Die Rückkehr der “Cui-Bono”-Krieger

Lasset uns konjugieren:

Mein Leben läuft. // Dein Leben läuft. // Sein/Ihr/Sein Leben läuft. //

Unser Leben läuft. // Euer Leben läuft. // Ihr Leben läuft.

Es ist ein reinster Lebenslauf, dass das Leben läuft. Manchmal geht es aber auch, das Leben. Oder schleicht. Und so am Ende des Lebenslaufs geht es wieder der Erde entgegen. Der reinste Lebenslauf? Na. So einfach sollte man es sich nicht machen. „Lebenslauf einfach“ geht schon mal gar nicht. Einfach einfach kann jeder einfach mal so einfach. Mal so. So.

Lebensläufe zu analysieren ist wieder total en vogue. Der Baerbocks ihrer. Geht gar nicht, derer ihrer einer. Voll der Fehler und der eindeutig eindeutigen Hinweise, die sie disqualifizieren für den Posten des Kehrpersonals der Republik. Wie schrieb irgend so ein pseudo-investigativer Journalist mal im Internet? „Kanzlerette“. Dabei ist die Baerbock noch nicht mal „Kanzlerin“, damit dieser despektierlich verwendete Ausdruck überhaupt auf sie passen würde. Aber abgeschrieben hat er es woanders, trotzdem. Weil er weiß, dass seine Leser nicht gerade die hellsten Kerzen auf seiner Torte sind.

Ach ja? Super! Voll toll! Machste hier eine Stimme des Widerstandes wieder nieder? Und überhaupt. „Die Baerbock“? Geht’s noch, Herr Schreiberling dieses Blogeintrags? „Die Baerbock“! Die hat einen richtigen Vornamen und der lautet bestimmt nicht „die“. Und Anstand und gute Kinderstube gebietet auch, zumindest ihre Anrede zu nennen: „Frau“, wenn schon der Vorname nicht genannt werden sollte. Herr Schreiberling! Capito, stupido?? Mann, Mann, Mann.

Hm.

Das war ich jetzt nicht.

Das war mein Über-Ich. Nicht ich. Solche Einwürfe schreibe ich nicht. Okay. Weiter im Kontext und das Über-Ich von mir, dieses kleine Monster der gewissen Gewissenlosigkeit, wieder weggesperrt, in den tiefsten Kerkern meines unbewussten Bewusstseins. Was andere schon längst können, kann ich schon länger.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja. Beim Lauf des Lebens. Der Lebenslauf der Baerbock ist inzwischen hinreichend bekannt, ausreichend durchgekaut und mehrfach ausgespuckt worden. Und all die meinungsstarken Schreiberlinge der vorherrschenden Medien und der selbst-ernannten alternativen Medien sind sich einig: Frisieren ist gleich fälschen, und Fälschen ist kriminell. So wie beim Theodore, dem Guttenberger. Oder jetzt wie bei jener, der Annalena, dieser Baerbock. Geht gar nicht. Folglich sieht jeder auch deswegen die automatische Disqualifizierung der Frau fürs Kanzleramt. Somit ist es auch völlig okay und bleibt unwidersprochen, die Baerbock als Moses, dem Oberverbieter von „laissez-faire, laissez-aller“, darzustellen. Klandestiner Antisemitismus geht. Immer. Dann schreit auch keiner auf. Weil: böses Weibchen, ganz böses Frauchen.

Gut. Ein Blick in den Lebenslauf von Armin Laschet, den jener als Kandidat für den Vorsitz der CDU Deutschlands abgab (Stand 28-Okt-2020, abrufbar in den Archivdokumentseiten der CDU im Internet und auf den parlamentarischen Seiten NRWs), lässt putativ ebenfalls auf Frisieren schließen.

Was auffällt ist, dass Laschet in seinem Leben weder Bundeswehr noch Zivildienst absolviert hat, sondern gleich nach dem Abitur gen München ins damalige Herrschaftsreich des Franz-Josef Strauß übersiedelte. Womit sich auch Laschets Verbundenheit zu München und damit zu Herrn Dr. Söder erklärt. Und es wird dann auch klar, warum das NRW-Kabinett deren Kabinettssitzung auf Veranlassung von Ministerpräsident Laschet am 12. März 2019 bei Ministerpräsident Dr. Söder in München durchführen ließ.

Nun, dass Laschet nicht ein Jahr zur Bundeswehr gegangen zu sein scheint oder alternativ 18 Monate lang Zivildienstleistender der Gesellschaft diente, das lässt zwei Schlüsse zu: Entweder wurde er wegen seinem Jura-Studium (erfolglos, da ohne Abschluss) zurückgestellt. Oder er wurde in NRW vom Kreiswehrersatzamt bei dessen Bemusterung als Vulnerabler ausgemustert. Also Klassifizierung „T5“ wegen der Feststellung einer schweren Gesundheitsstörung (will sagen: eine Besserung des Gesundheitszustandes stand nicht zu erwarten). Oder vielleicht auch „T4“. Wegen einer Zahnspange. Oder so.

Nun gut. Herr Laschet dokumentiert drei Tage vor dem 31. Oktober in seinem Lebenslauf, dass er Mitglied des Direktoriums zur Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen war. Das galt exakt bis zum 31. Oktober 2020. Danach schied er aus. Aus dem Direktorium. Wegen der Pandemie allerdings gehörte er informell bis zur Nachholung der Verleihung des Preises 2020 auch 2021 noch dem Direktorium an. Informell. Sagt das Direktorium. Formell wird er von diesem Verein auf seinen Internetseiten seit Dezember 2020 nicht mehr geführt. Und seinen Lebenslauf hat Laschet danach auch nicht angepasst.

Oder es fällt auf, dass etwas nicht vorhanden ist: es fehlt in seinem Lebenslauf, dass Laschet als Lehrbeauftragter an der RWTH Aachen Klausuren verlor und diese dann trotzdem benotete … gut, so etwas steht maximal in dessen Zeugnis: „Herr Laschet gab sich stets äußerste Mühe, seine Aufgaben pflichtgemäß zu erfüllen. Hierbei zeichnete er sich durch Proaktivität auch gegenüber der Zukunft seiner Studenten aus“. So etwas steht natürlich nie in einem Lebenslauf. Stimmt. Gehört auch nicht dort hinein.

Oder er umschreibt seine Lebensphasen: dass er hier in München seine „Ausbildung zum Journalisten“ machte. Nebenbei, das war beim Privatsender „Charivari“ und nicht beim „Bayrischen Rundfunk“ … Privatsender „Charivari“ … ja, nee, is klar, ne … `ne Ausbildung bei der Zeitungbeilage „Prisma“, die Beilage zum TV-Programm, wäre da schon erheblich journalistischer und investigativer …

Dafür ist er aber immerhin Mitglied der „Europäischen Akademie der Wissenschaft und Künste“ in Salzburg. Liegt bei München. Also genau genommen, inoffiziell sehr knappes Oberbayern. Das hört sich nobel an. So nach „Mozart“, „Mozartkugeln“ und „Salzburger Nockerl“. Und in dieser Akademie ist er in der Abteilung „Weltreligionen“ tätig.

