Parkbankgespräch: Real virtuell im Virtuell-Realem

Parkbank»Ich weiß nicht, was ich sagen soll.«

»Dann lass es.«

»Aber ich muss es sagen. Es muss aus mir raus. Weil es hier ne Parkbank ist.«

»Dann sag es und gut ist.«

»Es regt mich auf.«

»Okay, was regt einen momentan eh nicht auf.«

»Aber das hier ist ernst.«

»Ernst ist das Kind von Verhütungsplanung. Ernst sein Vater ist jetzt geschockt, dass Verhütung nicht allein Frauensache ist. Nach zehn Jahren Rumbumsen ohne jeglichen Ernst …«

»Das mein ich nicht.«

»Sondern?«

»Eher das, was mit der Inflation vor Ort am gemeinen Essenslokal angepasst wird.«

»Die Preise von McDonalds?«

»Der Preis der Menschheit.«

»Ach ne, was du nicht sagst, du Hobbyphilosoph.«

»Ich hatte einen Freund …«

»Wer hatte den nicht.«

»… und der war auf seine Weise intellektuell.«

»Jaja, nee, ist klar. Hatte der jemals einen offenen Brief geschrieben? Nein? Dann ist der auch nicht intellektuell. Wenn jemand einen offenen Brief schreibt, dann muss er auch die augenblickliche Inflation der offenen Briefe im Auge behalten. Und der Reaktionen darauf. Und den Stand der Immobilienfonds im eigenen Portfolio. Ansonsten ist so einer nur Schwätzer..«

»Ich glaube, du verstehst nicht, was offene Briefe sind.«

»Briefe, die dem Postgeheimnis unterliegen, auf das der Sender des Briefes keinen Wert legen. Also so wie ein Wichtigtuer von Datenschützer, der mit Google-, Microsoft- und Amazon-Apps auf seinem Smartphone rumläuft, um wichtige Emails zu schreiben. Der allein schon beim Einloggen ins GMS-Netz seine Spuren für jedem hinterlässt.«

»Das ist Kappes, das meinte ich nicht. Eher das folgende: ich denke, also wissen wir.«

»Freilich. Wissen ist immer gut.«

»Wissern ist wichtige!«

»Okay, nur vom eigentlichen Wissen wissen wir immer zu wenig. Sagt bereits die Volksseele.«

»Was uns als Wissen aber fehlt, sind für uns Wissende die Wissenslücken.”

“Freilich. Wir sind Unwissende.”

“Es gibt Menschen, die behaupten aber nicht bloß, dass wir nichts von all dem wirklich wissen, was wir allgemein zu wissen glauben – sie behaupten sogar, dass sie wissen, wie es wirklich ist.«

»Kenn ich. Der Volksmund nennt solche Menschen schlicht und ergreifend: Wichtigtuer. Im Neudeutsch auch ‘Verschwörungstheoretiker’.«

“Somit lässt der Volksmund sie dort liegen, wo sich jene schon immer befanden: an den Rändern der gesellschaftlichen Kommunikation.«

»Mainstream eben.”

“Mainstream bedeutete ja ursprünglich kommerzielle, massentaugliche Oberflächlichkeit. Woraus sich in der Kritik eine gewisse Geringschätzung ergab.«

»Mainstream gab es für uns Boomer nicht. Das ist ein Begriff der ‘Gen Y’ ausgesprochen ‘generation why’. Boomer nannten das damals lediglich ‘Massengeschmack’. Also, etwas ohne besondere Würze und für jeden ohne Schluckauf schluckbar. Gen Y nennt es jetzt ‘Boomer Mainstream’.«

»Egal. Die radikalen Ränder haben nun eben diesen Boomer-Begriff ‚Mainstream‘ gekapert, nur um die gesellschaftlichen Mehrheit zu deren Feind zu erklären. Sie bezeichnen die gesellschaftlichen Mehrheit als Diktatur, weil die Mehrheit sie abweist und an den Rändern hält.«

»Und nu, was soll das? Ränder sind nun mal Ränder. Jede Pizza hat Ränder, auch wenn sie knusprig und lecker sind.«

