»Und dann betrat ich den Raum. Den nannten wir damals alle “Das Beste Zimmer”. Gäste wurde dort empfangen, spontaner Besuch zu einem Likörchen oder Kaffee rein gebeten. Es hieß nicht einfach “Wohnzimmer”, sondern immer “Das Beste Zimmer”. Es enthielt ein rotes Sofa für drei Personen und zwei rote Ohrensessel, links und rechts davon, drei Stühle mit rotem Polster und einen braunen großen Zier-Tisch, der recht zu niedrig als Esstisch war. Daher wurde er bei offiziellen Essen mit dem aus der Küche ausgetauscht und es kamen auch passende Esstisch-Stühle rein. Aber das Sofa und die Ohrensessel blieben. Es war eben “Das Beste Zimmer”.
Gegenüber dem Sofa stand das Klavier. Kein Erbstück. Ein Geschenk. Bekannte meines Vaters, ein Ehepaar aus Münster, hatten es meiner Familie überlassen. Mein Vater hatte das Ehepaar bei seiner Flucht aus Schlesien kennengelernt und war mit ihnen eng befreundet. Der Mann arbeitete in Münster in einer Bank und hatte ihm zu einem Notkredit verholfen, obwohl er es nicht hätte machen dürfen. Mein Vater war ihm dafür stark verbunden, weil er deswegen nicht bankrott ging. Der Kredit hatte ihm übers Wasser geholfen, der Mann des Ehepaares erhielt Schwierigkeiten deswegen, denn mein Vater war nicht als kreditwürdig eingestuft. Anfang der 70er zog das Ehepaar von Münster ins Allgäu nach Kempten. Das Klavier wollten sie nicht mitnehmen. Weder sie spielten darauf, noch deren zwei Kinder. Zudem waren sie der Meinung, meines Vaters zwei Söhne sollten Klavier spielen erlernen, denn den Blockflötenunterricht in der Grundschule empfanden sie nur als Quälerei an der Kunstform »Musik«. Mein Bruder hatte Blockflöten-Unterricht. Er schaffte es bis in die elitäre Blockflöten-Gruppe der Kirche, die zum Hochamt immer ein Kirchen-Lied mit deren Blockflöten zum Lobe Gottes interpretieren durften. Ich selber fing direkt mit dem Klavier-Spielen an.
Kennen Sie das alte Lied von Johannes “Jopi” Heesters noch? Weiterlesen →
Ein Gedanke entwickelte sich mir beim Lesen von Jules von der Ley (Trithemius) Blog-Feuilleton-Artikel „Wie alles angefangen hat – ein Ohrenzeugenbericht“: eine Person spricht, die nächste spricht lauter, um dessen Stimme über die der ersten Person zu lagern, was eine dritte Person als Anlass nimmt, seine Stimme über die der zweiten zu legen, während die vierte Person in Folge die dritte übertönt, was die erste Person zu Anlass nimmt, die vierte zu übertönen.
Das Ganze müsste logischerweise in einer brutal akustischen Rückkopplung enden. Klappt aber nicht. Die Biologie hat dem Menschen ungerechterweise stimmliche Grenzen gesetzt. Ist nicht fair, ist aber so. Weswegen diese Grenzen sich auch letztendlich auf Konzerten mit „Brüll-Techno“ im Stile von H. P. Baxxter („How Much Is the Fish?„, „Hyper Hyper„, etc. von Scooter) manifestiert hatten.
Es mag viele Leser geben, die dabei gähnen werden, und müde abwinkend erklären, dass der „Brüll-Techno“ von den teilnehmenden Bands des Wacken Open Airs (seit 1990) stimmlich abgekupfert wurde.
Nur Jules analysierte hierbei profunder, erheblich grundlegender: Diskotheken, Waken Open Air und Brülltechno lassen sich eindeutig auf eine Gruppe von vier Personen zurückführen, die in ihre eigene Stimme verliebt sind und jenes in einem Café ausleben. Somit wären also alle nachfolgenden, rebellenhaften Veranstaltungen entmystifiziert und auf jenen simplen Kaffeeklatsch unserer Mütter und Bierstammtische unserer Väter rückgeführt. Eine ganze Generation von Schrei-Rebellen entmystifiziert. Schön ist das nicht, nicht wahr. Wie soll denn dann rationale Pubertät funktionieren, wenn die Jugend das Gleiche unter gleichen Vorzeichen in stimmlicher Verausgabung mit Hoffnung auf Differenzierung so etwas durchführt? Pubertät ist, wenn Eltern Probleme mit ihren eigens Erzogenen haben. Alles andere wird sowieso eh als Jugendkriminalität klassifiziert. Weiterlesen →
Knopf drücken, Klacken vernehmen, Pappschuber herausziehen, leicht zusammendrücken, Innenteil in die Hand rutschen lassen, Deckel abnehmen, Scheibe vorsichtig aus dem Innenteil rutschen lassen, Mittelfinger aufs Loch, Handballen am Rand, Innenteil ablegen, Scheibe zwischen den beiden Handballen kurz drehen und prüfend das Schwarze mustern, Staub leicht abblasen, dann Loch durch Bolzen, vorsichtig, leicht drehen, Rotation einstellen, Hebel umlegen, Arm anheben, rüberführen und Nadel dann mittels der Absenkvorrichtung langsam auf den Rand absenken, beobachten wie die Nadel in die Rille einfädelt, Knistern hören und sehen wie Nadel in das Meer der Rillen in den See der Erinnerungen sticht … Weiterlesen →
Du kommst nach Hause,
legst deine Füsse hoch,
schüttest dir ein Glas Chardonnay ein
und sinnierst darüber nach,
was an diesem Tag geschehen war,
warum es gelaufen ist, wie es lief,
warum Traum und Realität ein Abgrund trennt,
öffnest die Augen und stellst irritiert fest,
dass du dir kein Wein, aber schales Bier eingeschenkt hattest,
schaust in die Firmen-Emails und grübelst,
denkst an den vergangenen Tag,
daran, was sich geändert hat,
daran, was das Leben macht,
daran, was du lebendig geändert haben möchtest.
