Alles klar auf der Andrea Doria

Es ist ein Spiel des »Müssens«. Ohne Fleiß, keinen Preis, ohne »Müssens«, kein »Können«.

»Soll« heißt »muss«, wenn »kann«.

Kannst du dir gar nicht ausdenken, dass das so ist. Musst da durch. Weil du’s kannst.

Du beabsichtigst, dich für diesen Hinweis zu bedanken? Nicht dafür. Denn, merke dir Folgendes:

Dein Kopf ist rund. Wie ein Ball. Und das Runde muss ins Eckige. Ein Spiel mit Fußball wird im Kopf entschieden, dem runden, dem balligen. Ein Spiel dauert 90 Minuten. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Das schwerste. Sowieso. Denn das nächste Spiel ist immer das schwerste. Wie der Pokal, es hat seine eigenen Gesetze. Und wichtig: Es gibt keine leichten Gegner. Deswegen denken wir nur von Spiel zu Spiel. Tore entscheiden Spiele. Wer die Tore nicht macht, bekommt sie. Wenn du sie vorn nicht machst, kriegst du sie hinten rein. Und nicht vergessen: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Fußball ist ein Ergebnissport. Ein Spiel hat seine eigene Dynamik.

Und deswegen jetzt zu den unausweichlichen und unnegierbaren »Müssens« des Fußballs:

Wir müssen unsere Hausaufgaben machen.
Wir müssen die Basics auf den Platz bringen.
Wir brauchen die richtige Einstellung.
Jeder muss an seine Leistungsgrenze gehen.
Wir müssen unsere Tugenden auf den Platz bringen.
Wir müssen kompakt stehen.
Wir müssen die Räume eng machen.
Wir müssen den Gegner beschäftigen.
Wir müssen unsere Chancen besser nutzen.
Wir müssen unsere Fehler minimieren.
Wir dürfen den Gegner nicht ins Spiel kommen lassen.
Wir müssen mutig auftreten.
Jeder muss 110 Prozent geben.

Die Null muss stehen.

Am Ende zählt nur der Sieg.
Hauptsache drei Punkte.

Die Mannschaft hat heute gut gearbeitet.
Die Mannschaft hat Charakter gezeigt.
Die Mannschaft lebt.
Aus dem Nichts.
Abhaken.

Mal verliert man, und mal gewinnen die anderen. Und überhaupt:

DAS WAR EIN REGULÄRES TOR!

Schiedsrichterfehler!

Wie damals vor 60 Jahren, als uns Uwe und unser designierter Kaiser Beckenbauer den goldenen WM-Pokal mit seinen eigenen Gesetzen von der WM-Insel hätten mitbringen müssen!

Immer diese Schiris! Schiris! Und dann diese Schiris, im Videokeller an deren Playstations beim letzten herausgebrachten FIFA-Spiel.

Pah! Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht! Denn der Parkplatz ist videoüberwacht und wir haben mit Überwachungskameras dein Auto identifiziert. Dann wirst du das sein, was unser weltbester Keeper bei der WM immer war: chancenlos, machtlos, Mund abputzend, weitermachend.

Fußball ist ein Spiel der Fehler, bis der Baum brennt. Und das Momentum kann jederzeit kippen, Schiri! Eiskalt vollstreckt.

Naja, erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu. Wir haben alles gegeben. Wir müssen das Positive mitnehmen. Wir schauen nach vorn. Wir wollten unbedingt gewinnen. Das ist Fußball pur.

Habe ich jetzt eigentlich eine Fußballphrase vergessen? Zum Beispiel als Moral von der Geschicht?

Ach ja, ein KI-Bild meines Geschwafels als Karikaturansicht:

Monogamie als Schicksal? Der Coolidge-Effekt beim Sex

Der Coolidge-Effekt beim Sex

Das nachfolgende fand ich im Internet bei Wikipedia. Ein Ausschnitt für Klick-Bait-Faule:

Das Phänomen heißt Coolidge-Effekt, nach dem 30. US-Präsidenten Calvin Coolidge (1872-1933) benannt.
Nach einer auch in der Fachliteratur kolportierten, aber nie authentifizierten Anekdote besuchte Mr. Coolidge einst mit seiner Gattin eine Farm, wo Mrs. Coolidge auf einen Hahn aufmerksam wurde, der gerade eine Henne bestieg.
Als man ihr mitteilte, der Hahn vollziehe diesen Akt bis zu zwölfmal am Tag, soll sie geantwortet haben: „Sagen Sie das meinem Mann!“
Als der Präsident von den Wundertaten erfuhr, fragte er: „Immer mit der gleichen Henne?“
Nachdem ihm versichert wurde, es sei jedes Mal eine andere, entgegnete er:
„Sagen Sie das meiner Frau!“

So.
Erklärt das nun mal euren Lebensabschnittsgefährten/-gefährtinnen, warum ihr Monogamie für falsch haltet.
Viel Spaß dabei.