Und? Cui bono? Wem tut’s gut? Wer ist ebenfalls mit ihm in der gleichen Abteilung jener Akademie? Richtig. Ein anderer Münchener: Richard Marx. Der zurücktreten wollte. Den der Papst im Vatikan aber nicht ließ. Richard Marx. Nicht zu verwechseln mit Karl Marx (kein Münchner, aber schon im Himmel). Oder gar jenem Rainer Maria Kardinal Woelki (nicht Münchner, nicht Himmelaner), der Nachfolger von Joachim Kardinal Meisner. Meisner das war der, den damals schon Jürgen Becker wegen seiner Managerfähigkeiten als “Nulpe” einordnete (“In der freien Wirtschaft würde er nur als Pförtner eingestellt.” Jürgen Becker, 2007, DFL-Kultur). Und Joachim Kardinal Meisner hat Maria Kardinal Woelki offensichtlich komplett beerbt. Der Apfel stammt nicht weit vom Fall …

Also. Jener Rainer Maria Kardinal Woelki, der an einem 18. Februar zum Kardinal zu Köln ernannt wurde. An dem Tag, an welchem Armin Laschet immer seinen Geburtstag feiert. An dem 18. Februar. An dem gleichen Tag, an dem im Jahre 2014 redaktionell niedergeschrieben wurde, dass Reinhard Marx auf Lebenszeit Kardinal bleibt und was dann am nächsten Tag vom Presseamt des Heiligen Stuhls im Vatikan schriftlich verkündigt wurde.

Wird jetzt klarer, warum die Öcher Printe ohne akademischen Jura-Titel, also eben jener Armin Laschet, mehr Münchner ist als es jener hiesige, nach München zugezogene Franke mit Doktortitel, ein gewisser Herr Dr. Söder? Warum Laschet somit das volle Recht hatte, mit seinem Kabinett in jenem März 2019 seine NRW-Kabinettssitzung in München abzuhalten? Und warum Söder fürchten muss, dass Laschet als Kanzler mit der Bundeswehr in München einmarschiert und das Straußoleum (die Münchner Staatskanzlei) einnimmt und Söder zum Postboten von Baerbock degradiert? Cui bono?

Na gut. Details hinter den aufgeführten Punkten in Laschets Lebenslauf kenne ich nicht im Detail. Aber ist das kriegsentscheidend? Gehören die bisher aufgezählten Dinge etwa nicht zum „Frisieren“? Nun, wichtig ist aber lediglich: Hauptsache, sie machen dicke Backen der Empörung. Dicke Backen wie hart gekochte Kohlenhydrate an gematschten Tomaten mit Olivenöl und feinem Grünzeugs drüber. Auf Deutsch: Spaghetti Napoli. Und Krieger brauchen Kohlenhydrate. Ansonsten verhungern sie im Krieg mit den Feind, noch bevor dieser sie hätte töten können. Warum die damals durch das Kreiswehrersatzamt ausgemusterten Vulnerablen nicht trotzdem genommen wurden … sie hätten ja als Pufferweichziele verwendet werden können … Cui bono?

Ich schaue in meinen Lebenslauf. Mein Lebenslauf. Frisiert? Frisieren? Wer ich?

Hm. Herr Schreiberling, was sehe ich da? Keine Lücken? Allerdings auch kein One-Pager wie jener Lebenslauf vom Laschet. Vielmehr ein Mehr-Seiter. Und verdammt viel Text. Sozusagen eine Bleiwüste als Lebenslauf getarnt. Jaja. Und dann noch ein halbes Jahr Südamerika-Praktikum. Soso. Niemals gekündigt und niemals in einer Führungsposition. Aha. Alles so rund. So verdächtig unverdächtig. Was soll verborgen werden? Wo ist der Lebenslauf frisiert? Aber dann der entscheidende Hinweis, nicht wahr: Geburtsdatum des Schreiberlings ist der 18. Februar. Jetzt wird’s aber extrem verdächtig, Herr Schreiberling! Cui bono? Eben! Erwischt! Der 18. Februar als Tag der Nulpen …

Nööööö, ich frisiere doch nicht! Ich nicht! Doppelschwör! Ich bin ehrlich. Wie meine Haut. So wahr, wie ich sie zu Markte trage. So abziehbar, wie die Panini-Klebebildchen in den Schokoladen-Häppchen vom Kiosk an der Ecke. So ehrlich wie Hinz und Kunz hier auch.

Wie Hinz und Kunz? Okay. Dann doch eher wie Kunz. Denn Hinz habe ich bereits kennengelernt. Der beherrscht Photoshop erheblich schlechter als Kunz. Und im Gegensatz zu Hinz hat Kunz auch das passende Druckerpapier für Fake-Impfausweise, also die inoffiziellen Hinzugehörigkeitspapiere der schlaflosen Außerparlamentarischen Fake-News-Opposition, der Abteilung der Trypanophobie-Adepten und sonstige Lebensphobiker …

Menno. Ich muss an dieser Stelle konstatieren: Kerkerwächter sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Alles muss man selbst machen. Gutes Personal ist heuer so schwierig zu bekommen, um sein überwaberndes Über-Ich eingesperrt zu halten.

Damals, ja, damals, da konnte man noch guten Gewissens das eigene Über-Ich wegsperren, zusammen mit all den Bruchstücken der eigenen Vergangenheit. Das war noch der berühmt berüchtigte Zeitgeist, der alles unter Kontrolle hatte. Richtig, daran war nur der Zeitgeist schuld. Der hat damals die eigenen Kerkerwächter vergütet und belohnt. Aber heuer? Wenn nicht mal der eigene frisierte Lebenslauf sicher ist vor den eigenen Ansprüchen, welche man gerecht zur Rache an andere Menschen setzt, …

Komm jetzt trau dich. Sag es schon. Na los. “Cui bono” kannste doch auch aus dem Effeff buchstabieren. Tu es. Trau dich. Du bist jetzt ein alter, grauhaariger weißer Mann. Du darfst jetzt. Soll ich dir den Anfang vorsagen? Das Stichwort geben? Gut: Früher. War. Alles. …

Besser? Nö, nicht wirklich. Früher war nicht alles besser. Eines ist sogar definitiv schlechter geworden. Die Doppelmoral. Die wurde verbessert. Sie fällt jetzt nicht mehr so auf.

Cui bono? Uns Nulpen halt. Frag nicht so blöd! Armin! Äh, „Amen“ wollt ich, äh, ganz lasch dahinrotzen …

Amen.

“Ashes to ashes, clay to clay, if the enemy doesn’t get you, your own folks may.”
(aus “The peacelike mongoose” von James Thurber)

Kneipengespräch: Doppelt dumm gelaufen, du Ehrlicher, du!

Er brabbelte vor sich hin. Nicht laut, aber störend.

“Hey, kannste mal damit aufhören, hier rumzubrabbeln?”

Er starrte mich verwundert an. Wahrscheinlich schon im Delirium Tremens. Ich seufzte und wollte mir gerade das nächste Kölsch bestellen, als er spontan loslegte

“Ich lass mir nichts verbieten!”

Vorsichtig entgegnete ich: “Was bitte?”

“Ich’s bin’s nicht gewesen.”

“Ja?”

“Die anderen war’s.”

“Sie meinen Türkenhochzeiten? Oder Oma-Geburtstag? Motorrad im Hühnerstall?”

“Bürschchen, halt die Klappe.”

“Wie bitte?”

“Das ist momentan normal. Außer Verboten fällt denen nix ein.”

