Amerika sucht den next Top-Ayatollah (Die Drecksarbeit der Engel, Teil 2)

Habe ich eigentlich schon etwas zum neusten Krieg der laufenden Karnevalssession geschrieben? Nein?

Also. Erst einmal ist es kein Krieg. Es ist eine militärische Spezialoperation. »Krieg« wäre es ja nur, wenn ein Land dem anderen den Krieg offiziell erklärt. So wie letztens Pakistan dem Land Afghanistan. Der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif schrieb auf »X«: »Unsere Geduld ist am Ende. Nun werden wir einen offenen Krieg gegen euch führen. Jetzt wird das Feuer entfacht.«

Wir lernen: Es gibt »offene Kriege« und unoffene »Kriege«. Aber Hauptsache »Krieg«.

Die US-militärische Spezialoperation nennt sich »Epic Fury«. Übersetzt: eine keine Einzelheit auslassende Wut.

Wut. Kein Zorn. Kein Krieg.

Und wenn man in dem Land der ausströmenden Wut nachfragt, dann erfährt man, dass die anderen den Krieg der USA erklärt haben, indem sie deren militärische Stellungen und Botschaften beschossen haben. Die USA hätten nur zusammen mit Israel einen »Präventivschlag« ausgeführt.

Also kein Krieg. Aber der böse, böse Feind … also doch Krieg.

Falsch. Es ist immer noch das, was sich wie ein Energy-Drink aus dem Supermarkt anhört: »Epic Fury«. Fury in the slaughterhouse. Eine epische Wut im Schlachthaus des weggebomten Ayatollahs. Und jetzt sucht Amerika den nächsten Top-Ayatollah.

Nachdem Fritze Merz sich auf dem Sessel neben dem Donald, dem Größten der Großen, im Oval Office bequem gemacht hatte, fragte ein Pressevertreter, wen denn seine Hoheit Donald, den Fünf vor Zwölften, als neuen Machthaber für den Iran ins Auge gefasst habe. Dazu erklärte der so freimütige Donald (der Freimütigste aller Präsidenten überhaupt), dass den ersten, welchen sie ins Auge gefasst haben, den haben sie bereits totgebombt. Dann den nächsten potenziellen Kandidaten zur Machtübernahme, nun, den hätten sie ebenfalls bereits weggebombt. Aber sie hätten dann da noch eine dritte Gruppe … . Ich würde der dritten Gruppe empfehlen: Flieht! Oder ihr werdet zum Frühstück der Bomben der epischen Wut gefressen.

Und was ist mit dem Sohn des ehemaligen Schah von Persien? Nö, den sieht der präsidialste US-Präsident aller Präsidenten, nicht als fähig an. Vollkommen klar, vollkommen logisch, Donald, du sollst keine anderen Götter neben dir haben. Denn jeer Sohn könnte auch der Beelzebub werden, mit dem der Teufel ausgetrieben wurde.

Nur mal so angemerkt: Merz ist/war ohnehin unverdächtig, irgendeine Gottheit zu sein; also durfte Fritze sich im Oval Office neben Donald setzen; während den Fritze die Erzengel Pete, J.D. und Marco kritisch musterten, jene drei, die fernsehtechnisch zur Rechten seiner Gottheitgleichen Wesenseinheit „Donald“ saßen, während der Fritze – wie für alle üblich – zur Linken des Gottkaisers TheRealDonaldTrump geruhrte …

Amerika sucht den next Top-Ayatollah. Bei Trumps Neuauflage der Casting-Show „The Apprentice“ (Der Lehrling) ist dessen berühmter Satz »You’re fired!« bereits jetzt gefürchtet: Amerikas Kriegsminister Pete Hegseth erklärte der Presse, dass die USA keinen woken Krieg führen werden. Er wird nicht fair werden. Wenn der Feind bereits am Boden liegt, dann wird nochmals auf ihn eingeschlagen. Vorbild scheinen ihm die Bilder aus Minnesota zu sein. Wenn die ICE kaltblütig auf Unschuldige eingeprügelt hat, wenn Renée Good auf der Flucht erschossen wurde, wenn Alex Pretti wehrlos am Boden fixiert eiskalt erschossen wurde und die ICE-Opfer aktiv als terroristische Täter hingestellt wurden. Deswegen hat sich Pete Hegseth darauf besonnen, dass seine Behörde offiziell auch nicht mehr »Verteidigungsministerium«, sondern »Kriegsministerium« heißt.

Ein nicht woker, unfairer Krieg, das bedeutet auch, dass ordentlich vergewaltigt werden muss. Sonst wäre er ja woke. Die UN ist ohnehin machtlos, die neue Weltmacht heißt »Board of Peace« und diesem Rat steht Donald Trump der Vorsitzende auf Lebenszeit vor. Gottgleich. Sechs Tage schaffte das »Board of Peace« nach seiner ersten Gründungssitzung. Am siebten Tag ruhte es und der ewige Vorsitzende verfügte den „Präventivschlag“ gegen den Iran.

Und heute sind wir beim sechsten Tag. Rechtfertigungen für den »Präventivschlag« gab es dutzendfach. Und alle haben genickt und Merz hat genickt und dachte sich: »Irgendwer muss die Drecksarbeit doch machen, Frau Miosga.«

Kuwait hat auch ungewollt Drecksarbeit für den Iran gemacht: Drei amerikanische F-15E-„Strike Eagle“-Kampfjets mit Einzelwert von mindestens 100 Millionen Dollar wurden abgeschossen. Und damit hat Kuwait bewiesen, dass amerikanische Verteidigungssysteme den amerikanischen Angriffssystemen überlegen sind. Das wurde dann »friendly fire« genannt, »freundlicher Beschuss«. Wie erklärt man das? Am besten so: Wenn dein bester Freund deine/n Partner/in vögelt und dir und allen Umstehenden darauf erklärt, das wäre nur „freundlicher Beschuss“ und somit irrtümlich und erst recht kein feindlicher Akt gewesen. Du nickst und fühlst dich ausgiebig aufgeklärt.

