Wer nicht hören will, wühlt in fremden Haufen


Ein Gedanke entwickelte sich mir beim Lesen von Jules von der Ley (Trithemius) Blog-Feuilleton-Artikel „Wie alles angefangen hat – ein Ohrenzeugenbericht“: eine Person spricht, die nächste spricht lauter, um dessen Stimme über die der ersten Person zu lagern, was eine dritte Person als Anlass nimmt, seine Stimme über die der zweiten zu legen, während die vierte Person in Folge die dritte übertönt, was die erste Person zu Anlass nimmt, die vierte zu übertönen.

Das Ganze müsste logischerweise in einer brutal akustischen Rückkopplung enden. Klappt aber nicht. Die Biologie hat dem Menschen ungerechterweise stimmliche Grenzen gesetzt. Ist nicht fair, ist aber so. Weswegen diese Grenzen sich auch letztendlich auf Konzerten mit „Brüll-Techno“ im Stile von H. P. Baxxter („How Much Is the Fish?„, „Hyper Hyper„, etc. von Scooter) manifestiert hatten.

Es mag viele Leser geben, die dabei gähnen werden, und müde abwinkend erklären, dass der „Brüll-Techno“ von den teilnehmenden Bands des Wacken Open Airs (seit 1990) stimmlich abgekupfert wurde.

Nur Jules analysierte hierbei profunder, erheblich grundlegender: Diskotheken, Waken Open Air und Brülltechno lassen sich eindeutig auf eine Gruppe von vier Personen zurückführen, die in ihre eigene Stimme verliebt sind und jenes in einem Café ausleben. Somit wären also alle nachfolgenden, rebellenhaften Veranstaltungen entmystifiziert und auf jenen simplen Kaffeeklatsch unserer Mütter und Bierstammtische unserer Väter rückgeführt. Eine ganze Generation von Schrei-Rebellen entmystifiziert. Schön ist das nicht, nicht wahr. Wie soll denn dann rationale Pubertät funktionieren, wenn die Jugend das Gleiche unter gleichen Vorzeichen in stimmlicher Verausgabung mit Hoffnung auf Differenzierung so etwas durchführt? Pubertät ist, wenn Eltern Probleme mit ihren eigens Erzogenen haben. Alles andere wird sowieso eh als Jugendkriminalität klassifiziert.

Eigentlich.

Und uneigentlich?

„Uneigentlich“ beginnt alles mit einem Wort des dialektischen Widerspruchs. Am Anfang war das Wort. Sprach schon Herr „Bibel“: Bestsellerautor, welcher auf keiner SPIEGEL-Shortlist verzeichnet ist; bitte nicht verwechseln mit dem Autor Herr Bebel, Vorname August – gültig auch im Oktober -, bereits tot (gültig zeitlos) und beerdigt (gültig für einen Verein namens SPD punktuell zeitweise), jener seines Zeichens einer Partei in Deutschland zugehörig gerechnet, einer Partei, welche mit der näherkommenden 5-%-Hürde kämpft …. hab ich eine Lästerung vergessen? .. ach ja, er war nicht Hedonist …  …

Moment. Ich bin komplett und total abgeschwofelt, äh abgeschweifelt. Oder irgendwie grammatikalisch so …

Also.

Jener Herr Bibel (nicht „Bebel“) erwähnte damals bedeutungsschwanger das Wort „Logos“. Das Wort wurde knapp vor nach der Sintflut pränatal abgetrieben. Beteiligt waren daran weite Schichten der Überlebenden (Säugetiere, wirbellose Tiere, Insekten, Amöben und exakt zwei ahnungslose Menschen) nur irgend erheblich meine privaten Interpretation nach in jenem Land, wo so etwas ein absolutes No-Go ist.

Also wohl eher Logik …

(… uff; ein Danke den reichhaltigen Lesern meines Blogs, welche mir blind und unbedarft folgen und unnachdenkenderweise zustimmen und durch die nicht-Kommentar meinen verschwurbelten Gedankengängen nachgerade zustimmen …)

… bei der man entspannt ein „woll“ hinterher schiebt. Meiner Sprache ist es halt kein reines Hochdeutsch. Das muss man mir als komplett unintegrierter, halbschlesischer Ausländer der mitteleuropäischer Hemisphäre einfach bitte mal nachsehen. Konkret ausgedrückt, ist das das, wenn sich in einer U-Bahn jemand in persönlicher Beziehung mit seinem eigenem Handy unterhält, ich es nicht als braver Bürger auf einem DIN-A4-Zettelchen protokollieren kann.

