Das Geheimprojekt: die Ausrottung der weißen, grauhaarigen, alten Männer

Agentin A, wie ist Ihr Fortschritt?

Erhabene Meisterin, heute waren es sechsundneunzig.

Sechsundneunzig?

Ich hatte heute Mittag eine kostenlose Filmvorführung von “Ritter der Kokosnuss” organisiert. Jeder erhielt ein Gummischwert mit Eisenkern. Vierundvierzig starben mit dem Satz “Ist doch nur eine Fleischwunde” auf den Lippen. Die Restlichen hielten das für den “Tödlichsten Witz der Menschheitsgeschichte” und erstickten an ihrem Lachen.

Sehr gut, sehr gut.

Zusätzlich organisierte ich noch ausschließlich für Erz-Boomer-Kleriker “Das Leben des Brians”. Die kamen, sahen und regten sich wie erwartet über Gebühr auf und gingen mit Herzinfarkt über die Wupper. Siebenundneunzig. Die Hartnäckigen, die während jenem Film eingeschlafen waren, erhielten noch im Anschluss den Film “The last Temptation of Christ”. Sechs wirklich Hartgesottene überlebten allerdings auch dieses, ich konnte denen noch heimlich iranische Pässe in die Soutane stecken. Am Ausgang wartete bereits die Polizei und hat jene aufgrund Kindesmissbrauchsvergehen einkassiert. Die Priester wurden direkt mit Tatvorwurfsbeschreibung in neun Sprachen in ein Flugzeug nach Teheran abgeschoben.

Agentin A, hört sich gut an, weitermachen. Agent B, was sind Ihre Ergebnisse.

Erhabene Meisterin, ich habe heute eine Vorlesung über das Thema “Haben und Sein” durchgeführt. Inmitten der Vorlesung ließ ich einen Mitverschwörer auf der Bühne den Ausruf “Okay, Boomer” tätigen. Ca. 75% der Zuhörer starben an Schnappatmung. Der Rest lachte anfangs noch, wurde dann aber mit wohldosiertem “Jaja, ihr Baby-Boomer” erledigt.

Agent B, seht gut. Kommt morgen die AKW-Bewegung dran?

Ja, ich habe festgestellt, dass hier die Dichte der Boomer und Baby-Boomer am höchsten ist. Wir werden denen das Gesetz über die Laufzeitverlängerungen vorlesen. Zudem erklären wir denen noch den Nutzen von Braunkohlekraftwerken, Panzern und anderen grünen Entscheidungen. Zu erwartende Herzinfarktrate wird bei 78% liegen. Die restlichen 22 Prozent erledigen wird mittels Unwirksamkeitsstudien von Globuli, Friedensdemos und vegetarischem Veganismus in Zeiten von Weber-Grill-Kugeln. Beim zu erwartenden Handgemenge ist mit Gewalt zwischen Zuhörern zu rechnen, da die sich eh nicht alle grüne sind.

Agent B, Handgemenge sind nicht effizient. Bitte ergänzen Sie die Maßnahmen mit mehr Effektivität. Verteilen Sie vor dem Vortrag noch bitte Brieföffner und Schwiegermütter.

Schwiegermütter?

Wirkt immer, bei diesen Bürokraten, die wissen, was ein Schwiegermuttermörder ist. Agent-etwas C. Ihr Resümee?

Erhabene Meisterin, vierhundertneunundvierzig Menschen konnten wir mit der Titelmelodie “Pat und Patachon” in eine sehr düstere Ecke ihrer Stadt locken und mit Dauerbeschallung mit der Titelmelodie von “Die rote Zora” erledigen. Die Polizei tappt  bislang – wie erwartet – noch immer im Dunkeln. Weitere siebenhundertdreiundsechzig Baby-Boomer lockten wir mit der alten Titelmelodien von “Väter der Klamotten”, “Western von Gestern” und “Dick und Doof” in ein tiefes Gewässer, wo sie unter Klängen von “Hey hey Wickie” elendig ersoffen.

Sehr schön, sehr schön.

Weitere siebenhundertelfundsechzig Baby-Boomer haben wir mit der Melodie “Wer hat an der Uhr gedreht” aus deren Arbeitsplätzen geholt und dann mit “Die schnellste Maus von Mexiko” und Udo Jürgens “Vielen Dank für die Blumen” in ein Tigerkäfig locken können. Exitus. Die Tiger sind gesättigt. Leider aber auch übersättigt. Morgen steht dafür der Löwenkäfig auf den Plan.

Agentin D?

Chefin, ich habe einen Fernsehsender infiltriert. Und niemand hat es gemerkt.

Sehr gut.

Mit Geschick habe ich dort eine Show mit Boomern, Baby-Boomern und paar anderen Normalos organisiert.

Sehr, sehr gut.

Dazu habe ich Tweets über diese dämliche Boomer und deren over-cringe Baby-Boomer verfasst. Diese Tweets gingen gnadenlos viral. Beifall war mir hundertfach. Meine Followerzahl stieg annähernd fünfstellig. Ich organisierte Anruforgien in der Show mit dem Ziel: Diskreditierung der weißen, grauhaarigen, alten Männer, diesen dämlichen Boomer und deren over-cringe Baby-Boomer. Sie sollten demaskiert werden, als das was sie sind: überflüssig und ready to go. Ich erreichte meine Zuschauer in der anvisierten Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen: 1,6 Millionen. Mehr als genug, um Anrufer der Gruppe der weißen, grauhaarigen, alten Männer zu übertrumpfen.

Und?

Tja, Chefin, dann hat so ein dämlicher, weiblicher Boomer mit Schönheitsidealen a la Botox und Schlauchbootlippen abgeräumt und wurde Dschungelkönigin …

WAS?! Unglaublich! Elende Versagerin! Agentin D, du bist gefeuert! Du miese Nulpe, du!

Egal.

Wie bitte?

Der Sender hat mich einen Vertrag angeboten. Als Boomer- und Baby-Boomer-Expertin hätte ich mit meinen 39 Jährchen die passende Einstellung und Erfahrung, hieß es …

RAUS!!!!

Christliche Symbolik

Also sprach der Mensch zu sich, nachdem er die Büchse der Pandora geöffnet hatte und auf Besserung hoffte:

Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge. (#1)

Ein anderer Mensch blickte ob jener Worte auf und sprach:

Als das Kind Kind war, ging es mit hängenden Armen, wollte der Bach sei ein Fluss, der Fluss sei ein Strom und diese Pfütze das Meer. Als das Kind Kind war, wusste es nicht, dass es Kind war. Alles war ihm beseelt und alle Seelen war eins. Als das Kind Kind war, hatte es von nichts eine Meinung, hatte keine Gewohnheit, saß oft im Schneidersitz, lief aus dem Stand, hatte einen Wirbel im Haar und machte kein Gesicht beim Fotografieren. (#2)

Der erste Mensch ignorierte jedoch die Worte und setzte fort:

Da ich aber ein Mann ward, tat ich ab, was kindisch war. (#3)

Der andere Mensch seufzte und fügte hinzu:

Als das Kind Kind war, würgte es am Spinat, an den Erbsen, am Milchreis und am gedünsteten Blumenkohl und isst das jetzt alles, und nicht nur zur Not. Als das Kind Kind war, erwachte es einmal in einem fremden Bett, und jetzt immer wieder. Erschienen ihm viele der Menschen schön, und jetzt nur noch im Glücksfall. Stellte es sich klar, ein Paradies vor, und kann es jetzt höchstens ahnen. Konnte es sich nichts nicht denken und schaudert heute davor. Als das Kind Kind war, spielte es mit Begeisterung und jetzt so ganz bei der Sache wie damals nur noch, wenn diese Sache seine Arbeit ist. (#4)

Der erste Mensch murmelte weiter:

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (#5)

Ich grübelte. Meine Mutter hatte mir in meiner Kindheit ein Anhänger mit Kreuz, Anker und Herz geschenkt. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, sollte den Glauben verstärken. Das war die Hoffnung. Wie ich nach meiner Kindheit erfuhr, blieb jene als einziges Positives übrig, als im Lande bereits wieder die Büchse der Pandora mit der rationalen Kurzlogik-Ansprache “Das wird man doch wohl mal aufmachen dürfen, oder etwa nicht? Oder sind wir kein freies Land mehr?” geöffnet wurde. Die Büchse der Pandora. Dafür sind viele wohl bereit dessen Blutzoll mit Blut, Schweiß und Tränen zu zahlen. Oder zahlen zu lassen. Outsourcing at its best.

Glaube, Hoffnung, Liebe. Kreuz, Anker, Herz. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Also, du Nächster, mach dich liebenswert. Denn ansonsten werden mit vollen Herzen Kreuze errichtet werden, die in Zentren aufgestellt werden. Ankerzentren. Frei dem Motto: “Ihr müsst uns ja nicht lieben, aber dann macht euch keine Hoffnung, dass wir euren Anliegen glauben. Was geht uns eure Sintflut an?

Ein letzte Mensch blickte kurz auf, sah einen Händler mit venezianischen Lüstern vorüber ziehen und ruinierte die nachdenkliche Stille mit leicht unsinnigen Worten:

Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? (#6)


Zitate #1, #3 und #5 aus des mosaischen Gotts seiner Bibel, Zitate  #2 und #4 Wenders “Der Engel über Berlin”, Zitat #6 von Shakespeares “Der Kaufmann von Venedig”

Die erlogene Geschichte eines Fotos auf einer päpstlichen Beerdigung (Vatikan-Platz am 5. Januar 2023)

S #1: Na? Geht’s?

