Berlin ist ein Freiplatz wert – Ein Platz an der Spree (Teil 2)

zu Teil 1

In Berlin gibt es aus dem obigen Motiven heraus gefolgert freilich auch noch andere.
Neugierige.
Touristen.
Einheimische.
Glotzer.
Spanner.
Leute mit 500-mm-Objektiven, die mittels einem Telekonverter und dem DSL-Crop-Faktor zu 1800-mm-Objektiv aufgepimmt werden.
Und gaaaaaaaaaanz wichtige Personen.
Zum Beispiel die Touristen in nem Ausflug-Hubschrabb-schrabb-schrabb …

Bild 6 Auch die Polizei hat ein Herz für Touristen aus eigenen Reihen ..
Auch die Polizei hat ein Herz für Touristen aus eigenen Reihen …

Verwunderlich ist das nicht. Letztendlich schaut jeder gerne:
Bild 7 Guck mal wer da arbeitet
Guck mal, wer da arbeitet.

oder auch hier

Bild 8 Guckst du
Guckst Du!

Selbst kleinste Gestalten ergötzen sich an Berlin

Bild 8 Klein aber oho
Klein aber oho …

Dabei gibt es einiges in Berlin zu gucken.
Architekturmäßig ist Berlin ein gelebtes Schisma. Da gibt es neu-modische Glasarchitektur:

Bild 9 BASF hat sich was gegoennt
BASF hat sich was gegönnt.

Oder alte Backsteingebäude

Bild 10 Keine Archektur-Hoch-Zeit aber trotzdem faszinierend
Keine Archektur-Hoch-Zeit aber trotzdem faszinierend

Nur vereint, da sieht es doch ein wenig aus wie …

Bild 11 Kombination aus alt und neu
Kombination aus alt und neu

Berlin ist ein Freiplatz wert – Ein Platz an der Spree (Teil 3)

Berlin ist ein Freiplatz wert – Ein Platz an der Spree (Teil 1)

Berlin?
Was’n das?

Vorweg, als Eye-catcher, gleich mal das erste Bild,
um die Götter der Schweiz mir milde zu stimmen.
Und überhaupt, Internationalität ist der Genuß
im Stile der Zeit dieser globalisierten Finanzwelt.

Bild 1 Meine Referenz ans Käse-Fondue-Land der Armbrustschiesser
Meine Referenz ans Käse-Fondue-Land der Armbrustschiesser

Das obige Foto ist freilich nicht irgendwoher,
sondern direkt aus dem Zentrum der Macht.
Direkt rechts davon, auf der einen Seite das
„Wir sind das Volk“ der Reichstagskuppelbesucher …

Bild 2 Jogging für Vorangemeldete, Spontan-Besucher muessen draussen bleiben
Jogging für Vorangemeldete. Spontan-Besucher müssen draußen bleiben!

… und links davon, die Spaziergänger vom Pseudo-Sanssouci, …

Bild 3 Irgend ein Promi aus dem Kanzleramt aber mit Sicherheit ein Promi doppelschwör
Irgend ein Promi aus dem Kanzleramt. Aber mit Sicherheit ein Promi. *doppelschwör*

… okay, gegenüber dem Kanzleramt beim
Schweizerischen Konsulat liegt eigentlich die
Plenarsäle, da wo die Schlipsträger arbeiten, …

Bild 4 Hier wird gearbeitet - Transparent für alle Leute ohne Arbeit oder so
Hier wird gearbeitet! Transparent für alle Leute ohne Arbeit oder so!

Nebenbei, im Kanzleramt gibt es eine Arche.
Wenn alles untergeht, die haben dort ein Modell
der Arche ausgestellt. Mit nem passenden
30-Euro-Objektiv kommt es deutlicher rüber

Bild 5 Es faehrt ein Schiff nach Nirgendwo ..
Es fährt ein Schiff nach Nirgendwo …

Es gibt aber erheblich mehr als nur das politische Berlin.

Berlin ist ein Freiplatz wert – Ein Platz an der Spree (Teil 2)

Wenn das Runde ins Eckige muss und der korrekt Rundliche auf seinem korrekteren Eckigen stehen will …

Es ist die Zeit, in der das Wünschen wieder Konjunktur hat. 423 Menschen in Polen und der Ukraine dürfen versuchen ihren Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Die einen wollen nur einmal ein Spiel gewinnen, die anderen die Vorrunde überstehen und noch andere wollen vielleicht auch einmal Fußball-Europameister werden.

Während der deutsche Bundestrainer weiter seine Stärken-Schwächen-Chancen-Bedrohungen-Analysen (Fachbegriff: SWOT-Analyse) fährt, jazzen die Medien die nominell schlechteste Mannschaft der EM-Gruppe B zum stärksten Gegner der deutschen Mannschaft hoch. Man wünscht sich einen unbedingten Sieg und selbst mit dem Preis, dass es dazu „Stahlhelme“ benötigen würde. Natürlich war die Erwähnung von „Stahlhelmen“ des Assistenten vom Bundestrainers Löw ein Versprecher. Denn eigentlich wollte der Assistent über „Papierhütchen, Wattebäuschchen und Wattestäbchen“ reden. So wie halt normal in der Sprache der Fußballer.

Über erheblich Wichtigeres grübelt derweil Joachim Löw nach. Ob das Bumsen mit einer Blondine der richtige moralische Umgang für seine Spieler ist? „Vögeln“ vor einem Turnier? Darf ein moralisch gefestigter, deutscher Fußballspieler in seinen jungen Jahren so etwas einfach tun? Jerome Boatengs Einsatz bestimmen also nicht seine fußballerischen Qualitäten sondern maximal die moralische Beurteilung von potentieller sexuellem Wohlverhalten. Ein Verhalten, worüber der Bundestrainer Joachim Löw wohl nur über seine morgentliche Frühstück-Bildung erfuhr.
Wie sangen schon „Die Ärzte“?

Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild.
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht,
aus: Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht!

Dem Löw kann bei seinen Aufstellungen nach moralischen Gesichtspunkten keiner so leicht reinreden. Dafür ist er inzwischen deutsche Leistungsinstanz. Leistungsinstanz, die darüber befindet, was das korrekte Wohlverhalten seiner Angestellten ist.

Und das wünscht sich wohl auch ein deutscher Innenminister: Die Umwandlung des „Sozialgesetzbuches“ in ein moralisches „Strafgesetzbuch“. Man solle doch denjenigen die Sozialleistungen kürzen, die Haßprediger seien. Dass das Sozialgesetzbuch, welches die Sozialleistungen nach Ansprüchen verwaltet, und das Strafgesetzbuch, welches Verstöße gegen geltende Gesetze sanktioniert, zwei völlig verschiedene paar Schuhe sind, dieses Wissen sollte zu der Kompetenz eines Innenministers gehören. Wer gegen Gesetze verstößt, kann bereits jetzt empfindlich bestraft werden. Wer aber die Umwandlung von „Sozialgesetzen“ in „Strafgesetzen“ fordert, der fordert implizit das Wohlverhalten der Bevölkerung der Politik gegenüber. Das Wohlverhalten als einzige gesetzeskonforme Äußerung der eigenen Meinungsfreiheit. Mit dieser Logik hat Rußland übrigens deren geltendes Demonstrationsstrafrecht verschärft und den Widerspruch der nicht-russischen Regierungen erhalten.

Nebenbei, Rußland, wenn ich gerade beim Thema „Rußland“ bin:
Als gestern Rußland gegen Tschechien spielte, drückte der Reporter Bewunderung für die Anreise der tschechischen Fans aus. Über die russischen Fans erklärte er, dass viele der Angereisten ihre Tickets von Putin erhalten haben sollten. Als Belohnung dafür, dass sie ihn gewählt hätten.

Ich hoffe, weder Frau Schröder noch Frau von der Leyen haben zugeschaut. Deren Ideen sind berühmt berüchtigt gefürchtet. Und eine Idee aus der Reporter-Bemerkung könnte ja in analoger Innenminister-Logik nun werden: Warum könnte man die vielen Schlecker-Frauen nicht als Jubelperser zu den Spielen unserer Nationalmannschaft schicken? Wenn wir denen zu den Arbeitslosengeldern und die dazu fälligen Aufstockungsgelder entsprechend dem Sozialgesetzbuch zahlen sollen, dann sollen die Frauen uns wenigstens jubelnd zur Europameisterschaft peitschen. Durch Jobcenter-eigene Beobachter auf 1-Euro-Basis könnten die Frauen dann beim Anfeuern unserer Elf beobachtet werden. In einem Dosier könnte dann notiert sein, wer pädagogisch richtig jubelt: fehlerfreies Mitsingen der Nationalhymne und keine Bengalos oder Besäufnisse mit alkoholfreiem Bier. Und den korrekten Schlecker-Frauen könnte man dann eine Fortbildung zur korrekten Kindererziehung geben.
Wie hatte bereits unsere Ministerin Schröder auf den Leyen-Vorschlag gejubelt? Es gäbe sicherlich zehntausende Schlecker-Frauen, die in ihrem Leben hinter der Schlecker-Kasse und als Schlecker-Regal-Einräumerin nur davon träumten, die Kinder ihrer Kunden zu betreuen. Warum sagt Frau Schröder nicht gleich, die Schlecker-Frauen hätten schon immer von der Arbeitslosigkeit als Fortbildungsmaßnahme geträumt?

Korrekterweise hat die Regierung unter der aktiven Beihilfe von Frau Schröder aber gleich den Träumen und Wünschen der Schlecker-Frauen als KITA-Erzieherin einen Riegel vorgeschoben: Betreuungsgeld für die, welche ihre Kinder nicht in die KITA geben. Schlecker-Frauen als Erzieherinnen? Zu leicht sollte man es den Schlecker-Frauen auch nicht machen, einfach so Sozialleistungen zu beziehen. Denn korrekte Leistung sollte sich wieder lohnen. Sagt ja schon immer die FDP. Und, die Frauen sollten mit ihren Wünschen auf dem Teppich bleiben, den andere vielleicht gar mit Kinderfingern knüpfen.

So wie beispielsweise unser leicht rundliche Entwicklungsminister Niebel. Der wollte auch auf seinem eckigen afghanischen Teppich bleiben. Seinen fliegenden Teppich, mit den er die FDP über die 5%-Hürde fliegen lassen wollte. Nur das wollten andere aber nicht …
Gut. Das ist jetzt platt opportunistisch von mir. Platt wie Niebels roter Teppich, auf dem jetzt alle dem Niebel herzlos herum trampeln. Dabei hat Merkel den Niebel doch bereits öffentlich gerügt. Über ihren Sprecher Steffen Seibert. Der sagte nämlich in der Pressekonferenz, ein anderes Vorgehen Niebels beim Importieren des Teppichs von Afghanistan nach Deutschland wäre „noch korrekter und deshalb vorzuzuziehen gewesen.“
Noch korrekter.
Es gibt also eine Steigerungsform von „korrekt“: korrekter. So wie der äußerste periphere Rand eines Striches, auf den durch kundige Politikermünder die deutsche Sprache geschickt wird. Korrekter Politikermund tut korrektere Weisheit kund. Niebels Verhalten war also schon zuvor eindeutig korrekt.
Wer regt sich über so etwas korrektes auf?
Richtig. „Spiegel Online“.
Immer die gleichen.
Wenn es wenigstens die beiden Preisträger des Henry-Nannen-Preises für investigativen Journalismus, die beiden Journalisten der BILD-Zeitung gewesen wäre. Aber SPON? Immer die gleichen. Immer.

