Kneipengespräch: Postfaktische Ostereier


Tresen 0

“Und?”

“Genau.”

“Aber?”

“Ich habe es noch nicht verstanden.”

“Dem Manne kann geholfen werden. Herr Oberspielleiter, ein Kölsch für den Grübler an meiner Seite!”

Der Wirt blickte nur kurz auf, polierte eine Kölsch-Stange, füllte sie und schob sie neben dem anderen halbvollem Kölsch und widmete sich danach einer anderen Stange.

“Bassemauff. Da ist auf der einen Seite der US-Milliardär Robert Mercer”, er schob das volle Kölsch direkt neben dem halbvollem, “und da ist Cambridge Analytica und so”, er nahm das volle Glas, schüttete etwas in das halbvolle. Von dem nun aufschäumenden fast vollem Glas schüttete er wieder etwas in das jetzt dreiviertel Volle. Beide schüttelte er noch vorsichtig und schon schauten die Kölsch wie frisch gezapft aus, “und beide sollen die amerikanische Wahl beeinflusst haben?”

“Ja”, der andere schaute auf die beiden schäumenden Kölsch-Stangen, “die haben über Facebook die Wähler manipuliert.”

“Die sollen die amerikanische Wahl beeinflusst haben? Ich dachte, das wären die Russen. Da erzählt man mir dauernd, die Russen hätten Trump permanent in den amerikanischen Präsidentenstuhl gehievt, und jetzt wären es doch nur die Amerikaner selber gewesen? Was soll das denn sein? Demokratie?”

“Nein, nein, es waren schon die Russen, die die Wahl beeinflusst haben. Der Putin manipuliert alles.”

“Alles?”

“Al-les. Die Politik, die Fußball-WM, das Wetter. Das soll ja sogar bis in die Hochwasserstandsmeldungen der Elbe und im Oderbruch gehen.”

“Der Isar nicht?”

“Nein, die Isar ist sauber. Die brauchen wir in Bayern zum Bierbrauen. Solchen Manipulationen ist die CSU vor. Unser ultimative Bollwerk des Reinheitsgebots und gegen Manipulationen daran.”

“Vielleicht sollte man mal nachforschen, ob bei Cambridge Analytica nicht mindestens ein Russe sein Geld dort investiert hat und ob US-Milliardär Robert Mercer nicht etwa um paar Ecken russische Freunde hat. Vielleicht trinkt der ja bei Börsenschluss immer russischen Vodka mit echtem Beluga-Kaviar.”

“Komm, hör auf, drüber nachzudenken. Es waren die Russen! Das weiß doch jeder. Sogar mein Nachbar meinte, bald stehe wieder der Russe vor der Tür.”

“Mit Vodka? Vor der Tür? Serviert von US-Milliardär Robert Mercer und Cambridge Analytica? Oder mit ner Kalaschnikow als kleinen Gruß aus der russischen Manipulationsküche Putins?”

“Kalaschnikow geht ja gar nicht. Wenn, dann will ich meinen Russen mit einer AK-74 vor der Tür. Besser noch, weil aktueller, stilecht mit dem recht bekannten amerikanischen Sturmgewehr AR-15. Und während des Russen Finger sich um den Abzug krümmt, im Hintergrund eine Fanfare erklingt und eine freundliche Stimme ertönt, die da sagt: ‘Dieser böse, russische Amoklauf wurde Ihnen präsentiert mit freundlicher Unterstützung der freiheitlich-demokratisch fundierten National Rifle Association’.”

Ruhe. Beide tranken einen Schluck aus ihren Kölsch. Beim dritten Kölsch war der Schaum zusammen gefallen. Jetzt erschien es nur noch ein Drittel voll.

Ich nahm mir eines der russischen Eier, die der Wirt auf der Theke stehen hatte, und biss vorsichtig hinein. Die Remoulade eroberte sofort jeden Geschmacksnerv in meinem Mund. Zur Belohnung fiel noch etwas von dem rotem Fisch-Rogen mir auf meine weiße Hose. Wie zart doch diese Fisch-Rogen-Kügelchen ihre feinen Linien auf teurem Baumwollstoff ziehen können …

“Jetzt macht alles einen Sinn.”

“Wie?”

“Ich verlasse Facebook. Am 14. Oktober wird in Bayern gewählt. Manipulationen von Putins Russen nehme ich damit jede Chance. Ich will frei von Putins Manipulationen wählen dürfen!”

