solche wie Stephan Letter, Niels Högel, Fritz Haarmann und all andere unfehlbar Unaussprechlichen reingelassen. Ich wette, weil die kurz vor deren fristlosen Lebensvertrag-Kündigung noch gebeichtet oder den Namen des unaussprechlich Unfehlbaren angerufen haben, oder?

Gaphrael: Bleib ruhig, Michazrael, erzähl ihm um Gottes Willen …

Mattatron: Das habe ich gehört! Du sollst nicht nehmen des Herrn und Gebieters abwertenden Menschenbezeichnung in deinem Mund!

Gaphrael: … nicht … ist ja gut, Mattatron. Sorry aber auch, dass ich das mal wieder gesagt hatte … okay, und du, Michazrael, erzähl ihm jetzt nicht die Geschichte, von dem Adolf, dem Hitler. Sonst sitzen wir hier noch bis zum jüngsten Tag am Rumdiskutieren.

Ich: Was? Was hast du gesagt? Hitler?

Michazrael: Name?

Ich: Hitler ist auch bei euch?

Michazrael: Der dritte Mann beim Skat. Er ist reuig. Kurz bevor die Kugel sein Hirn zum Platzen brachte. Nur Eva nicht. Die hat uns verflucht. Dein Name lautet?

Ich: Was?

Michazrael: Name! Wir können dich auch gleich wieder wegschicken.

Ich: Wegschicken? Und wer ist jetzt dort unten?

Michazrael: Name?

Ich: Careca da Silva.

Michazrael: Careca, hm. Der berühmte brasilianische Fußballspieler?

Ich: Nope. Wer ist denn in der Hölle jetzt?

Michazrael: Careca, hm. Ich find den Namen hier im Buch nicht.

Ich: Wer ist denn in der Hölle jetzt?

Gaphrael: Warum ist das wichtig?

Ich: Weil ich nicht mit Arschlöchern für den Rest meiner Zeit umgeben sein möchte. Wenn der Adolf hier oben ist, vögelt dann der Putin dort unten dessen Eva?

Gaphrael: Ein wenig mehr Mäßigung würde dir gut stehen, Careca. Würde dir sehr besser stehen. Und außerdem hat Eva was mit Fritz Haarmann und der Putin ist gerade mit dem Kini zusammen. Das wissen wir vom Mattatron.

Michazrael: Echt? Vom Mattatron? Wow. Der weiß so etwas? Oh Gott, wird mir schlecht.

Mattatron: Das habe ich gehört! Du sollst nicht nehmen des Herrn und Gebieters abwertenden Menschenbezeichnung in deinem Mund!

Michazrael: Tschuldigung, Mattatron.

Gaphrael: Careca, mäßige dich. Du bist hier nicht auf dem Kirmesrummel oder beim Kinderfasching.

Ich: Die Mäßigung ist der Nachbar der Mittelmäßigkeit. Immer mäßig in der Mitte.

Gaphrael: Was soll denn daran schlecht sein, Careca? Mäßigung ist das Werkzeug des Weisen.

Ich: Ach ja. Ich vergaß. Der Weise ist leidenschaftslos, beherrscht die Affekte, besitzt keine Begierde und denkt an die vollkommene Pflichterfüllung in der Gemeinschaft. Eine nützliche, angepasste Stütze von Staat und Landesreligion.

Gaphrael: Tugendhafte Bürger, das sind die, die der Ordnung die Ordnung geben. Sie stellen ihre persönlichen Interessen zurück, wenn es um das Wohl des Gemeinwesens geht. Opferbereitschaft, das ist ein hohes Gut in einer Gemeinschaft. Aber nicht die an der Lebenslust orientierte Genießer.

Ich: Jemand, der permanent an Essen, Trinken und Sexualität denkt, weil er auf drei Gebieten unterversorgt ist, kann sich nicht auf abstrakte Zusammenhänge konzentrieren. Nur der gesunde, entspannte, ausreichend ernährte Denker besitzt die Ausgeglichenheit und die psychische Entlastung, sich den Ideen zur Erforschung der Welt zu widmen.

Gaphrael: Schau an. Nicht nur Klugscheißer, sondern auch wohl noch so ein Querdenker, nicht wahr? Mit Mäßigung und Tapferkeit habt ihr verqueren Denker nicht wirklich was im Sinn.

Ich: Querdenker halten Tapferkeit für ein höheres Gut als Mäßigung. Darin unterscheiden die sich nicht von anderen Machthabern. Also jene, die bereits Macht haben, während Querdenker nach dieser noch streben.

Gaphrael: Aber dann bei Demos fordern, sich tapfer der ersten Ordnung entgegen zu stellen?!

Ich: Tapferkeit, das ist das, was unschuldige Männer dazu antreibt, mit glühender Begeisterung ihr Blut fürs Vaterland zu vergießen. Hat bereits Cicero niedergeschrieben. Tapferkeit dient dem Machthunger derjenigen, die das Wort als Tugend erheben. Tugenden gelten als Ideal. Nur nicht der klare Verstand. Darum gibt es Kriege und in Friedenszeiten Militär.

Gaphrael: Was du sagst, ist weder philosophisch, noch hat es tiefere Bedeutung. Dort unten bei euch nennt man das auch “Pornographie”. Also reine Wixvorlage für geistig Arme.