S #2: Na, wie soll’s schon gehen. Kann mir ja nur gut gehen. Du stehst ja neben mir.

S #1: Keine Sorge, Olaf. Es ist heute Beerdigung. Nur deshalb stehe ich Dir zur Seite.

S #2: Da bin ich ja beruhigt, Markus. Wer dich neben sich hat, der freut sich immer über Gottes Segen.

S #1: Apropos Segen. Du hast mir noch gar nicht zum Geburtstag gratuliert.

S #2: Echt?

S #1: Frank-Walter hat es jedenfalls schon getan. Am Flughafen. Vor laufenden Kameras..

S #2: Ihr beide habt heute am gleichen Tag Geburtstag? Frank-Walter, stimmt das?

S #3: Ssscht! Das ist eine Beerdigung. Seid ein wenig leiser.

M #1: Siehste, Frank-Walter, der Olaf ist immer völlig daneben. Statt mal Panzer und Raketen in die Ukraine zu schicken, gratuliert er noch nicht mal dem Markus.

S #3: Ssscht! Das gilt auch für dich, Friedrich! Hab mal ein wenig Anstand.

M #1: Also, Frank-Walter, ich weiß, was Anstand ist. Das musst du mir nicht erklären. Außer du willst das später mit mir bei meinem Rückflug erörtern.

S #3: Friedrich, ich hab dir doch bereits dreimal erklärt, dass ich ohne meine Sicherheitsleute nicht in deine Cessna steige.

M #1: Also, ich fliege im Anschluss um 12:59 wieder zurück nach Berlin. Mein Angebot steht. Und außerdem ist es keine Cessna. Sondern eine Diamond Aircraft mit zwei Dieselmotoren des Typs Austro Engine AE330 …

S #3: Ssscht! Andacht!

M #1: … und verbraucht weniger Diesel als ein Leopard-Panzer und hat auch weniger CO2-Ausstoß als ein Kreuzfahrtschiff. Also umweltfreundlich und unbedenklich, Frank-Walter. Meine Diamond ist vollgetankt. Die Motoren wurden zum Warmlaufen bereits von mir gestartet. Hier über meine App, Frank-Walter. Schau mal, das ist die absolut neuste High-Tech-Sache. Und total sicher. Mit der App kann ich sogar meinen Flieger steuern und gleichzeitig im Heck mit dir ernsthafte Fragen erörtern …

S #3: Friedrich! Ssscht!

S #1: Nun lass ihn doch, Frank-Walter. Friedrich meint es doch nur gut mit dir.

S #2: Echt, Markus? So gut wie mit mir?

M #1: Also, Olaf, ehrlich, das muss ich mir …

S #3: Ssscht!

S #1: Sag mal, Olaf, wo ist eigentlich deine Silvester-Ansprache-2022-Lamprecht? Ist die keine Christin, deine Christine? Warum ist die nicht hier auf der Beerdigung?

S #2: Die Christine ist im Büro und bearbeitet die Puma-Marder-Geschichte! Die hat zu tun.

S #1: Weiß man’s? Vielleicht steht die wieder vor deinem Kanzleramt und hält eine neue Rede über durchgebrannt Sicherungen in ihrer Abteilung. Also bei den Panzern, die nicht mehr fahren.

S #2: Markus!

S #1: Obwohl, Olaf, das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, so wie die am Sessel klebt.

M #1: Die Christine klebt fester an ihrem Amt als die Klimakleber auf der Straße!

S #1: Das war mein Satz! Du zitierst mich, Friedrich.

M #1: Aber sie klebt. Eben wie Klimakleberterroristen auf den Straßen.

S #2: Ach, ihr beiden. Wenn ihr schon Vergleiche ziehen wollt, dann passt doch dazu besser euer Andreas Scheuer als damaliger PKW-Maut-Minister und seine klaren Gesetzesverstöße …

S #3: Ssscht!

S #1: Recht haste, Frank-Walter. Olaf, das hier ist eine Beerdigung. Und kein vorweg genommenes Provinz-Dreikönigstreffen der SPD.

M #1: Dreikönigstreffen? Wieso nicht? Ich dachte, bei Papst-Beerdigungen werden nur Kaiser und Könige geladen.

S #1: Friedrich!

M #1: Ja, Markus? Ich mein doch nur.

S #1: Friedrich!

M #1: Jetzt sei doch nicht so streng zu mir. Ich bin doch nicht der Laschet, sondern wir sind geschätzte Kollegen. Inzwischen haben wir aus Sympathie schon dieselbe Brille und jetzt willste mich schulmeistern?

S #1: Friedrich!

S #2: Ihr beide seid einfach nur peinlich. Wie könnt ihr nur hier auf dieser Beerdigung sein, ohne dass man sich schämen müsste?

S #1: Joseph Aloisius, ich meine, unser Papst Benedikt, der war Bayer. Und Papst. Und dann erst in zweiter Linie Deutscher sowie Oberhaupt der Katholiken weltweit.

S #2: Ach.

S #1: Friedrich, kann ich bei dir mitfliegen? Ich muss noch zu der Gedenkfeier unserer bayrische Gold-Rosi. Die ist gestern gestorbenen, unsere bayrische Gold-Rosi Mittermaier.

S #2: Vorletzten Monat Hans Magnus Enzensberger, letzten Monat Papst Benedikt, jetzt auch Rosi Mittermaier. Sterben bei euch die Promi-Bayern in Bayern weg?

S #3: Olaf!

M #1: Ja, Frank-Walter, ruf den Olaf zur Ordnung! Ist ja peinlich und frei von jeglicher Sachkompetenz. So wie seine Sesselkleberin Christine. Und das hier auf der Beerdigung. Wenn unser Benedikt das mitbekäme, der würde im Sarg rotieren. Frank-Walter, sprich mal ein Machtwort.

S #3: So! jetzt reicht es mit euch dreien! Friedrich! Ab in die dritte Reihe. Markus, du ebenfalls. Olaf, zweite Reihe links hinter mir. Und wehe, Olaf, du singst das Te-Deum in der falschen Tonlage. Dann entlasse ich deine Christine.

S #2: Olaf, nicht vergessen, das Te-Deum immer in Cis-Moll.

S #1: Markus!

S #2: Frank-Walter, ich wollte doch nur das Beste für Deutschland.

S #1: Ruhe! Oder ihr alle drei werdet von mir aus euren Posten rauskomplementiert.

T #1: Gute Idee, Frank-Walter. Kann ich dann Bundeskanzler? Also als Bundekanzler “Peter Tschentscher, der Erste”?

F #1: Moment, jetzt wäre wieder eine Frau dran wie ich als “Bundeskanzlerin Nancy Fäser”!

S #1: Jetzt reicht’s! Am Dreikönigstag treffen wir uns alle in meinem Schloss Bellevue! Und wehe ihr bringt mir nicht Weihrauch, Gold und Myrrhe mit, ihr Rüpel!

S #2 + S #3 + M #1 + T #1 + F #1: Jawoll, eure Durchlaucht!

S #1: Und, du, Frau Bärbel Bas! Als Bundestagspräsidentin schreibst das Protokoll! Basta!

B #1: Frank-Walter, ich muss Sie zur Ordnung rufen, ihre Redezeit ist abgelaufen. Bitte kommen Sie schnell zu ihrem Ende. Also, die ihrer Rede, nicht Amtszeit, Sie verstehen, nicht wahr …

S #1: RUHE !

 

Beerdigung

Foto: Screenshot)

Kneipengespräch: Davertgeschichten oder … in der Davert lügt man, wenn man höflich ist

Ein kehliges Röhren, direkt aus dem Rachen, unterstützt von einem Geräusch von zusammengeklebten Schleim, der Blasen wirft. Ein Geräusch, das fast aus dem Magen zu kommen scheint, gurgelnd aufsteigend in den Hals-Nasen-Rachenbereich. Ein Geräusch wie bei den Zombies aus der Fernsehserie „The Walking Dead“.

»Hey!«

Der Wirt hatte in seiner Zapfbewegung innegehalten und meinen Nachbarn lauthals angeranzt. Jetzt blickte er ihn eindringlich an.

»Wage es nicht! Oder ich schmeiße dich raus!«

Das Gesicht meines Nachbarn zeigte Überraschung. Er hielt inne und das Geräusch, das er von sich gegeben hat, endete sofort. Seine Kiefer mahlten jetzt dafür. Er schien etwas im Mund zu haben, an dem er kaute. Er hob sein Glas Pinkus hoch und nahm einen langen Schluck. Er hatte es runter gespült.

Es schüttelte mich. Ich dachte, dass ich mich verabschieden sollte. Aber der Wunsch nach einem weiteren Pinkus machte meine Absicht, mich zu verabschieden, zunichte. Nicht immer hatte der Wirt diese Art Sonderaktionen. Diesmal gab es eine Sonderaktion mit Pinkus-Bier aus Münster. Ich hob mein Pinkus und winkte damit dem Wirt zu. Er nickte und brachte mir ein neues, volles Glas.

Mein Blick fixierte die Barauslage hinter dem Wirt. Wie lange würde ich wohl brauchen, um alle Flaschen zu auszutrinken? Oder zumindest einmal alle probiert zu haben? Das Zweite war realer, aber reichte noch mein Geld dazu? Ich öffnete im Geiste meine Geldbörse und fing an, den Inhalt durchzuzählen.

