Kneipengespräch: Meckermänner

»Und? Im Urlaub gewesen?«

»Südfrankreich. Nizza.«

»Wow. Da kann man nicht meckern.«

»Stimmt. Wir waren in nem Nobelhobelhotel direkt an der Strandpromenade eingecheckt. Super Frühstück. Super Gegend. Alles in näherer Umgebung.«

»Hört sich gut an.«

»Wir hatten nichts daran auszusetzen. Das Zimmer, erste Sahne. Die Matratzen genau richtig. Geschlafen wie Babys haben wir. Und dann die Aussicht aufs Meer, der Wahnsinn. Alles geräumig, sauber und jeden Tag picobello aufgeräumt. Jedes mal hatten wir das Gefühl, wir hätten ein nigelnagelneues Apartment zur Verfügung gestellt bekommen.«

»Beckmessern musstet ihr dann wohl im Hotel nicht?«

»Iwo. Selbst die ganzen zehn Tage. Alles lief wie geschnitten Brot. Selbst die Zimmernachbarn, komplett unauffällig, als ob wir die einigen Gäste im Hotel gewesen wären. Und dann die Restaurants in der Umgebung. Wir waren bei einem Italiener. Wir hatten das Gefühl, der hätte gerade die sonnengereiften San Marzano Tomaten direkt hinterm Haus frisch geerntet. Das Tomatensugo ein Träumchen in Perfektion, sag ich dir. Da konnte man nicht meckern. Und erst die Pasta. Allererste Sahne.«

»Das kriegt man dann ja wohl auch in Italien nicht besser, oder?«

»Nicht im Traum. Oder der Tunesier. Leck mich fett, war der geil. Und der Albaner. Da kannste hier in München aber mal lange suchen.«

»Wart ihr auch Französisch?«

»Aber hallo, ein paar Mal. Die Weine, der Wahnsinn. Und lecker! Einfach toll. Die zehn Tage haben wir uns wie ein Gott in Frankreich in Nizza gefühlt. Und das Ganze war auch noch billiger als gedacht! Vom Ersparten sind wir bei der Rückreise noch essen gegangen, beim hiesigen Suppen-Japaner am Sankt-Igelmeier-Platz.«

»Und Probleme mit der Anreise mit dem Zug zum Flughafen Nürnberg?«

»Iwo. Null. Superpünktlich. Auch bei der Heimreise. Auf die Minute genau.«

»Unglaublich. Da kann man nicht meckern.«

»Selbst die Flüge. Auf den Punkt, so wie ein gut zubereitetes Steak. Ehrlich. Der ganze Urlaub hätte auch ein 1a-durchchoreographiertes Bühnenstück sein können, bei dem man nicht merkt, dass er überhaupt choreographiert wurde. Erholung pur.«

»Hört sich nach dem perfekten Urlaub an. Glückwunsch. Da kann man echt nicht meckern.«

»Tja. Und genau da liegt das Problem, was uns den Urlaub versaut hat.«

»Was? Das man nicht meckern kann?«

»Eben. Das gibt es doch gar nicht.«

Running up that hill – Den Hügel hinauf laufend

Hey! Du! Ich habe eine Forderung!

Drei Sätze, drei Ausrufezeichen. Reicht das? Verleiht es meiner Bitte Nachdruck? Muss ich auch noch reinste Großschreibung anwenden, um meiner Forderung Nachdruck zu verleihen.

H E Y ,  D U !   U N I V E R S U M !  H Ö R S T  D U  M I C H ?

Ich bin überzeugt, dass es keinen Gott gibt. Aber dafür gibt es das Universum, an welches man eigene Wünsche richten kann. So wie an dem Sams mit seinen Wünschpunkten. Oder der heiligen Maria und ihrem Jesus. Für ein Euro pro Leuchtmittel in der Münchner Frauenkerzen-Kirche. Wer das doppelte für sein Geld will, zündelt die Kerze an beiden Enden an. Das Licht, das doppelt so hell leuchtet, brennt nur halb …

Universum? Heio! Jemand da? Hoast mi?!?

Hörgeräte sind gerade im Sonderangebot. Da sollte mal das Universum zulangen. Nein, das ist kein frommer Wunsch. Sondern das ist meine Forderung ans Universum. Denn wenn es nicht dem folgt, was unsereiner will, wofür ist es denn dann gut? Versetzt Glaube jetzt etwa nicht mehr Berge?

Universum? Mach mal hinne! Schreib mal mit: ich will am Samstag um 13:42 Uhr einen freien Parkplatz genau in meiner Straße, vorzugsweise vor der Tür, wo sich meine Mietswohnung befindet!

Ich habe letztens den Kurs “Die Kraft des Wünschens: wie beim Universum richtig zu bestellen ist” mitgemacht. Jeder kann jetzt aus fahrlässiger Unwissenheit das gemeine Gegenteil behaupten, nur der Kraft des Wünschens kann selbst das Universum dem Individuum an sich gar nichts entgegen setzen. Die Kraft des tautologisch klassifizierten, einzelnen Individuums ist unmessbar. Bar jeder kalibrierten Messtechnik. Selbst einer Eichung abholt. Wo ein Wille, da selbstverfreilich auch ein Weg. Das weiß das Menschswesen bereits seit Gilgamesch. Und niemals wurde das durch jemanden überhaupt nachhaltig und stichhaltig widerlegt.

Universum! Es gibt keine Alternative zu meinem Wunsch, welches dein Befehl zu sein hat. Noch einmal zum Mitschreiben: Samstag. 13:42 Uhr und 43 Sekunden! Ein freier Parkplatz vor dem Gebäude meiner Mietswohnung. Ohne wenn und aber.

Ich brauche die Erfüllung dieses Wunsches. Unbedingt. Unbedenklich. Unwidersprochen.

Um 14:00:00 Uhr erwarte ich einen Anruf für ein neues Jobangebot. Das habe ich mit dem Jobmakler vereinbart und er hat es mir verbindlich zugesagt. Sollte ich um 13:42:43 Uhr nach meinem Brunch in der Münchner Innenstadt keinen Parkplatz direkt vor meiner Wohnung erhalten und meine exakt mathematischen Vorausabschätzungen nicht passen,  …

Universum! Wenn du es mir nicht erfüllst, ich rate dir dann, zieh dich warm an! Universum, ich kann das auch Freunden erzählen und dann wird dein Ruf ernsthaft beschädigt sein. Und das geht hin bis zu deinen Kindern. Quatsch, was sag ich. Bis hin zu deines Kindes Kindern. Weiter bis zu deines Kindes Kinders Kindern! Also, bedenke gut, ob du es wagen kannst, meinen Wunsch lediglich als Wunsch zu interpretieren! Ein geringer Wunsch, der easy zu erfüllen ist. Fakt. Also diskutiere nicht mit mir. 13:42:43 Uhr  .

