Chiffrierte Drohung eines Kriminellen am Nikolaustag

Prolog:

Adventskalender, Adventskalender, was schaust du so traurig rein?

Adventskalender, Adventskalender, durfte ich nicht bei dir rein?

1. Dezember: Schokorute

Zielorientiert schlug ich des Nachts im Dunkeln dein erstes Türchen ein,

War’s nicht so, wie du es dachtest, hätt’s nicht Mitternacht sollen sein?

2. Dezember:  Schokoschwert

Dein zweites Türchen im Dunkeln ich ebenfalls energisch hab aufgemacht,

Du warst ob meiner nächtlichen Penetration nur ein wenig mehr aufgebracht.

3. Dezember: Schokoriemen

Dein drittes Türchen im Halbdunkeln mit einer Linken ich hab aufgeschlagen

Sag mir, was wagst du, ob fehlendes Lichts so dreist auch noch dich zu beklagen?

4. Dezember: Schokobolzen

Durch dein viertes Türchen dessen Öffnung ich mir kompromisslos organisierte,

Verstehst du nicht, dass der vollendete Einlass ob meiner Verwegenheit mich zierte?

5. Dezember: Schokobärchen mit Zauberstab

Hinter des Türchens Nummer Fünf, bewusst geplant war’s von mir am helllicht Tag,

Denn bei Tageslicht ist’s einfach lecker, cooler, sinnlicher, wie ich es nun mal so mag,

Wollt ich sehn das jed Herz höher schlagen Lassende, das schokobraune Bärchen,

Ein besser Fest wär’s mir gewesen, gewesen wär’s eingecremt und ohne Härchen.

6. Dezember: Nikolaus und Knecht Ruprecht

Am nächsten Tag des Mittags, mich ehrlich total voll freute des sechsten Mals mit vollstem Recht,

Hinterm Türchen lauernd warst du, Adventskalender, zitternd, mit Nikolaus und Knecht Ruprecht.

»Knecht Ruprecht«, riefst du, »alter Gesell´,

Heb deine Beine und spute dich schnell!

Für miese Säcke wie ihm hier, diesem gefährlich Männe,

Der maximal nur so denkt mit dessen Schwanzes Länge,

Triff ihn mit deiner schweren Rute in sein Gemächt,

Mit voller Kraft, bitte, ich will nur eines sein: gerächt!

Nikolaus, deck mich!

Ruprecht streck dich!

Den Stahlknüppel drauf, auf diesen Sack!«

Dunkel wurd’s mir danach in meinem Frack.

7. Dezember: Schokopampe

Durch die vergittert Türe reingeschoben von Knecht Ruprecht Nummer Zwei

Erhielt ich einen Essensnapf, irgendwas ehrloses, offensichtlich Zwieback-Brei.

Im Folgenden: Schokolos

Derweil eine Lehre sich mir brannte ein in mein Hirn,

Gravierte sich mit Denkerfurchen hinter meine Stirn

Dass vorm Türchen-Öffnen abzuchecken es unheimlich wichtig nun mal ist,

Mit welch Knecht Ruprecht so ein ehrloser Adventskalender verbandelt ist.

Paar Tage später:

Nikolaus Nummer Zwei, ungefragt es wagte, zu sprechen mir ins Gesicht,

Mit mega faltig Munde er sprühte seine elend Galle wie voll giftig Gischt,

Mich zutextete mit Fehlurteil, dann treffsafe ich verächtlich bespuckt ihn hab deswegen.

Erneut in einer Zelle dann, drei Stunden Respekt-Einnorden ich musste lehren Zell-Kollegen,

Bis ich den Dulli hatte voll geschwächt,

Brav krault er mir jetzt mein Gemächt.

Wichtig ist’s, all Knastis um mich rum wissen, wo ich stehe,

In der Rangfolge eben immer oben, ansonsten … wehe, wehe!

Ein Jahr später

Ein Jahr in Zelle Sieben, als Pedant, mein Zellentürchen stets im Blick,

Für danach nun alles safe geplant, nicht bloß bis zum nächsten Fick

An meinem Freedom-Day in fünf Jahren, ich werd’ durchschreiten dies Türchen mit Gitter,

Bin ich dann raus, ich sag’s dir nur einmal, Adventskalender, du, für dich wird’s bitter!

Epilog:

Eine etwaige Ähnlichkeit mit lebenden, toten oder anderen Affen unserer Gesellschaft wäre rein zufällig, allerdings wäre es leider auch unvermeidlich.

Das Wort des Jahres für eine Sekunde

»Und dann, sie mit mir im Dunkeln am Strand, dann sie zu mir so, mit einem Tränchen im Auge: “Du Hengst!”«

»Hat sie nicht gesagt.«

»Doch hat sie. Ich schwör!«

»Nee, sagte sie nicht. Sie meinte, du hängst.«

»Sag ich doch.«

»Sie meinte, du hängst. Du mit deinen Piercings. Hängen kommt von hängen. Hängen wie aufhängen, abhängen, weghängen, durchhängen, mit-hängen und so. Hast dich in ihr verhängt?«

»Also doch Hengst.«

»Nicht Hengst. Hängst. Hängst mit “ä”.«

»Nein.«

»Doch.«

»Oh. Woher weißt du das?«

»Grundschulabschluss. Vierte Klasse. Nach Diktat erfolgreich bestanden. Das Diktat war lächerlich. Echt. Zum Wiehern.«

»Du Hengst, du.«

Männer hart wie Hufeisen, die den Sonnenuntergang suchen

Im Jahre 1985 wanderte Detective Captain John Book mit einer kleinen Gruppe seiner Santa-Baum-Gemeinde von Kalifornien mit einem Einbaum nach Europa aus.

Die Meisten des gemischt-geschlechtlichen Einbaums kamen aus dem Raum um den Ort “Peter Total Weir” bei Pennsylvania. Jene Amish-Leute, wie sie auch heute noch genannt werden, leben wie vor Jahrhunderten. Sie wenden sich nach wie vor gegen den technischen Fortschritt wie Dieselmotorensoftware, Alexa, Siri, Hey Google und andere Angebote der modernen Welt. Sie benutzen Pferdefuhrwerke, aber nicht Holzvergaser und trotz Sonnenwind-Mühlen verzichten sie dafür auf Elektrizität, lebten somit ohne Telefon, BILD-TV, Springer-Verlag und anderer dieser populären Mainstream-Medien. Vorwiegend betreiben sie Farn- und Farmwirtschaft. In ihrem Glauben lebend verweigerten sie als Pazifisten den Kriegsdienst. Ihre Gewaltlosigkeit geht sogar soweit, dass sie sich selbst, wenn sie angegriffen werden, nicht zu Wehr setzen.

Einige von ihnen vertrauten in Gott. Sie vertrauten dermaßen in diesem Über-Begriff, dass sie eben einen zusätzlichen Emigrationsschritt ein weiteres Jahr später von Florida mit der Fähre nach Genua unternahmen und als Bio-Baumheilige darauf wie weiland Attila Hiltmann, der vegane Alpen-Ötzi-Überquerer, erschöpft die Gegend um München herum besiedelten. Sie nannten den Stadtteil “Stadt der jungen Gesendeten”, der jünglich Gesendeten, der Sendlinger, und waren somit den Archäologen weit voraus, die meinten Sendlinger wären von gestern. Was nicht stimmt, denn Sendlinger sind nachgewiesenermaßen von vorgestern. Als Gesendete taugten sie immerhin noch als Bauernvolk für das Blutweihnachtsmassaker, während deren Obrigkeit dabei in Brüssel bei Champagner und Knabbereien verweilte und über die Faktenlage entschied. Im 1900 Jahrhundert, als es noch kein WhatsApp gab, aber Tinder in den Adels-und Kirchenkreisen schon fuckable war.

John Book ist somit der letzte Überlebende für Gerechtigkeit und Gnadenlosigkeit unter Amish-Leuten. Aber wen interessiert so etwas noch? Wen interessiert so etwas überhaupt noch, während bei er Dieter-Hildebrandt-Schule eine neue Turnhalle vor meinem Fenster erschaffen wird. Der Acker dazu ist als archäologisch neutral deklariert worden.

Von Westen erleuchtet in den Schluchten der Schule die Sonne das Baugebiet. Die untergehende Sonne wirft rötliche Strahlen ins Baugebiet. Ein Kran ragt in der Höhe. Unterhalb der Kabine drohen vier Scheinwerfer der Dunkelheit derer Nacht zum Tage werden zu lassen. Und das bedeute immer ab sechs Uhr dreißig.

Es ist Wochenende. Kein Scheinwerfer glüht. Die Baustelle ruht im Dornröschenschlaf. Die Bauarbeiter aus Osteuropa sind noch nicht eingetroffen. Deren Wohndorf aus gestapelten Containern steht bereit. Arbeitsbeginn ist noch etwas entfernt.