Und jetzt? Tja, da tauchen die ersten Stimmen auf, dass die USA bald keine Munition mehr haben könnten. Echt? Vorsicht! Passt auf! Keine Munition mehr. Welch ein Risiko! USA, das ist DEFCON 1! Hat denn niemand mehr Grönland auf dem Schirm?!? Nicht, dass Grönland die Gelegenheit beim Schopf ergreift und einen Präventivschlag gegen die USA ausführt! Oder mittels Spezialeinheit, Donald Trump aus seinem Weißen Haus holt und bei sich in einigen der eisigen Gefängnisse einsperrt, um einem Erstschlag der USA zur Eroberung Grönlands zuvorzukommen?!? Von Donald lernen, heißt siegen lernen. Nicht, dass jetzt die NATO durch Waffenlieferungen den USA aushelfen muss, um deren frischen Aufbau einer neuen Staatsform Richtung Faschismus in deren Land von Wikingern, diesen Grönländern, torpediert wird.

Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne, und dafür braucht es Soldaten.

»Militat omnis amans et habet sua castra Cupido, Attice, crede mihi, militat omnis amans.« Wer ein Blender und Angeber von Gottes Gnaden sein möchte, der zitiert Ovid – am besten auf Latein. Und das habe ich gerade getan. Auf Deutsch heißt der ach-so-schlaue Spruch: »Kriegsdienst leistet, wer liebt, und Kriegspartei ist der Lustgott Cupido. Atticus, glaube mir nur: Kriegsdienst leistet, wer liebt.«

Tod und Krieg sind Geschwister. Nichts ist so aphrodisierend wie der Tod überhaupt. Nichts macht mehr harte Realität. Es ist fast wie Frischfleisch. Frag Donald, er kennt sich aus. Im Krieg wie in der Liebe scheint alles erlaubt. Nichts Wokes, nichts Faires, und wer am Boden liegt, kriegt noch extra ein ICEkaltes Nachtreten verpasst. Keine Beißhemmungen mehr. The American way of life according to Pete.

Selbst der oberste Militärmachthaber der USA ist darin erfahren. Von Epstein lernen, heißt siegen lernen. Seit der »epischen Wut« im Iran redet kaum noch wer von den Trump-Epstein-Akten. Er, der oberste Militärmachthaber der USA, kennt sich aus in Bezug auf Vergewaltigung. Verurteilt wegen Vergewaltigung, sich danach höchstselbst begnadigt und den Richter jagend. Gottgleich.

Sechs Tage »Präventivschlag« im Iran.

»Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.«

Morgen ist der siebte Tag.

»Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.«

Es wird sich Gott also ausruhen, eine Runde Golf in Mar-a-Lago spielen und danach in den von der blonden Pam Bondi (Leiterin des Justizministeriums der Vereinigten Staaten) vor den Augen der Öffentlichkeit geretteten, bereits über 10 000 veröffentlichten Dateien in Trump-Epstein-Erinnerungen schwelgen ( … genau jener Stoff, aus dem von Männern die Albträume für Frauen im Alter von 0 bis 100 Jahren hergestellt werden … ).

Und Gott wird alles ansehen, was er gemacht hatte. Und siehe, es wird ihm sehr gut erscheinen. Besser als das, von dem anderen, der es vor ihm gemacht haben soll. Denn schließlich ist er der Göttlichstere von beiden.

Oder wagt jemand woke, faire Gegenworte?

„Die Drecksarbeit der Engel“ Teil 1: https://provinzansichten.com/2025/06/19/zuruck-in-die-zukunft-fur-diejenigen-die-im-dreck-wuhlen/

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Und jetzt mal keine Satire, sondern lediglich die Übersetzung eines amerikanischen Nachrichtenartikels (Quelle: https:// newrepublic. com /post /207270/ military-leaders-iran-war-donald-trump-jesus-armageddon):

[…] Eine dieser Notizen enthielt eine Anekdote eines Unteroffiziers, der berichtete, dass ihr Kommandant sie „dringend aufgefordert hatte, ihren Truppen zu sagen, dass dies alles Teil von Gottes göttlichem Plan sei“, und er bezog sich dabei ausdrücklich auf zahlreiche Zitate aus der Offenbarung des Johannes, die sich auf Armageddon und die bevorstehende Wiederkunft Jesu Christi beziehen. Die Beschwerde des Unteroffiziers wurde laut Larsen im Namen von 15 Soldaten eingereicht, darunter elf Christen, ein Muslim und ein Jude. Der Offizier erklärte, solche Äußerungen „zerstören die Moral und den Zusammenhalt der Einheit und verstoßen gegen den Eid, den wir zur Wahrung der Verfassung geschworen haben.“ „Heute Morgen eröffnete unser Kommandeur die Lagebesprechung zur Kampfbereitschaft mit der Aufforderung an uns, keine Angst vor dem zu haben, was gerade bei unseren Kampfeinsätzen im Iran geschieht“, schrieb der Unteroffizier. „Er sagte, Präsident Trump sei von Jesus auserwählt worden, in Iran das Signalfeuer zu entzünden, um Armageddon herbeizuführen und seine Rückkehr auf die Erde zu markieren“, fuhr der Unteroffizier fort. „Er grinste dabei breit, was seine Aussage noch verrückter erscheinen ließ.“

