Alle elf Minuten … oder: Leidenschaft ohne Reue

RomantikIhre Hand hielt das Handy ans Ohr. Es klingelte am anderen Ende. Mit ihren Vorderzähnen bearbeitete sie nervös ihre Unterlippe und ihr Blick flog recht ungeduldig im Zimmer umher. Ihr Fuß wippte ohne Unterlass, während sie auf der Sofakante hockte, als es in der Handyleitung klackte:

»Alles klar, Tina?«

Unwirsch fuhr Tina sich mit der anderen Hand durch ihr Haar. Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang erregt, aufgeregt:

»Ist was passiert Tina? Nun, sag doch was!«

Tinas rechte Hand suchte weiterhin noch ihren Weg durchs Haar, um dann schützend vor ihren Mund zu landen.

»Es ist alles okay. Nichts passiert.«

»Wirklich nichts? Was geht ab? Warum rufst Du an?«

»Es ist alles okay.«

Tina hatte den letzten Satz nur zögerlich flüstert und wieder fuhr sie sich mit ihrer Hand nervös durchs Haar, erwischte eine Strähne und zwirbelte sie wie zuvor hastig um ihren Zeigefinger.

»Jetzt lass Dir doch nicht alles aus der Nase ziehen, Tina! Was ist passiert? Wie ist das Date gelaufen? Schon zu Ende?«

Tina schluckte und atmete kurz tief durch.

»Nichts ist passiert. Gar nichts.«

»Wie nichts? Was meinst Du damit?«

»Nichts, überhaupt nichts, gar nichts, null, nada, niente.«

Tinas Stimme brach ein wenig, als sie die letzten Worte aussprach.

»Kein Sex?«

»No.«

»Was?«

»Ja.«

Eine Pause entstand. Stille schien sich kurz in der Leitung Raum zu verschaffen.

»Kein Sex? Ist er impotent?«

»Anke, der sitzt im Bad und hat sich dort eingeschlossen!«

»Was?«

Anke atmete hörbar am anderen Ende der Leitung tief durch, während Tina leise aufschluchzte.

»Der ist im Bad und hat sich eingeschlossen?«

»Was soll ich machen, Anke? Ich habe doch nichts Unrechtes gemacht. Ich wollte doch nur Leidenschaft ohne Reue.«

»Und jetzt hockt deine Leidenschaft eingeschlossen im Bad?«

»Ja.«

»Ich hatte Dir schon immer gesagt, lass die Finger weg vom Online-Dating. Da holst du dir nur Psychopathen ins Haus.«

»Danke, Anke.«

Stille. Tina hatte von ihrem Wohnzimmer aus die Badezimmertür im Blickfeld. Es hatte sich nichts geändert. Sie wusste nicht, was der Typ da drin jetzt machte, sie wusste lediglich, dass er dort drinnen war. Und sie wusste, dass sie ratlos auf ihrem Sofa saß, während aus ihrem Schlafzimmer gedämpft die zuvor auf Romantik organisierte Playlist ablief. Alles hatte sie perfekt vorbereitet, nur jetzt war das Ziel ihrer Begierde noch immer im Badezimmer und hatte sich dort eingeschlossen.

»Tina, tschuldige, ich hab’s nicht so gemeint. Wie ist es denn passiert?«

Tina musterte die Badezimmertür und erklärte die Situation flüsternd:

»Wie ich Dir ja gestern schon erklärte. Er sollte in meiner Straße parken, kurz per Handy durchklingeln und dann ne Minute später unten schellen. Das hat er auch getan. Er rief an, ich habe den Espresso in die Tasse laufen lassen, und die Tasse zu der Banane und den Müsliriegel ins Bad gestellt. Schnell die Kerze angezündet und dann rüber und den Türöffner betätigt.«

»Und dann?«

»Er kam rein und ging direkt ins Bad, während ich mit Negligé im Bett auf ihn wartete.«

»Wie? Der alte Mottenfiffi, den dir dein Ex letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hatte?«

»Mit dem doch nicht! Anke, was denkst du! Den habe ich doch längst in der Altkleidertonne entsorgt.«