“Ach, komm. Und wie sollen wir uns dann ohne Facebook spontan auf ein Kölsch verabreden? Und was ist mit deinen ganzen Facebook-Freunden? Willste die einfach so verlassen? Du wirst einsam werden.”

“Stimmt. Hast auch wieder recht. Keine gute Idee. Also, auf unsere Facebook-Freundschaft. Prost.”

“Auf unsere Facebook-Freundschaft. Prostata.”

 

Chronik eines angekündigten Betruges – die Lena-Göttmann-Story (Teil 5)


Was vorher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4
***

Es hat wieder bis nach Mittag gedauert, bis »lena.gottmann@hotmail.com« antwortete. Offenbar ist »lena.gottmann@hotmail.com« der typische spätaufstehende Mensch.
Die Reaktion ist nicht so wie ich gehofft hatte. »lena.gottmann@hotmail.com« bleibt auf ihrer Spur und lässt sich durch nichts abbringen. »lena.gottmann@hotmail.com« verfolgt die angekündigte Abzockerspur. Kein Abweichen vom Trampelpfad. Werde ich ihm nervig? Keine Begrüßung, keine Abschiedsfloskel:

Antwort Nr6

Die Übersetzung:

Wie ich bereits sagte, ich kann kommen, wann immer Sie wollen, aber zuerst benötige ich eine Garantie. Ich werde nichts verlangen, weil das nicht recht ist. Ich möchte nur sehen, dass Sie Geld für die erste Monatsmiete und für die Kaution haben. Ich weiß nicht, ob Sie sich mit Western Union auskennen, ein Weg Geld schnell zu senden, es ist überall. Sie können Geld im Namen eines Freundes / Verwandten senden, Sie können in Western Union vertrauen und die Quittung senden, ob das Geld im System verfügbar ist. Dann werde ich WU anrufen, um zu sehen, ob alles okay verläuft. Wenn ja, nehme ich ein Ticket und komme nach Deutschland und falls, wird das Haus den Empfänger nach Ihrem Geschmack in meinem Namen ändern.
Wie ich sagte, habe ich Sie nicht gefragt, Geld auf meinem Namen zu schicken, daher habe ich auch keinen Zugriff auf Ihre persönlichen Daten …
Lassen Sie mich wissen, ob Sie mir zustimmen. Ich danke Ihnen und erwarte Ihre Email, um zu erfahren, was ich tun muss

Schnurgerade und ohne Sperenzken steuert »lena.gottmann@hotmail.com« auf ihr Ziel zu. Möglicherweise bin ich durch meine »Lebensbeichte« und den wortreichen Erklärungen auch unglaubwürdig, unattraktiv geworden.
Mir fällt momentan auch nur wenig ein. Von dem, was ich denke, dass es ein attraktiver Köder für Abzocker sei, wirkt nichts und scheint »lena.gottmann@hotmail.com« so kalt zu lassen, wie ein Antipoden einem anderen.
Ich werde nicht antworten, ich werde schweigen. Vielleicht war es dann die letzte Email von »lena.gottmann@hotmail.com«, die ich erhalten haben werde.
Was machen Frauen, wenn sie attraktiver werden wollen? Sie ziehen sich zurück. Vielleicht locke damit ich »lena.gottmann@hotmail.com« dadurch aus der Deckung. Wahrscheinlich aber nicht.

Übrigens, fand ich noch den Ausdruck der Immobilienscout24-Seite von »lena.gottmann@hotmail.com« mit den Bildern des Appartements. So sehen Werbeanzeigen für einen angekündigten Betrug aus.
Zur Warnung an alle Wohnungssuchenden:
Gottmanns Inserat

Nebenbei, ich habe meine Wohnung in München gefunden. Eine hübsche 30-qm-1 1/2-Zimmer-Wohnung für 300 Euro kalt (410 Euro warm; ohne Maklergebühr) gefunden. In Immobilienscout24. Von keinem Abzocker, sondern voll normal und gut. Günstiger geht es im Innern Münchens kaum.