Und dass der BND-Chef Gerhard Schindler nicht wusste, dass der korrekte Teppich-Transport ein korrekte Niebel’sche Privatsache war, das kann als Treppenwitz dieser Affäre gelten. Der Chef des deutschen Geheimdienstes „Wir wissen alles dank V-Leute und Trojaner“-Gesellschaft, jener BND-Chef gab sich komplett als unwissend.
Was bitte, Herr Schindler, war nochmals ihre Aufgabe? Verbrechensbekämpfung? Insbesondere nach dem Strafgesetzbuch, dem StGB §129?

(1) Wer eine Vereinigung gründet, deren Zwecke oder deren Tätigkeit darauf gerichtet sind, Straftaten zu begehen, oder wer sich an einer solchen Vereinigung als Mitglied beteiligt, für sie um Mitglieder oder Unterstützer wirbt oder sie unterstützt, […]

NEIN! Herr Niebel hat sich „korrekt“ verhalten. Keine Straftat. Eindeutig ein Versehen. Ernsthaft korrekt. Auch wenn es noch „korrekter“ gegangen werde. Oder gar am korrektesten. Aber das verlangt ja auch niemand vom BND. Darum wusste Herr Schindler auch nichts und seine jetzige Empörung sollte auch keine andere Empörung auslösen. Auch wenn die Unwissenheit des BND-Chefs bei der Teppich-Geschichte jener BND-Unwissenheit bezüglich der NSU-Morde ähnelt.

Denn die alleinige Wahrheit ist: Herr Niebel ist Entwicklungsminister! Jawohl!

Und den Teppich hatte er aus Afghanistan nur als Benchmarking-Objekt mitgebracht. Sein Plan war, neue Arbeitsplätze in dem Entwicklungs- und europäischem Niedriglohnland Deutschland zu gründen. Eine Teppichknüpfer-Manufaktur als zukünftige Auffanggesellschaft für die Schlecker-Frauen. Von der Leyen hätte die schon zu Knüpferinnen fortgebildet und Schröder – begeistert wie Kermit, der Frosch – „Applaus, Applaus“ gejubelt. Auch wenn jetzt die Zeit des Wünschens ist, vergesst nie, Arbeitslosigkeit ist kein Wunschkonzert.

Tja, aber SPON hatte alles verdorben. Fiese Möp, die! Die sollten sich lieber mal wie die BILD-Zeitung über das sexuelle Balzverhalten von Fußballspielern berichten. Davon hängt die Fußball-Europameisterschaft ab. Wenn so etwas beim Lesen den Joachim Löw sexuell erregt und er deshalb bei der Aufstellung noch vor dem Sommeranfang keinen klaren Gedanken mehr fassen kann, dann ist das staatstragend. Dann kann fast schon das Licht beim deutschen Wunschkonzert dunkler werden:

„Und wenn sie Beleuchtung dimmen
Eine Nation im Stangerlfieber
Im Frühling ist´s besonders schlimm
Darum ist mir der Winter einfach lieber“
Die Ärzte in „M&F“

Also, konzentrieren wir uns bis zum 1. Juli auf das Wesentliche:
Das Runde muss in Eckige und der Rundliche darf dafür auf sein Eckiges.
Korrekt, korrekter, am korrektesten.
Verstanden?

Und dann nach dem finalen Fussballspiel in Kiew, dann werden Leute berichten, sie hätten gesehen, wie der Herr Niebel im ersten Stock seiner Privatwohnung den afghanischen Teppich ausschüttelte und ein Sicherheitsbeamter von unten provokant hochrief:
„Na? Spring er nicht an?“

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P.S.:
Gerade erhielt ich eine Meldung meines rechnerinternen Bundestrojaners von den Schlapphüten aus Pullach. Der klärte mich über einen entscheidenen Irrtum im obigen Text auf:
Es ist korrekter, dass, wer eine Vereinigung gründet, deren Zwecke oder deren Tätigkeit darauf gerichtet sind, Straftaten zu begehen, oder wer sich an einer solchen Vereinigung als Mitglied beteiligt, für sie um Mitglieder oder Unterstützer wirbt oder sie unterstützt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
Aber für die FDP gilt das nicht, denn der StGB § 129 „Bildung krimineller Vereinigungen“ ist nicht anzuwenden, wenn die Vereinigung eine politische Partei ist, die das Bundesverfassungsgericht nicht für verfassungswidrig erklärt hat. …
Sollte der Eindruck entstanden sein, ich halte die FDP für eine kriminelle Vereinigung …

honi soit qui mal y pense!!!

Wild und gefährlich (Teil 30): Der Ausblick auf die Europameisterschaft 2012

8. Juni 2012.
Freitag.
8 1/2 Stunden nach „halb zehn in Deutschlands“. Die Frühstückchen sind verspeist, die gepflegte Bierpulle steht auf dem Nierentisch, die Nase ist schwarz-rot-gold gepudert und die Fernbedienung vor der eigenen Ehefrau in Sicherheit gebracht.
Die EM 2012 beginnt.

Und wie wird sie, die Fussball-Eurpameisterschaft?
Ich tippe mal auf eine langweilige EM. Alle spielen sie betont defensiv (4:5:1), warten auf Konter, die Reporter an den Monitoren referieren über die heimische Hooligan-Szene Polens und der Ukraine.

Und was sonst noch passieren wird?
– Beim Eröffnungsspiel Polen-Griechenland wird der Ball gestohlen. Nein, nicht von Polen, sondern von Griechen. Später finden Ermittler den Ball bei Ebay im Angebot des Accounts der griechischen Regierung.
– Ronaldo demonstriert seinen neusten eingeübten 20-Meter-Freistoss-Trick: er nimmt jetzt vom Anpfiffpunkt Anlauf.
– Spanien reagiert erst kurz nach dem Eröffnungsspiel auf deren Austragungsorte. Sie wollen lieber posen statt Danzig.
– Ribery und Robben schlagen sich im Halbfinale mal wieder (wenn nicht auf dem Platz, dann vorher oder nachher in nem Hotel oder ner Disko).
– Italiens Fußballspieler werden vor dem Spiel kontrolliert, ob auch keine EM-Wettscheine in deren Gepäck sind
– Gruppe C wird mittels Münzwurf entschieden, nachdem alle Spiele 0:0 endeten.
– Die Schiedsrichter kriegen heuer besonders gelbe und rote Karten extra auf Hochglanz poliert.
– Beckenbauer und Dieter Nuhr bilden das Duo-Infernale der Experten mit Expertenwissen aus eigener Expertenerfahrung beim Experten-Bezahlsender Sky und interviewen gemeinsam Greenkeeper aller EURO-Stadien, treffen bei deren bezahlten Interview-Rundreisen in Tschechien aber keine Euro-Greenkeeper-Experten an, worauf SKY sofort das Experten-Fußballspiel der Tiere aus Walt Disneys „Die Tollkühne Hexe in Ihrem fliegendem Bett“ zeigt, um den Experten Beckenbauer und Nuhr mehr Zeit zum Auffinden von Experten zu geben.
– Delling und Scholl kommentieren ihre Bügelwäsche
– Poschmann kommentiert die Kommentare von Delling und Scholl über deren Bügelwäsche.
– Deutschlands Zeitungen nehmen kritisch Stellung zu den Bügelwäsche-Kommentare.
– Gauck verteidigt die Freiheit der Kommentare zu Bügelwäsche und der Bügelwäsche-Kommentare samt deren Kommentatoren.
– Merkel fragt bei Gauck nach, ob sie ihn mit seiner freiheitlichen Bügelwäsche auch entlassen könnte …

Zurück zur EURO 2012.
Der deutschen Mannschaft wird bei der EM eine Kernrolle bei den interessantesten und fernsehtauglichen Spielen zukommen:
– Beim Spiel „Wohnwagen-Schlepper gegen Moffen-Sausen“: Robben wird vier Elfmeter gegen Deutschland schießen, Schweinsteiger drei gegen Holland, und das Spiel endet trotzdem 0:0.
– Loew raucht permanent vor Aufregung im Sichtschatten der Kameras heimlich hinter der Trainerbank
– Jeder Nationalspieler wird beim Reporterinterview seine Antwort mit der DFB-abgesegneten Standardeinleitung „Äh, ja sicher, aber …“ anfangen.
– Lukas Podolski wird sich aufregen, dass seine PS3 nicht im EM-Modus läuft
– Dortmunds Spieler sieht man auf der Tribüne Doppelkopf (mit einem Pilsken dazu) spielen
– Bayerns Spieler spielen Schnick-Schnack-Schnuck, wer den Elfer schießen soll, und Schweinsteiger gewinnt dauernd (… ach ja, schrieb ich oben bereits …)

Alles in Allem:
Aber eines ist schon jetzt sicher. Das Endspiel findet statt.
Auch ohne deutsche Politikerdienstreisenbesuche auf den Haupttribünen.

Nur eine gemeine Frage, warum 110 km nördlich von Kiew, in Prypjat, kaum jemand den Fernseher für die Europameister-Fussballmeisterschaft einschalten wird, diese Frage wird einstweilen niemand beantworten wollen. Schließlich sollen potentielle, reisende Schlachtenbummler ja nicht auf panische Gedanken kommen …

Eine präsentierende Bank, ein "Schuldensumpf" und "Börse im ERSTEN"

„Vielleicht wäre es ja alles nicht so schlimm, wenn es der Börse nur gut gehen würde.“ Es ist die unausgesprochene Frage, ob es denn so wäre, die jedoch niemand zu beantworten wagt. Auch nicht an entscheidener Stelle im Fernsehen. Denn wie soll jemand mit der Faust auf den Tisch hauen, wenn er seine Finger darin mit im Spiel hat.

Das ERSTE hat Börsennachrichten einen festen 2-Minuten-Sendeplatz mit „Boerse im Ersten“ eingeräumt. Die Einbettung innerhalb des Werbeblocks vor der Tageschau ist immer auch das „Große Glaubensbekenntnis“ auf Wall Street und Dax. ARD-Journalisten bringen den Zuschauern näher, warum es uns „so schlecht“ geht. Eben weil es der Börse so schlecht geht. Jedoch explizit sagen, das tun sie dort aber nun doch nicht. Sie vermitteln es uns lediglich.

