Gut gebrüllt, Löwe! oder: … die einzig wahre, wahre Geschichte im löchrigen Sommer 2023 …

In Bayern ist Wahlkampf.

Aber in Bayern ist nicht nur Wahlkampf. In Bayern werden auch akademische Titel verliehen. Da wird studiert und geschrieben, was die felißigen Finger der Beteiligten so hergeben. Und die Anzahl der Strebenden nach akademischen Titeln ist lang.

So schreibt auch Herr Dr. Söder immer wieder dabei fleißig mit. Mit seinen Kurz-Habilitationschriften bei Twitter, zur Erlangung der Würde des “Doctor habilitatus”. Denn ein “Dr. Dr. habil.” schmückt die Visitenkarte eines jeden Promovierten, so wie das Geweih des Wolpertingers an der Wand eines bayrischen Jägers.

Entsprechend habilitierte letztens unser „nur Dr.” Söder mal wieder mit seiner 661 Zeichen langen Kurzschrift, dass Bayern ein Sehnsuchtsort sei: das Land sei lebensfroh und lebenswert, fortschrittlich und frei, die Leitschnur hieße Leben und Leben lassen. Er wolle dabei alle mitnehmen und motivieren. 90 Prozent der Menschen lebe gern in Bayern, so gab seiner Überzeugung kund. Denn Vielfalt mache sein Land aus: ökonomisch und sozial, wirtschaftlich und technologisch, bei Lebensqualität, Natur, Tradition und Ehrenamt. Familiengeld, Pflegegeld und die kostenfreie Meisterausbildung gäbe es so nur in Bayern – und mit der Hightech-Agenda investiere er und seine CSU wie kein anderes Bundesland in die Zukunft. Bayern halte international jedem Vergleich stand. Er meinte, seine Bayern könnten stolz sein, in Bayern leben zu dürfen.

Betonung – das sei gleich mal vorweg genommen – liegt auf “dürfen”.

Und heute morgen 6 Uhr 58, Hr. Dr. Söder machte sich ausgehfein für seinen morgendlichen Ausritt in der majestätischen, königlichen Kini-Kufenkutsche (… abgekürzt ‘mkKKKkR’; das große “R” mit dem kleinen „m“ voran, weil die Kutsche auf kleinen Rädern freilich, wir haben schließlich Sommer, nicht wahr …). Gezogen wird der Prunk mit dem Gamsfedern geschmückte Achtspänner paar Straßen weiter zum Studio des nüchternen Bayrischen Rundfunk. In dem Moment rief in sein Generalsekret, der Huber-Martin ( Dr. verz.), an: die freilaufenden, mutmaßlichen Löwin von Kleinmachnow (südlich von Bärlin), welche gerade in diesem gelochten Sommer die Titelseiten von BILD, Boulevard und anderen Lügenpressen mit dicken Lettern beherrsche, hätte sich auf den Weg nach Bayern gemacht. Die Löwin soll wohl auf ihren SmartPhone Herr Dr. Söders Twitter-Habilitationsschriften gelesen haben und sei der Meinung, der Bundesstaat mit dem Löwen als Wappentier und dieser freundlichen bayrischen Willkommenskultur solle ihre neue Heimat werden. Der Scheuer-Andi (PhDr. Dr. verz.) hätte sich bei ihm, eben jenem Huber-Martin (Dr. verz.) sehr aufgebracht auch deswegen gemeldet, weil die Löwin ja eventuell auch mautfrei seine bayrischen Autobahnen nutzen könnte. Und das wäre nicht richtig, geschweige denn korrekt.

Söder wurde blass und seine Visagistin legte wortlos augenblicklich mehr braunes Rouge bei ihm auf, damit er wieder von der rechten Sonne des Sehnsuchtlands Bayern wie frisch gebräunt ausschaute.

Derweil schrieb selbst Bayerns Gesundheitsminister höchstselbst, der Holetschek-Klaus (kein “Dr.” oder “Dr. verz.”), dem Dr. Söder eine SMS:

„Wir sind der Anwalt der kleinen Krankenhäuser Bayerns. Im Kern ist das richtig, dass wir Medizin anders finanzieren müssen, aber nicht zulasten der ländlichen Räume mittels Löwinnen als nicht zugelassene Heilerinnen und anderen fehlenden Ausweisdokumenten, das lasse ich nicht zu.“

Söder schluckte und rief die Morgenmagazin-Sendungen auf seinem Tablet auf. Als er seinen alten Ego und Juniorpartner, den Aiwanger-Hubert (Dipl. Ing. Agrar), bei dem Sender “Servil TV” auf dem Interview-Stuhl sah, hörte er jenen sagen:

”Die Löwin von Berlin wird sicherlich von denjenigen Großstadtökologen richtig gemanagt, die sich in den letzten Wochen für die Akzeptanz von Bären in Bayern stark gemacht haben.”

Der Moderator erwiderte sofort sichtlich begeistert: “Die Wokeness gepaart mit Cancle Culture also mal wieder? Könnte die Löwin nicht sogar Eier legen und somit Nachkommen ausbrüten? Sollte dagegen nicht etwas unternommen werden?”

Aiwanger-Hubert, Dipl. Ing. Agrar, erhob mit behänder Leichtigkeit bedeutungsschwer seine rechte Hand und reckte behäbig dessen langen, aufrechten Zeigefinger direkt zur hellgrauen Studiodecke: “Die Grünen entwickeln sich immer mehr zu einer Partei der Tierquäler. Sie wollen die Jagdgesetze dahingehend ändern,dass Muttertiere von den Jungen weggeschossen werden dürfen,so dass der Nachwuchs elend zugrunde geht. Im Namen des Klimaschutzes. Als nächstes? Stoppt die Grünen!”

Dr. Söder nickte zustimmend murmelnd: “Wir als CSU sind Anwalt der Mitte, der Normalverdiener und hart arbeitenden Leute. Es braucht Entlastung für die Normalverdiener! Keine Löwenbelastung. Feuer frei.”

Seine Sekretärin im Hintergrund hatte aufmerksam zugehört, befand die ersten beiden Sätze für die Nachwelt erhaltenswert, ergriff ihr SmartPhone und schickte diese beiden Sätze sofort als Tweet unter dem CSU-Account (blauer Haken).

Dr. Söder blickte nochmals auf Aiwanger-Hubert (Dipl. Ing. Agrar) in dessen Stuhl und seufzte:

“Hubert zitiert auch nur immer sich selbst und seine Twitter-Tweets. Und 177 Zeichen nur. Der sollte sich meine viermal so langen Tweets reinziehen. Dieser Twitter-Hubi für Arme. Den blauen Haken hat der doch nur, weil ich mir meinen gekauft habe und er mich nachäffen will.”

Danach legte er das Tablet beiseite und stand auf, um rauszugehen, der Achtspänner wartete schon, die Pferde ( – acht amtliche Schimmel, handverlesen und wohlgenährt – ) vermeinte er frohgemut wiehern zu hören. Sie würden später noch dem zahlenden Volke dienen dürfen, damit es was im Magen habe.

Doch bevor er die Tür erreichte, öffnete sich diese. Ein Ameisenstrom von Arbeitsbienen unter Anführung des bayrischen Staatsministers für Medien Herman-Florian (Dr. jur. LLM.) flutete Dr. Söders Schminkraum:

“Markus, Alarmstufe 1!”

“Die Grünen sind bei den Wahlprognosen wieder zweistellig?”

“Nein, so schlimm auch wieder nicht.”

“Die AfD ist jetzt in Bayern vor dem Aiwanger-Hubi dessen Partei bei den Wahlprognosen?”

“Nein, nein, das wäre halb so schlimm, solange wir die Nummer 1 mit einem Zehntel Prozentpunkt davor liegen. Denn dann sind wir Sieger!”

“Sondern?”

“Die Löwen kommen!”

“Was? 1860 kommt jetzt hier in die Staatskanzlei?!? Weiß der Hoeness-Uli Bescheid?”

“Nein, die Problemlöwin! Und wenn jene Beispiel macht, kommen mit ihr sicherlich noch viele, viele weitere Löwen!”

“Wehret den Anfängen!”

“Genau! Hier ist kein Platz für Löwen; außerhalb des Fußballvereins 1860 München.”

“Und?”

“Mein Team hat Übertragungsutensilien dabei. Wir haben eine Direktleitung zum BR …”

“Was? Keine mkKKKkR? ich hatte mich schon so sehr gefreut, von der Kutsche aus meinem Volke am Straßenrand zu hul …”

“Nein, Markus. Heute nicht. Ich habe hier deine Rede. Hab sie vom Stoiber damals genommen und umgeschrieben. War damals für Stoiber auch der Hit, totaler PR-Erfolg. Wurde mit absoluter Mehrheit deswegen wiedergewählt.”

“Beim damaligen Problembär?”

“Die Kamera steht dort drüben, darunter der Teleprompter mit der Rede. Scheinwerfer an! In drei, zwei, eins …”

Dr. Markus Söder schaute mit gebührenden Ernst in die laufende Kamera. Es war mucksmäuschenstill in seiner Make-up-Gaderobe. Eine Frage einer BR-Moderatorin ertönte über einen kleinen Quäker-Lautsprecher:

“Herr Dr. Markus Söder, die Löwin – bitte verzeihen Sie mir, nur an dieser Stelle ist das Wort ‘Löwin’ grammatikalisch korrekt verwendet und kein Gendern – Herr Dr. Söder, die Löwin hat um 5:44 Uhr die bayrische Landesgrenze überschritten. Und seit 5:45 Uhr ist Bayern bereit zurückzuschießen, so erklärte vorhin in einer Live-Schalte ihr Verteidigungsexperte Florian Hahn, der gerade berufsbegleitend im Rahmen seines MBA-Studiengangs in Aserbaidschan militärische Studien durchführt. Herr Dr. Markus Söder, wurde seit 5:45 Uhr der Marschbefehl für das Königlich Bayerisches Infanterie-Leib-Regiment, die bayrischen Gebirgsjäger und die bewaffneten bayrischen SEKs der Polizei erteilt?”

Alle hielten den Atem an. Nur nicht Dr. Söder, der Luft von sehr tief herholte und dann ohne Atempause mit besorgten Gesicht eines Familienvaters, dessen Sohn gerade zum ersten Mal allein aufs Klo geht, erwiderte :

“Natürlich freuen wir uns, das ist gar keine Frage, freuen wir uns, und die Reaktion war völlig richtig. Eine, sich normal verhaltende Löwin – das ist jetzt kein gendern – in Bayern zu haben, ja, das ist gar net zum Lachen. Ja, und die Löwin im Normalfall, ich muss mich ja auch, also, der Andi, mein Scheuer-Andi, hat sich natürlich hier intensiv mit so genannten Experten über die Anwendung von Mautabgaben für Löwen im Allgemeinen und im Speziellen ausgetauscht und austauschen müssen. Nun haben wir, also, die normal verhaltende Löwin lebt in der Savanne, geht niemals raus und reißt vielleicht ein bis zwеi gazellenschlanke bayrische Kälbchen im Jahr, auf den bayrischen Savannen, der bayrischen Alm. Wir haben dann einen Unterschied zwischen die sich verhaltende Löwin, der Schadlöwin, und der Problemlöwin. Und es ist ganz klar, dass diese Löwin eine Problemlöwin ist. Und es ist im Übrigen auch im Grunde genommen durchaus ein gewisses Glück gewesen, sie hat wohl um 5:44 Uhr des Nachts praktisch diese bayrische Staatsgrenzenschranke gerissen, ohne sich auszuweisen. Und Gott sei Dank war in dem Grenzhaus der bayrischen Staatspolizei, also jedenfalls ist der Übertritt wegen dem Schengenabkommen und so nicht bemerkt worden. Auf Grund von, … also es ist nicht bemerkt worden. Stellen Sie sich mal vor, die war ja mittendrin an der Grenzstation, stellen sich mal vor, unsere Grenzer wären aufgewacht und rausgekommen, um das Dubliner Abkommen durchzusetzen, und wären praktisch jetzt der Löwin praktisch begegnet. Was da bei der Ausweiskontrolle hätte passieren können – also, das viele Blut, wer soll denn dass aus unserem schönen Bayern nachher wieder wegmachen? Wir haben leider auch in Bayern Fachkräftemangel – und deswegen, man muss einfach hier sehen, ich habe sehr viel Verständnis für all diejenigen – außer natürlich, wenn sie von unserer rot-grünen Ampelregierung sind, die wie Aiwanger bereits betonte, die Löwin gleich wieder als Schmusetiger gesehen haben wollen – , die jetzt sagen: Um Gottes Willen, ähm, die Löwin und warum muss die gleich jetzt abgeschossen werden, beziehungsweise muss eine Abschusserlaubnis gegeben werden. Nur: Wenn mein Experte, der Scheuer-Andi, sagt, die Löwin zahlt keine Autobahnmaut und hat keine Ausweispapiere, das ist eine be-scheuer-te äh, das ist eine absolute Problemlöwin, da gibt es nur die Lösung, sie zu beseitigen. Weil einfach die Gefahr so groß ist, dann hat auch unser Verteidigungsexperte, der Hahn-Florian, keine andere Möglichkeit als eben so zu handeln, wie er gehandelt hat, jetzt handelt und dann gehandelt haben wird. Bayern muss schön bleiben. In Bayern leben, heißt sicher leben. 45.000 bayerische Polizisten leisten hervorragende Arbeit. Nirgends in Deutschland ist die Kriminalität geringer, nirgends ist die Aufklärungsquote höher. Wir in Bayern stehen für Sicherheit und Ordnung! Und das lassen wir uns in dieser momentanen Verbotskultur Deutschlands für unsere schöne bayrische Heimat nicht verbieten! Auch nicht bei dieser Löwin.”

Atemstille. Nadel. Fallhöhe. Steinfußboden. Aufprall. Im Hintergund versucht die Sekretärin die letzten acht Sätze auf Twitter zu verbreiten, erinnert sich an die letzten beiden nicht mehr und drückt trotzdem auf ‘Senden’…

“In Bayern bewahren und fördern wir unsere Traditionen, Brauchtum und Kultur. Auch im Angesicht einer löwengefährlichen Situation. Das ist unzumutbar. Es braucht deshalb die volle Konsequenz des bayrischen Gesetzes. Jeder Bürger bekommt einen Strafzettel, wenn er falsch parkt. Diese Konsequenz muss auch hier gelten. Es gibt in Bayern keinen Rabatt dafür. Wir sagen Ja zum Liberalitas Bavariae, aber Nein zu Löwinnen.”

Weiterhin Stille.

“Markus, Markus”, vom bayrischem Staatsminister für Medien Herman-Florian (Dr. jur. LLM.) sprühte aufgeregte Verwirrtheit in den Raum, “Markus, die Leitung ist direkt am Anfang zusammen gebrochen, es wurde nichts übertragen.”

“Dann wiederholen wir es einfach, oder?”

“Ähem, nein, das Ganze wurde jetzt einfach gecancelt.”

“Macht denn diese woke Cancel Culture-Kultur jetzt nicht mal vor unserm Bayrischen Rundfunk mehr halt?”

“Ja, scheint so. Die interviewen jetzt stattdessen live den Dr. jur. Stoiber- Edmund-Rüdiger-Rudi zu dem neuen Problembären, der Löwin.”

“Und was mache ich jetzt mit dem Achtspänner?”

“Füttern des Volkes, wie geplant. Die Pferdemetzgerei am Viktualienmarkt. Die zahlen momentan Höchstgebote.”

“Und ich?”

“Wir hätten da noch eine Bierzeltrede beim Bierfest in Hinterobertrautenbachlauf in der Oberpfalz. Internetanbindung zum Twittern, Bier und Brezn werden gestellt. Und: Fotografen sind auch schon vor Ort.”

“Geh ma …”

Das Geheimprojekt: die Ausrottung der weißen, grauhaarigen, alten Männer

Agentin A, wie ist Ihr Fortschritt?

Erhabene Meisterin, heute waren es sechsundneunzig.

Sechsundneunzig?

Ich hatte heute Mittag eine kostenlose Filmvorführung von “Ritter der Kokosnuss” organisiert. Jeder erhielt ein Gummischwert mit Eisenkern. Vierundvierzig starben mit dem Satz “Ist doch nur eine Fleischwunde” auf den Lippen. Die Restlichen hielten das für den “Tödlichsten Witz der Menschheitsgeschichte” und erstickten an ihrem Lachen.

Sehr gut, sehr gut.

Zusätzlich organisierte ich noch ausschließlich für Erz-Boomer-Kleriker “Das Leben des Brians”. Die kamen, sahen und regten sich wie erwartet über Gebühr auf und gingen mit Herzinfarkt über die Wupper. Siebenundneunzig. Die Hartnäckigen, die während jenem Film eingeschlafen waren, erhielten noch im Anschluss den Film “The last Temptation of Christ”. Sechs wirklich Hartgesottene überlebten allerdings auch dieses, ich konnte denen noch heimlich iranische Pässe in die Soutane stecken. Am Ausgang wartete bereits die Polizei und hat jene aufgrund Kindesmissbrauchsvergehen einkassiert. Die Priester wurden direkt mit Tatvorwurfsbeschreibung in neun Sprachen in ein Flugzeug nach Teheran abgeschoben.

Agentin A, hört sich gut an, weitermachen. Agent B, was sind Ihre Ergebnisse.

Erhabene Meisterin, ich habe heute eine Vorlesung über das Thema “Haben und Sein” durchgeführt. Inmitten der Vorlesung ließ ich einen Mitverschwörer auf der Bühne den Ausruf “Okay, Boomer” tätigen. Ca. 75% der Zuhörer starben an Schnappatmung. Der Rest lachte anfangs noch, wurde dann aber mit wohldosiertem “Jaja, ihr Baby-Boomer” erledigt.

Agent B, seht gut. Kommt morgen die AKW-Bewegung dran?

Ja, ich habe festgestellt, dass hier die Dichte der Boomer und Baby-Boomer am höchsten ist. Wir werden denen das Gesetz über die Laufzeitverlängerungen vorlesen. Zudem erklären wir denen noch den Nutzen von Braunkohlekraftwerken, Panzern und anderen grünen Entscheidungen. Zu erwartende Herzinfarktrate wird bei 78% liegen. Die restlichen 22 Prozent erledigen wird mittels Unwirksamkeitsstudien von Globuli, Friedensdemos und vegetarischem Veganismus in Zeiten von Weber-Grill-Kugeln. Beim zu erwartenden Handgemenge ist mit Gewalt zwischen Zuhörern zu rechnen, da die sich eh nicht alle grüne sind.

Agent B, Handgemenge sind nicht effizient. Bitte ergänzen Sie die Maßnahmen mit mehr Effektivität. Verteilen Sie vor dem Vortrag noch bitte Brieföffner und Schwiegermütter.

Schwiegermütter?

Wirkt immer, bei diesen Bürokraten, die wissen, was ein Schwiegermuttermörder ist. Agent-etwas C. Ihr Resümee?

Erhabene Meisterin, vierhundertneunundvierzig Menschen konnten wir mit der Titelmelodie “Pat und Patachon” in eine sehr düstere Ecke ihrer Stadt locken und mit Dauerbeschallung mit der Titelmelodie von “Die rote Zora” erledigen. Die Polizei tappt  bislang – wie erwartet – noch immer im Dunkeln. Weitere siebenhundertdreiundsechzig Baby-Boomer lockten wir mit der alten Titelmelodien von “Väter der Klamotten”, “Western von Gestern” und “Dick und Doof” in ein tiefes Gewässer, wo sie unter Klängen von “Hey hey Wickie” elendig ersoffen.

Sehr schön, sehr schön.

Weitere siebenhundertelfundsechzig Baby-Boomer haben wir mit der Melodie “Wer hat an der Uhr gedreht” aus deren Arbeitsplätzen geholt und dann mit “Die schnellste Maus von Mexiko” und Udo Jürgens “Vielen Dank für die Blumen” in ein Tigerkäfig locken können. Exitus. Die Tiger sind gesättigt. Leider aber auch übersättigt. Morgen steht dafür der Löwenkäfig auf den Plan.

Agentin D?

Chefin, ich habe einen Fernsehsender infiltriert. Und niemand hat es gemerkt.

Sehr gut.

Mit Geschick habe ich dort eine Show mit Boomern, Baby-Boomern und paar anderen Normalos organisiert.

Sehr, sehr gut.

Dazu habe ich Tweets über diese dämliche Boomer und deren over-cringe Baby-Boomer verfasst. Diese Tweets gingen gnadenlos viral. Beifall war mir hundertfach. Meine Followerzahl stieg annähernd fünfstellig. Ich organisierte Anruforgien in der Show mit dem Ziel: Diskreditierung der weißen, grauhaarigen, alten Männer, diesen dämlichen Boomer und deren over-cringe Baby-Boomer. Sie sollten demaskiert werden, als das was sie sind: überflüssig und ready to go. Ich erreichte meine Zuschauer in der anvisierten Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen: 1,6 Millionen. Mehr als genug, um Anrufer der Gruppe der weißen, grauhaarigen, alten Männer zu übertrumpfen.

Und?

Tja, Chefin, dann hat so ein dämlicher, weiblicher Boomer mit Schönheitsidealen a la Botox und Schlauchbootlippen abgeräumt und wurde Dschungelkönigin …

WAS?! Unglaublich! Elende Versagerin! Agentin D, du bist gefeuert! Du miese Nulpe, du!

Egal.

Wie bitte?

Der Sender hat mich einen Vertrag angeboten. Als Boomer- und Baby-Boomer-Expertin hätte ich mit meinen 39 Jährchen die passende Einstellung und Erfahrung, hieß es …

RAUS!!!!