Und dann summst du das kleine feine Lied …
Ja ich weiß es war ne geile Zeit, uns war kein Weg zu weit du fehlst hier …
Dem Niedecken zum Lebenswerk der ECHO – entdeckt in der „Ständige Vertretung“ Berlins am Tage nach der ECHO-Verleihung
von Kölsch-Trinker zum Kölsch-Trinker:
Ming Jlöckwunsch, Wolfgang Niedecken!
(Foto aufgenommen am 23.3.2012 in der „Ständige Vertretung Berlin“)
Was das ist?
Nein, nix DADAismus.
Neee, das ist nur ein mistiger Ohrwurm.
Irgendso eine Pommesbude in so einem Fetenfeierviertel Münchens meinte gerade diesen Ohrwurm spielen zu müssen. Und jetzt bin ich schon seit Stunden mit Ohrenwattestäbchen dabei mir den Drecks-Ohrwum aus den Gehörgängen zu pulen. Und es klappt nicht.
Worum es sich hierbei handelt?
Um Roland Kaisers
Santa Maria,
Insel die aus Träumen geboren
Ich hab‘ meine Sinne verloren,
In dem Fieber, das wie Feuer brennt.
Santa Maria,
Nachts an deinen schnee weißen Stränden
Hielt ich ihre Jugend in Händen
Glück für das man keinen Namen kennt.
Was?
Ihr kennt es nicht?
Dann mal hierhin klicken!
Und hier noch das Original der Gebrüder „Oliver Onions“ im Grundton eine halbe Oktave tiefer, dafür im Gesang höher als „Modern Talking“:
Was ist also lieber? Pest oder Cholera?
Die „Heilige Maria“ von „Olivers Zwiebeln“?
Oder der „Schnitzelwagen“-Song von Roland Kaiser („Wittelsbacherstr. 18, 1000 Berlin 31“)?
Apropos „Schnitzelwagen“-Song. Ein Verwandter von „Der weiße Neger Wumbaba“. Wer es nicht weiß, was damit jetzt überhaupt gemeint ist, sollte das Video zu der Zeit-Stelle 0:55 vorspulen und kann dann eindeutig die Textstelle
„den Schnitzelwagen“
identifizieren.
Oder sich das hier herunterladen und in Ruhe mehrfach anhören:
Und das mit dem „Neger Wumbaba“, das ist ein Buch.
Wie gut, dass ich das jetzt für mich gefunden habe.
Das macht das Ohr frei.
So.
Jetzt geht’s mir schon besser …
Ein Ohrwurm weniger.
By the way:
He, noch mehr Wumbaba-Verständnisse hier: Link
:)
Es kommt nichts.
Es kommt überhaupt nichts.
Da sitzt man im Biergarten und wartet auf einen Gedanken. Nur einen einzigen. Für den eigenen Blog.
Aber es kommt einfach nichts.
Doch. Die Bedienung kommt. Und bringt was. Den Mass eisgekühlte Spezie. Aber sonst nichts.
Und dann kam er.
Von der anderen Straßenseite her.
Wie ein Maikäfer.
Wie bei Polt.
Zuerst hat er sich aufgepumpt. Und dann sah ich ihn sich in die Lüfte erheben. Ein wenig unsicher. Nach links, nach rechts schwankend. Aber dann zielstrebig. Die Straße direkt überquerend. Direkt auf mich zu hielt er. Er propellerte sich immer näher. Er hatte den Mittelstreifen erreicht. Ich konnte schon den Odem des Gedanken spüren. Das dumpfe flatternde Geräusch wie er sich näherte. Und dann kurz bevor er den rettenden Bürgersteig erreicht hatte, …
woooooosch
… kam der Porsche. Es machte ein knuspriges Knatsch und der Gedanke zermaschte auf der Windschutzscheibe des schwarzen davonhastenden Porsches.
Und wieder sass ich da und wartete.
In den Bierkrup mit meiner Spezie schaute ich. Und entdeckte nicht den Hauch eines Gedankens.
Luftbläschen sprudelnd spritzend befeuchteten mein Gesicht. Aber kein Gedanke meine Phantasie.
Die feuchten Kohlensäurespritzer meiner Spezie auf meiner Gesichtshaut, das waren wie Wassertropfen auf den heißen Steinen einer Wüste. Darauf konnte nichts wachsen.
Elende Ödnis.
Kein anregender Gedanke weit und breit.
Nicht mal eine holde weibliche Muse lachte mir ins Gesicht.
Nichts aber auch gar nichts.
Und dann diese Musik.
Dieser Ohrwurm.
Und jener Süd-Waliser Paul Potts.
Wahre Blogger kannten den schon, als der gerade seine ersten Töne der Turandot-Arie „Nessun Dorma“ von Puccini hervor quetschte, dann in Folge Publikum und Juroren zu Beifallsstürmen hinriss.
Wahre Blogger mussten beim ersten Ausstrahlen der „Deutschen Telekom“-Werbung nur gähnend schreiben: „Im Westen nichts neues.“
Alle anderen waren beeindruckt und begeistert und schauten zum ersten Mal die Dokumentation im Internet auf Youtube.com an.
Kriegten das Gänsehaut-Feeling nachträglich.
Bei jedem erneuten Schauen.
Und schauten schon bei der Telekom-Werbung schon nicht mehr bis zum Ende, um jenes Telekom-Dschingel mit dem verdammt hohen Wiedererkennungswert, jenes dumme, dumpfe „pling-plimm-pling-plimm-pling“, nicht hören zu müssen.
Die Werbung geht, aber der Ohrwum wird bleiben.
Und weiter sitze ich vor meinem Liter Spezie und versuche „Nessun Dorma“ zu summen, zu klopfen, auf dem Holztisch zu schrammeln. Aber nichts kommt. Nicht einmal die Worte. Aber die Musik, sie rauscht durch meinen Kopf, wie stürmische Wellen an einem einsamen Strand.
Weit und breit kein Mensch.
Allein.
Nur ich und der Ohrwurm.
Und kein Gedanke.
Nicht den Hauch davon.
Nichts für den Blog.
Da kommt ein Freund vorbei und legt mir ne CD hin.
