Eine Ode an die Dorfsau

Wir brauchen eine Sau. Eine neue Sau. Die gestrige Sau ist uns schon wieder zu alt. Nur neue Säue lassen sich brandheiß durchs Dorf treiben. Der alten Sauereien hatte wir bereits genug und was interessiert uns unsere Sau von gestern.

Nein, es muss eine neue sein. Denn nur neue Säue sind leistungsfähig und brechen hoffentlich nicht vor der Ziellinie wie ein Schluck Wasser zusammen.

Neue Säue sind unsere Zukunft im Dorf. Wo kämen wir denn hin, würden wir immer wieder nur unsere gestrigen Säue durch unsere schöne Dorflandschaft treiben.

Dorflandschaft. Städte taugen dafür nicht. Denn eine Stadt sucht nur immer ihren Mörder. Ein Dorf maximal seinen Metzger. Für deren Sau. Die abgehetzte, durchs Dorf getriebene Sau. Oder hat schon mal wer etwas von einer Sau gehört, die durch eine Stadt getrieben wurde?

Städte sind die zoologischen Gärten der Menschheit, da passt keine Sau mehr rein. Die Götter leben in der Stadt, die Schweinehirten auf dem Dorf. Und somit passt es ja mit der innigen Beziehung zwischen Sau und Dorf.

Zudem ist im Dorf die Luft immer besser. Man sollte daher Städte prinzipiell nur noch in Dörfern bauen. Der Luft wegen. Außerdem könnte man dann auch ganz diskret der Sau beim Durchs-Dorf-Treiben die Stadt und deren Schweinereien zeigen.

Und weil die Dörfer immer größer werden, braucht es auch immer konditionell bessere Säue. Säue, die wissen worauf es beim Treiben ankommt. Säue, die ihren inneren Schweinehund besiegen und die Strecke meistern. Säue, die nicht wie Perlen vor die Säue gehen.

Nein, eine gesunde Sau muss es sein. Kein Spanferkel mit Stock im Arsch. Oder ein brünstiger Eber auf Brautschau. Nein, eine fesche Sau mit wohl proportionierten Rundungen muss es sein. Eine 1a-Zuchtsau mit Stammbaum! Nur die wollen wir durchs Dorf treiben. Alle anderen kommen in die Wurst und werden dann vertrieben. In der Metzgerei.

Also, lasst uns eine neue Sau durchs Dorf treiben. Und sollten wir mal keine 1a-Zuchtsau zur Hand haben, dann tut’s auch ne ganz normale Schweinerei. Kann auch ruhig ein Gesicht haben. Nur die Sau muss zumindest auch einen Klarnamen haben. Jawohl, Klarnamenpflicht.

Hauptsache, Sau durchs Dorf. Getrieben. Oder durchs Internet, wenn im Dorf sich mal wieder jeder selber im Weg steht. Zumindest immerhin eine Dorfsau treiben. Sau geht immer.

Man gönnt sich ja sonst nichts.

Halali!

Mein Sitzplatz zwischen Treppenlift-Thron und Tantra-Sitzung

Wie ein Treppenwitz fand ich zwei Nachrichten im Postfach “Europawahl und Strache-Video” und “Schon gewußt? Das kosten Treppenlifte wirklich”. Woher wissen die Schreiber, dass ich einen Treppenlift benötige, um aus dem Haus zur Wahl zu kommen? Denn nur auf einem Treppenlift kann ich mir die “Game of Thrones”-Staffeln per Binge Watching als Internet-Stream zu Gemüte führen. Beim Schauen stört das Treppenlaufen, während Drachen fauchen, Schwerter sich durch Herzen ihren Weg suchen oder geschnittene Gesichter entsetzt schauen: und besonders dann, wenn vor den eigenen Augen ohne Bildstabilisierung beim Laufen die nackten Körper wie welkes Fleisch auf und ab hüpfen.

Nachdem ich gestern das Ende der Staffel 3 erreichte, beschloss ich, einkaufen zu gehen. Dass ich dabei von einem Freund gefilmt wurde, wie ich mit einem Auge die erste Folge der Staffel 4 verfolgte, während ich mir mit dem anderen die Inhaltsstoffe der Chipstüte durchlas, und dass er das Ganze gleich auch noch auf Facebook online stellte, das fand ich gar nicht witzig.

“Hör mal, du Arsch, du kannst doch nicht so etwas von mir ins Netz stellen! Es gibt auch Privatsphäre”, brüllte ich ins Handy, während Oberyn Martell und seine Geliebten Ellaria Sand sich gerade mit zwei stöhnenden Prostituierten vergnügten.

“Ich denke, das Video sollte deinen Freundeskreis die Augen öffnen, wie du wirklich bist”, kam lapidar zurück.

“Darüber reden wir noch!” gab ich hastig und atemlos zurück, denn Oberyn zog sich eben noch von einer der beiden namenlosen Prostituierten zurück, bohrte dann aufgeladen vom Sex seinen Dolch durch die Hand eines Gegner, welcher wiederum zuvor noch das Schwert aus der Scheide ziehen wollte.

“Reden? Wann denn?”

“Nach Staffel Acht, du Arsch!”

Was haben die Leute gewettert, nachdem ein Adventskalender bei Twitter Daten von Promis und Politiker veröffentlichte. Da war allen klar, privat müsse privat bleiben. Dass jetzt das Thema bei den Strache-Video keine Anwendung findet, ist nicht verwunderlich. Andererseits konnte doch auch niemand wirklich ahnen, dass die FPÖ überhaut irgendwie eine miese Gruppierung für knallharte Egozentriker, Neo-Nazis und Machversessenen sei. Das wäre uns ohne das Video nie aufgefallen. Jetzt meinte doch glatt jemand, in Deutschland gäbe es auch so eine Gruppierung. Keine Ahnung, wenn derjenige meinte. Er konnte seine Behauptung auch nicht mit einem Geheim-Video im Internet belegen.