Running up that hill – Den Hügel hinauf laufend

Hey! Du! Ich habe eine Forderung!

Drei Sätze, drei Ausrufezeichen. Reicht das? Verleiht es meiner Bitte Nachdruck? Muss ich auch noch reinste Großschreibung anwenden, um meiner Forderung Nachdruck zu verleihen.

H E Y ,  D U !   U N I V E R S U M !  H Ö R S T  D U  M I C H ?

Ich bin überzeugt, dass es keinen Gott gibt. Aber dafür gibt es das Universum, an welches man eigene Wünsche richten kann. So wie an dem Sams mit seinen Wünschpunkten. Oder der heiligen Maria und ihrem Jesus. Für ein Euro pro Leuchtmittel in der Münchner Frauenkerzen-Kirche. Wer das doppelte für sein Geld will, zündelt die Kerze an beiden Enden an. Das Licht, das doppelt so hell leuchtet, brennt nur halb …

Universum? Heio! Jemand da? Hoast mi?!?

Hörgeräte sind gerade im Sonderangebot. Da sollte mal das Universum zulangen. Nein, das ist kein frommer Wunsch. Sondern das ist meine Forderung ans Universum. Denn wenn es nicht dem folgt, was unsereiner will, wofür ist es denn dann gut? Versetzt Glaube jetzt etwa nicht mehr Berge?

Universum? Mach mal hinne! Schreib mal mit: ich will am Samstag um 13:42 Uhr einen freien Parkplatz genau in meiner Straße, vorzugsweise vor der Tür, wo sich meine Mietswohnung befindet!

Ich habe letztens den Kurs “Die Kraft des Wünschens: wie beim Universum richtig zu bestellen ist” mitgemacht. Jeder kann jetzt aus fahrlässiger Unwissenheit das gemeine Gegenteil behaupten, nur der Kraft des Wünschens kann selbst das Universum dem Individuum an sich gar nichts entgegen setzen. Die Kraft des tautologisch klassifizierten, einzelnen Individuums ist unmessbar. Bar jeder kalibrierten Messtechnik. Selbst einer Eichung abholt. Wo ein Wille, da selbstverfreilich auch ein Weg. Das weiß das Menschswesen bereits seit Gilgamesch. Und niemals wurde das durch jemanden überhaupt nachhaltig und stichhaltig widerlegt.

Universum! Es gibt keine Alternative zu meinem Wunsch, welches dein Befehl zu sein hat. Noch einmal zum Mitschreiben: Samstag. 13:42 Uhr und 43 Sekunden! Ein freier Parkplatz vor dem Gebäude meiner Mietswohnung. Ohne wenn und aber.

Ich brauche die Erfüllung dieses Wunsches. Unbedingt. Unbedenklich. Unwidersprochen.

Um 14:00:00 Uhr erwarte ich einen Anruf für ein neues Jobangebot. Das habe ich mit dem Jobmakler vereinbart und er hat es mir verbindlich zugesagt. Sollte ich um 13:42:43 Uhr nach meinem Brunch in der Münchner Innenstadt keinen Parkplatz direkt vor meiner Wohnung erhalten und meine exakt mathematischen Vorausabschätzungen nicht passen,  …

Universum! Wenn du es mir nicht erfüllst, ich rate dir dann, zieh dich warm an! Universum, ich kann das auch Freunden erzählen und dann wird dein Ruf ernsthaft beschädigt sein. Und das geht hin bis zu deinen Kindern. Quatsch, was sag ich. Bis hin zu deines Kindes Kindern. Weiter bis zu deines Kindes Kinders Kindern! Also, bedenke gut, ob du es wagen kannst, meinen Wunsch lediglich als Wunsch zu interpretieren! Ein geringer Wunsch, der easy zu erfüllen ist. Fakt. Also diskutiere nicht mit mir. 13:42:43 Uhr  .

Ich weiß, Druck bei Wünschen aufzubauen, ist grenzwertig, weil wohlmöglich auch fast in etwa unfair. Aber der Mond wurde auch nicht aufgrund eines drucklosen Wunsches betreten. Amerika wurde auch nicht entdeckt, weil jemand das Bedürfnis hatte an einen Baum zu pinkeln, und Jesus wurde auch nicht gekreuzigt, nur weil es ein Überangebot von Nägeln am freien Markt gab.

Universum! Universum! Hoast mi?

Es verletzt mich nicht, wenn das Universum mich nicht anhört. Willst du fühlen, wie es sich diese verletze Unverletzlichkeit anfühlen wird? Willst du wissen, was mich wirklich verletzen wird? Es ist, nicht berücksichtigt zu werden. Es ist das Gefühl, unwichtig zu sein, so wie ein Verhungernder im Jemen.

Wurst. Egal. Unwichtig. Willst du etwas über den Handel hören, den ich mit dem Universum mache?

Echt? Ich erzähle dir was. Wenn ich doch nur könnte, ich würde einen Handel mit Gott machen. Und ich würde ihn dazu bringen, dass er seine Platz mit mir tauschen würde. Er würde dann für mich die Straße vergeblich entlang rennen, den Berg sinnlos hinauf rennen, das Gebäude ohne Ziel nach oben rennen.

Wenn ich nur könnte.

Aber es gibt nur das Universum.

Das Universum und ich.

Daher betrifft es das Universum und mich.

Du, du Universum, du möchtest mich nicht verletzen, nicht wahr. Aber sieh nur, wie tief die Kugel meines Wunsches in meiner Brust steckt. Nicht ahnend zerreißt mich diese kleine Kugel meine Arterien in tausend große Stücke. Dessen Blut ergießt sich derweil über meine unschuldigen Hände. Oh ja, da donnert es in unserem gemeinsamen Herzen, in deinem dir Universum eigenem und in dem meinen kleinem Herzen. Wenn du nicht für mich bist, dann hasst du …

Universum, sag, gibt es soviel Hass für jene, die wir lieben, und für jene, die wir nicht lieben?

Universum, sag mir, wir bedeuten uns doch viel, nicht wahr? Du. Das sind du und ich.

Ich meine, das sind du und ich, und diese beiden möchten nicht unglücklich sein.

Universum, wenn ich es nur könnte, ich würde einen Handel mit Gott machen. Ich würde ihn dazu bringen unsere Plätze zu tauschen, die Straße entlang zu rennen, den Berg hinauf zu rennen, Gebäude nach oben zu rennen … Sag mir, wenn ich das nur könnte, oh…

Samstag. 13:42 Uhr. Wenn das nicht klappt, bin ich am Arsch.

Das Universum muss funktionieren, ansonsten kriegt es meine Rache zu spüren. Und das ist nicht nur das Thermostat im Winter auf “5”, das verspreche ich ihm schon jetzt, wenn es mir nicht folgt.

Rache ist ein Gericht das kalt serviert wird. Und daran sollte das Universum gewöhnt sein bei 0 Grad Kelvin, nicht wahr. Also ist meine Rache immer im Rahmen alles Machbaren.

Hasta la vista, Universum! I’ll be back!

Aloisius

Es war ein kalter August. Viel Regen, wenig Sonne. Nasskalt. Wenn die Sonne zu sehen war, dann nur morgens oder abends als kaltgelber Ball zwischen den Wolken.

Alles war kalt, die Hände, die Nase, die Füße, die Zehen. Der Regen schien in die
Kleidung einzuziehen. Klamm war sie. Das Frühjahr war bereits sehr schattig gewesen. Und nahtlos ging das Frühjahr in den Sommer rüber.

Mamertus, Pankratius, Servatius und Bonifatius gaben sich unterkühlt und verschnupft die Klinke in die Hand und hinterließen eine unangenehme Kühle im Land. Und erst recht die kalte Sophie. Sie zeigte ihre kälteste Schulter.

Siebenschläfer war regnerisch. Was mindestens sieben Wochen schlechtes Wetter bedeuten sollte. Besagte eine alte Bauernregel, von der alle sagten, dass sie nicht stimme, aber niemand glaubte, dass es nicht so sei. Denn man kannte die berühmt berüchtigte Bauernschläue nur zu gut.

Jemand meinte, einen Sonnenstrahl an jenem Tag gesehen zu haben und erzählte davon hoffnungsschwanger. Nur wurde er veräppelt:
„Du hast Sonne gesehen? Wo? Wo? Wo? Sag schon, wo isse?“
Er schwieg. Er schwieg über den gelben Strahl, der sich seinen Weg durch zwei stahlgrau, dunkle Wolkentürme bahnte. Wie das Lichtschwert eines Yedis hatte die Sonne ihre Kraft gezeigt.
„Und? Haste dich gleich eingecremt? Lichtschutzfaktor 15?“
15. 15 war,damals das höchste der Gefühle, was in der Drogerie von „Schlecker“ als Sonnencreme kaufbar war. Die Sonnencreme war recht fetthaltig und konnte somit auf der Haut auch als Isolationsschicht vor Kälte verwendet werden.

Die Kirmes – wie üblich Anfang August – war ein buchstäblicher Schlag ins Wasser. Sie war ein Pfützenfestival. Jede Pfütze ein Wassergraben zum Drüber-hinweg-Springen. Der reinste Pfützenslalom. Und die Karussells waren in etwa das, was der Schleudergang bei Waschmaschinen darstellt. Der Auto-Scooter war die begehrteste Attraktion, war es doch überdacht. Ebenso „Die Raupe“. Aber Karussells wie „Hully-Gully“ oder das Flugzeugkarussell, die waren ungeschützt und man verließ sie immer mit nassem Hosenboden. Bei jenem Sauwetter wollten auch die Helfer der Schausteller nicht raus und jedes Mal alles trocken wischen.

Jeder war sich im Klaren, besser würde das Wetter nicht werden. Und die ersten sahen schon die Horrorvisionen der Maisernte im September und Oktober voraus: verschlammte Straßen durch Trecker, deren Reifen den klatschfeuchten Lehm vom Maisfeld auf die Straße brachten. Und wer hatte dann die Malaise? Richtig. Die Autofahrer mit ihren frisch gewaschene PKWs, mit denen sie Sonnabend oder Sonntag Morgen zur Kirche wollten. Niemand wollte mit einer Dreckskarre vor der Kirche parken.

Denn Leute mit Anstand im Dorf fuhren zum Gottesdienst nur mit blitzendem Blech vor. Nur jene Alternativen mit deren Schrott auf Rädern und dem Heck voller Aufkleber von Pop- oder Rock-Gruppen oder mit politischen oder philosophischen Botschaften wie rausgereckten Zungen, rot oder schwarz-weiß, die dazu noch mit Unsinnssprüchen glänzten. Das waren eher jene ohne Anstand oder Respekt vor dem heiligen Blech vor dem heiligen Gotteshaus. Man schüttete darüber insgeheim und öffentlich den Kopf und träumte von einer Zukunft, in der es keine PKWs mehr gäbe, auf deren Heck bunte Aufkleber klebten und irgendwelche Botschaften verbreiteten. Wenn wenigstens der Regen solche PKWs sauber waschen würde. Denn er war ja zumindest sauer. Aber wohl nicht so sauer, wie mancher über bunt beklebte Heckfronten eines Autos. Sauber blitzende Hecks von sauber blitzenden Autos, das waren das erklärte Zukunftstraumziel.

Der Priester im Dorfe hatte bereits verschiedene Andachten organisiert, die nur dem einen Ziele dienten, schön Wetter zu machen. Gott solle doch ein Einsehen haben, dass soviel Regen der Gemeinde nicht gut tue. Es schade den Ernten und machte die Leute nur depressiv. Im Stakkato wurden AVE MARIA, und VATERUNSER herunter gebetet und Rosenkränze in den Händen geknetet. Aber das Wetter wurde nicht besser.

Es ging der August, es kam der September und der Oktober stand vor der Tür. Regenwetter, Regen, Schnürlregen, Landregen. Grau in grau.

– Sonne? Sie haben Sonne gesehen? Wo?
– Da hinten. Zweite Straße rechts.
– Wo? Wo? Wo?

Ein beliebter Otto-Waalkes-Witz zu jener Zeit.

Die Andachten reihten sich aneinander, wie die Perlen der Rosenkränze, die durch die Finger der Andachtsteilnehmer liefen. Erntedankfest kam und die blitzeblank-gewienerten PKWs mussten über verschlammte Straßen zum Gottesdienst.

Erntedank ging. Der triste November kam und ein Sommer, der kein Sommer war, hatte
schon seit langem einem Herbst Platz gemacht, einem Herbst, der sich bereits im Frühjahr in der Gegend umgeschaut hatte.

“Schau mal, Petrus. Ich glaube, jetzt sind die hier mal dran. Die wollen besseres Wetter.”
”Nach 40 Jahren? Das war vor 40 Jahren.”
”Ja und? Bei soviel Bitten und Fürbitten, die sich hier stapeln. Das ist immerhin ne Menge Arbeit. Abzuarbeiten, alles der Reihe nach, eines nach dem anderen. Wir können schließlich auch nicht hexen. Aber wir lassen uns niemals nicht nachsagen, dass wir unseren Aufgaben nicht nachkommen würden. Wir haben schließlich ein Ruf zu verlieren. Man solle nie sagen dürfen, ein Gott nähme die Bitten seiner Gläubigen nicht ernst.”
”Wie du meinst.”
”Also, Petrus, wie viele Andachten, Fürbitten und Gebete waren es für besseres Wetter in dem Landstrich zu jener Zeit?”
”Also, vom Stiefel des Erdenstrichs bis hin zum ewigen Eis nach oben, also so ungefähr paar Dutzend Millionen Bitten, Fürbitten und Andachten. Und einige davon von Gläubigen mit verklebten Autohecks.”
”Echt? Diese Barbaren. Autohecks zu verkleben, geht gar nicht! Es geht doch nichts über blitzendes sauber lackiertes Autoblech. Was sind das für Frevler? Aber deren unerschütterlichen Glauben lob ich mir.”
”Wirklich?”
”Aber sicher das, Petrus. Ich will mich denen erkenntlich zeigen. Gib denen mal zwanzig Jahre nur Schönwetter, von April bis November. Also, richtig gutes warmes bis heißes Wetter und kein Regen. Die sollen mal die Sonnenseite des Lebens kennenlernen.”
”Und dazwischen, von November bis April?”
”Ein wenig Abkühlung mit Fluten, Gewittern und Stürmen. Übermütig sollen die schließlich auch nicht werden.”
”Geht Klar, Vater. Soll der Heilige Geist dann wenigstens an den heißen Tagen wehen?”
”Nicht notwendig, Petrus. Alles sollen die dort auch nicht gleich geschenkt bekommen, woll. Und sag meinem Sohn, er soll endlich ins Münchner Hofbräuhaus gehen und dem Dienstboten, dem Saufkopp, in den Allerwertesten treten.”
”Dem Aloisius? Der schon seit hundert Jahren dort seine Maß säuft?”
”Der soll endlich den Regierungen dort unter meinen göttlichen Eingebung mitgeben.”
”Mach ich. Geht klar. Gleich nach der Werbepause. Wenn das Endlos-Wirtschaftsspiel im Stream aus ist.”

Streng geforscht, locker erzählt, verbindlich gelogen

Hallo,

ich möchte an dieser Stelle meines Blogs exklusiv eine meiner bahnbrechenden Forschungen vorstellen und dem allgemeinen Peer-to-Peer-Review zur Verfügung stellen. Also, gewissermaßen zur Herstellung einer win-win-Situation: Gewinn für euch, Gewinn für mich.

Zur Erklärung: Peer-to-Peer-Review ist die Bewertung einer Arbeit durch unabhängige Gutachter, Menschen desselben Metiers, sogenannte »Peers«, was Englisch ist und für »Ebenbürtige«, »Gleichrangige« steht. Also Leser meines Blogs, klar soweit.

Das Peer-Review-Verfahren beim Bloggen ist das gängigste Verfahren der Qualitätsprüfung in Klein-Bloggershausen vor Veröffentlichung von Beiträgen in anderen Blogs, auf Flugblättern, gesprüht auf jeder Wand als Graffiti, getanzt als Walzer, Slow-Fox und Gabalier-Pogo, gegrölt auf Sauf-Feten, Trinkgelagen und live übertragen in den nicht-öffentlich-rechtlichen Medien. Klar so weit?

Nebenbei: ich distanziere mich hier ausdrücklich und so weit wie möglich von dem Thema »Wissenschaft«, denn solche sind keine uns »Ebenbürtige« oder »Gleichrangige«, sondern elitäre Eigenbrötler, die sich bei deren Peer-to-Peer-Reviews mittels verklausulierter Sprache uns und unserem Verständnis entziehen wollen, um damit deren eigene Süppchen zu kochen, die wir dann alle auslöffeln sollen.

Klar soweit? Safe. Dann fang ich mal an:

Jeder kennt die Schokoladenei-Werbung, in der Kinder vor einem Schoko-Ei mit Spielzeuginhalt gesetzt werden und versprochen kriegen, dass wenn das Kind das Ei nicht anrühre, dann kriege es zur Belohnung ein weiteres. Das Ganze basiert auf der 1972 veröffentlichten Marshmallow-Test-Studie des Wissenschaftlers Walter Mischel der Stanfort University. In dieser Studie wurde einem Kind vor einem Marshmallow gesetzt und erhielt die Wahl zwischen einer kleinen, aber sofortigen Belohnung, wenn es das Marshmallow direkt aufesse, und zwei kleinen Belohnungen angeboten, wenn es eine Zeit lang warten würde, bevor es das Marshmallow verschlingen würde.

Was der Test damals zumindest aussagte, war, dass Kindern von Akademikermüttern erheblich erfolgreicher widerstanden als jene Kinder, deren Mütter aus den eher bildungsferneren Bereichen stammten. Die Strategie, die eigene menschliche Gier nicht so offensichtlich zu zeigen und ihr gleich nachzugeben, hat also etwas mit Bildung zu tun. Gier an sich ist eh’ per natura bildungsfern und gehört vielmehr zu den basalen Überlebensstrategien des Menschen an sich.

In meiner Studie habe ich diesen Marshmallow-Test abgeändert und durch einen Bündel 100-€-Geldscheine ersetzt. An meiner Studie nahmen 30 erwachsene Frauen und Männer aus allen Bildungsschichten teil. Ich setzte sie jeweils in einem grünen Erholungspark unter strahlendem Sonnenschein auf einem hölzernen Stuhl an einem massiven Tisch, legte das Bündel vor denen hin, erklärte die Spielregeln, dass, würde das Bündel nach zehn Minuten noch auf dem Tisch liegen, ich zusätzlich ein Bündel 5-€-Scheine drauflegen würde und nach einer weiteren Minute ein weiteres Bündel 5-€-Scheine und nach weiteren fünf Minuten auch eine Rolle 1-€-Stücke. Alles war druckfrisch und original gebündelt von der Deutschen Bundesbank. Um die Wartezeit für die Studienobjekte am Tisch zu überbrücken, legte ich ihnen Papier und Bleistift hin, damit sie mir im Gegenzug deren Kontaktdaten niederschreiben konnten.

Das Ergebnis meiner Forschungsstudie:

Alle 30 Teilnehmer zeigten vollkommen das gleiche Verhalten. Auch wenn sich deren akzelerative Tempozunahme von 0 km/h hin zu erstaunlichen Fluchtgeschwindigkeiten vom Tisch und Sitzplatz weg in die freie Natur des Parks hinein nicht gleich verhielt, so war sicherlich die freundliche Umgebung, also der sonnendurchflutete Park, wohl an dieser vom-Tisch-weg-Beschleunigung ein nicht zu vernachlässigender Parameter, den ich in zukünftigen Studien zu berücksichtigen habe. Aber viel schwerwiegender dürfte es wohl sein, dass die Analphabeten-Quote um einiges höher liegt, als die Mainstream-Medien uns weis machen wollen, eben weil mir kein Teilnehmer Adresse oder Telefonnummer auf dem Zettel hinterließ. Möglich ist es aber auch, dass diese Menschen sich als Bundesbürger Erster-Klasse eindeutig disqualifiziert haben, weil sie mir deren Kontaktdaten vorenthielten. Das wichtigste und das eigentlichste ist das Ergebnis: ich habe jetzt 300.000 € Außenstände bei der Deutschen Bank, welche mir die Forschungsmittel als Kredit zur Verfügung gestellt hatte. Und die Kosten für das von mir vorgesehene Inkasso-Unternehmen (junge Burschen aus Russland) zur Eintreibung meiner Außenstände muss ich ja auch noch ausgleichen.