»Eben jene Ränder sind nun nur deshalb sichtbar, weil die Mehrheit sich mit ihnen beschäftigt. Der Mainstream beschäftigt sich nun mal mit jenen.«

»Wahrscheinlich aus Langeweile.«

»Und das geschieht besonders immer in einer Demokratie. Demokratie setzt sich für so etwas ein, dass soziale Ränder möglichst nicht ausgegrenzt werden. Die Ränder mögen das nicht und schelten sie daher als Diktatur. Paradox.«

»Sie meinen also wohl eher ‘Demokratur’?«

»Nur, in einer Diktatur werden aber solche, wenn sie denn gefährlich zu werden drohen, direkt in Gefängnissen und Lagern isoliert. In der Demokratie lediglich in den verschiedensten Medien berücksichtigt und besprochen.«

»Ich hab noch ne Rollte Alufolie. Kann man locker nen Aluhut raus basteln. Für dich und deine Gefängnisse- und Lager-Argumentation. Du driftest ab in Verschwörungsmythen.«

»Nun. Verschwörungsmythen stellen auch Teil eines Unterhaltungsgewerbes dar.«

»Du meinst, mit wenig Aufwand eine Erschaffung von Gruppenzugehörigkeit und Weltbilder?«

»Und jene sind die irgendwo zwischen Gaming und Kino angesiedelt sind. Zwischen ‘Marvel Universe’ und dessen ‘Avengers’ und einem Krieg a la  ‘Call of Duty’, den erfolgreichsten Beschäftigungsprogrammen für Großhirne vor Monitoren.«

»Aha, beim Lästern bist du jetzt bei der Playstation und den privat finanzierten Fernsehkanälen angekommen? Dem allseits bekannten Kino für geistig Arme?«

»Kino und Internet haben in den letzten 30 Jahren ein ganzes Universum an Verschwörungen ausgedacht. Das Monster bei Karstadt lässt grüßen. Oder Bielefeld und seine Saga

»Und das Drei-Hasen-Fenster in Paderborn.«

»Viele Verschwörungsgläubige scheinen in dem einen oder anderen Blockbustern der eigenen Blasen hängengeblieben zu sein. Da ist das 3-Hasen-Fenster nur das kleinere Übel.«

»Okay, momentan gibt es viele Superhelden- oder Anti-Superhelden-Filme und Serien auf den Streaming-Kanälen. Das ist wohl der neue geistige Existentialismus im virtuellen Hirn, der real viral in solchen Köpfen hoch und runter stiefelt.«

»Nicht wahr? Im virtuellen Raum lässt sich das echt prima ausleben.«

»Wir beide sind hier aber auf einer Parkbank. Die ist nicht viral und auch nicht durch einen Virus verursacht. Und die Parkbank geht auch nicht hoch oder runter.«

»Das ist wahr.«

»Und was sagt das uns?«

»Nun ja. Das alt bekannte Rezept: lasst es uns öffentlich aussitzen.«

»Da vorne ist ein McDonalds. Wir könnten in der Zwischenzeit ja ne Apfeltasche mit Cola mit nem Milcheis danach zu uns nehmen.«

»Gerne. Wenn es danach nicht viral geht …«

Den Hügel hinauf, um unten anzukommen

Rennend, rauf und runter. Aber immer nur rauf, statt runter. Rauf den Hügel. Diesen Idiotenberg. Im Winter als kleiner Schlittenhügel. Im regnerischen Sommer als Schlickrutsche. Rauf und runter. Und dazwischen immer als Kletterchen für die Langeweile.

Du siehst zerzaust aus. Biste gerannt? Rauf und runter?

Irgendwer rennt. Rauf und runter. Den Augenblicken im Detail hinter her. Jeder Moment eine andere Entscheidung, eine andere Entwicklung. Eine andere Wirklichkeit. Eine adere Realität. Ein anderes Universum. Ein Multiversum.