Ich: Ja, nee, klar. Pornographie als Vehikel des materialistischen Libertinismus mal wieder. Jetzt sogar im Himmelreich. Kein Wunder, wenn ihr die ganzen Klerikalen hier reinlasst. Und Erotik habt ihr dann wohl nur als trojanisches Pferd der Religionskritik. Sexuelle Wünsche sind ein Teil der empirischen Natur des Menschen. Wenn diese Natur Maßstab und Leitbild der Ethik sein soll, ist ihre Unterdrückung somit grundlos. Und in Kriegen und beim Militär findet sexuelles nur per Vergewaltigung als Demütigung und Zerstörung von Besiegten statt.

Michazrael: Hey, ihr beiden! Jetzt reicht’s mit eurer Schwurbelei! Hört auf! Wir sind hier nicht im “Club der toten Dichter und Denker”! Careca, bist du sicher, dass du eine fristlose Kündigung erhalten hast?

Ich: Wäre ich sonst hier?

Michazrael: Zeig mir mal deine Boarding-Karte.

Ich: Meine was?

Michazrael: Boarding-Karte. Das ist das, was bei euch immer als Tunnel mit hell gleißendem Licht dahinter beschrieben wird. Ist aber nur das Ticket zur Ewigkeit. Design und Copyright by Mattatron himself. Die müsste in deinem Besitz sein. Haste die vielleicht in einer der Taschen deines Gewandes?

Ich: Was? Ich dachte, das letzte Hemd hätte keine Taschen.

Gaphrael: Oh, Mann, immer diese Klugscheißer aus dem kleinen Zentral-Europa, immer nur am Rumdiskutieren und Recht-haben-wollen. Michazrael, ich ertrag das nicht mehr. Wirklich. Echt nicht.

Michazrael: Durchhalten, Gaphrael. Dieser Job ist ja nicht für immer, sondern nur für ewig. Mit Gott auf unserer Seite.

Ich: Und mit Jesus in einem Boot, nicht wahr. Leider ging einer baden. Man warf ihn über Bord.

Michazrael: Jesus ging nicht baden. Jesus geht selbst hier oben noch immer übers Wasser. Und verwandelt Wasser in Wein.

Ich: Das letztere schaff ich auch umgekehrt. Also. Ich nehme also an, bei euch hier oben ist das Boot noch immer nicht voll?

Gaphrael: Du willst sagen, in der Hölle wäre es für dich besser?

Ich: Nur wer seinen Nächsten liebt, der geht sogar durch die Hölle. Ich vermute, aus diesem Grunde kriegen bei Euch so viele Langzeit- und Last-Minute-Christen direkten freien Eintritt, nicht wahr.

Michazrael: Gaphrael, ich glaube, wir sollten Mattatron rufen. Das hier ist ein ganz schwieriger Fall von Mensch ohne gesunden Menschenverstand. ICH KANN SO NICHT ARBEITEN!

Gaphrael: Nein, nein, nein, wir rufen den jetzt lieber nicht. Er hat gerade seine Schicht als Karten-Mischer in der Skatrunde. Wir sollten ihn nicht stören. Du weißt doch, wie er beim letzten Mal rumwütete, weil er sich vermischt hatte und der Ratzinger dann wieder mal alle Asse auf seiner Hand hielt. Da konnte Mattatron keinen Stich bei der Runde landen.

Michazrael: Careca … ah, hier, da hab ich dich gefunden. Da steht noch was. Ich glaube, du solltest zuerst noch durch das Purgatorium gehen, bevor wir über deinen Fall endgültig entscheiden.

Ich: Purgatorium?

Michazrael: Anderes Wort für den Ort der Läuterung und Reinigung, dem “Fegfeuer”. Hört sich nobler an. Heißt, du bist noch nicht geläutert, in Himmel oder Hölle zu gehen. Du musst vorbereitet werden. Du gehst also von hier auf den rechten Weg. Du kannst auch den linken nehmen, aber dann musst du spiegelverkehrt zu dem gehen, was ich dir jetzt zeigen werde.

Ich: Und wenn ich vom rechten Weg abkomme, komme ich dann auf den linken?

Gaphrael: Recht so. Unglaublich, der Knilch versteht uns nicht. Oder will es nicht. HERR, SCHMEISS HIRN VOM HIMMEL! Was haben wir nur verbrochen, das hier zu machen. Oh Gott, sind wir verdammt.

Mattatron: Das habe ich gehört! Du sollst nicht nehmen des Herrn und Gebieters abwertenden Menschenbezeichnung in deinem Mund!

Gaphrael: Ja, ja doch!

Michazrael zog etwas unter dem Tisch hervorzog, tippte auf das rechteckige Ding rum und rechte es mir: ein Tablett mit einer stilisierten Birne drauf. Auf dem Display des Tabletts tauchte ein magisch leuchtend blauer Strich auf. Daneben erschien zusätzlich ein roter Strich, ein ganz dünner, vollkommen unscheinbarer, das Hauch eines Nichts von rot, lief parallel zum Blauen und bog dann in eine anderer Richtung ab. Und in der Mitte, da war dieser silbrig-goldene blinkende Punkt. Ich blickte Michazrael fragend wie blöde an.

Michazrael: Der Punkt bist du. Folge dem blauen Weg und alles wird gut.

Ich schaute aufs Tablett und nickte verstehend. Michazrael und Gaphrael standen auf, gingen zur Seite und zogen ihre E-Zigaretten hervor. Sie wollten deren gewerkschaftlich vereinbarte Raucherpause ausüben.