“Verbote? Wem?”

“Ich kenn keinen, den es in Wirklichkeit erwischt hat.”

“Okay …”

“Also wird es wohl nicht so schlimm sein.”

“Und?”

“Mich trifft’s nicht.”

“Echt?”

“Alles übertrieben. Total übertrieben.”

“Hm, warum?”

“Das ist wissenschaftlich nicht eindeutig erwiesen. Und irgendeiner hat’s in die Welt gesetzt, um mich zu unterdrücken. Great Resett. Weiß doch jeder!”

“Ähem, weiß wer?”

“Das Ganze ist lediglich ein primitives Machtinstrument. Ein Spiel der Herrschenden!”

“Ein Machtinstrument?”

“Die da oben gegen uns da unten! Mit Fake-News der Mainstream-Medien wie BILD, EXPRESS und so. Hör mal! Ich hab keinen Bock auf Verzicht!”

“Was?”

“Ich selber hab ein Recht, durch die Welt zu fliegen. Ein natürliches Anrecht auf meine Freiheit! Steht auch im Grundgesetz.”

“Freiheit?”

“Jawohl, meine demokratische Freiheit ist wichtiger als irgend so ein Live time-Fußabdruck für paar Dagegen-Fuzies.”

“Fußabdruck? “

“Hömma, wir reden bekanntermaßen von einer Erfahrungsdimension, von vielleicht jetzt knapp ein Dutzend Monaten.”

“Okay. Erfahrungsdimension?”

“Hey, ein Wandel wird nichts sein, worauf man dann nach paar Monaten Einschränkung keinen Bock mehr hat. Das macht pessimistisch.”

“Dass die Menschheit das hinkriegt? Moment. Erklär mir mal: Worüber hast du gerade geredet? Über Corona an sich? Oder über den Klimawandel generell?”

”Herr Oberspielleiter, zwei Kölsch bitte!”

Gott des Gehäcksels

A: Sie sind …

B: Internet-Künstler. Und Sie?

A: Internet-Künstler? Wie interessant. Ich selber habe im Internet eine Meinungsseite, erkläre meinen Lesern, wie sie mit den neusten Entwicklungen umgehen können. Wie so etwas auch gesehen werden sollte. Ein Angebot für Tausende von Lesern.

B: Tausende?

A: Abertausende. Mindestens Abertausende. Mehr als nur die Tausende. Ich fühle mich der Aufklärung und des klaren Denkens verpflichtet.

B: Über die neusten Entwicklungen?

A: Wenn bei Entwicklungen Börsenwerte steigen, was als Ausgleich dafür sinkt. Wenn Influencer A sagen, was das unausgesprochene B dazu ist. Wenn da jemand etwas ganz deutlich erklärt, was damit aber in Wahrheit vorsätzlich verschwiegen wird. Wenn jemand investigativen Journalismus betreibt, warum es nur pseudo-investigativ ist. Wer lediglich Mainstream ist und wer sich in Wahrheit um die Aufklärung bemüht. Warum die Verwendung von Adjektiven in Artikeln auf meiner Seite lebenswichtig ist zur Meinungsbildung.

B: Nicht schlecht. Meine Kunst ist es Erregungen aufzunehmen und künstlerisch in Worten umzusetzen.

A: Dann sind Sie also von meiner Branche?

B: Nein, eigentlich nicht. Sie sind Aktivist, ich bin Künstler. Sie wühlen im politischen Dreck, ich überblicke es und berichte darüber.

A: Über mich?

B: Über den Dreck, der Sie umgibt.

A: Sehen Sie, das sehen Sie eindeutig falsch. Ich lasse mich nie drauf ein, mit Schweinen im Dreck zu suhlen. Die sind eindeutig zu dreckig und wer zahlt mir nachher die Reinigungskosten, nicht wahr.

B: Aber Sie setzen sich mit Schweinen auseinander.

A: Sie verstehen meine Position miss. Ich suhle mich nicht im Schlammloch, ich stehe am Spielfeldrand und gebe Hilfe denjenigen, die im Schlamm die Übersicht verlieren. Dafür werde ich respektiert und geachtet.

B: Also so in etwas wie Billigarbeitskräfte aus Bulgarien oder Rumänien im Schlachterbetrieb mit der Kettensäge.

A: Nicht allein die Kettensäge. Erst das Bolzenschussgerät. Dann zum Zerteilen die gute Stihl-Säge. Wir sind inzwischen humanistisch weiterentwickelt. Wir bieten denen auch Jobs zum unblutigen Spargel-Ernten an.

B: Deutsche Wertarbeit. Frisch auf dem Tisch.

A: Nun, ich bin eher wie ein Trainer der internationalen Fußball-Welt. Wer lediglich lokal denkt, kommt nie in den Schlachtbetrieb einer Champions-Ligue. Gute Trainer betätigen sich auf den Feld der Strategen und Positionierungen. Mein Schlachtfeld als Trainer ist das der Narrative.

B: Narrative.

A: Erzählungen. Der Dichtung. Unaufgeklärten, unreflektierte Narrative. Ungenauen Informationen der anderen. Der Gegner. Mit deren gefilterten Informationen. Das Verschwiegene. Das Unausgesprochene, das Gelogene. In einem Schlachthof ist der erste Schritt immer der radikalste. Beim Spargelstechen geht es sogar unter der Oberfläche beim Abstechen. Beim Spargelstechen und im Schlachthof wird gezielt zugestochen.

B: Sie keulen Ihre Gegner gezielt? Mit was?

A: Ja. Mit Nazi-Keulen, Stasi-Keulen, DDR-Keulen, Antifa-Keulen. Hauptsache keulen. Wie es Schweine im Schlachthof verdient haben. Das ist mein Handwerk.

B: Gut, Keulen ist nicht mein Handwerk. Aber das Stechen. Als Internet-Künstler bin ich auch immer darauf erpicht, im Recht beim Stechen zu sein. Auch wenn ich immer wieder als lächerlich wirkender Schwärmer hingestellt werde, dessen Tatendrang an den realen Gegebenheiten scheitert.

A: Als Gutmensch?

B: Nein, als Don Quijote. Das Leben ist voll der Kämpfe gegen der so viel versteckte Dinge. Letzten wurde mir ein neues Notebook mit Trackpad angeboten. Trackpad. Ich lasse mich doch nicht beim Eintippen meiner Internetkunst zurückverfolgen. Warum sollen meine Blogeinträge getrackpad werden? Ich habe den Kauf abgelehnt.

A: Ihre Kritik ist basal. Einfach gut. Man muss nicht alles akzeptieren, was heute so angeboten wird. Eine gewisser gesunder Menschenverstand sollte immer Basis der eigenen Entscheidungsfindungssuche sein. Mündige Bürger bestehen drauf, schreibe ich als Credo.

B: Richtig. Eine Entscheidungssituation sollte bewusst gemacht werden und formuliert werden.

A: Und jener Prozess, seine Beteiligten und deren Verantwortliche definiert sein.

B: Zudem das Risikomanagement. Absolut unentbehrlich. Erst dann besteht Einigkeit, auch über das festgelegte Maß für den Erfolg. Mit allen Informationen, den Optionen und den Risiken. Eine Risikobewertung gemäß der DIN ISO 9001.

