Wenn die Fahne weht, steckt der Verstand in der Trompete

„Und jeden Morgen steht ein Idiot auf.“

„Wie belieben?“

„Ich sagte Dir: Und jeden Morgen steht ein Idiot auf.“

„Wegen der Wahl in den USA?“

„Ich weigere mich in Zukunft, auch nur ein Wort Englisch zu sprechen!“

„So schlimm?“


„Erst der Brexit und dann der Trump. Von solchen Dummköpfen kann ich mich nur distanzieren und mit der Sprache fange ich an. Aus welchem Grund soll ich deren Sprache sprechen?“

„Um sie zu verstehen? Zwecks Völkerverständigung?“

„Scheiß auf Deine dummdreiste Völkerverständigung. Ich werde die Tommies und die Amies spüren lassen, dass ich keineswegs gewillt bin, ihre Sprache mehr zu sprechen. Soviel Eier habe ich, keine Angst. “

„Eine Frage der Eier?“

„Es kotzt mich an, dass die Sprache dieser Idioten Weltsprache sein soll. Die ist primitiv wie ihre Einwohner. Deren Mehrheit sind unverantwortliche, selbstherrliche Ignoranten. Sie sind dumm. Nicht böse, aber dumm. Sie haben keine Ahnung.“

„Jetzt haben Sie aber Donald Trump zitiert.“

„Was?“

„Sie haben mit Ihrem letzten drei Sätzen Donald Trump zitiert. Sie tanzen den Donald-Trump-Niveau-Limbo.“

„Na und? Warum darf ich nicht das sagen, was meine Freunde und jeder andere auch bereits im Internet auf Facebook und Twitter sagen? Was interessiert mich, was dieser Arsch mit Ohren auf zwei Beine ablässt? Der beleidigt doch, ich nicht. Ich sag nur die Wahrheit. Oder darf man die nicht mehr sagen? Oder hältst du etwa zu so einem Rassisten, Sexisten, Fremdenfeind und Umweltverächter, der unsere Welt in den Abgrund stoßen will?“

„Also sollte man wegen Brexit und Trump in Zukunft amerikanisch-englische Produkte und Geschäfte meiden und keine englisch-sprachige Musik mehr hören?“

„Vielleicht. Ich höre weiterhin Udo Lindenberg und die Toten Hosen.“

„Beide singen auch in Englisch.“

„Da schalte ich in Zukunft immer ab. Die Eier dazu habe ich.“

„Eier? Soso. Wissen Sie, was?“

„Was?“

„Wissen Sie, wie man mit rohen Eiern umgeht?“

„Wie?“

„Man haut Sie öffentlich in die Pfanne.“

Kneipengespräch: Machtverhältnisse

»Hast du was zu sagen?«

Er schaute seinen Trinknachbarn an. Aber jener schwieg. Ich kannte ihn. Er war schon immer ein Schweiger vor dem Herrn. Seit ich ihn vor vierzehn Tagen an der Hotelbar zum ersten Mal getroffen hatte. Ich musste ihm regelrecht jedes Wort aus der Nase herausziehen. Er nannte sich Andreas und war von FORD Köln nach Detroit geschickt worden, um dort Montagearbeiten bei einem Automobilzulieferer zu organisieren.
Andreas war eigentlich kein Schweiger, aber während der Arbeit musste er immer wieder alles erklären. »Von der Ursuppe bis zur Erfindung der Dampfmaschine, und alles jeden Tag erneut in Details« hatte er mir erklärt. Zuerst hatte ich gegrinst. Da war das Volk, das bereits auf dem Mond war, aber nicht fähig war normale Industrieprozesse zu verstehen. Aber Andreas erklärte mir, dass dies nicht nur auf die Amerikaner zu traf. Es machte ihn fertig, dass selbst andere Kollegen aus Deutschland mit technischem Unverständnis wucherten, bei Themen, bei denen er es nie für möglich hielt.
So saß er vor seinem Glas »Blue Moon« und schwieg. Kölsch hatte es ja nicht an der Bar. Und ansonsten waren die angebotenen Biere bescheiden in ihrer Geschmacksrichtung.

»Hey Andy, wie war dein Tag?«

Sein Trinknachbar blieb beharrlich und schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter.
Andreas schaute auf und blickte ihn mit müden Augen an. Zuerst vermutete ich, dass Andreas ein kölsches »Loss mich en Ruh« dem Amerikaner servieren würde. Weiterlesen

Miss Money-Penny ist in der Stadt

„Sie räumen Ihren Schreibtisch!“

Der Satz traf mich komplett unvorbereitet.

Es war eh bereits ein ungewöhnlicher Tagesbeginn gewesen. Eine mit dunklen Seitenfenstern versehenen Limousine kam am Vormittag auf den Hof vorgefahren. Zwei Herren in schwarzen Anzügen mit Sonnenbrillen und zwei Frauen ebenfalls in Schwarz (aber komplett unsexy!) entstiegen den sich öffnenden Türen. Mir fiel direkt auf, dass am Nummernschild der Limousine ein ‚CD‘-Schild klebte. Die Entstiegenen musterten kurz die Umgebung und bewegten sich danach zielgerichtet auf den Eingang zu. Ihre Schritte führten über den Empfangsbereich in das Büros des Boss. Kurze Zeit später kamen die vier wieder heraus. Die beiden Frauen voran, dahinter die beiden Männer. Mit der im Revers gesteckten Sonnenbrille blieben sie kurz an unsere verglasten Bürotür stehen, schauten aufmerksam zu uns herein und gingen danach grußlos weiter.
Es ist nicht das erste Mal, dass wer neugierig in unser Büro schaute, obwohl er dort eigentlich nichts wollte. Der letzte war der Präsident der deutschen Fahrradfahrer, jener welcher mit einem gewissen Brüderle gemeinsam eine Firma führt. Aber jener Fahrradfahrerpräsident und China-Experte hatte damals nur nett reingegrüßt, mit seinem typischen sozialdemokratischen Grußonkelgruß.
Diese ‚Men in Black‘ jetzt aber waren anders. Deren Blick hatte etwas Analytisches, etwas Nüchternes, Sachliches.

