Revenge is a dish best served cold

Jeder hatte drauf gewartet: auf die Zeitlupenstudie, die sogenannte SlowMo-Studie. Man nimmt Bilder mit einer Hochgeschwindigkeitskamera auf und spielt sie dann nur halb so schnell wie gewöhnlich ab. Was bei Bienen und Blumen noch faszinierend ist, hat am Bankautomaten den Hauch von einem Fußballspiel wie Deutschland gegen Island im strömenden Regen bei ausgefallener Heizung im eigenen Mietshaus im Januar. Da stand er nu am Bankautomaten und las wohlmöglich Zeile für Zeile, was ihm der Monitor vor ihm präsentierte. Und einer Super-Zeitlupenstudie gleich versuchte er seine Geheimzahl einzutippen. Und was passierte? Genau! Der Automat brach ab und warf die Bankkarte raus. Aber der Mann hatte ja die Ruhe weg: nahm die Karte raus und führte sie gemächlich wieder rein. In Super-SlowMo. ARD, ZDF und deren Zuschauer der ersten Reihe wären vor Neid blasser als blass geworden.

Himmelherrgottsakrament! Geht es noch langsamer? Meine Geduld war fast am Ende:

„Wenn’se noch länger brauchst, sag Bescheid. Ich muss dieses Jahrhundert noch sterben!“, raunzte ich ungehalten.

Und tatsächlich: der Mann drehte sich zu mir um, stierte mich eine Zeitlang an und drehte sich dann wieder zum Automaten um. Er war besoffen. Eindeutig. Aber so was von besoffen, da passte zum Koma höchstens maximal ein 30 Gramm pro Quadratmeter dickes Blatt dazwischen. Er war derjenige, den jeder mit Neid belegt, weil er Neujahr nicht am Ersten eines Januars beendet, sondern auch noch die Eier hat, am zweiten Tag das Jahres das neue Jahr weiterhin enthusiastisch zu begrüßen. Trotz Terror am Bosporus, Smogalarm in München und roten Ampeln zur Arbeit. Er hatte nichts gesagt, aber sein Blick war eindeutig herausfordernd und sagte im Grunde alles. Zumindest mir jedenfalls. Und so etwas, so was lasse ich nicht auf mich sitzen! Niemals! Auch nicht den Hauch eines Blickes!

„Hey, mach voran oder fick dich ins Knie!“ Ich bin ein wirklich höflicher Mensch und sehr angenehmer Zeitgenosse, aber was zu viel ist, das ist zu viel. Eindeutig. Ich habe meine Zeit ja auch nicht gestohlen.

„Wohin soll er ficken? Ins rechte oder ins linke Knie?“

Diese feine zarte Stimme verwirrte mich. Sie kam direkt von hinter mir. Ich drehte mich um und sah die junge Frau, die mich mild lächelnd ansah.

„Äh, wie, äh, Knie, äh?“

„Sie sagten, er solle sich ins Knie ficken. Aber Sie sagten nicht, in welches. In sein rechtes oder sein linkes? Oder gar in eines der Ihren?“

„Was? Der soll mal hin machen! Ich will schließlich auch noch meine Geld abheben! Ich hab‘ nicht ewig Zeit!“

„Aber so ein Fick ins Knie dauert doch. Und sollte auch befriedigend sein, nicht wahr? Oder haben Sie es nicht so mit befriedigenden Ficks?“

Die Frau hatte nen Schuss weg. Hatte die mich nicht verstanden? Ich redete doch nicht von Geschlechtsverkehr oder ähnlichem, sondern von Dingen, die jedem geläufig sind. So wie damals, als Götze die Argentinier gefickt hatte: Brust, Spitze, Tor, Weltmeister!

„So gehen die Gauchos, die Gauchos, die gehen so. So gehen die Deutschen, die Deutschen, die gehen so!“ 2014 war ich in Berlin beim Empfang der Nationalmannschaft und hatte den Tanz mitgemacht. Wie haben wir beim Tanzen die dummen Argentinier gefickt. Nun ja. Letztendlich hatte der Tanz dann mich gefickt und ich dazu den dummen Hexenschuss erhalten. Seitdem weiß ich, was „So gehen die Deutschen, die Deutschen, die gehen so!“  hieß: gebückt gehen, unter Schmerzen, bis zum Rot-Kreuz-Wagen. Gefickt vom WM-Pokal-Jubel. Egal. Mann wird ja nicht alle vier Jahre Weltmeister. Ein Hexenschuss ist da nur ein Beistrich der stolzen Fußballgeschichte.

Aber das hatte nichts mit Knie-Ficken zu tun. Ich schaute die Frau noch immer entgeistert an.

„Aber ich meinte das doch nicht wörtlich, das Knie-Ficken.“

„Ach wirklich? Aber ich habe doch genau gehört, dass Sie sagten, dass er …“

„Ja, ja, ja, ja, aber das war nur metaphorisch gemeint.“

„Meta-was? Sie müssen nicht hier mit Ihrem Abitur rumstrunzen, nicht wahr. Nicht jeder ist so schlau wie Sie.“

„Das war bildlich gemeint. Also nicht wörtlich. Sondern eher so im übertragenden Sinne.“

„Sie ficken also im übertragenden Sinne? Auf welcher esoterischen Kamasutra-Schule waren Sie denn?“

Das Gespräch wurde mir zu viel. Und der Mann holte sowieso gerade sein Geld aus dem Schlitz. Etwas mühsam fädelte er EC-Karte und Geldschein in sein Portemonnaie ein und machte mir wankend den Weg frei.

Ich trat vor, fieselte meine Karte aus meinem Portemonnaie heraus und führte sie zielsicher in den Schlitz ein. Alte Routine.

