Komm zu mir

Komm mir nicht zu nahe. Aber bleibe nicht zu weit weg. Denke dran, alle elf Minuten verliebt sich ein Internet-Dater. Und alle zwölf Minuten wird ein Internet-Hating wegen Ghostings der Nicht-Antwort geboren.

Internet-Dater

Internet-Hater.

Internet-Dater

Internet-Hater.

Kommst du nicht zu mir, kommen wir zu dir. Influencer. Tictoc. Tictoc. Tictoc. Knock, knock. Who is there?

Leaf.

Leaf who?

Leaf me alone.

Das versteht kein Deutscher.Warum auch? Klopfen ist lautmalerisch.

Knock, knock, who is there?

Maradona?

Hand of God.

Give it back.

Mission fullfilled.

Geht nicht. Verstorben erst vorgestern. Herzinfarkt.

Mist! Echt jetzt? Nur ein “Verstorben erst vorgestern. Herzinfarkt”? Hast du nicht 36 Jahre zuvor am 4:3-Monitor gehangen und ihn bestaunt, du Sack? Und jetzt nur ein “Mission fullfilled”? Diego? Maradona? Fernsehstar der Fußball-Übertragungen?

Wer sonst nicht? Schlägt er nicht in deiner Magengrube als postmoderner Gangsterjogger Europas? Ist zwar schon 30 Jahre her. Aber biste kein ‘Okay-Boomer’ mehr? Die Jugend interessiert sich für Maradona weniger.

Egal.

Alle Boomer sind heuer eh Kandidaten für Schlaganfall und Herzinfarkt. Ist es besser mit 80 zu sterben? Oder mit einem Glas Schaumwein in der Rechten beim sexuellen Erlebnis? Katholisch, evangelisch, protestantisch, christlich, moslemisch? Oder evtl. atheistisch lustvoll?

Lautstarke Gegenposition. Unbedeutende, aber lautstarke Minderheit:

“Hallo? ‘It-Girl’? Hallo? Das ist wie ‘Sexworker’, aka wie ‘Hure’, wie ‘Nutte’, wie ‘Untergang des Abendlandes’, wie ‘das können wir noch eventuell in Unterausschüssen über minder schwere Verfehlungen’ erörtern und aburteilen. Aber bitte die aktuellen etablierten It-Girls der aktuellen Live- Camps berücksichtigen, okay.”

Ich grüble. Aus meinen Lausprechern erklingt Rammstein (ohne dich). Ich fixiere die Tastatur vor mir und deren einzelne Buchstaben. Rechtschreibung ist in der heutigen Zeit so imminent wichtig. Es kann in der Covid-19-Situation den Unterschied zwischen unglaubwürdige Systemopportunisten und Demokratie-Lügnern bei Querdenkern erklären. Die achten auf alle Signale, selbst die vom Himmel.

Ich atme durch. Unbegründet. Weil alle Argumentationen noch nicht durchanalysiert.

Mein Kühlschrank ist auf meinem Weg und ich kontrolliere zuvor meine Corona-App. Zwei Treffer. Aber ohne Besorgnis für mich. Es waren wohl Supermarkt-Begegnungen. Oder in der Weinhandlung, wo mir eh keiner näher als eine Armlänge kam.

Ich schau aus dem Fenster. Es ist fast 3 Uhr Nachts. Was glaubt ihr, was ich sehen könne?

Nichts.

Nullinger.

Nada.

Niente.

Niet.

Careca allein zu Haus.

Wen interessieren in der Situation noch Eierlikör-Rezepte, deren Ergebnisse der Autor selber kurz danach weggeschlürft hat? Ist anonym-gebloggter Alkoholismus gesellschaftsfähig? Oder wollt ihr BiVies eure Kinder so etwas unreines überhaupt lesen lassen?

Hasta la Vista.

The Masked Singer (Eggnog-reloaded)

Statistischer Statikstatistiker in der künstlerischen Kunstkinetikdynamisierungskreativwerkstatt bei Kaatsheuvel in den Niederlanden. Das liegt in der Nähe von Efteling, dem bekannten Vergnügungspark mit Fahrgeschäften mit Märchenthema, Achterbahnen aus Holz, Wasserfontänen und Lichtshow. Damit war eigentlich alles über ihn gesagt. Wenn er sich so in den Kneipen bei einem Bier anderen Kneipengängern vorstellte, dann war die Reaktion immer die Gleiche:

“Efteling! Ja, da war ich mal, als keines Kind mit meinen Eltern. Toller Freizeitpark. Fast so schön wie ‘Phantasialand’ oder ‘Europapark Rust’. Aber Efteling ist einzigartig. Efteling halt. Frikandel Spezial dort, das war da immer ganz toll!”

Er war immer erstaunt, dass Efteling zusammen mit ‘Phantasialand’ oder ‘Europapark Rust’ in einem Satz verwendet wurde. Die Leute waren in ihrer Kindheit schon viel rumgekommen, so schien es. Mobile Eltern mit ganz viel Freizeit in Bayern. Ein allgemeines Luxusgut der Bayern. Die sind immer so mobil, dass es manch einem bayrischen Ministerpräsidenten der Gegenwart beim Gedanken daran unheimlich wird, eingedenk des Tourismus der Bayern im eigenen Bundesland.

Naja, es wurde nicht nur ‘Frikandel’ genannt. Alternativ zu ‘Frikandel’ waren auch immer wieder Poffertjes mit Puderzucker, Zuckerwatte, Pommes rot-weiß-gelb oder der Gauda von Frau Antje im Munde der Gesprächspartner.

Oder irgend manch einer fühlte sich berufen, originell zu erscheinen, und meinte flapsig guttural:

“Ercht? Chrolland? Chrrrudiekarell!”

Dann haute er immer nur seine Antwort als Gegenfrage raus: “Miereneuken?”

Die befragte Person war dann generell sichtlich ratlos: “Miereneuken?”

Worauf er dann provozierend lässig zurück gab: “Neuken in de Keuken, ne.”

Dann war Stille. Schicht im Schacht. Ruhe im Karton. Und er war wieder mit sich alleine. Und keiner kannte noch immer nicht seinen Namen. Aber es ging manches mal weiter:

“Trinkt ihr eigentlich noch immer Heineken? In Holland?”

“Immer zur EM und WM. Ehrlich. Da sind wir konsequent. Und wenn wir mal nicht dabei sind, dann Grolsch.”

“Ich mag deinen Holländischen Akzent. Er hört sich an wie …”

“Chrrrudiekarell?”

“Nein, eher wie Coffeeshop. Sag mal, haste was dabei?”

“Kriegst hier kostenlos nur auf Drogenfahnderausweis. Ohne kostet es dich die Freiheit.”

“Wieso?”

“Miereneuken?”

Somit war endgültig mit der Konversation Schicht im Schacht. Niemand fragte nach seinen Namen. Alle wollten immer nur standardmäßig wissen “Und? Was machst du so?” Dann sang er ungefragt sein Lied hinter seiner Phrasen-Maske. Und jeder hörte ihm zu, ohne je seinen Namen zu erfragen.

Bis zu dem Tag, wo sie neben ihm stand. Er hatte wieder sein Provozierendes “Neuken in de Keuken, ne” zurück gegeben, worauf sie ihn kühl und gleichzeitig lauernd lasziv von oben bis unten musterte:

“8 Eier, ne.”

“Wie meinst du?”, fragte er etwas positiv irritiert.

“Vanille-Zucker. Ein oder zwei Päckchen, damit es richtig lecker nachher der Kehle runterläuft”, hauchte sie ihm leicht entspannt vorgebeugt ins Ohr, „ja, dann noch 250 Gramm Puderzucker für die acht Eier. Aber nur für das Gelbe vom Ei. Eiklar braucht keiner, wird vollkommen überschätzt. Eiklar kann jeder Hansel. Nur die Wahren verstehen sich auf die Konzentration auf das Wichtige. Auf das Gelbe der Eier, nicht wahr. Und das entscheidende dabei ist doch, diese acht Eigelbe der Eier locker mit aller Liebe aus der rechten Hand schaumig zu schlagen. Das ist alleinige die wahre Kunst.”

Ihr Blick wanderte von seinen Lippen zu seiner Brust. Er verharrte einen Augenblick auf seiner und beschloss dann doch tiefer zu wandern: ”Dann 375 Milliliter Dröpje voor Dröpje Kwaliteit Kondensmilch träufeln lassen. In den Schaum. Ein Traum. Und dann ein gutes Glas Rum. Ein Viertel Liter. Zur Geschmacksveredelung und für die benötigten Umdrehungen. Oder auch etwas mehr. Des Geschmackes wegen. Du verstehst?”

Ihr Blick glitt zurück, aufwärts, zu sein Kinn, zu seinen Lippen, schien sich an diesen festzusaugen: “Und darauf alles im heißen Wasserbad so richtig mit Gefühl rühren, bis die Masse cremig sämig vom Finger runtertropft, wenn es über das Finger … glied … läuft und beim Ablecken auf der Zunge eine heiße Geschmacksexplosion hinterlässt.”

