Kneipengespräch: Krieger, denk mal …


C360_2013-12-12-17-12-54-529_DxO_thumb.jpg Die ganze Zeit saß er schweigsam neben mir und nur hin und wieder entfuhr ihm ein leichter Seufzer. Ansonsten sagte er nichts. Sein Business-Anzug war von edlem Stoffe. Dessen mattes Dunkelgrau strahlte eine Ruhe und Überlegenheit aus, die allerdings kaum zu den Gesten seines Trägers passten. Immer wieder hob er seine Kölsch-Stange auf Mund-Höhe, setzte sie aber unentschlossen ab, spielte darauf mit seinen Fingern an dem Sockel des Glases und trommelten dort einen unhörbaren Rhythmus drauf. Das machte er drei oder viermal, bis es mich störte und ich mich ihm zuwandte.

„Sie müssen das Kölsch schon trinken. Lediglich es in Gedanken zu tun, hilft nichts, denn dann wird’s schal. Prost.“

Ich hielt ihm mein Kölsch zum Anstoßen hin. Aber er sah mich nur an. Wenn Augen der Spiegel zur Seele sind, dann sah ich tief in einem leeren Abgrund. Mit seiner linken ruckelte er kurz seine fliederfarbenen Krawatte in Position, strich vorsichtig über sein weißes Hemd und ergriff sein Kölsch.

„Wissen Sie, da sagen Sie etwas bedeutendes.“

„Prost?“

„Nein, Gedanken.“

„Sie machen sich Gedanken? Ich mach mir lieber einen schönen Abend.“

„Sie denken nicht, okay, sie geben mir aber zu denken. Wissen Sie, was Nekrophilie ist?“

„Ich denke Gedanken, also bin ich. Und Menschen mit nekrophiler Veranlagung fühlen sich von toten Gegenständen angezogen, weil sie Angst vor dem Lebendigen haben.“

„Richtig, mein Bester“, er hob sein Glas und stieß mit mir an, „auf deutsch, solchen Menschen ist ein Blechschaden an der eigenen Karre mehr Aufregung wert als die weltweit an Hunger sterbenden Kinder. Das Blech ist heilig. Und ein Galgen ist solchen Menschen beachtenswerter als jener Mensch, der drunter steht.“

Ich nahm einen Schluck aus meinem Glas und versuchte abzuwiegeln, um das Gespräch in seichtere Gewässer zu führen: „Sind wir nicht alle ein klein bisschen nekrophil?“

„Für jene ist das größte Aphrodisiakum all jenes, was den Geruch von Tod an sich hat: Uniformen, Raketen, Drohnen. Nicht, weil dies lediglich Totes sind, sondern weil sie den Geschmack des Todes bringen. Und der Tod ist das größte Aphrodisiakum der Menschen.“

„Ich habe aufgehört mir Gedanken darüber zu machen, denn es führt in die Gedankenlosigkeit. Können wir das Thema wechseln?“

„Wissen Sie, Gedanken sind so eine Sache. Wer macht sich denn eigentlich Gedanken. Nur wir Menschen. Evolutionstechnisch hat es uns an die Spitze der Nahrungskette dieser Welt gebracht, aber auch Mord und Totschlag haben sie erschaffen.“

„Und die Religionen. Unterschätze nie die Macht dummer Leute, die einer Meinung sind. Tucholsky.“

Er schien, über meine Bemerkung hinweggehört zu haben, und schaute grübelnd auf sein Glas: „Vielleicht ist die Fähigkeit, Gedanken zu entwickeln und zu haben, einfach nur eine eigentümlich Fehlentwicklung der Natur. Spätestens bei der Frage, wer hat das System erschaffen. Selbst auf eine stundenlange Antwort kann locker die postwendende Frage ‚Und wer oder was war der Schöpfer davon?‘ retourniert werden und zeigt, dass dieses sinnlose Spiel unendlich getrieben werden kann, um Menschen in die Anzweiflung dem Sinn ihrer Existenz zu treiben.“

„Der Gedanke als Virus? Ein Gedanke ist wie ein Virus, resistent, hochansteckend und die kleinste Saat eines Gedanken kann wachsen. Er kann Dich aufbauen oder zerstören. Aus dem Film Inception.“

Dummköpfe zu ertragen, ist sicherlich der Gipfel der Toleranz. Voltaire.“

Jedes Monster hat als Mensch begonnen. Ablee.“

Viele Menschen würden eher sterben als denken. Russel.“

Wir schwiegen. Uns fielen keine Zitate mehr zum Auftrumpfen ein.

