Über das Lachen: Was lachst du? Rosenmontag?

Lachen ist gesund. Gesund Lachen. Lachen. Gesund.

Lachen ohne Humor ist genauso existent wie Humor ohne Lachen. Humor hat mit Lachen nur indirekte Verbindungen. Genauso wie umgekehrt. Die Beweisführung liegt jedes Jahr in den Händen des Aachener Karnevalsvereins mit seinem Orden „Wieder den tiereischen Ernst“. Laachen verboten. Oder in Mainz. Wenn der Karneval beim Sinken lacht. Oder wenn in München die Feierbiester am Faschingsdienstag punkt Mitternacht den Kehraus in Sachen Lachen erleben. Beim Zahlen der eigenen Zeche. Wenn nur noch das Bargeld lacht und am nächsten Tag im Fischbrunnen am Marienplatz der leere Geldbeutel geschwenkt wird. Quod erat demonstrandum.

Lachen kann tödlich sein. Absolut. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Die letzten werden die ersten sein. Wenn dem Menschen dabei das Lachen nicht im Halse stecken bleibt, beim Heraushauen von Plattitüden über das Lachen. Lachen kann tödlich enden. Wie das Leben generell.

Erstrebenswert?

Vor 55 Jahren kam es in einem Landstrich am Viktoriasee im heutigen Tanzania zu einer Lach-Epedemie. In einer Mädchenschule für Zwölf- bis Achtzehnjährige setzte sie ein und führte zu Schulschließungen. Unbeweglichkeit und Inkontinenz bis hin zur Unfähigkeit zum Sprechen und Essen waren die Auswirkungen. Symptome wie Schwindel, Atemnot und Ohnmacht wurden immer zuerst bei heranwachsenden Frauen in christlichen Schulen dokumentiert. Von diesen christlich unterrichteten Frauen sprang der Funke auf Mütter und weibliche Bekannte über. Je intensiver die weiblichen Verbindungen, desto höher die Ansteckungsgefahr. Männer, Väter und andere Lebensabschnittsgefährten waren nie betroffen.

Lachen ist für Frauen lebensbedrohend?

Vor 60 Jahren, 1957, wurde der „lachende Tod“ bereits wissenschaftlich dokumentiert. Aber Beachtung erhielt dieser „lachende Tod“ erst bei der Diskussion um degenerative Hirnerkrankungen wie Alzheimer- und Parkinson-Krankheit Aufmerksamkeit. Der „lachende Tod“ ist eine Prionenkrankheit und wird als „Kuru“ bezeichnet. Festgestellt wurde sie auf Papua-Neuguinea und bei Sansibar. Zurück geführt wurde die Krankheit bei den Menschen von Papua-Neuguinea auf das Verspeisen von toten Stammesangehörigen (Endokanibalismus). Ein Symptom der Krankheit war das unnatürliche Lachen, die Lachkrankheit. Wissenschaftlicherseits wurde festgestellt, dass Männer von dieser Lachkrankheit weniger betroffen waren. Frauen davon um so mehr.

Lachen und Frauen. Eine ungute Verbindung?

Absolut. Bereits Homer hatte vor 2800 Jahren drei nicht enden wollende Gelächter der Götter aufgeschrieben. Jenes unlöschbare Gelächter der Götter, asbestos gelos, benannt nach dem Lachgott Gelos. Bei der ersten Gelegenheit ging es um eine nicht akzeptable sexuelle Affäre der Aphrodite, dann um einen Konflikt der Hera mit ihrem Mann, dem Zeus, und zu guter Letzt ein Gelächter der Freier, ausgelöst von der Athene im Hause Odysseus. Dreimal Frauen, dreimal göttliches Gelächter über jene.

Wesentlich geschlechterneutraler ging es vierhundert Jahre später zu: Plato nahm sich des Lachens an und identifizierte es als staatszersetzend und subversiv. Schadensfreude ist nach Plato Böswilligkeit, welche anderen Schmerz zufügt. Weitere hundert Jahre danach befindet Aristoteles, dass der Witz eine Form der gebildeten Frechheit bis gar Unverschämtheit sei. Lachen allerdings empfindet er als wünschenswert, wobei er ein zu viel des Guten als vulgär und possenreisserisch verurteilt. Lachen als rhetorisches Mittel allerdings befürwortet er zum Zwecke der Überzeugung, der Missbilligung und der Kontrolle.

Vor über 370 Jahren erklärte der Philosoph Decartes, dass das Lachen eine physische Fehlfunktion darstelle. Selbst Hobbes erklärt, dass Lachen einer der schlimmsten Eigenschaften des Menschen zur Steigerung des Selbstgefühls wäre. Lachen ist für ihn ein Zeichen von Hass und Verachtung gegenüber den anderen, den Gegnern.

Das 18. Jahrhundert brachte Philosophen hervor, die das Lachen unterschiedlich beurteilten. Kant sah eine Erklärung zum Lachen in psychosomatische Effekte, nach der Körper und Verstand mittels dem Gefühl in Balance gebracht werden. Hegel  erkannte in dem Lachen eine entäußerte Inkarnation des Inneren. Schopenhauer vertrat die Ansicht der Inkongruenz: Wahrnehmungen einer Sache, Person oder Aktion und deren abstrakten Darstellung wiesen Abgründe auf, die mit dem Lachen überbrückt wurden. Bergson betrachtete das Lachen als ein soziales Regulativ, in welchem die Mitglieder einer Gruppe durch Demütigung zur Einhaltung von Normen gebracht werden.

Andere Philosophen hatten noch weiter gehende Ansichten, aber immer war eines zu erfassen: das Lachen wurde im Zusammenhang mit dem Komischen besonders im Mittelalter als negativ bewertet, weil es dazu diente, Überlegenheit zu zeigen und gesellschaftlich erwünschte Normen zu stabilisieren. Lachen war immer das Störende gegenüber der Vernunft.

Umberto Eco beschrieb dieses in seinem Buch „Der Namen der Rose“. Dort ging es um ein Buch von Aristoteles, in welchem Aristoteles sich mit dem Lachen als Befreiung von Zwängen auseinandersetzte. Lachen als eine Kunst, als eine Philosophie. Im Roman fiel das Buch den Flammen eines gestrengen Klosters zum Opfer.

Nur, wo blieben die Frauen in der Geschichte des Lachens? Sie verbleiben bei der Thales-Anekdote von Plato: ein Denker und Sternendeuter schaut nur nach oben zum Himmel und fällt dabei in ein Loch. Eine Magd, als hübsch und witzig beschrieben, spottet darüber, dass der Denker immer nur nach oben schaute, für das wesentliche zu seinen Füßen aber keinen Blick übrig hatte. Die Magd spielte danach keine weitere Bedeutung mehr bei Plato. Ihr Lachen verhallte ohne großes weiteres Echo bei Platos Betrachtungen.

Frauen und Lachen. Frauen lächeln und lachen zur Konfliktregelung und zur Konfliktvermeidung. Sicherlich dient Lachen zur Stressreduzierung und hat auch einen Anteil an der Prävention von Krankheiten. Frauen lachen situativ und selbstbezogen mit einem Bestreben zum ausgleichenden Humor. Dabei werden Humor und Lachen oft gleichwertig benutzt. Das Lachen selber wird weitgehend als reflexartige und willkürliche Körperreaktion auf empfundene Emotionen definiert. Dabei leitet sich das Wort „Humor“ sprachlich von Körpersäften ( lateinisch von „humores“) ab,  nämlich Schleim, Blut, schwarze und gelbe Galle. Die Auffassung  der Säfte im ausgeglichenen Verhältnis („guter Sinn  für Humor“) im Hinblick auf mögliche Unausgeglichenheit („humorlose Person“) hat sich heutzutage gewandelt. Humor wird als die geistige Fähigkeit der Grenzüberschreitung angesehen, die sich in Lächeln oder Lachen ausdrücken kann. Gelacht wird allerdings auch über das, was eigentlich Angst macht. Somit wird ein inneres Gleichgewicht geschaffen, was verhindert, dass Aggressionen offen ausbrechen können. Lachen als Überdruckventil der eigenen Emotionen.

Von den Weltreligionen Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam sticht das Christentum als die heraus, die sich vom Lachen am weitesten befreit und distanziert hat. Buddha war ein Meister des Lachens. Mohamed hat nachgewiesenermaßen gelacht. Im Alten Testament lachte Gott ein paar Mal lediglich im Buch Genesis, allerdings nicht mit den Menschen sondern über diese. Nur der Jesus des Neuen Testaments wandelt ohne Lachen durch seine Geschichte von Geburt über Kreuzigung bis zu hin zu seiner Auferstehung. Kein Lachen. Kein Lächeln. Nichts. Im Christentum wurde das Lachen eine Eigenschaft des Teufels, weil Lachen die Seele zerstört. Der Ernst war heilig und des Himmels. Lachen symbolisiert dagegen niedrige Weltlichkeit und Sünde. Nur ganz ohne Lachen lebt der Mensch nicht. Weswegen es in gelenkte Bahnen gebracht werden sollte. Bestimmte Zeiträume wurden dem Lachen zur Kanalisierung zugestanden. Der Karneval als Zeitraum des instituierten Lachens. Der Straßenkarneval als Zugeständnis der Belustigung des niederen Menschen und seiner Sündhaftigkeit. Seit den ersten Kapitel der Bibel ist die Ursprung der Sünde bei Menschen schon immer die Frau. Die immer lacht.