„Und jetzt ficken Sie den Automaten?“

„Könnten Sie mal für eine Minute Ihre Klappe halten?“, während der Automat hinter mir meine Karte gierig eingesogen hatte, drehte ich mich um und fixierte sie mit einem Blick, von dem ich annahm, dass er der Grimmigste der Welt sein würde, den ich je zustande gebracht hatte. Dabei nahm ich nahm die Menschenschlange hinter ihr wahr. Alle darin hatten diesen Blick von „Was ist denn das für einer?“ Einer hielt sogar sein Smartphone verdächtig telefonierbereit in seiner Linken. Da lag eine latente Gewaltbereitschaft in der Luft. Alle gegen mich. Keiner für mich. Und das in dem sehr engen Raum mit nur einem Geldautomaten. Eine Atmosphäre zum Zerreißen gespannt wie in einem Boxring. Der perfekte Ort um einem öffentlichen Lynch-Mob zum Opfer zu fallen. Am helllichten Tag. An der Futterstelle des Volkes.

Der Automat hinter mir fiepte ungeduldig. Wobei, Geduld ist keine Automateneigenschaft. Automaten reagieren nur technisch, den Regeln der Programmierung folgend, und dieser Automat hinter mir wollte lediglich meine Geheimzahl. Zögernd drehte ich mich um. Unbehaglichkeit schlich mir meine Beine empor, einem potentiellen Lynch-Mob hinter mir einfach so den Rücken zu zu kehren. Ich versuchte mich, an meine Geheimzahl zu erinnern. 3-8-1-9? Oder doch eher 3-9-1-8? War es nicht die Kombination der Alterszahlen von meinem Bruder und dessen Ehefrau bei deren Hochzeit? Aber wann hatten die nochmal geheiratet?

„Och, jetzt kann er nicht mehr“, tönte es von der Frau in einem vorgetäuschtem, bedauerlichem, Mitleid erheischendem Ton: „Hat er wohl grad mal wieder ein Hängerchen, wenn’s drauf ankommt, nicht wahr?“

Ich widerstand dem Impuls, mich umzudrehen und die Frau mit beiden Händen gewaltsam und brutal gegen die hintere Wand zu drücken. Stattdessen kratze ich mich ratlos am Kopf. Einmal. Zweimal. Dreimal. Mehrmals. Und wie beiläufig bemerkte ich: „Mist. Ich wollte doch nur etwas Geld abheben, um das Shampoo gegen meine Kopfläuse zu kaufen.“ Und ich kratze mich nochmals ausgiebig am Kopf, ignorierte die Leute hinter mir, hüstelte noch ein wenig und grinste in mich hinein.

Der Automat stellte mir einen Countdown von 10 Sekunden, bevor er alles abbrechen würde. 3-8-1-9 oder doch eher 3-9-1-8? Ich kratze mich nochmals am Kopf. Mir fiel es nicht mehr ein. Der Automat fiepte ungeduldig.

Hinter mir war es seltsam ruhig geworden. Ich drehte mich um und sah … niemanden. Ich war der einzige im Geldautomaten-Kabuff. Offenbar hatten es alle Wartenden schnell und geräuschlos verlassen. Wegen meiner einfach dahin gelogenen Kopfläuse. Recht so.

Aus einer guten, frohgestimmten Laune heraus tippte ich 3-8-1-9 ein. Gewonnen. Der Automat spuckte mir 100 Euro raus. Ich steckte das Geld ein und verließ den Kabuff. Mein Weg führte ins gegenüberliegende Restaurant. Wiener-Schnitzel mit Preiselbeeren. Darauf hatte ich mich den ganzen Tag gefreut. Der Tisch an der Eingangstüre war wie geschaffen frei für mich. Ich hockte mich nieder, der Kellner kam und ich bestellte. Nur, er hielt Abstand.

„Entschuldigung, Sie haben Kopfläuse, nicht wahr. Ich muss Sie leider bitten zu gehen. Ich muss an meine Gäste denken.“

Ich spürte wie meine Kinnlade in die Etage nach unten hinein wechselte. Erst wollte ich protestieren, aber mir fiel nichts ein. Mit geöffnetem Mund schaute ich ratlos am Kellner vorbei und entdeckte die junge Frau aus dem Geldautomatenkabuff. Mit flacher rechter Hand schlug sie auf ihre linke Faust. Beständig. Immer wieder. Grinsend und trotzdem gleichzeitig finster blickend. Leise drang aus jener Entfernung das dumpfes Geräusch des Aufeinandertreffens der flachen Hand auf die geschlossene Faust an mein Ohr. Ein Geräusch wie beim Ficken.

Der Kellner behielt den Abstand zu mir. Mit beiden Händen wies er mir den Weg nach draußen. Ich erhob mich, verließ das Restaurant und ich wusste, was ich war:

Gefickt.

Postfaktische Weihnachten

Ein Kinderkoelsch

„Alles voll.“

„Alles voll?“

„Alles voll. Der Altpapiercontainer, die Biomülltonne, der normale Müllcontainer. Alles voll. Auch der Altglascontainer, der Gelbe und Altmetallcontainer daneben, ebenso am Überlaufen.“

„Weihnachten.“

„Jo. Frohe Weihnachten. Unser Mietsblock ersäuft im Müll.“

„Nur die Häppchen und Schnittchen angeschaut und dann alles weg geschmissen?“

„Schlimmer! Erst das zweistündige Essen und danach all die Verdauungsgetränke. Und kein einziges Kölsch dabei. Grauenhaft.“

„Ich hatte Rindsrouladen an einem Knödel mit Feldsalat und nen passablen Rotwein.“

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Während heute Stephanus gesteinigt wird, …

„Du hast gar keine Chance, nicht zu leben. Du lebst heute schon woanders. Du lebst auf deinen Sohn, auf deiner Tochter. Du lebst auf allen Leuten, bei denen dein Herz etwas schneller geht.  Weiterlesen

Drei Wünsche frei (… da uns schlägt die rettende Weihnachtsstund; Ende)

Mit seinen flachen Händen klopfte Karl auf seine Jackentasche, fuhr kurz in seine Jackentaschen, strich sich über sein Hemd und hielt ein. In seinem Gesicht zeigte sich Ratlosigkeit. Etwas entsetzt murmelte ein „Nein, ich habe den Kugelschreiber nicht mehr“ und blickte hinter sich. Hatte er den Kugelschreiber etwa im Vortragssaal liegen lassen? Er überlegte. Ja, der Vortrag hatte ihn nicht mehr interessiert, deswegen hatte er die Tagungsunterlagen zugeklappt, in seine Stofftasche geschoben, hatte sich erhoben und zwischen den Stuhlreihen nach draußen begeben. Sein Kugelschreiber musste also noch an seinem Platz liegen.