„Hör dir das mal an!“
Ich starre auf das Cover.
William Shatner „Has been“.
Nun ja.
Eigentlich kenne ich William Shatner nur als „Captain Kirk“, der mit „Spock“, „Pille“ und „Scotty“ unendliche Weiten im Weltall durchwanderte und dahin ging, wo kein Mensch zuvor gewandert war. Vorzugsweise war das damals in den 70er als ZDF-Konkurrenzprogramm der ARD-„Sportschau“. Ich konnte nur immer Happen der Serie sehen, weil da immer zwei waren, die einfach umschalteten.
„Schalt diesen Quatsch ab! Wir wollen „Sportschau“ sehen!“
Der „Sportschau“-Imperativ eines Sonntag abends in den 70ern. Danach hatte sich das Abendessen zu richten.
Und wenn dann die Netzers, Breitners, Beckenbauers wieder in ihren Umkleidekabinen befanden und die Ernst Hubertis mit strengem ordentlich sauber gelegtem Linksscheitel ernsthaft alles zu Ende analysiert hatten, dann wurde das Programm endlich umgestellt. Aber dann lief bereits „heute“ und Kirk und Co. waren in den unendlichen Weiten des Fernsehweltalls entschwunden.
In den 90ern konnte ich dann mit einem eigenen Fernseher und Muße mir alle verpassten Folgen nachträglich reinziehen. Dutzend Male der Satz „Er ist tot, Jim“ oder „Ich bin Arzt und nicht Schiffsingenieur“ oder „Ay, ay, Sir“ oder „Faszinierend“.
Oder wer kennt die lustige Serie mit dem „Tribbles“, jene Wuschelwesen, die die ganze Raumschiffbesatzung zum Knuddelwahnsinn trieben?
Oder als Kirk ins Raumschiffprotokoll ein entnervtes „Der Computer spinnt“ abgab, weil dieser Schiffscomputer plötzlich seine weibliche Seite entdeckte und mit Kirk flirten wollte?
Selbst jene in Deutschland nie ausgestrahlte Folge als Kirk und Co in Nazi-Uniformen durch die Szenerie marschierten, sah ich viel später.
Und jetzt lag da diese CD vor mir.
William Shatner „Has been“.
Das vulkanische Spitzohr „Mr. Spock“ (Leonard Nimoy) hatte gleiches auch mal versucht und gruseliges Lachen bei seinen Fans ausgelöst. Selbst William Shatner hatte sich vor knapp 40 Jahren als Musiker versucht gehabt und durfte sich des Mantels der Verschwiegenheit der Musikgeschichte sicher sein.
Mag Shatner auch ein Schauspieler sein, der inzwischen verdientermaßen genügend Nominierungen für die „Goldene Himbeere“ abgestaubt hat, so ist er nicht unbeliebt.
Er ist unsere Vergangenheit der Kindheit, der in „Yehaw“-Cowboy-Manier für uns dahin ging, wovon wir immer träumten: Jede dritte Seriefolge eine neue Frau abgeschleppt, egal ob grün, gelb oder mit Schwanzflosse. Jede dritte Serienfolge den Draufgänger spielend. Und jede dritte Serie der verständnisvolle Mann.
Unser Held.
Und jetzt die CD.
Die CD ist schon älter. Offenbar 2004 erschienen. Zögernd schiebe ich sie ins Laufwerk, Kopfhörer auf und den PLAY-Knopf des Players gedrückt.
…
Nun, ernsthaft. Ohne grundlegende Englisch-Kenntnisse geht es bei der Musik doch nicht. Wer kein Englisch versteht, der braucht sich die CD gar nicht erst zu Gemüte führen, denn es entgeht ihm mehr als nur die Hälfte.
Es fängt mit der Cover-Version von PULP an.
Ich wackle mit den Ohren unter dem Kopfhörer. Verdammt, was hat Shatner denn da gemacht?!
Er singt nicht wirklich zu der Musik. Er schauspielert den Text! Der Text ist dabei nicht unwichtig, wenn Shatner textlich Geschwindigkeit aufnimmt und am Ende dann die Bremse auch textlich angepasst zieht. Der Inhalt des Textes (für die, die ihn nicht kennen): Mann trifft Frau aus Griechenland und sie erklärt, dass sie ein ganz normales Leben führen möchte und mit ganz normalen Menschen schlafen möchte. Und er fragt sie verdattert, ob sie wirklich ernsthaft das tun möchte, mit gewöhnlichen Menschen zu schlafen. Was bei Pulps „Common People“ wie ein selbsterklärtes zynisches Lebensmotto einer Frau daher kommt, fährt durch Shatner als prominenter Schauspieler auf der Schiene „Person des öffentlichen Lebens ist überrascht, wie normal das Leben einfacher Menschen sein kann“.
Und diese Selbstironie mit einem eigenartigem Spott pflanzt sich durch die ganze CD hindurch. Geht auch über Tragik und Selbstkritik ohne jede Peinlichkeit.
„Common People“ (begleitet durch Joe Jacksons Gesangstimme) ist übrigens die einzige Cover-Version auf dieser CD. Der Rest kommt aus Ben Folds Feder.
Und um gleich alle Befürchtungen zu zerstreuen. Shatner imitiert nicht mal singen. Er singt auch nicht wirklich. Er spricht den Text zur Musik. Oder neu-deutsch ausgedrückt: Er perfomed die Texte mit einem unheimlichen musikalischen Drive, ohne wirklich zu singen.
Die CD „Has been“ („War gewesen“) ist faszinierend und definitiv kein Müll.
Sie ist sicherlich der Versuch Shatners sich ein eigenes musikalisches Denkmal zu setzen. Und auch wenn es wohl möglich niemand mitbekommen hat, meiner Meinung nach hat er es geschafft.
Aber vor allem ist diese CD ein erneuter Versuch von William Shatner, sich dagegen zu wehren, dass in ihm alle nur den „Captain Kirk“ sehen. Auf einer „Startreck-Convention“ (regelmäßige Treffen von Raumschiff Enterprise-Fans) war er mal zu Besuch und hatte dem Publikum ein wütendes „Get a life!“ („Lebt endlich!“) entgegen geschleudert, als diese ihn seine Rolle des Captain Kirks auf ihn persönlich gänzlich überstülpen wollten und den Kosmos des Raumschiff Enterprise als real existierend voraussetzten. Die Trekkies nahmen ihm das übel, dass er sich so einfach seiner „Captain Kirk“-Rolle entledigen wollte.
