Zum Tode des Kabarettisten Richard Rogler (*19.09.1949, + 11.08.2024)

Weisheit zur Weihnacht

„Wenn ein Kind geboren wird, kommt ein Engel und berührt sein Gesicht. Wissen Sie, warum?

Damit es die Wahrheit vergisst, die es im Augenblick der Geburt weiß. Würde das Kind die Wahrheit nicht vergessen, dann wäre sein späteres Leben unerträglich. So heißt es im Talmud.“

Dieser Satz stammt von der Grande Dame des deutschen Kabaretts Lore Lorentz.

T-Shirt gesucht

Zum Muttertag (zwei Tage nach dem Freitag, dem diesjährigen 13. Mai) will ich ein spezielles T-Shirt an eine Bekannte verschenken.

Bei dem T-Shirt handelt es sich um jenes, welches Gerburg Jahnke im nachfolgenden Video trägt.

Für sachdienliche Hinweise in den Kommentaren bin ich sehr dankbar. Weiterlesen

Über das Lachen: Was lachst du? Rosenmontag?

Lachen ist gesund. Gesund Lachen. Lachen. Gesund.

Lachen ohne Humor ist genauso existent wie Humor ohne Lachen. Humor hat mit Lachen nur indirekte Verbindungen. Genauso wie umgekehrt. Die Beweisführung liegt jedes Jahr in den Händen des Aachener Karnevalsvereins mit seinem Orden „Wieder den tiereischen Ernst“. Laachen verboten. Oder in Mainz. Wenn der Karneval beim Sinken lacht. Oder wenn in München die Feierbiester am Faschingsdienstag punkt Mitternacht den Kehraus in Sachen Lachen erleben. Beim Zahlen der eigenen Zeche. Wenn nur noch das Bargeld lacht und am nächsten Tag im Fischbrunnen am Marienplatz der leere Geldbeutel geschwenkt wird. Quod erat demonstrandum.

Lachen kann tödlich sein. Absolut. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Die letzten werden die ersten sein. Wenn dem Menschen dabei das Lachen nicht im Halse stecken bleibt, beim Heraushauen von Plattitüden über das Lachen. Lachen kann tödlich enden. Wie das Leben generell.

Erstrebenswert?

Vor 55 Jahren kam es in einem Landstrich am Viktoriasee im heutigen Tanzania zu einer Lach-Epedemie. In einer Mädchenschule für Zwölf- bis Achtzehnjährige setzte sie ein und führte zu Schulschließungen. Unbeweglichkeit und Inkontinenz bis hin zur Unfähigkeit zum Sprechen und Essen waren die Auswirkungen. Symptome wie Schwindel, Atemnot und Ohnmacht wurden immer zuerst bei heranwachsenden Frauen in christlichen Schulen dokumentiert. Von diesen christlich unterrichteten Frauen sprang der Funke auf Mütter und weibliche Bekannte über. Je intensiver die weiblichen Verbindungen, desto höher die Ansteckungsgefahr. Männer, Väter und andere Lebensabschnittsgefährten waren nie betroffen.

Lachen ist für Frauen lebensbedrohend?

Vor 60 Jahren, 1957, wurde der „lachende Tod“ bereits wissenschaftlich dokumentiert. Aber Beachtung erhielt dieser „lachende Tod“ erst bei der Diskussion um degenerative Hirnerkrankungen wie Alzheimer- und Parkinson-Krankheit Aufmerksamkeit. Der „lachende Tod“ ist eine Prionenkrankheit und wird als „Kuru“ bezeichnet. Festgestellt wurde sie auf Papua-Neuguinea und bei Sansibar. Zurück geführt wurde die Krankheit bei den Menschen von Papua-Neuguinea auf das Verspeisen von toten Stammesangehörigen (Endokanibalismus). Ein Symptom der Krankheit war das unnatürliche Lachen, die Lachkrankheit. Wissenschaftlicherseits wurde festgestellt, dass Männer von dieser Lachkrankheit weniger betroffen waren. Frauen davon um so mehr.

Lachen und Frauen. Eine ungute Verbindung?

Absolut. Bereits Homer hatte vor 2800 Jahren drei nicht enden wollende Gelächter der Götter aufgeschrieben. Jenes unlöschbare Gelächter der Götter, asbestos gelos, benannt nach dem Lachgott Gelos. Bei der ersten Gelegenheit ging es um eine nicht akzeptable sexuelle Affäre der Aphrodite, dann um einen Konflikt der Hera mit ihrem Mann, dem Zeus, und zu guter Letzt ein Gelächter der Freier, ausgelöst von der Athene im Hause Odysseus. Dreimal Frauen, dreimal göttliches Gelächter über jene.

Wesentlich geschlechterneutraler ging es vierhundert Jahre später zu: Plato nahm sich des Lachens an und identifizierte es als staatszersetzend und subversiv. Schadensfreude ist nach Plato Böswilligkeit, welche anderen Schmerz zufügt. Weitere hundert Jahre danach befindet Aristoteles, dass der Witz eine Form der gebildeten Frechheit bis gar Unverschämtheit sei. Lachen allerdings empfindet er als wünschenswert, wobei er ein zu viel des Guten als vulgär und possenreisserisch verurteilt. Lachen als rhetorisches Mittel allerdings befürwortet er zum Zwecke der Überzeugung, der Missbilligung und der Kontrolle.

Vor über 370 Jahren erklärte der Philosoph Decartes, dass das Lachen eine physische Fehlfunktion darstelle. Selbst Hobbes erklärt, dass Lachen einer der schlimmsten Eigenschaften des Menschen zur Steigerung des Selbstgefühls wäre. Lachen ist für ihn ein Zeichen von Hass und Verachtung gegenüber den anderen, den Gegnern.

Das 18. Jahrhundert brachte Philosophen hervor, die das Lachen unterschiedlich beurteilten. Kant sah eine Erklärung zum Lachen in psychosomatische Effekte, nach der Körper und Verstand mittels dem Gefühl in Balance gebracht werden. Hegel  erkannte in dem Lachen eine entäußerte Inkarnation des Inneren. Schopenhauer vertrat die Ansicht der Inkongruenz: Wahrnehmungen einer Sache, Person oder Aktion und deren abstrakten Darstellung wiesen Abgründe auf, die mit dem Lachen überbrückt wurden. Bergson betrachtete das Lachen als ein soziales Regulativ, in welchem die Mitglieder einer Gruppe durch Demütigung zur Einhaltung von Normen gebracht werden.

