Kneipengespräch: Postfaktische Ostereier


Tresen 0

“Und?”

“Genau.”

“Aber?”

“Ich habe es noch nicht verstanden.”

“Dem Manne kann geholfen werden. Herr Oberspielleiter, ein Kölsch für den Grübler an meiner Seite!”

Der Wirt blickte nur kurz auf, polierte eine Kölsch-Stange, füllte sie und schob sie neben dem anderen halbvollem Kölsch und widmete sich danach einer anderen Stange.

“Bassemauff. Da ist auf der einen Seite der US-Milliardär Robert Mercer”, er schob das volle Kölsch direkt neben dem halbvollem, “und da ist Cambridge Analytica und so”, er nahm das volle Glas, schüttete etwas in das halbvolle. Von dem nun aufschäumenden fast vollem Glas schüttete er wieder etwas in das jetzt dreiviertel Volle. Beide schüttelte er noch vorsichtig und schon schauten die Kölsch wie frisch gezapft aus, “und beide sollen die amerikanische Wahl beeinflusst haben?”

“Ja”, der andere schaute auf die beiden schäumenden Kölsch-Stangen, “die haben über Facebook die Wähler manipuliert.”

“Die sollen die amerikanische Wahl beeinflusst haben? Ich dachte, das wären die Russen. Da erzählt man mir dauernd, die Russen hätten Trump permanent in den amerikanischen Präsidentenstuhl gehievt, und jetzt wären es doch nur die Amerikaner selber gewesen? Was soll das denn sein? Demokratie?”

“Nein, nein, es waren schon die Russen, die die Wahl beeinflusst haben. Der Putin manipuliert alles.”

“Alles?”

“Al-les. Die Politik, die Fußball-WM, das Wetter. Das soll ja sogar bis in die Hochwasserstandsmeldungen der Elbe und im Oderbruch gehen.”

“Der Isar nicht?”

“Nein, die Isar ist sauber. Die brauchen wir in Bayern zum Bierbrauen. Solchen Manipulationen ist die CSU vor. Unser ultimative Bollwerk des Reinheitsgebots und gegen Manipulationen daran.”

“Vielleicht sollte man mal nachforschen, ob bei Cambridge Analytica nicht mindestens ein Russe sein Geld dort investiert hat und ob US-Milliardär Robert Mercer nicht etwa um paar Ecken russische Freunde hat. Vielleicht trinkt der ja bei Börsenschluss immer russischen Vodka mit echtem Beluga-Kaviar.”

“Komm, hör auf, drüber nachzudenken. Es waren die Russen! Das weiß doch jeder. Sogar mein Nachbar meinte, bald stehe wieder der Russe vor der Tür.”

“Mit Vodka? Vor der Tür? Serviert von US-Milliardär Robert Mercer und Cambridge Analytica? Oder mit ner Kalaschnikow als kleinen Gruß aus der russischen Manipulationsküche Putins?”

“Kalaschnikow geht ja gar nicht. Wenn, dann will ich meinen Russen mit einer AK-74 vor der Tür. Besser noch, weil aktueller, stilecht mit dem recht bekannten amerikanischen Sturmgewehr AR-15. Und während des Russen Finger sich um den Abzug krümmt, im Hintergrund eine Fanfare erklingt und eine freundliche Stimme ertönt, die da sagt: ‘Dieser böse, russische Amoklauf wurde Ihnen präsentiert mit freundlicher Unterstützung der freiheitlich-demokratisch fundierten National Rifle Association’.”

Ruhe. Beide tranken einen Schluck aus ihren Kölsch. Beim dritten Kölsch war der Schaum zusammen gefallen. Jetzt erschien es nur noch ein Drittel voll.

Ich nahm mir eines der russischen Eier, die der Wirt auf der Theke stehen hatte, und biss vorsichtig hinein. Die Remoulade eroberte sofort jeden Geschmacksnerv in meinem Mund. Zur Belohnung fiel noch etwas von dem rotem Fisch-Rogen mir auf meine weiße Hose. Wie zart doch diese Fisch-Rogen-Kügelchen ihre feinen Linien auf teurem Baumwollstoff ziehen können …

“Jetzt macht alles einen Sinn.”

“Wie?”

“Ich verlasse Facebook. Am 14. Oktober wird in Bayern gewählt. Manipulationen von Putins Russen nehme ich damit jede Chance. Ich will frei von Putins Manipulationen wählen dürfen!”

“Ach, komm. Und wie sollen wir uns dann ohne Facebook spontan auf ein Kölsch verabreden? Und was ist mit deinen ganzen Facebook-Freunden? Willste die einfach so verlassen? Du wirst einsam werden.”

“Stimmt. Hast auch wieder recht. Keine gute Idee. Also, auf unsere Facebook-Freundschaft. Prost.”

“Auf unsere Facebook-Freundschaft. Prostata.”

 

Wenn am Karfreitag die rote Sonne nie mehr versinkt …


“Könnten Sie bitte mal aus meinem WLAN rausgehen?”

“Wie bitte?”

“Sie stehen in meinem WLAN. Ich habe keinen Empfang und warte auf eine wichtige Nachricht von meiner Familie.”

“Ich stehe in Ihrem WLAN? Wie soll das denn bitteschön gehen?”

”Da! Sie haben gerade einen Schritt zur Seite gemacht und jetzt hab ich wieder WLAN. Könnten Sie bitte so stehen bleiben?”

“Ich glaube, Sie sind wohl ein wenig verpeilt, oder?”

“Jetzt stehen Sie schon wieder in meinem WLAN. Gerade haben Sie den Schritt wieder zurück gemacht und jetzt habe ich wieder kein WLAN.”

“Dann gehen Sie doch einen Schritt zur Seite.”

“Soweit kommt’s noch, dass ich für Sie einen Schritt zur Seite mache. Rücksicht auf den Mitmenschen ist nicht das ihre? Für Sie wohl ein Fremdwort, oder?”

“Ich mag Xenismen, wenn sie richtig verwendet werden.”

“Nun werden Sie aber mal nicht frech, ja? Was machen Sie da?”

“Ich dreh mir eine Zigarette.”

