Sag »Heini« zu mir

»Ich mach dich fertig, Schimmerlos. Wenn du mich jetzt hier stehenlässt wie ’nen Idioten, dann mach ich dich fertig. Ich ruinier dich. Ich mach dich platt. Ich kleister dich von oben bis unten zu. Ich kauf dich einfach. Ich kauf dir ’ne Villa, da stell ich dir dann noch ’nen Ferrari davor. Deiner Alten schick ich jeden Tag ’nen Fünfkaräter. Ich schieb’s dir hinten und vorne rein. Ich scheiß dich so zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast. Ich schick dir jeden Tag Cash, im Koffer. Das schickste zurück – einmal, zweimal, vielleicht sogar ’n drittes Mal. Aber ich schick dir jedes Mal mehr… und irgendwann kommt dann nun mal der Punkt, da bist du so mürbe und so fertig und die Versuchung ist so groß, dann nimmst es. Und dann hab ich dich. Dann gehörst du mir. Dann bist du mein Knecht. Ich mach mit dir, was ich will. Verstehst du, Junge? Ich bin dir einfach überlegen. Gegen meine Kohle hast du doch gar keine Chance. Begreifst du das denn nicht, mein Junge? Mensch, Baby… Junge! Ich will doch nur dein Freund sein! Komm… und jetzt sag „Heini“ zu mir.«

Mario Adorf hatte sich in mein Langzeitgedächtnis gebrannt. Nicht erst seit dem ZDF-Vierteiler »Der große Bellheim«, sondern bereits seit der ARD-Serie »Kir Royal«. Diese ARD-Serie läuft heuer immer wieder über dessen »Dritten«-Programme, selbst im Bayerischen Fernsehen (obwohl nicht der Produzent). Qualität ist nicht totzukriegen, selbst wenn sich der Inhalt nur über unterschiedliche Drittquellen erschließen mag.

Eine Bekannte meinte zu mir, sie möge diese 4:3-Fernsehsendungen nicht, sie füllten den Monitor nicht aus und raubten der Realitätsgestaltung Raum. »Kir Royal« ist 4:3 und passt nicht mehr formatfüllend auf unsere aktuellen Smart-TVs und Computermonitore. Man sieht rechts und links einen schwarzen Balken, der als störend empfunden wird. Und SD ist nicht state-of-art, dafür zeigt HD mehr Details. »Kir Royal« leidet nicht an dem technischen Übertragungsformat. Selbst mit schwarzen Balken links und rechts ist die Serie auch jetzt noch anschaubar. Selbst ohne Hintergrundinformationen.

»Kir Royal« hat sich für mich in eine Serie voller Wehmut und Vergangenheitsgedanken entwickelt. Zuerst gesehen hatte ich sie in einem konservativen münsterländischen Familienhaushalt, was insofern bemerkenswert ist, als das in deren Unterhaltungsrahmen normalerweise nicht hereinpassen würde. Und wenn man (ich) von dort ausgebrochen war und in die Münchner Sphäre eintauchte, dann ergaben Inhalte bewusstseinserweiternde Einblicke.

Wenn in jener Serie Sammy Drechsel mit Franz Xaver-Kroetz vor dem damaligen Spielort der »Münchner Lach- und Schießgesellschaft« sich unterhält, dann macht sich dem Kenner der Szene der Lach- und Schießgesellschaft ein Ziehen in der Bauchgegend breit. Geschichte geht weiter, Erinnerungen sind Geschichte und das Leben geht weiter.

»Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.«

Die Hintergrundinformationen zu der Serie lassen sich problemlos im Internet nachlesen. Und immer wieder taucht dabei der Name »Michael Graeter« auf. Seine 80er-Jahre Vita diente für »Kir Royal« als Protagonist für die Rolle von »Baby Schimmerlos« (Franz Xaver Kroetz).

Michael Graeter lebte auch danach ein schillerndes Leben, prädestiniert für die Erwartung, was Münchner Leben außerhalb Münchens so gefragt war. Er betrieb Kinos an der »Münchner Freiheit« und ging dort damit baden, weil Kinos an sich weniger besucht wurden. Er kandidierte bei den Münchner Kommunalwahlen vor vier Wochen, scheiterte aber ebenfalls. Michael Graeter lebt, auch wenn er nicht mehr für Münchner AZ oder TZ festschreibt. Er präsentiert weiterhin die »Münchner Dolce Vita«, die außerhalb Münchens so gehypt wird.

Und dann läuft halt immer wieder Helmut Dietls »Kir Royal« durch die »Dritten« und löst bei mir Wehmut an die 80er aus, als ich in München lebte. Wer reinkommt, ist drin. Und ich kam nie rein. Obwohl es in den 80ern tausendmal besser war, als jenes mörderische Kuhkaff im Münsterland zwischen Dortmund und Münster.

»Kir Royal« ist ein Flashback auf alte Zeiten, die dem Zuschauer weniger lang erscheinen, als die Serie produziert wurde. Klar, man sieht alte Bekannte wieder, bei denen man positive Erinnerungen hat (Dieter Hildebrand, Franz Xaver Kroetz, Ruth Maria Kubitschek, Senta Berger, Curt Bois, Mario Adorf, Billie Zöckler etc.), und andere, bei denen man zuvor positive, aber jetzt aufgrund neuerer Erkenntnisse erheblich weniger gute Gedanken hat (wie bei Konstantin Wecker).

Aber man erkennt auch Münchner Muster, die damals wie heute fortleben. Und man denkt sich, wie lange man in München leben muss, um Münchner zu sein, ohne all den Scheiß der echten Münchner gelebt zu haben. Als Hinzugezogener bleibt das Gefühl ein Leben lang, lediglich ein Gast in München zu sein. Aber, das interessiert ja eh keinen …

Das ist der Münchner Stil. Werden alte Fassaden renoviert, dann ganz neu im angepassten Stil. Da interessiert die Herkunft null. Münchner Geschichten halt.

Das Geheimprojekt: die Ausrottung der weißen, grauhaarigen, alten Männer

Agentin A, wie ist Ihr Fortschritt?

Erhabene Meisterin, heute waren es sechsundneunzig.

Sechsundneunzig?

Ich hatte heute Mittag eine kostenlose Filmvorführung von “Ritter der Kokosnuss” organisiert. Jeder erhielt ein Gummischwert mit Eisenkern. Vierundvierzig starben mit dem Satz “Ist doch nur eine Fleischwunde” auf den Lippen. Die Restlichen hielten das für den “Tödlichsten Witz der Menschheitsgeschichte” und erstickten an ihrem Lachen.

Sehr gut, sehr gut.

Zusätzlich organisierte ich noch ausschließlich für Erz-Boomer-Kleriker “Das Leben des Brians”. Die kamen, sahen und regten sich wie erwartet über Gebühr auf und gingen mit Herzinfarkt über die Wupper. Siebenundneunzig. Die Hartnäckigen, die während jenem Film eingeschlafen waren, erhielten noch im Anschluss den Film “The last Temptation of Christ”. Sechs wirklich Hartgesottene überlebten allerdings auch dieses, ich konnte denen noch heimlich iranische Pässe in die Soutane stecken. Am Ausgang wartete bereits die Polizei und hat jene aufgrund Kindesmissbrauchsvergehen einkassiert. Die Priester wurden direkt mit Tatvorwurfsbeschreibung in neun Sprachen in ein Flugzeug nach Teheran abgeschoben.

Agentin A, hört sich gut an, weitermachen. Agent B, was sind Ihre Ergebnisse.

Erhabene Meisterin, ich habe heute eine Vorlesung über das Thema “Haben und Sein” durchgeführt. Inmitten der Vorlesung ließ ich einen Mitverschwörer auf der Bühne den Ausruf “Okay, Boomer” tätigen. Ca. 75% der Zuhörer starben an Schnappatmung. Der Rest lachte anfangs noch, wurde dann aber mit wohldosiertem “Jaja, ihr Baby-Boomer” erledigt.

Agent B, seht gut. Kommt morgen die AKW-Bewegung dran?

Ja, ich habe festgestellt, dass hier die Dichte der Boomer und Baby-Boomer am höchsten ist. Wir werden denen das Gesetz über die Laufzeitverlängerungen vorlesen. Zudem erklären wir denen noch den Nutzen von Braunkohlekraftwerken, Panzern und anderen grünen Entscheidungen. Zu erwartende Herzinfarktrate wird bei 78% liegen. Die restlichen 22 Prozent erledigen wird mittels Unwirksamkeitsstudien von Globuli, Friedensdemos und vegetarischem Veganismus in Zeiten von Weber-Grill-Kugeln. Beim zu erwartenden Handgemenge ist mit Gewalt zwischen Zuhörern zu rechnen, da die sich eh nicht alle grüne sind.

Agent B, Handgemenge sind nicht effizient. Bitte ergänzen Sie die Maßnahmen mit mehr Effektivität. Verteilen Sie vor dem Vortrag noch bitte Brieföffner und Schwiegermütter.

Schwiegermütter?

Wirkt immer, bei diesen Bürokraten, die wissen, was ein Schwiegermuttermörder ist. Agent-etwas C. Ihr Resümee?

Erhabene Meisterin, vierhundertneunundvierzig Menschen konnten wir mit der Titelmelodie “Pat und Patachon” in eine sehr düstere Ecke ihrer Stadt locken und mit Dauerbeschallung mit der Titelmelodie von “Die rote Zora” erledigen. Die Polizei tappt  bislang – wie erwartet – noch immer im Dunkeln. Weitere siebenhundertdreiundsechzig Baby-Boomer lockten wir mit der alten Titelmelodien von “Väter der Klamotten”, “Western von Gestern” und “Dick und Doof” in ein tiefes Gewässer, wo sie unter Klängen von “Hey hey Wickie” elendig ersoffen.

Sehr schön, sehr schön.

Weitere siebenhundertelfundsechzig Baby-Boomer haben wir mit der Melodie “Wer hat an der Uhr gedreht” aus deren Arbeitsplätzen geholt und dann mit “Die schnellste Maus von Mexiko” und Udo Jürgens “Vielen Dank für die Blumen” in ein Tigerkäfig locken können. Exitus. Die Tiger sind gesättigt. Leider aber auch übersättigt. Morgen steht dafür der Löwenkäfig auf den Plan.

Agentin D?

Chefin, ich habe einen Fernsehsender infiltriert. Und niemand hat es gemerkt.

Sehr gut.

Mit Geschick habe ich dort eine Show mit Boomern, Baby-Boomern und paar anderen Normalos organisiert.

Sehr, sehr gut.

Dazu habe ich Tweets über diese dämliche Boomer und deren over-cringe Baby-Boomer verfasst. Diese Tweets gingen gnadenlos viral. Beifall war mir hundertfach. Meine Followerzahl stieg annähernd fünfstellig. Ich organisierte Anruforgien in der Show mit dem Ziel: Diskreditierung der weißen, grauhaarigen, alten Männer, diesen dämlichen Boomer und deren over-cringe Baby-Boomer. Sie sollten demaskiert werden, als das was sie sind: überflüssig und ready to go. Ich erreichte meine Zuschauer in der anvisierten Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen: 1,6 Millionen. Mehr als genug, um Anrufer der Gruppe der weißen, grauhaarigen, alten Männer zu übertrumpfen.

Und?

Tja, Chefin, dann hat so ein dämlicher, weiblicher Boomer mit Schönheitsidealen a la Botox und Schlauchbootlippen abgeräumt und wurde Dschungelkönigin …

WAS?! Unglaublich! Elende Versagerin! Agentin D, du bist gefeuert! Du miese Nulpe, du!

Egal.

Wie bitte?

Der Sender hat mich einen Vertrag angeboten. Als Boomer- und Baby-Boomer-Expertin hätte ich mit meinen 39 Jährchen die passende Einstellung und Erfahrung, hieß es …

RAUS!!!!

Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (12): Blasen

Es schwebte bereits über den Köpfen aller. Der Himmel hatte sich durch Wolken bereits zugezogen, die Sonne war nicht mehr zu sehen. Jetzt sind die Wolken dichter geworden. Erheblich dichter, dunkler und schwerer. Und aus ihnen fällt der enge Begriff „Kurzarbeit“. Anfangs hieß es noch, Kurzarbeit käme, wenn die Schulschließungen beendet wären, also ab dem 20. April, dann erst in der Karwoche, doch nun ist es angekommen, das Schreckgespenst aller Geldbörsen und Lohnzettel. Kurzarbeit. Weniger Netto vom eingekürzten Brutto aufgrund reduzierten Arbeitsumfang. Es waren weniger Aufträge eingetroffen, weil alle OEMs ihre Rollladen in deren Werken runtergelassen hatten. Und nicht wegen einem nachgewiesenen CoVid-29-positiv Fall. Jetzt kommen die Auswirkungen von der anderen Seite der Pandemie. Statt 5-Tage-Woche habe ich jetzt die 3-Tage-Woche inklusive Ausgangsbeschränkung.

War 2008/2009 noch erkennbar, woher jener Tsunami kam, welche die Wirtschaft unter sich begrub (durch die in den USA durch Gier verursachte Bankenkrise), so ist es nicht absehbar, wie viele Tsunamis heuer einschlagen werden. Geschlossene Produktionen bedingen schließende Zulieferbetriebe. Weniger Arbeit, bedeutet weniger Geld, bedeutet weniger verkaufte Neufahrzeuge, bedingt weniger erforderliche Produktion, bedingt weniger Abrufe bei der Zuliefererindustrie. Im Sektor der Automobilindustrie hatten in der Zeiten der Bankenkrise die Regierungen Abwrackprämien für Altfahrzeuge und Neuanschaffungen heraus gegeben, um diese Abwärtsspirale zu durchbrechen.
Und nun? Die Welt besteht nicht nur aus meiner Firma, nicht nur aus Automobilindustrie. Was mit der Reisebranche? Was mit Hotels, Gaststätten und nicht „systemischen“ Geschäften? Was ist mit dem Dienstleistungssektor? Momentan platzt nicht nur eine Blase, sondern verschiedene Blasen plöppen hörbar auf.

Blasen, die weiterhin funktionieren und nicht platzen, sind die Social-Media-Blasen Dort tummelt sich jeder irgendwie, der dort sich einloggt. Ein Bekannter (Freund?) sitzt in seinem Wohnwagentruck südwestlich innerhalb Barcelonas fest. Er hält die Corona-Sache für einen ausgemachten Wahnsinn mit dem Zweck, Bürger nur noch mehr zu überwachen und in ihren Freiheiten von nun ab entscheidend einzuschränken. Er forderte mich anfangs zu einem Meinungsaustausch auf, bis ich erkannte, dass er unbewusst wohl darunter verstand, dass ich mit meiner Meinung kommen sollte, um dann mit der Meinung aus seiner Blase zu gehen. Jeder lebt in einer Seifenblase und jeder mag keine Gefahr von außen, die diese Blase zum Platzen bringen könnte. Das Wort „jeder“ beinhaltet freilich auch mich. Und ja, ich habe auch meine Vorstellung von dem, was jeder „Realität“ nennt oder auch einfach nur „fake“, wenn es nicht gefällt. Ein Satz hängt mir noch immer nach, als er auf meine Frage, ob er auch positives in Barcelona in der letzten Zeit erlebt habe, zur Antwort gab, falls ich Bespaßung wolle, sollte ich den Fernseher einschalten.

Gestern Abend hatte ich zum ersten Mal seit langem den Fernseher nicht eingeschaltet. Zu groß ist der Kontrast aus pessimistischen Corona-Nachrichten und einer ’normalen‘ vorgespielten Welt der Fernsehserien und Fernsehfilme. Es interessiert mich nicht, ob die Midlife-Crisis Julia im Spagat zwischen Haushalt, Familie, Kita und Job den bieder-braven Bernd nicht mag und sie dann den supersexy Stefan kennenlernt, mit ihm dessen Reichtum auf Malle ihre hedonistische Seite auslebt, und dann doch unter Tränen feststellt, dass zwar der blöde Bernd nicht sexy, aber ein Brandungsfels sei, und erst dann zu ihm zurück kehrt, nachdem er verspricht, den Haushalt zu schmeißen und die Kita-Zuständigkeit unter ihrer Kontrolle zu übernehmen. Währenddessen sich der superenttäuschte Stefan Julias alleinstehende jüngere Freundin Felicia angelt, bei der jetzt Julia feststellt, was sie schon ihr Leben lang vermutete: “Die ist doch eine geldgeile Schlampe!” Worauf dann mindestens zwei Kinder mit einer Torte durch eine geöffnete Türe auf Julia zustürmen und „Mami, wir haben dich so lieb“ rufen. Dann schneidet der Regisseur auf das Gesicht des lieblichen Hausdackels um, fängt dessen Augen im Close-up ein und der Zuschauer sieht diese irgendwie vor Feuchtigkeit auch noch schimmern, bevor dann der Abspann mit Geigenmusik kommt. Ich kann mir sowas nicht anschauen, ich brauche meine Papiertaschentücher für meinen Schnupfen, nicht für Tränen wegen einer Fernsehwelt. Das interessiert mich momentan jetzt nicht mehr.

Der stetig kontrollierende Blick aufs Smartphone zu den neusten Corona-relevanten Zahlen reichte mir gestern aus. Eine ganz andere Zahl fand ich an jenem Abend bedeutsamer: 13,5%. Sie stand auf dem Rücketikett meiner Weinflasche. Wenn Zahlen zur alles bestimmenden Norm werden, zur normativen Kraft des Faktischen, dann wird alles gut? Oder schlechter? Oder ist es wie bei dem Hahn? Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt so, wie es ist.

Kneipengespräch: The day after – brennen muss Lady of Paris …

Sie brennt. Notre Dame, the Lady of Paris, brennt. Und wie sie brennt. Da sitzen sie nun da und glotzen. ntv. Der Wirt hat ntv geschaltet.

“Die Franzosen mal wieder. Kaum wird bekannt gegeben, dass gegen Winterkorn wegen den Abgasen bei VW ermittelt wird, zünden die vor Jubel gleich Notre Dame an. Wer sagt denen, dass Osterfeuer erst am Ostersonntag gezündet werden …”

“Das waren die Gelbwesten! Endlich mal ne Demo für die Abschaffung der Kirchen.”

“Vielleicht findet man ja einen Personalausweis vor der Kirche. Wir sind ja inzwischen aufgeklärt worden, dass muslemische Attentäter immer deren Ausweisdokumente am Tatort verlieren … man sollte jetzt mal die AfD-Twitter-Accounts verfolgen. Die haben doch immer solche Informationen als erste. Oder den Account von A. Schwarzer. Die ist ja auch immer voll im BILDe …”

“Wo saufen wir denn das nächste mal, wenn wir wieder nach Paris trampen?”

“An der Seine. Weil übernachten tun wir dann im Baugelände der Notre Dame. Und dann frühstücken mit Flics …”

“Wer rettet jetzt den Glöckner? Oder hat der sich schon wieder heimlich zu Esmeralda geschlichen?”

“Nicht der Glöckner. Sondern diesen Abend Grisu, der kleine Drache. Passend zur achten Staffel von Games of Thrones. Action!”

“Diese Live-Übertragung auf ntv. Da ist das Bild der brennende Kathedrale. Richtig ruhig gefilmt, viel ruhiger… einfach nur eine Einstellung … ungeheure Spannung … stürzt die alte Bude ein … bleiben die Glocken hängen. Aber kein Wort zum Glöckner und seine Esmeralda.”

“Der kommt erst in die Kamera, wenn jener Kessel mit erhitzten Pech auf die Feuerwehrleute kippt … ”

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Das Brotmaschinenmassaker

Ein Brief geht um.

Per altmodischer Briefmarkenpost.

Er zieht eine Spur des Grauens und der Verwüstung durchs Land. Die Welt erbebt, Männer erbleichen, Frauen wehklagen und Kinder spielen unberührt davon weiter am Computer der Eltern “Call of Duty” und “Zombieapokalypse”.

Dieser Brief darf nicht unbekannt bleiben. Aufklärung tut Not! Der Brief MUSS veröffentlicht werden, damit ein jeder Mensch von diesem Kettenbrief in Kenntnis gesetzt wird und nachher nicht naiv behaupten kann, man hätte es nicht gewusst …

»Dieser Brief bringt eine Brotmaschine, etwas Glück, viel Freude, Sex bis zum Abwinken und ein noch praller gefülltes Bankkonto. Leite ihn direkt an 100 Personen weiter, um ins Fernsehen zu kommen und unsterblichen Ruhm zu erhalten.

Der Autor dieses Briefes meinte, diesen letzten bedeutsamen Satz ignorieren zu können. Nachdem er an der Brotschneidemaschine durch ein tragisches Unglück seine geliebten Arme und wertvollen Beine abgesägt hatte, fand man ihn mit einem Federkiel im Munde, wie er noch versuchte hatte, diesen Brief hundertmal abzuschreiben, um ihn weiterzuschicken. Der Autor wurde auch nur deswegen gefunden, weil die Nachbarin dauerndes Niesen und Kichern aus der Nachbarwohnung vernahm, denn der Federkiel muss dem Autor dauernd in der Nase gekitzelt haben. Nur, der bösen Nachbarin gefiel es nicht, wollte in Frieden leben, ignorierte ebenfalls diesen Brief und hegte die Absicht, ihn wegzuwerfen. Sie verlor dabei ihren Kopf. Eine zufällig ziellos durch die Gegend streifende Polizeistreife fand ein Bild des Entsetzens vor: die ignorante Frau war von der scharfen Brotschneidemaschine aufs übelste attackiert worden und außer dem Kopf fehlte der Frau noch Hirn, welches ihr die Brotmaschine zuvor sauber herausgeschnitten hatte. Die Polizeistreife war aber klug, schenkte dem letzten Satz des Briefes Beachtung und reichte den Brief weise auf dem kleinen Dienstwege an die große Staatsanwaltschaft weiter, welche sich in zehnköpfiger Stärke in der Asservatenkammer, um Brief und Brotschneidemaschine versammelte. Als sie ging, hinterließen die Schar der Staatsanwaltschaftsanwärter dem Verwalter der Asservate den Brief, damit dieser ihn einsortieren sollte. Der Verwalter wie auch jene beiden Unverbesserlichen zuvor scherte sich nicht um den letzten Satz und so fiel ihm folgerichtig die Decke auf den Kopf, welche mutmaßlich wohl von der Brotschneidemaschine angesägt worden war. Durch den Zusammensturz der Asservatenkammer wurde der Brief frei gesetzt und ein Windhauch trieb ihn einer 48-jährigen kinderlosen, unverheirateten Jungfrau (Sternzeichen, nicht Sex!) vor die Füße. Diese Passantin las den Brief, stibitzte aus den Trümmern der Asservatenkammer auch noch schnell die Brotschneidemaschine, schaute die Brotschneidemaschine an und handelte konsequent: sie brachte beides zu der ZDF-Sendung “Bares für Rares” und verkaufte dort den Brief und die Brotschneidemaschine für 3,50 Euro, ging ins nächste Lottogeschäft, kaufte sich ein Rubbellos, rubbelte freudig sich reich und glücklich, hatte mehrfach Sex mit dem Losverkäufer, ging mit dem gewonnenen Bargeld in zwei Lottotüten wohlgelaunt auf ihre Bank, um es dort einzuzahlen. In der auf den Mechaniker wartenden Schlange vor dem defekten Einzahlungsautomaten wurde sie von einem Sat1-Redakteur erkannt. Dieser befand sich zuvor Undercover in der Bieter-Runde von “Bares für Rares” und hatte Brief und Brotmaschine ersteigert. Vom Fleck weg, ohne lange zu fackeln und brevi manu engagierte eben dieser Undercover-Sat1’ler die Frau: für dessen Idee zur neuen Vormittagsgameshow ‘Brotmaschine und Hundepfeife’, eine Show täglich Mittwochs außer Donnerstags. Sie heirateten, kriegten elf Brotmaschinen, kopierten Briefe und warfen glücklich bis an ihr Lebensende diesen Brief samt Minibrotmaschine in fremde Brieffächer. Und auf diese Weise erhöhten sie die Wertschätzung brotloser Kunst der Fernsehschaffenden. Und zwar  immer dann, wenn SAT1 eine Show mit irgendwelchen mutmaßlich bekannten Menschen ins Nachtprogramm aufnahm.