Es war nicht ein x-beliebiger Kugelschreiber, sondern ein altes Erinnerungsstück. Er hatte ihn vor 25 Jahren während eines Praktikums geschenkt bekommen. Seine Arbeit im Praktikum war vielen so wertvoll gewesen, dass er als Abschiedsgeschenk eben diesen Kugelschreiber erhielt. Rebecca hatte ihn ihm überreicht, was seinen Wert für ihn noch gesteigert hatte. Rebecca war für ihn die Göttin seiner Praktikantenzeit. Er hatte es geschafft, sie einmal zu einem Abendessen einzuladen und es kam zu einem kurzen und intensiven Kuss. Weiterlesen

Kneipengespräch: Wer schreibt, der bleibt …

C360_2013-12-12-17-12-54-529_DxOVolkstrauertage sind traurig. Erst recht, wenn man in Kneipen sitzt und er, der Unvermeidliche, neben einem sitzt.

„Kennste den? Kennste den?“

„Wen?“

„Kennste, kennste? Warum darf ein Allergiker Cola und Bier nicht gemischt trinken? Weißte?“

„Nein.“

„Weil er sonst kollabiert. Du verstehst? Co-la-Bier-t!“

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Der Fotoladen (Läden einer Kindheit – ein Erzählprojekt)


laden-alltagskultur

Dieser Eintrag ist Teil eines Erzählprojekts von Jules van der Ley. In seinem Blogeintrag „Die Läden meiner Kindheit“ erklärt er dazu Intention und Motivation. Dort finden sich auch weitere Verlinkungen zu anderen Blogs, die das Thema aufgenommen haben und sich lohnen zu lesen.


Das Dorf war nicht groß, aber es repräsentierte die damalige Struktur eines gewachsenen Dorfes. Ein jedes Dorf braucht einen Mittelpunkt, um den es stetig wachsen konnte. Eine Keimzelle des organisierten Lebens gewissermaßen. Und in meinem Dorf war das die Kirche. Dort wurde jedes Wochenende den Dorfbewohnern erklärt, wogegen sie sich permanent im Kriege befinden würden: der heilige Krieg gegen Tod und Teufel. Und traditionsgemäß befand sich um die Kirche somit auch der erste weltliche Verteidigungsring: die Dorf-Kneipen. Von der Heiligen Kommunion überreicht vom wichtigen Dorfpfarrer bis zum ersten Pils-Korn-Gedeck serviert vom bedeutesten Dorf-Wirt betrug der Abstand vielleicht maximal vierzig Schritte.

Dass sich der Kirchen-Organist diesen Abstand immer zu eigen machte, um sich statt der Predigt solch ein westfälisches Gedeck zu gönnen, das ist aber nicht der Kern dieser Geschichte und auch nicht, dass paar Jugendliche sich den Streich erlaubten und den Organist einfach von der Orgelbühne aussperrten, als er zum Te-Deum wieder auf die Orgelbühne zurück wollte, aber nicht konnte und der Pfarrer irritiert blickte, weil zum Lobpreisen nicht den Anwesenden die Orgeltöne gespielt wurden.

Zurück zur Dorfstruktur: ein zweiter Verteidigungsring existierte nicht. Denn für die Verteidigung sind traditionsgemäß Männer zuständig und die Männerwelt war die Kneipenwelt. Die dahinter gelegenen Blumen- und Bäckereigeschäfte waren erst sekundär wichtig: für Geburtstagsblumen oder Grabgestecke und für was Süßes zum Fest oder für Bestellungen zum Leichenschmaus. Danach kamen erst Banken und Rathaus. Das Leben musste ja bezahlt oder ab- oder angemeldet werden. So hatte alles seine Ordnung.

Ganz am Rande des Dorfes existierte ein Laden, der hatte seine Magie. Gewissermaßen eine Magie in dörflicher Randlage. Der Laden war nicht groß und er war nicht aufgeräumt. Oder er war es doch, aber als kleiner Steppke durchblickte ich die Ordnung nicht. Die Größe des Ladens würde heute wahrscheinlich keiner mehr als Große der eigenen Wohnung akzeptieren. Es war ein Kramladen. Sein Besitzer war Fotograf. Mein Vater bezeichnete ihn wegen dessen Stirnglatze einmal als Denker und erklärte mir, dass der Besitzer sich gerade deswegen mit dem Fotografieren wohl so gut auskennen würde. Meine Vater hatte eine alte AGFA Kamera und hegte und pflegte sie mit Liebe. Und der Ladenbesitzer – ich nenne ihn mal Rudi – hatte meinen Vater bei dessen Begegnung dazu sehr beglückwünscht. Aufrichtige Wertschätzung bindet Kundschaft. Und AGFA war auch die Marke des Vertrauens von Rudi. Draußen am Eingang des Ladens hatte er als Überzeugungstäter auch das AGFA-Reklameschild. Während der Drogist in der Nähe der Kirche KODAK-Negativfilme als das non-plus-ultra anpries, vertrat Rudi die Marke AGFA. Mein Vater war überzeugter AGFA-Fotograf. Ob Schwarz-Weiß oder später in Farbe, er vertraute AGFA. Abzüge auf AGFA-Papier von AGFA Negativen waren immer besser, egal in welcher Farbausprägung. Das war so. Damals.