»Na, Gott sei Dank. Das war ja so ein brutaler Liebestöter.«

»Ne halbe Stunde lag ich wartend im Bett, nur außer der Klospülung habe ich seit elf Minuten nichts mehr gehört.«

»Hast Du mal angeklopft? Vielleicht ist ihm was passiert, da drinnen.«

»Habe ich.«

»Und?«

»Er meinte, es sei alles in Ordnung.«

»Und?«

»Mehr nicht.«

»Mehr nicht?«

»Mehr nicht.«

»Seltsam. Da kommt ein Mann, um Sex zu erhalten und schließt sich jedoch im Bad ein?«

»Wir hatten doch bereits vorher telefoniert und uns Nachrichten geschickt. Alles schien in Ordnung.«

»Hast Du ihn verschreckt? Vielleicht kommt er nicht mit der selbst bestimmten Sexualität einer selbstbewussten Frau zurecht?«

»Ich will doch nichts Unmenschliches von ihm. Nur leidenschaftliches. Ich wollt mir doch nur eine alte Fantasie erfüllen: einmal einen Mann nur im Bett kennen zulernen und ihn dort ganz zu genießen.«

»Und jetzt ist deine Online-Bekanntschaft im Bad und kommt nicht raus. Was macht er da drin? Holt der sich einen runter, oder was?«

»Ich weiß es nicht, Anke.«

»Dann klopf doch noch mal.«

Tina zögerte, aber dann stand sie auf, ging zur Badezimmertür und klopfte:

»Ist alles in Ordnung?«

Es kam keine Reaktion. Sie klopfte erneut, energisch

»Alles in Ordnung?«

»Es ist alles in Ordnung», kam als Antwort.

Seine Stimme klang klar und deutlich, sachlich. Eigentlich so, wie Tina seine Stimme vom Telefon her in Erinnerung hatte. Sie ging wieder zurück zu ihrem Wohnzimmersofa und flüsterte in ihr Handy:

»Hast Du gehört, Anke? Mehr sagt der nicht.«

»Warum fragst Du nicht, was er hat, Tina? Du warst schließlich mutig genug, ihn zu Dir einzuladen. Also sei mutig und frag ihn.«

»Anke, ich hatte ihn nicht zum Quatschen zu mir eingeladen. Ich wollte wieder fremde Haut spüren, Hände, die mich an allen Stellen streicheln und liebkosen, Arme, die mich halten, Lippen, die mich küssen, eine Zunge, die oral eine gute Technik drauf hat,  …«

»Und einen, Du-weißt-schon-was, der es mal dir wieder richtig besorgt, ich weiß. Nur wenn Du nichts unternimmst, dann wird das nie etwas werden.«

Tina überlegte. Über das Online-Dating-Portal hatte sie ihn kennengelernt, mit ihm geschattet, dann mit ihm telefoniert. Sie hatten vereinbart, er käme vorbei, ließe sich von ihr führen und würde ihre sexuellen Vorlieben respektieren und befriedigen.

Kurzentschlossen stand sie auf und ging erneut zur Badezimmertür und klopfte an:

»Ist irgendetwas, weswegen du nicht rauskommen magst?«

»Nein, alles in Ordnung.«

»Echt?«

»Ja.«

»Soll ich dir was bringen? Kaffee?«

»Habe ich gefunden, hier im Bad.«

»Was zu essen?«

»Danke für die Banane und den Müsliriegel. Waren gut und sättigend.«

»Oder etwas anderes zu trinken?«

»Es hat hier ausreichend Wasser. Literweise.«

»Ich habe auch eisgekühlte Cola. Oder leckeren Kaffeesahnelikör.«

»Nein, danke.«

»Der Likör schmeckt echt Eins A. Ich kann dir auch einen langen Likörkuss geben. Du wirst abgehen darauf, schwör ich dir.«

»Ich geh hier nicht raus.«

»Warum?«

»Ich bleib hier.«

»Hast Du Angst?«

»Nein.«

»Warum magst Du dann nicht rauskommen. Ich beiße auch nicht.«

»Nein.«

»Nein was?«

»Nein, ich geh hier nicht raus.«

»Vielleicht ein eiskaltes Bier für dich?«

»Ich geh‘ hier nicht raus.«

»Aber ein Gläschen Prosecco wirst Du doch wohl mit mir trinken, oder?«

Tina lauschte angestrengt, aber jetzt blieb er ihr die Antwort schuldig. Es drang kein Laut durch die Badezimmertür. Zaghaft fragte sie nach:

»Bist Du vielleicht etwas nervös?«

Wieder keine Antwort.