Chronik eines angekündigten Betruges – die Lena-Göttmann-Story (Teil 4)


Was vorher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3
***

Ich hatte gestern um 19:30 Uhr geantwortet. Hatte der Person hinter »lena.gottmann@hotmail.com« meine Antwort verwirrt? Bin ich ihm zu geschwätzig? Oder lag ich einfach falsch?
High Noon. 12 Uhr Mittags. Gary Cooper als »Will Kane« streicht in der Stadt herum auf der Suche nach »Frank Miller«.
»Do Not Forsake Me, Oh My Darling.«

Um 12:02 klingelt es heute wieder in meinem Postfach. »lena.gottmann@hotmail.com« hat geantwortet (zum Vergrößern bitte aufs Bild klicken“):
Antwort Nr4

Die Übersetzung:

Hi,

Ich muss Sie über die Schritte informieren, wie diese Dienstleistung funktioniert und wie wir ihn für uns nutzen können. Sie müssen nur beim FedEx Dienst die Miete für drei Monate (1.000 Euro inklusive allem) deponieren, so können die starten zu liefern und Sie erhalten die Schlüssel und den Vertrag. Wie ich sagte, ich zahle für eine 2-Tages-Lieferung, so dass Sie die Schlüssel und den Kontrakt von mir unterzeichnet erhalten.
Ich werde Ihnen Schritt für Schritt erklären, wie dieses funktioniert:
1 – Um diese Transaktion zu starten, benötige ich Ihren vollen Liefernamen und Lieferadresse, um diesen Handel durchzuführen.
2 – Ich gehe zu dem FedEx Büro und lasse die Schlüssel und den Vertrag unter deinem Namen als den bestimmten Empfänger.
3 – FedEx wird den Umschlag überprüfen, um zu sehen, ob alles mit dem in Ordnung ist, und dass das auch die juristischen Dokumente ist, die zusammen mit den Schlüsseln kommen.
4 – FedEx wird Ihnen eine Lieferbenachrichtigung schicken, um Ihnen mitzuteilen, dass sie die Schlüssel und Papiere in deren Besitz haben.
5 – An diesem Punkt müssen Sie sich in Bewegung setzen und eine Geldüberweisung auf den Namen eines FedEx-Agenten durchführen, der mit dieser transaktion betraut ist.
6 – Nach der Auführung der Überweisung müssen Sie die Informationen über die Überweisung zu FedEx durchführen (MTCN, Name und Adresse des Absenders).
7 – FedEx wird diese Zahlungsinformation überprüfen, und wenn alles in Ordnung ist, werden sie die Schlüssel und den vertrag Ihnen ausliefern.
8 – Nachdem Sie das Paket erhalten haben, gehen Sie und überprüfen das Apartment und binnen zwei Tagen müssen Sie mit ihnen in Kontakt treten und ihnen mitteilen, ob Sie das Apartment behalten wollen oder nicht. Wenn alles in Ordnung ist, geben Sie FedEx die Erlaubnis die Zahlung an mich frei zu geben. Falls Sie das Apartment nicht mögen. werden sie Ihnen das geld zurückschicken und Sie schicken denen die Schlüssel und den Vertrag, um das Packet auf meine Kosten an mich zurück zu schicken.
Jetzt muss ich aber sicher wissen, ob sie zustimmen, weil hier sind viele Leute interessiert, das Apartment zu mieten und ich will sicher sein, was ich denen erzählen muss. Falls Sie einverstanden sind mit dem, was ich vorgeschlagen habe, werde ich denen erzählen, dass das Apartment bereits vermietet ist und ich werde es für Sie reservieren.
Falls Sie einverstanden sind, benötige ich alle Lieferdetail, um alle Angelegenheiten für die FedEx-Lieferung zu regeln.

Danke und auf Neuigkeiten von Ihnen wartend!
Danke Ihnen,

PS: Sie müssen die Zahlung zu dem Namen und zu der Adresse des FedEx-Agenten schicken, und nicht zur der Firma FedEx. FedEx hat nicht das geringste mit Western Union zu tun.

»Western Union« ist mir ein Begriff. Mit »Western Union« ist es möglich Geld in andere Staaten zu schicken. Am »Western Union« erhält man einen Einzahlungsbeleg mit einer Code-Nummer, die man dem Empfänger mitteilt. Der Empfänger weist sich mittels Reisepass oder Personalausweis aus (»ausweisen« im Sinne von »sich identifizieren« und nicht im Sinne einer Grenzregelung) und erhält dann das Geld. Und Tschüss, weg ist das Geld …
Wie gut, dass »lena.gottmann@hotmail.com« den FedEx-Agenten persönlich kennt (oder selber ist), denn dann bleiben die 1.000 Euro in der Familie …

»lena.gottmann@hotmail.com« hat kaum auf meine vorherige Mail reagiert. »lena.gottmann@hotmail.com« spult sein Programm nach »Schema F« ab. Ein angekündigter Betrug ohne große Rücksichtnahme auf Kundenbelange.