Ich machte ein paar Schritte vom Schreibtisch weg und erkannte, wie sich der silbrig-golden blinkender Punkt lenken ließ. Also lief ich und lenkte den Punkt. Auf dem blauen Weg. Alles gut. Der rote unscheinbare, blasse, kaum zu erkennende Weg lief noch zusammen mit dem blauen, dann schien er jedoch abzuzweigen.

Ich stoppte und stand am Scheideweg. Überlegend blickte ich vom Tablett auf. Vor mir hockte ein glatzköpfiges Hutzelmännchen im quietschgelben Ostfriesennerz. Er hatte sich auf einem durchnässten Blatt Papier ein großes Tier gemalt. Unter dem Tier erblickte ich ein Gekritzel. Das glatzköpfige Hutzelmännchen schaute zu mir auf, lächelte irre wirr, ergriff das Blatt und hielt es mir fragend vor die Nase. Eine mathematische Aufgabe.

2² + 3² + 5² + 7² +11² +13² +17² = ?

Die ersten sieben Primzahlen zum Quadrat, addiert …

Ich: Das Ergebnis willst du wissen, oder? Bist du Aleister, Sohn von Edward und Emily Bertha, aus Leamington Spa?

Das Hutzelmännchen nickte.

Ich: Ich sag dir das Ergebnis und du hilfst mir dann weiter, okay?

Das Hutzelmännchen nickte erneut. Regentropfen perlten von seinem Friesennerz ab. Regnete es? Ich spürte nichts.

Ich: Das Ergebnis ist 666. Du bist Aleister Crowley, nicht wahr. Und nun zu mir. Hilf mir. Welchen Weg soll ich gehen?

Ich zeigte ihm das Tablett. Nachdenklich schaute das Hutzelmännchen, schüttelte sich kurz, lenkte meine Aufmerksamkeit auf ein Kaninchen, indem er mit seinen Hand drauf deutete, das Kaninchen, welches unweit vor uns hockte. Mit leiser fiepender Stimme sprach er zu mir.

Aleister: Tja, wie heißt es schon im Kino? Folge dem Kaninchen. Nimmst du den blauen Weg ist alles aus. Du wachst auf in deinem Bett und glaubst an das, was du glauben willst. Nimmst du den roten Weg, bleibst du im Wunderland und ich zeige dir die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus.

Ich überlegte, welchem Weg ich risikoloser folgen sollte. Ein Nullrisiko ist an keinem Ort zu haben. Wohin nur? Mir wurde klar, nur derjenige verdient sich Freiheit wie auch das Leben, der sie sich täglich erobern muss.

Das Hutzelmännchen grunzte kurz, zerknüllte seinen Zettel und warf ihn ohne weitere Beachtung hinter sich. Die geknüllte Zettelkugel rollte in eine Ansammlung von anderer bereits zerknüllter Zettel.

Das Hutzelmännchen tat es wohl nicht zum ersten Male. Umweltverschmutzung gab’s also auch hier oben. Nun ja, vom Standpunkt der höchsten Sauberkeit aus betrachtet, wäre es für den Planeten am besten gewesen, der Planet wäre steril geblieben. Und somit war es ein gravierend schwerwiegender Fehler von jenem Gott, den Menschen zu erschaff …

Mattatron: Das habe ich gehört! Du sollst nicht nehmen des Herrn und Gebieters abwertenden Menschenbezeichnung in deinem Mund!

Aus, aus, aus, das Spiel ist aus! So lernt man.

Der Teufel besuchte Gott und fragte ihn, ob man nicht mal ein Fußballspiel Himmel gegen Hölle machen könnte.

Gott hatte dafür nur ein müdes Lächeln übrig:

„Glaubst, du fußkranker Belzebub, dass du mit deiner Mannschaft auch nur die geringste Chance haben magst? Sämtliche guten Fußballspieler sind im Himmel: Pele, Beckenbauer, Charlton, Di Stefano, Müller, Maradona, Ronaldo … “

Der Teufel lächelt baphometisch zurück:

„Macht nix. WIR haben dafür alle Schiedsrichter!“

 


 

Ach ja, wo die Pointe ist?

Nun:

Im Himmel öffnet der Engländer die Tür, der Franzose kocht, der Italiener sorgt für Unterhaltung und der Deutsche organisiert alles.

In der Hölle öffnet der Franzose die Tür, der Engländer kocht, der Deutsche sorgt für Unterhaltung und der Italiener organisiert alles.

Passt zwar nicht zum oben geschriebenen, aber wen interessiert es schon, wenn nicht die 895 Zeichengrenze überschritten wird?

Man lernt nie. Aus. (Teil 4)

Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3

Freilich hatte das Internet Leute in Brot und Arbeit gebracht. Nirgendwo lässt sich das deutlicher als in Silicon Valey erkennen, wo sich die Spitzenkräfte der Internet-Softwareprogrammierung nieder gelassen haben. Jene verdienten viel Geld, zahlten es auf ihre Bankkonten ein und kauften sich in Silicon Valey Wohnungen. Social-Media-Gewinner. Die Verlierer dieses Booms mussten dagegen deren Wohnungen verlassen , weil sie deren Stadtteilpreise nicht mehr zahlen könnten und dann obdachlos wurden. Sie lebten auf den Straßen Silicon Valeys. Und was machten die Gewinner der sozialen Medien mit ihren Geld auf den Bankkonten? Sozial, edel, hilfreich und gut? Nun, diese Social-Media-Experten erfanden Roboter für die Obdachlosen. Jene Roboter fuhren auf den Gehwegen in der Innenstadt hin und her und sollten sie einen Obdachlosen antreffen, dann stellten sie sich neben dem Obdachlosen und … erzeugten äußerst penetrante und unangenehme Geräusche, damit die Obdachlosen das Weite suchten. Google, Uber und Microsoft sollten zu den Kunden dieser Roboter zählen. Social Media macht sozial. Zumindest für sich selber.