Der erste Advent ist am Vorübergehen. Die Sonne geht unter. Der klassische Sonnenuntergang. Viel Kitsch, viel rot. Ein richtiger männlicher Sonnenuntergang. Die dritte Schachpartie zwischen Magnus Carlsen und Jan Nepomnjaschtschi blieb heute ohne Prickel-Effekt. Obwohl Nepomnjaschtschi eine halbe Stunde über einen Zug nachdachte. Ein Spiel, zwei harte Kerle, drittes Remis, erste Langeweile.

Noch brennt das erste Licht auf meinem virtuellen Adventkranz meines Monitors. Draußen ist es dunkel. Und diese wirkt auf mich ein. Ich kämpfe gegen meine Müdigkeit an. Gegen meine Ich-will-nicht-ins-Bett-Attitüde.

Meine Corona-App zeigt mir eine Begegnung mit niedrigem Risiko am letzten Montag, am 22-November. Alles grün. Am 22ten war ich nur in der Firma und dann zu Hause. In den letzten 14 Tagen mussten inzwischen schon einige mener Firma in Quarantäne. Ungeimpfte. Mit leichten bis schweren Symptomen. Und jetzt vierzehn Tage ohne Einkommen zu deren Auskommen.

Für Ungeimpfte wird es immer enger. Ich hoffe, wir Geimpfte verlassen sie nicht, auch wenn jene uns bereits als schuldig Verstoßene klassifiziert haben mögen.

Täter-Opfer-Umkehr in deren Sinne. Mainstreamangehörige. Jene, welche blind BILD und Co verfolgen, und somit deren Absolution haben. Die Springer-AG-Jünger. Jene werden sich nie als Mainstreamangehörige einordnen, weil die Springer-AG bereitwillig die Querdenker unterstützt und folglich somit nicht ARD/ZDF/FAZ/WAZ/SZ/etc, welche der Springer-Verlag auch nicht von der Polemik der „Lügenpresse“ in Schutz nehmen wird, weul sie ein Blatt der Opportunisten für Opportunisten des Populismus meiner Meinung nach ist. Weil eben jene anderen immer verwerfkicherweis pro Regierung sind und somit per Springee-Definitionem volxfern, wie es halt die BILD-Nation wohlwollend schweigend nickend goutiert. Meine Meinung.

Egal.

Gut. Okay. Ich habe keinen Bock mich über Ungeimpfte auszulassen.

Warum habe ich trotzdem noch diesen Eintrag verfasst?

Keine Ahnung.

Dubai-Schach!

Dubai-Matt!

Happiness is a warm gun.

But only in Saudi-Arabia, Mr. Khashogi.

Und ewig schleichen die Erben … (2)

A: »Ja, guck dir bloß die beiden an.«

B: »Wo?«

A: »Hinter uns! Nicht hinschauen!«

B: »Wie soll ich die den sehen, wenn ich nicht hinschauen soll?«

C: »D-d-du muss-mu-sst ja ni-ni-nicht hinscha-auen.«

A: »Die müssen nicht wissen, dass wir sie kennen.«

B: »Wer?«

C: »D-d-die bei-beiden.«

A: »Sie ist die Tochter vom Ewald seiner ersten. Und er der Sohn des Schwippschwagers der Frau, welche damals hier in der Lokalpresse war.«

C: »Weil-weil sie Hä-hä-hengste liebt und zü-hü-züchtete.«

B: »Tochter vom Ewald seiner ersten? War die nicht eng mit unserem Ottokar, Gott hab ihn selig? Sie soll ja in dessen Testament stehen, munkelt man.«

C: »W-w-war ein Hä-hä-hengst, der O-o-otto-kar. U-hu-und sie soll ne Hä-hä-hengstin im Be-hett s-sss-sein.«

B: »Im Bett? Das ist schamlos! Und dann ist sie hier? So eine ausgeschamte Person!«

A: »Warum sollte Ottokar auch wohl sonst einen Herzinfarkt erlitten haben, Gott hab ihn selig. Er war ja bekannt für seinen Bio-Tick. Manchmal können Bettgeschichten nun mal zum Boomerang werden.«

C: »Bu-bu-merang. Der war gut. Be-be-bett-Bu-hu-booster.«

B: »Booster? Im Bett? Klar, junges Blut tut gut. Absolut ehrlos diese Frau. Das die sich traut hier zum Leichenschmaus zu erscheinen. Und er?«

A: »Tja, er soll ihr sexuell hörig sein, hab ich gehört. Eine Freundin eines Bekannten, den ich noch damals auf der Schulabschlussfeier bei dessen´m Sohnes kennengelernt hatte, meinte ihn schon mal auf BDSM-Partys gesehen zu haben.«

C: »Iih, bääh! W-w-wie e-e-ekelhaft!«

B: »Ja, komplett moralisch am Abgrund, diese Welt! Allein der Gedanke daran … total pervers, die beiden. Kein Wunder, dass es Corona gibt. Vielleicht kommt dadurch die Jugend endlich wieder in die Spur und lernt was wahre Werte sind! Wie gut, dass Ottokar das jetzt nicht mehr miterleben muss, Gott hab ihn selig.«

C: »Ah-a-armer O-o-otto-kar.«

B: »Gott hab ihn seelig. Und wer ist der Haupterbe? Wer kriegt jetzt sein ganzes Vermögen? Ich müsste ja alles erhalten, bin ja schließlich die einzige Person mit Erbrecht, weil um zwei Ecken mit Ottokar, Gott hab ihn selig, verwandt, da sollte doch wohl alles für mich drin sein.«

A: »Wahrscheinlich aber diese Nutte hier! Sagte mir die Liesl, als der Sarg niedergelassen wurde. Die Liesl trifft es besonders hart. Seit ihr Mann von ihr gegangen ist, …«

B: »Gott hab ihn selig.«

A: »Nein, nein, der Arsch hat sie dauernd mit einer Jüngeren betrogen, wollte dann neues Frischfleisch und ist dann mit dessen Ergotherapeutin, einer Mittdreißigerin, nach Gran Canaria getürmt. Auf und davon.«

C: »U-hu-unglaub-l-l-lich!«

A: »Und jetzt ist die Liesl unschuldig alleinstehend und muss alle ihre Rechnungen selber bezahlen. Eigentlich hatte sie auf Ottokar gehofft. In den hatte sie sich bereits in der Grundschule verguckt, aber dann kam dieses Mistviech von Nutte und jetzt muss Liesl wahrscheinlich mit Hartz 4 planen …«

B: »Psscht! Da kommt einer von den beiden!«

Die beiden Kellnerinnen schauten die drei schwarz-gekleideten Personen an und bemerkten eine weitere Person, die sich schleichend auf den Weg zu denen begab. Die eine Kellner schüttelte den Kopf und meinte leise zu der anderen:

»Boah ey, wenn man die so reden hört, möchte man nur im Strahl kotzen! Voll socially awkward! Alte, das ist hier ne Beerdigung. Echt total cringe! Das sind die, vor der wir uns safe warnen müssen!«

»Ey, Taschaia, nuff said. Wir jobben nur hier. Undertaker sind andere. Ey, die Dipshit-Peter-Pan-Truppe da drüben, die sieht safe trocken aus. Bring denen mal paar Hard Seltzer, damit die wieder lächeln.«

Notstandsbekämpfung

[…] Neulich sah ich ein Haus. Es brannte. Am Dache
Leckte die Flamme. Ich ging hinzu und bemerkte
Dass noch Menschen drin waren. Ich trat in die Tür und rief ihnen
Zu, dass Feuer im Dach sei, sie also auffordernd
Schnell hinauszugehen. Aber die Leute
Schienen nicht eilig. Einer fragte mich
Während ihm schon die Hitze die Braue versengte
Wie es draußen denn sei, ob es auch nicht regne
Ob nicht doch Wind gehe, ob da ein anderes Haus sei
Und so noch einiges. Ohne zu antworten
Ging ich wieder hinaus. Diese, dachte ich
Müssen verbrennen, bevor sie zu fragen aufhören. Wirklich, Freunde
Wem der Boden noch nicht so heiß ist, dass er ihn lieber
Mit jedem andern vertauschte, als dass er da bliebe, dem
Habe ich nichts zu sagen. […]

aus “Das Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus”, Berthold Brecht, 1937

Das ist Porree, du Lauch!

Mir ist das ultimative Interview untergekommen: Warum die Gurtpflicht Scheiße ist und deswegen nicht sein darf. Ein Interview geführt mit einem Stuttgarter Verkehrsrichter, der zuvor zwölf Jahre am Stuttgarter Landgericht Vorsitzender einer Großen Strafkammer war. Zitat:

Mir geht es nur um die Frage: Darf es der Gesetzgeber verantworten – in Kenntnis darüber, daß es Unfallabläufe gibt, wo sich der Gurt verhängnisvoll auswirkt -, den Leuten eine Verpflichtung aufzuerlegen, die auch zu ihrem Schaden führen kann. […] Weil immer nur die positive Seite des Gurtes herausgestellt wird und alles andere unter den Tisch fällt.