Es wäre nicht übertrieben, Verteidigungsminister Pete Hegseth, der während seiner Zeit an der Spitze des Pentagons immer wieder Gott und den christlichen Nationalismus beschworen hat, für einige der eklatanten Verfassungsverletzungen verantwortlich zu machen. Hegseth wiederholte die Ansichten von Douglas Wilson, einem konservativen Theologen, der sich für die christliche Vorherrschaft in Staat und Gesellschaft einsetzte. Er setzte dies in die Praxis um und führte regelmäßige Gebetsgottesdienste im Hauptquartier der US-Streitkräfte ein. Bei seinem Amtsantritt trug er bereits mehrere christliche Symbole auf der Haut – ein Jerusalemkreuz und den Schriftzug „ Deus vult “ –, die Hegseth als Embleme des „modernen amerikanischen christlichen Kreuzzugs“ bezeichnete. […]

(übersetzte Originalquelle: https:// newrepublic. com /post /207270/ military-leaders-iran-war-donald-trump-jesus-armageddon)

Masel tov … süßer Klang des Himmels

I hear the sweet, sweet sounds of heaven
Fallin‘ down, fallin‘ down to this earth
I hear the sweet, sweetest sounds of heaven
Driftin‘ down, driftin‘ down to this earth

Das Brummen der Turbinen, das Fauchen von Düsen, das Flappern der Drohnen, das Pfeifen physikalischer Luftwiderstände, akustischer Doppler-Effekt fliegender KIs und anderer minderbemittelten Maschinen, menschengemacht.

I smell the sweet, sweet scents of heaven
Comin‘ down (comin‘ down), comin‘ down (comin‘ down)
To the earth (from the earth)

Riecht die Lunte, aus heiterem Himmel. Alles Gute von oben, so predigen sie euch. Jeder auf den eigenen Kanzeln der eigenen Meinungshoheit. Denn soll das Werk den Meister loben, komme der Segen von oben. Unilateral ex cathedra. Immer. Von oben nach unten, die dunkle Asche auf Häupter mit dem Parfum des kollateralen Todes angereichert. Von unten gen reinem Himmel zurückspritzend Blut, welches immer über jene kommt, mit denen sowieso Schindluder getrieben werden soll. Um zu gewährleisten, dass es auch ausreichend zum Himmel stinkt. Was Militaristen mit Menschen anstellen, um ihren eigenen herrischen Sadismus über fremde weiße Bettlaken zu befriedigen. Komm, süßer Tod, denn süß und ehrenvoll soll es sein, für Vaters Land zu sterben. Mutter Erde wartet. Ihr Kinderlein kommet.

Hear the gods laughin‘ from above
Of heaven
Fallin‘ down, fallin‘ down
To this earth, oh, oh, oh, oh
Let me lay down and sleep
Oh, oh, Heaven, Heaven
Ooh, ooh, ooh

Tacheles-Tohuwabohu einer tödlicher Stille mit Echo.

Manche Lieder wandeln sich für mich binnen kurzer Zeitspanne hin zu einer Ambivalenz …

(obiges in kursiver Schrift stammt aus “Sweet Sounds of Heaven” von The Rolling Stones, released Oktober 2023)

Ertrage die Clowns (16): Kann ich nicht beurteilen, muss ich nackt sehen

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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A: “Anderes Wort für Pink Floyd?”

B: “Anderes Wort? Ich verbinde damit in einem dunklem Raum zu sitzen, die Musik zu hören und meinen Gedanken und Imaginationen freien Lauf zu lassen. Statt Drogen einzupfeifen.”

A: “Schön, du 70-ger Jahre Adept. Hattest wohl kein Taschengeld für LSD oder so gehabt, he? Zu arm gewesen, oder was. Für ne LP hatte es gereicht, für nen ‘Schwarzen Marokkaner’ aber nicht mehr, oder? Trotzdem. Ein anderes Wort für Pink Floyd?”

B: “Roger Waters?”

A: “Hm. Könnte passen. Noch ein Versuch.”

B: “Antisemitismus?”

A: “Der Kandidat hat hundert Punkte!”

B: “Wish you were here.”

A: “Was?”

B: “Wish you were here.”

A: “Money?”

B: “The dark side of the moon.”

A: “The dark side of the wish-you-were-here-money! Hey, Roger Waters will nur Geld scheffeln und Antisemitismus verbreiten.”

B: “Hm.”

A: “Isso.”

B: “Sagt wer?”

A: “Frankfurt. München. Immer regiert mit den Grünen.”

B: “Ist also eine politische Erzählung?”

A: “Quatsch. Es geht um Antisemitismus.”

B: “Wow.”

A: “’Wow’ wieso?”

B: “Another brick in the wall!”

A: “Richtig! Die Grünen mal wieder! Bauen die Mauern der Rechten. Früher schon und heute nicht besser als damals.”

B: “Sagt wer von den politischen Gruppierungen?”

A: “Äh, die Grünen. Und sogar von der SPD.”

B: “Die uns vor Pink Floyd schützen wollen?”

A: “Nein, sondern vor Roger Waters, den Antisemiten.”

B: “Antisemit? Wieso?”

A: “Liest du keine Nachrichten? Internet-Verweigerer? Sagt sogar der Zentralrat.”

B: “Zentralrat. Ist die Erwähnung dieses Gremiums als Argument zu eigenen Argumentationslogiken an sich nicht auch potentiell antisemitisch?”

A: “Hast du Lack gesoffen? Bekloppt oder was?”

B: “Ist es nicht verdächtig, dass Parteispektren von CDU, CSU über FDP bis hin zur AfD als Zeugen für Roger Waters Antisemitismus den Zentralrat zitieren? Jene Söders, Maaßens, Wagenfelds und Höckes, die schon immer gegen das angeblich deutsch-widersprechende wettern? Die nur von zwölf bis mittags denken und die Zeit dazwischen mit Shitstorms füllen?”