Rudi entwickelte Negativfilme selber in seiner eigenen Dunkelkammer und stellte auch die Abzüge her. Daher war Vertrauen wichtig und mein Vater vertraute Rudi. Und ich durfte immer dabei sein, wenn mein Vater sich neue Negativfilme kaufte. Der Laden war im Grunde nicht unbedingt hell gestaltet, aber das vorhandene Licht war ausreichend, um alles aus meiner kleinen Größe aus anzuschauen. Denn Rudi bot nicht nur Fotoapparate an, sondern sein Laden hatte auch Schreib- und Spielsachen. Und besonders die Spielsachen interessierten mich. So sah ich in einem Herbst ganz oben auf einem Regal den Karton einer Carrera-Rennbahn. Heilig Abend stand dann der Karton unterm Weihnachtsbaum, für mich und meinem Bruder.

Das Thema „Fotografie“ hatte aber auch mich gepackt. Und so quengelte ich bei meinen Eltern so lange, bis ich mit meinem Vater bei Rudi im Laden stand. Und Rudi hatte die passende Idee: ein „Opticus Baukasten“ der Firma „Kosmos“. Damit könnte ich etwas über Linsen, Objektive und Kameras lernen. Und: der Clou war, dass ich mir meine eigene Kamera basteln könnte. Ich bastelte fleißig und die Kamera war fertig. Der mitgelieferte Schwarz-Weiß-Rollfilm kam rein und ich versuchte mich zum ersten Mal daran, mit Licht zu gestalten. Die Negative des Rollfilms wurden freilich in Rudis Dunkelkammer entwickelt. Ich war schon ein wenig enttäuscht, als er mir und meinem Vater zeigte, dass ich nur ein zwei Silhouetten fotografiert hatte und der Rest der 34 Negativbilder schlichtweg schwarz glänzten. Die Kamera war wohl einfach nicht lichtdicht.

Nur, der Foto-Virus hatte mich infiziert und das Ziel war für mich klar: wenn ich mir keine funktionierende Kamera basteln konnte, dann musste es eine fertige sein. Und wieder stand mein Vater und ich vor Weihnachten in Rudis Laden. Mein Vater wollte, dass die Kamera was taugte, also musste es AGFA sein, und nicht zu teuer werden würde. Rudi wusste, was passend sein könnte, und am Schluss hatte ich unterm Weihnachtbaum meine „Ritsch-Ratsch-Klick“ mit rotem Auslöseknopf: eine Pocketkamera, die „Agfamatic 4000“.

Beim Kauf der Pocketkamera war mir noch etwas im Kramladen aufgefallen: es roch noch Streu, nach Heu und im Hintergrund tschilpten Vögel. Irgendwann musste Rudi sein Geschäft um eine Zoohandlung erweitert haben. Und wenn Sohnemann quengelig wird, aber Vater sein dagegen sehr …

Und wieder stand ich mit meinem Vater im Laden von Rudi. Die Spielsachen interessierten mich schon wie beim Kauf der Pocketkamera nicht die Bohne. Ich hatte die zugesagte schulische Leistung gezeigt und mein Vater löste seinen Teil des Versprechens ein. Kurz darauf versorgte ich zu Hause einen Wellensittich. Meinen Wellensittich.

Zehn Jahre war ich alt, als mein Vater mir traurig mitteilte, dass Rudi überraschend gestorben sei. Das Dorf verlor seinen Foto-Chronisten und entsprechend groß war die Trauergemeinde bei der Beerdigung. Als ich verstanden hatte, was „gestorben“ bedeutete, fragte ich meinen Vater:

„Was ist mit den AGFA-Filmen?“ „In der Drogerie gibt es welche.“ „Und das Futter für meinen Peterle?“ „Auch in der Drogerie.“ „Und die Schulsachen?“ „Die kaufen wir woanders, aber nicht in der Lottoannahmestelle an der Eisdiele.“

Deren Besitzerin mochte mein Vater nicht. Er ging dort nur hin, wenn es um Karten für alle Gelegenheiten ging. In jenem Geschäft war das Kopierer- und Druckerei-Monopol des Dorfes beheimatet. Ging es um Geburts-, Trauer-, Kommunions- und Einladungskarten, dann führte an jenem Laden kein Weg vorbei. Weder mein Vater, noch meine Mutter mochten die Besitzerin. Sie würde zu viel Böses tratschen, sagten sie mir. Ich selber, nebenbei angemerkt, mochte sie auch nicht. Denn sich in ihrem Kramladen etwas anzuschauen, das war für jene Frau offenbar ein Gräuel. Noch heute höre ich ihre meckernde Stimme beim autologistisch dahin gerotzten Standardsatz: „Wenn du es nicht kaufen wirst, brauchst du es dir auch nicht anschauen.“

Rudis Laden wurde geschlossen. Es eröffnete dort niemand mehr einen anderen Laden, denn der Besitzer der Drogerie hatte die Gelegenheit beim Schopf gepackt und übernahm das Foto-Monopol des Dorfes. Jahrelang fuhr ich als Jugendlicher am ehemaligen Laden von Rudi vorbei. Jener kleine Kramladen mit seinem AGFA-Werbeschild und seiner seltsam muffig, heimeligen Atmosphäre blieb mir in lebendiger Erinnerung. Vor einem halben Jahr kam ich dort wieder einmal vorbei. Nichts erinnerte mehr daran, dass in dem Haus ein Foto-Kramladen war. Ein normales Familien-Eckhaus in einer normalen Straße.