Andere Philosophen hatten noch weiter gehende Ansichten, aber immer war eines zu erfassen: das Lachen wurde im Zusammenhang mit dem Komischen besonders im Mittelalter als negativ bewertet, weil es dazu diente, Überlegenheit zu zeigen und gesellschaftlich erwünschte Normen zu stabilisieren. Lachen war immer das Störende gegenüber der Vernunft.

Umberto Eco beschrieb dieses in seinem Buch „Der Namen der Rose“. Dort ging es um ein Buch von Aristoteles, in welchem Aristoteles sich mit dem Lachen als Befreiung von Zwängen auseinandersetzte. Lachen als eine Kunst, als eine Philosophie. Im Roman fiel das Buch den Flammen eines gestrengen Klosters zum Opfer.

Nur, wo blieben die Frauen in der Geschichte des Lachens? Sie verbleiben bei der Thales-Anekdote von Plato: ein Denker und Sternendeuter schaut nur nach oben zum Himmel und fällt dabei in ein Loch. Eine Magd, als hübsch und witzig beschrieben, spottet darüber, dass der Denker immer nur nach oben schaute, für das wesentliche zu seinen Füßen aber keinen Blick übrig hatte. Die Magd spielte danach keine weitere Bedeutung mehr bei Plato. Ihr Lachen verhallte ohne großes weiteres Echo bei Platos Betrachtungen.

Frauen und Lachen. Frauen lächeln und lachen zur Konfliktregelung und zur Konfliktvermeidung. Sicherlich dient Lachen zur Stressreduzierung und hat auch einen Anteil an der Prävention von Krankheiten. Frauen lachen situativ und selbstbezogen mit einem Bestreben zum ausgleichenden Humor. Dabei werden Humor und Lachen oft gleichwertig benutzt. Das Lachen selber wird weitgehend als reflexartige und willkürliche Körperreaktion auf empfundene Emotionen definiert. Dabei leitet sich das Wort „Humor“ sprachlich von Körpersäften ( lateinisch von „humores“) ab,  nämlich Schleim, Blut, schwarze und gelbe Galle. Die Auffassung  der Säfte im ausgeglichenen Verhältnis („guter Sinn  für Humor“) im Hinblick auf mögliche Unausgeglichenheit („humorlose Person“) hat sich heutzutage gewandelt. Humor wird als die geistige Fähigkeit der Grenzüberschreitung angesehen, die sich in Lächeln oder Lachen ausdrücken kann. Gelacht wird allerdings auch über das, was eigentlich Angst macht. Somit wird ein inneres Gleichgewicht geschaffen, was verhindert, dass Aggressionen offen ausbrechen können. Lachen als Überdruckventil der eigenen Emotionen.

Von den Weltreligionen Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam sticht das Christentum als die heraus, die sich vom Lachen am weitesten befreit und distanziert hat. Buddha war ein Meister des Lachens. Mohamed hat nachgewiesenermaßen gelacht. Im Alten Testament lachte Gott ein paar Mal lediglich im Buch Genesis, allerdings nicht mit den Menschen sondern über diese. Nur der Jesus des Neuen Testaments wandelt ohne Lachen durch seine Geschichte von Geburt über Kreuzigung bis zu hin zu seiner Auferstehung. Kein Lachen. Kein Lächeln. Nichts. Im Christentum wurde das Lachen eine Eigenschaft des Teufels, weil Lachen die Seele zerstört. Der Ernst war heilig und des Himmels. Lachen symbolisiert dagegen niedrige Weltlichkeit und Sünde. Nur ganz ohne Lachen lebt der Mensch nicht. Weswegen es in gelenkte Bahnen gebracht werden sollte. Bestimmte Zeiträume wurden dem Lachen zur Kanalisierung zugestanden. Der Karneval als Zeitraum des instituierten Lachens. Der Straßenkarneval als Zugeständnis der Belustigung des niederen Menschen und seiner Sündhaftigkeit. Seit den ersten Kapitel der Bibel ist die Ursprung der Sünde bei Menschen schon immer die Frau. Die immer lacht.

Und am Aschermittwoch ist dann alles vorbei, so erklärt der Mann dem „Immer wieder lockt das“-Weib, dass es am Mittwoch Schluss mit Lustig zu sein hat. Die Frau als das verführende Subjekt, jene Unersättliche, die immer das Böse im Manne hervorlockt, der sie darauf mit ewiger Potenz zu bedienen hat. Lachen war das Zeichen der unersättlichen sexuellen Begierde der Frau, das Zeichen der sich unkontrolliert öffnenden und zuschnappenden Vulva der Frau. Und die hatte der Mann unter Kontrolle zu halten. Kastrationsängste.

Lachen? Pygmäen liegen vor Lachen hemmungslos auf dem Boden, während bei den Dobuans in Neuguinea das Lachen als negativ angesehen wird. Für Thais gilt lautes Lachen als vulgär, was in mediterranen Ländern Europas mit erheblichen Unverständnis quittiert wird. Nur noch Kinder und die ärmeren Klassen Mitteleuropas lachen ausgelassen mit dem ganzen Körper. Darum wird Comedy oftmals mit dem angeblichen Humor von Hartz-4-Empfängern gleich gesetzt. Comedy als soziales Zugeständnis an das Lachbedürfnis der Armen. Im Gegensatz dazu wurde Kabarett immer als Spielwiese für Akademiker und anderen Intellektuelle deklariert. Wohlgemerkt, deklariert von vielen Akademikern und Pseudo-Intellektuellen, aber nicht von den Kabarettisten an sich. Wer etwas auf sich hält und nicht mit den Unterschichten einer Gesellschaft in Verbindung gebracht werden möchte, der hält sich von der Comedy und dessen Humor fern. Der spuckt ostentativ auf deren Humor oder was man selber dafür hält, weil man sich selber als etwas besseres beurteilt. Es gibt eine klare Trennung von lustig und nicht lustig, angemessenes und nicht angemessenes Lachen. Das gilt auch für Satire. Und wer diese Trennung nicht akzeptiert, der wird notfalls vors Gericht gebracht. Was gerichtsmäßig verwertbar ist, bleibt unterschiedlich.

Frauen lachen doppelt so häufig wie Männer, Kinder bis zu zehnmal häufiger als Erwachsene. Lautes Lachen bei Frauen gilt jedoch als unschicklich. In deren Pubertät wird es aber gerade noch geduldet. Lautes Lachen hatte schon immer etwas von Rebellion gegen soziale Normen und ist deshalb unerwünscht. Bis in den sechziger Jahren galt lautes Lachen von Frauen in Deutschland noch als Indiz für Wahnsinn oder als eindeutige sexuelle Erklärung. Die weibliche Rolle sieht Bescheidenheit und Passivität vor. Lachen in Anwesenheit von Männern wird auch noch heute als sozial-inkompatibel angesehen. Und je höher der gesellschaftliche Rang der Frau desto weniger wird gelacht. Darum ist die Queen auch nur noch maximal „amused“, aber öffentlich laut gelacht hat sie noch nie.

