Bushaltestelle.
Sonntags Abends.
Es gießt wie aus den berühmten Kübeln.
Die Strasse wird zur Flusslandschaft. Nicht wirklich. Aber fast.
Und es schweifen die Gedanken an die Regenkatastrophe von Niederbayern, bei der acht Menschen in den Regenfluten eines Dorfes starben.
Mein Regenschirm dient mir als Abwehrschild gegen Autofahrer, die in hoher Geschwindigkeit durch das Wasser der Straße fahren und einen extra Regenguss für die Leute in dem Wartestellenhäuschen produzieren.
Zwei Menschen sitzen auf der Bank. Beide in den klassischen Fünfzigern und er schwadroniert über das Wetter: Weiterlesen
Schlagwort-Archive: notizen an das leben
Nicht für die Schule, sondern fürs Leben …
Knopf drücken, Klacken vernehmen, Pappschuber herausziehen, leicht zusammendrücken, Innenteil in die Hand rutschen lassen, Deckel abnehmen, Scheibe vorsichtig aus dem Innenteil rutschen lassen, Mittelfinger aufs Loch, Handballen am Rand, Innenteil ablegen, Scheibe zwischen den beiden Handballen kurz drehen und prüfend das Schwarze mustern, Staub leicht abblasen, dann Loch durch Bolzen, vorsichtig, leicht drehen, Rotation einstellen, Hebel umlegen, Arm anheben, rüberführen und Nadel dann mittels der Absenkvorrichtung langsam auf den Rand absenken, beobachten wie die Nadel in die Rille einfädelt, Knistern hören und sehen wie Nadel in das Meer der Rillen in den See der Erinnerungen sticht … Weiterlesen
Kneipengespräch: Zahlemann und Söhne
„Also, das waren jetzt drei Kinder-Kölsch. Macht sechs sechzig.“
Der Gast beugte sich lässig vor und, abgestützt durch seinen Ellenbogen auf dem Tresen, ließ mit lockerer Nonchalance zwischen Zeige- und Mittelfinger eingeklemmt eine Kreditkarte vorschnellen: „Mach sieben Euro. Der Rest ist Trinkgeld.“
„Hm. Kreditkarte nehmen wir aber nur erst nach zehn Kölsch und fünf Schabaus.“
„Was? Zehn Kölsch und fünf Schnäpse? Dann bin ich ja blau und kriege die Unterschrift nicht mehr hin.“
„Das geht schon. Geht mit Chip-Zahlung und 10 Euro Kreditkartenzahlungsgebühr. Schabau määt schlau! Weeßte“, lächelte ihn der Wirt verschwörerisch an.
„Glaub ich nicht. Okay. Gut. Dann zahl ich mit EC-Karte“, sagte der Gast, holte seine Geldbörse hervor, schob die eine Karte rein und holte die andere raus.
„EC-Kartenzahlung erst ab fünf Kölsch und einen Schabau. Plus zwei Euro fuffzich EC-Kartenzahlungsgebühr.“ Weiterlesen
Wer sind „wir“? Wir sind …
Wir sind …
… der Krieg! Klausewitz und Sun Tsu gleichzeitig! Sei vorsichtig! Leg dich nicht mit uns an! Wir schlagen sofort zu. Nicht wie damals noch mit dem Lehrerlineal auf deine ungezogene Patschhändcheninnenseiten, bis sie glühend rosig aussahen. Nein! Wir können auch anders. Will sagen: WIR können auch anders. Weiterlesen
Fußballgötter
„Und sage mir, wenn unter den zwei Ungerechten ein Gerechter wäre, würdest du alle vernichtend verurteilen?“
„Nein, ich würde es nicht.“
„Und wenn derer Ungerechter doppelt so viele gäbe, und der Gerechte ein echter Gerechter wäre? Würdest du dann auch alle vernichten?“
„Nein, ich würde es nicht. Wer glaubst du, dass ich denn sei?“
„Keine Ahnung, mein lieber Gott. Aber jetzt mal ganz differenziert nachgefragt, wenn die Anzahl der Ungerechten derer Hundertfach wären und darunter einer weiterhin wäre, der Gerecht wäre, was würdest du tun?“ Weiterlesen
Kinder, die auf Brücken starren
Unter Brücken, über Brücken, mit Brücken, auf Brücken. Ein Bauwerk zur Überquerung von Hindernissen.
