Ertrage die Clowns (4): Zeit für Gauckler

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Sie naht.
Immer näher.
Die nahe Wahl.
Es wird uns wieder ein neuer Bundespräsident gewählt.
Am Sonntag wird überm Reichstag weißer Rauch aufsteigen und es wird heißen, wir alle haben den „Präsident des Herzens“ erwählt bekommen.
So wird es geschrieben stehen.
Es kann gar nicht anders sein.
Die Widersacher werden hinweg geschmolzen sein wie der Schnee unter der heutigen Sonne, so wird man verkünden.
Und wir werden sein ein einig Volk hinter einem Präsidenten.
Das werden die Presseleute uns verordnen.
Die Zeitungen gehen jetzt schon in diese Richtung.
Und allen potentiellen Gauckkritikern wird nochmals die Asche über deren Haupt gestreut, für den alle jene verdächtigt werden, überhaupt aufgewirbelt zu haben.

So erhielt ich heute einen Hinweis auf den Artikel „Nach Unfall mit Gauck-Limousine – Aufstehen lernen“ der „Süddeutschen Zeitung“ (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/nach-unfall-mit-gauck-fahrer-aufstehen-lernen-1.1310943). Er handelt über den Fahrradfahrer, der damals mit der Limousine kollidierte, in welcher Joachim Gauck saß. Der Unterton jenes Hinweis an mich war, dass in jenem Artikel meine Behauptungen plausibel widerlegt worden seien (mein Eintrag zu dem Unfall vom 23.1.2011 hier). Ich solle vielleicht doch meinen Artikel entsprechend der Wahrheit korrigieren und nicht Gauck für den Unfall schuldig zu machen.

Das mein Artikel überhaupt beachtet wurde, auch wenn er nie einen Kommentar von irgendwem erhielt, dass hat mich doch ein wenig gefreut. Aber dass sich jetzt die „Süddeutsche“ jenes Unfalls erst zwei Jahre später zwei Tage vor der Wahl des Bundespräsidentenamtes annimmt, spricht zweierlei. Einmal konkret über die investigative journalistische Richtung der „Süddeutsche Zeitung“, und andererseits wie sehr jetzt die Zeitungen uns nochmal emotionalisieren wollen: Gauck erfährt medialen Zuspruch wie damals die „Volks“-Aktie der „Deutschen Telekom“, welche nachher wertmäßig für deren Kleinanleger ein Flopp wurde.

Es ist klar, die „Volks“-Aktie der „Deutschen Telekom“ hat über 99% der Bevölkerung keine Verluste gebracht, da es von dem Volk nur wenige waren, die sie überhaupt zeichnen konnten. Bei einem Bundespräsident liegt das Risiko nun eindeutig auf Kosten der 99% der Bevölkerung, denn 1% haben mit den Steuern nichts zu tun, die für die Bundespräsidenten-Gage aufgebracht werden müssen. Wobei, es sind eindeutig mehr als 1%.

Egal. Es ist nicht fair, den Gaucklertag übermorgen der damaligen „Volks“-Aktie der „Deutschen Telekom“ in Vergleich zu setzen. Denn Verluste sind bezahlbar. Einen Zahler findet die Wirtschaft letztendlich immer.

Ansonsten:
Wir kriegen einen neuen Bundespräsidenten.
Alles andere ist Miesmacherei.
Möge der Rauch weiß sein.
Habebimus Praeses.
So soll es sein.
Amen.

Danke für das Weglesen dieses meines Blogeintrages.

Herzlichst

Careca

Der Aschermittwoch unter den Mittwochen

„Moral: Ashes to ashes, and clay to clay,
if the enemy doesn’t get you your own folks may.“

aus „The Peacelike Mongoose“ von James Grover Thurber

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Nichts aber auch gar nichts deutet bislang darauf hin, dass am Aschermittwoch alles vorbei sei.
Am Altweiberfastnachtstag in der Nacht waren die Frauen in das fremde Schloss eingedrungen und hatten ultimativ die Herausgabe des Schlüssels gefordert. Da wurde der alte Neu-Hausherr brummig und erklärte gleich seinen Auszug.

So nicht, liebe Leute, war seine Botschaft. So nicht.