Heute lies mich ein einleitender Werbe-Spot vor der Sendung aufhorchen:
„Die Börse im ERSTEN wird Ihnen präsentiert von der Hypovereinsbank der UniCredit-Group“ (oder so ähnlich)

Und nahtlos moderiert Boerse-Frontfrau Anja Kohl nach dem Jingle die Sendung an:
„Barcelona. Die pulsierende Hauptstadt Kataloniens …“

Frau Anja Kohl ist ein Sonnenschein. Deswegen ist sie auch gern gesehener Gast der ARD-Talkshows, wenn es darum gehen soll, die Probleme Europas mit ihrer EU-Währung zu erklären. Keine kann das Wort „Schuldensumpf“ so maliziös lächelnd aussprechen wie Frau Anja Kohl. Unsachlichkeiten der Frau Kohl in Talkshows gleicht diese mit einem Lächeln aus, welches Talkshow-Moderatoren fraglos fragwürdig dahin schmelzen lässt.
Auch heute ließ Frau Kohl es nicht aus, zu erklären, warum die EU durch Schulden so bedroht sei. Große Krisen fangen klein an, erklärt sie. Über den spanischen Immobilienboom hin zu platzenden Hauspreisblasen, erklärt sie, dass die Sparkassen nun auf „faulen Krediten“ sitzen und der spanische Staat sich immer weiter verschuldet, um die Banken Spaniens zu stützen.
Und dann zieht sie den Vergleich des Abends: die Mortgage-Krise der USA 2007, als dort ebenfalls eine Immobilienkrise platzte. Bevor aber der Zuschauer darüber zuviel nachsinnen könnte, betont Frau Kohl, wer die Opfer einer solchen Immobilienkrise sind:

„Eine Immobilienkrise schlägt zurück auf die Banken. Und dann auf den Staat.“

Schneller als „Boerse im ERSTEN“ kann auch ein Papst seine priesterliche Vergewaltiger nicht mit einem „Te absolvo“ frei sprechen und danach sofort zu bedauernswerten Opfern umzudengeln.
Sowohl in den USA als auch in Spanien haben die Banken versucht, durch billige Kredite an Hinz und Kunz gute Geschäfte zu machen. Ohne ausreichende Prüfung der Liquidität der Antragsteller, nur mit dem blinden Vertrauen auf stetiges Wachstum der Immobilienwerte und den eigenen reichhaltigen Boni vor den Augen wurden Kredite wie Karnevallskamelle heraus gehauen. Es war dann nur eine Frage der Zeit, bis die „Hauspreisblase“ platzte und ihren Eiter zum Vorschein brachte. Den Eiter, die „faulen Kredite“, will nun keiner mehr haben. Den soll die Allgemeinheit schlucken. Als neue finanzielle Schlank-Macher-Diät.

Während die Gewinnler der „Hauspreisblase“ sich zurücklehnten und nach neuen rentablen Geldanlagen umsehen, mussten sich Banken inzwischen hilfesuchend zu deren Staat vorbeugen, um von diesem mittels Steuereinnahmen abgestützt werden, um nicht vornüber zu fallen und alles zu begraben.

Während also das Volk Spaniens zum Sparen für deren Bankenwelt verdonnert wird, während Spaniens vermögende Sparer und Anleger ihre Gelder von den bedrohten Banken abziehen, in dieser Zeit wird durch bestimmte EU-Länder von Spaniens Regierung das Merkel’sche Credo des Sparens für die Rettung der Bankwirtschaft gefordert.
Auf Kosten der Bevölkerung. Welche durch ihre wachsende Arbeitslosigkeitsquote wiederum dem spanischen Staate entsprechende Steuereinnahmen „entzieht“, weswegen der Staat ja auch verstärkt sparen soll. Untergeordnet dem heiligen Ziele, dass die Finanzwelt nicht zusammenkracht und gegebenenfalls auch noch selber das Heer der Arbeitslosen mehrt.

Und da war sie wieder, die Verbindung von „Börse im ERSTEN“ und der „UniCredit-Gruppe“. Denn die UniCredit-Gruppe ist ebenfalls eine Bank, die nicht zu den Gewinnern der spanischen Bankenkrise gehört und sich bei der Immobilienblase Spaniens verkalkuliert hat. Sollte der spanische Staat nicht sparen, um das dabei Ersparte zur Rettung der spanischen Bankenwelt zu investieren, dann wäre von einem Finanzcrash auch die „UniCredit“-Gruppe betroffen.

Eine Sendung, die von einem Mitverursacher der spanischen Wirtschaftskrise präsentiert wird?
Das hat etwas davon, den Bock zum Gärtner zu machen.
Und besonders bei so einem Geschmäckle wirkt das Lächeln einer Anja Koch noch maliziöser, wenn sie das Wort „Schuldensumpf“ ausspricht. Zur Belohnung wird sie dann sicherlich wohl wieder in einer der diversen Talkshows als Finanzmarkt-Expertin auftreten und erklären, warum Staaten zu sparen haben, damit Banken nicht Not erleiden müssen. Denn wenn es den Banken wieder gut geht, erst dann dürfen wir uns auch wieder gut fühlen. Notfalls müssen wir uns dann nur noch flexibel die Absätze vorne an die Füsse annageln, damit wir zumindest wieder das Gefühl haben, dass es bergauf geht. Aber das wird uns sicherlich auch „Börse im ERSTEN“ per Experten erklären, wie so etwas denn geht.

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Update. Noch eine Anmerkung zu der Sendung:

Es ist erstaunlich, wie „boerse im ERSTEN“ immer wieder Recycling betreibt. Zum Beispiel, dass die oben erwähnte Sendung von 29.5.2012 aus Versatzstücken der Sendung vom 25.5.2012 gebildet wurde (inkl. 15 Sekunden gleichem Filmmaterials, deren Schnittfolge nur in andere Reihefolge gestellt wurde).

Meiner Meinung nach würde sich die Sendung „boerse im ERSTEN“ erheblich besser in einer Pay-TV-Programmstruktur einpassen. Denn „boerse im ERSTEN“ richtet sich an die Anleger unter den Fernsehzuschauern und nicht an die über 30 Millionen Mitbürger, die überhaupt kein Geld zum Verspekulieren haben. Für mich hat diese Sendung die gleichen Hintergründe, wie Sektenmitglieder hinter verschlossenen Türen ihrem goldenen Kalb huldigen und fleissig Geld in den Sektenklingelbeutel abdrücken, um ihr Seelenheil zu gewinnen.

Andererseits passt die Sendung momentan dort hinein, wo sie programmtechnisch steht: in einem Werbeblock. Zur echten Information über Hintergründe der Wirtschaft taugt „boerse im ERSTEN“ genauso wie die damaligen „Qualitäts-Scouts“ der McDonalds Werbereihe aus den Jahren 2008/2009: Über das Finden von dicken Kartoffeln wird zwar bei „boerse im ERSTEN“ referiert, aber über die Hintergründe eines finanziellen Beute-Coups beispielsweise à la mode de Mark Zuckerberg und der Investmentbank „Morgan Stanley“ mittels dem Börsengang von „facebook“ wurde bei „boerse im ERSTEN“ inhaltlich und Hintergrund-erhellend absolut nichts berichtet.

„boerse im ERSTEN“ liegt nun einmal inhaltlich und niveaumäßig auf dem der sie einschließenden Werbung. Präsentiert von einer Bank.

Leiser Widerspruch … oder: Narr in Verzweiflung

„… auf Tisch und Wand mit Narrenherz und Narrenhand … „(F. Nietsche, 1882)

Eine Graffito-Meinung, entdeckt an einer Stahltür.

OhneWorte

Vorher war da noch das, aus dem Jahr 2008,

„‚Jump! You Fuckers!‘ Eine Ermunterung aus persönlichem Fehlverhalten Konsequenzen zu ziehen.“

Jump you fuckers

(Zitat von dem preußische Rentner Lothar Dombrowski alias Georg Schramm vom 25-November-2008 aus der ZDF-Serie „Neues aus der Anstalt“)

Unbequeme Eigenschaft. — Alle Dinge tief finden — das ist eine unbequeme Eigenschaft: sie macht, dass man beständig seine Augen anstrengt und am Ende immer mehr findet, als man gewünscht hat.

(F. Nietsche, 1882)

Mondgesicht

Fast Vollmond

Und da hinten – wenn ihr mit der Lupe ganz genau hinschaut – der vierte helle Pixel von rechts, der da so leicht violett schimmert, direkt neben den vier silbernen, das ist die amerikanische Flagge …

(Mondphase: 90%; Objektiv: 500 mm „Wundertüte“, 2x Tele-Konverter, 1.6-Crop-Faktor = 1600 mm; Kamera: Pentax K5; Raw-Foto mit Lightroom 4.0 entwickelt; Vergrößerung durch Anklicken)

Worte zum 1. Mai über die Entstehung einer neuen Welt (oder: Ängste der Finanzwelt …)

„Life as we know will change. Consider that, in the next 12 months, some trades will be reported to the public on a real-time base, bilateral margin requirements will be required by law, and it will be illegal to execute certain transactions over the telephone. We need to be ready for this new world and we need to understand, what it all means. We need to support and adopt those things that do make sense. And we need to try and change those things that don’t.“

aus der Eröffnungsrede auf dem jährlichen ISDA®-Treffen in Chicago vom 30. April bis 2. Mai 2012 durch Stephen O’Connor (Geschäftsführer und globaler Chef für außerbörslichen Kundengeschäfte der US-Bank „Morgan Stanley“, Vorsitzender der „International Swaps and Derivatives Association, Inc.“(ISDA®)

Übersetzung:

„Leben, wie wir es kennen, wird sich ändern. Bedenken Sie, dass der Öffentlichkeit in den nächsten 12 Monaten von Handel auf Echt-Zeit-Basis berichtet werden wird, dass zweiseitige Margenbedingungen gesetzlich gefordert werden und dass es illegal werden wird, bestimmte Transaktionen über das Telefon auszuführen. Wir müssen auf diese neue Welt vorbereitet sein und wir müssen verstehen, was das alles bedeutet. Wir müssen jene Dinge unterstützen und anpassen, die wirklich Sinn machen. Und wir müssen versuchen die Dinge zu ändern, die das nicht tun.“

In dieser Konferenz der ISDA® geht es unter anderem darum, um den vor zwei Jahren in der USA verabschiedeten „Dodd-Frank Act“ (ein Regulierungsgesetz, um eine Wiederholung der Bankenkrise 2008 zu verhindern). Hierin sehen die Finanzmärkte Hindernisse durch diese geforderte Regulierung.

Die Aussage ist deutlich: sollten Gesetze für die Finanzwelt nicht akzeptabel sein, dann wird versucht, den Politikern zu erklären, was Sinn macht. Was nicht passt, wird passend gemacht. Das ist gelebte Demokratie. Eine Art der gelebten Demokratie, so wie das Volk es sich nicht getraut, sie auszuüben (was politisch in Hinblick auf die Finanzmärkte auch gar nicht gewünscht ist).