“Du, Sau, du!”

“Neuken in de Keuken? Bei mir?”

Er schluckte erregt und versuchte bei seiner Antwort nicht allzu needy zu erscheinen. Dabei schaute er auf den Bauchnabel von ihr, den ihr Top frei zur Ansicht gab.

In seinen Erinnerungen fühlte er sich in die Zeit der End-Achtziger des letzten Jahrhunderts zurück versetzt, als alle Frauen bauchfrei im Sommer waren. Tops waren ganz groß in Mode bei den Twens und jeder sichtbare Bauchnabel tagsüber ein Versprechen für die nachfolgende Nacht. Zu mindestens für die generell nachfolgende Nacht allein im eigenen Bett.

Sein Kopfkino projizierte ihm jetzt das Wildeste. Die Nacht war jung und er bereit.

Alles, was danach in ihrer Küche passierte, ordnete er als Vorspiel ein. Ein Vorspiel, wie er es sich nie vorgestellt hatte. Nun, in Wahrheit ging seine Vorstellung in eine andere, mehr explizite Richtung. Aber es war okay, wie es war. Kein Mensch glich einem anderen. Jeder Mensch plante sein eigenes Vorspiel mit seinem eingeladenen Partner. Und er, er wollte sich sich drauf einlassen. Er war nicht der Spielregel-Steller, er musste nicht bestimmen. Sie sollte es tun.

Nie zuvor hatte er mit einer Frau zusammen in deren Küche Eierlikör hergestellt und in Flaschen abgefüllt. Es lief alles so locker, so easy-going, so harmonisch ab.

Er fühlte sich zurückversetzt, in die Zeit, als er noch nicht ganz Dreißig war und das Leben unbeschwert von der Zukunft war. Unbelastet. Leger. Ohne Probleme.

Er blickte sie in der Küche an und für einen Moment sah er in ihr eine ehemalige, damalig Liebe von ihm. Jene hatte er damals kennengelernt, in seinen Endzwanzigern und sie war damals in seinem damaligen Alter. Ja, und sie – die jetzt vor ihm in der Küche stand – sie war auch kaum älter.

Die ganze Prozedur des Eierlikör-Brauens war von Vorkosten und Abschmecken mit dem Rum begleitet. Er genoss das Ganze und prägte sich das Rezept ein. Es war simpel und genial. Und das Ergebnis verführerisch lecker. Er war im Flow, zu allem bereit und auch fähig, für was kommen mochte. Sie sollte nur so weiter machen. Er würde mitmachen.

Beide saßen verschnaufend vom vielen Rühren und vom Probieren angeschicktert auf ihren Küchenstühlen und sahen auf ihre Gläser Bessen Jenever, den sie aus dem Küchenregal gezogen und eingeschenkt hatte. Er trank sein Glas gleich in einem Zug leer. Lecker. Bessen Jenever. Gab es nicht auch ein Werbelied von “Chrrrudiekarell”? Auf seiner Schlagermelodie “Goethe war gut”? Er war in Laune zu allem, kicherte angesäuselt und gab sich Mühe, bei seiner Überleitung:

“Das war kolossal. So wie von dir wurde mir noch nie in einer Kneipe auf meine Phrasen geantwortet. Das hatte Klasse. Du bist ne Nummer für sich. Top.”

“Das stimmt. Bislang bist du der Erste, der vorgibt aus Holland zu stammen, mit Worten wie ‘Miereneuken’ um sich wirft, aber mit ‘Dröpje voor Dröpje Kwaliteit’ keine Probleme hat.”

“Naja, Hauptsache der Rum für den Eierlikör war vorhanden, nicht wahr. Und dieser Bessen Jenever ist auch Klasse. Wo haste den her?”

“Tja, Bessen Jenever ist Holländisch. Nur ‘Dröpje’ hat mit Holländisch nichts zu tun, sondern ist Boomer-Slang.

“Bommer-Slang?”

“Kondensdosenmilchwerbung der 70er. Eure Generation. Wenn es das Wort ‘Dröpje’ im Holländischen gäbe, hieße es korrekt ‘Druppeltje’. Aber das wissen die Niederländer sowieso. Aber ihr Boomer, ihr wisst das nicht. Ihr seid ja so Nabelschau-fixiert, dass ihr gar nichts mehr merkt.”

“Was?”

“Du Statistischer Statikstatistiker in der künstlerischen Kunstkinetikdynamisierungskreativwerkstatt bei Kaatsheuvel in den Niederlanden.”

Sie trank ihren Bessen Jenever in einem Zug aus und ergriff danach gleich sein leeres Glas vor ihm, um es wegzuräumen:

”Okay, Boomer, Namenloser-welcher. Danke für deine Hilfe beim Eierlikör-Rühren. Geh jetzt. Und Tschüss.”

Pro contra Contra. Hart, aber fair?

Es ist mir klar, dass das, was ich schreibe, immer auf der Kante genäht ist. Wahrheit ist immer eine Händewaschung eines Pontius Pilatus entfernt. Mit Trinkwasser. Nicht mit Klowasser. Ist zwar das Gleiche, aber diejenigen in den Dürreregionen werden so etwas eh nie verstehen.

Ein “Pro” zieht immer genügend “Contra” nach sich. Ein “Contra” begibt sich immer in die Sturmfluten eines “Pro”s. Und ein “Pro” war schon immer in den Wellenbergen des “Contra” ein Schiff ohne Kapitän und Sextanten. Von mir als konstruktive Kritik gemeinte Kommentare in diversen Bloggen, würden – weil unbequem und noch mehr unbequem – schon mehrfach als destruktiv und aversiv eingestuft. Weil die Blog-Owner es so lesen wollten, statt zu fragen, wenn sie Zweifel hatten. Entsprechend waren die Konsequenzen. Belegt mit einem Bann schmücken mich zweifelhaft diverse herausragende Blogs. Gefragt wurde nie von deren Schreiberlingen, was ich meinte. Reagiert wurde lediglich auf deren eigene Befindlichkeit.

Nie ist ein “Pro”-Anhänger damit zufrieden, worüber ein “Contra”-Adept sich in Applaus überschlagen würde. Und umgekehrt. Wenn sich ein Schlager-Adept dazu entschließt, hinsichtlich einer Begebenheit eine von anderen als seltsam empfundene Meinung zu vertreten, dann ist das erst einmal nichts ungewöhnliches. Wenn aber dann ein Sponsor eines jenen sich von eben jenen zurückzieht, dann wird gleich mit dem Begriff “Zensur” gekartet. Denn der Sponsor entzieht jenem die Gelder, die jener vorher erhalten sollte. Der Sponsor fühlt sich nicht mehr von jenem vertreten und entzieht ihm dessen finanzielle Zuwendung. Kein gleiches Ziel ergibt keine gleiche Loyalität per zuvor gemeinsam geschlossenen Vertrag.

Wenn sich ein Ehepaar bei deren Heirat auf Treue vereinbart hat und dann einer der beiden Ehe-Unterzeichnenden später diesen Begriff der “Treue” anders interpretiert, dann ist also die neue Interpretation unadaptiert. Und beide können ihre Ansichten über die Divergenz derer Ziele äußern. Nur wenn beide nicht die gleichen Sprachrohre habe, ist das ungerecht? Haben dann beide sich selbst überhaupt gemeinsam verstanden?

Ist es ein Fall für den Begriff “Zensur”, wenn der eine Mensch seine Interpretation von “Leben” und “Treue” erklärt, und der andere Mensch sich auf gesellschaftlich mehrheitliche Konventionen beruft? Wenn der eine sich auf den Begriff “Wandlung” beruft, der andere Mensch sich auf das „Wort “Loyalität” beruft? Und beide damit deren eigenes Verständnis von “Treue” meinen? Und somit die Abweichung als “Untreue” bezeichnen? Und die geäußerte und untersagte Meinung zur Deklaration dieser Abweichung als Zensur bezeichnen? Oder wird da “Zensur” mit “Loyalität” durchgemixt?

Kompliziert? Sicher das. Je nach Standpunkt.

Das Wort “Zensur” ist immer recht leicht verwendet. In Deutschland kennen 13 Millionen Mitbürger die Auswirkungen von Zensur vor 30 Jahren. Die anderen kennen es nur noch vom Hören-Sagen derer Elterns-Eltern. Wenn überhaupt, dann ist das Wort “Zensur” so eine Vokabel, welche nolens volens als Schlagwort der “Rhetoriker für Arme” dient. Also jenen, die es nur als empathische Vokabel inkarniert haben. “Zensur” war bislang immer etwas, was staatlicherseits den Untergebenen zwangshaft verordnet wurde.

Und jetzt ist ein beliebiger Begriff, unterworfen der eigenen Überlegung. Ohne Sinn und Verstand. Aber schlagkräftig.