A: “Nein, denn wie sagen wir im Deutschen: blinde Hühner finden auch mal ein Korn. Blinde Hühner wie Habeck, Baerbock, Özdemir, Hofreiter oder Aiwanger aber eher nicht.”

B: “Ist es nicht verdächtig, dass sich blinde Hühner immer an jenem Korn besaufen, dass sie sich einschenken, und es dann als Ideal eines Mutterkorns von Vater Staat für ihre Kinder deklarieren? Nur um damit ein ‘Another brick in the wall’ als Widerstandsanführer einer imaginären Opposition zu flöten?”

A: “Ach, hömma! Seit wann ist es überhaupt illegal, blind zu sein und Mutterkorn zu saufen? Wir leben immer in Eigenverantwortung! Das ist das, was jeder zu verantworten hat. Eigenverantwortung, sowas ist nie und nimmer illegal. Somit ist es rechtmäßig.”

B: “Rechtmäßig? Maximal anders ausgesprochen, als ‘recht mäßig’. Und dann besser als ‘rechts’ und ‘mäßig’. So etwas geht nur als Westfale mit der Spezialität, Münsterländer zu sein. Bayer bissu nicht. Bissu?”

A: “Und? Hast du diesen Qualifikationsnachweis?”

B: “Verbrieft. Geburtsurkunde.”

A: “Ah, ein Übermensch. Wir Untergebene der Rest der Welt verneigen uns vor dir.”

B: “Und?”

A: “Du redest Müll, will ich dir damit sagen. Lass uns stattdessen in den rhetorischen Diskurs über ‘Cancel Culture’ einsteigen.”

B: “Niemals. Eher sage ich, dass die Siedlungspolitik des Staates Israels extrem kritisch betrachtet werden muss, als mir mit rechtsradikalem ‘Cancel Culture’ aus der falschen Ecke den Mund verbieten zu lassen.”

A: “Antisemit!”

B: “Echt?”

A: “Genauso wie Roger Waters. Der behauptet auch, dass der Ukrainekrieg nicht ausschließlich zu Lasten des russischen Staates geht.”

B: “Echt? ‘Cancel Culture’? Auf Kosten der Toten?”

A: “Hömma! Jeder Kultur einen Totenkult.”

B: “Und sei es einen mit Fackeln überm Königsplatz in München.”

A: “Machst du jetzt auf Pazifismus-Opportunist a la Schwarzer und Wagenfeld?”

B: “Gebt den Toten eine Stimme. Sie können dagegen nicht protestieren.”

A: “Wer lebt hat immer recht. Wir leben, wir reden.”

B: “Wer überlebt, hat überrecht.”

A: “Jeder Schwachsinn hat seinen Superlativ.”

B: “Und für jeden Starksinn einen Diminutiv.”

A: “O si tacuisses, philosophus mansisses.”

B: “Wie belieben?”

A: “Übersetzt: ‘Fick dich ins Knie, du Genie’. Schweige jetzt, oder rede nimmer!”

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(screenshot aus einem Youtube-Video vom Auftritt von Roger Waters in Lissabon 2023)

Wannst du mim Deife danzt, dann brachst guate Schua

Wenn einer mit Vergnügen zu einer Musik in Reih und Glied marschieren kann, dann hat er sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde.

Albert Einstein  1879-1955


Auge um Auge und die ganze Welt wird blind sein.

Mohandas Karamchand Gandhi (1869-1948)


Aus einem nie stattgefundenen Telefongespräch

– Guten Tag, ich bin der Sohn des alten Mannes, dem Sie über die Straße helfen wollten.

  • Sie sind wer?

– Sie wollten meinen Vater über der Straße helfen. Jenem Mann mit dem Rollator.

  • Das war ihr Vater?

– Ja.

  • Und sie wollen sich bedanken?

– Ich finde ihre Hilfsbereitschaft bemerkenswert und so etwas hat Wertschätzung verdient. Es gibt so wenig Liebe und Verständnis in dieser Welt und ihre Tat sollte gewertschätzt werden. Deswegen rufe ich an.

  • Wertschätzung?

– Ja.

  • Ihr Vater hat mich geschlagen.

– Er nannte es … Weiterlesen

… #SayNoToWar …

#SayNoToWar

Sie hören nicht auf. Sie hören nie auf. Sie wollen es. Immer wieder, immer weiter, immer nur militärisch. Andere Möglichkeiten wollen sie nicht. Niemand. Auch nicht am Tag 1 nach dem Beginn, jener Stunde Null, an einem 24. Februar des Jahres 2022. Denn Soldaten sind so einfach zu rekrutieren. Einfach und billig, manche derer willig. Aber vor allem billig. Billiges Material zum Füttern von Kanonen. Denn heim kommen jene immer. In Stücken, in Teilen, in Säcken. Über den Rest hüllen sie immer das Schweigen, den dann sie den Mantel der Geschichte bezeichnen, aber lediglich immer nur nasse klamme Erde über einem kalten Körper in einem Loch bedeutet. Heim geholt werden vor allem immer die Kanonen. Damit das Militärische nachher sein Denkmal erhält. Zum vordergründigen Nachdenken für Großkotze, die sich dahinter stellen. Während die anderen sich ehrfürchtig davor zu scharen haben: Damit sie später auch verscharrt werden können. Denn sie hören niemals auf. Nie. Der Krieg ist ihr Götze, das Militär deren Monstranz, die Soldaten die Träger und deren soldatisches Blut das Weihwasser, was die Hochwürden, Heiligkeiten und Pluralis-Majestatis-Verwender über das niedrige Volk verspritzen, damit das Blut über sie komme. Auf dem Altar der Bellezisten wird wieder geopfert. Behandschuht bis zu den Ellenbogen hoch. Damit die Bellezisten sich ihre Hände nicht schmutzig machen. Was deren Soldaten zweifelsohne zu tun haben. Immer. Sie hören nicht auf. Nie.