Bis Aschermittwoch werden im Fernsehen die Aufzeichnungen des diesjährigen Sitzungskarnevals heraus gehauen. Jede freie Minute wird dazu verwendet und kann als Beleg dafür gewertet werden, dass das Lachen in dieser Zeit als männliche Domäne gilt. Frauen haben dort wenig zu suchen. Selbst die Kölner Stunksitzung – ein Überbleibsel eines Karnelvalsansatzes der 80er Jahre, welcher sich als „alternativ“ zum „konventionellen Karneval“ definierte – kommt aus diesem Dilemma nicht raus, selbst wenn dort der Frauenanteil der aktiven Bühnenteilnehmer erheblich über dem der konventionellen Karnelvalssitzungen liegt. Auch dort tankt sich immer wieder das Bild der Frau als „Immer wieder lockt das“-Weib durch. Ein Bild, welches am Aschermittwoch „Schluss mit Lustig“ nach sich zieht.

Beruhigend ist, dass der Karneval  bald vorbei ist und dass dann Frauen auch weiterhin bei beim Lachen der Massen mitwirken werden. Auch wenn es bei einigen Frauen der Humorszenen zu Schmerzen beim Zuhören führt. Aber solange bestimmte männliche Comedians und Pseudo-Kabarettisten versuchen, das Volk zu bespassen, dürfen Frauen ruhig mitmachen. Mit dem Aschermittwoch endet längst noch nicht alles lachhaftes, was so einem zum Schlucken genötigt wird … aber das ist eine andere Geschichte über Kröten, die einem im Halse stecken bleiben …

Synchronizität?

Nicht jede Nachricht erfreut. Selbst die Nachrichten, die man selbst heraus findet, müssen nicht immer freudig sein.

Es war die Zeit der Buchhandlungen, in denen gebrauchter Lesestoff verkauft wurde. Von Comics bis unverdaulichen Wälzern. Meine Suche war zielgerichtet und ich suchte Bücher von Kabarettisten. Und so stieß ich auf ein Buch aus dem Jahre 1976 mit dem Titel „Die Zeit spielt mit – Die Geschichte der Münchner Lach- und Schießgesellschaft“. Es war schon damals gut erhalten und damals erst zwölf Jahre alt. Ich verschlang es. Vor drei Jahren trat der Autor im  „Laden“ auf. Solo-Programm in der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“. Zur Vorstellung hatte ich das Buch mitgebracht, um nach dem Programm eine Widmung von ihm drin zu erhalten. Er sah das Buch, blätterte erfreut ein wenig drin rum und fragte: „Wo haben Sie denn das her?“ Seine Widmung war mir Gold wert. Und sie stand in meinem Regal. Aber wie immer, wenn etwas in einer Wohnung umgeändert wird, kommt manches einstweilen in den Keller. Zur Zwischenlagerung. So auch dieses Buch vor einem dreiviertel Jahr.

Am letzten Sonntag ging ich wieder zu meinem Kellerabteil, um dort etwas hinein zu stellen. Mir fiel ein seltsamer Geruch auf und im schummrigen Licht einer Funzel stellte ich fest, dass es offenbar einen Wassereinbruch gegeben haben musste. Die Kartons zeigten Wasserlinien. Ich räumte aus und schaute mir den Schaden an. Viele Bücher, selbst Tagebücher, Fotos und Dokumente waren verklebt und mit Schimmel überzogen. Darunter  auch jenes Buch „Die Zeit spielt mit – Die Geschichte der Münchner Lach- und Schießgesellschaft“. Es war aber nicht die einzige Rarität, die dem Wasser und Schimmel zum Opfer gefallen war, aber das Buch bedeutete mir sehr viel. Es enthielt die Widmung eines Gründers des legendären Kabarett der Münchner Lach- und Schießgesellschaft des letzten Jahrhunderts.

Heute las ich, das Hans Peter Schreiner vorgestern am Dienstag im Alter von 86 Jahren verstorben ist. Mir blutet das Herz. Erlebte Synchronizität zwischen Entdecken und Erfahren.

Und ein weitere Gedanke schoss mir durch meinem Kopf:

Ich werde alt. Meine Idole sterben …

 


 

von der Internetseite der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ (https://www.lachundschiess.de):

"Es sind nicht immer die Lauten stark,
nur weil sie lautstark sind.
Es gibt so viele, denen das Leben
ganz leise viel echter gelingt"

Konstantin Wecker

Wahlnachlese: DER Kabarett-Höhepunkt im deutschen Fernsehen dieses Jahres

Mal ein kleiner Programmhinweis. Damit nachher niemand sagen kann, er hätte es nicht gewusst.

Am 1. Oktober von 22:25-23:25 gibt es im ZDF eine neue Serie von „Neues aus der Anstalt“.
Gäste bei Urban Priol und Markus Barwasser werden sein:

Georg Schramm
Max Uthoff
Jochen Malmsheimer
Volker Pispers

Es ist wohl definitiv auch die letzte Übertragung von „Neues aus der Anstalt“.
Leider.

Aber dafür hoffentlich eine Stunde mit kabarettistischem Feuerwerk!

Endlich: Stoersender.tv ist "on air"

Störsender.tv hat seine erste Episode ins Netz gestellt.
Neben den kabarettistischen Momenten kommen auch noch ernsthafte Analysen hinzu. Es ist ein Mix, bei dem es sich lohnt, die nächsten Minuten mal vor dem Monitor zu hocken und es sich anzuschauen.

Und zur Beruhigung aller „Störlem Shake„-Schockierten sei gesagt, die ganzen Teile sind frei von jeglichem Konservengelächter und bodenlosem Comedy-Rumgealbere.
Dafür findet sich neben zwei erhellende Meinungen zur Analyse der Finankrise auch kabarettistisches: zum Beispiel H.G. Butzko mit seiner Erzählung über den berühmt berüchtigten Jörg Asmussen (der uns in den Medien immer wieder als Retter der Bankwirtschaft glorifizierend angepriesen wird).

Anschauen.
Es lohnt sich.

Sehenswert.