Und am Aschermittwoch ist dann alles vorbei, so erklärt der Mann dem „Immer wieder lockt das“-Weib, dass es am Mittwoch Schluss mit Lustig zu sein hat. Die Frau als das verführende Subjekt, jene Unersättliche, die immer das Böse im Manne hervorlockt, der sie darauf mit ewiger Potenz zu bedienen hat. Lachen war das Zeichen der unersättlichen sexuellen Begierde der Frau, das Zeichen der sich unkontrolliert öffnenden und zuschnappenden Vulva der Frau. Und die hatte der Mann unter Kontrolle zu halten. Kastrationsängste.

Lachen? Pygmäen liegen vor Lachen hemmungslos auf dem Boden, während bei den Dobuans in Neuguinea das Lachen als negativ angesehen wird. Für Thais gilt lautes Lachen als vulgär, was in mediterranen Ländern Europas mit erheblichen Unverständnis quittiert wird. Nur noch Kinder und die ärmeren Klassen Mitteleuropas lachen ausgelassen mit dem ganzen Körper. Darum wird Comedy oftmals mit dem angeblichen Humor von Hartz-4-Empfängern gleich gesetzt. Comedy als soziales Zugeständnis an das Lachbedürfnis der Armen. Im Gegensatz dazu wurde Kabarett immer als Spielwiese für Akademiker und anderen Intellektuelle deklariert. Wohlgemerkt, deklariert von vielen Akademikern und Pseudo-Intellektuellen, aber nicht von den Kabarettisten an sich. Wer etwas auf sich hält und nicht mit den Unterschichten einer Gesellschaft in Verbindung gebracht werden möchte, der hält sich von der Comedy und dessen Humor fern. Der spuckt ostentativ auf deren Humor oder was man selber dafür hält, weil man sich selber als etwas besseres beurteilt. Es gibt eine klare Trennung von lustig und nicht lustig, angemessenes und nicht angemessenes Lachen. Das gilt auch für Satire. Und wer diese Trennung nicht akzeptiert, der wird notfalls vors Gericht gebracht. Was gerichtsmäßig verwertbar ist, bleibt unterschiedlich.

Frauen lachen doppelt so häufig wie Männer, Kinder bis zu zehnmal häufiger als Erwachsene. Lautes Lachen bei Frauen gilt jedoch als unschicklich. In deren Pubertät wird es aber gerade noch geduldet. Lautes Lachen hatte schon immer etwas von Rebellion gegen soziale Normen und ist deshalb unerwünscht. Bis in den sechziger Jahren galt lautes Lachen von Frauen in Deutschland noch als Indiz für Wahnsinn oder als eindeutige sexuelle Erklärung. Die weibliche Rolle sieht Bescheidenheit und Passivität vor. Lachen in Anwesenheit von Männern wird auch noch heute als sozial-inkompatibel angesehen. Und je höher der gesellschaftliche Rang der Frau desto weniger wird gelacht. Darum ist die Queen auch nur noch maximal „amused“, aber öffentlich laut gelacht hat sie noch nie.

Bis Aschermittwoch werden im Fernsehen die Aufzeichnungen des diesjährigen Sitzungskarnevals heraus gehauen. Jede freie Minute wird dazu verwendet und kann als Beleg dafür gewertet werden, dass das Lachen in dieser Zeit als männliche Domäne gilt. Frauen haben dort wenig zu suchen. Selbst die Kölner Stunksitzung – ein Überbleibsel eines Karnelvalsansatzes der 80er Jahre, welcher sich als „alternativ“ zum „konventionellen Karneval“ definierte – kommt aus diesem Dilemma nicht raus, selbst wenn dort der Frauenanteil der aktiven Bühnenteilnehmer erheblich über dem der konventionellen Karnelvalssitzungen liegt. Auch dort tankt sich immer wieder das Bild der Frau als „Immer wieder lockt das“-Weib durch. Ein Bild, welches am Aschermittwoch „Schluss mit Lustig“ nach sich zieht.

Beruhigend ist, dass der Karneval  bald vorbei ist und dass dann Frauen auch weiterhin bei beim Lachen der Massen mitwirken werden. Auch wenn es bei einigen Frauen der Humorszenen zu Schmerzen beim Zuhören führt. Aber solange bestimmte männliche Comedians und Pseudo-Kabarettisten versuchen, das Volk zu bespassen, dürfen Frauen ruhig mitmachen. Mit dem Aschermittwoch endet längst noch nicht alles lachhaftes, was so einem zum Schlucken genötigt wird … aber das ist eine andere Geschichte über Kröten, die einem im Halse stecken bleiben …

Zum heiteren Karneval: Die Lage ist ernst …

Vielleicht hätte ich es unterlassen sollen. Am Alter Markt in der Kölner Altstadt. Zur Eröffnung des Straßenkarnevals am Altwieverfastelovend. Ich hätte es unterlassen sollen. Als ich bei einem der vielen Polizisten mit ihren durchgeladenen Maschinengewehren, die zum Schutze der Altwieverfastelovend-Jecken an strategischen Punkten öffentlich sichtbar positioniert waren, als ich in so einem Maschinengewehrlauf eine rote Nelke hinein steckte.

Nelken in Gewehrläufe. Tut man nicht. Nicht kurz vor Karnevalsbeginn, vor 11:11 Uhr. Und auch nicht kurz danach, nach 11:11 Uhr. Selbst dann nicht, wenn auf der großen Bühne diverse Karnevalsgesellschaften die Veralberung des Militärischen mit ihren offiziellen Karnevalsuniformen betreiben.

Nelke in Gewehrlauf. Das ist kein Spaß. Selbst wenn man es mit einem freundlichem Lachen tut.

Sie verkennen den Ernst der Lage, mein Lieber!“

Seine Worte waren von ihm langsam und bedächtig ausgesprochen worden. Mit einer Geste winkte er seinen Begleiter heran.

Ich bezweifle, dass die Lage überhaupt Ernst verdient hat. Sie ist eher lachhaft“, entgegnete ich und versuchte ebenfalls Ruhe in meiner Sprache zu bringen.

Sie sollten vorsichtig mit Ihrer Einschätzung sein. Es gibt viele Leute, welche die Lage sorgt.“

Sein Begleiter stand jetzt hinter ihm. Sein Blick fixierte mich wie ein Gerichtsdiener einen Verbrecher beobachtet. Ich war mir meiner Einstellung sicher, aber der Mann und sein Begleiter waren aus einem anderen Holz geschnitzt als vielleicht jene, die zuvor mit mir in Kontakt getreten waren. Freudloser erschienen sie mir.

Warum habe ich den Eindruck, dass Ihnen die Sorgen anderer Freude bereiten?“

Das Wort ‚Freude‘, mein Lieber, ist deplatziert. Eine solche Lage ist nie eine ‚Freude‘.“

Aber Sie schüren mit Begeisterung Angst.“

Ich schüre keine Angst. Ich versuche lediglich, die Situation stabil zu halten.“

Sie malen den Teufel an die Wand und nähren die Angst, dass der Teufel mächtiger sei als alles andere.“

Sein Blick musterte mich abwägend.

Nennen Sie es, wie Sie es wollen, aber akzeptieren Sie die Notwendigkeit des Ernstes … .“

… der Lage, ich weiß.“

Meine Ungeduld hatte mich ihm ins Wort fallen lassen. Und ich wollte der kurz entstandenen Gesprächspause keinen weiteren Raum gewähren:

Sie haben Angst vor dem Lachen der Menschen. …“

Das Lachen ist ein Zeichen der Beschränktheit des Menschen …“

Das Lachen ist ein Zeichen, dass Angst besiegt wurde, und dass Schreckensbilder keine Macht mehr über den Menschen haben. Ein lebensnotwendiges Ventil, Widersprüche weg zu lachen.“

Ein Mensch, der sich von einer Angst befreit, ist ein unkontrollierbarer Mensch.“

Ihr Leitbild ist somit der kontrollierte Mensch? Darum der Aufmarsch der Waffen hier?“

Was für das Individuum hin und wieder eine Wohltat sein kann, ist für die Massen eine Geißel, die durch so etwas in Anarchie abzugleiten droht.“

Es ist nichts Schlechtes dabei, wenn die Ernsthaftigkeit der Gegner durch Lachen zersetzt wird.“

Das Lachen ist ein Zeichen für einer niedrig entwickelten Gesellschaft, die es verdient, dass dessen Freiheit eingegrenzt wird. Sie muss durch demonstriertem Ernst erniedrigt und eingeschüchtert werden. Durch einen heiligen Ernst. Der selbst den Tod zum ehrfürchtigen Ziel werden lässt.“

