Kinder, die auf Brücken starren

Unter Brücken, über Brücken, mit Brücken, auf Brücken. Ein Bauwerk zur Überquerung von Hindernissen.

Wenn er zur Schule wollte, dann hatte er regelmäßig mindestens eine Brücke zu überqueren. Er konnte allerdings auch wählen, gleich sieben Brücken zu passieren. Einige davon waren neutral, so dass er mit seiner Leeze kaum etwas verspürte außer einer Bodenwelle im Asphalt. Eine andere dagegen war für ihn sein „L’Alpe d’Huez“, seine Herausforderung, morgens wenn er noch müde sich abstrampelte, um rechtzeitig zur drei Kilometer entfernten Bushaltestelle zu gelangen, von wo er auf einem Stehplatz mit anderen Kindern im Gang des Bus eingezwängt in die 14 Kilometer entfernte Schule fuhr. Oder – wenn er den einzigen Bus verpasst hatte – über der Landstraße trampte.

Sein „L’Alpe d’Huez“ hatte den Nachteil des ihm unendlich lang vorkommenden Aufstiegs. Da half ihm auch seine Drei-Gang-Schaltung nicht, die Trittfrequenz zu halten. Die letzten zehn Meter zum Scheitelpunkt der Brücke quälten ihn morgens immer, besonders mit dem Tornister und seinen Büchern und Heften auf dem Rücken, das war ihm kein Spaß. Oben auf dem Scheitelpunkt der Brücke starrte er runter und sah kurz dem Verkehr der Autobahn zu, wie er unter ihm lärmend vorbei rauschte. Weiterlesen