Wissenschaftlich erwiesen


Liebe Freunde und Familienmitglieder, an dieser Stelle mal ein Ordnungsruf an ein komplett unintegriertes Mitglied aus dem Westfalenlande:

Herr H. ist 44 Jahre alt, Westfale, Vater von vier Kindern, Oberstudienrat und vormals Gymnasiallehrer, und dann auch noch leidenschaftlicher Hobby-Wissenschaftler. Letztens hat sich dieser Mensch glatt den theoretischen Ausführungen der beiden Ökologen Robert MacArthur und Edward Wilson verschrieben. MacArthur und Wilson haben in den 70er Jahren die Theorie der Zusammenhänge zwischen den Wachstumsraten („r“) und den Grenzen der Fassungsvermögen „k“ in der natürlichen Umwelt aufgestellt.

Bietet eine Umwelt gefühlte Instabilitäten, dann führe das bei Lebewesen zu einer erhöhten Wachstumsrate. Anders ausgedrückt: besteht das Gefühl, dass die eigene Gruppe dezimiert würde oder die eigene Lebenserwartung gering sei, dann erhöht sie durch Vermehrung Wachstumsraten hin. Beispiele dazu sind Fruchtfliegen, die Hunderte von Eiern in unsere Obstkörbe legen, um ein Überleben ihrer Art zu garantieren. Oder Männer die der einzelnen weiblichen Eizelle ein Overkill an Spermien entgegensetzten.

Sind die Umweltbedingungen stabil und es ist mit einem langen Leben zu rechnen, dann ist dieses r-Verhalten nicht erforderlich, es kann auf die Erweiterung der Grenzen des Fassungsvermögens geschaut werden: langsame Entwicklung, späte Fortpflanzung, geringe Kinderzahl, mächtiger Körperbau und spätes Ableben. Als Beispiel könnte hier die Milchkuh betrachtet werden. Sie hat ein überschaubares Leben in gesicherten Ställen und kann sich ganz liebevoll auf ihr neugeworfenes Kälbchen und der eigenen Milchproduktion zur Erfüllung von EU-Milchquoten konzentrieren. Oder die Frau, die sich mit der Schwangerschaft 38 Wochen Zeit lässt. Westfälische Langsamkeit kontra Fluchtstrategie. Also r-Strategie kontra k-Strategie.

Jetzt hat Herr H. – nicht vergessen, Herr H. beteiligte sich an der Ausbildung unsere Eliten als Gymnasiallehrer – ein Problem: einerseits hat er mehr Kinder als der normale deutsche 08-15-Michel. Da könnte man sich schon mal fragen, warum gerade ein 44-jähriger Westfale und somit weltbekannter Abstammung der Erfinder der Langsamkeit solche überdurchschnittlichen Vermehrungsgeschwindigkeiten hinlegt. Ich kenne mich da aus, ich bin auch Westfale. Zudem der werte Herr H. auch noch als Beamter eine ganz gesicherte sorgenfreie Zukunft hat (… man wird doch mal fragen dürfen! …).

Und nach einigem Nachdenken fand ich die Antwort selber: Herr H. hat festgestellt, dass er unvermögend ist, diese Welt rational gedanklich zu erfassen (… das wird doch noch mal sagen dürfen! …). Also greift er schon mal schnell wechselnd zu verschiedenen Theorien, statt sich mal Gedanken über solche Theorien an sich zu machen. Als typischer Vertreter der r-Strategie laicht er bereitwillig Ideen ab, so wie eine Fruchtfliege ihre Eier. Statt sich mal mit dem eigenen Fassungsvermögen seines Hirns zu kümmern, scheint es eher so, dass er lieber Fruchtfliegen bei der Eiablage und deren anschließenden Flucht vor seinem Fliegenspray zuschaut. Und aus dieser Beobachtung scheint er mit Parteikollegen politische Programme und Reden zu konstruieren, in denen der Herr Beamte ganz wissenschaftlich versucht, Afrikaner und Fruchtfliegen auf eine Stufe zu setzten.

Es ist weniger Rassismus, was der Herr H. so ablaicht. Er spannt vorsätzlich mutwillig solche widersprüchlichen theoretischen und wissenschaftlich nicht belegbaren Ausführungen jener Ökologen MacArthur und Wilson vor seinem politischen Karren. Und nicht einer widerspricht ihm ernsthaft dessen kruden Mist auf wissenschaftlicher Basis. Denn das ganze Abgelaichte ist nicht – wie er sowieso beabsichtigte – politisch inkorrekt, sondern auch erheblich wissenschaftlich inkorrekt. Vorsätzlich unbewiesene Tatsachen zu nutzen, um für Wasser auf Mühlen der schon wieder nach Null-Wissen-Dürstenden zu sorgen, das ist weder wissenschaftlich noch eines Lehrers würdig. Eher ganz im Gegentum.

Wenn die nächste PISA-Studie erscheint und wieder besorgt nachgefragt wird, warum es so ist, wie es gekommen ist, dann wäre es an der Zeit mal zu schauen, warum solche Beamte wie Herr H. mit unfundiertem Wissen überhaupt Gymnasiallehrer werden können.

Ach ja, und dann sollte sich Bildungsministerin und Professorin Johanna Wanka mal aufraffen und Tacheles zu solchem Dreck erzählen.

Ordnungsruf Ende.

Und jetzt lasst mal Konsequenzen folgen …