Im letzten Lied REAL („Wirklich“) seiner CD „Has been“ sagt er dann auch:
„Ich habe die Welt in den Filmen gerettet […] Und während ein Teil von mir in dem Kerl ist, den du da oben auf der Leinwand gesehen hast, ich bin noch so viel mehr [..] Ich würde der Welt so gerne bei all ihren Problemen helfen, aber ich bin ein Unterhalter und das ist alles. Also, wenn beim nächsten Mal ein Asteroid oder eine Umweltkatastrophe passiert, dann fühle ich mich geehrt wenn du an mich denkst, aber ich bin es nicht, den du dann rufen musst. [… ]… Entschuldige, dass ich dich enttäuschen muss, aber ich existiere wirklich.“
Tja, Mister Shatner, dann will ich es mal versuchen.
Die CD ist zu Ende.
Ich bin positiv überrascht. Die Schublade vom CD-Player fährt raus und ich stecke sie zurück in ihre Hülle. Sie ist nicht das Meisterwerk des Jahrhunderts, aber doch ein verdammt gutes Kleinod der Pop-Geschichte aus der Ecke „Schauspieler versuchen sich als Musiker“.
…
Vorsichtig trage ich sie zu meinem Startreck-Schrein, öffne diesen und lege sie sorgsam zu den anderen Devotionalien, die ich inzwischen zusammen getragen habe:
Zu dem originalen Phaser, zu dem Spitzohr-Imitat, zu dem Communikatoren, den 6 Tribbles, dem Klingonen-Schwert und den baijurasischen Fix-Rebubator und den anderen Startreck-Kleinigkeiten, die ich mittlerweile bei Ebay ersteigert habe.
Langsam schliesse ich den Schrein wieder, verneige mich dreimal ehrfürchtig und murmel leise aber bestimmt:
„Captain Kirk, du bist genial!“
Dann gehe ich zu meinem bunt erleuchteten Ecke, schaue zum Schaltpult mit der lebensgroßen Startreck-Puppe und sage den alles entscheidenden Satz:
„Scott me up, Beamie!“
und es schloss sich der Vorhang der CD-Kritik …
-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*
„Und so sehen wir betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.“
Das deutsches Liedgut hat dem englischen einen Schritt voraus. Man versteht es. Und von daher ist sowas ja von jeher problematisch. Entweder ist der Text politisch nicht opportun ist, oder er ist schlichtweg Schrott. Es gibt halt solche und solche Liedtexte.
Bela B. und die Ärzte gehören eindeutig zu solchen. Deren Texte sprühen vor Leichtigkeit und zynischem Humor, dass es entweder dem Hörer eine Freude oder auch ein Leid ist. Mit ihrer letzten CD „Jazz ist anders“ unterstreichen die Ärzte mal wieder ihren Anspruch die „beste Band der Welt“ zu sein. Und dementsprechend haben die Ärzte ihre Auskopplung „Lasse reden“ veröffentlicht.
In vielen Radioprogrammen läuft das Lied jetzt rauf und runter.
Fast in jedem. Bis auf dem Sender „Antenne Bayern“.
Für Nicht-Bayer: Bayern hat vier Sender.
Da ist „Bayern 5“, der offizielle Informationssender aus der bayrischen Staatskanzlei für einheitliche Bürgeraufschlauung. Fast ohne Werbung und fast musikbefreit.
Da ist „Bayern 3“ für den staatstreuen Bayern mit Hang zu moderner Musik.
Da ist der mickrige Rest an Radiosendern für die ganzen Zugewanderten.
Und da ist der Musiksender „Antenne Bayern“, für all die netten Bazis, die auf gespielte Fröhlichkeit stehen und meinen, das wäre urig bayrisch auch ohne Dialekt.
Gemeinsam ist allen Musik-Sendern Bayerns, dass Lieder nie länger als 3 Minuten sein dürfen, Wortbeiträge weder über eins dreißig in der Zeit noch über BILD-Zeitungsniveau liegen dürfen und dass die Werbeblöcke viermal pro Stunde mindestens fünf Minuten dauern müssen.
Gestern fuhr ich in eine 70 km entfernte Nachbarstadt und das Radio plärrte vor sich hin. Bayern 3 ist musikalisch ne Seuche, die kleineren Stationen haben keine große Reichweite und da gerade „Antenne Bayern“ eingestellt war, die Auswahl zwischen Pest und Cholera nicht wirklich prickelnd ist und ich zudem absolut faul …
… tja, so kriegt wohl „Antenne Bayern“ seine Zuhörerzahlen, könnte man jetzt meinen …
Und irgendwann wurde dann ein Lied zuerst mit seinem Refrain und einem gekünstelt spontanem Dschingel als der Hitmix des Sommers angekündigt:
Die Ärzte mit „Lasse reden“.
Meine Spannung stieg, als das Lied gespielt wurde. Denn schließlich gehört „Antenne Bayern“ auch irgendwie zum Axel-Springer-Verlag, dem Herausgeber der BILD-Zeitung.
Und eine Liedzeile von „Lasse reden“ heißt:
Lass die Leute reden und lächle einfach mild
Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der BILD
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht
Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht.
Ich horchte brav zu und horchte und horchte … ich wollte die Liedzeile hören … ich horchte und horchte und horchte …
Naja, vielleicht war ich doch zu sehr vom Straßenverkehr abgelenkt und zusätzlich ein wenig zu müde. Ausreden hat der Mensch immer parat und so erschuf ich mir die Ausrede, warum ich gerade diese Liedzeile nicht hörte. Eigentlich wollte ich die wirkliche Wahrheit wohl nicht wahrhaben.
Heute morgen las ich dann beim Bildblog, dass ich mich gar nicht verhört hatte.
„Antenne Bayern“ hat die die BILD-Zeitung betreffende Liedzeile einfach herausgeschnitten.
