Die Zeit ist das Feuer, in dem wir verbrennen.


Die Zeitansage. Du warst meine erste Liebe, du eiserne Jungfrau.

„Beim nächsten Ton ist es …“

Damals hatte ich dich kostenlos anrufen können und dir überm Lautsprecher des Morgens gelauscht. Vor dem Rausgehen, um rechtzeitig den Bus zu erwischen. Oder des Mittags, um festzustellen, ob der Angelus rechtzeitig geläutet wurde. Oder des Abends, um zu sehen, ob die Tagesschau pünktlich begann. Oder wenn ich Langeweile hatte und einfach mal meine Uhr auf die Sekunde genau justieren wollte. Minute für Minute. Ein Reaktionsspiel, die Uhr genau mit dem „Pieps“ der vollen Minuten synchron zu bekommen.

Du kommst zu spät. Du bist nicht pünktlich. Meine Zeit habe ich nicht gestohlen. Wie Sand zwischen den Fingern ist es beim nächsten Ton …

Es liegen weniger Tage vor mir als bereits hinter mir. Und alle elf Sekunden verlieben sich zwei Minuten beim klar Schiff Machen. Stunde für Stunde. Tag für Tag.

Ich lauschte der Stimme. Sie klang so rational feminin, so sachlich weiblich, so überzeugt fraulich, so sinnlich zeitlos.

„Beim nächsten Ton …“

… komme ich zu dir, meine eiserne Jungfrau, und dann halten wir gemeinsam die Zeit an. Stunde für Stunde, Minute für Minute, sekundenweise.

Aber das reicht nicht mehr. Bei Wettläufen helfen nur noch genaue Uhren, um zu unterscheiden, wer schneller ist. Mit Unterscheidung auf Tausendstel des Augenblicks. Wimpernschlaglängen.

Die Zeit ist wie ein Raubtier. Du kannst versuchen, ihr zu entkommen. Aber sie wird dir folgen, dich jagen und erlegen. Auge um Auge, Zahn um Zahn, Falte auf Falte. Die Zeit vergeht und wartet auf niemandem. Diese vergängliche Erfindung des logischen Menschen. Der Mensch sagt, die Zeit vergehe. Die Zeit sagt, der Mensch vergeht.

Ich höre dich. Beim nächsten Ton. Ich dreh‘ mich um mich und schau mir ernst ins Gesicht. Ernste Zeiten bedürfen der Heiterkeit. Ohne Heiterkeit lässt sich das Leben in der Zeit nicht denken.

Ein Schwarzer saß in Dresden in einem Bus, las in einer seltenen Ausgabe des Talmuds und jedes mal, wenn er eine Seite im Talmud weiter blätterte, rückte er seine Kippah zurecht. Ein Mensch, der ihm gegenüber saß, stand auf, schlug ihm ins Gesicht und schrie erbost: „Reicht es nicht schon, dass Sie Jude sind?“

Zeit zu lachen. Lache zur Zeit, du könntest vor Abend weinen. Morgen und Abend. Leben und Tod. Zeit zu leben.

Begleite mich, Zeitansage, du meine 0119-Chiffre. Lebe mit mir, du eiserne Jungfrau meiner Jugend. Sprich mir dein Mantra für unsere Einheit. Bis ich das Zeitliche segne.

Beim nächsten Tod ist es …

… zu spät …

Interaktive Fortsetzung eines Traums


Was bisher geschah:

das Geschehen extern aus dem „Teestübchen Trithemius“ der Geschichte „Plötzlich, plötzlich – über die Illusion der Gegenwart

Die eigene Fortsetzung:

„[…] “Dabei ist Gegenwart immer nur plötzlich und dauert nicht länger als die Aussprache von plötzlich. Sobald uns nämlich was bewusst wird, ist es auch schon Vergangenheit.”“

Jules bewegte sich interessiert leicht nach vorne, als wollte er etwas sagen. Oder auch nur, um auf ein erneutes Quietschen von Jeremias Coster mit dessem Bürostuhl zu reagieren. Ich ging an Jeremias vorbei und stellte eine entkorkte Rotweinflasche auf den Schreibtisch.

„Es gibt keine Zeit“, warf ich lapidar ein, während ich hinter meinem Rücken drei Bordeaux-Kelche aus edelstem Glas hervorzauberte. „Zeit ist eine Illusion. Eine Erfindung der Menschen, um das Geschehen um ihn herum einzuordnen. Um damit zu handeln und zu wuchern.“ Ich stellte die Gläser in einem perfekten Dreiecksverhältnis ab. „Manche haben Zeit, andere nicht. Manche vergeuden sie, manche ersparen sie sich. Wieder andere erschlagen oder verbrennen sie. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind nur Hilfskonstrukte. Wir sind die Mähdrescher auf einem eigenen, stetig nachwachsenden Getreidefeld.“ Weiterlesen

Über Ratlosigkeit und Fluchtwege


Die Ansage ist eindeutig.