A: Yep. Nur so geht es. Die üblich gemachten Fehler durch kognitive Verzerrungen sind bewusst zu vermeiden. Nur dann können Entscheidungen getroffen werden. Und genau das ist zu kommunizieren. Und umzusetzen.

B: Alles gemäß des DEMING-Kreises “PDCA”: plan, do check, act. Planen, durchführen, überprüfen und aus den Ergebnissen handeln.

A: Lenins Leitsatz hat sich in Deutschland bislang immer bewährt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Aber denke ich an Deutschland in der Nacht, ist Lenin um dessen Schlaf gebracht.

B: Richtig. Ein solcher Leitsatz lässt sich nur als Blockwart-Mentalität ummünzen, wenn es opportun ist. Ich habe dazu ein entsprechendes DIN ISO 9001 Zertifikat erworben. Made in Germany.

A: Als Internet-Künstler.

B: Als Internet-Künstler. Ich bin der erste Internet-Künstler mit PDCA-Zertifizierung. Somit haben Sie und ich einiges gemeinsam, nicht wahr.

A: Meine Meinungsseite baut auf PDCA. Nur bislang ohne Zertifizierung. Weil, wir leben in einer Meinungsdiktatur. Da wird Lenins Meinung nicht akzeptiert. Die Meinung meiner Seite wird klar unterdrückt.

B: Unterdrückt?

A: Verschwiegen. Nicht berücksichtigt. Nicht auf großen Plattformen diskutiert. Und wenn doch, dann wird sie lediglich kritiklos zerpflückt. Von weißen, alten Männern ohne Ahnung.

B: Weißhaarige Dinos.

A: Boomern. Statt meine Meinung als Grundlage zu wertschätzen, wird sie unterdrückt. Oder angegriffen. Man wagt es heute kaum noch seine Meinung zu äußern, weil man dafür angegriffen wird. Wenn ich mal konträre Meinung in den Raum stellen, warum muss sie immer gleich bewertet werden? Warum kann sie nicht mal im Sinne der Meinungsfreiheit als Meinung offen honoriert werden? Warum kann sie nicht auch mal kritiklos übernommen werden?

B: Absolut meine Meinung! Solange unsere Meinungen nicht als Meinungen auf dieser Weise honoriert werden, also kritikfrei, solange gibt es keine echte Meinungsfreiheit.

A: Eben. Kritisierung unserer Meinung ist Meinungsdiktatur! Nicht Meinungsfreiheit.

B: Man darf halt seine Meinung inzwischen nicht mehr ungestraft äußern.

A: Wahrhaft gesprochen! Ihre Meinung ist eine wahrhaftige Meinung. Meinung muss man aushalten dürfen. Und zwar von den anderen! Weil wir halten sie bereits aus.

B: Meine ich auch. Meinung aushalten dürfen. Wie ein Zuhälter. Als Internet-Künstler. Meinungsprostitution ohne legitimen Widerspruch.

A: Dann sind wir uns ja einig. In dieser unerträglichen Meinungsdiktatur.

B: Ich bin stolz auf Sie. Wie war nochmals Ihr Name?

A: Nennen Sie mich Jei-Bi.

B: Gut, Jei-Bi. Ich zieh mich mal kurz zurück. Ich muss mich mal um meine besten Meinungspferdchen im Stall kümmern. Sie müssen endlich mal wieder ertragreicher werden.

A: Sie scheinen mir ein meinungsstarker Meinungscoach zu sein. Kann ich Ihnen mal ein paar meiner besten Pferde im Stall zukommen lassen?

B: Momentan schlecht.

A: Hafer-Rohstoffkrise?

B: Tja, momentan geht der ganze Hafer in die laktosefreie und Gluten reduzierte Hafermilch.

A: Oh.

B: Ich tüftle momentan an einem Programm zum Umgewöhnen meiner Pferdchen auf vegane Mandelmilch. Vegan macht zudem friedlich. Und friedliche Pferdchen ziehen keinen Streitwagen.

A: Ihre Ironie steht Ihnen nicht zu. Zu veganer Mandelmilch kann es keine zwei Meinungen geben. Ihre Ironie setzt aufs falsche Pferd. Satire und Ironie darf nur gegen die Obrigkeit gehen. Ansonsten ist es fehl am Platz.

B: Ich denke einen Monat über ihre Meinung nach. Im Internet. Ich bin Künstler.

A: Dann wünsch ich Ihnen eine gute Meinungsfindungsphase. Mögen Sie in dem Schoße der rechten Meinung zurück kommen.

B: Ich gebe mir rechte Mühe.

A: Habe die Ehre.

König Kunde

»Könnten Sie bitte Ihre Maske aufsetzen? Der Aufenthalt hier ist ohne Maske nicht erlaubt.«

Er reagierte nicht, sah durch sie hindurch. Mit routinierten Handgriffen überprüfte er das, was er glaubte mit seinen eigenen Händen greifen zu können: die Frische der Brötchen.

»Ihre Maske, bitte.« Sie machte eine entsprechende Geste zu ihrem Gesicht und deutete auf ihre eigene FFP2-Maske.

»Was wollen Sie von mir?«

»Mein Herr, ich muss Sie leider nochmals auffordern, Ihre Maske aufzusetzen.«

»Was soll ich?« Sein Blick war weder fragend noch irritiert, er war herausfordernd.

»Der Aufenthalt hier in der Lounge ist ohne Maske nicht erlaubt.«

»Warum sollte ich eine Maske aufsetzen? Ich wurde in den letzten 48 Stunden negativ getestet. Extra für meinen Flug.«

»Würden Sie jetzt bitte Ihre Maske …«

»Warum sollte ich? Mein Test war negativ. Wo bitte ist denn der Ihrige, um mich zu schützen?«

»Wie bitte?«

»Sie quatschen mich hier von der Seite an, meine Maske aufzusetzen, dabei wissen Sie doch, dass jeder Passagier einen Test vorzuweisen hat, der diesen als negativ ausweist. Ansonsten kommt er doch gar nicht erst in den Sicherheitsbereich. Und ich selbst, ich bin negativ. Also brauche ich auch keine Maske hier!«

Er war lauter geworden, hatte sich provokant einen Meter vor ihr aufgebaut und starrte sie jetzt durchdringend an.

»Die Maske hier in der Lounge ist eine Pflicht!«

»Ach ja? Und Sie müssen sich nicht testen lassen? Und haben dann das Recht, mich so schwach von der Seite anreden zu dürfen?«

»Ich …«

»Wer sind Sie überhaupt?«

»Ich arbeite hier.«

»Dann sollten vor allem Sie einen Test vorweisen können, um nachzuweisen, dass Sie kein Risiko für uns Passagiere sind! Wir haben schließlich teuer für unsere Tickets und das Zutrittsrecht zur Lounge bezahlt! Da kann man doch auch wenigstens von den Bediensteten verlangen, …«

»Ich diskutiere nicht mit Ihnen. Sie haben Ihre Maske aufzusetzen oder ich muss Sie von hier entfernen lassen.«

»Ach ja? Und wer gibt Ihnen das Recht dazu? Wollen Sie mich etwa als einen dieser dämlichen Querdenker diffamieren? Oder als irgend so ein Leugner? Ich habe einen negativen Test und Sie konnten mir bislang keinen vorweisen, trotz meiner Aufforderung. Ich möchte umgehend Ihren Vorgesetzten sprechen! Sie behandeln mich unverschämt! Typisch Servicewüste Deutschland, mal wieder!«

Die letzten Worte hat er ihr mit lauter, fester Stimme ins Gesicht geworfen, zu ihr drohend vorgebeugt, mit dem erhobenen Zeigefinger fuchtelte er wie mit einem Degen vor ihren Gesicht erregt hin und her.