Wenn du nicht willst, dass du einer heimtückischen Brotmaschine zum Opfer fällst und damit im Abendprogramm in der Sendung “Top 10 der dümmsten Todesopfer Deutschlands” Erwähnung findest, oder du nicht willst, dass irgend so ein Brotmaschinenopfer dir einen maschinell kopierten Brief mit Brotmaschine schickt oder eine Briefmaschine aufs geopferte Brot schmiert oder Maschinenbrotschmiermittel mit Briefbrotmaschinenopferschneidewerk vor deiner Haustür abstellt, oder du einfach nur mal wieder Sex haben möchtest, dann schicke diese Zeilen tunlichst an 100 Leuten weiter.

Oder schalte dein bleifreies Hirn ab, verzichte auf DIYS-Sex und schaue gefälligst heute Abend ‘PromiBigBrother’, du Sackgesicht!«

Und ein weiterer Kettenbrief, mahnend aus der Vergangenheit, vergessen in der Gegenwart und wertlos für die Zukunft: https://provinzansichten.com/2007/09/23/immer_diese_kettenbriefe3028770/

Die Hoffnung stirbt zuletzt …

“Ausgeschieden.“

“Wie ‘ausgeschieden’?”

“Halt ausgeschieden.“

“Aber die spielen doch noch mal, oder?”

“Nein.”

“Wenigstens um Platz 3, nicht wahr. Die haben mindestens doch immer um Platz 3 gespielt.”

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Würfelfreies Duschen mit Wasser

Ich wurde von Fremdscham durch Franz-Kevin Brezner (http://www.youtube.com/watch?v=w0GPyN88_dc) zur #NPSWarmduscherChallenge nominiert. Diese Challenge soll der narzisstischen Persönlichkeitsstörung als dem leider vorwiegenden Hintergrund des Phänomens #ALSIceBucketChallenge Aufmerksamkeit zukommen lassen.
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist ein ernstes Thema mit oft sehr belastender Symptomatik für Betroffene und deren Umfeld. Soziale Netzwerke sind als Selbstdarstellungsplattform der ideale Dünger und Katalysator für die Entwicklung bzw. Manifestation des Störungsbildes.
Mehr zur NPS unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Persönlichkeitsstörung#Narzisstische_Pers.C3.B6nlichkeitsst.C3.B6rung

Und jetzt kommt es:
Ich selbst nominiere Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser!!
Es heißt für Sie nun:
Innerhalb von 24h warm duschen oder spenden.
Spenden? Ja! Und zwar Samen für eine neue, wirklich selbstsichere Generation von Menschen, deren Selbstwertgefühl nicht von der ständigen Bestätigung durch andere abhängig ist.

Hier mein Beitrag für die #NPSWarmduscherChallenge:
http://www.youtube.com/watch?v=2R6P4Hmo0es

Ertrage die Clowns (5): Aufmerksamkeit für Aufmerksamkeitsstörungen lenken …

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Zwischen Abendbrot und Filzpantoffel lässt den geneigten 19:00-Nachrichtenkonsumenten eine Schreckensmeldung in seinem zufriedenen wohligen Katastrophenhalbschlaf zusammenzucken:

Immer mehr Kinder in Deutschland sind ADHS-erkrankt, an jene Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen, was auch flapsig mit dem Begriff „Zappelphilipp-Syndrom“ umschrieben wird. Besonders seien Kinder davon betroffen, deren Eltern zu den unteren Einkommensschichten zählen oder arbeitslos sind. Da nickt der Pantoffelheld beifällig dem Nachrichten-Moderator zu und denkt an all die brutalen Überfälle von Kindern auf Erwachsenen in Deutschland …

… oder auch nicht …

Interessant an der Meldung ist der Zeitpunkt.
In der USA wurde eine Woche zuvor im Fachmagazin „JAMA Pediatrics“ berichtet, dass die ADHS-Diagosen in den USA angestiegen waren ( Quelle: http://archpedi.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1558056 ) . Basis dieser Studie war die Untersuchung von 842.830 Personen im Zeitraum von Januar 2001 bis Dezember 2010 auf Basis der „Kaiser Permanente Southern California“ Gesundheitsvorsorgeversicherung. Es wurde ein Anstieg der ADHS-Diagnosezahlen (2001: 2,5%; 2010: 3,1%) festgestellt. Ein weiterer Punkt der Studie war dabei auch die Feststellung, dass besonders auffällig sei, dass die größte Anzahl der ADHS-positiv diagnostizierten Kinder aus wohlhabenden Familien stammen.

Die Zahlen, die heute in den Nachrichten verkündet wurden kamen von der Barmer Kasse und sahen teilweise anders aus ( Quelle: https://www.barmer-gek.de/barmer/web/Portale/Versicherte/Rundum-gutversichert/Infothek/Wissenschaft-Forschung/Reports/Arztreport-2013/Arztreport-2013.html?w-cm=CenterColumn_t302962 ) :
2006 wurde 2,92% ADHS-positive Diagnosen getätigt, 2010 waren es bereits 4,14% (bei insgesamt 750.000 untersuchten Personen). Ebenso wie die Amerikaner stellten auch die deutschen Forscher einen Zusammenhang bei Kindern und deren finanziellen Hintergrund fest: Je ärmer, desto eher ADHS.
Soweit so gut.

Ein Blick in die Barmer-Forschungsdokumentation verrät allerdings auch noch anderes: die Forscher stellten fest, in dem wohlhabenden Bundesland Bayern wurden mehr ADHS-Fälle diagnostiziert als in ADHS-Fälle armen Bundesländern Bremen oder Mecklenburg-Vorpommern. Besonders die Umgebung von Würzburg verzeichnet ein erhöhtes Auftreten von ADHS-Diagnosefällen. Warum das so ist, dass es im Raum Würzburg mehr ADHS-Fälle gibt, dafür fanden die Forscher keine Ursache (jedenfalls kein Elendsviertel Deutschlands sondern eher die Heimat von Gutsituierten wie beispielsweise die Umgebung des Copy&Paste-Freiherrn von und zu Guttenberg). Selbst das wohlhabende München liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Selbst die Bundesländer mit hoher Arbeitslosigkeit gehören gemäß der Barmer-Forschungsdokumentation zu den Bundesländern mit sehr geringen ADHS-positiv Diagnosefälle.

Der signifikante Unterschied zwischen der amerikanischen und der deutschen Studie liegt also nicht in der Altersklasse und der geschlechtsspezifischen Anfälligkeit von ADHS, sondern sie liegt in der Beurteilung, welche Schichten eher ADHS diagnostiziert bekommen:
In der USA sind es nach Angaben der amerikanischen Forscher die obere Mittel- bis Oberschicht, in Deutschland nach Angaben der deutschen Forscher die untere Mittel- bis Unterschicht.

Was wollen uns also die Medien mit der Nachricht über das Ansteigen von ADHS-Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland jetzt erklären?
Dient die Nachricht als Beruhigsmittel und Absolution reicherer Gesellschaftsschichten?
Oder als Generalverdacht der Kindesfehlerziehung finanzschwacher Familien?
Oder erfordert es Handlungsbedarf wie z.B. durch die Verschärfung des Jugendstrafrechts?

Freilich, das sind jetzt alles aus meinem eigenen Daumen gesaugte Zerrbilder, was ich mir denken könnte, was sich die Medien so dabei denken, wenn sie an die deutsche Studie denken. Sehr interessant fand ich bis jetzt allerdings, dass kein Journalist den Gegensatz zur amerikanischen Forscher-Studie (vor einer Woche veröffentlicht) zur deutschen Studie herausgearbeitet hat. Vielleicht würde es die deutsche Studie dadurch unseriöser erscheinen lassen.
Wer weiß.
Drum redet die deutsche Presse jetzt auch nur gemeinsam über die eine Studie. Über die andere auch noch zu reden, dass würde Erklärungen und Nachdenken erfordern. Das wäre eine größe Herausforderung für die deutsche Presse. Aber das passiert nicht. In einem Land, wo maximal Stadien überdacht werden, aber seltenst Positionen …

Oder in Anlehnung von Erich Maria Remarque mal gehässig für den Grundtenor der deutschen Presse gesprochen:
Am Besten nichts Neues.

Danke für das Weglesen dieses meines Blogeintrages.

Herzlichst

Careca

Interview-Goof mit Lance und Oprah: Wassergläser mit Edelstahlstrohhalme

Selten schafft es eine US-Talkshow bis in die deutschen Nachrichten. Oprah Winfrey hat es wieder geschafft. Ihr knapp 100minütiges Interview mit Lance Armstrong fand Erwähnung zur deutschen PrimeTime und in deutschen Zeitungen.

Das Interview wurde inzwischen mehrfach hinsichtlich der Dopingvorwürfe in den Medien durchgescant. Aber auch nur in dieser Hinsicht. In meinen Augen verdient sich der Journalisten Anno Hecker der FAZ mit seiner Analyse des Phänomens Lance Armstrong (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/lance-armstrong-der-unmenschliche-12028487.html) lobende Erwähnung.

Ich möchte hier nicht auf das Offensichtliche des Interviews nochmals eingehen oder die Überschrift wiederholen, dass sich in den Wassergläsern von Lance und Oprah metallene Strohhälme befanden. Ich möchte an dieser Stelle eher mal den Blick auf den Inhalt der Wassergläser lenken.
Wasser. Freilich.
Aber hat wer von den Zuschauern bemerkt, ob diese halb voll oder halb leer waren?
Nun ja, am Anfang waren sie zu 4/5 gefüllt.
Und gegen Ende des Interviews?
Wurden die Gläser leerer?
Ja und Nein.

Denn als Oprah Lance nach 80 Minuten auf dessen Sohn hin ansprach und Lance sich die Worte im Mund mit seiner linken Hand herausknetete, da war sein Glas nur noch zu 1/3 gefüllt.

Knappe 11 Minuten später ging das Gespräch über seine Kinder und an der Stelle wurde das Interview mit einem Teaser für den weiteren Verlauf mit dem Untertitel „Coming Up“ eingeblendet unterbrochen. Werbepause. Und weiter ging es. Das darauffolgende Thema war ein vermuteter Bestechungsversuch in Richtung der amerikanischen Anti-Doping-Oragnisation USADA.

Die Wassergläser der beiden waren so voll wie am Anfang des Interviews …
Okay. Das ist machbar, auch wenn es nicht jeder Beobachter des Interviews bemerkt haben wird. So etwas gehört zum dramaturgischen Ablauf einer Regie einer Sendung. Vom emotionalen Höhepunkt wieder zurück zu den Fakten der Machtspiele von Lance Armstrong gegenüber allen, die ihn irgendwie in seinem Leben bedrohten.

Gab es einen Versuch der Bestechung der USADA durch Lance Armstrong oder seinen Mitarbeitern? Lance Armstrong hat dies in den eineinhalb Minuten auch bei mehrfachem Nachhakens Oprah Winfreys verneint. Auf Oprahs Frage nach den finanziellen Verlusten der nachgewiesenen Dopingstrategie von Armstrong, erklärte dieser, 75 Millionen Dollar habe er schlagartig verloren und schaute dabei imaginär nach rechts oben, als ob er dort die Spitze des verlorenen Geldturmes sähe. Ob er denn an einem Punkt angekommen wäre, wo er nicht mehr wüsste, was er noch tun könne, fragte dann Oprah und die Kameraeinstellung wechselte.

Es wurde wieder die Totale des Ensembles „Lance Armstrong, Tisch mit Gläsern und Oprah Winfrey“ gezeigt. Nur jetzt war das Glas urplötzlich wieder zu knapp 1/3 voll. So wie bei dem Gespräch über Armstrongs Familie. Und das Thema war auch wieder Familie.

Ob es jemanden aufgefallen ist, dass hier geschickt das Interview umgeschnitten wurde, um ein bestimmtes Bild zu erzeugen? Es hat mir ein „Geschmäckle“ hinterlassen, dass nicht erst seit der EM und Jogi Löws Ballwegschubsen beim Balljungen während eines Spiels der EM der Zuschauer schwer zu durchschauenden Bildmanipulationen ausgesetzt wird.