“Hallo, hier ist rauchen verboten!”

“Ja und?”

“Sie dürfen hier nicht rauchen!”

“Ich rauche ja auch nicht.”

“Aber Sie wollen es und ich persönlich werde das unterbinden. Rauchen ist hier in unserem Club verboten! Moment, jetzt sehe ich es gerade.”

“Ja? Was? Dass ich kein Feuerzeug in meinen Händen halte?”

“Sie haben einen Bart!”

“Echt jetzt? Sie sind wohl ein verkanntes Adlerauge, oder was?”

“Mitglieder unseres Elite-Clubs ist das Tragen von Bärten untersagt.”

“Sagt wer?”

“Die neue Satzung vom 1. März 2018.”

“Hab ich nicht gelesen.”

“Ging als Rundschreiben an alle Mitglieder heraus. Das Tragen von Bärten und Hipster-Frisuren ist seit dem ersten März untersagt. Glatzen habe eine Übergangsfrist von vier Wochen, bis zum 31. März. Dichte 3-Tage-Bärte bis zum 1. April.”

“Und das soll ich Ihnen jetzt glauben?”

“Was machen Sie da?”

“Ich glaube Ihnen nicht, ich rufe die Hotline vom Club an. Ich werde mir das bestätigen lassen.”

“Sie dürfen hier nicht telefonieren. Hier ist eine Ruhezone. Das ist über alle Maßen rücksichtslos von Ihnen! Privatgespräche sind hier nicht erlaubt!”

“Aber ihr WLAN ist noch okay, oder? ”

“Seien Sie nur nicht so spöttisch arrogant! Das mindert nicht ihr Fehlverhalten!”

“Wenn Ihr WLAN nicht funktionieren sollte, ich könnte ihnen ja anbieten, für Sie nach einem WLAN-Kabel mit Club-Rabatt zu fragen.”

“Jetzt stehen Sie schon wieder in meinem WLAN. Das ist unglaublich! Das machen Sie mit Absicht. Wie sind Sie überhaupt hier in unserem Elite-Club reingekommen? Mit Bart, mit ihrer Hipster-Frisur und ohne ordentliches weißes Hemd?”

“Weißes Hemd ist auch erforderlich?”

“Seit Palmsonntag. Also letzten Sonntag. Wenn alle ordentlich angezogen sind, dann vereint es den Menschen und bringt allen das Gefühl von Solidarität miteinander. Und Hemden sind der Anfang.”

“Durch ordentlich weiße Hemden? Übergangsfrist bis zum Weißen Sonntag?”

“Sobald Sie wieder aus meinem WLAN getreten sein werden, lasse ich dem Management eine Mail zukommen, in der ich auf ihr Fehlverhalten eingehe und es detailliert beschreibe. So etwas wie Sie hat uns hier gerade noch gefehlt!”

“Wieso? Sie haben mich doch. Nur, wenn das die Anforderung an die neue Elite ist, dann trete ich hiermit sofort aus, bevor ich mich durch Leute wie Sie kreuzigen lasse. Und rauche mir dann in Frieden draußen ein Zigarettchen. Sie gestatten?”

“Austreten geht nur mit zwölfmonatiger Kündigungsfrist, Sie verwahrloster Flegel! Und das Rauchen vor dem Club ist ebenfalls wie die Nutzung des Handys NICHT erlaubt! Sie sollten mal Rücksicht lernen! Merken Sie sich das, Sie Quertreiber! Und gehen Sie mal wieder zu einem anständigen Friseur der anständig Haare schneidet!”

Fliegender Zwischenruf ins Unreine geschrieben


Eine Fluggesellschaft verabschiedet sich vom Markt. Air Berlin stellt den Flugbetrieb ein. Deren Flugzeuge werden von der Kranich-Fluglinie größtenteils übernommen und all jenes Personal, was keiner benötigt, darf sich beim Arbeitsamt melden.

Eine irische Billigfluglinie streicht ebenfalls ihren Flugplan zusammen. Es fehlen ihnen Piloten. Viele Flugzeuge, wenig Besatzung. Der Billigflieger ist nicht sehr beliebt. Seine Bezahlung ist gering. Es steht zu vermuten, dass sie sich in Bälde um die entlassenen Piloten und Flugbegleiter der Air Berlin kümmern wird, wenn jene erst einmal spüren, was Arbeitslosigkeit bedeutet.

Vor einem Monat hatte Air Berlin einen recht hohen Krankenstand bei ihren Piloten. Um trotz Insolvenz den Flugbetrieb weiter halten zu können, forderte Air Berlin seine Piloten auf, trotz Krankschreibung wieder zurück in das Cockpit zu kehren. Krankschreibungen waren als Protest von der Firmenleitung enttarnt und entsprechend wurde dieses auch nach außen hin mitgeteilt. Und so entstand – wieder mal – eine Stimmung gegen Piloten, als überbezahlte Zerstörer von Urlaubsträumen anderer. Kommentare zielten darauf ab klar zu machen, dass Piloten die Urlauber leiden lassen würden.

Interessanterweise herrschte nach dem Germanwings-Flug 9525 und dessen Absturz vor zweieinhalb Jahren in den Provenzalischen Alpen ein anderer öffentlicher Konsens: Piloten mit Krankschreibung sollten gar nicht erst in ein Flugzeugcockpit gelassen werden dürfen. Piloten tragen die Verantwortung über das Leben der ihnen Anvertrauten. Zu leichtfertig könnte das Leben der Insassen aufs Spiel gesetzt werden. Genau so leichtfertig wie es der krankgeschriebene Pilot des Germanwings-Flug 9525 mit seinen 150 Insassen in krankhafter und mörderischer Absicht tat.