»Es tut mir leid, ich wollte niemanden ekeln«, entschuldigte sich mein Nachbar beim Wirt  und bei mir, »ich war in Gedanken versunken und mir gingen dabei die letzten Tage durch den Kopf.«

»Das mag ja sein, aber solche Geräusche von sich zu geben, geht mal erst gar nicht. Du bist hier nur Gast«, entgegnete der Wirt unterkühlt, »selbst wenn die letzten Nachrichten, was die Ausschreitungen zu Silvester-Neujahr anbetrifft, zum Kotzen waren. Okay? So etwas machst du hier nicht bei mir! Bei mir nicht!«

»Es tut mir leid.«

Ich ignorierte den Nachbarn und fixierte meinen Blick auf eine schlanke grüne Flasche. Schliersee-Gin. Den wollte ich jetzt. Mit einem Schluck trank ich mein gerade mir hingestelltes Pinkus leer.

»Herr Oberspielleiter, etwas von dem Schliersee-Gin hätte ich gern.«

Der Wirt blickte mich an, nickte und fragte: »Pur oder auf Tonic?«

»Pur.«

Er griff Gin-Flasche und Longdrink-Glas und füllte mir etwas ab. Zusammen mit einem weiteren Glas Pinkus schob er mir den Gin rüber. Aus dem Gin-Glas stieg mir der intensive Duft von Wacholderbeeren in die Nase. Ich hielt inne, für einen Augenblick, um diesen Duft für mich festzuhalten und zu genießen, um diesem Moment ein Stück Ewigkeit zu geben.

»Wissen Sie, meine Mutter kam aus Schlesien. Sie war auf der Flucht, ihr Leben lang, sie floh mit ihrer Mutter und ihren paar Habseligkeiten vor der Ostfront Richtung Westen, da wo es ruhiger und sicherer war.«

Er redete wohl mit mir. Ich versuchte den Nachbarn weiterhin zu ignorieren und konzentrierte mich auf den Geschmack der verschiedenen Gin-Botanicals unter meinem Gaumen.

»Sie legten den ganzen Weg zu Fuß zurück bei Wind und Wetter«, hörte ich meinen Nachbarn sagen, »und als sie in der Gegend von Münster ankamen, unterkühlt und vergrippt, wurden sie als erstes gefragt, warum sie denn nicht im Osten der sowjetischen Besatzungszone geblieben wären. Oder, warum sie ihre Heimat Schlesien nicht bis zum letzten Atemzug verteidigt hätten.«

Ich schmeckte Zitrone, Orange und Fenchel … ich musste mich konzentrieren, … doch, da war ganz sicher ein Hauch von Heublumen, …

»Willkommen waren beide nicht, außer meine Mutter. Der fast 18-jährige Sohn vom Dorfvorsteher soll sie – wie behauptet wird – geschwängert haben. Meine erst 14-jährige Mutter wurde darauf zu einer Engelsmacherin gebracht. Und der Dorfvorsteher strafte seinen Sohn, weil jener sich mit einem Flüchtlingsmädchen sexuell eingelassen hätte. Er schickte ihn in ein bekanntes Internat am Niederrhein. Dort erhoffte sich der Dorfvorsteher eine bessere Erziehung für seinen Jungen. Denn das Internats stand unter einer erzkatholischen Leitung, die ihm Ruf stand, mit strenger Hand auf die sittsame und moralische Erziehung der ihnen anvertrauten Jungen zu achten. Später wurde hinter vorgehaltener Hand das Gerücht gestreut, dass der Junge des Dorfvorstehers sich aus Reue in jenem Internat umgebracht haben sollte. Weil der Junge in jenem Internat sein bereits Dorf bekanntes, ausschweifendes sexuelles Leben auch mit anderen Jungs und verwerflicher weise auch mit Priestern fortgeführt haben sollte, war sein Selbstmord zu Recht die Strafe Gottes. Das inzwischen aber herausgefunden wurde, dass in dem Internat nur die Priester sexuell aktiv mit den Jungen agierten, das wurde nicht weiter thematisiert. Schließlich – so die Ansicht im Dorf – das war ja Angelegenheit des Internats, und nicht des Dorfes. Und in Wahrheit war es in jenem Dorf auch damals nicht unbekannt. Aber irgendwie musste man ungehorsame Kinder ja zur Vernunft bringen. Und wenn es nicht die Kirche Gottes könne, wer hätte es denn je besser gekonnt, so wurde als Rechtfertigung immer gemunkelt.«

Ich wollte ihm nicht zuhören. Es interessierte mich einfach nicht. Konnte er seine Geschichte nicht seinem Glas Pinkus flüsternd erzählen? Warum mir? Was hatte ich verbrochen? Ich wollte meine Ruhe: »He, Wirt, haste noch einen anderen Gin?«

»Es tut mir leid. Meine Geschichte interessiert Sie nicht?«, warf mein Nachbar ein.

»Nein«, blaffte ich zurück.

»Das sagte meine Mutter auch immer. Sie hasste den Krieg. Sie hasste die Lust an der Zerstörung. Jene Zerstörung, die die Militärs jetzt immer als Kollateralschaden bezeichnen und uns gegenüber damit verniedlichen. Und sie hasste den Krieg weiterhin, diesen organisierten generalstabsmäßigen Tod. Genauso wie die heutigen Beschwörungen, dass Krieg unbedingt unabdingbar sei, um gegen die anderen zu kämpfen. Sie hasste Krieg. Aber niemand interessierte sich für ihre Ansicht und Erfahrungen mit Krieg, niemand interessierte sich für ihre Lebenserfahrungen. Was haben die heutigen Menschen damit zu schaffen, wer interessiert sich dafür? Für ihre Panik, wenn Bombenalarm herrschte. Wenn alle, die auf den Feldern arbeiteten, in die Feldbunker flohen. Einmal, als die Bunkertüren bereits verrammelt waren, kam ihr Vater – ein Münsterländische Westfale, wie er im Buche steht, als Beispiel der westfälischen Langsamkeit – und donnerte mit Fäusten und Steinen gegen die verschlossenen Türe, um noch reingelassen zu werden. Im Bunker dachte jedoch jeder, dass draußen bereits Bomben einschlugen, weil die Schläge an der Tür im Bunker so dröhnend hallten. Alle hatten in Todesangst geschrien, es herrschte ein heilloser Bunkerkoller, bis der Öhm meiner Großmutter die Tür aufmachte und ihr Vater rein stolperte. Beim zweiten Mal kam ihr Vater wieder nicht rechtzeitig. Er kam überhaupt nicht an. Nach dem sonntäglichen Gottesdienst radelte er gemächlich von der Kirche direkt zu seinem Hof, während seine Familie im Bunker wartete und dort zu Gott betete, dass nichts passieren sollte, traf ihn eine Fliegerbombe frontal. Fast nichts von ihm blieb übrig. Nach der schnellen Beerdigung ihres Ehemannes beschloss meine Großmutter mit Kind und Kegel aus Schlesien zu fliehen. Flucht. Dahin, wo es sicher sein sollte, dahin, wovon ihr Ehemann immer schwärmte: ins Westfalenland. Dort, wo das Leben nicht vom Terror durch Bomben und Tod regiert werden würde.«

Der Wirt war weit und breit nicht zu sehen. Oder er hatte sich verdrückt. Vorhin hatte ich ihn doch noch gesehen. Keine Ahnung.

Ich konzentrierte mich auf meinen Rest Gin im Glas und versuchte den Moment des ersten Geruchskontakts, das jungfräuliche Erschnuppern der Gin-Blume, wieder zu beleben. Da war noch ein weitere Duft. Ich erkannte den Duft von Kartoffeln. Aber wird Gin aus Kartoffeln gemacht?

»Sie erreichte das Westfalenland und damit erfuhr sie gleich, wie es dort zuging. Nach der Geschichte mit dem Sohn des Dorfvorstehers und dem Schwangerschaftsabbruch riet der dortige Dorfpfarrer sowohl meiner Mutter als auch ihrer Mutter in ein anderes Dorf umzuziehen. Er kannte den dortigen Dorfpfarrer und so zogen Mutter und Tochter in den Süden Münsters, in die Davert. Nur dort wurde es noch schwieriger. Sie waren nicht nur Flüchtlinge, sondern auch todsündig: es verbreitete sich wie ein Lauffeuer, dass meine Mutter bereits mit weniger als 15 Jahren einen Mann zum Sex verführt – so verführt wie die Eva den Adam zur Sünde brachte – und dann auch noch gotteslästerlich abgetrieben hatte. Sie war der Aussatz, das personifizierte Lepra des Dorfes, in dem sie sich niedergelassen hatten. Und genau so wurde die Frau behandelt. Und ihre Mutter wurde als Rabenmutter verschrien, eine Inkarnation der biblischen Hure Maria Magdalena des Dorfes. Von dem Dorf stigmatisiert sowohl als heimatloser Flüchtling als auch gotteslästerliche Rabenmutter. Nur Kommunist oder eventuell evangelisch zu sein, das erschien noch schlimmer für Gemeinde und Bevölkerung des Dorfes. Aber was war schon schlimmer als Pest? Cholera? Der dortige Dorfpfarrer hielt zwar seine Hand einigermaßen schützend über beide. Nur machte ihn dafür der Pfarrgemeinderat in vielen Sitzungen immer wieder rund, weil er als Mann Gottes doch die Bibel nicht befolgen würde, sondern vielmehr die Sünde protegieren und dazu auch noch beherbergen würde.«

»Und was hat das mit mir zu tun?«

Langsam wurde ich aggressiv. Der Mann laberte mir mit irgendwelchen Heulgeschichten mein Ohr ab und der Wirt wollte einfach nicht auftauchen, um mir einen anderen Gin zu bringen. Wo blieb er nur?

