Schau hin und sei glücklich …


Der Cappu war edel drapiert. Ein Herz aus Milch hatte der Barista ihm in seiner Tasse gezaubert. Er mochte diese Kleinigkeiten. Der Cappu schmeckte dadurch nicht automatisch besser, aber er sah einfach besser aus. Dafür gab er auch mal gerne fünfzig Cent mehr aus. Es zeigte ihm, dass er als Gast Wertschätzung erfuhr. Mit zwei Fingern ergriff er das Tütchen Zucker, riss es auf und ließ den Zucker auf den Milchschaum rieseln. Er beobachtete, wie der Zucker langsam in seinem Cappuccino versank. Es hatte etwas von Salz auf Schnee, aber es schmeckte anders. Er tauchte den kleinen Löffel in das Gebirge aus Milchschaum, Kakaopulver und Kaffee und schaute aus dem Fenster. Vor ihm zog der Fluss ungerührt seine Bahn. Leichte Wellen zeigten Flusswiderstände, angedeutete Strudel Turbulenzen unter der Wasseroberfläche verursacht von der Vergangenheit. Weiterlesen

Nächtliche Intimgespräche


Leise ertönte der Klang zweier anstoßender Sektgläser durch den Raum. Ihr Schlafzimmer wurde mit einem blau-weißlichen Licht geflutet. Das Display ihres Smartphones hatte sich eingeschaltet. Eine neue Nachricht per WhatsApp. Sie war noch nicht richtig eingeschlafen und war sofort wieder wach. Die Uhr des Smartphones zeigte 1:35. Mit ihren Fingern fuhr sie über das Display, bis sie die Anwendung geöffnet hatte.

„Good morning, creature of the night“.

Yuzo hatte ihr geschrieben. Sie lächelte. Yuzo schrieb ihr regelmäßig, wenn er in seinem Büro in Tokyo eintraf. Sie hatte ihn vor drei Monaten auf einer japanischen Kunstausstellung in Düsseldorf kennengelernt. Sie waren sich mehr als nur sympathisch, es hatte sofort gefunkt und am gleichen Abend hatten beide ihren gemeinsamen Spaß in seinem großen Hotelbett. Zwei Tage war die Ausstellung und das Rahmenprogramm für beide nur noch Nebensache. Sie musste wieder zurück und er flog wieder nach Tokyo zu Kindern, Hund und Frau zurück. Seitdem schrieb er ihr regelmäßig zwischen 1 und 2 Uhr morgens und beschwor die beiden gemeinsamen Nächte.
Sie lächelte, als sie „ creature of the night“ las. In jenen zwei Nächten hatte sie ihm damals von der „Rocky Horror Picture Show“ vorgeschwärmt. Phantasiereich und dann – als er nicht verstand – hatte sie ihm handfest erklärt, was sie – wäre sie „Janet“ in dem Film gewesen – selber so gemacht hätte.

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TINDER oder: Eine Leidenschaft ohne Reue


Romantik
Ihre Hand hielt das Smartphone ans Ohr. Es klingelte am anderen Ende. Ihre Vorderzähne bearbeiteten die Unterlippe und ihr Blick ging recht ungeduldig im Zimmer umher. Ihr Fuß wippte ohne Unterlass, während sie auf der Sofakante hockte. Unwirsch fuhr sie sich mit der anderen Hand durch ihr Haar, als es in der Leitung in ihren Smartphone klackte:
„Alles klar, Tina?“
Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang erregt, aufgeregt:
„Ist was passiert Tina? Nun, sag doch was!“
Tinas rechte Hand suchte weiterhin noch ihren Weg durchs Haar, um dann schützend vor ihren Mund zu landen.
„Es ist alles okay. Nichts passiert.“
„Wirklich nichts? Was geht ab? Warum rufst Du an?“
„Es ist alles okay.“
Tina hatte den letzten Satz nur zögerlich flüstert und wieder fuhr sie sich mit ihrer Hand nervös durchs Haar, erwischte ein Strähne und zwirbelte sie wie zuvor hastig um ihren Zeigefinger.
„Jetzt lass Dir doch nicht alles aus der Nase ziehen, Tina! Was ist passiert? Wie ist das Date gelaufen? Schon zu Ende?“
Tina schluckte und atmete kurz tief durch. Weiterlesen

Was ist Zeit? Wird alles anders?