Jedes Jahr das selbe Szenario: sie sammeln sich in Schwärmen auf zentralen Flächen und warten mehr oder weniger geduldig. Sie unterhalten sich, sie regen sich über paar andere Reisebegleiter auf, sie mustern ihre Umgebung und alle warten nur darauf, dass es los geht. Die Vögel auf den Feldern, die Menschen in den Flughäfen. Insolvenzen von Fluglinien sind lästig. Piloten ebenfalls. Bei Insolvenzen gibt es das Insolvenzrecht, welches die Urlauber schützt. Gegen Piloten gibt es das nicht. Und Piloten haben auch nicht krank zu sein. Pilot-sein und krank-sein, das ist in der öffentlichen Meinung ein Unrecht, eine Vorsätzlichkeit der Piloten und nicht konsensfähig. Und wenn der Pilot seine Krankschreibung zerreißt und trotzdem fliegt, dann ist es auch wieder nicht recht, wenn der kranke Mensch als Pilot seine Anvertrauten nicht überleben lässt.

Wichtig scheint eh nur eines zu sein: schnell weg von dort zu kommen, wo man ist, um baldigst dort zu sein, wo man noch nicht ist. Und man möge uns dabei bitte nicht im Wege stehen, um uns daran zu hindern. Up, up and away.

Ertrage die Clowns (7): Disziplin ist alles!


Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Ein beinahe glatt rasierter Schädel zeigte seinen Kopf, der gnadenlos als Charakterkopf durchgehen könnte. Ein wohlgeformter Schädel wie gemacht für einen Soldatenhelm. Er saß ganz unsoldatisch im Schneidersitz, aber mit makelloser Haltung. Gelernt oder abgeschaut. Buddha wäre neidisch gewesen. Seine Freundin saß neben ihm, aufrecht und zog sich mit beiden Händen einen Pferdeschanz in ihr Haar. Ihre Brust war durchgedrückt und es sah traumhaft aus. Den beiden hockte ein Paar gegenüber und hörte dem Charakterkopf aufmerksam zu. Zumindest machte es den Eindruck. Denn jeder hatte auch seine Aufmerksamkeit vor sich: entweder auf dem Boden oder in der Hand. Ein Dosenbier „Don Miguel“. Eisgekühlt. Die Perlen der Kälte glitzerten auf der Dose in der Sonne von Maspalomas.

„Weißt du, ich bin Oberleutnant und da spielen wir Bier-Pong, wenn wir Dienst am Wochenende haben, nicht wahr. Ihr wisst was Bier-Pong ist? Da werden zwei Kampfgruppen gebildet und die stehen sich gegenüber. Jeder hat vor sich eine Pyramide aus Bierbechern stehen. Also die Halb-Liter-Becher und nicht diese Kleinkinder-Becher. Ihr wisst, was Bier-Pong ist? Vor jeder Kampfgruppe mit so zwei, drei Kameraden stehen Becher stehen in einer Pyramide wie beim Kegelsport zusammen und jeder Becher enthält einen halben Liter Bier. Jetzt wird abwechselnd mit einem Ping-Pong-Ball auf die Becher der Gegner geworfen und wenn er in einen der Becher landet, muss der Becher von einem der Gegner leer getrunken werden. Und wer zum Schluss noch Becher mit Bier hat, hat gewonnen über die, deren Becher leer sind. Und dann gibt es Revanche. Auf alle Fälle. Am Anfang ist da ja jeder noch normal, aber nach den ersten Treffern wird es immer kameradschaftlich lustiger.“

„Da hat man ja schnell einen in der Krone“, warf der Mann des anderen Paares ein.

„Die Alten, also die 50-jährigen und so, die trauen sich ja nicht mehr mitzumachen, die schwächeln ja schon bald dabei. Die schaffen nicht mehr so viel. Aber wir, die Jüngeren, wir haben immer unseren Spaß. Das fördert den Zusammenhalt, die Kameradschaft. Es ist schade, dass Kameradschaft nicht mehr so gelebt wird.“

„Das stimmt“, pflichtete seine Freundin bei, „früher war es wohl besser, wie die Alten erzählen.“

„Die Abschaffung der Wehrpflicht war ein großer Fehler“, redete der Charakterkopf nach einem Schluck aus seiner weißen Miguel-Dose weiter, „da hat die Jugend noch gelernt, was Anstand und Disziplin ist. Heute will ja jeder besser sein als die Älteren und respektiert die nicht mehr. Aber Disziplin wollen sie dabei nicht haben, geschweige denn lernen. Wie wollen wir denn ohne Disziplin in der Welt weiter kommen? Ohne Disziplin lernen die nicht mal wie man im Studium erfolgreich ist. Beim Bund lernt man noch heute mal die Arschbacken zusammen zu kneifen und auf Disziplin, Anstand und Respekt zu achten.“

Das Paar gegenüber trank, schwieg und hörte aufmerksam zu. Es hatte auch keine Gelegenheit, im Sprachschwall ihres Gegenübers eine Lücke zu finden, um Einwände einzufädeln. Falls denen dazu der Sinn überhaupt danach stand.

„Ich bin ja Oberleutnant, also nicht Oberst-, sondern Oberleutnant. Und wenn mir dann so ein Gefreiter dumm daher kommt, dann stauch ich den zusammen. Damit er lernt, wer über ihm steht. Damit muss er selber klar kommen. So einer muss lernen, was Respekt ist. Wenn er mich respektiert, kann er von mir auch Achtung bekommen. Mich hat mein Hauptmann auch bereits mehrfach zusammen geschrien. Einmal, einmal hatte ich es gewagt, da habe ich zurück gebrüllt. Dafür habe ich dann gerechterweise meine Strafe erhalten. Drei Tage. War nicht lustig Aber danach habe ich seinen Respekt gewonnen gehabt und bin bis heute bei ihm geachtet. Das lernen die Jungen heutzutage nicht mehr. Die haben deren Jugendcliquen, Hotel Mama und brauchen für ihr Studium nicht mehr arbeiten. Morgens, mittags und abends wollen die Fleisch essen. Aber mal ein Butterbrot, das ist für die schon mal eine Zumutung. Damals im letzten Jahrhundert, da haben die morgens Haferbrei oder so gegessen. Mittags ein Brot mit Käse und Milchsuppe und abends vielleicht mal etwas Brot und etwas warmes wie Kartoffeln oder Gemüse. Lediglich am Wochenende gab es mal höchstens ein Stückchen Fleisch und ein kleines Bier oder so. Und an dieser Ernährung sind die von damals nicht gestorben. Ganz im Gegenteil. Da haben die mehr geleistet, als die meisten Jugendlichen heute. Da haben die noch Sachen gehoben, Dinge hergestellt, wo die heute nur noch einen Knopf drücken müssen. Und wenn dann mal etwas schweres zu heben ist, kommen die gleich immer mit Ergonomie oder so. Wir haben noch damals an unsere Mofas Kraft unseren eigenen Hände geschraubt, heute rooten die maximal ihr Smartphone oder installieren Windows-Rechner neu.“

„Ja, die Zeiten haben sich geändert, aber nicht alles ist schlecht“, warf die Frau des anderen Paares zaghaft ein.