Eine uniformierte Frau tippte dem Passagier von hinten auf die Schulter: »Kommen Sie doch bitte mal mit. Ich bringe Sie direkt zu der Vorgesetzten unserer Mitarbeiterin. Kommen Sie bitte mit.« Freundlich, aber bestimmt nahm sie ihm beim Arm und schob ihn Richtung Ausgang.

Die Servicemitarbeiterin atmete tief durch, um ihren Ärger herunter zu schlucken. Die uniformierte Frau drehte sich noch kurz zu ihr um und erinnerte sie freundlich: »Und bitte, werfen Sie bitte alle Brötchen weg, die der Mann hier einfach so angefingert hatte. Die können keinem anderen Passagier mehr zugemutet werden.«

Warteschleifen

Wie lange ist Warten? Ist Warten länger, wenn es kürzer dauert? Das ist natürlich eine schwachsinnige Frage. Zeit hat eine konstante Beschleunigung. Und zwar keine. Zeit steht für sich alleine. Wäre Zeit variabel, dann gäbe es keine Uhren.

Als in der Gegend von Manchester zur Zeiten des Manchester Kapitalismus festgestellt wurde, dass Terminlieferungen aufgrund unterschiedlicher Zeitdefinitionen nie zuverlässig funktionierten, da führten die Engländer Zeitzonen ein. So wurde einigermaßen sichergestellt, dass der 16-Uhr-Nachmittags-Tee immer von allen zur gleichen Unzeit begangen wurde. Okay, es ging nicht um “tea time”, sondern “just in time”-Lieferungen, aber egal. Prinzip ist Prinzip.

In Deutschland wurde darauf einerseits die kostenlose Zeitansage per Telefonnummer eingeführt, andererseits diente das Signal der “heute”-Sendung oder der “Tagesschau” immer zur genauen Kalibrierung der stoisch ungenauen Küchenuhr.

Mein Vater stellt immer die Uhr um fünf Minuten vor, nur um sicher zu gehen, dass alle nachher auch pünktlich waren. Später aber studierten zwei seiner Söhne, und aus den “nur-fünf-Minuten-zu-spät” wurde gleich eine akademische Verspätungsviertelstunde. Danach stellte er die Uhr immer passend zum “Tagesschau”-Gong. Er war “Tageschau”-Schauer. Der “Tagesschau”-Gong war seine zeitliche Orientierung. Das Zeitalter der Internet-Uhren und die damit einhergehende Reduzierung der analogen Signalübermittlungsverzögerung lernte er nicht mehr kennen.

Der Zettel vor mir sah aus wie ein Kassenzettel. Oder eher so einer, den man an Kassen erhält, wenn man seine Telefonkarte aufladen möchte. Benutzername plus PIN.

Warten. Jeder Versuch des Runterladens des Ergebnis resultierte in der Information, dass die Information noch nicht vorliegt. Eine gewissermaßen validierte Nullinformation.

Von dem Ernst der Lage erfuhr ich durch meine Kontaktperson. Den Beweis erhielt ich direkt auf mein Smartphone. Direkt meldete ich mich auf meiner Arbeit krank. Krank oder potentiell krank sind ernste Angelegenheiten, die über Tod und Leben entscheiden können. Seit dem Germanwings-Flug 9525 von Barcelona nach Düsseldorf, der für deren Passagiere nicht auf der Düsseldorfer Kö, sondern an einer Gebirgswand der Westalpen endete, wurde jedem Menschen blutig vor Augen geführt, dass kranke Menschen oder Menschen, die vor der Gefahr des krank-Werdens stehen, nicht mehr arbeiten sollten. Auch nicht bei leichtem Schnupfen oder zartem schleimigen Husten. Oder einem leichten Unwohlsein.

Wer vor 16 Uhr getestet wurde, sollte das Ergebnis noch am gleichen Tag erhalten. So stand es im Internet. Um Mitternacht gab ich es auf. Immer wieder war die Antwort ein Hinweis, dass Warten angesagt wäre.

Warten war auch vor dem Testzentrum angesagt. Trotz Terminvereinbarung reihte ich mich in eine zwanzig-Meter langen Schlange ein. Zwanzig Meter bedeutete hier 10 Leute vor mir. An Supermarkt-Kassen bedeuten momentan 10 Leute kaum 10 Meter, inklusive natürlich dem Ruf nach einer weiteren Kasse.

Zwei Rumänen vor mir fragten mich, ob ich Ihnen den Platz vor mir frei halten würde. Sie sahen am Ende des Platzes des Verkehrsmuseums eine riesige, putzige in Stein gehauene Schnecke. Sie wollten dort noch ein paar Selfies machen. Erst habe ich verneint. Jeder würde halt warten müssen und warum sollten die gerade ihre Selfies nicht auch nach dem Testen erledigen können. Die Schnecke würden denen schon nicht weggekrochen sein. Aber dann war es mir egal. Ich sagte denen zu, sie vor mir wieder rein zu lassen. Auf die zwei Minuten mehr Warten käme es auch nicht an. Mein Sterbedatum würde von den zwei Minuten nur unwesentlich bis gar nicht abhängen. Außer es würde mir der Himmel auf den Kopf fallen. Mein Blick nach oben zeigte den kalten, grauen April-Himmel. Es roch nach Schnee.

Die beiden verließen die Schlange in Richtung Schnecke. Unweit davon saß eine Gruppe Menschen zusammen. Vielleicht sechs, vielleicht sieben. Ein Hinzukommender wurde per Handschlag begrüßt. Nein, kein Alkohol, keine Musik, keine Feierei oder Party. Smalltalk in der Gruppe. Und wir hier in der Schlange. Wartend. Stumm. Schweigsam. Egal.

In der Schlange fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, die von mir zu Hause zuvor ausgefüllten Fragebögen mitzunehmen. Ärgerlich. Ich hatte diese extra mit der passenden Software am Rechner ausgefüllt, ausgedruckt, unterschrieben, auffällig an meiner Wohnungstür platziert und dann dort vergessen. Warum auch nicht.  Hätte ich sie nicht so auffällig platziert, wahrscheinlich wäre mir aufgefallen, dass mir was fehlte … Meine kurz aufkommende Sorge, man würde mich ohne diese Fragebögen abweisen, verwies ich nach kurzem logischen Nachdenken ins Reich der Legenden. Die Basis für solch einen Test kann nicht das Besitzens eines Druckers sein. Wenn jemandem so etwas aufgefallen wäre, dann doch den Schnellmerkern der Querdenkern. Aber die hatte nie darauf hingewiesen. Cui bono? QED.

Nebenbei: Wer momentan Drucker kaufen will, wird überrascht sein. Es gibt nur noch wenige günstige. Falls überhaupt. Überall ist Home Office angesagt. Darum sind alle Drucker ausverkauft und die Druckerindustrie kann nicht mehr ausreichend liefern. Entweder sind die wenigen Billig-Drucker überteuert oder ausverkauft.