»Ehrlich, Frank, ich bin auch nervös. Aufgeregt. Aber das ist doch normal, oder etwa nicht? Da ist doch kein Grund, sich einzuschließen.«

Sie lauschte, aber Frank schien sich im Badezimmer nicht zu rühren. Sie legte kurz ihr Ohr an die Tür. Aber sie konnte nichts hören.

»Frank. Du musst keine Angst vor mir haben. Ich tu Dir nichts Böses. Eher in Gegenteil. Du wirst darauf stehen. Wir wollen es doch beide.«

»Nein.«

»Was Nein?«

»Du, du willst es.«

»Was?«

»War ja klar, dass du mir jetzt mit schönen Worten schmeichelst und mich dabei anmachst.«

»Ich versteh nicht.«

»Du wolltest mich lediglich flachlegen. Nur Sex, nur meinen Körper und nichts, gar nichts anderes.«

»Wie?!«

»Du willst mich nur benutzen und auslaugen.«

»Ich will was?«

»Dass das immer nur mir passiert! Das gibt es doch gar nicht.«

»Wie?«

»Ich werde es überleben. Irgendwie.«

»Was?«

Mit der flachen Hand schlug Tina ungläubig auf die Badezimmertür. Sie war sprachlos. Verwirrt ging sie zum Wohnzimmer zurück und bemerkte das Handy in ihrer Hand. Hastig hielt sie es an ihn Ohr und flüsterte:

»Hast Du das gehört, Anke?«

»Hab‘ ich. Du musst ja einen tollen Eindruck auf ihn gemacht haben, Tina.«

»Ach ja? Danke, Anke!«

»Bitte, Titte, äh, Tina. Nur sehe es doch mal nüchtern: der Mann hat voll die Komplexe. Wie alle Männer, wenn’s um Sex geht. Die wollen erst die Hure und bekommen sie dann diese vorgespielt, wollen Sie sofort die Heilige. Und dann gleich wieder umgekehrt. Alle elf Minuten kannst du das beim Online-Dating erleben.«

»Ich verstehe das nicht. Zuvor hatte er auch gesagt, er wäre geil auf Sex mit mir. Einfach Haut auf Haut, Körper auf Körper, jedem seinen Spaß und gemeinsam noch mehr zusammen erleben.«

»Keine Ahnung, was mit den Männern heutzutage los ist. Früher brauchte man nur den Arm auszustrecken und schon hatte Frau ein halbes Dutzend Hoch-Notgeile an jeder Hand und konnte sich den Besten aussuchen …«

» … und jetzt habe ich ein verhuschtes Exemplar im Bad. Wie krieg ich den da wieder raus?«

»Frag ihn, ob er Fußball mag.«

»Wieso?«

»Es läuft gerade das Länderspiel. Männer sind ja alle fußballgeil.«

Tina stand kurz auf und rief zur Badezimmertür:

»Magst du vielleicht Fußball schauen? Deutschland spielt.«

Sie lauschte intensiv. Keine Reaktion. Nicht das kleinste Geräusch. Sie schaltete den Fernseher ein und regelte die Lautstärke etwas hoch. Das Spiel lief bereits. Rechts oben entzifferte sie mühsam, dass es kurz vor Ende der ersten Halbzeit noch immer Null Null stand. Sie schlich zum Badezimmer und lauschte. Keinerlei Geräusche. Als ob das Bad leer wäre. Sie ging wieder zurück in ihr Wohnzimmer und flüsterte wieder in ihr Handy:

»Ich habe jetzt Fußball angeschaltet. Aber er rührt sich nicht.«

»Warte ein wenig. Mit Speck fängst du Mäuse, mit Fußball richtige Kerle und keine Weicheier.«

Tina antwortete nichts. Mit dem Handy am Ohr verfolgte sie das Spiel. Es war ein Ballgeschiebe um den Mittelkreis herum. Der Reporter nölte etwas von einem hoch-intensiven Spiel und erzählte planlos aus dem Leben der des deutschen Co-Trainers Ehefrau. Und bevor der Reporter überhaupt mit seiner ersten Anekdote fertig war, pfiff der Schiedsrichter zur Pause.