Nebenbei habe ich mit meiner letzten Mail, den Mailverlauf manipuliert: Meine Handynummer hatte ich in dem Mailverlauf abgeändert, bei meinem Provider ein neues Email-Konto mit fast identisch aussehender Email-Adresse aufgemacht und dann auf »lena.gottmann@hotmail.com« geantwortet. Nach der Antwort zu urteilen, hat »lena.gottmann@hotmail.com« einstweilen nichts bemerkt. Denn ich werde das Email-Konto in zehn Tagen wieder löschen und dann kann er mich mal, sollte er meine Manipulation nicht bemerkt haben.

Ich versuche es nochmals, die Gier in »lena.gottmann@hotmail.com« zu wecken.
Der Einsatz muss erhöht werden.
Der Speck muss angereichert werden.
Mehr Geld anbieten. Und überhaupt, was soll das heißen, »lena.gottmann@hotmail.com« führt andere Mietinteressenten neben mir! Frechheit! Konkurrenz belebt das Geschäft? Okay, er kann es haben, cih erhöhe einfach die Miete!
Ich weiß, dass an dieser Stelle mir sofort ein paar Makler Angebote machen möchten. Ein Mietkandidat, der von sich aus die Miete erhöht, davon träumt der gesamte Vermietermarkt.
Aber was soll’s? Was muss, das muss. »SOLL« heißt »MUSS« wenn »KANN«. Und »lena.gottmann@hotmail.com« kann mich mal. Der ganze FedEx-Scheiß und das ganze Prozedere interessiert mich doch nicht die Bohne. Mich interessiert nur, ob auch Abzocker gierig sein können.
Ich erhöhe den Einsatz:
Antwort Nr5

Die Übersetzung:

Sehr geehrte Frau Göttmann,

Ich bin ein wenig verwirrt. Sie erzählten mir, dass Sie andere Personen haben, die das Apartment auch haben wollen? Ist mein Angebot zu niedrig? Ich bin bereit mehr als die 380 Euro pro Monat zu zahlen. Bieten die anderen mehr? Sollte ich Ihnen 480 Euro pro Monat füpr die Wohnung bieten, werde ich dann derjenige sein, dem Sie den vertrag anbieten?
Zudem habe ich vergessen Ihnen mitzuteilen, dass ich bei Western Union und auch bei FedEx auf der Schwarzen Liste stehe. Wenn ich mich bei denen identifiziere, werde ich von denen nicht als Kunde akzeptiert. Das ist nicht fair von denen. Entschuldigung, ich hatte vergessen dieses zu erwähnen. Es ist wegen einer aktuellen Ermittelung gegen mich weil eine andere grundgütigschlechte Person mich angeschwärzt hat, nur um meine saubere Reputation zu schädigen. Jedoch hat mir bereits mein Anwalt erklärt, dass ich den Prozess nicht verlieren kann und mich vor nichts fürchten muss.
Ich hoffe, dass ich auf der Schwarzen Liste stehe, ist kein Kriterium, mir das Apartment nicht mehr zur Miete anzubieten. Nichtsdestotrotz habe ich eine 100% Lösung. Es wird perfekt funktionieren und ist mit meinem Bankkonto in der Schweiz (»UBS« in Zürich) verbunden. Und das ist auch besser für mich, dass ich auf Ihre Diskretion zählen kann. Es ist sogar besser als »Western Union« oder »FedEx«. Für diese Art des Transfers haben die für besondere Kunden (wie mich) eine diskrete Dienstleistung, auf die Sie zu 100% vertrauen können.
Bitte teilen Sie mir mit, wie Sie darüber denken.

Beste Grüße

P.S. Wäre es möglich dieses Vorgehen ein wenig mehr zu beschleunigen? Sie haben nichts über mein Angebot geschrieben? Gefiel es Ihnen nicht? Brauchen Sie es nicht?