Für das von mir an dieser Stelle gedachte Peer-to-Peer-Review bitte ich somit die Leser meines Blogs nur um eine Aktion: ihre Meinung unter diesem Post kund zu tun und die dazu erforderliche obligatorische freiwillige Spende (mind. 100 € in unnummerierten, unmarkierten Scheinen oder Münzen) auf mein Konto zu überweisen. Meine IBAN findet sich im Impressum. Meine Bankdankbarkeit für die Spender in meinem Herzen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Parkbankgespräch: Real virtuell im Virtuell-Realem

Parkbank»Ich weiß nicht, was ich sagen soll.«

»Dann lass es.«

»Aber ich muss es sagen. Es muss aus mir raus. Weil es hier ne Parkbank ist.«

»Dann sag es und gut ist.«

»Es regt mich auf.«

»Okay, was regt einen momentan eh nicht auf.«

»Aber das hier ist ernst.«

»Ernst ist das Kind von Verhütungsplanung. Ernst sein Vater ist jetzt geschockt, dass Verhütung nicht allein Frauensache ist. Nach zehn Jahren Rumbumsen ohne jeglichen Ernst …«

»Das mein ich nicht.«

»Sondern?«

»Eher das, was mit der Inflation vor Ort am gemeinen Essenslokal angepasst wird.«

»Die Preise von McDonalds?«

»Der Preis der Menschheit.«

»Ach ne, was du nicht sagst, du Hobbyphilosoph.«

»Ich hatte einen Freund …«

»Wer hatte den nicht.«

»… und der war auf seine Weise intellektuell.«

»Jaja, nee, ist klar. Hatte der jemals einen offenen Brief geschrieben? Nein? Dann ist der auch nicht intellektuell. Wenn jemand einen offenen Brief schreibt, dann muss er auch die augenblickliche Inflation der offenen Briefe im Auge behalten. Und der Reaktionen darauf. Und den Stand der Immobilienfonds im eigenen Portfolio. Ansonsten ist so einer nur Schwätzer..«

»Ich glaube, du verstehst nicht, was offene Briefe sind.«

»Briefe, die dem Postgeheimnis unterliegen, auf das der Sender des Briefes keinen Wert legen. Also so wie ein Wichtigtuer von Datenschützer, der mit Google-, Microsoft- und Amazon-Apps auf seinem Smartphone rumläuft, um wichtige Emails zu schreiben. Der allein schon beim Einloggen ins GMS-Netz seine Spuren für jedem hinterlässt.«

»Das ist Kappes, das meinte ich nicht. Eher das folgende: ich denke, also wissen wir.«

»Freilich. Wissen ist immer gut.«

»Wissern ist wichtige!«

»Okay, nur vom eigentlichen Wissen wissen wir immer zu wenig. Sagt bereits die Volksseele.«

»Was uns als Wissen aber fehlt, sind für uns Wissende die Wissenslücken.”

“Freilich. Wir sind Unwissende.”

“Es gibt Menschen, die behaupten aber nicht bloß, dass wir nichts von all dem wirklich wissen, was wir allgemein zu wissen glauben – sie behaupten sogar, dass sie wissen, wie es wirklich ist.«

»Kenn ich. Der Volksmund nennt solche Menschen schlicht und ergreifend: Wichtigtuer. Im Neudeutsch auch ‘Verschwörungstheoretiker’.«

“Somit lässt der Volksmund sie dort liegen, wo sich jene schon immer befanden: an den Rändern der gesellschaftlichen Kommunikation.«

»Mainstream eben.”

“Mainstream bedeutete ja ursprünglich kommerzielle, massentaugliche Oberflächlichkeit. Woraus sich in der Kritik eine gewisse Geringschätzung ergab.«

»Mainstream gab es für uns Boomer nicht. Das ist ein Begriff der ‘Gen Y’ ausgesprochen ‘generation why’. Boomer nannten das damals lediglich ‘Massengeschmack’. Also, etwas ohne besondere Würze und für jeden ohne Schluckauf schluckbar. Gen Y nennt es jetzt ‘Boomer Mainstream’.«

»Egal. Die radikalen Ränder haben nun eben diesen Boomer-Begriff ‚Mainstream‘ gekapert, nur um die gesellschaftlichen Mehrheit zu deren Feind zu erklären. Sie bezeichnen die gesellschaftlichen Mehrheit als Diktatur, weil die Mehrheit sie abweist und an den Rändern hält.«

»Und nu, was soll das? Ränder sind nun mal Ränder. Jede Pizza hat Ränder, auch wenn sie knusprig und lecker sind.«

»Eben jene Ränder sind nun nur deshalb sichtbar, weil die Mehrheit sich mit ihnen beschäftigt. Der Mainstream beschäftigt sich nun mal mit jenen.«

»Wahrscheinlich aus Langeweile.«

»Und das geschieht besonders immer in einer Demokratie. Demokratie setzt sich für so etwas ein, dass soziale Ränder möglichst nicht ausgegrenzt werden. Die Ränder mögen das nicht und schelten sie daher als Diktatur. Paradox.«

»Sie meinen also wohl eher ‘Demokratur’?«

»Nur, in einer Diktatur werden aber solche, wenn sie denn gefährlich zu werden drohen, direkt in Gefängnissen und Lagern isoliert. In der Demokratie lediglich in den verschiedensten Medien berücksichtigt und besprochen.«

»Ich hab noch ne Rollte Alufolie. Kann man locker nen Aluhut raus basteln. Für dich und deine Gefängnisse- und Lager-Argumentation. Du driftest ab in Verschwörungsmythen.«

»Nun. Verschwörungsmythen stellen auch Teil eines Unterhaltungsgewerbes dar.«

»Du meinst, mit wenig Aufwand eine Erschaffung von Gruppenzugehörigkeit und Weltbilder?«

»Und jene sind die irgendwo zwischen Gaming und Kino angesiedelt sind. Zwischen ‘Marvel Universe’ und dessen ‘Avengers’ und einem Krieg a la  ‘Call of Duty’, den erfolgreichsten Beschäftigungsprogrammen für Großhirne vor Monitoren.«

»Aha, beim Lästern bist du jetzt bei der Playstation und den privat finanzierten Fernsehkanälen angekommen? Dem allseits bekannten Kino für geistig Arme?«

»Kino und Internet haben in den letzten 30 Jahren ein ganzes Universum an Verschwörungen ausgedacht. Das Monster bei Karstadt lässt grüßen. Oder Bielefeld und seine Saga.«

»Und das Drei-Hasen-Fenster in Paderborn.«

»Viele Verschwörungsgläubige scheinen in dem einen oder anderen Blockbustern der eigenen Blasen hängengeblieben zu sein. Da ist das 3-Hasen-Fenster nur das kleinere Übel.«

»Okay, momentan gibt es viele Superhelden- oder Anti-Superhelden-Filme und Serien auf den Streaming-Kanälen. Das ist wohl der neue geistige Existentialismus im virtuellen Hirn, der real viral in solchen Köpfen hoch und runter stiefelt.«

»Nicht wahr? Im virtuellen Raum lässt sich das echt prima ausleben.«

»Wir beide sind hier aber auf einer Parkbank. Die ist nicht viral und auch nicht durch einen Virus verursacht. Und die Parkbank geht auch nicht hoch oder runter.«

»Das ist wahr.«

»Und was sagt das uns?«

»Nun ja. Das alt bekannte Rezept: lasst es uns öffentlich aussitzen.«

»Da vorne ist ein McDonalds. Wir könnten in der Zwischenzeit ja ne Apfeltasche mit Cola mit nem Milcheis danach zu uns nehmen.«

»Gerne. Wenn es danach nicht viral geht …«

Evidenzbasiert

Könntest du nach einer Flasche Rosè noch reden? Nein? Du musst es versuchen. Einfach versuchen. Einfach Mund auf und Stimmbänder unter der Ausatemluft vibrieren lassen. Dann versteht dich hier jeder. So wie immer bei den Oppositionellen.

Wie bitte? Dafür braucht es keine Flasche Rosè? Aber hey, was ist mit evidenzbasiert? Und was ist mit verhältnismäßig?  Dafür braucht es immer eine Flasche Rosé.

Evidenzbasiert: auf der Basis empirisch zusammengetragener und bewerteter wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Wo sind denn die Studien, die zeigen, dass Masken bei Corona wirken? Buschmann  (NRW Justizminister) sieht nur Studien der letzten beiden Jahre, jedoch nichts aktuelles aus dem Fernsehprogramm des Jahres 2022.

Ich trinke meinen Rosé. Ist das schädlich? Meine Leber hebt den Finger. Leber ist immer gut. Gebraten und gut gewürzt. Nur, wo ist deren evidenzbasierter Grund, den Finger zu heben? Richtig. Unverhältnismäßig einen Finger gegenüber der Schwerkraft hochzuheben und damit ein Signal zu geben, das ist nun wirklich nicht evidenzbasiert. Geht gar nicht.

Und überhaupt: wo sind denn die Studien, dass Hummeln fliegen können. Ich sehe immer nur welche von vor ein Dutzend Monate. So wie Buschmann zu den evidenzbasierten Studien bezüglich Corona. Nur hier die Hummel.

Die Hummel hat 0,7 cm² Flügelfläche und wiegt 1,2 Gramm. Nach den Gesetzen der Aerodynamik soll es unmöglich sein, bei diesem Verhältnis zu fliegen. Die Hummel kümmere das nicht und sie fliege trotzdem. Da die Hummel die Gesetze der Aerodynamik (… dummes Vieh, ungebildetes …) nicht kennt, fliegt sie dennoch.

Sagen die Nachdenker in Scharen und weitere müllernde Berger-Seiten, die in Aerodynamik eh nie eine Prüfung bestanden hätten, aber dafür um so mehr Meinungskraft auf deren Internetseiten verbreiten können. Sagt ein evidenzbasiert blinder Buschmann.

Was Buschmann wie seine FDP gerne ostentativer sagen würde: Fresst Scheiße! Denn  evidenzbasiert scheinen viele Fliegen unabhängig vom derzeitigen politischen Status sich in Exkremente zu suhlen. So wie Putin, Trump, Xi Jinping, Bolsonaro, Kim Jun-un, Mohammed bin Salman al-Saud, Dr. Keiner Vüllnicht, die neuen Rechtsradikalen der NaDeSe-Müll-Berg-War-und-weg.

Zuviel der AKFs? (= Abkürzungsfimmel).

Okay.

Zuwenig nachdenken und reflektieren. Passiert auch anderen. Nicht nur mir. Nur ich hab weniger Verbreitungsgebiet.

… jaaa, neee, is klar, diese Art der Argumentation, typisch, verhetzter Blogger, der ich bin …

Gimmie a Rosé. Nix weiß, nix rot, nur Rosé. Passend zur Jahreszeit. Fruchtig. Süffig. Lecker.

Könntest du nach einer Flasche Rosè noch reden? Nein?

Lass es einfach. Macht nur unpopulär, macht Blog-Eintragungen ….

Die Rückkehr der “Cui-Bono”-Krieger

Lasset uns konjugieren:

Mein Leben läuft. // Dein Leben läuft. // Sein/Ihr/Sein Leben läuft. //

Unser Leben läuft. // Euer Leben läuft. // Ihr Leben läuft.

Es ist ein reinster Lebenslauf, dass das Leben läuft. Manchmal geht es aber auch, das Leben. Oder schleicht. Und so am Ende des Lebenslaufs geht es wieder der Erde entgegen. Der reinste Lebenslauf? Na. So einfach sollte man es sich nicht machen. „Lebenslauf einfach“ geht schon mal gar nicht. Einfach einfach kann jeder einfach mal so einfach. Mal so. So.

Lebensläufe zu analysieren ist wieder total en vogue. Der Baerbocks ihrer. Geht gar nicht, derer ihrer einer. Voll der Fehler und der eindeutig eindeutigen Hinweise, die sie disqualifizieren für den Posten des Kehrpersonals der Republik. Wie schrieb irgend so ein pseudo-investigativer Journalist mal im Internet? „Kanzlerette“. Dabei ist die Baerbock noch nicht mal „Kanzlerin“, damit dieser despektierlich verwendete Ausdruck überhaupt auf sie passen würde. Aber abgeschrieben hat er es woanders, trotzdem. Weil er weiß, dass seine Leser nicht gerade die hellsten Kerzen auf seiner Torte sind.

Ach ja? Super! Voll toll! Machste hier eine Stimme des Widerstandes wieder nieder? Und überhaupt. „Die Baerbock“? Geht’s noch, Herr Schreiberling dieses Blogeintrags? „Die Baerbock“! Die hat einen richtigen Vornamen und der lautet bestimmt nicht „die“. Und Anstand und gute Kinderstube gebietet auch, zumindest ihre Anrede zu nennen: „Frau“, wenn schon der Vorname nicht genannt werden sollte. Herr Schreiberling! Capito, stupido?? Mann, Mann, Mann.

Hm.

Das war ich jetzt nicht.

Das war mein Über-Ich. Nicht ich. Solche Einwürfe schreibe ich nicht. Okay. Weiter im Kontext und das Über-Ich von mir, dieses kleine Monster der gewissen Gewissenlosigkeit, wieder weggesperrt, in den tiefsten Kerkern meines unbewussten Bewusstseins. Was andere schon längst können, kann ich schon länger.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja. Beim Lauf des Lebens. Der Lebenslauf der Baerbock ist inzwischen hinreichend bekannt, ausreichend durchgekaut und mehrfach ausgespuckt worden. Und all die meinungsstarken Schreiberlinge der vorherrschenden Medien und der selbst-ernannten alternativen Medien sind sich einig: Frisieren ist gleich fälschen, und Fälschen ist kriminell. So wie beim Theodore, dem Guttenberger. Oder jetzt wie bei jener, der Annalena, dieser Baerbock. Geht gar nicht. Folglich sieht jeder auch deswegen die automatische Disqualifizierung der Frau fürs Kanzleramt. Somit ist es auch völlig okay und bleibt unwidersprochen, die Baerbock als Moses, dem Oberverbieter von „laissez-faire, laissez-aller“, darzustellen. Klandestiner Antisemitismus geht. Immer. Dann schreit auch keiner auf. Weil: böses Weibchen, ganz böses Frauchen.

Gut. Ein Blick in den Lebenslauf von Armin Laschet, den jener als Kandidat für den Vorsitz der CDU Deutschlands abgab (Stand 28-Okt-2020, abrufbar in den Archivdokumentseiten der CDU im Internet und auf den parlamentarischen Seiten NRWs), lässt putativ ebenfalls auf Frisieren schließen.

Was auffällt ist, dass Laschet in seinem Leben weder Bundeswehr noch Zivildienst absolviert hat, sondern gleich nach dem Abitur gen München ins damalige Herrschaftsreich des Franz-Josef Strauß übersiedelte. Womit sich auch Laschets Verbundenheit zu München und damit zu Herrn Dr. Söder erklärt. Und es wird dann auch klar, warum das NRW-Kabinett deren Kabinettssitzung auf Veranlassung von Ministerpräsident Laschet am 12. März 2019 bei Ministerpräsident Dr. Söder in München durchführen ließ.

Nun, dass Laschet nicht ein Jahr zur Bundeswehr gegangen zu sein scheint oder alternativ 18 Monate lang Zivildienstleistender der Gesellschaft diente, das lässt zwei Schlüsse zu: Entweder wurde er wegen seinem Jura-Studium (erfolglos, da ohne Abschluss) zurückgestellt. Oder er wurde in NRW vom Kreiswehrersatzamt bei dessen Bemusterung als Vulnerabler ausgemustert. Also Klassifizierung „T5“ wegen der Feststellung einer schweren Gesundheitsstörung (will sagen: eine Besserung des Gesundheitszustandes stand nicht zu erwarten). Oder vielleicht auch „T4“. Wegen einer Zahnspange. Oder so.

Nun gut. Herr Laschet dokumentiert drei Tage vor dem 31. Oktober in seinem Lebenslauf, dass er Mitglied des Direktoriums zur Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen war. Das galt exakt bis zum 31. Oktober 2020. Danach schied er aus. Aus dem Direktorium. Wegen der Pandemie allerdings gehörte er informell bis zur Nachholung der Verleihung des Preises 2020 auch 2021 noch dem Direktorium an. Informell. Sagt das Direktorium. Formell wird er von diesem Verein auf seinen Internetseiten seit Dezember 2020 nicht mehr geführt. Und seinen Lebenslauf hat Laschet danach auch nicht angepasst.

Oder es fällt auf, dass etwas nicht vorhanden ist: es fehlt in seinem Lebenslauf, dass Laschet als Lehrbeauftragter an der RWTH Aachen Klausuren verlor und diese dann trotzdem benotete … gut, so etwas steht maximal in dessen Zeugnis: „Herr Laschet gab sich stets äußerste Mühe, seine Aufgaben pflichtgemäß zu erfüllen. Hierbei zeichnete er sich durch Proaktivität auch gegenüber der Zukunft seiner Studenten aus“. So etwas steht natürlich nie in einem Lebenslauf. Stimmt. Gehört auch nicht dort hinein.

Oder er umschreibt seine Lebensphasen: dass er hier in München seine „Ausbildung zum Journalisten“ machte. Nebenbei, das war beim Privatsender „Charivari“ und nicht beim „Bayrischen Rundfunk“ … Privatsender „Charivari“ … ja, nee, is klar, ne … `ne Ausbildung bei der Zeitungbeilage „Prisma“, die Beilage zum TV-Programm, wäre da schon erheblich journalistischer und investigativer …

Dafür ist er aber immerhin Mitglied der „Europäischen Akademie der Wissenschaft und Künste“ in Salzburg. Liegt bei München. Also genau genommen, inoffiziell sehr knappes Oberbayern. Das hört sich nobel an. So nach „Mozart“, „Mozartkugeln“ und „Salzburger Nockerl“. Und in dieser Akademie ist er in der Abteilung „Weltreligionen“ tätig.

Und? Cui bono? Wem tut’s gut? Wer ist ebenfalls mit ihm in der gleichen Abteilung jener Akademie? Richtig. Ein anderer Münchener: Richard Marx. Der zurücktreten wollte. Den der Papst im Vatikan aber nicht ließ. Richard Marx. Nicht zu verwechseln mit Karl Marx (kein Münchner, aber schon im Himmel). Oder gar jenem Rainer Maria Kardinal Woelki (nicht Münchner, nicht Himmelaner), der Nachfolger von Joachim Kardinal Meisner. Meisner das war der, den damals schon Jürgen Becker wegen seiner Managerfähigkeiten als “Nulpe” einordnete (“In der freien Wirtschaft würde er nur als Pförtner eingestellt.” Jürgen Becker, 2007, DFL-Kultur). Und Joachim Kardinal Meisner hat Maria Kardinal Woelki offensichtlich komplett beerbt. Der Apfel stammt nicht weit vom Fall …

Also. Jener Rainer Maria Kardinal Woelki, der an einem 18. Februar zum Kardinal zu Köln ernannt wurde. An dem Tag, an welchem Armin Laschet immer seinen Geburtstag feiert. An dem 18. Februar. An dem gleichen Tag, an dem im Jahre 2014 redaktionell niedergeschrieben wurde, dass Reinhard Marx auf Lebenszeit Kardinal bleibt und was dann am nächsten Tag vom Presseamt des Heiligen Stuhls im Vatikan schriftlich verkündigt wurde.

Wird jetzt klarer, warum die Öcher Printe ohne akademischen Jura-Titel, also eben jener Armin Laschet, mehr Münchner ist als es jener hiesige, nach München zugezogene Franke mit Doktortitel, ein gewisser Herr Dr. Söder? Warum Laschet somit das volle Recht hatte, mit seinem Kabinett in jenem März 2019 seine NRW-Kabinettssitzung in München abzuhalten? Und warum Söder fürchten muss, dass Laschet als Kanzler mit der Bundeswehr in München einmarschiert und das Straußoleum (die Münchner Staatskanzlei) einnimmt und Söder zum Postboten von Baerbock degradiert? Cui bono?

Na gut. Details hinter den aufgeführten Punkten in Laschets Lebenslauf kenne ich nicht im Detail. Aber ist das kriegsentscheidend? Gehören die bisher aufgezählten Dinge etwa nicht zum „Frisieren“? Nun, wichtig ist aber lediglich: Hauptsache, sie machen dicke Backen der Empörung. Dicke Backen wie hart gekochte Kohlenhydrate an gematschten Tomaten mit Olivenöl und feinem Grünzeugs drüber. Auf Deutsch: Spaghetti Napoli. Und Krieger brauchen Kohlenhydrate. Ansonsten verhungern sie im Krieg mit den Feind, noch bevor dieser sie hätte töten können. Warum die damals durch das Kreiswehrersatzamt ausgemusterten Vulnerablen nicht trotzdem genommen wurden … sie hätten ja als Pufferweichziele verwendet werden können … Cui bono?

Ich schaue in meinen Lebenslauf. Mein Lebenslauf. Frisiert? Frisieren? Wer ich?

Hm. Herr Schreiberling, was sehe ich da? Keine Lücken? Allerdings auch kein One-Pager wie jener Lebenslauf vom Laschet. Vielmehr ein Mehr-Seiter. Und verdammt viel Text. Sozusagen eine Bleiwüste als Lebenslauf getarnt. Jaja. Und dann noch ein halbes Jahr Südamerika-Praktikum. Soso. Niemals gekündigt und niemals in einer Führungsposition. Aha. Alles so rund. So verdächtig unverdächtig. Was soll verborgen werden? Wo ist der Lebenslauf frisiert? Aber dann der entscheidende Hinweis, nicht wahr: Geburtsdatum des Schreiberlings ist der 18. Februar. Jetzt wird’s aber extrem verdächtig, Herr Schreiberling! Cui bono? Eben! Erwischt! Der 18. Februar als Tag der Nulpen …

Nööööö, ich frisiere doch nicht! Ich nicht! Doppelschwör! Ich bin ehrlich. Wie meine Haut. So wahr, wie ich sie zu Markte trage. So abziehbar, wie die Panini-Klebebildchen in den Schokoladen-Häppchen vom Kiosk an der Ecke. So ehrlich wie Hinz und Kunz hier auch.

Wie Hinz und Kunz? Okay. Dann doch eher wie Kunz. Denn Hinz habe ich bereits kennengelernt. Der beherrscht Photoshop erheblich schlechter als Kunz. Und im Gegensatz zu Hinz hat Kunz auch das passende Druckerpapier für Fake-Impfausweise, also die inoffiziellen Hinzugehörigkeitspapiere der schlaflosen Außerparlamentarischen Fake-News-Opposition, der Abteilung der Trypanophobie-Adepten und sonstige Lebensphobiker …

Menno. Ich muss an dieser Stelle konstatieren: Kerkerwächter sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Alles muss man selbst machen. Gutes Personal ist heuer so schwierig zu bekommen, um sein überwaberndes Über-Ich eingesperrt zu halten.