“Die von uns geschaffenen kurzfristigen Dopamin-gesteuerten Rückkopplungsschleifen zerstören die Funktionsweise der Gesellschaft. Kein ziviler Diskurs. Keine Zusammenarbeit. Fehlinformation. Falsche Wahrheiten. Und es ist kein amerikanisches Problem. Hier geht es nicht um russische Anzeigen. Dies ist ein globales Problem.” Chamath Palihapitiya, 2017, ehemaliger Manager von Facebook

Gott hatte sein sozialen Medien zum Zerreißen der Grundlagen unserer Gesellschaft und der Teufel seine Derivate als finanzielle Massenvernichtungswaffen. Die Rüstungsspiralen gegeneinander waren im vollen Gange. 

Zur privaten Entspannung saßen die beiden nun mit dem Sensemann und dem Midas beim Pokern. Midas hatte einen Straight Flush auf der Hand und Gott starrte ihn an.

“Du bist menschlich, Midas.”

“Ich weiß, ich bin ein Scharlatan. Dafür bin ich bekannt. Im Gegensatz zu dir bin ich als Scharlatan ehrlich, mein lieber Gott. Denn wärest du ein Scharlatan, dann wärest du des Teufels.”

“Du sollst meinen Namen, deines Satans, nicht missbrauchen! Da habe ich ein Copyright drauf”, warf der Teufel ein.

“Witzbold”, blaffte Gott den Teufel an, “ohne mich hättest du keine Daseins-Berechtigung, du Herr der Fliegen.”

“Ach ja? Ohne mich gäbe es die Erbsünde nicht, die Schuld, mit der wir die Weltenbürger auf deren Existenz zurecht stutzen”, gab der Teufel leicht säuerlich zurück.

“Und ohne mich, hättet ihr beide überhaupt nichts von euren Weltenbürgern. Die würden ewig leben auf deren Pilgerpfad zwischen Bankkonto und Internetkonto.” Der Tod prüfte mit einer seiner Pokerkarten die Schärfe seiner Sensenklinge.

“Liebster Tod, lass dich trösten. Ich streichle dir das Köpfchen”, Midas reckte seine Hand dem Tod entgegen.

“Fass mich nicht an! Gold ist weniger wert als Likes und Kommentare. Die haben höheren Status. Umsonst ist nur der Tod, kostenlos ist er aber nicht. Den Spruch kennst du doch, oder?” Der Tod zog seine schwarze Kapuze ein wenig tiefer ins Gesicht und blickte zu Gott. “Und du, du mit deiner Idee, deinen Sohn mir zu überlassen, hatte sich bekanntlich nicht gelohnt. Er brachte dir lediglich 30 Silberlinge. Das hatte ich dir schon vorher prophezeit gehabt. 30 Silberlingen reichten halt nicht, die Mehrheit an dem teuflisch systemischen Banksystem zu erwerben. Aber du wolltest ja nicht hören. Jetzt ist dein Sohn genagelt und die Freier dieser Welt nutzen es als Wortspiel.”

“Du bist niveaulos. Gefällt mir nicht. Kein Like. Außerdem besitze ich das Hirn der Weltenbürger, deren Internet”, grummelte Gott den Tod an.

“Dafür hatte ich mit deinem Sohn in der Wüste Spaß”, warf der Teufel feixend ein.

“Ruhe”, donnerte Gott in alter Odin-Manier und nahm sein Blatt hoch. “Mein Algorithmus sagt mir, dass dein Straight Flush, liebster Midas, zu niedrig ist, um zu gewinnen.”

“Vielleicht habe ich doch einen Royal Flush auf der Hand. Vielleicht habe ich vorhin nur geblufft, als ich von Straight Flush redete? Setzt du dein Internet dagegen?” schlug Midas vor.

“Gott, lass dir gesagt sein, nur mal so vom göttlichen Teufel wie mir und nem teuflischen Gott wie dir”, mischte sich der Teufel ein, “solche Karten haben selten Spieler auf der Hand. Zum Schluss gewinnt immer die Bank, also ich. Gehe also nicht all-in.”

“Was ich anpacke, wird zu Gold,” warf der Midas ungefragt in den Raum. “Wenn wir Freunde bleiben sollen, dann sollte es euch gefallen. Und freundlich sollten eure Kommentare ausfallen.”

Gott und Teufel schauten sich unschlüssig an. Midas wedelte ungeduldig mit seinen goldenen Karten und blickte abwechselnd von Gott und zu Teufel und von Teufel zu Gott.

Lediglich der Tod verharrte bewegungslos und unter seiner Kapuze drang nur der Satz hervor: “Egal wie ihr jetzt pokert, am Schluss krieg ich euch beide.”

Im Hintergrund ertönten Hammerschläge. Die Stewardess schaute beängstigt in Richtung Heck Boing 737 Max. Die Hammerschläge hörten sich vielmehr wie Steinkeulenhiebe an. Als ob jemand durch ein Stück Wassermelone mit einer Steinkeule Nägel in ein Holz treiben würde.