Bislang herrscht Funkstille. Es kann auch sein, dass »lena.gottmann@hotmail.com« von den ersten erhaltenen 1.000 Euro Parties feiert und dann erst Mittags wieder aufwacht.
Also abwarten.
Vielleicht hab ich den Bogen auch überspannt und »lena.gottmann@hotmail.com« meldet sich nicht mehr.
Vielleicht bis morgen. High Noon. 12 Uhr Mittags. Gary Cooper als »Will Kane« streicht in der Stadt herum auf der Suche nach »Frank Miller«:
»Do Not Forsake Me, Oh My Darling.«

Übrigens hat mir „Immobilienscout24“ geschrieben und mich vor »lena.gottmann@hotmail.com« gewarnt. Das Angebot ist inzwischen deaktiviert. Ich hoffe rechtzeitig, bevor andere drauf reinfallen konnten.

(Fortsetzung hier)

Chronik eines angekündigten Betruges – die Lena-Göttmann-Story (Teil 3)


Was vorher geschah: Teil 1, Teil 2
***

Inzwischen saß ich am heimischen PC, hatte meine Mails aufgerufen und hatte vor nochmals eine Antwort zu schreiben. Denn eine Wohnung zu diesem Preis ist immer ein Schnäppchen. Fleißig tippte ich also, als mir mein Email-Klient anzeigte:
»lena.gottmann@hotmail.com« hatte mir geantwortet!
1 1/2 Stunden später.
Fleißig bemüht um ihre Kunden.
Lobenswert, dachte ich mir und las das folgende (zum Vergrößern bitte anklicken):

Antwort Nr2

Die Übersetzung:

Hallo nochmals,
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Das Apartment wartet auf Sie, Sie brauchen nur noch die Schlüssel und den Vertrag in Empfang zu nehmen und zu überprüfen, und zu sehen, ob es ihnen gefällt. Offensichtlich benötigen wir eine Vorgehensweise, um den Handel zu vollbringen. Eine, welche es uns erlaubt sicherzustellen, dass zu bekommen, was wir wollen. Sie können das Apartment auch mit einem Freund teilen. Zu diesem Zweck habe ich einen Weg für uns gefunden, den Handel sicher und schnell abzuschließen. Auf diesem Weg werden Sie den Schlüssel in weniger als 2 Tagen erhalten, wenn Sie ebenfalls schnell handeln. Diese Lösung wird von einer Firma ermöglicht, die FedEx heißt. Diese unterstützt sowohl Bezahlung als auch die Auslieferung der Schlüssel. Ich habe ein Vorgehen gefunden, die es Ihnen erlaubt, die Miete des Appartements zu zahlen, nachdem Sie die Schlüssel davon erhalten haben. Auf diesem Wege werden Sie das Apartment sehen und entscheiden dann, ob Sie in dem Apartment bleiben wollen oder nicht, bevor ich die Zahlung erhalte.
Lassen Sie mich wissen, ob Sie interessiert sind, denn ich muss diese Sache bis zum Ende der nächsten Woche erledigt haben!
Grüße,

FedEx? Die Firma ist mir keine Unbekannte. FedEx, UPS, DHL, Deutsche Post, all diese Firmen sind Logistikunternehmen, welche Sendungen von A nach B bringen.
Warum sollte FedEx eingeschaltet werden? Mir kam das spanisch vor.
Einer Intuition folgend gab ich den Namen »Lena Gottmann« in Google ein. Das zweite Ergebnis der Suche war schon ein Volltreffer. Der Link führte zu dem Portal vom „Münchener Merkur-Online“:

Sie heißen Paul Kenneth Foltyn, Peter Stan, Fred Wray oder Lena Göttmann – und ihre Namen sind frei erfunden. Ebenso die Abzock-Angebote, die sie zigfach in Immobilienportalen ins Internet stellen …

Lest bitte den Rest hier bei der Originalquelle nach:
www.merkur-online.de

Nun war mir alles klar.
»Lena Göttmann« existiert nicht. Hinter dem Namen »Lena Göttmann« verbirgt sich ein mieser Abzocker.

Wer schon mal ein Auto im Internet kaufen wollte, hatte vielleicht auch schon mit Menschen Email-Kontakt, die in London wohnen und deren Auto verkaufen wollen. Für das Auto-Schnäppchen solle dann aber vorher Geld angezahlt werden, bis es dann über einen »Treuhändler« übergeben werden solle. Wer sich auf so etwas einlässt, der sieht weder den »Treuhändler« noch seine Anzahlung wieder.