Er trommelte wieder auf den Sockel seines Glases und schaute mich an: „Wissen Sie, als der Computer DeepBlue 1996 im Schach den Schachweltmeister Garri Kasparov besiegte, waren wir erstaunt. Aber Schach erschien uns berechenbar, weil endlich. Im Februar 2010 schlug der IBM-Computer Watson im Jeopardy die damaligen Rekordhalter dieses Spiel, Jennings und Rutter, sehr deutlich. Die künstliche Intelligenz Watson verstand bereits menschliche Wortspiele und auch Hintersinne. Inzwischen erschuf Watson auch noch einen Film-Trailer, der letztes Jahr ins Kino kam. Die von der Firma Google geschaffene künstliche Intelligenz AlphaGo hat das äußerst komplexe Brettspiel GO durch einfaches Zuschauen erlernt. Vor einem Monat, am 3. März, hat AlphaGo dann den südkoreanischen Go-Weltmeister Lee Sedol mit 5:0 deklassiert. Computer und deren Software lernt das Denken und wir stehen dabei und wundern uns.“

„Na gut, durch künstliche Intelligenz wäre es keinem Piloten mehr möglich eine Passagiermaschine in einen Berg zu steuern oder mit zu knappen Treibstoffvorrat ein weit entferntes Ziel anfliegen. Eine KI würde dem Piloten die Gewalt entziehen und die Maschine darüber hinweg fliegen oder den nächsten Landeplatz ansteuern. All die Kinder aus Haltern und auch die brasilianische Fußballmannschaft würde dann noch leben.“

„Nur was machen wir, wenn die KI das Lebenswichtigste erkennt, was unser Leben steuert? Zum Beispiel in einem Tesla-Fahrzeug“

„Wenn in nicht ferner Zukunft erneut ein Tesla-Fahrzeug bei hohem Tempo einen kreuzenden LKW in seiner Fahrbahn entdeckt, dann wird der analysieren, ob er eher rechts in die Gruppe der Rentner oder links in die Kindergruppe am Straßenrand steuert oder ob der Fahrer doch noch sterben muss, weil alle anderen wertvoller sind. Er wird analysieren, was das geringere Übel sein könnte.“

„Falsch. Er wird reagieren wie wir Menschen. Er wird das Prinzip des Überlebens um jeden Preis wählen. Kein Mensch wird sich überlegen, wer wo am Straßenrand steht, sondern nur, wie er am besten der lebensgefährlichen Situation entkommt. Der Tesla wird sich dieses vom Menschen abschauen und berechnen, mit welcher Kollision er den geringsten Schaden an sich erzeugt. Er wird erlernt haben, was es heißt zu überleben und dass der Mensch in lebensgefährlichen Situationen drei Grundregeln kennt: fliehen, tot stellen oder kämpfen. Der Mensch wird für den Tesla dann zweitrangig.“

„Wir sollten dagegen kämpfen.“

„Ah ja. Krieger, denk mal.“

„Denken. Ich denke, also werde ich sein,“ sinnierte ich vor mich hin.

Wie kann es sein, dass ich, der ich bin, bevor ich wurde, nicht war, und dass einmal ich, der ich bin, nicht mehr ‚Der-ich-bin‘ sein werde? Vom Engel Damiel aus Der Himmel über Berlin.“

Aber du bist ja nicht da. Ich bin da. Es wäre schön, wenn du da wärst … du könntest mit mir reden. Peter Falk“, seufzte ich meine Erwiderung und schaute beim Aufblicken den Wirt an. In dessen Augen erkannte ich den mir altbekannten Vorwurf der letzten Zeit. Ich blockierte ihm wohl seinen Feierabend.

„Na? Wieder wach? In letzter Zeit säufst du mir zu viel. Ist zwar gutes Geschäft für mich, aber du ruinierst dich noch. Denk mal drüber nach. Ich mach jetzt zu. Feierabend. Du darfst zahlen und gehen. Compañeiro.“

Ich stand auf, legte ihm ein paar Scheinchen auf den Tresen und wankte auf die mir ausweichende Tür zu …

Intermezzo: Gedanken zu einem fast einjährigen Cliffhänger


»Denken ist Glückssache«, hatte mir in der Schule mein Deutschlehrer immer wieder gesagt, wenn ich meine Antworten mit »Ich denke, dass …« begann und sich heraus stellte, dass meine Antwort überhaupt nicht zu seiner Frage passte. Zwar war ich damals immer überzeugt, dass ich lediglich missverstanden wurde, heute weiß ich allerdings, dass ich wohl eher die Fragen nicht verstanden hatte.

Übers Denken an sich wird bereits viel nachgedacht. Bei meiner Suche nach dem in den »Papieren von PentAgrion« (ein hier von mir weiter gestrickter Internetroman) erwähnten »Karl Schneider«, der bis zu seinem Tode im Jahr 1980 an einer Gruppentheorie gearbeitet haben sollte, war ich in Hochschulbibliotheken, um dort zu recherchieren.