#SayNoToWar

“[…] Für viele war das gar nicht nötig. Die Hammel trappelten mit der Herde mit, meist wußten sie gar keine Wege und Möglichkeiten, um nach hinten zu kommen, und was hätten sie da auch tun sollen! Sie wären ja doch geklappt worden, und dann: Untersuchungshaft, Kriegsgericht, Zuchthaus, oder, das schlimmste von allem: Strafkompanie. In diesen deutschen Strafkompanien sind Grausamkeiten vorgekommen, deren Schilderung, spielten sie in der französischen Fremdenlegion, gut und gern einen ganzen Verlag ernähren könnte. Manche Nationen jagten ihre Zwangsabonnenten auch mit den Maschinengewehren in die Maschinengewehre.

So kämpften sie.

Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.[…]”

Quelle: https://www.textlog.de/tucholsky-kriegsschauplatz.html

Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (45): Over and out

Es wird immer schwieriger etwas neues aus “Süd bei Südost” zu schreiben. SARS-CoV-2 ist noch immer ein bestimmender Aktivposten im täglichen Leben. Nicht, dass der Virus aufgegeben hätte, er wird nicht mehr so stark verbreitet. Nur wird man es mit der Zeit auch müde, immer die neusten Zahlen, Daten, Fakten zu verfolgen. Geschweige denn zu kommentieren. Das ist kein Gewöhnungsprozess, sondern ein Entwöhnungsprozess. Nichts passives, sondern aktives. Eine Art der vorsätzlichen Verdrängung.

In den Supermärkten laufen vereinzelt Menschen ohne Maske mit einem zelebrierten Selbstbewusstsein von hier bis Alaska herum. Bei denen scheint es ein Coolness-Faktor sein. Nur hat es etwas von den Autofahrern, die im Auto keinen Gurt anlegen, und dann mit Vollgas durch die Landschaft preschen. Etwas, was Rennfahrer nie machen würden.

Klar, der erste Gedanke zu den Mund- und Nasenbedeckungsverweigerern mag schon sein “Wehe, wenn du dann auf der Intensivstation liegst und nach Luft schnappst”. Aber darum geht es eher weniger, denn die wenigsten erkranken ernsthaft an SARS-CoV-2. Nicht jeder, der keinen Gurt im Auto anlegt, wird kurz darauf in einem Sarg zu seiner Beerdigung angeliefert. Es ist schon richtig, wenn jemand mit Vollgas ohne Gurt den Serpentinen lang braust und es ihn dann aus einer Kurve gegen Fels, Baum oder in den freien Fall haut. Dann können wir schon alle sehr empört nicken und hämisch sagen: “Selber Schuld”. Dumm gelaufen ist allerdings nur, wenn dieser Vollkaskodesperado jemanden anderen mit sich nimmt.

Gut, nicht jeder ist von der Mund- und Nasenbedeckungspflicht begeistert, weil damit ein Gefühl der Fremdbestimmung einhergeht. Dass in der Kommunikation mit den Leuten an Wurst- und Käsetheke und der Kasse erhebliches fehlt, stört dann schon eher. Ohne diesem obligatorischen Utensil war es möglich, allein durch Mimik den Verkäufer zu weiterem zu inspirieren. Oder einfach nur zu verneinen. Nur jetzt ist es schon erforderlich, sich verbal deutlich zu äußern.

Seltsamer erscheinen dabei die Mitarbeiter der Sub-Unternehmen, welche für ein paar Euro fuffzig pro Stunde in den Supermärkten die Regale einzuräumen haben. Deren Bedeckungen hängen oftmals auf Halbmast oder bedecken lediglich deren Bärte. Ich nehme es schulternzuckend hin. Klar, ich könnte locker zum Marktleiter durchstapfen und ihn darauf hinweisen, dass in Bayern so etwas dem Geschäft 5.000 Euro kosten könnte. Und den Mitarbeitern des Sub-Unternehmens könnte deren Niedriglohn-Einkommen eines Tages verlustige gehen . … Aber, würde ich das? Ich nehme es mit einem Schulternzucken hin. Ich muss nicht alles, was ich kann.

Wobei, für den letzten Satz wurde ich bereits schon privat gerüffelt, weil ich so einfach auf meine Rechte verzichten würde. Ich zucke erneut innerlich mit den Schultern und hoffe, dass das Gespräch dazu bald vorbei gehe. Denn wenn der andere immer das perfekte Leben führt und ich mit meinem Leben seiner Ansicht nach komplett daneben haue, dann umgibt mich das Gefühl der Niedergeschlagenheit, der Wertlosigkeit. Bis ich mir dann vergegenwärtige, dass es genau das ist, was der andere erzielen wollte: Demütigen und sich selber durch die Herabwürdigung des anderen aufgewertet fühlen. Wirkliche menschliche Wertschätzung geht anders.

Demütigung und Herabwürdigung ist ja auch die Sprache der Verschwörungstheoretiker, der Populisten, der Hate-Speecher, der Aufwiegler, der Hetzer. Für jene muss es immer einen geben, auf den man herabblicken kann, ansonsten hat man keine erhabene Position. Herabblicken auf andere, koste, was es wolle. Selbst wenn man sich vollkommen entblödet.

Bemerkenswert finde ich, dass in diesem Zeitalter momentan etwas in dieser Richtung Hand in Hand geht: Hate-Speech und die Betonung der Empathiefähigkeit. Zwei Seiten wie von einer Münze. Bist du empathiefähig? Eine manipulative Frage aus dem Lehrbuch der Rhetorik. “Empathische Intelligenz” oder auch „emotionale Intelligenz“ als Phrase in den Rang stilisiert zu einen brutalen Ausgrenzungsmerkmal. Hautfarbe, Nationalität oder auch Religion ist zu billig. “Empathische Intelligenz” oder auch „emotionale Intelligenz“ ist die neuste Masche für ein neues Klassifizierungsmerkmal zur abschätzigen Behandlung von Mitmenschen.

