Kofferhoffer


„Wann fliegst du?“
„Morgen.“
„Na dann viel Spass.“
„Wieso?“
„Denk dran, nur mit einem speziellen Sicherheitsschloss, dem TSA-Schloss, darfst du deinen Koffer verschließen.“
„Hab ich gekauft.“
„Die Zöllner haben das Recht deinen Koffer zu durchsuchen.“
„Ich weiß, Kollegen wurde dann ein Zettel im Koffer gelegt, dass sie ihn geöffnet hatten.“
„Bei mir nicht.“
„Nicht?“
„Die haben mein Schloss mit einem Bolzenschneider durchknipst haben. Und dabei noch eine Reissverschlusslasche von meinem Koffer abgerissen.“
„Dann war es kein TSA-Schloss.“
„Es war aber ein entsprechend der Norm gekennzeichnetes.“
„Du konntest ja reklamieren.“
„Hab ich. Die Fluggesellschaft meinte, dass, wenn es abgeknipst wurde, das Schloss garantiert kein normiertes TSA-Schloss war. Also wäre es mein Verschulden.“
„Und der Zoll?“
„Sagte, dass sie keine Schlösser aufknipsen, ohne nachher einen Zettel reinzulegen, dass mein Koffer geöffnet worden wäre. Also ohne Zettel, kein Anspruch, weil auch nie von denen geöffnet wäre.“
„Hm.“
„Beim nächsten Flug war mein niegelnagelneues TSA-Schloss wieder beschädigt.“
„Aufgeknipst?“
„Die komplette Ummantelung des Schloss war weg. Das Schloss lag blank, leicht zu öffnen.“
„Zettel?“
„Keiner.“
„Fluggesellschaft?“
„Eindeutig eine Beschädigung durch den Zoll.“
„Zoll?“
„Kein Zettel, keine Inspektion passiert. Unschuldig.“
„Sympathisierst du mit dem oppositionellen Staaten? Hast militärisches Hoheiten gar in Frage gestellt?“
„Die Sicherheitsbehörde hat alle meine Daten vor meiner Einreise bereits zur Durchsicht erhalten. Sie konnten sich ein umfassendes Bild von mir verschaffen.“
„Nazi? Oder direkter Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte?“
„Nichts von alledem. Bereits zu DDR-Zeiten wurde ich von den Sicherheitsbehörden durchleuchtet. Die wollten auch alles wissen. Sogar, was in meinem Koffer war. Ob ich deren Staatssicherheit gefährden würde. Bis in die letzte mitgeführte, beschriftete Papierseite.“
„Die DDR war eine Diktatur. Unrechtsstaat. Paranoid wie jede Diktatur. Für die war jeder Mensch ein Gefährder.“
„Ich weiß.“
„Die USA ist das nicht. Lediglich auf ihre Sicherheit ihrer Bürger bedacht. Es gibt zu viele unverdächtige Schurken, die gefährlich sein könnten. Sie muss vorsichtig sein. Dafür müssen wir auch selber mal Opfer bringen. Und TSA-Schlösser kosten ja nicht die Welt.“
„Wann fliegst du?“
„Morgen.“
„Na dann viel Spass.“