Kneipengespräch: Neoliberales Tresenlesen zum Treffen der Finanzinvestoren in Chicago

Tresen2

»Halunken! Alles Halunken!«

Er saß wieder neben mir. Sein Deckel zeigte diverse Striche. Er stirrte in sein Kölsch und ich ging der Verführung ein, seiner Bemerkung Wert zu geben. Hätte ich gewusst, was danach kam, ich hätte ihm gleich einen ganzen Kranz Kölsch bestellt, um das Gespräch gleich zu ersäufen.

»Verbrecher! Alles Verbrecher!«
»Wie meinen?«
»Halunken! Unsicherheit und Schrecken verbreiten! Mit miesen und hinterhältigen Methoden Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen, weil jeder meint, es gäbe keine Alternative.«
»Sie meinen die organisierte Kriminalität? Die Ölmultis und deren Benzinpreise?«
»Sie wollen unser System stürzen. Menschen zu Dingen zwingen, die sie von sich aus nicht wollen.«
»Terroristen?«
»Sie tagen gerade in Chicago.«
»Al Capone-Fanclub?«
»Al Capone müssen wir uns als einen Waisenknaben vorstellen. Es tagt heute die ISDA.«
»ISDA?«
»Die ‚International Swaps and Derivatives Association, Inc.‘. Die Organisation der Finanzverbände, welche sich für sicher und effizientere Finanztransaktionen einsetzt«
»Die was? Wer sind die?«
»Sie tagen seit heute in Chicago. Für drei Tage vom 30. April bis 2. Mai. Sie wollen aktiv an einem neuem Gesellschaftsmaodell mitwirken. Ein Modell, das alle Institutionen der Gesellschaft und Politik umformt. Eine Undurchschaubarkeit der Wirtschaft, …«
»Undurchschaubarkeit? Wie das Regieren auf Sicht, welches in der damaligen Krise als alternativlos propagiert wurde?«
»Lass mich ausreden! Sie wollen ein Verbot des Strebens nach Gemeinwohl. Weil derer Meinung nach eine grundlegenden Ungleichheit zwischen den Menschen existiert. Eine Ungleichheit, welche vertieft werden muss, damit das System des freien Marktes funktioniert.«
»Eine neue Denke?«
»Die Gedanken der Zukunft. Allein Profitgedanke und Konsum sollen das Leben der Menschen bestimmen. Staatliche Intervention und Bürokratie im Dienste der Freiheit der Wirtschaft.«
»Die Freiheit? Das hat doch die FDP auf ihrem letzten Parteitag als Fahne ihrer Philosophie geschwenkt.«
»Ja, die Fahne der Freiheit des Marktes. Der Markt regelt die Gesellschaft. Und nicht umgekehrt. Der Wettbewerb bestimmt das Leben miteinander. Und nicht umgekehrt.«
»Sie beziehen sich jetzt auch noch auf die Betreuungsgelddiskussion, nicht wahr? Hat deswegen auch Hannelore Kraft für die Zwangsbetreuung zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr plädiert?«
»Eben weil mit der Befreiung vom eigenen Kinde die Frau und der Mann wieder dem Wettbewerb zugeführt werden können.«
»Das hat etwas von dem ‚Lebensborn‘ der Nazis. Und den Erziehungsmethoden der Chinesen und Nord-Koreaner.«
»Nazis waren bekanntlich national und auch eigenwillig sozial agierend: Grundlegende Ungleichheiten wurden vorsätzlich vertieft. Begleitet von einem System des freien Wettbewerbs um die billigsten Arbetskräfte. Die anderen wurden vernichtet, um irgendeinen Eindruck eines Gemeinwohlgedankens zu verhindern: Religiöse, Behinderte, Frauen und Kinder, unproduktives Humankapital.«
»Sie meinen doch wohl nicht, Hannelore Kraft sei ein verhinderte Neonazi?! Und die Schroeder das Bollwerk der Freiheit, nur weil diese das Betreuungsgeld will?!«
»Das Betreuungsgeld verhindert doch nur die Einrichtung einer Gemeinwohl-Institution. Im Sinne eines unentgeltlichen Gemeinschaftsgedankens.«
»Das heisst Kraft und Schröder sind nur die gemünzten Seiten der gleichen Medaille?«
»Individuen sollen die Form eines Unternehmens haben. Entsprechend werden sie entlohnt. Gemeinwohlgedanken wurden bereits als „Gutmenschen“-Denke hinlänglich diskreditiert, so dass kaum einer mehr in die Richtung zu denken wagt. Frei nach „Don’t ask, what your country can do for you, ask what you can do for your country“.«
»Also folglich mit einer Haltung gegen das Betreuungsgeld? Und für Kitas?«
»Nein, lediglich fern ab gedacht von Betreuungsgeld und Kitas. Das ganze ist lediglich ein Nebenkriegsschauplatz zum Verwirren der Aussenstehenden. Auf jenen Plätzen lassen sich aber die Protagonisten für die Freiheit des Marktes identifizieren.«
»Nebenkriegsschauplätze sind auch Märkte. Freiheitsplätze der Eitelkeiten.«
»Nur ist das unwichtig. Denn der freie Markt formt bereits heute unser Denken. Wer unternehmerische Ideale und freiheitliches Unternehmertum verinnerlicht hat, der lebt richtig.«
»Also wie in jener Werbung, wo eine Frau sagt, sie sei Unternehmerin und Führungskraft in einem kleinen erfolgreichen, vierköpfigen Familienunternehmen, bestehend aus Frau, Mann und zwei Kindern?«
»Im Unternehmersinne funktioniert das Indiviuum integriert in die Markwirtschaft. Angebot, Nachfrage, Investition, Kosten, Gewinn. Im Fokus beständig die Ungleichheiten zwischen den Menschen.«
»Weswegen Hartz-4-Empfänger auch keinen Gewinn am Betreuungsgeld erhalten sollen.«
»Gewinn bestimmt das Denken. Leistung soll sich wieder lohnen. Das ist die Lebensrichtlinie, welche seitens liberaler Politiker der Bevölkerung eingebimst wird. In den 90ern gab es bereits die Sparkassen-Philosophie von ‚Mein Haus, mein Auto mein Boot, meine Dusche, meine Badewanne, mein Schaukelpferdchen, mein Anlageberater‘. Hartz-4-Empfänger belasten nur die Kasse, welche die Banken für sich reklamieren. Daher müssen wir die auch bekämpfen, die Feinde der Freiheit des Marktes, jene Nutznießer der noch vorhandenen Staatsquote, die zurück gehen soll.«
»Ich verstehe. Ein neues Denken und Verstehen des Begriffs der Freiheit.«
»Liberal ist nicht liberal im liberalen Sinne sondern im Sinne einer freiheitlichen Wirtschaft, welche nicht staatlich reglementiert ihre Mittel nutzen kann. Deswegen benötigt eine freiheitlichen Wirtschaft auch den Staat. Denn um jene Freiheit des Konsums zu garantieren und aufzubauen, müssen andere Freiheiten beschränkt werden.«
»Von Rosa Luxemburg lernen, heißt siegen lernen, oder?«
»Richtig. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Und gänzlich anders denken die neuen Liberalen und fordern daher ihre Freiheit auf Kosten der anderen ein. Ganzheitlich wirtschaftlich. Und nicht nur in großen Dimensionen. Sondern auch bis runter zum Individuum.«
»Aber wenn allen aufgenötigt wird, das gleiche zu denken …«
»’Gleichschaltung der Meinungen‘? Sie wollten das doch wohl jetzt nicht in den Ring werfen, oder? Sie werden es nicht wagen.«
»Ein wenig Grass und schon setzt es was … .«
»Ein, der von seiner Mission durchdrungen ist, der will auch immer andere Unerleuchtete zur Erkenntnis des Lichtes zu führen. Die Gläubiger der wirtschaftlichen Liberalität sind nicht anders als die Salafisten und zeugen Yehovas. Sie glauben an etwas. Unsere Wirtschaftsgläubigen wollen ebenfalls immer auch bei anderen die Vorteile der Freiheit der Wirtschaft geben. Jene sollen profitieren, woran unsere Wirtschaftexperten glauben: sie sollen erkennen, was gut ist. Selbst wenn wir unsere Freiheit woanders dafür mit Waffengewalt verteidigen müssen. Die Freiheit des Konsums, der Märkte.«
»Kuwait befreien, hieß, der freien Wirtschaft Markt zu verschaffen? China benötigt keine Freiheit des Individuums, weil bereits die Freiheit der Wirtschaft existiert? Kuba ist Feind der Freiheit, weil dort keine liberale staatsunabhängige Wirtschaft vorhanden ist? Freiheit des Konsums?«
»Gedankenfreiheit ist zweitrangig und selbst in den Industrienationen hinderlich. Außer man holt sich das Urheberrecht an der eigenen Freiheit als Unterkapitel des ganz großen Buches der zugeteilten Freiheit. Urheber als Autor des eigenen Lebens.«
»Autor des eigenen Lebens? Von den Medien vorgeschrieben?«
»Die Medien sind gleichzeitig Lektor, Verkäufer und moralische Instanz der Zuteilung der Freiheit des Konsums. Die sind die Erzeuger eines permanenten Angstzustandes, in dem Besitzstandswahrung und die Ängste an den Verlust die treibende Kraft der Empörung sind. Wenn BILD darüber urteilt, ob jemand auf rechtlicher Basis beurteilt kein Unterstützungsgelder erhalten darf, weil er nicht die richtige Meinung derer meinung hat, dann wird recht zum reinen Willkürrecht,w elches Nazis und Stalinisten perfekt angewendet hatten. Mit Moral hat das nichts mehr zu tun. Oder verbietet wer das Rauchen, nur weil dran Menschen sterben?«
»Es erinnert mich an die Postkarten mit dem Jungen und seiner Bommelmütze und daneben der Satz: ‚Du fragst mich, was soll ich tun? Und ich sage: Lebe wild und gefaehrlich, Arthur.’«
»Das ist der heutige Neoliberalismus.«
»Hört sich an wie ein ‚Survivaltrainingskurs für Manager‘. Charles Darvins ‚Survival of the fittest‘.«
»Der meiner Meinung nach Flachdenker Dieter Nuhr drückte es mal unter Twitter so aus, dass es unverständlich sei, dass ‚Neoliberalismus‘ inzwischen ein Schimpfwort sei.«
»Ist ‚Neonazi‘ ein Schimpfwort?«
»Wenn der Beschimpfte es nicht ist, dann Ja. Eindeutig.«
»Und wenn Nein?«
»Ansonsten ist es die Wahrheit. ‚Ich bin der Geist der stets verneint! / Und das mit Recht; denn alles was entsteht / Ist werth daß es zu Grunde geht; / Drum besser wär’s daß nichts entstünde. / So ist denn alles was ihr Sünde, / Zerstörung, kurz das Böse nennt, / Mein eigentliches Element.’«
»Oh, wie schön. Ein wenig Schulbildung an der Theke. Das schmückt. Prost.«
»Wer hat’s erfunden?«
»Goethe.«
»Falsch. Die deutsche Marktwirtschaft, insbesondere die von Ludwig Erhard. Dann kamen die 80er mit Helmut Kohl und seiner antisozialen Politik. Die Ungleichheit der Menschen wurde vertieft, um der liberalen Marktwirtschaft Nachhaltigkeit zu geben. Und selbst Sozialdemokraten und Grüne waren sich nicht zu Schade, daran entscheidend mitzuwirken. ‚Deregulierung des Marktes‘ war das Zauberwort.«
»Ich weiß, ‚Deregulierung des Marktes‘, das war das Axiom des neuen Jahrtausends.«
»Mit dieser Phrase wurde die Gesellschaft zur Akzeptanz der neuen Armut verhext. ‚Deregulierung‘, dieses Wort lässt sich auch mit dem bekannteren Wort ‚Anarchie‘ übersetzen. Punks und Hausbesetzer forderten das bereits vor den Neoliberalen. Aber der Markt will ihre eigene Anarchisierung erhalten. Nicht die der Punks.«
»Die Anarcho-Szene als Vorläufer der neoliberalen Philosophie. Wenn die FDP das wüsste.«

Er nahm einen tiefen Schluck aus seinem Kölsch-Glas.