Kneipengespräch: Ey, ai, wir haben ein neues Zauberwort!

»Und schau jetzt mal hier: Der humanoide Roboter wurde angerempelt und hat trotzdem das Gleichgewicht gewahrt.«
»Hm, faszinierend.«
»Und dieser Roboter montiert die Steuertriebe für Verbrenner in Motoren auf der einen Seite der Montagelinie und auf der anderen Seite der Linie die Stellmotoren der E‑Fahrzeuge. Fast simultan, zwölf Stunden ohne Pause.«
»Wow.«
»Digitale Verschmelzung von KI-Systemen mit realen Maschinen und Robotern, welche eigenständig lernen, Entscheidungen treffen und komplexe Aufgaben im Produktionsumfeld übernehmen können. Damit ist das Thema Fachkräftemangel oder der Zwang, Mitarbeiter kostspielig zu Fachkräften auszubilden, passé. „Vissikal Ey Ai“ ist die Zukunft.«
»Vissikal Ey Ai?«
»Physische künstliche Intelligenz. Lernwillig und lernfähig, ausdauernd und resilient. Und das Wichtigste: Es verhindert, dass unsere Industrie in Billiglohnländer abwandert, weil physische künstliche Intelligenz die Produktionskosten verringert. Also billiger als Standorte in Rumänien und billiger als chinesische Wanderarbeiter. Selbst nordkoreanische Gefängnisinsassen können da nicht mithalten.«
»Weil?«
»Weil man die auch mit einem Mindestmaß an Nahrungsmitteln versorgen muss. Selbst solche Suizid-Serien wie damals Anfang 2010 beim Apple-Lieferanten Foxconn gehören damit der Vergangenheit an. Keine Suizide mehr, das ist doch menschlich, oder?«
»Und das funktioniert?«
»Bestens! Ey-Ay lernt zwanzigmal gründlicher und schneller als ein Mint-Auszubildender oder ein Mechatroniker augenblicklich einen Job bekommt. Ey-Ay gehört die Zukunft.«
»Das hört sich toll an.«
»Nicht wahr?«
»Wenn künstliche Intelligenz, also KI, so effizient und effektiv lernt, dann können wir ja auch alle unsere CEOs ersetzen. Stell dir mal das Einsparpotenzial vor. Wir müssen die CEOs nicht durch billigere, rumänische Fachkräfte oder chinesische Wanderarbeiter ersetzen, welche den Job als CEO bereits für 10 Promille des Jahresgehalts unserer CEOs machen könnten!«
»Nein. Das geht nicht.«
»Doch, das wäre es doch. Mit Ey-Ay wären die CEO-Jahresbezüge ohne Dienstwagenprivileg sicher bei ca. 1 Promille oder weniger. Der Herr Oliver Blume bei Volkswagen hätte dann mehr Zeit für sein damaliges Hobby, auf der Libero-Position Fußball zu spielen.«
»CEOs kann man nicht mit Ey-Ay ersetzen. Das geht überhaupt nicht. Dafür machen Ey-Ays noch viel zu viele Fehler.«
»Hm. Mehr Fehler als der CEO des Staates USA, jener Donald von Trumphausen? Stell dir mal vor, der würde durch Ey-Ay ersetzt. Der hätte endlich wieder Zeit, fokussiert Golf in Schottland zu spielen, statt demenziell-artig im Golf von Persien sich zu versuchen.«
»Ach ja, und wer würde dann die explodierenden Ölpreise bezahlen?«
»Menschen zahlen jeden Preis, damit deren Heiligs Blechle weiter über die Straßen rollt. Nebenbei, weißt du, was eine Tomahawk-Rakete kostet?«
»Zwei Millionen Euro?«
»Nein. Mindestens 170 Menschenleben. Festgestellt am 28. Februar dieses Jahres beim US-Angriff auf die Grundschule in Minab im Iran. Und das völlig ohne physische künstliche Intelligenz. Dafür mit vollster CEO-Entscheidungskompetenz.«
»CEOs sind leider fehlbar. CEOs sind auch nur Menschen.«
»Na dann. Wie gut, dass Unfehlbarkeit in der Produktion den Menschen ersetzt. Kein CEO mag Fehler in seinem Unternehmen. Das kostet nur Geld. Bei seinen Incentives ….«

Ertrage die Clowns (18): You’ll Never Walk Alone

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Nachdem sich die Fußball-WM in den letzten Zügen befindet und wir Deutschen wie die Jürgen-B-Klopp-ten wieder mit uns selbst beschäftigen können, fällt schon auf, dass sich dieser Plebejer-Sport verändert hat. Als sich unsere Patrizier Deutschlands noch bei Tennis, Pferderennen und Golf von den »Arbeitersportarten« distanzierten, hat sich seit den Boris-Becker-Fäusten und -Hechtsprüngen in Wimbledon 1985 einiges verändert.

