Worte zum 1. Mai über die Entstehung einer neuen Welt (oder: Ängste der Finanzwelt …)


„Life as we know will change. Consider that, in the next 12 months, some trades will be reported to the public on a real-time base, bilateral margin requirements will be required by law, and it will be illegal to execute certain transactions over the telephone. We need to be ready for this new world and we need to understand, what it all means. We need to support and adopt those things that do make sense. And we need to try and change those things that don’t.“

aus der Eröffnungsrede auf dem jährlichen ISDA®-Treffen in Chicago vom 30. April bis 2. Mai 2012 durch Stephen O’Connor (Geschäftsführer und globaler Chef für außerbörslichen Kundengeschäfte der US-Bank „Morgan Stanley“, Vorsitzender der „International Swaps and Derivatives Association, Inc.“(ISDA®)

Übersetzung:

„Leben, wie wir es kennen, wird sich ändern. Bedenken Sie, dass der Öffentlichkeit in den nächsten 12 Monaten von Handel auf Echt-Zeit-Basis berichtet werden wird, dass zweiseitige Margenbedingungen gesetzlich gefordert werden und dass es illegal werden wird, bestimmte Transaktionen über das Telefon auszuführen. Wir müssen auf diese neue Welt vorbereitet sein und wir müssen verstehen, was das alles bedeutet. Wir müssen jene Dinge unterstützen und anpassen, die wirklich Sinn machen. Und wir müssen versuchen die Dinge zu ändern, die das nicht tun.“

In dieser Konferenz der ISDA® geht es unter anderem darum, um den vor zwei Jahren in der USA verabschiedeten „Dodd-Frank Act“ (ein Regulierungsgesetz, um eine Wiederholung der Bankenkrise 2008 zu verhindern). Hierin sehen die Finanzmärkte Hindernisse durch diese geforderte Regulierung.

Die Aussage ist deutlich: sollten Gesetze für die Finanzwelt nicht akzeptabel sein, dann wird versucht, den Politikern zu erklären, was Sinn macht. Was nicht passt, wird passend gemacht. Das ist gelebte Demokratie. Eine Art der gelebten Demokratie, so wie das Volk es sich nicht getraut, sie auszuüben (was politisch in Hinblick auf die Finanzmärkte auch gar nicht gewünscht ist).

2 Gedanken zu „Worte zum 1. Mai über die Entstehung einer neuen Welt (oder: Ängste der Finanzwelt …)

  1. „Demokratie, so wie das Volk es sich nicht getraut, sie auszuüben“ – ja, das Volk jammert und klagt, lässt sich aber weiterhin am Nasenring führen und ist schon froh, wenn Arbeiterführer am 1. Mai ein paar knallharte Worte sagen und Forderungen stellen. Das ändert zwar nichts, aber beruhigt die Volksseele.

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  2. Stimmt. Dem Volk wurde bereits permanent von allen Seiten eingebläut, es gäbe keine Alternative außer dem Nasenring …
    „Arbeiterführer“ würde erheblich mehr bedeuten, würden jene sich auch noch um diejenigen kümmern, die nicht arbeiten können, aber es gerne wollen. Für diese Menschen wollen jene aber nicht arbeiten, geschweige sich einsetzen, weil die von denen ja auch keine Beiträge bekommen … sie sind nun auch mal neoliberal korrumpiert …

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