»Halunken! Alles Halunken!«
»Wie war das nochmals mit der ISDA?«
»Es ist das Forum der Kassierer. Sie tagen heute. Am Vor-Tage des ‚Tages der Arbeit‘, am ‚Tages der Arbeit‘ selber und danach. Gesponsert unter anderem von der Bank ‚Stanley Morgan‘. Mit Rekordteilnahme. 850 verschiedene Finanzverbände werden dort zugegen sein und darüber beraten, wie finanzielle Transktionen sicherer und effizienter gemacht werden können.«
»Nehmen Politiker teil?«
»Politiker sind für diejenigen nur Mittel zum Zweck. Handlanger, die im entscheidenen Augenblick ihre Alternativlosigkeit bei Entscheidungen erklären. Damit das Volk folgt. Die ISDA steuert die Zentralbanken und die Zentralbanken die Regierungen. So ist deren Ablauforganisation. Der Putsch der Finanzwelt gegenüber die Demokratien dieser Welt. Unterstützt mit finanziellen Massenvernichtungswaffen, deren Einsatz bereits in der letzten Bankenkrise 2008 deutlich wurden.«
»Willst du mir Angst machen?«
»Die Auswirkungen der Waffen wirken. Weiterhin. Wie damals das Zünden der Atombomben im kalten Krieg. Sie haben ihre Finanzwaffen bereits einmal vor vier Jahren gezündet. Und jetzt heißt es für uns: sparen, sparen, sparen. Zum Wohle des Finanzstandortes. Auf Kosten der Völker. Verordnet von Politikern aller politischer Seiten. Begründet als ‚alternativlos‘.«
»Hört sich an nach Auswirkung von Terror. Jemanden für Banken sparen zu lassen. Oder für Subventionen zugunsten denjenigen, die das Geld eh schon haben. Das macht doch keiner freiwillig.«
»Das Betreuungsgeld ist nur ein netter Nebenkriegsschauspielplatz derjeniger, die immer schon einen Rückgang der Staatsquote in der produktiven Wirtschaft befürworteten, den Staat aber als Wohlfahrtsorganisation bei wirtschaftlichen Misserfolgen der Finanzwelt sehen.«
»Ich dachte, der Staat als Wohlfahrtsorganisation ist ein Relikt des Kommunismus.«
»Nicht nur. Er war es auch als Relikt des Kapitalismus.«
»Und jetzt?«
»Neoliberalismus. Das hat mit Kapitalismus nichts mehr gemein. Es ist komplett etwas neues, das was weder Kapitalismus noch Kommunismus vorher gesehen hatte. Eine neue Gesellschaftsform.«
»Und die Antwort?«
»Bestell mir noch ein Kölsch.«

Ich tat es.

An Tagen wie diesen …

… wünscht ich mir Unendlichkeit … kein Ende in Sicht …
An Tagen wies diesen

Grafitti an einem Berliner Haus

Wichtige Tagesthemen: heute und morgen und in Zukunft

Herr Ströbele! Wollen Sie das wirklich?!?

Ja, er will. Und er meint es ernst.

Da war der CSU-Herr, ein Mann, der war richtig baff, als er bei seiner morgentlichen Fortbildungslektüre in der BILD als Aufmacher den Ströbele las, der Ströbele wolle doch glatt Inzestliebe legalisieren. Der Herr Mann fand das gar nicht lustig: Inzest müsse in Deutschland verboten bleiben. Die Gesundheit der Bevölkerung müsse geschützt bleiben, um die Möglichkeit auf ein physisches und vor allem psychisches unversehrte Leben zu ermöglichen. Und bei Kindern aus Inzest-Beziehungen stehen gesundheitliche Störungen zu erwarten. Darum gehe Sex nicht. Und der Herr Mann – seines Zeichens Innenminister Bayerns, also Experte in innere Angelegenheiten – warnt gleich davor, dass Inzest immer Abhängigkeit bei einem Partnern bedeutet und somit Familienverhältnisse verkompliziere.

Nun, ich möchte diesem weisen Herr und Mann der hingehaltenen Mikrofone da mal nicht widersprechen. Das letztere kennt man ja aus Scheidungen und so. Nur bei Inzest, da hat der Mann da wohl so sein Wissen, das mir eindeutig fehlt. Und ich lobe ihn ausdrücklich, dass es ihm vor allem auch um das physisches und vor allem psychisches unversehrte Leben seiner Untergebenen bedacht ist. Das ist äußerst löblich. Wirklich! Summa com laude!

Und Herr Ströbele, Sie wollen das nicht?
Das versteh ich nicht.
Als GRÜNER wollen Sie das nicht?
Wenn jetzt der Super-Gau eintritt und der Herr Mann ihrer Meinung jetzt NICHT folgt (zum Beispiel aus reinem boshaften Fundamentaloppositionismus den GRÜNEN gegenüber oder weil ihm wieder jemand ein Mikro unter die Nase hält), dann wird er nachher auch noch die gentechnische Forschung mit ihren starken Risiken auf das unversehrte Leben verbieten! Oder der fährt nachher noch handstreichartig höchstselbst alle bayrischen Atomreaktoren runter und schießt die Brennstäbe eigenhändig ins Weltall, hinterm Mond, da wo er alle anderen der Opposition wähnt. Und dann schafft der noch die ganze bayrische Rüstungsindustrie mit all ihren Explosivwaffen ab. Polizisten rennen dann in Bayern mit Wattebäuschchen und Nelken zu den Demonstrationen statt mit Pfefferspray und Schlagstöcke.
Ja, geht’s noch?
Herr Ströbele! Wollen Sie das wirklich?

Oh, bitte, bitte, Herr Ströbele, machen Sie doch weiter mit Ihrer Forderung! Dann wird der Herr Mann der CSU Deutschland zu einem lebenswerten Flecken Erde machen, und das wollen wir doch beide insgeheim.

Nebenbei, fern ab der Ersthaftigkeit eines Ströbeles: Ihr politischen Kenner der Inzest-Szene – wenn Ihr mal wieder die Köpfe aus eurer Porno-DVD-Sammlung herauszieht – Liebe und Sex sind zwei verschiedene Dinge. Davon hat die BILD keine Ahnung. Das nur so nebenbei.
Liebe ist eh kein echtes juristisches Thema. Denn der § 173 StGB (»Beischlaf zwischen Verwandten«) wurde bei jenem 7:1-Urteil von Karlsruhe in Hinblick auf Nachwuchs (also eugenistisch) gesehen. So wie neulich auch von unserem Herr Mann.

Hallo Leute, kleiner Tipp am Rande, wenn ihr euch liebt:
Entweder ihr seid noch unter 18 Jahre, dann ist § 173 StGB wegen Absatz 3 nicht auf euch anwendbar und ihr könnt schwanger werden, so oft, wie ihr lustig seid. Oder ihr verkehrt einfach nur noch anal oder oral. Dann ist dem Gesetze genüge getan und ihr habt trotzdem euren Spaß. Denn schwanger werden, das geht auch anders, auch ohne den gesetzlich verbotenen Beischlaf. Das hatte uns schon damals die BILD-Zeitung von Boris Beckers berühmten Fall, dem „Samenraub“, in allen Details berichtet gehabt. Und jener Vorfall war ja auch kein Beischlaf, wie es das Gesetz oder die BILD gerne vorsieht …

Nun ja.
Es wird in Deutschland mal wieder Zeit für ein ernsthaftes und wichtiges und bedeutendes Thema: die Online-Abstimmung im Internet beim „Zukunftsdialog“ der Bundesregierung (www.dialog-ueber-deutschland.de). Drei Rubriken haben verschiedene Themen bis Sonntag Abend noch zur Abstimmung.
Und momentan in der Rubrik »Wie wollen wir zusammen leben?« auf Platz 9 (- noch nicht dreimal dabei, bitte, also per Skripte wieder wählen! -) das absolut wichtige Thema, über das sich ganz Deutschland demnächst Gedanken machen sollte:

»das Gesetz das den sexuellen Missbrauch von Tieren zulässt abzuschaffen.«

Oh, Daisy!!!! … was ich schon immer über Sex wissen wollte, aber nie zu fragen wagte …
… wozu hat es „Woolite®“ im Regal?

BILD und Herr Mann, übernehmen Sie!

Verkehrte Welt?

Sie verteilen Bücher auf den Straßen für umme. An Leute, die sie annehmen. Die Salafisten, eine Kategorie von Moslems, denen nachgesagt wird, sie betreiben Haßpredigten und von denen es auch welche tun. Immer wieder Freitags. Die Druckerei des Korans überlegt, ob sie den Druckauftrag für den Koran stornieren soll. Darüberhinaus sind Politiker besorgt. Der Verfassungsschutz ebenfalls. Und der beobachtet die Salafisten intensiv. Zudem auch noch vielleicht jene, welche eine Ausgabe des Korans freiwillig auf der Straße annehmen? Buchgeschenke völlig außerhalb der staatlichen und christlichen Kontrolle.