Ich verstehe. Und wer sich diesem mit Lachen widersetzt, für den wird der Tod lachhaft. Der nimmt sogar dem Tod seinen Schrecken.“

Eine lachende Armee hat noch nie einen Krieg gewonnen!“

Eine lachende Armee ist ein Widerspruch in sich. Sie würde noch nicht mal das Töten im Krieg ernst nehmen.“

Ein Spotten und ein Verlachen hat noch nie einen Wert geschaffen!“

Lachen heilt Menschen.“

Wozu soll das ein Wert sein? Der Mensch wird geboren, um zu sterben. Der Tod lässt sich nicht weg lachen. Und Epidemien lassen sich nur mit nötigem Ernst aufhalten. Lachen wird es nie schaffen.“

Lachen ist aber das kleinere Übel, ein Leben zu verbringen. Über das Übel zu lachen, macht es erträglicher, statt es nur ernst zu nehmen.“

Ein kleineres Übel? Ihnen fehlt der notwendige Respekt vor dem, was anderen heilig ist. Das Lächerlich-Machen ist keine Kunst. Sondern es ist nur zerstörend und Gesellschaft zersetzend.“

Das Lächerlich-Machen, welches Sie meinen, hat auch nichts mit dem Lachen zu tun. Ihre Definition dazu soll nur Angst erzeugen. Angst vor der schneidenden Waffe des Lachens, welches die einengenden Stricke der Angst zerschneidet und den Menschen davon befreit.“

Sie sollten sich reden hören! Einfach unsinnig. Lachen ist kein Reinigungsmittel, welches den Menschen von seinen Mängeln und Lastern und Schwächen erlöst!“

Sie kann aber dem Menschen dabei helfen. Lachen erhebt den Menschen über seine Unperfektheit und lässt jene leichter schultern.“

Sie haben es nicht kapiert. Der lachende Mensch fühlt sich als Herr, als ein Umstürzler von Herrschaftsverhältnissen, als der Anarchist und Bilderstürmer, welcher die Ordnung stört und die Gemeinschaft zerstört. Und Ihre Nelke, mein Lieber, Ihre lächerliche Nelke im Gewehrlauf von Bereitschaftspolizisten zu Karneval ist so dermaßen schlecht, dass wir anfangs erst gar nicht in Erwägung gezogen haben, Sie Ernst zu nehmen.“

Seine Stimme war scharf und schneidend geworden. Sie erzeugte in mir eine Beklemmung, eine unbestimmte Angst. Sie verwirrte mich. Ich atmete tief durch und bemerkte, dass er das Spiel der Angst mit mir zu spielen versuchte.

Nein, mein Herr, das klappt nicht“, lachte ich auf, „darauf falle ich nicht rein!“

Das ist ohne Bedeutung, mein Lieber. Ohne jegliche Bedeutung. Denn mit ihrer letzten Handlung haben Sie die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Den Ernst vorsätzlich ignoriert. Das Wichtige versucht, ins Lächerliche zu ziehen. Ernsthafte Menschen mit den heiligen Idealen einer schützenswerten Gesellschaft versucht der Lächerlichkeit preis zu geben.“

Heilige Ideale einer Gesellschaft? Sie heben so etwas in die Höhe, um andere dafür leichter als Niedere abgrenzen zu können?“

Ideale sind immer hoch. Und eine Gesellschaft sollte Angst darum haben, die Entfernung zu diesen zu vergrößern!“

Das ist keine Höhe. Das ist lediglich eine Fallhöhe.“

Nennen Sie es, wie sie es wollen. Sie haben mit Ihrer Aktion an den Stützpfeilern dieser Ideale gesägt. Und das konnten wir nicht mehr ignorieren.“

Er gab seinem Begleiter mit seiner Hand ein Zeichen. Seine Begleitung öffnete seine Tasche, entnahm Handschellen und Stricke und trat einen Schritt auf mich zu.

Ich hatte mich geirrt! Sie haben keine hohen Ideale. Sie müssen die der anderen erheblich tiefer legen, damit ihre als höhere erscheinen. Sie sind Mitglied einer lachhaften Satire-Sharia-Polizei.“

Satire-Sharia-Polizei? Mäßigen Sie sich! Dass Mohammed eindeutig gelacht hat, ist überliefert. Aber Jesus hat nie gelacht. Niemals! Im Alten Testament, im Buche Genesis, lachte Gott maximal über törichte Menschen. Abrahams Sohn Isaak ist das Ergebnis und Isaak heißt übersetzt ‚er lachte‘. Und mit dem Neuen Testament wurde dem Lachen endgültig ein verdientes Ende gesetzt, mein Lieber. Wir leben hier in der Tradition des christlichen Abendlandes. Vergessen Sie das nicht nicht!“

Hören Sie sich überhaupt noch reden? Sie haben wirklich keine hohen Ideale. Nicht im Geringsten. Sie müssen die Ideale der anderen erheblich tiefer legen, damit ihre als die Höheren erscheinen. Sie sind Befürworter des Ernstes, der Lustfreiheit, Gegner jeglicher hedonistischen Regung, Verwalter eines eigenen humorbefreiten Sumpfes! Sie stehen in der Tradition der wahren Christen, die jedes Lachen als unfreundlichen Akt der Sympathie für den Teufel bezeichnen. Bei Ihnen hat dieses ‚Tiefer-legen‘ System. Allein, in Ihrem Sumpf bedeutet das ‚Tiefer-legen‘, dass Sie den anderen dabei ertränken. Ich lache über Sie.“

Mein Lachen erstickte auf halbem Wege, als der Begleiter Hand an mir legte. Ich spürte die Angst, konnte sie nicht mehr weg lachen. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt, etwas zu versuchen, was ich nie intensiv gelernt hatte: Lachen als Bekämpfungsmethode der eigenen Angst.

Der Mann beugte sich vor und schaute mir direkt in meine Augen, während sein Begleiter mich mit den Handschellen fixierte und mit den Stricken um meinen Körper mir die Luft abschnürte.

Sehen Sie, mein Lieber, Sie haben Angst. Ihr Lachen hilft Ihnen nicht aus ihrer Situation, Ihr Lachen ist dabei zu sterben. Es ist Ihre eigene Schuld, es hätte nicht soweit kommen müssen. Sie hätten den Ernst der Lage anerkennen sollen, statt zu versuchen, sich mit jener dümmlichen Aktion zu profilieren.“

Meine Lunge war von den Stricken eingepresst, das Atmen fiel mir schwer und schwerer, ich hörte ein Rauschen in meinen Ohren, mein Gegenüber wurde schwammig, ich konnte ihn nicht mehr scharf sehen, es wurde immer dunkler.

Und mit einem Mal spürte ich den Schmerz nicht mehr.

Unvermittelt ging mir ein Satz durch den Kopf:

In diesem Theater sind alle Notausgänge verrammelt und abgeschlossen. Im Notfall bitte also nicht in Panik ausbrechen. Es lohnt nicht.“

Ich musste lachen.

Innerlich.

Ohne Angst und Panik.

Mein Kopf wurde schwer.

Alles gut …

Während heute Stephanus gesteinigt wird, …

„Du hast gar keine Chance, nicht zu leben. Du lebst heute schon woanders. Du lebst auf deinen Sohn, auf deiner Tochter. Du lebst auf allen Leuten, bei denen dein Herz etwas schneller geht.  Weiterlesen