Ansonsten war das Interview schon von der Konstellation des Ensembles „Lance Armstrong, Tisch mit Gläsern und Oprah Winfrey“ für deutsche Talkmaster eine Lehre:
Armstrong hatte zu seiner linken Oprah Winfrey und zu seiner rechten Seite die Frontkamera. Da Armstrong Rechtshänder ist und Rechtshänder beim Imaginieren von konstruierten Bildern und Gesprächen dieses auf der gehirnlichen rechten Seite vollziehen, während das Abrufen von vorhandenen Bildern und Gesprächen auf der linken Seite geschieht, spielte die Sitzposition von Armstrong ein wirksames Gegenmittel zu spontanen Lügenkonstrukten seinerseits. Vielmehr war Lance Armstrongs Ansprechpartnerin Oprah auf seiner linken Seite und somit war er mehr dem Abrufen seiner Erinnerungen (vorher erlebte Bilder und Gespräche) unterworfen, als einer spontanen Flucht vor Fragen der Interviewerin. Das Interview ist ein gutes Beispiel für eine geschickt vorbereite Interviewstrategie.

Allerdings ist Lance Armstrong garantiert nicht ungeübt in Sachen „Interviewsgeben“:
– Seine Körperhaltung war die einer Wagenburgbildung: verschlossen und auf Verteidigung ausgerichtet bei möglichst unbedenklicher Offenheit. Selbstsprechend war hierfür die Szene, wo Lance mit beiden geballten Fäusten zeigte, was er als sein Territorium empfand und wie er es verteidigen würde, bis er es selber bemerkte und die Fäuste schnell öffnete um das Territorium mit offenen Handflächen abzustreichen (Oprah hatte es aber aufmerksam bemerkt und Lance dessen Boxerhaltung gleich imitiert).
– Als für Lance und Oprah eine Videoeinspielung ein anderes Interview aus dem Jahr 2005 gezeigt wurde, in welchem Armstrong seine Unschuld in Sachen Doping beteuerte, da wurde inmitten der Videoeinspielung auf Armstrong umgeschnitten, der eine fast ähnliche Geste vollführte wie in jener Videoeinblendung. Aufschlussreich war das insoweit, da Armstrong beteuerte, dass er den Typen aus dem Jahr 2005 hassen würde …
– Er bereut sein Doping, ja. Aber auch nur weil damals Floyd Landis gestanden hatte und Lance Armstrong belastet hatte. Dass er im September 2012 noch provozierende Fotos über InstaGram-Twitter geschickt hatte, während er kurz davor stand, all seine Titel aberkannt zu bekommen, das lässt schon die Frage zu, inwieweit ein Selbstheilungsprozess nur knapp vier Monate dauert. Seit Jahren hatte er seine Lüge gelebt und jeden, der Gegenteiliges behauptete, mittels des amerikanischen Rechtssystems mundtot gemacht …

Das Interview zwischen Lance Armstrong und Oprah Winfrey war in den letzten Tagen das Gesprächsthema hier in Deutschland. In einem halben Jahr wird es auch wohl niemanden mehr aufregen. Ob Lance Armstrong dann noch außerhalb von Prozessen und Gerichten medientechnisch bemerkt werden wird, dass steht kaum zu erwarten.

Auch das das als authentisch vermarktete Interview einen Goof hat (Wassergläser mit sich magisch ändernder Füllhöhe), interessiert bereits morgen niemanden mehr.

Und erst recht nicht mehr, dass es in der USA Strohhalme aus Metall gibt, das berüht dann keinen großen Geist mehr.

Nebenbei:
zum Nachschauen findet sich das Interview noch auf YouTube hier:

(sollte sich der Link geändert haben, bitte ich um Nachsicht; heute jedenfalls führte er noch zum Interview-Video)

Wild und gefährlich (Teil 30): Der Ausblick auf die Europameisterschaft 2012

8. Juni 2012.
Freitag.
8 1/2 Stunden nach „halb zehn in Deutschlands“. Die Frühstückchen sind verspeist, die gepflegte Bierpulle steht auf dem Nierentisch, die Nase ist schwarz-rot-gold gepudert und die Fernbedienung vor der eigenen Ehefrau in Sicherheit gebracht.
Die EM 2012 beginnt.

Und wie wird sie, die Fussball-Eurpameisterschaft?
Ich tippe mal auf eine langweilige EM. Alle spielen sie betont defensiv (4:5:1), warten auf Konter, die Reporter an den Monitoren referieren über die heimische Hooligan-Szene Polens und der Ukraine.

Und was sonst noch passieren wird?
– Beim Eröffnungsspiel Polen-Griechenland wird der Ball gestohlen. Nein, nicht von Polen, sondern von Griechen. Später finden Ermittler den Ball bei Ebay im Angebot des Accounts der griechischen Regierung.
– Ronaldo demonstriert seinen neusten eingeübten 20-Meter-Freistoss-Trick: er nimmt jetzt vom Anpfiffpunkt Anlauf.
– Spanien reagiert erst kurz nach dem Eröffnungsspiel auf deren Austragungsorte. Sie wollen lieber posen statt Danzig.
– Ribery und Robben schlagen sich im Halbfinale mal wieder (wenn nicht auf dem Platz, dann vorher oder nachher in nem Hotel oder ner Disko).
– Italiens Fußballspieler werden vor dem Spiel kontrolliert, ob auch keine EM-Wettscheine in deren Gepäck sind
– Gruppe C wird mittels Münzwurf entschieden, nachdem alle Spiele 0:0 endeten.
– Die Schiedsrichter kriegen heuer besonders gelbe und rote Karten extra auf Hochglanz poliert.
– Beckenbauer und Dieter Nuhr bilden das Duo-Infernale der Experten mit Expertenwissen aus eigener Expertenerfahrung beim Experten-Bezahlsender Sky und interviewen gemeinsam Greenkeeper aller EURO-Stadien, treffen bei deren bezahlten Interview-Rundreisen in Tschechien aber keine Euro-Greenkeeper-Experten an, worauf SKY sofort das Experten-Fußballspiel der Tiere aus Walt Disneys „Die Tollkühne Hexe in Ihrem fliegendem Bett“ zeigt, um den Experten Beckenbauer und Nuhr mehr Zeit zum Auffinden von Experten zu geben.
– Delling und Scholl kommentieren ihre Bügelwäsche
– Poschmann kommentiert die Kommentare von Delling und Scholl über deren Bügelwäsche.
– Deutschlands Zeitungen nehmen kritisch Stellung zu den Bügelwäsche-Kommentare.
– Gauck verteidigt die Freiheit der Kommentare zu Bügelwäsche und der Bügelwäsche-Kommentare samt deren Kommentatoren.
– Merkel fragt bei Gauck nach, ob sie ihn mit seiner freiheitlichen Bügelwäsche auch entlassen könnte …

Zurück zur EURO 2012.
Der deutschen Mannschaft wird bei der EM eine Kernrolle bei den interessantesten und fernsehtauglichen Spielen zukommen:
– Beim Spiel „Wohnwagen-Schlepper gegen Moffen-Sausen“: Robben wird vier Elfmeter gegen Deutschland schießen, Schweinsteiger drei gegen Holland, und das Spiel endet trotzdem 0:0.
– Loew raucht permanent vor Aufregung im Sichtschatten der Kameras heimlich hinter der Trainerbank
– Jeder Nationalspieler wird beim Reporterinterview seine Antwort mit der DFB-abgesegneten Standardeinleitung „Äh, ja sicher, aber …“ anfangen.
– Lukas Podolski wird sich aufregen, dass seine PS3 nicht im EM-Modus läuft
– Dortmunds Spieler sieht man auf der Tribüne Doppelkopf (mit einem Pilsken dazu) spielen
– Bayerns Spieler spielen Schnick-Schnack-Schnuck, wer den Elfer schießen soll, und Schweinsteiger gewinnt dauernd (… ach ja, schrieb ich oben bereits …)

Alles in Allem:
Aber eines ist schon jetzt sicher. Das Endspiel findet statt.
Auch ohne deutsche Politikerdienstreisenbesuche auf den Haupttribünen.

Nur eine gemeine Frage, warum 110 km nördlich von Kiew, in Prypjat, kaum jemand den Fernseher für die Europameister-Fussballmeisterschaft einschalten wird, diese Frage wird einstweilen niemand beantworten wollen. Schließlich sollen potentielle, reisende Schlachtenbummler ja nicht auf panische Gedanken kommen …

Eine präsentierende Bank, ein "Schuldensumpf" und "Börse im ERSTEN"

„Vielleicht wäre es ja alles nicht so schlimm, wenn es der Börse nur gut gehen würde.“ Es ist die unausgesprochene Frage, ob es denn so wäre, die jedoch niemand zu beantworten wagt. Auch nicht an entscheidener Stelle im Fernsehen. Denn wie soll jemand mit der Faust auf den Tisch hauen, wenn er seine Finger darin mit im Spiel hat.

Das ERSTE hat Börsennachrichten einen festen 2-Minuten-Sendeplatz mit „Boerse im Ersten“ eingeräumt. Die Einbettung innerhalb des Werbeblocks vor der Tageschau ist immer auch das „Große Glaubensbekenntnis“ auf Wall Street und Dax. ARD-Journalisten bringen den Zuschauern näher, warum es uns „so schlecht“ geht. Eben weil es der Börse so schlecht geht. Jedoch explizit sagen, das tun sie dort aber nun doch nicht. Sie vermitteln es uns lediglich.

Heute lies mich ein einleitender Werbe-Spot vor der Sendung aufhorchen:
„Die Börse im ERSTEN wird Ihnen präsentiert von der Hypovereinsbank der UniCredit-Group“ (oder so ähnlich)

Und nahtlos moderiert Boerse-Frontfrau Anja Kohl nach dem Jingle die Sendung an:
„Barcelona. Die pulsierende Hauptstadt Kataloniens …“

Frau Anja Kohl ist ein Sonnenschein. Deswegen ist sie auch gern gesehener Gast der ARD-Talkshows, wenn es darum gehen soll, die Probleme Europas mit ihrer EU-Währung zu erklären. Keine kann das Wort „Schuldensumpf“ so maliziös lächelnd aussprechen wie Frau Anja Kohl. Unsachlichkeiten der Frau Kohl in Talkshows gleicht diese mit einem Lächeln aus, welches Talkshow-Moderatoren fraglos fragwürdig dahin schmelzen lässt.
Auch heute ließ Frau Kohl es nicht aus, zu erklären, warum die EU durch Schulden so bedroht sei. Große Krisen fangen klein an, erklärt sie. Über den spanischen Immobilienboom hin zu platzenden Hauspreisblasen, erklärt sie, dass die Sparkassen nun auf „faulen Krediten“ sitzen und der spanische Staat sich immer weiter verschuldet, um die Banken Spaniens zu stützen.
Und dann zieht sie den Vergleich des Abends: die Mortgage-Krise der USA 2007, als dort ebenfalls eine Immobilienkrise platzte. Bevor aber der Zuschauer darüber zuviel nachsinnen könnte, betont Frau Kohl, wer die Opfer einer solchen Immobilienkrise sind:

„Eine Immobilienkrise schlägt zurück auf die Banken. Und dann auf den Staat.“

Schneller als „Boerse im ERSTEN“ kann auch ein Papst seine priesterliche Vergewaltiger nicht mit einem „Te absolvo“ frei sprechen und danach sofort zu bedauernswerten Opfern umzudengeln.
Sowohl in den USA als auch in Spanien haben die Banken versucht, durch billige Kredite an Hinz und Kunz gute Geschäfte zu machen. Ohne ausreichende Prüfung der Liquidität der Antragsteller, nur mit dem blinden Vertrauen auf stetiges Wachstum der Immobilienwerte und den eigenen reichhaltigen Boni vor den Augen wurden Kredite wie Karnevallskamelle heraus gehauen. Es war dann nur eine Frage der Zeit, bis die „Hauspreisblase“ platzte und ihren Eiter zum Vorschein brachte. Den Eiter, die „faulen Kredite“, will nun keiner mehr haben. Den soll die Allgemeinheit schlucken. Als neue finanzielle Schlank-Macher-Diät.

Während die Gewinnler der „Hauspreisblase“ sich zurücklehnten und nach neuen rentablen Geldanlagen umsehen, mussten sich Banken inzwischen hilfesuchend zu deren Staat vorbeugen, um von diesem mittels Steuereinnahmen abgestützt werden, um nicht vornüber zu fallen und alles zu begraben.