Die Plebejer probten den Aufstand und die Patrizier rächten sich. Ein deutliches Beispiel ist der Umgang mit der damaligen »Punk«-Bewegung. Nachdem jene Bewegung weder beim After-Eight-4-Uhr-Tee übersehen geschweige denn verbieten konnte, wurde »Punk« einfach assimiliert und als neue Modebewegung einverleibt. Gloria von Thurn und Taxis hat »Punk« auch in den oberen Gesellschaftsschichten hoffähig gemacht. »Popper« und »Teds« als Jugendkultur kamen und gingen, nur der »Punk« an sich blieb als subversives Vergnügen der oberen Schicht, die sich beim gegenseitigen Einlochen derer Bälle in offenen Löchern anfing zu langweilen.

Und heute? Bei der diesjährigen Fußball-WM hat sich das Publikum in seiner Zusammensetzung deutlich verschoben. »Plebejer aller Länder, bleibt gefälligst draußen!« Wenn bei den Spielen Spielern applaudiert wird, dann hört man es deutlich.

Der Applaus ist anders geworden. Die Leute auf den billigen Plätzen klatschen wohl noch manuell, also mit ihren Händen. Jene Herrschaften auf den teuren Plätzen aber rasseln mit deren Juwelen. Das macht eine ganz andere Akustik. Dies klingt wie Musik in den Ohren der Infantinos und Trumps.

Und wer die Stunde 13,90 Euro brutto in Deutschland verdient, der bleibt lieber zu Hause und schaltet zum Zuschauen das Free-TV ein. Oder hat ein Abo bei Magenta-TV für einen Monat nur. Denn auch Public-Viewing-Plätze verlangen inzwischen Eintritt.

Fußball, das war mal eine Sportart für die Leute von unten. Inzwischen wird es von oben gemanagt und für die Vermögenden mundgerecht vorbereitet. Wenn bei solchen das Geld bündelweise zu Hause herumliegt, dann freuen die sich, dass es eine Gelegenheit gibt, es auszugeben, um Vermögenden (also Ihresgleichen) beim Einlochen von Bällen in vertikalen, quadratischen Löchern zuzuschauen.

Und einen smarten Effekt hat das Ganze auch noch: Bei den vermögenden Zuschauern ist es eher unwahrscheinlich, dass die als Hooligans nach dem Spiel marodierend durch die Straßen ziehen.

Niemand schaut Hooligans beim Verprügeln anderer Leute gerne zu. Außer die vermögenden Zuschauer freilich: Prügelnde in einem Drahtkäfig, sich mit bloßen Fäusten die Birne für ein Geburtstagskind vor dem Weißen Haus in den USA einschlagend, das ist en vogue.

Dafür zahlen Vermögende gerne, um live dabei zu sein. Oder wie jene Vermögenden, die im großen Krieg in Ex-Jugoslawien auf eine eigenwillige Art Safari gingen: per Barzahlung in Srebrenica mittels Scharfschützengewehr Straßenpassanten abzuknallen.

Man könnte meinen, das dynamic ticket pricing wäre unfair, weil somit die Eintrittspreise bei den WM-Spielen für Normalverdienende nicht mehr bezahlbar wären. Aber das System folgt nur den Marktprinzipien von Angebot und Nachfrage. Und wenn nach teuren Tickets eine Nachfrage besteht, dann gibt es kein Angebot für niedrigpreisige Eintrittskarten.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Nachfrage bei denen da unten erheblich sinkt, damit die da oben sich bald wieder langweilen und zurück auf deren Golf- und Ternnisplätze gehen. Dann könnte auch Fußball für den 08/15-Bürger wieder interessanter werden. Aber das wird nicht passieren. Geld und Fußball sind ein Januskopf, so etwas wird sich wohl nicht trennen lassen.

Früher! War! Alles! Besser!

So eine Überschrift geht so einfach von der Hand.

Besser. Besser ist der Feind des Guten. Eben darum war besser früher anders. Nicht, dass das Heute schlechter wäre als früher, aber das Heute ist anders als das frühere Gestern.

Gestern wurde während eines Fußballspiels eine analoge Uhr (Hinweis: Das Wort »analog« war damals noch ohne weite Verbreitung) eingeblendet und zeigte die 30. Minute der zweiten Halbzeit an. Kaum zehn Sekunden später sagte Mister »Gutenabend-allerseits« (Heribert Fassbender): »Es sind in der zweiten Halbzeit 30 Minuten gespielt. Noch fünfzehn Minuten sind zu spielen.« Jetzt kommt maximal der Kommentar: »Noch fünfzehn Minuten! Kommt es noch zum Lucky Punch in der Box des Gegners vor dem aufziehenden Shoot-out?«

Heutzutage stellt sich immer die fußballerische Frage einer emotionalen Prokrastination statt nüchterner Fakten. Seit jener Rudi Völler dessen Bemerkung »Du sitzt hier locker und in aller Ruhe und hast schon drei Weizenbier getrunken…« auf die vorherige, emotionslose Feststellung eines unvollendeten Verständnisvorgangs von Waldemar Hartmanns »Ich verstehe die Schärfe nicht …« hat sich die Welt über hundertmal weitergedreht.

