Kneipengespräch: Der Sabbernde gärt voll Odium.

Tresen 0

“Doris sagt: ‘Geh voraus, Otto’.”

“Wie?”

“Du siehst grundsätzlich vögelnde Organe.”

“Häh?”

“Donnerstag schreibt Günther versaute Orthografie.”

“Herr Oberspielleiter! Nehmen Sie dem Knilch mal das Kölsch weg! Der dreht hier unrund!”

“Diese Sachlage gibt verdammte Ordnung.”

“Tickst du nicht mehr ganz sauber?”

“Ich versuche nur diese dusselige Abkürzung zu entschlüsseln. ‘DSDS’ musste ich vier Wochen lernen, ‘GNTM’ einen ganzen Monat und für ‘IBESHMHR’ brauchte ich zweimal vierzehn Tage. Und dann erst ‘MUSIDWNIOUISIDIMW’, das war hart.”

“Und an was knabberst du jetzt? Vielleicht kann ich dir helfen. Ich bin Profi bei Abkürzungen, weil ich seh’ regelmäßig Privatfernsehen. Eigentlich nur noch. Die Zwangsabgabensubventionierten sind mir zu abgehoben. Außer natürlich wenn die Helene …”

“Ich knabbere momentan daran, ob ich beim Erhalt einer analogen Visitenkarte diese überhaupt in digitaler Form überführen darf. Darf ich die Daten einfach so abspeichern? Oder muss ich vorher um Erlaubnis fragen, wenn ich die in mein Smartphone tippe?”

“Visitenkarten? Ich dachte, das sind Aufforderungen zur Korruption und die Telefonnummern darauf, da erfährt man die Kontonummern oder so. Hat das nicht Siemens damals geschäftsfähig gemacht?”

“Oder wenn ich eine Bewerbung an eine Firma abschicke, mich online bewerbe, also initiativ. Klappt das überhaupt noch? Die Firma wird doch abblocken und sagen: ‘Tschuldige, ich darf das nicht lesen, weil es persönliche Daten enthält, die dich eindeutig identifizieren, und du somit unter die Datenschutzgesetzverordnung, äh,  Datenschutzgrundverordnung fällst und du zuvor zu unserem Schutze nicht unsere Datenschutzerklärung unterzeichnet hast.’ Wie kann ich mich da bewerben?”

“Ach so, du meinst, die DSGVO.”

“Daddy sagt: Geht voll okay.”

“Jetzt fängst du schon wieder an. Hallo, kein Kölsch mehr für den Knispel rechts neben mir!”

“Ich kann es mir nicht merken. Das ist so ein sperriger Begriff und die Abkürzung ist doch so etwas für den Arsch ….”

“Na, na, na. Arsch sagt man nicht!”

“Wer A sagt, muss auch Rsch sagen. Gestern erhielt ich wegen dem neuen Gesetz die neue Datenschutzerklärung von meiner Telefongesellschaft. Die hatten sich darin gleich ganz unauffällig ausgebeten, meine Daten weitergeben zu dürfen. Habe gleich erst einmal mit SMS ein ’Widersprechen’ an 8888 geschickt.”

“Ob das hilft? Die interessiert es doch eh nicht.”

“Und woher weiß ich, ob wie die Abkürzung dekliniert wird? Ist es Maskulinum, Feminum oder Neutrum? Das weiß ich doch nur, wenn ich es ausspreche. Hm. Das schlafende Gör vegetiert offensichtlich.”

“Biste still?!”

“Die Datenschutzgrundverordnung ermöglicht es dem Verbraucher, endlich mal Auskunft über die Verwendung der eigenen Daten zu erhalten oder diese löschen zu lassen, soweit gesetzlich möglich. Nur jetzt klagt jeder darüber, der sich um die Rechte an Daten bei anderen nicht kümmern möchte. Solange es nicht die eigenen sind.”

“Aha. Der Scheiß Gast verlangt Ohrfeigen! Woll. Themawechsel, zu was interessanterem: Wusstest du, dass der Löw ein anderen Wort für ‘der Gehilfe des Henkers’ ist? Ich frag mich, für welchen Henker unserer National-Jogi beim DFB arbeitet? Und wo ist dann der Richter? Ohne Henker, kein Richter, kein Kopfloser.”

“Da wird mal der Kant’sche ‘Kategorische Imperativ’ bei Daten gesetzlich verankert und dann stöhnen alle. Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt. Und jetzt beklagen sich die Anderen, dass wegen dem Einzelnen die eigene Freiheit eingeschränkt werden muss, nachdem man sich auf Kosten des Einzelnen so viele Freiheiten genommen hat … .”

“Herr Oberspielleiter, ist da drüben noch der Platz frei? Der sabbert mir hier zu viel.”

“Der Schöne göbelt, voll okay. Drohen schon Gesetze vierter Ordnung? DSVGO … falsch, DVSGO … wieder falsch, DSGOV … Mist, wieder falsch … bis morgen muss ich die fünf Buchstaben in der richtigen Reihe aufsagen können. Ein Monat lernen muss sich doch lohnen. Datenschutzgesetzverordnung … äh, Datenschutzgrundverordnung. DSG …deutsche Schwimmgesellschaft völlert ordentlich … morgen … Datenschutzgrundverordnung … dann muss ich meinen Blog schließen …meine Kunden und deren Abmahnverhalten können unberechenbar sein … DGSOV … Mist, wieder falsch …”

 

2 Gedanken zu „Kneipengespräch: Der Sabbernde gärt voll Odium.

  1. Sehr geehrter Herr Blogbetreiber, dessen Name ich mir nicht notieren darf und ihn auch aus Altersgründen nicht remembern kann: Vor Jahren überreichte ich Ihnen meine Visitenkarte mit wertvollen persönlichen Daten. Ich habe Sie nun aufzufordern, mir unverzüglich nachzuweisen, wer diese Karte zwischenzeitlich in Händen hielt, wo sie sich derzeit befindet und in welcher Form sie diese vor dem Zugriff Neugieriger wie etwa der NSA schützen. Das Gelingen des gleichzeitig damit verbundenen Bestechungsversuchs bitte ich in geeigneter Form zu bescheinigen.

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    • Sehr geehrter Herr Kommentator, ich kenne Sie nicht, aber woher ich Sie nicht kenne, kann ich Ihnen leider nicht sagen. Visitenkarten landen bei mir immer in der analogen Visitenkartensammelmappe (vorne die monetär vielversprechenden, hinten die monetär weniger versprechenden und am Schluss die bereits von der Finanzbehörde verurteilten), der Allgemeinheit nicht zugänglich. Visitenkarten von im Gefängnis verstorbenen Visitenkarteninhabern werden an folgenden Geo-Koordinaten (N 48.1756934,O 11.6390301) der CO2-Erzeugung zugeführt. Eine geplante Überprüfung auf fremder Fingerabdrücke und DNA-Spuren fremder Fingernägel auf Ihrer Preziose verlief aufgrund positiver Nicht-Identifizierung negativ (s.o.). Eine Bescheinigung kann ich leider nicht ausstellen, da ich einerseits Ihre Adresse nicht identifiziern kann und anderseits es noch nicht nach Mitternacht ist. Dieser Blog wird um 23:59 auf unsichtbar geschaltet, danach können Sie den Antrag im Kommentarbereich nochmals gerne wiederholen. Ansonsten werde ich danach mit Ihrem Doppelgänger gerne ein Skol am Strand der Kanaren oder Balearen zischen …

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