Wer sind „wir“? Wir sind …


Wir sind …

… der Krieg! Klausewitz und Sun Tsu gleichzeitig! Sei vorsichtig! Leg dich nicht mit uns an! Wir schlagen sofort zu. Nicht wie damals noch mit dem Lehrerlineal auf deine ungezogene Patschhändcheninnenseiten, bis sie glühend rosig aussahen. Nein! Wir können auch anders. Will sagen: WIR können auch anders. Oder: Wir KÖNNEN auch anders. Oder: Wir können AUCH, anders. Oder: Wir können, auch ANDERS! Also Obacht. Leg dich nicht mit uns an! Wir haben Schlagkraft, da wirkt ne Motorradstaffel der Hells Angels wie Kleinstkinder auf Bobby-Cars. Unser Finger ist bereits am Abzug und wir sind finsterer, schwerer und enger in unseren Gedanken, als du es jemals sein wirst! Wir sind zu allem fähig, auch wenn du meinst, wir wären zu nichts zu gebrauchen. Die Reiter der Apokalypse sind im Vergleich zu uns nur die Sandkastenrocker der Förmchenbande. Von Stalin lernen, so sagt man, heißt siegen lernen. Aber sei dir gewiss, wir haben eine hundertjährige Geschichte des Lernens von Europa bis Asien. Von Hitler über Stalin bis hin zu Pol Pot und Hirohitos Massaker von Nanking. Vertue dich nicht mit uns. Wir sprechen fließend Aristoteles und Platon, aber genauso beherrschen wir das Handwerk von Klausewitz und Sun Tsu! Wir sind der Krieg! Wir sind im Krieg! Und wir kommen über dich, um dein Blut über dir auszuschütten!

Oder wir sind …

… der Frieden. Wir wissen um unsere Verletzbarkeit, ja, die haben wir. Denn wir wissen, dass Frieden mehr ist als nur bloßer Nicht-Krieg, auch wenn viele meinen, dass „gegen Krieg“ allein schon „für Frieden“ bedeutet. Aber das stört uns nicht. Wahrer Frieden und wahre Freiheit lassen sich nicht mit Worten wie „gegen“ oder „nicht“ einschränken, lassen sich nicht in Käfigen der Angst einsperren. „Frieden und Freiheit“ ist keine Attitüde sondern eine Haltung. Krieg und Gewalt zu benutzen, um Gutes zu tun, erzeugt Gutes nur für kurze Zeit. Denn das Bösartige dieser Mittel zeigt ihre üblen Früchte erst, wenn deren Büten verblüht sind. Später, so wie die Ruhe vor einem Sturm. Wir brauchen eure Bösartigkeit nicht. Unsere Gedanken sind heller, sie sind leichter und sie erstrecken sich weiter als die euren. Wir lassen uns nicht eure Wut aufdiktieren und in eure schwarzen Gedanken reinziehen. Ihr gebt zwar zu denken, aber wir denken lieber selber. Krieg wird von euch immer gerne verordnet, allein für den Frieden sind wir selber zuständig. „Werft die Fahnen fort! Die Militärkapellen spielen auf zu euerm Todestanz. Seid ihr hin: ein Kranz von Immortellen – das ist dann der Dank des Vaterlands“ (Tucholsky). Gandhi, Luther King, Mandela, jeder einzelne ist mehr wert als Klausewitz und Sun Tsu. Ihr meint, jeden mit eurem Krieg besiegen zu können, aber die Friedfertigkeit werdet ihr nie zerstören. Ihr werdet dran zerbrechen. Vor Neid, vor Missgunst, vor Eifersucht und vor Minderwertigkeitsgefühlen. Ihr werdet im Gegenzug noch versuchen, uns Grimassen zu schneiden, unsere Ehre abzunehmen, uns zu demütigen, Definitionshoheiten für das Wort „Frieden“ zu erkämpfen, uns für euren Krieg zu versklaven, aber ihr werdet den Geruch des Krieges, den alle Mörder an sich tragen, nie bei uns loswerden. Ihr werdet uns unsere Freiheit nie nehmen. Ihr werdet verlieren und an euren Absichten zugrunde gehen.

Und somit:

Wir sind der Frieden. Der Krieg ist für Schwächlinge. Krieg ist für die, die mit dem Leben bereits abgeschlossen haben, bevor sie angefangen haben zu leben. Für jene, die glauben, der Weg zum Friedhof sei die Teststrecke der eigenen Intelligenz.

Wir sind der Frieden und wir sind stärker als ihr mit eurer Kriegsrhetorik.

Gehabt euch wohl und wenn ihr mögt, schickt Postkarten aus den matschigen Schützengräben eurer Phantasie.

Aber bitte vorher das Frankieren nicht vergessen. Soviel Ordnung muss sein. …