Als erstes habe ich dann »Lena Göttmann« bei Immobilienscout24 verpetzt. Ich habe es gerne getan, diese Art der Denunziation.

Aber warum sollte ich auf »Lena Göttmanns« Angebot eingehen?
Und dann kam mir meine Idee.
Mit Speck fängt man doch Mäuse, oder? Und Gier ist doch auch bei Menschen eine Batzen Speck.
Verarschen kann ich auch.
Zumindest kann ich es versuchen. Mit meinem verbesserungswürdigen Englisch inklusive meinen üblichen Rechtschreibfehler (zum Vergößern bitte das Bild anklicken):

Antwort Nr3

Die Übersetzung:

Sehr geehrte Frau Göttmann,

Ich mag Ihren Stil. Ja, Sie haben vollkommen recht, wir sollten keine Zeit vergeuden. Ich habe mir die Fotos nochmals angeschaut. Ein schönes Wohnzimmer (Ich mag diese rote Farbe sehr) und das Badezimmer mit dem Bidet, das ist was unzweifelhaft großartig ist. Ich denke, es ist nicht notwendig, es sich vorher anzuschauen. Ich vertraue Ihnen.

Ja, auch ich bin ein wenig in Eile. ich bin brutal von meiner Ehefrau, die ich so sehr liebe, der ich so sehr vertraute, betrogen worden. Aber sie und ihr neuer geiriger Freund versuchen mich aus meiner eigenen Wohnung zu werfen. Sie können sich sicher sein, ich werde auf ganz legalem Weg zurückfeuern. Wissen Sie, deren Verhalten ist recht teuer. Angesichts eines Gerichts, denke ich, kann ich damit mit einer
Kompensationszahlung über mehr als 1000 Euro rechnen. Ich kenne einen Fall, bei dem die Ehefrau und ihr Geliebter mehr als 5000 Euro zahlen mussten! Ja, es ist nicht so einfach wie manche Leute. Aber um die Situation in einer guten Weise vorzubereiten, ich muss ausziehen, um deren brutalen Druck, den beide auf mich ausüben, zu bestätigen. Das wird dann ein Argument vor Gericht werden.

Was noch hinzukommt, ich habe letztens mit einigen Börsengeschäften Glück gehabt. Jedoch muss ich nun aufpassen, dass das Geld nicht direkt auf meinem Bankkonto erscheint und ich viel Steuern zahlen muss. Sie wissen, die Brise der Banken und eine Menge Leute reden darüber, die Freiheit einzuschränken, entsprechend des eigenen Vermögens Geld zu verdienen. Das ist nicht schön, das ist nicht fair. Aber es gibt Möglichkeiten, wissen Sie.

Gut. Ich möchte die Miete für ein, zwei oder drei Jahre im Voraus bezahlen. Ich denke, wir können eine Vorauszahlung verhandeln. Und wie ich gehört habe, planen Sie nach Griechenland zu gehen, da haben Sie eine sehr gute Gelegenheit eine Rendite von 150% zu erhalten, wenn Sie das Geld dort in die richtigen Anlagen investieren (Griechenland benötigt Geld und bietet deshalb genau jetzt sehr gute Renditen an, aber nur für Leute die keine Feiglinge sind).
Deswegen biete ich Ihnen die folgenden Mietvorauszahlungen an:
Miete für ein Jahr: 4.500 Euro
Miete für zwei Jahre: 8.500 Euro
Miete für drei Jahre: 13.000 Euro

Falls Sie eine Vorauszahlung für vier Jahre haben wollen, muss ich ein wenig genauer nachrechnen.
Sie mögen denken „Hey, worüber redet der Kerl, der nimmt mich auf den Arm. 12 mal 390 Euro sind 4.680 Euro“. Aber bedenken Sie bitte, ich bezahle in einer Zahlung und kann ihnen einen Hinweis geben, der mehr wert ist als 4.680 Euro.

Was denken Sie über meinen Vorschlag? Ich würde ihn nicht machen, wäre ich nicht in einer Notsituation. Wir müssen schnell reagieren, nicht schnecken-langsam. Bitte antworten Sie.

Beste Grüße

Wird er darauf eingehen?
Ist der Speck würzig genug?
Er will Geld? Ich wedle ihm damit vor seiner Nase herum. Schnappt er danach wie der Esel nach der Möhre?