Ich weiß, Druck bei Wünschen aufzubauen, ist grenzwertig, weil wohlmöglich auch fast in etwa unfair. Aber der Mond wurde auch nicht aufgrund eines drucklosen Wunsches betreten. Amerika wurde auch nicht entdeckt, weil jemand das Bedürfnis hatte an einen Baum zu pinkeln, und Jesus wurde auch nicht gekreuzigt, nur weil es ein Überangebot von Nägeln am freien Markt gab.

Universum! Universum! Hoast mi?

Es verletzt mich nicht, wenn das Universum mich nicht anhört. Willst du fühlen, wie es sich diese verletze Unverletzlichkeit anfühlen wird? Willst du wissen, was mich wirklich verletzen wird? Es ist, nicht berücksichtigt zu werden. Es ist das Gefühl, unwichtig zu sein, so wie ein Verhungernder im Jemen.

Wurst. Egal. Unwichtig. Willst du etwas über den Handel hören, den ich mit dem Universum mache?

Echt? Ich erzähle dir was. Wenn ich doch nur könnte, ich würde einen Handel mit Gott machen. Und ich würde ihn dazu bringen, dass er seine Platz mit mir tauschen würde. Er würde dann für mich die Straße vergeblich entlang rennen, den Berg sinnlos hinauf rennen, das Gebäude ohne Ziel nach oben rennen.

Wenn ich nur könnte.

Aber es gibt nur das Universum.

Das Universum und ich.

Daher betrifft es das Universum und mich.

Du, du Universum, du möchtest mich nicht verletzen, nicht wahr. Aber sieh nur, wie tief die Kugel meines Wunsches in meiner Brust steckt. Nicht ahnend zerreißt mich diese kleine Kugel meine Arterien in tausend große Stücke. Dessen Blut ergießt sich derweil über meine unschuldigen Hände. Oh ja, da donnert es in unserem gemeinsamen Herzen, in deinem dir Universum eigenem und in dem meinen kleinem Herzen. Wenn du nicht für mich bist, dann hasst du …

Universum, sag, gibt es soviel Hass für jene, die wir lieben, und für jene, die wir nicht lieben?

Universum, sag mir, wir bedeuten uns doch viel, nicht wahr? Du. Das sind du und ich.

Ich meine, das sind du und ich, und diese beiden möchten nicht unglücklich sein.

Universum, wenn ich es nur könnte, ich würde einen Handel mit Gott machen. Ich würde ihn dazu bringen unsere Plätze zu tauschen, die Straße entlang zu rennen, den Berg hinauf zu rennen, Gebäude nach oben zu rennen … Sag mir, wenn ich das nur könnte, oh…

Samstag. 13:42 Uhr. Wenn das nicht klappt, bin ich am Arsch.

Das Universum muss funktionieren, ansonsten kriegt es meine Rache zu spüren. Und das ist nicht nur das Thermostat im Winter auf “5”, das verspreche ich ihm schon jetzt, wenn es mir nicht folgt.

Rache ist ein Gericht das kalt serviert wird. Und daran sollte das Universum gewöhnt sein bei 0 Grad Kelvin, nicht wahr. Also ist meine Rache immer im Rahmen alles Machbaren.

Hasta la vista, Universum! I’ll be back!

Kneipengespräch: Der perfekte Kreislauf


»Ein Kölsch, bitte.«

»Ein Kölsch?«

»Aber alkoholfrei, bitte.«

»Alkoholfrei?«

»Alkoholfrei. Und kalorienreduziert.«

»Hamm’wa nich.«

»Kölsch light?«

»Leicht?«

»Light.«

»Hamm’wa nich.«

»Was habt ihr denn?«

»Kölsch. Strunzens normales Kölsch.«

»Kein Kölsch Lemon?«

»Nö.«

»Kölsch Holunder?«

»Nö.«

»Kölsch Isotonic?«

»Jedes Kölsch ist Isotonic.«

»Nein?«

»Doch!«

»Oh!«

»Also?«

»Dann halt ein Kölsch.«

»Kölsch ist aus. Noagerl-Bier haben wir noch. Direkt und frisch vom Oktoberfest.«

»Geh mir wech mit Oktoberfest. Ist mir Oberkante Unterlippe. Gib mir nen Kraneburger.«

»Keine Panik. Spässle gemacht. Ein Kölsch hab ich immer noch für dich.«

»Puh. Danke.«

»Keine Sorge, die Bayern machen aus den Rest-Wiener-Würstchen den Leberkäs und aus den Restleberkäs Wiener-Würstchen. Der perfekte Kreislauf. Ebenso machen die es mit dem Bier. Aus den Restweißbieren machen die deren Helles und aus den Helles …«

»… deren Weißbier, ich weiß.«

»Falsch. Die Kaufen sich im April die Reste aus den Kölsch-Gläsern vom Kölner Karneval, mischen es dem verbliebendem Hellen unter, lassen es gären und nennen es Weißbier.«

»Und das Noagerl-Bier?«

»Das sind die Reste vom Weißbier. Und auch vom Voll-Bier, dem Hellen. Die werden bis Anfang September gesammelt, mit Kohlensäure aufgewertet und dann als Oktoberfestbier auf der Münchner Wiesen verkauft werden.«

»Und die Reste vom Oktoberfestbier?«

»Die werden mit Zuckerkulör angefärbt und gehen als Altbiergrundstoff nach Düsseldorf-Stadt.«

»Und was machen die Düsseldorfer mit deren Alt, wenn was übrig bleibt?«

»Das geht als Export in die USA. Die machen damit deren Dark-Ale-Bier.«

»Und was machen die Amerikaner mit den Resten daraus?«

»Barbecue-Soße.«

»Und deren Reste?«

»Die gehen nach Bayern in die Döner-Spieße, die nach Berlin verkauft werden.«

»Und die Rest der Berliner Döner-Spieße?«

»Wenn es nicht zum Döner-Skandal aus Bayern mutiert, dann kauft der NRW-Ministerpräsident diese auf, um die NRW-Kornfelder der bedürftigen Landwirte dort zu düngen. Diese verkaufen dann deren minderwertiges Döner-Getreide, um daraus Kölsch zu brauen.«

»Damit die Menschen auf dem Oktoberfest in München was zu saufen haben.«

»Du hast es erfasst.«

»Fast.«

»Kölsch? Strunzens normales Kölsch.«

»Ja, bitte. Aber das Oktoberfest-freie Kölsch. Also Bio-Kölsch, bitte.«

“Bio-Kölsch ist leider aus. Das letzte Fässle war mit recycelten Wiener-Resten kontaminiert. Aber wir haben noch ein ultra-brutales ‘East-Cologne-Hut’-Kölsch. Das Kölsch der Kölsch-Fam.”