Hochschulbibliotheken haben sich gewandelt. Waren sie früher stille Lern- und Lesestätten, in dem kaum Gespräche zwischen Kommilitonen geschweige den Geräusche zu hören waren, so haben sich auch diese modernisiert. Zwar sind sie noch meilenweit von der Geräuschkulisse einer Buchhandlung entfernt, aber Horte der Stille sind sie nicht mehr. Das sichtbare Zeichen der Neuzeit sind die Computerterminals. PCs stehen inzwischen dort drinne und das stetige Klackern der Tastaturen und Klicken der Maustasten spielt die Hintergrundmusik zwischen gedämpften aber doch deutlich hörbaren Gesprächen. Das digitale Zeitalter hat fünfzig Jahre nach dem Erfinden des Internets selbst die vormals stillen Bibliotheken in Zentren der jederzeit verfügbaren Information verwandelt.

Gerne wird dabei von der Demokratisierung der Bildung gesprochen: jeder kann auf das Wissen zugreifen. Eigentlich benötigt es die Einrichtung einer Bibliothek nicht mehr, denn über das Internet und mittels Hyperlinks wäre alles mit allem Wissen vernetzbar und für jeden in unmittelbarer Reichweite seines eigenen Heimcomputers.
»E-Learning«, das Lernen mit Hilfe des Computers, machte bereits die Runde. Aber bisher hat sich gezeigt, dass das E-Learning für deren Anwender schwerer vonstatten geht als normales Lernen. Wer mit Büchern und/oder mit Lehrer lernt, lernt anders, hat einen nachhaltigeren Lerneffekt. Derjenige, der sich über Hyperlinks des Internets versucht zu informieren, wird kaum soviel lernen. Zu groß ist das Ablenkungspotential der Hyperlinks im Internet. Jeder Artikel, jedes Post, welches ein Link enthält, führt zu einer Unterbrechung und somit zu einer Ablenkung vom eigentlichen. Aber das ist letztendlich auch so gewollt.

Das Denken, welches sich auf physische Bücher und Dokumente aufbaut, gerät beim Nutzen des Internets ins Schleudern, das Ziel leicht aus den Augen. »Demokratisierung der Bildung« ist nichts anderes als eine geschickte Verschleierung dessen, dass mit dem Internet das Denken an sich der Menschen sich wandelt und nachhaltige Lerneffekte durch einen Informationsüberangebot blockiert wird. Es liegt gar nicht im Interesse, dass sich im Internet längere Texte durchgelesen werden. Das Interesse liegt vielmehr auf Wachstum der Klick-Raten je Seite. Google lebt hervorragend davon.

Gerne wird den Nutzern des Internets auch noch eine Affinität zu der als »negativ« erklärten »Umsonstkultur« untergeschoben. Die Internetnutzer wollen immer alles und besonders umsonst haben und nicht zahlen. Es muss der blanke Neid der zu-kurz-Gekommenen sein, denn selbst Google-Books hat keine Probleme damit. Dass nebenbei Google-Books beim Einscannen von Büchern mit der Praxis »Erstmal scannen, dann fragen und gegebenenfalls zahlen« und auch Googles Suchmaschine selber mit dem Urheberrechte locker umgeht, hat noch keinen der großen Kritiker über Googles-»Umsonstkultur« sich beklagen lassen. Würde man diese fragen, was sie von Googles Praktik halten, sie würden möglicherweise antworten: »Die Aktien von Google.«

»Ich denke, also bin ich« ist René Descartes bekanntestes Zitat. Er hatte damit vor 370 Jahren die Gedanken der Unterscheidung von Materie und Geist in die damalige Welt gebracht. »Denken ist Glückssache« war definitiv nicht von ihm. Dass das Denken eine Sache ist, die Glück bringen kann steht außer Frage. Dass aber Denken eine Sache des Glück im Sinne eines Glücksspiel ist, kann nicht sein, denn Glücksspiele sollen der staatlichen Kontrolle unterliegen und können bekanntlich süchtig machen. Jedenfalls würden viele gerne die Kontrolle über das Denken übernehmen und eigenständiges Denken als eine Sucht brandmarken. Das mag sich jetzt ein wenig dämlich lesen. Nur, mit dem Internet hat es bereits diese letzte Richtung eingeschlagen.

Der Vorteil soll sein, dass mit dem Internet wertvolles Wissen ausgelagert werden kann. So wird es gerne kolportiert. Nur ist Wissen nicht auslagerbar, sondern Wissen ist nur erfahrbar. Wissen ist auch keine Dateneinheit, welche man wie ein Programm auf einem Datenspeicher ablegen kann und nach 10 Jahren dort noch immer wieder finden kann. So wie am ersten Tag. Wissen ergibt sich durch Denken und ist individuell.