„Ich weiß noch von meinen Eltern, wie die zur Schule gingen, immer zu Fuß, vier Kilometer weit“, meldete sich die Frau des Charakterkopfes, während jener zwei, drei Schlucke seines Bieres trank.

„Da wurde auch alles gegessen, was es gab“, fuhr der Charakterkopf fort, „da ekelte sich keiner vor ein bisschen Speck am Schinken oder Braten. Da war man froh, so etwas zu haben und hat sich nicht beschwert. In den 80ern, da kamen dann diese Grünen und haben erklärt, das wäre alles ungesund und vegetarisch zu leben wäre gesünder. Kein Fleisch mehr, haben die gesagt. Als ob das ungesund wäre. Dabei weiß doch jeder, dass man täglich tierische Proteine benötigt, um gesund zu leben. Und mit deren Vegetarismus und Gesundheitswahn ging die Disziplin den Bach runter. Das war nicht gut für uns. Denn das was richtige Disziplin ist, dass wissen die Jugendlichen von heute deswegen gar nicht mehr.“

„Ja, ein wenig mehr Respekt und Disziplin wäre manchmal nicht schlecht, nicht wahr“, sprach der Mann des anderen Paares, „heute macht ja jeder was er will, nicht wahr.“

„Ein Leben ohne Respekt“, fuhr der Charakterkopf nach einem kräftigen Schluck aus seiner Dose fort, „ist wie das, was man in Swinger Clubs immer wieder sieht: gefüllte und nicht entsorgte Kondome auf den Spielwiesen der Darkrooms in den Swinger Clubs.“

Drei Köpfe zuckten unwillkürlich nach oben. Keine Ahnung, wahrscheinlich meiner auch.

„Ach kommt, das habt ihr auch schon erlebt. Das ist doch ne Sauerei, sowas, nicht wahr. Das macht man doch nicht. Und so ist das auch mit Respekt.“

Schweigen. Der Charakterkopf öffnete eine neue Dose Miguel, nahm den nächsten Schluck und fügte leicht defensiv hinzu: „Gut, das war jetzt ein extremes Beispiel.“

„Du hast Recht. Karl und ich haben das auch schon oft bemerkt, nicht wahr, Karl?“, wandte die Frau des anderen Paares ein.

Karl nickte sofort heftig: „Eine absolute Schweinerei, stimmt. Können die denn ihre Gummis nicht selber wegräumen. Ist ekelhaft, wenn ich mit meiner Frau auf der Matte bin und dann die ganzen gebrauchten Gummis so sehe, die nicht entsorgt wurden.“

„Also, wenn ich so etwas mitbekomme“, pflichtete die Freundin vom Charakterkopf ein, „dann gehe ich gleich wieder. Wir waren letztens auf einem Swinger-Treff hier in Maspalomas im Jupiter-Club und mussten auf der Matte manchen Singlemann beiseite schieben, um an ein Paar zu kommen und da war einiges auf der Matte los. Gabi, erinnerst du dich an jene Renata, die aus Wolbeck, die mit ihrem Freund dort war und sich vordrängelte, um …“

Es war mir egal, was die Frau auf den Swinger-Treff im Jupiter-Club erlebt hatte. Einem starken Drang folgend verließ ich mein Handtuch und ging Richtung Meer. Abkühlung. Hätte ich jetzt noch Details aus deren Swingerleben anhören müssen, es hätte hart werden können. Ich hätte zum rettenden Meer robben müssen. Oder aber der Charakterkopf hätte wieder angefangen zu reden und es wäre anders hart geworden, was meine Disziplin und meinen Respekt für Diskretion anderen gegenüber betroffen hätte.

Das Meer und seine Wellen nehmen einem nicht nur manche Last von den eigenen Schultern, auch fühlt sich das eigene Gewicht nicht mehr so schwer gewichtig an. Die Wellen umspülten meinen Kopf, die Sonne streichelte meine Haut, Wärme umgab mich, Raum und Zeit gingen gemeinsam in der Unendlichkeit des Meeresrauschen baden.

Ich ließ mich auf dem Rücken treiben und aus purer Übermut von der Sonne gekitzelt, mit viel Lust und Laune rezitierte ich vor mich hin den alten Goethe und seine berühmten Wandrer-Nachtliedverse für Nichtschwimmer, hinein rezitierend, in den blauen Himmel, einen köstlichen Himmel mit seinen paar unscheinbaren bretterwandartigen Wolken:

Über allen Wellengipfeln ist des Meeresruh,
In allen Wellenwipfeln spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Wellenwalde.
Warte bedächtig schwimmend nur, balde
Ruhest du auch.

„Also, wenn der da eben noch weiter geredet hätte, ich war kurz vorm explodieren. Ich sag dir, ganz im Ernst, noch ein paar Sätze von dem, Schatz, und ich hätte dem eine reingelangt, Schatz.“

Die Stimme kannte ich.