Wie sagte Gordon Gekko in dem Film »Wallstreet«?
»Gier ist eine gute Sache.«
Oder wie meinte heute Guido Westerwelle im Bundestag?
Leistungsgerechtigkeit sei wichtiger als Verteilungsgerechtigkeit.

Wie weit geht »lena.gottmann@hotmail.com«?
Ich versuche der Person hinter »lena.gottmann@hotmail.com«, das Heft aus der Hand zu nehmen, indem ich an das Instinktgefühl »Gier« appelliere. Ein Versuch ist es wert.

(Fortsetzung hier)

Chronik eines angekündigten Betruges – die Lena-Göttmann-Story (Teil 2)


Was vorher geschah: Teil 1
***

Um 18:22 klingelte es dann gestern in meinem Postfach.
»lena.gottmann@hotmail.com« hatte mir geantwortet.
Knappe 2 1/2 Stunden später nachdem ich auf die Annonce unter „Immobilienscout24“ geantwortet hatte, las ich folgendes über dem Display meines Handys:
Antwort Nr1
Die Übersetzung dazu:

Hello,
danke für Ihr Interesse
Mein Name ist Lena Gottmann und ich bin die Besitzerin des Appartments, welches an der Leopoldstraße 152, 80804 München,
Schwabing liegt.
Ich kaufte ein Apartment in München, weil ich dort für drei Jahre gearbeitet hatte. Ich versuchte das Apartment zu verkaufen, aber ich konnte keinen fairen Preis dafür erhalten. Das Apartment ist zum Vermieten. Ich muss dieses vermieten, weil ich in Griechenland für eine lange Zeit bleiben werde. Dieses ist der Hauptgrund, dass ich dieses an eine gute Person vermieten will, die sich um das Apartment kümmert. Sie können das Apartment für drei Monate mindestens bis zu 6 Jahre mieten. Das Apartment sieht exakt so aus wie auf den Bildern, voll möbiliert. Aber ich habe die Möglichkeit, meine Möbel alle in ein Lager zu bringen, falls Sie Ihre eigenen mitbringen wollen (keine Extra-Kosten).
Die Miete beträgt pro Monat 380 Euro. Sie können in mein Apartment an dem gleichen Tag einziehen, wenn Sie die Schlüssel in Ihren Händen halten. Ich habe die Schlüssel bei mir, aber das ist kein Problem, ein Immobilienmakler hat alles organisiert, so dass Sie die Schlüssel und den Mietvertrag in maximal 2-3 Tagen erhalten können.

Grüße,
Lena Gottmann

Zusammengefasst war der Stand der Dinge:
»Lena Gottmann« (die eigentlich in Immobilienscout24 als »Lena Göttmann« gelistet in Erscheinung trat, also im Namen mit dem typisch deutschsprachigen Umlaut »ö«), jene »Lena Gottmann« spricht kein Deutsch, setzt Englisch als Kommunikationssprache voraus und hat in einer attraktiven Lage Münchens eine Wohnung zu vermieten. Da sie längere Zeit in Griechenland zu sein scheint und die Wohnung nicht verkaufen konnte, will sie diese nun vermieten. Mit einem Immobilienmakler sei inzwischen alles organisiert. Ob möbliert oder nicht, das überlasse sie dem Mieter. Und das alles für 380 Euro Kaltmiete. Das ist ein Quadratmeterpreis von für München sagenhaften 7,92 Euro!

Spontan habe dann über mein Handy per Webmail an »Lena Gottmann« geantwortet:

Dear Mrs. Gottman, thanks for your kind answer. Is there a possibility to see it? You can call me if you want since English is not a problem for me. My number is 00491577(…)

Übersetzt:
„Sehr geehrte Frau Gottmann, danke für ihre freundliche Antwort. Gibt es eine Möglichkeit, sie (= die Wohnung) zu sehen. Sie können mich anrufen, wenn Sie möchten. Englisch ist für mich kein Problem. Meine Nummer ist 00491577(…)“

Ich wollte noch etwas anderes schreiben. Mindestens eine Abschiedsfloskel, aber ich drückte zwei falsche Knöpfe und -schwups- war meine Email abgeschickt.
Was soll’s.
Pech gehabt.
Ich würde sie am PC zu Haus nochmals schreiben.