Quelle: hier (Anm.: Verlinkung führt auf die Seiten von Der SPIEGEL)

Werde gleich die Argumentation für meine Eigene gegen die Impfpflicht verwenden. Und dann noch ein Spendenkonto einrichten, um mit dem Geld einen Grundsatzprozess in Karlsruhe gegen die Impfpflicht vorzubereiten. In einer Finca am Strand auf den Kanaren. Mit vielen hippen Vorbereitungspartys. Mit den Spendengelder. Was spezielle Vertreter der Querdenker finanziell erreicht haben, will ich auch. Meine Rente ist sicher.


Evidenzbasiert” ist das neue “Geil”. Meine jahrelangen Forschungen in diversen Quellen wie Nachrichten, Bücher, Geheimpapieren und Stammtischbesprechungsprotokollen hat ergeben, dass im Fußball immer wieder Gegentore fallen. Es gibt zwar Mannschaften, die Serien ohne Gegentore aufstellen oder auch Spiele ohne Gegentor bestreiten, aber das sind Randerscheinungen, welche man getrost als Ausnahmen aus der Statistik nehmen kann. Und schaut man sich diese dann bereinigte Gegentor-Statistik an, fällt einem direkt ins Auge, dass in 100% der Fälle die jeweilige Mannschaft mit einem Torhüter aufgelaufen ist. Wenn also eine Mannschaft mit Torhüter aufläuft, muss sie sich nicht wundern, dass sie auch Gegentore kassiert.

Ich habe meine evidenzbasierte Beobachtung dem DFB geschrieben. Eine Antwort steht bislang aus. Ich vermute stark, der DFB will nächstes Jahr in Katar nicht Weltmeister werden, auf Torhüter verzichten und somit Reisekosten sparen. Was mich nicht wundert, denn es gibt eindeutige Hinweise auf finanzielle Machenschaften im Weltfußball mit denen in Katar, über welche das Publikum fahrlässiger weise im Unklaren gelassen wird.


»Ich pupse letzter Zeit so unverschämt viel.«

»Allein?«

»Nein, zusammen mit meiner Freundin. Im Bett.«

»Gibt es da nicht etwas von Ratio-Darm?«

»Ich vermute eher, es hängt mit unserer neuen Kitsch-I-Mea-Diät zusammen.«

»Kitsch-I-Mea-Diät?«

»Yep. Jeweils vier Kapseln davon aufgelöst in unser Low-Carb-Zwiebelsuppe unter zartem Zwiebelschmelz.«

»Kein Wunder, dass ihr pupst. Ihr müsst auch vorher noch eine zur Vorbeugung einschmeißen, damit der Darm nicht so gereizt wird.«

»Und danach?«

»Acht Doppelkorn und drei Bier. Wirkt Wunder. Und danach noch ne weitere Kapsel Kitsch-I-Mea.«

»Echt?«

»Ich schlaf immer sofort ein, schlafe wie ein Stein. Und vom Pupsen in der Nacht merke ich dann auch nichts mehr.«


Das neue neuen Chill-Out-Café hat gut Betrieb. Der Wirt kennt das Niveau der Mehrheit seiner Gäste und lässt dem Monitor das neue Nonstop-Nonsens laufen: “BILD-TV”. Es versendet gerade Nachrichten und zu den laufenden Bildern deren Kommentare der “BILD-TV”-Redacktion. Drei Mittzwanziger sitzen am Tisch unter dem Monitor und amüsieren sich prächtig. Jedes Mal, wenn “BILD-TV” während derer Nachrichtensendung Tote zeigt, kreischen die drei im Choral auf:

»Oh mein Gott! Sie haben Kenny getötet! Ihr Schweine!«

Dreimal fordert der Wirt die Drei auf, still zu bleiben, beim vierten Mal stellt er kommentarlos auf “Sturm der Liebe” um. Viele Gäste winken kurz darauf den Kellner, um zu zahlen. Nach dem 3/4 der Gäste gegangen ist, schaltet der Wirt darauf wieder “BILD-TV” an, lässt die drei Südpark’ler die Rechnung zahlen und rausbefördern. Das Cafè füllt sich erneut und der Wirt schaut wieder zufrieden.


»Glatze? Seit wann? Hast du eine Wette verloren?«

»Nein. Die Glatze ist mein Ausdruck für Friedfertigkeit, für Aufgeschlossenheit, für Anstand und Höflichkeit, für Toleranz mit Respekt, …«

»Für was?«

»… für Gewaltlosigkeit, gegen das herrschende ‘Gewalt ist auch eine Lösung’-Dogma, gegen die latente gesellschaftliche Aggressionen, gegen Entsolidarisierung den Schwachen und Vulnerablen gegenüber, gegen …«

»Glatze steht eher für Krankheit oder Neonazis, du Lauch

»… Vorurteile … Hey, was … warum gehst du? Fick dich!«


Wenn die Impfungen ein Segnung für die pharmazeutischen Industrie sein sollen (“Cui bono”), weil sie damit ordentlich Kasse machen, und nur als Nebeneffekt dafür sorgen, dass weniger ins Krankenhaus müssen, dann bin ich gegen die Impfpflicht. Oder gegen die Impfung an sich. Mit jeder Krankenhauseinweisung und jedem Intensivstation-Patienten lässt sich mehr Geld verdienen als mit jenen 30-Euro-Ampullen oder einem, der vielleicht sogar mit Verkehrsunfall oder Herzinfarkt auf die Intensivstation kommt. Ja, richtig, ab jetzt bin ich gegen eine Impfpflicht und gegen die Impfung generell. Weil? Cui bono? Ich! Und nicht nur ich! Meine Aktien steigen mit jedem eingelieferten Corona-Patienten. Meine Aktiengesellschaften verdienen richtig geil und ich mit den Dividenden dadurch ebenfalls. Pfizer, Biontech, Moderna und Co. gehören geächtet, mit deren destruktiven Ertragsvernichtung anderer Menschen mit Aktien. Hatte ich schon mal betont, dass meine Rente gesichert ist? Danke, Corona.


Meine Schwester ist Heilpraktikerin. Nein, keine von diesen Sekten-Esoterikerinnen oder so. Nein, sie ist eine ganz Seriöse ist sie, eine Fundierte, eine, die neue und traditionelle Medizin zum Wohle ihrer Klientel vereint. Sie nutzt sowohl CT-Untersuchungen wie auch Dunkelfeld-Analysen, unvoreingenommen und ehrlich. Ihre Ergebnisse sind herausragend, bestätigen mir ihre Patienten aus derer Freundeskreis. Und weil sie so praktisch denkend und pragmatisch orientiert ist, hat sie mir vor ner Woche ne ganze Packung Corona-Präventionsvitamine D3 + K2 geschickt. Und eine große Dose D6/D12/D15 Similasan-Echinacea- Immunabwehr-Verstärkungsglobuli. Beides erst einmal umsonst, statt zukünftig für 150 Euro das Gesamtpaket. Morgens und Nachmittags zum Kaffee, zweimal täglich, da habe ich sie genommen. Aber ich werde es nicht mehr fortsetzen. Die Globuli und die anderen sind echt Scheiße als Süßmittel, die taugen nichts. Nach drei Tagen war die Packung bereits aufgebraucht. Ich steige jetzt wieder auf Zuckerwürfel um. Die halten länger.


»Freiheit!«, schrie die Marionette und schnitt sich ihre Fäden durch.

Und überhaupt ist mal wieder alles klar, auf der Andrea Doria …

»Das Schiff sinkt!«

»Und woran möchtest du das bitte festmachen?«

»Das Bug hebt sich!«

»Das ist immer so, wenn ein Schiff beschleunigt. Der sehr starke Heckmotor haut rein, zieht das Schiff durch seine Pferdestärken im Dieselaggregat hinten runter und das ganze Schiff beschleunigt. Eine göttliche Power hat dieser Motor!«

»Aber hinten läuft kein Motor mehr.«

»Vergaseraussetzer. Kennt man doch. Scheiss Ingenieurskunst. Taugt ja alles nichts. Made in Germany war mal erheblich besser. Früher war alles besser. Und nicht so schrottig wie heute!«

»Aber die Leute da vorne, am Bug, die rutschen bereits zum Heck runter!«

»Ja und? Ist doch normal, wenn das Heck unterhalb vom Bug liegt. Das ist physikalisch normal. Dazu braucht es keine Wissenschaftler. Hätten die Leute dort jetzt bessere Schuhe, wäre das denen nicht passiert. Die sind selber Schuld dran, dass die jetzt rutschen und gegen die Wände schlagen.«

»Steuerbord habe ich bereits Wasser reinlaufen sehen.«

»Das Schiff hat Lenzpumpen. Die pumpen das locker weg. Ganz easy peasy locker. Dafür sind die ausgelegt. Zum Trockenpumpen.«

»Aber Backbord …«

»Du musst hier nicht den BigMac markieren, nur weil du ein paar Seemannsausdrücke kannst.«