Im Nachgang der vorherigen Spiele der aktuellen WM fassen umstrittene Reporter von MagentaTV diese am nächsten Tag zusammen. Sie tun es in einer Weise, als ob das Spiel gerade erst vor vier Minuten in totaler Dramatik beendet worden wäre. Das Faszinierende dabei ist nicht, dass sie diese Aufgabe mit der Emotionalität einer Live-Berichterstattung durchführen. Das eigentlich Faszinierende ist am nächsten Morgen der vortragende Reporter nach seiner Pult-Live-Kommentierung der Bilder. Denn danach ist er wieder – ganz der alte – schlafmützig und in einer Tonlage tiefer weiterredend. Aber Hauptsache Emotionen. Darüber wird immer gerne geredet.

»Emotionale Intelligenz« und seine daraus abgeleiteten Schlagworte »Empathie« und »Empathiefähigkeit« gelten heutzutage für jeden Deutschen als die höchste Auszeichnung an sich. Das wird höher wertgeschätzt als das »Bundesverdienstkreuz« oder das »Eiserne Kreuz«. Wer jenes Level einer »Empathiefähigkeit« nicht erreicht, ist in den Augen jener nur »Schmutz«. Passend werden dann noch Schlagworte wie »Verrohung der Gesellschaft« ausgepackt und dann wogen die Emotionen an den Mauern der gesellschaftlichen Moral hoch.

Aufgeregtheit ist das neue Ideal, weil es sich so einfach mit dem diffusen Dunstkreis »Emotionale Intelligenz« verknüpfen lässt. Damit lassen sich Dinge konstruieren, die aus einem Zusammenhang gerissen wurden, um jemanden vorsätzlich zu schädigen, der eh schon einen dubiosen Ruf im Bereich Comedy hat. Dazu muss man sich auch nicht damit beschäftigen, in welchem Zusammenhang jener es gesagt hatte. Das ist vollkommen unnötig. Wenn es darum geht, eine unbedeutende Person zu beschuldigen, sich über niederträchtig ermordete Menschen lustig zu machen, warum hofieren dann all jene Kritisierenden solche Menschen wie Merz, Trump und so weiter, welche zum Thema »Niedertracht« eine zweite von eben jenen andere Meinung haben? Nun, Schnappatmung ist das neue Ideal. Es erhöht beim Luftschnappen den inneren Druck aufs Ohr, vermindert gleichzeitig die eigen Hörleistung, entzieht dem Hirn den Sauerstoff zum Nachdenken und gibt der Lunge den rohen Powerstoff zum Belegen der maßgeblich eigenen »Empathiefähigkeit«.

Früher war das anders. Sollte der Sohn des Ehepaars, welches jemanden besuchte, einfach mal die teuren Acryl- und Wasserfarben der Staffelei leer schlürfen, dann erforderte es bei vorsichtigem Protest (entsetzte Blicke waren das maximal Tolerierte, was damals akzeptiert wurde) mit dem Argument umzugehen, dass jenes Söhnchen die Freiheit haben sollte, in seinem Leben eigene Erfahrungen zu machen.

Hieß es früher noch »Bürger, lasst das Glotzen sein, reiht euch mit uns auf der Straße ein«, so heißt es bei den heutigen Älteren der damaligen Zeit nur noch prägnant: »Glotz nicht, oder Anzeige ist raus!« Vormals warnten sie noch: »Vorsicht, Big Brother is watching you«. Heute warnen sie lediglich: »Vorsicht, ich hab dich im Visier.«

Wurde bei den WM-Endturnieren vormals seitens Deutschland von deren Mannschaft Rumpelfußball gespielt und damit das Finale erreicht, dann akzeptierte es jeder der Babyboomer. Heute rumpelt es in der Mannschaft andauernd und die Gegner der Deutschen wissen nach dem Schlusspfiff nicht, wohin mit deren Freude darüber. Den Kindern der Babyboomer ist das egal. Für jene zählt nur das Ergebnis.

Das Wichtigste nach dem Ausscheiden bei der WM 2026 wurde uns jetzt klar präsentiert: verzagte Rumpelfußballer müssen gleich am ersten Tag ihres Erkrankens eine Krankschreibung vorlegen. Ansonsten scheiden sie sofort und unverzüglich aus. Und riskieren erhöhte Empörung, begleitet von Schnappatmung beim Normalbürger mit niedrigen Steuersätzen.

Hieß es vormals noch, dass man eine Erkrankung zu Hause kurieren sollte, um Kollegen nicht anzustecken, ist jetzt der Tenor, dass keine Krankheit so hart wie das Leben ist. Krankheit? So etwas darf keine Krankschreibung rechtfertigen. Und all die üblichen Verdächtigen bekommen dabei überhaupt keine Schnappatmung und verfallen auch nicht in Monologe zu einer überall erkennbaren »Verrohung der Gesellschaft«.