“Safe. Before es mi zerreist in diesem Dorf, dem Münchner Kuhkaffmetalitäsmonstrum.”

“Echt? Also stranger things? Dann macht es 13 Euro die Maß Kölsch.”

“???”

“Oktoberfest-Preise. Isso.”

—–

Zusatzfrage zum Oktoberfest:
Wenn Alkohol das Kurzzeitgedächtnis blockiert, was macht denn dann erst Alkohol?!?

Von Gürteln, Lappen und anderen wichtigen Spassmaßnahmen

M: »Hallo, Hendrik, wie geht’s?«

H: »Gut, Markus, und selber?«

M: »Geht gut.«

H: »Habe letztens den Armin mal wieder getroffen.«

M: »Und was macht er?«

H: »Er war im Bergbaumuseum. Ich traf ihn an der Vitrine mit den Steiger-Medaillen.«

M: »Der Armin. Der hängt halt noch sehr an seinen Vater.«

H: »Jaja. Medaille geht halt immer. Nur Bergbau geht nimmer.«

M: »Ja, guck mal, wer da kommt. Hallo, Winfried.«

W: »Hallo Hendrik, hallo Markus. Kommt die Malu noch?«

H: »Wieso?«

W: »Ich wollt mit der über Hochwasser reden, die kennt sich doch aus. Gestern hat’s in Stuttgart geregnet und jetzt ist mein Keller voll.«

H: »Ach, Winfried, das kriegste doch allein gemanagt, oder?«

W: »Sag das nicht, Hendrik. Wenn ich dort zum Absaugen runtergehe, steht mir das Wasser bis zum Hals. Schön ist das nicht.«

M: »Hättest mal ein paar Lenzpumpen kaufen sollen, Winfried. Ein Keller ohne Lenzpumpen ist eine Fehlplanung. Sind solche nicht gerade übrig vom Tieferlegen eures Hauptbahnhofs in Stuttgart?«

W: »Aber nein, Markus, die habt ihr doch alle aufgekauft, um in München die zweite Stammstrecke zu bauen und das Grundwasser bei euch tiefer zu legen.«

H: »Nee, echt jetzt Markus? Jetzt bin ich aber enttäuscht. Du hattest mich doch vor zwei Monaten in Düsseldorf angerufen und wolltest doch solche Gerätschaften nigelnagelneu bei uns einkaufen.«

M: »Ja, Hendrik, aber da war der Pressemensch doch an mir dran, und da musste ich aus ökologischen Gesichtspunkten beim Thema Nachhaltigkeit …«

H: »Da haste also die vom Winfried seinen Hauptbahnhof besorgt? Du bist mir ja ein schöner Freund, Markus.«

W»: »Jetzt streite euch beide nicht. Unsere Hauptbahnhof-Lenzpumpen sind sparsam in Verbrauch, schwäbisch halt, Hendrik. Also Kulturgut, da konnten wir noch beim Gebrauchtwarenwert etwas nachtarocken und der Markus hatte nichts dagegen.«

M: »Nun, Hendrik, auch wir in Bayern müssen der Bevölkerung zeigen, dass wir national denken und regional handeln. Wie der Bayer so gerne zwischen Weißbier und Weißwurst sagt: think globally, act locally. What ever it takes.«

H: »Also echt jetzt, Markus, manchmal regt mich eure „Laptop und Lederhose“-Attitüde auf. Denk doch auch mal an uns hier oben. Was glaubste, warum der Armin mit seinen Kabinettskollegen damals seine Kabinettssitzung bei euch abgehalten hatte, statt in Düsseldorf sie abzuhalten? Na?«

M: »Du wirst es mir wohl gleich sagen, Hendrik.«

H: »Nein, nicht weil der Armin Praktikant eines privaten Radiosenders in München war, der wollte euch NRW-Kultur jenseits von „Laptop und Lederhose“ begreiflich machen.«

M: »Ich weiß gar nicht, was du hast, Hendrik. Unsere Symbiose aus „Laptop und Lederhose“ ist doch gelungen. Oder siehst du es anders, Winfried?«

W: »Markus, wir hier sind Schwaben und darum sparsam. Ich spare mir mal eine Bemerkung dazu. Hauptsache die letzte Rate für die Lenzpumpen erhalten wir nächste Woche. Und schön ist es, dass wir hier in Baden-Württemberg euch Bayern ein wenig Lenzpumpenkultur verkaufen konnten.«

H: »Pah, verkaufen, Winfried. Lenzpumpenkultur. Pah.«

M: »Hendrik, bitte mäßige dich. Wir hier in Bayern …«

H: »Markus, ich reg mich nicht auf. Aber diese ach-so-kultigen Lenzpumpen vom Stuttgarter Hauptbahnhof beim Winfried einzukaufen statt bei uns, weißte, was das ist?«

M: »«Du wirst es mir gleich sagen, Hendrik.