Du kommst nach Hause,
legst deine Füsse hoch,
schüttest dir ein Glas Chardonnay ein
und sinnierst darüber nach,
was an diesem Tag geschehen war,
warum es gelaufen ist, wie es lief,
warum Traum und Realität ein Abgrund trennt,
öffnest die Augen und stellst irritiert fest,
dass du dir kein Wein, aber schales Bier eingeschenkt hattest,
schaust in die Firmen-Emails und grübelst,
denkst an den vergangenen Tag,
daran, was sich geändert hat,
daran, was das Leben macht,
daran, was du lebendig geändert haben möchtest.
Und dann summst du das kleine feine Lied …

Ja ich weiß es war ne geile Zeit, uns war kein Weg zu weit du fehlst hier …

Umarmungen frei für Jedermann – Free Hugs


Sich von wildfremde Menschen umarmen lassen?
Einfach so, ohne Grund?

Vielleicht sogar noch per Zettel darum bitten?
So einfach.
Warum?
Warum nicht?

Umarmungen frei für Jedermann.
„Free Hugs“ hatte er auf seinem Zettel geschrieben. Mitten auf dem Münchener Marienplatz zwischen den fotografierenden Touristen. Einfach so.

Und er wurde von wildfremden Menschen umarmt.
So einfach. Einfach so.
Geschadet hat es ihm nicht.

Musiktitel „Arrival“ von Sonic Mystery (http://www.myspace.com/sonicmystery).

http://www.youtube.com/watch?v=YxAn-LaIsjM

Freunde des Französischen


Französisch ist toll, französisch ist schön, französisch macht träumend beim Zuhören.
Wer diese Sprache aber leider – wie ich – in der Schule abgewählt hatte, weil ein paar Vollpfosten im Kurs denselbigen schnell ruinierten, der wird den folgenden Text leider so nicht direkt verstehen:

http://fichtre.net/yop.html

Aber alle Firefox-Browser-Nutzer haben eine geniale Möglichkeit sich eine schnelle Übersetzung hin zu zaubern:
Einfach den Text mit der Tastaturkombination „Strg“+“A“ oder mit der Maus alles markieren und träumen …

Opfer opfern …


Sie sind ungewollt an einem Gewaltausbruch beteiligt?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie gerieten in einen gewalttätigen Auseinandersetzung?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie wurden von der Situation überrascht und konnten nicht reagieren?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie versuchten Ihre Haut zu retten, wurden verletzt und bluten?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie können ab jetzt nicht mehr schlafen?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie sehen die Schreckensszenen immer wieder vor Ihren inneren Augen?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie würden gerne morgens aufstehen, aber sie schaffen es nicht?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie bekommen Herzrasen und Panik, wenn Sie erneut den Schulhof betreten?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie möchten am liebsten wieder weg nach Hause?
Dann sind Sie ein Opfer!

Du bist ein Opfer, du Ranzratte, du Sau,
Du verdammtes, elendiges Opfer!
Du hast es verdient, du typisches Opfer!
Du bist nicht der phat Burner, geschieht dir recht!
Du hast es dir selber zuzuschreiben, du Puddingdampfer!
Du bist das perfekte Opfer, du Brombeerbumser mit Analhusten!
Du bist selber Schuld, dass du ein Scheiss-Opfer bist!
Du wärest kein Opfer, würd‘ dir niemand was tun.
Du mit deinem Clearasil-Testgelände und dem Achselkaffee!
Du Drahtfresse, du Opfer, du MOF und Moppelkotze!
Du Opfer, geh doch in deinen Murmelschuppen, du Gehsteigpanzer!
Du Nullchecker verdienst es gedisst zu werden, du Hasenhirn.
Du wirst von uns gekorbt, denn du bist nicht unser Digger.
Du bist immer unser Opfer und entkorkst nur mit unserer Erlaubnis.
Du bist Opfer und sonst überhaupt nichts.

Wir dissen dich, wo immer wir dich sehen.
Wir wollen dich nicht, du bist nicht wie wir.
Wir hassen dich, du bist so anders wie wir.
Wir korben dich, denn korben ist tight.

Wayne interessieren deine Schreie,
Halts Maul, du Doppel-Whopper, die Lehrer-Tussi kommt.
Gut, wir sehen uns morgen vor der Schule, du Arsch.
Bereite dich vor, denn dort mitmeißeln wirste danach nicht mehr können.

Schulpflicht ist doch was schönes,

Du

OPFER!

(gewidmet all jenen Leuten, die nicht verstehen, dass das Wort „Opfer“ unter ihren eigenen Kindern nichts mehr mit „Mitleid“ zu tun hat, sondern jemanden bezeichnet, der von allen beleidigt, gemobbt, geschlagen und getreten werden darf, bis sie einen neuen Amokläufer geschaffen haben …)

Wie geil ist das denn?