»Und, Tina?«

Tina blickte zum Badezimmer.

»Immer noch nichts, Anke.«

Als Pausenprogramm wurde Werbung gesendet. Tina schaltete auf einen anderen Kanal.

»’Dieter, Dieter!‘ ‚Oh, Claudia!‘ ‚Oh, Dieter, ich bin ja so glücklich!‘ ‘Claudia, ich bin so froh dich gefunden zu haben!‘ ‚Oh, Dieter!‘ …«

Tina blendete den Bildschirmtext ein. Offensichtlich ein Liebesfilm nach Ideen von Rosamunde Pilcher. Das Liebespaar küsste sich innig, Geigen fiedelten schmalzig im Hintergrund und blauer Himmel am weißen Sandstrand ummantelte die Szene. Das Paar lächelte breit und blickte sich tief in die Augen. Zuckersüß. Tina wollte umschalten, aber sie erwischte nicht den richtigen Knopf auf der Fernbedienung, stattdessen erhöhte sie die Lautstärke.

» … ‚Oh, Dieter!‘ ‚Oh, Claudia!‘ ‚Wollen wir heiraten?‘ ‚Wir müssen aber erst Mutter fragen, Claudia.‘ ‚Heute noch?‘ ‚Gleich.‘ ‚Ach, Dieter, du machst mich so glücklich.’«

Ein Bläser-Orchester setzte ein, eine einzelne Oboe heulte dazwischen herzzerfetzend auf. …

In dem Augenblick klackte es vom Badezimmer her. Tina zuckte zusammen und sah die Tür sich nach außen hin öffnen. Die offene Tür versperrte ihr die Sicht, aber sie sah ihn noch, in seinem sandfarbenen Anzug, hochaufgewachsen, stattlich, aber hastig, wie er zur Eingangstür entschwand. Sie hörte das Öffnen und danach die Tür ins Schloss fallen.

Tina stellte den Fernseher ab und ging zum Bad.

»Anke, ich glaube, er hat das Bad verlassen.«

Das Bad war leer. Im Waschbecken stand die geleerte Tasse Espresso, daneben sorgsam drapiert die Bananenschale und die Verpackung des Müsliriegels.

»Er ist weg.«

In Tinas Stimme schwang Enttäuschung mit.

»Hat er dort etwa gewichst?«

»Sieht nicht danach aus. Handtücher sind unberührt.«

»Sei froh, Tina, dass es so gekommen ist. Wer weiß, was der sonst noch mit dir angestellt hätte. Männer können so unberechenbare Schweine sein. Sei froh, …«

Tina beendete die Verbindung wortlos. Sie starrte noch immer auf das Waschbecken und die Reste darin.

Was er mit ihr angestellt hätte … . Ja, wenn er doch wenigstens …

Ankes Worte hallten in ihr nach.

Ich wollte doch bloß mal wieder Leidenschaft ohne Reue, waren ihre Gedanken. Sie strich über ihre Haare, seufzte, trug die Überreste in die Küche und ging in ihr Schlafzimmer. Sie starrte auf die bereit gelegten Kondome auf der Nachttischkommode und wieder entfuhr ihr ein Seufzen.

Leidenschaft ohne Reue.

Die Einladung an ihn reute sie nicht. Der Typ war eigentlich der Mr. Right, nur wohl ein wenig schüchtern. Oder stark verkorkst. Oder beides. Aber vor allem fehlte es ihm an der notwendigen Leidenschaft.

So nah dran, dachte sie, als sie sich auf Bett legte, das Kissen zu sich herzog, umklammerte und auf ihren Unterleib drückte. So nah dran … .