Er nahm die gesammelte Wulff’sche Presseschau der letzten Tage, verbrannte sie vor den auf ihn gerichteten Kameras zu Asche und streute die Asche auf die Häupter der anwesenden Journalisten.

Der Elferrat war verwirrt. Da sollte der Rosenmontagzug doch am Montag statt finden und dann das. Ohne Prinzen. Also hockte er sich um die restliche Asche zusammen, rührten mit einem gewichtigen Mamorstößel drin rum, bis weißer Rauch aus schwarzer Asche aufstieg, und rechtzeitig vor Toresschluss präsentierte der Elferrat den neuen Prinz. Vor den neugierigen Kameraaugen präsentierten der Rat ihren Phönix.
Der Rosenmontagszug konnte stattfinden, der Karnevalsumzug war gerettet.

Dumm nur, dass jetzt wieder einige versuchten, den Phönix noch bis Aschermittwoch als Nubbel öffentlich zu verbrennen.
Das war nicht fein. Denn erstens wurde der „Nubbel“ nicht als Nubbel sondern als „Kandidat der Herzen“ präsentiert und zweitens, dem gemeinen Nubbelverbrenner stehe es auch gar nicht zu, über den Phönix und seiner Kandidatur zu diskutieren. Besonders nicht in den Weiten und Breiten des Internets. Soviel Anstand wurde von den Nicht-Medien-Organisierten Internetznutzern ultimativ unausgesprochen eingefordert. Deswegen hat auch gleich die etablierte Medienlandschaft sofort in die Ascheurne geblasen und verkündet, dass doch immer wieder Leute versuchen, destruktiv zu arbeiten, statt mal konstruktiv zu sein. Über alles dürfe nun auch wieder nicht diskutiert werden, so der ungeschrieben Untertitel derer Kritik.

Die Medien vergaben denn auch gleich schon am Veilchendienstag das Aschekreuz, welches sie mangels Stirn bestimmten Leuten an den Türrahmen zog, damit doch die Meute der „Haltet den Dieb“-Fetischisten gleich weiß, bei wem sie mit dem Schwert der eigenen Meinung einkehren solle. Auf dass aus kleinen Diskussionen keine spätere große werden solle. Im Namen der Meinungsfreiheit und im Namen des Grußonkelamtes für den neuen Phönix.

Quod licet Iovi, non licet bovi.

Und so wurden vorbeugend Schmutzkübel voller Asche gleich über jene geleert, die sich ihrer Herzensbildung dem Phönix als „Kandidat der Herzen“ verweigerten. Der bei auftretenden Ascheregen auftretende Staub war gewaltig und versperrte den Blick auf den Kern der Diskussion. Die meinungsbildende Vorherrschaft der Medien. Sie entließ doch bereits den vorherigen Schlosshausherrn. Und von derer Gnade darf einer einziehen, der auch schon eine ebenfalls herzeigenswerte „First Pfönix-Aschen-Lady“ hat.

… ich hoffe nur, bei den vielen in der Presse verwurschteten Herzen wurde jetzt nicht „herz-eigens-wert“ sondern her-zeigens-wert“ gelesen …

Was mir in den Sinn kam, als der Elferrat seinen Phönix präsentierte, werde ich nicht schreiben.
Aber so manchem Ost’ler dürfte diese von einer Ost’lerin dem Volk vorgesetzte Ämtervergabe mittels eines Ost’lers im Namen des Volkes an etwas erinnert haben, was zu den damaligen Ost-Zeiten Gang und Gäbe war. Aber jeder Ost’ler sollte sich trotz diesem Déjà-vu-Schauder vor Augen halten, die Einparteienwirtschaft ist vorbei, hierbei handelte es sich am Karnevalssonntagabend um einen deutschen, demokratischen Parteien-Vorgang entsprechend dem Grundgesetz.

Jawohl!

Und die Linken, die mal wieder eine Extrawurst drehen wollen, die werden nicht nur bereits schon von Staatsorganen überwacht sondern von Angehörigen des Elferrats als verbotswürdige Partei angesehen.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Geschichte wiederholt sich halt nicht.