Ja, super aber auch, liebe Telefongesellschaft.

Erst stellt ihr euer Briefzustellung auf PIN um, so dass offenbar nicht jeder Brief auch ankommt (weil PIN-Billiglöhne wohl nun doch nicht so motivieren wie POST-Tariflöhne).

Und jetzt will man bei eurer Hotline anrufen, die schon eh 49 Cent die Minute kostet. Sowas hatte bislang immer so an die fünf Minuten gedauert, da Ihr fast anscheinend ja Eure Personal immer aus dem firmeninternen Schwerhörigen-Heim rekrutiert. Oder könnten es freilebende, aus Bodenhaltung stammende Authisten sein, aus eigener Züchtung?
Und was kommt da jetzt, als ich die Hotline wählte? Ihr plaudert mir von Service-Verbesserungen und Umstellung auf eine 0900-Nummer, die jetzt 1,49 Euro die Minute kostet.

Hallo?
Wie geil ist das denn?

Nicht nur, dass 1 Euro Mehrkosten anfallen, sondern dass ich generell die 0900-Nummern bei euch habe sperren lassen? Damals, als ich den Anschluss zu euch verlegte? Um Abzockern und Mehrwertlüstlingen zu entgehen.

Erst das, und dann noch, dass Ihr mir per Brief zum zweiten Mal geschrieben habt, dass bei Euch Telefon-Flatrate nicht im Flatrate-Sinne zu verstehen ist sondern als Nutzung eines durchschnittlichen Benutzers. Was Ihr mir aber nie genau definieren wolltet, eben was „durchschnittlich“ in Minuten pro Monat ausgedrückt heisst.

Und jetzt die Service-Hotline auf eine 0900er umgestellt. Für einen Euro mehr die Minute.

Wollt Ihr jetzt Euren Aktienwert steigern, damit ihr als Brautjungfer der VODAFONE attraktiver erscheint?

Mann, mann, mann, mann.

Da wird der rosa Riese gleich wieder attraktiver für mich …

„(A)usschließlich (R)ichtige (C)hristliche (O)pferbereitschaft (R)ockt“ ist jetzt wohl die neue Erklärung Eures Akrynoms …

Das wahre Leben


Na? Isses bald nicht wieder so weit? Steht da nicht bald wieder ein Gedächtnistag ins Haus? Hochzeitstag? Tag des ersten Kusses? Tag der ersten Begegnung? Tag des ersten Sex?
Okay, letzterer ist in den meisten Fällen kein Fall zum Gedenken sondern eher ein Fall fürs Nachdenken.
Egal.
Hier mal eine Geschichte (erhalten per Email; Verfasser unbekannt), wie solche Tage als Horrorszenario ablaufen können …

Es ist Hochzeitstag und wie alle echten Männer hasst du diesen Tag. Vergessen geht aber nu mal nicht. Also kommt, was kommen wird.

Deine Frau schenkt dir ein selbst gebasteltes Mobile aus Staniol-Schmetterlingen, die um ein rotes Samtherz kreisen, in das eure Porträts eingestickt sind.

Du schenkst ihr das gleiche wie jedes Jahr: Einen Kinogutschein und eine Packung Kondome, mit dem Hinweis, dass du den Film schon gesehen hast.

Anschließend fahrt ihr zu Uschi und Gerd. Ihr kennt die beiden aus der Tanzschule, da wo ihr euch zum ersten mal getroffen hattet. Sie hatten euch verkuppelt. Aber ihr habt es bisher versäumt, ihnen die Freundschaft zu kündigen. Gerd ist Sozialpädagoge und Uschi hat auch eine Macke. Du hasst sie beide aus vollem Herzen, aber deine Frau besteht auf dem alljährlichen Besuch.

Während die Damen das Essen bereiten, sitzt du mit Gerd im Kaminzimmer und lauscht seinem Vortrag über Koedukation. Als du mit der Stirn auf den Tisch schlägst, deutet er dies nicht als Zeichen von Desinteresse, sondern fährt unbeirrt fort. Nach einer halben Stunde stehst du auf und sagst freundlich: „Du, Gerd, entschuldige mich mal eine Minute.“ Dann bleibst du regungslos stehen und siehst schweigend an die Decke. Nach einer Minute setzt du dich wieder und bittest Gerd, doch weiter zu erzählen, aber wie durch ein Wunder scheint ihm die Lust vergangen.