Während also das Volk Spaniens zum Sparen für deren Bankenwelt verdonnert wird, während Spaniens vermögende Sparer und Anleger ihre Gelder von den bedrohten Banken abziehen, in dieser Zeit wird durch bestimmte EU-Länder von Spaniens Regierung das Merkel’sche Credo des Sparens für die Rettung der Bankwirtschaft gefordert.
Auf Kosten der Bevölkerung. Welche durch ihre wachsende Arbeitslosigkeitsquote wiederum dem spanischen Staate entsprechende Steuereinnahmen „entzieht“, weswegen der Staat ja auch verstärkt sparen soll. Untergeordnet dem heiligen Ziele, dass die Finanzwelt nicht zusammenkracht und gegebenenfalls auch noch selber das Heer der Arbeitslosen mehrt.

Und da war sie wieder, die Verbindung von „Börse im ERSTEN“ und der „UniCredit-Gruppe“. Denn die UniCredit-Gruppe ist ebenfalls eine Bank, die nicht zu den Gewinnern der spanischen Bankenkrise gehört und sich bei der Immobilienblase Spaniens verkalkuliert hat. Sollte der spanische Staat nicht sparen, um das dabei Ersparte zur Rettung der spanischen Bankenwelt zu investieren, dann wäre von einem Finanzcrash auch die „UniCredit“-Gruppe betroffen.

Eine Sendung, die von einem Mitverursacher der spanischen Wirtschaftskrise präsentiert wird?
Das hat etwas davon, den Bock zum Gärtner zu machen.
Und besonders bei so einem Geschmäckle wirkt das Lächeln einer Anja Koch noch maliziöser, wenn sie das Wort „Schuldensumpf“ ausspricht. Zur Belohnung wird sie dann sicherlich wohl wieder in einer der diversen Talkshows als Finanzmarkt-Expertin auftreten und erklären, warum Staaten zu sparen haben, damit Banken nicht Not erleiden müssen. Denn wenn es den Banken wieder gut geht, erst dann dürfen wir uns auch wieder gut fühlen. Notfalls müssen wir uns dann nur noch flexibel die Absätze vorne an die Füsse annageln, damit wir zumindest wieder das Gefühl haben, dass es bergauf geht. Aber das wird uns sicherlich auch „Börse im ERSTEN“ per Experten erklären, wie so etwas denn geht.

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Update. Noch eine Anmerkung zu der Sendung:

Es ist erstaunlich, wie „boerse im ERSTEN“ immer wieder Recycling betreibt. Zum Beispiel, dass die oben erwähnte Sendung von 29.5.2012 aus Versatzstücken der Sendung vom 25.5.2012 gebildet wurde (inkl. 15 Sekunden gleichem Filmmaterials, deren Schnittfolge nur in andere Reihefolge gestellt wurde).

Meiner Meinung nach würde sich die Sendung „boerse im ERSTEN“ erheblich besser in einer Pay-TV-Programmstruktur einpassen. Denn „boerse im ERSTEN“ richtet sich an die Anleger unter den Fernsehzuschauern und nicht an die über 30 Millionen Mitbürger, die überhaupt kein Geld zum Verspekulieren haben. Für mich hat diese Sendung die gleichen Hintergründe, wie Sektenmitglieder hinter verschlossenen Türen ihrem goldenen Kalb huldigen und fleissig Geld in den Sektenklingelbeutel abdrücken, um ihr Seelenheil zu gewinnen.

Andererseits passt die Sendung momentan dort hinein, wo sie programmtechnisch steht: in einem Werbeblock. Zur echten Information über Hintergründe der Wirtschaft taugt „boerse im ERSTEN“ genauso wie die damaligen „Qualitäts-Scouts“ der McDonalds Werbereihe aus den Jahren 2008/2009: Über das Finden von dicken Kartoffeln wird zwar bei „boerse im ERSTEN“ referiert, aber über die Hintergründe eines finanziellen Beute-Coups beispielsweise à la mode de Mark Zuckerberg und der Investmentbank „Morgan Stanley“ mittels dem Börsengang von „facebook“ wurde bei „boerse im ERSTEN“ inhaltlich und Hintergrund-erhellend absolut nichts berichtet.

„boerse im ERSTEN“ liegt nun einmal inhaltlich und niveaumäßig auf dem der sie einschließenden Werbung. Präsentiert von einer Bank.

Osterei der Osterwoche: Tatort Urheberrecht – Tatort Doppelfolge

Jeder Sender der »Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland« (auch bekannt unter der Abkürzung »ARD«) hat ihr Recht auf Sonntag-Abend-Unterhaltung. Da ist der bayrische ARD-Sender mit den Multi-Kulti-Herren Batić  und Leitmayr. Oder da gibt es die pragmatische Lena Odenthal und ihr italiensisiert agierender Assistent Mario Koppe. Oder es ermitteln kongenial die Münsteraner Herren, bestehend aus dem konträr laxen Hamburgischen Kommisar Thiel und dem pseudo-preussisch korrekten Boerner. Oder dem Leipziger Duo Saalfeld-Wuttke mit Ex-Ehe-Verhältnis. Oder es ermittelt das Kölner Dreigestirn aus König (Max Ballauf), Bauer (Alfred Schenk) und Jungfrau (Franziska Lüttgenjohann) herum.

Den Ermittlern, bei denen es bislang das meiste Vergnügen beim Zuschauen gibt, sind einwandfrei die des Münsteraner Tatorts: Thiel und Boerner (geniales Zusammenspiel von Axel Prahl und Jan Josef Liefers, seit 2002). Dagegen dümpelt das Kölner Dreigestirn (Bär, Behrendt und Mittelstaedt, seit 1997) und das Leipziger Ermittlungsduo (Thomalla und Wuttke, seit 2008) den eigenen Anfangsfolgen und dessen ersten beachtlichen Tatort-Drehbüchern hinterher.
Leipziger und Kölner Tatort-Teams und die jeweiligen Drehbuch-Schreiber verfolgen deren eigene Philosophie, was die Beschreibung der Täter, Tatorte und deren Auflösungen angeht. In Leipzig stehen den beiden Ermittlern immer wieder deren ehemalige Ehe im Weg, im Kölner Tatort spricht das klassische Dreigestirn (s.o.), welches am Büdchen am Kölner Rhein vor Dom-Panorama ihre Curry-Wurst mit Köln vernichtet, allerdings selten zu dritt, sondern meist nur zu zweit vor dem Dom mit dem ewigen Ermittlerehepaar Ehemann Balauf und Single Schenk. Die Leipziger eher sachbezogen, die Kölner mit Emotionen.

Was beiden gemein ist, sind die schlechten Drehbücher der letzten Zeit. Was lag also für die ARD also näher, als mal beide ordentlich ein gemeinschaftliches Doping zu verordnen:
Ein Double-Feature zu Ostern.
Ostern hat zwei Feiertage und für den gerontologisch veranlagten Sender ARD heißt das zwei wichtige Sendeplätze nach der Tagesschau. Da momentan wohl Schreibflaute bei den Hera-Lind-Herz-Schmerz-Adepten der ARD herrscht, muss wohl irgendwer im Supermarkt ein Ü-Ei freigelegt haben. Eingedenk einer Rocky-Horror-Picture-Show-Wiederholung im privaten Freundeskreis vorm servilen Computer mit Dresscode »Hart bis Smart« hat wohl jemand bei der wöchentlichen ARD-Konferenz »Double-Picture-Show« in die Runde geworfen. Und WDR und MDR waren die ersten die freudig HIER riefen.
Und somit stand fest: Zu Ostern 2012 wird das Tatort-Publikum mit einer Double-Picture-Feature-Tatort-Show gemeuchelt.

Zuvor traten dann noch die Drehbuch-Schreiber mit einem »Offener Brief von 51 Tatort-Autoren« (u.a.a. Der bekannte Felix Huby) am 29. März in Erscheinung und erklärten, dass das Urheberrecht der Tatort der Moderne sei und vergleichbar mit Schwarzfahrern und Steuerhinterziehern sei. Dass damit belegt worden ist, dass Schwarzfahren (40 Euro plus staatsanwaltschaftliche Ermittlungen) und Steuerhinterziehungen (55 Cent Porto und Freispruch-Winkeladvogaten-Argumentation durch eigene Rechtsanwaltschaft a la Zumwinkel) gleich zu setzen sein könnten, entging wohl den meisten 08-15-Lesern. Denn die 51 Aufrechten der ARD-Drehbuchschreiber haben wohl auch Recht.
Denn wer schwarz fährt, hinterzieht eindeutig Mehrwertsteuer. Das ist brutal und moralisch nicht vertretbar. Unglaublich ist es, dass hierauf noch nicht die »Rübe-ab«-Strafe besteht. In Münchens Nahverkehrsmittel mit normalen Ticket zu 2,50 Euro für eine einfache, limitierte Innenstadtfahrt besteht die Steuerhinterziehung beispielsweise auf unglaubliche 47 Cent. Wenn das jeder Münchener (von Harz-4’ler bis Stadtviertelbesitzer in Luxuslimousine mit Chauffeur) einmal am Tage machen würde, dem Staate würde somit unglaubliche 47 Tausend Europro Tag entgehen! Das sind doch umgerechnet 17 Millionen Euro im Jahr! Solch potentiell mögliche Steuerhinterziehung sollte uns einwandfrei zu denken geben. Was sind da einzelne Steuerhinterzieher wert, die dann in Kitzbühel oder in der Schweiz oder Monaco leben?
Eben! NÜSCHT!

Und wenn dann 51 Tatort-Autoren klagen, auf ganz Deutschland umgerechnet … 81 Millionen … das wären 1,4 Milliarden Euro (damit wäre unsere so arg notleidende Bankerwirtschaft wieder wettbewerbsfähig!) …

Also gut.
Irgendwelche der 51 Tatort-Autoren hatten sich also an diesem Ostern geklumpt und dem Kölner Dreigestirn und dem Leipziger-Allerlei ein Double-Feature verpasst. Die Leipziger mit den Kölnern am Oster-Sonntag, die Kölner mit den Leipzigern am Ostermontag.

Ich – in meiner jugendlichen Unschuld – dachte mir »Menno, das wird ein Fest!«, ich gedachte mir also beide heute dank ARD-Mediathek direkt hintereinander anzuschauen.

Ich tat es und muss sagen, manche Dialogfetzen waren richtig gut:

„Schon mal mit Abnehmen versucht?“ „Schon mal von Hartz 4 gelebt?“ aus dem Leipziger Tatort;
„Neue Wohnung, neuer 1 Euro Job.“ aus dem Kölner Tatort

.
Und es gab auch die Verbindungsglieder zwischen den beiden Tatorten

„Seit diesen amerikanischen Serien rennen alle Mörder mit scharfen Putzmitteln rum.“ Freddy Schenk im Leipziger Tatort
„Hier stinkt’s nach Putzmittel wie im Klo auf dem Präsidium.“ Freddy Schenk im Kölner Tatort

Auch eingedeutscht waren beide Tatort-Sendungen. Statt »DNA« wurde generell über »DNS« geredet (zur Erklärung: »DNA« bedeutet das gleiche wie »DNS«; das erstere ist lediglich eine englische Abkürzung, das zweitere die deutsche)
Und es wurde gerne dem Lokalkolorit gefolgt. Aber wer weiß schon in Leipzig, dass »Halve Hahn« lediglich ein Käsebrötchen ist. Daher auch die langen Blicke als Kriminalhauptkommissar Keppler Kriminalhauptkommissar Freddy Schenk den Broiler verzehren sah und selber auf sein nüchternes Käsedingens blickte.