H: »Das ist purste, kalte kulturelle Aneignung!«

M: »Was?«

H: »Jawohl, Markus, das ist ganz mieses „Cancel Culture“ gegenüber unserer rheinischen Tagebaukultur und deren Lenzpumpen. Ganz mieses „Cancel Culture“ von dir und deinen Lederhosen-Laptopträgern!«

M: »Hendrik, du übertreibst.«

W: »Da muss ich dem Markus recht geben, Hendrik. Das hat mit kultureller Aneignung nichts zu tun, sondern das ist Business.«

M: »Ich kann für mich selber sprechen, Winfrid. Also, Hendrik, kulturelle Aneignung ist, wenn ihr bei euch in NRW Mitte Ende September überall Oktoberfest feiert.«

H: »Winfried, ich versuch das ja schon bei uns in NRW zu hintertreiben. Oktoberfest hat mit NRW genau so viel zu tun wie Weißwürste mit heißer Curry-Sauce. Ich rede mir bei uns immer schon den Mund fusselig, die sollen das besser „Michaelisfest“ nennen und Pils aus Willi-Bechern saufen, statt Oktoberfest und bayrisches Bier aus Maßkrügen.«

M: »Und das, mein lieber Hendrik, so leid es mir als Bayrischer Landesvater auch tut, das nenne ich „Cancel Culture“ in Reinstform, wenn du versuchst, unseren schönen Begriff „Oktoberfest“ mit dem banalen Wort „Michaelisfest“ zu ersetzen. Und dann noch unser bayrische Braukunst mit banalem Pils im gleichen Satz zu verwenden …«

H: »So mein Quatsch, Markus. Euer Oktoberfest bei uns in NRW durchzuführen, das wäre genau das, was man kulturelle Aneignung nennt!«

M: »Ach ja? Und sowas nicht zu tun und auch noch aktiv dagegen anzugehen, das nennt sich etwa nicht „Cancel Culture“, Hendrik?«

W: »Nun streitet euch beiden nicht. Wir in BW sehen das nicht so eng. Wir können eh alles außer …«

H: »… Hochdeutsch. Wissen wir, Winfried.«

M: »… Bayrisch. Jaja, Winfried.«

W: »Ich weiß gar nicht, was ihr beiden habt. Wir fahren damit ganz gut in Baden-Württemberg.«

M: »Ganz gut fahren? Winfried, da sag ich nur Audi und BMW in Bayern!«

H: »Ihr armen Bayern. Ich sag nur FORD, STELLANTIS, ASTON MARTIN, TOYOTA und Karnevalszüge ohne Schienen. Ganz zu schweigen von Vertriebsniederlassungen von BMW, Audi, Daimler und Porsche. Damit fahren wir in NRW auf alle Fälle besser.«

W: »Ihr Armenhäusler, ihr. Ihr Hungerleider dort habt ja auch nichts anderes in NRW. Sparen könnt ihr ja auch nicht, das können wir Schwaben besser. Drum haben wir auch mehr Kohle als ihr. Und, wenn ihr Kohle besitzen wollt, dann müsst ihr ganze Dörfer wegbaggern, Hendrik, und nennt es Braunkohletagebau.«

H: »Ja und, Winfried? Würden wir unsere Kohle nicht verstromen, dann könnten wir den Strom nicht verkaufen. Wir haben den Strukturwandel geschafft. Da kann Deutschland stolz auf uns sein.«

W: »Und verpestet mit euren Braunkohlekraftwerken unsere CO2-Bilanz.«

H: »Och, Winfried, jetzt machste wieder auf Klimawandel, nur weil nach dem Schauer dir dein Keller abgesoffen ist. Mir kommen die Tränen. Dann baut mal mehr Windräder!«

W: »Du musst gerade reden, Hendrik, du baust doch nur Windräder damit der ganze Braunkohlestaub zu uns ins schöne Schwabenland runter geblasen wird!«

H: »Ach ja? Da sag ich dir mal eins, ich fordere, dass im Länderfinanzierungsausgleich diese kostenfreie Überlassung von Braunkohlestaub im Länderfinanzierungsausgleich zu unseren Gunsten in NRW berücksichtigt wird! Umsonst gibt’s von uns nichts mehr.«

M: »Guter Punkt, Hendrik, wir in Bayern, wir haben im ersten Halbjahr dieses Jahres keine einzige Windenergieanlage stillgelegt. Du, Hendrik, in NRW aber bereits vier. Das ist nicht gut in Zeiten der Stromknappheit, das ist dir schon klar, nicht wahr, Hendrik, oder?«

H: »Dafür haben wir 47 neue gebaut. Und ihr in Bayern? Läppsche drei Windenergieanlagen von den 13 beantragten.«

M: »Was willste damit sagen. Zum Jahresanfang wollten wir nur eine Anlage neu in Betrieb nehmen. Jetzt haben wir eine Steigerung um 300%! Das möchte ich mal in NRW sehen, mein lieber Hendrik. Bayern hatte zuletzt den größten Nettozuwachs aller Bundesländer bei den erneuerbaren Energien. Wir produzieren mehr Solarstrom als das Saarland überhaupt an Strom insgesamt.«

H: »Saarland? Ist ja auch ein riesiges Bundesland.«

M: »Und noch was, Hendrik, der Winfried und ich, wir haben eine Wasserstoff-Allianz gegründet mit höchsten Kompetenzen für diesen Energieträger der Zukunft. Und, denk dran, bevor du wieder mit dem Länderfinanzierungsausgleich kommst: das deutsche Leistungsherz liegt im Süden. Stottert der Motor im Süden, dann schüttelt es Deutschland.«

H: »Komm, Markus, geschenkt. Und wenn ihr dort unten mal wieder Diarrhö produziert, müssen wir wie bekloppt saufen, damit ihr gesäßseitig nicht austrocknet. Du denkst vielleicht, du seist der Nabel der Welt, aber wenn, dann höchstens der andere Punkt auf der gegenüberliegenden Seite paar Zentimeter tiefer!«

M: »Das nimmst du zurück, Hendrik!«

H: »Nehm ich nicht, du Markus, du!«

M: »Doch!«

H: »Nein!«

M: »Doch!«

W: »Oooh. Kinders, hört auf zu streiten, das bringt doch nichts.«

M: »Winfried, halt dich da raus! Wenn ich mit dem Hendrik streite, dann streiten sich mehr als ein Drittel der Deutschen, vertreten durch uns beide. Außerdem freue ich mich doch auf den gemeinsamen Bierzelt-Auftritt, mit Hendrik am 5. September, beim Niederbayrischen Gillamoos-Bierfest. Bekanntermaßen muss zur Vorfreude vorher nur noch Frieden geschlossen werden. Also: ohne Streit, kein Frieden.«

W: »Markus, ich will doch nur, …«

H: »Winfried, der Markus hat recht! Du kannst deinen schwäbischen Wurzeln freien Lauf lassen und dir die Bemerkungen sparen. Södern wirste nie als Handwerk beherrschen.«