„Sie räumen Ihren Schreibtisch! Und zwar ‚auf‘, verstehen Sie?“

Da stand nun mein Oberboss in der Tür und lächelte über sein eigenes Wortspiel. Ich schaute ihn fragend an. Ohne Zweifel, mein Schreibtisch hat ein Ordnungssystem, welches dem unbedarften Beobachter wirr und ungeordnet erscheinen mag. Aber es hat ein Ordnungssystem. Mindestens eins. Ich selber weiß immer, wo etwas liegt. Oder liegen könnte. Oder könnte liegen können. Immer. Selbst bei einer Sonnenfinsternis. Selbst wenn es eine kleine längere Zeitspanne dauern sollte, bevor ich es nachweisen kann.

Ich wollte eine vorsichtige Frage formulieren, jedoch fuhr er bereits fort:

„Übermorgen kommt Penny Pritzker um drei. Und da möchte ich nicht, dass sie einen falschen Eindruck gewinnt.“

Miss Money-Penny. Penny Pritzker. Penny Sue Pritzker.
Hm.
Muss man die kennen?

Seit Mai dieses Jahres ist die Besitzerin (s.a. http://de.wikipedia.org/wiki/Penny_Pritzker) der Hotelgruppe „Hyatt“ (weltweit größte Hotelkette) Handelsministerin im Kabinett von Barack Obama. Zur Erklärung: Barack Obama ist der entschiedenste Friedensnobelpreisträger und brutalst mögliche Guantánamo–Auflöser seit der Erfindung von Himbeereis auf Stragula. Und Miss Money-Penny war entscheidend dran beteiligt, dass Barack Obama seinen erfolgreichen Wahlkampf 2007 mit einer Rekordsumme an Spendengeldern betreiben konnte. Barack Obama verdankte gerade seine erste Präsidentschaft eben dieser Penny Sue Pritzker. Und hätte Money-Penny in der Bankenkrise 2007 nicht eine eigene Bank mit riskanten CDS-Papieren in den Sand gesetzt gehabt, sie hätte bereits damals den Ministerposten erhalten. Es war damals nur inopportun. She was not amused.
Darüberhinaus gehört Miss Money-Penny allerdings laut ‚Forbes‘-Liste zu den 500 reichsten Menschen dieser Welt. Ungefähr 1,6 Milliarden Dollar Vermögen (ungefähr 1,2 Milliarden Euro) soll sie ihr Eigen nennen.
Liebe Leser, vergesst aber nicht, dass das nicht wirklich viel ist. Um das Ganze gleich einmal in Relation zu setzen: Karl Albrecht (Mr. ALDI) soll über 16 mal mehr verfügen können. Nur ist Karl kein Minister. Jedenfalls nicht, dass ich es wüsste (es wird ja in Berlin noch groß koalitionsverhandelt).

Penny Sue Pritzker.
Eine amerikanische Karriere. Die war sicherlich mal Tellerwäscherin. Im Hyatt.

‚Mit Geld kann man sich ein Traumschloss in Sarasota kaufen, dass nach zehn Jahren beginnt, baufällig zu werden. Aber Macht ist das steinerne Fundament das Hunderte von Jahren überdauert‘
(Francis ‚Frank‘ J. Underwood aus der wirklich bemerkenswerten US-Web-Serie ‚House of Cards‘)

Eine Milliardärin als Ministerin eines Kabinetts Barack Obamas.
Miss Money-Penny ist also in der Stadt.

„Aha, deswegen die ‚Men in Black‘? Und? Haben die Sie geblitztdingst?“

Er lachte kurz amüsiert und antwortete:
„Die haben sich hier alles angeschaut. Allerdings, manchmal wünschte ich mir auch so ein Blitzdingens. Wäre nicht schlecht. Besonders, wenn ich Ihren Schreibtisch sehe. Räumen Sie bitte auf, okay. Ich will, dass wir einen guten Eindruck machen. Und Ihr Schreibtisch macht es überhaupt nicht.“

Wenn Miss Money-Penny also in einer deutschen Stadt ein mittelständisches Unternehmen für 15 Minuten besucht, dann weiß eigentlich jeder, was das bedeutet. Nein, nicht das jenes mittelständische Unternehmen eine echte große Konstante in dieser kleinen globalisierten Welt darstellt (nein, das ist das Unternehmen unabhängig dazu sowieso), sondern dass Barack seine Miss Money-Penny wegen dem Freihandelsabkommen zwischen der EU und USA auf Europa-Tournee geschickt hat.