„Ich habe die ganze Zeit vorhin nur da gesessen und ihn angeschaut. Ganz ernst. Erst unterbricht er mich und dann hat er die ganze Zeit nur ohne Punkt und Komma geredet. Nur weil er einmal in einem Swinger-Club war. Der hat doch keine Ahnung. Er hätte uns fragen sollen, wir sind da doch die besseren Experten. Und als er beschrieb, wie er im Darkroom … also da wäre ich beinahe explodiert.“

Ja, da war er wieder. Der Oberleutnant. Ich drehte mich kurz um und erblickte ihn in seiner ganzen Herrlichkeit mit seiner Freundin. Wie konnte man nur so schamlos durchtrainiert sein, obwohl er während seines eigenen Vortrags zwei Dosen Miguel vernichtet hatte. Ich dagegen brauche heutzutage nur noch den Schaum eines Bieres anzuschauen und schon muss ich wieder zwei Kilometer joggen gehen. Aber dieses erledigte wohl der Charakterkopf – in dessen Rechten knapp überm Meeresspiegel ein neu geöffnetes Dosenbier – durch ununterbrochenes Reden mit seinem Unterkiefer. Er redete wie ein Wasserfall:

„Weißt du Schatz, ich bin der typische Antiheld. Ich bin immer da, wenn sich jemand in einer Schlange vordrängeln oder sich nicht anstellen will, dann bin ich da. Egal, wie lang oder wie kurz die Schlange ist. Da, wo der Staat nicht eingreifen darf, da sorge ich für Gerechtigkeit.“

Aufgeregt wie ein junger Hund strampelte ich auf den Strand zu: mit allen vieren versuchte ich Rückstoß zu erzeugen und nutzte jede Welle.Weg. Einfach nur weg. Ganz schnell. Höchster Alarm schrillte in mir. Denn ich hatte es gesehen. Knappe sechsunddreissig Meter von mir entfernt. Dieses Dreieck auf dem Wasser: schmal, schwarz, stark. Ganz ohne Zweifel, eine Flosse.

„Wenn sich schon keiner drum kümmert, dann tue ich es. Und ich erwarte dafür keine Anerkennung, weil ich tue es für das Allgemeinwohl.“

Die Flosse zerteilte fast lautlos das Wasser. Fast lautlos. Aber auch nur fast. Es war ein leichtes Zischen zu hören, das Zerteilen der Fluten. Wie ein Messer, das durch das Wasser der heimischen Badewanne fährt, um den Weihnachtskarpfen zu erlegen. Kaum hörbar, aber sehr deutlichvernehmlich. Ein leichtes Zischen in Fis-Moll mit leichten Anklängen an C-Dur.

Ich hatte bereits das flache Wasser des Strandes erreicht. Eine leichte Welle drückte mich nach vorne und ich machte einen gewaltigen Satz ins Trockene, in den feinen Sandstrand hinein.

„Das ist mir Anerkennung genug. Es geht mir nicht um Ruhm und Ehre, sondern das die Welt wieder gerächter wird …“

Am Stand liegend drehte ich mich um und sah gerade noch, wie der Oberleutnant komplett im Rachen des Hais verschwand, während er seine letzten Worte der aufrechten, felsenfesten Überzeugung, die er noch an seiner Freundin richtete, zu mir rüber drangen. Der Felsen verschwand im Bauch des Hais und der Hai im Meer und die Frau stand allein im Wasser.

Ein lautes, sirenenhaftes Geschrei der Frau übertönte das Rauschen des Meeres.

Und leise schaukelte eine halbvolle Dose Miguel undiszipliniert auf der Wasseroberfläche.

Wählerisch


„Also, pass mal auf, wenn du dieses hier mit dem da mischt, dann hast du ein blumiges, erdiges Erlebnis mit einem Hauch von Karibik unter dem Gaumen. Und im Rachen britzelt ein Sonnenuntergang wie in Rio de Janeiro am Arpoador-Felsen.“

„Dem Pedro de Arpoador in Rio?“

„Genau dem!“

„Echt? Wow. Wenn die Sonne von dort aus im Meer versinkt, dann applaudieren die Menschen. Ist nicht wie hier in Aachen. Schon mal erlebt?“

„Nein.“

„Aber ich. Einmalig“

„Ich sah nur den Sonnenuntergang auf dem Teide von Teneriffa. Im Schlafsack mit zehn anderen Kletterern.“

„Echt? Wow. Genial. Ich beneide dich.“

„Und ich dich um Arpoador. Warste privat dort?“

„Privat und geschäftlich. Aber darüber rede ich ungern. Vergangenheit.“

„Ja, die Vergangenheit. Der Teide war auch so eine Geschichte. Ich wollte hoch hinaus. Und danach war der Abstieg nur noch per Seilbahn möglich. Kontinuierlich und unerbittlich.“

„Unerbittlich musst du mal Jägermeister mit Tonic und O-Saft mischen, ein Minzblättchen darüber, ein Spritzer Hansa-Bier untergerührt, leicht vermischt mit gehakten Eiswürfeln. Aber nur leicht umrühren.“

„Ein Spritzer Hansa-Bier?“

„Ein Spritzer. Aber nur einen. Und dann gut verrühren. Aber nur leicht. Jeder, dem ich das servierte, war begeistert.“

„Wow. Hört sich gut an. Du warst Bar-Mixer?“

„Nein. Cocktails war mein Hobby als BWL-Student. Damit habe ich die BWL-Mäuschen damit reihenweise flach gelegt. Die haben immer nur auf meine Fleckenkrawatte und meinen Aktenkoffer gestarrt. Das war mein Schenkelöffner schlechthin.“

„BWL? Hattest du ne eigene Firma?“

„Nein, ich arbeitete mal für den Windhorst. Ich hab ihm immer gesagt „Probleme sind nur dornige Chancen“ . Der hat nur gegrinst. Keine Ahnung, ob er ihn verstanden hatte. Nur den Satz hat er sich wohl gemerkt. Ich hatte mal gehört, wie er den Satz einszueins am Telefon irgendwem mal erzählte. Wohl so nem Studienkollege.“

„Windhorst? War das nicht mal der Adler Kohls? Das Vorbild für die Jugend?“

„Vergiss es. Jener flügellahme Adler hat meinen geniösen Satz am Telefon als den seinen Einfall ausgegeben. Arschgesicht. Hm. Themawechsel. Hast du schon den neusten Jahrgang vom Vin de Pays de l`Hérault probiert? Ich sag dir, eine Offenbarung. Dagegen war der letzte Jahrgang der reinste Koma-Rotwein. Der kommt so etwas, wenn du ihn unter die Zunge bringst.“