Die BILD-Zeitung wird am 24. Juni 2012 60 Jahre alt. Und zu ihrem Geburtstag hat sich Kai Diekmann auf die Fahne geschrieben, dass jeder Haushalt eine BILD-Zeitung kostenlos bekommen soll. In den Briefkasten. Ob der Haushalt es will oder nicht. Am 23. Juni. Aber dafür wird keiner die BILD-Zeitung beobachten, wenn sie mal wieder ihre Haßpredigten gegen Hartz-4-Empfänger oder Liebe zwischen Geschwister auf die Bevölkerung loslässt. Weder Politiker. Noch Verfassungsschutz. Da BILD auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Und für Bodenverschmutzungen sind aber eindeutig Herr Röttgen als Umweltminister und Die GRÜNEN zuständig. Aber der Röttgen ist momentan mit der NRW-Wahl („Norbert Röttgen wählen“) am 13. Mai beschäftigt. Die GRÜNEN sowieso dauernd.
Andererseits, jeder Politiker beobachtet die BILD. Sie lesen die als ihre morgentliche Lektüre und bauen ihre Argumentation darauf. Alles unter Kontrolle. Seitens der BILD.

Auf Münchener Straßen stehen fleißig wie immer die Ron Hubbards Jünger der „Scientology Kirche“. Kein Risiko. Weder für den Boden des Grundgesetzes noch für die CSU. In Bayern dürfen die das. Erstens weil nicht links und zweitens „Mir san Mir“. In jedem anderen Bundesland regt sich erheblicher Widerstand gegen solche Stände. Nur nicht in Bayern. Hauptsache klare Politik gegen Linksradikale. Seehofer hat alles unter Kontrolle.

Die Rechtsradikalen stellen weiterhin kein Bedrohung für das Grundgesetz dar, auch wenn sie es mit Füssen am Boden treten. Dumm, dass da drei marodierend durchs Land zogen und dann alles aufflog. Aber keine Gefahr. Wir können beruhigt sein. Der Verfassungsschutz hat alle infiltriert, mit eigenen V-Leuten, Überzeugungstätern, als Informanten. Kein Grund zur Panik. Auch nicht, wenn die ihre Schriften bei unseren Kindern an den Schulen verteilen. Die halten linkes Gedankengut von den Schulen fern. Da muss denen Dankbarkeit gezeigt werden, dass sie viele Schulhöfe unter ihre Kontrolle haben. Keine Bedrohung.

Aber die Salafisten.
Außer Kontrolle.
Eindeutig.

Verkehrte Welt?

Gebet zum Morgen: Sei ein netter Mensch

Nenne deine Begabung, bei anderen Herzinfarkte hervorzurufen, „Führungstalent“, dein Gewinnstreben „Energie“ und den Einsatz deiner Ellbogen „Initiative“.
Sage, wenn du deinem Konkurrenten den Hals zudrehst, seine Atemnot bereite dir Kummer.
Sei ein netter Mensch

von Martin Morlock, 1969

Osterei der Osterwoche: Tatort Urheberrecht – Tatort Doppelfolge

Jeder Sender der »Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland« (auch bekannt unter der Abkürzung »ARD«) hat ihr Recht auf Sonntag-Abend-Unterhaltung. Da ist der bayrische ARD-Sender mit den Multi-Kulti-Herren Batić  und Leitmayr. Oder da gibt es die pragmatische Lena Odenthal und ihr italiensisiert agierender Assistent Mario Koppe. Oder es ermitteln kongenial die Münsteraner Herren, bestehend aus dem konträr laxen Hamburgischen Kommisar Thiel und dem pseudo-preussisch korrekten Boerner. Oder dem Leipziger Duo Saalfeld-Wuttke mit Ex-Ehe-Verhältnis. Oder es ermittelt das Kölner Dreigestirn aus König (Max Ballauf), Bauer (Alfred Schenk) und Jungfrau (Franziska Lüttgenjohann) herum.

Den Ermittlern, bei denen es bislang das meiste Vergnügen beim Zuschauen gibt, sind einwandfrei die des Münsteraner Tatorts: Thiel und Boerner (geniales Zusammenspiel von Axel Prahl und Jan Josef Liefers, seit 2002). Dagegen dümpelt das Kölner Dreigestirn (Bär, Behrendt und Mittelstaedt, seit 1997) und das Leipziger Ermittlungsduo (Thomalla und Wuttke, seit 2008) den eigenen Anfangsfolgen und dessen ersten beachtlichen Tatort-Drehbüchern hinterher.
Leipziger und Kölner Tatort-Teams und die jeweiligen Drehbuch-Schreiber verfolgen deren eigene Philosophie, was die Beschreibung der Täter, Tatorte und deren Auflösungen angeht. In Leipzig stehen den beiden Ermittlern immer wieder deren ehemalige Ehe im Weg, im Kölner Tatort spricht das klassische Dreigestirn (s.o.), welches am Büdchen am Kölner Rhein vor Dom-Panorama ihre Curry-Wurst mit Köln vernichtet, allerdings selten zu dritt, sondern meist nur zu zweit vor dem Dom mit dem ewigen Ermittlerehepaar Ehemann Balauf und Single Schenk. Die Leipziger eher sachbezogen, die Kölner mit Emotionen.

Was beiden gemein ist, sind die schlechten Drehbücher der letzten Zeit. Was lag also für die ARD also näher, als mal beide ordentlich ein gemeinschaftliches Doping zu verordnen:
Ein Double-Feature zu Ostern.
Ostern hat zwei Feiertage und für den gerontologisch veranlagten Sender ARD heißt das zwei wichtige Sendeplätze nach der Tagesschau. Da momentan wohl Schreibflaute bei den Hera-Lind-Herz-Schmerz-Adepten der ARD herrscht, muss wohl irgendwer im Supermarkt ein Ü-Ei freigelegt haben. Eingedenk einer Rocky-Horror-Picture-Show-Wiederholung im privaten Freundeskreis vorm servilen Computer mit Dresscode »Hart bis Smart« hat wohl jemand bei der wöchentlichen ARD-Konferenz »Double-Picture-Show« in die Runde geworfen. Und WDR und MDR waren die ersten die freudig HIER riefen.
Und somit stand fest: Zu Ostern 2012 wird das Tatort-Publikum mit einer Double-Picture-Feature-Tatort-Show gemeuchelt.

Zuvor traten dann noch die Drehbuch-Schreiber mit einem »Offener Brief von 51 Tatort-Autoren« (u.a.a. Der bekannte Felix Huby) am 29. März in Erscheinung und erklärten, dass das Urheberrecht der Tatort der Moderne sei und vergleichbar mit Schwarzfahrern und Steuerhinterziehern sei. Dass damit belegt worden ist, dass Schwarzfahren (40 Euro plus staatsanwaltschaftliche Ermittlungen) und Steuerhinterziehungen (55 Cent Porto und Freispruch-Winkeladvogaten-Argumentation durch eigene Rechtsanwaltschaft a la Zumwinkel) gleich zu setzen sein könnten, entging wohl den meisten 08-15-Lesern. Denn die 51 Aufrechten der ARD-Drehbuchschreiber haben wohl auch Recht.
Denn wer schwarz fährt, hinterzieht eindeutig Mehrwertsteuer. Das ist brutal und moralisch nicht vertretbar. Unglaublich ist es, dass hierauf noch nicht die »Rübe-ab«-Strafe besteht. In Münchens Nahverkehrsmittel mit normalen Ticket zu 2,50 Euro für eine einfache, limitierte Innenstadtfahrt besteht die Steuerhinterziehung beispielsweise auf unglaubliche 47 Cent. Wenn das jeder Münchener (von Harz-4’ler bis Stadtviertelbesitzer in Luxuslimousine mit Chauffeur) einmal am Tage machen würde, dem Staate würde somit unglaubliche 47 Tausend Europro Tag entgehen! Das sind doch umgerechnet 17 Millionen Euro im Jahr! Solch potentiell mögliche Steuerhinterziehung sollte uns einwandfrei zu denken geben. Was sind da einzelne Steuerhinterzieher wert, die dann in Kitzbühel oder in der Schweiz oder Monaco leben?
Eben! NÜSCHT!

Und wenn dann 51 Tatort-Autoren klagen, auf ganz Deutschland umgerechnet … 81 Millionen … das wären 1,4 Milliarden Euro (damit wäre unsere so arg notleidende Bankerwirtschaft wieder wettbewerbsfähig!) …

Also gut.
Irgendwelche der 51 Tatort-Autoren hatten sich also an diesem Ostern geklumpt und dem Kölner Dreigestirn und dem Leipziger-Allerlei ein Double-Feature verpasst. Die Leipziger mit den Kölnern am Oster-Sonntag, die Kölner mit den Leipzigern am Ostermontag.

Ich – in meiner jugendlichen Unschuld – dachte mir »Menno, das wird ein Fest!«, ich gedachte mir also beide heute dank ARD-Mediathek direkt hintereinander anzuschauen.

Ich tat es und muss sagen, manche Dialogfetzen waren richtig gut:

„Schon mal mit Abnehmen versucht?“ „Schon mal von Hartz 4 gelebt?“ aus dem Leipziger Tatort;
„Neue Wohnung, neuer 1 Euro Job.“ aus dem Kölner Tatort

.
Und es gab auch die Verbindungsglieder zwischen den beiden Tatorten

„Seit diesen amerikanischen Serien rennen alle Mörder mit scharfen Putzmitteln rum.“ Freddy Schenk im Leipziger Tatort
„Hier stinkt’s nach Putzmittel wie im Klo auf dem Präsidium.“ Freddy Schenk im Kölner Tatort

Auch eingedeutscht waren beide Tatort-Sendungen. Statt »DNA« wurde generell über »DNS« geredet (zur Erklärung: »DNA« bedeutet das gleiche wie »DNS«; das erstere ist lediglich eine englische Abkürzung, das zweitere die deutsche)
Und es wurde gerne dem Lokalkolorit gefolgt. Aber wer weiß schon in Leipzig, dass »Halve Hahn« lediglich ein Käsebrötchen ist. Daher auch die langen Blicke als Kriminalhauptkommissar Keppler Kriminalhauptkommissar Freddy Schenk den Broiler verzehren sah und selber auf sein nüchternes Käsedingens blickte.