Die Fotografier-Leidenschaft meines Vaters habe ich weiterentwickelt. AGFA spielt bekanntermaßen keine Rolle mehr am Fotomarkt, weder als Kamera-Hersteller noch als Film-Hersteller (ja, ich fotografiere sowohl analog als auch digital). Rudi allerdings bleibt mir weiterhin in Erinnerung. Letztens, als ich ein Foto des Schauspielers Vincent Schiavelli aus jungen Jahren sah, musste ich an Rudi denken. Rudi war zwar eher ein gesetzter Typ, aber Vincent und Rudi haben ähnliche Physiognomien. Rudi war der Typus Mensch, welchen man  gern als „väterlichen Onkel“ bezeichnen würde. Und beim Betrachten von Schiavellis Foto glaubte ich für einen Moment Rudis Stimme zu hören, aber das war nur eine Illusion. Von Rudi ist letztendlich bei mir nur ein vages Bild zurück geblieben. Seine Stimme ist aus meiner Erinnerung verschwunden. Nach jetzt vierzig Jahren.

Wenn die Fahne weht, steckt der Verstand in der Trompete

„Und jeden Morgen steht ein Idiot auf.“

„Wie belieben?“

„Ich sagte Dir: Und jeden Morgen steht ein Idiot auf.“

„Wegen der Wahl in den USA?“

„Ich weigere mich in Zukunft, auch nur ein Wort Englisch zu sprechen!“

„So schlimm?“


„Erst der Brexit und dann der Trump. Von solchen Dummköpfen kann ich mich nur distanzieren und mit der Sprache fange ich an. Aus welchem Grund soll ich deren Sprache sprechen?“

„Um sie zu verstehen? Zwecks Völkerverständigung?“

„Scheiß auf Deine dummdreiste Völkerverständigung. Ich werde die Tommies und die Amies spüren lassen, dass ich keineswegs gewillt bin, ihre Sprache mehr zu sprechen. Soviel Eier habe ich, keine Angst. “

„Eine Frage der Eier?“

„Es kotzt mich an, dass die Sprache dieser Idioten Weltsprache sein soll. Die ist primitiv wie ihre Einwohner. Deren Mehrheit sind unverantwortliche, selbstherrliche Ignoranten. Sie sind dumm. Nicht böse, aber dumm. Sie haben keine Ahnung.“

„Jetzt haben Sie aber Donald Trump zitiert.“

„Was?“

„Sie haben mit Ihrem letzten drei Sätzen Donald Trump zitiert. Sie tanzen den Donald-Trump-Niveau-Limbo.“

„Na und? Warum darf ich nicht das sagen, was meine Freunde und jeder andere auch bereits im Internet auf Facebook und Twitter sagen? Was interessiert mich, was dieser Arsch mit Ohren auf zwei Beine ablässt? Der beleidigt doch, ich nicht. Ich sag nur die Wahrheit. Oder darf man die nicht mehr sagen? Oder hältst du etwa zu so einem Rassisten, Sexisten, Fremdenfeind und Umweltverächter, der unsere Welt in den Abgrund stoßen will?“

„Also sollte man wegen Brexit und Trump in Zukunft amerikanisch-englische Produkte und Geschäfte meiden und keine englisch-sprachige Musik mehr hören?“

„Vielleicht. Ich höre weiterhin Udo Lindenberg und die Toten Hosen.“

„Beide singen auch in Englisch.“

„Da schalte ich in Zukunft immer ab. Die Eier dazu habe ich.“

„Eier? Soso. Wissen Sie, was?“

„Was?“

„Wissen Sie, wie man mit rohen Eiern umgeht?“

„Wie?“

„Man haut Sie öffentlich in die Pfanne.“

„Ha! Ha!“ said the Clown, … hoppla hopp, hoppla hopp, hoppla hopp …

Ich bedanke mich zur Erteilung des letzten Wortes an mich, bevor die Urteilsverkündigung des Hohen Gerichts erfolgt, Euer Ehren.

Jawoll, Euer Ehren, ich bekenne mich schuldig, im Sinne der Anklage. Ja, ich war hinterhältig und gemein und habe gegrinst.

Jawoll, Euer Ehren, gegrinst habe ich. Grinsen ist immer ein Eingeständnis von niedrigem Beweggrund. Immer. War nie anders. Der Angeklagte des Horror-Paares aus Höxter hatte gegrinst, als er den Gerichtssaal betrat. Schuldig. Sperrt beide weg, am besten ohne Verhandlung. Anders Breivik grinste bereits bei Prozessbeginn den Richtern ins Gesicht. Beate Zschäpe ließ es sich auch nicht nehmen, ihr breitestes Grinsen im Gericht zu präsentieren. Und somit schuldig, noch vor Urteilsverkündigung, weil gegrinst. Hat nicht sogar Saddam Hussein gegrinst, als er bereits unter seinem Galgen stand? Die Welt ist voll von Schuldigen, die es wagen, vor Gericht zu grinsen. Die es wagen, überhaupt zu grinsen. Grinsen ist der Beginn der Niedertracht, der verschlagene Hinweis einer hinterlistigen Attacke. Wer grinst, bestätigt seine Schuld und glorifiziert sie. So wie Heath Ledger als „Joker“ in „The Dark Knight“. Selbst Mona Lisa grinst auch nur noch so lange, bis wir herausgefunden haben, was sie in Wahrheit verbrochen hat.

Ja, Euer Ehren, zu allem Überfluss habe ich eine Visage wie aus einem Horrorgemälde: weder ist sie glatt und faltenfrei, noch ist sie jugendlich. Meine Zähne sind gelb und lückenhaft, die Eckzähne zu spitz und die Zahnlücken zu groß, weil meine Krankenkasse bei den Zähnen nichts mehr zahlt. Dazu fehlt mir das passende vital glänzende Haar, welches meinem Gesicht ein wenig Fasson geben würde. Es fehlt mir vollkommen. Ganz zu schweigen davon, bin ich nicht korrekt geschminkt, so wie es in vielen YouTube-Tutorials vorgemacht wird, um gemocht und beneidet zu werden.