Wenn er zur Schule wollte, dann hatte er regelmäßig mindestens eine Brücke zu überqueren. Er konnte allerdings auch wählen, gleich sieben Brücken zu passieren. Einige davon waren neutral, so dass er mit seiner Leeze kaum etwas verspürte außer einer Bodenwelle im Asphalt. Eine andere dagegen war für ihn sein „L’Alpe d’Huez“, seine Herausforderung, morgens wenn er noch müde sich abstrampelte, um rechtzeitig zur drei Kilometer entfernten Bushaltestelle zu gelangen, von wo er auf einem Stehplatz mit anderen Kindern im Gang des Bus eingezwängt in die 14 Kilometer entfernte Schule fuhr. Oder – wenn er den einzigen Bus verpasst hatte – über der Landstraße trampte.
Sein „L’Alpe d’Huez“ hatte den Nachteil des ihm unendlich lang vorkommenden Aufstiegs. Da half ihm auch seine Drei-Gang-Schaltung nicht, die Trittfrequenz zu halten. Die letzten zehn Meter zum Scheitelpunkt der Brücke quälten ihn morgens immer, besonders mit dem Tornister und seinen Büchern und Heften auf dem Rücken, das war ihm kein Spaß. Oben auf dem Scheitelpunkt der Brücke starrte er runter und sah kurz dem Verkehr der Autobahn zu, wie er unter ihm lärmend vorbei rauschte. Weiterlesen
Die Männer aus Zaïre
Da stand der Bus vor dem „Hotel Jagdschlösschen“ (Ascheberg / Westf.) in den Landesfarben von Zaïre lackiert. Wir Kinder standen vor dem Seitenausgang und warteten mit Notizblock und Kugelschreiber. Unsere Eltern im sicheren Abstand. Mein Vater schob mich noch nach vorne: „Du musst dich trauen.“
Die ersten Spieler durchschritten die Tür. Die Kinder drängten sich ihnen entgegen und reckten ihnen Notizblock und Kugelschreiber entgegen.
„Autogramm! Autogramm!“, hallte es unentwegt. Deutsch sprachen sie nicht, aber irgendwer meinte, dass würden sie verstehen. Einige Kinder hatten Sammelkarten und Mannschaftsfotos des Teams aus Zaïre, Fotos und Karten, welche im Vorfeld der WM 1974 in Deutschland in den Geschäften und Tankstellen verkauft wurden. Weiterlesen
Nachweisdokument
Ist zwar schon ein halbes Jahrhundert her, aber es taugt noch immer als Nachweis für eine Existenz … Weiterlesen
Schau hin und sei glücklich …
Der Cappu war edel drapiert. Ein Herz aus Milch hatte der Barista ihm in seiner Tasse gezaubert. Er mochte diese Kleinigkeiten. Der Cappu schmeckte dadurch nicht automatisch besser, aber er sah einfach besser aus. Dafür gab er auch mal gerne fünfzig Cent mehr aus. Es zeigte ihm, dass er als Gast Wertschätzung erfuhr. Mit zwei Fingern ergriff er das Tütchen Zucker, riss es auf und ließ den Zucker auf den Milchschaum rieseln. Er beobachtete, wie der Zucker langsam in seinem Cappuccino versank. Es hatte etwas von Salz auf Schnee, aber es schmeckte anders. Er tauchte den kleinen Löffel in das Gebirge aus Milchschaum, Kakaopulver und Kaffee und schaute aus dem Fenster. Vor ihm zog der Fluss ungerührt seine Bahn. Leichte Wellen zeigten Flusswiderstände, angedeutete Strudel Turbulenzen unter der Wasseroberfläche verursacht von der Vergangenheit. Weiterlesen
An Neujahrstagen, wie diesen …
Sie kam per Twitter. Vorher hatte es unser Bereichskontaktler an der dunklen Straßenecke geflüstert:
Terrorwarnung! Hannover Teil 2!
Der Neujahrsrutsch richtig terroristisch geheimdienstbewährt glitschig. Und wir wollen ja nicht wissen, was Polizei und Geheimdienst so wissen. Es würde uns ja nur beunruhigen.