W: »Hendrik, also manch mal biste aber auch wirklich ein Wüster in deiner Argumentation. Was hat das eine Sparen mit deinen anderen Bemerkung-Sparen zu tun?«

H: »Vorsicht, Winfried, Fakt ist, wir müssen alle sparen und trotzdem mit kühlem Verstand und heißem Herzen dafür sorgen, dass es niemanden friert.«

W: »Deiner Floskeldrescherei ist kulturelle Aneignung und “Cancel Culture” zugleich. Dem kann ich nur die kalte Schulter zeigen.«

M: »Dreschen ist nur möglich, wo es was zu ernten gibt.«

H: »Klar. Drum bin ich dafür, dass alle in öffentlichen Gebäuden arbeitenden im Winter ins Home Office geschickt werden. Damit sparen wir uns als Land sehr viele Heizungskosten. Wenn niemand in den öffentlichen Gebäuden ist, braucht auch niemand zu heizen, weil niemand drin friert. Das dadurch Ersparte können wir im Sinne von Angebot und Nachfrage der freien Marktwirtschaft am selbstregulierenden Markt zu höheren Preisen verkaufen.«

W: »An wen?«

H: »Zum Beispiel an die im Home Office arbeitenden Menschen, welche es bei der Arbeit auch noch recht wärm haben möchten. Es macht doch keinen Sinn, bei denen nicht zu sparen, denen eh nichts erspart bleibt.«

M: »Hendrik, grandios, das werde ich gleich an meinen CSU-Generalsekretär, dem Blume, weiterleiten? Er kann dann im Bayrischen Rundfunk bei seinen zuhörenden Bayern punkten.«

H: »Aber du musst ihm sagen, dass es von mir ist, Markus, nicht wahr.«

W: »Ääääh, und ich? Was sag ich meinen Bürgern in Baden-Württemberg, wenn es denen frieren sollte?«

M: »Winfried, ich dachte, ihr in BW könnt alles außer Hochdeutsch? Sollen die sich doch mit Waschlappen warmrubbeln, wer ein verfrorener Lappen ist.«

H: »Oder die könnten doch auf Spinnern strampeln, damit eure restlichen Lenzpumpen am Stuttgarter Hauptbahnhof mit erneuerbare Energie aus den Spinnern gespeist werden.«

M: »Nebenbei, Winfried, brauchst du noch eine Lenzpumpe für deinen Keller? Ich glaube, vom Kauf eurer Lenzpumpen haben wir beim Bau der zweiten Stammstrecke in München zwei übrig.«

W: »Zwei?«

M: »Eigentlich nur eine. Die andere haben wir bei uns für die Toiletten unserer Staatskanzlei installiert. Funktioniert ganz famos. Die pumpt all den Unrat aus unserer Staatskanzlei geräuschfrei und unauffällig ab. Und die eine, also die andere, die könnten wir dir noch überlassen, Winfried. Als Staatsgeschenk. Zur Erhaltung und Förderung der gemeinsamen Freundschaft.«

W: »Ach nee, Markus, ich bestell lieber eine bei Amazon. Da kann ich die nach getaner Arbeit binnen 30 Tagen kostenlos wieder als Retoure eintüten und schreibe „Habe irrtümlich bestellt“ und krieg das Geld zurück.«

H: »Typisch Schwabe. Will immer nur sparen. Koste, was es wolle.«

W: »Wenn wir bei uns den Gürtel enger schnallen sollen, dann bitteschön dürfen wir uns den Gürtel doch wohl noch aussuchen, oder?«

M: »Gut. Aussuchen lässt sich machen. Dann lad ich euch morgen Nachmittag zum Bummel auf unsere Maximilianstraße in München ein. Da hat es sehr schöne Gürtel.«

H: »Wir in Düsseldorf auf der Kö haben aber auch tolle Gürtel-Markengeschäfte!«

W: »Okay, dann ist es ausgemacht. Morgen nach München und übermorgen nach Düsseldorf. Da wird sich wohl schon noch ein passender Gürtel finden lassen.«

H: »Und dein vollgelaufener Keller? Willste den nicht morgen leer pumpen lassen?«

W: »Nee, habe gerade von Malu eine SMS erhalten. Die kann mich erst nächste Woche zum Hochwasserschaden beraten. Solange muss der Keller nun mal warten.«

M: »Werf einfach ein Waschlappen rein. Vielleicht saugt der alles weg.«

H: »Okay. Also bis Morgen auf der Maximilianstraße. Markus, du sorgst fürs Frühstück und ich bring paar Pressereporter mit. Die Nachwelt soll auch mitbekommen, wie wir uns ums Sparen sorgen.«

M: »Gut. Bis morgen dann. Pfiäteich.«

W: »Bis morgen. Tschissle.«

H: »Jo. Dito. Tschüs mit ü.«

Gigantische Schiffe am Tannhäuser Tor

Ich habe Sachen gesehen, die Menschen niemals glauben gelesen zu haben. Gigantische Reisegruppen, die vor Leidenschaft brannten, draußen auf den Schultern des Orion. Ganz ohne James Webb.

Ich sah Sichtbalken auf Monitoren, glitzernd im Dunkeln vor privaten Sendern, welche keine gebührenfinanziert bezahlt- nur deutlich mehr begeisternd beklatschend – klatschend auf Balkonen am Tannhäuser Tor aus Solidarität zugunsten des emotionalen Empathie-Event. Dem Event, wegen dem die Fotographen deren Akkus aufgeladen, deren Speicherkarten geleert und deren detaillierte Zooms angeschnallt hatten. Ein Klatsch-Klatsch-Event der Extra-Klasse. Fotos ohne Akustik. Beeindruckend. Fast so wie bei BAPs “Kristallnaach”, gespielt live immer am Anfang.

Ich sah Rentner zwischen deren Koffern am Gleis 2, Abschnitt B. Ich sah Hartz-4-Empfänger in der Wartezone mit gezogenen Nummern in der Hand. Ich sah, Anwälte von Gutverdienenden vor Richtern, gespickt mit gut verischerungsbezahlten Argumenten. Ich sah Wettervorhersagen mit Aussagen in Trockengebieten, Aussagen über Regengebieten über Ozeanen, ich sah Politiker, sich auf Koalitionsvereinbarungen berufend, sich gleichzeitig in Videos geistig einen  runterholtend. Ich sah Oppositionspolitiker, die flogen, bevor sie überhaupt geflogen werden konnten, weil es BILD & Co KG als untragbar beurteilt wurde. Ich sah Oppositionspolitiker, offen masturbierend und dafür um Beifall für deren Orgasmus heischend. Und das, komplett unabhängig von den anderen Medien, welche ein 08/15-Leser in den 1/4-stündigen Betriebsarbeitspausen liest.