Es ist beileibe nicht die einzige Hardware auf dem Markt, welche momentan Mangelware ist. Preisgünstige Grafikkarten gibt es momentan auch nicht mehr. Wer eine sucht, um seine Videos zu bearbeiten oder um Spiele zu spielen, guckt bei schlecht gefüllter Börse in die Röhre. Aber das hängt nicht mit der Pandemie zusammen. Auch nur sekundär mit der Rohstoff-Krise am Weltmarkt, welche die Automobilindustrie momentan am Rande des Produktionsstopps treibt.

Es hängt mit den Bitcoin-Währungen zusammen. Viele der Grafikkarten werden inzwischen verwendet, um nach diesen Bitcoins zu “minen”. Das heißt, die Grafikkarten werden mit Rechenaufgaben (Algorithmen) beschäftigt, die immer wieder virtuelles Geld erzeugen. Wer genug Bitcoins geschürft hat, der hat die Kosten seiner Grafikkarten bald wieder raus. Rechner dienen somit der Vermehrung des eigenen Vermögens. Und verbrauchen dabei Unmengen an Strom. Daher wird inzwischen auch drüber nachgedacht, ob Bitcoins wirklich so umweltfreundlich sind, wie es zuvor erscheinen mag. Sicherlich ist es menschlicher, PCs mit Grafikkarten nach Bitcoins “schürfen” zu lassen, als Kinder in afrikanischen Goldgräberminen oder auf asiatischen Schrotthaufen mit Quecksilber Gold zu waschen … aber so richtig überzeugend sind beide Lösungen nicht.

Warten. Im Innern vom Museum lasse ich mich an einen der fünf Stellen für den Test registrieren, erhalte den Kassenzettel und ein Aufkleber-Etikett und reihe mich in der Schlange vor dem Test-Zelt wieder ein. Im Austausch zum Klebeetikett erhalte ich ein Stäbchen in den Hals und gehe wieder. Die beiden Rumänen sehe ich nirgends mehr, weder in der Schlange zur Registration, noch in der vom Test-Zelt, noch in der Nähe der Schnecke.

Die Gruppe hat sich vergrößert. Jetzt sitzen an die neun Leute auf dem kalten Boden und quatschen miteinander. Ich schaue in den Himmel. Es braut sich etwas zusammen. Der Geruch von Schnee wird penetranter. Eine Flocke segelt auf mich zu.

Um Mitternacht versuchte ich es zum letzten Mal. Direkt nach der Wiedergabe des Film “Fantomas” mit Luis de Funes aus der ARD-Mediathek. Als der damals zum ersten Mal im ZDF lief, war ich noch quietschjung und fand den Film oberspannend und komplett lustig. Wiedersehen macht Freude. Wahrscheinlich kamen auch 50% meiner Lacher daher. Die anderen Fantomas-Filme warten noch aufs Streamen.

Morgens dann, nach dem Aufwachen, der erste Griff zum Smartphone und nach dem Abrufen bin ich noch immer in der Warte-Schleife. Gut Ding will Weile haben. Guten Wein trinkt man auch nicht direkt nach dem Abfüllen aus der Flasche. Okay. Beaujolais Primeur schon.

Auf der Arbeit war man über meine erneute Krankmeldung genau so begeistert wie am Tage zuvor. Wann ich denn vorhätte, wieder zur Arbeit zu kommen. Und dass ich am dritten Tage eine Krankschreibung benötigen würde. Die Schnelltests dort in meiner Abteilung waren bereits durchgeführt. Alle negativ. Warum sollte ich denn bitteschön positiv sein?

Der Guten-Morgen-Kaffee war wie ein Dunlop-Reifen: stark, schwarz und schaumig schön. Mit ein wenig Zucker erhielt er die richtige Süße. Mein innerer Motor startete und hinterließ nach dem ersten Schluck Gummi auf dem Asphalt des morgentlichen Daseins.

Ich malte mir aus, was es bedeuten würde, wenn der Fall der Fälle eintreten würde. Eine ganze Abteilung könnte dann sofort ins Wochenende abtreten. Ich konnte mir das mephistophelische Grinsen nicht verkneifen. Nur danach: Formulare, Formulare, Formulare von der Wiege bis zur Bahre. Jedes Grinsen hat seinen Preis.

Gegen Zehne zeigte mir das heruntergeladene Dokument noch immer nur eine Botschaft: Warten. Der vierte Espresso tröpfelt in meiner Tasse. Etwas Zucker und dann: genießen. Diesen Geschmack aus süßer Bitternis.

Zwischen zwei Kapiteln meines aktuellen Hörbuchs “Die Hungrigen und die Satten” versuchte ich es noch einmal: Seite aufrufen, Benutzername eingeben, PIN reintackern, den Button drücken und dann … das Telefon klingelte:

“Hast du schon dein Testergebnis?”

“Moment.”

“Ja?”

“Hm. N501Y“.

“Was?”

“Warte mal. Ich ruf dich gleich zurück. Warte, okay?”

Sire, geben Sie Gedanken …

»Schwingen. Ottoschwingen. Unser Dorf heißt Ottoschwingen. Nicht Wringen, also nicht Ottowringen. Im Dreiländereck von Oberbayern, Franken und Schwaben. Nördlich der Donau, südlich vom Großen Brombrachsee.«

»Ah, ja so, ja, okay. Verstanden. Sie als Bürgermeister von Ottoschwingen haben ein vollkommen, neues Konzept, wie Sie und ihr Ort auf die Corona-Krise reagieren wollen.«

»Ja, das haben wir. Wir wollen mit Schwung in den wirtschaftlichen Aufschwung. Eine win-win-Situation für jedermann. Und erst recht wirtschaftlich für Ottoschwingen.«

»Könnten Sie unseren Hörern am Radio ein wenig ihr Konzept erläutern. Wie sind Sie dazu gekommen?«

»Nun, in unserem Rat hatten wir die letzten Umfragen vorliegen.«

»Die Infratest-Umfrage vom 1. April?«

»Also wo da Leute andere 100% der Leute gefragt hatten, was sie meinen, was andere über die Corona-Krise meinen. 24% von den 100% waren der Meinung, die Maßnahmen auf sich selbst angewendet müssen nicht erweitert werden. 48% meinten, die Maßnahmen für die anderen sind noch nicht weit genug.«

»Und 24% gingen sie zu weit.«

»Was verständlich ist. Bekanntlich stecken sich die einen ja immer von den anderen an. Wenn somit jenen 24% die eigenen Maßnahmen für sich selber verringert würden, und diese dann auf die anderen 74% der Spreader umgelegt werden würden, dann wäre allen 100% geholfen.«

»Worin besteht nun ihr Konzept in Ottoschwingen?«

»Wir bauen ein komplett neues Open-Air-Sportcenter für unseren Ort.«

»Ein neues Stadion?«

»Mit Blick von der Haupttribüne auf das neue Impfcenter. Wir verkaufen dazu Dauerkarten. Dauerkartenbesitzer können 24 Stunden pro Tag Impfcenter Binge Watching betreiben.