»Mir egal. Backbord liegt oberhalb von Steuerbord. Ich will zu den Rettungsboten.«

»Es gibt keinen Grund für Rettungsbote. Erst recht keinen Grund zur Panik.«

»Wo sind die Rettungsboote? Auf halb achtern?«

»Angst zu verbreiten ist eine ganz miese Tour von dir! «

»Ich will überleben!«

»Wollen wir doch alle. Oder kannst du mir einen nennen, der nicht leben möchte?«

»Aber du sagtest doch, dass hier nichts untergeht! Stimmst du mir jetzt doch zu, dass wir sinken?«

»Na und? Wenn es um Rettungsboote geht, dann immer zuerst die Nicht-Schwimmer, nicht war. Das erfordert schon der Anstand. Anstand heißt, zu warten, bis alle Nichtschwimmer versorgt sind, wenn das Schiff untergeht. Dann können die Schwimmer, denn die können notfalls auch schwimmen.«

»Aber das Schiff geht doch unter!«

»Quatsch. Bleib gefälligst hier und hör auf Panik zu schieben. Nur weil einige um uns herum unbegründet den Untergang ausrufen?«

»Die ersten sind schon zu den Rettungsbooten unterwegs.«

»Ty-pisch! Immer diese, die alles unreflektiert glauben, statt es zuerst einmal zu hinterfragen! Und statt dann sich zu fragen, wer nicht schwimmen kann, …«

»Du kannst nicht schwimmen?«

»Nein. Also gehört mir zuerst ein Platz in den Rettungsbooten.«

»Aber du hast doch gesagt, dass das Schiff nicht sinkt, sondern nur beschleunigt.«

»Eben. Daher besteht auch kein Grund zur Panik. Wenn alle so ruhig bleiben würde wie ich, dann wäre hier keine Panik. Und man könnte die Rettungsboote im Ernstfall auch noch nutzen.«

»Oh Gott! Der Vorderteil des Schiffs ist abgebrochen! Um Himmels willen!«

»Siehste! Das macht die Panik. Alle sind nach vorne zum Bug gelaufen, weil keiner am Heck bleiben wollte. Der Bug wurde dadurch zu schwer und ist jetzt abgebrochen. Das sind die real existierenden Auswirkungen von Angst und Panik, hervorgerufen durch Menschen, die alles nachreden, was man denen vorredet. Statt sich erst einmal auch mit vernunftbegabten Menschen abzusprechen.«

»Das Schiff sinkt. Ich will zum Rettungsboot.«

»Ty-pisch. Statt erst einmal zu fragen, wer nicht schwimmen kann?«

»Nicht-Schwimmer?«

»Überzeugter! Ich lass mir doch von niemanden sagen, dass ich auf dem Lande schwimmen können muss. Nur weil einige wenige meinen, dass das Überleben im Wasser vom Schwimmen abhängt. Das Überleben im Wasser hängt ab von den anderen Menschen, die einem dann helfen. Niemand muss schwimmen lernen. Und wenn man schwimmen kann und dabei einen Beinkrampf bekommt oder Herzinfarkt oder Schlaganfall oder Krebs und deswegen ertrinkt, was hat es dann gebracht, schwimmen zu können? Schwimmen ist nicht erforderlich, weil es auf dem Land kein Wasser gibt.«

»Aber hier könntest du doch ein Bedürfnis danach haben, oder? Mach hinne, die Zeit rennt auch gegen dich! Renn um dein Leben!«

»Das Bedürfnis schwimmen zu lernen, wird doch von den anderen Menschen hervorgerufen, die dauernd Angst wegen dem Nicht-Schwimmen erzeugen wollen und am liebsten eine Schwimmpflicht hätten. Damit sie in den Schwimmbädern mit Schwimmkursen ein Heidengeld an uns Nicht-Schwimmern verdienen können. Auf unsere Kosten! Für etwas, was nicht über längere Zeit als wirksam überhaupt zu 100% bei jedem Menschen getestet wurde.«

»Soll ich dir jetzt etwa die Grundzüge des Schwimmens beibringen? Oder kommst du freiwillig mit zu den Rettungsbooten?«

»Nun mal keine Panik auf der Titanic. Ich lasse mir von dir doch keine Schwimmstunde aufdrängen, nur damit mir nachher eine Stunde Lebenszeit fehlt. Und außerdem ist es meine freie Entscheidung, in ein Rettungsboot einzusteigen oder nicht.«

»Dann verreck!«

»Moment! Du kannst nicht einfach meinen Platz im Rettungsboot einnehmen! Ich bin Nicht-Schwimmer!«

»Dann lern schwimmen!«

»Bin ich Fisch, oder was? Für sowas opfere ich doch nicht meine Lebenszeit! Das darf ich doch wohl noch selber entscheiden! Oder willst du mir meine Freiheit einschränken?«

»Dann verreck!«

»Ty-pisch! Ty-pisch Spalter! Diese Spalter müsste man ans Kreuz schlagen! Die spalten mit deren Mentalität die Schiffsgemeinschaft und sind Schuld, dass Menschen ertrinken. Nicht weil das Schiff sinkt, sondern weil die uns als Opfer in Kauf nehmen, indem sie uns zur Wahl zwingen wollen zwischen Ertrinken und Schwimmen-lernen! Die wollen uns zwingen, statt uns die freiheitliche Wahl zu lassen.«

»Niemand zwingt dich zu überhaupt zu etwas! Verdammt, das abgebrochene Heck rollt immer stärker! Ich bin dann mal weg, zu den Rettungsbooten! Ciao!«

»Dann hau doch ab zu deinen Rettungsbooten! Und lass uns Nichtschwimmer doch vorsätzlich allein, du asozialer Sack, du! Ich bleib hier. Das hier ist kein Schiffsuntergang. Dafür gibt es keine evidenzbasierten Beweise dazu. Alles wird gut. Alles wird wieder gut! Und ich werde recht behalten. Und euch Panikhansel wird kein Hahn überhaupt ein Kickeriki nachkrähen, wenn ihr in euren Rettungsbooten abgesoffen seid. Denn 10% von diesen ungetesteten Rettungsbooten kentern sowieso. Sowieso. Da! Da hinten, das gelbe Rettungsbott. Siehste! Eine Welle hat es gerade versenkt! Siehst du das, du Schlafschaf, das immer in der Masse schwimmen will, statt selbst mal zu denken?!?  Na. Da hatte ich doch recht. Das Bott ist untergegangen und die Insassen kämpfen jetzt sogar noch um deren Leben. Es gibt keinen Grund für Rettungsboote. Kein Grund. Nicht einen. Die wurden alle nicht getestet. Von wegen Schiffsuntergang! Kellner! Einen Martini-Cocktail, bitte! Aber bitte rühren und nicht schütteln!«

Ein Kellner-Tablett war im Begriff, auf den Holzplankenboden an ihm vorbei zu schlittern. Es trug zwei halb-volle Cocktail-Gläser. Einen Swimming-Pool und einen Martini. Er stoppte das Tablett geschickt mit dem linken Fuß und ergriff beide Cocktails, während der Kellner hinter ihm an ihm vorbei fiel. Der Blick des Mannes mit den beiden Cocktailgläsern in der Hand, fiel auch mich:

»Hey! Hey du! Was machst du da?«

»Ich schreib nur das alles mit. Für meinen Blog. Ein neues Post,« antwortete ich schüchtern.

»Hab ich das erlaubt? Hast du dafür meine Einwilligung? Das ist illegal! Du kriegst Post von meinem Anwalt!«

»Ich dachte, ich könnte weil … das hier ist eine Notsituation und …«

Er bewegte sich mit den beiden Cocktails bedrohlich auf mich zu:

»Notsituation?«

Ich überlegte fieberhaft meine Antwort. Und dann sprudelte es einfach so aus mir heraus, einfach so, während ich alles auf meinem Notebook abspeicherte, es herunterfuhr und in den wasserdichten Seesack stopfte:

»Nun ja, ich dachte, ich schreib mal mit, bevor hier alles voll Wasser ist. Einfach mal, bevor es keiner mehr lesen kann. Als Nachgedanken an die Nachwelt zum Nachdenken. Als etwas Historisches. Heroisches versus feiglinghaftes. «

»Und? Hast du keine Angst? Keine Panik? Willst du nicht das tun, wie hier alle tun?«

»N … n … n …ein, nein.«

Er lachte laut auf.

»Lobenswert! Du lässt dich nicht von der Panik der Masse anstecken und glaubst nichts vom dämlichen Narrativ der Ängstlichen. Von wegen Untergang. Pah! Du bist ein Mann nach meinem Geschmack, mein Bester! Hier, nimm einen Cocktail und lass uns auf das Leben trinken! Und auf diese Panikhansel spucken! PROST!«

Ich nahm den mir angebotenen Swimming-Pool, trank einen Schluck, hustete ein wenig, nahm den zweiten Schluck und danach wurde es dunkel. Absolut finster. Absolutes nichts.