Und? Was macht Gott dabei? Würfelt er? Hat er noch nen Scheit Holz in die Hitze unserer Diskussionen geworfen? Ist da Donner im Herzen? Schmerzt  er? Schmerzt es? Brennt es? Glimmt es? Oder lebt es nur? Angeheizt durch einen Blitzeinschlag. Gefolgt vom Donner. Aufgrund von Erfahrungen?

Es verletzt nicht. Es ritzt nur. Den Unterarm. Die Pulsadern. Das Leben. Wie Lava läuft es den eigenen Körper hoch. Und danach runter. Weiterlesen

… #SayNoToWar …

#SayNoToWar

Sie hören nicht auf. Sie hören nie auf. Sie wollen es. Immer wieder, immer weiter, immer nur militärisch. Andere Möglichkeiten wollen sie nicht. Niemand. Auch nicht am Tag 1 nach dem Beginn, jener Stunde Null, an einem 24. Februar des Jahres 2022. Denn Soldaten sind so einfach zu rekrutieren. Einfach und billig, manche derer willig. Aber vor allem billig. Billiges Material zum Füttern von Kanonen. Denn heim kommen jene immer. In Stücken, in Teilen, in Säcken. Über den Rest hüllen sie immer das Schweigen, den dann sie den Mantel der Geschichte bezeichnen, aber lediglich immer nur nasse klamme Erde über einem kalten Körper in einem Loch bedeutet. Heim geholt werden vor allem immer die Kanonen. Damit das Militärische nachher sein Denkmal erhält. Zum vordergründigen Nachdenken für Großkotze, die sich dahinter stellen. Während die anderen sich ehrfürchtig davor zu scharen haben: Damit sie später auch verscharrt werden können. Denn sie hören niemals auf. Nie. Der Krieg ist ihr Götze, das Militär deren Monstranz, die Soldaten die Träger und deren soldatisches Blut das Weihwasser, was die Hochwürden, Heiligkeiten und Pluralis-Majestatis-Verwender über das niedrige Volk verspritzen, damit das Blut über sie komme. Auf dem Altar der Bellezisten wird wieder geopfert. Behandschuht bis zu den Ellenbogen hoch. Damit die Bellezisten sich ihre Hände nicht schmutzig machen. Was deren Soldaten zweifelsohne zu tun haben. Immer. Sie hören nicht auf. Nie.

#SayNoToWar

“[…] Für viele war das gar nicht nötig. Die Hammel trappelten mit der Herde mit, meist wußten sie gar keine Wege und Möglichkeiten, um nach hinten zu kommen, und was hätten sie da auch tun sollen! Sie wären ja doch geklappt worden, und dann: Untersuchungshaft, Kriegsgericht, Zuchthaus, oder, das schlimmste von allem: Strafkompanie. In diesen deutschen Strafkompanien sind Grausamkeiten vorgekommen, deren Schilderung, spielten sie in der französischen Fremdenlegion, gut und gern einen ganzen Verlag ernähren könnte. Manche Nationen jagten ihre Zwangsabonnenten auch mit den Maschinengewehren in die Maschinengewehre.

So kämpften sie.

Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.[…]”

Quelle: https://www.textlog.de/tucholsky-kriegsschauplatz.html

Notstandsbekämpfung

[…] Neulich sah ich ein Haus. Es brannte. Am Dache
Leckte die Flamme. Ich ging hinzu und bemerkte
Dass noch Menschen drin waren. Ich trat in die Tür und rief ihnen
Zu, dass Feuer im Dach sei, sie also auffordernd
Schnell hinauszugehen. Aber die Leute
Schienen nicht eilig. Einer fragte mich
Während ihm schon die Hitze die Braue versengte
Wie es draußen denn sei, ob es auch nicht regne
Ob nicht doch Wind gehe, ob da ein anderes Haus sei
Und so noch einiges. Ohne zu antworten
Ging ich wieder hinaus. Diese, dachte ich
Müssen verbrennen, bevor sie zu fragen aufhören. Wirklich, Freunde
Wem der Boden noch nicht so heiß ist, dass er ihn lieber
Mit jedem andern vertauschte, als dass er da bliebe, dem
Habe ich nichts zu sagen. […]

aus “Das Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus”, Berthold Brecht, 1937

Kneipengespräch: Doppelt dumm gelaufen, du Ehrlicher, du!