Trotz diesen Sachen fiel auf, dass die beiden Tatorte nicht wirklich verzahnt waren. Es war eher ein Wettkampf der Kameraführung und der Drehbuchschreiber. WDR Kölner-Tatort-Philosophie gegen MDR Tatort-Philosophie
WDR gegen MDR?
Das ist freilich Quatsch. Denn im Abspann beider Folgen war folgendes zu lesen:
Buch: Jürgen Werner; Regie: Thomas Jauch; Leitung: Jens Laukner; Musik: Karim Sebastian Elias; Kamera: Clens Messow; Produzenten: Sonja Goslicki, Jan Kruse; Redaktion: Frank Tösmann, Sven Döbler
Namen sind hier erstmal Schall und Rauch. Jedoch für dieses Double-Feature galt:
Alle Beteiligte hinter der Kamera waren identisch für beide Produktionen. Es handelte sich also nur hinsichtlich der Einbindung der Schauspieler um einen Cross-Over-Tatort.
Im direkten Vergleich konnten primär nur die Darsteller gewinnen und verlieren. Gewinner in schauspielerischer Hinsicht war eindeutig Martin Wuttke. Nur das beste Tatort-Paar, war das Kölner Dreigestirn (geschuldet der Leistung von Fr. Thomalla hinsichtlich der für sie zugeschriebenen Rolle). Ansonsten versuchten die Leute hinter der Kamera, die jeweiligen Tatortverhältnisse zu IMITIEREN!
In welchem Verhältnis steht nun also das gesamte Produktionsteam zu dem Brief der 25 oben erwähnten Autoren? In keinem. Denn keiner des Double-Features war an jenem Brief beteiligt.
Erfreulich?
Vielleicht. Aber wenn der Leipziger Tatort sich an einer Konfrontation zweier Ermittlungsteams »Köln« und »Leipzig« versucht, dann aber in den letzten zehn Minuten schnell in WHODUNIT-Fahrwasser abgleitet, um den Tatort-Erfordernissen gerecht zu werden (Mörder gesteht unter bösen Blicken der Ermittler, betont aber, er hätte lediglich nur zu fest den Hals des Opfers gedrückt … nichts neues unter der Krimi-Sonne …), dann ist es die erste Bankrott-Erklärung für ein löbliches Vorhaben. Wenn zudem der Kölner Tatort gezielt auf das abzielt, was gerade bei der WDR-Oberredaktion angesagt ist, dann wird es zuschauervergewaltigend.
Beispielhaft steht hierfür der folgende Dialogfetzen des »Kölner Tatorts«:

„Lassen Sie es, Herr Ballauf, Sie haben nicht die geringste Ahnung wie man sich fühlt, wenn sie eigene Tochter plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist und die Leute einem sagen, man solle zur Tageordnung über gehen.“
[…]
„Was – Herr Gott nochmal – tut Ihnen eigentlich Leid?“

Gekünstelt gekochte Emotionen. Das, wovon der Zuschauer der nachmittäglichen »scripted reality« permanent ertränkt wird. Voraussetzt, sollte der Zuschauer es denn ertragen, und durchblicken, die Phantasie arbeitsloser Drehbuchschreiber aus besseren Pseudo-Gesellschaften mit sterilisiertem und homogenisiertem Redaktionsa-Analphabetenwissen zugeschmissen zu werden.
Es ist das, was momentan beim WDR-Fernsehen so hoch im Kurs steht: Den Zuschauer mit Emotionen zuschütten, aber Wissen zu verweigern. Hauptsache Emotionen, Emotionen, Emotionen (s.a. »Occupy WDR« bei den http://www.nachdenkseiten.de; leider keine Fiktion, sondern komplett nachvollziehbar für Seher und Hörer der WDR-Programme).

Vordergründig bleibt am Ende vom Double-Feature die Frage: Warum umarmen sich diejenigen im Tatort, die sich vorher nie gesehen hatten, während die eigentlichen Retter atemlos daneben stehen? Klar, es ist auch logisch: umarmen tun sich immer nur Frauen im Tatort (hier die Kommissarin, dort das Opfer, welche sich nicht kannten).
Emotionen, Emotionen, Emotionen.
Alles andere würde innerhalb der Tatort-Logik einen neuen Plot heraufbeschwören. So a la Kommissar und Täterin oder so. Diskussionen, Diskussionen, Diskussionen. Und das ist beim WDR wie beim MDR nicht wirklich erwünscht.

Doch zurück zu den 51 Autoren und deren Wunsch nach Schutz:
Gerade die beiden Oster-Folgen sprachen eine andere Sprache. Sie waren NICHT schützenswert im Sinne der 51 Autoren. Vielmehr sollte da jemand (d.h. Die Rechtsabteilung) aufpassen, dass nicht wer meinen könnte, die beiden Folgen wären dramaturgisch abgeschrieben. Insbesondere der »Kölner Tatort« erinnerte vom Verlauf her doch verdammt an den Film »The Cell« mit Jennifer Lopez (vom Verlauf der Rahmenhandlung nicht vom Inhalt!). Nein, ich behaupte nicht, er wäre 1:1 abgekupfert. Aber wer »The Cell« gesehen hatte, der wusste schon am Anfang was am Ende geschehen würde und die Spannung war für die vier Buchstaben (= verlängerter Rücken). Auch der Leipziger Plot war mir nicht unbekannt und wenn ich mich wieder erinnere, wo er zum ersten Male gespielt wurde, werde ich es hier anfügen. Der Plot war keine Neu-Nummer, sondern eher das ganze im Gegentum.

Dass der Kölner Teil »Ihr Kinderlein kommet« hieß, muss wohl der Patschnasse eines aufstrebenden WDR-Comedians entsprungen sein (wahrscheinlich zur Weihnachszeit 2011) und hatte mit dem Plot so viel gemein wie Glühwein im Sommer. Da war der Leipziger Titel »Kinderland« erheblich besser. Beiden Titel ist gemein, dass sie keine rechtlich geschützten Titel sind und somit nicht diametral den Forderungen der 51 entgegen stehen.

Trotzdem, dieses Double-Feature war alles in allem kein Ruhmesblatt und wirft Fragen auf, was die 51 Autoren zu dem Double-Feature gedacht haben. Vielleicht kamen denen ein wenig Dolchstoß-Gedanken. Vielleicht haben aber auch einige der 51 Autoren erschrocken gezuckt, als sie feststellten, was sie selber bereits geschrieben hatten. Aber da war es vielleicht eher der zuckende Gedanke des vollzogenene Ideen-Recyclings statt des eigentlichen Urheberschutzgedankens …

Der springende Gedanke: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich gelassen?

Inspiriert durch „Der liebe Gott ist an allem schuld“ von Trithemius und den FOCUS-Online-Artikel „Samuel Koch sucht eine Studenten-Bude…“ (15.1.2012), auf den sich Trithemius bezog:

»Na endlich. Ich bin jetzt schon mehrfach bei Ihnen vorstellig geworden. Es wird jetzt wohl Zeit, dass ich mal dran bin.«

Der alte Mann mit dem weißen Bart und dem weißen Gewand schaute von seinem dicken Buch auf. Er tunkte seine Feder in ein kunstvoll verziertes Tintenfass und schaute sich leicht brummend den jungen Mann an, blickte in sein Buch und machte mit schwungvoller Handbewegung eine Notiz auf der aufgeschlagenen Buchseite.

»Name?«

»Koch. Samuel Koch.«

»In welcher Angelegenheit möchten Sie vorsprechen?«

»Vorsprechen? Bin ich hier nicht richtig bei Ihnen?«

»Welche Angelegenheit?«

»Unfall. Sind Sie nicht Gott?«

»Nein, ich bin nur sein Sekretär. Der zu seiner rechten.«

»Zu seiner rechten?«

»Ja, das ist die arbeitsreichste Seite. Alle kommen immer wieder von rechts. Irgendwer muss wohl mal gesagt haben, dass die rechte Seite Gottes die bessere Seite sein soll.«

»Stimmt das etwa nicht? Hat das nicht Jesus gesagt?«

»Stimmt. Genau. Der war’s. Der wollte doch nur seine Seite entlasten, damit er nicht soviel Arbeit hat. Welcher Zufall bringt Sie her, Herr Koch?«

»Zufall? Ich glaube nicht, dass es Zufälle gibt. Aber ich bin da noch im Gespräch mit Gott, weil ich glaube, dass das eigentlich ein Missverständnis war.«

»Was für ein Missverständnis?«, fragte der Sekretär mit gleichmütiger, müder Stimme.

»Ich bin mit eisernen Stelzen über Autos gesprungen, in der Fernseh-Sendung ‚Wetten, dass…‘.«

»Der Samuel!«

Eine vergnügte Frau in einem blütenweißem Gewand und Butterblümchen in der Hand kam heran geschwebt. Ihr jugendliches Gesicht strahlte in einer goldenen Weichheit, eben wie zu jenen Stunden eines junge Morgens, welche von Fotografen auch immer gerne als »Goldene Stunden« beschrieben werden.

»Der Samuel! Wie geht es Dir?«

»Wir kennen uns?« Samuel schaute ein wenig verwirrt.

»Na klar kennen wir uns. Du hast doch immer zu mir gebetet.«

»Ich? Zu Dir?«

»Erkennst du mich nicht? Ich bin Gott.«

Die Frau schwebte fröhlich an dem verdutzten Samuel vorbei auf ihren brummigen Sekretär zu.

»Petrus, den nehmen wir nicht auf. Das war mein Fehler. Eigentlich sollte er tot sein, als er mit seinen Stelzen an dem Auto hängen blieb. Ein Missverständnis von mir. Dieser hübsche Junge und der Gottschalk mit seinen gelösten Haaren! Einfach bezaubernd! Ich war abgelenkt. Nobody is perfect. Dein Glück, Samuel. Aber, Samuel, du machst das schon. Nur nicht aufgeben.«

Sagte es, klopfte Samuel aufmunternd auf dessen Schultern, nahm sich ein wenig Manna vom Tisch ihres Sekretärs, knabberte vergnügt dran und schwebte weiter.

Der Sekretär schaute ihr schulterzuckend nach, blickte dann den Samuel wieder an:

»Gut, das war dein Gespräch mit Gott. Du kannst wieder zurück, Musik, Theater und Medien studieren. Ohne Stelzen zum Springen. Hier ist noch ein Gutschein für ein dpa-Interview. Alles Gute. Samuel, du machst das schon.«

Er überreichte dem Samuel ein Papier, schaute rechts an Samuel vorbei und rief:

»Der nächste, bitte.«

Samuel wachte auf. Ein Nickerchen. Während des Gottesdienstes. Neben ihm hockte der dpa-Journalist mit seinem Notizblock und flüsterte:

»Nur noch eine kleine Frage: Können Sie noch was dazu sagen, wie Sie das bislang alles überstanden haben?«

 

Ketzerische Gedanken zum frühen Morgen

Da kommt ein Deutscher heim nach Deutschland. Und der Staat lässt 16.000 Polizisten für diesen aufbieten. Sperrt Straßen und lobhuldigt ihm. Lässt ihn im Berliner Olympiastadion auftreten. Genau dort, wo ein anderer Deutscher als miserabler Comedian „Mario Bart“ mit seiner Anhängerschaft ins „GUINNESS WORLD RECORDS BUCH“ gelangte, wo der Fußballverein Herta BSC ruhmlos aus der Bundesliga abstieg, wo 2006 das miserabelste Fußball-WM-Endspiel aller mir denkbaren Zeiten stattfand (Stichwort Mazeratti-Zidane). Genau in jener Historie wird dieser Deutsche mit seinem Besuch eingeordnet.

Wenn ich dagegen Heim komme, stehen da auch immer mehrere Polizisten herum. Die schauen mich immer so seltsam an. Und manchmal winken die mich aus meinen Weg heraus, mit der lauernden Frage „Wo kommen Sie denn her?“ oder „Haben Sie etwas zu verzollen?“ oder „Können Sie mal in ihren Koffer öffnen?“ Und Politiker stehen dann auch nicht am Flughafen, um mir die Hand zu schütteln. Nicht mal ein Schwarzberockter.
Was ich aber auch nicht im geringsten bedauere. Ganz im Gegentum.

In Funk und Fernsehen fällt jetzt immer wieder mal der Begriff „der das Amt des Papstes bekleidet“. Der Begriff wird mit viel Ehrfurcht ausgesprochen. Fast servil.
Ein Amt bekleiden?
Ist den Leuten eigentlich klar, wie hohl ein Mensch sein muss, damit so einer ein Amt bekleiden kann? „Bekleiden“ heißt auch immer, etwas um etwas anderes herum zu wickeln. Einen Rock, eine Tunika oder einen Verband. Oder einen Menschen.
Nun, ich will ja jetzt nichts gesagt haben, was Moderatoren ohne Nachzudenken ketzerisches in ihrer „Altersweisheit“ so ablassen …
Scheiterhaufen sind auch in der Neuzeit nicht wirklich verpönt.

Die Amerikaner haben rechtzeitig zum Papstbesuch in Deutschland noch schnell jemanden mit der „Giftspritze“ hingerichtet.
Koinzidenz? Sicherlich.
Christlich? Sicher.