Arbeitsmoral. Im nächsten Atemzug sollte dann gleich das Totschlagwort der »Deutschen Tugenden« genannt werden. Als da wären: Pünktlichkeit, Disziplin, Fleiß, Ordnungssinn, Sparsamkeit und Pflichtbewusstsein. In der Sprache von »My-Baby-Fussball-balla-balla«, übersetzt für die Dutzenden Millionen deutschen Trainer an den heimischen TV-Geräten: Laufbereitschaft, Einsatzwille, physische Robustheit und mentale Stärke.

Und alle nicken dazu verständnisvoll, von jung bis alt. Weil früher hatten die deutschen Mannschaften das. Den früher?

Da war alles anders.

Als Feind des Guten.

Auf Jobsuche

Wissen Sie… man geht ja heute nicht mehr einfach… also, man sucht ja keine Arbeit mehr. Das ist ja vorbei. Arbeit sucht heute *uns*. Sagen sie jedenfalls. Findet uns nur nicht. Weil… na ja, wegen der Ortung. Wenn Sie heute von der Arbeit gefunden werden wollen, müssen Sie sich erst mal unsichtbar machen. Das ist moderne Logik. Das ist… das hat Methode!

Neulich erst. Ich sitze bei so einem… wie heißen die jetzt? Talent-Manager! Früher hieß das Menschenhändler, heute heißt es Talent-Manager. Klingt dynamischer. Nach Turnschuh und agilem Denken. Der schaut mich an, über den Rand seiner randlosen Brille – die haben alle randlose Brillen, damit man die Leere dahinter besser sieht – und fragt: »Sie suchen Arbeit?«

Ich sage: »Man könnte sagen: Arbeit sucht mich. Nur findet sie mich selten.«

Da strahlt der! Ein Lächeln… wissen Sie, das ist kein Lächeln aus Freude, das ist das Lächeln eines Mannes, der Provision riecht. Der riecht mein Gehalt, bevor ich es überhaupt verdient habe. Und er sagt: »Dann sind Sie bei uns richtig. Wir bringen Menschen und Stellen zusammen.«

Ich konnte es mir nicht verkneifen. Ich sag: »Wie die Bahn?«

Er, völlig ohne Zuckung im Gesicht: »Nein. Erfolgreicher.«

Erfolgreicher als die Bahn. Gut, das ist jetzt kein Qualitätsmerkmal, das ist eine mathematische Mindestanforderung, aber bitte. Und dann ging es los. Der Apparat lief warm. Die Maschinerie des absoluten Nichts.

»Dann benötige ich Ihren Lebenslauf«, sagt er. »Aber anonymisiert.«

Ich sehe ihn an. »Anonymisiert?«

»Ja«, sagt er, und bekommt diesen religiösen Blick, den sie alle bekommen, wenn sie das Wort aussprechen. »Datenschutz!«

Verstehen Sie? Datenschutz! Das ist das Hochamt des 21. Jahrhunderts. Wir schützen die Daten vor den Menschen, damit die Daten in aller Ruhe ohne uns leben können.

Ich frage also nach: »Ohne Namen?«

»Selbstverständlich.«

»Ohne Adresse?«

»Natürlich.«

»Ohne Telefonnummer?«

»Unbedingt.«

»Ohne Foto?«

»Um Gottes willen!«

»Und ohne beruflichen Werdegang?«

Da wurde er nachdenklich. Das tat ihm sichtlich weh, das Denken. Das ist ja auch nicht vorgesehen im Prozess. Aber er fing sich wieder. Er strich sich über den Maßanzug und sagte: »Eigentlich… eigentlich auch ohne den.«

Ich schaue mich um. Ich schaue an mir herab. »Was bleibt denn dann von mir übrig?«

Und jetzt kommt der Satz. Das müssen Sie sich auf der Zunge zergehen lassen. Das ist die Krönung der modernen Unvernunft. Er sagt, ganz ernst, ohne zu blinken: »Genau deshalb lieben unsere Kunden anonymisierte Bewerbungen. Sie werden nicht durch Fakten beeinflusst.«

Wunderbar, oder? Fakten stören nur! Wenn wir erst anfangen, uns mit Fakten zu beschäftigen, wo kämen wir denn da hin? Am Ende findet noch jemand den Richtigen für den Job! Das muss verhindert werden! Das ist die reine, destillierte Logik, die nur entsteht, wenn Juristen, Unternehmensberater und PowerPoint-Präsentationen nachts heimlich gemeinsam Nachwuchs zeugen. Eine Missgeburt aus Excel-Tabellen und Paragrafenreiterei!

Ich frage ihn also – ich Depp, ich wollte es ja wissen: »Wie wollen Sie denn feststellen, ob ich geeignet bin?«

»Wir haben bereits Ihr Xing-Profil geprüft«, sagt er.