Ein bedeutender Unterschied zwischen der asiatischen Kultur und der hiesigen westlichen Kultur liegt darin, dass in der asiatischen Kultur sich das Individuum an Gemeinschaftsereignisse erinnert, in der westlichen Kultur das Individuum aber eher an individuelle Lebensereignisse.
In den westlichen Medienereignissen lässt sich eine Verlagerung von individuellen Lebensereignissen hin zu internetbasierten Ereignissen verfolgen. Auch das Individuum verlagert sein »Ich« in die breite Masse der Social Networks (Blogs, Facebook, Twitter, YouTube etc.) und akzeptiert widerspruchslos deren enge Reglementierungen. Der Geist wird in die Materie des Internets und deren Korsett verlagert. Und der Geist ist begeistert von den vielfältigen Anregungspotentialen und Informationsangeboten, denen er begegnet. Denn Gehirn und Internet haben eines gemein: Sie verändern sich stetig, wobei das Gehirn dabei wesentlich flexibler und effektiver vorgeht, als es das Internet jemals schaffen wird. Nur, was hinsichtlich des Internets beim Menschen wächst, ist auch noch die Unstehtheit des Geistes. Es fehlt die Kontemplation des Denkens. Bücher waren Rückzugsgebiete, Oasen der eigenen Phantasie. Das Internet ist aber überwiegend nicht daran interessiert, wie ich bereits oben schrieb.

Allein daher ist dieser Eintrag schon wieder mal einfach zu lang.
Einfach unlesbar.
… wahrscheinlich haben eh schon alle Leser den nächsten Hyperlink angeklickt gehabt …

Die Geschichte über »PentAgrion«, welche von Trithemius initialisiert wurde (s.a. unter trithemius.blog.de), hatte ich damals aufgenommen und fortgeführt. Seit fast einem Jahr ist sie bei mir mit einem Cliffhänger in Warteposition. Die Geschichte ist aber noch nicht vorbei, die Handlung konzeptioniert, aber nicht niedergeschrieben. Die Unstehtheit meines Internet-bewegten Geistes hat mir das Denken an der Geschichte blockiert. Mein Streben ist es, diesen Internetroman für mich zu Ende zu bringen. Eine Garantie, dass die Fortsetzung eine Offenbarung der Literatur werden wird, die gebe ich nicht.
Trotzdem benötige ich die bereits oben erwähnte Kontemplation des Denkens. Ein wenig Glück im Sinne von »Spiel« als auch im Sinne von »Gefühl«, wäre auch nicht schlecht.
Damit Denken bei mir eine Glückssache wird.
So wie es mein Deutschlehrer mir schon damals immer vorhielt.

Holz, ein begehrtes Baumaterial: damals für Pferde, heute für politische Wege


Die Straßen Bayerns sind nie wirklich dunkel. Das hehere Licht der Staatskanzlei und deren angeschlossenen Organen leuchtet bis in die letzten Winkel seines Landes. So erfreut sich insbesondere der Bürger Münchens eines hohen Sicherheitsniveaus.

Seitdem Anfang, Mitte der 1960er Jahre noch Studenten von der Leopoldstraße gen Norden joggten, um an der »Münchener Freiheit« rum zu trollen, so wissen doch die heutigen Studenten, wo sich das Leben abzuspielen hat: nur dort in der Leopoldstrasse, da wo es auch noch Universität hat.
Pardon, Elite-Universität wollte ich freilich schreiben. Denn die »LMU« ist auch so eine Leuchte Münchener Wissens. Letztendlich hatte im Bette mit seiner Mätresse diese Wissensanstalt ein bayrischer König verfügt, dass dort Wissen von Wissbegierigen angehäufelt werden solle. Von Rumdemonstrieren hielt der bayrische König weniger, weil es auch damals Leute gab, die sich nach seinem Geschmack zu sehr für sein privates Sexleben interessierten.

Die LMU wie auch andere Universitäten des »Freiheitsstaates Bayern« hat schon viele fähige Köpfe hervorgebracht, welche zwischen Frankenland, Walhalla und Alpenpanorama ihren Doktor gemacht haben. Dr. Franz-Josef Strauß, Dr. Max Streibel, Dr. Edmund Stoiber, Dr. Karl-Theodore zu Guttenberg, Dr. Ilse Aigner, Dr. Hans-Peter Friedrich.