“Zensur” ist inzwischen der Kampfbegriff der Linken, der Rechten und der Mitte, welche privat geäußerte Ansichten nicht in dem eigenen Kontext einordnen wollen. Geschweige überhaupt darüber nachdenken wollen. Der wohlfeile Anwurf, der andere mache sich der Zensur verdächtig, wirkt wie ein Anwurf eines Hundert-Gerechten gegen einen Betrüger.

Hm? Was? Was habe ich da geschrieben? Dass private Menschen für deren Meinung von privaten Menschen haftbar gemacht werden? Das private Anwürfe gegenüber anderer nicht mehr privat sein sollten? Privat? Was ist privat? Wenn Frau Merkel sagen würde, dass die Demokratie ein Scheißdreck wäre und Steinmeier als Bundespräsi erklären würde, es wäre nur Merkels private Meinung gewesen … geht das?

Geht natürlich nicht. Weil Merkel ist per se politisch. Hätte sie das nicht gewollt, hätte sie auch in den Vorstand von DSDS oder so klettern können.

Nur  allein, wenn ein Schnulzensänger sich – angesichts der Tatsache, dass er sich als öffentliche und bedeutsame Person identifiziert hat – dazu entscheidet, seine Hinterlassenschaften auf dem WC des gelben Boulevards (“Yellow Press”) als wichtige Meinung zu hinterlassen, dann ist das “Pulp”. Und was sich daraus entwickelt: “Pulp Fiction”. Trash as trash can. Quentin Tarantino hat bewiesen, dass selbst “pulp” für Niveau bester Güte herhalten kann.

Soweit so lustig. Niemand kann jemand daran hindern, sich als Hahn zu deklarieren,der jeden Morgen auf dem eigenen Misthaufen der aufgehenden Sonne seine Stimme als Protestnote entgegenkräht. …

( … ich bin mir sicher, dass ich mit diesem Satz garantiert 50% Sympathie derer erhalte, die aufgrund ihres Jobs gezwungen sind, vor dem ersten Jesus-Hahnenschrei aufzustehen, obwohl deren Körper das easy-going-Signal “Relax, don’t do it” erhalten … so etwas nennt man wohl Populismus … oder den Reflex der Natur …)

… Also, niemand kann jemand daran hindern, sich als Hahn zu deklarieren, der dreimal kräht, um all deren Jünger aufzuwecken, nur weil er sagt, er habe die nachdenklichen Seiten beim Sonnenaufgang entdeckt.

Das Symbol des Sonnenaufgangs ist ein gängiges. Wie häufig liest man in den Kommentarspalten des Internets den Ruf, dass die anderen aufwachen sollten, weil sie noch schlafen würden. Der Wache ist das Ideal. Im Gegentum zum Un-Wachen. Also, der Wachturm als das Leuchtfeuer der Sektierer.

Man sei ja bereits mehrere Stunden wach und dieser Waschzustand mache nach all diesen Stunden des Wachens müde. Hm, das hör sich nach dem Credo der Frühaufsteher an. Alterssenilität. Grauhaarige, alte Menschen. Ab in die Gruft, ihr Grufties.

Die Sonne geht unter, die Sonne geht auf. Alle anderen starren nach Osten, um das rotierende Rad des Schicksals zu erblicken. Aus den ersten Sonnenstrahlen wird die Zukunft gelesen und als Wahrheit verkauft. Gegenstimmen dienen als Beleg der eigenen Richtigkeit und der Falschheit der anderen. Nachdenken ist nur noch der Reflex auf Einwände der eigenen Seite bezüglich des Nicht-Nachdenkens.

Ich schaue aus dem Fenster. Wie immer seit dem Lockdown im Frühjahr dieses Jahres. Gestern wurde der Kran abgebaut und somit dessen Leuchtfeuer, welches den Werkern am Morgen halfen zu sehen, wo sie arbeiten mussten. Der Kran ist weg. Die Rohbauten werden gerade verputzt. Seit fast einem viertel Jahr erscheint es, als ob die Bautätigkeiten nur noch mir halben Dampf laufen. Ich muss die Fenster mal wider putzen.

Ich schau nach draußen und beobachte die “90/100000 Einwohner”-Auswirkungen. Ich hoffe, es hat keine Auswirkungen. Freundliche Hoffnung. In meiner Firma hatte ein Mensch einen Covid-19 positiv Test und die ganze Abteilung mit 94 Mitarbeitern wurde herunter gefahren. Berechtigt?

Damals hatte auch jemand ein Testergebnis HIV-positiv und es wurde nicht gleich die ganze Sozialabteilung vom hauseigenen Swinger-Club in Quarantäne geschickt. Obacht: HIV, nicht Cov-19. Ficken, statt küssen.

Ich schaue aus dem Fenster meiner Firma in den Sonnenaufgang. Ein Mitarbeiter erinnert mich daran, dass meine Maske nicht korrekt sitzt. Ich entschuldige mich. Home-Office ist halt nicht meine Möglichkeit. Aber ich lese dann, dass meine aufmerksamtrue Kadavergehorsam sei. Treue. Schon wieder das Wort, wo so viele aufschreien. Aufschreie. Durch die allgemeine Zensur unterdrückt?

Ich verfalle ins Grübeln. Es wird mir klar, dass das, was ich schreibe, immer auf der Kante genäht ist. Hart, aber fair? Keine Ahnung.

Kneipengespräch: Das Bier und sein Meinungsreinheitsgebot

“Und? Wie isses?”

“Wie soll’s schon sein. Schlecht ist noch geprahlt.”

“Was ist so dringlich?”

“Unser Kölsch soll verboten werden.”

“Red’ keinen Müll.”

“Wenn ich es dir doch sage.”

“Unser Kölsch?”

“Es entspricht nicht dem deutschen Reinheitsgebot. Ich buchstabiere: ein rein, ein Heits, ein Gebot. Es geht um ein reines Lebensmittel. Es entspricht dem nicht. Sagen Biertrinker aus bayrischen Kneipen. Und nicht nur dort.”

“Nicht? Wie kann das sein? Es geht doch rein. Und das zugleich mit jedem Heitsgebot. Oder etwa nicht?”

“Kölsch ist nicht gesellschaftsfähig. Das Reinheitsgebot hat seinen Ursprung in Bayern, nicht in Köln. Das sollte jedem zu Denken geben. Zum Nachdenken.”

“Du machst Witze! Nachdenken über solche Seiten einer Meinung? Welche andere aufziehen wollen? Welche Interessen haben diese? Werden die von wem Speziellen dafür finanziert?”

“Kölsch widerspricht der bayrischen Bierkultur. Und weil das so ist, ist das jetzt ein gesellschaftlich missliebiger Faktor.”

“Hä? Kölsches Obergäriges ist nicht wie obergäriges bayrisches Weißbier zu beurteilen?”

“Es geht darum, welcher gesamtgesellschaftlichen Frage man Priorität einräumt, und wie man das dann gesamtgesellschaftlich löst. Dazu müssen alle Teile der Gesellschaft ihren Beitrag leisten. Auch mit Verzicht. Ansonsten steht eine Infizierung mit dem Kölsch-Virus als Gefahr für das bayrische Bier im Raum.”

“Du redest wie die Klimawarner. Hier geht es um Kölsch. Und nur um Kölsch. Und eben das hat seinen uneigennützigen Status in der einträchtigen Gesellschaft hinsichtlich des Reinheitsgebots.”

“Ein Vergleich mit solidarischem Verhalten bezüglich dem Reinheitsgebot ist absolut treffend. Die Bayern haben dazu eine eindeutig eherne Meinung. Es ist das, was man hier und heute am Tresen besichtigen kann. Das Kölsch in dünnen Stangen-Gläsern versus das bayrische Bier in stabilen Willy-Becher-Gläsern. Das bayrische Bier macht mehr her.”

“Aha.”

“Die Warnung vor dem Kölsch erinnert total an reine Panikmache. Hier wird der Konsum lediglich versucht, durch Angst und negative Gefühle komplett negativ zu beeinflussen. Ohne wissenschaftlich erwiesene Hintergründe, für die man nicht nur ein halbes Jahr analysiert haben muss. Der Bierkonsum und der Kölschkonsum sind gesellschaftlich verankert und bestehen schon länger als nur ein paar Monate. Und eben darum: Ich lass mir nichts verbieten. Ich lass mir meine Freiheit beim Bierkonsum in Bayern nicht einschränken.”

“Aber es gibt genügend Menschen in diesem Lande – und auch in Bayern -, welche Kölsch nicht als Bier klassifizieren. Sondern als pissgelbe Brühe. Menschen, die sich dem sogar vehement verweigern, um deren Gesundheit nicht zu schaden.”

“Ja, ja, jene Sonderlinge mit der Meinung, sie wären es nicht gewesen, Kölsch getrunken zu haben, weil sie nur echtes Bier trinken würden. Maximal waren es immer nur die anderen. Ich kenn keinen, denen ein ehrliches Kölsch nicht geschmeckt hat. Und die, die einmal ein Kölsch ganz unbefangen gekostet hatten, die konnten nicht klagen. Kölsch ist kein Grund sich zu beklagen. Und für die Bayern wird es wohl nicht so schlimm sein.”