»Was kann ich dafür, dass Ihre Familie auf der Flucht war und dann hier Probleme bekam? Ist das meine Schuld, was andere damals verbrochen haben? Was kann ich dafür? Ich habe damit nichts zu schaffen! Lassen Sie mich damit in Ruhe!«

»Meine Mutter ist 84 Jahre alt und ich bin 69.«

Ich hielt inne und rechnete nach:

»Ihre Mutter ist 84? Und Sie 69? Da stimmt etwas nicht.«

Ich schaute meinen Nachbarn zum ersten Mal direkt ins Gesicht. Das Leben hatte seine Autogramme in Form von Falten und Grübchen in sein Gesicht geschrieben. Das Haar war silbergrau und spärlich auf seinem Haupt. Unrasiert war er und seine Bartstoppeln changierten von dunkelbraun zu hellgrau. Sein Rücken war gebeugt und zeigte einen Buckel. Die Augen schienen eingetrübt, vom bereits konsumierten Pinkus leicht glasig. Aber zugleich war sein Blick erkennbar müde. Seine Lider wirkten übernächtigt, verschlissen, abgenutzt vom dauernden Blinzeln. Dicke Tränensäcke klebten unter seinen Augen. Er vermittelte den Eindruck eines Menschen, der unter Bedrückung, vielleicht sogar unter Depression litt.

»Ihre Mutter hatte nicht abgetrieben, nicht wahr? Sie war 15, als sie Sie gebar. Und somit ist ihr Vater der Sohn des Dorfvorstehers, der Selbstmord beging, nicht wahr?«

»Nein, der Sohn war es nicht.«

»Sondern?«

»Der Dorfvorsteher selber.«

»Der Dorfvorsteher?«

»Ja, der Dorfvorsteher und spätere Kreisvorsitzender. Ein Kinderficker von Gottes Gnaden. Im wahrsten Sinne des Wortes. E selber ist ein Erzkatholik und hatte alle Pfaffen unter seiner Fuchtel. Sein Einfluss soll bis ins Domkapitel gegangen sein. Einige behaupteten sogar, er würde morgens Weihwasser pinkeln.«

»Und sein Sohn? Hatte er diesen nicht auf das Internat geschickt?«

»Ja. Er musste es jenem wohl als Karrierebildungschance verkauft haben. Als sein Sohn dann dort auf dem Internat war, hatte der Dorfvorsteher öffentlich herum erzählt, dass allein sein Sohn an der Schwangerschaft des Flüchtlingsmädchen Schuld gewesen sei.«

»Moment. Und der Dorfvorsteher hatte nicht bemerkt, dass Ihre Mutter schwanger blieb und nicht abgetrieben hatte?«

»Der Umzug ging schnell und sowohl der erste Pfarrer insbesondere aber auch der Pfarrer der Davert-Gemeinde hatte sie geschützt und beschützt. Dafür hatte eben jener zweite Pfarrer in den Pfarrgemeinderatssitzungen dann bitter bezahlen müssen. Die Pfarrgemeinderatsmitglieder waren unerbittlich fromm und streng gottgläubig. Der Dorfvorsteher hatte wohl mitbekommen, dass meine Mutter sich der Abtreibung widersetzt hatte, und jener Dorfvorsteher vom anderen Dorf, der eigentliche Vater, er hatte seinen Einfluss bis in den Pfarrgemeinderat wirken lassen.«

»Aber hat niemand gewusst, wer ihr Vater in Wahrheit war?«

»Später schon. Als dessen Sohn sich umbrachte, weil er die sexuellen Übergriffe der Internatspriester nicht mehr ertrug, war der Dorfvorsteher mit den Nerven fertig. Zudem kam raus, dass er im Nachbardorf ebenfalls zwei Mädchen missbraucht hatte, die ebenfalls noch nicht mal 15 Jahre waren. Alle Pfarrgemeinderäte in der Umgebung baten den Bischof in Münster den Dorfvorsteher wegen seinen Todsünden sofort zu exkommunizieren. Allein gegenüber der ermittelnden Staatsanwaltschaft bildete man eine unerbittliche Mauer des Schweigens. Es ging schließlich um die Ehre aller Mitwissenden. Zum letzten Mal sah man jenen Dorfvorsteher noch in der Karfreitags-Messe. Man sagte, er saß auf seinem Stammplatz in der Kirche, vorne, isoliert, recht und links von ihm blieb exakt ein Platz frei, er im Zentrum davon strotzend von unnahbaren Stolz. Aber doch irgendetwas sollte nicht gestimmt haben: er sah zerbrochen aus, behaupteten einige. Gebrochen wie eine Gebäude-Fassade aus Dresden 45, so soll er gewirkt haben. Und als er das Weihwasser vom Pfarrer abbekam, bemerkten einige, dass er empfindlich gezuckt haben soll. Obwohl – und das betonte jeder – er wie jedes Jahr mit seiner dröhnenden Bassstimme das Kirchenlied ‚Oh Haupt voll Blut und Wunden‘ mit an brutaler Wollust grenzender Inbrunst gesungen habe.«

»Und?«

»Beim Ostersonntag-Spaziergang fanden ihn dann Spaziergänger aus dem nahen Münster an der berühmten Teufelseiche der Davert baumelnd. Sonnenstrahlen hatten den Schatten des Leichnams von der Teufelseiche auf dem Weg der Wanderer geworfen.«

»Selbstmord?«

»Man sagt, das Ho-Ho-Männeken habe ihn vom rechten Weg in die Wacholderbüsche gelockt. Dort hatte es ihn niedergeschlagen und dann am äußersten Ast der Teufelseiche in fünf Meter Höhe aufgeknüpft.«

»Wer? Das Ho-Ho-Männeken? Wer soll das ein?«

»Der ermittelnde Dorf-Polizist war selber ein Bewohner der Davert, ein sogenannter Davertnickel. Zudem noch Pfarrgemeinderatsmitglied. Er hatte die Akte als Selbstmordfall abgeschlossen. Ob es das Ho-Ho-Männeken war oder der Ritter zur Davertsburg, der wegen seiner damaligen Jagd zu Ostern dazu verdammt war, in der Davert unweit der Teufelseiche ruhelos umher zu irren, das weiß niemand. Nicht mal einer der Pfarrgemeinderäte beider Gemeinden. Und erst recht niemand interessiert es, was das alles aus mir gemacht hat.«

»Das ist doch ein Schmarren!«

»Nun, kein Schmarren ist, dass ich der Sohn eines katholischen Kinderschänders bin, meine Mutter bis zu ihrem Tod ein unwillkommener Flüchtling blieb und bei mir 50% Schlesierblut in den unehelichen Adern fließt. Niemand mag Flüchtlinge, die nicht deutsch sind.«

»Und zu Hundert Prozent ist sicher, dass du Vollidiot jetzt meinen Laden verlässt«, der Wirt war für mich überraschend hinter ihm aufgetaucht, packte meinen Nachbarn an seinem Arm und zugleich an den Kragen seiner Jacke. Er schleifte ihn von seinem Hocker zur Tür, öffnete mit seinem Fuß die Eingangstür auf und stieß den Nachbarn hinaus.

»Jetzt ist es genug mit deinen Mitleidsgemäre von wegen Flüchtlingskind und Spukgeschichten in irgendwelche preußischen Regionen! Lass dir gesagt sein, wir mögen Flüchtlinge. Bis zum Verrecken mögen wir sie, da können die drauf Gift nehmen. Wörtlich. Und dich mögen wir nicht. Zum Verrecken mögen wir dich hier nicht: Lass dich nicht mehr blicken! Und nimm deine Pinkus-Rechnung als mein Abschiedsgeschenk an mich! Du kannst wieder kommen, wenn du dich endlich in unserer Kultur Bayerns angepasst hast, du Spinner! Fuck you, ashole!«

Nie hatte ich den Wirt so energisch gesehen. Da war nichts mehr von der bayrischen Gelassenheit und seinem rheinischen Frohsinn. Er hatte meinen Nachbarn hinaus gestoßen und die Tür geschlossen. Als er an mir vorbei kam, klopfte er mir auf die Schulter und meinte:

»Ah, du hast dein Pinkus ausgetrunken. Noch ein Pinkus? Ja? Nebenbei, habe ich dir schon mal meinen Gin-Geheimtipp serviert? Vom Schliersee. Nicht nur aus Wacholdern hergestellt, sondern auch aus Kartoffeln destilliert. Eine Geschmacksexplosion für deinen Gaumen, das verspreche ich dir …«

Kneipengespräch: Pflegt die Hände schon beim Spülen

»Hömma, was trinkst du denn da? Kein Kölsch?«

»Amarone.«

»Was soll das sein? Ama-was? Das ist doch ein Rotwein, das riecht doch ein Blinder mit Krückstock!«

»Das ist einer aus Italien.«

»Also doch so ne Art Chianti für Arme. Und kein Kölsch? Biste krank, oder wat?«

»Cheffe meinte, für dreifuffzich das Glas passt der ganz gut. Er will ihn loswerden.«

»Dreifuffzich das Glas? Hat der Grippe? Herr Oberspielleiter, haste Grippe?«

»Nee, der hat keine Grippe. Die Flasche ist von seiner Schwiegermutter, aber seit vorgestern hat er sich von seiner Frau getrennt und will nichts mehr, was an sie erinnert.«

Der Wirt brachte zwei Stangen Kölsch herbei, stellte sie ab und schaute fragend: »Willst auch’n Glas Amarone? Ist das letzte. Ging von nem Gast unangetastet zurück. Passte ihm nicht zu den Riewekooche.«