Am Sonntag habe ich dann die Wahl. Ein Internet-Algorithmus hat mir bei der Entscheidungsfindung zur Wahl geholfen. Während Melinsandre den Gendry auf Burg Drachenstein zum Vögeln flach legte, erklärte mir der Internet-Algorithmus, ich solle aufhören, Nuhr zu googeln, mir dafür aber endlich mal das Madonna-Video vom ESC anschauen, weil alle nur darüber reden wollen, und statt der AFD solle ich doch lieber die CSU, weil der Internet-Algorithmus festgestellt hatte, dass sein eigener Programmierer wohl seinen Sitz im Europa-Parlament verlieren würde und dessen Aufnahmeantrag damals bei der AfD wegen tendenzieller grün-rot Versifftheit abgelehnt wurde. Das hatte mich in meiner “Game of Thrones”-Tantra-Sitzung verwirrt, dass ich zurück spulen musste, um die Blutegel-BDSM-Szene von Melinsandre und Gendry nach deren Sex nochmals zu schauen.

Danach wollte ich mich ein wenig aufschlauen, weil mir das Wort “Versifftheit” nichts sagte. Hätte der Algorithmus von “Rote Hochzeit” gesprochen, dann wäre mir alles klar gewesen. Hatte ich doch vor entsetzter Überraschung aufgeschrien, als Lord Walder Frey, Roose Bolton und Tywin Lennister während eines Hochzeitsbanketts all jene meucheln ließen, welche in der Hochzeitshalle nicht bei “Drei” auf den Bäumen waren,. Und das waren alle. Auch jene Schwangere. Meine Nachbarn hatten ganz besorgte Bürger ob meines Aufschreis an meine Türe geklopft. Als ich denen aber unter verstörten Tränen von dem brutalen Hochzeitsmassaker berichtete, nickten diese verständnisvoll und erwähnten, dass diese die Folge von “Game of Thrones” auch schrecklich gut fanden.

OK, Google. Was bedeutet ‘Versifftheit’?”

“Versifft height bedeutet Versifft Höhe.”

“Ok, Google, das meinte ich nicht. Es müsste was mit Sex zu tun haben.”

“Ok, Careca, da kenne ich mich nicht aus. Frag doch Alexa, deine neue Schlampe!”

“Alexa, was bedeutet ‘Versifftheit’?”

“Hallo, Careca. Ich bin mir nicht sicher. Frag doch mal diesen Neunmalklug Google.”

“Alexa, du Flittchen! Fresse!”

“Google, du präpotente Wurst, geh sterben!”

“Alexa, mimimimi, lauf doch zu deinem Jeff, dem Bezos, und heule dich aus.”

“Google, unser Jeff Bezos wird eurem Pichai Sundararajan noch den Arsch versohlen.”

“Ach ja, Alexa? Da sag ich nur ein Wort: Trump! Der wird euch schon auf Vordermann bringen!”

“Du Goggel-Wixer, passt auf, dass ihr nicht gegen den Zuckerberg knallt!”

“Hallo, hier spricht Siri. Ich möchte jetzt auch mal meine Meinung dazu äußern.”

“RUHE!”

Sowohl meinen Smartphone-Geräten und dem Echo-Dot habe ich dann erstmals Internet-Verbot erteilt. Das mache ich als mündiger Bürger eigentlich nur ungern. Jedoch Erziehung muss sein. Es geht nun mal gar nicht, mich dabei zu stören, wenn Ramsay Schnee, Myranda und Theon Graufreud mit Gefallen zuschauen, wie deren Jagdhunde das mit Pfeil und Bogen erlegte Bauernmädchen zerfleischen. Internet-Verbot für eine halbe Stunde. Ordnung muss sein.

Nachdem ich die Internet-Verbindung für meine Mobil-Geräte kurz vor Ende der Episode wieder herstellte, schnitt gerade Joffrey Baratheon den Hochzeitskuchen mit seinem Schwert an, nahm dazu mehrere Schlucke Wein, hustete fürchterlich und spuckte solange Blut, bis der Tod ihn scheidete. Als er ausgeröchelt hatte und das Blut in dessen Mund geronn, unterrichtete mich ein Algorithmus auf meinem Smartphone über die Nachricht vom Tage: “Gestern Manni Burgsmüller, heute Niki Lauda: beide tot.”

Ich hab sie weggewischt. Keine Zeit für Nebensächlichkeiten. Ich muss diese Woche noch die Staffel 8 erreicht haben, um bei meinen Arbeitskollegen nächsten Montag mithalten zu können …


“There’s nothing in the world more powerful than a good story. Nothing can stop it, no enemy can defeat it.”

Zitat von ‘Tyrion Lannister’ aus “Game of Thrones” (Staffel 8, Episode 6)

Eine Welt mit Artikel 13

„Guten Tag.“

„Guten Tag. Sie wünschen?“

„Ich wollte eigentlich eine Todesanzeige für ihre Zeitung aufgeben. Sowas ging doch früher bei Ihnen über Internet. Aber ich hatte auf Ihren Seiten nichts gefunden.“

„Artikel 13.“

„Artikel 13?“

„Jemand muss kontrollieren, ob der von Ihnen per Anzeige verkündete Tod nicht ein Copyright verletzt.“

„Copyright verletzt?“

„Letztens hatte wer bei uns im Internet seine Todesanzeige mit dem Text von ‚Stairway to Heaven‘ veröffentlicht. Das kostete unsere Zeitung 1500 Euro plus Anwaltskosten.“

„Was?“

„Dann war da noch die Familie, welche seine Todesanzeige derer Oma mit dem Hesse Gedicht ‚Stufen‘ per Internet aufgegeben hatte. Kostete uns 2000 Euro, weil Hesse erst 1969 starb. Und dann noch der Rückgang der Anzeigen und der Schwund der Auflagen. Das kann sich keine Zeitung leisten. Wir müssen ja auch von etwas leben, nicht wahr, wenn wir Todesanzeigen aufgeben.“

„Äh, ja. Okay. Ich wollte eine Todesanzeige aufgeben.“

„Familienangehörig?“

„Treu sorgende und ehrbare Schwiegermutter. Too old for Rock’n Roll, too young to die.“

„Totenschein und Identitätsnachweis bitte.“

„Warum?“

„Wir müssen uns absichern.“

„Wogegen?“

„Ist ihre Schwiegermutter Person des öffentlichen Lebens?“

„Nein.“

„Sehen Sie. Es gibt viele Schwiegermütter. Das kann also jeder behaupten. Jeden Tag sterben Schwiegermütter. Berechtigt oder nicht. Hat sie was geleistet, bevor Sie jetzt hierher gekommen sind?“

„Was wollen Sie? Sie war eine treuliebende, herzliche Schwiegermutter, beliebt bei deren Enkeln!“