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P.S.:
Sollte ich über diesen Beitrag „Vorsicht! Satire!“ schreiben? …
Nö, ich denke, das versteht eh niemand. Also lass ich’s mal so stehen.
Damit es vielleicht wen sogar veranlasst, vor dem Beenden des Lesens wütende Kommentare abzusetzen, …

Herzensbildung oder die Bestechlichkeit der Herzen

Haben wir nicht alle geheult wie die Schlosshunde? Da hatte ihr besoffener Chauffeur jene Frau Spencer in Paris in einem Tunnel einfach so gegen den Pfeiler gesetzt.
„Königin der Herzen“ erhielt sie als Titel. Posthum.

Und haben wir nicht geheult wie die Schlosshunde, als im Jahre 2001 dem FC Schlacke 05 in letzter Minute von dem FC Bayern der Meistertitel abgenommen wurde?
„Meister der Herzen“ wurden die Knappen-Mannschaft in Folge genannt. Als Meisterschaftsschalenersatz.

Und haben wir nicht geheult wie die Schlosshunde, als Joachim Gauck bei der Bundespräsidentenwahl 2010 als zweiter über die Ziellinie ging?
„Bundespräsident der Herzen“ wurde er genannt. A posterior.

Und heulen wir jetzt nicht wie die Schlosshunde, weil Joachim Gauck für die Bundespräsidentenwahl 2012 als Kandidat wieder zur Wahl steht?
„Kandidat der Herzen“ wird er jetzt genannt. A priori.

So, jetzt ist’s aber genug mit der guten Herzensbildung. Kommen wir doch mal wieder zum normalen Alltag zurück.
Im Januar vor einem Jahr schrieb ich noch das folgende:

Erinnert sich noch wer an die letzte Woche vor der Bundespräsidentenwahl 2010?

Es ging darum, ob Joachim Gauck oder Christian Wulff der erste Mann im Staat werden sollte. Die Diskussionen schwankten zwischen Bewertung wie „Gold und Silber“, „Pest und Cholera“, „Menschenrechtsvertreter und Menschenrechtvertreter“.

In diesem Blogeintrag schrieb ich über meine Begegnung mit einem Unfallopfer:
Ein Mann wurde in München eine Woche vor der Bundespräsidentenwahl 2010 von einem 7er BMW angefahren. In dem gepanzerten BMW saß unter anderem auch Joachim Gauck als Mitfahrer auf dem Rücksitz. Ihm ist freilich der Unfall nicht anzulasten. Er war nur Mitfahrer auf dem Rücksitz. Joachim Gauck sagte damals in der ZDF-Sendung „Was nun?“ zu dem Unfall: „Es war so ein Schreck.“ (Joachim Gauck). So sprach derjenige, der sich bereits damals als potentieller „Bürgerpräsident“ sah.

Es wurde auch berichtet, dass sich Joachim Gauck um das Unfallopfer gekümmert hätte. Er wäre sogar am Krankenbett des verunfallten Fahrradfahrers gewesen. Nur, so hatte mir der verunfallte Fahrradfahrer persönlich versichert, an einen Joachim Gauck an seinem Krankenbett konnte er sich nicht erinnern. Auf der Intensivstation, wo eh nur Familienangehörige eingelassen werden, wo er auch sofort und zweimal danach wegen dem Zusammenstoß noch operiert wurde. Andere Personen konnten ihm ebenfalls von keinem Gauck-Besuch an seinem Bett berichten. Aber es wurde damals verbreitet, dass Gauck sich am Krankenbett des Verunfallten befunden haben sollte.
Gauck, der mitfühlende Kandidat. Das war opportun. Und wir alle haben es geglaubt. Können Politiker lügen? Oder Zeitungen? Oder beide?
Was der Verunfallte letztendlich an seinem Krankenbett fand, das war ein Blumenstrauß von dem damaligen SPD-Kreisvorsitzenden. In dessen Büro war Joachim Gauck direkt vor jenem Unfall, um für seine Kandidatur zu werben.

Von Joachim Gauck persönlich hatte der Verunfallte nie mehr etwas gehört. Es mag sein, dass er sich vielleicht über seinen Zustand erkundigt haben mochte. Vielleicht über Mittelsmänner. Aber auch davon hatte der Verunfallte keine Kenntnisse erhalten. Nichts.
Selbst Thomas Gottschalk hat sich mehr um seinen verunfallten „Wetten, dass“-Gast gekümmert als Joachim Gauck um jenen Menschen. Sowohl Thomas Gottschalk als Joachim Gauck waren als unmittelbare Zeugen durch einen Unfall betroffen, ohne überhaupt schuldig am Geschehenen gewesen zu sein. Allein Gauck als Kandidat für das bedeutendste Amt der Bürgerschaft, dieser Gauck interessierte sich nur für seine Außendarstellung. Der Rest war ihm herzlichst egal.