»Riewekooche und Rotwein? Das geht auch wirklich nicht. Zu Riewekooche nur en Kölsch. Danke ich bleib beim Kölsch.«

Der Neuankömmling schaute mich fragend an: »Und wie isset?«

»Joot isset.«

»Dann isset joot. Freut mich.«

Er nahm einen langen, tiefen Schluck aus seinem Kölsch, musterte den runter rinnenden Restschaum in seiner leeren Kölsch Stange, stellte sie beiseite, ergriff sich das Kölsch vor mir, murmelte: »Tschuldige, aber auf einem Bein kann man nicht stehen«, bäuerte unterdrückt und musterte mich erneut:

»Und haste das Endspiel gesehen?«

»Von der ersten bis zur letzten Minute. Und du?«

»Ich nicht. Mein Chefredakteur hatte mich verdonnert, jemanden zu imitieren, der die Fußball-WM aus moralischen Gründen boykottiert. Ich sollte darüber schreiben, wie das so ist, wenn man ein Endspiel verpasst.«

»Und?«

»Normal. Keine Autotorsos, keine Menschen, welche irgendwelche Hauptstraßen blockieren und Menschen ans Weiterkommen hindern, keine randalierenden Fans, einfach nichts.«

»Und was haste statt dessen dir angeschaut?«

»‘Der Nussknacker und die vier Reiche’, ‘Ich heirate einen Prinzen’ und ‘Jauch gegen 2022‘.«

»Bildungsfernsehen, ich verstehe.«

»Absolut. Wusstest du, dass Günther Jauch damals, also noch bevor er, du weißt schon, also als er …«

»Nein, wusste ich nicht.«

»Siehste! Die Privaten kommen dem Bildungsauftrag nach, die anderen haben nur für teuer Geld Fußball eingekauft!«

»Echt. Wahnsinn. Das wusste ich nicht.«

»Nebenbei habe ich noch getwittert.«

»Was denn so?«

»Paar Boomern den Marsch geblasen und Straßenklebern mit dem Strafgesetzbuch gedroht.«

»Echt? Wie engagiert.«

»Und Elon Musk supportet. Der hat bei Twitter ein bisschen feucht durchgewischt und den linksgrünen faschistischen Mob rausgespült. «

»Feucht durchgewischt? Also Mitarbeiter per E-Mail entlassen. ‘Durchwischen’ hört sich so positiv an.«

»Twitter ist Abschaum. Ein Moloch für Lebensversager.«

»Und daher spielen Sie dort mit?«

»Sie etwa nicht? Oder sind Sie etwa einer derjenigen, die Twitter abschaffen wollen. Das wäre Cancel culture!«

»Cancel culture? Nur weil dann eine Plattform fehlen würde, auf der allerlei Unsinn ablaichbar wäre?«

»Sie gehören wohl auch zu der linksgrünen Siffkultur?«

»Mitnichten.«

»Sondern?«

»Ich bin mehr passiver Twitter-Nutzer, folge einigen Accounts bewusst und versuche mich aus Schlammschlachten und Hetzer-Blasen heraus zu halten. Bei Twitter geht allerdings inzwischen die Deppenquote derjenigen mit ADHS-Symptomen hoch.«

»Deppenquote. Soso. Das ist also ihre Art der Diskussionskultur.«

»Die Vollkaskodesperados sind im Kommen. Twitter verkommt zu einem Lautsprecher, zu einem Hohlkörper, wie ein Eisenfass: es macht besonders viel Krach, wenn man es mit groben Werkzeugen bearbeitet und den Krach dann als verkannte Symphonie deklariert. Unter heftigem Getrommel.«

»Soso.«

»Es gibt einen weisen Satz: Energie folgt der Aufmerksamkeit. Energy flows, where attention goes. Solchen ADHS-Adepten werde ich das nicht geben, wonach sie lechzen: Energie, gesaugt aus einer ihnen gewidmeten Aufmerksamkeit.«

»ADHS-Adepten. Sie sind ja voll gebildet, sie kennen sich wohl voll aus. Abitur im Schnelldurchgang gemacht, he?«

»Bekannt ist, jeder Hahn kräht auf seinen Haufen Mist, den er als Mittelpunkt der Welt erachtet. Und weil es auf seinen Mist gut klappt, will er seinen Mist auch bei anderen aufhäufeln, um dort herum zu krähen. Und seit Wilhelm Busch und seiner Witwe Bolte wissen wir, Hähne legen keine Eier (auweia), machen aber lange Hälse, wenn sie gierig nach Ködern schnappen, geben danach ein feines Mittagessen ab, wenn man sie grillend richtig zubereitet. Twitter verwandelt es sich in einen riesigen Haufen Mist und lockt damit krähendes Federvieh mit Weltenmittelpunktsehnsucht an. Für Twitter bleibt mir nur noch eines zu konstatieren: Twitter ist maximal mittel punkt«

Ich atmete durch und pausierte. Dabei registrierte ich, dass der Neuankömmling nicht mehr neben mir stand. Er hat mich einfach ohne ein Wort sitzen lassen und befand sich nun am anderen Ende der Theke und unterhielt sich mit einem vierschrötigen Kerl.

»Sie reden viel, wenn der Tag lang ist, oder?«

Der Typ auf meiner anderen Seite grinste mich an.

»Vielleicht.«

»Was trinkst Sie denn da? Kein Kölsch?«

»Amarone.«

»Wenn’s schee macht. Prost. Ist Amarone Blubberwasser?«

»Blubber-was? Nicht, dass ich wüsste.«

»Blubberwasser. Wasser mit Blasen. So wie die ganze Social-Media-Sache an sich.«

»Auch eigene leidvolle Erfahrungen gemacht?«

Er grinste leicht, hob sein Kölsch sinnierend vor seine Stirn und fuhr fort:

»Social Media ist die Befriedigung der Suche nach Anerkennung. Das kann auch negative Befriedigung sein. Aber Hauptsache Anerkennung. Es ist eine Blasen-Welt, in der man sich wunderbar verlaufen kann, wenn einem die real existierende äußere Welt nicht das zollt, was man sich eigentlich erhofft, was man erwartet.«

»Zum Beispiel?«

»15-Minuten-Ruhm. Wissen Sie, wenn die äußere real existierende Welt stimmig ist, dann kommt es bei Social-Media-Nutzern zu Erschöpfungssymptomen durchs ewige Kämpfen-Müssen, durch Frustrationen mit einer nachfolgenden „Geht mir am Bobbes vorbei“-Haltung. Was interessiert es schon, wenn sich einzelne Individuen darüber echauffieren, dass sie nirgendwo geliebt werden, so wie sie sich geben. Oder sich genau so aufführen. Solche benehmen sich wie Boxer, die in der sechsten Runde schon schwer angeschlagen sind und dann von Runde sechs bis Runde zwölf torkelnd alles boxen, was sich irgendwie leicht vor deren zugeschwollenem Horizont bewegt. Und das ohne erkennbare Ergebnisse. Außer das sie selber kurz vorm Exitus stehen.«

»Kurz vorm Exitus nennt sich heute Resilienz.«

»Resilienz, ja. Und dafür werden sie wie Helden gefeiert. „Per aspera ad astra“ ist der Leitspruch jener. Durch Ungemach zu den Sternen. Sie meinen, mutmaßlichen Respekt in der Währung »Aufmerksamkeit« einzukassieren, koste, was es wolle. Auch wenn der Preis dazu von ganz anderen gezahlt werden wird. Hauptsache in deren Bilanz taucht dieser Saldo-Punkt nicht als Negativum auf.«

»War das jetzt nicht ne Aussage zum Angriff auf die Ukraine, oder?«

»Vielleicht eher zu den Soldaten darin. Dort werden Helden am laufenden Frontmeter produziert. Und jeder weiß, Soldaten sind Helden, auch wenn deren letzte Minute nur aus irre Schmerzensschreie besteht, weil eine Granate deren Eingeweide frei gelegt hat oder deren Herz offen ausblutet. Oder weil deren Hirn durch ein Loch in die Augen läuft. Oder wenn von der Zivilistin auf der Straße nach dem Raketeneinschlag nur noch die roten Stöckelschuhe mit den Fußstümpfen drin auf der Straße übrig bleiben. Dann sind sie Helden. Für eine Nacht.«

Ich musterte den Kerl. Anfangs war er mit noch sympathisch. Nur nachdem er so bildlich das Sterben im Krieg skizzierte …

»Schau mal. Wenn ein Infantino – man muss ihn nicht mögen, überhaupt nicht -, also wenn ein Infantino sagt, dass die westliche Welt vor Doppelmoral strotzt, und darauf die getroffenen Hunde bellen „Das muss ausgerechnet dieses korrupte Arsch sagen“, dann kann man später beobachten, wie diese Getroffenen ihre Hände in Unschuld waschen, in jener Suppe, die von anderen ausgelöffelt werden muss. Und spätestens dann taucht Tilly auf und flötet: „Nein, das ist keine normale Suppe, das ist Palmolive, das pflegt die Hände schon beim Spülen in Unschuld“.«

Ich versuchte für mich seine Gedanken zu ordnen und dachte laut:

»Und immer wenn jemand seine Hände in Unschuld wäscht, ..«

Er fiel mir ins Wort:

»… dann hält bereits jemand anders eine Packung Toilettenpapier mit der Gravur DANKE zum Abtrocknen bereit.«

Der Wirt brachte mir ein Kölsch und räumte mein leeres Glas Amarone weg. Ich nahm einen Schluck. In dem Moment entdeckte ich das kleine Fläschchen “Kleiner Feigling” vor mir.