Auf Anweisung ist zu jubeln …

Während den Aufnahmen
Stoersender.tv ist ein Crowdfounding-Unternehmen, dass binnen kurzer Zeit an die 150.000 Euro Spenden übers Internet zusammengebracht hat. Stoersender.tv tritt mit dem Anspruch an, politisches Kabarett außerhalb der normalen TV-Medien im Internet zu etablieren.
Momentan laufen die Vorbereitungen zu der ersten Internet-Stream-Sendung für Ende März.
Für die ersten „öffentlichen“ Aufnahmen erhielt ich eine Einladung zu den ersten Filmaufnahmen.
Was geschah?
Je länger die Wartezeit auf die Aufnahmen dauerten, desto klarer wurde mir, dass wohl keine Aufnahmen vom eigentlichen Programm stattfinden würden. 50 Statisten waren geladen und so viele waren dann wohl auch in etwa vor Ort. Meine Euphorie verflüchtete sich dann allerdings, als uns erklärt wurde, wozu wir Statisten dienten:
„Stellen Sie sich vor, das ist jetzt die erste Sendung von Stoersender.tv …“
„Stellen Sie sich vor, das ist jetzt die zweite Sendung von Stoersender.tv …“
„Stellen Sie sich vor, das ist jetzt die vierte Sendung nach Ostern …“

Ja, wir waren Staffage. Claqueure. Es wurden mit uns diverse Szenen durchgedreht: Das Publikum ist begeistert. Das Publikum ist gelangweilt. Das Publikum starrt den einsamen Lachenden an. Das Publikum jubelt. Das Publikum gähnt. Das Publikum …
Es wurden Szenen gedreht, die nachher reingeschnitten werden. Und durch meine Kopfbedeckung (siehe mein Avatar) wurde ich urplötzlich zum Mittelpunkt einer Statistenszene („Herr Bismark, Sie haben 200 Jahre nicht gelacht und stellen Sie sich jetzt vor, Sie brechen heute zum ersten mal mit dieser Tradition …). Sollte meine erbärmliche Schauspielkunst des Lachens Gnade vor dem Schnitter finden, werdet Ihr sie im ersten Teil von „Stoersender.tv“ Ende März sehen.
PublikumsstatistDiese Aufnahmen heute sind dann eigentlich auch der Punkt meiner Nachdenklichkeit. Während der normale Fernsehzuschauer von heute „Neues aus der Anstalt“ oder damals „Scheibenwischer“ (oder für die anderen ARD-Einäugigen der „Satiregipfel“) als mehr oder weniger Live-Aufführung im Fernsehen erleben, so wird „Stoersender.tv“ dieses definitiv nicht sein. Immer wieder wurden wir per Anweisungen angehalten, zu jubeln, zu schmollen oder Unmut auszudrücken, so zeichnete es sich klar ab, dass „Stoersender.tv“ eine Internet-Sendung sein wird, die mit Schnitttechnik arbeitet. Und wenn sich dann die Betrachter von „Stoersender.tv“ wundern werden, warum bei bestimmten Sketchen wie wild gejubelt wird, während bei anderen Gags verhalten geklatscht wird, der muss sich mit dem Wissen trösten, dass Schnitttechnik und Satireempfinden der Schnitttechniker (i.e. Regie) den Stream ausmachen wird. Und ich hoffe sehr, dass das Niveau unserer Jubelorgien von heute für die nächsten sechs Sendungen durch den Inhalt eindeutig überboten werden wird. Wir alle haben freiwillig mitgemacht und hatten unseren Spass daran. das steht außer Frage. Aber wir Claqueure wissen heute noch nicht, wo wir morgen hinein geschitten werden. Aber alle waren guter Dinge, dass der Stream besser sein wird, als das was wir ablieferten.

Einer der Höhepunkte für mich war heute dann das Erscheinen des Vaters des Machers der Sendung „Stoersender.tv“. Der Vater von Stefan Hanitsch: Dieter Hanitsch. Bekannt ist erals jener Karikaturist, der in den 80er des letzten Jahrhunderts seine Sternstunden zeichnerisch zelebrierte. Und das nicht nur in der „Süddeutschen Zeitung“ sondern auch in Büchern, unter anderem auch in Zusammenarbeit mit Dieter Hildebrandt. Inzwischen – so sagte mit Dieter Hanitsch auf eine meiner Fragen – ist mit Karikaturen kaum noch ein Buch zu veröffentlichen. Verlage finden sich für Veröffentlichungen kaum.
Schade ist diese nüchterne Antwort schon, denn wer ein Buch von Dieter Hanitsch sein eigen nennt, wird es kaum wieder her geben.
So hatte der Tag bei all unseren gesteuerten Jubelorgien und Buh-Chören für mich doch noch seinen Höhepunkt, dank ihm, den Professor der Karikaturisten: Dieter Hanitsch.

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Und was die ersten 30 Minuten „Stoersender.tv“ Ende März bieten wird, da bin ich sehr gespannt. Dieter Hildebrandt, Markus Barwasser und Sigi Zimmerschmied sollten uns heutige Jubelpriester in alle Schatten stellen.
Hoffentlich.
Ansonsten müsste ich mich für das heutige stark schämen …

Zusatz vom 24.2.2013
Eigentlich nehme ich in meinem Post an, dass ich den Verwendungszweck kenne. Aber ich vermute nur. Denn eigentlich könnten die Aufnahmen auch als Auditorium für den Bundestag angewendet werden. Vielleicht ist die Sendung auch mehr in Richtung „Notizen aus der Provinz“ (war damals eine Sendung ohne Live-Publikum), so dass die Aufnahmen am Samstag für andere Zwecke verwendet werden könnten, als zuerst gedacht. Es ging darum bei uns Publikum bestimmte Reaktionen zu erzeugen und das geht nur mit der Erwartungshaltung und nicht gegen der Erwartungshaltung von uns Publikum.
Ich setze auf die Kreativität des Stoersender.tv-Teams.

Dieter Hildebrandt wirbt für "Stoersender.tv"!

Dieter Hildebrandt kommt zurück.
Ohne jene Bedürfnissanstalten, öffentlicher- und privaterseits.
Anschauen!

Dieter Hildebrandt als Crowdfondsmanager from stoersender.tv on Vimeo.

Georg Schramm im TV: Meister Yodas Ende – Über die Zweckentfremdung der Demenz

Für alle Fans des genialen Georg Schramm und seinen Kunstfiguren im Kabarett

Georg Schramms neustes Programm „Meister Yodas Ende – Über die Zweckentfremdung der Demenz“ wird demnächst im Fernsehen ausgestrahlt.