Die Satire-Polizei

„Sie verkennen den Ernst der Lage, mein Lieber!“
Seine Worte waren von ihm langsam und bedächtig ausgesprochen worden. Mit einer Geste winkte er seinen Begleiter heran.
„Ich bezweifle, dass die Lage überhaupt Ernst verdient hat. Sie ist eher lachhaft“, entgegnete ich und versuchte ebenfalls Ruhe in meiner Sprache zu bringen.
„Sie sollten vorsichtig mit Ihrer Einschätzung sein. Es gibt viele Leute, welche die Lage sorgt.“
Sein Begleiter stand jetzt hinter ihm. Sein Blick fixierte mich wie ein Gerichtsdiener einen Verbrecher beobachtet. Ich war mir meiner Einstellung sicher, aber der Mann und sein Begleiter waren aus einem anderen Holz geschnitzt als die, die zuvor mit mir in Kontakt getreten waren.
„Warum habe ich den Eindruck, dass Ihnen die Sorgen anderer Freude bereiten?“
„Das Wort ‚Freude‘, mein Lieber, ist deplatziert. Eine solche Lage ist nie eine ‚Freude‘.“
„Aber Sie schüren mit Begeisterung Angst.“
„Ich schüre keine Angst. Ich versuche lediglich, die Situation stabil zu halten.“
„Sie malen den Teufel an die Wand und nähren Angst, dass der Teufel mächtiger sei als alles andere.“
Sein Blick musterte mich abwägend.
„Nennen Sie es, wie Sie es wollen, aber akzeptieren Sie die Notwendigkeit des Ernstes … .“
„… der Lage, ich weiß.“
Meine Ungeduld hatte mich ihm ins Wort fallen lassen. Und ich wollte der kurz entstandenen Gesprächspause keinen weiteren Raum gewähren:
„Sie haben Angst vor dem Lachen der Menschen. …“
„Das Lachen ist ein Zeichen der Beschränktheit des Menschen …“
„Das Lachen ist ein Zeichen, dass Angst besiegt wurde, und dass Schreckensbilder keine Macht mehr über den Menschen haben. Ein lebensnotwendiges Ventil, Widersprüche wegzulachen“
„Ein Mensch, der sich von einer Angst befreit, ist ein unkontrollierbarer Mensch.“
„Ihr Leitbild ist der kontrollierte Mensch?“
„Was für das Individuum hin und wieder eine Wohltat sein kann, ist für die Massen eine Geißel, die durch so etwas in Anarchie abzugleiten droht.“
„Es ist nichts Schlechtes dabei, wenn die Ernsthaftigkeit der Gegner durch Lachen zersetzt wird.“
„Das Lachen ist ein Zeichen für einer niedrig entwickelten Gesellschaft, die es verdient, dass dessen Freiheit eingegrenzt wird. Sie muss durch einen Ernst erniedrigt und eingeschüchtert werden. Durch einen heiligen Ernst, der selbst den Tod zum erfürchtigen Ziel werden lässt.“
„Ich verstehe. Und wer sich diesem mit Lachen widersetzt, für den wird der Tod lachhaft. Der nimmt sogar dem Tod seinen Schrecken.“
„Eine lachende Armee hat noch nie einen Krieg gewonnen!“
„Eine lachende Armee ist ein Widerspruch in sich. Sie würde noch nicht mal das Töten im Krieg ernst nehmen.“
„Ein Spotten und ein Verlachen hat noch nie einen Wert geschaffen!“
„Lachen heilt Menschen.“
„Wozu soll das ein Wert sein? Der Mensch wird geboren, um zu sterben. Der Tod lässt sich nicht weglachen. Und Epidemien lassen sich nur mit nötigem Ernst aufhalten. Lachen wird es nie schaffen.“
„Lachen ist aber das kleinere Übel, ein Leben zu verbringen. Über das Übel zu lachen, macht es erträglicher, statt es nur ernst zu nehmen.“
„Ein kleineres Übel? Ihnen fehlt der notwendige Respekt vor dem, was anderen heilig ist. Das Lächerlichmachen ist keine Kunst, sondern nur zerstörend und gesellschaftzersetzend.“
„Das Lächerlichmachen, welches Sie meinen, hat auch nichts mit dem Lachen zu tun. Ihre Definition dazu soll nur Angst erzeugen. Angst vor der schneidenden Waffe des Lachens, welches die einengenden Stricke der Angst zerschneidet und den Menschen davon befreit.“
„Sie sollten sich reden hören! Einfach unsinnig. Lachen ist kein Reinigungsmittel, welches den Menschen von seinen Mängeln und Lastern und Schwächen erlöst!“
„Sie kann aber dem Menschen dabei helfen. Lachen erhebt den Menschen über seine Unperfektheit und lässt jene leichter schultern.“
„Sie haben es nicht kapiert. Der lachende Mensch fühlt sich als Herr, als Umstürzer von Herrschaftsverhältnissen, der Anarchist und Bilderstürmer, der die Ordnung stört und Gemeinschaft zerstört. Und Ihre Satire-Versuche, mein Lieber, Ihre lächerlichen Satire-Versuche sind so dermaßen schlecht, dass wir anfangs erst gar nicht in Erwägung gezogen haben, Sie Ernst zu nehmen.“
Seine Stimme war scharf und schneidend geworden. Sie erzeugte in mir eine Beklemmung, eine unbestimmte Angst. Sie verwirrte mich.
Ich atmete tief durch und bemerkte, dass er das Spiel der Angst mit mir zu spielen versuchte.
„Nein, mein Herr, das klappt nicht“, lachte ich auf, „darauf falle ich nicht rein!“
„Das ist ohne Bedeutung, mein Lieber. Ohne jegliche Bedeutung. Denn mit ihrer letzten Veröffentlichung haben Sie die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Den Ernst vorsätzlich ignoriert. Das Wichtige versucht, ins Lächerliche zu ziehen. Ernsthafte Menschen mit heiligen Idealen einer Gesellschaft, dem Lächerlichkeit preis zu geben.“
„Heilige Ideale einer Gesellschaft? Sie heben so etwas in die Höhe, um andere dafür leichter als Niedere abgrenzen zu können?“
„Ideale sind immer hoch. Und eine Gesellschaft sollte Angst darum haben, die Entfernung dazu zu vergrößern!“
„Das ist keine Höhe. Das ist lediglich eine Fallhöhe.“
„Nenne Sie es, wie sie es wollen. Sie haben mit Ihrer Satire an den Stützpfeilern dieser Ideale gesägt. Und das konnten wir nicht mehr ignorieren.“
Er gab seinem Begleiter mit seiner Hand ein Zeichen. Seine Begleitung öffnete seine Tasche, entnahm Handschellen und Stricke und trat einen Schritt auf mich zu.
„Ich hatte mich geirrt! Sie haben keine hohen Ideale. Sie müssen die der anderen erheblich tiefer legen, damit ihre als höhere erscheinen. Sie sind einer lachhaften Satire-Sharia-Polizei. Sie sind Befürworter des Ernstes, der Lustfreiheit, Gegner jeglicher hedonistischen Regung, Verwalter eines eigenen humorbefreiten Sumpfes! Bei Ihnen hat das ‚tieferlegen‘ System. Nur, in Ihrem Sumpf bedeutet ‚tieferlegen‘, dass Sie den anderen dabei ertränken. Ich lache über Sie.“
Mein Lachen erstickte auf halbem Wege, als der Begleiter Hand an mir anlegte. Ich spürte die Angst, konnte sie nicht mehr weglachen. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt, jetzt etwas zu versuchen, was ich nie intensiv gelernt hatte: Lachen als Bekämpfungsmethode der eigenen Angst.
Der Mann beugte sich vor und schaute mir direkt in meine Augen, während sein Begleiter mich mit den Handschellen fixierte und mir mit den Stricken um meinen Körper die Luft abschnürte.
„Sehen Sie, mein Lieber, Sie haben Angst. Ihr Lachen hilft Ihnen nicht aus ihrer Situation, Ihr Lachen ist dabei zu sterben. Es ist Ihre eigene Schuld, es hätte nicht soweit kommen müssen. Sie hätten den Ernst der Lage anerkennen sollen, statt zu versuchen, sich mit einer dümmlichen Satire zu profilieren.“
Meine Lunge war von den Stricken eingepresst, das Atmen fiel mir schwer und schwerer, ich hörte ein Rauschen in meinen Ohren, mein Gegenüber wurde schwammig, ich konnte ihn nicht mehr scharf sehen, es wurde immer dunkler.
Und mit einem Mal spürte ich den Schmerz nicht mehr.
Unvermittelt ging mir ein Spruch noch durch den Kopf:

„In diesem Theater sind alle Notausgänge verrammelt und abgeschlossen. Im Notfall brauchen Sie somit keine Panik bekommen. Lohnt nicht.“

Ich musste lachen. Innerlich. Ohne Angst und Panik. Mein Kopf wurde schwer.
Alles wird gut …

Kneipengespräch: Witzigkeit kennt keine Grenzen

Tresen2

»Du kannst mir alles sagen, was du möchtest, aber diese Bevormundung seitens gesellschaftlicher Randgruppen geht mir auf den Zeiger!«

Es durchzuckte mich ein Blitz der Aufmerksamkeit. Mein starrer Blick auf die einfallende Schaumkrone meines Kölsch wurde uninteressant und ich schaute nach links zu meinem Sitznachbarn.

»Warum, frage ich dich, warum muss ich mir von denen sagen lassen, was ich zu tun und zu lassen habe?!«
»Tun die das?«
»Ja. Sie wollen, dass wir nicht mehr unsere Musik hören dürfen.«
»Ach ja?«
»Ja!«
»Ja? Erzähl mir ein Beispiel.«
»Ja? Gut, da passierte letztens in Österreich folgendes: Ein Türke steigt in Innsbruck in ein Taxi. Kaum Platz genommen, ersucht er den Taxifahrer, das Radio auszuschalten. ‚Ich möchte diese Musik nicht hören. Unsere Religion verbietet das und in der Zeit des Propheten gab es noch keine Musik, vor allem diese Volksmusik ist nur für Euch Ungläubige.‘ Der Taxifahrer schaltete darauf das Radio aus, blieb stehen und öffnete die hintere Tür. Der Moslem schaute ihn an und fragte: ‚Wieso bleibst du stehen?‘ Der Taxifahrer antwortete: ‚In der Zeit des Propheten gab es noch kein Taxi, also steig aus und warte auf dein Kamel!‘ Und jetzt, mein Bester, sage mir nochmals, die wollen uns nicht Bevormunden.«

Er schaute mich triumphierend an. Mein Blick wanderte zurück auf die zusammenfallende Schaumkrone meines Kölsch. Kölsch in München, ja, geht’s noch? Kölsch? Bei den Münchner Brauereien vor Ort?
Die Geschichte meines Nachbarn belastete mein Gemüt, aber ich konnte nicht umhin, nachzuhaken:

»Sie haben sicherlich auch von den Fakten gehört, dass viele Juden in den Finanzbereichen sitzen und im Diamantenhandel schwer involviert sind, nicht wahr?«
»Kommen Sie mir nicht damit, okay? Erstens stimmt es und zweitens ist es nachweisbar, wie stark die Juden im Geld- und Bankenbereich verwurzelt sind.«
»Das bestreite ich nicht.«
»Dann bestreiten Sie auch nicht, dass in der Finanzkrise 2008 diese ihre Finger im Spiel hatten.«
»Nein, das bestreite ich nicht. Viele hatten ihre ungewaschenen Finger im Spiel. Auch Juden. Aber im Bereich Finanzwesen, da kennen sich auch Christen genauso gut aus. Ein Bischof namens Tebartz van Elst ist das neuste Synonym finanzieller Kompetenz in eigenen öffentlichen Angelegenheiten.«
»Ich bin ausgetreten. Für die zahle ich nicht.«
»Kennen Sie Robbin Williams? Den Schauspieler?«
»Die Schnapsnase?«
»Der hat mal bei einem deutschen Journalisten auf die Frage ‚Mr. Williams, warum gibt es nicht so viel Comedy in Deutschland?‘ tiefsinnig geantwortet: ‚Schon mal drüber nachgedacht, dass die Deutschen all die komischen Leute umgebracht haben?‘«
»Diese Amerikaner! Die denken, sie seien der Nabel der Welt, haben aber noch nicht mal für 5 Cent Verstand. Die sind so dermaßen ignorant. Idioten? Kennen nur deren eigene vier Quadratmeter! Und jene Schnapsnase wirft uns die Ermordung der Juden vor. Aber deren eigenen Verbrechen ignoriert der einfach! Der soll mal vor der eigenen Haustüre kehren!«

Jetzt war er auf 150:

»Nach fast einem Jahrhundert! Der sollte weniger saufen, dann kriegt er auch einen klareren Blick!«

Mein Blick auf mein zehntes Kölsch war ein wenig eingetrübt. Aber verstehen konnte ich ihn noch ohne Probleme. Allerdings anders, denn in der Nazizeit wurde nicht nur das Judentum ausgerottet, sondern es wurde auch der jüdische Humor aus dem deutschen Humorverständnis getilgt. Humor wurde generell als ‚subversiv“ und verfolgungswürdig erklärt. Das wurde mir ganz verstärkt klar, als er intensiv noch nachsetzte:

»Wir brauchen keine Dinge wie Judentum oder Islam! Was haben die uns schon gebracht? Nur Blut, Leid und Tränen.«
»Auch kein Christentum?«
„Ich hab doch bereits gesagt, ich bin ausgetreten. Zahlungen für Religionen? Ich bin doch nicht blöd.«
»Doch, Sie zahlen.«
»Ich zahl nicht!«
»Aber sicher doch! Mit den monatlich abgeführten Steuergeldern. Christliche Würdenträger wie Tebartz van Elst, Joachim Meisner, Margot Käsmann oder Nikolaus Schneider werden wie Beamte behandelt und bezahlt. Die schwören nicht nur auf die Bibel. Sondern auf die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Sie werden mit normalen Steuergeldern bezahlt, von Moslems, Juden, Christen und selbst von Scientologisten. Da macht der Staat kein Unterschied. Lediglich der Bürger denkt realitätsfremdes. Aber den interessiert es sowieso keine Fakten. Hauptsache alles ist christlich fundamentiert.«
»He, hey, hey, jetzt gehen Sie aber zu weit!«
»Nein, ich gehe noch weiter. Erzählt jemand, dass der jüdische Humor im Deutschen Reich sein Ende fand, dann schreien die Humorlosen auf und bezichtigen den Herrn Williams des Alkoholkonsums und wollen sich den Fakten nicht mehr erinnern. Jüdische Comedy und dessen Humor war subtil und phänomenal. In Deutschland war dieser nach dem Zweiten Weltkrieg so gut wie ausgerottet. Lubitsch? Billy Wilder? Unverstanden. Wenn es jemanden nicht mehr passt, dann wurden und werden die anderen entweder als Alkoholiker, Terroristen, Moslems oder Juden diffamiert. Aber nie als Christen.«
»Glaubenskriege? Das müssen Sie gerade als Kölsch-Trinker sagen. Hier in München! Es gilt immer noch die Wertegemeinschaft.«
»Wertegemeinschaft? Wenn es dieser dann aber nicht passt und sich jene auch noch als christlich bezeichnen, dann nennen sie deren Entscheidung als ‚alternativlos‘. Das gilt dann sogar als anerkanntes Kanzlerinnenwort. Fraktions- und gesellschaftsweit.«

Er schaute mich mit einem feindlichen Blick an. Offenbar hatte ich Grenzen des guten Kneipengeschmacks überschritten. Allerdings hatte ich mich gerade erst warm geredet.

»Die Deutschen schwören auf ihre christlichen Feiertage und ihre christlichen Wurzeln. Auf die im Namen Gottes geschlachteten Bauern, Wissenschaftler und Religionskritiker. Säßen alle, die im Namen der christlichen Wertegemeinschaft vernichtet wurden, säßen all jene also zu Rechten Gottes, als Grabbeigabe wäre ein sehr starker Feldstecher eine gute Idee. Stattdessen ist das Leichenhemd immer recht dünn und luftig. Soll ja heiß sein in der christlichen Hölle!«

Der Wirt warf mir einen besorgten Blick zu. Er schien zu fragen, ob mit mir alles in Ordnung sei. Innerlich beantwortete ich die Frage mit einem „Nein“ und fuhr ungehemmt weiter mit der Kölsch-Stange in meiner Rechten:

»Und zu Ihrem Pseudo-Witz am Anfang, den mit dem Türken in Österreich und der Musik im Taxi: Ja, ich wäre auch ausgestiegen! Volksmusik ist für mich mein Brechmittel. Die Hai-Ti-Tai-Musik kotzt mich an. Dazu muss ich nicht erst Türke sein. Und ganz unter uns Intelligenzbolzen, interessant ist es, dass ein Volk, welches entscheidend osmanisch geprägt wurde, sich gegen seine eigene Geschichte auflehnt. Entweder entspricht der Pseudo-Witz einer Geschichtskenntnis in Höhe einer Plateausohle oder der Erzähler will gezielt vordergründige Stimmung schaffen. In beiden Fällen hat er das Letztere erreicht und bewegt sich damit auf dem Niveau einer Amöbe! Scheiß Neo-Nazis!«

Viele Erinnerungen an den weiteren Verlauf jenes Abends habe ich nicht mehr.
Filmriss. Zu viel Kölsch womöglich.
Nach Aussagen der Polizei muss ich wohl danach eine Schlägerei angezettelt haben. Dabei bin ich doch eine recht friedliebende Natur. Mein Gegenüber konnte eine Platzwunde an seiner Stirn verhindern. Meine wurde im Krankenhaus geklammert.
Im Laufe der Ermittlungen verzichtete der Wirt auf Hausverbot und Anzeige gegen mich, obwohl ich angefangen haben soll. So mehrere Zeugen. Von meinem Gegenüber kassierte ich eine Anzeige wegen Körperverletzung, Beleidigung und übler Nachrede.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt wegen Anfangsverdacht. Allerdings stehen meine Chancen gut. Mein Rechtsanwalt versucht, mit der Staatsanwaltschaft einen Deal zu machen, weil keiner der Kneipenbesucher etwas gesehen haben wollte.

Für mich lautet mein Kampfspruch ab heute: Nie wieder Alkohol. Zumindest kein Bier vor vier.

So denn Gott will.

Meine Tröstung: Kölsch ist nach langläufiger Meinung kein Bier.

Stößcken.

In eigener Sache, weil in eigener Schreibe

Mein neustes Ebook ist gerade frisch erschienen. Bei Amazon ist es unter http://www.amazon.de/dp/B00GG1725I/ erhältlich.

Ab und zu Gehörtes

Worum geht es?

Ab und zu merken Frauen beiläufig an, dass Männer nie zuhören können. Und wenn sie dann ab und zu mal zuhören, dann ist es denen auch wieder nicht recht. So erging es letztens unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel im Zuge der Enthüllungen durch den ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden über die Geheimdiensttätigkeiten der NSA. Allerdings läuft das Ganze nicht unter Zuhören, sondern unter Abhören. Zumindest nicht ab und zu.

Die Bevölkerung sieht der ganzen Überwachungs- und Spionageaffäre des Jahres 2013 mit gemischten Gefühlen zu. Einerseits ist es sicherlich positiv zu sehen, wenn überhaupt mal eine staatliche Behörde seinen Bürgern im Detail zuhört. Andererseits aber, abgehört zu werden, ist etwas, was man letztendlich nur ab und zu durch dem eigenen Hausarzt erfahren möchte. Denn wenn der eigene Hausarzt abhört, droht eine Krisenmeldung, was den eigenen Zustand angeht. Ab und zu jedenfalls.