Na? Wo war der Fehler?
Richtig. Unser Problembär-Jäger und Transrapid-Einsteiger Stoiber und unser Innenminister und Bewahrer der inneren Sicherheit Hans-Peter Friedrich sind die einzigen mit einem Doktortitel und Ilse Aigner hat im Gegensatz zu allen anderen nur die Mittlere Reife. Aber der Rest hätte sich gerne mal mit einem Doktortitel geschmückt. Unser herzallerliebster Karl-Theodore auf und davon Guttenberg wollte einen, hat ihn sich kopiert und deswegen wurde dieser Titel ihm nicht mehr gegönnt. Stoibers Töchterle wollte auch dem Herrn Papa in Sachen Titel nachfolgen und wurde dabei im post-universitären Leben ebenfalls von ihrer Kopiererei schneller eingeholt, als es sich das Töchterlein dachte.

Nebenbei: freilich haben nicht alle an der LMU studiert, die jetzt in Bayern wichtige Staatsämter bekleiden. Aber hilfreich war es doch. Denn so konnten fähige Köpfe Bayerns entscheiden, dass die Geschichte auch für die bayrisch-rautenförmigen Gedankenmuster etwas eminent Wichtiges parat hatte: die Erlangung von Wissen von hinten durch die Brust direkt ins Auge. Geschichte zum Nacheifern. Historisches Kopieren in konservativer – also bewahrender – Tradition.

Denn da gab es mal ein Volk von Streitern, die wollten in eine Disko und der Türsteher sagte denen dauernd »Du kommst hier nicht rein«. Das hat die Streiter so genervt, dass die ein Holzpferdchen bastelten und es dem Türsteher brachten, der es sofort in die Abstellkammer verfrachtete, weil er damit nichts anzufangen wusste. Als dann die Disko geschlossen war, kletterten paar Illegale heraus und kurz darauf machten die Streiter spontan Fete in der Disko. Diese List ging in der Geschichte als das Pferd von Troja ein.

Mit »Du kommst hier nicht rein« kennen sich die bayrischen Politiker seit der Gründung der Münchener Nobeldisko »P1« zur Genüge aus. Also haben sie sich gedacht, das, was Odysseus in Troja schaffte, das würde die Staatskanzlei auch mit ihren zu verwaltenden Bürgern schaffen und programmierten folglich einen Trojaner.

Inzwischen hatte die bayrische Politikerin Ilse Aigner was ganz neues für ihren Beruf entdeckt: Datensicherheit. So kämpfte sie für die Verpixelung von Häusern bei Google-Street-View, auf das niemand mehr per Heim-Computer in fremde Wohnungen schauen sollte. Medienwirksam trat sie bei Facebook aus, besser gesagt, sie versuchte, dort ihr Profil zu löschen. Wer wissen will, was sie bei Facebook im Profil stehen hatte, kann bei Wikipedia oder Ilse Aigners neustem Twitter-Account oder http://www.ilse-aigner.de nochmals alles nachlesen.
Später pilgerte Uns-Ilse schließlich auch noch in die amerikanische Zentrale von Facebook (»Ilse who?«), um dort für die Datensicherheit ihrer Bürger zu kämpfen. Ihr persönliches Erfolgserlebnis war, dass der Facebook-Chef Mark Zuckerberg nach ihrem Besuch die »Timeline« für Facebook ankündigte, um jedermanns Leben somit zum öffentlichen Privatarchiv wandeln zu können.

Ilse Aigner zeigte sich daher über Facebooks neuen Zukunftsprojekte so erfreut wie letztens eben jener Rechtsanwalt, der die Festplatte seines Mandatens dem Chaos Computer Club (CCC) zur Analyse übergab. Und der CCC fand dort eine Art Holzpferdchen, mit dem wohl einige »Du kommst hier nicht rein«-Hasser sich auf jenem Computer breit gemacht hatten. Die Tarnung des »Bundestrojaner« war aufgedeckt. Aber darin täuschte sich der CCC. es war kein »Bundestrojaner«. Lediglich ein »Freistaat-Trojaner«, welchen der Mandant des Rechtsanwalts sich bei einer Kontrolle am Münchener Flughafen eingefangen hatte. Gut, der Zoll und die Sicherheitskontrollen am Flughafen unterliegen eindeutig dem Bund. Aber der Trojaner war eindeutig bayrischer Art. Typisch bayrisch vordergründig. So bayrisch wie Ilse Aigner, Franz-Josef Strauß, Edmund Stoiber und Karl-Theodor zu Guttenberg.