ABER: wir waren gefasst und bereit. Allzeit bereit! Nach der Terrorwarnung hatten wir uns gleich zur Bürgerwehr der besorgten Bürger (PEGIDA-München) begeben, sieben Sandsäcke vor meiner Tür aufgetürmt und uns mit Mörsern, Flak, Pershing-IIs und G37-Maschinengewehren dahinter verschanzt. Solten die terroristischen Arschlöcher doch kommen! Allzeit bereit! Weiterlesen
Wissenschaftlich erwiesen
Liebe Freunde und Familienmitglieder, an dieser Stelle mal ein Ordnungsruf an ein komplett unintegriertes Mitglied aus dem Westfalenlande:
Herr H. ist 44 Jahre alt, Westfale, Vater von vier Kindern, Oberstudienrat und vormals Gymnasiallehrer, und dann auch noch leidenschaftlicher Hobby-Wissenschaftler. Letztens hat sich dieser Mensch glatt den theoretischen Ausführungen der beiden Ökologen Robert MacArthur und Edward Wilson verschrieben. MacArthur und Wilson haben in den 70er Jahren die Theorie der Zusammenhänge zwischen den Wachstumsraten („r“) und den Grenzen der Fassungsvermögen „k“ in der natürlichen Umwelt aufgestellt. Weiterlesen
Frontberichterstattung aus der Heimat
Liebste Susanne,
wie geht es dir? Ist es schön im fernen Sansibar? Was machen die Orangenbäumchen? Wachsen sie und gedeihen? Was machen die Gewürzbäumchen? War die Ernte ein voller Erfolg? Ich wünschte, ich wäre dort bei dir und nicht hier in der heimlichen Hauptstadt Deutschlands.
Der Krieg ist grausam. JA, das ist er. Aber wir sollten nie vergessen, er ist auch gerecht. Und in erster Linie gerecht. Wir haben ihn gewählt. Demokratisch. Weiterlesen
Neulich, als ich versuchte, einen Terroristen aus den fahrenden Zug zu werfen …
Seit den Ereignissen in Paris beschäftigt Europa nur noch ein Thema:
Darf man einen Terroristen aus einem fahrenden Hochgeschwindigkeitszug Thalys schmeißen? Ja, darf man, nur wie öffnet man bei voller Fahrt die Tür eines solchen Zuges? Richtig, man sprengt die Tür mit dem Sprengstoffweste des Terroristen auf. Diese braucht der eh nicht, wenn er nach geglückter Türsprengung mit beschwingtem Fußtritt aus den Zug geschubst wird und an dem nächsten Signalmasten mit grünem Freier-Fahrt-Licht zerschmettert. Wozu auch? Macht ihn nicht echt sexuell attraktiver. Nicht wirklich.
Aber wer zahlt dann die Reparatur der geborstenen Tür, die Reinigungskosten des Signalmastens, die Fleckentfernung vom Gleisbettschotter und überhaupt, was sagt die eigene Haftpflicht dazu? Übernimmt sie für mich alles? Gegen Vorsatz und groben Unfug winken Versicherungen immer ab. Da hilft auch kein „in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten), um seinen Versicherungsvertreter untertänigst zu bitten, er möge doch ein gutes Wort zur Schadensregulierung einlegen. Der denkt sich maximal „in dubio Prosecco“ und minimal ein „pro bono publico“, also „zum Wohle der Öffentlichkeit“, was so viel heißt wie „Verluste vergesellschaften“.
Das Letztere mag sich jetzt nach Kapitalismuskritik anhören, aber wenn es um Terroristen geht, dann will jeder gerne draufzahlen. Zumindest „pro forma“, solange es nicht zu den eigenen Lasten geht. Denn alle die „Krieg! Hiphip hurra!“ und „Auf sie mit Gebrüll!“ rufen, werden garantiert nicht in erster Reihe stürmen. Weder für Ruhm, Ehre noch Vaterland. Dafür gibt es ja immer die anderen. Solange es einen nicht selber trifft. Zugucken ja, aber nicht selber umfallen. Oder über den Haufen geschossen zu werden, den man sich vorher selber gelegt hat.
Also, sollte man einen Terroristen aus den Zug schubsen, wenn man irgendwie die Tür aufbekommen hat? Einfach so?
Kneipengespräch: Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist
Ein kehliges Rollen, direkt aus dem Rachen, unterstützt von einem Geräusch von zusammengeklebten Schleim, der Blasen wirft. Ein Geräusch fast von unten aus dem Magen herrührend, gurgelnd aufsteigend in den Hals-Nasen-Rachenbereich. Ein Geräusch wie bei den Zombies aus der Fernsehserie „The Walking Dead“.
»HEY!«
Der Wirt hatte in seiner Zapfbewegung innegehalten und meinen Nachbarn lauthals angeranzt. Jetzt blickte er ihn durchdringend eindringlich an.
»Wage es nicht! Oder ich schmeiß‘ dich raus!«
Über Ratlosigkeit und Fluchtwege
Die Ansage ist eindeutig.