Damals, ja, damals, da konnte man noch guten Gewissens das eigene Über-Ich wegsperren, zusammen mit all den Bruchstücken der eigenen Vergangenheit. Das war noch der berühmt berüchtigte Zeitgeist, der alles unter Kontrolle hatte. Richtig, daran war nur der Zeitgeist schuld. Der hat damals die eigenen Kerkerwächter vergütet und belohnt. Aber heuer? Wenn nicht mal der eigene frisierte Lebenslauf sicher ist vor den eigenen Ansprüchen, welche man gerecht zur Rache an andere Menschen setzt, …

Komm jetzt trau dich. Sag es schon. Na los. “Cui bono” kannste doch auch aus dem Effeff buchstabieren. Tu es. Trau dich. Du bist jetzt ein alter, grauhaariger weißer Mann. Du darfst jetzt. Soll ich dir den Anfang vorsagen? Das Stichwort geben? Gut: Früher. War. Alles. …

Besser? Nö, nicht wirklich. Früher war nicht alles besser. Eines ist sogar definitiv schlechter geworden. Die Doppelmoral. Die wurde verbessert. Sie fällt jetzt nicht mehr so auf.

Cui bono? Uns Nulpen halt. Frag nicht so blöd! Armin! Äh, „Amen“ wollt ich, äh, ganz lasch dahinrotzen …

Amen.

“Ashes to ashes, clay to clay, if the enemy doesn’t get you, your own folks may.”
(aus “The peacelike mongoose” von James Thurber)

König Kunde

»Könnten Sie bitte Ihre Maske aufsetzen? Der Aufenthalt hier ist ohne Maske nicht erlaubt.«

Er reagierte nicht, sah durch sie hindurch. Mit routinierten Handgriffen überprüfte er das, was er glaubte mit seinen eigenen Händen greifen zu können: die Frische der Brötchen.

»Ihre Maske, bitte.« Sie machte eine entsprechende Geste zu ihrem Gesicht und deutete auf ihre eigene FFP2-Maske.

»Was wollen Sie von mir?«

»Mein Herr, ich muss Sie leider nochmals auffordern, Ihre Maske aufzusetzen.«

»Was soll ich?« Sein Blick war weder fragend noch irritiert, er war herausfordernd.

»Der Aufenthalt hier in der Lounge ist ohne Maske nicht erlaubt.«

»Warum sollte ich eine Maske aufsetzen? Ich wurde in den letzten 48 Stunden negativ getestet. Extra für meinen Flug.«

»Würden Sie jetzt bitte Ihre Maske …«

»Warum sollte ich? Mein Test war negativ. Wo bitte ist denn der Ihrige, um mich zu schützen?«

»Wie bitte?«

»Sie quatschen mich hier von der Seite an, meine Maske aufzusetzen, dabei wissen Sie doch, dass jeder Passagier einen Test vorzuweisen hat, der diesen als negativ ausweist. Ansonsten kommt er doch gar nicht erst in den Sicherheitsbereich. Und ich selbst, ich bin negativ. Also brauche ich auch keine Maske hier!«

Er war lauter geworden, hatte sich provokant einen Meter vor ihr aufgebaut und starrte sie jetzt durchdringend an.

»Die Maske hier in der Lounge ist eine Pflicht!«

»Ach ja? Und Sie müssen sich nicht testen lassen? Und haben dann das Recht, mich so schwach von der Seite anreden zu dürfen?«

»Ich …«

»Wer sind Sie überhaupt?«

»Ich arbeite hier.«

»Dann sollten vor allem Sie einen Test vorweisen können, um nachzuweisen, dass Sie kein Risiko für uns Passagiere sind! Wir haben schließlich teuer für unsere Tickets und das Zutrittsrecht zur Lounge bezahlt! Da kann man doch auch wenigstens von den Bediensteten verlangen, …«

»Ich diskutiere nicht mit Ihnen. Sie haben Ihre Maske aufzusetzen oder ich muss Sie von hier entfernen lassen.«

»Ach ja? Und wer gibt Ihnen das Recht dazu? Wollen Sie mich etwa als einen dieser dämlichen Querdenker diffamieren? Oder als irgend so ein Leugner? Ich habe einen negativen Test und Sie konnten mir bislang keinen vorweisen, trotz meiner Aufforderung. Ich möchte umgehend Ihren Vorgesetzten sprechen! Sie behandeln mich unverschämt! Typisch Servicewüste Deutschland, mal wieder!«

Die letzten Worte hat er ihr mit lauter, fester Stimme ins Gesicht geworfen, zu ihr drohend vorgebeugt, mit dem erhobenen Zeigefinger fuchtelte er wie mit einem Degen vor ihren Gesicht erregt hin und her.

Eine uniformierte Frau tippte dem Passagier von hinten auf die Schulter: »Kommen Sie doch bitte mal mit. Ich bringe Sie direkt zu der Vorgesetzten unserer Mitarbeiterin. Kommen Sie bitte mit.« Freundlich, aber bestimmt nahm sie ihm beim Arm und schob ihn Richtung Ausgang.

Die Servicemitarbeiterin atmete tief durch, um ihren Ärger herunter zu schlucken. Die uniformierte Frau drehte sich noch kurz zu ihr um und erinnerte sie freundlich: »Und bitte, werfen Sie bitte alle Brötchen weg, die der Mann hier einfach so angefingert hatte. Die können keinem anderen Passagier mehr zugemutet werden.«

Dystopie 2035: Bodenstation an Major Tom, ist dort Leben auf dem Mars?

Im ganzen politischen Lärm landete letzte Woche ein Weltraumschiff. Im handlichen PKW-Format parkte es sich auf dem Mars. Seine blaue  Parkscheibe – von außen unverdeckt einsehbar – war schon vorher korrekt eingestellt worden. Potentielle Knöllchen, verteilt von irgendwelchen schreibwütigen Politeurs und Politessen der marsianen Parkraumbewirtschaftung waren im Raumfahrt-Budget nicht vorgesehen. Der US-Senat wollte sie aus Kostengründen nicht bewilligen. Auch sollte es auf den Namen “Mach mal hinne” getauft werden. Nur erschien der Name sperrig und hörte sich unverblümt fordernd an. Also beschloss man es ganz kurz “Perseverance” zu nennen.

Auf dieser Weise glänzte das weiße High-Tech-Gefährt einsam unter der strahlenden Sonne auf rostbraunem Untergrund. Es stellte seine 4K-HDR-Pixelshift-Selfie-Kamera auf und richtete seine beiden High-End-Puschel-Mikrofone auf die steinerne Öde aus. Indessen taten es dem Gefährt hunderte Selfie-bewegte Pandemie-Besorgte dieser Welt gleiches und bauten sich vor deren mit Schrumpffolien versiegelten Mikrofonen auf, schauten in 4K-HDR-Kameras und wedelten fahrig mit ihren Armen Hubschrauber-gleich, um die Spannweite der Virusbedrohung zu erklären.

Indessen startete das Mars-Gefährt mit seiner Kerntätigkeit: fahrend und munter propellernd mit seiner Drohne seine Umgebung zu erfahren. Und so funkte der Satellit aus seiner Parkbucht seine ersten 360-Grad-Impressionen und Open-Air-Takes zu dem einsamen Menschen an dessen Schaltpult. Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2021. Und jener wollte schon immer in die Unendlichkeit reinhorchen, wollte von der Menschheit unberührte Klänge erlauschen und so den Lebenssinn “42” mit Klängen erfüllen. Er wollte wissen, was denn sonst so das Thema andere Entitäten wäre, womit jene sich denn so beschäftigen, wenn die nicht gerade ihrer Radio-Soap “Corona-Nachrichten der Erde” lauschten.

Übernächtigt hörte jenes Menschlein sich die Tonspur an. Ein Pfeifen und Rauschen erfüllte seine Gehörgänge. Er hörte das Gleiche, wie wenn er einsam und alleine ohne Handynetz mit leeren Tank seines Chevrolet Bel Air Impala von 1958 auf dem Highway 66 bei praller Sonne stehen würde. Leise würde der Wind um seine Ohren wehen und sein Radio würde vergeblich einen Sender suchend undefinierbare Pfeiftöne von sich geben. Seufzend ob seiner Assoziation stellte also jenes Menschlein der Welt auf dem kleinen Drecksball Erde in deren Internet jene marsiane Tonspur zur Verfügung.

Habt ihr diese Tonspur gehört? Dann hört hier rein. Wenn man die sechste bis achte Sekunde und die zehnten bis zwölften Sekunde mit einem Open-Source-Software-Tool verzögert, passend pitched, dann noch mit passend kalibrierten Hochpass- und genau rebubierten Niederpass-Filter invers abspielt, dabei auch noch die höchsten Ultraschall-Höhen raus subtrahiert und den Infraschall-Bass ins Hörbare rein nivelliert, die violinartigen Mitten mittels Doppler-Effekt reduziert, dann hört man es ganz deutlich:

„Verpiss dich, ey! Oder es setzt Haue, wa!„

Das hatte der linke kleine Fels zum rechten großen Fels gesagt, der kaum verständlich ein “Ich geh ja schon” danach murmelte. Die beiden felsenfesten Gesteine sind auch auf dem ersten hochauflösenden, immersiven 360-Grad-Panarama hinten links (hier) zu erkennen. Und das witzige wird sein: Der rechte Fels wird der Ansage Folge leisten und in den nächsten vierhundert Jahren das Feld räumen.

Und wir werden weiterhin nach intelligentem Leben auf dem Mars suchen. Dumm gelaufen. Es hat halt mal wieder keiner aufgepasst. Genau wie in der Schule, als der Lehrer fragte, wer die Frage nach dem Sinn des Lebens beantworten würde, schauten alle wie beim Vokabel-Lernen ostentativ stumm vor sich hin, den Blick des Lehrers vermeidend. Dabei blieb ungesehen, wie der Lehrer in ein Stulle biss und Marmelade aus der Stulle aus seinem Mundwinkel zu seinem Doppelkinn rann …  .

War’s das?

Nö.

Am 16. März 2020 wurde auf dem Gefährt, dem “Perseverance Mars Rover” als Folge der NASA-Kampagne „Send Your Name to Mars“ eine Plakette mit einem freundlichen Symbol angebracht. Drei fingernagelgroße Siliziumchips, die an der oberen linken Ecke der Plakette eingefügt wurden, tragen die Namen von 10.932.295 Teilnehmern. Diese Namen wurden einzeln mittels Elektronenstrahl auf den Chips eingraviert. Am 31. Juli startete das Gefährt von der Cape Canaveral aus mittels einer Rakete als Transportmittel und landete dieses Jahr auf dem Mars am Tage meines Geburtstags um 21:55 Uhr, zwölfeinhalb Stunden nach meiner registrierten Geburtszeit.

Was daran so beunruhigend ist? Wenn Aliens kommen – und wir wissen ja alle, dass es sie gibt, also jene Aliens, Predatoren, Borgs, Skynets T-1000s, Fraggles, Pow Patrols und Co – dann stellen diese Chips später mal die natürlichsten Todesliste der Welt dar. Und mit diesen werden die Außerirdischen die Erde verwüsten, um jene 11 Millionen Selfie-süchtigen Narzissten zu neutralisieren, zu banalisieren und schließlich zu vaporisieren. Hasta la vista, Baby. Dabei werden sie halt nur die Erde verwüsten und dem Rest wird lediglich ein Heulen und Zähneklappern übrig bleiben …

Dystopie 2035.

Here am I floating round my tin can
Far above the Moon
Planet Earth is blue
And there’s nothing I can do

David Bowie

Perseverance boarding pass

Parkbankgeschichte: Nachdenksaiten

„Lange Bank hier.“

»Stimmt. Eine lange, harte Bank.«

„Gestatten, mich neben Sie auf dieser langen Bank zu schieben?“

»Tun Sie sich keinen Zwang an.«

„Danke.“

»Auch gerade von der Demo gekommen?«

„Ich sag Ihnen, früher war das nicht so.“

»Früher?«

„Das mit den Demos.“

»Warum?«

„300 Leute, 500 Polizisten.“

»Macht 800 Demoteilnehmer. 100 mehr als beim letzten Mal. Fast ne vierstellige Zahl.«

„Als alles begann, waren wir nur 10.“

»Demoteilnehmer?«

„Demonstranten.“

»Bagida?«

„Auch. Den Menschen hier im Lande muss einfach mal ins Gedächtnis gerufen werden, wo sie leben.“

»Ja, man muss sie aufwecken, damit sie zucken. Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.«

„Jorge Bucay.“

»Genau Bucay. Geschichten helfen, sich dem eigenen Bewusstsein bewusst zu werden.«

„Eben. Bill Gates, Big Data, The Great Reset, Atlantikbrücke, Corona-Diktatur, Merkel, Söder, Drosten, Impfpflicht, Mainstream und so weiter. Ohne all den dazu erzählten Geschichten würden die Menschen doch gar nicht aufwachen und überhaupt etwas zu unternehmen. Die sollen ruhig mal etwas nachdenken.“

»Nachdenken ist immer gut.«

„Aber nicht zu viel. Denn zu viel Nachdenken ist nicht gesund. Ist kontraproduktiv.“

»Okay, dann ist es besser, das Ganze outzusourcen. Statt nachdenken, zu denken geben. Das ist produktiver. In anderen Ländern werden von den Menschen Positionen überdacht, in Deutschland bislang nur Fußballstadien.«

„Machen Sie mal keine satirischen Bemerkungen, mein Bester!“

»Hm?«

„Satire muss immer gegen die da oben gehen. Ansonsten ist es keine Satire mehr. Wer seinesgleichen undifferenziert mit Satire kritisiert, der hat die Satire an sich nicht verstanden. Satire verwenden, darf nicht jeder.“

»Eh klar. Sowas ist wohl eher reaktionär, schlechter Geschmack und hohlköpfig.«

„Falsche Verwendung macht die scharfe Klinge der Satire gegenüber die da oben stumpf!“

»Im Grunde sind all die Verschwörungstheorien nichts anderes als Satire, welche die da oben nicht verstehen.«

„Jetzt machen Sie mich aber traurig.“

»Etwa nicht?«

„Es gibt keine Verschwörungstheorien. Das ist alles Realität. Das Wort ‚Verschwörungstheorie‘ wird doch von denen da oben benutzt, um uns hier unten zu diskreditieren. Immer. Das FBI hatte damals in den 60ern das Wort geprägt, um damit gegen Kritiker der USA vorzugehen.“

»Wenn ich so drüber nachdenke, dann sind somit Verschwörungstheorien der da oben das Pendant zu der Satire von uns hier unten … «

„Tja, ich sagte Ihnen doch, nachdenken ist zwar hilfreich, aber zu viel des Nachdenkens ist schädlich.“

»Echt?«

„Hören Sie einfach auf damit. Denn freilich gibt es Verschwörungstheorien von Leuten, ähnlich wie wir sie sind. Aber die Erzähler solcher Verschwörungstheorien sind immer diejenigen, die noch pennen und  nicht aufgewacht sind, die die wirklichen Zusammenhänge noch nicht verstanden haben. Diese ewigen Gutmenschen, diese Versifften. Verstehen Sie?“

»Ihr Nachdenken bringt ganz neue Saitentöne hervor.«

„Das ist auch gut so. Neue Seiten beim Nachdenken sind okay, Nachdenkseiten haben noch niemals geschadet. Und wichtig zu begreifen ist, wenn nicht irgendwer für euch vor denkt, wer würde euch denn dann zum Nachdenken bringen? Diese unproduktiven „Ich denke, also bin ich„-Vollspacken braucht niemand. Die sind nur überflüssiger Ballast für das eigentliche Denken.“

»Noch mal zum Mitdenken, … «

„Falsch! Mitdenken geht gar nicht, tun nur Mitläufer! Wir brauchen keine Mitdenker in unserer Bewegung, sondern Nachdenker.“

»Und wer übernimmt dann die Vordenker-Rolle?«

„Das sollte man nur wenigen, dazu Qualifizierten, überlassen. Es sind ganz spezielle Fähigkeiten erforderlich. Dafür gibt es ganz harte Kriterien.“

»Zum Beispiel?«

„Dass solch ein Mensch sowohl zwischen Satire, wie Verschwörungstheorien, als auch Mainstream sauber unterscheiden kann.“

»Also muss er wissen, worüber er lachen kann?«

„Darf, mein Bester, darf. Nutzloses Lachen ist reiner Hedonismus, eine zügellose Art der zweckfreien Onanie. Geht gar nicht. Geht fast schon in miesen Narzissmus über. Das wahre Lachen ergibt sich nur aus der Erkenntnis eines richtigen Nachdenkens.“

»Ich dachte, Vordenken sei das wichtige?«

„Oh Mann, Sie müssen auch mal mitdenken! Nachdenken spielt beim Vordenken eine wichtige Rolle.“

»Aber wenn jemand nachdenkt, dann kann er doch nicht vordenken.«

„Ich seh schon, Sie können noch nicht mal mitdenken. Also überlassen Sie das Denken mal denjenigen, für denen das nicht so kompliziert ist. Die wissen, was sie denken.“

»Und ich soll deren Vordenken ohne Nachdenken übernehmen. Weil diese Vordenker-Gedanken eh bereits Produkt von Nachdenken-Gedanken sind, welche aus dem Vordenken resultieren und nicht aus einem Mitdenken. Wobei Denken zudem an sich anderen überlassen werden soll, die mehr Erfahrung beim Denken haben? Eh klar. Nur, wie soll dann das mit dem mitdenkenden, vordenkenden nachdenkenden Mitlaufen klappen?«

„Oje, das überfordert Ihr Denken. Sie sind noch in der Gedanken-Diktatur des Mainstreams gefangen. Kein Wunder, dass niemand erkennt, dass wir in einer Corona-Diktatur leben. Sie sind offensichtlich nicht anders als all diejenigen darin gefangen, denen man bedrohliche panikmachende Geschichten wie Impfbedrohungen und so erzählen muss, damit sie endlich mal aufwachen.“

»Zum Nachdenken?«

„Herrgottnochmalundwiezugenähtmussmanhirnlichsein, nein! Zum unabhängigen Mitdenken! Kapieren Sie das doch mal!“

»Ja doch.«

„Ach ja?“

»Ja. Kapiert von Anfang an. Durch die Bank.«

„Von Anfang an? Dann wiederholen Sie mal.“

»Lange Bank hier.«

Wartebankgeschichte: For we can fly, we can fly up, up and away …

Jetzt sitz ich hier schon seit knapp zehn Minuten und warte auf den Abflug. Die lassen sich heute aber mächtig Zeit, nicht wahr.

Yep. Die haben die Ruhe weg.

Ich bin schon über 60, da hab‘ ich nicht mehr so viel davon übrig, da könnten die ruhig mal ein wenig hinne machen, nicht wahr.

Na, so schnell werden Sie doch wohl nicht sterben, hier am Gate. Zumindest gleich doch nicht.

Weiß man‘s?

Nö.

Na also. Mich nervt es regelmäßig, wenn jemand von diesen jungen Hüpfern sagt, machen Sie ruhig, lassen Sie sich Zeit, nur Geduld, und so. Haben die überhaupt ne Ahnung, worüber die reden?!

Ach, für solche ist alle Zeit ewig.

Dorian Grays der Neuzeit. So verschwenderisch, wie die mit der Lebenszeit anderer Mitmenschen umgehen, das ist ja nicht mehr normal. Das grenzt an vorsätzlicher Nötigung!

Hm. Oder an nötigenden Vorsatz.

Vorhin in der Lounge, … also, ich mein das, das, was vorher sich mal sich Lounge schimpfte …

Senator-Lounge?

Hon-Circle!

Nicht schlecht. War ich auch mal. Aber jetzt bin ich Platin-Card-Member. Dort werden Sie so richtig wertgeschätzt. So richtig in einem Special-Platin-Room. For Members only. Ich hab sogar den Pan-AM-Kugelschreiber in Gold. Eine Rarität als Special Gift for Special-Platin-Members.

Echt? Ich benötige noch vier Flüge, dann erhalte ich auch die Platin-Card. Vier Flüge noch.

Tja, dann werde ich Ihnen persönlich die Hand geben. Jetzt aber nur den Ellenbogengruß. Sie kommen gerade aus der Hon-Circle-Lounge?

Naja, was sich vorher so Lounge schimpfte. Was ich noch dazu erzählen wollte: also, da meinte doch diese Thai, das Service-Mädl in ihrem kackbraunen Lounge-Kostüm, ich solle doch meine Tasse wegräumen. Meinte die. Einfach so. Zu mir.

Ernsthaft? Hat die wirklich gemeint, Tassen als Gast jetzt selber wegzuräumen, wäre okay?

Ja. Echt jetzt. Hey, bin ich etwa Lounge-Jobber?

Das hätte die mal zu mir im Special-Platin-Room sagen sollen, die wäre gefeuert worden. Direkt. Von jetzt auf gleich. Nur schneller. Hat die denn wenigstens noch gelächelt? So als Thai, meine ich?

Ein wenig. Ich hab‘ der Thai gesagt: Mai Ling, habe ich gesagt, Mai Ling, das heißt nicht nur „Bitte“, sondern „Bitte, bitte“, so viel Zeit muss sein, nicht wahr. Und außerdem, habe ich ihr noch gesagt, und außerdem, Mai Ling, dafür wirste doch bezahlt dafür, Mai Ling, nicht wahr, fürs Wegräumen und Putzen, nicht wahr. Oder ist hier auch Servicewüste Deutschland, hab ich gefragt.