„Aufgrund der Flüchtlingsbewegungen nach Deutschland wurde der gesamte Bahnverkehr zwischen Österreich und Deutschland eingestellt. Es gibt keine Bahnverbindungen mehr nach Deutschland. Dieser Zug fährt nicht mehr nach München. Der Zug endet in Innsbruck. Nächster Halt ist Innsbruck Hauptbahnhof. Der Zug endet hier.“

Die Reisenden im Zug sind bunt gewürfelt. So bunt wie es die mitteleuropäische Gesellschaft nicht ist. Egal, wie bunt gewürfelt oder wie einfarbig jeder ausschaut, jetzt haben alle etwas gemeinsam: die Ratlosigkeit.

„What did she said?“

„Was hat die gesagt?“

„How do we get to Germany? We do have a valid ticket to Munich!“

„Wie kommen wir nach Deutschland? Wir haben ein gültiges Ticket nach München!“

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Prinzessin Lillifee und die Klimakatastrophe


Natürlich ist der Titel dieses Posts absoluter Quatsch.
Und bevor jetzt erregt mitlesende Kinder ihre Mütter wegen dem Buch „Prinzessin Lillifee und die Klimakatastrophe“ drangsalieren, nerven und die Ohren blutig jammern, es gibt das Buch wirklich nicht.
Ehrenwort.
Notfalls unterstreich ich das Ehrenwort noch in meiner Badewanne!

Es gibt dafür aber das Kinderbuch „Prinzessin Lillifee und das Einhorn“.
Nee, ihr Erwachsenen, das ist jetzt nicht „Bladerunner-Directors Cut-light“, sondern es ist ein Kinderbuch von Monika Finsterbusch.

Monika Finsterbusch?
Gibt es den Namen?
Aber freilich.
Auch wenn der Inhalt erst beim zweiten Nachdenken finster rüberkommt:

Prinzessin Lillifee geht mit ihren freunden Cindy, Clara und Oskar in den Zauberwald und sieht wie ein Einhorn ihre Zauberrosen frißt. Begleitet wird das Einhorn von Prinz Wladimir (… hat da wer Klitschkow gerufen?!? Ein bischen mehr Ernst auf den billigen Plätzen, ja!?! …).
Prinzessin Lillifee entschliesst sich dem Prinzen eine ihrer Zauberrosen mitzugeben, damit sich Wladimirs Mutter, die Schneekönigin, einen Wunsch in ihrem Königreich „Eisland“ erfüllen kann.
Irgendwann kommt dann ein Eis(h)eiliger aus dem Eisland auf seinem Schlitten vorbei.
Gezogen von zwei knuddeligen Eisbären (Knut?!?).
Der Bote bringt ihr schlechte Nachrichten. Im Eisland gehen merkwürdige Dinge vor sich.
Prinzessin Lillifee ist mal wieder edel, hilfreich und gut und fliegt mal eben mit dem Boten (und ihren Freunden) ins Eisland. Und dort stimmt tatsächlich etwas nicht.
Es ist zu warm. (Klimakatastrophe?)
Alles schmilzt. (Klimakatastrophe??)
Selbst einer, der sonst nur Kälte bläst, bläst nur noch Tauwetter und taut alles auf. (Klimakatastrophe???)

Und weswegen?

„Was habt ihr euch denn von der Zauberrose gewünscht?“, fragte Lillifee.
„Nur ein wenig Wärme“, antwortete die Königin, …


Weil sich die Schneekönigin Mutter ein wenig mehr Wärme gewünscht hat …

AHA!

Klimakatastrophe!!!

Jetzt ist mir alles klar!

Woran Forscher jahrelang geforscht haben, dass findet unsere rosarote Lillifee heraus. Da ist ja wirklich finsteres im Busch.
Womit ich wieder beim Namen der Autorin wäre …

Und zufrieden mit der Lösung dieser Weltproblematik (und nach dem mühsamen Entfernen des bunten Glitters vom Umschlag jenes Buches) widme ich mich wieder bedrohlicheren Dingen des Lebens. Meiner Nebenkostenrechnung des vorletzten Jahres …

Ach ja, ihr wollt wissen wie die Geschichte endet?

Investiert 18 Euro und ihr könnt die beiden letzten spannenden Seiten des Kinderbuchs selber lesen. Diese Spannung werde ich euch hier nicht nehmen.

Und ich werde auch nicht sagen, ob das Einhorn nur eine Phantasie eines Klingenläufers war, der meint, am Klavier Musik geträumt zu haben …

<font face="ComicSansMS">War das heute für dich ein Scheißtag?</font>


Gesucht, gefunden.
Der Ursprung des Wortes „Scheißtag“:

Als „Scheißtage“ wurden in Süddeutschland und Österreich unter Knechten (in früheren Zeiten angestellte Arbeiter in bäuerlichen Betrieben) die zusätzlichen ein bis drei unbezahlten Arbeitstage bezeichnet, die die von ihnen beanspruchte Zeit für die Verrichtung der Notdurft während der vereinbarten Anstellung ausgleichen sollten. Häufig war der „Scheißtag“ der 29. Dezember.