Geschmacksbereinigt sozusagen.
Zensur?
Eigentlich sollte ich es ja besser wissen, denn ich hatte schon mal über „Antenne Bayerns“ Radioverständnis geschrieben und zwar hier.
Ich bereue es hiermit öffentlich „Antenne Bayern“ gehört zu haben. Jenen Sender, der mit vereinzelnten Wort- und Musikbeitragsblöcken zwischen der Werbung glänzt.
Oh Wanderer, kommst du gen Bayern dann lass dir sagen:
Meide gefälligst „Antenne Bayern“, wenn du auf 100%iges Wert legst …
Irgendwie bin ich bei dem Lesen zu Informationen zur Gruppe BAP über eine myspace-Seite gestolpert.
Sie gehört Klaus „Major“ Heuser.
„Major“ war bis 1999 Lead-Gitarrist bei der Gruppe BAP und war das prägende Bandmitglied einer Musikrichtung, unter die BAP bekannt wurde. Als er ausstieg, machte er diverse Projekte (u.a.a. mit der Gruppe BRINGS) und brachte erst 2006 eine neue CD raus.
Auf seiner Myspace-Seite finden sich vier Beispiele seiner einfühlsamen Gitarrenkunst.
Anhören und genießen.
Der passende Soundtrack für einen Sonntag abend …
Platz 23!
Und das vor solchen unmusikalischen Ländern wie Polen und England!
12 Punkte aus Bulgarien und zwei aus der Schweiz!
Da habt ihr es, ihr dämlichen Österreicher! Ihr ward noch nicht mal letzter!
Die Alpen-Connection hat uns mal wieder – wie üblich – die verdienten 24 Punkte verweigert.
Nur, die Ost-Connection hat natürlich mal wieder unberechtigterweise die Russen auf Platz 1 gewählt.
Immer die Ost-Connection!
Immer!
Immer die!
Hm. Liebe EurovisionSongContest-Fans, dreht die Tabelle doch einfach um und feiert die ‚No Angels‘ als Drittplazierte.
Da werden die homosexuellen Männer und Frauen – Schwule und Lesben – nächstes Jahr in Moskau noch schwereren Stand beim EurovisionSongContest haben. Die Russen stehen auf Homosexualität noch weniger als die Belgrader. Die werden wohl schon mal deren Mob organisieren, um diese Homos in deren heterogene Sexualverhalten zu vergewaltigen.
Und ansonsten?
Wir rächen uns wie üblich. Beim Fußball. Diesmal bei der EM. Denn wer nicht singen kann, der muß ja nicht unbedingt den schweigsamsten 13ten Mann im Stadion haben …
Seine Zigarettenschachtel rotierte zwischen seinen Fingern.
„Noch zwei Minuten.“
Sein Feuerzeug war schon griffbereit neben seiner Schachtel.
Neben mir machte sich Unruhe bereit. Der Wirt ging zu seinem weißen Sicherungskästchen rüber.
Ich blickte zur Decke. Die Klimaanlage surrte gleichmäßig. Der Wirt hatte vierzehn Tage seine Kneipe still gelegt und eine zweite Decke mit Lüftungssystem eingezogen. Statt der vier Meter hohen Decke war sie jetzt nur noch knappe drei Meter hoch und vermittelte jetzt der Kneipe einen angenehmen klaustrophoben Eindruck. Vorher erinnerte alles an Altbau, jetzt an die kleine gemütliche Kneipe an der Ecke.
Die Tür ging pausenlos auf uns zu. Leute strömten rein.
Ich kramte in meiner Tasche, um mein chinesisches Feuerzeug, meine Moods und die Clubkarte heraus zu fischen.
Er hatte seine bereits demonstrativ vor sich hingelegt. Rechte Hand „Marlboro Rot“, linke Hand ZIPPO-Feuerzeug. Und nicht nur er.
„Zehn. Neun. Acht.“
Sein Blick war auf die Funkuhr überm Tresen gerichtet. Leise zählte er den Countdown.
„Drei. Zwei. Eins.“
Der Wirt legte einen Schalter um, die Klimaanlage fuhr hörbar herunter. Die Gespräche verstummten. Still wurd es. Gespenstisch still. Ein vielfaches Klackern von Feuerzeugen ertönte, tiefe Lungenzüge und verlegendes Gekichern erfüllte die Luft. Dann fast ein chorales Ausatmen und … die Gespräche wurden fortgesetzt, als ob nichts wäre.
Eine Neonschrift leuchtete auf und verkündete „Raucherclub geöffnet“.
Jemand bewegte sich zum Tisch vor der Tür, holte Kladde, Kugelschreiber und Geldkassette hervor und baute sich vor der Tür auf. Es war der Kalle, ein Schrank von Mensch, einfach gestrickt, gutmütig aber auch von mancher brutaler Simplizität. Er hatte vor einer Woche einen Zivilkontrolleur unter Applaus der Anwesenden rausgeschmissen, der die Clubgebühren nicht zahlen wollte. Der hatte sich vorher rein geschlichen und als der Raucherclub eröffnete, war er ohne Clubkarte und stand zudem auch noch direkt neben Kalle. Er meinte, die 5 Euro Clubgebühr von Amtswegen nicht zahlen zu müssen. Er konnte danach Frischluft schnappen.
Der Wirt ging rum und scannte die Clubkarten mit seinem Handscanner ein. Jemand war ohne Clubkarte und wurde zu Kalle geschickt. Ich zündete mir meine MOODS an.
Eine Frau lächelte mich an. Mein Angebot lehnte sie ab. Sie sei Nichtraucherin, aber – wie entschuldigend fügte sie es hastig hinzu – Nicht-Raucherkneipen seien einfach langweilig.
„Kölsch?“
Er stellte mir ohne meine Antwort abzuwarten, eine Stange vor mich hin.
„Haste schon die neusten BAP-CDs?“
Ich schaute ihn an.