Er brabbelte vor sich hin. Nicht laut, aber störend.

“Hey, kannste mal damit aufhören, hier rumzubrabbeln?”

Er starrte mich verwundert an. Wahrscheinlich schon im Delirium Tremens. Ich seufzte und wollte mir gerade das nächste Kölsch bestellen, als er spontan loslegte

“Ich lass mir nichts verbieten!”

Vorsichtig entgegnete ich: “Was bitte?”

“Ich’s bin’s nicht gewesen.”

“Ja?”

“Die anderen war’s.”

“Sie meinen Türkenhochzeiten? Oder Oma-Geburtstag? Motorrad im Hühnerstall?”

“Bürschchen, halt die Klappe.”

“Wie bitte?”

“Das ist momentan normal. Außer Verboten fällt denen nix ein.”

“Verbote? Wem?”

“Ich kenn keinen, den es in Wirklichkeit erwischt hat.”

“Okay …”

“Also wird es wohl nicht so schlimm sein.”

“Und?”

“Mich trifft’s nicht.”

“Echt?”

“Alles übertrieben. Total übertrieben.”

“Hm, warum?”

“Das ist wissenschaftlich nicht eindeutig erwiesen. Und irgendeiner hat’s in die Welt gesetzt, um mich zu unterdrücken. Great Resett. Weiß doch jeder!”

“Ähem, weiß wer?”

“Das Ganze ist lediglich ein primitives Machtinstrument. Ein Spiel der Herrschenden!”

“Ein Machtinstrument?”

“Die da oben gegen uns da unten! Mit Fake-News der Mainstream-Medien wie BILD, EXPRESS und so. Hör mal! Ich hab keinen Bock auf Verzicht!”

“Was?”

“Ich selber hab ein Recht, durch die Welt zu fliegen. Ein natürliches Anrecht auf meine Freiheit! Steht auch im Grundgesetz.”

“Freiheit?”

“Jawohl, meine demokratische Freiheit ist wichtiger als irgend so ein Live time-Fußabdruck für paar Dagegen-Fuzies.”

“Fußabdruck? “

“Hömma, wir reden bekanntermaßen von einer Erfahrungsdimension, von vielleicht jetzt knapp ein Dutzend Monaten.”

“Okay. Erfahrungsdimension?”

“Hey, ein Wandel wird nichts sein, worauf man dann nach paar Monaten Einschränkung keinen Bock mehr hat. Das macht pessimistisch.”

“Dass die Menschheit das hinkriegt? Moment. Erklär mir mal: Worüber hast du gerade geredet? Über Corona an sich? Oder über den Klimawandel generell?”

”Herr Oberspielleiter, zwei Kölsch bitte!”

Jede Zeit hat ihre Helden

»Früher da hatte ich einen Bagger, damit konnte man rechts kurbeln und dann hatte der Bagger gebaggert. Den ganzen Sandkasten hatte ich damals damit weggebaggert. Den Sand von links nach rechts. Und wieder zurück. Als ich noch richtig junger Jüngling mit viel Zeit war.«

»Und was biste heute?«

»Älter ohne Zeit.«

»Warum gehste nicht zum Suezkanal? Mit deinem Sandkastenbagger? 400 Meter Stahl versperren momentan 200 Meter Kanalbreite.«

»Über 400 Meter wurde vor fünf Jahren bei der Olympiade in Rio de Janeiro der Weltrekord aufgestellt. Mit 43 Sekunden.«

»Über 200 Meter steht er bei knappe 19 Sekunden durch Ursain Bolt. Das ist die Zeit die ein jagender Gepard für 400 Meter braucht.«

»Solange benötige ich zum Überlegen, um den Gedanken an Leistungssport gleich wieder zu verwerfen. Sollen die anderen doch.«

»So siehste auch aus.«

»Willste sagen, ich wäre dick?«

»Nein, nur langsam im Denken.«

»Blitzmerker.«

»Danke.«

Das jüngste Gesicht (Notizen aus der Provinz)