“Na gut. Mich trifft’s nicht.”

“Eben. Alles übertrieben. Dass Kölsch kein Bier sein soll, das ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Irgendeiner hat’s in die Welt gesetzt, um Kölschtrinker zu unterdrücken. In Wahrheit geht es lediglich darum, Biertrinker zu mainstreamen, zu manipulieren. Des Biertrinkers ehrliche Meinung soll auf perfider Weise unterdrückt werden. Man will die Bayern nur als bierdimpfelnde Mitmenschen vor deren Maßkrug. Intelligente Menschen vor einer Kölsch-Stange in Bayern, das will niemand. Das ist nicht Mainstream. Und der Mainstream unterdrückt diese Wahrheit. Oder hat der Mainstream jemals darüber berichtet? Aus Bayern?”

“Wie du meinst.”

“Ja, so etwas ist lediglich ein offensichtliches Machtinstrument. Ehrlich. Ich hab keinen Bock auf Verzicht. Ich hab auch ein Recht, durch die Welt zu fliegen und Bier zu trinken, wo ich will, wann ich will und mit wem ich will. Kölsch ist sozialer Klebstoff und bringt Menschen eng zusammen. Meine Freiheit ist mein wichtiger sozialer Bier-Fußabdruck in dieser Gesellschaft. Aber da wollen mich wohl ab jetzt die Oberen disziplinieren und reglementieren. Das lass ich nicht zu, dass jene meine Grundrechte einschränken. Sie wollen uns beherrschen. Mit einem Verzicht-Diktat. Mit dem Reinheitsgebot, welches wissenschaftlich gar nicht erwiesen ist.”

“Reden wir nicht lediglich übers Kölsch?”

“Ja. Und über die Leute, die Kölsch und deren Befürworter aus unerfindlichen Gründen falsch beurteilen und deren Meinung mit diktatorischen Mitteln unterdrücken. Oder hast du schon mal jemand im Paulaner-Garten Geschichten über Küppers-Kölsch erzählen gehört? Das ist doch Meinungsdikatur!”

“Echt. Könnte man den Kölschkonsum nicht für sieben Monate mal untersagen, um festzustellen, ob Kölsch wirklich so wichtig für jedermann ist? Es gibt ja auch noch andere obergärige Biersorten.”

“Wie bitte? Du redest gerade über eine Dimension von jetzt ab sieben Monaten. Kölsch wird nichts sein, worauf man nach sieben Monaten Einschränkung keinen Bock mehr haben wird. Kölsch wird es auch noch geben, wenn man es jetzt verbieten wird. Somit ist so ein Verzicht unbegründet und die Forderung danach nichts als pure Meinungsdiktatur.”

“Äh? Wie? Was?”

“Nichts wird Kölsch per Gesetz verbieten können. Die Leute würden es privat im Keller brauen und in der Gesellschaft klandestin verteilen. Kölsch wird immer sein und nicht ausrottbar sein. Das ist Fakt. Somit ist ein Verbot nichts, was des Volkes Meinung entspricht und was man als Wahrheit zu akzeptieren hat. Und das wird man wohl noch sagen dürfen, oder? Oder ist diese Meinung inzwischen auch schon verboten?”

“Äh, Moment mal. Sich künstlich aufregen und sich laut empörend auf deiner teils abgekupferten und teils selbstgebastelten Argumentation zu berufen, dich dann in Folge beklagend, dass du nicht mehr sagen könntest, was du sagen wolltest, was aber ansonsten eh niemand hören wollte, das ist schräg. Lost. Und dann gar irgendetwas zu sagen oder auch hanebüchen zu fragen, also etwas auf jeden Fall total Provozierendes raus zu hauen, um sich dann als Messias der von dir als Unterdrückten definierten Gesellschaft zu gerieren, weil man als Tabubrecher sich hinstellt, … also, das ist rhetorisch einerseits geschickt, aber andererseits vollkommen mies. Als jemand, der vorgibt, tiefer nachzudenken, so wie du es vorgibst, also mehr zu nachzudenken als jene apostrophierte ‘Null-Acht-Fuffzich-Michel des Mainstreams’, welchen man unterstellt nur zwischen Zwölf und Mittags gedanklich etwas tiefer als die eigene Nasenspitze tauchen zu können, und sich damit sogleich den Orden des gerechten Widerständlers zu verleihen, also mal ehrlich: das ist der wohl kalkulierte, zukünftige Scheisshaussturm für die nicht eigenen Echokammern auf Twitter, Facebook und Instagram. So ein Scheisshaussturm als aufgewärmter Darmwind des eigenen Unverdauten, also, einer, der schlecht im Wasserglas riecht und sogar damit Tote aufwecken müsste, aber als Sturm taugen soll? Also mal ehrlich. Und das alles nur, weil eben jene anderen mit einem schlechten Witz ein angebliches Tabu brechen, um als Helden zu gelten, womit sie im Walhalla der Heldentaten einen Lufthauch von Heldentum aus dem Marvel-Universum an deren Riechkolben vorbeigeweht haben wollen?”

“Hm. Was hast du gesagt? So viele Worte um nichts. Das macht mich pessimistisch, dass die Menschheit so etwas überhaupt verstehen könnte.”

“Davon kannst du ausgehen.”

“Sicher dat.”

“Kölsch?”

“Gerne.”

“Biergartenrevolution?”

“Schon wieder eine in München?”

“Hast recht. Es hatte derer bereits eine in München. Lass stecken. Zuviel davon verdirbt den Mainstream-Charakter.”

“Ja,ja, der Mainstream. Er verdirbt die Menschen. Prost.”

“Jawohl, hast Recht, du Thanos für geistig Arme. Prostata.”

Das Schweigen des Mummenschanz

“Es geht dir gut?”

“Mir geht es gut.”

“Und trotzdem so schweigsam?”

“Verlustgewinnmaximierungsvermeidung. Schweigen ist das Gold der Stimmlosen.”

“Worüber möchtest du nicht reden?”

“Über das Fragen. Jede Frage will eine Antwort. Und der Volksmund sagt, dass es keine dumme Fragen, sondern nur dumme Antworten gibt. Ich möchte nicht reden. Es gibt keine Antworten, auf die ich eine Frage stellen möchte.”

“Wenn es keine dumme Fragen gibt, dann ist es wohl besser, nur zu fragen, oder? Ist der Fragen stellende Mensch dann nicht der Intelligentere einer Unterhaltung?”

“Sicher. Der Vorteil des Fragenden ist immer, dass er erst aufgrund der Antwort des Befragten bewertet wird und im Volksmund erst einmal jede Frage berechtigt ist. Kann der Befragte nicht antworten, dann ist der Fragende immer der Gewinner und der Befragte der Verlierer. Kann der Befragte antworten, dann hat der Fragende maximal eine nicht durchdachte Frage gestellt.”

“Oder er ist oberstrunzendumm.”

“Nun ja, dann ist das aber auch gleichzeitig wieder der Beweis, dass die Gesellschaft so dumm ist, deren Dumme nicht aufzuschlauen. Der Oberstrunzendumme ist somit ein Opfer des Systems, der ignoranten Gesellschaft.”

“Dann hat also niemand nichts zu verlieren, wenn jemand fragt. Entweder bin ich als Fragender der nachdenkende Mensch, der Nachdenker, der somit in Wahrheit ein Schlauer ist. Oder aber als Resultat ein Dummer, ein Opfer einer intelligenzverachtenden Gesellschaft, ohne Bildung und Kultur, welche die Gesellschaft wohl dann auch nicht verkörpert. Der ehrlich Fragende ist somit per se der Dumme, ohne seine Ehrlichkeit überhaupt unter Beweis stellen zu müssen.”

“Richtig. Denn man wird ja wohl noch mal fragen dürfen, nicht wahr. Und fragen kostet nichts.”

“Was genau ist eins plus eins?”

“Die Antwort auf ‘man wird ja noch mal fragen dürfen’, nicht wahr.”

“Korrekt. Wer nicht fragt, bleibt dumm. Der, die, das. Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum?”

“51 Jahre Sesamstraße können an die Ü50-Menschen nicht wirkungslos vorbei gegangen sein. Die Langzeitfolgen einer ‘Nicht-fragen-dumm-bleiben’-Generation generiert Scherereien für die Gegenwart. Viel Lärm um nichts. Viel Antwort-Geben auf unnütze Fragerei, welche intelligent ausschauen soll, lediglich aber nur Zeit frisst, um den wirklichen Fragen eine angeblich Maske runter zu reißen.”

“Leben ist Schwierigkeit. Nur der Tod ist es nicht. Leben heißt, den Gürtel festschnallen und ausschauen nach Schwierigkeit. Weißt du, was es heißt ein lebendiger Mensch zu sein? Den anderen zum Kampf herauszufordern.”