Hier endeten meine Erinnerungen. Dafür startete wohl der Filmriss in meinem 4K-Movie mit Dolby-Atmos-Sound. Live sucks.

Die Winterrealität 2022

Sommermärchen werden im Sommer geschrieben, Frühjahrsgefühle im Frühjahr gebettet, Herbstdepressionen im November durchlebt: Allerheiligen, Allerseelen, Hitler-Ludendorf-Putsch, Novemberprogrome, Hungerstreiktod eines RAF-Terroristen, Straßenklebende, Volkstrauertag, Gänseschlachttag (Martinstag), Buß- und Bettag, WM-Fußballspiele der “Mannschaft” …

Und jetzt zur Winterrealität 2022: es ist kalt. Noch drei Wochen, dann ist Heilig Abend vorbei. Wie von Geisterhand werden dann die Innenstädte frei sein, frei von den Suchenden und Süchtelnden nach Weihnachtsstimmung, so zwischen Handwerksbuden, Grillbratgutanbietern und Glühweinständen. Die Fußgängerzonen werden wieder frei von “Last Christmas” sein und unser Heilig’s Blechle unbehelligt von Stock und Stein und Störern seinen Weg von Familienfeier zu Familienfeier finden.

Es wird wieder Frieden im Land herrschen. Frieden und Freiheit zur Weihnachtszeit. Und das unveräußerliche Recht “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” (13:40 im Das Erste) ungestört im Fernsehen anschauen zu können. Oder für die Boomer-Generation: die ganze Serie “Timm Thaler – Das verkaufte Lachen” (auf ZDF neo) mit Horst Frank als Bösewicht vom Dienst. Oder für die Generation “whY” etwas individuelles zum unbeschwerten Ausleben: free-style-binge-watching auf Netflix, Disney+, Prime Video oder xHamster, je nach Lust, Laue und tiefergelegter Motivation. Nur so herrscht wieder Frieden im Land.

Frieden im Land? Allein die Bösen dieser Welt bomben weiter. Die Bösen bomben alleine weiter. Weil sie sich durchs Bomben von der friedlichen, weihnachtlichen Weltgemeinschaft ausschließen. Zuvor werden noch einmal die “Infantino”s dieser Welt erfolglos gebeten haben, dass alle Kriege wenigstens über die Weihnachtstage mal Pause machen sollten. Einfach mal Pause abschalten und machen. Bei einer quadratischen, knusprigen Haselnusswaffel. Dann können auch die Mitarbeiter der Waffenschmieden dieser Welt ihre Überstunden abbauen. Und weil eine Woche später Knaller und Böller für andere Zwecke benötigt werden. Und weil es Tradition ist, sich so etwas vor laufenden Kameras und rausgereckten Mikrofonen eine Pause für die Kriege zu wünschen. Damit die Überlebenden ihre Toten zu Weihnachten begraben können.

Traditionen, die niemand aufgeben will. Weil Tradition, das muss so sein. Weihnachten und Silvester, das sind Werte und Traditionen, welche nur böse Menschen abschaffen wollen. Also die Gutmenschen. Also jene Menschen, die das Gute wollen, und daher folglich böse sind. Während ein böser Mensch doch gar nicht so böse ist, weil man vom bösen Menschen nichts außer Böses erwartet, was schon wieder gut ist. Denn dann weiß man, was man hat. In der Winterrealität 2022.

So kurz vor Weihnachten. Ich stehe an der Supermarkt-Kasse und habe eine Packung Sekundenkleber zwischen den anderen Sachen. Reparatur ist nachhaltig und Kleber sorgt für Nachhaltigkeit. Sorgsam lege ich alles auf dem Supermarktband der Kasse. Zwischen Tageszeitung, einer Packung Hafermilch Barista-Style und der obligatorischen Tüte Geleegummi schiebe ich die Packung mit dem Sekundenkleber.

Und irgendwie überkommt mich ein Déjà-vu. Eine Vision steigt auf, längst verdrängte Peinlichkeitsgedanken aus dem Ende der 80er Jahre. An der Kasse sitzt eine wasserstoffblondierte Hella von Sinnen, eine legere jüngere Frau, dann der junge Ingolf Lück, der gerade verschämt seine Packung Kondome halb unter einer Stange Lauch aufs Einkaufsband schiebt und von der ältere Frau nach ihm prüfend angeschaut wird. Die Kassiererin nimmt die Kondome schaut drauf, findet kein Preisschild und tönt durch den Supermarkt: “TINA, WAT KOSTEN DIE KONDOME?” (hier). Stille macht sich raumgreifend im Supermarkt breit, und alle starren den jungen Ingo Lück an, der hörbar unangenehm berührt schluckt.

Déjà-vu. Ich schaue auf meine Packung Sekundenkleber. An der Kasse sitzt keine Hella von Sinnen. Aber was wäre, wenn denn jetzt die Kassiererin zum Telefonhörer greift, dann im Markt den Marktleiter über die Außenlautsprecher anschnarrt: “Heiner, komm mal vom Raucherplatz auf der Straße weg und tu mal wat für mich: sach mir mal, was der Sekundenkleber kostet” und Stille würde eintreten. Alle würden auf mich starren. Auf allen Stirnen stände dann nur “Straßenblockierer-Terrorist” zu lesen.

Unauffällig schiebe ich die Packung Sekundenkleber unter andere Lebensmitteln neben dem Laufband, zu den Dingen, die von anderen putativen Einkäufern dort abgelegt wurde, weil die eigene Geldbörse deren Kauf nicht mehr hergab. Sekundenkleber brauche ich auch nicht wirklich. Und von anderen als Straßenkleber und Heilig’s-Blechle-Blockierer dann schief angeschaut zu werden, brauch ich auch nicht. Und überhaupt: Neukauf ist eh viel, viel besser für die Wirtschaft als dusselige Reparatur und als “Straßenblockierer-Terrorist” blöd angeschaut zu werden. Wahrscheinlich macht dann die Vier-Buchstaben-Zeitung von mir ein Foto mit der Packung in der Hand und warnt den Rest der Republik vor mir. Brauch ich nicht. In der Winterrealität 2022.

Kalt ist’s.

Titten, Thesen und Temperamente

Es war wohl gestern einer der denkwürdigsten Vor-Fußball-WM-Tage Deutschlands. Ich habe in meinem Leben schon einige WMs miterlebt, aber das war wirklich so in dieser Weise noch nie geschehen:

ARD Brennpunkt, ZDF Aktuell, RTL Dabei, SAT1 Mittendrin, Pro7 Woanders und BILD TV Standpunkt, alle sendeten zur Prime-Time. Selbst im Internet wurde vorgedacht, nachgedenkt, mitüberlegt und auch anders justiziiert. Es wurde einem regelgerecht schwindlig. Was war passiert? Was löste das Ganze aus?

Gestern früh, halb Elf in Deutschland, wurden in München Flugblätter gefunden. In diesen erhob die Gruppe FEMEN den Vorwurf, die Fußball-WM in Katar wäre eine frauendiskiminierende Veranstaltung. Man plane am 20. November 2022 zum Eröffnungsspiel Katar gegen Ecuador in Katar vor 80.000 Zuschauern im Al Bayt Stadion gegen Sexismus und Unterdrückung der Frauenrechte in Katar zu protestieren. Auf dem Spielfeld. Vor 80.000 Zuschauern bei der Live-Übertragung.

Unterzeichnet waren die Flugblätter von vier europäisch mutmaßlich bekannten FEMEN-Aktivistinnen aus der Ukraine. Dort hatte bekannterweise die Bewegung der FEMEN ihren Ursprung. Gefunden wurden die Flugblätter in und um der Münchner Frauenkirche, auf dem Marienplatz, vor dem Lola-Montez-Palais der Münchner Barer Straße und auch direkt an der Bayrischen Staatskanzlei.

Die Polizei Münchens hatte einige Mühe, die Flugblätter einzusammeln. Trotzdem der konzertierten Polizei-Sammelaktion (zeitgleich klebten Klimaaktivisten am Stachus auf der Straße fest) musste die lokale Presse einiger Flugblätter habhaft geworden sein und berichtete Mittags um halb Zwölf in deren Medienkanäle darüber. Begierig wurden diese Nachrichten von der sich momentan langweilenden, überregionalen Yellow-Press aufgegriffen und in deren Antennen-Programmen eifrig diskutiert. Politiker wurden angerufen und dazu befragt.

So kam denn auch die im bayrischen Ur-Ton verfassen Meinung in den Äther. Sinngemäß sagten zwei Politikerdorffunktionäre und zwei Politiksprechervertreterinnen, dass die FEMEN es ruhig wagen sollten, barbusig und bemalt auf dem Katarer Spielfeldern zu demonstrieren. Denen würden sofort die Brüste von den Herrschenden dort abgeschnitten. Wenn sie denn nicht vorher kopflos werden würden. Daher sollten die Femen nochmals nachdenken, bevor jene so etwas Unüberlegtes und Verantwortungsloses ausführen würden. Und es herrsche ja Gleichberechtigung. Männlichen Flitzern droht ja auch die Amputation deren Zipfels (oder Kopfes) in Katar, sollten die es wagen,nackt zu flitzen.