  • Op Schalke ham se nen neuen Trainer. Ohne fiel Federlesen wurde der braunhaarige, junge Mann durch einen beinahe weißhaarigen, alten Mann ersetzt. Dem “Welttrainer” Jürgen Klopp setzt Schalke jetzt den “Jahrhunderttrainer op Schalke” entgegen, Hub Stevens. Der Fußballnachbar aus Dortmund ging eine Woche zuvor den anderen Weg: einen grauhaarigen, alten Mann raus; einen straßenköterblonden, jungen Mann rein. Aber eigentlich hätte Dortmund ja gerne den “Welttrainer” Klopp gerne zurück, das beste aus zwei haarigen Welten: weißbärtig, straßenköterblond und Mid-Ager.
  • Die Regensburger Domspatzen werden an Weihnachten nicht im Regensburger Dom singen. Vielleicht wird eine Leinwand aufgespannt und jeder einzelne Domspatz pfeift von deren eigenen Dächern mittels “ZOOM” oder “TEAMS” oder so per Live-Schalte in den hygienisierten Dom und seine sozial distanzierten Gläubigen. Die mitternächtlichen Christmetten sollen übrigens schon um 19:00 starten. Somit wird manifestiert, was schon eh jeder wusste: in der Kirche gehen die Uhren anders als bei den anderen Menschen.
  • Im Online-Portal der Münchner TZ las ich folgenden Satz über den Münchner Marienplatz:
  • image(Screenshot tz.de am 18-Dez-2020: ”[…] Bis 1972 konnte man sogar noch mit dem Auto über den Platz fahren. Hier zu sehen auf einer Aufnahme um 1958.”)

    Auf einer Aufnahme von 1958 ist 1972 bereits zu sehen. Könnte mal schauen, ob wer auf einer Aufnahme von 2006 den leeren Marienplatz vom Lockdown 2020 sieht? Irgendwelche Fotos von 2020 mit Voraussagen zu 2034?

  • Ein neues Gesicht findet sich in einen der TATORT-Reihen wieder. Eigentlich ein altes Gesicht, aber ein neues als Wiedergänger. Spannend. Aber nicht wirklich neues für die Christenheit. Die hat sich in jährlichen Übungen daran in den letzten 2000 Jahre trainiert und wird den Neujahrs-TATORT gelangweilt anschauen. Nach Angabe von jüngeren Menschen schauen sich die TATORT-Sendungen eh nur die grauhaarigen, alte Menschen an, weil der Begriff “Tat-Ort” dem der “Tot-Art” nicht unähnlich ist. L’art pour l’art. Die Dracula-Geschichten haben sich auch damals schon immer nur die Älteren erzählt. Die Jüngeren haben dafür um so leidenschaftlicher die “Vampire Diaries” und die “Twilight Saga” studiert. Twen-Ager Geschichte für den leichten Schauer am Rücken unter der Bettdecke bei gezuckertem Popcorn, lauwarmen Glibber-Käse und schweißnassen Händchen.
  • Eine Schneebombe rollt auf Deutschland zu und München mitten drin. So lautet die Prognose mehrerer Nachrichtenkanäle für das Weihnachtsfest. Sollte also Süddeutschland in einer Schneekatastrophe eingeschneit werden, keine Sorge: es herrscht eh tagtägliches Ausgehverbot zwischen 21:00 bis 5:00 Uhr. Und in der Zeit dazwischen braucht jeder Mensch triftige Gründe, um als Schlachtenbummler eine Schneebombe anzuschauen zu dürfen. Die Schneeballschlacht-Vorschau in der prophezeiten Schneebombe gehört nicht zu der kriegerisch daher kommenden Wettervorhersage. Dafür erwarten andere Nachrichtenkanäle einen brutal auftretenden Sturm vor Weihnachten: einen An-Sturm auf die Lebensmittel-Discounter. Das ist nichts Neues. Im Westen. Am 24. Dezember noch einen umfassenden Einkauf zu tätigen, ist immer das erstbeste, nervenaufreibende Erlebnis nach Winteranfang. Gehört auf jede Bucket-Liste. Auch ohne Schneebombe.
  • In München gibt es an die 600 Obdachlose. Viele davon trinken dabei auch noch, oder kuscheln sich in der Kälte unter Münchens Brücken zusammen, während ihres Obdachlosen-Daseins. Von_hintenDas ist bekanntlich sowohl ungesund, als auch teuer. Denn: Verstoß gegen die Ausgangssperre des Nachts (500 Euro), dann noch Alkoholkonsum im Freien (150 Euro) und zu guter Letzt Kontaktverbot (150 Euro). Macht mindestens 300.000 Euro ins Münchner Stadtsäckl. Pro Tag. In solch klammen Corona-Zeiten ist jeder Stadtkämmerer um jeden zusätzlichen Euro dankbar. München auch. In den letzten drei Tagen wurden 49 Fälle des Verstoß gegen die Ausgangssperre registriert. Da scheint also noch ordentlich Luft nach oben. Oder sollte München und seine Ordnungsbeamten jetzt doch ein Herz für Obdachlose haben? Nachdem wegen Corona-Hygiene-Anforderungen die Schlafplätze in den Notunterkünften deutlich reduziert wurden? Wegen social distancing. Da wird einem warm ums Herz. Ich hoffe, meine Sätze über die Strafzahlungen wird nicht von einem Offiziellen gelesen und ernst genommen. Weil von jedem Ding nur der Preis und von keinem der Wert zählt (nach Oscar Wilde). Denn das obige, das schrieb nur die Zyne aus mir raus. Aus der Zyne für die Zyne …