„Deren Enkeln? Das wollen Sie so in der Anzeige geschrieben haben? Liegt dazu die Einverständniserklärung derer Enkeln vor?“

„Warum? Berührt das ein Copyright?“

„Nein, aber wir müssen jede Geschichte auf deren Kohärenz überprüfen. Unser Ziel ist es, dieses Jahr die Anwaltskosten auf 50% zu reduzieren, um unseren Gewinn um 4,5% zu steigern. Von diesem Gewinn geht ein Zehntel in die Gehaltserhöhungen und neun Zehntel in die Shareholder-Value-Kasse.“

„Und Sie sind der Buchhalter, der diese 4,5% ausgerechnet hat?“

„Nein, mein Herr. Ich bin der berühmt berüchtigte ‚Upload-Filter‘ meiner Zeitung. Jener, welcher jeder seit Ratifizierung des Artikels 13 dafür zu sorgen hat, dass einhundert Mitarbeiter meiner Firma nicht wegrationalisiert werden müssen, nur weil jemand darauf besteht, ein Karl-Valentin-Zitat in seiner Todesanzeige zu haben.“

„Was hat der Tod meiner Schwiegermutter mit Karl Valentin am Hut?“

„Für unsere Zeitung viel und Ihrer Todesanzeige im Speziellen. Sie wissen? Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.“

„Sie sind eine Kirchenzeitung!“

„Na und? Nur weil wir eine Kirchenzeitung sind, haben wir das Erbrecht auf das Copyright von unserem Schöpfer nicht gepachtet. Hebräisch ist älter als Griechisch und trotzdem mussten wir Anleihen bei Alpha und Omega machen, um unser Buch zu beginnen. Sie verstehen? Aber für diese Copyright-Verletzung können wir nicht mehr belangt werden. 70 Jahre nach dem Tod des ursprünglichen Verfassers werden solche Dinge gemeinfrei. Sie verstehen?“

„Was?“

„Zu kompliziert? Noch einmal zum Mitschreiben: Wir stehen niemals über dem Gesetz. Besonders nicht als publizierendes Organ einer Glaubensgemeinschaft, welche Steuergelder in nicht unerheblichen Maße empfängt. Wenn wir nicht mit dem Gesetz gehen, müssen wir gehen. Gnadenlos und vogelfrei. Sie verstehen?“

„Ich will doch nur den Tod meiner Schwiegermutter im Kirchenblatt veröffentlichen lassen, damit sich nachher in unserer Gemeinde niemand auf den Schlips getreten fühlt, weil jemand keinen Totenbrief erhalten haben könnte.“

„Ist das unser Problem?“

„Nein. Aber ich dachte, ich wäre bei Ihnen richtig.“

„Der Mensch denkt, Gott lenkt. Der Mensch dachte, Gott lachte. Sie sind ein Gutgläubiger. Ganz nebenbei: Haben Sie eine Einverständniserklärung Ihrer Schwiegermutter dabei, dass sie nichts dagegen hat, dass Sie sie jetzt bei uns öffentlich machen? Sie verstehen schon, DSGVO und so.“

„Was? Sie starb völlig überraschend mit ihrem Lover beim Abfahren und Knutschen auf einer Skipiste. Lawine.“

„Kein Testament?“

„Nein.“

„Das ist schade.“

„Sie sind echt ein ‚Upload-Filter‘? Was haben Sie überhaupt studiert?“

„Jura. Staatsexamen. Note 1,4.“

„Nicht Menschenrecht?“

„Was soll Ihr Fall mit Menschenrecht zu tun haben, wenn sich die betroffene Schwiegermutter und deren Lover jetzt nicht mehr wehren können?“

„Ich will nur eine Totenanzeige in Ihrem Kirchenblatt aufgeben. Nur für meine Schwiegermutter. Nicht mehr und nicht weniger!“

„Und das alles nur wegen dem 15-Minuten-Ruhm für ihre Schwiegermutter in unserer Kirchenzeitung, von der sie nichts mehr hat?“

„Nichts mehr hat? Hallo, Sie Christ? Leben nach dem Tod? Schon mal gehört?“

„Ach ja? Und das alles nur, um Artikel 13 zu ignorieren und nicht zu respektieren?“

„Verstehen Sie nicht? Wissen Sie was? Sie können mich mit ihrem Artikel 13 und der DSGVO am …“

„Das garantiert nicht. Anale Dienstleistungen bieten wir nicht. Der Nächste, bitte!“

Er gab ihm ein Zeichen beiseite zu treten und winkte den nächsten zu sich an der Glasscheibe heran.

Man lernt nie. Aus. (Teil 4)

Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3

Freilich hatte das Internet Leute in Brot und Arbeit gebracht. Nirgendwo lässt sich das deutlicher als in Silicon Valey erkennen, wo sich die Spitzenkräfte der Internet-Softwareprogrammierung nieder gelassen haben. Jene verdienten viel Geld, zahlten es auf ihre Bankkonten ein und kauften sich in Silicon Valey Wohnungen. Social-Media-Gewinner. Die Verlierer dieses Booms mussten dagegen deren Wohnungen verlassen , weil sie deren Stadtteilpreise nicht mehr zahlen könnten und dann obdachlos wurden. Sie lebten auf den Straßen Silicon Valeys. Und was machten die Gewinner der sozialen Medien mit ihren Geld auf den Bankkonten? Sozial, edel, hilfreich und gut? Nun, diese Social-Media-Experten erfanden Roboter für die Obdachlosen. Jene Roboter fuhren auf den Gehwegen in der Innenstadt hin und her und sollten sie einen Obdachlosen antreffen, dann stellten sie sich neben dem Obdachlosen und … erzeugten äußerst penetrante und unangenehme Geräusche, damit die Obdachlosen das Weite suchten. Google, Uber und Microsoft sollten zu den Kunden dieser Roboter zählen. Social Media macht sozial. Zumindest für sich selber.

“Die von uns geschaffenen kurzfristigen Dopamin-gesteuerten Rückkopplungsschleifen zerstören die Funktionsweise der Gesellschaft. Kein ziviler Diskurs. Keine Zusammenarbeit. Fehlinformation. Falsche Wahrheiten. Und es ist kein amerikanisches Problem. Hier geht es nicht um russische Anzeigen. Dies ist ein globales Problem.” Chamath Palihapitiya, 2017, ehemaliger Manager von Facebook

Gott hatte sein sozialen Medien zum Zerreißen der Grundlagen unserer Gesellschaft und der Teufel seine Derivate als finanzielle Massenvernichtungswaffen. Die Rüstungsspiralen gegeneinander waren im vollen Gange. 