Der tiefe Griff nach den Sternen

In jungen Jahren erhielt ich zum Eintritt in den Kindergarten Geschenke. In dem bunten kleinen Kindertornister waren ein Abakus, ein Welt- und Sternenatlas, ein Buch über die Astronomie und zwei Kurzausführungen des Grundgesetzes. Die Geschenke hatte ich begeistert angenommen und schon war ich in dem Kindergarten als Außenseiter und Streber verschrien, als einer der statt lieber mit flauschigen Hoppelhäschen und holzigen Brumm-brumm-brumm-Mähdreschern spielte, die Kindergärtnerin immer mit Fragen nach Papier und Buntstifte nervte.

Mit Hilfe dieser Bücher und dem Abakus errechnete ich binnen zwei Monaten, dass ich im Sternzeichen Wassermann geboren wurde. Dabei stellte ich auch noch fest, dass ich vom Widder aus gestartet bin und zur Waage unterwegs sein müsste. Der Weg dahin führte über das Schwert des Orion, Kassiopeia, den Reiterlein des Großen Wagens über die leuchtenden Plejaden hin zu dem Kreuz des Südens, um von dort aus die Unsichtbarkeit des Nordsterns zu erforschen.

Nach drei Monaten weiterer Berechnung war mir klar, dass ich Kassiopeia aussparen müsste, wollte ich alle meine Geschenke für den Kindergarteneintritt mitnehmen. Denn die zwei Kurzausführungen des Grundgesetzes wollte ich um keinen Preis zurück lassen und der Treibstoff meiner Rakete hätte für den ursprünglichen Weg nicht ganz ausgereicht. Zu meiner Schande muss ich allerdings gestehen, dass ich in der ersten Berechnung das Kreuz des Südens mit dem Kamener Kreuz verwechselte, weswegen ich zuerst mathematisch mir bewiesen hätte, dass mein Plan irrealistisch gewesen wäre. Aber dank des Weltatlas wurde ich meiner Verwechselung bewusst und konnte meine Rechenarbeiten nach fünf Monaten erfolgreich abschließen. Mir war klar, mein Lebensplan stand und mein Lebensweg sollte mich nach den Sternen greifen lassen. Per aspera ad astra.

Meine Eltern waren nicht sehr begeistert von den Plänen. Sie waren beunruhigt und nach Überweisung einer nicht unerheblichen Menge Geld für verbrauchtes Papier und Buntstifte an den Kindergarten wollten sie mir mein Vorhaben ausreden. Mein Vater wollte mir weismachen, dass Zugschaffner mein Traumberuf wäre. Statt vertikales streben nach Höherem, horizontal bogenförmiges voran schleichen. Meine Mutter fand dagegen den Beruf Feuerwehrmann für mich ideal, weil ich im Garten nach dem Kindergarten doch immer so gerne mit dem Gartenschlauch gespielt hätte. Aber ihr war nicht klar, dass ich lediglich Versuche mit dem Wasserschlauch betrieb, um meine Berechnungen zum Thema Antrieb durch Rückstoß zu verifizieren.

Als meine Eltern merkten, dass ich mich partout nicht von meinem Lebensweg abbringen lassen wollte, beschlossen sie mit mir zum Kölner Dom zu fahren. Ich hielt diese Idee für kindisch, denn ein Gott war in meinen Berechnungen nie ein Parameter gewesen. Ich kam ganz gut ohne ihn aus. Aber aus reiner Gutmütigkeit und mit dem Versprechen, unter dem Kölner Dom an der Imbissbude zwei “Rievkooche” mit viel Appelkompott zu essen, stimmte ich deren Plan zu.

Am Dom angekommen, sollte ich doch zu den Domtürmen hinauf. Mein Vater versuchte es mit dem lächerlichen Vergleich, die Türme seien die Raketen und oben wäre dann meine Atronauten-Kanzel und unter mir Gott, der auf mich aufpassen würde. Ich ließ mich letztendlich darauf ein, um meinen Eltern mal wieder eine Freude zu machen. Da beide aber nicht mit hoch wollten – sie meinten, sie wollten in ihrem Leben eh nie hoch hinaus, weil sie nicht schwindelfrei wären –, sprachen sie eine Gruppe mit derer Klassenlehrerin und Begleitperson an, ob sie nicht mich ebenfalls zusammen mit hoch nehmen würden. Der Mann und die Frau nickten und schon stiegen wir die ersten Stufen der Wendeltreppe hoch.