Na gut.
Dann bereite ich mich mal auf meine Japanreise vor. Kollegen fragten mich schon halb ironisch, halb besorgt, ob ich Jodtabletten mit ins Gepäck rein nehme. Gelacht hatte ich, denn zu Tschernobyl-Zeiten im Jahre 1986 hielt ich hier in München erheblich höhere Strahlendosen aus. Das bisschen, was da in Japan strahlt, beunruhigt mich nicht die Bohne.
Mein Begleiter meiner Reise hat sich auch gleich mal ein Dosimeter geben lassen. Meinen Einwand, dort, wo wir drei Tage sein werden, habe es ca. 60 Nano-Sivert und in München dagegen 95 Nano-Sivert. Ganz zu schweigen von der radioaktiven Belastung, die jeder Passagier bei einem Interkontinentalflug generell abkriegt.
„Sicher ist sicher“, meinte mein Begleiter nur.
Und, dass er einen Geigerzähler nicht erhalten hätte.

Wenn ich wieder komme, ist die Wahrscheinlichkeit generell höher, dass ich eher mit Geigerzähler empfangen werde, als dass eine Delegation mir die Hände als Heimkehrer schütteln werden wird.

C’est la vie.

Nebenbei: Morgen ist der Sommer kalendarisch vorbei und dann sind es noch 100 Tage bis Silvester …

Georg Schramm im TV: Meister Yodas Ende – Über die Zweckentfremdung der Demenz

Für alle Fans des genialen Georg Schramm und seinen Kunstfiguren im Kabarett

Georg Schramms neustes Programm „Meister Yodas Ende – Über die Zweckentfremdung der Demenz“ wird demnächst im Fernsehen ausgestrahlt.

Es beginnt im Fernsehkanal „ZDFkultur“.
13. September: 20:15 – 21:45 / 14. September: 02:55 – 04:25 / 14. September: 09:15 – 10:45

Weiter geht es in „3SAT“
25. September: 22:30 – 23:15

Und zu guter Letzt werden alle nochmals bedient, die es bis dahin immer noch nicht geschafft hatten sich das grandiose und zugleich feinsinnig gestrickte Programm von Georg Schramm anzuschauen:
01. Oktober: als Bestandteil der „Lange Nacht der Kleinkunst“ im „ZDF“ von 00:50 bis 04:40

In der letzt genannten Sendung treten dann auch noch Volker Pispers & Gäste und auch noch Hagen Rether mit einem 2011-Update zu seinem Programm „Liebe“ (hoffentlich ohne permanent erhobenen moralischen Zeigefinger, wie letztens bei Hagen Rether leider oft fest zu stellen)

Tipp für alle, die sich das ganze digital aufnehmen möchten, aber keinen Rekorder zu Hause stehen haben:
„Bong.TV“ bietet einen kostenlosen, einwöchigen Account, über den sich Fernsehprogramme (sogar in HD!) aufzeichnen und nachher herunter laden lassen. Einfach rechtzeitig dort anmelden, aufzeichnen und später anschauen. Bong.TV bietet zwar „ZDFkultur“ nicht an, aber „3SAT“ und „ZDF“ sind dort zur Aufnahme programmierbar. Internetadresse ist bong.tv (einfach als url eingeben).

Der Kommentar zum Donnerstag: Gibt es wichtigeres in Deutschland?

Es funktioniert. Ja, langsam aber sicher funktioniert es.
Die Übersättigung bricht sich ihre Bahn.
Nachdem der Mann per Copy&Paste sich seinen Doktor zusammengebastelte hatte und inzwischen mit dem Verlust seines Doktortitels bezahlte, höre in meiner Umgebung höre ich in meiner Umgebung immer öfters die Phrase, ob es denn nichts Wichtigeres gäbe als jenes leidige Thema „zu Guttenberg“.

Nun, was lernen wir daraus, wenn der Herr Ex-Dr. weiterhin im Kabinett beschäftigt bleibt, während andere für Frikadellen, Gebäck oder Pfandbons gekündigt werden, weil bei jenen die vertragliche Vertrauensbasis vom Arbeitnehmer mutwillig zerstört wurde?

Richtig.
Leistung muss sich wieder lohnen.
Und wer gut entlohnt wird, darf sich auch viel leisten.
Jene werden „Leistungsträger“ genannt, samt derer Fehler und Reue.
Die anderen werden entlassen.
Die Definition von „Leistungsträger“ hat bereits Thilo Sarrazin in seinem Buch niedergeschrieben: Als er bei der Bundesbank arbeitete und gutes Geld als Leistungsträger erhielt, hatte er seine Arbeit bis Dienstag Mittag erledigt gehabt und dann an sein Buch geschrieben.
Ich faule Sau, ich benötige für meine Arbeit 40 Stunden die Woche. Deshalb bin ich auch kein „Leistungsträger“. Ich arbeite zu lange.

Gestern sah ich die „Fragestunde“ und „Aktuelle Stunde“ im Bundestag auf dem Sender „Phoenix“:
Zu Guttenberg verhielt sich Demut simulierend aalglatt. Es steht berechtigterweise zu vermuten, dass alle seine Reue-Erklärungen und Selbstanschuldigungen Guttenberg als eine geritzte aber ehrliche Haut erscheinen lassen. Auch die BILD-Zeitung berichtet vollmundig, dass zu Guttenberg mit 87% Zustimmung der BILD-Leser seinen Job erledige.

Zu Guttenberg beendet somit seinen Gang durch eine Art Fegefeuer, welches er selber mit angefeuert hatte. Recht heiß sollte es erscheinen. Aber er bleibt weiterhin Verteidigungsminister und wird fleißig weiterhin un unsere Freiheit am Hindukush besuchen, wo diese angeblich mit bewaffneter Gewalt verteidigt wird …

In der „Fragestunde“ und „Aktuelle Stunde“ im Bundestag war das Geschrei auf den Abgeordnetenbänken recht groß. Leider waren die vielen Zwischenbrüller der CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne und Linken nicht zu verstehen. Zu Guttenberg stand dabei wie ein Fels in der Brandung der Aufregung und erklärte immer wieder, wie leid es ihm tue.

Irgendwer meinte heute zu mir – ich hörte diese Meinung zum zweiten Mal binnen 24 Stunden -, dass die Opposition nicht so laut schreien solle. Die hätte doch auch alle Dreck am Stecken.
Und dabei fiel mir die FDP auf.
Stimmt, die FDP muss wohl sauber sein, denn während der ganzen Causa „zu Guttenberg“ hat die nichts dazu gesagt. Die ist genauso sauber wie die Bildungsministerin Schavan, die für Uni-Angelegenheiten ihren Job hat. Brutalst mögliche Aufklärung durch beredendes Schweigen einer Ministerin. Und von den anderen Laberköpfen wissen wir ja, dass die alle Leichen im Keller haben müssen, nicht wahr. Das Nichtauffinden dieser Leichen ist doch Beweis genug. Was bedarf es der Schwarmintelligenz eines Internets um eine Doktorarbeit zu diskreditieren. Die Bösen sind immer die anderen, die schreien. Denn wer schreit hat NICHT Recht. Oder hat wer zu Guttenberg schreien gehört? Na also. Dafür war da aber Reue, Demut und Entschuldigung medial zubereitet zu Hauf.

Gibt es denn nichts wichtigeres in Deutschland?
Klar, gibt es wichtigeres als jene Tugenden wie Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Anstand, welche immer wieder mal als Mangelware bei Deutschen durch die presse geistern.

Nichts wichtigeres? Aber sicher gibt es das:
Zum Beispiel Bankenrettung, Wahlen, HRE, Landtagswahlen, Afganistan, Wahlen, Eurorettung, Landtagswahlen, Leistungsgerechtigkeit, Wahlen, Exportweltmeisterschaft, medienwirksame Charity, öffentlichkeitswirksame Medienpflege und dann wieder Wahlen.
Aber weniger Hartz-IV, Armut, noch viel weniger die seit Jahren stagnierende Binnennachfrage und vor allem ganz und gar nicht die seit 10 Jahren stagnierende Löhne in diesem Lande, weil das kostet doch alles viel zu viel und bringt doch nichts … zudem soll sich der Staat endlich aus allen sozialen Dingen raushalten und es der freien Marktwirtschaft überlassen (wie Rente, Gesundheit, Pflege etc.), damit unsere so sehr verehrten deutschen Maschmeyers das Geld dahin schaufeln können, wohin es garantiert gehört: in private Taschen zum Zocken an deregulierten Börsen.

Mein Gott, jeder ehemaliger Ossi wird sofort aus den öffentlichen Dienst rausgeschmissen, wenn später bekannt wird, dass er gelogen hat und es Stasi-Notizen in Akten von ihn gibt (dazu muss jener noch nicht mal IM gewesen sein!), egal welchen Posten der beim Entdeckungszeitpunkt bekleidet hatte. Der wird dann geschmissen, weil der wegen unwahrhaftigen Angaben bei der Einstellung nicht mehr vertrauenswürdig sein soll.

Aber ein zu Guttenberg, der darf das, weil seine Beziehungen als Alumnus der „Atlantischen Brücke e.V.“ so brutal stark verankert sind, dass wir jetzt alle das Credo „Gibt es nichts wichtigeres im Lande?“ runterbeten sollen. Die Presse macht es uns am Altar der Merkel-Regierung vor und wir sollen es gefälligst kritiklos nachbeten.

Nö danke.
Nicht mit mir.
Diese Einlullungsmethode und Mundtot-Macherei erlaubt doch bestimmten Kreisen genüßlich in Eselsmilch zu baden und die Mehrheit der deutschen Bürger voll zu verarschen …

Denn das Wichtige in diesem Lande wird gar nicht erst angepackt.
Wozu auch?
Geht es den bestimmten Zirkeln etwa schlecht?
Na also.
Und falls es denen schlecht gehen sollte, dann schrauben wir an den da unten rum, bis die noch weniger haben. Warum soll es uns hier besser gehen als den Menschen in den Schwellenländern?

Ergo: Wir sind alle nur arme Würstchen in dem Spiel der Mächtigen.

Im Kommunismus kommt der Senf für die Würstchen, die die Mächtigen verspeisen, aus einem zuvor gemeinsam erarbeiteten Gemeinschaftstopf; in einer nicht-kommunistischen Diktatur wird den Würstchen der Senf heraus gepresst, bevor sie verspeist werden; in einer Demokratie dürfen die Wähler zwischen Löwensenf, mittelscharfen Senf, Dijon-Senf, Weißwurstsenf und so weiter wählen, mit denen die Mächtiger und Politiker ihre Leute nachher verspeisen …

Deutschland ist endgültig in der internationalen Gemeinschaft der Bananenländer angekommen.

Recht haben die da oben allesamt:
Und darum wälze Ich halte lieber mal die Klappe und stelle meine politische Arbeit in diesem Lande ein. Denn es gibt bezahlte, die es besser wissen, können, machen und dürfen.

Ruhe ist des Deutschen erste Bürgerpflicht.
Und Friedhofsruhe ist das Gold im Munde des zu früh aufgestandenen Deutschen.
Und keinesfalls des dabei gefangenen Wurms.

Amen.

Fernsehtipp: Film mit Wolfgang Neuss

Am Sonntag, den 6. März von 23:45-01:30 Uhr wird im Bayrischen Fernsehen die bissige Satire „Wir Wunderkinder“ gezeigt. Der 1958 veröffentlichte Film erzählt in Episoden die Zeit vom Wilhelminischen Zeitalter bis in die Adenauer-Ära der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Der legendäre Kabarettist Wolfgang Neuss verbindet zusammen mit seinem kongenialen Partner Wolfgang Müller als Erzähler die einzelnen Filmepisoden in galligen Moritaten. „Wir Wunderkinder“ wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem „Bundesfilmpreis“, dem „Filmband in Silber“ des „Deutschen Filmpreises“ und in den USA mit dem „Golden Globe“ als „Bester ausländischer Film“.

Quelle via TV-Browser
Der Films erhielt von Zuschauern die folgenden Bewertungen
– bei IMDb: 7,3 von 10.
– bei OFDb: 7,74 von 10.
– von mir: wirklich sehenswert.

Und dann bei dieser Gelegenheit noch gleich der nächste Hinweis:
Am nächsten Tag wird der Film „Herr Ober!“ von Gerhard Polt gezeigt: Montag, 21:15-22:50 Uhr im Bayrisches Fernsehen. Er ist zwar nicht soooo toll und gut wie der Film „Wir Wunderkinder“, aber doch recht anschauenswert und echt amüsant.