Es beginnt im Fernsehkanal „ZDFkultur“.
13. September: 20:15 – 21:45 / 14. September: 02:55 – 04:25 / 14. September: 09:15 – 10:45

Weiter geht es in „3SAT“
25. September: 22:30 – 23:15

Und zu guter Letzt werden alle nochmals bedient, die es bis dahin immer noch nicht geschafft hatten sich das grandiose und zugleich feinsinnig gestrickte Programm von Georg Schramm anzuschauen:
01. Oktober: als Bestandteil der „Lange Nacht der Kleinkunst“ im „ZDF“ von 00:50 bis 04:40

In der letzt genannten Sendung treten dann auch noch Volker Pispers & Gäste und auch noch Hagen Rether mit einem 2011-Update zu seinem Programm „Liebe“ (hoffentlich ohne permanent erhobenen moralischen Zeigefinger, wie letztens bei Hagen Rether leider oft fest zu stellen)

Tipp für alle, die sich das ganze digital aufnehmen möchten, aber keinen Rekorder zu Hause stehen haben:
„Bong.TV“ bietet einen kostenlosen, einwöchigen Account, über den sich Fernsehprogramme (sogar in HD!) aufzeichnen und nachher herunter laden lassen. Einfach rechtzeitig dort anmelden, aufzeichnen und später anschauen. Bong.TV bietet zwar „ZDFkultur“ nicht an, aber „3SAT“ und „ZDF“ sind dort zur Aufnahme programmierbar. Internetadresse ist bong.tv (einfach als url eingeben).

Zweimal Damokles, zwei Epigramme, ein Gedanke

Werner Finck (1945)

Am seid’nen Faden hing ein Schwert,
Sich auf mein Haupt zu laden.
Glaubt ihr, dass mich das Schwert gestört?
Mich schreckte nur der Faden.

Erich Kästner (1945)

Schau prüfend deckenwärts!
Die Nähe des möglichen Schadens
Liegt nicht in der Schärfe des Schwerts,
Vielmehr in der Dünne des Fadens.

Schnellbucher ohne Rabatt

»Ich hatte aber eine Bestätigungsmail erhalten, dass meine Reservierung angenommen worden sei.«
»Wir haben an dem Abend über 1000 Anfragen erhalten. So schnell konnten wir gar nicht auf ‚Ausverkauft« aktualisieren, so wie die Reservierungsmails einprasselten.«
»Ich habe aber eine Reservierung-Bestätigungsmail erhalten. Und meinen Geschäftspartnern habe ich auch schon für den Abend zugesagt. Und heute Morgen erhielt ich dann die Absage. Was soll ich denen jetzt sagen?«

Ich stand in der gemeinsamen Vorverkaufsstelle der »Münchener Lach- und Schießgesellschaft« und des »Lustspielhauses« und wollte nur zwei Abendkarten für eine Aufführung am Wochenende einkaufen. Übers Internet wäre die Vorreservierung auch möglich gewesen. Aber manchmal bin ich altmodisch und will die Karten schon vorher in meinen Händen halten. Der Mann schaute die Frau ärgerlich an und die Frau hinter ihrem Tisch schaute den Mann hilflos an. Er hatte seinen Geschäftspartnern offenbar einen Abend in der »Münchener Lach- und Schießgesellschaft« mit Dieter Hildebrandts Soloprogramm versprochen und war dabei, diesen gegenüber das Gesicht zu verlieren.

44 Euro wechselten den Besitzer und ich erhielt meine beiden begehrten Eintrittkarten. Offenbar scheint jener Künstler nicht so viele Menschen zu interessieren, obwohl er bislang regelmäßiger und stürmisch gefeierter Gast der ZDF-Kabarettsendung »Neues aus der Anstalt« war.

Apropos »Neues aus der Anstalt«:
Am 1. September um Mitternacht begann der Vorverkauf für die 37. Folge von »Neues aus der Anstalt« am 19. Oktober im Münchener ARRI Kino. Nachdem Georg Schramm aus der Sendung ausgeschieden ist, um sich seinem Soloprogramm »Meister Yodas Ende« zu widmen, tritt Urban Priol mit Frank-Markus Barwasser (alias »Erwin Pelzig«) auf. Wie war Georg Schramms Reaktion auf die Auswahl von Barwasser als dessen Nachfolger?

»Ich begrüße es ausdrücklich, dass Herr Pelzig zukünftig in der ZDF-Anstalt versuchen wird, die zweifelhafte Autorität von Herrn Priol als Stationsleiter in Frage zu stellen. Ich habe ihn als einen Mann mit beträchtlichem Quälpotential ohne jegliche Bereitschaft zur Unterordnung kennen und schätzen gelernt. Ein Glücksgriff für die Anstalt. Herr Priol wird sich noch wundern.«

(Quelle: ZDF und Lustspielhaus.de)

Ich fragte nach, wie hoch die Chancen auf eine Internetbuchung für dessen Vorpremiere und für die Liveübertragung selber gewesen seien.

»Alle Karten waren bereits nach eineinhalb Minuten ausverkauft. Da kamen Bestellungen aus Frankfurt, Mainz, Hamburg, Berlin. Da will jeder dabei sein,« beantwortete sie meine Frage und kam meiner nächsten Frage gleich zuvor. »Aber vor der Live-Aufführung gehen manchmal immer wieder zwei, drei Karten an die Kasse zurück. Das ZDF hat ein festes Kontingent von 50 Karten für Sondergäste. Und immer wieder kommen nicht alle von diesen Gästen. Diese Karten gibt es dann an der Abendkasse zu 20 Euro das Stück.«
»Und wenn keine zurückgegeben werden?«
»Dann verpassen Sie die Übertragung im Fernsehen.«

Ein Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen. Ich verstaute meine Karten in meinem Portemonnaie und verabschiedete mich.
Mein nächster Termin war für mich jetzt erst einmal fix, da bezahlt:
Samstag, 4.9.2010, 20:30 Uhr (also heute Abend).
Jochen Malmsheimer mit seinem Programm »Flieg Fisch, lies und gesunde«

Das wird ein Spass.

Und an dieser Stelle zum Vormerken:
19. Oktober 2010
22:15 Uhr im ZDF
»Neues aus der Anstalt«
mit Urban Priol und Frank-Markus Barwasser (alias »Erwin Pelzig«)
Gäste: Helmut Schleich, Andreas Rebers und Jürgen Becker.