Ein weiterer, christlicher Politiker veranstaltete sofort eine Pressekonferenz und erklärte, dass die FEMEN in der Ukraine lieber barbusig gegen Putin und seine Schergen kämpfen sollten, statt mit Flugblättern bei uns die Umwelt zuzumüllen. Man habe ja schon mit den auf der Straße geklebten Klima-Terroristen alle Hände voll zu tun, da bräuchte es in Katar auch nicht noch Titten-Terroristen bei einer friedlichen Fußball-WM.

Auf die Frage eines Journalisten, ob die FEMEN mit deren Anliegen eine größere Bedrohung wären, als wenn man in Katar auf Sklavenarbeiter für die WM aufmerksam machen würde, erklärte der Politiker knapp:

“Ich hab noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar g’sehn. Also die laufen alle frei rum, weder in Ketten gefesselt, noch und .. äh … auch mit irgendwelcher Büßerkappe am Kopf, also, das habe ich noch nicht g’sehn. Wo diese Meldungen herkommen, ich weiß es nicht. Also ich hab mir … äh, … vom arabischen Raum hab ich mir ein anderes Bild gemacht. Und ich glaube, mein Bild ist realistischer.”

Als der Reporter nachhakte, warum er denn Franz Beckenbauer 1:1 zitieren würde (Quelle: https://youtu.be/ZUPfm4zsVNQ), brach der Politiker die Pressekonferenz ab und schimpfte, dass in aller Welt in jedem Land immer wieder Menschenrechte verletzt werden würde, warum es dann in Katar denn anders sein solle. Und überhaupt, sollten die FEMEN eher barbusig bei Putin demonstrieren statt unschuldige Menschen zu belästigen. Er würde sich sogar dann bei denen brustfrei auf einem Pferd reitend dazu gesellen. Garantiert. Hundert Pro safe. Das würde er mit den nackigen FEMEN zusammen machen. Safe.

Ein Parteifreund jenes Politikers verteilte um halb Eins eine Pressemitteilung, in der er es bedauerte, dass die Presse seinen sehr christlichen Parteifreund solch einen Dreck angedichtet hätten, er hätte sich für eine Verteidigung der Sklaverei in Katar eingesetzt, damit Deutschland von Katar den WM-Pokal nach Hause bringen könne. Das wäre nachweislich Quatsch. Zudem sollte man die Verhältnisse in Katar berücksichtigen, dass man dort bei ungebührlichem Verhalten ohne Verurteilung 30 Tage lang eingesperrt werden könnte und dann könne keine Botschaft der Welt dagegen etwas ausrichten, weil es ja Katar’sches Recht sei. Und daher solle man auf solchen Titten-Terrorismus verzichten. Es ständen zudem auch wirtschaftliche Beziehungen auf dem Spiel, welche man nicht so einfach bei einem Fußballspiel aufs Spiel setzen solle. Und niemand solle sich beklagen, wenn bei Titten-Terrorismus Katar die Katanas zum Köpfen blank ziehen würde.

Die Opposition brachte darauf ein drölf-seitiges, wütendes Communiqué in die Presselandschaft unter, über welches BILD-TV als Erste berichtete. Hierbei betonte BILD-TV mehrfach, dass unzulässige Vergleiche in dem oppositionellen Pamphlet gezogen werden würden. Denn in jenem Communiqué wurde offenbar hingewiesen, dass das Bayrische Polizeiaufgabengesetz (PAG) seit 2019 erlauben würde, Personen mit potentiellem Risikopotential 30 Tage ohne gerichtliche Verurteilung einzuknasten. Und das wäre wohl 1:1 mit dem Recht in Katar verglichen worden. BILD-TV fragte direkt nach, ob dieses weltoffene, herzliche Bayern mit so einem fernen Land wie Katar einfach verglichen werden dürfe. Insbesondere, da damals Deutschland-weit niemand gegen die Existenzberechtigung des regional auf Bayern beschränkten PAGs etwas eingewandt hatte. Und Katar sei ja überhaupt keine gewählte Demokratie an und für sich.

Ein bayrische Gast aus der rechtsextremen Ortgruppen-Szene betonte in der Sendung, dass er eigentlich Söder und Co für dessen linksextreme Tendenzen nicht mögen würde, aber das PAG an sich schon der richtige Schritt in die richtige Richtung für Deutschland wäre. Denn man könne Klima-Terroristen, die sich auf Bayrischen Straßen festkleben, nicht hart genug bestrafen: denn diese würden die freie Fahrt für freie Bürger behindern, was – so erwähnte er in einem Nebensatz – in Katar jedenfalls nicht der Fall wäre. Da könne jeder Katari frei fahren, wo er wolle, wann er wolle und wie er dürfe und immer jederzeit wollen wollen. Aber in Deutschland haben ja offensichtlich einige Terroristen etwas dagegen und wollen das Dürfen verbieten lassen.

Um halb Drei wurden Ausschnitte aus jener Sendung in allen anderen Nachrichten (Fernsehen und Radio) gespielt. Politiker aller deutschen Bundesländer meldeten sich zu Wort. Es könne nicht sein, dass sogar jetzt Ukrainerinnen von dem Angriffskrieg von Putin mit Titten-Ablenkungsmanöver ablenken wollen. Die sollen doch unsere Fußballer in Frieden friedlich in Katar kicken lassen. Thomas Müller, ein großer Katar-Experte (unter Vertrag bei einem bayrischen Fullballverein der internationalen Katar-Connection), und sein Zitat “Auch in Deutschland gibt es Menschenrechtsverletzungen“ fanden sich in jeder dritten Stellungnahme für die WM in Katar wieder.

Der Bayrische Ministerpräsident Markus von und zu Söder ließ zu einem Fototermin bitten. Mit einem Maßkrug stellte er sich vor einem Bierfass und erklärte, dass der Vergleich zwischen Katar und Bayern hinke. In Bayern gelte die Liberalitas Bavariae als Prinzip und in Katar dagegen der Alkohol als verboten. Nebenbei fügte er an, dass er Katar für seinen rigorosen Umgang mit  Drogenvergehen bewundern würde, dass er Lauterbachs Drogenliberalisierungspläne als Einfallstor für den Drogenhandel in Deutschland sehe. Sprach es und hielt seine bayrische Maß in die Höhe.

Exklusiv aus einem Privatflugzeug, einer Diamond DA62, auf dem Flug von Sylt ins Sauerland, twitterte eine nicht unbekannte Politprominenz, dass das Zeigen von Titten nichts neues sei. Schon am 29. März 1979 beim 27. Bundesparteitag der CDU in Kiel trat ein Oben-Ohne-Ballett auf (Quelle). Die Titten der Frauen hätten schon damals Raum erhalten, da brauche es das heute nicht mehr. Allerdings twitterte er weiter, dass das Vordringen des Gender-Mainstreams von Ukrainerinnen auch in die Männer Fußball-WM in Katar für sehr bedenklich zu erachten sei, während Putin und seine Soldaten in der Ukraine ununterbrochen Frauen unbedenlich vergewaltigen. Und ob Titten und Klebstoff die richtigen Protestmittel seien, dass würde er gerade mit Pressevertretern ausgiebig in Sachen „Contra“ diskutieren. So etwas solle nie ungestraft bleiben. Der Staat müsse gegen solche gewalttätigen Protestformen eindeutig mittels harten Strafen Stellung beziehen und Wehrhaftigkeit zeigen.

Eine Anfrage an das Kanzleramt, ob der Bundeskanzler zu dem Thema Stellung beziehen könne, wurde mit der knappen Email-Antwort “Ja, er könne” beantwortet. Weiteres war in Folge nicht zu vernehmen. Die Bundespressekonferenz wartete vergeblich auf einen Kanzlertermin. Der Faktenchecker Florian Warweg konnte seine seit Monate vorformulierten Fragen nicht stellen.

Nachmittags um halb Fünf, in den Redaktionsstuben der Fernsehsender wurde bereits an Sondersendungen zur Prime Time gebastelt:

Die ARD plante ein Fünf-Minuten-Brennpunkt. Franz-Josef Gottlieb sollte reaktiviert werden.

Das ZDF plante den Frauenrechtsbeauftragten beim DFB mit Franz Beckenbauer für ein Vier-Minuten-Interview gewinnen.

RTL Dabei zeigte eine Zusammenfassung aller FEMEN-Auftritte weltweit – aufgearbeitet in HDR10 für den 4K-TV-Livestream im Internet – mit einem Straßeninterview von Passanten der Hamburger Herbertstraße plus den neusten Entwicklungen vom Klima-Terrorismus, kommentiert von FDP, AfD und CSU-Oberbayern.

SAT1 Mittendrin und Pro7 Woanders zeigten in einer Gemeinschaftssendung Live-Interviews direkt aus einem Münchner Swingerclub und fragten kritisch nach: “Braucht es Titten zur WM in Katar?”

Und BILD-TV dokumentierte die gefährliche Nähe der FEMEN zu Klima-Terroristen, welche freie Bürger an deren freien Fahrt hindern. Ein Live-Interview wurde mit einem FDP-Ortfunktionär aus Hinteroberuntertupfing und einem katholischen Priester geführt. Beide zeigten sich sehr bestürzt darüber, dass bei Protesten keinerlei Moral mehr walten würde. Stattdessen herrsche nur Unmoral und Unsitte unter den Demonstranten und das würde immer mehr um sich greifen und die Moral und die christlichen Werte des Abendlands in Deutschland bedrohen. Besonders der katholische Priester forderte härteres Vorgehen gegen die Titten-Terroristinnen, die einer unmoralischen Sexualideologie folgen.