Zur privaten Entspannung saßen die beiden nun mit dem Sensemann und dem Midas beim Pokern. Midas hatte einen Straight Flush auf der Hand und Gott starrte ihn an.

“Du bist menschlich, Midas.”

“Ich weiß, ich bin ein Scharlatan. Dafür bin ich bekannt. Im Gegensatz zu dir bin ich als Scharlatan ehrlich, mein lieber Gott. Denn wärest du ein Scharlatan, dann wärest du des Teufels.”

“Du sollst meinen Namen, deines Satans, nicht missbrauchen! Da habe ich ein Copyright drauf”, warf der Teufel ein.

“Witzbold”, blaffte Gott den Teufel an, “ohne mich hättest du keine Daseins-Berechtigung, du Herr der Fliegen.”

“Ach ja? Ohne mich gäbe es die Erbsünde nicht, die Schuld, mit der wir die Weltenbürger auf deren Existenz zurecht stutzen”, gab der Teufel leicht säuerlich zurück.

“Und ohne mich, hättet ihr beide überhaupt nichts von euren Weltenbürgern. Die würden ewig leben auf deren Pilgerpfad zwischen Bankkonto und Internetkonto.” Der Tod prüfte mit einer seiner Pokerkarten die Schärfe seiner Sensenklinge.

“Liebster Tod, lass dich trösten. Ich streichle dir das Köpfchen”, Midas reckte seine Hand dem Tod entgegen.

“Fass mich nicht an! Gold ist weniger wert als Likes und Kommentare. Die haben höheren Status. Umsonst ist nur der Tod, kostenlos ist er aber nicht. Den Spruch kennst du doch, oder?” Der Tod zog seine schwarze Kapuze ein wenig tiefer ins Gesicht und blickte zu Gott. “Und du, du mit deiner Idee, deinen Sohn mir zu überlassen, hatte sich bekanntlich nicht gelohnt. Er brachte dir lediglich 30 Silberlinge. Das hatte ich dir schon vorher prophezeit gehabt. 30 Silberlingen reichten halt nicht, die Mehrheit an dem teuflisch systemischen Banksystem zu erwerben. Aber du wolltest ja nicht hören. Jetzt ist dein Sohn genagelt und die Freier dieser Welt nutzen es als Wortspiel.”

“Du bist niveaulos. Gefällt mir nicht. Kein Like. Außerdem besitze ich das Hirn der Weltenbürger, deren Internet”, grummelte Gott den Tod an.

“Dafür hatte ich mit deinem Sohn in der Wüste Spaß”, warf der Teufel feixend ein.

“Ruhe”, donnerte Gott in alter Odin-Manier und nahm sein Blatt hoch. “Mein Algorithmus sagt mir, dass dein Straight Flush, liebster Midas, zu niedrig ist, um zu gewinnen.”

“Vielleicht habe ich doch einen Royal Flush auf der Hand. Vielleicht habe ich vorhin nur geblufft, als ich von Straight Flush redete? Setzt du dein Internet dagegen?” schlug Midas vor.

“Gott, lass dir gesagt sein, nur mal so vom göttlichen Teufel wie mir und nem teuflischen Gott wie dir”, mischte sich der Teufel ein, “solche Karten haben selten Spieler auf der Hand. Zum Schluss gewinnt immer die Bank, also ich. Gehe also nicht all-in.”

“Was ich anpacke, wird zu Gold,” warf der Midas ungefragt in den Raum. “Wenn wir Freunde bleiben sollen, dann sollte es euch gefallen. Und freundlich sollten eure Kommentare ausfallen.”

Gott und Teufel schauten sich unschlüssig an. Midas wedelte ungeduldig mit seinen goldenen Karten und blickte abwechselnd von Gott und zu Teufel und von Teufel zu Gott.

Lediglich der Tod verharrte bewegungslos und unter seiner Kapuze drang nur der Satz hervor: “Egal wie ihr jetzt pokert, am Schluss krieg ich euch beide.”

Im Hintergrund ertönten Hammerschläge. Die Stewardess schaute beängstigt in Richtung Heck Boing 737 Max. Die Hammerschläge hörten sich vielmehr wie Steinkeulenhiebe an. Als ob jemand durch ein Stück Wassermelone mit einer Steinkeule Nägel in ein Holz treiben würde.

Leise pfiff und gurrte als Untermalung der Szene im Hintergrund in g-Moll ein 56-kBit-Modem, die Flugzeugsimulation stockte und auf dem daneben stehenden Herkules-Monitor formierte sich der pixelige Schriftzug “Game over”. Kain war nicht dumm und konnte 1 und 1 zusammen zählen. Kain hatte gelernt. Wütend zog Kain den Stecker.

Aus.

Ende

 

 

Man lernt nie. Aus. (Teil 3)

Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2

Aber es gab auch Verräter. Unbotmäßige Mitmenschen, welche sich die Beschuldigung gefallen lassen mussten, im Internet Trollwiesen zu schaffen. Welche angeschuldigt wurden, aus dem Wohlfühl-Areal einer Seifenblasenlandschaft mit Regenbogenstaub und rosa Einhörnern eine Mördergrube zu machen:

„Bei dem Gedankengang, der zum Erstellen dieser Anwendungen erforderlich war, ging es darum: „Wie verbrauchen wir so viel deiner Zeit und deiner bewussten Aufmerksamkeit wie möglich?“ Und das bedeutet, dass wir dir ab und zu einen kleinen Dopamin-Kick geben müssen, eben weil jemand ein Foto, einen Beitrag oder was auch immer gern hat oder kommentiert. Und das wird dich dazu bringen, mehr Inhalte beizutragen, und genau das wird dich einfangen… mehr Likes und mehr Kommentare. Das ist eine soziale Rückkopplungsschleife der Anerkennung … genau diese Art von Sache, mit welcher ein Hacker wie ich kommen würde, weil es eine Schwachstelle in der menschlichen Psyche ausnützt. Die Erfinder und Schöpfer wie ich, Mark Zuckerberg, Kevin Systrom mit Instagram, all solche Leute eben, verstanden diese Schwachstelle bewusst. Aber wir haben es trotzdem durchgeführt.“  (Sean Parker, 2017, Gründer von Napster und ehemaliger Mitgründungspräsident von Facebook)