Klaus Peter Schreiner

Er war und ist der Mann der „Münchener Lach- und Schießgesellschaft“, welcher Texte für die verschiedenen Hausensemble der „Lach und Schieß“ von den 50er ab bis in die Gegenwart hinein schrieb und auch noch schreibt. Bis 1998 wirkte er „lediglich“ als Autor der Hausensemble mit. 1999 trat er dann selber mit dem „Lach und Schieß“-Hausensemble auf der Bühne auf. Inzwischen hat er sein eigenes Solo-Programm, in der er u.a.a. die alten (aber nicht minder aktuellen) Texte seines Kabarettlebens präsentiert.
Er ist der unumstrittene Grandseigneur des politischen Kabaretts Deutschlands. Der Mann der leisen Zwischentöne. Ein Meister des feinen sprachlichen Floretts im politischen Kabarett.
Mit Dieter Hildebrandt hat er nicht nur die Vergangenheit als Autor der „Münchener Lach- und Schießgesellschaft“ gemein, sondern auch das hohe Alter. Klaus Peter Schreiner ist 80, Dieter Hildebrandt 82. Und beide stehen noch aktiv auf der Bühne der „Münchener Lach- und Schießgesellschaft“ mit ihren politischen Kabarett-Solo-Programmen.

À la bonne heure!

Klaus_Peter_Schreiner

Klaus Peter Schreiners Internetseite: hier

Georg Schramm und seine anderen Egos

»Georg Schramm gibt es nicht.«
»Auf der Bühne existiert er nicht.«
Georg Schramm

Der Name »Georg Schramm« ist seit der ZDF-Kabarett-Sendung »Neues aus der Anstalt« für viele Menschen in Deutschland ein Begriff. Bekannter als er selber sind aber inzwischen seine Spielfiguren: Lothar Dombrowski, Oberstleutnant Sanftleben, der alte Sozialdemokrat August und die rheinische Frohnatur des Pharmareferenten.
Wer aber ist Georg Schramm selber?
Lothar Dombrowski schrieb dazu in seinem Buch »Lassen Sie es mich so sagen … Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit«:

»Ich habe all die Jahre Georg Schramm als Pseudonym benutzt, seine Vita erfunden. Er der Offizier Sanftleben und der alte Sozialdemokrat August sind Spielfiguren, Abspaltungen meiner Person, … . Im realen Leben gibt es nur mich, Lothar Dombrowski, …«

Es verwirrt.
Der Name »Lothar Dombrowski« an sich ist schon länger ein Begriff als der Name »Georg Schramm«. »Lothar Dombrowski« war ein ehemaliger Sprecher der »Tagesschau« (s.a. Bild links).
Aber wer ist jener »Lothar Dombrowski«, dessen Name von jenem Tagesschau-Sprecher entlehnt wurde und den Sprecher vergessen lässt?
Wer ist Georg Schramm?

Georg SchrammWer die Auftritte des unfreundlichen Lothar Dombrowski in der ZDF-Kabarett-Sendung »Neues aus der Anstalt« oder auch von Georgs Schramms letzten Programms »Thomas Bernhard hätte geschossen« her kennt, der gerät leicht in die Gefahr, diese Spielfigur mit der Person Georg Schramm gleich zu setzen.

Wer ist der Georg Schramm also? Hierzu findet sich viel Geschriebenes im Internet. Und es finden sich viele Videos über Georg Schramms Spielfiguren, sei es in der ZDF-Mediathek, sei es bei podcast.de oder bei YouTube.

Durch Zufall traf ich hierbei auf eine Sendung vom Deutschlandfunk aus dem Jahr 2008. Im Programm »Zwischentöne« hat Joachim Scholl mit Georg Schramm an die 90 Minuten ein lockeres Gespräch geführt: über die Figuren des Lothar Dombrowskis, des Oberstleutnants Sanftleben und des Sozialdemokraten August, über Georg Schramms vorherigen Programms »Thomas Bernhard hätte geschossen« und über die Sendung »Neues aus der Anstalt«.
Der Deutschlandfunk bietet dieses Gespräch noch immer in zwei Teilen zum Download im mp3-Format an:

Teil 1
Teil 2
Playlist

Es lohnt, sich die 1 ½ Stunden Zeit zu nehmen und hinein zu hören.
Es macht Lust auf Georg Schramms neues Programm »MEISTER YODAS ENDE – Über die Zweckentfremdung der Demenz« und tröstet auch darüber hinweg, dass Georg Schramm zum letzten Mal mit Urban Priol in drei Tagen am Dienstag, den 8-Juni-2010, in »Neues aus der Anstalt« auftreten wird (22:15 Uhr, ZDF; Gäste: Frank Markus Barwasser, Monika Gruber und Jochen Malmsheimer).

Bürgers Geld gegenfinanziert ohne Steuererhöhungen

In seinem Programm „Thomas Bernhard hätte geschossen“ stellte Georg Schramm ein Konjunkturprogramm vor, welches beeindruckend einfach erscheint. Georg Schramms Bühnenfigur des Seminarleiters erklärte dieses Konzept mit dem Charme „gegenfinanziert ohne Steuererhöhungen“ und „garantierte Stütze der Wirtschaft“.

Basis dieses Konjunkturprogramms ist 1/3 der deutschen Bevölkerung. Dieser Bevölkerungsanteil zahlt keine Steuern, weil dieser zu jung oder zu alt ist oder auch zu wenig verdient. Diesem Bevölkerungsanteil Geld zu geben, würde bedeuten, dass sie es nicht sparen sondern sofort konsumieren würden. Also kommt diesem Anteil ein erheblicher potentieller, konsumtreibender Faktor zu: die wirtschaftliche Kurbel zum Hochdrehen der hustenden Binnennachfrage.

Momentan haben wir 6 Millionen potentielle Wirtschaftsimpulsgeber, die von Hartz IV leben. Wohlgemerkt, es sind Hartz IV-Empfänger und keine Arbeitslosen. Denn Arbeitslose sind nochmals 4 Millionen. Das macht also alles zusammen ein Potential von 10 Millionen Menschen.

350 Euro als Hartz IV-Satz sind für diese Wirtschaftwachstum-Ankurbler im Augenblick knallhart kalkuliert. Damit ist er gerade unterhalb jeder Fähigkeit, irgendeine private Anlagen zu tätigen oder auf Demos zu reisen. Aber immer noch gerade über der Hungergrenze. Wenn 50 Euro davon in den Einzelhandel gehen, dann ist das schon wirtschaftlich positivistisch dargestellt.

Daher machte Schramms Bühnenfigur die folgende Rechnung auf:
Jene 6 Millionen Hartz-IV’ler kosten dem Steuerzahler bis zu deren Ableben hochgerechnet

– 700 Euro Hartz IV inkl. Zuschüsse und Verwaltungskosten
– 1200 Euro monatlich durchschnittlich vom 55 Lebensjahr ab an wegen Gesundheit, Sozialem und Rente (das 55. Lebensjahr ist das statistische Jahr, wo der Bürger mehr kostet, als er dem Staate einbringt laut einer Studie der Deutschen Bank).