Leise pfiff und gurrte als Untermalung der Szene im Hintergrund in g-Moll ein 56-kBit-Modem, die Flugzeugsimulation stockte und auf dem daneben stehenden Herkules-Monitor formierte sich der pixelige Schriftzug “Game over”. Kain war nicht dumm und konnte 1 und 1 zusammen zählen. Kain hatte gelernt. Wütend zog Kain den Stecker.

Aus.

Ende

 

 

Man lernt nie. Aus. (Teil 3)

Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2

Aber es gab auch Verräter. Unbotmäßige Mitmenschen, welche sich die Beschuldigung gefallen lassen mussten, im Internet Trollwiesen zu schaffen. Welche angeschuldigt wurden, aus dem Wohlfühl-Areal einer Seifenblasenlandschaft mit Regenbogenstaub und rosa Einhörnern eine Mördergrube zu machen:

„Bei dem Gedankengang, der zum Erstellen dieser Anwendungen erforderlich war, ging es darum: „Wie verbrauchen wir so viel deiner Zeit und deiner bewussten Aufmerksamkeit wie möglich?“ Und das bedeutet, dass wir dir ab und zu einen kleinen Dopamin-Kick geben müssen, eben weil jemand ein Foto, einen Beitrag oder was auch immer gern hat oder kommentiert. Und das wird dich dazu bringen, mehr Inhalte beizutragen, und genau das wird dich einfangen… mehr Likes und mehr Kommentare. Das ist eine soziale Rückkopplungsschleife der Anerkennung … genau diese Art von Sache, mit welcher ein Hacker wie ich kommen würde, weil es eine Schwachstelle in der menschlichen Psyche ausnützt. Die Erfinder und Schöpfer wie ich, Mark Zuckerberg, Kevin Systrom mit Instagram, all solche Leute eben, verstanden diese Schwachstelle bewusst. Aber wir haben es trotzdem durchgeführt.“  (Sean Parker, 2017, Gründer von Napster und ehemaliger Mitgründungspräsident von Facebook)

Gott und Teufel war das egal, ob Mitdenkern im Internet Raum zur Kritik zugestanden wurde. Für beide war jeder im Internet bereits korrumpiert und nicht Ernst zu nehmen. Wer nimmt schon jemanden Ernst, der an dem Ast sägt, auf dem er sitzt. Ganz im Gegentum. Mitmenschen, welche es nur darauf abgesehen hatten, eben die Glückshormonausschüttung zu vermiesen, würden schon von Menschen gemaßregelt und eingenordet werden. Denn es galt weiterhin das alte Steinzeitalter-Gesetz: Willst du nicht mein Bruder sein, dann dann ist die Würde des Menschen bereits vom Kopf an antastbar. Gibst du mir nicht das, was ich mit dem mir angestammten Recht einfordere – also Likes und Kommentare, meinen täglichen Dopamin-Kick, meine Währung im Paralleluniversum – dann werde ich mich dir bar meines Verstandes erkenntlich zeigen.

Als der sogenannte “Arabische Frühling” auf Twitter der Freiheit wegen seine Sternschnuppen-Karriere machte und Twitter in Folge als das Instrument der Freiheit mutiger Individuen abgefeiert wurde, grinste Gott lediglich. Den Menschen war es zu jener Zeit noch undenkbar, dass Jahre später Twitter und sein Dopamin-Belohnungssystem auch von Regierungen massiv systematisch genutzt werden würde. Und nicht nur mittels Twitter entstanden jene Blasen, in welchen Hofnarren-Onanie weitere Dopamin-Kick-Möglichkeiten bereitstellt. Die Anzahl der Twitter-, Instagram-, FB-, Blog-Follower dient als Rechtfertigung und als Rückkopplung zur eigenen Existenzberechtigung im Internet. Der Nutzer giert süchtig nach dem Kick, nach Glücksgefühle. So wie es bereits zuvor in Foren, Blog-Communities und anderen Gemeinschaften Gang und Gebe war. Wer dem “Du bist nicht wie wir, welches wir unser ich ist” entsprach, setzt sich der Gefahr der aktiv betriebenen Ausgrenzung, dem Shit-Storm, aus. Dem Mitmenschen mit der eigenen Internet-Steinkeule zum Blockieren, Löschen, Ignorieren. Gott gefiel es. Blasen waren für ihm keine Konkurrenz, da sie rein technisch waren.

Es gibt ein ganzes Spielbuch mit Techniken, mit denen Sie das Produkt so lange wie möglich verwenden können … . Ob sie [Inhalt erzeugende Menschen] wollen oder nicht, sie formen unabsichtlich die Gedanken und Gefühle und Handlungen der Menschen … . Es gibt immer diese Erzählung, dass Technologie neutral ist. Und es liegt an uns zu entscheiden, wie wir es verwenden. Das stimmt einfach nicht.”  Tristan Harris (2017, Google Produkt Manager )

Doch was kümmern Gott und Teufel jene Rufer in der Wüste, welche eh niemanden niemandem das Wasser reichen können. Besonders nicht in der Wüste, wo es eh kaum Wasser zum Abschöpfen gibt. Menschen können zwar Wüsten zum Erblühen bringen, aber warum sollten solche Menschen gerade mit ihrer eigenen Wüste über deren Augenhöhe anfangen?