Trotz diesen Sachen fiel auf, dass die beiden Tatorte nicht wirklich verzahnt waren. Es war eher ein Wettkampf der Kameraführung und der Drehbuchschreiber. WDR Kölner-Tatort-Philosophie gegen MDR Tatort-Philosophie
WDR gegen MDR?
Das ist freilich Quatsch. Denn im Abspann beider Folgen war folgendes zu lesen:
Buch: Jürgen Werner; Regie: Thomas Jauch; Leitung: Jens Laukner; Musik: Karim Sebastian Elias; Kamera: Clens Messow; Produzenten: Sonja Goslicki, Jan Kruse; Redaktion: Frank Tösmann, Sven Döbler
Namen sind hier erstmal Schall und Rauch. Jedoch für dieses Double-Feature galt:
Alle Beteiligte hinter der Kamera waren identisch für beide Produktionen. Es handelte sich also nur hinsichtlich der Einbindung der Schauspieler um einen Cross-Over-Tatort.
Im direkten Vergleich konnten primär nur die Darsteller gewinnen und verlieren. Gewinner in schauspielerischer Hinsicht war eindeutig Martin Wuttke. Nur das beste Tatort-Paar, war das Kölner Dreigestirn (geschuldet der Leistung von Fr. Thomalla hinsichtlich der für sie zugeschriebenen Rolle). Ansonsten versuchten die Leute hinter der Kamera, die jeweiligen Tatortverhältnisse zu IMITIEREN!
In welchem Verhältnis steht nun also das gesamte Produktionsteam zu dem Brief der 25 oben erwähnten Autoren? In keinem. Denn keiner des Double-Features war an jenem Brief beteiligt.
Erfreulich?
Vielleicht. Aber wenn der Leipziger Tatort sich an einer Konfrontation zweier Ermittlungsteams »Köln« und »Leipzig« versucht, dann aber in den letzten zehn Minuten schnell in WHODUNIT-Fahrwasser abgleitet, um den Tatort-Erfordernissen gerecht zu werden (Mörder gesteht unter bösen Blicken der Ermittler, betont aber, er hätte lediglich nur zu fest den Hals des Opfers gedrückt … nichts neues unter der Krimi-Sonne …), dann ist es die erste Bankrott-Erklärung für ein löbliches Vorhaben. Wenn zudem der Kölner Tatort gezielt auf das abzielt, was gerade bei der WDR-Oberredaktion angesagt ist, dann wird es zuschauervergewaltigend.
Beispielhaft steht hierfür der folgende Dialogfetzen des »Kölner Tatorts«:

„Lassen Sie es, Herr Ballauf, Sie haben nicht die geringste Ahnung wie man sich fühlt, wenn sie eigene Tochter plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist und die Leute einem sagen, man solle zur Tageordnung über gehen.“
[…]
„Was – Herr Gott nochmal – tut Ihnen eigentlich Leid?“

Gekünstelt gekochte Emotionen. Das, wovon der Zuschauer der nachmittäglichen »scripted reality« permanent ertränkt wird. Voraussetzt, sollte der Zuschauer es denn ertragen, und durchblicken, die Phantasie arbeitsloser Drehbuchschreiber aus besseren Pseudo-Gesellschaften mit sterilisiertem und homogenisiertem Redaktionsa-Analphabetenwissen zugeschmissen zu werden.
Es ist das, was momentan beim WDR-Fernsehen so hoch im Kurs steht: Den Zuschauer mit Emotionen zuschütten, aber Wissen zu verweigern. Hauptsache Emotionen, Emotionen, Emotionen (s.a. »Occupy WDR« bei den http://www.nachdenkseiten.de; leider keine Fiktion, sondern komplett nachvollziehbar für Seher und Hörer der WDR-Programme).

Vordergründig bleibt am Ende vom Double-Feature die Frage: Warum umarmen sich diejenigen im Tatort, die sich vorher nie gesehen hatten, während die eigentlichen Retter atemlos daneben stehen? Klar, es ist auch logisch: umarmen tun sich immer nur Frauen im Tatort (hier die Kommissarin, dort das Opfer, welche sich nicht kannten).
Emotionen, Emotionen, Emotionen.
Alles andere würde innerhalb der Tatort-Logik einen neuen Plot heraufbeschwören. So a la Kommissar und Täterin oder so. Diskussionen, Diskussionen, Diskussionen. Und das ist beim WDR wie beim MDR nicht wirklich erwünscht.

Doch zurück zu den 51 Autoren und deren Wunsch nach Schutz:
Gerade die beiden Oster-Folgen sprachen eine andere Sprache. Sie waren NICHT schützenswert im Sinne der 51 Autoren. Vielmehr sollte da jemand (d.h. Die Rechtsabteilung) aufpassen, dass nicht wer meinen könnte, die beiden Folgen wären dramaturgisch abgeschrieben. Insbesondere der »Kölner Tatort« erinnerte vom Verlauf her doch verdammt an den Film »The Cell« mit Jennifer Lopez (vom Verlauf der Rahmenhandlung nicht vom Inhalt!). Nein, ich behaupte nicht, er wäre 1:1 abgekupfert. Aber wer »The Cell« gesehen hatte, der wusste schon am Anfang was am Ende geschehen würde und die Spannung war für die vier Buchstaben (= verlängerter Rücken). Auch der Leipziger Plot war mir nicht unbekannt und wenn ich mich wieder erinnere, wo er zum ersten Male gespielt wurde, werde ich es hier anfügen. Der Plot war keine Neu-Nummer, sondern eher das ganze im Gegentum.

Dass der Kölner Teil »Ihr Kinderlein kommet« hieß, muss wohl der Patschnasse eines aufstrebenden WDR-Comedians entsprungen sein (wahrscheinlich zur Weihnachszeit 2011) und hatte mit dem Plot so viel gemein wie Glühwein im Sommer. Da war der Leipziger Titel »Kinderland« erheblich besser. Beiden Titel ist gemein, dass sie keine rechtlich geschützten Titel sind und somit nicht diametral den Forderungen der 51 entgegen stehen.

Trotzdem, dieses Double-Feature war alles in allem kein Ruhmesblatt und wirft Fragen auf, was die 51 Autoren zu dem Double-Feature gedacht haben. Vielleicht kamen denen ein wenig Dolchstoß-Gedanken. Vielleicht haben aber auch einige der 51 Autoren erschrocken gezuckt, als sie feststellten, was sie selber bereits geschrieben hatten. Aber da war es vielleicht eher der zuckende Gedanke des vollzogenene Ideen-Recyclings statt des eigentlichen Urheberschutzgedankens …

Zum ECHO-2012 für sein Lebenswerk

Dem Niedecken zum Lebenswerk der ECHO – entdeckt in der „Ständige Vertretung“ Berlins am Tage nach der ECHO-Verleihung
von Kölsch-Trinker zum Kölsch-Trinker:

Ming Jlöckwunsch, Wolfgang Niedecken!

Echo-Gewinn

(Foto aufgenommen am 23.3.2012 in der „Ständige Vertretung Berlin“)

Der kleine, kulturelle Unterschied

Currywurst in Berlin:
„Einmal Currywurst, bitte.“
„Mit oder ohne Darm?“

Currywurst in München:
„Einmal Currywurst, bitte.“
„Mit Senf oder mit Ketchup? Curry steht neben Ihnen.“

Ertrage die Clowns (4): Zeit für Gauckler

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Sie naht.
Immer näher.
Die nahe Wahl.
Es wird uns wieder ein neuer Bundespräsident gewählt.
Am Sonntag wird überm Reichstag weißer Rauch aufsteigen und es wird heißen, wir alle haben den „Präsident des Herzens“ erwählt bekommen.
So wird es geschrieben stehen.
Es kann gar nicht anders sein.
Die Widersacher werden hinweg geschmolzen sein wie der Schnee unter der heutigen Sonne, so wird man verkünden.
Und wir werden sein ein einig Volk hinter einem Präsidenten.
Das werden die Presseleute uns verordnen.
Die Zeitungen gehen jetzt schon in diese Richtung.
Und allen potentiellen Gauckkritikern wird nochmals die Asche über deren Haupt gestreut, für den alle jene verdächtigt werden, überhaupt aufgewirbelt zu haben.

So erhielt ich heute einen Hinweis auf den Artikel „Nach Unfall mit Gauck-Limousine – Aufstehen lernen“ der „Süddeutschen Zeitung“ (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/nach-unfall-mit-gauck-fahrer-aufstehen-lernen-1.1310943). Er handelt über den Fahrradfahrer, der damals mit der Limousine kollidierte, in welcher Joachim Gauck saß. Der Unterton jenes Hinweis an mich war, dass in jenem Artikel meine Behauptungen plausibel widerlegt worden seien (mein Eintrag zu dem Unfall vom 23.1.2011 hier). Ich solle vielleicht doch meinen Artikel entsprechend der Wahrheit korrigieren und nicht Gauck für den Unfall schuldig zu machen.

Das mein Artikel überhaupt beachtet wurde, auch wenn er nie einen Kommentar von irgendwem erhielt, dass hat mich doch ein wenig gefreut. Aber dass sich jetzt die „Süddeutsche“ jenes Unfalls erst zwei Jahre später zwei Tage vor der Wahl des Bundespräsidentenamtes annimmt, spricht zweierlei. Einmal konkret über die investigative journalistische Richtung der „Süddeutsche Zeitung“, und andererseits wie sehr jetzt die Zeitungen uns nochmal emotionalisieren wollen: Gauck erfährt medialen Zuspruch wie damals die „Volks“-Aktie der „Deutschen Telekom“, welche nachher wertmäßig für deren Kleinanleger ein Flopp wurde.

Es ist klar, die „Volks“-Aktie der „Deutschen Telekom“ hat über 99% der Bevölkerung keine Verluste gebracht, da es von dem Volk nur wenige waren, die sie überhaupt zeichnen konnten. Bei einem Bundespräsident liegt das Risiko nun eindeutig auf Kosten der 99% der Bevölkerung, denn 1% haben mit den Steuern nichts zu tun, die für die Bundespräsidenten-Gage aufgebracht werden müssen. Wobei, es sind eindeutig mehr als 1%.

Egal. Es ist nicht fair, den Gaucklertag übermorgen der damaligen „Volks“-Aktie der „Deutschen Telekom“ in Vergleich zu setzen. Denn Verluste sind bezahlbar. Einen Zahler findet die Wirtschaft letztendlich immer.

Ansonsten:
Wir kriegen einen neuen Bundespräsidenten.
Alles andere ist Miesmacherei.
Möge der Rauch weiß sein.
Habebimus Praeses.
So soll es sein.
Amen.

Danke für das Weglesen dieses meines Blogeintrages.