Wobei … ich frag mich schon, was Penny Pritzker hier in Europa so treibt (außer ihre eigenen Hotels zu begutachten). Denn Neuigkeiten wird Penny Sue wohl nicht erfahren, was die Barack-NSA nicht bereits auf ihren Servern fein ordentlich geordnet und abgespeichert hat.
Vielleicht: Ein Werben für die Einhaltung der EU-Asylanten-Regularien in Deutschland auch für US-Staatshinzugehörige mit momentanen Aufenthaltsort ‚Russland‘? Andererseits, es ist schon klar, dass ihre Stipp-Visite nur ein Brosamen für einen Unternehmer darstellt, während ihr eigentlicher Aufenthalt eher der politischen Elite dieses Bundeslandes gelten dürfte. Vielleicht interessiert sich Penny ja auch für günstige, Rendite-starke Immobilien dieser Bundesland-Hauptstadt (32000 GBW-Mietwohnungen vormals für finanziell schwach aufgestellte Bewohner in einer Stadt mit sehr hohen Mietpreise), welches die Bayrische Landesbank verkauft hatte und die Bayrische Seehofer-Regierung mit gezielter Untätigkeit nicht unterband (s.a. http://www.sueddeutsche.de/thema/GBW-Wohnungen).

Das ist natürlich Quatsch.

Ich stricke Lügen und Legenden. Nur, weil sich wer mehr für die nördlichste Stadt mit italienischen Flair diesseits der Alpen interessiert, statt in ihrem eigenen „Hyatt“-Hotel in der indischen Stadt Chennai den messerscharf denkenden Giganten Viswanathan Anand und Magnus Carlsen bei deren Schach-WM-Duell gedanklich zu folgen. Da ich selber eh ein abgehalfterter, schon damals erfolgloser Schachspieler war, ist es klar, dass ich mich jetzt an Miss Money-Penny mit diesem Blog-Eintrag rächen möchte. Was auch sonst, gelle.

‚Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird‘
ist ein alter und oft zitierter Satz (aus ‚Mathilde“, 1841, von Eugène Sue) und ich bin nicht der einzige, der diesen Satz seit ‚Star Treck‘ kennt.

Der Boss der Bosse unserer Firma verließ den Raum.
Ich erinnerte mich der unendlichen Leere der Akten-Schränke hinter mir und bewegte sogleich alle Papiere und Dinge ohne Änderung ihrer gegebenen Stapelung in eben diese hinein. Tja, das ist der Vorteil des papierlosen Büros. Es gibt unheimlich viel Ablagefläche zum Verstecken von papierhaltigen Unterlagen. Und damit sind diese Dokumente somit absolut NSA-sicher.

Mein Feierabend war gekommen. Ich verließ meine Firma und kaufte mir im „Penny“-Laden gleich gegenüber Geschirrspülmittel. Mit dem Milliardär-werden kann man nie spät genug anfangen. „Penny“ gibt es an jeder Ecke und schmutzige Teller habe ich bereits zu Hauf in meiner Spüle … Milliarden seid willkommen …

Mit Sicherheit

Seit dem 11. September und diversen anderen Terroraktionen fühlt sich die USA (und nicht nur die USA) durch Reisende verstärkt bedroht. Eine Folge daraus sind verschärfte gesetzliche Sicherheitsanforderungen an Flugreisende. So darf zum Beispiel nicht mehr als 100 ml Flüssigkeit in einer Flasche in den Sicherheitsbereich eines Flughafens eingeführt werden.

Wer sich eine Flasche Wasser kauft, dem wird diese abgenommen und kompromisslos vom Sicherheitspersonal in den Mülleimern der Sicherheitssperren geschmissen. Denn es könnte sich um Sprengstoff handeln. Da brauchen die gar nicht drüber nachdenken, da haben die ihre Anweisungen. Die schmeißen einfach weg, ohne nachzuprüfen, um welche Flüssigkeit es sich in der Flasche handeln könnte. Ob Wasser oder Nitroglyzerin in der Flasche ist, dem Sicherheitsbeauftragten ist es egal. Der hat die Vorschrift, alles über 100 ml dem Reisenden wegzunehmen und in den Müllsammelbehälter zu werfen … .
Ob sich dann irgendwer im Sicherheitsbereich des Flughafens hochprozentige Spirituosen im Duty-Free-Laden kauft, dass wird als gefährdungsneutral eingestuft. Selbst Wasser in Flaschen ist dort wieder frei käuflich. Die Wasserflaschen kosten dann zwar locker das vierfache, aber sind sicherheitstechnisch unbedenklich.

Die USA selber behält sich zudem vor, nicht nur auf die Daten der Reisenden zuzugreifen, den Reisenden buchstäblich zu durchleuchten, sondern auch in deren Koffer zu schauen. Seitdem gibt es Kofferschlösser, welche dem Sicherheitsstandard (mit einem Zentralschlüssel leicht zu öffnen) entsprechen. Alle anderen Kofferschlösser werden erbarmungslos mit einem Bolzenschneider geöffnet. Und sollte das Schloss zu stabil sein, wird der Koffer anderweitig zerstörend geöffnet. So ist die eindeutige Rechtslage. Es dient ja alles der Sicherheit der Reisenden.

Nachdem mir die amerikanische Sicherheitsbehörde TSA wieder ein TSA-zertifiziertes Schloss geraubt hat (- Koffer geöffnet und dann das 7-Euro-Schloss nicht wieder angebracht und erst recht nicht den erforderlichen Zettel der TSA eingelegt, wie es der TSA gesetzlich vorgeschrieben ist -), hatte ich beschlossen, zum Verschließen einfach einen Kabelbinder (2-US-Cent) zu verwenden. Am Flughafen ergab sich dann folgende Diskussion beim Einchecken:

– Das ist kein TSA-Schloss.
– Ich weiß.
– Sie müssen das da (- *auf den Kabelbinder deutend* -) entfernen, damit die TSA in den Koffer reinschauen kann.
– Nein, das mache ich nicht.
– Dann wird das da (- *auf den Kabelbinder deutend* -) abgeschnitten.
– Okay, die TSA wird doch wohl noch eine Schere haben, oder sollte es daran scheitern?
– Ja, aber dann ist das da zerstört.
– Sollten die den Kabelbinder nicht zerschneiden, bleibt er dann unzerstört.
– Ich habe Sie gewarnt.
– Ich habe Sie verstanden.