Ertrage die Clowns (11): Das Leben mit anderen wie in einem Gemälde

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Wenn die Kneipe das reale Leben spiegelt, dann ist das Kino die Projektion der Leidenschaften. In besonderen Kinos kommt es immer wieder zu besonderen Begegnungen. Cineastisch gesehen verschmelzen in solchen Lokalitäten Kneipe und Leinwand, während der Film in Endlosschleife zusammen mit dem Leben dieser Welt einem am Auge vorbeiläuft. Jeder Regisseur dieser Welt würde sogleich seine Handkamera aus der Hosentasche hervorholen, um diese reale Wirklichkeit eins zu eins abzufilmen: verwackelt, unglaublich simple Dialoge mit unbändiger Intensivität, Farben wie aus einer billigen Waschmaschine, das ganze weder in 4K noch in FHD, dafür lediglich gefilmt in der Auflösung alter 8-mm-Filme. Ein neuer Film im Stile von “Blair Witch Project”.

“Weißte”, würde dann der erste Amateur-Schauspieler sagen, mit einem Auge auf Leinwand und Publikum schielend, das andere an seinem Gegenüber klebend, das schmierige Gesicht einem direkt zugewendet, “weißte, in unserer Lebensgemeinschaft sind wir Full-Swap-Swinger, nicht wahr, also so mit allem drum und dran, und wir sind uns auch für alles ohne auch nicht zu fies vor, wir testen uns ja regelmäßig und sind gesund, also sind wir sauber und darum nur echtes Full-Swap, verstehste, wir lieben das Leben und warum sollten wir es darum nicht auskosten, nicht wahr, aber diese Sache mit dem Virus momentan, glaub mir, in den Medien wird gelogen was das Zeug hält, alles nur Hysterie und Panikmache, weder neutral noch objektiv, die Medien sind doch das Sprachrohr der Regierenden, muss man denen nicht glauben, was die so verzapfen, genauso das wie mit der Klimakrise, alles gemachte Panik, Waldsterben, Ozonloch, Sars, Klimakrise, vermeintliche Bedrohung durch marodierende Rechtsradikale, Kassenbons für Brötchen, Bienensterben, Ausländerreserviertheit, Kritik an erfolgreiche Großunternehmer und Organisationen in Fußballstadien und so weiter und so fort, denk doch mal, das sagen die doch nur, um vielleicht von brisanteren Themen abzulenken.”