“Du zitierst aus dem Film ‘Alexis Sorbas’, nach dem Buch vom Schriftsteller Nikos Kazantzakis.”

“Ja. Als der Film endet, lehrt Anthony Quinn Griechenland eine angepasste Version des Sirtaki. Und alle Touristen bis in die Gegenwart trainieren jährlich mit den griechischen Ureinwohner dort diesen Sorbas-Sirtaki, damit sie es nicht vergessen, was Anthony Quinn ihnen vorgetanzt hatte.”

“Ja, mein Lieber, wie tief ist doch die Menschheit gesunken, hol’s der Teufel! Man hat den Körper zum Schweigen gebracht, und nur der Mund redet noch. Aber was kann der Mund sagen?”

“Fragen, mein Lieber. Fragen. Wer nicht fragt, bleibt dumm.”

“Dann verbleibe ich diesmal im Schweigen. Schweigsam zu sein, mag der stumme Applaus für Marktschreier sein, von denen jene vorgeben, sich mühsam wie Eichhörnchen zu ernähren, jene welche aber von den Heiseren immer wegen deren Lautstärke kritisiert werden. Und in der Kritik gegen jene mit eingepackt: die Schweigenden gleich mit.”

“Sagt wer?”

“Weil die Heiseren zuvor so viel geschrien hatten, dass der Satz ‘Wer schreit, hat Recht’ von denen gleich stimmlos bewiesen wurde. Denn – so palavern jene – wer schweigt, stimmt zu. Immer.”

“Irgendwie habe ich das Gefühl, der Worte ist genug gewechselt.”

“Taten?”

“Warten.”

“Auf Godot?”

“Auf die nächste Frage, die sich selber als ernsthaft intelligent klassifiziert. Ich frage mich, …”

“Genau der richtige Fragenansatz. Man wird ja noch mal fragen dürfen. Auch sich selber. Als rhetorische Frage. Wirkt intelligent. Ist aber nur ein Offenbarungseid, sich selber seine Heuchlerei zum Hang des Besserwissens nicht eingestehen zu wollen. Weil einem die Antwort, die Reaktion, die Meinung anderer eh nicht interessiert. Und das im Namen der Meinungsfreiheit.”

“Also Fragen ohne Antwortgarantie. Maskerade der eigenen Unwissenheit. Verschweigend in einer Frage gepackt, um wenigstens als nachdenkender Kritiker zu gelten. Ist diese, meine letzte Bemerkung in sich eigentlich nicht gelogen?”

“Die Antinomie des Lügners.”

“Die Bemerkung war falsch. Mummenschanz.”

“Ja, mag sein. Das Schweigen der Lämmer in der Kakophonie der Metzger.”

“Määäh. Auf zur Schlachtbank.”

“Schweig!”

“War nur ein Gedankensplitter im Scherbenhaufen des Porzellans, von Elefanten meinungsbestimmend als deren Recht auf Verbreitung deren privaten Lebenserfahrung zurück gelassen.”

“Si tacuisses, philosophus mansisses.”

“Hic Rhodus, hic salta!”

Vox Dei! Vox Populi! Im Wok Indiocracy …

Sehr verehrte Gemeinde! Sehr verehrte Versammelten! Sehr geduldeten Ungläubige!

Wir sind hier versammelt, weil wir hier versammelt sind! Jawohl! Und weil wir hier versammelt sind, werde ich die Versammlung nutzen, um zu sammeln. Nein, nicht Geld. Okay, doch auch. Aber vielmehr euer Verständnis, euer geistiges Potential, euer Reaktionsfähigkeit, eure Unaufgeklärtheit. Und willst du nicht mein Bruder sein, der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, es muss halt auch eine Portion Aufklärung sein.

Lasset uns Psalm Nummer Eins von unserer geliebten schwarz-weiß-rot Abteilung von diesem Wochenende lesen, bevor deren Heroen auf den Reichstag zustürmten. Kniet nieder!

So Leute. Wir schreiben heute in Berlin Weltgeschichte. Guckt euch um. Die Polizei hat die Helme abgesetzt.

Verdammt. Helm ab zum Gebet! Das ist mal eine Handlung. Habet Respekt! Auch du mit dem Schild “Corona Rebellen Düsseldorf”! Habe Respekt! Und beuge dein Haupt vor den Polizisten, die deren Helm zum Gebet abgesetzt hatten!

Vor diesem Gebäude steht keine Polizei mehr.

Habet ihr begriffen, ihr Leute, klein im Geiste, groß im Unverständnis und Gates-gechippt im Hirn für die Zukunft? Das Gebäude war herrenlos! Eine Weltgeschichte der offenen Tore! Tore, aller Länder … könnt ihr mit dem Schild “Corona-Diktatur” bitte die schwarz-weiß-rote Flagge mit dem Adler nicht verdecken? Oder wollt ihr hier offensives Reichsflaggen-Shaming betreiben? Nein? Also bitte. Danke.

Und Trump ist in Berlin.

Oh, ihr Gläubigen und ihr Lügenpresse-Resistenten! Weil ihr nachdenken tuet! Donald wart in Berlin. Gelandet mit seiner Airforce Number One, direkt auf dem neuen, noch nicht eröffneten Flughafen BER in Berlin, herabgekommen vom Himmel, seinen Fuße auf jungfräulichen Flughafenboden setzend! Trump in Berlin! Das ist so wie damals die Avengers im Film “The First Avengers” auf dem Flughafen in Leipzig! Da, wo sie für Recht und Ordnung gekämpft haben! Als eben jener heroische Captain America den Bösen gezeigt hatte, wo der Bartel den Most her holt. Wo der Frosch die Locken trägt. Wo Merkel lang nichts mehr zu sagen hat, mit ihrem Mündigen-Shaming. Da, wo der Arm der Lü-hügenpresse nicht mehr seine ausschlagende Hand ausstrecken kann, um alle über den tosenden und todbringenden Mainstream zu ziehen, und das nur, um uns zu shamen.

Die ganze Botschaft ist hermetisch abgeriegelt. Wir haben fast gewonnen, wir haben fast gewonnen.

Und verstehe die Botschaft, wer erlaucht ist, sie zu verstehen möge. Die Botschaft wart hermetisch abgeriegelt. Betreten nur für Auserwählte! Auserwählte! Ja, Brüder und Schwester im Geiste. Veni, vidi, vici. So wie weiland Caesar, der Gaius, der Julius, der Caesar, als jener 1957 vor der Mauer in Berlin stand und historisch rief: “Ich will ein Berliner”. Und wie am Samstag dessen Neffenneffeneffe auch heute wieder sagte, zwischen all den 5G-Warnungen und den Corona-Shaming-Shamern. Okay, geschenkt. Dessen Onkel stand nicht vor der Mauer, damals, das war eigentlich der Ronald, der Regen. Aber uneigentlich sollte auch klar sein, nur Wichtigtuer und Besserwisser mit niederträchtiger history-knowledge-shaming-Intention weisen auf solche Unwichtigkeiten hin!

Wir brauchen Masse. Wir müssen jetzt beweisen, dass wir alle hier sind. Und wir gehen jetzt da drauf und wir holen uns heute, hier, jetzt unser Haus zurück.

Ja! Da spricht unser Meister die wahren Heimatworte. Heim ins Reich. Heim in den Reichstag. Reich ins Heim. Rein in den Heimstag, für Reiche in den Reichstag. Und diesmal exklusiv ohne Antrag auf AfD-MdB-Begleitung. Kein Besucher-Shaming anymore! No, no, no, no! Einfach so! Rein ins alte Haus. Und back to the roots! Und dann noch hinfort mit den sich marginalisiert fühlenden Mehrheiten, die deren Randstellung bis heute nicht verstanden haben. Die Botschaft ist klar und eindeutig! Rauf gehen. Jetzt. Da rauf. Ins Walhalla! Ins Haus! Da hinauf! Aufi muasi! Aufi allesamt!

Wir werden jetzt gleich diese kleinen Dinger brav niederlegen und gehen da hoch.

Brav! Kleine Dinger. Brav! Keine 20 Zentimeter, kleiner Peter-Diskriminierter! Weg mit den Kondomen im Gesicht. Auch für Frauen. Freie Sicht für freie Bürger. Über Weichen, Stock und Sein. Freiheit! Die kleinen Dinger hindern am Nachdenken, wo nachdenken stattfindet: auf Zungen- und bis zur Nasenspitze. Die kleinen Dinger hindern, wer wir sind, wohin wir wollen und mit wem wir marschieren. Wir wollen hoch. Da hoch! Hoch! Hoch! Höher! Noch höher! Hoch hinaus! Kein Nachdenk-Shaming mehr ever …

Äh, moment. Könnt ihr mit Eurer Merkel muss weg-Fahne bitte wieder die schwarz-weiß-rote Flagge mit dem Adler frei geben? Unsere Hundertschaft von Journalisten mit Handystick und Smartphone werden sonst in ihrer Journalistenpflicht der wahren Berichterstattung gehindert. Das sind Journalisten und dürfen nicht behindert werden, weil wir es wollen, weil wir frei sind und Freie-Presse-Shaming respektlos ist! Und wir sind ja hier nicht bei der Mainstream-Lügenpresse wie BILD, Express, Playboy, Happy Weekend oder St.Pauli Report, okay. Die Welt soll erfahren, dass auch wir Smartphone-Techniken nutzbringend und Wahrheit-finderisch einzusetzen verstehen! No Smartphone-Shaming, please, okay!