Die Frau schaute mich kopfschüttelnd zweifelnd an, nahm den Koffer aber schließlich mit unzerstörten Kabelbinder an.

Am nächsten Flughafen erhielt ich den Koffer zurück. Ohne Kabelbinder. Aber diesmal mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Zettel der TSA im Koffer, dass der Koffer durch die TSA inspiziert wurde.

Und die Quintessenz?
Für USA-Reisen einfach immer Kabelbinder statt Schlösser verwenden. Dann ist der geldwerte Verlust geringer, wenn die TSA mal wieder deren zertifizierte Schlösser verschlampt/zerstört/unbrauchbar macht.

Nebenbei:
Niemals sollte ein TSA-zertifiziertes Zahlenschloss verwenden werden. Außer man möchte Zahlenschlossknacker werden. Einem Bekannten hatte die TSA einfach mal (wohl unbeabsichtigt) die Zahlenkombination verstellt gehabt.

Kofferhoffer

„Wann fliegst du?“
„Morgen.“
„Na dann viel Spass.“
„Wieso?“
„Denk dran, nur mit einem speziellen Sicherheitsschloss, dem TSA-Schloss, darfst du deinen Koffer verschließen.“
„Hab ich gekauft.“
„Die Zöllner haben das Recht deinen Koffer zu durchsuchen.“
„Ich weiß, Kollegen wurde dann ein Zettel im Koffer gelegt, dass sie ihn geöffnet hatten.“
„Bei mir nicht.“
„Nicht?“
„Die haben mein Schloss mit einem Bolzenschneider durchknipst haben. Und dabei noch eine Reissverschlusslasche von meinem Koffer abgerissen.“
„Dann war es kein TSA-Schloss.“
„Es war aber ein entsprechend der Norm gekennzeichnetes.“
„Du konntest ja reklamieren.“
„Hab ich. Die Fluggesellschaft meinte, dass, wenn es abgeknipst wurde, das Schloss garantiert kein normiertes TSA-Schloss war. Also wäre es mein Verschulden.“
„Und der Zoll?“
„Sagte, dass sie keine Schlösser aufknipsen, ohne nachher einen Zettel reinzulegen, dass mein Koffer geöffnet worden wäre. Also ohne Zettel, kein Anspruch, weil auch nie von denen geöffnet wäre.“
„Hm.“
„Beim nächsten Flug war mein niegelnagelneues TSA-Schloss wieder beschädigt.“
„Aufgeknipst?“
„Die komplette Ummantelung des Schloss war weg. Das Schloss lag blank, leicht zu öffnen.“
„Zettel?“
„Keiner.“
„Fluggesellschaft?“
„Eindeutig eine Beschädigung durch den Zoll.“
„Zoll?“
„Kein Zettel, keine Inspektion passiert. Unschuldig.“
„Sympathisierst du mit dem oppositionellen Staaten? Hast militärisches Hoheiten gar in Frage gestellt?“
„Die Sicherheitsbehörde hat alle meine Daten vor meiner Einreise bereits zur Durchsicht erhalten. Sie konnten sich ein umfassendes Bild von mir verschaffen.“
„Nazi? Oder direkter Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte?“
„Nichts von alledem. Bereits zu DDR-Zeiten wurde ich von den Sicherheitsbehörden durchleuchtet. Die wollten auch alles wissen. Sogar, was in meinem Koffer war. Ob ich deren Staatssicherheit gefährden würde. Bis in die letzte mitgeführte, beschriftete Papierseite.“
„Die DDR war eine Diktatur. Unrechtsstaat. Paranoid wie jede Diktatur. Für die war jeder Mensch ein Gefährder.“
„Ich weiß.“
„Die USA ist das nicht. Lediglich auf ihre Sicherheit ihrer Bürger bedacht. Es gibt zu viele unverdächtige Schurken, die gefährlich sein könnten. Sie muss vorsichtig sein. Dafür müssen wir auch selber mal Opfer bringen. Und TSA-Schlösser kosten ja nicht die Welt.“
„Wann fliegst du?“
„Morgen.“
„Na dann viel Spass.“

Was Deutsche Bank und eine pauschal eingekaufte Kiste Äpfel gemein haben

Es gibt Auktionen, da weiß niemand genau, worauf geboten wird. Der Gegenstand steht vor einem und niemand kann sagen, worum es dabei wirklich geht, außer um Geld. Lediglich der Materialwert des Gegenstands ist abgeschätzbar. Solche Versteigerungen haben etwas von gezieltem Zocken. Da wandern bis zu 500 Euro vom Bietenden zum Versteigernden. Und wenn der Bietende seinen Gegenstand öffnet, könnte es nur ein Koffer voll dreckiger Unterwäsche sein. Oder auch hochwertige Parfums, Digitalkameras, Laptops oder gar Bargeld.
Die Rede ist hierbei von Kofferversteigerungen (Termine des Auktionshaus WENDT hier). Das Bieten bei diesen Auktion ist reines Zocken. Ein bisschen Nervenkitzel für risikobereite Leute mit überzähligem Geld. Entweder gibt es wertlosen Müll oder der Inhalt der Koffer kann gewinnsteigernd zu Geld gemacht werden. Da sind locker Renditen sogar jenseits der 1.000-Prozentmarke möglich. Von solchen Renditen träumen viele Menschen.