Doch zurück zu Ilse Aigners Besuch bei der US-Facebook-Zentrale: Frau Aigner wollte klären, ob schon ein Klick auf einem Facebook-Like-Button genügt, um auf dem Computer für zwei Jahre ein Cookie abzulegen, um das Surfverhalten des Nutzers am PC aufzuzeichnen. Es ist der Traum für jeden Landes- und Bundespolitiker und besonders deren Exekutive.
Stand zum Fotografieren von Straßenzügen bislang nur hoch komplizierte Satellitentechnik zur Verfügung, während Google einfach Autos mit Kameras auf nem Stativ nutzte, so lässt gerade die Existenz eines bloßen Cookies Überwachungsträume ins Kraut schießen. Denn würde der Staat Straßen und deren Internet-Access-Points fotografisch und datentechnisch für eigene Zwecke dokumentieren, es würden nur überbezahlte und untermotivierte Schlapphüte zur Verfügung stehen (was die Satellitentechnik erklärt).

Also ein Cookie als Trojaner? Was für ein Traum. Wie macht Facebook das nur? Ilse wollte es in der US-Facebook-Zentrale genauer wissen. Facebook hat alle ihre Fragen zugelassen. Nur beantwortet hatte Facebook diese nicht. Wie unfair, Facebook.

Neulich hatte der Innenminister Hans-Peter Friedrich (ebenfalls bayrischer LMU-Absolvent und P1-Geschädigter) erst versucht, der Ministerin Aigner den Wind aus ihren aufgeblähten Segeln zu nehmen. Friedrich erklärte sich ex pressis verbis damit zufrieden, würde Facebook einer freiwilligen Selbstverpflichtung zur Datensicherheit nachkommen. Dieses ist insofern bemerkenswert, da die Datensicherheit den Aufsichtsbehörden der Länder unterliegt und nicht dem Bund. Somit also auch nicht dem Innenminister. Und erst recht nicht Ilse Aigner und deren beiden für die Sache »Internet« abgestellten Mitarbeitern. Zwei Mitarbeiter eines 900-Mitarbeiter-starken Verbraucherschutzministerium (s.a. ZEIT-Online). Was für ein Einsatz für ein Volk von durch Facebook bedrohte Bürger. Wird es jetzt klarer, warum der CCC nie einen »Bundestrojaner« aber dafür einen »Landestrojaner« finden konnte? Auf Bundebene fehlen entsprechende Arbeitskräfte.

Und jetzt sehen wir plötzlich, dass der CCC dem bayrischen Trojaner-Dreigestirn »König, Bauer und Jungfrau« (Innenminister Dr. Hans-Peter Friedrich, Bayrischer Innenminister Joachim Herrmann, Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner) ein dickes Ei ins Nest gelegt hat: des Kaisers neue Kleider verhüllen nicht wirklich etwas, sondern zeigen eigentlich nur, wie lächerlich und janusköpfig dieser Pseudo-Kampf gegen Facebook und Co. ist.

Im Mittelpunkt steht wie üblich nicht der Anspruch auf Datenschutz der Menschen. Argumentativ vorgeschoben wurde die Terrorabwehr. Damit sollte der »Bundestrojaner« der Bevölkerung schmackhaft gemacht werden. Eingesetzt wurde jetzt staatlicherseits ein Abkömmling illegal zur Bekämpfung des Drogenhandels. Mehr als ein Schädlingssoftware-Programm ist dabei nicht herausgekommen. Ein Programm, welches zum einzigen Zweck der kompletten Internet-Überwachung verdächtiger Bürger erstellt wurde. Es bleibt die gute Hoffnung, dass jetzt das Programm den wohlverdienten Weg aller Schadprogramme erfahren wird: die Aufnahme in die Virendatenbanken der Anti-Viren-Softwarehersteller.
Jetzt fängt wohl die Nervosität der Einsatzzentralen jenes Trojaner-Programmes an: Wer hat diese Schadsoftware denn nun auf seinem Rechner? Wer entdeckt ihn?

Ilse Aigner und ihr Kampf gegen Facebook war bislang eine wohlfeile Show. Der Einsatz von staatlichen Trojanern dagegen ist das real existierende Handeln hinterm Vorhang. Offizielle Behörden haben es auf Inhalte abgesehen, die die von ihr verdächtige Bürger auf dem Monitor und auf der Festplatte haben. Einerseits. Andererseits gilt auch jetzt wieder der von Politikern dauernd propagierte Grundsatz »Wer stets rechtens lebt und nicht zu verbergen hat, der hat auch vor einem Staatstrojaner nichts zu befürchten«.

Genau. Warum dem Staat alles vorenthalten und als privat deklarieren? Warum mache ich aus meinen Computer-Sitzungen jeden Abend nicht auch immer gleich ein »Public Viewing« in meiner Straße? Hab ich etwas zu verbergen? Bin ich etwa ein Gefährder, etwa ein Schläfer, nur weil ich meine Daten von bestimmten Organisationen nicht wirklich erleuchtet und durchleuchtet sehen möchte?