Ich sah alle. Mich zugleich im Spiegel. Und ich sah die Gesellschaft sich selber spiegelnd. Ich stand derweil in der ersten Reihe. Trotzdem meckere ich hier unreflektiert. Warum auch nicht? Das ist das Anrecht, sich unreflektiert über andere zu echauffieren. Letztendlich reicht ein sich berufen auf das Schlagwort “Meinungsfreiheit”. Es ist dabei völlig uninteressant, ob “Meinungsfreiheit” gegen Staatsorganisationen erschaffen wurde, um deren diktatorische Zensur (staatliche Informationskontrolle) zu bekämpfen, oder ob “Meinungsfreiheit” erschaffen wurde, um dem direkten Nachbarn mit konträrer Meinung den Mund zu verbieten. Es bleibt unerheblich, ob “konträre Meinung” mit Sachlichkeit oder mit Polemik zu tun hat, aber Hauptsache “verbieten” oder “cancel culture”. Definitions are belonging always to the one of the owner of an opinion topic. Could be wired, really, but has to be carried over as a thought..

Ich habe Sachen gesehen, die Menschen niemals glauben, gelesen zu haben. Reisegruppen, die vor gigantischer Leidenschaft brannten und Handtücher auf Liegestühle dominierten. Ich sah Influencer, die man früher Manipulierer schimpfe, die glitzernd im Dunkeln am liebsten vorm Tannhäuser Tor brillierten, um deren Selfie-Aufnahmen zu machen.

Ich sah mich im Spiegelkabinett, von gestern, heute, morgen und den “Okay Boomer”n. Und ich sehe meine Boomer-Mitkollegen. Ich denke, ich bin zu lahm, um mit den Herausforderungen der Gegenwart mitzuhalten. Alle sind kompetenter (inklusive meinem älteren Bruder) und alle wissen mehr als meiner einer. Selbst von älteren Boomern werde ich maximal nur noch gefragt, ob meine Meinung nicht erheblich zu revidieren zu sein hat, weil meine Meinung in der Form nicht zähle (und ich eh das falsche wählen würde, statt mich der obligatorischen Mehrheit zu beugen; freilich im demokratisch Sinne, woll).

Meinung ist kein Pfund zum Wuchern. Sondern zu, Verstehen.

Boundary talk.

Gendern? Aber bitte doch! Drum “Missfits”! Vorschlag zur Begutachtung

Ein Vorschlag aus dem letzten Jahrtausend von dem kongenialen Kabarett-Duo “Missfits” (Gerburg Jahnke und Stephanie Überall) über “Feminispräch” als Kontra-Punkt der männlich dominierten Sprache (neudeutsch: “Gendern”):

https://youtu.be/T42FwIfuT0Q

und der Teil 2

https://youtu.be/uBa5qa0j7jo

Passt es?

Grüße ´gen Oberhausen an Gerburg Jahnke und Stephanie Überall! Missfits!

Viel Spaß.