Damit ergeben sich rechnerisch 600.000 Euro vom 55. Lebensjahr bis zum statistischen Tode im 80. Lebensjahr. Also 600.000 Euro, die der Staat für seinen Bürger vom 55. Lebensjahr bis zum Sterbealter von 80 Jahren investieren muss. Von dieser Summe gehen dabei kaum mehr als 6% in den Einzelhandel, was zu wenig für einen wirtschaftlichen Aufschwung oder gar wirtschaftliche Stützung ist.
6% sind eine schlechte Rendite. Georg Schramms Bühnenfigur bemerkte folgerichtig, dass für so eine Rendite ein Ackermann morgens nicht mal aufstehen würde.

Würden allerdings einem 25-jährigen Jugendlichen monatlich 1666 Euro (Brutto = Netto) in die Hand gedrückt werden und dieses für die Dauer von 30 Jahren, dann könnte man damit rechnen, dass monatlich 1000 Euro als Konsum in den Einzelhandel in die Wirtschaft einfließen. Hieraus ergäbe sich eine traumhafte Rendite von 60 %. Die Ackermanns dieser Welt wären begeistert. Die Wirtschaft erhielte einen Wachstumsschub von mehr als 1,5 %. Der Einzelhandel würde aufblühen. Die jetzige Krise wäre nur eine Wirtschaftsflaute. Darüber hinaus stände zu erwarten, dass vermehrt Arbeitsplätze durch die Konsumsteigerung geschaffen würden.
Ja, selbst wenn der Jugendliche es wegen der 1.666 Euro nicht wirklich bräuchte, er könnte auch arbeiten. Er braucht es aber nicht. Denn es soll ja die Aufgabe des Jugendlichen sein, mit seinen 1.666 Euro mindestens 1.000 Euro als Konsum in den Einzelhandel zu hinterlassen.

Nun, Voraussetzung – so Georg Schramms Bühnenfigur – für den Erhalt der monatlichen 1.666 Euro ist dann allerdings die Erfüllung einer einzigen Bedingung:

Das sozialverträgliche Ableben.

Mit 55 Jahren würde der ehemalig Jugendliche zwangsverpflichtet, nach seinem erfüllten Konsumentenleben im Kreise der Seinen glücklich und zufrieden abzuleben. Somit wäre dann auch sicher gestellt, dass dieser dann nicht noch mehr als die jetzigen 600.000 statistischen Euro in Anspruch nähme.

Und – wenn wir mal ehrlich sind – 30 Jahre subventioniertes Leben, da kann man auch schon mal auf das statistische Lebensalter von 80 Jahren verzichten. Insbesondere wenn verglichen wird, dass in dem einem Modell die Blütezeit des Lebens 30 Jahre lang genossen werden kann, während in dem jetzigen Modell nur schmuddeliger Herbst und garstiger Winter des Lebens erlebt werden können.

So hat die ganze Gesellschaft etwas davon: Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze und keine Vergreisung der Gesellschaft. Dem demografischen Faktor bräuchten wir nicht mehr unsere „German Angst“ entgegen zu setzen.

Jetzt aber zum wirklichen Leben, dem knallharten, und raus aus dem Kabarett-Programm:
Jemand aus der FDP muss bei Georg Schramms zynischer Präsentation fleißig mitgeschrieben haben. Ein ganz besonders Aufmerksamer wird es wohl gewesen sein. Und der hat errechnet, dass die monatliche Summe 662 Euro sein müsse. Also 1.004 Euro weniger. Das Geld, was die Schramm’sche Bühnenfigur des Seminarleiters in den Einzelhandel zur Wirtschaftsankurbelung einfließen lassen wollte, das hat der Mitschreiber einfach mal gestrichen. Das passte nicht zum FDP-Slogan „Ihre Arbeit muss sich wieder lohnen“.
Und die 662 Euro nennt die FDP nun auch nicht etwa „Harz 5“ sondern schlichtweg „Bürgergeld“. Eine pauschale Kopfsumme unabhängig von Wohnort und Lebenssituation.

Interessanterweise soll hierbei gleich das Finanzamt alles regeln. Das hat freilich eine gewisse Logik, denn so wird der Bürger in seinem wirtschaftlichem Leben erheblich transparenter. Gläsener. Das entspricht zwar nicht den Versprechen des FDP-Wahlprogramms, welches die Bürger von mehr staatlicher Überwachung schützen will. Aber bei einem Versprechen kann es sich auch mal um ein Versprecher handeln. Wahllüge wäre an dieser Stelle ein gar garstiges Wort.

Nun, die 1.000 Euro, die der aufmerksame FDP’ler gleich beim Plagieren von Schramms Konzept gestrichen hat, entsprechen 72 Milliarden Euro pro Jahr. Das mag viel erscheinen, aber in diesem Jahr haben wir uns doch inzwischen an wesentlich größere Zahlen gewöhnt.

Nur eines hat die FDP bei ihrem Bürgergeld noch nicht erklärt: ab wann der Bürger sozialverträglich ableben muss, wenn er das Bürgergeld erhält. Möglicherweise ist das bei Einführung des Bürgergeldes aber eh völlig egal.
Sollte ein Arzt einem BmBB (Bürger mit Bürgergeld-Bezug) irgendwann mal erklären, er habe eine tödliche Krankheit und daher nur noch 4 Monate zu leben, dann kommt sowieso der entsetzte Ausruf:

„Ja, wovon denn?“

Thomas Bernhard hätte geschossen. Aber er hat geschossen

Es gibt derzeit wohl keine intensivere Kabarett-Erfahrung, als ein Besuch bei Georg Schramms Kabarettstück „Thomas Bernhard hätte geschossen“.

Georg Schramm spielt in seinem Stück vier Rollen:
Die des Rentners „Lothar Dombrowski“, „Oberstleutnant Sanftleben“, der alte hessische Sozialdemokrat und Drucker „August“, dann noch ein Wartezimmerpatient und im ersten Teil den Moderator.

Es fängt eigentlich wie ein Vortrag (vom Moderator) an. Jemand will dem Zuschauer, die Lösung der Weltwirtschaftskrise und die Belebung der Innenkonjunktur präsentieren. Und die Zuschauer steigen drauf ein. Saßen wir nicht in einer Kabarettveranstaltung? Georg Schramm benutzt genau die Mittel, die wir von den Heizdeckenverkäufern auf den Verkaufsfahrten kennen. Verwischt die Realität oder holt sie das Kabarettpublikum ein? Und wenn dann der Oberstleutnant Sanftleben referiert, ist das nicht die Normalität, die aus dieser Rolle spricht? Diese beißende Realität? Und dann kommt zum ersten Mal der Rentner Lothar Dombrowski und es wird heftig. Die Wut spricht. Doch nur gebremst, der Moderator fängt alles ab und entlässt das Publikum in die Pause. Der Kabarettist Georg Schramm zieht ein Jacket an, und das völlig schweissdurchnässte blaueHemd verschwindet darunter.