Gut. Wenn all jene mit gutem Gewissen, ihre Computersitzungen auf Leinwände zeigen würden, zur Überwachung all dieser »Public Viewing«-Shows würde es viele Schlapphüte benötigen, die sich vor den Leinwänden fleißig Notizen und Fotos (sogenannte Screen-Shots) machen. Der gläserner Bürger. Dann wäre der Staat zufrieden. Das Idealbild einer wehrhaften Demokratie in der Gefahrenabwehr. Nur wäre dazu ein verdammt hoher Personalaufwand notwendig. Aufwand um jeden Preis. An dieser Herausforderung ist bereits schon einmal ein Staat vor mehr als 20 Jahren gescheitert.
Im Zeitalter des Computers geht es erheblich einfacher, Daten und Informationen abzugreifen. Was denn einem Trojaner auch gleich wieder seine Daseins-Berechtigung gibt. Das haben sich wohl auch viele Politiker gesagt und das Projekt freudig abgenickt (ergo: Politiker ungleich Bürger).

Der Trojaner als erleuchtende Lebensphilosophie.
Ein Leben im Hier und Jetzt in den Grenzen von Copy & Paste.
Insbesondere die Stoibers und Guttenbergs aus Bayern wissen viel dazu zu berichten. Offensichtlich eine bayrische Lebensphilosophie. Eine, welche jetzt den Trojaner im Dienste seiner vielen bayrischen Majestäten der Staatskanzlei gestellt hatte.

Und was hat das staatliche Copy & Pasten mit Trojanern jetzt politisch zu bedeuten? Wird es bald wieder eine Doktorenschwemme unter Politikern geben? Sponsored by screenschots? Made by Trojaner?

Trojaner. Nachempfunden der Kriegslist beim Kampf um Troja. Als mit Hilfe eines hohlen Holzpferdes eine Bastion geschleift wurde. Genau das haben die Bayern vor allen anderen zuerst aus der Geschichte gelernt. Und exemplarisch preußisch vorexerziert:
Mit Holzpferden kommt man am besten auf Holzwegen voran.
Auch wenn die Bretter vor der eigenen Stirn als Wege dazu herhalten müssen.

Das Schlusswort an dieser Stelle sei dem verstorbenen GröBaz Franz Josef Strauß (dem Politiktrojaner ohne Doktorhut und doppeltem Boden) vorbehalten:

»Von Bayern gehen die meisten politischen Dummheiten aus. Aber wenn die Bayern sie längst abgelegt haben, werden sie anderswo noch als der Weisheit letzter Schluss verkauft.«

Freunde des Französischen


Französisch ist toll, französisch ist schön, französisch macht träumend beim Zuhören.
Wer diese Sprache aber leider – wie ich – in der Schule abgewählt hatte, weil ein paar Vollpfosten im Kurs denselbigen schnell ruinierten, der wird den folgenden Text leider so nicht direkt verstehen:

http://fichtre.net/yop.html

Aber alle Firefox-Browser-Nutzer haben eine geniale Möglichkeit sich eine schnelle Übersetzung hin zu zaubern:
Einfach den Text mit der Tastaturkombination „Strg“+“A“ oder mit der Maus alles markieren und träumen …

Der ganz normale Wahnsinn


Das Ziel ist nahe. 50 Feinde soll ich gemäß meines Auftrages töten. Und aber maximal nur 3 Zivilisten.

Ausgerüstet mit der israelischen Tavor Tar-21 und 420 Schuss Munition hatte ich mich auf die stattliche Anzahl von 48 erschossenen Feinden herangekämpft. Der Feind ist gnadenlos, selbst schwer verwundet feuert dieser auf mich. Ich befinde mich in permanenter Gefahr für Leib und Leben. Mehrere musste ich deshalb einen Fangschuss setzen. Nichts bleibt mir erspart. Der Feind besitzt auch noch arg bissige Schäferhunde. Sechs dieser treuen Gesellen musste ich erschießen, zweien habe ich einfach mit bloßen Händen das Genick gebrochen. Das Leben ist gnadenlos.

Der Kampf unter dem blauen Himmel Rio de Janeiros zieht sich hin. Christo Redentor
Noch zwei Feinde. Vom Corcovado lacht mir mit ausgebreiteten Armen der Christo Redentor entgegen. Auf der rechten Seite kann ich sogar den Zuckerhut erkennen. Mein Kampfgebiet ist eine Favela im Süden der Metropole Rio de Janeiro. Bewaffneten Feinde rufen mir immer wieder zu, dass ich gefälligst aus deren angestammten Zuhause abhauen soll, dass ich hier nichts zu suchen habe. Aber ich tue ihnen den Gefallen nicht. Auftrag ist Auftrag. Und es ist ein heherer Auftrag. Es geht nicht bloß ums Töten. Es geht um Frieden, Freiheit und Demokratie. Gegen die Diktatur einzelner Warlords.