Cancel-Culture-Scherbengericht

»Angeklagter, Sie stehen hier vor dem Gericht wegen missliebigen Verhaltens.«
»Ich fühl mich keiner Schuld bewusst.«
»Der Angeklagte gibt also zu, im Vorsatz gehandelt zu haben.«
»Vorsatz? Wobei denn?«
»Der Angeklagte ging am 3. Februar bei einer Dienstagsdemonstration am Donnerstag gegen staatlich verordnete Maßnahmen mit einer Reichsflagge auf der Straße herum.«
»Ja und?«
»Der Angeklagte hatte vormals und auch danach nichts mit den eigentlichen Reichsbürgern zu tun.«
»Wäre ja auch noch schöner.«
»Am 18. März wurde er vor einem Dienstgebäude gesehen, wie er seinen Arm waagerecht zum Gruße erhoben hatte.«
»Kann doch mal passieren, oder. Vielleicht habe ich auch nur im militärischen Stechschritt lustgewandelt?«
»Der Angeklagte hatte aber nie eine direkte Vergangenheit mit den Nationalsozialisten der Nazi-Herrschaft gemein. Selbst seine Eltern oder Elterns-Eltern waren nicht in jener Partei.«
»Tja, geht vielen von uns hier so. Nicht mal meine Elterns-Elterns-Eltern.«
»Am 5. April wurde der Angeklagte von vier Leuten beobachtet, wie er auf mutmaßlich ‚Rassist‘ machte und Mitmenschen wegen deren Aussehen beleidigte …«
»Sagt wer?«
»… und sie offensichtlich aus dem Lande gewiesen sehen wollte.«
»Man darf doch wohl seine Meinung noch öffentlich sagen hier, oder etwa nicht? Oder leben wir in einer Meinungsdiktatur? Jetzt darf man noch nicht mal mehr seine Meinung sagen, oder wird man das jetzt auch nicht mal mehr sagen dürfen?«
»Dem Angeklagten wird weiterhin vorgeworfen, dass er Devotionalien und andere Objekte aus den Dreissiger und Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts sammelt. Auf einem Flohmarkt am 8. Juli wurde er beobachtet, wie er diverse Devotionalien begutachtete und offensichtlich drei davon kaufte, zwei Parteiorden und eine Binde mit Emblem.«
»Na und? In der Freiheit darf jeder sammeln, was er möchte, nicht war? Drum sind wir ja ein freies Land und keine Diktatur. Sammeln ist doch nicht verboten, oder?«
»Aufgrund dieser und andere diverse, von Einzelpersonen bezeugte Fakten wird dem Angeklagten vor diesem Volxrechtshof die kulturelle Aneignung einer Kultur vorgeworfen, welche in der Vergangenheit zwar Status Quo Mitteleuropas war, aber keinen Fortbestand hatte und der der Angeklagte nie zugehörte und oder zugehören konnte.«
»Kulturelle was?!«
»Diese ‚Kulturelle Aneignung‘ äußert sich darin, dass sich Unbefugte das Leben einer Kultur befleißigen, für die Menschen aufgrund deren Gesinnung verfolgt und mit Freiheitsstrafen in unseren Breitengraden verfolgt wurden und werden.«
»Andere nennen das nicht ‚Kulturelle Aneignung‘ sondern ‚Traditionspflege‘! Und Skandinavier, Amerikaner und andere leben diese von Ihnen angesprochene Tradition schon seit jeher, also seit dem letzten Jahrhundert weiter.«
»Weiterer Punkt: der Angeklagte macht sich über dieses Volxrechtshof lustig. Bitte diesen Tatbestand ebenfalls ins Protokoll aufnehmen.«
»Der Angeklagte kann Euch mal, ihr woker Euer-Ehren-Pseudorichter! Ihr Cancel-Culture-Fetischisten!«
»Auch diese Aussage ins Protokoll aufnehmen. Der Angeklagte missachtet die rechtsprechende Instanzengemeinschaft ebenfalls vorsätzlich.«
»’Kulturelle Aneignung‘, pah! Nur weil ich kein unrechter Spinner bin? Nur weil ich eine rechte Meinung habe? Ihr seid so etwas von woke!«
»Die elf Geschworenen haben ihr Urteil bereits in Scherben einer ruhmreichen Walhalla-Vase geritzt und nach der Einzelkontrolle durch den Geschworenen-Lenkungsplanmanager mir übergeben.«
»’Kulturelle Aneignung‘, pah! Woke Säcke, ihr!«
»Hiermit verkündige ich das Urteil: …«
»Ihr woken Säcke! Ihr Boomer-Woker! Ihr Scheiß-Moralwächter!«
»Im Namen des Volxkörpers verkündige ich das Urteil über den hier Angeklagten, beschuldigt des Tatbestands der ‚Kulturelle Aneignung‘. Mit elf zu null Stimmen wurde von den Geschworenen beschlossen, dass der Angeklagte schuldig im Sinne der Anklage ist. Er erhält somit hiermit die unveräußerliche einmalige Möglichkeit, als Mitgliedschaft in einer operativen Organisation für ‚Stochastischen Terrorismus‘ aufgenommen zu werden. Herzlichen Glückwunsch, Angeklagter. Per Darknet schicken wir Ihnen eine Liste der möglichen Organisationen zu.«
»Echt? Keine Hinrichtung? Ich komme hier ohne Beeinträchtigung meiner Freiheit raus?«
»Wir wünschen Ihnen als engagierten, strebsamen und meinungsstarken Mitmenschen auf seinem weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute und weiterhin viel Erfolg.«
»Oh, sehr schön. Die letzten drei Schimpfwörter nehme ich übrigens zurück. Tut mir leid. Ist mir so rausgerutscht, war irgendwie nur spontan von mir. Bin halt ein empathischer Mensch, nicht wahr, und Empathie ist ja wertvoll, nicht wahr.«
»Wie bitte? Haben Sie sich gerade entschuldigt?«
»Tjo, ähm, ja, ich dachte, ich mach das mal. Man muss ja nicht jeden beleidigen, oder. Hab das ja alles nur getan, weil es mir ein Herzenswunsch war. Und Wünsche sind ja Ansichtssache. Meinung halt. Und Meinung wird man doch wohl noch haben dürfen, oder?«
»Was?«
»Wusste ja nicht, dass Sie und die Geschworenen, Ihr alle hier, so cool drauf seid. Ich find eure urteilende Kultur schon echt recht cool. Werde ich mir zu eigen machen.«
»Geschworene! Ihr habt es gehört! Dieser Lappen von Angeklagte hat sich gerade als woke Wurst demaskiert! Zu den Waffen! Mit Gott auf unsrer Seite, jagt die Sau!«
»Was?«
»Attacke!!!!«

Kneipengespräch: Wissenschaft ist nur Argument für Arschlöcher

[…]

»Es sind die Riesling-Weine, die nicht nur staubig trocken schmecken. Sondern die, die obwohl sie trocken sind, fruchtig sind. Also zwischen mineralisch und fruchtig liegen. Es gibt Riesling-Weine, die leicht nach Aprikose schmecken. Und diese fruchtige Weine findet man besonders häufig in den Mosel-Anbaugebieten.«

»Das ist Quatsch. Das ist ein Narrativ, den Narrativ kenn ich. Der wird gerne verwendet. Ich hab noch nie so ein Wein angetroffen. Auch in meinem Bekanntenkreis kennt niemand so etwas und die trinken schon wirklich edlen Riesling.«

»Das habe ich in den 90ern kennengelernt, da war Internet ohne Bedeutung und das Wort ‚Narrativ‘ gab es noch nicht. Und der Riesling war nicht exklusiv.«

»Nenn es wie du es willst,es bleibt ein Narrativ. Wahrscheinlich war der Riesling gepanscht. War ja gängig in den 90ern. Das stimmt nicht, was du sagst.«

»Aber ich habe es selber für mich ergründet.«

»Du warst wahrscheinlich von der Werbung im Fernsehen oder von Fernsehsendungen beeinflusst.«

[…]

»Es ist möglich das CO2 zu cracken und zu Kohlenstoffverbindungen zurück zu führen. Also auch in Erdöl zu überführen.«

»Das ist Quatsch! CO2 und Erdöl haben ganz andere chemische Molekularketten.«

»Das ist richtig. Aber ich habe auch nicht gesagt, dass das Cracking von CO2 direkt in Erdölverbindungen übergeht.«

»Das geht überhaupt nicht. CO2 besteht aus Kohlenstoff und Sauerstoff, einem Atom Kohlenstoff und zwei Atmen Sauerstoff. Und Erdöl besteht aus Kohlenstoff und ganz viel anderen Atomen und Elementen. Wenn das so einfach wäre, dann müsste man die vielen anderen Elementen außer dem Kohlenstoff mit was anderem verbinden und das kann nur schädlich sein.«

»Kannst du denn die Erdölverbindungen hier und jetzt auf einem Blatt Papier niederschreiben?«

»Wieso? Was soll das helfen? CO2 und Erdöl sind so weit entfernt wie Mond und Sterne. Was soll da CO2-Cracking helfen?«

»Sie sind nicht so weit weg. Das Cracking ist nur verdammt teuer. Der Preis dafür ist der Ersten Welt noch zu hoch.«

»Und warum macht man es trotzdem nicht, wenn es generell geht? Wir haben doch angeblich Not am Mann. Wenn es geht, ist es machbar. Also, es geht nicht. Darum macht man es nicht.«