„Aufgrund der Flüchtlingsbewegungen nach Deutschland wurde der gesamte Bahnverkehr zwischen Österreich und Deutschland eingestellt. Es gibt keine Bahnverbindungen mehr nach Deutschland. Dieser Zug fährt nicht mehr nach München. Der Zug endet in Innsbruck. Nächster Halt ist Innsbruck Hauptbahnhof. Der Zug endet hier.“
Die Reisenden im Zug sind bunt gewürfelt. So bunt wie es die mitteleuropäische Gesellschaft nicht ist. Egal, wie bunt gewürfelt oder wie einfarbig jeder ausschaut, jetzt haben alle etwas gemeinsam: die Ratlosigkeit.
„What did she said?“
„Was hat die gesagt?“
„How do we get to Germany? We do have a valid ticket to Munich!“
„Wie kommen wir nach Deutschland? Wir haben ein gültiges Ticket nach München!“
Das war’s. War’s das? Ex-blog.de’ler auf eigenen Füssen …
Nach meiner Plattformwechselei von blog.de nach hierhin, jetzt einfach nur mal kurz meine Blog-Prinzipien:
„Humor ist die Lust zu lachen, wenn einem zum Heulen ist.“ Werner Finck
„Man muss die Leute belügen, damit sie die Wahrheit herausfinden.“ Wolfgang Neuss
„Das ist keine Lüge, sondern eine sachzwangreduzierte Ehrlichkeit.“ Dieter Hildebrandt
„Wer lachen kann, dort wo er hätte heulen können, bekommt wieder Lust am Leben.“ Werner Finck
„Wir beide, wir haben Humor. Sie in der Praxis, ich in der Theorie.“ Edmund Stoiber über sich und seine Frau.
„Es ist richtig, wenn Politiker immer wieder behaupten: ‚Der Mensch ist Mittelpunkt.‘ Falsch ist nur die Schreibweise. Gemeint ist: ‚Der Mensch ist Mittel.-Punkt.“ Dieter Hildebrandt
Meine Idee: Lasst euch nicht irre machen, Freunde! Ihr seid es schon.
UND:
Traut mir nicht weiter, als ihr mich werfen könnt.
Danke
Careca
P.S.:
Die nachfolgenden Einträge sind aus dem Export-Import-Geschäft mit der Plattform blog.de und der neuen wordpress.com.
Also, ab hier kommt nur noch neues. Oder so …
Nächtliche Intimgespräche
Leise ertönte der Klang zweier anstoßender Sektgläser durch den Raum. Ihr Schlafzimmer wurde mit einem blau-weißlichen Licht geflutet. Das Display ihres Smartphones hatte sich eingeschaltet. Eine neue Nachricht per WhatsApp. Sie war noch nicht richtig eingeschlafen und war sofort wieder wach. Die Uhr des Smartphones zeigte 1:35. Mit ihren Fingern fuhr sie über das Display, bis sie die Anwendung geöffnet hatte.
Good morning, creature of the night.
Yuzo hatte ihr geschrieben. Sie lächelte. Yuzo schrieb ihr regelmäßig, wenn er in seinem Büro in Tokyo eintraf. Sie hatte ihn vor drei Monaten auf einer japanischen Kunstausstellung in Düsseldorf kennengelernt. Sie waren sich mehr als nur sympathisch, es hatte sofort gefunkt und am gleichen Abend hatten beide ihren gemeinsamen Spaß in seinem großen Hotelbett. Zwei Tage war die Ausstellung und das Rahmenprogramm für beide nur noch Nebensache. Sie musste wieder zurück und er flog wieder nach Tokyo zu Kindern, Hund und Frau zurück. Seitdem schrieb er ihr regelmäßig zwischen 1 und 2 Uhr morgens und beschwor die beiden gemeinsamen Nächte.
Sie lächelte, als sie creature of the night las. In jenen zwei Nächten hatte sie ihm damals von der Rocky Horror Picture Show vorgeschwärmt. Phantasiereich und dann als er nicht verstand hatte sie ihm handfest erklärt, was sie wäre sie Janet in dem Film gewesen selber so gemacht hätte.
Kneipengespräch: Machtverhältnisse
»Hast du was zu sagen?«
Er schaute seinen Trinknachbarn an. Aber jener schwieg. Ich kannte ihn. Er war schon immer ein Schweiger vor dem Herrn. Seit ich ihn vor vierzehn Tagen an der Hotelbar zum ersten Mal getroffen hatte. Ich musste ihm regelrecht jedes Wort aus der Nase herausziehen. Er nannte sich Andreas und war von FORD Köln nach Detroit geschickt worden, um dort Montagearbeiten bei einem Automobilzulieferer zu organisieren.