Gegen halb Neun Uhr Abends kamen dann die Leitmedien der Alternativen Freien Presse mit deren Veröffentlichungen ins Internet. Sie mutmaßten ein False-Flag-Manöver verschiedener Geheimdienste, um von Katar abzulenken und den Fokus wieder auf Putin zu legen. Man zweifelte die Existenz der Flugblätter an und so wie auch die Existenz der FEMEN. Sollte es FEMEN geben, wären diese sowieso Ausgeburt faschistischer und nationalistischer ukrainischer Machenschaften. Die Russen könnten sowas nicht. Darüber hinaus sollten wohl im Westen nur die Geschäfte mit Katar geschützt werden.

Desweiteren wäre die hedonistische Szene Deutschlands sicherlich die Verursacher der Busen-Show einer nicht existenten Frauengruppierung mit Feminismus-Ansichten. Denn bei der berechtigten und allgemeingültigen Frage “Cui-Bono” habe sich hierzu keine andere Schlussfolgerung beim Nachdenken ergeben.

Als gegen 22:00 Uhr das Thema von allen Medien durchgekaut, ausgespuckt bis ausgekotzt war, wurde es wieder stiller. Das große Verdauen setzte ein. Ein denkwürdiger Tag ging zu Ende. Ich ging atemlos durch die Nacht hindurch direkt ins Bett.

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Hauptoberwachmeister Bieslmaier, 32 Jahre, Single, ein Kind, räumte ein Beweisstück in die Asservatenkammer. Es war in einem Flugblatt eingewickelt. Er schaute kurz drauf, las “Femen”, “Katar” und “Sexismus”, umwickelte es noch mal schnell mit einem Klebeband, steckte es in einen Umschlag und seufzte:

Vergewaltigung soll das gewesen sein. Das Flittchen ging auf Stöckelschuhen und im Mini. Die ist’s ja selber Schuld. Eine Ehrenfrau macht sowas nicht. Eine Ehrenfrau hat Respekt bei der Wahl ihrer Kleidung. Und jetzt sollen wir deren beschmutzen Schlüpfer von ihr zur Analyse bringen. Igitt. Naa, das kann warten. Das mach ma’ übermorgen. Dann ist auch noch ein Tag. Feierabend!”, grummelte Hauptoberwachmeister Bieslmaier und legte den Umschlag ins oberste Regal. Kraftvoll schloss er die Tür der Asservatenkammer mit Schwung, schlug sie regelrecht zu. Heftig vibrierte das Regal unter dem Zuschlagen. Der Umschlag auf dem obersten Regalablagefach geriet in Bewegung.

Und während Hauptoberwachmeister Bieslmaier seinen Schlüssel im Schloss der Asservatenkammer dreimal umdrehte, rutschte ein Umschlag aus dem Regal, fiel in dem davor stehenden Schwingdeckelmülleimer … plopp … und wurde nimmer mehr gefunden …

Enthüllung: Wenn der Gerd dem Markus ungewollt eine steile Vorlage gibt …

Es gibt Sätze, die gehen einfach in Pressemitteilungen einfach so unter. Zum Beispiel diese beiden:

»Auch die Öffentlichkeit ist laut der Stadt herzlich willkommen. Es gibt einen Bierausschank.«

Aha, so so. Die Öffentlichkeit ist willkommen.
Wer ist die Öffentlichkeit? Die Biertrinker. Denn es gibt einen Bierausschank. Für die Öffentlichkeit.
Wo muss sich die Öffentlichkeit hinwenden, um am Bierausschank ein Bier zu trinken? Nach Bayern halt. Warum? Das erklärt der Satz, der vor den beiden oben zitierten Sätzen steht.

»Außerdem kommt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).«

Verstanden. Bierausschank und außerdem Markus Söder. Seines Zeichens Bayerns Ministerpräsident. Mit geklammerter CSU dahinter. Anderen Menschen außer Söder würde man deren Titel »Dr. jur.« (Doktor der Rechte, also der akademische Grad eines Doktors im Bereich der Rechtswissenschaften) voranstellen. Beim Söder nicht. Da wird die CSU hinten drangeklammert.

Also, um das „Herzlich Willkommen« der Stadt der Öffentlichkeit gegenüber am Bierstand schlucken zu können, sollte man einfach mal einem Ministerpräsident Deutschlands folgen. Dem Bayrischen selbstverfreilich. Bayerns Ministerpräsident. Dem Söder Markus. Von der Bayrischen Staatskanzlei (dem »Straußoleum«) aus startend. Dem Söder mit seiner hinten an ihn dran geklammerten CSU folgend. Folgen. Ja. Einfach nur mal folgen. Weil, denn das wird Folgen haben, wenn der Söder mit seinem hinten dran geklammerten bedeutenden Buchstaben. Ein Autokorso der Öffentlichkeit dem Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident, einfach folgend und so findet die Öffentlichkeit zum Bierausschank. Prost.

Was so ein »Herzlich Willkommen« der Öffentlichkeit gegenüber nicht alles an einen Rattenschwanz an Auswirkungen hinter sich herziehen kann. Denn wo Rattenschwänze sind, findet oftmals auch ein Rattenrennen statt. Im Oxford-Englischen wird so etwas gerne als »rat race« bezeichnet. Das ist eine Art Redewendung, um sich auf die Situation in der modernen Gesellschaft zu beziehen, in der Menschen miteinander um Geld und Macht konkurrieren. »Rat race« war auch der Titel eines Films von Jerry Zucker aus dem Jahr 2001 (mit John Cleese in einer der Hauptrollen, findet sich auf YouTube auch als ganzer OF-Film), der im Deutschen ganz frei mit »Der nackte Wahnsinn« übersetzt wurde.

Der nackte Wahnsinn ist es auch, dass Markus Söder in den letzten Monaten immer dort zu finden ist, wo immer auch ein Bierausschank stattfindet. Das Gillamoos-Bierfest in Abensberg (begleitet von einem anderen Ministerpräsident, dessen Name wüst klingen mag, aber für NRW state of the art ist), das Oktoberfest in München (wieder begleitet von einem anderen Kommunalpolitiker, dessen Name eher an einen Ausübenden bei Pferdesportarten erinnert), die Einweihung einer Hopfenextraktionsanlage in Train (Landkreis Kelheim) oder halt wie morgen Nachmittag die Enthüllung einer Bronzestatue und dann am Abend direkt eine weitere Rede auf dem Festakt »150 Jahre Familienbrauerei Schneider Weisse« im Stammhaus der Brauerei in München halten …

Wer ist die Öffentlichkeit? Die Biertrinker. Und die sind immer willkommen. Denn nur beim Biertrinken lässt es sich so richtig gut bierselig södern.
Södern? »Södern« könnte locker als ein eingetragenes Markenzeichen von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) durchgehen. Seit dem Kreuzerlass für Bayerns Bürostuben durch Herrn Dr. jur. Markus Söder (Bayerns Ministerpräsident + CSU) wird »Södern« wie folgt definiert: das Betreiben von Symbolpolitik und von populistischer Politik, in der Hoffnung, bei zukünftigen Wahlen mehr Stimmen zu erhalten.

Und wann sind die nächsten Bayernwahlen, bei dem der jetzige Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auch der zukünftige Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sein möchte? Richtig. 2023. Bis dahin fließt noch viel Wasser der Isar runter. Und Bier aus Bierausschänke in Kehlen der willkommenen Öffentlichkeit als Begleitmusik zu bierseligen Vorträgen eines Herrn Dr. jur. Markus Söder mit hinten angeklammerter CSU. Einer CSU, die auch dem Söder nicht hinten einfach vorbei gehen wird. Trotz Klammer.

Und worum geht es morgen bei der Statuen-Enthüllung?
Es wird eine Statue für den berühmten Gerd Müller enthüllt.
Keine Sorge, es handelt sich nicht um den ehemaligen Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) aus Krumbach (ebenfalls CSU). Sondern es geht um den im letzten Jahr verstorbenen Fußballer, den »Bomber der Nation« Gerd Müller. Und die Statue wird in dessen Geburtsstadt Nördlingen (ebenfalls CSU) von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU; was sonst?) enthüllt. Falls es jemand vergessen haben sollte, Gerd Müller starb infolge einer Alzheimer-Erkrankung. Also der Fußballer ist gemeint, nicht die CSU in den Klammern.

Wo ein Wille, da ein Weg. Wo eine Öffentlichkeit, da ein Bierausschank. Wo ein Bierausschank, da ein Söder.

Wo ein Söder, da ein Bier.

Und diese Enthüllung – also mal ehrlich ganz unter uns gesprochen -, das ist keine Enthüllung. Denn Enthüllungen sind sowas von völlig nebensächlich.

An dieser Stelle sei jetzt mal genug für die CSU gesödert.

Und was schrieb Markus Söder (CSU) zum Thema „Drogen“ am 1. November 2022 auf Twitter:

Die Legalisierung von Drogen ist einfach der falsche Weg…

Stimmt, er meinte damit alle Drogen außer Bier, Schnaps, Wein, Tabak und CSU-Veranstaltungen. Denn es kann nicht sein, dass einem Bayer (oder Franken) jemand das Wasser reichen kann. Bier muss es schon sein. Zwangsweise. Sonst ist Bayern nicht mehr Bayern sondern ein Fall für Cancel Culture. Bier eine Droge? Söder ein Drogenbefürworter? Niemals!

Was meinte Nina Hagen schon 1980 dazu (aus „African Reggae„):

Sie sind nämlich hinter dir her, Du alter Kiffer
Dabei geht Ihre Geschellschaft am Alkoholismus zugrunde,
Aber dich jagen sie – DICH!

Und was sagen wir dazu? Prost!