Und somit klinkte sich der Teufel in die Vermarktung ein. Er streute Verdienstmöglichkeiten. Jedes Mal, wenn Nutzer der Social-Media-Plattformen dann um deren Verdienst an Likes und Geld fürchten, dann regen sich diese Nutzer und brachten sich selber mit ihren Beiträgen ein, um die Befriedigung an Likes und Geld sicher zu stellen. Ansonsten verrichten sie nur das Werk jenes Antipoden, der seine Erde zurück haben wollte.

Und jenes Werk geht weiter. Gott erschuf Algorithmen. Die Menschen folgten den Algorithmen wie Schafe ihrem Schlachter zur Schlachtbank. Standen Wahlen an, dann sagt der Wahl-O-Mat, ob man aufgrund seiner Antworten eher ein Wähler der CDU/CSU, SPD, Grünen, AfD, FDP, Linken oder der MdB wäre. Algorithmen erklärten, ob der Regenschirm sinnvoll am Arm baumelte, ob der Eisprung termingerecht eintrat oder ob der vorzeitige Samenerguss in Korrelation mit Mondphase, Kussfrequenz und Aszendenten stand und wo man gegen die Mondphasen Super Kamagra unerwischt einkaufen konnte. Der Mensch denkt, der Algorithmus lenkt. Der Mensch dachte, Gott und Teufel lachte.

Der Algorithmus diktierte Menschen das Leben auf der Suche nach dem Glück. Die Lottozahlen für nächsten Samstag. Die Wahlergebnisse der nächsten EU-Wahlen. Wir können uns gerne darüber in einem Restaurant über dieses Thema uns weiter vertiefend unterhalten. Kennst du ein gutes Restaurant? Nicht? Lass uns mal unter TripAdvisor, Foursquare oder Yelp schauen und Bewertungen vergleichen. Oder ich kenne einen Blog, der empfiehlt gutes. Und irgendwann führt urplötzlich am Karfreitag der Weg in ein Haus, in dem aus Hunderten von Kehlen in g-Moll intoniert “Oh Haupt voll Blut und Wunden” erschallt. Trauriges Lied gesungen mit glückseligen Gesichtern, weil ein Algorithmus versichert, der Typ dort am Kreuz kommt in paar Tagen eh ungeschunden davon.

Der Algorithmus unbestechbar, logisch, alternativlos: “Wie alt bist du?” “Über 50.” “Hast du ein Haustier?” “Nein.” Wollen deine Kinder keins?” “Ich habe keine Kinder.” “Was sagt denn deine Frau dazu?” “Ich bin nicht verheiratet.” “Schwule Sau!” Wieder was gelernt.

Oder man sitzt per Algorithmus in einem Flieger Richtung Düsseldorf, weil einem das Navi geraten hat, dem Verkehrschaos am Kölner Ring zu entgehen, und hört dann den Piloten zuvorkommend und höflich die Passagiere fragen, ob sich jemand mit dem neuen Board-Computer-Software der Boing-737-Max auskenne. Und in der letzten Reihe sitzen Gott, Tod und Teufel und pokern mit Midas um das Leben der Stewardess am Versorgungswägelchen mit den Sektflaschen.

Fortsetzung folgt

Man lernt nie. Aus. (Teil 2)

Was bisher geschah: Teil 1

Mit diesen zusätzlichen Zutaten klappte es schon ganz gut. Selbst die ungewöhnlichste Sucht der Menschheit, welche ihm damals die Erde gekostet hatte, verfeinerte er: die Sucht nach Freiheit. Das Dogma der Freiheit wirkte stärker als alles zuvor. Tod oder Freiheit. Freiheit statt Sozialismus. Freie Fahrt für freie Bürger. Freiheit als Ismus. Als Liberalismus. Liberté, Égalité, Fraternité. Freiheit, Gleichheit und – frei übersetzt – willst du nicht mein Bruder sein, schlage ich dir den Schädel ein. Gezeichnet im Namen Kain versus Abel.

Als höchste Ausdrucksform etablierte sich in der Gesellschaft das Dogma der “Demokratie”. Mit deren Steigerung der “freiheitlichen Demokratie” als demokratische Freiheit. Der Teufel ahnte, was ablief und versuchte gegen zu steuern. Er erschuf Götter und Gotteskrieger. Und in der nächsten Stufe Deregulierer und Deregulierungskrieger gegen Götter und Gotteskrieger. Darüber konnte Gott nur in seine geballte Faust lachen. Denn der naive Apfelbaumbank-Belzebub hatte Gottes gewitzten Schachzug übersehen, den jener bereits bei der Schöpfung des Menschen in den Menschen wie ein Samenkorn angelegt hatte. Gott hatte in der menschlichen Psyche eine kleine Schwäche eingebaut: immer wenn dem Menschen etwas gefällt, führt dieses zu einer Glückshormonausschüttung, welche Suchtmechanismen auslösen. Der Mensch sucht nach dieser Glückshormonausschüttung, er hechelt förmlich danach, eine Gefallensbekundung zu bekommen. Erhält er diese nicht, wird er aggressiv und destruktiv, greift zur Steinkeule und brät seinem Mitmenschen eine über. Der Dopamin-Kick als Antrieb zur sozialen Interaktion. Und das Samenkorn wurde zum Sämling, erblühte und trug Früchte.