Logisch.

Woll.

Voraussetzung ist, dass der Gesprächspartner jener Person nicht gegenüber sitzt, sondern überhaupt nicht im gleichen U-Bahn-Wagon. In den Zeiten, als es noch kein Handy gab – die Leser meines Blogs im Teenie-Alter (Quote jener Leser: –0,00001%) werden wohl jetzt ganz verwundert aufmerken –, als es noch kein Handy gab, hatte es maximal nur Telefonzellen außerhalb den eigenen vier Wänden. Also jenes Zeitalter, als Internet nur in gewissen amerikanischen Verteidigungsinstitutionen existierte und in den hiesigen Universitäten noch eine exotische Geschichte war. Auf Telefonzellen klebten damals immer zwei Aufkleber: der eine lautete „Wer die Telefonzelle beklebt, wird angezeigt“ und der andere lautete „Fasse dich kurz“ (bezog sich nicht auf das Aufkleben von Aufklebern).

Ich erinnere mich daran nicht nur, weil Alfred Tetzlaff eine anrufbare Telefonzelle vor seine Haustür hatte, die sich in inniger Feindschaft mit Frau Suhrbier teilte. Und eben dort klebte auch in der Fernsehserie der Aufkleber „Fasse dich kurz“, welcher den kleinwüchsigen Alfred Tetzlaff erregte …

… okay, ich schwelge in unwichtigen Erinnerungen, also weiter …

… wo war ich stehen geblieben? Bei welchem Hölzcken auf Stöckzcken? …

Uneigentliches?

Telefonie.

In den 80ern telefonierte ich häufiger mit Brasilien. Die Leitungen waren erstens analog und zweitens schlecht. Dazu muss man wissen, dass analog nicht gleich schlecht ist und digital nicht automatisch gut, auch wenn digital besser sein kann als analog, aber analog nicht schlechter sein muss als digital (… wer stellt hierzu die mathematische oder booolansche Gleichung auf? …).  Inzwischen sind digitale Leitungen allerdings so gut, dass die Telefongesellschaften in Gesprächspausen der Teilnehmer ein Kunstrauschen einflieseln lassen, damit die Gesprächsteilnehmer erkennen, dass die Verbindung noch existiert. Denn digital kann bei Sprachlosigkeit der Teilnehmer schon manchmal richtig brutal rauschfrei sein.

Lange Rede, kurzer Sinn: interkontinentale Telefonleitungen waren vor paar Dutzend Jahren  immer irgendwie verrauscht. Und jenes Rauschen konnte die Stimme auch mal locker übertönen, was mit erhöhte Lautstärke beim Sprechen oder Schreien in den eigenen Telefonhörer kompensiert werden konnte. Ein bekannter Studienkollege in Aachen wurde von seinem wütenden Nachbarn zusammengefaltet, weil er es einmal im Gespräch mit Brasilien zu Hause zu laut telefonierte, damit er in Brasilien verstanden wurde (Stichwort: Papierwände in einer Altbauwohnung).

Nochmals:

Langer Rede kurzer Sinn: immer wieder begegne ich Menschen, die laut in ihr Smartphone reden, so dass jeder mithören muss, weil die Telefonierenden meinen, Entfernung zum Anrufenden wäre proportional mit der eigenen Stimmlautstärke telefonischerweise zu kompensieren.

Und dann denke ich mir: „So laut wie die Person redet, die hätte nicht anrufen müssen. Die andere Person hätte jene von hier aus sowieso verstanden“.

Und wie von Zauberhand kam mir letztens bei so einem Gespräch einer anderen Person der Gedanke, warum die Geheimdienste so viel Geld in Abhörtechnologie investieren, wenn eh die ganzen Technologie-nicht-Verstehenden in die Hörermuschel ihren Brüll-Techno veranstalten. Aber dann fiel mir rettenderweise eine Volksweisheit ein. Und das zuvor gedachte war mir total wumpe und knorke:

„Wer flüstert, der lügt.“

Mit einem Mall fand ich George Orwells „1984“ , NSA und Hörgerätehersteller wieder völlig sympathisch.