Anm.: Die oben angeführten Links öffnen neue Fenster, welche auf die entsprechenden Seiten von IMDb und von OFDb führen.

Wenn das Fernsehvolk Kunst- und Handgriffe erfährt

Die Raute der Macht

Die Hände sind zu einer Raute geformt, die Daumen stützen die Unterarme gegeneinander ab, die aneinander gelegten Finger deuten verhalten auf den Betrachter. Auch wenn sie leicht nach unten gerichtet sind, so sprechen sie den Betrachter offensiv an. Diese Geste ist inzwischen schon all bekannt, von der Kanzlerin Merkel eingeführt (s.a. hier und hier), nach ihren eigenen Worten, um nicht gebuckelt herumzustehen. Das obige Bild sind die Hände vom Bundespräsident Wulff. Zum ersten Mal hielt ein Bundespräsident seine Weihnachtsansprache stehend und umgeben von Menschen. Die WELT schrieb bereits applaudierend, dass Wulff damit bei der Bevölkerung gewonnen habe und seine Sympathie gesteigert hätte.

Weihnachtsansprache Screenshot #1

Ein Bild fast wie bei einer privaten Traueransprache: Der Pfarrer spricht zu der Gemeinde, die wortlos dabei steht. Fast. Denn vor den Füßen von Wulff hocken Kinder, die andächtig seinen Worten lauschen. Das Ganze hat etwas von den Votivbildern, die es vor dreißig Jahren zu Kommunion, Firmung oder Konfirmation gab: Jesus hält Ansprache vor seinen Zuhörern und die Kinder durften zu ihm kommen, während die Erwachsenen andächtig lauschten.
Ja, die Rede hatte ich mir angeschaut. So etwas kann bei mir keine Weihnachtsfeststimmung versauen, das haben bislang immer schon die vier Wochen zuvor geschafft (wie dieses Mal). Aber ich musste mir die Rede nicht nur einmal anschauen. Nicht wegen dem Gerede vom Wulff, sondern weil ich ein Déjà-vu-Erlebnis hatte. Als die laufenden Bilder noch nicht digital korrigiert wurden und Leia Organa in Star Wars von 1979 noch jene bescheuerte Schneckenfrisur hatte, da war es ein Sport festzustellen, welche Unstimmigkeiten es in den Filmen gab. „Goofs“ werden diese Fehler in den Filmen genannt. Mikrofongalgen im Bild (z.B. „Willkommen, Mister Chance“) oder schneller Schuhwechsel von einer Szene zur nächsten („Romancing the Stone“). Ein „Goof“ wird erst dann zu einem richtig guten „Goof“, je perfekter der Film ist. Auch zu den Festtagen liefen wieder diverse Meisterwerke im Fernsehen. Wenn Henry Fonda Charles Bronson im Zug gefesselt zurück lässt und sich dann mit seiner Gangsterbande buchstäblich aus dem Staube macht, dann erscheinen nach 85 Minuten „Spiel mir das Lied vom Tode“ bei der Kamerafahrt in den Hintergrund im Vordergrund die Reifenspuren des Kamerawagens.

Screenshot Once upon a time in the west

Auf dem Fernseher wirkt das nicht mehr so wie damals noch im Kino auf der Riesenleinwand, wo ich tief im Sessel gedrückt diesen genialen Höhepunkt des „Western“-Genres sah. Nun, auch bei der Weihnachtsansprache vom Bundespräsidenten Wulff finden sich „Goofs“. Der Regisseur der Rede hatte versucht, einen Querschnitt durch die deutsche Bevölkerung herzu stellen. Fast – aber auch nur fast – hatte ich den Eindruck aus jedem Sektor des deutschen Lebens hätten die Verantwortlichen ein Paar ausgewählt. So wie damals Noah auf der Arche. Fast so. Denn in Wahrheit waren es entweder drei oder eine Person einer Bevölkerungsgruppe. Fast ein jeder Bevölkerungsgruppe. Denn Gangsta-Rapper und Strauchdiebe fanden sich ebenso wenig wie Banker und Priester. Böse Stimmen könnten zwar behaupten, der Vertreter der letzteren Gruppe der beiden von mir Genannten wäre der Wulff sowieso und die letztere Gruppe versuchte er durch seine salbungsvollen Rede zu repräsentieren. Andererseits wurden diverse Bevölkerungsgruppen geschickt in Stereotypen verpackt um den Bundespräsidenten herum drapiert. So fanden sich in weißer Burka gesteckte Frauen wieder, welche sowohl das Christentum in seiner Asexualität wie die des Islams präsentierten. Soldaten als Repräsentanten der waffengläubigen Gewalt. Multikulti – was doch bereits Frau Merkel als für gescheitert erklärt hatte – repräsentiert durch entsprechende Alibi-Menschen. Und gerade diese Weihnachtsansprachen-Multikulti-Präsentation ließ mir die Goofs ins Auge springen. Schaut einfach mal die nächsten Bilder an:
Weihnachtsansprache Screenie #3 Weihnachtsansprache Screenie #2

 

 

 

 

Weihnachtsansprache Screenie #5

 

Weihnachtsansprache Screenie #4

 

 

 

 

Während der Rede herrschte also ein reger Positionswechsel und keiner hat es im Bild gesehen. Das ist doch mal ein Applaus an den Regisseur vom Wulff fällig, nicht wahr? Ehre, wem Ehre gebührt.
Weihnachtsansprache Screenie #6

Und dann war noch der fromme Wunsch eines 7-jährigen Mädchens: „Mer Zeit mit den Eltern“. Dem Kinde kann geholfen werden. Nicht nur bei der Rechtschreibung, auf welche der Regisseur und der Wulff garantiert geachtet hatten.
Bei momentan de facto mehr als 7,5 Millionen Arbeitslosen, da sollte es doch möglich sein, den Eltern des Kindes ebenfalls ein Platz im Heer der Arbeitslosen zu vermitteln. Und dann können die Eltern in deren Arbeitslosenzeit, dem Kind beibringen, dass ein „Mer“ nicht immer mehr ist, sondern das ein „weniger“ von allem unser aller Zukunft ist, was Hilfe durch den Staat angeht. Das glaubte ich zumindest vom Gesicht unseres Bundespräsidenten ablesen zu können. Oder ich habe es zumindest hinein projiziert. Oder sollte Wulff sich im nächsten Jahr an die Spitze der Gewerkschaften setzen wollen und die 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich zur Ankurbelung der Binnennachfrage und der Wirtschaft fordern?
Aber sicherlich wird es nur so sein wie immer: Die Kinder werden gerne in den Mittelpunkt der Gesellschaft hinein gesetzt, um dann über ihre Köpfe hinweg zu reden. Und die Kinder langweilen sich, schneiden Weihnachtssterne aus und schreiben ihr „Mer Zeit“ drauf. So wie bei dieser Weihnachtsansprache.
Oder lernen von der Straße. So wie im wahren Leben. Und dürfen dafür auch an der nächsten Weihnachtsansprache in der Mitte stimmlos auf dem Boden hocken. Oder auch nicht. Dafür sorgen die Hände der Macht. Und das nicht nur die vom Wulff.

 

Die Raute der Macht

Kunst- und Handgriffe werden durch Hände geführt. Durch eine „Be hand lung“. „Eine Hand voll“. Die entsprechende lateinische Übersetzung dazu heißt „manipulus“. Im Deutschen entstand daraus das Wort „Manipulation“. Uns behandeln derzeit die „Hände der Macht“ auf allen Ebenen. Nicht nur im Fernsehen …

Quellennachweis: Bei allen Bildern handelt es sich ausschließlich um Screenshots aus den entsprechenden Video-Materialien.

Wie erkennt man einen Terroristen?

Was man schon immer wissen wollte, aber nie zu fragen wagte.
Politiker wissen jetzt schon ganz genau, wie man Terroristen erkennen kann:

http://www.youtube.com/watch?v=mSaNMDLrd04 :

Also, Leute, im Winter nur in Badehose ungebräunt sich einem Bahnhof nähern, denn dann ist man unverdächtig …

Die erste Million … und was danach noch kommt

Nee, was ist das wieder schön.
Das Stellensicherungsprogramm für Hebammen (weiblich) und Geburtshelfer (männlich) wurde wieder eröffnet. Was dem Rheinländer zur (biologisch beiläufigen) Vermehrung der Karneval ist, dass ist dem Bayern das Oktoberfest. Der Bayer lästert zwar gen Rheinland, dass der Bayer sich nicht Verkleiden müsse, um Sex zu haben. Nur schaut man sich die Bayern in deren Trachtengefummel an, dann bin ich mir dessen nicht wirklich sicher. Wahrscheinlich müssten die Bayern ohne Oktoberfest paar Österreicherinnen importieren, um als kulturelle Eigenart Deutschlands zu überleben.

Die erste Millionen Besucher soll auf dem Oktoberfest 2010 gewesen sein, schreiben heute bereits die Medien. Eine Million? Also 500 Tausend jeweils an den ersten beiden Tagen.
Eine Million? Das war die Zahl der Besucher der „Love Parade 2010“ in Duisburg. Anfangs sollten dort auch über 1 Millionen Besucher gewesen sein. Als die Katastrophe dann aber seinen Lauf genommen hatte, gestanden Veranstalter und Stadt Duisburg kleinlaut ein, es wären nur 300 Tausend und weniger Besucher gewesen. Die „1 Million“ sei nur eine Marketing-Zahl gewesen. Und genau so funktioniert das ganze Zeitung-Gejubel auf die „eine Millionen Besucher“ vom Oktoberfest.

Marketing, reines Marketing.

Gerne schreiben die Medien dann mitten in der Woche, dass die Zelte bereits am Nachmittag wegen den vielen Besuchern geschlossen werden müssten. Besucher, die allerdings an solchen Nachmittagen auf dem Oktoberfest waren, konnten mir dann aber das nicht wirklich bezeugen.

Über 6 Millionen Besucher sind für die 17 Tage Oktoberfest zum 200. Jubiläum prognostiziert worden, rein rechnerisch circa 350 Tausend Besucher pro Tag. Es soll eine „Rekord-Wiesn“ werden, ist der überall verstreute Optimismus. Das folgt einer jährlichen Tradition. Die Mär von „1 Millionen Besucher“ binnen zwei Tage klingt dem potentielle Besuchswilligen wie eine Verlockung, etwas verpassen zu können. Perfektes Marketing eben.

Selbst die ersten Fernsehbilder vom Fassanstich („O’zapft is“) folgten dieser Vorgabe. Die Kameras verfolgen, wie der Oberbürgermeister Ude dem Ministerpräsidenten Seehofer und dessen Frau die erste gezapfte Maß überreicht. Mit der Maß in den Händen wandten sich beide, der Seehofer und der Ude, samt Ehefrauen von links nach rechts immer wieder den Fotografen zu. Tapfer lächelten sie und unermüdlich prosteten sich dabei immer wieder für die Fotogallerie zu. Dazu kommentierte der Fernseh-Moderator, dass der Seehofer und der Ude als die Allerersten die Wiesn-Maß genießen würden. Nur die Fernsehbilder dokumentierten das Gegenteil. Die kamen gar nicht erst dazu, überhaupt einen Schluck zu nehmen, geschweige denn zu genießen.

Dafür war aber schon eindeutig im Hintergrund zu erkennen, wie die ersten Besucher fleißig ihre Maß kübelten, während Seehofer und Ude weiterhin für die Fotografen um die Wette lächelten und noch immer sich zuprosteten. Und hätte die Kamera nicht von schräg oben gefilmt, es wäre auch nicht entdeckbar gewesen, wie schlecht dem CSU-Seehofer vom SPD-Ude die Maß eingeschenkt worden war. Aber das muss nun wirklich niemanden von den Besuchern abschrecken. Schlecht eingeschenkte Bierkrüge gehören zu jedem Oktoberfest wie das „O’zapft is“ vom Oberbürgermeister und die erste „1 Million Besucher am ersten Wiesn-Wochenende“.

Beides ist genau so sicher, wie die Vollbeschäftigung der Hebammen und Geburtshelfer im Mai/Juni nächsten Jahres, wenn dann die Babys ihr persönliches „O’zapft is“ feiern.
Prost.