Und setzen uns friedlich auf die Treppe und zeigen Präsident Trump, dass wir den Weltfrieden wollen. Und das wir die Schnauze gestrichen voll haben.

Wenn der Prophet zu uns kommt, dann haben wir uns in Ehrfurcht vor dem Berg hin zu setzen. Und wir lassen uns die Schnauze sehr gerne mit seinem Wohlwollen fühlen. Bis zum Strich. Eichstrich. Und zwar voll. Es ist für den Weltfrieden. Gestrichen voll. Die Schnauze. Voll. Weltfrieden. Donald, du bist friedlicher als jener Friedennobelpreisträger Obama, der ein Wolf im Wolpertingerschafspelzderivatsubstitut war. Auch wenn ihr es nicht verstanden habt, glaubt mir! Donald steht für den Weltfrieden, Dagobert nicht! Kein Donald-Shaming! Freiheit für Donald und seine Disney-Figuren!

Und nun, knie-het nieder, ihr Leser dieses geheiligten Berlin-2908-Demo-After Maths. Ehrfurcht und memoriert indächtig die folgenden Worte! Donald Trump unser bei Republikaner verhimmelt, dein Name sei geheiligt, dein Seich komme, dein Drohnen-Wille geschehe wie vom Himmel als auch von Erden. Unser tägliches BummBumm-Manna gib uns heute. Und verdirb uns nicht respektlos unsere Schuld, wie wir verderben wollen unsere respektlosen Schuldner. Und versuche uns nicht mit anderer dubioser Weltenführung, sondern erlöse uns von dem Bösen der Anderen. Denn dein ist mein Donald, mein Mantra und dein Fox-TV in Ewigkeit. Gegen alle Lügenpressen. So sei es.

Moment mal! Hallo! Hallo? Könnt ihr in Reihe sechs euch auch bitte niederknieen? Das hat etwas mit Respekt vor Donald und den schwarz-weiß-roten Fahne zu tun. Zeigt Anstand! Das wurde bereits damals so gemacht, nicht wahr, als die Amis uns nicht so wohl gesonnen waren. Oder wollt ihr jetzt ein respektloses knee-shaming-Furor verbreiten? Lauschet der Rednerin vor dem Reichstag derer letzten Worte, bevor der Reichstag erfolgreich gestürmt wurde:

Wir haben gewonneeeeeen.

Jaaa! Aus, aus, aus, das Spiel ist aus! Wie 1954! Wie damals. Als danach alle die erste Strophe des Deutschlandliedes bei der Siegerehrung in Bern sangen. Das war kein Nationalhymnen-Shaming, das war Patriotismus!

Ähm. Hallo? Wo geht ihr hin? Warum bleibt ihr nicht? Wollt ihr den Narrativ der anderen unterstützen? Ihr unterstützt den falschen Narrativ! Den total falschen! Den der Lügenpresse! Hey, hallo, wir sind die wirklichen Sieger der Corona-Krise. Ihr seid es nicht! Wir sind nicht irgendein Randbereich von 40.000 Mitläufern. Ihr könnt uns nicht ausschließen. Wir gehören dazu! Wir haben gewonnen! Und weil wir gewonnen haben, haben wir gewonnen und versammeln uns als Gewinner und  zeigen jetzt euch allen als öffentliche, nicht-Lügenpresse Premiere einen Film. Einen Film als wahrhaftiges Lügenpresse-Shaming, für die, die es verdient haben, damit jene Lügenpresser in Scham und Schamesröte öffentlich für jeden sichtbar versinken. Damit sie sich schämen. Und die Kinder der Lügenpresse-Schreiber sich schämen. Und deren Kindeskinder! Und Kindeskindeskinder! Aktiv und nachhaltig schämen sollten sie sich angesichts des nachfolgenden Filmes.

Wir zeigen den Film “Indiocracy”. Anschaubar via Amazon Video. Klickt diesen und nur diesen meinen Link an, und ihr unterstützt meine Idee und meinen Geldbeutel, mit dem ich dann die Bewegung unterstützen werde. Und ihr werdet frei sein, vom Schämen von irgendetwas.Amen.

Wir haben gewonneeeeeen.

P.S.: Ach ja, alle Zitate zusammen führten zum “Sturm auf den Reichstag”. Es braucht also nicht viel Schwachsinn, um einen Haufen in Bewegung zu versetzen, der alles schluckt., Hauptsache, es passt für deren Hirn in deren Hirn. Denn da ist so viel Hohlraum vorhanden in deren Birnen. Und diese Hirnlosen sollen harmlos und vernachlässigbar sein? Nie! Niemals! Nicht! Ich mein, weißt du, bist du dir sicher, ob nicht gerade Donald Trump mir diesen Text befahl zu schreiben. Also, nachdem er von Berlin mit dem ICE nach Salzburg reisen wollte, dann in München ausstieg, um sich eines der weltberühmten Münchner Mettigelbrötchen am Münchner Hauptbahnhof zu kaufen, sich dort verlief und dabei irrtümlich jetzt in meiner Wohnung landete? Falsches Narrativ?  Okay, du hast recht …

… nein, Donald, das schreib ich jetzt nicht …

Kneipengespräch: Zwischen Salzgebäck und Bier (2)

DSC00267“Sach mal du, bei all der Begeisterung für unser Kölschgespräche hier, die du hemmungslos im Internet veröffentlichst wie beim letzten Mal (hier), ich muss dich mal was fragen: Findest du nicht auch, dass man in deinem Blog nicht mal auch so aktuellere Themen bearbeiten sollte? So etwas wie den neuen SPD-Kanzlerkandidaten der SPD zum Beispiel.”

“Den neuen SPD-Kanzlerkandidaten der SPD?”

“Wo ist jetzt genau dein Problem?”

“Na, also, na, im Unterschied zum Humor in Deutschland, also der neuen SPD-Kanzlerkandidaten der SPD … wie soll ich das jetzt auch sagen. Du stellst mir aber auch Fragen. Herrgottnochmal, so zwischen Salzgebäck und Bier, also ehrlich …”

“Aber jetzt mal ne persönliche Frage: wovon fühlst du dich mehr bedroht? Vom Olaf Scholz oder dem alten Trinkspruch?”

“Du meinst den, wo man das Kölsch in einem Zug leert, dann rülpst, sich dann mit dem Daumen der rechten Faust auf die Stirn drückt, ‘Scholz’ ruft und dann sein Gegenüber ein Stirnklatscher versetzt?”

“Feuer, Eis und Dosenbier.”

“Schulz!” (hier)

“Falsch. Nicht der Martin, sondern der mit dem O. Der Olaf, der Scholz, der Olaf Scholz. O. O. O. Nicht ‘u’. Du hängst der Geschichte vier Jahre hinter her! ‘O’ statt ‘U’! Der andere Vokal ist nun dran.”

“Echt?”

“Echt.”

“Aber das Kölsch schmeckt immer noch so wie vor vier Jahren.”

“Hm.”

“Zeitmaschine?”

“Eindeutig. DeLorean würde ich sagen.”

“Ich dachte, dass wäre das Auto der anderen. So mit Flux Kompensator und mit Lottoheft in der Hosentasche.”

“Du redest von der FDP?”

“Nein, ich rede von ‘Zurück in die Zukunft’.”

“Okay. Piratenpartei.”

“Eher Republikaner.”

“Echt?”

“Nö.”

“Stößcken.”

“Prost.”

“Wo eine Kölschstange, da ein weg.”

“Wo eine volle Stange, da eine Leere.”

“Wo eine Leere, da ein Wille. Oberspielleiter, mach mal zwei neue!”

Der Wirt schaute kurz auf, räumte die geleerten Stangen weg und stellte zwei frisch schäumende Stangen Kölsch auf deren Deckel.

“Was ist das Bedeutendste für dich in den letzten sechs Monaten?”

“Meine Scheidung. Und deine?”

“Am letzten Freitag, den 13ten, füllte ich einen Lottoschein aus. Am nächsten Tag wurde gezogen und danach hüpfte ich Lotto-King-Karl-gleich durch die Straße.”

“Wie viel?”

“Zwei Träger Augustiner Bier inklusive Pfand im Sonderangebot. 34 Euro.”

“Kein Kölsch?”

“Ich söder halt mal gerne.”

“Ich söder, du söderst, er, sie, es södert, wir södern, ihr södert …”

“Genau, Ihr södert. Södern tun immer die andern.”