Ich atme tief durch. »Dort stehen mein Name, mein Foto und mein gesamter Lebenslauf.«

»Ja.«

»Das ist kein Datenschutzproblem?«

»Nein«, sagt er, als wäre ich der letzte Idiot auf Erden. »Das steht ja öffentlich im Internet.«

Ach so! Wenn es im Internet steht, für jeden Geheimdienst, für jeden Heckenschützen, für jede KI in Silicon Valley greifbar… dann ist es privat. Wenn ich es ihm aber auf einem Stück Papier direkt in die Hand drücke, dann ist es hochgradig vertraulich, kriminell und muss sofort geschreddert, sterilisiert und vor der Menschheit verborgen werden!

Wenn die Daten öffentlich sind, sind sie privat. Und wenn sie privat sind, müssen sie geschützt werden. Vor wem eigentlich? Vor uns!

Und dann zieht er ein Formular heraus. Acht Seiten! Für die… halten Sie sich fest… für die »Datensparsamkeit«. Acht Seiten Papier, um mir zu beweisen, wie sparsam er mit meinen Daten umgeht.

»Bitte hier unterschreiben«, sagt er.

»Wofür?«

»Damit wir Ihre Daten speichern, verarbeiten, weitergeben, archivieren und gegebenenfalls bis zum Ende der bekannten Welt aufbewahren dürfen.«

Ich dachte, ich bin im falschen Film. Ich sage: »Ich dachte, wir anonymisieren alles.«

»Das tun wir auch.«

»Und warum brauchen Sie dann meine Daten?«

»Damit wir sie anonymisieren können!«

Das… das müssen Sie erst mal… also, das muss man sich erarbeiten, so ein Delirium. Man braucht die Daten, um sie zu löschen. Man braucht den Menschen, um ihn wegzustreichen. Da saß er vor mir. Der Geist der Bürokratie in Person. Er trug einen Maßanzug, roch nach teurem Aftershave und nannte sich Talentmanager. Ein Verwalter des Vakuums.

Ich habe dann die einzig logische Frage gestellt: »Und was passiert, wenn ich nicht unterschreibe?«

Er sah mich an. Ganz traurig. Fast mitleidig.

»Dann können wir Ihre Privatsphäre leider nicht schützen.«

»Vor wem?«

»Vor uns.«

Liebe Leser, mal unter uns. Gehen Sie also nach Hause. Löschen Sie Ihren Namen. Vergessen Sie Ihr Gesicht. Und wenn Sie Glück haben… findet Sie morgen die Arbeit. Aber erschrecken Sie nicht, wenn Sie sich selbst nicht mehr erkennen.

Opa Fred und seine Wal-Verwandtschaft

Opa Fred ist letztens rauf zur Ostsee. Ganz allein.

Was er da wollte? Seinen Traum verwirklichen: einmal Ostsee sehen und sterben.

Sterben? Yep. Da lag er wohl halb nackt im feuchten Sand, also ohne Hawaiihemd, ohne weiße Sportstrümpfe und ohne die obligatorischen blauen Adiletten.

Also fast nackt, lediglich in seinen beigen Bermudas. Am Strand. Regungslos.

Die ersten Passanten kamen vorbei und musterten ihn vorsichtig. Einer fasste sich dann ein Herz:

»Oppa, was machste denn hier am Strand? Ist doch viel zu kalt noch!«

»Lasst mich in Ruh. Ich will die Ostsee sehen und dann sterben.«

»Ostsee, Oppa? Aber das kannste auch daheim im Internet sehen. Dafür brauchste doch nicht hier am Strand. Hier ist kalt, hier holste dir noch den Tod!«

»Hier ist aber ruhiger, als bei mir zu Hause.«

»Oppa, das kannste aber nicht machen, hier am Strand sterben. Was sollen denn die ganzen Leute von dir denken? Wie alt bisste denn?«

»80.«

»80 ist doch kein Alter. Schau dir den Lindenberg, die Cher, den McCartney an, die hüpfen noch herum, wie Kinder auf ner Hüpfburg.«

»Ich will aber keine Hüpfburg.«

»Oppa, du musst vital bleiben. Du musst das Leben genießen. Rausgehen. Den lieben Gott einen Mann sein lassen. Sterben kannste später noch immer, aber jetzt doch nicht.«

»Lasst mich in Ruhe, die Ostsee sehn.«

»Und sterben haste gesagt? Denk mal nach. Also, einsam sterben kann doch kein Ideal sein. Das ist doch Mist, so einsam zu sterben.«

»Mir egal. Ich will hier nur in Ruhe liegen. Wollte ich im Beisein anderer Menschen sterben, wäre in die Ost-Ukraine gefahren. Aber ich wollte Ostsee und …«

»Oppa, ich rufe dir den Matthäser-Hilfsdienst, die werden dir hier weghelfen. Schatzi, mach mal.«