Und was meinte sie dazu?

Die wurde doch glatt pampig! Wegen Hygiene-Maßnahmen und Corona und so, meinte die, da soll jetzt jeder Passagier seine eigenen Sachen selber wegräumen.

Nicht wirklich jetzt, oder?

Und außerdem hieße sie nicht „Mai Ling“ sondern „Frau Sibenjürgen“, das stehe doch auf ihrem Namensschild. Ob ich nicht lesen könne, und ich solle sie gefälligst auch so ansprechen.

Typisch. Lounge-Besucher als Analphabeten zu bezeichnen, geht dreimal gar nicht.

Und wegen der Bezahlung, polterte sie noch, wegen der Bezahlung würde sie nicht arbeiten, weil, das wäre ein Hungerlohn. Allein die zusätzlichen Dinge wie vergünstigte Flugangebote und die Trinkgelder würden den Lohn aufwerten.

Echt? So etwas nehmen die sich inzwischen raus? Wirklich dreist! Der Hon-Circle scheint ja inzwischen recht runtergekommen zu sein. Günstig „Urlaub-machen“ wollen, aber dann noch Passagieren deren Geld aus der Tasche schnorren. Unglaublich.

Nicht wahr? Ich versuche schon meine vier Flüge vor zu verlegen. Diese Zustände im Hon-Circle sind unzumutbar. Ich habe zu ihr gesagt: Mai Ling, habe ich zu ihr gesagt, erstens habe ich den Pflicht-Negativ-CoVid-Test der Fluggesellschaft als Lizenz zum Fliegen, habe also kein Corona, und ob sie mir überhaupt einen aktuellen Negativ-Test von sich zeigen könnte, und zwar von heute?

Yep, ich wette, die testen sich erst gar nicht.

Und zweitens, es wäre mir egal, ob sie „Ziegenwürgen“ oder sonst wie hieße, sie solle mal gefälligst honorieren, dass ich überhaupt mit ihr spreche oder dass sie überhaupt den Job in der Lounge erhalten habe.

Es gibt genug Arbeitslose, die sich nach ihrem Job die zehn Finger lecken würden.

Von mir würde sie jetzt kein Trinkgeld erhalten. Dafür erwarte ich besseres Benehmen. Schlechte Kinderstube erfährt von mir keine Wertschätzung. Ihre Mutter solle sich mal für sie schämen.

Haben Sie sich wenigstens über sie beschwert?

Nein, keine Zeit. Musste zum Gate hier, wegen dem Abflug. Nur um dann zu erfahren, dass der Flug Verspätung hat. Im Hon-Circle sagt ja einem keiner was. Und Sie?

Hm. Ich wollte mal ein wenig die reale Welt am Gate kennen lernen. Weil immer nur Special-Platin-Room ist ein wenig zu abgeschottet. Wie in einem schönen Ballon mit Baldachin in der Dämmerung. Trotz den Cocktails und der Schmankerl. Man muss auch offen bleiben für die Welt, Sie verstehen?

Absolut. Immer nur Lounge, immer nur diese Begriffsstutzigen dort, die ihren Job nicht richtig verstehen wollen, das ist nicht wirklich die Realität dieser Welt. Da muss man mal raus, aus dieser Komfortzone, diesem Hon-Circle-Kokon und das Echte genießen, nicht wahr.

Wohin geht’s?

Athen. Verhandlungen. Hoffentlich streiken nicht wieder irgendwelche Piloten. Ich will pünktlich ankommen.

Corona, Piloten, Saftschubsen, Bodenpersonal, Streik. Etwas ist immer. Und dann versagt auch noch vielleicht irgendwo in einem Flugzeug irgendeine Board-Software und dann werden wieder Flüge gestrichen, weil die Fluggesellschaften nicht genug Fliegmaterial haben …

Ja. Leicht hat es nicht in diesen Tagen.

Das Leben wird immer härter. Meine Frau hat neulich die Scheidung eingereicht.

Mein Beileid.

Ach, nicht wirklich tragisch. Sie ist mit einem dieser Millennials der Generation Y liiert.

Generation Yps?

Nein, Generation Y. Also nicht wegen dem damaligen Comic-Heft, sondern das Wort wird englisch ausgesprochen: Why. Weil die jener Generation halt immer so viel fragen.

So einen hat sie sich an Land gezogen?

Yep, Baujahr der 80er/90er. Die stehen ja auf Milfs. Hatte den bereits ein halbes Jahr zuvor zufällig ohne ihr Wissen entdeckt. Nun ja. Aber jetzt, jetzt kann ich endlich mit meiner Freundin ganz offiziell auf Empfänge und in die Clubs oder so.

Clubleben und Empfänge? Ist das alles durch den Lockdown nicht weggebrochen?

Aber sicher gibt’s das noch. Im Platin-Member-Circle haben wir für so etwas eine Anlaufstelle, eine Adresse im Darknet. Da tauschen wir immer unsere aktuellsten Termine für so etwas aus. Wir haben das, wo von andere momentan nur träumen: Spass.

Wie letztens an Silvester in der Bretagne?

Musste ich leider absagen, wegen meiner Scheidungssache. Ich mein, sein wir doch mal ehrlich, keiner will diesen Lockdown, auch wenn er nötig ist. Niemand hier will ihn wirklich. Der Mensch ist ein Gesellschaftstier. Und wenn man, wie ich, auf die 70 zugeht, dann freut man sich über jede bessere Gesellschaft, die man noch bekommen kann.

Keine Angst vor CoVid-Ansteckung?

Iwo. Ich bin der Älteste in unserem Kreis.

Das ist gut, denn die jungen Hüpfer haben weniger Covid-Probleme als Boomer, nicht wahr.

Richtig. In unserem Kreis sind alle in etwa so alt wie meine Freundin, so U45. Also keine dieser alten, grauhaarigen, weißen Männer.

Das ist schön.

Wir sind alle ganz normal, haben auch paar Diverse und auch Colour of People im Kreis. Die Freundin meiner Freundin ist beispielsweise eine junge Brasilianerin aus Sansibar. Ihre Mutter war Deutsche.

Beneidenswert. Meine Frau hätte da was dagegen. Die ist eifersüchtig wie Hölle. Einmal falsch geblickt, schon habe ich ein schlechtes Wochenende. Da sind die Zustände in der Lounge im Vergleich dazu fast schon wieder paradiesisch zu nennen, nicht wahr. Sie kennen sich ja recht gut in Sachen Generationen aus.

Naja, in meiner Branche und im Leben haben Kenntnisse noch nie geschadet. Wussten Sie, dass die meisten Corona-Verschwörungstheoretiker aus der Generation X kommen? Direkt noch vor den Baby-Boomern. Generation X ist die Nachfolgegeneration der Boomer und hat den Ruf, immer vordergründig unabhängig von den Medien und deren Werbung sein zu wollen. “Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom” war deren Slogan, damals in den 90ern.

Ich erinnere mich. Nein, ich erinnere mich nicht wirklich gerne an die.

Und auf der Generation X folgten die Millennials, die Generation Y, welche sich über den Streit zwischen Generation X und Boomer lustig machten, und gleichzeitig alles von denen hinterfragten. Eigentlich eine ganz vernünftige Generation, wenn Sie mich fragen. Weil die haben wenigstens noch das hedonistische Element mit einem gesunden Schuss Narzissmus in sich kultiviert.

Und die findet ihre Frau so toll, weil die auf Milfs stehen?

Scheidung, mein Bester, Scheidung hat immer was Gutes. Zum Beispiel ist jetzt der Euro wieder das Doppelte wert. Und der neue Platz im Haus für mich. Unbezahlbar. Habe mir letztens ein paar antike Amphoren aus der Türkei ins Haus gestellt.

Antike Amphoren aus der Türkei?

Original. Sorgfältig ausgegraben und vorsichtig gehändelt. 1a Handarbeit. 1a Antik.

Und? Selbst importiert?

Iwo. Darknet. Alles Darknet. Offiziell kriegt man sowas doch gar nicht. Einfach per Gepäck einführen, das gäbe nur Ärger mit den Behörden, obwohl es ansonsten hier doch jedem völlig egal ist. Außer dieser ‚jedem‘ kann es sich nicht leisten, dann ist das Geschrei groß. Dann kommt der Shit-Storm.

Ich sag nur Neidkultur.

Das können Sie aber mal laut sagen.

NEIDKULTUR!

Nu schreien Sie doch nicht so. Muss doch keiner wissen. Gibt nur Ärger.

Irgendwie ist das Gate recht verwaist.

Hm. Ob der Flug abgesagt wurde? Können Sie lesen was da steht?

Moment, ich muss meine Brille rausholen, ich seh nichts.

Und?

Verlegt zu Gate 12.

Gate 12? Am anderen Ende des Terminals?

Andere Möglichkeit gibt es nicht.

Doch.In drei Stunden geht von diesem Gate der nächste Flieger nach Athen. Lassen Sie uns umbuchen.

Umbuchen?

Ich lad sie in unseren Special-Platin-Room ein, weil Sie’s sind. Bis zum nächsten Flug können wir uns bei Cocktails und Snacks die Zeit vertreiben. Ich zeig Ihnen dann auch ein wenig vom Darknet. Besser als Parship und Tinder. Alle 10 Minuten treffen Sie im Darknet interessante Kontakte. Für jede Vorliebe. Zudem wird sicherlich noch die Bedienung Susanne anwesend sein.

Nettes Mädl?

Gute Kinderstube. Das wird entspannend. Kommen Sie schon, buchen Sie um. Nehmen Sie sich die Zeit, so schnell werden Sie doch wohl nicht sterben, als dass Sie dazu keine Zeit hätten. Fliegen können wir noch immer. Echte Geschäfte sind zeitlos. Selbst in Athen. Und? Wie wär’s? Ist das nicht ein faires Angebot? Die Welt ist ein schönerer Ort im Special-Platin-Room. Los! Auf, auf und weg von hier!

Abschiedsgedanken

»Ich muss mich dann langsam mal auf den Weg machen.«

»Dann bitte. Reisende soll man nicht aufhalten. Ihre Abschiedsgesuch für jetzt ist schon unterschrieben, gestempelt und abgeheftet.«

»Ah, ja. Mir ist nicht ganz wohl, Sie so alleine zurück zu lassen.«

»Ich komm schon zurecht.«

»Ah. Ihre Aktentasche. Das … vielleicht … können Sie die ja noch gebrauchen.«

»Für wen? Für was?«

»So etwas gibt ja immer ein bisschen Halt, denk ich, oder nicht.«

»Meinen Sie?«

»Vielleicht. Wer hätte das gedacht, dass wir zwei uns so einmal zerstreiten würden, nicht.«

»Wegen einer Pandemie.«

»Das ist es ja eigentlich gar nicht Wert, nicht. Na ja.«

»Übrigens, …«

»Ja?«

»… Sie würden mir mehr fehlen als jene Pandemie.«

»Heißt das, … Sie meinen, dass wir beide noch ne Chance hätten?«

»Wenn Sie das Richtige tun, …«

»Das können Sie sich wirklich vorstellen?«

»… können Sie bleiben. Würde mich freuen.«

»Wir müssen reden. Wissen Sie, was wir jetzt machen? Jetzt machen wir folgendes, passen Sie auf. Als erstes machen wir hier nicht …«

»Wir machen jetzt gar nichts.«

»Nein?«

»Nein. Nur die Biege.«

»Oh Gott, Fünf vor Acht. Die Tageschau.«

»Also später.«

»Später.«

»Bis später. Reservieren Sie mir dann den Platz neben sich auf dieser Parkbank hier.«

»Wie jedes Mal. Und Sie mir etwas vom Eiswein.«

»Bringe ich mit. Wie jedes Mal. Mit zwei Pappbechern. Weiß-blau-quergestreift.«

» Und heißes Wasser in der Thermoskanne. Zum Anwärmen. Wie jedes Mal. Ade.«

»Ade.«

Hundert Jahr

Gabi, Horst, Edgar und seine neue Freundin, die beiden Kleinen, Etienne und … und … verdammt, wie hieß nochmals der Ex von ihr? Und wird er kommen? Was hatte sie mir dazu am Telefon gesagt? Mir fällt sein Namen nicht ein. Als wär ich hundert Jahr.

Die beiden Kleinen. Wegen denen wurde doch alles aufgezogen. Diese kleinen Nervensägen. Nervensägen? Darf ich das denken? Darf ich überhaupt fragen, ob sie es sind? Ich frag doch nur. Der Weihnachtsbaum, der extra wegen den beiden Kindern aufgebaut wurde. Okay, auch wegen Etienne. Die wollte auch einen.

“Wir sollten eh nicht großartig feiern. Lass uns keine Keimzelle der Corona-Viren werden. Wir könnten es dieses Jahr auch mal ruhiger angehen lassen. Also ohne Großfamilie, oder so.”

“Bist du bekloppt? Weihnachten ist der einzigste Ruhepol im Jahr voller Hektik, in der man es zusammen heimelig und gemeinsam besinnlich haben kann. Und du willst den letzten sozialen Anker der Familie zerstören?”

Der einzigste Ruhepol. Diesem gestelzten Empathie-Komparativ war nichts entgegen zu setzen. Und dann noch das Adjektiv sozial. Sozial. Der Mensch dein soziales Wesen. Mit sozialem Abstand. Eins fünfzig. Sozial. Ich hatte es kurz mal versucht, den Abstand nicht sozial zu halten. Das hatte mir gar nicht gefallen. “Du hast es nicht richtig versucht. Du musst dir klar machen, dass dieser soziale Abstand nur Methode der Oberen ist, dich einzuschläfern, dich zum Schlafschaf zu machen. Du musst da nicht mitmachen, erwachen musst du aber erwachen”, erklärte mir auf der Demonstration ein Teilnehmer (ohne Wachturm in der Hand). Erwachen du musst, junger Padawan, so flüsterte es in mir. Ich gab mir dann wirklich Mühe; aber das war nicht meins. Es wurde sogar richtig stressig. Auch wenn ich Lob von jenem Menschen für meine Mühe erhielt. Ich beließ es dann konsequent bei dem sozialen Abstand. Asoziale Nähe ist auch nicht die Lösung. Auch nicht bei Demonstrationen. Dann lieber social distancing zu solchen Mitmenschen.

“Chef, ich brauche dringend morgen einen freien Tag. Dringend.”

“Echt? Willst du vor dem neuen Lockdown noch wohl ein wenig Frischluft schnuppern? Gefällt dir unsere Büroluft nicht mehr?”

“Chef, Weihnachten steht vor der Tür!”

“Und? Du musst jetzt nicht unbedingt noch vor dem Lockdown noch Weihnachtseinkäufe machen. Das hättest du ja auch schon vor Wochen erledigen können, oder?”

“Chef! Woher sollte ich wissen, dass am 24ten Dezember wieder Weihnachten ist?!? Warum hat mir niemand vorher was gesagt?”

“Okay, okay. Aber bring uns keine Andenken in die Firma, okay?!”

Gestern hörte ich noch der mahnenden Worte. Man müsse doch nicht den letzten Tag vor dem Lockdown zu Einkäufen nutzen. Ich atmete tief durch, füllte meine Lungenflügel mit Frischluft. Die Ruhe vor dem Sturm. Für den Sturm vor der Ruhe. Sicherlich werden sich sowieso alle dran halten und nicht rausgehen. Ich meine, ich bin halt so doof und es passiert auch nur mir, dass ich dran erinnert werden muss, wann Weihnachten ist.

Geschenke. Gabi, Horst, Edgar, seine biedere neue Freundin, die beiden kleinen Nervensägen, sexy Etienne und … und … verdammt, wie hieß nochmals der Ex von ihr? Ob er kommt? Ich musste grinsen. In deren Ehe soll er ja nie gekommen sein, hatte Etienne immer danach erklärt. Wie hieß er? Pretox hatte sie zu ihm gesagt? Oder Prätorix? Pretorius? Mir fällt sein Namen einfach nicht ein. Als wär ich hundert Jahr.

“Wie alt sind denn die beiden?”

“Fünf und neun. Ich brauch irgendetwas, was die aufsaugt. Damit die mal nicht vor dem Tablet oder Computer hocken.”

“Oh, das ist schlimm.”

“Ja, deren Mutter hat aber nichts dagegen, dann hat sie ihre Ruhe. Hat meine Mutter auch damals immer gemacht.”

“Echt? Gab es in ihrem Alter überhaupt schon ein Nachmittagsprogramm außer den Telekolleg im Dritten?”

“Naja, meine Familie war nicht so reich. Meine Mutter hatte mich immer auf nem Stuhl vor dem Fenster gesetzt und dann habe ich den Blüten beim Blühen zugeschaut, den Fliegen beim Fliegen und den Vögeln beim … Völlern im Kirschbaum und dem Gras nun mal beim Wachsen. Geschadet hat es mir nicht, wie sie sehen. Ich habe meine Lehren draus gezogen, bin quietschfidel, lebensfroh und kinderlos. Das Leben muss ja nicht immer von Leid durchzogen sein, nicht wahr.”

Sie zeigte mir eine Art Blasebalg. Wenn man drauf hüpft, fliegt eine Gummirakete gen Decke. Also fast so schön wie ein Atomkraftwerk zum Selberbasteln. Nur halb so spannend.

“Das hält ihre Nervensägen bei Trapp und macht sie müde. Also elternfreundlich.”

“Echt? Ich dachte, es müsste fiepen, tröten und krachen, damit mich die Eltern in deren nächtliches Hassgebet mit einschließen.”

“Sie sind mir sympathisch. Wir sollten uns mal treffen.”

“Nein, keine Zeit, ich streiche bald meine vier Wände und schaue dann der Farbe beim Trocknen zu. Das erweckt Kindheitserinnerungen bei mir, Sie verstehen?”

Über meiner Schulter hängt mein Stadtrucksack, an meiner linke Hand zieht schmerzhaft eine Tüte und mit der rechten Hand versuche ich mir einen Weg durch die Menge zu schaufeln. Warum hat keiner dieser Vollspacken einen Fernseher zu Hause? Hat da nicht wer ganz klipp und klar und deutlich gesagt, man solle Rücksicht auf andere nehmen und zu Hause bleiben? Unsäglich, diese Massen von Querdenker! Rücksicht auf andere nehmen, das liegt denen nicht. Und wer sind diese anderen? Ich nun mal! Denn ich bin nicht wie die anderen, also bin ich ich! Einer der arbeitenden Bevölkerung, die sich mit Müh und Not beim Chef einen freien Tag nimmt, um in Ruhe seine Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Und was machen die anderen? Warum wollen die mir alle beim Einkaufen zuschauen, diese Vollspacken? Haben wir denn nicht schon genug Covid-19-Infizierte, Erkrankte, Tote und sonstige Querdenker? Himmel. Vor hundert Jahr hätt’s das nicht gegeben! Hundert Jahr.

So langsam werde ich ungemütlich. Ich muss schließlich an meine Nächsten denken, statt wie an mich selbst. Da gibt es wichtigere Personen. Gabi, Horst, Edgar, seine ranzige Neu-Partnerin, die beiden nervenden Nervensägen, sexy Etienne und … und … Präkoxius? Prä … ach, quatsch. Predrag. Stimmt. Serbe mit serbischen Vornamen, den er damals als Baby in Serbien auf serbisch von seinen serbischen Eltern erhalten hatte. Der war eigentlich okay, aber ansonsten immer der viel zu nette. Immer freundlich, immer lächelnd. Keiner dieser schwarmdementen Spießer. Kein der Pharisäer, die gern drauf pochen, scheinheiliges Weihwasser zu pissen, um zu betonen, dass das die anderen nicht könnten. Keiner dieser, die die Wörter “Narrativ” und “Framing” mit Weihrauch und Talaren umgarnen, damit derer Zuhörer in unverständiger Bewunderung verharren und leichter zu verführen sind. Keiner dieser Denker neuer Quergeschäftsmodelle, um auf querdenkender Weise sich über Schenkungen Geld einzuverleiben, um sich dann jammernd auf hohem Niveau als unverstandener Heilsbringer bei der Mehrheit zu gerieren. Wohlbeleibt wie ein Buddha auf einem ohen Anstrengung bei anderen eingesammelten Batzen Geld. Money for nothing. Geld horten, wo es nur geht. Auf das eigene Konto. So wie schon vor hundert Jahren auch. Hundert Jahr.

“Darf ich Ihnen eine Parfümprobe geben?”

“Hm?”

“Der brandneue Volksduft. Riecht nach Blut, Schweiß und Tränen.”

“Wie riecht denn das? Mit Blut, Schweiß und Tränen kenn ich mich nicht so aus, verstehen Sie.”

“Ja, verstehe ich vollkommen. Aber das heißt ja nicht, dass man es nicht kennenlernen kann, nicht wahr. Zum Drangewöhnen. Ist ganz groß im Kommen.”

“Echt jetzt?”

“Echt. Besonders bei Männern.”

“Im Kommen? Oder beim Kommen?”

“Schnuppern Sie doch einfach mal. Der neue Zeitgeist. Frauen finden den Duft auch sexy. Riecht nach Tod. Und der Tod ist das beste Aphrodisiakum ever.”

“Hm. Riecht irgendwie nach nichts, aber jetzt, jetzt geht der monstermäßig ab.”

“Richtig. The familiar calm before the storm. You know.”

“Nö.”

“Der letzte Schrei vor der Ruhe vorm Sturm. Sozusagen die Ernte vom zuvor gesäten Wind.”

“Kostet?”

“So viel wie hundert Jahr zuvor auch. Lediglich den Verstand.”

“Okay, nehm ich.”