Während des Essens berichten Uschi und Gerd von ihrem Urlaub in Basmati und den herrlichen Reisgerichten der einheimischen Küche. Du erzählst, wie Reis auf deinen Stuhlgang wirkt, es kommt aber zu keinem Erfahrungsaustausch, da das Gesprächsthema plötzlich wechselt. Man schildert die Wanderungen durch die Bergregion und du nimmst lebhaft Anteil, indem du beschreibst, wie Wanderungen auf deinen Stuhlgang wirken.

Uschi unterbricht dich und schwärmt nun von den herrlichen Massagen in der Hotelsauna. Du zeigst dich interessiert und fragst, wie Massagen auf ihren Stuhlgang wirken.

Die Heimfahrt tretet ihr früher an als erwartet. Deine Frau starrt wütend aus dem Fenster und redet kein Wort mit dir. Du überbrückst die Stille, indem du eine Kuschelrock-CD einlegst und jedes Lied melodisch nachrülpst. Ja, jeder Mann hat seine romantischen Seiten…

Am Abend rufen die Eltern deiner Freundin an und wollen zu Besuch kommen. Du sagst, es habe geschneit und alle Wege seien unpassierbar. Doch das Argument, es herrschten 15 Grad und man würde schließlich auf der anderen Strassenseite wohnen, kannst du nicht entkräften.

Auch der Hinweis auf den Axtmörder in Eurer Wohnung verfehlt diesmal seine Wirkung, und so verbringt Ihr den Abend zu viert bei ungezwungener Konversation.

Dein Schwiegervater in spe versteht darunter, bildungsbürgerliche Bonmots zum besten zu geben und bei jeder sich bietenden Gelegenheit dein Wissen abzufragen.

„Du hast sicher deinen Ovid gelesen… wie sagten doch unsere Altvorderen… schon bei Lessing heißt es ja… aber wie der Lateiner sagt, spes saepe fallit… schon unser Freund Nietzsche hat es gar so köstlich ausgedrückt… du hast gewiss deinen Ecce Homo verschlungen?“

„Nein, ich bin nicht schwul, und Proust kenne ich nur von spuckenden Comicfiguren“, wendest du höflich ein und steckst dir zwei Salzstangen in die Nasenlöcher, um sie mit einer Bewegung deiner Oberlippe durchzubrechen, was aber misslingt, so dass sie in die Knabberschale zurückfallen und die Attraktivität des restlichen Salzgebäcks mindern.

Für den Rest des Abends übt der Vater deiner Frau eine distinguierte Zurückhaltung, die jedoch ihre Mutter mehr als auszugleichen vermag, indem sie Schwänke aus der Jugend deiner Frau zum Besten gibt, die an Peinlichkeit zu überbieten eine Herausforderung ist, die du sogleich annimmst.

„Ich war früher auch so ein Schlingel“, wirfst du lachend ein, „im Kindergarten habe ich mal den ganzen Jungs eine blutige Nase gehauen und den Mädels unter die Röcke gegriffen.“

„Du bist ja ein Schlawiner“, amüsiert sich deine Frau, „wie alt warst du denn da?“

„Ach, das muss wohl letztes Jahr gewesen sein, als wir dort die Heizung installiert haben.“

Die Nacht verbringst du auf der Küchenbank, da deine Frau das Schlafzimmer abgeschlossen hat. Dein Hochzeitsgeschenk kommt also wieder nicht zum Einsatz.
So undankbar sind die Frauen!

Eigentümlich


Warum können diese metallenen Zigarren fliegen? Nur weil sie zwei Flügel und darunter Triebwerke haben? Warum können dann jene unförmigen Hummeln fliegen? Ohne Triebwerke?

Hm.

Und wenn ich solch entscheidende Fragen stelle . . .

Eigentlich sind solche Fragen schon fast ketzerisch, wenn man bereits im Flieger sitzt.

Und trotzdem. Da sitz ich im Flieger und warte, dass der Flieger zur Startbahn rollt. Die Stewardess hat sich vom ordnungsgemäßen Sitz meines Gurtes überzeugt und nach den Check den Piloten das Startzeichen gegeben.

Während der Flieger rollt, führt sie für alle nochmals die Verwendung der Gurtes vor. Das Öffnen und Schließen.

Sicher ist sicher.

Nur, warum erst, wenn der Flieger schon rollt? Warum nicht vorher?

Das bleibt mir eine so unbeantwortbare Frage, wie die mit der Hummel ohne Triebwerke. Sie fliegt halt. Genau so wie die Funktionsweise des Gurtes erst nach dem Verwenden erklärt wird.

Unerklärlich eben.

Aber es funktioniert.