Änderung/Ergänzung vom 13.3.2012: Nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ hat sich Joachim Gauck im Rahmen seiner Vorstellung als Kandidat für das Präsidentenamt bei den Parteien hier in München mit dem damaligen Unfallopfer getroffen. Sollte diese Nachricht keine journalistische Ente sein, so steht das jetzt diametral meinen Aussagen gegenüber. Dieser Akt bringt ihm meine Achtung, aber als „Kandidat meines Herzens“ geht er bei mir weiterhin nicht durch. Zu viel war seit jenen Tagen bereits von Gauck erzählt worden, was heute jeder als Missverstehen seiner Aussagen interpretiert.

Vor einem Jahr schrieb ich noch:

Letztendlich wurde Christian Wulff der neue Bundespräsident und Gauck ging als schulter-geklopfter „Verlierer“ aus der Wahl hervor.
Christian Wulff ist vielleicht doch der ehrlichere, denn für ihn ist der Bürger ostentativ nur Staffage (siehe seine Weihnachtsansprache), während ihm die Maschmeyers näher sind als die Probleme vieler Bundesbürger, die er lieber in der Marginalität sehen möchte.

Gauck wurde inzwischen von fünf Parteien zum Amt des Präsidenten nominiert. Als weiterer Grußonkel der Geschichte und als Substitut einer nicht-vorhandenen deutschen konstitutionellen Monarchie hat Joachim Gauck bereits im vorbeugenden Kalkül darum gebeten, ihm jetzt schon zukünftige Fehler zu verzeihen:

„Und kann Sie nur bitten, die ersten Fehler gütig zu verzeihen und von mir nicht zu erwarten, dass ich ein Supermann und ein fehlerloser Mensch bin.“ Joachim Gauck

Ein genialer Schachzug. Hätte sich Wulff diesen Satz am Anfang seiner Amtszeit ebenfalls zurecht gelegt gehabt und wäre CDU-Politiker Hintze nicht so Talkshow-gesprächig gewesen, Wulff wäre noch heute Präsident. Meiner Meinung nach war Wulff sogar die damalige bessere Wahl dieser beiden schlechten Kandidaten-Sonderangebote der politischen Resterampe.

Eines wird uns heute dafür sicher sein: Von Gauck werden wir noch einiges zu Gehör bekommen. Nicht nur die Linken der SPD, Grünen und der Linken werden jetzt schon das ungute Gefühl haben, einen Polemiker zur Wahl zu bekommen, der sich mehr als mitsprechenden Bürger sieht und sich auch nicht für den Kampf über die Lufthoheit der Stammtische zu Schade sein wird. Ohne Rücksicht auf Verluste bei der eigenen Herzensbildung.

Aber zur Herzensbildung können dann ja immerhin weiterhin allerhöchste Aristokratentitel vergeben werden. Vom Aristrokratensubstitut zu Bürgertum.
Denn vergessen hatte ich in obiger anfänglicher Aufzählung als Bestecher der Herzen noch jemanden. Nein, keinen Journalisten und nicht die meinungsbildende Presse. Sondern lediglich und immerhin Florian Silbereisen.
Haben wir nicht geheult wie die Schlosshunde, als Florian Silbereisen 2006 in der Rolle eines Lokalreporters eine junge Liebe rettete?
„König der Herzen“ hieß dieser deutsch-österreichische Schmachtfetzen im Privatfernsehen.
Aus Berechnung.
Denn etwas besseres als Deutschlands Sommermärchen finden wir ja allemal, sprachen schon weiland die Bremer Stadtmusikanten …

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P.S.:
Es ist natürlich ein gaaaaanz billiger Trick von mir, oben „FC Schlacke 05“ zu schreiben und sich somit bei den Dortmunder Fans anzubiedern und den Hohngelächter der Bayern-Fans gegen jenen Verein einzuheimsen. Darum gehe ich hier mal mit Carmen Thomas konform und verbessere mich nachträglich: Es heißt natürlich korrekt „FC Schalke 05“ …