Auf manchen Wochenmärkten kommt es kurz vor Schließung immer wieder zu begehrten Angeboten. Der Marktstandbesitzer will seine Ware loswerden und sucht seine Käufer. Ich erinnere mich noch an die 15-Kilo-Kiste Äpfel vom Bodensee für 5 Euro. Das erschien mir wie ein Schnäppchen, auch wenn der Marktstandbesitzer mich darauf hinwies, dass die Kiste bestimmt paar Äpfel haben würde, die faul wären. Aber ich könnte sie immer noch für Apfelkompott verwenden. Zu Hause fand ich dann heraus, dass ich von den 15-Kilo nur ein Viertel zum Einkochen verwenden konnte. Nicht nur wegen Fäule sondern auch wegen Wurmstichigkeit. Meine anfängliche Begeisterung war danach verflogen. Ich hatte eine sehr schlechte Rendite gemacht.

Die Finanzwirtschaft hat in den Jahren 2003 bis 2007 bewiesen, dass sie die Kombination der Geschäfte aus Kofferversteigerungen und Wochenmarkthandel perfekt beherrscht. Am Ende der ganzen Geschäfte entwickelte sich daraus im Jahr 2008 eine Krise, unter deren Auswirkungen und politischen Fehlentscheidungen die weltweiten Wirtschaften noch immer leiden.
Finanzdienstleister in den USA vermittelten Häuser und Grundstücke an Bürger, welche mit Versprechen auf sehr gute Renditen für die Zukunft gelockt wurden. Jene Hypothekenverträge wurden von Vermittlern aufgekauft, dann entsprechend gebündelt und verbrieft, und mittels Verträgen bei anderen Finanzdienstleistern rückversichert. Denn sollten die Hypothekenzahlungen ausfallen, dann wollten die Vermittler der Kredite nicht lediglich eine Immobilie mit weniger Gegenwert besitzen. So war die Anfangsintention.
Diese sogenannten „Kreditausfallsicherungen“ wurden jedoch bald darauf als Spekulationsgut mit sicherer Rendite gehandelt. Rating-Agenturen bewerteten diese schließlich. Das Paket wurde dann als CDO („Collaterialized Debt Obligations“, sogenannte Kreditderivat-Pakete) auf den Finanzmarkt zum Kaufen angeboten.

Wie eine Kiste Äpfel sozusagen. Niemand wollte dann genau wissen, was in die CDOs gebündelt war, sondern lediglich welche Rating-Bewertung das Bündel erhalten hatte. Das Fatale war, dass sich die Rating-Agenturen auch nicht sonderlich für den Inhalt interessierten, sondern eher das Rating als Bewertung des Ursprungsfinanzverkäufers setzten. Allerdings, je besser ein Paket bewertet war, desto höher wurde sein Wert und die zu erwartende Rendite. Basis all dieser Geschäfte war die unreflektierte Annahme, dass Immobilien in den USA sich in ihrem Wert steigern würden.

Der Finanzmarkt wollte immer mehr CDOs als Spekulationsobjekte also wurden immer mehr Hypothekenkredite an den Mann gebracht. In den USA öffneten überall kleine Büros, wo der Bürger Kredite abschließen konnte, um sich eine Immobilie zu kaufen. Der Kreditnehmer wurde dabei auch gar nicht mehr analysiert, ob er je fähig war, seine monatlichen Raten zu bedienen. Wozu auch?

Das große Glaubensbekenntnis lautete folglich in etwa: Kauf eine Immobilie für 100.000 US-$ mit einem Kredit im Werte von 130.000 US-$. Wenn dann die Immobilie die 130.000 US-$ überschritten hat, kann die Restschuld durch Verkauf der Immobilie beglichen werden und es bleibt ein satter Gewinn für den Kreditnehmer. Und auch der Kreditgeber würde seinen Gewinn einfahren. Jedoch nur, wenn sich die Voraussetzung, dass sich Immobilien in den USA in ihrem Wert steigern, nicht ändern würden.

Diese eindeutige win-win-Situation löste eine Goldgräberstimmung aus. Wie gesagt, überall in den USA öffneten in den Jahren 2006-2007 Immobilienkreditbüros. Unterdessen waren andere Finanzdienstleister weltweit aufgewacht und wollte an diesem Geschäft über CDOs auch ihre Gewinne ziehen. Um diesen wachsenden Markt der kaufwilligen Finanzdienstleister zu bedienen, wurden Kredite wie Konfetti verteilt. Eine Liquiditätsprüfung der Kreditnehmenden wurde nicht durchgeführt.

Jedoch war der Markt bald darauf gesättigt. Die ersten Kreditraten wurden nicht mehr bezahlt, die dazu gehörigen Immobilien konnten nur noch unter Wert verkauft werden, die Immobilienpreise fingen an zu fallen. Nicht zurück gezahlten Kredite bedeuteten, dass die Kreditausfallversicherungen in Anspruch genommen wurden. Während die Immobilienbesitzer ihr Geld verloren, schaukelte sich ein gewaltiger Tsunami vor den Küsten der Finanzmärkte auf. Denn auch die Kreditausfallversicherungen konnten nicht mehr direkt bezahlt werden, weil das Geld in weitere CDOs investiert worden war. Die falschen Wertannahmen der CDOs sollten dazu führen, dass die toxische Eigenart dieser CDOs deutlich werden sollte.