»Impfcenter Binge Watching?«

»Auf die Menschen in den Impfschlangen. Eine spannende Sache. Man weiß nie, wie es weiter geht, wie die Menschen reagieren, wenn wieder ein Impfstoff ausfällt. Wir planen schräg gegenüber des Impfcenters ein Supermarktcenter mit angeschlossenem neuartigem Übernachtungscenter.«

»Ein Hotel?«

»Nun, geplant sind modernste, gestapelte Komfort-Schlafkabinen inklusiver selbst reinigender Nasszelle nach neusten, hygienischen Standards.«

»Neuste, hygienische Standards?«

»Sie könnten darin beispielsweise reihenweise Leprakranke und Pestkranke unterbringen, der nächste Übernachtende wird davon nichts bemerken. Weder gesundheitlich, noch anderswie. Alles wird picobello sein. Vorher, wie nachher. Excellence ist unser Standard. Der Gast steht an erster Stelle.«

»Mit welchen Gästen rechnen Sie denn?«

»Nun, wir werden überregional zu Demonstrationen einladen, um zum Anti-Corona-Demo-Zentrums Deutschlands zu werden. Auf dem Sportplatz vor der Haupttribüne können jene ihre Demonstrationen auf nächster Distanz vor dem Impfzentrum ausüben. Die Journalisten erhalten schlagsichere, mobile Reporterkabinen, um hautnah von den Demonstrationen weltweit berichten zu können.«

»Organisierte, überregionale Demos in Ottoschwingen?«

»Es wird auch ein Blockadetrainingscenter geben, in der Übungen für Blockadeschulungen vor dem Impfcenter trainiert werden. Schwerpunkt: “Wie verhindere ich gewaltfrei mit aller Macht, dass Menschen gechipt werden und nachher zur Zombieapokalypse der Impfindustrie erwachen”. Der Bedarf ist enorm, die Nachfrage vorhanden, wie wir auf anderen Corona-Demos erfahren konnten. Organisiert ist die halbe Miete zum Erfolg und für internationale Beachtung. Der brasilianische Samba konnte auch nur mittels des Samabdromos in Rio seinen weltweiten Siegeszug durchführen.«

»Wie bitte? Sie wollen Blockadeschulungen …«

»Ich als Bürgermeister muss betonen, dass Demonstranten für uns Menschen sind. Selbst, wenn es jetzt lediglich die breite gut situierte Mittelschicht der wütenden Freiberufler und Selbständigen sind. Aber die sind es nun mal. Und nicht irgendwelche daher gelaufene Linke mit Stangenzelte, die auf morastigen Wiesen campieren. Nein. Es sind in erster Linie Menschen. Ja, Menschen! Und genau so werden wir sie behandeln. Wie Menschen. Also als Kunden und Konsumenten. Darum wird es neben dem Blockadetrainingscenter auch ein Eroscenter geben.«

»Sie meinen einen Puff gegenüber dem Impfcenter?«

»Und weil heutzutage Sexualität und Glaube eng miteinander verbunden sind, weil viele glauben, dass Sex nun mal wichtig ist, haben wir dort um der Ecke ein Glaubenscenter geplant.«

»Eine Kirche?«

»Und zusätzlich für alle Glaubenscenter-Anhänger, ganz in der Nähe, dort hinten neben der neuen, modernen Polizeistation, also dort hinten, da gibt es gleich die angeschlossene, einmalige heilige Wunderquelle.«

»Eine Wunderquelle zwischen Kirche und Puff?«

»Das musste so sein. Auf Anordnung vom bischöflichen Ordinariat. Sonst hätten es beim Eroscenter nicht zugestimmt. Und unserem Ort wären Fördergelder der katholischen Kirche entgangen.«

»Es wurde also die Lage der aufzubauenden Kirche anhand des Standorts der Eroscenters bestimmt?«

»Nun, wie Sie wissen, sind in heutiger Zeit, Kirche und Sexualität eng untrennbar miteinander verwoben. Ohne Sex, keine Sünde. Ohne Sünde, keine Beichte. Ohne Beichte, keinen Beichtstuhl. Ohne Beichtstuhl, keine Kirche. Unser Dorf hätte dann somit einen arbeitslosen Theologen und seine gesamte Entourage durchzufüttern. Solche Kosten kann sich niemand leisten. Zusätzlich hinter der Kirche entsteht auch noch eine Schule unter Leitung und mit Fördermitteln der Kirche. Ist so vertraglich abgemacht.«

»Aber dort, wo die Wunderquelle geplant ist, da soll doch das Entsorgungscenter errichtet werden. Das hatte mir zumindest ihr Stellvertreter im Vorgespräch am Telefon erklärt.«

»Entsorgungscenter?«

»Fäkaliencenter. Öffentliches Klo. Also die noch aufzustellenden, blauen Toilettenhäuschen, die mobilen Toilettenhäuschen mit Sickergrube für die Kirch- und Puffgänger.«

»Hm. Echt? Dann ist aber Kacke mit den Wunderquellen … und mit unserem Aufschwung.«

»Ach, kommense. Drauf geschissen. Danke für das Interview. Und damit gebe ich wieder ab, zurück in die Sendeanstalt. Auf Wiederhören.«

Ars gratia artis, oder: ein Münchner Nachmittag

Ein Aperol, ein Königreich für einen Aperol! Ein Königreich von hier bis zur eingehaltenen eins fuffzig Abstandregel.

Und über allem die Sonne. Die Sonne des Südens. Blauer Himmel. Eiswürfel im durchsichtigen Plastikbecher. Gedeckelt, in der Mitte führt ein Strohhalm durch eine Öffnung zum Aperol.

Ein Strohhalm. Nicht etwa aus Stroh, sondern einer aus Plastik. Aus wahrhaftigem Plastik. Keiner von diesen ökologisch wertvollen Trinkhalmen, die es jetzt überall zum Cocktail dazu gibt. Jener neuen aus Bambus mittels Kunststoffkleber konstruierten Trinkhalmen. Sondern einer aus purem echten PE, Polyethylen. Wenn man sie anzündet, riechen sie nach Wachs, so wie es sich gehört.

Und jetzt herausragend aus einem Aperol bei einem Cocktails-to-go. Bei jenen Cocktails, mit denen die geschlossene Innengastronomie außen wirbt. Cocktails-to-go.

Cava?, hatte er gefragt.

Cava, hatte die Frau am Tisch vor dem Restaurant lächelnd geantwortet. Das Lächeln war die Offenbarung pur. Nur solch ein Lächeln sagte die Wahrhaftigkeit.

Cava. Aperol mit Cava. Und Spritz? Ja, natürlich mit Spritz. Aus feinstem Alpenwasser. Garantiert. Und nicht jenes 15,8° dH des Sendlinger Viertels. Sondern ehrliches Alpenwasser.

Gut. München hat das beste Trinkwasser aus dem Wasserhahn, unbestreitbar den besten Kraneburger Deutschland-weit. Aber ein Aperol mit 15,8° dH, das ist wie eine Espresso-Maschine mit einem Sieb, welches keine Abstimmung zwischen Lochgröße, Druck und Temperatur hat. Ein Touristenfang. Espresso für Arme.

Ein Aperol benötigt mindestens 21,2° dH. Nicht jene 15,8° dH. Jeder wahrhafte Italiener schwört auf den maßgeblichen Geschmack 21,2° dH. Selbst ein Espresso mit dieser Wasserhärte wird vom Genussmittel zum wahrhaften Erlebnis für jeden Feinschmeckergaumen. Mehr Sinnlichkeit ist kaum darstellbar. Ein Erlebnis wie ein Orgasmus für die Sinne.