Momentan geht eine ähnliche Phrase durch die Gesellschaft, die genau diesem Muster folgt: “Ob du Lack gesoffen hast, habe ich gefragt!” Diese Aussage gebündelt mit einer anderen Behauptung knallt wie wie ein kalter Waschlappen in jedes Gesicht und schon hängt etwas im Raum, was vorher so nie angedacht war und sich dann auch aufgrund des Überraschungsmoments nur schlecht verteidigen lässt: Erst nicht zuhört haben oder gar schwerhörig und somit alt zu sein, gefährliche Dinge ohne Nachdenken massenhaft zu konsumieren und dann auch noch die Antwort auf einer Frage schuldig geblieben zu sein. Das klappt im privaten Leben, aber verstärkt erst recht im Internet, weil es originell und schlagfertig erscheint.

In dieser Krisenzeit wurden viele Argumente ausgetauscht hinsichtlich der Sinnhaftigkeit von dem Lock-down und über die Bedrohlichkeit von SARS-CoV-2 an sich. Die eine Seite wirft den Politikern vor, sich unter der Diktatur der Virologen begeben zu haben. Die nächste Seite wettert wegen der angestachelten Panik und wegen den wirtschaftlichen Niedergang aufgrund eines unbedeutenden Grippchens. Und die übernächste verweist auf Populisten wie Wodarg und Co, deren einziges Handwerk darin besteht, ein akademischen Titel – wie weiland Brians Anhänger jene Sandale – vor sich herzutragen, um damit Behauptungen aufzustellen, für denen anderen bereits gerechtfertigterweise deren akademische Titel entzogen wurde (s.a. beispielsweise Theodor zu Gutenberg). Erstaunlicherweise glauben viele an solche Bedenkenträger, weil die Gedanken jener in deren eigene finstere Vorstellung vom sinnlosen Sinn des eigenen Lebens passt. Sie werden auch dann nicht von den eigenen Überzeugungen lassen, wenn sie bereits mehrmals widerlegt wurden.

Das hat ein wenig vom Gleichnis über das brennende Haus. Am Fenster standen noch Bewohner und schrien um Hilfe. Die Feuerwehr breitete Sprungtücher aus und forderte die verbliebenen Bewohner auf, zu springen. Worauf dann einer nachfragte, ob es denn regnen würde. Falls ja, dann solle die Feuerwehr ihn doch gefälligst über der Treppe retten. Er hätte keine Lust wegen der Faulheit der Feuerwehr auch noch nass zu werden, da er schon genug Probleme mit dem Feuer habe. Loriot hatte gleiches schon mal mit seinem Sketch “Die neue HS Zwo” (hier) beschrieben.

Es geht nicht mehr um die Sache, sondern ums Prinzip. Und das Prinzip ist heilig. Dem aufrechten Deutschen scheinen Prinzipien heilig zu sein. Und von den aufrechten Deutschen gibt es viele. Denn wer nicht aufrecht ist, ist in deren Augen lediglich ein Affe. Heiliges Prinzip. Das Auto ist beispielsweise so ein Prinzip. Das Blech ist heilig. Weil es für viele gleichbedeutend mit Freiheit ist. Blech gleich Freiheit. Heilig’s Blechle. Da fliegt mir doch das Blech weg.

In einem Internetforum las ich, wie jemand eine flammende Rede zum Thema “Reisefreiheit” hielt. Freiheit wäre ein hohes Gut und bedeute, freie Reisen durchführen zu können. Daher – so die nachfolgende Folgerung – solle jeder dafür kämpfen, dass die Fluggesellschaften die Reisefreiheit nicht durch hohe Preise abstellen würden. Sie sollten preislich da weitermachen, wo sie vor der Krise aufgehört haben und nicht jetzt auch noch Forderungen stellen, ansonsten würden sie sich gegen unsere Freiheit stellen.

Das Virus existiert weiter.

In den Nachrichten erscheint es wie eine biologische Lebenseinheit. Ein Virus ist allerdings kein Lebewesen. Es ist eine Sache mit Informationseinheiten umgeben von Proteine und Fett, welche mit deren Informationseinheiten (RNA-Stränge) den menschlichen Organismus zur Selbstzerstörung bringen können. Trotzdem dichtet man den Viren ein bewusstes Dasein, einen Lebenssinn an. Dabei sind Viren eher wie Bärenfallen: tappt ein Bär rein, schnappt sie zu. Aber Bärenfallen werden von Menschen aufgestellt, um dem Bären nachher das Fell über die Ohren zu ziehen. Aber Viren? Wer hat die denn dann aufgestellt? Wer hat vor, den Menschen zu häuten und zu skalpieren? Will da wer seinen Kaminsims statt mit Elch- und Hirschgeweihen an der Wand mit Menschenköpfen zieren?

Und da kommen die Verschwörungstheoretiker mit ihren geballten Lebenspessimismus und erklären uns die Welt, wie sie sie ihnen maximal gefällt. Da ist kein Platz mehr für positives. Oder Wertschätzung. Wertschätzung ist eh bei denen etwas Sektiererhaftes, Entmündigendes. Weil es sie selber nicht betrifft. Und wenn die neusten Zahlen, Daten, Fakten nicht passen, dann kommt bei denen als Nächstes “Mainstream-Medien”, “Lügenpresse”, “Fake-News” und so weiter auf den Tisch. Auch wenn sie es bestreiten werden, Donald Trump ist deren Verkörperung eines perfekten Jongleurs mit solchen Ausdrücken.