Mit den geschaffenen CDOs hatte sich ein neuer Parallelmarkt aufgetan. Auf diesem Markt wanderten die CDOs wie Kisten von Äpfel umher. Die fallenden US-Immobilienpreise führten dazu, dass alte CDOs aufgeschnürt wurden und zu neuen zusammen gebündelt wurden, von den Rating-Agenturen in Relation zu dem vorher aufgeschnürten CDO bewertet wurden und dann wieder verkauft wurden. Hierbei wurde zu jedem Verkauf ein Gegenkauf aufgemacht. Das bedeutete, dass dem Gewinn des Käufers ein Verlust des Gegenkaufs gegenüberstand. Auf Deutsch: der Käufer ging eine Wette auf Wertsteigerung der CDO-Papiere ein, während eine andere Partei auf den Wertverlust dieser hin wettete. Ein Null-Summenspiel, bei dem aber der einen Partei der Verlust der anderen dessen Gewinn sein würde.

Um mehr Wetten zu ermöglichen, sortierten bestimmte Finanzdienstleister also die Kiste der Äpfel aus: es wurde in dreiviertel-faule, halb-faule und etwas faule Äpfel klassifiziert und dann bewertet. Danach wurden die dreiviertel-faulen Äpfel in „schlechte“ und „nicht-ganz-so-schlechte“ Äpfel getrennt. Die „nicht-ganz-so-schlechte“ Äpfel erhielten zu den „schlechten“ Äpfel ein besseres Rating und fanden ihre Käufer. Während anfangs – so wie ich zuvor auf dem Wochenmarkt eine Kiste Äpfel – die CDOs pauschal eingekauft wurden (in der Hoffnung es spränge ein ordentlicher geldwerter Vorteil heraus), wurde danach die CDOs auf deren Wertigkeit hin geprüft und gewinnbringend erneut zusammen gestellt.

Die besten Geschäfte am Finanzmarkt mit diesen CDOs machten allerdings nicht die Verkäufer oder Käufer sondern deren Zwischenhändler mit ihren Verkaufsprovisionen. Und die Welt kaufte. Goldman Sachs, Merril Lynch, Deutsche Bank, Société Générale, Citigroup, HSBC und Bear Stearns mischten fleißig im Verkaufsgeschäft mit. Die Verkaufsprovisionen waren deren Ziel. Unkundige Kaufwillige gab es zuhauf.

Auch aus Deutschland meldeten sich gierige Käufer: IKB, Hypo Real Estate, Commerzbank, KFW Bank,usw. usf. mischten fleißig mit und stapelten diverse CDO-Wertpapiere in ihren Tresoren, die zu deren Niedergang führen sollten. Diese Banken prüften nicht den Inhalt sondern lediglich das Rating der CDO-Papiere. Diese kauften sie mit dem Ziel deren betriebliche Renditen zu steigern.
Die Rating-Agenturen stiegen in jener Zeit zugleich zu Halbgötter des Finanzmarktes auf. Ihre Macht beeinflusst die heutige Politik mehr als Bürger ihre Demokratien durch deren Wahlrecht beeinflussen können.

Die Immobilienpreise fielen, Kredite wurden nicht mehr bezahlt, das aufgebaute Finanzmodell-Kartenhaus fiel zusammen und gleichzeitig verloren die CDOs ihren Wert: aus anfangs „hochpotente“ Wertpapiere wurden danach „toxische“ Wertpapiere.
Banken bekamen Geldsorgen und das gesamte Kreditwesen geriet ins Stocken. Am Ende schwappte die Kreditkrise auf das produzierende Gewerbe über. Die Wirtschaft wurde ausgebremst und die Anzahl der Insolvenzen, Kurzarbeitenden und Arbeitslosen stieg. Die Mortgage-Krise hatte auch diejenigen erreicht, die sich mit dem Wertpapierwesen kaum beschäftigt hatten. Gewinner waren diejenigen, die gegen die CDOs gewettet hatten, weil sie bereits zuvor feststellten, dass der Tag des Crashes für sie zu derer eigener Zahltag werden müsste. Blauäugigkeit von spekulierenden Banken gegen die profunden Analysen einiger Hedgefonds (wie beispielsweise der „Hedgefond Paulson“) gefördert durch die Verdiener an den Vermittlungsprovisionen. Eine Art Armageddon der Zocker, ein Tsunami baute sich im Finanzwesen auf: die Mortgage-Krise 2008 nahm ihren Lauf.

Wie diese Woche die Presse berichtet, erreichen die Ausläufer der Mortgage-Krise nun auch die Deutsche Bank. Die US-Aufsichtsbehörde FHFA will das Geld, welches sie zur Rettung von zweier Hyptothekenfinanzierer „Fannie Mar“ und „Freddie Mac“ Ende 2008 benötigte, von denjenigen Banken (u.a. Bank of America, JP Morgan Chase, Goldman Sachs) zurück, die an den Verkaufsprovisionen der CDOs sehr gut verdienten. Die Argumentation beruht darauf, dass u.a.a. die Deutsche Bank unlauterer Hypothekengeschäfte (falsche Angaben über die Kreditwürdigkeit der Schuldner) getätigt haben sollen.

Die Deutsche Bank gibt sich betont gelassen. Sie bleibt ostentativ unberührt trotz eines CDO-Emissionsvolumen von 8,9 Milliarden US-$ zwischen Juli 2006 und Dezember 2007. Und das selbst bei der berühmt berüchtigten Personalie Greg Lippmann, welcher für die Deutsche Bank diesen Handel mit chinesischen Rechenkünstlern (u.a. Eugene Xu) antrieb und durchführte. Während bereits bei den Hedgefonds bekannt war, dass bestimmte CDOs von minderer Qualität waren, wurden gerade diese wie frisches Brot verkauft. In dem Buch „The big short“ von Michael Lewis wird ein Verkäufer zitiert, der Greg Lippmann fragte, wer sich denn für diese toxischen Papiere interessiere, als Antwort „Düsseldorf“ erwidert bekam („Whenever we’d ask him who was buying this crap“, said Vinny, „he always just said ‚Düsseldorf‘.“)

Die offene Gelassenheit der Deutsche Bank kann in zweierlei Hinsicht interpretiert werden: einerseits steht damit die Vermutung in Raum, die Deutsche Bank sieht sich im Sinne der Anklage als unschuldig an.