Und so verschwand meine historische Geschichte für die Nachwelt im Orkus des Internets.

Für immer.

Ungelesen.

So war es, ich schwöre.

Parkbankgeschichte: Verantwortungslos

ER sitzt auf seiner Parkbank und schaut auf seine Pulle “THE DUKE”. Bio Gin durch und durch. Und dazu noch destilliert in seinem Minga, seinem München. Da sitzt ER nun im Englischen Garten und seine Gedanken kreisen um diese “42% vol”. Das hatte ER noch nie, diese nachdenkliche Seite an sich, diese zu entdecken, diese echte Nachdenkseite.

“42%? Vol? Was heißt das? Wenn die Flasche voll ist, hat sie 42%?”

Der Banknachbar packt vorsichtig seine “Münchener Currywurst besonders spezial” aus, jenes neue In-Gericht der “Young-Kitchen-Cooking-B30s”. Sechs Euro fuffzig ohne Semmel. Er zelebriert das Auspacken in der Weise als ob der das Gemälde “Jungfrau züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen” von Max Ernst freilegen würde. Dabei schaut er eher wie zufällig neugierig interessiert zu IHM rüber.

ER aber meditiert nachdenklich über das Etikett seiner Flasche:

“Nullkommasieben. Hm. Mit zweiundvierzig Prozent, wenn die Buddel voll ist? Mach wie viel?”

Sein Nachbar erhebt aufmerksamkeitsheischend seine Hand. Er war schon immer gut im Kopfrechnen. Nur merkt er, dass seine Expertise in diesem Moment nicht gefragt ist. Denn ER grübelt leise vernehmlich weiter:

“Wenn ich also von den Nullkommasieben die Hälfte trinke, dann sind es nur noch einundzwanzig Prozent, weil nicht mehr voll. Und dann davon die Hälfte, dann nur noch knappe elf Prozent. Dann noch zweimal die Hälfte jeweils, dann hat es nur noch den Gehalt eines Light-Bieres. Das ist ungefährlich.”

Sein Nachbar winkte nicht mehr, sondern widmet sich leidlich konzentriert seinem Kochkunstwerk. Er stößt seine Holzgabel in eine der Weißwurstscheiben mitten in der gescheibten Curry-Weißwurst, führt die aufgespießte Scheibe zu seinem Mund, blickt dabei etwas irritiert durch seines Nachbars Worte zu eben diesen, verfehlt dabei im ersten Anlauf seinen geöffneten Mund rechts davon, korrigiert seine Handführung nach links und … . Ein leichter Windstoß umweht die Parkbank, er versucht deswegen ausgleichend seine Holzgabel elegant zu balancieren, aber die Scheibe enthüpft von der Gabel und landet auf seiner beigen YSL-Cargohose.

“Nur, wie komme ich an dieses 2,5% Gin? In der Zeitung las ich, Alkohol ist leichter als Wasser. Und er ist volatil. Also müsste es klappen, wenn ich die Flasche wie vorhin kopfüber trinke. Dann schwimmt der Alkohol oben, entfleucht in den Hohlraum darüber und der Geschmack bleibt unten. Und wenn die 42% der Nullsieben oben ist, dann kann ich ja über die Hälfte trinken, ohne dass ich Alk zu mir nehme.”

Sein Nachbar schaute entsetzt auf seine Hose. In Gedanken stellt sofort die logische Verbindung zwischen Wurstscheiben-Fall und dem irritierenden Gefasels seines Nachbarn her.

“Also”, grübelt ER weiter, “könnte ich doch dreiviertel der Flasche kopfüber trinken, der Hohlraum vergrößert sich, der Alkohol volatiert dahinein und dann habe soviel wie zwei Light-Bier-Mass in mir. Und irgendwer von den wichtigen Menschen in Bayern sagte damals doch, mit zwei Mass kann man noch fahren.”

Sagt es, öffnet die Flasche, stellt zwischen Po-Backen, Rückgrat, Hals und Flasche eine senkrechte Achse her und schluckt. Und schluckt. Und schluckt. Und verschluckt sich, behält aber einen Rest in der Flasche zurück. Den alkoholischen Rest, wie zuvor analysiert.

“So, das war jetzt die vierte Light-Gin- … Light-Gin-Pause. Ei, ein … eine geht noch”, artikuliert ER und platziert die fast leere Flasche zurück in seinen Rucksack zu den anderen Sechsen und holt die nächste Volle heraus. ER schaut sie kritisch an, öffnet sie, stellt die Achse her, setzt zuvor an, noch etwas tiefbewegendes zu sagen, kippt dabei urplötzlich nach links von der Bank, wie ein Brett, und rührt sich nicht mehr. Reglos liegt ER nun dort, neben der Bank unterhalb der Sitzfläche.

Der Banknachbar war in der Zwischenzeit wütend aufgestanden, hatte mit der Edel-Serviette versucht, seine Hose zu säubern, den Fleck aber nur vergrößert. Wutentbrannt hatte er den Rest des In-Gerichts “Münchener Currywurst besonders spezial” vor sich auf den Boden gedonnert, versuchte, dabei den Curry-Spritzern der hingeschmissenen Portion auszuweichen, sah mit wachsendem Entsetzen die Curry-Spritzer auf seinen Schuhen, kriegte mit, wie sein Nachbarn kippte, umkippte und dann regungslos liegen blieb.

Er geht zu IHM rüber und misst dessen Puls an der Halsschlagader, spürt kaum etwas, nimmt seine Finger vom Hals des Mannes und seufzt erbost:

“Typisch mal wieder. Deutschland eben! Unverantwortlich! Und wer bezahlt mir jetzt meine Reinigungskosten?”

Der päpstliche Fasteleer (Teil 2)

Joseph. Auf Deutsch: “Gott vermehre”. Im Rheinland nennt man diesen Vornamen auch Jupp, in Bayern Sepp und in Spanien Pep. Sprachgourmands fällt bereits auf Zwei “p”s im Vornamen kommt immer gut. Wie bei “Pömpel”, “poppen” oder “Papst”.

Aloisius (auf Deutsch: “ganz weise”) dagegen … in meiner Schule im Westfalenland hatte ich einen Mitschüler, der diesen Namen trug. Und alle – von Eltern über Pastor bis hin zum Lehrer – sprachen ihn “Alo-i-sius” aus. Knappe 600 km südlich beharren Eltern, Pastoren, Lehrer und Päpste darauf, dass dieser Vornamen “A-läu-si-us” ausgesprochen wird. Was will man auch machen in einem Bundesland, welches versucht sich die Zunge mit “Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid” zu verknoten, während der Westfale leicht angeödet lediglich ein “Rotkohl bleibt Rotkohl und Brautkleid bleibt Brautkleid” verkündet, um sich danach seine Zunge mit einem Pils und nem Korn zu verknoten. “Alo-i-sius” oder “A-läu-si-us”, das ist schon ein bedeutsamer Unterschied, so wie “Karneval” und “Fasching”. Oder “Knäppchen” und “Scherzerl”. Wichtig ist, um was es dabei im Eigentlichen geht.

Joseph Aloisius. So ein Vornamenkonvolut geht ratzfatz am Standesamt eingetragen und bleibt dem Jungen dann mal eben fünf Dutzend Jahre hängen. Unserm Joseph Aloisius Ratzinger. Unserm Joseph Aloisius, der Ursache für den Aufmacher mit den zwei “p”s: “Wir sind Papst”. Vergelt’s Gott.

Je mehr man sich mit den Verlauf der Geschichte des Papstes Benedikt XVI., unserm Joseph Aloisius Ratzinger, anschaut, so mehr habe ich den Eindruck es war immer schon ein Fangen-Spiel. Oder Fangerl-Spiel, wie der Bayer zu sagen pflegt. Und seine Ankündigung, die als Rücktritt aufgefasst wurde, erscheint mir eher dem Wort “Aus” (“Freio”, “Wupp”, “Haus”, “Klippo”), welches Kinder für einen Ort beim Fangenspiel (Greifen, Haschen, Nachlaufen, Fangkus etc.) ausrufen, an dem man “sicher” ist. Bei jener Ratzinger-Erklärung im Februar 2013 könnte man dessen zeitlichen Umfelds niederträchtiger weise die Züge eines gigantisch historischen Karnevalsstreichs unterstellen.

Jetzt sollte man wissen, dass unser bodenständige bayrische Sepp (“Holleri du dödel di diri diri dudel dö”) und gleichzeitig himmlischer Aloisius (“Wann krieg na i wos z’tringe? … Luhja! Sacklzementhalleluja! Luhja, sog i! Mei Lieber Luja!”) eine besondere Vergangenheit hat. Also noch eine speziellere als man dessen Vitae eh als besonders ansieht.

Was hat der Seppeli Aloisili gemein mit folgenden Personen? Franz Josef Strauß, Bruno Kreisky, Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher, Norbert Blüm, Jürgen Möllemann, Edmund Stoiber, Roman Herzog, Horst Seehofer, Markus Söder?