Inzwischen haben jene sich mit ihrem Zukunftspessimismus in einer Partei namens “Widerstand 2020” vereinigt. Wahrscheinlich die Alternative zu der besorgte-Bürger-“AfD”. Eine Partei für Pandemie-Wissenschaft-Widerständler. Und dann möchte man eigentlich in die unterste Schublade langen und denen ein “Ob du Lack gesoffen hast, habe ich gefragt!” um die Ohren knallen.

Wie hatte Erich Kästner bereits einmal gesagt:

“Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“

Nebenbei, die Münchner Polizei hatte seit dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen immer einen Bericht mit dem Titel “Einsätze der Münchner Polizei im Kontext mit der Corona-Pandemie” veröffentlicht. Hier wurde dann immer vermerkt, wie viele Kontrollen gemäß des bayrischen Infektionsschutzgesetzes durchgeführt wurden und wie viele Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkung (“triftige Gründe”) geahndet wurden. Am 6. Mai wurde der letzte Pressebericht (hier) veröffentlicht. Seitdem berichtet die Polizei nur noch über die verbleibende Kriminalität, welche nicht gleich mit mindestens 150 Euro bestraft werden kann.

Somit kehrt wieder eine gewisse Routine auf allen Seiten zurück. Es lockert sich alles. Wir tragen zwar noch Mund- und Nasenbedeckung, die auch manchmal nur zur Bartabdeckung genutzt wird (sind Bärte selbstredend?). Jedoch das kann auch nicht verhindern, dass hinter den Masken noch ganz andere Viren (Bärenfallen) lauern können, mit denen Menschen anderen zumindest verbal die Haut über den Ohren ziehen können.

Es braucht auch kein Corona-Tagebuch mehr. Es ist so überflüssig wie ein Kropf geworden und hat sich selbst überlebt. Weil es nichts mehr bringt und auch nichts bewegt. Weil es bedeutet, lediglich Eulen nach Athen tragen. Und wer will schon Eulen?

Ob ich Lack gesoffen habe, hast du gefragt? Nein. Das habe ich nicht. Denn meinen Kakao suche ich mir schon selber und allein aus.

Over and out.

Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (53): Kriegsberichterstattung

Endlich!

Endlich!

Endlich!

Wieder Fußball. Die Krise ist vorbei. Wenn Werder am letzten Spieltag ne Packung vom FC bekommt und beide gemeinsam den Hamburger SV vorbei ziehen lassen, dann ist wieder aller erste Bundesliga im Land.

Aber zuerst noch ein wenig von der Corona-Front:

Die Verblödung des Volkes mit Verschwörungstheorien wird momentan nur noch ganz knapp von denen übertroffen, die vorgeben, Regierung machen. Während mit dem Beweis der ultimativen Beteuerung der Verschwörungstheoretiker mir jene weis machen wollen, dass die Regierenden nur einen Plan haben, versuchen mir die Regierenden klar zu machen, dass es mehrere Pläne gibt, als sich Verschwörungstheoretiker vorstellen können. Und beide halten sich für die einzig Wahren, welche daraus ausgewählt werden müssten.

Derweil haben die Verschwörungstheoretiker ihre Geschütze schon auf deren eigenen heimeligen Treibsand aufgebaut. Treibsand hört sich negativ an, weil darin ja alles verschlungen werden könnte. Nur in Wahrheit ist das einfach positiv zu sehen. Denn woher sollen die Verschwörungstheoretiker heute schon wissen, woher sie morgen der nächste Sandsturm verweht. Und die Verwehung passiert in deren Ansicht immer, bevor der Treibsand anfängt zu schlucken. Das hat der Machist mit seinen sexuellen Ansichten gemein: eine Person hat lediglich zu schlucken, damit die andere befriedigt ist. Daher fühlen sie sich auch so sicher vor dem Sumpf der eigenen Ansichten.

“Wie unfair, David!”, werden die Verschwörungstheoretiker an dieser Stelle aufstöhnen, weil deren Existenzberechtigung ihr Selbstverständnis ist, nie Goliath sein zu müssen. Wobei sie das Wort “David” nur nutzen, um jeden Piefke gleich zum Helden zu stilisieren, den man danach vom Sockel stürzen muss. Da staunt der Normalo, da erschrickt die Erkenntnis, da fürchtet sich das Schicksal.

Jene Verschwörungstheoretiker werden also ihre Meinungsverbreiterung wie Stalin-Orgeln aufstellen und aus den Rohren ihre Statements abfeuern, aus denen noch nicht mal der Pfeiffer mit den drei “f”s aus der “Feuerzangenbowle” ein Gute-Nacht-Kissen klopfen würde. Die Hoffnung, dass sich die Klischees der Verschwörungstheoretiker mit der Wirklichkeit decken würden, ist somit völlig unbegründet.

Als noch unbegründeter erwies sich die Hoffnung, dass Merkel, Söder und Laschet deren Publikumsgunst unbewusst wären. Unweit der Spree sah ich sie aneinander geraten. Ich stand auf einem Haufen der Patronen verschossener Argumente und musste alles mit ansehen. Die Laschets wüteten mit furchtbarer Raserei, bis deren Klingen so ausschauten, wie Verschwörungstheoretiker meinten, dass sie ausschauen müssten: krumm wie die Säbel arabischer Barbaren. Die Söders waren auch nicht besser. Denken war denen ein Graus. Es ging denen nur ums Outsourcing. Sie gaben somit zu denken. Und die Merkels? Die investierten ihr Geld in ein Holzbein, um es einen von den beiden auf die Stirn zu binden und dem Volke als gerade gefundenes Einhorn zu verkaufen.