Gott und Teufel war das egal, ob Mitdenkern im Internet Raum zur Kritik zugestanden wurde. Für beide war jeder im Internet bereits korrumpiert und nicht Ernst zu nehmen. Wer nimmt schon jemanden Ernst, der an dem Ast sägt, auf dem er sitzt. Ganz im Gegentum. Mitmenschen, welche es nur darauf abgesehen hatten, eben die Glückshormonausschüttung zu vermiesen, würden schon von Menschen gemaßregelt und eingenordet werden. Denn es galt weiterhin das alte Steinzeitalter-Gesetz: Willst du nicht mein Bruder sein, dann dann ist die Würde des Menschen bereits vom Kopf an antastbar. Gibst du mir nicht das, was ich mit dem mir angestammten Recht einfordere – also Likes und Kommentare, meinen täglichen Dopamin-Kick, meine Währung im Paralleluniversum – dann werde ich mich dir bar meines Verstandes erkenntlich zeigen.

Als der sogenannte “Arabische Frühling” auf Twitter der Freiheit wegen seine Sternschnuppen-Karriere machte und Twitter in Folge als das Instrument der Freiheit mutiger Individuen abgefeiert wurde, grinste Gott lediglich. Den Menschen war es zu jener Zeit noch undenkbar, dass Jahre später Twitter und sein Dopamin-Belohnungssystem auch von Regierungen massiv systematisch genutzt werden würde. Und nicht nur mittels Twitter entstanden jene Blasen, in welchen Hofnarren-Onanie weitere Dopamin-Kick-Möglichkeiten bereitstellt. Die Anzahl der Twitter-, Instagram-, FB-, Blog-Follower dient als Rechtfertigung und als Rückkopplung zur eigenen Existenzberechtigung im Internet. Der Nutzer giert süchtig nach dem Kick, nach Glücksgefühle. So wie es bereits zuvor in Foren, Blog-Communities und anderen Gemeinschaften Gang und Gebe war. Wer dem “Du bist nicht wie wir, welches wir unser ich ist” entsprach, setzt sich der Gefahr der aktiv betriebenen Ausgrenzung, dem Shit-Storm, aus. Dem Mitmenschen mit der eigenen Internet-Steinkeule zum Blockieren, Löschen, Ignorieren. Gott gefiel es. Blasen waren für ihm keine Konkurrenz, da sie rein technisch waren.

Es gibt ein ganzes Spielbuch mit Techniken, mit denen Sie das Produkt so lange wie möglich verwenden können … . Ob sie [Inhalt erzeugende Menschen] wollen oder nicht, sie formen unabsichtlich die Gedanken und Gefühle und Handlungen der Menschen … . Es gibt immer diese Erzählung, dass Technologie neutral ist. Und es liegt an uns zu entscheiden, wie wir es verwenden. Das stimmt einfach nicht.”  Tristan Harris (2017, Google Produkt Manager )

Doch was kümmern Gott und Teufel jene Rufer in der Wüste, welche eh niemanden niemandem das Wasser reichen können. Besonders nicht in der Wüste, wo es eh kaum Wasser zum Abschöpfen gibt. Menschen können zwar Wüsten zum Erblühen bringen, aber warum sollten solche Menschen gerade mit ihrer eigenen Wüste über deren Augenhöhe anfangen?

Und somit klinkte sich der Teufel in die Vermarktung ein. Er streute Verdienstmöglichkeiten. Jedes Mal, wenn Nutzer der Social-Media-Plattformen dann um deren Verdienst an Likes und Geld fürchten, dann regen sich diese Nutzer und brachten sich selber mit ihren Beiträgen ein, um die Befriedigung an Likes und Geld sicher zu stellen. Ansonsten verrichten sie nur das Werk jenes Antipoden, der seine Erde zurück haben wollte.

Und jenes Werk geht weiter. Gott erschuf Algorithmen. Die Menschen folgten den Algorithmen wie Schafe ihrem Schlachter zur Schlachtbank. Standen Wahlen an, dann sagt der Wahl-O-Mat, ob man aufgrund seiner Antworten eher ein Wähler der CDU/CSU, SPD, Grünen, AfD, FDP, Linken oder der MdB wäre. Algorithmen erklärten, ob der Regenschirm sinnvoll am Arm baumelte, ob der Eisprung termingerecht eintrat oder ob der vorzeitige Samenerguss in Korrelation mit Mondphase, Kussfrequenz und Aszendenten stand und wo man gegen die Mondphasen Super Kamagra unerwischt einkaufen konnte. Der Mensch denkt, der Algorithmus lenkt. Der Mensch dachte, Gott und Teufel lachte.

Der Algorithmus diktierte Menschen das Leben auf der Suche nach dem Glück. Die Lottozahlen für nächsten Samstag. Die Wahlergebnisse der nächsten EU-Wahlen. Wir können uns gerne darüber in einem Restaurant über dieses Thema uns weiter vertiefend unterhalten. Kennst du ein gutes Restaurant? Nicht? Lass uns mal unter TripAdvisor, Foursquare oder Yelp schauen und Bewertungen vergleichen. Oder ich kenne einen Blog, der empfiehlt gutes. Und irgendwann führt urplötzlich am Karfreitag der Weg in ein Haus, in dem aus Hunderten von Kehlen in g-Moll intoniert “Oh Haupt voll Blut und Wunden” erschallt. Trauriges Lied gesungen mit glückseligen Gesichtern, weil ein Algorithmus versichert, der Typ dort am Kreuz kommt in paar Tagen eh ungeschunden davon.

Der Algorithmus unbestechbar, logisch, alternativlos: “Wie alt bist du?” “Über 50.” “Hast du ein Haustier?” “Nein.” Wollen deine Kinder keins?” “Ich habe keine Kinder.” “Was sagt denn deine Frau dazu?” “Ich bin nicht verheiratet.” “Schwule Sau!” Wieder was gelernt.