Der Platz in der U-Bahn ist eng bemessen. Ich blicke auf meine Füße. Wenn ich etwas in der Schule gelernt hatte, dann das auf-die-eigenen-Schuhe-Blicken. Hausaufgaben nicht gemacht? Vokabeln nicht gelernt? Formel vergessen? Wenn der Lehrer forschend in die Runde der Schülerschaft schaute und sich sein Opfer suchte, blickten nur die Streber den Lehrer erwartungsfroh an. Alle anderen blickten dann nur auf ihre Schuhe. Um unsichtbar zu werden. Um nicht aufgerufen zu werden. So sitze ich nun denn in der U-Bahn, schaue auf meine Schuhe und hoffe so dem Corona-Virus zwischen all den vielen Leuten um mich herum zu entkommen. Einfach nicht aufschauen. So wie vor zweimal hundert Tag, als der erste Lockdown auslief. Nicht hundert Jahr, nur zwei Hundert Tag.

Morgen startet der nächste Lockdown. Dann sind nur noch Lebensmittelgeschäfte geöffnet. Weihnachtseinkäufe gehen dann nur noch per Internet. Nur dass die Paketdienstleister dann die Pakete nicht mehr rechtzeitig ausliefern werden. Gut ist, dass mein Weinfachhändler geöffnet haben wird. Für Nachschub ist bei mir also gesorgt, den neuen Lockdown wein-seelig zu überstehen. Allein, die Dauer des neuerlichen Lockdowns ist zwar angekündigt, wird aber sicherlich nicht am 10. Januar enden. Das wird uns das Virus nicht gönnen. Dem ist es sowieso egal, welches Datum unsere Kalender anzeigen.

Vor Hundert Jahr endete eine Pandemie erst nach ihrer dritten Welle. Kurz darauf folgte jener Pandemie eine andere Epidemie, die sich zur Pandemie ausweitete. Kein physischer Virus, sondern die Idee einer Minderheit, die sich ungerecht behandelt fühlte und mit Legenden, Verschwörungs- und Verschwurbelungsgeschichten einen viralen Virus in Europa schuf, durch den dann mehrere Millionen Menschen starben. Weil die Menschen zu diesem grassierenden Virus in den Hirnen der Menschen kein social distancing haben wollten, sondern asoziale Nähe zu skrupellose Bauernfängern aufstrebend aus derer Minderheit, die sich an der Mehrheit erfolgreich ranwanzten, alle infizierten und zu begeisterten Tätern werden ließen.

Hundert Jahr.

Hundert Jahr.

…

War da was?

“Die Ruhe vorm Sturm. Sozusagen die Ernte des zuvor gesäten Windes.”

“Und kostet?”

“So viel wie hundert Jahr zuvor auch. Lediglich den Verstand.”

“Okay, nehm ich. Dann bitte jeweils einmal für Gabi, Horst, Edgar, seine ranzige Schranze, den beiden lieblichen Eltern-Nervensägen, für die Sexbombe Etienne und den impotenten Predrag. Der Weihnachtsgeschenk-Verpackungsservice ist hier doch auch gratis, oder?”

Kneipengespräch: Zwischen Salzgebäck und Bier (2)

DSC00267“Sach mal du, bei all der Begeisterung für unser Kölschgespräche hier, die du hemmungslos im Internet veröffentlichst wie beim letzten Mal (hier), ich muss dich mal was fragen: Findest du nicht auch, dass man in deinem Blog nicht mal auch so aktuellere Themen bearbeiten sollte? So etwas wie den neuen SPD-Kanzlerkandidaten der SPD zum Beispiel.”

“Den neuen SPD-Kanzlerkandidaten der SPD?”

“Wo ist jetzt genau dein Problem?”

“Na, also, na, im Unterschied zum Humor in Deutschland, also der neuen SPD-Kanzlerkandidaten der SPD … wie soll ich das jetzt auch sagen. Du stellst mir aber auch Fragen. Herrgottnochmal, so zwischen Salzgebäck und Bier, also ehrlich …”

“Aber jetzt mal ne persönliche Frage: wovon fühlst du dich mehr bedroht? Vom Olaf Scholz oder dem alten Trinkspruch?”

“Du meinst den, wo man das Kölsch in einem Zug leert, dann rülpst, sich dann mit dem Daumen der rechten Faust auf die Stirn drückt, ‘Scholz’ ruft und dann sein Gegenüber ein Stirnklatscher versetzt?”

“Feuer, Eis und Dosenbier.”

“Schulz!” (hier)

“Falsch. Nicht der Martin, sondern der mit dem O. Der Olaf, der Scholz, der Olaf Scholz. O. O. O. Nicht ‘u’. Du hängst der Geschichte vier Jahre hinter her! ‘O’ statt ‘U’! Der andere Vokal ist nun dran.”

“Echt?”

“Echt.”

“Aber das Kölsch schmeckt immer noch so wie vor vier Jahren.”

“Hm.”

“Zeitmaschine?”

“Eindeutig. DeLorean würde ich sagen.”

“Ich dachte, dass wäre das Auto der anderen. So mit Flux Kompensator und mit Lottoheft in der Hosentasche.”

“Du redest von der FDP?”

“Nein, ich rede von ‘Zurück in die Zukunft’.”

“Okay. Piratenpartei.”

“Eher Republikaner.”

“Echt?”

“Nö.”

“Stößcken.”

“Prost.”

“Wo eine Kölschstange, da ein weg.”

“Wo eine volle Stange, da eine Leere.”

“Wo eine Leere, da ein Wille. Oberspielleiter, mach mal zwei neue!”

Der Wirt schaute kurz auf, räumte die geleerten Stangen weg und stellte zwei frisch schäumende Stangen Kölsch auf deren Deckel.

“Was ist das Bedeutendste für dich in den letzten sechs Monaten?”

“Meine Scheidung. Und deine?”

“Am letzten Freitag, den 13ten, füllte ich einen Lottoschein aus. Am nächsten Tag wurde gezogen und danach hüpfte ich Lotto-King-Karl-gleich durch die Straße.”

“Wie viel?”

“Zwei Träger Augustiner Bier inklusive Pfand im Sonderangebot. 34 Euro.”

“Kein Kölsch?”

“Ich söder halt mal gerne.”

“Ich söder, du söderst, er, sie, es södert, wir södern, ihr södert …”

“Genau, Ihr södert. Södern tun immer die andern.”

“Der hat seinen Nordseeurlaub abgesagt. Zu viel Söderismus im bayrischen Gesundheitssystem. Einfach zu latschert der Söderismus in Bayern.”

“Echt jetzt? Das Öcher Prentejeseech hat Bayern durch die Hintertür intubiert?”

“Hast du gesagt, in den Arsch gekrochen? Niemand benötigt Sauerstoff in den After zum Überleben gepudert.”

“Rektal gepudert? Hab ich gesagt?”

“Nö.”

“In NRW gab es Corona-Zentren wegen Billiglohnkräfte in der Schlachtindustrie.”

“Böse, böse, böse. Geht gar nicht. Genozid an den Tieren. Bestraft halt die Natur.”

“In Bayern gab es Corona-Zentren wegen Billiglohnkräfte in der Gemüseindustrie.”

“Böse, böse, böse. Geht gar nicht. Weil Genozid der Natur am Menschen, äh, also, … ich meine, … Zufall … Besteht da ein Zusammenhang zwischen Veganismus und Karnivorentum? Fleischfresser und Hildmann sind doch die Leuchtfeuer des Anti-Pazifismus, oder“

“Weiß man’s? Ich sag nur eins: södern erklärt alles und macht alles unwichtiger.”

“Dein Kölsch geht zur Neige.”

“Der Krug geht zum Brunnen …”

“… bis er nachbestellt. Herr Oberspielleiter! Zweimal Durststiller aus Köln, bitte!”

“Du, ich habe festgestellt, dass Durst antipropotional zu Heimat ist.”

“Heißt?”

“Je mehr Heimatgefühle, desto weniger Durst.”

“Hä?”

“Genau.”

“Ach so. Durst bindet.”

“Ja. Brauerei-Prinzip. Durst ist schlimmer als Heimweh.”

“Berger-Logik.”

“100 Jens-Punkte für den Nachdenk-Kandidaten. Das ist doch mal einen Schluck aus dem Promilleglas wert, oder?”

“Wolln ma exen?

“Unsere Stangen?”

“Und das Bäuerchen?”

“Jedes geextes Bierchen, sein tönendes Pläsierchen. Et kütt wie et kütt.”

“Na denn. Ex, hopp und weg. … Schulz!”

“Scholz, du Depp!”

“Mein Daumen schmerzt. Ich glaube, ich hab mir gerade beim ‘Schulz’-Rufen den Daumen an der Stirn gebrochen!”

“Echt? Willkommen in Club der linken Knochenbrecher. Warum sollte es dir besser gehen als der SPD beim Kanzlerkandidaten-Ernennen. Solange nur der Daumen bei Hoch-zeigen bricht und nicht beim Hinweisen auf Nachdenkfehler … Also drum! Prostata!”

“Wohl wahr. Deiner Worte sind ein Exen einer Stange würdig. Also, Prost.”

“Auf Söder, Scholz und Schneewittchen, welche durch den Kuss von einer der beiden erlöst werden will.”

“Lass doch mal die Politik hinter Wegs hier.”

“Geht auch ein unpolitischer Zungenkuss?”Dreigestirn

“Okay, ausnahmsweise, aber nur ohne viel Speichel und mit Gesichtsmaske. Auf das Kölsche Dreigestirn vor uns. Voll, halbvoll und ganzganz klitzekleinwenig voll. Statusreport einer Diskussion. Prost.”

“Dito!”

.

Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (6): Statement von Benjamin Blümchen aus dem Porzellanladen im Schweinsgalopp

Wenn ihr damit nicht aufhört, spaltet ihr die Gesellschaft! Und eben drum, weil ihr darauf beharrt, obwohl doch jeder nachlesen kann, dass es falsch ist! Ihr seid die wahren Spalter. Nicht wir. Ihr treibt die Keile in Freundschaften, Familien und Bruderschaften mit eurer verblendeten Meinung.

Quizfrage: Wer hat das gesagt?

Richtig! Immer die anderen.

Die Uneinsichtigen. Jene, die gerne Haare spalten. Auf dem Kopf der anderen. Mit einem ordentlich geschärften Beil. Ordentlich geschärft muss sein, denn Respekt und Anstand sind unabdingbar. Nur Barbaren und Nulpen nehmen stumpfe Beile. So viel Zeit muss sein für eine ordentliche Beziehung zwischen verfeindeten Parteien.

Gut. Nicht jedes Beil ist geschärft. Schärfen kostet Zeit, und Zeit ist Geld. Und wer hat heute noch Geld für so etwas übrig? Wozu schärfen, wenn man mit dem Beil auch Hobeln imitieren kann? Und so werden im Galopp Späne erzeugt. Auf jeder Ebene. Von jedem. Jeglicher Couleur. Galopp der Argumentationen im Dorf, als Peripherie des eigenen Gedankenpalasts. Das ist erforderlich. Niemand führt seinen Hund in den eigenen vier Wänden Gassi. Darum muss der Galopp im umgebenden Dorf durchgeführt werden, durch der man das eigene Schwein dann treibt.

Dem Schweinsgalopp der Antreibenden im Sulky kann ich nicht mithalten und kann dem nichts entgegenhalten. Seit Tönnies weiß ich, wohin so ein Schweinsgalopp führt: von 20 Kraftwerke, die verhindern könnten, dass die Afrikaner aufhören würden, Bäume zu fällen, und aufhören, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren, hinüber zu den miesen Werksvertrögen.

Ja, richtig. Vertröge. Nicht Verträge. Denn Tröge ernähren Schweine, die von deren Züchter und Halter im Galopp zum Bolzenschussgerät getrieben werden. Und weswegen? Weil diese die A-Karte haben, auf unseren Grillstationen zu brutzeln, bis sie schwarz werden. Schwarz bis zum Rassismus. Sie erkennen diese auch an deren schwarzen Gewand auf den Fußballplätzen dieser Welt. Die allgemein bei Fußballfans und -Hooligans bekannte „schwarze Sau“. Weil diese zu viel und zu gern schnackselnden Schwarzen – analysierte damals unsere Hochwohlgeborene Mariae Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis – damit Probleme machen, kommt man diesen Schweinen nie auf einen grünen Zweig. Grüne Zweige enden sowieso als Holzkohle, um eben jene Schweine zu grillen, die vorher durchs Dorf getrieben wurden. Halali, die Sau ist tot. Die Sau hat sowieso immer den Schwarzen Peter. Trotz aller “Black Live Matters”-Diskussionen und trotz aller Sprachmoralisten, die entrüstet bei der Erwähnung vom Begriff “Schwarzen Peter” in Schnappatmung verfallen, statt etwas anderes zu begreifen.

Wie Sie, geneigter Leser, erkennen werden, gilt auch hier das anerkannte Peter-Prinzip, welches besagt, dass in einer Hierarchie jeder Beschäftigte dazu neigt, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.

Warum sollte dieses Peter-Prinzip sich nur auf Weiße beziehen? Warum gibt es kein Schwarzer-Peter-Prinzip?

Eben. Weil jene im Sulky beim Sprachgalopprennwettbewerb somit plötzlich weitere Konkurrenz bekommen würden. Dann ist es nichts mehr mit den 20 Kraftwerken, einer gut dotierten Position beim „Schlacke 05“, und geregelter Sex kommt so oft, wie Komet Neowise an der Erde vorbei kommt, um sich dann voller Grausen für die nächsten siebentausend Jahre schnell zu verabschieden. Und letztendlich will doch jeder Sex, 20 Kraftwerke, eine Schwarze Sau, die dem Schwarzen-Peter-Prinzip folgend, die Arschkarte hat, um Mitspieler vom Platz zu stellen.

Hatte ich das aus meinen Kommentaren von mir selber kopiert? Echt? Ich verletzte meine eigenen Copyright-Rechte bei mir selber? Egal. Weiter.

Wie heißt es doch schon im Deutschen: wo gehobelt wird, fallen auch Späne. Alte Zimmermannsweisheit des christlichen Abendlandes, gelebt von dessen Sohne, der damals aggressiv gewalttätig alle aus den Tempel peitschte, die ihn nicht angebetet hatten. Also ihn. Somit eigentlich seinen Vater. Also nicht den Zimmermann, ihr versteht, nicht wahr. Sein Stief-Vater ist gemeint, der aus jener damaligen Patch-Work-Family mit der Jungfrau Maria. Also, jenen mit mehr Chuzpe als Verstand. Und danach mit noch viel mehr Massel-tov, dass mit Hilfe seiner ein neues Goldenes Kalb gegossen wurde.

Nun, heute ist das auf eine Person reduziert worden. So wie heute die DDR, die BRD und der Geist auf gemeinsame Ideale eines christlichen Abendlandes sich reduziert haben. So wie die vier Evangelisten, die folgende drei waren: Peter und Paul. Kurz gesagt: Heilandsack.

Mit dem Beil in der Hand ist es vom Land der “Dichter und Denker” zu den der “Richter und Henker” ein großer Schritt für die Menschheit. Aber nur ein kleiner Schritt für jeden Spalter mit dem Hackebeil. Beim Ritt auf dem Hackebeil bleibt selten eine Backe heil. Egal auf welcher Seite.

Fakt ist, dass – als der schwarze Urmensch Afrika verließ – ein Teil der Auswanderer nach Europa kam, dort auf Wälder und Neandertaler stieß und als erstes deswegen den Spalthammer erfand. Wie wir wissen, Neandertaler gibt es nicht mehr und der Spalthammer wurde danach seinen eigentlichen Zweck zugeführt. Haare der anderen Falschdenker gab es nicht mehr. Dafür aber immerhin noch ein paar deutsche Eichen zum Spalten, damit sich daran keine Sau mehr dran reiben sollte.

Es ist eigentlich egal, wer jene Beile in seinen Händen hält, entsprechend der Bibel des christlichen Abendlandes sollte immer nur der andere gekreuzigt werden. Derjenige, der im Tempel randaliert hat und die eigenen Geschäfte gestört hatte. Also des Zimmermanns Judenbengel. Als Stellvertreter für die miesen Geschäfte danach. Stellvertreterkreuzigung als Vorform der modernen Kriege im aktuellen Jahrhundert. Wenn das der biblische Gott gewusst hätte. Er hätte die Welt zu seinem Salzsäulenkammergut gemacht.

Schuld abladen verboten. Bei mir gibt es auch ein klares Schuttabladestellenverbot. Auch wenn die langläufige Meinung herrscht, Schuld sind immer wir anderen, die sich nicht einer Meinung zuschlagen lassen wollen. Ob wir für oder gegen Maske sind, wir sind die Schuldigen. Ein wenig zu fröhlich alkoholisiert durch die Gegend gelaufen? Verantwortungsloser Corona-Party-Rebell. Oder jemand, der nicht für seine Freiheit den genügenden Ernst aufbringt, weil er keinen Anlass hat zu feiern und deshalb nicht feiern dürfte. Zum Thema “Maske” keine messerscharfe Meinung zu haben? Dann ist man schlichtweg jemand, der sich einfach keine Meinung machen will und somit der Grabschaufler der freiheitlichen Menschheit ist. Oder folgsamer, braver Bürger, der dann wie ein krummbeiniger Dackel gestreichelt wird.

Wer wie all jene, die wie Altmeier schärfe Strafen für Leute fordern, die sich nicht an die Eins Fuffzig und die Einhaltung der Maskenpflicht halten, jene haben genauso viel Berechtigung für das Anrecht auf Verstand, als auch wie jene, die alle, die Masken tragen oder auf Eins Fuffzig bestehen, als Mainstream-Uninformierte klassifizieren, alle beiden dieser jenen haben sich einen Rang im Olymp der Hardliner verdient. Gott erhalte sie. Möglichst schnell. Die braucht kein Mensch dieser Welt. Auf mit denen nach Wallhalla

Wenn einer mit Vergnügen zu einer Musik in Reih und Glied marschieren kann, dann hat er sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde.

Albert Einstein

Einstein hat das auf Soldaten bezogen. So wie Tucholsky sein berühmtes angefeindetes Zitat.

Ich münze es um.

Analog ist es mit den Standpunkten jener beiden Parteien im Corona-Streit pro und contra der Maßnahmen, jene Parteien, die sich selber vor jeweils den anderen warnen. Um Keile zu treiben. Weil nur die anderen die Beratungsresistenten, die Sich-der-echten-Information-Widersetzenden, die Spalter der Gesellschaft sind. Immer die anderen, die immer zu einer Musik in Reih und Glied marschieren. Dafür reicht wirklich nur Rückenmark. Zu mehr erfordert es nun mal Hirn.