In „Ab und zu Gehörtes“ berichten eineinhalb Dutzend satirische Erzählungen aus dem Leben, Politik und Wirtschaft von vor, während und nach der Krise. Ab und zu gehörte Gedankengänge und Philosophien zeigen unsere Krisengesellschaft in einem aktiven, amüsanten Krisenslalom. „Krisenmanager“ zu sein, hat sich inzwischen zu einem Job mit gesicherter Zukunft gemausert.
Die Weisheiten eines Sepp Herbergers gelten inzwischen auch für unsere wirtschaftliche Lage: „Nach der Krise ist vor der Krise“ und „Die nächste Krise ist immer der schwerste“. Nur, dass eine Krise selten nur 90 Minuten dauert, das ist noch immer keine gültige Regel geworden.

„Ab und zu Gehörtes“ ist ein Buch aus der Satire für die Satire.

Zum ab und zu Amüsieren.

Hinweis:
Es benötigt kein Kindle-Reader um das Buch zu lesen. Auch eine Smartphone-App ist nicht erforderlich. Es gibt für den PC/Mac auch eine Anwendung, mit der Ebücher von Amazon zu lesen sind. Hier der Link zu der Anwendung: http://tinyurl.com/nkfabxl

Dieter Hildebrandt wirbt für "Stoersender.tv"!

Dieter Hildebrandt kommt zurück.
Ohne jene Bedürfnissanstalten, öffentlicher- und privaterseits.
Anschauen!

Dieter Hildebrandt als Crowdfondsmanager from stoersender.tv on Vimeo.

Zweimal Damokles, zwei Epigramme, ein Gedanke

Werner Finck (1945)

Am seid’nen Faden hing ein Schwert,
Sich auf mein Haupt zu laden.
Glaubt ihr, dass mich das Schwert gestört?
Mich schreckte nur der Faden.

Erich Kästner (1945)

Schau prüfend deckenwärts!
Die Nähe des möglichen Schadens
Liegt nicht in der Schärfe des Schwerts,
Vielmehr in der Dünne des Fadens.

"Bildung für die besten" oder: Hauptsache, Werbung produziert Umsatz …

Lebewesentechnisch bin ich ein kleines Licht. Nicht mit übermäßig viel Intelligenz ausgestattet, dankbar zu leben, biologisch ein XY-Chromosom-Inhaber und auch sonst ein übliches gnadenlos männliches Alphatier, wenn es denn darf, so wie man es lässt.
Und heute durfte ich nicht.
In meinem Postfach befand sich ein Brief vom Verein »Management Circle ®«.
Ja, ich bin nun mal ein hochbezahltes »Manager«-Vieh mit einem sechsstelligen Monatseinkommen (inkl. Kommastellen). Und darum darf ich auch solche Briefe erhalten, mit denen Beratungsfirmen versuchen, Umsatz zu bolzen.
Nur manchmal, aber nur manchmal, vergess ich, dass ich ein geschult männliches Alpha-«Manager«-Tier bin, dann schließ ich mich als Mann in der Bürotoilette ein, falte orthodox deutsch mein Toilettenpapier und schnäuzte dann heftig in das selbige und führ mir solche Briefe nochmals zu Gemüte, wie ich ihn heute vom »Management Circle ®« erhielt:

Werbungsbrueller

(zum Vergrößern anklicken)

Oder ist das eine versteckte Einladung zum Gruppensex mit Team-Assistentinnen (vullgo: Sekretärinnen) und nur ich hab’s nicht kapiert?!?

Das unheimliche Hasen-Wunder

Inzwischen geistert zur Weihnachtszeit eine spezielle Hasengeschichte durchs Internet. Die Kurzhandlung der Geschichte ist in etwa so, dass des Nachbarn Hasen stirbt. Dieser vergräbt den toten Hasen heimlich und findet ihn dann später sauber gefönt in seinem Hasenstall wieder.
So oder so ähnlich lautet die Geschichte momentan im Internet und jeder will die Geschichte von seinem Nachbarn erfahren haben.

Manche Cineasten werden sicherlich sofort reagieren und sagen, der Gag käme ihnen bekannt vor. Er sei aus dem Film »Nach Fünf im Urwald« (1995 mit Franka Potente; sie drehte drei Jahre später den Erfolg Tom Tykwers »Lola rennt«). Als ich den Film damals sah, erinnerte ich mich an den Zeitungsartikel, den ich einige Jahre zuvor ausgeschnitten und aufbewahrt hatte.

Ich denke, er passt jetzt ganz gut als Weihnachtsgeschichte. Die Geschichte erschien in der Wochenendausgabe der »Süddeutschen Zeitung« vom 25./26. März 1989 (SZ Nr. 70).

Viel Spaß beim Lesen.
Zum Vergrößern des Bildes dieses anklicken:

Hasenwunder

Frohes Fest allerseits,

wünscht Euch

Careca

Flieger, grüsst mir die Sonne … für Zwischendurch …

Nur ein kleiner Witz:

Sitzen die Passagiere im Flugzeug und warten auf die Piloten.

Schließlich erscheinen Kapitän und Copilot. Beide scheinen blind zu sein. Der Kapitän benutzt einen Blindenstock und der Copilot einen Blindenhund. Beide tragen riesige Sonnenbrillen, die die Augen verdecken.

Anfangs reagieren die Passagiere gar nicht darauf, da sie denken, es sei ein Witz. Nach einigen Minuten beginnt das Flugzeug auf der Startbahn loszurollen. Es wird immer schneller und die Passagiere beginnen Panik zu bekommen. Als das Flugzeug dem Ende der Bahn näher und näher kommt, fangen die ersten Leute an zu schreien.

Als das Flugzeug schliesslich nur noch wenige Meter vom Ende der Bahn entfernt ist, fangen die Passagiere alle auf einmal zu schreien an. Im allerletzten Moment hebt es ab.

Im Cockpit seufzt der Copilot erleichtert auf und sagt zum Kapitän:
„Weisst du, eines Tages werden die Passagiere mal nicht schreien und wir werden alle sterben.“

Von Pleiten und Bilanzen

Die Berliner Börse ersuchte den Maler Max Liebermann um ein unverkennbares Werbeplakat. Als ihm gar nichts einfällt, gibt ihm der Bankier Fürstenberg den Tipp:

„Och, malen Sie zwei Damen! Die eine nackt, die andere verschleiert. Links die nackte Pleite und … rechts die verschleierte Bilanz!“

Unseren täglichen Ohrwurm gib uns, Leute …

umdada, umdada,
umdada,
uh ah
umdada, umdada,
umdada,
uh ah
umdada, umdada,
umdada,
uh ah
haaaaa, huaaa, huahuaaaa, hhhahahh
haaaaa, huaaa, huahuaaaa, hhhahahh
haaaaa, huaaa, huahuaaaa, hhhahahh
umdada, umdada,
umdada,
uh ah
umdada, umdada,
umdada,
uh ah
umdada, umdada,
umdada,
uh ah

Was das ist?
Nein, nix DADAismus.
Neee, das ist nur ein mistiger Ohrwurm.

Irgendso eine Pommesbude in so einem Fetenfeierviertel Münchens meinte gerade diesen Ohrwurm spielen zu müssen. Und jetzt bin ich schon seit Stunden mit Ohrenwattestäbchen dabei mir den Drecks-Ohrwum aus den Gehörgängen zu pulen. Und es klappt nicht.
Worum es sich hierbei handelt?
Um Roland Kaisers

Santa Maria,
Insel die aus Träumen geboren
Ich hab‘ meine Sinne verloren,
In dem Fieber, das wie Feuer brennt.
Santa Maria,
Nachts an deinen schnee weißen Stränden
Hielt ich ihre Jugend in Händen
Glück für das man keinen Namen kennt.

Was?
Ihr kennt es nicht?
Dann mal hierhin klicken!

Und hier noch das Original der Gebrüder „Oliver Onions“ im Grundton eine halbe Oktave tiefer, dafür im Gesang höher als „Modern Talking“:

Was ist also lieber? Pest oder Cholera?
Die „Heilige Maria“ von „Olivers Zwiebeln“?
Oder der „Schnitzelwagen“-Song von Roland Kaiser („Wittelsbacherstr. 18, 1000 Berlin 31“)?

Apropos „Schnitzelwagen“-Song. Ein Verwandter von „Der weiße Neger Wumbaba“. Wer es nicht weiß, was damit jetzt überhaupt gemeint ist, sollte das Video zu der Zeit-Stelle 0:55 vorspulen und kann dann eindeutig die Textstelle

„den Schnitzelwagen“

identifizieren.
Oder sich das hier herunterladen und in Ruhe mehrfach anhören:

Und das mit dem „Neger Wumbaba“, das ist ein Buch.

Wie gut, dass ich das jetzt für mich gefunden habe.
Das macht das Ohr frei.
So.
Jetzt geht’s mir schon besser …
Ein Ohrwurm weniger.