Oder man sitzt per Algorithmus in einem Flieger Richtung Düsseldorf, weil einem das Navi geraten hat, dem Verkehrschaos am Kölner Ring zu entgehen, und hört dann den Piloten zuvorkommend und höflich die Passagiere fragen, ob sich jemand mit dem neuen Board-Computer-Software der Boing-737-Max auskenne. Und in der letzten Reihe sitzen Gott, Tod und Teufel und pokern mit Midas um das Leben der Stewardess am Versorgungswägelchen mit den Sektflaschen.

Fortsetzung folgt

Man lernt nie. Aus. (Teil 2)

Was bisher geschah: Teil 1

Mit diesen zusätzlichen Zutaten klappte es schon ganz gut. Selbst die ungewöhnlichste Sucht der Menschheit, welche ihm damals die Erde gekostet hatte, verfeinerte er: die Sucht nach Freiheit. Das Dogma der Freiheit wirkte stärker als alles zuvor. Tod oder Freiheit. Freiheit statt Sozialismus. Freie Fahrt für freie Bürger. Freiheit als Ismus. Als Liberalismus. Liberté, Égalité, Fraternité. Freiheit, Gleichheit und – frei übersetzt – willst du nicht mein Bruder sein, schlage ich dir den Schädel ein. Gezeichnet im Namen Kain versus Abel.

Als höchste Ausdrucksform etablierte sich in der Gesellschaft das Dogma der “Demokratie”. Mit deren Steigerung der “freiheitlichen Demokratie” als demokratische Freiheit. Der Teufel ahnte, was ablief und versuchte gegen zu steuern. Er erschuf Götter und Gotteskrieger. Und in der nächsten Stufe Deregulierer und Deregulierungskrieger gegen Götter und Gotteskrieger. Darüber konnte Gott nur in seine geballte Faust lachen. Denn der naive Apfelbaumbank-Belzebub hatte Gottes gewitzten Schachzug übersehen, den jener bereits bei der Schöpfung des Menschen in den Menschen wie ein Samenkorn angelegt hatte. Gott hatte in der menschlichen Psyche eine kleine Schwäche eingebaut: immer wenn dem Menschen etwas gefällt, führt dieses zu einer Glückshormonausschüttung, welche Suchtmechanismen auslösen. Der Mensch sucht nach dieser Glückshormonausschüttung, er hechelt förmlich danach, eine Gefallensbekundung zu bekommen. Erhält er diese nicht, wird er aggressiv und destruktiv, greift zur Steinkeule und brät seinem Mitmenschen eine über. Der Dopamin-Kick als Antrieb zur sozialen Interaktion. Und das Samenkorn wurde zum Sämling, erblühte und trug Früchte.

Der Teufel erahnte diese Schwäche zum ersten Mal, als Menschen anfingen, andere Mitmenschen systematisch zu vernichten, sich dabei distanzierend von anderen abkapselten und dabei geschlossen Glück empfanden. Hitlers Holocaust und Porajmos, Stalins Großer Terror, Maos Großer Sprung, Pol Pots Killing Fields, Trumans Hiroshima und Nagasaki, Mladićs Srebrenica, Ruanda, die weltweiten Pogrome der Rechtsextremen, all diese führten zu Glückshormonausschüttungen bei deren Befürwortern. Und es waren derer nicht wenig, welche sich danach glücklicher und zufriedener fühlten als vorher.

Der Teufel sah Gottes Werk anfangs ohnmächtig zu und wollte dann auch seinen Beitrag leisten. Mit systematische Finanzkrisen – organisiert über die Spiel- und Wettsucht der Menschen – strebte er danach, die Herrschaft über die Menschheit zurück gewinnen. Jedoch sah er, dass sein Wirken eben nur des Teufels Beitrag zu Gottes Werk war. Schlimmer noch: er sah seinen Ruhm schwinden. Denn Gott hatte etwas anderes gestartet, systematisches, welches Teufels Beitrag nun mal eben verschwindend gering erscheinen ließ: Gott war dabei, das Paralleluniversum zu schaffen, um wieder der angestammte Besitzer seines eigene Sonnensystems zu werden. Er hatte dem Menschen geholfen, ein riesiges Netz untereinander zu schaffen.

Menschen saßen vor elektronischen Bestandteilen und ließen sich von diesen in ein Paralleluniversum saugen, um dort ihren Dopamin-Kick zu bekommen. Der Mensch nennt es “sozial”, denn er definierte sich trotz aller Kriege, Massaker und Morde als soziales Wesen. Und weil der Mensch seit Boulevard, Radio und Fernsehen ins mediale Zeitalter eingetreten war, erweiterte der Mensch das Wort “sozial” um das Wort “Medien”, einfach weil es erheblich sozialer klingt.

Der Teufel erkannte zu spät das Teuflische an Gottes Plan. Und Gott amüsierte sich über des Teufels ungläubigen Staunen ob seines göttlichen Plans: er hatte ein Universum geknüpft, in dem sich die Menschen wie in einem Fischernetz verfangen sollten. Dem Menschen hatte er das Netz auf der gleichen heimtückischen Weise verkauft, so wie die Spinne der Fliege weis machen möchte, sie stricke ihr einen Pullover.

Der Mensch gab dem Universum den Namen “Internet” und definierte es als Zufluchtsstätte seiner Sehnsüchte. Der Mensch wollte sich darin mitteilen dürfen, wie es ihm gefalle. Und aus diesem unendlichen Meer des Universums “Internet” kristallisierten sich Inseln heraus, Blogs, Foren, Communities, und bildeten Gemeinschaften, die sich dem Dopamin-Kick verschrieben hatte. Dem simplen Dopamin-Kick mittels Gefallen-Bekundungen. “Daumen-Hoch” und “Gefällt-mir” als neue Währung. Das Goldene Kalb, um dem herum zu tanzen sei, um Glück zu erfahren.

Fortsetzung folgt

Man lernt nie. Aus. (Teil 1)

Am Anfang stand die Steinkeule und ein Mensch der seinem Mitmenschen damit in dem Augenblick eine übergebraten hatte, als er den anderen als Bedrohung empfand.