Ertrage die Clowns (12): Der Spaß beginnt …

    Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

    „Ertrage die Clowns!“

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  • “Haben Sie zuhause einen Desktop-PC?”, fragte die Chefin gestern ihren Mitarbeiter in der Firma, “Sollten Sie nämlich wegen dem Corona-Virus Home-Office machen müssen, dann können Sie von zu Hause aus arbeiten. Verstehen Sie? Oder wenn Sie am Corona-Virus erkrankt sein sollten, dann können Sie all ihre Arbeit von zu Hause aus erledigen, dann hat die Firma keinen Schaden.” Der Mitarbeiter nickte stumm. “Gut, also wenn es so kommt, arbeiten Sie von zu Hause.” Und die Chefin drehte ab. Ein anderer Mitarbeiter von ihr hatte eine Fußverletzung und wurde krank geschrieben. Sie hatte ihn immer wieder von zu Hause aus angerufen und ihn gedrängt, doch ein paar Aufgaben zu erledigen, denn obwohl er ja krank geschrieben wäre, so ihre Meinung, dann könne er trotzdem noch arbeiten. Wenn Deutschland etwas aus dem Flug “Germanwings Flug 9525” gelernt hat, dann das Arbeiten trotz medizinisch ausgestellten Krankenscheins. Als vor knapp 5 Jahren (am 24. März 2015) der Airbus A320-211 in die Hänge der Westalpen in Südfrankreich steuerte, starben beim Aufprall alle 150 Insassen. Später fand man heraus, dass der Selbstmordpilot eigentlich krank geschrieben war, aber trotzdem zur Arbeit ging. Dass niemand zu arbeiten habe, wenn so ein Mensch medizinisch krank geschrieben wurde, stand nie zur Debatte. Denn es hätte auf der damaligen Debatte dazu führen können, dass man Erkrankten sehr wohl eine Auszeit von der Arbeit zuzugestehen hat, damit sich der Körper desjenigen schneller und gründlich erholt. Tja, jetzt auch bei der Sache mit dem Corona-Virus. Die Chefin drehte sich nur kurz noch einmal um und bestärkte: “Auch wenn Sie an den Corona-Virus erkranken sollten, heißt das ja nicht, dass Sie nicht doch arbeiten könnten, nicht wahr. Und die Arbeit muss nun mal gemacht werden.” Sie schloss die Tür. Schlechter Rotwein hat im Gegensatz dazu noch immer den besseren Abgang.
  • Ein Arbeitskollege erkundigte sich telefonisch bei einer Apotheke, ob jene noch “Virulent” im Vorrat habe. Drei Packungen, war die Antwort. Er erwiderte, er würde um Viertel nach Neun dort vorbei kommen und alle drei kaufen. “Virulent”? Ich erinnerte mich, das in meinem Kühlschrank zu haben. Am Abend nach der Arbeit schaute ich nach. Stimmt. Da hinten, links hinten in der Ecke, da lag die Packung. Ich holte sie hervor. Ich hatte damals das Datum notiert, wann ich das homöopathische Mittel vom Arzt verschrieben bekam: Januar 2006. Verwendbar bis September 2019. Ich warte noch ein wenig. Auf dem Schwarzmarkt, dürfte die Packung bald Sammlerwert haben. Ach ja, obiger Kollege findet es asozial, dass manche mit gehorteten Atemmaske jetzt mit hohen Preisen fett Kasse machen. Das wäre unmoralisch. Bin ich froh, dass er an der Börse fett Kasse machen will.
  • Der Arbeitskollege stöhnte auf. Die USA hat die Einreise von Europäern verboten. Dabei wollte er übernächste Woche in den USA als Individualurlauber rumreisen. Den Flug – als Schnäppchen in einem Internetportal geschossen – kriegt er zu 100% ersetzt. Aber den Mietwagen? Die Hotels? Er ist sauer und überlegt zu klagen, wenn er nichts zurück erhält. Er ist rechtschutzversichert. Und dann las er die Nachricht, dass die Börse erneut mit über 10% eingebrochen ist. “Kein Problem”, meinte er lakonisch, “in zwei Wochen kaufe ich im großen Stil, wenn die Börse unten ist und dann mach ich fett Kasse.”
  • Ich erhielt auf meiner Arbeit die Anfrage eines Kollegen, ob ich nicht mit ihm den Urlaub tauschen möchte. Ich hatte meinen bereits für September gelegt, er auf April. Und er möchte Erholung mit seiner Familie im Süden. Den kann er im April wohl nicht wegen Corona realisieren. Also soll ich mit ihm tauschen, da ich ja keine Familie habe. Ich sagte ihm, ich sei bestechlich, und das ganz besonders in Zeiten von Corona und zu verlegenden Gardasee-Reisen. Er nannte mich ein kollegiales Arschloch, weil ich nicht im April Urlaub machen wollte.
  • Die Corona-Virus-Pandemie hat das Gebaren der ganzen Gangster-Rapper und Ghetto-Kids zu gesellschaftlich anerkannten Rang verholfen. Die “Ghetto-Faust” ist jetzt der Stil der Corona-Zeit. Die Gangster-Rapper und Ghetto-Kids werden sich neues zur Absonderung überlegen müssen. Vorschlag: Macht das, was die Bussi-Bussi-Gesellschaft Münchens damals immer machte, als jene Gesellschaft damals noch verächtlich auf euch nieder blickte. Sie wird neidisch werden.
  • Xavier Naidoo ist sauer. Warum ist ihm nur das Marketing von Tom Hanks eingefallen? Warum mögen ihn alle Menschen nicht? Nur weil er jetzt verdächtigt wird, doch Reichsbürger mit ausländerfeindlichen Ansichten zu sein? Man munkelt gerüchtemäßigerweis, dass er angeblich erbost aufgeschrien haben sollte, dass “die ganze Corona-Scheiße nur dazu dient, von den Scheiß-Wölfen unter den Flüchtlingen abzulenken”. Sein Pressesprecher hatte angeblich vor einer Stunde noch betont, dass Xavier Naidoo sich christlichen Idealen verpflichtet fühlt. Denen aus dem Mittelalter, müsste der dann wohl vergessen haben zu ergänzen.Denn für Xavier ist nach dem christlichen Kreuzzug wohl immer noch nur vor dem christlichen Kreuzzug. Und Corona wird dann wohl keine Strafe Gottes sein, sondern pures mediales Ablenkungsmanöver jenen Kreuzzug  in aller alternativer Wahrhaftigkeit für Deutschland zu starten.
  • Wer keine Ahnung hat, solle doch mal die Fresse halten. Ich habe keine Ahnung von Corona und sollte mich somit der einzigen Weisheit Dieter Nuhrs fügen. Nur habe ich auch keine Fresse. Aber eine Ladeluke, die sich erstaunt öffnet, wie sich manche an komplett belanglosen Twitter-Tweets von Dieter Nuhr abzuarbeiten. Mit den Gegen-Tweets scheint es, dass bestimmte Leute auf Angsterzeugung stehen. Und Dieter Nuhr ist dann nur ein zusätzliches wohlfeiles Mittel.
  • Panik? Panik ist immer eine Panik. Rückzuführen auf den griechischen Gott Pan, der auch gerne mal die Pan-Flöte spielte. Allerding sollte er auch in größter Mittagestille durch einen lauten Schrei auf einmal ganze Herden zu Massenflucht erregen zu können. Insbesondere zu einer plötzlichen und anscheinend sinnlosen Massenflucht. Panik. Panik? Panik ist intensive Angst. In Zeiten der Panik ist Angst immer ein meinungsbildender Faktor. Eine intensiver Faktor. Angst? Guggst du hier: ANGST!!!! (Autor des mp3-Datei: Voller-Worte-Blog)
  • Eine Firma schrieb in ihren Corona-Richtlinien, dass unnötige Dienstreisen jetzt in Gebiete mit Corona-Risiko nicht mehr genehmigt werden würden. Hm. Lasst uns auf die Post-Corona-Zeiten warten, dann sind unnötige Dienstreisen in ehemaligen Risiko-Gebieten wieder erlaubt. Und danach schauen wir uns gemeinsam die Maßnahmen zum Enger-Schnallen des Gürtels als Reisemitbringsel aus unnötig zu besuchenden Gegenden an …
  • Ein Fotograf besuchte die rote Zone rund um Fukushima und stellte aus seinem hermetisch abgedichteten Schutzanzug heraus fest, dass die Pflanzen so ganz ohne Menscheneinfluß richtig gut gedeihen. Das entspricht der Erfahrung von der roten Zone rund um Tschernobyl. Immer wenn ich Urlaub mache, sehe ich, wie mein Pflanzendschungel sprießt und gedeiht. Nur zwei Wochen nach dem Urlaub, sieht es anders aus. Na, hört mal, ihr Pflanzengesocks, was glaubt ihr eigentlich, wer eigentlich die Wasserrechnung hier bezahlt!?! Passt euch gefälligst an! Und seid glücklich, dass euch Corona und Radioaktivität nicht entscheidend beim Leben stört.
  • Im Traum erschien mir ein alternativer Fieslerstorch, bemerkte bei jeder Gelegenheit nachdrücklich fanatisch: “Fake-News!”, und versuchte nach Lesbos aufzubrechen, um als zukünftiges Vergewaltigungsopfer durch mindestens einen potentiellen Flüchtling, Schlagzeilen zu generieren. Sie wollte endlich, dass in ihren als “Fake-News-Verbreiterer” herabgewürdigte Fernsehsender wieder wichtige Dinge als Nachrichten auftauchen sollten. Sie durfte nicht ausreisen, weil sie kein Gesundheitszeugnis nachweisen konnte. Ihr Psychiater hatte beim Anruf der Grenzbehörden erklärt, derer Gruppengespräche in Berlin wären noch nicht abgeschlossen. Zieldatum dazu wäre wohl Oktober 2021. Demokraten vermuten jedoch, dass es über 2015 hinaus dauern könne, bis sie maximal situativ gesund erklärt werden könne. Ich beschloss, dass mir der Traum für das Happy-End entschieden zu lange dauern würde, und wachte auf.
  • Es wurde bereits nachgewiesen, dass unsere Bargeld-Scheine alle mit Kokain kontaminiert sind. Warnung an alle, die seit langem bereits versuchen mit vielen 5-Euro-Scheinen high zu werden: Ab sofort ist das 5-Euro-Scheinen-Lutschen mit dem gewissen Extra an Risiko versehen. Kauft von euren 5-Euro-Scheinen lieber den echten Stoff. Die Lunge wird es euch danken, was ihr euch zuvor durch die Nasenflügel pfeift.

Benötigen Sie einen Weihnachtsmann? Ich bin Student.

Sein Bart war inzwischen nicht mehr weiß. Er war grau geworden, grau wie eine ungewaschene Gardine vor einem verdreckten Fenster. Eigentlich hätte er ja noch weiß sein sollen. Nur die Lisbet, die alte Sau, die hatte ihm Dinkelmehl ins Gesicht geblasen. Das solle Glück bringen, giggelte sie noch. Am liebsten wäre er ihr an die Gurgel gegangen, aber von der Lisbet kannte er kein anderes Verhalten. 92 Jahre, tendenziell dement, aber den Schalk einer sechsjährigen Göre im Nacken. Lisbet hatte das immer so gemacht. Jedes Mal. Immer. Würde er wählen dürfen, die Lisbet würde er nicht mehr besuchen. Nur Lisbet war die beste Freundin seiner Mutter.

Gewesen. Bis seine Mutter vor vier Jahren verstarb und sie ihn im Testament aufforderte, in dem Haus für betreutes Wohnen immer zur Weihnachtszeit den Weihnachtsmann zu geben. Weil er sie im Renten-Dasein allein gelassen und ins Heim abgeschoben habe, so erklärte sie. Sieben Jahre lang, so hatte sie es im Testament geschrieben. Falls er das nicht machen würde, würde sein Erbanteil auf ihr Heim überschrieben werden.

Er brauchte allerdings das Geld. Nicht dass er über dem Tode seiner Mutter seine Zukunft geplant hatte, er kalkulierte nie mit dem Leben und Sterben anderer Menschen seinen Lebenstandard. Er war Vertreter der Eigenverantwortlichkeit. Glück gab es nur, wer etwas dafür tat. Nur hatte ihn einfach das Pech eingeholt und dann auch noch rechts überholt. Erst der Verlust seiner gesamten Einlagen durch einen Kursrutsch, kurz darauf die Krise in seiner Branche und dann seine betriebsbedingte Kündigung. Mit der 5 vor seinem Alter wollte ihn bislang keiner einstellen. Zu unflexibel, zu undynamisch, nicht formbar, zu alt, zu viele Qualifikationen, zu wenig Qualifikationen, das falsche Geschlecht, die falsche Nase. Alles hatte er bereits gehört. Fachkräftemangel? Darüber konnte er nur lachen. Populistischer Scheiss, war seine regelmäßige Antwort auf dieses Schlagwort. Zu rebellisch und zu uninformiert, hatte ihm dann einer der Leiter irgendeiner Personalabteilung beim Bewerbungsgespräch gesagt und ihm die Tür nach außen hin geöffnet.

Zu unsexy, hatte ihn vorhin die Lisbet angekräht und ihm das Dinkelmehl ins Gesicht geblasen. Den Mehlstaub konnte er sich nur mühsam etwas aus seinen Klamotten und Bart klopfen. Das Rot seines Mantels sah nun blasser aus und sein Bart war grau geworden. Er sah sich im Spiegel des Aufzugs an und atmete kurz durch. Lisbet gehörte eigentlich nicht in dieses Haus, dachte er sich kurz. Sie hat doch einen Sohn in München, der lebt dort gut, ist Single, verdient dort wohl ein Schweinegeld und verprasst dieses mit Sicherheit in irgendwelchen hedonistischen Tempeln der unmoralischen Landeshauptstadt, macht aber dabei auf arm, wenn er darauf angesprochen wird, seine Mutter zu sich zu nehmen.

Die Aufzugtür öffnete sich. Er blickte nochmals in den Spiegel, zog seinen Bart zurecht und versuchte sich mit einem atonalen ‘HoHoHo’ in Stimmung zu bringen. Schlurfend bewegte er sich auf Wohnung Nummer 8 zu. Er hasste Wohnung Nummer 8. Zu Weihnachten erwarteten ihn immer dieses unsäglich doofe Rentner-Duo: Heinrich und Bernhard. Statt in Würden zu altern, glaubten die beiden, irgendein Anrecht darauf zu haben, ihn zu foppen, indem sie sich betont jugendlich gaben.

Die braune Tür vor ihm verriet nichts davon, was ihn erwarten könnte. Lediglich die musikalische Klangwolke, die durch die Tür diffundierte, gab ihm einen Vorgeschmack auf das, was ihn de facto erwarten würde. “Principles of Lust: Sadeness” von “Enigma” waberte ihm entgegen.

“90er Jahre Scheiß des letzten Jahrhunderts”, grummelte er, “und auf dem Wohnzimmertisch wahrscheinlich wieder ‘ne Packung Viagra.”

Sein Finger suchte die Klingel und fand sie. Er drückte kräftig und lang.

HoHoHo!

Die Tür öffnete sich langsam. Indigniert registrierte er, dass die Tür über eine Paketschnur geöffnet worden war und ihn keine Person direkt an der Tür begrüßte. Er trat ein, schloss die Tür und folgte dem Verlauf der Paketschnur langsam in das Wohnzimmer.

“Tschuldigung, wir benötigen einen Weihnachtsmann. Ist er Student?”, ulkte Heinrich ihm entgegen und Bernhard ergänzte meckernd lachend: “Früher war mehr Lametta!” Ein Kanon des Lachens umwaberte ihn.

“Könnten Sie beide, bitte, dieses Jahr nach meinem Auftritt hier netter zu mir sein? Ich gebe schließlich seit drei Jahren immer mein Bestes und jedes Mal erhalte ich von ihren Söhnen und Töchtern das Feedback, dass Sie beide mit mir nicht zufrieden gewesen wären. Und dann ziehen die mir wieder über 50% von meiner Entlohnung ab. Aber ich brauch das Geld. Ich bin immer noch arbeitslos.”

“Richtig, früher war mehr Lametta,” echote Heinrich.

“Dieses Jahr ist der Weihnachtsbaum grün, naturgrün, frisch und umweltfreundlich. Mit ohne echten Äpfelchen dran.” Bernhard deutete vor sich auf dem Wohnzimmertisch, auf dem ein kleines Tännchen stand. “Der dicke Weihnachtsmann möchte uns jetzt ein Gedicht aufsagen.”

Beide starrten ihn erwartungsvoll an, nur sein Blick war wie festgenagelt auf dem Wohnzimmertisch gerichtet. Er wollte es nicht glauben, aber da lag eine Schachtel Viagra, geöffnet, und daneben noch drei Kamagra Oral Jellies, Geschmacksrichtung ‘Spekulatius’, … .

“Zickezacke Hühnerkacke”, entfuhr es ihm nur langsam und fast schon undeutlich.

“So, und jetzt wird ausgepackt. Und Herr Weihnachtsmann, sei wenigstens ein wenig gemütlich!” Heinrich zog hinter sich eine Flasche Haselnuss-Schnaps hervor. Bernhard deutete mir einer Fernbedienung auf den Wandschrank und die “Enigma”-Musik schwoll bedeutungsschwängernd an, derweil eine laszive Frauenstimme einen zittrigen Orgasmus in das Lied hinein intonierte. Er hasste das Lied: eine kommerzielle Verwertung des weiblichen Orgasmus. Das hätte völlig privat bleiben sollen. So etwas gehörte nicht in die Öffentlichkeit. Er mochte auch die Schauspielerin Meg Ryan nicht mehr, seitdem er sie im Film ‘Harry meets Sally’ in dem Cafe öffentlich ihren vorgetäuschten Orgasmus rausstönen sah. Schlampe.

“Ey, du Weihnachtsmann, werd’ mal locker! Du kannst doch nicht jedes Jahr so verkrampfen hier! Man könnte ja meinen, du würdest den Rest des Jahres im Sterbehospiz verbringen und nur Weihnachten ließe man dich in dieser Verkleidung zum Lustholen raus.”

Heinrich wedelte ihm mit einem doppelten Haselnuss-Schnaps vor ihm rum. Er griff zu, denn er wusste, was jetzt passieren würde. An Flucht war nicht mehr zu denken. Er war gefangen. Er hätte nie reinkommen dürfen. Nie. Niemals. Nicht. Eigentlich. Aber dann würde er auch das Geld für seinen Weihnachtmannauftritt nicht erhalten. Oder zumindest nicht jene um 50% gekürzte Aufwandsentschädigung. Und er brauchte das Geld. Denn jung war er nicht mehr.

“Also, nochmals: Könnt ihr beide wenigstens diesmal euren Söhnen und Töchtern erklären, dass ich gut war, damit wenigstens mein Geld in voller Höhe bekomme? Könnt ihr wenigstens diesmal nicht lügen?”

Bernhard lachte. “Das werden wir garantiert nicht erklären. Die sollen ruhig wissen, dass wir hier in diesem Kuhkaffviertel vor Dortmund dahin vegetieren, und dafür Gewissensbisse bekommen. Sonst haben die keine besinnliche Weihnacht. Solange die sich nicht bequemen, uns Weihnachten zu besuchen oder auf deren Kosten einzuladen, solange werden wir keines derer Geschenke wertschätzen. Weihnachten ist ein Familienfest und keine ‘ich-hoffe-es-geht-euch-dort-gut’-Veranstaltung!”

“Aber was kann ich dafür? Ich brauche doch das Geld, ich bin arbeitslos, keiner will jemanden der Ü50-Generation wie mich mehr einstellen.”

“Doch! Als Fachkraft! Eben als Weihnachtsmann. Wir haben Fachkräftemangel. Und nu chill mal, du junger Hüpfer! Same procedure as last year!”

“Same procedure as last year?”

“Same procedure as every year, Dickie, du Weihnachtsmann!”

Richard mochte es nicht, wenn er als ‘Dickie’ angeredet wurde. Es erinnerte ihn an Richard Nixon. Den nannte anfangs auch jeder ‘Dickie’, allerdings danach nur noch ‘Arschloch’.

Heinrich ergriff ein kleines Weihnachtsglöckchen, welches neben dem Tännchen, naturgrün, frisch und umweltbelassen, stand und läutete damit kräftig. “HoHoHo! Let’s get the party startet!”

Erinnerungen.

Wahrscheinlich erinnerte er sich nur noch deshalb an diese Konversation, weil Bernhard Heinrich seinen Satz nochmals wiederholte und seine Betonung dabei mehr auf ‘Dickie’ lag. Und dann war da noch der Satz, den Bernhard eindeutig zweideutig anpeitschend raushaute: “Digg your digger dick, Dickie!”

Richard sah die Schlafzimmertüre sich öffnen, zwei mitvierzigjährige Frauen in aufreizender Garderobe, zwei Silbertabletts auf ihren Händen, traten ins Wohnzimmer, auf jedem Silbertablett fein säuberlich neun weiße Linien gezogen. Heinrich riß sich ein Kamarga Jelly auf, steckte die Tüte in den Mund, sog den Inhalt in sich rein und schüttete sich einen Haselnussschnaps hinterher. Eine Frau bot Richard und Bernhard ein Papierröhrchen an. Beide griffen zu und beugten sich über eine der Linien der Silbertabletts … .


“Warum haben Sie mir schon wieder nur die Hälfte überwiesen?”

Blechern schallte es aus seinem Handy zurück: “Weil Sie ihre Leistung nicht erbracht haben. Wieder mal nicht. Eben drum.”

“Was hab ich denn getan?”

“Beide haben mir bestätigt, dass sie besoffen und verkokst waren, nicht mal ein Weihnachtsgedicht beherrschten und keine Stimmung gemacht hatten. Das haben Sie sich selber zuzuschreiben.”

“Verdammt, ich hatte Ihnen doch erzählt, dass die beiden Viagra, Koks, Schnaps und Milfs bei sich hatten. Sex, Drugs und Rock’n Roll und sie ließen es sich verdammt gut gehen.”

“Jaja. Wein, Weib und Gesang, die alte Mär. Erzählen Sie das ihrer Oma, aber nicht mir, okay. Mein Vater ist fast 70, Rentner mit schmaler Rente, rüstig, und lebt in einem Haus für betreutes Wohnen. Und Sie wollen mir weiß machen, der haut seine gesamte Rente für Koks, Weiber und Alkohol verantwortungslos raus, statt sein Geld für seine Enkel zurück zu legen? Das glauben Sie ja wohl selber nicht! Mein Vater ist ein Rentner, der jetzt nach seinem aufreibendem Arbeitsleben endlich mal Ruhe braucht und keine Sex- und Drogengelage. Mein Vater hat alles, was er zum Leben braucht: eine anständige, gesunde Betreuung, ein vernünftiges Zuhause und Zucht und Ordnung! Mein Vater ist ein ehrbarer Mensch. Seien Sie froh, dass ich Ihnen überhaupt etwas überweise, so wie Sie über meinen Vater lästern und Rufmord begehen, Sie Weihnachtsmann, Sie! ”

Wortlos beendet Richard den Anruf. An seiner Tür hatte es geschellt. Er schlurfte zur Tür und öffnete sie. Ein wesentlich älterer Mann stand vor ihm und nahm seine Mütze ab, blickte auf den Boden und murmelte gerade noch vernehmlich:

“Benötigen Sie einen Weihnachtsmann? Ich bin Student.”

Adventsgedanken für Arme

Drei Mädels stehen zusammen und schreien in ihr Mikrofon “Warum”. Warum? Ich gehe durch die dunklen Straßen Münchens. Weihnachtslichter der Wohnungen erhellen die Zwischenräume der Straßenlaternen, warm eingehüllt in meiner isolierenden Jacke schreite ich Richtung Zuhause. Warum?

Warum? Warum ist die Banane krumm? Warum macht wen die Banane krumm? Warum ist krumm dumm?

Weihnachtsfeiern machen lustig. Weihnachtsfeiern machen seltsam duhn im Kopf. Ich sitze in gemeinsamer Runde und jeder analysiert das gleiche Thema aus seiner Sichtweise. Mein Steinkrug verdunstet das Kellerbier, wie meine Pflanzen zu Hause das Wasser verschlingen. Aber duhn ist nun mal eine menschliche Eigenschaft und keine pflanzliche. Da muss ich alleine durch.