By the way:
He, noch mehr Wumbaba-Verständnisse hier: Link
:)

Unbedenklich bedenklich? Bedenklich unbedenklich?

Der 9. Februar ist geschichtlich gesehen ein recht unbedeutender Tag.
Der Schachweltmeister Gari Kasparow hatte sich an jenem Tag im Jahr 1996 auf sein Turnier gegen den von IBM entwickelten Schachcomputer „Deep Blue“ vorbereitet. Am nächsten Tag erst sollte die Weltöffentlichkeit überrascht notieren, dass ab jenem Tag auch Schachgroßmeister und Schachweltmeister nicht davor gefeit sind, von Schach-Computern wie Otto-Normal-Verwutzer geputzt zu werden.
Ansonsten hat jener 9. Februar nicht viel zu bieten. Ausser vielleicht einen eher traurigen Anlass zum Gedenken. Denn der 9. Februar ist der Todestag von dem bayrischen Komiker Karl Valentin („Nenn mich nicht Walentin, du nennst ja auch nicht deinen Vater Water“).

Im Jahr 1991 fiel der 9. Februar auf einen Samstag.
Traurig war der Tag sowieso. Auch ohne Gedenken an den 1948 verstorbenen Valentin. Denn die rheinische Tiefebene schritt mit Sieben-Meilen-Stiefeln auf den geheiligten 11. Februar zu. Aber nicht, weil ein Jahr zuvor Helmut Kohl und Michael Gorbatschow bei einem Spaziergang an einem sowjetischen Bach darüber sich verständigt hatten, dass sich „Deutschland West“ mit „Deutschland Ost“ wieder vereinigen durfte. Sondern es stand schlicht und ergreifend Rosenmontag vor der Tür.
Der Tag und die Zeit, die jene Gebiete Deutschland eh nicht verstehen, welche nie durch Napoleon Bonapartes Truppen besatzt waren, eben jenes exerzieren die Rheinländer als Parodie auf diese französische Besatzungszeit: mit französisch Uniformen, verkehrt herum auf dem Kopf gesetzten Kulturbeuteln (die sogenannte „Narrenkappe“) und dem „Stippefötsche“ (dem Po-an-Po-Tanz), der damals als eindeutig zweideutiger homoerotischer Gruß an die Besatzer zu verstehen war.

1991 war aber auch das Jahr, in dem der zweite Golfkrieg zwischen den alliierten Truppen und dem Irak ausgetragen wurde. Deutschland – frisch wieder vereinigt – beteiligte sich lediglich mit finanziellen Beihilfen am Krieg. Trotzdem grub der Krieg hier im Lande seine Spuren. Moralischen Instanzen verlangten von der Bevölkerung einen Ernst, der dem Sinn der närrischen Tage total entgegen lief.
„Wenn andere im Krieg sterben, können wir nicht feiern“ war der Leitspruch und die ultimative Keule vom moralischen Zeigefinger geführt, der das ganze karnevalistische Leben Deutschlands zum Erliegen brachte.
Nur die Kölner Bevölkerung quittierte dieses moralisierende Gebrabbel der Karnevaloffiziellen und -Nicht-Offiziellen mit einem „total ejal“ und führte die seit dem Ersten Weltkrieg verbotene Tradition des „Geisterzuges“ wieder ein.

Wider den militärischen Ernst.
Und ganz ohne Ordensverleihung einer Aachener Karnevalsgesellschaft …

Die Erinnerung an diesen offiziell verordneten Ernst wider den ausgelassenen Treiben von 1991 ist mir auch noch 17 Jahren stark in Erinnerung geblieben.
Vielleicht bin ich auch nur zu katholisch, als dass ich die Zeit vor der offiziell römisch-katholischen Lustlosigkeit (auch „Fastenzeit“ genannt) so verinnerlicht habe. Nicht-Katholen kennen dieses so ja nicht, da deren Einstellung wesentlich staatsräson-orientierter ist.
Karneval war (und ist) immer noch die letzte Möglichkeit vor der römisch-katholisch lustbereinigten Zeit die „Sau“ raus zu lassen. Denn einerseits gibt es dann ja den seelischen Fleckentferner in Form der Ohrenbeichte in jenen „Telefonzellen zum Himmel“ (Beichtstuhl). Und dann noch zum anderen die unverhüllt offene Drohung an neue Bekanntschaften, dass am Aschermittwoch eh alles gnadenlos vorbei sei.

Eine Fastenzeit wird erst dann zur gefühlten Fastenzeit, wenn jene Zeit in einem starken Kontrast zur Zeit vorher gesetzt werden kann. Wäre ich – wie die Mehrheit dieser Weltbewohner – arm und hungernd, dann wäre Fastenzeit für mich Normalzustand und nichts besonderes.
Jede Frühjahrsdiät erhält dadurch seinen Sinn, dass an Festtagen richtig geschlemmt und über Normal-Null gelebt wird. Fast wäre man geneigt zu sagen, die Hungernden dieser Welt sollten sich an Wohlstandbürgern mal ein Beispiel nehmen: Durch unsere Diäten haben wir uns Wohlbeleibte garantiert schon dutzendfach weggehungert, aber wir leben trotzdem noch.

Doch zurück zu dem Karneval und den moralischen Keulen unser Zeit.

Dürfen wir feiern, wenn andere von uns trauern?

Im Grunde hätte mit der Argumentation von 1991 jeder Karneval und jegliche Festivitäten in Folgejahren eingestellt werden müssen. Sack und Asche als Kleidung wäre dann unser Standard, wie Blut, Schweiß und Tränen der anderen.

Generell ist der frühest mögliche Termin für Rosenmontag der 2. Februar. Der spätest mögliche ist der 8. März.
Dieses Jahr ist der Rosenmontag der 4. Februar. Und bis dahin wird erstmal auf der Straße helaut und alaaft, was die Kehle zwischen zwei großen Schlucken Bier und Korn so hergibt.

Doch so einfach ist das dieses Jahr nicht.
Insbesondere nicht in München.
Am 27. Januar ist seit 1996 in Deutschland und seit 2005 weltweit der offizieller Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau). Ein Gedenktag. Kein offizieller Feiertag.
München hat seit 2006 einen Karnevalsumzug und der wurde damals immer auf zwei Sonntage vor Rosenmontag terminiert.
Fatal, fatal.
Da gibt es jetzt ganz heftige Einsprüche.
Karneval und Gedenktage zusammen? Geht das?
Insbesondere in München und dessen historische Vergangenheit in Sachen Nazi-Fackelmärsche, braune Ehrentempel usw.? Darf das sein?
Fatal, fatal.
Darf man lachen, während andere sich mit ernsten Gedanken umgeben? Wer muß auf wen Rücksicht nehmen? Insbesondere im erzkatholischen München? Darf man überhaupt lachen, wenn wer an Hitler denkt?
Nicht erst seit Roberto Benignis Film „La vita é bella“ („Das Leben ist schön“) wird intensiv darüber diskutiert, ob man lachen darf, während anderen überhaupt nicht zum Lachen zumute ist.
Das Leben ist unerbittlich und nimmt kaum Rücksicht auf historische Daten und die Belange Dritter.

Das Ende des deutschen Kaisertums, Hitlers gemeinsame Terroraktion mit Ludendorf, die Reichsprogromnacht, der Fall der DDR-Mauer und der offizielle deutsche Verkaufsstart des iPhones von Apple: Warum all diese Ereignisse auf den 9. November fallen, dass wird mir keiner wirklich schlüssig erklären können. Und warum keiner dafür Sorge getragen hat, dass sich solche wichtigen Ereignisse auf einen Tag türmen …

Warum ist das Schicksal so link und lässt meinen Vater am Hochzeitstag und Geburtstag meines Bruders sterben? Jetzt kann mein Bruder weder Hochzeitstag noch Geburtstag ohne Beigeschmack feiern. Und was mit dem Beigeschmack an jenem Tages bei meiner Mutter ist, da fragt ja eh keiner nach. Und dass an jenem Tag im Jahr 1974 beide deutsche Nationalmannschaften bei der WM ihr Spiel gewannen … hätten die damals überhaupt jubeln dürfen? Nun ja, ich hab’s getan. Dabei wurde an jenem Tag auch das KZ Auschwitz-Birkenau von den Nazis eröffnet.

Und jetzt?

Jetzt ist bald Karneval und es erhebt sich ein Geschrei wegen dem Karnevalsumzug in München. Und die Diskussion, ob man vergnügt sein darf, wenn andere einer ernsten Sache gedenken.

Vielleicht ist es aber auch nur so, dass da so eine Kettenreaktion aus diversen Befindlichkeiten abläuft.
Und sicherlich ist auch noch jemand dabei, der entweder ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom hat oder der das Zeilengeldgeld für einen Artikel braucht.

Eine gute Sache hat diese Diskussion aber allemal:
Demnächst werden sich erheblich mehr Menschen daran erinnern, dass der 27. Januar der Tag ist, an dem die rote Rote Armee die KZ-Häftlinge aus der tödlichen Bedrohung des Nazi-Gases befreit hatte. Und der 27. Januar wird dann als Holocaust-Gedenktag in den Gedanken der Menschen endlich mal verankert.