Leise hatte ich zu meiner hirnrissigen Idee in der U-Bahn meinen Banknachbarn gefragt. Der schaute mich seltsam an und äußerte seine Meinung, nicht zu wissen, was ich meinen wollte. Maliziös fragte er mich, was denn wohl ich gefragt hätte, denn wegen dem Laut-Telefonierer von Gegenüber hätte er mich nicht verstanden, meinte er …

Die U-Bahn hielt. Von meinem Platz beobachtete ich die Routine, sitzend bleibend: die Türen öffneten sich, blieben eine Weile offen und danach ertönte ein durchdringender Piepton und eine Stimme erklärte eindeutig für jeden vernehmbar im wunderbarsten Hochdeutsch in Bayern:

„Verrückt bleiben, bitte.“

Ich stieg nicht aus. Mein weißes Jackett ließ es nicht zu. Und die achtzehn Pfleger um mich herum und deren blauen Pillen, die ich dauernd mit BullWodka zu schlucken hatte, danach auch nicht.

That’s life.

Live.

 

2017-10-07 02_04_56-Störlem Shake - the next Level - YouTube.png

Anmerkung zum verlinkten Video:
der Karikaturist Dieter Hanitz zu Beginn des Videos, links vorne, sitzend

Anmerkung zum verlinkten Video:
der Karikaturist Dieter Hanitz zu Beginn des Videos, links vorne, sitzend

 

Nicht für die Schule, sondern fürs Leben …


Knopf drücken, Klacken vernehmen, Pappschuber herausziehen, leicht zusammendrücken, Innenteil in die Hand rutschen lassen, Deckel abnehmen, Scheibe vorsichtig aus dem Innenteil rutschen lassen, Mittelfinger aufs Loch, Handballen am Rand, Innenteil ablegen, Scheibe zwischen den beiden Handballen kurz drehen und prüfend das Schwarze mustern, Staub leicht abblasen, dann Loch durch Bolzen, vorsichtig, leicht drehen, Rotation einstellen, Hebel umlegen, Arm anheben, rüberführen und Nadel dann mittels der Absenkvorrichtung langsam auf den Rand absenken, beobachten wie die Nadel in die Rille einfädelt, Knistern hören und sehen wie Nadel in das Meer der Rillen in den See der Erinnerungen sticht … Weiterlesen

Was ist Zeit? Wird alles anders?


Du kommst nach Hause,
legst deine Füsse hoch,
schüttest dir ein Glas Chardonnay ein
und sinnierst darüber nach,
was an diesem Tag geschehen war,
warum es gelaufen ist, wie es lief,
warum Traum und Realität ein Abgrund trennt,
öffnest die Augen und stellst irritiert fest,
dass du dir kein Wein, aber schales Bier eingeschenkt hattest,
schaust in die Firmen-Emails und grübelst,
denkst an den vergangenen Tag,
daran, was sich geändert hat,
daran, was das Leben macht,
daran, was du lebendig geändert haben möchtest.
Und dann summst du das kleine feine Lied …

Ja ich weiß es war ne geile Zeit, uns war kein Weg zu weit du fehlst hier …

Zum ECHO-2012 für sein Lebenswerk


Dem Niedecken zum Lebenswerk der ECHO – entdeckt in der „Ständige Vertretung“ Berlins am Tage nach der ECHO-Verleihung
von Kölsch-Trinker zum Kölsch-Trinker:

Ming Jlöckwunsch, Wolfgang Niedecken!

Echo-Gewinn

(Foto aufgenommen am 23.3.2012 in der „Ständige Vertretung Berlin“)

Unseren täglichen Ohrwurm gib uns, Leute …


umdada, umdada,
umdada,
uh ah
umdada, umdada,
umdada,
uh ah
umdada, umdada,
umdada,
uh ah
haaaaa, huaaa, huahuaaaa, hhhahahh
haaaaa, huaaa, huahuaaaa, hhhahahh
haaaaa, huaaa, huahuaaaa, hhhahahh
umdada, umdada,
umdada,
uh ah
umdada, umdada,
umdada,
uh ah
umdada, umdada,
umdada,
uh ah

Was das ist?
Nein, nix DADAismus.
Neee, das ist nur ein mistiger Ohrwurm.