Die andere Seite erscheint mir aber wesentlich realer:
Die Deutsche Bank beteiligte sich erst in der zweiten Hälfte der Finanzzockerei am Immobilienmarkt. Die Deutsche Bank war durch die Renditeaussichten angelockt worden („Geld geht immer zu Geld“). US-Banken wie Goldman Sachs, Merril Lynch (wurde von der Bank of America in einer Rettungsaktion während der Krise übernommen), Citigroup und Bear Stearns (wurde ebenfalls in einer Rettungsaktion während der Krise von der Bank JP Morgan übernommen) waren zu jener Zeit bereits am Markt emsig erfolgreich tätig.

Das war einer amerikanischen Bundesbehörde nicht entgangen. Im September des Jahres 2004 hatte bereits die amerikanische Bundespolizei, das FBI, den amerikanischen Kongress vor einer Epidemie von Hypothekarbetrügereien und als Folge davon vor eine wirtschaftlicher Krise gewarnt.

Die Bank „Lehman Brothers“ als Hypothekenfinanzierer hatte sich mit seiner Tochter „Aurora“ (Hypothekenaufkäufer) darauf spezialisiert, Immobilienkredite von Kreditvermittlern und Kreditgebern aufzukaufen. „Lehman Brothers“ verbriefte die von seiner Tochter „Aurora“ aufgekauften Kredite und machten diese als CDOs für die US-Banken handelbar. „Lehman Brothers“ machte mit diesem Geschäft riesige Gewinne und zahlte beachtliche Boni an seine Führungsmannschaft aus.

Basis für „Lehman Brothers“ war das Geschäft, immer mehr potentielle private Käufer in den Immobilienmarkt zu ziehen und jenen entsprechend Kredite zu geben, um sich diese abkaufen zu lassen, um den Finanzmarkt damit zu füttern. Hierbei spielte die Bonität der privaten Kreditnehmer nicht mehr die Rolle, wie sie vorgeschrieben ist, dass diese zu prüfen wäre. Es ging nur um die Generierung von Auftragsvolumen mit allen Mitteln und den aus den Kreditverkäufen zu erzielenden Renditen.

Diese ungehemmte, vom FBI als „betrügerisch“ klassifizierte Kreditvergabe kurbelte die Nachfrage nach Immobilien an, der Preis stieg. Bis letztendlich die Nachfrage einbrach, weil keine weiteren betrügerischen Kredite vermittelt werden konnten und die ersten Kredite nicht mehr zurück gezahlt wurden. Die Immobilienpreise fielen wegen Überangebot.
Infolge dieses Preisverfalls kamen die ersten Käufer der CDOs zu „Lehman Brothers“ und pochten auf das vertragliche Recht, dass „Lehman Brothers“ deren toxische CDOs zurück zu kaufen hätte. „Lehman Brothers“ musste entsprechende Geldmittel aufbringen und ging somit Pleite, während andere zufrieden auf deren prall gefüllten Geldbörsen blickten.
Das ganze könnte als Geschäftsmodell „Pleite zur eigenen Gewinnmaximierung“ beschrieben werden.

Hypothekenfinanzierer wie „Lehman Brothers“ waren auch „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“. Die letzteren beiden kauften von der „Citicorp“ Kredite, welche nach dem gleichen Modell wie von „Aurora“ dem Verbraucher untergejubelt wurden. „Citicorp“ verkaufte diese Kredite an „Fannie Mar“ und „Freddie Mac“ mit dem Hinweis, diese Kredite entsprächen bei deren Abschluss den regulären Anforderungen an Kreditnehmern. Die durch die „Citicorp“ Kredite wurden an die Hypothekenfinanzierer verkauft. Sie stellten sich als genauso toxisch wie die Kredite heraus, die auch „Lehman Brothers“ verkaufte.
Beim Platzen der Immobilienblase liefen die CDOs zurück: „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ verlangten ihr Geld von der „Citicorp“ zurück. Nur die „Citicorp“ zahlte nicht. „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ hatten keinen so langen finanziellen Atem Verluste zu ertragen wie die „Citicorp“. Die Pleite von „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ stand vor deren Tore.

Im Gegensatz zu „Lehman Brothers“ wurde „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ mittels Staatsmittel vor dem Kollaps gerettet. Hintergrund war dabei, der „Citicorp“ Luft zu verschaffen. Denn auch die „Citicorp“ war in erheblicher Schieflage geraten und die Forderungen der beiden anderen Banken hätten diese versenkt. Letztendlich musste aber das Geld der amerikanischen Steuerzahler nicht nur für „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ herhalten, sondern es wurde ebenfalls dazu verwendet, auch die finanzielle Lage der „Citicorp“ zu stabilisieren.