Quelle: wikipedia.de

Und?

=> War der heutige Tag dein 29. Dezember?
Oder war er letzte Woche schon? :)

Ihre Verbindung wird gehalten …


… für alle Freunde der telefonischen Warteschleife empfehle ich das tägliche Lesen der obigen Überschrift.
Ansonsten gäbe da es auch noch die interessante Warteschleife von der Autoverleihfirma mit dem
knaatsch-roten Logo. Melodisch dudelt es aus dem Hörer

 We are trying harder.

 Aufideutschi: Wir geben uns Mühe.

Rief mich letztens ein Bekannter an und klagte mir sein Leid. Er kam auf einem Provinzflughafen im Osten Deutschlands an und hatte bei der dortigen Verleih-Station einen Benz mit allem PiPaPo ( na, wer es sich leisten muss …) vorbestellt.
Als er dort früh abends landete ( … Kurzdistanzflug, wäre mit der Bahn schneller gewesen, aber man gönnt sich ja sonst nichts, bei dem Auskommen mit seinem Einkommen … ) und bei der Verleihstation mit dem knaatsch-roten Logo aufschlug hiess es lapidar …
… richtig

 We are trying harder.

… falsch! Total falsch!

Man teilte ihm mit, der Benz sei in der vorherigen Nacht vom Verleihplatz geklaut worden und man habe für ihn kein Fahrzeug.   Man habe auch kein Ersatzfahrzeug für ihn und vor dem nächsten Tag sei auch mit keinem anderen zu rechnen. Vorrausgesetzt, wenn denn nicht zuvor eines abgegeben würde.

Er ging zur grünen Konkurrenz. Die gab sich allerdings offenbar keine Mühe ein Automobil für ihn zu suchen, die hatten ihm direkt eins gegeben …

Und die Moral von der Geschicht?
(… Moral muss sein, Moral ist immer gut …)

Buche keine Kurzdistanzflüge.
Kurzdistanzflüge bringen es nicht …

Im Rausche der Geschwindigkeit: Über Jumbos und ICEs


Gestern hatte ich mich mal wieder meinen solidarischen Tag.
Ich habe die Bahn aktiv unterstützt und mich kurzerhand in einen der schnittigen DB-ICE-Pfeile gesetzt. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Meine Ziel: Eine Distanz von 2.420
so mal eng hintereinander geparkte Boeing-747-Flugzeuge.
So nahm der Zug also Anlauf für diese Herausforderung und legte die ersten 1.260 Jumbolängen in knappe 20 Minuten  zurück.
Auf dem Leuchtschriftdisplay im Wagon wurden den Passagieren stolze 300 km/h angezeigt.
Schön.

Aber dann begann eigentlich das Verhängnis. Der Zugführer hatte sich wohl verausgabt. Der Zug schlich dann an den letzten 1.160 Jumbolängen in 50 Minuten vorbei. Manchmal hielt er auch zum Verschnaufen an.
Totaler konditioneller Einbruch? War wohl ohne Blutdoping unterwegs, oder was? Oder hat die Bahn schon Stau auf dem Schienennetz vor Ballungszentren?
Die Bahn ersparte den Insassen weitere Informationen über die dabei unstolz erreichten Geschwindigkeiten.
Ob der ICE-Zug in der Zeit dann auch noch von Schmetterlingen überholt wurde, konnte ich leider nicht feststellen. Die Wagon-Scheiben waren ungeputzt.
Und solche schwindelerregende Geschwindigkeiten haben dann auch ihren Preis: Drei Minuten Verspätung.

Was sagt man da als Reisender?

Glück gehabt.

Wie kann die menschliche Rasse die nächsten 100 Jahre überleben?


Er ist ohne Zweifel wohl einer der grössten Wissenschaftler, die unter uns leben:

Stephen Hawking

Selbst der verstorbene Papst JPII erwies ihm mit einer Bitte einen großen Respekt: Er bat Stephen Hawking, nicht den Beginn des Weltalls zu erforschen, denn er würde damit den Schöpfungsakt Gottes analysieren. Klar, der zölibatäre Papst empfand wie Millionen von Paaren empfinden, die sich nicht beim Schöpfungsakt nachträglich analysieren lassen wollen und auf Privatssphäre pochen. Nun, Stephen Hawkings wäre nicht Stephen Hawking, würde er sich nicht auch für die Ansichten seiner Mitwelt interessieren. Unter YAHOO stellte er eine entscheidene Frage:

  • Wie kann sich die menschliche Rasse in einer Welt, die sich politisch, sozial und in Umweltfragen im Chaos befindet, weitere hundert Jahre halten?

Antworten kann jeder. Die Umfrage (in englisch) startete vor drei Wochen und bislang wurden 24874 Antworten geschrieben. Fünf Tage kann noch auf Stephen Hawkings Frage geantwortet werden.
Die Antworten sind so unterschiedlich, mehrheitlich aus den Staaten, weisen aber im großen ganzen drei Strömungen auf:
 
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