Karneval wird dann für das Datum zweitrangig bleiben.

C’est la vie …

Immer diese Kettenbriefe …

Gerade erhalten und hier gleich reingepackt.

Dies ist KEIN Kettenbrief!
Du darfst ihn auf KEINEN Fall weiterschicken, denn das wuerde grosses Unheil ueber Dich, deine Nachfahren und deinen Erdbeerjoghurt bringen ! Selbst Ausschnitte, ja sogar einzelne Woerter aus dem Brief koennten gefaehrlich sein.

Die Urspruenge dieses Briefes gehen auf den Abschiedsbrief eines braven Bauernburschen namens Chutka Prowik zurueck, der seiner Familie in schriftlicher Form seinen Beschluss mitteilte, dass er sein Glueck in der Ferne suchen wollte. Kurz nachdem er sich von Zuhause aufgemacht hatte und die Berge ueberquerte, wurde er von einem Unwetter ueberrascht und eingefroren. Heute ist er unter dem Namen „Oetzi“ bekannt.

Bis heute weiss niemand genau, welche seiner Worte so gefaehrlich und unheilstraechtig waren, aber sie kommen auf jeden Fall alle auch in diesem Brief vor, also sieh dich vor! Ein Beispiel fuer die schreckliche Kraft dieses Briefes ist der arme Matrose

Pitr Owoschna, der auf dem beruechtigten Atom-UBoot „Blauer November“ als Ausguck arbeitete. Waehrend das Boot auf Patrouillenfahrt im Kaspischen Meer war, bekam Pitr diesen Brief an seine Heimatadresse geliefert. Ohne das zu wissen, schrieb Pitr einen Liebesbrief an seine Freundin Januschka, in dem er ungluecklicherweise mehrere der Unheilvollen Woerter benutzte. Noch in der selben Stunde explodierte der Dieseltank des Schiffes und es versank auf Nimmerwiedersehen in der See.

Beruehmte Menschen haben das Verbot zum weiterschicken missachtet. Darunter waren Lady Di, Falko, Boris Becker, Brittney Spears (kurz bevor sie beschloss, einen Film zu drehen) und diverse Angestellte im World-Trade-Center.

Doch auch die Internetabstinenz hilft nicht gegen das Unheil. Eine Gemeinschaft von ueber hundert Internetnutzern, die alle diesen Brief erhalten hatten (weiss der Himmel woher), beschloss im Sommer 2002, ihn zu entkraeften, und zumindest eine Weile weder Mails, noch Briefe, noch Schecks zu schreiben. Sie lebten ausnahmslos alle an der Elbe … Was du also tust … du bist auf jeden Fall in den Ar*** gekniffen. (wobei mir einfaellt: Habe ich schon erwaehnt, dass dir nur jemand, der dich ueber ALLE MASSEN liebt, dir diesen Brief schicken wuerde ???)

Wie gesagt: Dies ist KEIN Kettenbrief, und er sollte auf KEINEN FALL weitergeleitet werden. Sollte aber irgendwer, der diesen Brief liesst, meinen, er muesste mir Geld geben oder Schokolade schicken oder so, dann fragt mich einfach nach Adresse oder Kontonummer… ich sag da nicht „Nein“.

So .. und falls ihr es immernochnicht bemerkt habt: Dieser Brief ist genauso erfunden (inclusive der authentischen Beweise), wie die anderen Kettenbriefe auch (nur, dass dieser Brief KEIN Kettenbrief ist !!!)

Also nicht weiterschicken!
Wer mir allerdings Schokolade und Geld …
Behandle ich alles vertrauensvoll über PN.
Das Geld bitte nur unnummeriert und in ALDI-Tüten.
Danke im Voraus.

Thomas Bernhard hätte geschossen!

Von Georg Schramm über Dieter Hildebrandt für Prinz Rupi.
Ein passendes Video zu Thomas Bernhard von YouTube.com .

Wer ist Deutschland?

Du da
Weiter Karikaturen von Ralph Ruthe finden sich hier:
http://www.ruthe.de

Die nationalen Witze

Zwei Post vorher schrieb ich schon über die Studien aus dem Jahre 2002 vom britischen Psychologen Richard Wiseman und den Witz, über den international am meisten gelacht wurde.
Aber welchen Witz fanden die verschiedenen Nationen denn bei der Auswahl unter den 40.000 am witzigsten?

Die Belgier wählten ihren Witz:

Warum haben Enten so breite Füsse?
Um Feuer austreten zu können.
Warum Elefanten so breite Füsse?
Um brennende Enten austreten zu können …

Die Deutschen fanden diesen am witzigsten:

Ein General bemerkte wie sich einer Soldaten seltsam verhielt.
Der Soldat nahm jedes Stück Papier auf, das er fand, studierte es und sagte dann:
„Nein, das ist es nicht.“ und warf es wieder zu Boden.
Das ging so eine Zeitlang weiter, bis der General sich entschließt, den Soldaten psychologisch untersuchen zu lassen.
Der Psychologe kommt zu dem Schluß, dass der Soldat einen Detscher hat und unterschrieb dessen Entlassungspapiere aus der Armee.
Der Soldat hob das Schreiben auf, lächelte und sagte.
„Das ist es!“

Die Kanadier fanden folgenden witzig:

Als die NASA das erste Mal Astronauten hochschickte, entdeckten sie sehr schnell dass Kugelschreiber in Schwerelosigkeit nicht funktionierten. Um das Problem zu bekämpfen, forschten NASA-Wissenschaftler ein Jahrzehnt und investierten 12 Milliarden Dollar, um einen Schreiber zu entwickeln, welcher in Schwerelosigkeit, Kopfüber, unter Wasser, auf nahezu allen Oberflächen inklusive Glas und bei Temperaturen vom gefrierpunkt bis 300°C schreiben konnte.
Die Russen nahmen einfach einen Bleistift.

Die Amerikaner lachten hierzu:

Ein Mann und ein Freund spielten eines Tages Golf in ihrem lokalen Golf-Club. Einer der beiden war gerade dabei auf dem Grün einzulochen, als er eine große Beerdigungsprozession auf der Straße in der Nähe der Bahn vorbeiziehen sieht. Der Mann stoppt in der Ausholbewegung, nimmt die Golfkappe ab, schließt seine Augen und kniet sich nieder zum Gebet.
Sein Freund sagt: „Wow, das ist wohl die am meisten denkwürdigste und berührenste Sache, die ich jemals gesehen habe. Du bist wirklich ein höflicher Mensch.“
Da antwortet der Mann: „Nun ja, wir waren schließlich 35 Jahre verheiratet.“

Jeder Humor ist halt anders.

Und welches ist Euer Top-Witz?

Bin mal gespannt.

Quelle der Witze: laughlab.co.uk

Der internationale Witz

Der britische Psychologe Richard Wiseman hatte im Internet ca. 40.000 Witze gesammelt und international bewerten lassen. Und er hatte ihn gefunden, den Witz mit der breitesten nationenübergreifenden Akzeptanz.
Hier ist er:

Zwei Jäger befinden sich im Wald, als einer der beiden zusammenbricht. Er scheint nicht zu atmen und seine Augen glänzen. Der andere Jäger zückt sein Handy und wählt den Notruf. Er stößt hervor: „Mein Freund ist tot! Was soll ich tun?“ Er erhält den Ratschlag: „Beruhigen Sie sich! Als erstes versichern Sie sich, dass er tatsächlich tot ist.“ Stille – dann ertönt ein Schuss. Zurück am Telefon fragt der Jäger: „Ok, was jetzt?“

gefunden bei Wikipedia

Dieter Hildebrandt zum 80sten …

Werner Fink war die Größe des 30-40er Jahre Kabaretts.
Wolfgang Neuss war der „Mann mit der Pauke“.
Lore Lorentz war die „Grande Dame“ des Kabaretts.
Matthias Beltz, der hessische Großmeister des Kabaretts.
Hans-Dieter Hüsch, das schwarze Schaf vom Niederrhein.

+++++

Klaus Peter Schreiner der großartige Texter, den kaum einer auf Rechnung hat, wenn es um Kabarett geht.

Gerhard Polt, ein einzigartiger Mundartbayer mit Explosivkraft, neulich erst 65 Jahre alt geworden.

+++++

Dieter Hildebrandt ist der Fels in der Brandung, welche als Comedy die Hirne der Zuschauer gerne weich spült.

Heute ist Dieter Hildebrandt 80 Jahre geworden.

Meine Glückwünsche an ihn, auch wenn er hier mit Sicherheit nicht mitlesen wird. Dazu ist er zu viel aktiv und viel zu verliebt ins Leben, als dass er seine Zeit am Computer verschwenden würde.

Aus dem Jahre 1981 eines seiner Meisterstücke von ihm:

Dieter Hildebrandt spricht Matthias Claudius

… oder „Der Mond, meine Damen und Herren – und das möchte ich in aller Offenheit sagen – ist aufgegangen!“ …

Voila!
Und dazu noch in Farbe und Stereiro!