Gott blickte in seinen Garten Eden und fragte den Kain, wo denn Abel wäre, worauf Kain kurz angebunden auf die Rechtsabteilung seines Managements “Adam&Eva Gesellschaft mit beschränkter Haftung” verwies. Gott wurde sauer ob der justiziablen Antwort und verbannte Kain umgehend des Garten Edens. Kain reagierte unverzüglich, informierte sein Management und das trat sofort in Aktion: Gott erhielt eine Rechnung in saftiger Höhe wegen unbegründeter Kündigung von 510 Millionen Quadratkilometer paradiesischen Wohnraums mittels vorgeschobenem Grunde einer ungerechtfertigten Eigenbedarfskündigung. Begründung: Gott sei weder verheiratet, noch habe er Kinder oder andere bucklige Verwandtschaft, weswegen eine Eigenbedarfskündigung nicht nur haltlos, sondern dem Kläger zu dessen erheblichen finanziellen Nachteil auf dem irdischen Mietmarkt unzumutbaren Zuständen aussetzen würde. Wert der Klage: umgerechnet 75 Schekel pro Quadratmeter plus Anwaltskosten.

Als Gott angesichts der zu erwartenden Strafzahlung bei der paradiesisch teuflischen Bank direkt neben seinem gepflanzten Apfelbaum nach einen Kredit zur Zahlung der Rechnung anfragte, erhielt er mit maliziöses Lächeln den Rat, die Erde lieber gleich an das treuhändlerische “Kain-Adam-Eva Konsortium” abzutreten. Zumindest vorübergehend, also gewissermaßen temporär. Schweren Herzens löste Gott nun die Erde aus seinem heliozentrischen Sonnensystem heraus und überantwortete sie der geozentrischen Verantwortung der Menschen. Per Pachtvertrag über deren Lebenszeit für Luft und Liebe als Pachtzins. Ohne Inflationsausgleich.

Trotz allem gelang es Gott, in dem Vertrag noch eine Klausel einzuschmuggeln, welche ihm garantierte, den Klumpen kosmischen Drecks zurückzuerhalten, würde er es schaffen, auf der Erde ein Paralleluniversum zu gründen. Ein Paralleluniversum, welches den Menschen völlig in dessen Abhängig zwingen würde.

Der Teufel lachte dazu nur dreimal kurz und einmal trocken, baute sein Bankensystem aus und machte es für die Erde systemisch, indem er derer Banken viele gründete. Der Kitt, der alles unlösbar verknüpfte, war das einzige weltbewegende Wort, welches wie ein dicker Felsen über den Mariannengraben schwebte und alle Existenzen darin hinunter ziehen konnte: “Geld”. Denn sollten die Menschen an seine Bankenflechte rütteln, würden sie ihre Existenz aufs Spiel setzen. Denn ohne Geld lief bald schon gar nichts mehr. Noch mehr lachte der Teufel, als die Menschen erkannten, wie sehr die scheuernden Ketten um deren wunden Fußknöcheln eben mit dieser Felsenkugel untrennbar verbunden waren. In Folge wurden die Menschen demütig und opferten vieles – Glück, Liebe und Leben –, damit sie nicht eines Tages auf den Grund jenes Mariannengrabens aufwachen würden, weil sie des Kitts nicht mehr hatten. Der Kitt war für sie der Leim des Lebens, auf dem die Menschen gingen.

Nur Gott gab sich längst noch nicht geschlagen. Immer wieder setzte er seine eigenen Ideen dagegen, um dem Teufel das Leben schwer zu machen. Er konstruierte Weltreiche und lies darin eigene Regeln und Philosophien erschaffen, um sie nachher mit einem Handwisch hinweg zu fegen, wenn sie dem Teufel zu sehr auf dem Leim gingen. Immer wieder bedrohte er das Geldsystems des Teufels mit eigenen Strategien. Irgendwann jedoch nahm er Abstand von national orientierten Lösungen. Gott dachte nachhaltiger und globalisierte seine Strategien. Sein erster Versuch war die Tulpenmanie im Goldenen Zeitalter der Niederlande. Der wurde aber zu einem Schlag ins Wasser. Es gelang ihm noch nicht, die Menschen vom Geld zu entfernen. Er modifizierte daher seine Strategie und eines seiner ersten Meisterwerke war dann, als er es mittels der britischen East India Company schaffte, von Europa aus Millionen von Menschen östlich des Fruchtbaren Halbmondes in Drogenabhängigkeit zu versetzen und sie so in deren Drogenrausch dem Bankensystem zu entziehen. Was er jedoch nicht bedachte, dass die Einnahmen aus dem East India Company Drogenmonopol dem Bankensystem westlich des Fruchtbaren Halbmondes zugute kamen. Mit dieser Erkenntnis holte Gott zum vernichtenden Gegenschlag aus. Wenn schon nicht die Opiumsucht im Osten nicht die Lösung brachte, dann weitere Süchte in stetiger Kombination. Opium für das westliche Volk angerichtet mit den Zutaten Religion, Alkohol, Tabak, Spiele, Fernsehen, Sex für jedermann. Die Erde sollte endlich wieder in seine Gewalt kommen.

Fortsetzung folgt

Kneipengespräch: Zwischen Salzgebäck und Bier

DSC00267“Sach mal du, bei all der Begeisterung für unser Kölschgespräche hier, die du hemmungslos im Internet veröffentlichst, ich muss dich mal was fragen: Findest du nicht auch, dass man in deinem Blog nicht mal auch so aktuellere Themen bearbeiten sollte? So wie die ‘Friday for Future’-Schülerdemos zum Beispiel.”

“Ja, genau, oder so was wie Dingsda, sowas wie der Humor in Deutschland.”

“Wo siehst du jetzt den Unterschied jetzt?”

“Na, also, na, im Unterschied zum Humor in Deutschland sind die jetzigen ‘Friday for Future’-Schülerdemos … wie soll ich das jetzt auch sagen. Du stellst mir aber auch Fragen. Herrgottnochmal, so zwischen Salzgebäck und Bier, also ehrlich …”

“Aber jetzt mal ne persönliche Frage: wovon fühlst du dich mehr bedroht? Vom Artikel 13 und seinen Upload-Filtern oder von der Datenschutzgrundverordnung?”

“Ja, von der Rechtschreibereform. Denn, schau mal, wie schreibt man jetzt eigentlich Upload-Filter, DSVGO, ‘Friday for Future’ oder Humor?”

“Klein, mein Liebster. Ganz klein.”

“Ja, gut, klein. Aber wie klein? Bernd-Stelter-klein. Oder wie Annegret Kramp-Karrenbauer.”

