Die Hoffnung stirbt zuletzt …

“Ausgeschieden.“

“Wie ‘ausgeschieden’?”

“Halt ausgeschieden.“

“Aber die spielen doch noch mal, oder?”

“Nein.”

“Wenigstens um Platz 3, nicht wahr. Die haben mindestens doch immer um Platz 3 gespielt.”

“Nein.”

“Aber doch wenigstens um Platz 4, oder?”

“Nei-hein. Weil aus-ge-schie-den.””

“Warum denn nicht? Ich hab vorhin in der Drogerie noch Schminke in Nationalfarben und diese Plastik-Applaus-Händchen gekauft. Waren im Angebot. Spottbillig.”

“Rausgeschmissenes Geld. Die spielen nicht mehr. Ende. Aus. Vorbei. Aus, aus, aus, das Spiel ist aus.”

“Gar nicht mehr? Auch nicht am Sonntag Abend? Ich hab da doch am Dienstag eine WM-Grill-Party bei mir in der Garage organisiert.”

“Kannste absagen. Da spielt nur noch Schweden gegen die Schweiz.”

“Also dann am Montag?”

“NA-HEIIIIIN! Menno! Die sind aus-ge-schie-den, du Elch! Welchen Teil vom Wort ‘ausgeschieden’ verstehste eigentlich nicht? Die spielen weder um Platz eins, noch um Platz zwei oder Platz drei bis achtkommasieben. Auch nicht um ne saure Ananas oder sonst was! Die sind ra-haus! Aber sowas von komplett raus. Ende WM! Kapische?”

“Warum sagt mir denn das niemand? Und ich kauf extra schwarz-rot-goldene Luftschlangen, bunte WM-Girlanden, Imitationen vom WM-Pokal, Kroos- und Neuer-Standfiguren und ein tolles Tischfeuerwerk, alles total reduziert. Und jetzt soll das alles nichts mehr etwas wert sein?”

“Sachma, schaust du kein Fernsehen, liest du keine Zeitungen, du Voll-Horst?”

“Iwo, ich hab doch keine Zeit, muss doch Würstchen, Salzgebäck, Erdnüsschen und Bier einkaufen, die Garage vorbereiten, die Spinnen dort rausschmeissen und den Grill-Abend organisieren. Und dann noch fern sehen und Zeitung lesen? Wann soll ich das denn noch machen? Für solchen Schmarrn hab ich keine Zeit. Ist doch eh alles erstunken und erlogen, Fake-News, was die da bringen!”

“Mensch, geh’ sterben! Soviel Zeit wirste dafür wohl noch aufbringen können, oder?”

“Vielleicht nach der WM. Muss ich gucken, ich kann nicht alles gleichzeitig planen. Erstmal WM. Aber, wenn die ausgeschieden sein sollen, die spielen dann doch noch in der Trostrunde, oder?”

“…”

Haarige Angelegenheit

“Der Rudi is a Saukerl! Der Rudi is a Saukerl!”

“Wieso? Was hat er denn gemacht?”

“Er hat meiner Nachbarin die Haare verfärbt. Total verfärbt. Der Rudi, der Saukerl!”

“Sieht Sie jetzt aus wie ein Wellensittich?”

“Naaa, eher wie die Brigitte Bardot. Und all die Schnitten vom Dorf stehen bei der Schlampe nu Schlange.”

“Auch der GTI-Günther?”

“Der auch.”

“Der Porsche-Heinz?”

“Nicht nur dieser Depp.”

“Na, das ist aber blöd.”

“Eben. Gestern hat der Ferrari-Luigi mich noch zum Briefkasten chauffiert und jetzt? Jetzt parkt der heute Vormittag bei meiner Nachbarin!”

“Ja, so ein Arsch!”

“Unglaublich! Und wie soll ich jetzt zum Tenniskurs? Mit meinem Fahrrad?”

“Leg doch deinen Kurs auf den Abend, dann kann dich nach dem Feierabend doch dein Mann fahren.”

“Naaa, das geht nicht, da muss ich meinem Beruf als Hausfrau doch nachgehen, sonst wird mein Mann wieder fuchsteufelswild und ich habe wieder blaue Flecken und kann nicht Tennis spielen. Der Rudi is a Saukerl! Der Rudi ist einfach a Saukerl!”

Des einen Tod, des andern Brot

Omma ist tot. Einfach so. Herzinfarkt. Direkt im Beichtstuhl. Einfach umgekippt. Bums. Tot. Der Pastor konnte nur noch den Tod von Omma feststellen.

Er hatte dann die Aufgabe, die Angehörige zu benachrichtigen. Dreizehn Briefe in sieben Bundesländern mit drei Kreuzen auf dem Umschlag. Zudem ging er zu dem von Omma erklärten Notar. Dieser verschickte den Termin zur Testamentseröffnung, der einen Tag vor der Beerdigung sein sollte.

Der Bischoff, der gerade zu einem Besuch beim Pastor verweilte und über das letzte Abendmahl referierend mit der kirchlich organisierten Seniorenbetreuungsgruppe in einer Konditorei saß, zeigte sich erschüttert. Jedoch äußerte er auch sofort, dass es allein Gottes weiser Ratschluss gewesen sei, nach der vollzogenen Beichte diese gutmütige und herzensgute Omma zu sich zu berufen. Und man solle sich an der Gläubigkeit der Omma ein Beispiel nehmen. Denn er hatte erfahren müssen, dass Missgunst um jene beschützenswerte und gottgesegnete Omma geherrscht haben soll und der Pastor ihr edel, mutig und gottesfürchtig immer beigestanden habe.

Zwei Tage nach dem Verschicken der Briefe tauchte die Verwandtschaft auf. Sie war überrascht, dass die Beerdigung binnen vier Tagen geschehen sollte. Ein Abschied von der Verstorbenen am Sarg hatte der Pastor in der Aussegnungshalle angesetzt. In der Andacht sollte die vom Herzinfarkt dahin geraffte Omma aufgebahrt werden und nach der Andacht könne jeder persönlich Abschied nehmen. Weiterlesen