Wer Norditaliens handverlesene In-Gastronomen kennt, der weiß um deren Aperol-Geheimnis. Jene schöpfen das passende Wasser aus einer speziellen, geheim gehaltenen Alpenregion, unweit des Dreiländerecks Schweiz, Lichtensteins und Österreichs. Also dort, wo unwissende Deutsche meinen, sie hätten das Paradies entdeckt, genau dort schöpfen die Eingeweihten das Wasser und importieren es unter Umgehung der zollrechtlichen Abfertigung im gefrorenen Zustand an die Tische der wohlig entspannten Toskana. Und gegen Bares im Umschlag auch in der nördlichsten Stadt mit italienischen Flair …

… nein, nicht jene Donau-gespaltene Stadt von Johann Adam Weishaupt, dem Gründer der Erleuchteten, jener Illuminaten, die von Aperol nicht den blassesten Hauch eines gesunden Wissens hatten, haben oder jemals haben werden …

… auch in der nördlichsten Stadt mit italienischen Flair war dieses orphische Know-How vorhanden. Und nur die Crème de la Crème der Hinzugehörigen wusste darum. Sie genoss es im Stillen zufrieden, während das Plebs angesichts rosa gefärbten Sekts bereits in Ektase und Urlaubsschwurblereien geriet. Selbst jene Weltstädte wie Berlin, Stuttgart, Köln, Hamburg und Münster waren hinter dem Wissen des Wissens her, aber liefen kontinuierlich ins Leere und imitierten Aperol-Rezepte für deren eigene Adepten.

Nun. Ganz extrem wurde diese Sehnsucht nach italienischem Flair in jener nördlichen italienischen Exklave unter weiß-blauen Himmelsdach im Februar 2020. Da war es besonders schlimm. Schlimmer noch als das berühmt berüchtigte Stangenfieber in deren Englischem Garten.

Nachforschungen der “Aperol-Società per la verità e la saggezza” musste resignierend konstatieren, dass es kein Restaurant in München mehr gab, welches Aperol auf deren Karten nicht anbot. Schlimmer noch, die ersten Döner-Buden boten sogar veganen Aperol zum Knofi-Zaziki-Falafel-Menü im Knusper-Weissbrotbrötchen an. Dubios anmutende mexikanische Burrito-Food- Anbieter folgten. Als dann sogar ein stadtbekannter Weißwurst-Verwurstler seine biologisch-dynamisch hergestellten Weißwürste mit vegetarischen Aperol aus kontrolliert veganen Raubbau mit naturidentischem Bayer-Düngemittel zu angeblich niedrigen Discount-Preisen auf bekanntem Hartz4-Niveau anbot, da war Gefahr im Verzug. Wenn schon die Schickeria ihren Porsche-Gourmet-Sinn gegen einen Daimler-Smart umtauscht, dann muss etwas faul sein. Mitlaufen ohne Denken kann nicht gut sein, auch nicht für eine gute Sache.

Es musste etwas getan werden. Die Weishaupt-Nachfolgeorganisation konnte nicht eingreifen. Sie war in einem staatlich angezetteltem Rechtsverfahren über Auspuffe verhaftet und musste deren Rechtsvertreter von USA über Stuttgart, München bis Wolfsburg voll beschäftigen.

In diesen Stunden der höchsten Not traf ein Abgesandter der Società auf einen Amerikaner in Schottland, der gerade versuchte, einen kleinen, weißen Golfball in ein etwas größeres, schwarzes Loch einzuputten. Anfangs war jener Amerikaner not amused, aber dann wurde der Pakt geschlossen. Auf Ruhm und Ehre. Klandestiner Ruhm und und noch mehr klandestine Ehre. Lunga vita alla patria plus München leuchtet und dazu noch America first. Nur so gelang der Società im Einklang mit der Schutzmacht Europas für amerikanische Produkte und Ideen, der unkontrollierten Ausbreitung einer Aperol-Mentalität auf unterstem Niveau zu verhindern. Ein voller Erfolg. Auf den Restaurantkarten gab es zwar noch Einträge, aber niemand konnte mehr diese bestellen.

Er sog an seinem Trinkhalm. Er spürte das Prickeln des Aperol Spitz. Die pure Erfrischung. Die Blicke der Vorbeigehenden registrierte er. Es waren neidvolle Blicke. Eindeutig. Neid musste man sich erarbeiten, Respekt gab es dann als Kleinod hinzu.

Er genoss diesen Moment der Unbeschwertheit. Die belebende Wirkung des Cavas, die 21,2° dH, die Bitternis des Zusatzstoffes, das Prickeln des Sodas. Alles war eins. Alles um ihn herum umgab ihn in wohligem Sein.

Die Sonne schien und wärmte den Frühling. Die Passanten, die ihn passierten, gaben ihn das Gefühl der Exklusivität. Ihre Blicke waren  neidvoll und bewundernd. Er fühlte sich als  Ausgewählter, als Kenner der Wahrheit, als Begünstigter seines Wissens. Und alle um ihn herum wussten nicht, was sie verpassten. Sie wussten nicht, was sie mit deren gewöhnlich trainierten Gaumen nie erfahren könnten. Würden sie wissen, wo man den Aperol bekommen könnte und wie er wirklich schmeckte, sie würden es selber erfahren können, wie erhaben er sich fühlte.

Die Sonne schien. Er fühlte sich wohl. Er schwebte. Wie ein Auserwählter. Einer der wahrlich Erleuchteten in der Masse jener, die nur einen Sonntag vor dem nächsten rigiden Lock-Down für deren niederen Intentionen nutzen wollten.

Die Sonne schien. Rot versank sie hinter dem Kirchturm Sendlings.

Er sog noch einmal am Trinkhalm. Ein Genuss mit 21,2° dH. Sowas gibt es nicht alle Tage, nördlich Italiens. Das kann nicht jeder haben. Das muss seitens jedem neidlos anerkannt werden.

Leer. Ein schwungvoller Wurf und der Becher landete im Mülleimer an der Ampel im Schatten des Kirchturms.

Jede Zeit hat ihre Helden

»Früher da hatte ich einen Bagger, damit konnte man rechts kurbeln und dann hatte der Bagger gebaggert. Den ganzen Sandkasten hatte ich damals damit weggebaggert. Den Sand von links nach rechts. Und wieder zurück. Als ich noch richtig junger Jüngling mit viel Zeit war.«

»Und was biste heute?«

»Älter ohne Zeit.«

»Warum gehste nicht zum Suezkanal? Mit deinem Sandkastenbagger? 400 Meter Stahl versperren momentan 200 Meter Kanalbreite.«

»Über 400 Meter wurde vor fünf Jahren bei der Olympiade in Rio de Janeiro der Weltrekord aufgestellt. Mit 43 Sekunden.«

»Über 200 Meter steht er bei knappe 19 Sekunden durch Ursain Bolt. Das ist die Zeit die ein jagender Gepard für 400 Meter braucht.«

»Solange benötige ich zum Überlegen, um den Gedanken an Leistungssport gleich wieder zu verwerfen. Sollen die anderen doch.«

»So siehste auch aus.«

»Willste sagen, ich wäre dick?«

»Nein, nur langsam im Denken.«

»Blitzmerker.«

»Danke.«