Als dann dieses den Heere der Söders und Laschets in den Fernseh-Talk-Runden gewahr wurde, taten beide alles ihr Bestes, den Klischees der Verschwörungstheoretiker zu entsprechen. Denn aus den gewöhnlich unterbelichteten Kreisen der Verschwörungstheoretiker verbreitete sich aus deren Dunkelkammern fürs unterbelichtete Volk die schlecht entwickelte Meinung, die Söders und Laschets wüssten eh schon, was sie tun, bis jeder es merkelte.

Als die Verschwörungstheoretiker desweiteren auch noch mitbekamen, dass jene Feldherren der Tagespolitik lediglich Bananenzüchter derer eigenen Frühlingserwachen waren, wurde ihre Wut erheblich größer. Und so machte sich in den engen Denkrinnen jener Verschwörungstheoretiker etwas erheblich breiter, was dazu führte, dass etwas überschwappte und dabei auch noch durchsickerte. Dass die Verschwörungstheoretiker auf den erheblichen Nutzen eigener Bananenplantagen schwörten und die Bananenrepublik Deutschland nicht in dem Besitz einiger Bananenplantagenbesitzer wären, sondern in der Hand anderer Nicht-Bananen-Plantagen-Besitzer, das fanden die Verschwörungstheoretiker ganz uncool. Denn nur Bananenländereien gehörten in die Hand der Bananen-Plantagen-Besitzern, eben jenen ureigentlichen Verschwörungstheoretikern. Frei dem Motto: “Wen macht die Banane krumm? Immer nur die anderen.”

Und somit entwickelten Verschwörungstheoretiker etwas, was jene in deren eigenen Langeweile immer gerne entwickeln: Ziele für deren Verschwörungstheorien. Mit dem ersten Hahnenschrei des folgenden Tages standen sie auf den Haufen, den sie sich als Verschwörungstheoretiker selber gelegt hatten und versuchten dabei nicht über jenen auch noch geschossen zu werden. Und falls doch, so wollten sie nur als Opfer und Märtyrer und Unverstandener zu erscheinen. Sie warfen alles in den Kampf, was sie fanden inklusive derer eigenen Unvermögen.

Und sie fanden, dass es Außenstehende gäbe, denen die ganze Schuld aufzuladen wäre. Also Nicht-Politikern, denen sie den Status der fehlbaren Allmächtigen verliehen. Oder Leute, die zu besonnen dafür erschienen. Eben drum hat deswegen ein Reichelt seine BILD sofort den Verschwörungstheoretiker aus reinem Mitgefühl neue Geschütze im Kampfe für deren Verschwörungstheorien öffentlich überreicht: der Russe, der Droste, der Wieler und die anderen Panikmacher seien Schuld, weil es gäbe noch andere wie Wordag und Co zum Zuhören. Lasst uns die Überbringer der schlechten Nachricht schlagen und die Wodargs mit Palmwedeln bei ihrerem Einmarsch in Jerusalem auf dem Sarg der wertlosen Botschafter bekränzen. Und freilich auch den damals für BILD heilsamen Wissenschaftler Manfred Köhnlechner (Gott habe ihn seelig) auferstehen lassen, der aus dem Mund der anderen unbeachteten Virologen spräche.

Deren BILD-unterstütze Argumente waren von Vorteil. Die Verschwörungstheoretiker, obwohl sie zuvor beteits getroffen wurden und deren beide Beine vom Knie abwärts zerschmettert waren, trotz allem sie bluteten wie die Schweine unter der Knochensäge. Für Gott und Verschwörungstheorie. Auffallend war, trotz fehlender Beine, sie fielen weder an den Rand der Grube, noch hinein, jene Grube, welche sie für andere tief und breit ausgehoben hatten.

Fernerhin hatten die Verschwörungstheoretiker festgestellt, dass in den hiesigen Zeiten jedes losgelassene Argumentationsgeschoss eine kostspielige Sache war. Jedes Geschoss war inhaltlich im Stande, eine Familie einen Monat zu ernähren! Das war den Verschwörungstheoretiker der Wohltat zu viel. Denn wer konnte schon bestimmen, ob jene begünstigte Familie nicht entgegen den Überzeugungen der Verschwörungstheoretiker lebte! Das wäre unverantwortlich und ganz und gar verkehrt. Also kehrten sie die These ‘Wer nicht mit Geld umgehen kann, hat keins’ in die revolutionäre These ‘Wer kein Geld hat, kann damit auch nicht umgehen, etst recht nichz fehlerhaft’ um, an deren Ende die Forderung ‚Spendet nur noch uns’ stand. Crowdfunding at its best!

Und so saßen die Crowdfunder in deren spanischen Villen, deren mobilen Lebesräume, deren Luftschlössern, und beklagten, dass die Kämpfer für deren Freiheit nicht mehr deren Herzblut auf dem Schlachtfeld der Verschwörungstheoretiker lassen würden. Und im Umkehrschluss somit, sich mit dem Feinde fraternisiert hätten.

An dieser Stelle senkte sich der Vorhang über das Kriegsgeschehen und der Reporter hatte den Handlungsschauplatz zu verlassen. Er entschuldigte sich mit einem ‘er müsse auch mal schlafen’, aber jeder weiß, dass der Kriegsreporter nur eine Nulpe hoch drei ist, wenn er nicht von Blut, Schweiß, Tränen und Verschwörungstheorien erzählt.

Stattdessen wanderte der Blick wieder zum unbedeutenden Anfang der Reportage und es war lediglich zu wiederholen:

Endlich!

Endlich!

Endlich!

Wieder Fußball. Die Krise ist vorbei. Wenn Werder am letzten Spieltag ne Packung vom FC bekommt und beide gemeinsam den Hamburger SV vorbei ziehen lassen, dann ist wieder aller erste Bundesliga im Land.