„Gibt’s wieder ne neue Best-of von BAP?“
„Nein, es gibt zwei neue.“
„Aha. Und?“
„Was und?“
„Hörbar?“
„Hörbar.“
„Gut hörbar?“
„Gut hörbar?“
„Doppel-CD?“
„Zwei einzelne CDs.“
„Doppelte Geld?“
„Doppeltes Geld.“
„Lohnenswert?“
„Hat wer mal Feuer?“
Sie mischte sich einfach so ein.
Einfach so, als es spannend wurde.
Ich reiche ihr meine MOODS. Sie nimmt sich sie und geht einfach weg. Ohne zu fragen.
Einfach so. So einfach.
Ich wollte mir sowieso ne neue anzünden.
„Und? Lohnenswert?“
„Nein. Die kenn ich. Noch nicht mal löhnenswert.“
„Nicht die Frau. Die CDs.“
„Die lässt an ihre Haut nur Wasser und CD.“
„Solange die nicht die Helen der Charlotte Roche ist.“
Er seufzte.
„Früher hat BAP noch ‚Südstadt, verzäll nix‘ gesungen. Heute singen sie ‚Wa’ss loss met dä Stadt ?‘ „.
„Tja, Köln hat ich geändert.“
„Niedecken singt über New York.“
„Nicht Kölner Südstadt?“
„Nein, da ist der kaum noch.“
„Jaja, der Jung wird älter. Da setzt die Kosmopolität ein.“
„Der Asphaltpirat singt auch von Uganda und dem Krieg auf den Ilhas Malvinas.“
„Fern ab vom Bahnhofskino, von Weidenpesch, der Ehrenstraße mit seiner Königin oder Städten im Niemandsland?“
Er hielt kurz inne.
„Kauf Sie dir. Sie werden dir gefallen.“
Der Wirt hat die CD gewechselt.
Kölsche Lieder.
Deutsch-rheinisches Heimatliedgut.
Kölsche Songs von BAP.
Nix fürs bayrisch-deutsche Hochdeutsch-Gemüt …
Songs sinn Dräume, manchmohl Dräume,
Déjà-vus vun jet, wat noch wohr weede soll.
Songs sinn Länder, fremde Länder,
wo mer immer schon hin wollt,
wo mer immer schon hin wollt…
Songs sind Träume, manchmal Träume,
Déjà-vus von jetzt, was noch wahr werden soll.
Songs sind Länder, fremde Länder,
wo man immer schon hin wollte,
wo man immer schon hin wollte….
… liege ich Patientenstuhl. Der Zahnarzt schüttelt den Kopf.
– Da ist nicht mehr viel zu machen. Sie benötigen da ein Inlay im Backenzahn.
Er war mir offenbar zerbröselt. Ein MENTOS hat mir den Backenzahn bröseln lassen. Zuviel hatten die vorherigen Zahnärzte schon weggebohrt und mit Amalgan nachgefüllt. Und jetzt ist der Zahn an einer Seite weggebrochen.
– Sie können da zwar noch eine Füllung machen, aber wenn die bricht, dann muss ich den Zahn ziehen. Der Zahn ist durch die vielen Füllungen zuvor instabil geworden
Hm. Ich liebe Zahnärzte.
Mein erster Zahnarzt hatte seine Praxis nicht im Heimatort. Er war fast 15 Kilometer weit weg. Und er sollte humaner sein als der Dorfzahnarzt. Der hatte bei meinen Eltern nämlich recht unsensibel gebohrt, obwohl die Dorfgrößen auf den schworen.
Und unser Zahnarzt, der war tendenziell besser. Trotzdem empfand ich ihn als einen recht unsensiblen Bohrer. Dessen Vater war damals in Rente gegangen und der Sohn übernahm die Praxis und hatte die neusten medizinischen Tricks auf Lager. Aber er war trotzdem Auslöser meiner Zahnarztangst.
Später lernte ich einen sensibleren Zahnarzt kennen und wechselte. Meine Mutter wechselte aber nicht. Sie war da mehr traditioneller. Sie hoffte, dass ihre Treue sich bei ihm auszahlen würde. Er zog ihr trotzdem alle Zähne und verpasste ihr ein Gebiss. Und spritzte ihre Oberlippe taub. Taub für immer.
Da ist es auch kein Trost mehr, dass jener Zahnarzt inzwischen gestorben ist, meine Mutter aber noch immer putzmunter ist.
Als ich das meinem dritten Zahnarzt im Patientenstuhl erzählte, fauchte er mich an, dass ich mir so ein Urteil gar nicht erlauben dürfe. Ich sei schließlich kein Experte. Ich bleib ihm eine Antwort schuldig. Ich lag bei ihm im Stuhl und er hatte schon angefangen. Die Machtverhältnisse waren extrem ungünstig für ein Streitgespräch. Ich hielt die Klappe und machte den Mund weiter auf.
Mein zweiter und mein vierter Zahnarzt teilten meine Verärgerung über meinen Zahnarzt Nummer 1.
Ich hasse das Surren von Bohrmaschinen beim Zahnarzt.
– Das Inlay kostet so 400 Euro und ist bombenfest. Für die Füllung fallen so an die 100 Euro an.
– Und die Krankenkasse?
– Die zahlt nichts dazu. Das müssen Sie selber tragen. Oder haben Sie eine Zusatzversicherung?
Nein, die hab ich natürlich nicht.
Mir dämmerte was. Wegen der vielen Arbeit im letzten Jahr war das Angebot meiner Krankenkasse vollkommen an mir vorbeigerauscht.
Dumm gelaufen.
– Nein, ich habe keine Zusatzversicherung.
– Überlegen Sie es sich noch mal, was Sie haben wollen. Das Inlay oder die Füllung. Ich würde Ihnen aber zum Inlay raten. Auch wenn es 400 Euro kostet. Aber überlegen Sie nicht zu lange, denn sonst geht nachher der ganze Zahn kaputt und dann müsste ich ziehen.
Ziehen zahlt die Krankenkasse. Wahrscheinlich mit Kußhand. Denn Zahnlose sind nun mal nicht so bissig. Und fördern den Absatz von Schnabeltassen. Ich muss mal nachforschen, welche Firmen Schnabeltassen herstellen und ob Krankenkassen daran Anteile halten.