Und wieder war Warten angesagt.
Offensichtlich waren die 380 Euro kein Tippfehler. Nur die Geschichte der Frau Göttmann erinnerte mich an etwas anderes. An Autoverkäufergeschichten per Email aus anderen Anzeigen. Geschichten, die mir Kollegen erzählt hatte. …

(Fortsetzung hier)

Chronik eines angekündigten Betruges – die Lena-Göttmann-Story (Teil 1)


Eines ganz am Anfang vorweg:
Private Emails zu veröffentlichen, ist kein Spaß. Wer private Emails veröffentlicht, begeht ohne Zweifel niederen Vertrauensbruch.
Ich werde hier einen privaten Email-Verkehr veröffentlichen.
Begehe ich hiermit Vertrauensbruch erster Güte? Nein. Die Person hinter der Email-Adresse existiert nicht als jene Person, welche der/die Verfassende der Email vorgibt zu sein. Vielmehr verbirgt sich eine Person dahinter, die mit dem Email-Namen nicht das Geringste gemein hat. »Gemein« ist hierbei das Stichwort. Denn das Wort charakterisiert jene Person am treffensten. Wer die folgenden Posts zu jener Person mitliest, wird feststellen, dass jene Person es sich geradezu verdient hat, deren private Emails zu veröffentlichen.
Ich veröffentliche keine privaten Emails von real existierenden Personen. Von allen anderen aber schon, wenn ich diese als veröffentlichungswert erachte.

Wohnungssuche in München.
München ist ein teures Pflaster.
Für eine 1-1 ½ Zimmer Wohnung fallen Quadratmeterkosten von 11-13 Euro an. Kalt. Warm gehen diese auf 13-16 Euro hoch. Eine 35 qm Wohnung kann also mit Heizung und Nebenkosten an die 500 Euro oder mehr kosten.

Auf meiner Suche nach einer Alternative zu den Plätzen unter den Brücken Münchens oder eines Open-Air-Übernachtungplatzes im Englischen Gartens führt mein Weg ebenfalls zu „CS-Wohnungsagentur“ oder „Immobilienscout24“. Während unter der ersten Adresse deutschlandweit provisionsfreie Wohnungen gelistet sind, finden sich für München gerade bei der zweiten Adresse recht viele Maklerangebote. Provisionsfreie Angebote sind dort eindeutig in der Unterzahl. Bei einer Mieterquote von 79% (also 21% sind Wohnungsbesitzer) in München verwundert es auch nicht. Das Maklern kann richtig gut in München honoriert werden. München ist der ideale Tummelplatz für Makler und ihrer 2,38-fachen Maklerprovision auf die Kaltmiete bezogen. Hinzu kommt dann noch, dass der Vermieter oftmals die 3-fache Kaution für die Kaltmiete bei Mietvertragunterzeichnung sehen will. Wer also eine Wohnung in München mieten will, muss im ersten Monat bis zu dem 6,38-fachen der Kaltmiete aufbringen, um ein Dach über dem Kopf zu bekommen.

Bei meiner Suche stieß ich gestern Nachmittag auf das folgende Angebot:
1 Appartment im letzten Bereich der Leopoldstraße (die Champs-de-Elysee Münchens).
Eingerichtetes Wohnzimmer, Bad mit WC und Bidet und voll eingerichtete Küche.
Größe: 48 qm.
Kaltmiete: 380 Euro.
WOW!

Es ist klar, dass so etwas ein Schnäppchen der Schnäppchen darstellt. Oder vielleicht auch nur ein grandioser Tippfehler vom Anbieter. Also, Anfragen kostet ja nichts. Die Anbieterin wurde mit dem Namen »Lena Gott« angegeben.
Das Kontaktformular hatte ich ausgefüllt und das Ganze abgeschickt. Zu spät erkannte ich, dass es eigentlich ein »Herr Lena Gott« war. Herr? Ist »Lena« kein Frauenvorname? Egal. Und dann las ich die Emailadresse: »lena.gottmann@hotmail.com«. Herr Gott nochmal! Alles total falsch in meiner Anrede. Okay, dachte ich mir. Was soll’s. Wenn ich Pech habe, habe ich halt Pech. C’est la vie.

Mit Spannung wartete ich auf die Reaktion von »Lena Gottmann«.
Ob das Appartment noch zu haben war?
Ob der Preis stimmt?
Oder war es nur ein Tippfehler?
Suspense und Spannung.
C’est la vie.
Screenshot: Anzeige unter ImmoScout24

(Fortsetzung hier)