Nein, ich bin eher das lebende Gegenteil von „gemocht und beneidet“. Meine Eltern wussten bereits schon damals, dass ich im Alter hässlich wie ne Kohlrübe aussehen würde, und haben mich immer Sonntags in die Kirche geschickt. Aber das Beten hat auch nicht geholfen. Die Zeit hinterlässt ihre Spuren. Es stimmt schon, hätte ich Springerstiefel und Bomberjacke angehabt, dann würde man mich nicht einfach als einen „Horror-Clown“ abtun, sondern ich wäre lediglich Wutbürger mit individuellem Aussehen. Aber ohne diese entscheidenden Utensilien bin ich nun mal nicht wirklich gesellschaftskompatibel. Clowns waren noch nie gesellschaftskompatibel.

Ja, ich gestehe, Euer Ehren, ich war ein Tunichgut, ein Schrecken der Allgemeinheit, der Albtraum aller Schwiegermütter, die potentielle Apokalypse für Hubschraubermütter: Ausübender einer brotlose Kunst, über die niemand lachen kann. Ein Clown. Dabei wollte ich doch alle nur zum Lachen bringen. Eigentlich bin ich der „Dumme August“. Aber damals wie heute, solche will man nicht mehr. Ich höre immer nur, die Lage sei zu ernst, um über ernste Lagen Witze zu machen. Oder Satire? Die dürfe nicht alles. Erst recht nicht, wenn es auf die eigene Rechnung gehe, weil die keiner zahlen will. Überall Goldene Kälber. Darüber konnte ich nur grinsen. Aber über Goldene Kälber grinst man nicht. Und da wollte ich nicht mehr der „Dumme August“, jener Rotclown, sein, ich wollte der Besserwissende sein, der Weißclown.

Wissen Sie, Euer Ehren, in den Nuller-Jahren diese Jahrtausends, da hatte ich meine Hochzeit. All diese „Verstehen Sie Spaß“-Varianten im privaten Fernsehen. In einer dieser Versteckten-Kamera-Sendungen hatte ich die Rolle als Weißclown, so wie Tim Curry als „Pennywise“ in der damaligen Stephen Kings „ES“-Verfilmung. Als fieser Clown musste ich alte Omas mit Eierkartons in der Hand erschrecken, mit Baseballschlägern Kindergruppen aufscheuchen, mit nem Stecken Opas von Parkbänken vertreiben. Was haben die Zuschauer am heimischen Fernsehen Tränen gelacht, weil alle so blöd und panisch reagierten. Mein Vertrag war Gold wert und ein Sequel nach dem nächsten wurde abgedreht. Immer nach dem gleichen Muster. Die Einschaltquoten waren phänomenal. Bis das Interesse an jene Erschrecken-Spielchen erlahmten und die Quote einbrach.

Und jetzt Euer Ehren, so kurz vor Halloween, und so kurz vor dem neuen Start des Remakes des Films „ES“ im nächsten Jahr, dachte ich, ich könnte in der Marketing-Manege von diesem Zirkus um das Remake mit auftreten, ohne Anstellungsvertrag. Das war mein Fehler. Ich bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage. Und ich verspreche, in Zukunft werde ich wieder der liebe nette Rotclown sein, der „Dumme August“, so wie ihn hier alle mögen und lieben, nicht wahr. Und ich schwöre, ich werde niemals mehr lachen oder grinsen, damit sich keiner mehr darüber beschweren mag, ich wäre ambivalent und übelst schlecht clownesk.

Euer Ehren, Sie haben mir bereits gesagt, dass Sie in Ihrer Studentenzeit auch mal Clown gewesen waren, aber ein ausschließlich Guter und auch nur beim Karneval bis Aschermittwoch, und ich solle mir von Ihnen etwas abschneiden. Ich habe es hiermit getan. Euer Ehren, ich bedanke  mich für Ihre Zeit und Ihre geliehenen Ohren: ich harre des Urteils, welches da kommen mag.

Soll ich Ihnen die Ohren nach dem Urteil zuschicken oder kommen Sie, um sie sich selber abzuholen?

Interaktive Fortsetzung eines Traums

Was bisher geschah:

das Geschehen extern aus dem „Teestübchen Trithemius“ der Geschichte „Plötzlich, plötzlich – über die Illusion der Gegenwart

Die eigene Fortsetzung:

„[…] “Dabei ist Gegenwart immer nur plötzlich und dauert nicht länger als die Aussprache von plötzlich. Sobald uns nämlich was bewusst wird, ist es auch schon Vergangenheit.”“

Jules bewegte sich interessiert leicht nach vorne, als wollte er etwas sagen. Oder auch nur, um auf ein erneutes Quietschen von Jeremias Coster mit dessem Bürostuhl zu reagieren. Ich ging an Jeremias vorbei und stellte eine entkorkte Rotweinflasche auf den Schreibtisch.

„Es gibt keine Zeit“, warf ich lapidar ein, während ich hinter meinem Rücken drei Bordeaux-Kelche aus edelstem Glas hervorzauberte. „Zeit ist eine Illusion. Eine Erfindung der Menschen, um das Geschehen um ihn herum einzuordnen. Um damit zu handeln und zu wuchern.“ Ich stellte die Gläser in einem perfekten Dreiecksverhältnis ab. „Manche haben Zeit, andere nicht. Manche vergeuden sie, manche ersparen sie sich. Wieder andere erschlagen oder verbrennen sie. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind nur Hilfskonstrukte. Wir sind die Mähdrescher auf einem eigenen, stetig nachwachsenden Getreidefeld.“ Weiterlesen

Kneipengespräch: Westfalen unter sich

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„Und was trinkt ihr hier so?“

„Also … hier trinke ich Krombacher.“

„Ja, nee, is klar. Was trinkt ihr Leute hier im Dorf? Warsteiner? Veltins? Oder nur Krombacher?“

Nachdenkpause.