“Der hat seinen Nordseeurlaub abgesagt. Zu viel Söderismus im bayrischen Gesundheitssystem. Einfach zu latschert der Söderismus in Bayern.”

“Echt jetzt? Das Öcher Prentejeseech hat Bayern durch die Hintertür intubiert?”

“Hast du gesagt, in den Arsch gekrochen? Niemand benötigt Sauerstoff in den After zum Überleben gepudert.”

“Rektal gepudert? Hab ich gesagt?”

“Nö.”

“In NRW gab es Corona-Zentren wegen Billiglohnkräfte in der Schlachtindustrie.”

“Böse, böse, böse. Geht gar nicht. Genozid an den Tieren. Bestraft halt die Natur.”

“In Bayern gab es Corona-Zentren wegen Billiglohnkräfte in der Gemüseindustrie.”

“Böse, böse, böse. Geht gar nicht. Weil Genozid der Natur am Menschen, äh, also, … ich meine, … Zufall … Besteht da ein Zusammenhang zwischen Veganismus und Karnivorentum? Fleischfresser und Hildmann sind doch die Leuchtfeuer des Anti-Pazifismus, oder“

“Weiß man’s? Ich sag nur eins: södern erklärt alles und macht alles unwichtiger.”

“Dein Kölsch geht zur Neige.”

“Der Krug geht zum Brunnen …”

“… bis er nachbestellt. Herr Oberspielleiter! Zweimal Durststiller aus Köln, bitte!”

“Du, ich habe festgestellt, dass Durst antipropotional zu Heimat ist.”

“Heißt?”

“Je mehr Heimatgefühle, desto weniger Durst.”

“Hä?”

“Genau.”

“Ach so. Durst bindet.”

“Ja. Brauerei-Prinzip. Durst ist schlimmer als Heimweh.”

“Berger-Logik.”

“100 Jens-Punkte für den Nachdenk-Kandidaten. Das ist doch mal einen Schluck aus dem Promilleglas wert, oder?”

“Wolln ma exen?

“Unsere Stangen?”

“Und das Bäuerchen?”

“Jedes geextes Bierchen, sein tönendes Pläsierchen. Et kütt wie et kütt.”

“Na denn. Ex, hopp und weg. … Schulz!”

“Scholz, du Depp!”

“Mein Daumen schmerzt. Ich glaube, ich hab mir gerade beim ‘Schulz’-Rufen den Daumen an der Stirn gebrochen!”

“Echt? Willkommen in Club der linken Knochenbrecher. Warum sollte es dir besser gehen als der SPD beim Kanzlerkandidaten-Ernennen. Solange nur der Daumen bei Hoch-zeigen bricht und nicht beim Hinweisen auf Nachdenkfehler … Also drum! Prostata!”

“Wohl wahr. Deiner Worte sind ein Exen einer Stange würdig. Also, Prost.”

“Auf Söder, Scholz und Schneewittchen, welche durch den Kuss von einer der beiden erlöst werden will.”

“Lass doch mal die Politik hinter Wegs hier.”

“Geht auch ein unpolitischer Zungenkuss?”Dreigestirn

“Okay, ausnahmsweise, aber nur ohne viel Speichel und mit Gesichtsmaske. Auf das Kölsche Dreigestirn vor uns. Voll, halbvoll und ganzganz klitzekleinwenig voll. Statusreport einer Diskussion. Prost.”

“Dito!”

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Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (55): Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Liebes Corona Tagebuch.

Ich bin unschlüssig. Jetzt habe ich so viel Information, dass ich fast platze vor Informationen. Es muss aus mir raus. Und rein in dir.

Da war doch erst neulich vor einer Woche eine riesen Demonstration. 1,3 Trillionen Leute. Das ist belegt. Da gibt es ein YouTube Video. Es dauert 84 Minuten (hier). Das kann sich man als Zeitraffer in zwei Minuten anschauen. Ungeschnitten. Denn das Zeitraffervideo von diesen 84 Minuten gibt es auch auf YouTube. Das heißt, – einfach einmal nachrechnen und du merkst, liebes Corona Tagebuch, dass ich bestimmt nicht lüge – das Zeitraffer-Video (hier) ist 42 Mal schneller, als die Demo es war. Die Polizei versteift sich trotz des Videos auf der Behauptung, es wären 20.000 Demonstranten. Nur, 42 mal 20.000, das sind doch fast an die 900.000 Menschen. Und wenn man da noch überlegt, dass dann eventuell noch 50% zusätzlich auf anderen Wegen zu den Demos erschienen sind, dann bin ich bei 1,3 Millionen Leute.

Gut. Dann habe ich mit den 1,3 Trillionen Leuten wohl ein wenig übertrieben.

Nur, wenn man davon ausgeht, dass ein normaler Mensch sich mit 3,6 Kilometer pro Stunde durchschnittlich bewegt, dann entspricht dieses einer Wegstrecke von 5 km. Und wenn dann zwischen den Reihen so 75 cm Abstand gelassen wurde, um dem Vormarschierenden nicht in dessen Haxen zu treten, und dann die Reihen so mit 15 Leuten in einer Reihe annimmt (20 Meter breite Straße an der U-Bahnstation Friedrichstraße, auf Höhe von Haus Nr. 147), ja, dann komme ich schon fast auf eine Millionen Menschen.

Das heißt somit nach Adam Riese und Eva Winzig, die Schätzung der Polizei mit 20.000 ist völlig fehl am Platz.

Und dann gab es noch das Foto. Das Beweisfoto. Okay, es war ein Screenshot (hier und hier im Detail). Ein Screenshot von jemanden von “Querdenken 711”. Das belegt völlig, dass es 1,3 Millionen mindestens waren. Aber das wurde als Beweismittel gelöscht. Und wer hat es gelöscht? Es war „Presse.online“. Die haben ihren Sitz im „Haus der Bundespressekonferenz“. Auf der Zunge zergehen lassen: „Haus der Bundespressekonferenz“. Also ganz offiziell.

Gut. Der Screenshot zeigte, dass die Browser-URL von „Presse online“ auf das Archiv vom 28.7.2020 hin wies. Nur, die Demo, die war am 1. August 2020. Aber über solche unwichtigen Details auf dem Beweis-Screenshot (hier) können sich nur Kleingeister wie ich echauffieren. Wichtig daran ist doch, dass dieses Presseorgan mit Sitz im regierungseigenen, offiziellen „Haus der Bundespressekonferenz“ es zuerst gepostet hat. Und danach wohl wieder gelöscht. Weil es garantiert die Regierung so wollte.
Und die Polizei hat die Zahl ja wohl auch gesagt. Das haben zumindest die Sprecher auf den Bühnen immer wieder betont. Und man sollte es ganz schnell im Internet posten, damit es nicht gelöscht würde. Damit es niemand verneinen kann. Damit die Fakten jeder nachlesen könne. Weil nachher der Mainstream es alles löschen würde. Diese Oberzensoren!

Das sagten diejenigen auf der Bühne. Und die haben wohl ihre Quellen bei der Polizei. Also muss das stimmen. Dass die Berliner Polizei, das wieder zurückgezogen hat, das zeigt, wie der Mainstream doch Einfluss nimmt. Da wird zensiert auf Teufel komm raus. Und, Zensur, das weiß jeder Mensch, ist dann, wenn eine offizielle Behörde der Regierung Meinungen löschen lässt. Und jeder weiß, dass der Mainstream der Regierung folgt.

Ach ja, liebes Corona-Tagebuch, Mainstream, das ist ARD, ZDF, also die Öffentlich-Rechtlichen, die großen Zeitungen, die gegen uns schreiben. Die schaue ich überhaupt nicht, und lesen erst recht nicht. Die kann man sich nicht antun. All diese Lügen, diese Zensur und so. Zum Beispiel die Bilder von der Demo. Warum müssen jene die Bilder zeigen, die unsere Bilder, deren Ausschnitt, welchen wir sorgsam gewählt hatten, angeblich widerlegen sollen. Wenn da Lücken waren, vom Brandenburger Tor bis zur Siegessäule, dann doch nur, weil alle sich im angrenzenden Tiergarten im Schatten gestapelt hatten. An die 1,3 Millionen Demonstranten. Und warum dürfen wir keine Bilder als Symbol von der Zürcher Loveparade nehmen? Das machte die Presse doch auch, wenn die von Ballermann-Zustände auf Mallorca berichtet hatte. Einfach Symbolbilder, um zu zeigen, was man meint. Das dürfen wir doch auch, oder? Gut, von Essen hatten wir jetzt keines zur Hand und in Berlin waren wegen den Drohnenverbot keine Bilder von oben machbar …

Aber in Berlin gab es auch die Loveparade. Und die Bilder als Vergleich gehen doch, oder? Auch wenn die in Berlin bei der Demo jetzt alle nicht so eng gedrängt standen. Oder wollen jene Besserwisserischen, dass jene auf der Demo wie bei der Loveparade sich eng auf der Pelle rücken, stinkend, ohne Deo, im Schweiße des eigenen Angesichts? Aufgeputscht durch Drogen, um die Hitze und Sonne durchzustehen? Nur, damit Mainstreamler bessere Fotos haben? Eben jene sind die wirklichen Wirklichkeitsverweigerer. Zeigt doch lieber, ihr Mainstreamler, dass es Menschen gab, die in der Sonne vor der Bühne standen. Das waren schier unglaubliche Menschenmengen. Hättet ihr eure Teleobjektive aus euren Fototaschen verwendet, man hätte deutlich gesehen, wie dicht alle standen. Eure 500 mm Objektive, die ihr sonst immer griffbereit habt. Dann hätte sich abschätzen lassen, wie viele es waren. Auf alle Fälle keine „nur 20.000“. Oder 13.000 Demonstranten in 84 Minuten auf einem YouTube-Video.