Irgendso eine Pommesbude in so einem Fetenfeierviertel Münchens meinte gerade diesen Ohrwurm spielen zu müssen. Und jetzt bin ich schon seit Stunden mit Ohrenwattestäbchen dabei mir den Drecks-Ohrwum aus den Gehörgängen zu pulen. Und es klappt nicht.
Worum es sich hierbei handelt?
Um Roland Kaisers

Santa Maria,
Insel die aus Träumen geboren
Ich hab‘ meine Sinne verloren,
In dem Fieber, das wie Feuer brennt.
Santa Maria,
Nachts an deinen schnee weißen Stränden
Hielt ich ihre Jugend in Händen
Glück für das man keinen Namen kennt.

Was?
Ihr kennt es nicht?
Dann mal hierhin klicken!

Und hier noch das Original der Gebrüder „Oliver Onions“ im Grundton eine halbe Oktave tiefer, dafür im Gesang höher als „Modern Talking“:

Was ist also lieber? Pest oder Cholera?
Die „Heilige Maria“ von „Olivers Zwiebeln“?
Oder der „Schnitzelwagen“-Song von Roland Kaiser („Wittelsbacherstr. 18, 1000 Berlin 31“)?

Apropos „Schnitzelwagen“-Song. Ein Verwandter von „Der weiße Neger Wumbaba“. Wer es nicht weiß, was damit jetzt überhaupt gemeint ist, sollte das Video zu der Zeit-Stelle 0:55 vorspulen und kann dann eindeutig die Textstelle

„den Schnitzelwagen“

identifizieren.
Oder sich das hier herunterladen und in Ruhe mehrfach anhören:

Und das mit dem „Neger Wumbaba“, das ist ein Buch.

Wie gut, dass ich das jetzt für mich gefunden habe.
Das macht das Ohr frei.
So.
Jetzt geht’s mir schon besser …
Ein Ohrwurm weniger.

By the way:
He, noch mehr Wumbaba-Verständnisse hier: Link
:)

Blogereiblockade


Es kommt nichts.
Es kommt überhaupt nichts.
Da sitzt man im Biergarten und wartet auf einen Gedanken. Nur einen einzigen. Für den eigenen Blog.
Aber es kommt einfach nichts.
Doch. Die Bedienung kommt. Und bringt was. Den Mass eisgekühlte Spezie. Aber sonst nichts.

Und dann kam er.
Von der anderen Straßenseite her.
Wie ein Maikäfer.
Wie bei Polt.
Zuerst hat er sich aufgepumpt. Und dann sah ich ihn sich in die Lüfte erheben. Ein wenig unsicher. Nach links, nach rechts schwankend. Aber dann zielstrebig. Die Straße direkt überquerend. Direkt auf mich zu hielt er. Er propellerte sich immer näher. Er hatte den Mittelstreifen erreicht. Ich konnte schon den Odem des Gedanken spüren. Das dumpfe flatternde Geräusch wie er sich näherte. Und dann kurz bevor er den rettenden Bürgersteig erreicht hatte, …

woooooosch

… kam der Porsche. Es machte ein knuspriges Knatsch und der Gedanke zermaschte auf der Windschutzscheibe des schwarzen davonhastenden Porsches.

Und wieder sass ich da und wartete.
In den Bierkrup mit meiner Spezie schaute ich. Und entdeckte nicht den Hauch eines Gedankens.
Luftbläschen sprudelnd spritzend befeuchteten mein Gesicht. Aber kein Gedanke meine Phantasie.
Die feuchten Kohlensäurespritzer meiner Spezie auf meiner Gesichtshaut, das waren wie Wassertropfen auf den heißen Steinen einer Wüste. Darauf konnte nichts wachsen.

Elende Ödnis.
Kein anregender Gedanke weit und breit.
Nicht mal eine holde weibliche Muse lachte mir ins Gesicht.
Nichts aber auch gar nichts.