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Können Artischockenherzen vegan ausbluten?

Seit einem Monat sitzt mein neuer Kollege vor mir. Ich mag ihn nicht. Er hat einen Kopf so stromlinienförmig, dass er wahrscheinlich der ideale Tour-de-France-Abfahrer wäre. Breite Stirn, dahinter ein spitz sich verjüngender Kopf. Sein Gesicht verziert ein Zinken, der spitz herausragt und sich wie eine Kartoffel zwischen Oberlippe und Augenpartie ausbreitet. Seine Augen werden oben von buschigen Augenbrauen überschattet. Seine Haare hat gegelt und mit groben Kamm exakt parallel zu seiner Kopfform nach hinten weggekämt. Das Sonnenlicht, das hinter ihm durchs Fenster sein Haupt streift, lässt das Straßenköterblond seiner Haare noch einen Tick heller ausfallen und mit dem Gel ergibt sich gelegentlich der Effekt eines Heiligenscheins. Ich mag ihn nicht. Er ist mir zu streberhaft. Weiterlesen

Kneipengespräch: Zahlemann und Söhne

Tresen 0

„Also, das waren jetzt drei Kinder-Kölsch. Macht sechs sechzig.“

Der Gast beugte sich lässig vor und, abgestützt durch seinen Ellenbogen auf dem Tresen, ließ mit lockerer Nonchalance zwischen Zeige- und Mittelfinger eingeklemmt eine Kreditkarte vorschnellen: „Mach sieben Euro. Der Rest ist Trinkgeld.“

„Hm. Kreditkarte nehmen wir aber nur erst nach zehn Kölsch und fünf Schabaus.“

„Was? Zehn Kölsch und fünf Schnäpse? Dann bin ich ja blau und kriege die Unterschrift nicht mehr hin.“

„Das geht schon. Geht mit Chip-Zahlung und 10 Euro Kreditkartenzahlungsgebühr. Schabau määt schlau! Weeßte“, lächelte ihn der Wirt verschwörerisch an.

„Glaub ich nicht. Okay. Gut. Dann zahl ich mit EC-Karte“, sagte der Gast, holte seine Geldbörse hervor, schob die eine Karte rein und holte die andere raus.

„EC-Kartenzahlung erst ab fünf Kölsch und einen Schabau. Plus zwei Euro fuffzich EC-Kartenzahlungsgebühr.“ Weiterlesen

Wie ich mit einem Dreierpasch die Welt rettete …

Niemand von ihnen konnte es gewesen sein. Weder Herr Biersack, noch Herr Wolfhausen, noch Herr Dörthofen. Trotzdem standen sie wie Sich-schuldig-fühlend um den toten Mops herum.

„Er war ein braves Tier“, seufzte Herr Biersack.

„Ja, das war es!“, stimmte Herr Wolfhausen zu.

„Und so treu“, seufzte Herr Biersack.

„Ja, treu war er“, stimmte Herr Wolfhausen zu.

„Wie Gold“, seufzte Herr Biersack. „Da kann sich manchs Weibsbild was von abschneiden.“

„Und Mannsbild!“, pflichtete Herr Wolfhausen zu.

„Mannsbild und Kindsbild erst!“, betonte Herr Biersack. Weiterlesen

Fußballgötter

„Und sage mir, wenn unter den zwei Ungerechten ein Gerechter wäre, würdest du alle vernichtend verurteilen?“

„Nein, ich würde es nicht.“

„Und wenn derer Ungerechter doppelt so viele gäbe, und der Gerechte ein echter Gerechter wäre? Würdest du dann auch alle vernichten?“

„Nein, ich würde es nicht. Wer glaubst du, dass ich denn sei?“

„Keine Ahnung, mein lieber Gott. Aber jetzt mal ganz differenziert nachgefragt, wenn die Anzahl der Ungerechten derer Hundertfach wären und darunter einer weiterhin wäre, der Gerecht wäre, was würdest du tun?“ Weiterlesen

Gemeinsamkeiten

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Welche Gemeinsamkeit hat der Kölner Platz ‚Neumarkt‘ und der Platz vor den Münchener Riem Arcaden?

Deren Pflastersteine wurden in Indien geklopft.
Mutmaßlich aus dem selben Steinbruch.
Mutmaßlich von den selben Kindern.

Tausende stehen drauf, Tausende gehen drauf. Ob Touristen, ob Schicksale, ob Geld, das darf sich selber jeder denken. Gedanken sind frei. Und die Journalisten, die den Bericht für den WDR gemacht hatten, auch noch. Das haben sie mit uns dankenswerterweise gemein.

In Köln ist man vor 800 Jahren noch anders mit Kindern umgegangen. Eltern haben ihre Kinder rheinaufwärts nach Italien wandern lassen. Jene 20000 Kinder wollten in Genua vom 12-jährige Nikolaus das Mittelmeer mit dem weltbekannten Moses-Trick teilen sehen. Das Meer teilte sich nicht, Jerusalem wurde nicht von Kölner Jüngelche befreit. Bekanntlich endete dieser ‚Kinderkreuzzug‘ unter anderem in Pisa. Dort wurden die Pisa-Studien auf Schiffen fortgeführt. Die fuhren zwar nicht in indische Steinbrüche, aber die italienischen Seefahrtskaufleute hatten auch damals schon andere Orte, wo Kindersklaven begehrt waren. Nicht nur in Bordellen.