»Es geht. Es ist machbar. Das ist Basis der Wissenschaft. Es ist nur ne Frage des Preisschildes.«

»Ja, nee, ist klar. Jetzt windest du dich über das Preisschild raus. Gib doch zu, dass es nicht machbar ist.«

»Es ist machbar. Hast du die wissenschaftlichen Grundlagen zu deinem ‚Geht nicht‘? Ich lass dir Papier und Bleistift geben und du kannst die chemische Deduktion niederschreiben und die basalen chemischen Reaktionsgleichungen niederschreiben, die in der Wissenschaft State-of-Art sind.«

»Warum sollte ich das machen, mit Papier und Bleistift? Bin ich Wissenschaftler? Ich muss hier gar nichts beweisen. Du verteidigst die Wissenschaft und du musst allein und ganz allein das beweisen, dass die Wissenschaft stimmt. Und solange ich es nicht glaube, war der Beweis nicht effektiv, ist die wissenschaftliche Thesis für den Mülleimer. Wir wissen allesamt, die Wissenschaft kann sich auch erheblich irren. Hat man in der Pandemie der letzten zwei Jahre und Lauterbachs Kommentare dazu zu häufig gesehen. Schau auch nur damals, also im Mittelalter, nicht wahr. Die gleichen Lügen der Wissenschaftler.«

»Deine Argumentation ist Quatsch. Peer-to-Peer-Reviews wurden erst im 20. Jahrhundert deutlich verbessert. Peer-to-Peer-Reviews sind sind keine Basis einer Argumentation, das etwas nicht machbar ist. Und das Cracking von CO2 zu Erdöl wurde schon in den 90ern des letzten Jahrhunderts wissenschaftlich nachgewiesen.«

»Und? Warum passiert es jetzt nicht? Eben. Weil es nicht stimmt. Was zu beweisen war.«

[…]

»Langsam wirst du Wissenschaftsheini hier nervig. Kannst du überhaupt die Gültigkeit von ‚E=m mal c Quadrat‘ nachweisen?«

»Wie bitte? Du wagst es zu bestreiten, dass Masse Energie in Relation zur Lichtgeschwindigkeit aufweist?«

»Kannst du es hier mir am Tresen nachweisen? Und dass keine Geschwindigkeit die Lichtgeschwindigkeit überschreiten kann? Du redest dauernd von Wissenschaft. Dann mach sie mal für mich. Beweis mir, dass nichts schneller ist als Lichtgeschwindigkeit. Nimm mir den Zweifel, dass Energie sich aus Produkt von dessen Masse und Lichtgeschwindigkeit ergibt.«

»Hier am Tresen?«

»Hier direkt vor mir. Das kannst du nämlich auch nicht. Wenn es so einfach ist zu erklären, dann mach es mir doch! Ich bestell dir Papier und Kugelschreiber von der Wirtin und du erklärst mir, warum Einsteins Formel gültig ist.«

»Du willst ein Semester an der Uni hier binnen fünf Minuten erklärt haben?«

»Sag doch gleich, dass du es mir hier nicht nachweisen kannst, dass du dazu nicht fähig bist.«

»Das ist doch Kappes! Wissenschaft lässt sich nicht auf einem Bierdeckel erklären.«

»Ach ja? Und daher wir sollen der Wissenschaft dann blindlings vertrauen? Nur weil man es mir nicht in zwei drei klaren Sätzen erklären kann? Vertrauen, statt selber mündige Bürger zu sein?«

»Mündiger Bürger und Vertrauen sind kein Gegensatz. Soll ich dir Zusammenhänge erklären, was ich in zwei Semestern erklärt bekommen habe?«

»Sag doch gleich, du kannst es nicht. Wissenschaft ist Onanie am Hofe der Herrscher. Wissenschaft, die nicht einfach und für jedermann zu erklären ist, ist keine Wissenschaft.«

»Komplexe Themen wie der ‚Erste Thermodynamische Energieerhaltungssatz‘ kann man nicht in Gänze erklären. Und wer den Satz »Perfektuum Mobile gibt es nicht« nicht akzeptiert und nicht versteht, warum  das so ist, warum sollte ich es das alles hier und jetzt in dieser Kneipe gerade dir erklären?«

»Typisch. Arrogant und unverständig. Du bist das klassische wissenschaftliche Arschloch, was uns vorsätzlich im Dunkeln lassen will. Oder genauer gesagt, ihr Arschlöcher wollt nicht, dass man euren Lügen auf der der Schliche kommt. Deshalb verschanzt ihr euch hinter Formeln und Geschwurbel!«

»Das ist doch Quatsch.«

»Du bist ein Arschloch. Du kannst noch nicht mal eine deiner Thesen detailliert nachweisen, bestehst aber darauf, dass das Wissenschaft ist und wir es uns selber erlernen sollen oder – schlimmer noch – glauben sollen. Wie bei einer Religion. Statt es mal gehörig und evidenzbasiert in Frage zu stellen, ob es überhaupt Wissenschaft ist. Oder nur Manipulation interessierter Parteien!«

»Wissenschaft ist Empirik und besteht aus der Peer-to-Peer-Analyse.«

»Nimm zur Kenntnis, Wissenschaft ist nicht evidenzbasiert und ihr unterstützt nur Narrative offizieller Seite. Du erzählst Mist und bist ein Arschloch!«

[…]

»Das langt! Du ignorierst die Realität  vorsätzlich. Dann beleidigst du alle, die in deiner Ideenwelt nicht reinpassen. Deine Blase ist gefährlich, in der du lebst!«

»Okay, ich nehme das ‚Arschloch‘ zurück. Du bist vielmehr ein ‚realitätsfremdes Arschloch‘. Du manipulierst Menschen zu Fehleinschätzungen, indem du Fehlanalysen der Wissenschaft als vermeintliche Wahrheiten ohne Evidenzbasis einführst, du bist …«

»Wirt! Zahlen! Es reicht!«

»Kommt jetzt noch das lächerliche Argument von euch Wissenschaftsfanatikern, dass wir anderen alle ‚Flat-World-Society’-Gläubige sind? Oder Reichsbürger? Oder Nazis? Ihr Arschlöcher schreckt auch vor keiner unhaltbaren Beleidigung zurück!«

»Es reicht! Wirt! Zahlen!«

»Typisch. Kaum wird es ernst, geben diese vermeintlichen Wissenschaftsadepten Fersengeld.«