Und dann diese Musik.
Dieser Ohrwurm.
Und jener Süd-Waliser Paul Potts.
Wahre Blogger kannten den schon, als der gerade seine ersten Töne der Turandot-Arie „Nessun Dorma“ von Puccini hervor quetschte, dann in Folge Publikum und Juroren zu Beifallsstürmen hinriss.
Wahre Blogger mussten beim ersten Ausstrahlen der „Deutschen Telekom“-Werbung nur gähnend schreiben: „Im Westen nichts neues.“

Alle anderen waren beeindruckt und begeistert und schauten zum ersten Mal die Dokumentation im Internet auf Youtube.com an.
Kriegten das Gänsehaut-Feeling nachträglich.
Bei jedem erneuten Schauen.
Und schauten schon bei der Telekom-Werbung schon nicht mehr bis zum Ende, um jenes Telekom-Dschingel mit dem verdammt hohen Wiedererkennungswert, jenes dumme, dumpfe „pling-plimm-pling-plimm-pling“, nicht hören zu müssen.

Die Werbung geht, aber der Ohrwum wird bleiben.
Und weiter sitze ich vor meinem Liter Spezie und versuche „Nessun Dorma“ zu summen, zu klopfen, auf dem Holztisch zu schrammeln. Aber nichts kommt. Nicht einmal die Worte. Aber die Musik, sie rauscht durch meinen Kopf, wie stürmische Wellen an einem einsamen Strand.
Weit und breit kein Mensch.

Allein.
Nur ich und der Ohrwurm.
Und kein Gedanke.
Nicht den Hauch davon.
Nichts für den Blog.

Schaffenspause?
Blogblockade ….

_____

Nessun Dorma

Zum Heulen oder zum Heulen schön?


Da kommt ein Freund vorbei und legt mir ne CD hin.
„Hör dir das mal an!“
Ich starre auf das Cover.
William Shatner „Has been“.

Nun ja.
Eigentlich kenne ich William Shatner nur als „Captain Kirk“, der mit „Spock“, „Pille“ und „Scotty“ unendliche Weiten im Weltall durchwanderte und dahin ging, wo kein Mensch zuvor gewandert war. Vorzugsweise war das damals in den 70er als ZDF-Konkurrenzprogramm der ARD-„Sportschau“. Ich konnte nur immer Happen der Serie sehen, weil da immer zwei waren, die einfach umschalteten.
„Schalt diesen Quatsch ab! Wir wollen „Sportschau“ sehen!“

Der „Sportschau“-Imperativ eines Sonntag abends in den 70ern. Danach hatte sich das Abendessen zu richten.
Und wenn dann die Netzers, Breitners, Beckenbauers wieder in ihren Umkleidekabinen befanden und die Ernst Hubertis mit strengem ordentlich sauber gelegtem Linksscheitel ernsthaft alles zu Ende analysiert hatten, dann wurde das Programm endlich umgestellt. Aber dann lief bereits „heute“ und Kirk und Co. waren in den unendlichen Weiten des Fernsehweltalls entschwunden.

In den 90ern konnte ich dann mit einem eigenen Fernseher und Muße mir alle verpassten Folgen nachträglich reinziehen. Dutzend Male der Satz „Er ist tot, Jim“ oder „Ich bin Arzt und nicht Schiffsingenieur“ oder „Ay, ay, Sir“ oder „Faszinierend“.
Oder wer kennt die lustige Serie mit dem „Tribbles“, jene Wuschelwesen, die die ganze Raumschiffbesatzung zum Knuddelwahnsinn trieben?
Oder als Kirk ins Raumschiffprotokoll ein entnervtes „Der Computer spinnt“ abgab, weil dieser Schiffscomputer plötzlich seine weibliche Seite entdeckte und mit Kirk flirten wollte?
Selbst jene in Deutschland nie ausgestrahlte Folge als Kirk und Co in Nazi-Uniformen durch die Szenerie marschierten, sah ich viel später.

Und jetzt lag da diese CD vor mir.
William Shatner „Has been“.

Das vulkanische Spitzohr „Mr. Spock“ (Leonard Nimoy) hatte gleiches auch mal versucht und gruseliges Lachen bei seinen Fans ausgelöst. Selbst William Shatner hatte sich vor knapp 40 Jahren als Musiker versucht gehabt und durfte sich des Mantels der Verschwiegenheit der Musikgeschichte sicher sein.