Na? Ihr grübelt noch? Dann noch ein paar Namen zusätzlich: Andreas Gabalier, Heino, Till Schweiger, Thomas Gottschalk, Aenne Burda, Vitali Klitschko und Wladimir Klitschko?

Immer noch nichts? Keine Idee, was alle verbindet? Keine göttliche Eingebung? Ausnahmsweise noch ein paar Namen: Werner Finck, Vicco von Bülow, Sir Peter Ustinov, Ephraim Kishon, Emil Steinberger, Rudi Carell, Hape Kerkeling, Michael “Bully” Herbig, Dieter Hallervorden?

Nun, die alle und noch viel mehr, wurden sie von der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla mit dem “Karl Valentin Orden” ausgezeichnet. Und der Ratzinger-Sepp hat ihn ebenfalls umgehängt bekommen (Foto). Der Grund? Seitens Ratzinger gab schon immer eine innere Verbindung zu Karl Valentin. Im Sommer 1948 ging er auf einer Pilgerfahrt nach Planegg zum Grab von Karl Valentin 15 km zu Fuß. Als er dann vierzig Jahre später seinen Ausspruch „Ich bin nicht befugt, aus dem Vaterunser ein Mutterunser zu machen“ tätigte, da war er fällig und die Münchner Faschingsgesellschaft fragte ihn, ob er den Orden haben wolle. Entgegengenommen hatte ihn während des Verleihungsfestakts allerdings Joseph Aloisius Ratzinger nicht persönlich, sondern seine Schwester Maria, welche dann auch Ratzingers Dankesredetext verlas. Darin erklärte er:

Eine närrische Ordnung, mit der wir uns selbst und die Ernsthaftigkeit der großen Welt verspotten, ist eine gute Sache. Und das ist auch der Grund, warum ich es gerne angenommen habe. Einige Leute haben Zweifel geäußert, ob das zu einem so seriösen Beruf wie dem meinen passt. Das scheint mir sehr gut zu passen, denn es ist bekannt, dass es das Privileg des Volkes ist, die Wahrheit sagen zu können. An den Höfen der alten Potentaten war der Hofnarr oft der Einzige, der sich den Luxus der Wahrheit LUXUS DER WAHRHEIT leisten konnte … Und da ich in meinem Beruf zufällig die WAHRHEIT sagen MUSS, bin ich sehr glücklich, nun in die Kategorie derer aufgenommen worden zu sein, die dieses Privileg genießen … „Wir sind Narren um Christi willen (1. Korinther 4:10)”.

Was hat der Valentin-Orden nun mit seinem Verzicht auf die Machtausübung als Papst zu tun?

Nun, am 11. Februar 2013 erklärte Ratzinger in seiner Rolle als Papst Benedikt XVI. seinen Verzicht auf das Regieren im Vatikanstaat für den 28. Februar.

Der 11. Februar 2013 war ein Rosenmontag. Es war der ROSENMONTAG, Rosenmontag, eine Fortsetzung der alten römischen Traditionen, in denen Sklaven und Diener für einen Tag zu Herren wurden, wo der klassische Topos der „Welt auf dem Kopf“ noch heute verwirklicht wird. Nebenbei: an einem Rosenmontag ist auch Karl Valentin 1948 (9. Februar) gestorben, zu dessen Grab Ratzinger 15 km zu Fuß hinging.

Ratzinger erklärte in einen seiner späteren Bücher, dass er sich nicht bewusst war, dass jener 11. Februar ein Rosenmontag war, obwohl er explizit zwei später die Liturgie zum Aschermittwoch geplant und durchgeführt hatte. Er meinte, er hätte das Datum auch gewählt, weil am 11. Februar 1858 gegen 11 Uhr 11 wohl die erste Lourdes-Erscheinung der 14-jährigen Bernadette Soubirous statt fand.

1858?

In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts fielen drei Straßenkarnevalsumzüge in Köln aufgrund staatlicher Restriktionen aus, zwei wurden gesplittet durchgeführt (weil sich die Jecken nicht auf einen großen Umzug einigen wollten) und die anderen beiden waren keiner Erwähnung wert. Erst 1858 wurde die Tradition des großen Straßenkarnevalsumzugs wieder durchgeführt, welche am Rosenmontag mit 34 Mottowagen, von Vier-, Sechs- und Achtspännern gezogen, umgesetzt wurde (… ob die Gäule danach im Rheinischen Sauerbraten Verwendung fanden ist nicht überliefert …). Mit dem Wieverfastelovend am 11. Februar 1858 um 11:11 Uhr begann der Kölsche Fasteleer.

Und am 11. Februar 1858 gegen 11:11 Uhr hatte Bernadette Soubirous ihre Vision. Natürlich in Lourdes und nicht in Köln. Seitdem gibt es dort Lourdes-Wasser In Kanister gegen teures Geld für Pilger, während Köln nur kostenloses Rhein-Wasser und Kölsch in Stangen zu bieten hat.

Interessant, welche Koinzidenzen es so in der Geschichte gibt. Das kann doch kein Zufall sein, da steckt sicherlich ein ganz großer Plan dahinter. Bill Gates kann es nicht sein, denn der wurde im Oktober geboren und Papst ist er auch nicht geworden. …

Nebenbei für die Historiker unter uns: in Bayern wäre an jenem Tag der “Unsinnige Donnerstag” gewesen, was die Bayern aber zu jener Zeit noch nicht wussten. Abends wurde in München am 11.Februar “Die heimliche Ehe” von Domenico Cimarosa zum zweiten Mal aufgeführt und alle schwelgten in Schöngeisterei. Tags zuvor veranstaltete der bayrische König Ludwig II. (ja genau, eben jener verrückte Neuschwanstein-Erbauer, welcher später im Starnberger See bei 20 Zentimeter Wasserhöhe ertrank) eine Schlittenfahrt mit einem Sechsspänner durch die Straßen Münchens, um mit seiner Gemahlin zu einem Abendessen zu gelangen.

Fasching selber wurde in München drei Tage später begangen. Als Künstlermaskenfest im ehemaligen Odeonssaal: eine italienischen Nacht im Beisein von König Ludwig II., mit dem damaligen “Prinz Carneval” (sic!) und als Höhepunkt dazu noch eine Depesche der Dresdener Künstler zum Lobe des bayrischen Königs.

Eine Verbindung zu den Visionen von Lourdes lässt sich bei allen Münchner Begebenheiten also getrost nicht feststellen. Luhja, sog i!

Zurück zu unserm Joseph Aloisius Ratzinger und seinem 11. Februar. Der 11. Februar, dieses Datum hat eine innere Verbindung, so schreiben Autor Seewald und Ratzinger in deren Buch “Letzte Gespräche” (2016; ISBN: 9783426276952; auch hier). Denn die Visionistin von Lourdes, jene Bernadette Soubirous starb am 18. April (1879; Gründonnerstag). Unser Ratzinger hat nun ebenfalls seinen Geburtstag an einem 18. April (1927; Ostermontag). Innere Verbindung.

So verbindet sich das eine mit dem anderen, das andere mit dem einem und alles mit allem, so dass Ratzinger seinen Ausspruch „Ich bin nicht befugt, aus dem Vaterunser ein Mutterunser zu machen“ tätigt und daher am 11. Februar seinen Abschiedsbrief mit zwei lateinischen Syntax-Fehlern veröffentlichte. Der katholische Teil des “Wir sind Papst”-Deutschlands hielt verstört in ihrem Helau und Alaaf inne und brachte stattdessen lediglich ein Feierbiest-trunkenes “Echt jetzt?” als Bäuerchen heraus.

Selbst von der BILD-Zeitung wird berichtet, dass sie es noch nicht mal schaffte, den naheliegenden Aufmacher “Wir Päpste treten zurück” in Schwarz-Rot-Gold zu bringen. Das wäre allerdings eh nicht so günstig gewesen, denn die Mainstream-BILDungsbüger-Leserschaft hätte einen solchen Aufmacher eh nicht verstanden. Stattdessen hätte sie ob der fehlenden Angabe der Richtung bloß ratlos auf die Buchstaben des Aufmachers gestiert, weil denen die Erklärung gefehlt hätte, gegen wen BILD mal wieder tritt.

Überhaupt ist die Geschichte vom angeblichen Rücktritt des Papstes Benedikt XVI. eh recht schwer verständlich, weil nach kanonischen Recht das Papsttum auf zwei Bereiche (munus und ministerium) sich erstreckt und er wohl nur einen Bereich aufgegeben hat. Oder einfacher, betriebswirtschaftlicher erklärt: das Papstamt umfasst CEO und COO. Der Ratzinger hatte wohl den COO-Bereich einfach abgegeben und den CEO behalten. Es könnte die Erklärung sein, weswegen der Kardinal Jorge Mario Bergoglio bei seinem Amtsantritt nur in Weiß erschien, statt sich in dem üblichen roten Papstroben gekleidet zu haben. Aber das ist nur eine herbeigeklaubte Vermutung, wie man sie nur an einem Donnerstag unsinnigerweise machen kann.