Dabei sollten die Kölner doch eigentlich aus den Ereignissen 100 Jahre zuvor gelernt haben. Da kam auch einer, der genauso wie der Nikolaus einen Einschreibebrief ohne Rückschein von Jesus vorweisen konnte, indem sich wer über unverschämte, blutrünstige Muselmänner beschwerte und zu politisch inkorrektem Verhalten demagogisierte. Im Namen der nächstenliebenden Christenheit. Blutrünstig und unverschämt.

Jener Haßprediger kam aus Frankreich über Aachen nach Köln. ‚Kukupeter‘ wurde er genannt, Peter von Amiens hieß er. Der Kölner hatte gerade nichts zu tun – Karneval war inzwischen auch schon vorbei, dafür hatte es Meteoritenschauer, Mutterkorn und Mondfinsternis – und als er den Kukupeter mit seinen Kreuzzugsteilnehmern aus Aachen angezogen kam, rief der Kölner begeistert „D’r Zooch kütt!“, Kukupeter warf seine Kamelle und der Kölner lief ihm „Die Karawane zieht weiter“-singend und „Alaaf“-rufend hinterher.
Bis nach Belgrad kam dieser erste Kreuzzug, wo die Kölner dann von Christen und Moslems gemeinsam massakriert wurden.

Vielleicht kamen sie dabei in Rufweite von Münchens Riem Arcaden vorbei. Auch wenn es damals weder die ‚Riem Arcaden‘ geschweige denn München gegeben hatte.

Dafür gab es aber den Kölner Neumarkt.
Und von dort aus zogen die Kinder gen Süden.

Als sich das Mittelmeer vor dem Nikolaus nicht teilte, sind nicht alle mit dem nächsten freien Schiff in die Sklaverei entflohen, einige sind auch zum Papst, um sich beim Statthalter für das entgangene Wunder zu beschweren.
Andere sind auch wieder nach Deutschland zurück.
Vielleicht nicht nach Köln, sondern dahin – schmachvoll in Sack und Asche gewandet, wofür man sie irrtümlicherweise für Mönche hielt – wo heuer noch die Stadt München liegt.

Weswegen auch klarer wird, warum München und Köln das gleiche kostengünstige Pflaster sich angeschafft haben könnten. Ein paar tausend Gedenksteine an die Kinderversklavungen dieser Welt ist nicht nur was fürs Gemüt sondern auch für die Erinnerungen deutscher Geschichte … .

Immer diese Kettenbriefe …

Gerade erhalten und hier gleich reingepackt.

Dies ist KEIN Kettenbrief!
Du darfst ihn auf KEINEN Fall weiterschicken, denn das wuerde grosses Unheil ueber Dich, deine Nachfahren und deinen Erdbeerjoghurt bringen ! Selbst Ausschnitte, ja sogar einzelne Woerter aus dem Brief koennten gefaehrlich sein.

Die Urspruenge dieses Briefes gehen auf den Abschiedsbrief eines braven Bauernburschen namens Chutka Prowik zurueck, der seiner Familie in schriftlicher Form seinen Beschluss mitteilte, dass er sein Glueck in der Ferne suchen wollte. Kurz nachdem er sich von Zuhause aufgemacht hatte und die Berge ueberquerte, wurde er von einem Unwetter ueberrascht und eingefroren. Heute ist er unter dem Namen „Oetzi“ bekannt.

Bis heute weiss niemand genau, welche seiner Worte so gefaehrlich und unheilstraechtig waren, aber sie kommen auf jeden Fall alle auch in diesem Brief vor, also sieh dich vor! Ein Beispiel fuer die schreckliche Kraft dieses Briefes ist der arme Matrose

Pitr Owoschna, der auf dem beruechtigten Atom-UBoot „Blauer November“ als Ausguck arbeitete. Waehrend das Boot auf Patrouillenfahrt im Kaspischen Meer war, bekam Pitr diesen Brief an seine Heimatadresse geliefert. Ohne das zu wissen, schrieb Pitr einen Liebesbrief an seine Freundin Januschka, in dem er ungluecklicherweise mehrere der Unheilvollen Woerter benutzte. Noch in der selben Stunde explodierte der Dieseltank des Schiffes und es versank auf Nimmerwiedersehen in der See.

Beruehmte Menschen haben das Verbot zum weiterschicken missachtet. Darunter waren Lady Di, Falko, Boris Becker, Brittney Spears (kurz bevor sie beschloss, einen Film zu drehen) und diverse Angestellte im World-Trade-Center.

Doch auch die Internetabstinenz hilft nicht gegen das Unheil. Eine Gemeinschaft von ueber hundert Internetnutzern, die alle diesen Brief erhalten hatten (weiss der Himmel woher), beschloss im Sommer 2002, ihn zu entkraeften, und zumindest eine Weile weder Mails, noch Briefe, noch Schecks zu schreiben. Sie lebten ausnahmslos alle an der Elbe … Was du also tust … du bist auf jeden Fall in den Ar*** gekniffen. (wobei mir einfaellt: Habe ich schon erwaehnt, dass dir nur jemand, der dich ueber ALLE MASSEN liebt, dir diesen Brief schicken wuerde ???)

Wie gesagt: Dies ist KEIN Kettenbrief, und er sollte auf KEINEN FALL weitergeleitet werden. Sollte aber irgendwer, der diesen Brief liesst, meinen, er muesste mir Geld geben oder Schokolade schicken oder so, dann fragt mich einfach nach Adresse oder Kontonummer… ich sag da nicht „Nein“.

So .. und falls ihr es immernochnicht bemerkt habt: Dieser Brief ist genauso erfunden (inclusive der authentischen Beweise), wie die anderen Kettenbriefe auch (nur, dass dieser Brief KEIN Kettenbrief ist !!!)

Also nicht weiterschicken!
Wer mir allerdings Schokolade und Geld …
Behandle ich alles vertrauensvoll über PN.
Das Geld bitte nur unnummeriert und in ALDI-Tüten.
Danke im Voraus.