Herzlichst

Careca

Kofferhoffer

„Wann fliegst du?“
„Morgen.“
„Na dann viel Spass.“
„Wieso?“
„Denk dran, nur mit einem speziellen Sicherheitsschloss, dem TSA-Schloss, darfst du deinen Koffer verschließen.“
„Hab ich gekauft.“
„Die Zöllner haben das Recht deinen Koffer zu durchsuchen.“
„Ich weiß, Kollegen wurde dann ein Zettel im Koffer gelegt, dass sie ihn geöffnet hatten.“
„Bei mir nicht.“
„Nicht?“
„Die haben mein Schloss mit einem Bolzenschneider durchknipst haben. Und dabei noch eine Reissverschlusslasche von meinem Koffer abgerissen.“
„Dann war es kein TSA-Schloss.“
„Es war aber ein entsprechend der Norm gekennzeichnetes.“
„Du konntest ja reklamieren.“
„Hab ich. Die Fluggesellschaft meinte, dass, wenn es abgeknipst wurde, das Schloss garantiert kein normiertes TSA-Schloss war. Also wäre es mein Verschulden.“
„Und der Zoll?“
„Sagte, dass sie keine Schlösser aufknipsen, ohne nachher einen Zettel reinzulegen, dass mein Koffer geöffnet worden wäre. Also ohne Zettel, kein Anspruch, weil auch nie von denen geöffnet wäre.“
„Hm.“
„Beim nächsten Flug war mein niegelnagelneues TSA-Schloss wieder beschädigt.“
„Aufgeknipst?“
„Die komplette Ummantelung des Schloss war weg. Das Schloss lag blank, leicht zu öffnen.“
„Zettel?“
„Keiner.“
„Fluggesellschaft?“
„Eindeutig eine Beschädigung durch den Zoll.“
„Zoll?“
„Kein Zettel, keine Inspektion passiert. Unschuldig.“
„Sympathisierst du mit dem oppositionellen Staaten? Hast militärisches Hoheiten gar in Frage gestellt?“
„Die Sicherheitsbehörde hat alle meine Daten vor meiner Einreise bereits zur Durchsicht erhalten. Sie konnten sich ein umfassendes Bild von mir verschaffen.“
„Nazi? Oder direkter Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte?“
„Nichts von alledem. Bereits zu DDR-Zeiten wurde ich von den Sicherheitsbehörden durchleuchtet. Die wollten auch alles wissen. Sogar, was in meinem Koffer war. Ob ich deren Staatssicherheit gefährden würde. Bis in die letzte mitgeführte, beschriftete Papierseite.“
„Die DDR war eine Diktatur. Unrechtsstaat. Paranoid wie jede Diktatur. Für die war jeder Mensch ein Gefährder.“
„Ich weiß.“
„Die USA ist das nicht. Lediglich auf ihre Sicherheit ihrer Bürger bedacht. Es gibt zu viele unverdächtige Schurken, die gefährlich sein könnten. Sie muss vorsichtig sein. Dafür müssen wir auch selber mal Opfer bringen. Und TSA-Schlösser kosten ja nicht die Welt.“
„Wann fliegst du?“
„Morgen.“
„Na dann viel Spass.“

Blog-Konjugation

Ich schreibe.
Du schreibst.
Er/sie/es schreibt.
Wir schreiben.
Ihr schreibt.
Sie schreiben.

Mathematische Konjugation:
1/q + 1/p = 1. Insbesonderes, wenn q=p=2 ist.
Der eine schreibt die Hälfte, der andere kommentiert die andere Hälfte.
Ein ganzes entsteht, wenn beide nur die eigene Hälfte einsteuern.
Konjugation der Pantoffeltierchen.
Konjugation im Internet.
Social media blogging.
Schreibe ich, schreibst Du.
Schreibt er/sie/es, schreiben wir.
Ihr schreibt, sie schreiben.
Wer schreibt, der bleibt.

Konjugation der Blogger-Welt.

Intermezzo: Gedanken zu einem fast einjährigen Cliffhänger

»Denken ist Glückssache«, hatte mir in der Schule mein Deutschlehrer immer wieder gesagt, wenn ich meine Antworten mit »Ich denke, dass …« begann und sich heraus stellte, dass meine Antwort überhaupt nicht zu seiner Frage passte. Zwar war ich damals immer überzeugt, dass ich lediglich missverstanden wurde, heute weiß ich allerdings, dass ich wohl eher die Fragen nicht verstanden hatte.

Übers Denken an sich wird bereits viel nachgedacht. Bei meiner Suche nach dem in den »Papieren von PentAgrion« (ein hier von mir weiter gestrickter Internetroman) erwähnten »Karl Schneider«, der bis zu seinem Tode im Jahr 1980 an einer Gruppentheorie gearbeitet haben sollte, war ich in Hochschulbibliotheken, um dort zu recherchieren.

Hochschulbibliotheken haben sich gewandelt. Waren sie früher stille Lern- und Lesestätten, in dem kaum Gespräche zwischen Kommilitonen geschweige den Geräusche zu hören waren, so haben sich auch diese modernisiert. Zwar sind sie noch meilenweit von der Geräuschkulisse einer Buchhandlung entfernt, aber Horte der Stille sind sie nicht mehr. Das sichtbare Zeichen der Neuzeit sind die Computerterminals. PCs stehen inzwischen dort drinne und das stetige Klackern der Tastaturen und Klicken der Maustasten spielt die Hintergrundmusik zwischen gedämpften aber doch deutlich hörbaren Gesprächen. Das digitale Zeitalter hat fünfzig Jahre nach dem Erfinden des Internets selbst die vormals stillen Bibliotheken in Zentren der jederzeit verfügbaren Information verwandelt.

Gerne wird dabei von der Demokratisierung der Bildung gesprochen: jeder kann auf das Wissen zugreifen. Eigentlich benötigt es die Einrichtung einer Bibliothek nicht mehr, denn über das Internet und mittels Hyperlinks wäre alles mit allem Wissen vernetzbar und für jeden in unmittelbarer Reichweite seines eigenen Heimcomputers.
»E-Learning«, das Lernen mit Hilfe des Computers, machte bereits die Runde. Aber bisher hat sich gezeigt, dass das E-Learning für deren Anwender schwerer vonstatten geht als normales Lernen. Wer mit Büchern und/oder mit Lehrer lernt, lernt anders, hat einen nachhaltigeren Lerneffekt. Derjenige, der sich über Hyperlinks des Internets versucht zu informieren, wird kaum soviel lernen. Zu groß ist das Ablenkungspotential der Hyperlinks im Internet. Jeder Artikel, jedes Post, welches ein Link enthält, führt zu einer Unterbrechung und somit zu einer Ablenkung vom eigentlichen. Aber das ist letztendlich auch so gewollt.

Das Denken, welches sich auf physische Bücher und Dokumente aufbaut, gerät beim Nutzen des Internets ins Schleudern, das Ziel leicht aus den Augen. »Demokratisierung der Bildung« ist nichts anderes als eine geschickte Verschleierung dessen, dass mit dem Internet das Denken an sich der Menschen sich wandelt und nachhaltige Lerneffekte durch einen Informationsüberangebot blockiert wird. Es liegt gar nicht im Interesse, dass sich im Internet längere Texte durchgelesen werden. Das Interesse liegt vielmehr auf Wachstum der Klick-Raten je Seite. Google lebt hervorragend davon.

Gerne wird den Nutzern des Internets auch noch eine Affinität zu der als »negativ« erklärten »Umsonstkultur« untergeschoben. Die Internetnutzer wollen immer alles und besonders umsonst haben und nicht zahlen. Es muss der blanke Neid der zu-kurz-Gekommenen sein, denn selbst Google-Books hat keine Probleme damit. Dass nebenbei Google-Books beim Einscannen von Büchern mit der Praxis »Erstmal scannen, dann fragen und gegebenenfalls zahlen« und auch Googles Suchmaschine selber mit dem Urheberrechte locker umgeht, hat noch keinen der großen Kritiker über Googles-»Umsonstkultur« sich beklagen lassen. Würde man diese fragen, was sie von Googles Praktik halten, sie würden möglicherweise antworten: »Die Aktien von Google.«

»Ich denke, also bin ich« ist René Descartes bekanntestes Zitat. Er hatte damit vor 370 Jahren die Gedanken der Unterscheidung von Materie und Geist in die damalige Welt gebracht. »Denken ist Glückssache« war definitiv nicht von ihm. Dass das Denken eine Sache ist, die Glück bringen kann steht außer Frage. Dass aber Denken eine Sache des Glück im Sinne eines Glücksspiel ist, kann nicht sein, denn Glücksspiele sollen der staatlichen Kontrolle unterliegen und können bekanntlich süchtig machen. Jedenfalls würden viele gerne die Kontrolle über das Denken übernehmen und eigenständiges Denken als eine Sucht brandmarken. Das mag sich jetzt ein wenig dämlich lesen. Nur, mit dem Internet hat es bereits diese letzte Richtung eingeschlagen.

Der Vorteil soll sein, dass mit dem Internet wertvolles Wissen ausgelagert werden kann. So wird es gerne kolportiert. Nur ist Wissen nicht auslagerbar, sondern Wissen ist nur erfahrbar. Wissen ist auch keine Dateneinheit, welche man wie ein Programm auf einem Datenspeicher ablegen kann und nach 10 Jahren dort noch immer wieder finden kann. So wie am ersten Tag. Wissen ergibt sich durch Denken und ist individuell.

Ein bedeutender Unterschied zwischen der asiatischen Kultur und der hiesigen westlichen Kultur liegt darin, dass in der asiatischen Kultur sich das Individuum an Gemeinschaftsereignisse erinnert, in der westlichen Kultur das Individuum aber eher an individuelle Lebensereignisse.
In den westlichen Medienereignissen lässt sich eine Verlagerung von individuellen Lebensereignissen hin zu internetbasierten Ereignissen verfolgen. Auch das Individuum verlagert sein »Ich« in die breite Masse der Social Networks (Blogs, Facebook, Twitter, YouTube etc.) und akzeptiert widerspruchslos deren enge Reglementierungen. Der Geist wird in die Materie des Internets und deren Korsett verlagert. Und der Geist ist begeistert von den vielfältigen Anregungspotentialen und Informationsangeboten, denen er begegnet. Denn Gehirn und Internet haben eines gemein: Sie verändern sich stetig, wobei das Gehirn dabei wesentlich flexibler und effektiver vorgeht, als es das Internet jemals schaffen wird. Nur, was hinsichtlich des Internets beim Menschen wächst, ist auch noch die Unstehtheit des Geistes. Es fehlt die Kontemplation des Denkens. Bücher waren Rückzugsgebiete, Oasen der eigenen Phantasie. Das Internet ist aber überwiegend nicht daran interessiert, wie ich bereits oben schrieb.

Allein daher ist dieser Eintrag schon wieder mal einfach zu lang.
Einfach unlesbar.
… wahrscheinlich haben eh schon alle Leser den nächsten Hyperlink angeklickt gehabt …

Die Geschichte über »PentAgrion«, welche von Trithemius initialisiert wurde (s.a. unter trithemius.blog.de), hatte ich damals aufgenommen und fortgeführt. Seit fast einem Jahr ist sie bei mir mit einem Cliffhänger in Warteposition. Die Geschichte ist aber noch nicht vorbei, die Handlung konzeptioniert, aber nicht niedergeschrieben. Die Unstehtheit meines Internet-bewegten Geistes hat mir das Denken an der Geschichte blockiert. Mein Streben ist es, diesen Internetroman für mich zu Ende zu bringen. Eine Garantie, dass die Fortsetzung eine Offenbarung der Literatur werden wird, die gebe ich nicht.
Trotzdem benötige ich die bereits oben erwähnte Kontemplation des Denkens. Ein wenig Glück im Sinne von »Spiel« als auch im Sinne von »Gefühl«, wäre auch nicht schlecht.
Damit Denken bei mir eine Glückssache wird.
So wie es mein Deutschlehrer mir schon damals immer vorhielt.