Egal. Fakt ist, der Papst war amtsmüde oder hatte keinen Bock mehr oder beides, und die kirchlichen katholischen Feierbiester mit Rang und Namen versammelten sich in der Sixtinischen Kapelle, um dort beim eintägigen Feiern den Zermonien-Meister Jorge zu inthronisieren. Früher wurden die Feierbiester dann auch schon mal zwei Jahre lang eingesperrt, wenn die sich nicht einigen konnten. Da war dann für diese Rock ’n Roller Feiern bei Wasser und Brot angesagt, im Jahre 1279. Sowas war damals in Rom noch machbar. Im Jahre 2013 waren die Hotelpreise für die Kardinal-Bedienstete in Rom erheblich höher, weswegen das ganze Abstimmen auch nur einen Tag lang dauerte. Man wollte ja nicht arm wie eine Kirchenmaus wieder in deren Kardinalshochburgen zurück kommen … .

Und was sagt uns das? Seit jenem Abend des 13. März 2013, noch kurz vorm Wetterbericht der Tagesschau, seit jener Zeit dürfen nun die Katholen an eine dreifaltige Gottheit (Vater, Sohn und Heiliger Geist) vertreten auf Erden durch ein zweifaltigem Papsttum (Sepp Loisl und Jorge) mit einfaltiger Einheit glauben. Einfaltig. Nicht einfältig. Also einfaltig eher so wie ein gefaltetes Blatt Papier.

Gefaltetes Papier. Wenn man gefaltetes Blatt Papier mit nem Locher stanzt, kriegt man doppelt so viel Konfetti, als wenn man es nur einfach stanzt. Dazu darf man dann aber auch nicht die Hände falten und beten, sonst wird das ganze private Konfetti-Stanzen richtig ineffektiv.

Und es wird wieder Zeit Konfetti zu stanzen. Der Elfte im Elften ist wieder eingetreten. Der Reigen beginnt erneut: Advent, Maria Empfängnis, Weihnachten, Wieverfastelovend, Rosenmontag und dann vielleicht wieder ein Rücktritt? Ratzinger war ja auch nur acht Jahre lang aktiver Papst. Warum sollte Jorge Mario Bergoglio in seiner Hauptrolle als Papst Franziskus es anders halten? Denn am Aschermittwoch soll doch alles vorbei sein. Warum auch nicht dann der jetzige päpstliche Fasteleer? Zumindest hätten dann der Seppl Loisl und der Jorge im März den dritten Mann auf Augenhöhe zum Skat spielen. Papst-Skat. Als Einsatz könnten die Einkünfte der “Brüder im Nebel” verwendet werden. Als Aschermittwoch-Spende. An darbende Personen im Vatikan. Überwiesen vom Kölner Erzbischof Kardinal Woelki, der während seiner geistlichen Auszeit sein volles Monatsgehalt von 13.700 Euro weiter erhält. Jene 13.700 Euro, die von den normalen deutschen Steuereinnahmen an ihn weiter geleitet werden. 

Und in der Tradition, dass alle acht Jahre ein Papst zurück tritt, dann wäre in acht Jahren drauf auch Schafskopfen möglich. Das würde den Bayer Seppl Loisl erfreuen. Wäre doch mal ne Anregung, für ein wenig Äkschn im Vatikan.

In der Zwischenzeit lasst uns jetzt Konfetti-Stanzen. Ist ja offiziell wieder Karneval. Und der Wieverfastelovend ist ja nicht mehr weit. Genießen wir also solange das Schisma, solange es noch lebt …

Der päpstliche Fasteleer (Teil 1)

Und es begab sich zu einer Zeit, als der Amtsinhaber seines Amtes überdrüssig wurde. Er wurde seines Amtes müde. Übermüde. So müde wie fast der Zuschauer beim Wort zum Sonntag jener müde werden kann, wenn Wetten-dass mal wieder vom Friedhof der Fernsehsendungen ausgebuddelt und als grandiose Leichenschau ausgestrahlt wurde. Und so wartete der Amtsinhaber Wetten-dass ab, wartete auf die Tagesthemen, hörte sich den Wetterbericht an, lauschte stumm der Ansagerstimme und verkündete dann die Weisheit.

Seinerzeit kam der Amtsmüde aus einem Land, in dem ab 62 für ihn beruflich Ende Gelände gewesen wäre. Nur, durch einen unglaublichen Schicksalsschlag, durch eine von der Vorhersehung unvorhergesehene Fügung, durch das unaussprechliche Wort seines angebeteten Gottes – ausgesprochen heiligerweis aber durch seinem eigenem Munde – musste der Weltenlauf in seiner Historie einen einschneidenden Moment erleben. Ein Momentum, was den Weltenlauf verändern sollte.

Dabei war die Grundlage der Weltenänderung doch so klar. Sie begründete auf den Elften im Elften eines jeden Jahres. Und nur der Heide unter den Heiden weiß nicht, was der Elfte im Elften eines jeden Jahres einläutet: das Sterben und die Auferstehung eines Sohnes eines Gottes. Direkt nach dem Wieverfastelovend. Dem Beginn des Straßenkarnevals. Der, der den Rosenmontag und den Aschermittwoch am Ende des karnevalistischen Umzuges mit dem Schlachtruf „De Zoch kütt“ folgt.

De Zoch kütt“ ist nicht nur Warnruf im Straßenkarneval für “Kamelle”-sammelnde Kinder, sich nicht überfahren zu lassen, sondern auch der Hinweis für die Katholen, dass darauf am Aschermittwoch alles vorbei sein wird. Es muss nochmals ordentlich gesündigt worden sein, denn danach folgt die Buße per Fastenzeit mit anschließendem Palmsonntag, Karfreitag, Karsamstag und Ostern. Genauer gesagt, errechnet sich der Aschermittwoch aus dem Ostersonntag, welcher Tag auf den Umlauf des Mondes in Referenz zum Frühlingszeitpunkt und dessen Stellung in Relation zur Erde und zur Sonne beruht.

Oder volkstümlicher beschrieben: der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsanfang, der Tag ist der Ostersonntag. Seit nun fast 1700 Jahren ist das so. Die klassische Antwort auf die Frage vom westfälischen Lande im neumodischem Gewande: “Ich hab da noch ein paar alte Autoreifen und paar Kilo Landfolien vom Spargelanbau. Wann ist das Osterfeuer?”.

Wenn das Osterfeuer lodert und die Menschen andächtig in der schützenden Dunkelheit ihre Osterlieder – begleitet vom heimischen Blasorchester und Kirchenchor – wie bei “The Masked Singer” raushauen, dann schwingt die Seele gen Himmel und der CO2-Ausstoß des eigenen SUVs erscheint nicht mehr ganz so sträflich wie der, den das dem Christensohn gewidmete feuerliche CO2-Halleluja. Und ernsthaft: was macht schon den Unterschied zwischen einem deutschen Osterfeuer zur Abendstund im Verhältnis zu den täglichen brasilianischen Urwald-Rodungen. Genau, der Braten wird dadurch nicht fetter, wenn man hier 10.000 km entfernt mal ein paar Feuer zusätzlich anfacht.

Zurück zur angenehmeren Hinterlassenschaft der feierwütigen Gesellschaft. Also demjenigen, was alternative Medien nachdenkensweise seitenweis als unakzeptablen Hedonismus par excellence verteufeln. Verteufeln. Da sind wir gleich wieder bei der Kirche. Die sind die Experten in Sachen Teufel. Daher ist die Zeit vor Ostern auch eine ganz entscheidende. Denn da wurde eine edle Menschengestalt durch niedrigere Daseinsform mit verbrutzelten Engelsflügeln in Versuchung geführt. Dieser edlen Menschengestalt wurden SUV, Grundstücke, Aktien, Fliegzeuge und ultrakostbare Wertgestände angeboten. Diese Menschengestalt sollte sich – so liest man bei einem Zeitzeugen, der seine literarischen Ideen erheblich später in einem christlich-opportunistischem Buchverlag nach vorheriger Lektorierung und konstantinopolitanischer Geschmacksbewertung veröffentlicht bekommen hatte – also, jene semitisch-sektiererische Menschengestalt mit Passion zum Fabulieren ( – da hat er zumindest eine Basiseigenschaft mit mir gemein – ) hat drauf bestanden, dass jene verteufelte Zeit eine Fastenzeit über 40 Tage gewesen wäre. Worauf die nachfolgenden Profanmathematiker des Klerus im Vatikan runtergerechnet hatten: erster Vollmond, davor der Sonntag, minus vierzig Tage, dann ein Mittwoch, davor der Montag, dann der Donnerstag, und somit war der Wieverfastelovend fürn Donnerstag bestimmt, dann der Montag als Rosenmontag und der Mittwoch als Aschermittwoch.