In meinen Berechnungen gab es keine Wendeltreppe aus Stein, sondern lediglich einen Aufzug aus Stahl. Und gequatscht wurde während des Aufstiegs gemäß meinen Berechnungen auch nicht, denn das hätte den Energieverbrauch nach oben getrieben und die Mission zum Kreuz des Südens gefährdet. So legte ich denn den Weg schweigend zurück und versuchte beharrlich zu ignorieren, wie ich jede Stufe mitzählte. Als jene energieraubende Wendeltreppe zu Ende war, erreichten ich eine offene Plattform, in dessen Mitte mich eine nach allen Seiten offene Stahltreppe erwartete. Angesichts jenes nur mit viel Kraft- und Energieaufwand zu bewältigenden Konstrukts war mir sofort klar, dass dieses Land einmal unter einer Energiekrise leiden würde und dem Wärmetod vorherbestimmt sein würde. Mit der Energiekrise sollte ich Recht behalten, als Ende November 1973 an vier Sonntagen ich mit meinen Eltern über leere Autobahnen spazierte. Mit dem Wärmetod ist es bei solch einer Entropieerzeugung auch nicht mehr weit hin, wenn bereits heute ach so aufgeklärte Menschen die Begriffe “Hitze” und “Dürre” im Gleichklang benutzen.

Nun ja, so stand ich also auf der Plattform und bestieg die Stahltreppe. Nach dem ersten Treppenabschnitt kam eine kleine Zwischenstahlplattform, nach dem zweiten ebenfalls und der dritte Abschnitt … sah für mich von unten nicht geheuer aus. Mein Blick nach unten verriet mir, welche Fallhöhe ich bereits gewonnen hatte. Der Mut sank und der Schwindel stieg. Der Lehrerin der Gruppe bemerkte es und stellte sich hinter mir, umarmte mich innig und versprach mich aufzufangen, sollte ich fallen. Mit Müh und Not bewältigte ich den Rest und kam letztendlich mit Schweiß auf der Stirn oben an. Vertigo.

Die Lehrerin nahm mit ihrer linken Hand tröstend meine rechte, drehte sie mit der Handfläche zu sich, während ihre rechte aufmunternd von meinem Schultern zu meinen Hüften samtig weich langsam runterstrich. Sie schaute konzentriert in meine Handfläche und bemerkte, dass dort eine Linie existieren würde, welche nur Wassermänner mit Aszendenten im Widder haben würden. Solche Männer seien willensstark, nie von ihrem Ziel abzubringen, Alphamänner sozusagen und daher sehr attraktiv für alle Mädchen und Frauen dieser Welt. Sie stockte kurz und mit gurrend freudiger Stimme erklärte sie mir, ich müsse vom Deszendenten auch noch Waage sein und diese Art Männer wären der absolute Hammer. Dabei drückte sie ihre Rechte in meinem Schritt, so dass sich bei mir das Blut staute und ich deswegen rot anlief.

“Komm, Karin,” hörte ich die vorwurfsvolle Stimme des männlichen Begleiters, ”du kannst doch nicht immer nur ans Vögeln denken!” Sprach es und zog sie von mir weg. Und so ließen sie mich alleine unbeaufsichtigt zurück, während weitere ankommende Turmbesteiger mich mit teils neugierigem, teils widerlich tadelndem Blick anstarrten.