Mag Shatner auch ein Schauspieler sein, der inzwischen verdientermaßen genügend Nominierungen für die „Goldene Himbeere“ abgestaubt hat, so ist er nicht unbeliebt.
Er ist unsere Vergangenheit der Kindheit, der in „Yehaw“-Cowboy-Manier für uns dahin ging, wovon wir immer träumten: Jede dritte Seriefolge eine neue Frau abgeschleppt, egal ob grün, gelb oder mit Schwanzflosse. Jede dritte Serienfolge den Draufgänger spielend. Und jede dritte Serie der verständnisvolle Mann.
Unser Held.

Und jetzt die CD.
Die CD ist schon älter. Offenbar 2004 erschienen. Zögernd schiebe ich sie ins Laufwerk, Kopfhörer auf und den PLAY-Knopf des Players gedrückt.

Nun, ernsthaft. Ohne grundlegende Englisch-Kenntnisse geht es bei der Musik doch nicht. Wer kein Englisch versteht, der braucht sich die CD gar nicht erst zu Gemüte führen, denn es entgeht ihm mehr als nur die Hälfte.

Es fängt mit der Cover-Version von PULP an.
Ich wackle mit den Ohren unter dem Kopfhörer. Verdammt, was hat Shatner denn da gemacht?!
Er singt nicht wirklich zu der Musik. Er schauspielert den Text! Der Text ist dabei nicht unwichtig, wenn Shatner textlich Geschwindigkeit aufnimmt und am Ende dann die Bremse auch textlich angepasst zieht. Der Inhalt des Textes (für die, die ihn nicht kennen): Mann trifft Frau aus Griechenland und sie erklärt, dass sie ein ganz normales Leben führen möchte und mit ganz normalen Menschen schlafen möchte. Und er fragt sie verdattert, ob sie wirklich ernsthaft das tun möchte, mit gewöhnlichen Menschen zu schlafen. Was bei Pulps „Common People“ wie ein selbsterklärtes zynisches Lebensmotto einer Frau daher kommt, fährt durch Shatner als prominenter Schauspieler auf der Schiene „Person des öffentlichen Lebens ist überrascht, wie normal das Leben einfacher Menschen sein kann“.

Und diese Selbstironie mit einem eigenartigem Spott pflanzt sich durch die ganze CD hindurch. Geht auch über Tragik und Selbstkritik ohne jede Peinlichkeit.
„Common People“ (begleitet durch Joe Jacksons Gesangstimme) ist übrigens die einzige Cover-Version auf dieser CD. Der Rest kommt aus Ben Folds Feder.

Und um gleich alle Befürchtungen zu zerstreuen. Shatner imitiert nicht mal singen. Er singt auch nicht wirklich. Er spricht den Text zur Musik. Oder neu-deutsch ausgedrückt: Er perfomed die Texte mit einem unheimlichen musikalischen Drive, ohne wirklich zu singen.

Die CD „Has been“ („War gewesen“) ist faszinierend und definitiv kein Müll.
Sie ist sicherlich der Versuch Shatners sich ein eigenes musikalisches Denkmal zu setzen. Und auch wenn es wohl möglich niemand mitbekommen hat, meiner Meinung nach hat er es geschafft.

Aber vor allem ist diese CD ein erneuter Versuch von William Shatner, sich dagegen zu wehren, dass in ihm alle nur den „Captain Kirk“ sehen. Auf einer „Startreck-Convention“ (regelmäßige Treffen von Raumschiff Enterprise-Fans) war er mal zu Besuch und hatte dem Publikum ein wütendes „Get a life!“ („Lebt endlich!“) entgegen geschleudert, als diese ihn seine Rolle des Captain Kirks auf ihn persönlich gänzlich überstülpen wollten und den Kosmos des Raumschiff Enterprise als real existierend voraussetzten. Die Trekkies nahmen ihm das übel, dass er sich so einfach seiner „Captain Kirk“-Rolle entledigen wollte.
Im letzten Lied REAL („Wirklich“) seiner CD „Has been“ sagt er dann auch:

„Ich habe die Welt in den Filmen gerettet […] Und während ein Teil von mir in dem Kerl ist, den du da oben auf der Leinwand gesehen hast, ich bin noch so viel mehr [..] Ich würde der Welt so gerne bei all ihren Problemen helfen, aber ich bin ein Unterhalter und das ist alles. Also, wenn beim nächsten Mal ein Asteroid oder eine Umweltkatastrophe passiert, dann fühle ich mich geehrt wenn du an mich denkst, aber ich bin es nicht, den du dann rufen musst. [… ]… Entschuldige, dass ich dich enttäuschen muss, aber ich existiere wirklich.“

Tja, Mister Shatner, dann will ich es mal versuchen.
Die CD ist zu Ende.
Ich bin positiv überrascht. Die Schublade vom CD-Player fährt raus und ich stecke sie zurück in ihre Hülle. Sie ist nicht das Meisterwerk des Jahrhunderts, aber doch ein verdammt gutes Kleinod der Pop-Geschichte aus der Ecke „Schauspieler versuchen sich als Musiker“.

Vorsichtig trage ich sie zu meinem Startreck-Schrein, öffne diesen und lege sie sorgsam zu den anderen Devotionalien, die ich inzwischen zusammen getragen habe:
Zu dem originalen Phaser, zu dem Spitzohr-Imitat, zu dem Communikatoren, den 6 Tribbles, dem Klingonen-Schwert und den baijurasischen Fix-Rebubator und den anderen Startreck-Kleinigkeiten, die ich mittlerweile bei Ebay ersteigert habe.
Langsam schliesse ich den Schrein wieder, verneige mich dreimal ehrfürchtig und murmel leise aber bestimmt:
„Captain Kirk, du bist genial!“
Dann gehe ich zu meinem bunt erleuchteten Ecke, schaue zum Schaltpult mit der lebensgroßen Startreck-Puppe und sage den alles entscheidenden Satz:

„Scott me up, Beamie!“

und es schloss sich der Vorhang der CD-Kritik …

-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*

„Und so sehen wir betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Lasse reden. Aber nicht im Radio.


Das deutsches Liedgut hat dem englischen einen Schritt voraus. Man versteht es. Und von daher ist sowas ja von jeher problematisch. Entweder ist der Text politisch nicht opportun ist, oder er ist schlichtweg Schrott. Es gibt halt solche und solche Liedtexte.
Bela B. und die Ärzte gehören eindeutig zu solchen. Deren Texte sprühen vor Leichtigkeit und zynischem Humor, dass es entweder dem Hörer eine Freude oder auch ein Leid ist. Mit ihrer letzten CD „Jazz ist anders“ unterstreichen die Ärzte mal wieder ihren Anspruch die „beste Band der Welt“ zu sein. Und dementsprechend haben die Ärzte ihre Auskopplung „Lasse reden“ veröffentlicht.
In vielen Radioprogrammen läuft das Lied jetzt rauf und runter.

Fast in jedem. Bis auf dem Sender „Antenne Bayern“.

Für Nicht-Bayer: Bayern hat vier Sender.
Da ist „Bayern 5“, der offizielle Informationssender aus der bayrischen Staatskanzlei für einheitliche Bürgeraufschlauung. Fast ohne Werbung und fast musikbefreit.
Da ist „Bayern 3“ für den staatstreuen Bayern mit Hang zu moderner Musik.
Da ist der mickrige Rest an Radiosendern für die ganzen Zugewanderten.
Und da ist der Musiksender „Antenne Bayern“, für all die netten Bazis, die auf gespielte Fröhlichkeit stehen und meinen, das wäre urig bayrisch auch ohne Dialekt.
Gemeinsam ist allen Musik-Sendern Bayerns, dass Lieder nie länger als 3 Minuten sein dürfen, Wortbeiträge weder über eins dreißig in der Zeit noch über BILD-Zeitungsniveau liegen dürfen und dass die Werbeblöcke viermal pro Stunde mindestens fünf Minuten dauern müssen.