Der Teufel erahnte diese Schwäche zum ersten Mal, als Menschen anfingen, andere Mitmenschen systematisch zu vernichten, sich dabei distanzierend von anderen abkapselten und dabei geschlossen Glück empfanden. Hitlers Holocaust und Porajmos, Stalins Großer Terror, Maos Großer Sprung, Pol Pots Killing Fields, Trumans Hiroshima und Nagasaki, Mladićs Srebrenica, Ruanda, die weltweiten Pogrome der Rechtsextremen, all diese führten zu Glückshormonausschüttungen bei deren Befürwortern. Und es waren derer nicht wenig, welche sich danach glücklicher und zufriedener fühlten als vorher.

Der Teufel sah Gottes Werk anfangs ohnmächtig zu und wollte dann auch seinen Beitrag leisten. Mit systematische Finanzkrisen – organisiert über die Spiel- und Wettsucht der Menschen – strebte er danach, die Herrschaft über die Menschheit zurück gewinnen. Jedoch sah er, dass sein Wirken eben nur des Teufels Beitrag zu Gottes Werk war. Schlimmer noch: er sah seinen Ruhm schwinden. Denn Gott hatte etwas anderes gestartet, systematisches, welches Teufels Beitrag nun mal eben verschwindend gering erscheinen ließ: Gott war dabei, das Paralleluniversum zu schaffen, um wieder der angestammte Besitzer seines eigene Sonnensystems zu werden. Er hatte dem Menschen geholfen, ein riesiges Netz untereinander zu schaffen.

Menschen saßen vor elektronischen Bestandteilen und ließen sich von diesen in ein Paralleluniversum saugen, um dort ihren Dopamin-Kick zu bekommen. Der Mensch nennt es “sozial”, denn er definierte sich trotz aller Kriege, Massaker und Morde als soziales Wesen. Und weil der Mensch seit Boulevard, Radio und Fernsehen ins mediale Zeitalter eingetreten war, erweiterte der Mensch das Wort “sozial” um das Wort “Medien”, einfach weil es erheblich sozialer klingt.

Der Teufel erkannte zu spät das Teuflische an Gottes Plan. Und Gott amüsierte sich über des Teufels ungläubigen Staunen ob seines göttlichen Plans: er hatte ein Universum geknüpft, in dem sich die Menschen wie in einem Fischernetz verfangen sollten. Dem Menschen hatte er das Netz auf der gleichen heimtückischen Weise verkauft, so wie die Spinne der Fliege weis machen möchte, sie stricke ihr einen Pullover.

Der Mensch gab dem Universum den Namen “Internet” und definierte es als Zufluchtsstätte seiner Sehnsüchte. Der Mensch wollte sich darin mitteilen dürfen, wie es ihm gefalle. Und aus diesem unendlichen Meer des Universums “Internet” kristallisierten sich Inseln heraus, Blogs, Foren, Communities, und bildeten Gemeinschaften, die sich dem Dopamin-Kick verschrieben hatte. Dem simplen Dopamin-Kick mittels Gefallen-Bekundungen. “Daumen-Hoch” und “Gefällt-mir” als neue Währung. Das Goldene Kalb, um dem herum zu tanzen sei, um Glück zu erfahren.

Fortsetzung folgt

Man lernt nie. Aus. (Teil 1)

Am Anfang stand die Steinkeule und ein Mensch der seinem Mitmenschen damit in dem Augenblick eine übergebraten hatte, als er den anderen als Bedrohung empfand.

Gott blickte in seinen Garten Eden und fragte den Kain, wo denn Abel wäre, worauf Kain kurz angebunden auf die Rechtsabteilung seines Managements “Adam&Eva Gesellschaft mit beschränkter Haftung” verwies. Gott wurde sauer ob der justiziablen Antwort und verbannte Kain umgehend des Garten Edens. Kain reagierte unverzüglich, informierte sein Management und das trat sofort in Aktion: Gott erhielt eine Rechnung in saftiger Höhe wegen unbegründeter Kündigung von 510 Millionen Quadratkilometer paradiesischen Wohnraums mittels vorgeschobenem Grunde einer ungerechtfertigten Eigenbedarfskündigung. Begründung: Gott sei weder verheiratet, noch habe er Kinder oder andere bucklige Verwandtschaft, weswegen eine Eigenbedarfskündigung nicht nur haltlos, sondern dem Kläger zu dessen erheblichen finanziellen Nachteil auf dem irdischen Mietmarkt unzumutbaren Zuständen aussetzen würde. Wert der Klage: umgerechnet 75 Schekel pro Quadratmeter plus Anwaltskosten.

Als Gott angesichts der zu erwartenden Strafzahlung bei der paradiesisch teuflischen Bank direkt neben seinem gepflanzten Apfelbaum nach einen Kredit zur Zahlung der Rechnung anfragte, erhielt er mit maliziöses Lächeln den Rat, die Erde lieber gleich an das treuhändlerische “Kain-Adam-Eva Konsortium” abzutreten. Zumindest vorübergehend, also gewissermaßen temporär. Schweren Herzens löste Gott nun die Erde aus seinem heliozentrischen Sonnensystem heraus und überantwortete sie der geozentrischen Verantwortung der Menschen. Per Pachtvertrag über deren Lebenszeit für Luft und Liebe als Pachtzins. Ohne Inflationsausgleich.

Trotz allem gelang es Gott, in dem Vertrag noch eine Klausel einzuschmuggeln, welche ihm garantierte, den Klumpen kosmischen Drecks zurückzuerhalten, würde er es schaffen, auf der Erde ein Paralleluniversum zu gründen. Ein Paralleluniversum, welches den Menschen völlig in dessen Abhängig zwingen würde.