Noch zwei Feinde. An der Munitionskiste versorge ich mich nochmals mit Munition und Handgranaten. Der Herzschlagsensor zeigt mir Feindaktivität hinter einer der Favela-Hütten an. Oder sind es Zivilisten? Der Sensor zeigt keinen Unterschied. Ich muss es riskieren. Nur ein toter Feind ist ein guter Feind. Handgranate entsichert und blind geworfen, drei hintereinander. Explosionen und Rauchwolken hinter der Favela-Hütte. Der Zähler der vernichteten Feinde erhöht sich um eins: 49 tote Feinde. Dummerweise auch Kollateralschaden: zwei Zivilisten hat es auch erwischt.

Pao de AcucarEgal. Auftrag ist Auftrag. Wir leben im Krieg. Entweder der Feind oder ich. Der Feind kennt kein Erbarmen. Wieso sollte ich?

Der 50. Feind wird auch noch dran glauben müssen. Wie seine 49 Kameraden zuvor. Das ist mein fester Wille. Erneut werfe ich Granaten Richtung Zuckerhut. Explosionen erschüttern die Umgebung. Und dann die Stimme: „Glückwunsch. Sie haben ihren Auftrag erfolgreich erfüllt.“

Der 50. Feind ist vernichtet, die Favela die reinste Leichenstätte. Zufrieden lehne ich mich zurück.

Der Feind ist vernichtet.
„Vernichtet“.
Was für ein schönes, beruhigendes, entspannendes Wort.

Die nächsten Aufgaben warten. Mit einem Sniper-Gewehr. Das Töten der infamen Feinde auf Distanz. Die Kugel aus der Entfernung in den Kopf des Feindes. Und wenn die dann noch zucken, gleich noch eine Kugel. So ist das PC-Spiel „Modern Warfare 2“. Ein Spiel um Leben und Tod. Auch unter der Sonne Rio de Janeiros, im Angesichts des huldvoll lächelnden Christo direkt am Zuckerhut.

Wie bitte?
Das Spiel ist brutal?
Es gehöre verboten?

Aber nie und nimmer, lieber Leser! Solange wir in der Realität im Auftrage der Bundesregierung am Hindukusch den Feind der Freiheit bekämpfen, solange wir zusammen mit unserer James-Bond-Inkarnation, dem Kriegsminister zu Guttenberg, in der realen Welt Krieg machen dürfen, solange darf ich in „Modern Warfare 2“ die Feinde der Demokratie und Freiheit auch virtuell mit allen waffentechnischen Mitteln bekämpfen. Denn um nichts anderes geht es in „Modern Warfare 2“.

Und kommt nun mir keiner, ich wäre ein potentieller Amok-Läufer. All die deutschen Afghanistan-Veteranen mit ihren physischen und psychischen Schäden werden noch weit bedrohlicher, wenn die erstmal feststellen, was die Bundesregierung bei den Pflegebedürftigen an Leistungen gestrichen haben wird. Da ist meine Frustration, wenn ich in „Modern Warfare 2“ wieder mal in einem Hinterhalt gerate und die Landschaft auf dem Bildschirm rot verschwimmt, diese Frustration ist dagegen noch ein schöner Erfolgsmoment.

Was ich persönlich als perverser empfinde?
„Modern Warfare 2“ oder die deutsche Kriegsbeteiligung in Afghanistan?
Die Antwort ist klar: Nicht das eine ist perverser als das andere. Denn beides liegt voll im Trend des Zeitgeistes. Militär ist wieder in. Noch nie war Verteidigung unserer deutschen Demokratie am Hindukusch so schmuck und gut angezogen wie zu Guttenbergs Zeiten.

Viva la destruction!
Viva le plaisir en déclin!
Viva la mort!

Brustvergrößerung für 1000 Euro?!?


Ja, Brustvergrößerung für 1000 Euro ist möglich.
Ganz unproblematisch und gar nicht gesundheitsgefährdend.
Alles was dazu benötigt wird ist ein einigermaßen moderner Rechner (PC oder MAC, das ist nun wirklich Geschmackssache) und die 1000 Euro für die Ausgabe CS4 von Adobe Photoshop.

Den Rest beschreibt dann das folgende Tutorial:

Nichts ist unmöglich …

Windows XP Resterampe


Frisch gesehen.

Noch für knappe 7 Stunden zum Mitbieten!

Als Ersatz für den eigenen Desktop-Mülleimer wärmstens zu empfehlen. Momentan bei 19,50 Euro …

Schnell noch hinklicken!

Ebay-Auktion (kein Werbe- oder Schocker-Link!)

Sollte die Auktion storniert worden sein, hier die Momentan-Aufnahme vor vier Stunden:
Link