Letztendlich stieg ich den Turm alleine wieder herunter und erreichte die sichere Erde, den festen Boden der Domplatte unter den Füßen. Meine Eltern waren außer sich vor Wut und Sorge. Hatten sie doch die Lehrerin und den Begleiter mit deren Schulgruppe auf der Domplatte ausgemacht und von mir war weit und breit keine Spur. Als ich dann so vor ihnen stand, mit feuchter Hose, leichtem Grinsen und befriedigt entspanntem Gesicht, hörte ich von denen nur im Befehlston ein “Komm her” und wurde dann von beschämten, peinlich berührten Gesichtern in Empfang genommen. Sie nahmen mich eng zwischen sich und gaben mir eine Einkaufstasche, mit der ich mich vorne bedeckt halten sollte. “Nächste mal sagste vorher Bescheid, wenn du musst! Klar?”

Seit jenem Tag wollte ich nie wieder Astronaut werden. Ich verbrannte meine umfangreichen Berechnungen heimlich in einem dunklen Wald – sie brannten ununterbrochen ungelogen zwei Stunden lichterloh –  und schwor dem vertikalen Astronautenleben ab. Mein Ziel war von nun ab völlig klar: ich wollte in die Schule. Unbedngt. Denn vielleicht hatte es dort auch solche Frauen wie damals oben auf dem Kölner Dom. Mehr als im Weltraum.

Nun, ihr möget euch sicherlich fragen, weshalb ich unbedingt die beiden Kurzausgaben des Grundgesetzes mit auf meiner galaktischen Sternenreise nehmen wollte?

Also, zu Tisch saß ich immer recht breitarmig und nahm mehr Raum ein, als mir zugestanden wurde, so beklagten sich darüber permanent meine Mutter, meine Tante und als auch meine Oma. Mit dem Grundgesetz unter den Armen durchs Leben gehend, so lernte ich, an reich gedeckten Tischen des Leben anderen Menschen deren Platz nicht streitig zu machen. Insbesondere, wenn Frauen sich ebenfalls am Tisch befanden. Heute brauche ich das Grundgesetz dazu allerdings nicht mehr. Auch nicht in der Kurzausgabe.

Talking like Donalds way to speak – die lebende Phrasendreschmaschine ohne Punkt und Komma

Believe me, I am very, very, very proud to be here. A lot of people are saying, that I should be glad about it. That’s just, what I had heard. I must tell you in all fairness and I’m a believer in it, this is an incredibly fantastic place to give a sophisticated speech to you, my hard working shop people, in this amazing village.

And it is a special village to be perfectly honest, because a lot of people tell me that the crooked Clinton politicians and ridiculous whitch hunt society of the dishonest democratic party had no audience here. Dozens of people have called me to tell me that these democratic party people are really, really not honest persons. I don’t know, but that is what people are telling me. That is so sad. And believe me, in the whole world nobody is playing in the big league, as we do now. That’s just what I had heard! Also in the massive outstanding FoxTV. I’ve seen this, and I’ve sort of witnessed it—in fact, in two cases I have actually witnessed it. And not like the staggering ridiculous Fake News.

You know Fake News? You Know? Everybody knows it in Canada, Europe, Germany and so on. In Germany fine people created its own word for it and call it ‘lu-gen-pres-se’. It is major, major sad for this world we have big Fake News. Even they call themselves journalists. So unfair. So stupid. But what I’ve heard, everyone is now saying that the loser shithole-pages are absolutely overrated talking about  journalism at all. We will not do any rude out of control censorship, because we are fine democratic republicans and extremely not crooked democrats, okay? This will not gonna happen that I can tell you.

To be perfectly honest I went here yesterday to meet my great mate of the honest republicans. I’m a believer in him. However in the one of the democrates for sure not. Well, I mean, we defend everybody. Yes, we defend everybody. No matter who it is, we defend everybody. We’re defending the world. But that person, he’s just a low-energy person, let’s face it. We don’t need low energy. We need lots of energy. Like my amazing mate here, at this very, very, very, great place.

Before assisting a fantastic movie in his private outstanding movie theatre, we talked about beautiful tarrifs for unfair car imports in future. How many BMWs you have seen in this village? Dozen more than Camaros you will encounter not in Berlin. Great tarrifs will make not only this elegant village, but entire  America strong again. And your phenomenal village also.