Bereits frühzeitig hatte die amerikanische Wertpapieraufsicht SEC festgestellt, dass „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ systematische Bilanzfälschungen betrieben hatten. Somit waren also deren Geschäfte bereits auf nicht legaler Basis abgearbeitet worden. Eine Strafe dazu blieb allerdings aus. Ebenso fand bislang keine gerichtliche Ahndung der Kreditvergabepraxis statt, welche viele Privatpersonen mit Eigenheim-Wunsch in den Ruin trieb. Das ganze Geschäft mit den Hypotheken-Krediten könnte auch als ein einziges betrügerischen Geschäfts mit dem Ziel zur Gewinnmaximierung auf Kosten der Kreditnehmer und anderen Unwissenden betrachtet werden.

Die „Deutsche Bank“ kann also einer Anklage ruhig entgegen sehen. Denn sollte sich im Laufe des Prozesses heraus stellen, dass die ganze Kreditvergabe betrügerische Grundlagen hatte, welche erstens sogar dem amerikanischen Kongress bewusst war, und dass gerade jene Kredite danach als „saubere“ Kredite verkauft wurden, dann wird das ganze Gerichtsverfahren in einer win-win-Situation enden: in einem Vergleich. Und beide Parteien (Kläger und Angeklagter) werden sich als moralische Sieger und moralisch Geläuterte präsentieren können.

Nur einer wird weiterhin nichts gewonnen haben: der US-Steuerzahler (soweit er aufgrund eines vorhandenen Jobs überhaupt direkte Steuern zahlen kann).

Nebenbei:
Der Druck in der amerikanischen Bevölkerung dieses Verfahren gegen Banken Bank of America, JP Morgan Chase, Goldman Sachs und Deutsche Bank einzuleiten, kommt aus der Bevölkerung. Die Unzufriedenheit über das laxe Vorgehen gegen die Nutznießer der „Mortgage“-Krise war zu hoch geworden. Nachdem Finanzinstitute wie „AiG“, „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ staatliche Gelder zur Vermeidung eines Kollaps erhielten, hatten alle jene Banken von ihrem vertraglichen Recht Gebrauch gemacht, und ihre toxischen CDO-Wertpapiere an jene Hypothekenfinanzierer zurück gegeben, wofür erweiterte staatliche Finanzmittel erforderlich wurden. Dadurch wurden deren Bilanzen korrigiert und aufgrund dieser verbesserten Werte hohe Bonuszahlungen ausgeschüttet. Und das obwohl alle sehenden Auges CDO-Geschäfte tätigten, um entsprechend an diesen toxischen Papieren zu verdienen.

Und dann gab es noch einen weiteren Fall, welches die US-Bevölkerung mit Verbitterung erfüllt hat:
Der Automobilhersteller GM hing vor der „Mortgage-Krise“ bereits von Krediten der Banken ab. Die dominate Stellung auf dem Weltmarkt verhinderte bis zum Ausbruch der Krise immer, dass aus der Schieflage ein Kentern wurde und das Kreditgeld von den Banken floss. Als in Folge der „Mortgage“-Krise die Banken keine Kredite mehr vergaben und auf Rückzahlung pochten, drohte GM endgültig zu kentern und zu sinken. Die amerikanische Regierung sprang wie zuvor den Banken auch der GM mit beträchtlichen finanziellen Geldern bei und rettete GM vor dem endgültigen Bankrott. GM ging in die Insolvenz und befreite sich von einem Großteil der Schulden bei deren Gläubiger (Lieferanten). Nur eine der ersten faktischen Handlungen, die GM mit den staatlichen Geldern ergriff, war die Auszahlungen der Bonus-Zahlungen an die GM-Führungskräfte. Dieses löste einen starken Aufschrei in der US-Bevölkerung aus, welchen die Politik hilflos zuhören musste und ihnen in deren Ohren nach hallte.
Als dann letztens GM die staatlichen Mittel 1:1 zurück zahlte (finanziert durch neuerliche Bankenkredite), verbesserte das nicht wirklich die Stimmung innerhalb der US-Bevölkerung gegenüber GM. Die US-Bevölkerung betrachte das mit einer Art ohnmächtigen Zynismus. Zumal das Ganze ein weiteres Mal auch daran erinnerte, dass bestimmte Kreise ganz gut mit staatlichen Hilfen die eigene Geldbörse aufpolstern konnten.

Somit kommt der Einleitung der Prozesse gegen jene Banken, die mit der Mortgage-Krise 2008 gut verdienten, auch eine symbolische Bedeutung zu: „Wir tun was“ soll der US-Bürger aus der Aktion lesen.

Vielleicht hilft es, dass durch jene Anklage der US-Bevölkerung beim Vergessen geholfen wird, dass eine Kerngruppe amerikanischer, globalisierter Banken immer gern zu finanztechnischen Beratungsgesprächen bei Krisen ins Weiße Haus eingeladen wird und auch ansonsten pausenlos ein- und ausgeht.

Schlecht wäre es selbstverfreilich, würden gerade diese Banken und deren Mortgage-Krise-auslösende Kreditvergabe-Gebahren untersucht und strafrechtlich beurteilt. Die amerikanische Regierung würde zweifelsohne den Ast absägen, auf dem die Banken sie sitzen lässt, könnte mit Wohlwollen gesagt werden. Treffsicherer würde es sein, würde ich aber den folgenden Satz als Kommentar schreiben:
„Die eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“

Warum ich für den letzten Satz das Konjunktiv verwendet habe?
Eigene Unwissenheit. Denn vielleicht ist die eine Krähe ja schon blind. Dann wäre es Essig für jene mit dem Augenaushacken bei der anderen Krähe …

Aber vielleicht verglich ich in diesem Beitrag auch einfach nur faule Äpfel mit verdorbenen Birnen und liege daher mit meiner Vermutung auch nur komplett falsch. Die Zeit wird es zeigen.