“Die wären?”

“Begreife einfach, das dies nur dazu dient, die Menschen in der EU von anderen Themen abzulenken, schau mal nach Griechenland, was da abgeht. Da werden Menschen und Systeme gepämpert und gebauchpinselt, da erhalten die Menschen die Butter, die man uns nicht auf dem Brot gönnt, da schafft man denen das Paradies auf Erden, während man uns hier durch unsinnige Verbote und Meinungsmache klein halten will. Man will uns unseren Stolz nehmen. Und wenn dann etwas einem etwas demokratisches nicht passt, einfach das Gegenteil machen. Erinnert mich an Erfurt und die Wahl zum Ministerpräsidenten. Da hat den Regierenden auch nicht gepasst, was das Souverän des Volkes als Stimmabgabe ausgedrückt hat und was in Folge zuerst parlamentarisch gewählt wurde.”

Der Regisseur würde sofort umschwenken, die nächste Szene suchen, etwas aus einem Gemälde wie von Hieronymus Bosch. Ganz im Sinne des christlichen Abendlandes würde er versuchen, jede der sieben Wurzelsünden kamera- und dialogtechnisch abzubilden: Hochmut, Habsucht, Neid, Zorn, Wollust, Selbstsucht, Ignoranz.

Aber seine Suche wäre zwecklos, denn am Markt käme er damit nicht durch, würde mit seinem Kurzfilm zu den sieben Wurzelsünden keinen Erfolg zu haben. Niemand würde das sehen wollen. Auch wenn der Film sich eines Vergleichs zu “Blair Witch Project” nicht scheuen müsste.

Anfangs wäre er verzweifelt, weil es niemanden interessiert oder keiner hinschauen mag, nach kurzer Zeit würde er aber erkennen, dass es gerade die nachhaltige Praktizierung der Wurzel”sünden” dazu führt, was ein Leben ähnlich in einem Gemälde von Hieronymus Bosch dieses eben erst ermöglicht. Wer so etwas nicht explizit und ausführlich praktiziert, der wird gesellschaftlich an das bittere Ende der sozialen Hackordnung eingereiht.

Der Regisseur würde sich zurückziehen und bitterlich weinen und dann in eines der Kinos gehen, in der Leinwand und Kneipe miteinander verschmelzen, sich die Szenerie anschauen, sich wie in einem Gemälde von Hieronymus Bosch fühlen, die Handkamera herausholen …

… aber dann wurde er pragmatisch und steckte die Handkamera wieder weg, schnappte sich sein Bier, fläzte sich in einen der roten Sessel, und sah dann kurz darauf die Szenen des wahren Lebens vor sich ablaufen, einen kurzen Ausschnitt aus Helmut Dietls “Kir Royal” aus München, über München, in München, abgespielt vor seinem inneren Auge:

Haffenloher: „Ich mach dich nieder, wenn du mich jetzt hier stehen lässt wie einen Deppen, dann mach ich dich nieder. Ich ruinier dich. Ich mach dich fertig. Ich kleb dich zu von oben bis unten.“
Schimmerlos: „Mit dem Kleber?“
Haffenloher: „Mit meinem Geld. Ich kauf dich einfach. Ich kauf deine Villa, stell noch einen Ferrari davor. Ich scheiß dich sowas von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast. Ich schick dir jeden Tag Cash in einem Koffer. Das schickst du zurück. Einmal, zweimal, vielleicht ein drittes Mal. Aber ich schick dir jeden Tag mehr. Irgendwann kommt der Punkt, da bist so mürbe und so fertig und die Versuchung ist so groß und da nimmst es. Und dann hab ich dich, dann gehörst du mir. Dann bist du mein Knecht. Ich bin dir einfach über. Gegen meine Kohle hast du doch keine Chance. Ich will doch nur dein Freund sein – und jetzt sag Heini zu mir.“

Betrunken wankte der Regisseur von dannen. Er hatte genug. Genug gesehen, genug erlebt. Er benötigte neue Eindrücke, bessere, wirklichere, draußen vor der Tür …