„Kaputtreformiert wie meinen Backenzahn durch Zahnärzte“, denke ich mir.
Gesundheitsreform und nicht Krankheitsreform heißt es.
Die Industrie verdient über die Angst vor Krankheiten und verkauft entsprechend. Gesundheit wird als der Zustand als die Abwesenheit von Krankheit definiert. Und nie umgekehrt. Wer sich Krankheit leistet, soll auch dafür zahlen. Wenn dann was außer der Eigenleistung noch übrig bleibt, das wird später bei der nächsten Gesundheitsreform noch weg reformiert. Keine Chance den Krankenkassen-Schmarozzern. Die nagen denen gleich Nagetieren (wie Ratten) die Gewinne weg. Gesundheit muss sich wirtschaftlich lohnen. Krankheit tut es nicht. Nie.
Auf den Weg nach Hause denke ich nochmals über meine Leidenschaft für MENTOS nach und den Augenblick, als ich das MENTOS herzhaft zerbeißen wollte. Ist schon recht, dass ich dafür jetzt zahlen muss. Es wird das letzte für mich gewesen sein.
Für meine künstlichen Schneidezähne zahle ich ja immer vierstellige Summen, nur weil ich als Kind einmal auf Glatteis ausgerutscht bin. Selbst schuld. Was musste ich auch damals Fangen spielen.
Der Zahnarzt im Nachbarort hatte mir unter lokaler Betäubung die Wurzel des Schneidezahns abgetötet. Der andere war schon tot. Mit einem Bunsenbrenner hatte der noch vor meiner Nase rumgefuchtelt. Spaßig fand ich das nicht. Geschmerzt hatte es auch. Trotz der lokalen Betäubung. Und für die Öschis, die er mir damals eingesetzt hatte, wurde ich nachher wegen meinem Aussehen der Frontzähne in der Schule „Häschen“ gerufen. Der Zahnarzt meinte dazu nur, die müssten so sein. Das trägt man so.
Mit Achtzehn erhielt ich meine neuen zweiten Dritten. Passend zum Tanzkurs. Das hatte mir aber auch keine Vorteile bei der Damenwelt verschafft.
Zwanzig Jahre später erhielt ich neue. Meine jetzigen aktuellen.
Und jetzt verabschiedet sich ein Backenzahn.
Ich werd‘ alt.
Da gibt es von Bob Dylan das Lied „Forever joung“.
Vorhin hörte ich die Cover-Version davon von der Gruppe BAP.
Für immer jung.
Schöner Soundtrack zu meiner Situation.
Für immer jung.
Ich wünscht, meine Zähne könnten es bleiben.
Schließlich würd ich doch gerne später mal herzhaft damit ins Gras beißen können.
Andererseits Zahnlose haben größere Zungenfreiheit. …
Op dat ding Häng immer ze dunn hann, dat du dich wehrs, wenn dir jet stink,
dat du dir joot merks, wo du herküss un wo ding wohre Fründe sinn.
Op dat dieh Häzz immer enn Dur schläät, singe Takt hällt, singe Schwung,
dann blievs du für immer jung.
Für immer jung, für immer jung,
dann blievs du für immer jung…
Übersetzung:
Auf dass deine Hände immer zu tun haben, dass du dich wehrst, wenn dir etwas stinkt,
dass du dir gut merkst, wo du herkommst und wo deine wahren Freunde sind.
Auf dass dein Herz immer in Dur schlägt, seinen Takt hält, seinen Schwung,
dann bleibst du für immer jung.
Für immer jung, für immer jung,
dann bleibst du für immer jung.
Warum erinnert mich das Lied ‚Four Minutes‘ von Madonna und Justin Timberlake vom Aufbau und Beat her an das erste Lied von jener Popstar-Gruppe ‚BroSis‘ (oder so ähnlich geschrieben)? Irgendwie erscheinen die mir verwandt. Hm.
Mal so auf die schnelle:
Da es ja heute in allen Medien rauf und runtergenudelt wurde, dass Bill Kaulitz von „Tokio Hotel“ an seinen Stimmbändern operiert wird (… jetzt wird ihm die Stimme nachträglich nochmal gebrochen … :> ), gibt es für alle TV-Kabel-Empfänger Deutschlands nur eine Programmempfehlung:
Schaltet das WDR-Fernsehen heute ab 19:00 ein. Die werden sicherlich darüber berichten, dass die schon seit letzter Woche für dem ersten Tournee-Auftritt campierenden Kiddies jetzt ihre Zelte in Dortmund abbrechen müssen. Dort sollte „Tokio Hotel“ am 31. März auftreten und schon letzte Woche berichtete der WDR über dafür bereits campierende Kiddies. Diese hatten in perfekter Organisationsmanie Listen erstellt gehabt, die am 31. März beim Einlass garantiert hätten, wer zuerst in den Konzertsaal rein hätte dürfen.
Ich wette, der WDR wird jetzt frierende, verheulte Kiddies zeigen, die über die Verschiebung des „Tokio Hotel“-Konzertes lamentieren werden. Und uns TV-Glotzern bleibt die Schadensfreude in der wärmenden Wohnstube vor dem heimischen TV. Live-Comedie der deutschen Art at its best.
Das ist dann fast so schön wie jener Tag, als Robbie Williams „Take That“ verließ und es diese Nachricht bis in die nächtlichen „Tagesthemen“ beim Wickert fanden … .
It’s showtime: Meine TV-Empfehlung für den gepflegten Sadismus. :>
Es ist amtlich (… auch wenn es kein Amt dafür gibt …)
Der Schnuffel-Kuschel-Song hat den ersten Platz der Single-Verkauf-Charts erklommen.
Noch vor Leona Lewis, Stefanie Heinzmann, No Angels und Fettes Brot.
„Du bist mein allerliebster Schatz!“ dröhnt es Land auf, Land ab.
Passend zur Hasenzeit. Passend zu Ostern. Haseneierjagdsaison …
Nur, wer kauft sich denn sowas?
Animiert durch andere Erfahrungsberichte hatte ich mich im Saturn strategisch günstig positioniert. Eine Stunde lang. Kein Käufer. Aber bei den anderen vieren wurde doch die ein oder andere CD rausgenommen.