„Nicht mein Fall. Ich bleib lieber den Amerikanern treu. Ehrlich, hart und erdig. Deren Whiskeys schmecken einfach unvergleichlich.“

„Naja, bleib doch lieber europäisch. Oder deutsch.“

„Deutschland hat keine Whiskey!“

„Noch nicht, aber im Schwarzwald soll sich eine Destille gründen.“

„Schwarzwald. Pah. Wir sind doch hier nicht im Schwarzwald. Ist eh alles im sauren Regen verregnet.“

„Aber immerhin westdeutsch.“

„Meinetwegen. Nur geht es im Leben darum in der Champions-League der Weltklasseliga mitzuspielen. Und da muss sich alles an Jackie messen lassen.“

„Jackie ist nicht das Maß der Dinge.“

„Sondern?“

„Ein leckeres Bier.“

„Okay. Aber sowas knallt nicht so dolle. Es braucht mehr Effektivität und Effizienz.“

„Effektivität und Effizienz? Hört, hört, hört. Hast du dazu bereits Kennzahlen erstellt?“

„Kennzahlen? Wieso?“

„Effektivität und Effizienz sind nur messbar, wenn es dazu Kennzahlen gibt. Jedes Jahr eine Kennzahl, und jede muss besser sein als jene des Vorjahres. Das ist Fortschritt. Das ist Wirtschaftswachstum.“

„Willst du jetzt Bier mittels Kennzahlen beurteilen?“

„Warum nicht? Wenn wir auf dem aufkommenden Weltmarkt Bestand haben wollen, müssen wir uns dem Wettbewerb stellen. Weltklasse geht nur mittels Kennzahlen.“

„Stimme ich dir zu. Wenn wir uns nur auf unser Gefühl verlassen, dann werden wir die Liga der Weltklasse verlassen. Und wollen wir das? Da stimme ich dir vollkommen zu. “

„Natürlich nicht! Der Feind des Guten ist der Bessere. Und wir müssen besser werden. Nur die Schönträumer meinen, mit Anti-Kapitalismus lässt sich eine Weltwirtschaftsordnung errichten.“

„Ich sehe, wir reden auf einer Linie. Wer die Wahl hat, benötigt keine Domina.“

„Ich sag dir eines: Wir sitzen hier, die Welt zieht wie auf nem Catwalk an uns vorüber, wir schauen auf den Kugelbrunnen und wissen mehr als die Leute, die vor uns auf und ab rennen und hoffen, man beachte sie in ihrer Öcher Printenseeligkeit.“

„Du sagst wahres. Wir haben unsere Konten gefüllt und haben jetzt das laissez-faire, laissez-aller, was alle so gerne hätten, aber nicht haben, weil sie nichts geschafft haben. Schau dir doch nur die Gestressten an. Ich lache. Schau dir doch nur den dämlichen Fotografen dort drüben an. Wahrscheinlich ein Öcher Maschbauer. Trottel von Aachen. Glücksfall für Frauen. So einer wird immer nur arbeiten, ohne etwas zu haben. Wenn solche alle demnächst an der Wahlurne gehen, fällt denen eines Tages auf, dass die 99% von dem, was denen als Leben verkauft wird, nicht brauchen.“

„Yep. Eine Armee aus Schrott- und Neurosen-Süchtige.“

„Hey! Rede nicht so daher! Nimm sie wenigstens etwas ernst! Als Menschen. Meinetwegen auch als Trottel. Aber als Menschenwesen.“

„Tu ich. Diese Knispel geilen sich nachher immer über Wählerbeschimpfungen auf. Erst durch passende Beschimpfung fühlen diese sich doch wertgeschätzt.Und darum werden die auch das wählen, wofür sie nachher die meiste Wertschätzung erhalten.“

„So ein Quatsch!“

„Hm.“

„Doch!“

„Okay. Sie wählen mündig und aufgeklärt deren Weltklasse. Die Schafe wählen ihre Metzger.“

„Du willst also erklären, dass Wahlen der Schlachthof der Demokratie sind, weil der einzige wahre dritte Weg die Diktatur sei?“

„Äh. Nein. Der dritte Weg ist eindeutig marodierender Art.“

„Wollte ich auch gehofft haben. Du hast noch mehr Hirn als die, die uns hier so hirnlos angaffen. Wie hatte dein letzter Chef nochmals gesagt?“

„Geh wählen und ihr werdet auserwählt werden.“

„Echt? Soll der gesagt haben?“

„War Priester. Trat zwei Jahre später aus der Kirche aus und verkauft inzwischen am Bushof den Wachturm.“

„Gott erhalte ihn.“

„Möglichst bald? Oder seelig? Sprich, biste so gläubig auf einmal?“

„In vino veritas.“

„Was trinkst du denn, dass du jetzt so filo so fisch wirst.“

„Vin de Pays de l`Hérault.“

„Weißt du, dass in kalten Jahreszeiten sich die Flasche mit O-Saft, Zimtstangen und Nelken für das Zwanzigfache verkaufen lässt? Die Mittelklasse giert danach, wenn er gut warm und dafür teuer verkauft wird.“

„Klar, weiß ich das. Erstes Semester BWL, Vorlesung vom Wirtschaft-Prof.“

„Und was hat es dir gebracht?“

„Dass sich Gummibärchen mit paar chemischen Komponenten und Kohlensäure in Wodka auflösen lassen und dann besonders gut mit chemischen Drogen knallen.“

„Tja, das so ist der Fortschritt. Er muss gut knallen. Eine Weltklasse will halt nun mal jeder auch beim Saugen der Strohhalme. Hauptsache es passt irgendwie. Sind ja jetzt so alle so öko und bio und so gesund.“

„Willste noch meine Mischung Wilder Mann? Himbeersirup mit Wodka, etwas Bacardi, drei Teile Ananassaft, etwas Genever und einem Schuss Kölsch in einer Konlechner-Bier-Dose geschüttelt, weil die so ne geile Innenraumdosenversiegelung haben.“

„Klar, gib mal rüber. Aber statt Ananas lieber Anna trocken, woll.“

„Häh?“

„Kalauer gemacht. Echt jetzt: deine Mischungen waren bislang wie immer Weltklasse. Die dort an uns vorbeigehen, die sind doch nur neidisch, weil wir deren Welt nicht mehr ernst nehmen.“

„Du sagst es. Hier. Nimm die Dose. Macht vierfuffzich, weil du es bist.“

„Klar. Kannste auf nen Hunderter wechseln?“

„Mach mich feddisch, du Säufer!“

Weltklasse fuer Deutschland

Über Ratlosigkeit und Fluchtwege


Die Ansage ist eindeutig.