Der Teufel lachte dazu nur dreimal kurz und einmal trocken, baute sein Bankensystem aus und machte es für die Erde systemisch, indem er derer Banken viele gründete. Der Kitt, der alles unlösbar verknüpfte, war das einzige weltbewegende Wort, welches wie ein dicker Felsen über den Mariannengraben schwebte und alle Existenzen darin hinunter ziehen konnte: “Geld”. Denn sollten die Menschen an seine Bankenflechte rütteln, würden sie ihre Existenz aufs Spiel setzen. Denn ohne Geld lief bald schon gar nichts mehr. Noch mehr lachte der Teufel, als die Menschen erkannten, wie sehr die scheuernden Ketten um deren wunden Fußknöcheln eben mit dieser Felsenkugel untrennbar verbunden waren. In Folge wurden die Menschen demütig und opferten vieles – Glück, Liebe und Leben –, damit sie nicht eines Tages auf den Grund jenes Mariannengrabens aufwachen würden, weil sie des Kitts nicht mehr hatten. Der Kitt war für sie der Leim des Lebens, auf dem die Menschen gingen.

Nur Gott gab sich längst noch nicht geschlagen. Immer wieder setzte er seine eigenen Ideen dagegen, um dem Teufel das Leben schwer zu machen. Er konstruierte Weltreiche und lies darin eigene Regeln und Philosophien erschaffen, um sie nachher mit einem Handwisch hinweg zu fegen, wenn sie dem Teufel zu sehr auf dem Leim gingen. Immer wieder bedrohte er das Geldsystems des Teufels mit eigenen Strategien. Irgendwann jedoch nahm er Abstand von national orientierten Lösungen. Gott dachte nachhaltiger und globalisierte seine Strategien. Sein erster Versuch war die Tulpenmanie im Goldenen Zeitalter der Niederlande. Der wurde aber zu einem Schlag ins Wasser. Es gelang ihm noch nicht, die Menschen vom Geld zu entfernen. Er modifizierte daher seine Strategie und eines seiner ersten Meisterwerke war dann, als er es mittels der britischen East India Company schaffte, von Europa aus Millionen von Menschen östlich des Fruchtbaren Halbmondes in Drogenabhängigkeit zu versetzen und sie so in deren Drogenrausch dem Bankensystem zu entziehen. Was er jedoch nicht bedachte, dass die Einnahmen aus dem East India Company Drogenmonopol dem Bankensystem westlich des Fruchtbaren Halbmondes zugute kamen. Mit dieser Erkenntnis holte Gott zum vernichtenden Gegenschlag aus. Wenn schon nicht die Opiumsucht im Osten nicht die Lösung brachte, dann weitere Süchte in stetiger Kombination. Opium für das westliche Volk angerichtet mit den Zutaten Religion, Alkohol, Tabak, Spiele, Fernsehen, Sex für jedermann. Die Erde sollte endlich wieder in seine Gewalt kommen.

Fortsetzung folgt

Ein Stück vom Himmel

Immer wieder Sonntags kommt die Erinnerung. An den Montag. Es ist wohl der unbeliebteste Tag in der Arbeitswelt. Donnerstage und Freitage sind genau in jener Reihenfolge deutlich beliebter. Würde man jetzt daraus folgern, alle Werktage zu Freitagen zu deklarieren, es würde das Glücksempfinden vieler Menschen nicht wirklich steigern. Der Freitag lebt vom Samstag und der Samstag von der Fama des Sonntags, an dem der Weltenschöpfer seinen Kummer über das Vergessen der Abgabe seines Lottoscheins in billigen Messwein ersäufte. Und nicht, weil er etwa “Das Wort zum Sonntag” sah und dabei ins Koma fiel.

Und was passierte so in der Zwischenzeit? Also zwischen Vollrausch und Ausnüchterung? Ein Blick ins Internet hilft stetig weiter. Keine Nachricht, dass Aliens mit Zwillen wieder hässliche Steinsbrocken auf die Erde abschossen hätten und diese wieder mal nur knapp verfehlten. Die Sonntags-Presse kann also nicht mit exklusiven Bildern vom Weltuntergang schocken. Also bleiben nur Bilder aus Syrien.

Andererseits: Weiterlesen

Der fehlende Gottesbeweis

“Da schau her. Guck mal, wer da kommt.”

“Ja.”

“Da schleicht er wieder zum Amt rüber. Die reinste Hölle dort, aber er versucht es ja wieder und wieder.”

“Jo.”

“Haste noch das letzte Mal in Erinnerung? Als er verkleidet wie Gandalf, der Graue, ins Amt ging und mit Beihilfe zum Mord prahlte, aber dessen Asylantrag trotzdem abgelehnt wurde?”

“Jaja.”

“Das vorletzte Mal hatte er sogar auf vorsätzlich unterlassener Hilfeleistung mit Todesfolge plädiert, um den Passierschein zu erhalten. Ich sag nur, allein das Wort ‚Hilfeleistung‘ versaut einem den Antrag. Eigene Dummheit halt. Er hat dafür kein Asyl erhalten.”

“Jau.”

“Hätte er mal einen richtigen Mord begangen. Oder wenigstens nachweisbar Massenmord. Wer in aller Munde sein will, darf vor Mord und Totschlag nicht zurückschrecken.”

“Jooh.” Weiterlesen