Liebes Corona-Tagebuch.

Ich habe letztens eine Studie gelesen, in der Wissenschaftler vor über neun Jahren festgestellt haben, dass zu einer Meinungsführerschaft mindestens 10% einer Bevölkerung eine andere Meinung haben müssen, damit sich die Mehrheit der Minderheit anschließt (hier). Das heißt, wenn die Minderheit es schafft, die 10% Schwelle zu überschreiten, dann ist ein Meinungswechsel machbar. 10% gilt gewissermaßen als kritische Masse in der Meinungsbildung, wenn man etwas als Mehrheitsmeinung etablieren will. Dann wird der Wechsel von Minderheitsmeinung zur Mehrheitsmeinung machbar, Herr Nachbar. Unabhängig von irgendwelchen postulierten Faktenlagen.

Darum sind auch die 1,3 Millionen Demonstranten so wichtig. Das wissen auch die Organisatoren von „Querdenken 711“. Und falls denen dieses wissenschaftliche Wissen fehlen sollte, so habe sie diese magische 10% Grenze wenigstens im Urin, nicht wahr. Darum haben sie jetzt auch heute über Twitter den Meister des Postfaktischen, den Donald Trump, eingeladen (hier; Screenshot hier). Er solle doch bitte auf der nächsten Berlin-Demonstration am 29. August 2020 eine Rede zu halten. Denn Donald Trump ist der einzige Präsident der USA, der in seiner Amtszeit keinen Krieg begonnen habe, so „Querdenken 711“. Und der POTUS weiß, was Fake-News sind. Der kämpft mit “Fox-TV” schließlich auch gegen den Mainstream.

Nur, warum ausgerechnet Donald Trump? Weil der auch nicht daran glaubt, dass das Coronavirus gefährlich sein soll und all die Maßnahmen dazu überhaupt sinnvoll sind. Die Einladung finde ich sinnvoll. Nur habe ich nicht verstanden, warum „Querdenken 711“ seine Twitter-Einladung nicht auch an Bolsonaro, also an Brasiliens Präsident, heraus geschickt hatte. Der ist auch bei Twitter. Und der ist auch gegen Corona-Maßnahmen. Dafür aber wie Thomas Berthold (Fußballweltmeister; hier) für das „alte Normal“, statt des diktatorisch „neuen Normal“s. Donald Trump und Bolsonaro sind ja damit im Sinne von „Querdenken 711“ die Verfechter von Freiheit und Abenteuer. Und nicht Verfechter eines „neuen Normal“s, wie es unsere Regierung und Mainstream-Parteien so gerne hätten.

Liebes Corona-Tagebuch, „Querdenken 711“ hat Donald Trump die Einladung aus vollem Kalkül gemacht. Weil der so ein kluger Kopf ist. Genauso wie die Köpfe bei „Querdenken 711“. Natürlich, ist Meinungsfreiheit ein wichtiges Gut. Deshalb wurde auch Florian Schröder nach Stuttgart eingeladen. Dort durfte er doch seine Meinung kundtun (hier). Hat es geschadet? Hat er nicht gezeigt, wie der fremd-mainstream-gesteuert agiert? Wie rief einer im Publikum: “Lasst ihn doch reden. Das ist doch nur ein Komiker.”

Nun gut, Schröder war jetzt eigentlich nicht wirklich im Sinne von „Querdenken 711“, was jener dort als typisches Propaganda-verbreitendes Regierungsfähnchen im Wind ab lies. Aber Meinungsfreiheit, gilt für jeden. Nur nicht für die Mainstream-Medien. Die sich jetzt auch noch darüber lustig machen. Diese Sackgesichter. Die gehören eingesperrt und verboten! Weil sie immer alles benoten wollen und die Zensoren in diesem Land sind. Und wir brauchen keine Zensuren. Äh, Zensoren.

Liebes Corona-Tagebuch, ich frage mich, ob ich nicht über Twitter auch Putin, Russian Today und KenFM einladen sollte. Im Namen von „Querdenken 711“. Am 29. August bei der Demo als Redner über Skype oder Microsoft Teams oder Facebooks WhatsApp dabei zu sein. Damit die Leute endlich zum Nachdenken kommen. Damit alle einmal neue Seiten zum Nachdenken bei solchen Reden entdecken. Wie bitte? Russian Today und KenFM sind eh schon dabei? Oh. Entschuldigung. Dann ist ja die Authentizität total garantiert.

Und als Zwischenprogramm könnte ich mir noch Dieter Nuhr, Lisa Eckhart und Mario Barth vorstellen. Ein wenig Satire muss doch möglich noch sein. Das Publikum will lachen. Statt dauernd immer nur zu grübeln, nachzudenken. Und mitzudenken. Statt so wie bei Florian Schröder. Es gilt der „Cancel Culture“ die Stirn zu bieten! Wer Dieter Nuhr, Lisa Eckhart und Mario Barth nicht mag, der ist für „Cancel Culture“, jene Kehrseite der Medaille, welche zuvor als „Political Correctness“ bekannt wurde. Die die Liebe-erfüllten Schreiber der Seite für „Political Incorrectness“ geboren hatte. Eigentlich sind die ja jetzt in Ordnung, weil die ja auch gegen all den Corona-Scheiß sind und auch in Berlin dabei waren, diese PI-Fans. Nur leider sind die noch politisch ein klitzeklein wenig inkorrekt. Aber diese Distanz kriegen wir auch noch überwunden. Wir rücken einfach näher an die ran, nicht wahr.

Liebes Corona-Tagebuch, ich habe dich aufgeschlagen, obwohl ich dich schon längst zugemacht hatte. Ich wollte dich nicht mehr öffnen. Aber etwas in mir sagte, schreibe. Schreibe! Denn es wird eh keine Sau lesen. Und als Satire geht so etwas eh nie durch.

Moment, Sau und Satire geht gar nicht. Sorry. Denn damit bin ich real wieder bei Tönnies. Und den Schlachtereien. Den Werksverträgen. Mit denen die Leute geknebelt werden und als Lohn dafür kaum Geld, aber zumindest Coronaviren als Bonus bekommen (… geldwerter Vorteil?!? …). Wären Menschen Vegetarier, gäbe es das nicht. Außer jene Kranken im Landkreis Landshut, bei deren Gemüseernteeinsatz. Und dann in jener Konservenfabrik für das geerntete Gemüse. Die Erntehelfer aus Rumänien und so haben auch Werksverträge. Aber das interessiert nicht weiter. Schließlich arbeiten die nicht in nicht-veganen Schlachtbetrieben. Da, wo Tiere abgeschlachtet werden. Wie in Nordrhein-Westfalen. Nicht wie in Bayern. Wo alles södergesteuert ist. Nicht so laschetmäßig.

Liebes Corona-Tagebuch, für mich ist jetzt klar, ich bin gegen die Corona-Maßnahmen. Ich werde jetzt dagegen sein. Ich werde nach Berlin fahren.

Berlin! Berlin! Ich fahre nach Berlin!

Liebes Corona-Tagebuch, ich hoffe, du findest jetzt keinen nachdenklichen Seiten mehr bei mir. Ich gebe mir jetzt dafür den Berger. Denn der mag auch Monty Python. Und wer Monty Python mag, der kann nicht schlecht argumentieren. Nein, nicht den Jens meine ich, sondern den Helmut Berger. In seiner Rolle der ersten Staffel in Folge 19 von „Simon Templar – Ein Gentleman mit Heiligenschein„. Das war, bevor er in einem der Nicht-Mainstream-Medien in das Dschungelcamp abstieg. Aber das ist jetzt eine andere Nicht-Mainstream-Information, die hier erstmal keinen Wert hat …

Liebes Corona-Tagebuch, ich fand es gut, mich in deinen Seiten auskotzen zu dürfen. Papier ist geduldig. Mehr als diese Mainstreammedien erlauben.

Jetzt werde ich dich wieder zuschlagen.

Und später wird jemand diese vollgekotzte Seite aufschlagen und sich damit einen Rorschach-Test geben, mit dem dann meine Psyche analysiert werden wird.

Später?

Eigentlich direkt nach der Veröffentlichung dieser Satire …