„Aufgrund der Flüchtlingsbewegungen nach Deutschland wurde der gesamte Bahnverkehr zwischen Österreich und Deutschland eingestellt. Es gibt keine Bahnverbindungen mehr nach Deutschland. Dieser Zug fährt nicht mehr nach München. Der Zug endet in Innsbruck. Nächster Halt ist Innsbruck Hauptbahnhof. Der Zug endet hier.“

Die Reisenden im Zug sind bunt gewürfelt. So bunt wie es die mitteleuropäische Gesellschaft nicht ist. Egal, wie bunt gewürfelt oder wie einfarbig jeder ausschaut, jetzt haben alle etwas gemeinsam: die Ratlosigkeit.

„What did she said?“

„Was hat die gesagt?“

„How do we get to Germany? We do have a valid ticket to Munich!“

„Wie kommen wir nach Deutschland? Wir haben ein gültiges Ticket nach München!“

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Das war’s. War’s das? Ex-blog.de’ler auf eigenen Füssen …


Nach meiner Plattformwechselei von blog.de nach hierhin, jetzt einfach nur mal kurz meine Blog-Prinzipien:

„Humor ist die Lust zu lachen, wenn einem zum Heulen ist.“ Werner Finck

„Man muss die Leute belügen, damit sie die Wahrheit herausfinden.“ Wolfgang Neuss

„Das ist keine Lüge, sondern eine sachzwangreduzierte Ehrlichkeit.“ Dieter Hildebrandt

„Wer lachen kann, dort wo er hätte heulen können, bekommt wieder Lust am Leben.“ Werner Finck

„Wir beide, wir haben Humor. Sie in der Praxis, ich in der Theorie.“ Edmund Stoiber über sich und seine Frau.

„Es ist richtig, wenn Politiker immer wieder behaupten: ‚Der Mensch ist Mittelpunkt.‘ Falsch ist nur die Schreibweise. Gemeint ist: ‚Der Mensch ist Mittel.-Punkt.“ Dieter Hildebrandt

Meine Idee:  Lasst euch nicht irre machen, Freunde! Ihr seid es schon.

UND:

Traut mir nicht weiter, als ihr mich werfen könnt.

Danke

Careca

P.S.:

Die nachfolgenden Einträge sind aus dem Export-Import-Geschäft mit der Plattform blog.de und der neuen wordpress.com.

Also, ab hier kommt nur noch neues. Oder so …

Wasserstandsmeldung


Und nun mal die aktuelle Wasserstandsmeldung:
Es stand mir bis zum Hals.
Gesundheitlich.
Grippe.

Jetzt könnt Ihr Euch ja denken, was in solchen Fällen bei Ärzten passiert. Die ziehen einen sofort vom Arbeitsmarkt ab und stecken diesen dann für die restliche Woche ins Bett.
Gelbe Karte sozusagen. Für Arbeitsgeber und Krankenkasse, zu verteilen von Arbeitnehmer. Damit alles seine Richtigkeit hat und nicht Arbeitnehmerlein wegen Überschreitung von irgendwelchen Kulanzgrenzen vom Platz gepfiffen wird.

Jetzt hat mein Arzt sofort 1 und 1 auseinandergezählt und meinte:
»Ha! 1 ´n 1! Dat hammse! Sischer dat!«
Abstrich gemacht, Blut gezogen, alles ins Labor geschickt und paar Tage später zerknirscht am Telefon:
»Hönnse mal! Jeet et ihne wieder? Sie haben die Schweinegrippe nicht. Is´n ganz normaler Grippevirus. Und überhaupt, sie haben schon Schweinegrippen-Antikörper in ihrem Blut. Woher haben Sie die denn her? Hatten Sie überhaupt schon die H1N1-Grippe gehabt? Warum hammse nichts gesagt? Man hätte Ihnen doch helfen könne.«

Ja, das stimmt. Offenbar hatte ich die schon routinemäßig abgearbeitet gehabt. Abgewickelt sozusagen. Anfang November. Es war wie eine leichte Erkältung vorüber gegangen. Hatte mich nicht wirklich großartig gestört. Dauerte auch nur von Freitag Abend bis Sonntag Mittag.
Von einem Kind habe ich mir die Gruppe partywilliger H1N1-Viren eingefangen. Aber der Körper des Kindes hatte ebenfalls kein Bock auf Party. Lediglich leichte Erkältungssymptome machten sich bemerkbar. Da waren die H1N1-Viren wohl beleidigt und sind dann zur nächsten Party-Location gezogen. Zu mir. Wieder so eine Virenspassbremse. Da war nichts gravierendes in meinem Körper zu bemerken. H1N1? Sicher, H1N1-Light sozusagen.

14 Tage später hatte sich ein Kollege das volle H1N1-Vergnügen abgeholt: Samstag ging es los, Montag war er schon krank und am Dienstag Morgen vermeldete er den H1N1-Laborbefund.

Und am Dienstag Vormittag kam dann das Sondereinsatzkommando mit Desinfektionsmittel und hat seinen Arbeitsplatz geputzt. Einfach so. Nachdem er schon 3 1/2 Tage nicht mehr am Arbeitsplatz was angefasst hatte. Und die Türklinken wurden desinfeziert. Alle. Sicher ist sicher. An dem Tag titelte Kai Diekmanns BILD auch schon wieder die nächste H1N1-Weltuntergangsmeldung: Die zweite Welle sei im Anmarsch und es sei erforderlich, noch mehr zu desinfizieren.

14 Tage lag der Kollege flach. Jetzt lacht er wieder und freut sich: Impfung gespart. Von mir hatte er es aber nicht. Die Viren hatte er sich offenbar in vollen Zügen der DB reingepfiffen.