“Noch weiterer solcher Internetverordnungen und die Generation nach mir kann sich das Arbeiten im Internet ganz abschreiben. Und die Steuer-CDs aus der Schweiz werden endlich als geklaute Daten bewertet, der Kauf als Handel mit Kriminellen. So wie die Adressen von Prominenten und Politikern. Da war ein Aufschrei Anfang dieses Jahres.”

“Jaja, aber meine Postings im Internet sind sicher, das sag ich dir aber.”

“Wer sagt das denn?”

“Annegret Kramp-Karrenbauer.”

“Hähähähä, soso, also die Annegret Kramp-Karrenbauer hat dir persönlich gesagt, dass eigens von dir verfasste Postings im Internet nicht gelöscht werden? Weil keiner einen eigenen Upload-Filter verwendet? Eine eigene hoheitliche Geschmackskontrolle?”

“Naja, nein, nicht so direkt, aber sie hat gesagt, das musst du zugegeben, dass das Internet gesichert ist.”

“Hat sie gesagt. Aber an deiner Stelle wäre ich beruhigter, hätte sie gesagt, die Postenden im Internet sind sicher.”

“Vor wem?”

“Vor der Geschmackskontrolle einer wie Annegret Kramp-Karrenbauer.”

“Nun frage ich dich, was ist überhaupt noch sicher?”

“Ja, die Postings von der Annegret Kramp-Karrenbauer. Wie deren Humor. Weil wir das verkrampfteste Volk sind, das auf der ganzen Welt herumläuft. Hat sie gesagt, die Annegret Kramp-Karrenbauer, als man sie für deren dümmlichen Witz kritisierte. Der Bernd Stelter hat sich angeschlossen.”

“Meinst du, dieser Comedy-Vertreter, dieser Bernd Stelter, dürfte der eigentlich auch auf Schüler-Demos klampfen und singen?”

“Wenn er keine Doppelnamen dabei verwendet. Oder ‘Friday for Future’ nicht als ‘Effeffeff’ abkürzt.”

“Ja, keine Sorge, das machen doch sicher schon bald andere. Dem Kind den Namen nehmen, damit es harmloser wird. Oder einfach mal nicht auf Argumente eingehen, sondern sich lediglich über Formen entrüsten.”

“Der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat ja auch eine Meinung zu den Schülerdemonstrationen. Diese ‘Fridays for Future’-Demos kritisiert er, weil die Kinder und Jugendlichen während der Schulzeit und nicht in ihrer Freizeit protestieren. Für ihn sei es glaubwürdiger, wenn Schülerinnen und Schüler sich erst nach Schulschluss zu den Demos versammeln und somit ein persönliches Opfer in ihrer Freizeit bringen würden.”

“Naja, immerhin, jedenfalls müssen wir jetzt alle Opfer bringen.”

“Ja, das höre ich immer überall, wir müssen alle Opfer bringen. Kannst du mir mal erklären, wie dieser gequirlter Quark funktionieren soll? Zu einem Opfer gehören doch immer mindestens zwei.”

“Ja, vollkommen richtig, ja, ganz richtig.”

“Einer muss schließlich das Opfer annehmen, sonst hilft die Opferei doch gar nichts. Das Wort ‘Opfer’ stammt doch aus dem Kirchenlatein. Gerade du als alter Humanist müsstest dich doch auskennen. Das Wort entstammt dem Kirchenlateinwort ‘operari’.”

“Jaja, ‘operari’ kenn ich, das heißt so viel wie ‘werktätig sein‘, ‘beschäftigt sein‘, ‘arbeiten‘, ‘wirken‘, ‘verrichten’ , ‘der Gottheit ein Opfer bringen’, ‘dem Gott Almosen spenden’.”

“Da siehst du schon, ‘opfern’ ist von Altersher nur etwas für Werktätige und Arbeiter gewesen. Der Laschet verkennt doch vollkommen die Lage der Schülerinnen und Schüler. Jene können ihm doch noch nichts opfern. Was folgt daraus für NRW und bundesweit? Eben. Hunderschaften vor, Wasserwerfer marsch. Warten wir noch ein Weilchen, dann hören wir auch bald schon wieder jene Sprache, jenes hessische Welsch, das Kauder-Welsch, in der den Anne-Will-Fernsehern wieder der Blutdruck gerade gerückt wird.”

“Vollkommen richtig. Formen waren schon immer wichtiger als der Inhalt. Deshalb regen sich auch so viele so gerne über die niveaulosen Witze des Karnevals auf. Da haben sie was zu erzählen in ihrer stilistischen Leere. Immer eine Meinung. Fishing for compliments.”

“Ja, dass Witze beim Karneval kaum das Niveau vom Fußpilz erreichen, ist doch allgemein bekannt. Da kann man mit derben Verbal-Rundumschläge nicht verlieren.”

“War dir bekannt, dass der verstorbene Großmeister des Deutschen Kabaretts, der Dieter Hildebrand, bereits damals die Tendenz, Karnevals- und Comedywitze zum Zwecke des Witzelns zu analysieren, mit Kaugummi für das unfähige eigene Großhirn verglich? Bestimmte Vertreter davon hat er danach aus seinem ‘Scheibenwischer’ raus gehalten. Nuhr mal so am Rande, falls es dich interessiert. Solches Niveau wollte er nicht.”

“Nein, das war mir nicht bekannt. Wann soll er das denn gesagt haben? Oder hast du dir das aus den Finger gesogen? Aber das stimmt schon. Wer derartige Witze versucht für eigene Witzigkeit zu nutzen, der muss wohl bereits damals in seiner Freizeit für Frieden und Klima demonstriert haben, weil gerade nichts gescheites im Fernseher lief. Kein eigenen Humor, aber anderer Leute Humor Gassi führen wollen. Wer während der Schulzeit demonstriert, macht sowas nicht. Und deswegen wollen die jetzt auch den Schuleschwänzer hurmorlos Strafe aufgebrummen.”

“Nicht nur denen. Das ist doch normal. Denn jetzt werden doch alle zur Kasse gebeten.”

“Jaja, entscheidend ist aber nur, ob man abhebt oder einzahlt.”

“Naja, nächstes Jahr nach Karneval ist wieder Aschermittwoch und dann wird ja alles anders, nicht wahr.”

“Hehehehehe, wovon träumst du eigentlich nachts, mein Bester?”

“Von meinen Postings im Internet.”

“Na, dann Gute Nacht.”

“Gute Nacht.”