Before we saw that outstanding movie we ate special steakes. Everyone is now saying, how I can ate a steak, when the goofy BMWs are flooding  our beautiful country. Flooding like the African Americans, the blacks, the cyber, the Latinos and the women? Yes, weak women. Worst women cause a lot of car accidents. Well, this week some pathetic people confronted me with boring facts that undermine my honest statement. Okay, but someone is causing those ridiculous accidents and we do have to do something against it, don’t we? Believe me, I’m doing very well with getting away with murder. We will hit a home run. I must tell you I have many, many friends and a huge and incredibly support of unbelievable people, and all of the extremely numerous complete and total clowns  doesn’t have a clue, why I’m doing very well with assisting movies at my powerful republican mate.

We saw the outstanding Apache movie “July 12, 2007 Baghdad airstrike” against sad Fake News members and disgusting terrorists. And after this we assisted the tremendous documentation about a brilliant  man of a fantastic show called “You are dismissed”. Believe me, in all fairness, I have never seen before, ever such a tremendous reality show on TV.

And since we had a good time, we continued watching “Stormy Daniels” in “Desert Storm 2”, a brilliant and elegant documentation of a special soldier, who has a avoided very, very, very not smart hostage situation with a sad woman of porn in Iraque supported by crooked democrats.

My hard working shop people a lot of people are saying, I am great. The proof of my hard work? It’s going to be amazing. Believe me. My friends, who happens to be a very famous fashion and hard working model, told me I dress very well and even more, I am working unbelievably tremendous hard. And I am doing it for you, believe me.

God bless you all and vote not for the boring candy in November, but for the amazing people of my party. To make America strong again.

Meine Damen und Herren, der Vertreter der republikanischen Partei hat vorhin gesprochen. Das Publikum applaudiert stehend.

Das Wichtigste lässt sich kurz zusammenfassen: in diesem Ort der USA, in dem er die Rede hielt, dort werden gerne deutsche BMW-Fahrzeuge gekauft – etwas, was sehr positiv anzumerken ist – und am Vorabend seiner Rede hatte er mit seinem lokalen Abgeordneten begeistert sowohl Splatter-Movies als auch einen Porno angeschaut.

Darüber hinaus empfahl er den Zuhörern, im November für die Republikaner zu wählen, und dass er weiterhin an den nationalen Slogan “Make America great again” glaubt.

Wir schalten jetzt zurück in unser Studio nach Dresden, in dem unser Chef-Redakteur über die neuerlichen Vorwürfe des amerikanischen Redners über die “Fake News”-Presse mit dem Vertreter der AfD reden wird. Er wird kritisch nachfragen, welche Straftaten Fake-News-Mitarbeiter, welche sich ja selber auch gerne als deutsche “Qualitätspresse” bezeichnen, für gewöhnlich begehen und zwar ohne jeglicher rechtlicher Ahndung.

Von hier aus einen Guten Abend aus Little Village World und nach der Werbung direkt zurück nach Dresden.

Internet-Buchverlag

Wir sind umgezogen: www.internet-buchverlag.de

Sarah goes Tinder

Dates - Sex - Beziehung

wir waren alle mal bei blog.de

...der ganz normale Wahnsinn...

www.kohlenspott.de/

Manche Menschen halten Nonsens für Unfug. Das ist natürlich Nonsens.

Claudia Pichler

Münchnerin - Kabarettistin - POLTologin - Autorin

Alltagströdel

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Das Vaterdasein - über das Leben mit spanischer Gattin und drei Jungs

Immer getreu dem Motto: Aufgeschrieben ist es nur noch halb so schlimm :-)

Manfred Voita

Prosa, Kurzgeschichten, Humor, Schreiben und Veröffentlichen

Amir Mortasawi (alias Afsane Bahar) (امیر مرتضوی (افسانه بهار

Texte sowie Gedichte verfasst oder ausgewählt von Amir Mortasawi نوشته ها، سروده ها و برگزیده های امیر مرتضوی

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"Man muss die Leute belügen, damit sie die Wahrheit herausfinden." (Wolfgang Neuss)

seitenspringerin

Mitte 30 zwischen Liebe, Sex, Vanilla und BDSM. Mit Herz, Hirn und ganz viel Neugierde.