Pflanzen zu Hause? Geht gar nicht! Geht überhaupt gar nicht, eben diese Phrase “geht gar nicht”. Packt mein Kind sechsmal unbedarft mit seiner Hand auf eine Herdplatte und ich warne jedes Mal: “Vorsicht, die Herdplatte könnte heiß sein!”, dann ist es schon in etwa verständlich, dass ich beim siebten Mal einfach nur noch schnauze “Das geht gar nicht!”“ und dessen Hand gewaltsam roh wegreiße.

Nur unter Erwachsenen gleich beim ersten Mal mittels einer Email mit großem Verteiler ein solcher Satzanfang, das ist Kindergarten pur. Oder eher Kita. Denn die werden staatlich bezahlt und da darf sich jeder rein rechtlich straffrei austoben und selbst verwirklichen. Insbesondere dann, wenn später jährlich über mangelnde Kommunikation innerhalb den Strukturen geklagt wird. Von eben gleichen Personen. Mit dem Angeschriebenen gleich zu reden, statt einer Email mit großem Verteiler in cc: zu verschicken … nun Firmenkultur kann auch umfassen, dass man sich darüber beklagt, das andere die gleiche Verhaltensweise wie man selber an den Tag legt. So wird das Klagen, Seufzen und so zum täglichen Qualifikationsnachweis.

Und warum sollte es auf einer Weihnachtsfeier denn somit anders sein?

“Basse ma’ uff. Wenn der eine klagt, dass hinter seinem Rücken gelabert wird und dieses auch hinter dem Rücken der anderen macht, warum soll er sich dann beklagen?”

“Verstanden. Nur wenn er sich als einziger nicht darüber beklagen darf, dann ist etwas oberfaul bei der offenen Kommunikation, nicht wahr.”

“Freilich. Wenn das Getuschele und Getratsche als Kultur anerkannt ist, aber das Ausgeschlossen-Sein vom Getuschele als Manko angeklagt wird, klagt derjenige sich dann nicht selber an?”

“Tratscherei umgibt sich nun mal nicht mit Plüsch und Samt. Getuschele ist und bleibt nun mal ein Gefühl.”

“Gefühle kistenweise. Und es sieht blendend aus. Nur, das Gefühl steht niemanden.”

“Eben. Das nennt sich Lebensqualität. Dinge sich anzueignen, welche man nicht braucht, mit Mitteln, die man nicht hat, um Leuten zu imponieren, die man erst recht nicht leiden kann.”

“Ja, der letzte Schrei als einzige Konstante im Wandel. Schreie verschwinden und gehen vorbei. Ewigkeiten kommen und gehen. So wie Sonderangebote bei Amazon. Immer auf den letzten Drücker, zum Sonderpreis als Ramschware. Rudis Resterampe als Lebensmotto der eigenen Kommunikationfähigkeit. Schreien ist laut. Flüstern leise. Wer flüstert, der lügt. Wer stille Post betreibt, betrett seit Jahrhunderten Niemandsland.”

Mein Blick wandert vom einen zum anderen, dann vom anderen zum einen, und dann wieder vom einem zum nächsten. Mir schwant, ich bin nicht mehr in meiner Firma, sondern auf einem Kongress der Kommunikationswissenschaftler. Und Kommunikationswissenschaftler sind dieZukunft der medialen Welt. Ohne Kommunikationswissenschaftlergerät man von einem Shitstorm-Regen in eine Shitstom-Traufe. Und wer Kommunikationswissenschaftler ist, der sagt dir auch, wie man seine eigene Marke am besten und schnellsten versenkt. Und dabei noch ordentlich klasse Kasse macht.

“Ich würde das Unausgesprochene nicht unausgesprochen lassen.”

“Wie belieben?”

“Was du nicht weißt, was ich dir sagen will, kann du nachher nicht mehr als Unwissenheit erklären.”

“Nur wenn alles Unaussprechliche ausgesprochen wird, wo bleibt dann noch der Schutz der Privatsphäre. Manches muss unausgesprochen bleiben.”

“Voldemort.”

“Oder 42. Der Sinn des Lebens.”

“Oder das unser Vorgesetzte weder das eine, noch das andere verkörpert.”

“Du solltest deine Gedanken zügeln. Das darfst du so nicht sagen.”

“Nicht? Okay, aber dann doch vielleicht noch ein Pfefferminzplättchen?”

“Dann lieber doch zur Kreuzigung. Gut. Durch die Tür hinaus, zur linken Reihe, jeder nur ein Kreuz.”

“Oh ja. Wenn es die Kreuzigung nicht gäbe, wäre dieses Land in einem solchen Zustand … .”

“Pöser Purche!”

Der Tisch wälzte sich vor Lachen in Erinnerungen.

Als das Kind Kind war, wusste es nicht, dass es Kind war, alles war ihm beseelt, und alle Seelen waren eins. Handke. Literaturnobelpreisträger. Zitiert aus dem Film “Der Himmel über Berlin”. Darf man das noch zitieren? Darf man Handke noch zitieren?

“Ich sag es mal so, über uns herrscht eine Phalanx aus Vorgesetzten. Die investieren 75% ihrer Arbeitszeit in Status-Quo-Erhaltung und den Rest in Arbeitsinhalte.”

“Na, jetzt redest du aber wie ein Kommi. Den Kommunismus in seinem Lauf halten immer nur Kommunisten auf. Ergo, manisch ineffektiv. Bewiesen im letzten Jahrhundert. Mehrfach.”

“Geht nicht. Kommi-Klassifikation ist total vorbei. Denn dann hätte unsere Phalanx zumindest einen 5-Jahres-Plan. Aber die haben nur ihre Daseins-Berechtigung, wenn sie als Krisenmanager reüssierten.”

“Re-Ü-was?”

“Erfolg! Erfolg als Konsequenz von Leistung. Und Leistung in einer Leistungsgesellschaft muss sich bei uns lohnen. Das heißt, wer sich was leistet, wird belohnt. Flughäfen im Planungs-Soll zu eröffnen oder Versprechen zu realisieren, das kann jede Sau. Aber man muss das Undenkbare denken. Und nicht lang lachen. Einfach machen. So etwas nicht zu schaffen oder nicht zu erfüllen, dass musst du dir erstmal leisten können.”

“Das kann ich auch. Locker vom Hocker.”

“Nur gehörst du nicht zur Phalanx.”

“Nein, aber zur römischen Schildkrötenformation oder zu den im Hinterland rekrutierten Männern für das Kanonenfutter von Verdun.”

“Ich sag ja, du bist ein elender Kommi.”

“Steht etwa auf meiner Stirn ‘Mir doch egal’ ?”

“Keine Ahnung, aber auf der Weihnachtsfeier so gegen die eigene Firmenpolitik zu lästern, dann biste hier falsch.”

“Lästere ich nur, weil wegen paar Dutzend Hundert Betrügern in der Dieselindustrie eine positive Motorenentwicklung und deren Industrie momentan den Bach runter geht und Arbeitslose erzeugt?”

“Was willst du? Hat man in der Bankenkrise vor zehn Jahren die Betrüger tausendfach eingebuchtet? Hat man die Pleite von Thomas Cook jemals auf das spielsüchtige Pokern der Hedge-Fonts zurück geführt? Nur Uli Hoeness wurde Opfer seiner Spiel- und Wettsucht. Aber auch nur, weil jener den Staat mit seinen verbrieften Steuernabgaben außen vor ließ und ignorierte. Er ging nicht in die Landsberger Festung, weil er spielsüchtig war.”

“Stimmt. Die anderen Loser gingen leer aus. Die kriegten noch nicht mal Wasser, Brot und Weißbier in einer Notunterkunft, weil wir sparen müssen. Ist Spielsucht eigentlich eine anerkannte Krankheit? Ich meine, von jedem HIV-Erkrankten mit Sex-Libido verlangt man doch lebenslange Einzelhaft. Aber Alkohol und Zocken werden nie wirklich aktiv bekämpft. Aber Hauptsache, der Ehepartner oder Lebensabschnittspartner vögelt nicht fremd und wird nicht außerhalb der Familie der Pädophilie überführt.”

“Du wirst unsäglich unsachlich. Ekelig! Wundere dich nicht, dass bei so einer Einstellung niemand mit dir reden will. Fremdgehen und ein wenig Zocken sind zwei verschieden Sachen. Und HIV, Clamidien und Ebola sind bedrohlicher als diffuse Gestalten mit halbgefülltem Pils-Glas am Spielgeldautomaten. Und von der Börse profitieren wir letztendlich alle.”

“Und? Lebst du auch fair? Ich meine so in Richtung Fairtrade?”

“Ich versuche es. Ich finde es unerträglich, wenn in Pakistan Kinder Nike-Socken oder KIKA-Kleidung für eine Handvoll Cents stricken müssten.”

“Schaffst du es, 1% von deinem Leben in Fair-Trade-Produkte zu investieren? Ich nicht. Aber ich finde es okay, wenn ein Kind ein paar Cent verdient, statt in einer naßkalten, dunklen Behausung hungernd mit ein paar Steinbrocken die WM 2018 in der Ersten Welt vom Hören-Sagen hustend und hungernd nachspielen zu müssen. Das ist doch grausam. Da hat das Kind dann doch eine sinnvollere Beschäftigung, wenn es Kleider schneidert, nicht wahr. Besser als überhaupt keine Tätigkeit und tätigkeitslos dahin vegetieren. Das will selbst hier in unseren Breitengraden niemand.”

“Du bist ein elender, verkappter Kommi! Träumer! Gutmensch!”

“Naja, dann bin ich Kommi. Aber du als Kapitalist, oder besser Neoliberaler-Kapitalist mit Deregulierungsphilie, findest es besser, dass in Billiglohnländern die Komponenten deines PKWs erzeugt werden, damit du ihn dir leisten kannst. Oder deine Sneakers, Jeans, Jacken oder so. Weil hier beklagst du dich über zu hohe Lohnkosten, die dir die Produkte unerschwinglich machen würden.”

“Das ist hier eine Weihnachtsfeier! Du schaffst nur Unruhe und Unfrieden durch deinen Mist!”

“Und ehrlich, erst jetzt verstehe ich Dieter Nuhr, wenn dieser Karl Dall für Arme meint, dass ein Kampf gegen den Klimawandel schwerwiegende Krisen und Weltkriege hervorrufen könnte. Da hat er wohl Recht. Wer will schon für normale 08/15-Schuhe statt 50 Euro das Doppelte zahlen, wenn dann der eigene Lohn sinkt. Was nützt einem der Porsche Cayenne für 7.500 Euro, wenn durch konsequente Lohnsenkung der Monatslohn nur noch 500 Euro beträgt, wovon man 75% an Lebenshaltungskosten abziehen muss. Da werden Leute rebellisch, dass heißt Revolution. Wobei: Revolution heißt, Aufbegehren der Unteren gegen die Oberen. Oder wie es für Leute von hier und heute heißt: Terrorist.”

“Dein ‘Karl Dall für Arme’ hatte einmal ganz treffend zu Leuten wie dir gesagt: ‘Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.’ Der Satz war bis vor paar Jahren noch bei dessen heutigen Kritikern ein bibelgleiches Gebot. Die größten Kritiker der Elche sind heute selber welche!”

“Stimmt. Nicht jeder schafft das erste Staatsexamen, um Lehrer werden zu dürfen. Das hat der Nuhr sich geleistet und jetzt hat er die offizielle Lehramtsstelle für alle ohne Schulabschluss in der Öffentlichkeit erobert. Quasi von unten übers Gymnasium und Uni auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Und eben letztere hat er sich auf die Stirn genagelt, um Deutschland zu beglücken.”

“Was hat er sich genagelt? Die Welt?”

“Nein, eher das andere.”

Ich zutzle an meinem Weißbier und schlürfe meine Weißwurst vor mir in seinem Weißwurstsenf. Wie gerne wünschte ich mir beim Zuhören das Weiße weg. Es bliebe übrig: Bier, Wurst und Senf. Und von der bayrischen Flagge nur das Blaue vom Himmel.

Versprochen. Kein Weißes im Auge würde mehr stören. Und aus den grauhaarigen, weißen Männern würden nur grauhaarige Männer übrig bleiben, welche aussähen wie Morgan Freeman oder Samuel L. Jackson heute. Oder Schäuble, Seebacher-Brandt oder Seehofer. Oder so. Und nicht wie Scheuer, Söder oder Schröder, künstlich auf ungrau für-immer-jung gefärbt.

Ich erhebe mich und wünsche allen einen schönen Restabend. Bier, Wurst und Senf sind mir Wurscht.

Weiß eigentlich die Welt, dass Wiener aus den Resten von bayrischen Leberkäs zusammengesetzt werden? Und was von den Resten der Wiener Deutschlandweit übrig bleibt, kommt dann in den bayrischen Leberkäs. Ja, so ist der nachhaltige Kreislauf. Und seit dem Döner-Skandal, ist ja inzwischen bekannt, dass eine der Döner-Erzeugungszentren für Berlin in Bayern liegt. Die nehmen dann die Reste der gut gewürzten Dönerspiesse und füttern die wiederum in den Leberkäs. Eine unerschöpfliche Quelle des Wiener- und Leberkäsfrohsinns.

So ist das auch mit den bayrischen Noagerl des Oktoberfestes. Bekanntlich werden diese jeden Abend kurz vor Mitternacht  in Fässern zusammengeschüttet, von einem Vergeistigten gesegnet und nach Köln als Kölsch verschickt. Die Kölner verwerten dies dann im Karneval und der Rest davon kommt zurück nach München und wird später auf dem Oktoberfest wieder in Maßen ausgeschenkt, wo dann die Noagerl …

Ein ewiger nachhaltiger Kreislauf. Nur hin und wieder müssen dann deutsche Landwirte ihre Ernte diesen beiden Städten zur Verfügung stellen, damit er Verlust mit Frisch-Gebrauten ersetzt wird. Oder es wird ne Sau geschlachtet, die zuvor durch irgendein Dorf getrieben wird, damit die vegetarischen Döner-Spieße nicht so fleischlos daher kommen und die Wiener-Leberkäs-Connection nicht trocken wird.

Hauptsache, der Verbrauchende hat beim Essen und Trinken seinen alloholinduzierten, sättigenden Spass, woll. So wie in Mittelwest-Deutschland wie in Südost-Deutschland. Ganz ohne Brot und Spiele.

Hauptsache es ist ess- oder trinkbar und lässt sich in Senf versenken. Gott, wir sind dir dankbar für diesen unerschöpflichen Rohstoffkreislauf, der uns mit Stoff bei Weihnachtsfeiern versorgt. Und dank an unseren legalen Dealern, dass die unser Essen und Trinken immer wieder aufpimpen …

Warum klappt das nur nicht bei der Energieversorgung? Herrschafftszeiten, lasst Phantasie für Arme regnen!

In den Ohren isoliert mich das orchestrales Arrangement eines Liedes von einer der zusammen gecasteten, erfolgreichen Girl-Bands der End-90er von der Außenwelt. Neun Quadrate, zwei Gegenspieler, einer setzt die Kreuze, der andere die Kreise. Ein Spiel, was keiner verlieren kann, wenn man weiß, wie es geht. Tic Tac Toe. Warum? Es ist das Lied der Verzweiflung einer ehemaligen Girl-Band über eine verlorene Freundschaft, welche von Außen zerstört wurde, weil einer der beiden Freunde sich dabei verlor. Warum? “Warum Score 1” ist die orchestrale Version ohne viel Worte (hier oder hier oder Verlinkung auf Youtube-Video).

Die Straßen sind erleuchtet, die Gedanken irrlichtern zwischen den Lichtern der Straße in meinem Kopf. Die Stimmung ändert sich angepasst am Licht, das Lied wechselt. Über mir erstreckt sich ein silberner Mond und Silbermond feiert den Mensch und die Unterschiede und Kritiker krakeelen: Was wollen die Hippies nur?

Reichtum, der für alle reicht? Im Rhythmus des Liedes von Silbermond gibt meine Körperhülle den Resonanzkörper für mein Summen: “Alle Hände in die Luft für die Musik, für den Frieden. Mann, entspann dich, ich träum‘ ja nur …”

Weihnachtslichter und Straßenlaternen säumen meinen Weg.

Im Försterhaus die Kerze brennt.
Ein Sternlein blinkt: Es ist Advent.

…

Des Deutschen Volkes Recht auf Selbstverstümmelung

In einem Bus von A nach B in diesem Land erklingen harmonisch angeregte Diskussionen. Diskussionen? Deutsche Diskussionen. Harmonisch?

“Guten Abend, auch du politischer Banause. Wir können hier richtig deutsch diskutieren, richtig deutsch. Wir haben Verbandszeug im Hause.” (Wolfgang Neuss)

“Das wird man wohl doch noch sagen dürfen!“

“Was denn?”

“Was Sie mir versuchen, mit ihrer Nazikeule zu unterbinden?”

“Sie meinen also, Nazis dürfe man nicht mit Keulen niederschlagen?”

“Keulen sind sowas von Neandertal! Barbarisch! Geht gar nicht!”

“Geht als Alternative auch Gas? Ich kann mal bei Bayer anfragen.”

Das Gespräch war auf Null. Von Januar Tausendneunhundertdreiunddreissig auf Null in weniger als einer Zehntel Sekunde. Kein Grund, die Redaktion von dem “Guinessbuch” anzurufen. Auf bestimmten Parteiversammlungen – nicht nur in Deutschland – werden immer Weltrekorde gebrochen, so dass die Redaktion vom “Guinessbuch” gar nicht mit dem Tippen nachkomme dürfte. Aber darf man das sagen? Wird man das noch sagen dürfen?

Natürlich nicht! Weil diejenigen, die das politisch Korrekte als politisch Unkorrekte anprangern, den Maßstab ihres Denkens beim letzten Vollrausch der eigenen Selbstbesoffenheit neu kalibriert haben. Fast so wie die Haschisch-Abhängigen. Dabei geht unsere Gesellschaft am gepflegten Alkoholismus der Darf-man-doch-wohl-noch-sagen-Brauerei zu Grunde. Friday-for-Future-Bashing a la Dieter Nuhr oder die Anklage an die Sonne für deren respektlose Wärmestrahlung a la AfD, Selbstbesoffenheit ist die neue institutionalisierte Ich-AG dieser offen geschlossenen Gesellschaft. Wer nicht mindestens 0,8 Promille von fremdinduzierten Giftstoffen übers Blut ins Hirn aufgenommen hat, der gilt als politisch inkorrekt und nicht gesellschaftsfähig. Einem gewissen gesellschaftsfähigen Prozentsatz wurde inzwischen schon den Führerschein entzogen. Allerdings nur aufgrund von alkoholinduzierter Besoffenheit auf E-Scootern während des Oktoberfests. Das sollte Bedenken hervorrufen, was aufgrund nicht-alkoholinduzierter nationaler Besoffenheit uns bedroht.

Führer-Schein. Welche Ambivalenz. Führerschein entziehen. Nun ja. Geht hier ja gar nicht, woll. Freie Fahrt für freie Bürger. Über Leichen, Stock und Stein. Freiheit kann so einfach sein.

Und der Rest der Selbstbesoffenen rennt weiterhin durch die Welt und salbadert von dem “Sündenfall der politischen Korrektheit”. Warum? Weil der Virus deren Hirne mit dem ‘Das-wird-man-doch-wohl-noch-sagen-dürfen’-ismus versetzte hat. Ja, freilich, behaupte ich auch, gleich im nächsten Satz: ‘Das wird man wohl noch sagen dürfen’. Demokratisch sein heißt, dass du alles sagen darfst. Demokratisch sein, heißt, dass eine Ansicht auch vor dem Pult des Richters vertreten und nachher unter dem Vorbehalt gesiebter Lust ertragen werden darf, wenn Grenzen der Meinungsfreiheit über Bord im Namen jenes “ismus” geworfen werden.

In einem Bus von A nach B in diesem Land erklingen Gespräche. Und ich setzte mir meine Ohrstöpsel ein und schalte ab. Lasse doch reden. Mein Nachbar wirft noch ein:

“Verlass dich darauf, wir werden das sagen dürfen. Meinungsfreiheit kommt. Eines Tages steht sie auch vor deiner Tür.”

“Dann bin ich nicht zu Hause, wie deren bekloppte Mehrheit auch. Wie schade, wenn dann niemand da ist und niemand dann solche Perversion rein lässt, woll.”

“Falls du dann nicht zu Hause bist. Kann keiner was machen, wenn du angesichts der Meinungsfreiheit emigrierst.”

“Keiner tut gern tun, was er tun darf. Was verboten ist, das macht uns gerade scharf.”

“Wie?”

“Sagte Wolf Biermann, kurz nachdem er einer Diktatur entfloh?”

“Diktatur der Kommunisten!”

“Hast Recht, Gehirnpygmäe.”

“Wie?”

“ ’Es genügt nicht nur, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein sie auszudrücken.’ Und. ‘Clausewitz sagte: ‚Der Puff ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln‘. ‘Wir alle, lügen wir nicht, wir alle hoffen darauf, im Kopf irgendeines deutschen Staatsmannes einen Strohhalm zu finden, an den wir uns klammern können’ .”

“Karl Marx?”

Ich schwieg. Es war ein weiteres Zitat von Wolfgang Neuss. 1965. Dann schob ich ich ein weiteres Zitat von ihm nach, weil es gerade in meinen Buch auftauchte:

“Unser Schlusswort zum Leben unserer Brüder und Schwestern in der intoleranten, geisttötenden, menschenverachtenden, selbstgerechten Ostzone wird niemals Amen lauten, sondern: nachahmen. “

Ich wurde bis B in Ruhe gelassen. Untypisch für die gängige Parole “Wir sind vielleicht ein Volk” .

Ich korrigiere: Ihr seid vielleicht ein Volk. Volk der Verbandskästen!

…