Neulich, als ich versuchte, einen Terroristen aus den fahrenden Zug zu werfen …

Seit den Ereignissen in Paris beschäftigt Europa nur noch ein Thema:

Darf man einen Terroristen aus einem fahrenden Hochgeschwindigkeitszug Thalys schmeißen? Ja, darf man, nur wie öffnet man bei voller Fahrt die Tür eines solchen Zuges? Richtig, man sprengt die Tür mit dem Sprengstoffweste des Terroristen auf. Diese braucht der eh nicht, wenn er nach geglückter Türsprengung mit beschwingtem Fußtritt aus den Zug geschubst wird und an dem nächsten Signalmasten mit grünem Freier-Fahrt-Licht zerschmettert. Wozu auch? Macht ihn nicht echt sexuell attraktiver. Nicht wirklich.

Aber wer zahlt dann die Reparatur der geborstenen Tür, die Reinigungskosten des Signalmastens, die Fleckentfernung vom Gleisbettschotter und überhaupt, was sagt die eigene Haftpflicht dazu? Übernimmt sie für mich alles? Gegen Vorsatz und groben Unfug winken Versicherungen immer ab. Da hilft auch kein „in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten), um seinen Versicherungsvertreter untertänigst zu bitten, er möge doch ein gutes Wort zur Schadensregulierung einlegen. Der denkt sich maximal „in dubio Prosecco“ und minimal ein „pro bono publico“, also „zum Wohle der Öffentlichkeit“, was so viel heißt wie „Verluste vergesellschaften“.

Das Letztere mag sich jetzt nach Kapitalismuskritik anhören, aber wenn es um Terroristen geht, dann will jeder gerne draufzahlen. Zumindest „pro forma“, solange es nicht zu den eigenen Lasten geht. Denn alle die „Krieg! Hiphip hurra!“ und „Auf sie mit Gebrüll!“ rufen, werden garantiert nicht in erster Reihe stürmen. Weder für Ruhm, Ehre noch Vaterland. Dafür gibt es ja immer die anderen. Solange es einen nicht selber trifft. Zugucken ja, aber nicht selber umfallen. Oder über den Haufen geschossen zu werden, den man sich vorher selber gelegt hat.

Also, sollte man einen Terroristen aus den Zug schubsen, wenn man irgendwie die Tür aufbekommen hat? Einfach so?

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Über Ratlosigkeit und Fluchtwege

Die Ansage ist eindeutig.

„Aufgrund der Flüchtlingsbewegungen nach Deutschland wurde der gesamte Bahnverkehr zwischen Österreich und Deutschland eingestellt. Es gibt keine Bahnverbindungen mehr nach Deutschland. Dieser Zug fährt nicht mehr nach München. Der Zug endet in Innsbruck. Nächster Halt ist Innsbruck Hauptbahnhof. Der Zug endet hier.“

Die Reisenden im Zug sind bunt gewürfelt. So bunt wie es die mitteleuropäische Gesellschaft nicht ist. Egal, wie bunt gewürfelt oder wie einfarbig jeder ausschaut, jetzt haben alle etwas gemeinsam: die Ratlosigkeit.

„What did she said?“

„Was hat die gesagt?“

„How do we get to Germany? We do have a valid ticket to Munich!“

„Wie kommen wir nach Deutschland? Wir haben ein gültiges Ticket nach München!“

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