Der zweite Teil legt dann an Bissigkeit und Tempo zu. Georg Schramm kalauert nicht, Georg Schramm lässt seine Figuren sprechen insbesondere den Rentner Lothar Dombrowski. Er stellt dort Zusammenhänge her, dass das Lachen schmerzt. Aber auch hinderlich ist, denn es unterbricht die Gedankengänge und erzeugt nur mehr Brüche, die der Rentner dann bearbeitet. Es ist schwierig zu erklären, was er genau sagt. Eine verständige Zusammenfassung würde sich kaum vom Vortrag unterscheiden.

Georg Schramm schreit seine Wut förmlich heraus. Und das Publikum hört atemlos zu. Und die erste Reihe deckt ihre Rotweingläser ab. Georg Schramm hält keine trockene Reden.

Und erst am Schluss kommt dann Thomas Bernhard ins Spiel. Aber Thomas Bernhard hat mit Georg Schramms Stück nicht viele Überschneidungen. Thomas Bernhard hätte geschossen, Georg Schramm hat es getan.

Georg Schramm

Auf dem Weg nach Hause fiel mir ein Lied von der Grande Dame des deutschen Kabaretts, Lore Lorentz, ein.
„Die Wut ist jung“ …
Dieses Lied passt zu und auf Georg Schramm.

Die Wut ist jung,
so können die nicht mit mir verfahren.
Ich schenke denen nach all den Jahren,
doch nicht mein Schweigen.
Die Wut ist jung,
doch können die mich nicht überhören.
Ich kann die Zerstörer nicht zerstören,
doch auf sie zeigen.

Ja, ich bin müde
und wissen Sie, bin auch noch prüde und teufelsolide,
dem Wohlleben gerne ergeben.
Doch ich kann schrein und spein
und und gar nichts verzeihn,
denn es geht wieder einmal ums Leben.

Die Wut ist jung,
und ich habe kein Lust,
verstummt zu zittern.
bloß werd ich nicht verbittern
Ich kann auch hassen.
Die Wut ist jung
Ich kann das Warum und das Weswegen
auch nicht mal meinen Freunden und Kollegen
ganz überlassen.
Ausschnitt, Text: Werner Schneyder

Meine Empfehlung: Reingehen und scharf aufpassen, dann wird auch nicht die Hälfte beim lachen überhört …

Religion ist, wenn man trotzdem stirbt

Regenzeit in München.
Bindfäden ergießen sich aus Kübeln, als ob der Siebenschläfer am 27. Juni sieben Woche Dürre verkünden wird.
Ein typischer Novembertag.
Grau.
Regnerisch.
Trist.
Beerdigungswetter.
Mitten im Jahr. Fast Ende Juni. Vorgestern hatte der Sommer begonnen. Und von nun ab geht’s bergab. Der Winter ist im Anmarsch.

Wie schrieb schon Paulus in seinen ersten Brief an die Korinther?
„Der Sommer ist verschlungen vom Sieg. Sommer, wo ist dein Sieg? Hitze, wo ist dein Stachel?“
Hm? Hat der so gar nicht gesagt? Falsche Übersetzung?

Genau! Weg mit falschen Übersetzungen! Hin zu neuen Erklärungen!
Also, hin und weg zu einem ehemaligen Grafiker der kölschen Firma „4711“. Hin zu Mythen in Tüten. Ja, was glauben Sie denn?

Was? Na, ich zum Beispiel mit einem einfachen Handy den eigenen Fotoapparat ersetzen zu können.

juergenbecker

Das ganze Foto hat schon ein wenig „BILD-Reporter“-Charakter. Die Qualität ist auf alle Fälle dementsprechend. BILD-Zeitungsmässig. Man möge mir großzügig verzeihen und vergeben. Und es zum Vergrößern anklicken.

Und was sieht man nun auf dem verrauschten Foto?
Jürgen Becker mit einem Kölsch-Kranz voller Sion-Kölschstangen. Die hat er kostenlos seinen Gästen von seinem Kabarett-Programm „Ja, was glauben Sie denn?“ serviert. Mit Kölscher Hintergrundmusik.
Da kam aber Freude auf. Mitten im Herzen Bayerns. Der Weltstadt mit Herz. Da, wo man Bayern nie das Wasser reichen darf.

Wie meinte Jürgen Becker, als er mit den ersten beiden Kölsch-Kränzen wieder hinter der Bühne hervorkam?

„Langen Sie ruhig zu, hier können Sie Ihren Eintrittspreis wieder raussaufen.“

Jawohl, Herr Becker. Hab ich gemacht, Herr Becker. Vom vielen Lachen war meine Kehle auch schon ganz trocken geworden.
Im Herzen von Weißbier und „Laß dir raten, trinke Spaten“. Ein Kölsch in einem echt bayrischem Lokal zu trinken, das hat was. Vergleichbar ist das ganze damit, ein Kölsch an der längsten Theke der Welt in D-Dorf-Stadt zu verschnabulieren und dann leise vor sich hin zu singen:

Trinke die Freude, denn heut ist heut
Das was gefreut, hat noch nie gereut
Fülle mit Leichtsinn dir den Pokal
Karneval Karneval
Hast du zum Küssen Gelegenheit
Mensch dann geh ran mit Verwegenheit
Sage nicht nein, wenn das Glück dir winkt
Bald das Finale erklingt
Am Aschermittwoch ist alles vorbei …

Text: Hans Jonen
Musik: Jupp Schmitz

Wer Jürgen Becker demnächst in seiner Nähe sehen kann, meine Empfehlung: UNBEDINGT REINGEHEN!

In seinem Programm geht es um Humor, Evolution und die drei abrahamitischen Religionen. Und das ganze hochphilosphisch verstrickt, untermauert und dann abgesegnet.

Oder wie Jürgen Becker es ausgedrückt hat:

Humor ist wenn man trotzdem lacht.
Philosophie ist, wenn man trotzdem denkt.
Religion ist, wenn man trotzdem stirbt.

"Bis hierher und weiter"

Ein Wahnsinnsabend.
2x 90 Minuten plus 20 Minuten Pause.
Nein, kein Fußball, sondern ein Kabarett-Abend mit Bruno Jonas.
Eine absolute Empfehlung von mir.
BrunoJonas

Thomas Bernhard hätte geschossen!

Von Georg Schramm über Dieter Hildebrandt für Prinz Rupi.
Ein passendes Video zu Thomas Bernhard von YouTube.com .