Gestern fuhr ich in eine 70 km entfernte Nachbarstadt und das Radio plärrte vor sich hin. Bayern 3 ist musikalisch ne Seuche, die kleineren Stationen haben keine große Reichweite und da gerade „Antenne Bayern“ eingestellt war, die Auswahl zwischen Pest und Cholera nicht wirklich prickelnd ist und ich zudem absolut faul …
… tja, so kriegt wohl „Antenne Bayern“ seine Zuhörerzahlen, könnte man jetzt meinen …

Und irgendwann wurde dann ein Lied zuerst mit seinem Refrain und einem gekünstelt spontanem Dschingel als der Hitmix des Sommers angekündigt:
Die Ärzte mit „Lasse reden“.
Meine Spannung stieg, als das Lied gespielt wurde. Denn schließlich gehört „Antenne Bayern“ auch irgendwie zum Axel-Springer-Verlag, dem Herausgeber der BILD-Zeitung.
Und eine Liedzeile von „Lasse reden“ heißt:

Lass die Leute reden und lächle einfach mild
Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der BILD
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht
Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht.

Ich horchte brav zu und horchte und horchte … ich wollte die Liedzeile hören … ich horchte und horchte und horchte …

Naja, vielleicht war ich doch zu sehr vom Straßenverkehr abgelenkt und zusätzlich ein wenig zu müde. Ausreden hat der Mensch immer parat und so erschuf ich mir die Ausrede, warum ich gerade diese Liedzeile nicht hörte. Eigentlich wollte ich die wirkliche Wahrheit wohl nicht wahrhaben.

Heute morgen las ich dann beim Bildblog, dass ich mich gar nicht verhört hatte.
„Antenne Bayern“ hat die die BILD-Zeitung betreffende Liedzeile einfach herausgeschnitten.
Geschmacksbereinigt sozusagen.
Zensur?

Eigentlich sollte ich es ja besser wissen, denn ich hatte schon mal über „Antenne Bayerns“ Radioverständnis geschrieben und zwar hier.

Ich bereue es hiermit öffentlich „Antenne Bayern“ gehört zu haben. Jenen Sender, der mit vereinzelnten Wort- und Musikbeitragsblöcken zwischen der Werbung glänzt.

Oh Wanderer, kommst du gen Bayern dann lass dir sagen:
Meide gefälligst „Antenne Bayern“, wenn du auf 100%iges Wert legst …

Musik für nen faulen Sonntag abend


Irgendwie bin ich bei dem Lesen zu Informationen zur Gruppe BAP über eine myspace-Seite gestolpert.

Sie gehört Klaus „Major“ Heuser.

„Major“ war bis 1999 Lead-Gitarrist bei der Gruppe BAP und war das prägende Bandmitglied einer Musikrichtung, unter die BAP bekannt wurde. Als er ausstieg, machte er diverse Projekte (u.a.a. mit der Gruppe BRINGS) und brachte erst 2006 eine neue CD raus.

Auf seiner Myspace-Seite finden sich vier Beispiele seiner einfühlsamen Gitarrenkunst.

Anhören und genießen.
Der passende Soundtrack für einen Sonntag abend …

Zur Myspace-Seite: Link

Ein Lied für Europa


HURRA!

Platz 23!
Und das vor solchen unmusikalischen Ländern wie Polen und England!
12 Punkte aus Bulgarien und zwei aus der Schweiz!
Da habt ihr es, ihr dämlichen Österreicher! Ihr ward noch nicht mal letzter!
Die Alpen-Connection hat uns mal wieder – wie üblich – die verdienten 24 Punkte verweigert.
Nur, die Ost-Connection hat natürlich mal wieder unberechtigterweise die Russen auf Platz 1 gewählt.
Immer die Ost-Connection!
Immer!
Immer die!
Hm. Liebe EurovisionSongContest-Fans, dreht die Tabelle doch einfach um und feiert die ‚No Angels‘ als Drittplazierte.

Da werden die homosexuellen Männer und Frauen – Schwule und Lesben – nächstes Jahr in Moskau noch schwereren Stand beim EurovisionSongContest haben. Die Russen stehen auf Homosexualität noch weniger als die Belgrader. Die werden wohl schon mal deren Mob organisieren, um diese Homos in deren heterogene Sexualverhalten zu vergewaltigen.

Und ansonsten?
Wir rächen uns wie üblich. Beim Fußball. Diesmal bei der EM. Denn wer nicht singen kann, der muß ja nicht unbedingt den schweigsamsten 13ten Mann im Stadion haben …