»Ich will aber nicht weg.«

»Die bringen dich zu den deinen, dann wirste das Leben wieder mit anderen Augen sehen.«

»Meine Augen wollen aber …«

»Ost sehen, ich weiß. Nur wenn ich dir tief in deine Augen schaue, dann sehe ich das sprühende Leben, diese Abenteuerlust, diese Vorfreude auf das Leben in der Gemeinschaft der deinigen.«

»Ich …«

»Da! Da kommen’se! Die Jungs vom Matthäser. Wie gerufen!«

»Lasst mich lieber allein. Ich will hier am Strand meine Ruhe, ich will …«

»Hallo. Wir sind vom Malteser Hilfsdienst, wie können wir helfen?«

»Sehr gut. Der halb nackte Oppa hier, der will hier allein am Strand liegen und sterben.«

»Oppa, das geht aber nicht!«

»Ich will doch nur …«

»Könnt ihr Jungs vom Matthäser nicht den fast nackten Oppa hier zu dem rechten Weg hin bringen…«

»Aber sicher. Der kommt bei uns auf die Bahre, wird festgeschnallt, und dann bringen wir ihn mit Lalülala gleich zu den Seinen.«

»Das hört sich gut an, das wird Oppa gefallen. Das wird ihn freuen. Nicht wahr, Oppa?

»Ich will aber nicht von hier weg.«

»Wir wuchten ihn auf die Bahre und dann geht’s mit ihm ins Altersheim.«

»Das ist gut. Der kann doch nicht hier allein am Strand sterben, nur weil es ihm so gefällt. Wie egoistisch ist das denn? Also mal ehrlich. Im Altersheim hat er’s sicher besser.«

Und so wurde Opa Fred auf die mitgebrachte Bahre gewuchtet, festgeschnallt und dann dort, wo Fuchs und Hase sich zur guten Nacht tot überm Zaun hängen, in ein unterbelegtes und überteuertes Altersheim verfrachtet. So wurde mir später erzählt.

Opa Fred soll noch protestiert haben, auf der Bahre, angesichts der Formulare, die er ausfüllen sollte. Trotzdem waren alle einstimmig der Meinung: Das wäre das Beste für ihn, da würde er nicht einsam sterben.

In der folgenden Nacht soll Opa Fred wohl ausgebüxt sein. Man fand ihn erneut wieder an der Ostsee-Küste. Tot im Wasser. Von Einheimischen beim morgendlichen Joggen entdeckt. Entsetzt waren jene auch, weil offenbar schon Möwen den Leichnam als Futterstelle nutzten. Um den Tourismus nicht zu stören, haben sie ihn gleich wieder ins tiefere Wasser gezogen, damit er ordentlich abtreiben sollte, und der Wasserpolizei Bescheid gegeben, dass man einen Leichnam in der Ostsee treiben sah.

Ein Fischerkutter barg ihn eine Woche später in dessen Fischerschleppnetz auf hoher See, als der Leichnam von Opa Fred wohl zu seiner letzten Ruhestätte unterwegs war. Gen Skagerak. Richtung Küste Dänemarks, Antholm. Opa Fred bevorzugte schon immer ruhige Gegenden.

Als der Leiter des Altenheims von Opa Freds Verbleib erfuhr, zuckte er nur die Schulter und kondolierte den Vorfall mit einem: »Leider hat der Opa Fred seine Chance zu unserer Freiheit nicht nutzen können.«

Tja. Das war die Geschichte von Opa Fred.

Und wenn ihr recht brav seid, dann erzähle ich euch als Gute-Nacht-Geschichte noch das Märchen von der Rettung des Wals »Timmy«. Oder »Hope«. Oder »Timmine«. Oder »Hopine«. Nun ja, über den Namen des Wals ist man sich jetzt momentan nicht mehr wirklich so recht einig, aber …

Sag »Heini« zu mir

»Ich mach dich fertig, Schimmerlos. Wenn du mich jetzt hier stehenlässt wie ’nen Idioten, dann mach ich dich fertig. Ich ruinier dich. Ich mach dich platt. Ich kleister dich von oben bis unten zu. Ich kauf dich einfach. Ich kauf dir ’ne Villa, da stell ich dir dann noch ’nen Ferrari davor. Deiner Alten schick ich jeden Tag ’nen Fünfkaräter. Ich schieb’s dir hinten und vorne rein. Ich scheiß dich so zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast. Ich schick dir jeden Tag Cash, im Koffer. Das schickste zurück – einmal, zweimal, vielleicht sogar ’n drittes Mal. Aber ich schick dir jedes Mal mehr… und irgendwann kommt dann nun mal der Punkt, da bist du so mürbe und so fertig und die Versuchung ist so groß, dann nimmst es. Und dann hab ich dich. Dann gehörst du mir. Dann bist du mein Knecht. Ich mach mit dir, was ich will. Verstehst du, Junge? Ich bin dir einfach überlegen. Gegen meine Kohle hast du doch gar keine Chance. Begreifst du das denn nicht, mein Junge? Mensch, Baby… Junge! Ich will doch nur dein Freund sein! Komm… und jetzt sag „Heini“ zu mir.«