Andreas war eigentlich kein Schweiger, aber während der Arbeit musste er immer wieder alles erklären. »Von der Ursuppe bis zur Erfindung der Dampfmaschine, und alles jeden Tag erneut in Details« hatte er mir erklärt. Zuerst hatte ich gegrinst. Da war das Volk, das bereits auf dem Mond war, aber nicht fähig war normale Industrieprozesse zu verstehen. Aber Andreas erklärte mir, dass dies nicht nur auf die Amerikaner zu traf. Es machte ihn fertig, dass selbst andere Kollegen aus Deutschland mit technischem Unverständnis wucherten, bei Themen, bei denen er es nie für möglich hielt.
So saß er vor seinem Glas »Blue Moon« und schwieg. Kölsch hatte es ja nicht an der Bar. Und ansonsten waren die angebotenen Biere bescheiden in ihrer Geschmacksrichtung.
»Hey Andy, wie war dein Tag?«
Sein Trinknachbar blieb beharrlich und schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter.
Andreas schaute auf und blickte ihn mit müden Augen an. Zuerst vermutete ich, dass Andreas ein kölsches »Loss mich en Ruh« dem Amerikaner servieren würde. Weiterlesen
Ertrage die Clowns (6): À tout de suite!
Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:
„Ertrage die Clowns!“
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Charlie Abdullah ist tot. „König“ Charlie Abdullah. So viel Zeit muss sein.
Die Legende besagt, dass dieser letzte großherzigste Herrscher vor Gram starb, weil sein 1.000 PS Bugatti wegen Sand im Getriebe nicht mehr ansprang.
Charlie Wulf ging zu dessen Trauerfeier, weil Charlie Merkel und Charlie Gauck keine Zeit hatten. Charlie Abdullah soll es aber nicht bemerkt haben. Charlie Gabriel wäre auch ganz gerne dahin, aber irgendwie hatte er ein Date wegen Charlie Bachmann und Charlie Oertel und musste absagen. Charlie Obama, Charlie Cameroon und Charlie Hollande haben Charlie Abdullah gleich ihre Meinung verkündet und ihn über den grünen Klee gelobt. Wohlgemerkt „über“, denn ihn unter den grünen Klee zu belobigen, das hätte er schon verdient gehabt. Allein schon dafür, dass er die Freiheit des Bloggens mit 1000 Peitschenhiebe auf den Blogger Raif Badawi (kein Charlie) unterstütze, und dem gestürzten und politisch verfolgten tunesischen Diktator Charlie Ben Ali ein saudisches Asyl-Refugium zugestand. Diese beiden Fakten waren es dann auch, warum Charlie Merkel dessen „Klugheit, Weitsicht und großem persönlichen Einsatz“ […] „für eine behutsame Modernisierung seines Landes“ gepriesen hatte. Fast ähnlich hatte es Charlie Putin formuliert. Selbst UN-Generalsekretär Charlie Ban Ki Moon hat ihn posthum verbal geadelt. Haben eigentlich auch Charlie Netanjahu, Malis Präsident Charlie Keita, EU-Ratspräsident Charlie Tusk, Palästinenserpräsident Charlie Abbas und das Asterix-Imitat Charlie Sarkozy offiziell zitierbares zu dem Tod des Königs von sich gegeben? Weiterlesen
TINDER oder: Eine Leidenschaft ohne Reue

Ihre Hand hielt das Smartphone ans Ohr. Es klingelte am anderen Ende. Ihre Vorderzähne bearbeiteten die Unterlippe und ihr Blick ging recht ungeduldig im Zimmer umher. Ihr Fuß wippte ohne Unterlass, während sie auf der Sofakante hockte. Unwirsch fuhr sie sich mit der anderen Hand durch ihr Haar, als es in der Leitung in ihren Smartphone klackte:
„Alles klar, Tina?“
Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang erregt, aufgeregt:
„Ist was passiert Tina? Nun, sag doch was!“
Tinas rechte Hand suchte weiterhin noch ihren Weg durchs Haar, um dann schützend vor ihren Mund zu landen.
„Es ist alles okay. Nichts passiert.“
„Wirklich nichts? Was geht ab? Warum rufst Du an?“
„Es ist alles okay.“
Tina hatte den letzten Satz nur zögerlich flüstert und wieder fuhr sie sich mit ihrer Hand nervös durchs Haar, erwischte ein Strähne und zwirbelte sie wie zuvor hastig um ihren Zeigefinger.
„Jetzt lass Dir doch nicht alles aus der Nase ziehen, Tina! Was ist passiert? Wie ist das Date gelaufen? Schon zu Ende?“
Tina schluckte und atmete kurz tief durch.