Hm.
Ich hab jetzt einen taktischen Fehler begangen. In meiner Firma hätte ich mich jetzt als H1N1-Leidender outen sollen. Mein Schreibtisch wäre endlich mal wieder geputzt worden. Zu spät. Ne stinkelig piefig normale Grippe entlockt nicht mal nem Schwein ein Grunzen.
Egal.

Und darum jetzt nochmals die aktuelle Wasserstandsmeldung:
Ich han‘ den Kanal noch lange net voll.
Wenn ich schon sowas wieder schreiben kann, dann werd‘ ich noch ne ganze Menge leben.

Das kleine Banken-Einmaleins


Angenommen ich wär ne Bank. Und ich bräuchte mal eben 50 Millionen Euro. Was mach ich dann?

Gut, ich gehe am besten zu zwei anderen Banken und leihe mir von denen jeweils 25 Millionen Euro.
Somit habe ich meine 50 Millionen. Aber ich habe auch 50 Millionen Euro Schulden.

Also kaufe ich mir von den 50 Millionen mal auf der Schnelle 45 Millionen Euro Wertpapiere.
Von den restlichen 5 Millionen verleihe ich 3 Millionen Euro an eine dritte Bank.
Von den mir verbliebenen 2 Millionen Euro gebe ich jeweils 1 Millionen Euro an die beiden Banken zurück.
Somit habe ich bei den Banken nur noch jeweils 24 Millionen Euro Schulden. Insgesamt also 48 Millionen Euro. Also verkaufe ich dann die Wertpapiere, wenn ich 48 Millionen Euro Inwertstellung erreicht habe.

Von den noch ausstehenden 3 Millionen Euro werde ich die verbliebenen 2 Millionen Euro Schulden bezahlen.
Von der durch die Verleihgeschäfte gewonnenen 1 Millionen Euro kann ich mir dann ein Häusle bauen.

Mache ich 100 solche Geschäfte bis zum 31. Dezember habe ich ein hübsches Sümmchen Rente auf mein Konto, worum mich jeder beneidet, un zwar 99 Millionen Euro (logo, brutto, nicht netto).

So einfach geht das.

Oder doch nicht?

Wo liegt der Fehler?

Oder schreibe ich euch das in tiefer Reue als Ex-Banker der HRE?

Die gepflegte Panik


Von der Leyen: Mir geht es jetzt um den Kampf gegen die ungehinderte Verbreitung von Bildern vergewaltigter Kinder. Der Straftatbestand Kinderpornografie ist klar abgrenzbar. Doch wir werden weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten. Sonst droht das großartige Internet ein rechtsfreier Chaosraum zu werden, in dem man hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen kann. Wo die Würde eines anderen verletzt wird, endet die eigene Freiheit. Welche Schritte für den Schutz dieser Grenzen notwendig sind, ist Teil einer unverzichtbaren Debatte, um die die Gesellschaft nicht herumkommt.

Quelle: abendblatt.de

Frau von der Leyen in Höchstform der Gedankenlosigkeit?
Schon heute ist „hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen“ rechtlich verfolgbar (und wird es auch) und „ein rechtsfreier Chaosraum“ existiert so nicht. Vielleicht sollte Frau von der Leyen sich mal ein wenig genauer informieren.

Sicherlich wird nicht jeder Mobber, Beleidiger oder Betrüger rechtlich verurteilt werden können, weil er nicht ermittelbar ist. Aber da steht das RL (= real life) dem VL (=virtual life) im nichts nach.
Obige Aussagen der von der Leyen implizieren einen Handlungsbedarf, den es so nicht gibt. Es erinnert eher an einer zur Zeit viel geliebten, grassierenden „Verbieteritis“.

So wie die Flatrate-Bordelle in Deutschland zu verbieten. Aus moralischen Gründen. Weil unmoralisch. Und dann auch noch weil Zwangsprostituierte drinnen sein sollten. Und die Prostituierte rechnerisch 60% mehr verdienen würden als ein Hartz-IV-Arbeiter. Und auch noch alles machen müssen für den Kunden … so wie vom Arbeitsamt vermittelte Hartz-IV-Arbeiter …

Die Polizei durchsuchte auf Veranlassung von Politikern diese Lokale auf illegale Verhältnisse, wurde aber nicht fündig. Geschlossen wurde diese dann mit Hinweis auf deren hygienischen Verhältnisse. Da dürften jetzt viele Hallen- und Freibäder und Fitness-Studios jetzt auch schon anfangen zu zittern, denn was meine Erfahrungen schon dort waren, das war alles andere als hygienisch. Oder doch nicht zittern, denn moralisch sind Hallen- und Freibäder und Fitness-Studios einwandfrei. Da können Klos und Duschen noch so beschissen sein …

Ach ja, nebenbei hat die Polizei dann noch 200.000 Euro von dem Bordellbesitzer (und rechtlicher Arbeitgeber!) eingezogen wegen dem Verdacht auf Sozialabgabenhinterzieherei. Das nur am Rande. Verdacht reicht ja gegen solche Etablissements. Hat man dem Zumwinkel eigentlich zuvor auch gleich sein ganzes Vermögen eingezogen? Nicht? Okay, Zumwinkel war ja auch kein Bordellbesitzer sondern arbeitete in einem anständigen Betrieb, wo er den Staat betrog …

Aber die Hauptsache in der letzten Zeit ist, es wird verboten, was Politikern nicht passt. Oder wovon die wenig Ahnung haben. Denn dann fällt deren Ahnungslosigkeit nicht auf.

Nur, richtig und fundiert gegen Missstände anzugehen, dass ist dann doch zuviel Arbeit für die Politiker. Da wird es diesen zu kompliziert. Lieber ein Stopp-Schild auf dem Monitor, als den Verbrechern direkt hinterher zu forschen und diese einzubuchten.

Aber ich wette, Frau von der Leyen benötigt noch die ein oder anderen Bildungsdienstreisen nach China. Denn die chinesische Regierung hat schon das voll unter der Kontrolle, was hier den Politikern noch völlig unkontrolliert durchs eigene Land rennt:
Die eigene Bevölkerung.