Diese Verkleisterung der Gehörgänge aus den permanenten Sturm-und-Drang-Perioden der Jamba-Musik-Ingenieure schreit nach gnadenlosen Parodien.
Beim Sender 1 Live in der Comedy-Rubrik finden sich inzwischen schon die ersten Versionen. Die Ramstein-Version ist definitv die beste.
Einfach obigen Link anklicken und reinhören.
Ach ja, wer den originalen Schnuffel-Hasen-Song gekauft und/oder geladen hat, möge sich melden!
Hier im Kommentarbereich! Und wer diesen Song mag, ebenso!
Outet euch hemmungslos!
Schliesslich ist das der momentan meistverkaufteste Song!
Nur noch Restexemplare bei Amazon:
Okkulte Stimmen – Mediale Musik . Recordings of unseen Intelligences 1905-2007 (Aufnahme ungesehener Intelligenzien 1905-2007)
Für EUR 39,80 statt EUR 39,95. Also 15 Cent Ersparniss.
Nur noch 3 Cds verfügbar! Also jetzt bestellen.
Sollte es die CD nicht mehr geben, erst dann einfach mich anschreiben. Aufnahmen ungesehener Intelligenzien habe ich dutzendweise hier rumfliegen. Leer-CDs, die ich gerne mit Stille für Euch bespielen werde (incl. CD-Bedruckung). Und als Sonderpreis kriegt Ihr sie von mir für 20 Euro (inkl. Verpackung und Porto) …
Na, dann mal los und abwarten, bis die drei CDs bei Amazon verkauft sind …
Eine Szene aus Milos Formas Film „Amadeus“:
Mozart liegt vornüber auf dem Billardtisch gebeugt, schiebt mit rechts eine Billardkugel über den Filz und notiert gedankenverloren die Noten zu der Musik, die er gerade hört. Ein Klopfen an der Tür reißt ihn aus dem traumhaften musischen Zustand.
Eine Szene aus dem Film „Bladerunner“ von Ridley Scott.
Deckard erwacht. Rachel spielt offenbar ein paar Noten auf dessen Klavier in seiner Wohnung. Erstaunt müht sich Deckard unter Schmerzen von seiner Liege und geht zum Klavier, schaut aufs Notenblatt und meint erstaunt: „Ich habe Musik geträumt.“
Eine Zugfahrt kann langweilig sein. Die Landschaft zieht monoton an einem vor dem Fenster vorüber. Der Blick fällt auf Gleise, Gebäude und Güterwagen. Vor Jahren hatte noch das eintönige Rumpeln der Schwellen seine Begleitmusik für die IC- und EC-Züge gestellt. Jetzt ist es nur ein Rauschen.
Zwangsläufig langweilig?
Die „Chemical Brothers“ hatten im Jahre 2001 ein verblüffendes Musikvideo erschaffen. „Star Guitar“ heißt deren elektronisches Stück und geht zusammen mit dem Video eine kongeniale Partnerschaft ein. Rhythmus und Bilderflut ergeben eine Gemeinschaft, die sich gewaschen hat.
Einfach zuschauen und zuhören.
Alt, aber ein meisterhafter Musikclip.
Musikträumen …
Für Interessierte von Musikaufnahmen mit dem Computer:
Es gibt viele Möglichkeiten Radiosendungen aufzunehmen. Mit einem Kassettenrekorder direkt vor den heimischen wummernden Boxen, mit einem Kabel vom Tuner aufs Tapedeck oder gar zu seinem PC über den Audio IN-Stecker.
Naja, da eine Reihe von Radiosender inzwischen ihr Programm übers Internet auch online geschaltet haben, gibt es eine einfachere Sache. Man schneidet sich den den Stream auf den PC mit.
Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder man greift sich mit einem Sonderprogramm die Soundausgabe der Grafikkarte ab, wandelt und schneidet das Ganze als MP3 um oder …
Vormals hatte ich für das problemlose Mitschneiden von Radiosendungen im Internet onlineTV verwendet.
Heute bin ich auf ein Programm gestoßen und das hat mich doch schon recht stark begeistert. Das Programm heisst „ClipInc.vier!“.
„ClipInc.vier!“ ist recht unkompliziert aufgebaut und nimmt all das auf, was von einem selbst gewählten Radiostream aus dem Internet ausgegeben wird.
Wobei, das stimmt nicht mit dem „einem“. Es kann von bis zu drei Radiosender gleichzeitig aufgenommen werden. Es ist ohne Probleme über die integrierte Timeshift-Funktion möglich, auf den drei Sendern hin- und herzuspringen und dann mittels der Timeshift-Funktion das bereits gesendete Programm stichprobenartig quer zu checken. Die aufgenommene Musik-/Programmstücke werden abhängig vom Radiosender bereits vom Programm so vorbereitet, so dass diese nur mit einem Mausklick abgespeichert werden können.
Desweiteren werden noch Infos zu Titel, Alben, Künstler und deren Historie, Songtexte und Coverbilder angeboten, die ebenfalls einen Mausklick entfernt aufrufbar sind. „ClipInc.vier!“ nennt dieses System „Mashup“ und es funktioniert recht gut und brauchbar. Viele Radio-Sender liefert das Programm bereits in einer Liste mit.
Das Programm ist freeware und übersteigt meiner Meinung locker den funktionalen Umfang von onlineTV. Insbesondere das Aufnehmen von drei Radiosendern gleichzeitig finde ich schon beeindruckend.
Ach ja, eine DSL-Flatrate ist für so ein Programm ratsam und unerlässlich. Eine Stunde Aufnahme einer 128 kbps-Sendung (z.B. EinsLive) erzeugt dabei eine ca. 50 MB große MP3-Datei auf dem Rechner.
Das Programm „ClipInc.vier!“ kann hier direkt herunter geladen werden.
Meiner Meinung nach lohnt es sich.
Vielleicht liest sich deswegen mein Post jetzt wie kritiklose Werbung pur, obwohl ich es nicht so meine und trotzdem fast eindeutig anders handle …
Aber „ClipInc.vier!“ finde ich schon ein recht imposantes Stück freeware-Software.