Mario Adorf hatte sich in mein Langzeitgedächtnis gebrannt. Nicht erst seit dem ZDF-Vierteiler »Der große Bellheim«, sondern bereits seit der ARD-Serie »Kir Royal«. Diese ARD-Serie läuft heuer immer wieder über dessen »Dritten«-Programme, selbst im Bayerischen Fernsehen (obwohl nicht der Produzent). Qualität ist nicht totzukriegen, selbst wenn sich der Inhalt nur über unterschiedliche Drittquellen erschließen mag.

Eine Bekannte meinte zu mir, sie möge diese 4:3-Fernsehsendungen nicht, sie füllten den Monitor nicht aus und raubten der Realitätsgestaltung Raum. »Kir Royal« ist 4:3 und passt nicht mehr formatfüllend auf unsere aktuellen Smart-TVs und Computermonitore. Man sieht rechts und links einen schwarzen Balken, der als störend empfunden wird. Und SD ist nicht state-of-art, dafür zeigt HD mehr Details. »Kir Royal« leidet nicht an dem technischen Übertragungsformat. Selbst mit schwarzen Balken links und rechts ist die Serie auch jetzt noch anschaubar. Selbst ohne Hintergrundinformationen.

»Kir Royal« hat sich für mich in eine Serie voller Wehmut und Vergangenheitsgedanken entwickelt. Zuerst gesehen hatte ich sie in einem konservativen münsterländischen Familienhaushalt, was insofern bemerkenswert ist, als das in deren Unterhaltungsrahmen normalerweise nicht hereinpassen würde. Und wenn man (ich) von dort ausgebrochen war und in die Münchner Sphäre eintauchte, dann ergaben Inhalte bewusstseinserweiternde Einblicke.

Wenn in jener Serie Sammy Drechsel mit Franz Xaver-Kroetz vor dem damaligen Spielort der »Münchner Lach- und Schießgesellschaft« sich unterhält, dann macht sich dem Kenner der Szene der Lach- und Schießgesellschaft ein Ziehen in der Bauchgegend breit. Geschichte geht weiter, Erinnerungen sind Geschichte und das Leben geht weiter.

»Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.«

Die Hintergrundinformationen zu der Serie lassen sich problemlos im Internet nachlesen. Und immer wieder taucht dabei der Name »Michael Graeter« auf. Seine 80er-Jahre Vita diente für »Kir Royal« als Protagonist für die Rolle von »Baby Schimmerlos« (Franz Xaver Kroetz).

Michael Graeter lebte auch danach ein schillerndes Leben, prädestiniert für die Erwartung, was Münchner Leben außerhalb Münchens so gefragt war. Er betrieb Kinos an der »Münchner Freiheit« und ging dort damit baden, weil Kinos an sich weniger besucht wurden. Er kandidierte bei den Münchner Kommunalwahlen vor vier Wochen, scheiterte aber ebenfalls. Michael Graeter lebt, auch wenn er nicht mehr für Münchner AZ oder TZ festschreibt. Er präsentiert weiterhin die »Münchner Dolce Vita«, die außerhalb Münchens so gehypt wird.

Und dann läuft halt immer wieder Helmut Dietls »Kir Royal« durch die »Dritten« und löst bei mir Wehmut an die 80er aus, als ich in München lebte. Wer reinkommt, ist drin. Und ich kam nie rein. Obwohl es in den 80ern tausendmal besser war, als jenes mörderische Kuhkaff im Münsterland zwischen Dortmund und Münster.

»Kir Royal« ist ein Flashback auf alte Zeiten, die dem Zuschauer weniger lang erscheinen, als die Serie produziert wurde. Klar, man sieht alte Bekannte wieder, bei denen man positive Erinnerungen hat (Dieter Hildebrand, Franz Xaver Kroetz, Ruth Maria Kubitschek, Senta Berger, Curt Bois, Mario Adorf, Billie Zöckler etc.), und andere, bei denen man zuvor positive, aber jetzt aufgrund neuerer Erkenntnisse erheblich weniger gute Gedanken hat (wie bei Konstantin Wecker).

Aber man erkennt auch Münchner Muster, die damals wie heute fortleben. Und man denkt sich, wie lange man in München leben muss, um Münchner zu sein, ohne all den Scheiß der echten Münchner gelebt zu haben. Als Hinzugezogener bleibt das Gefühl ein Leben lang, lediglich ein Gast in München zu sein. Aber, das interessiert ja eh keinen …

Das ist der Münchner Stil. Werden alte Fassaden renoviert, dann ganz neu im angepassten Stil. Da interessiert die Herkunft null. Münchner Geschichten halt.