Das eine bedingt das andere. Ohne Wieverfastelovend kein Rosenmontag, ohne Rosenmontag kein Aschermittwoch. Und ohne ersten Vollmond kein Ostern. Helau und Alaaf.

Kompliziert? Zur Berechnung der Daten gibt es sogar eine mathematische Formel, welche den Wieverfastelovend exakt bestimmt und somit auch Ostern.

Lange Rede, wofür der ganze Palaver jetzt?

Ein Kleriker hat immer genau zwei zentrale Daten im Kopf: Weihnachten und Ostern. Weihnachten ist für Kleriker in Deutschland trivial: am 24. Dezember wird die Kirche verdunkelt und am 26. Dezember wird jubiliert, damit man am 26. den Stephanus steinigen kann. Wer dabei fehlt, der hat es zu beichten (bei den Katholen) oder zu bereuen (bei den Evangelen am Buss- und Bettag). Vergebung wird gewährt, gegen geeigneter Spende.

Ostern ist dahingehend ein wenig komplizierter. Es verlangt für klerikalistische Anwärter zumindest einen Mathematik-Abschluss beim Abitur zuzüglich des Großen Latinums. Sonst wird man nie Landesbischof. Oder gar Papst.

Papst.

Wir sind Papst.

So titelte eine harmlose Tageszeitung mit dicken Buchstaben eines Tages protzend auf Seite 1. Der Aufmacher des Jahrhunderts. Und niemand hat es der BILD-Zeitung übel genommen. Nicht mal der Papst. Im Mittelalter wäre allerdings der gesamte Axel-Springer-Verlag dafür wegen Häresie abgefackelt worden. Und nicht nur allein die Redaktion, sondern gleich der ganze Verlag. In den 60ern des letzten Jahrhunderts wurde eben dieses seitens der Staatsmacht eben noch verhindert. Dass dann im folgenden Jahrzehnt eine Günther-Walraff-under-cover-Aktion als Reportage als Buch über die BILD-Machenschaften berichtete und Deutschland ein wenig schockierte … geschenkt … der Sportteil war dafür absolut gut … und das Mädchen auf Seite 2 … obwohl, da waren Playboy und Co in deren fotografischen Darstellung erheblich detailgetreuer …

Was Bundestagsabgeordneten abgeht, das geht auch den deutschen Bischöfen und Kardinälen ab: der Mainstream in Form dessen prägnantesten Vertreter, die BILD-Zeitung. Warum sollten Klerikale etwas anderen glauben, was tagtäglich kritische Gegenmeinungen aus den Axel-Springer-Redaktionen von BILD, WELT, etc, als non-Mainstream-Nachrichten und somit als vertrauenswürdige Nachrichten und Influencer-Statements übernehmen. Da kann man auch locker einem Bodarg oder Whakdi oder Perger glauben schenken, wenn eben jene bei jenen Springer-Mainstreammedien abschreibend ohne Quellenangabe einfach mal so widergeben.

Wie bereits von mir dem Leser insgeheim geframt, die Katholen sind recht pünktlich und genau. Besonders, wenn es um Karneval gibt. Denn ohne Sünde, gibt es keine Reue, gibt es kein Fegefeuer, gibt es keinen Stuhl der Trilliarden Gottesgerechten zu Rechten Gottes. Zu wissen, wann die Fastenzeit beginnt, das ist essentiell. Gerade in Bayern errechnete sich daraus zudem der Beginn der vatikanisch erlaubten Starbierzeit in der Fastenzeit.

Und damit niemand verpasst, wann alles vorbei ist ( – richtig: Aschermittwoch – ) rechnen die Klerikalen penibel deren Kalender durch. Denn gerade nach dem vielen Alk und der vielen Vögelei im Karneval heißt es immer: Bedenke, dass du Staub bist und zu Staub zurück kehren wirst. Daraus wurde dann der populäre Satz: “Ich kann nichts. Ich bin nichts. Gib mir ne Uniform”, der in jeden der Kriegen für die Crash-Test-Dummies eines Landes als Leitsatz postuliert wurden. Der Satz ist eigentlich ein Zitat. Das Original im Holländischen las ich in den 90ern auf einer Wand am Grenzübergang zwischen Vaals und Vaalser Quartier im Aachener Bereich.

Klerikale wissen, wann Aschermittwoch als Beginn der Fastenzeit geschlagen hat. Wann sie das Aschenkreuz in der Kirche zu verteilen haben.

Erstaunlicherweise gibt es aber einen, der es wohl nicht weiß. Begründung? Wir reden hier über Klerikale. Nicht über Menschen mit unzureichendem Bildungshintergrund. Da muss man schon aufpassen, woll!

Eben.

Amen.

Langer Reder kurzer Sinn: Wir sind Papst!

Wolln wir das? Zudem das Blatt mit der Zielgruppe derer bildungsnahen, aber denkensfernen Leser es uns allen angeklebt hat, dieses “Wir sind Papst!”?

Lassen wir doch unsern Ratziger Karl, jenem Papst in Ruhestand reden.

Ratzinger? Ist der schon tot?

Nein. Der alte Holzmichel lebt noch. Und er bildet die unsichtbare Leitplanke seines Nachfolgers. Unsichtbar allerdings auch nur dann, solange der neue Papst Franziskus (seit dem 13. März 2013) in der Spur bleibt. Als Autofahrer schätzt man Leitplanken: sie verhindern einen potentiellen Vollschaden. Allerdings beschränken Leitplanken wie Sicherheitsgurte bekanntlich als auch nachweislich die Freiheit des Menschen. Das haben die Covid-Impfgegner bereits eindeutig nachgewiesen. Nur Deppen, die Häretiker und Ungläubigen, die brauchen noch Zeit, um dies zu verifizieren. Aber die saubere Darlegung der Beweiskette aus Annahmen, Unterstellungen und Glauben, das ist nicht hier das Thema. Zumindest, wenn es um Covid geht. Religion oder Glaubensüberzeugungen sind ein anderes Themengebiet.

Ratzinger und “Wir sind Papst”.

Was hat das gemein mit dem Elften im Elften?

(Fortsetzung folgt)

Alles auf dem Tisch aufgetischt

Ich habe Steffen getroffen. Gestern, mitten in der Fußgängerzone. Steffen ging dort mit Stolz geschwellter Brust. Ihr kennt Steffen nicht? Steffen, das ist derjenige, der irgendwo im Internet etwas gelesen hatte, das niemand wusste. Und damit konnte Steffen das Problem lösen, an welchem Experten jahrelang auf der ganzen Welt geforscht und diskutiert hatten, aber zu dem keiner der Experten eine Lösung fand. Außer Steffen. Im Internet. Durch Lesen von etwas. Was niemand wusste. Steffen ist der wahre Experte aller sogenannten Experten.

Ihr kennt Steffen noch immer nicht? Steffen ist einer der ‘hidden champions’ dieser Welt. Er wird aus berufenen Mündern auch gerne ‘Ehren-Steffen’ genannt. So wie ‘Ehren-Mann’, nur halt ‘Ehren-Steffen’. Warum er Euch trotzdem nicht bekannt ist? Fragt euch selber: cui bono? Wem nützt es, dass er nicht Euch bekannt ist. Eben, den Forschenden, die mit der Schmach leben müssten, dass sie es selber im Internet nicht gefunden hatten. Und deswegen findet sich zu Steffen auch nichts in den Mainstream-Medien.

Gestern lief er mitten in der Fußgängerzone, mit seinem Smartphone vor der Brust. Er nutzte es als Fußgängernavigationshilfsmittel, weil er vom Münchner Marienplatz zum Münchner Stachus musste. Und ohne seine Information aus dem Internet, wer weiß, er wäre vielleicht auf der Kölner Domplatte rausgekommen. Oder im Hamburger Kiez. Wer weiß das schon so genau. Steffen verlässt sich halt nicht auf Expertenmeinungen, denn er hat Internet. Mobil auf seinem Smartphone. Er ist ja selber Experte und lässt sich nicht mehr ‘X’ für ein ‘U’ vormachen.

Freilich ist es wohlfeil und billig, mich hier über das Expertentum Deutschlands auszulassen. Vor nicht ganz 24 Stunden hatte ich es mit Experten zu tun. Ich nenne sie mal so, denn sie sind im Besitz akademischen Segnungen. Wie ich übrigens auch. Aber das tut hier nichts zur Sache.

Es ging mir darum, meine Impfung abzuholen. Nachdem viele Experten erklärt hatten, dass alle Geimpften im September sterben würden, dachte ich mir, dass – wenn jetzt binnen 24 Stunden mindestens 64% der Bevölkerung sterben würde – ich mit den restlichen 36% nicht mehr weiter leben mochte.

Die Impfstation war leer. Die Mehrheit bestand aus freiwilligen Ärzten, die vor ihren Tischen hockten und Kaffee tranken. Ich wollte mich den Tischen nähern, aber eine Person drückte mir Kugelschreiber und Papier in die Hand. Von der Wiege bis zur Bahre halt Formulare, Formulare, Formulare. Die üblichen Fragen mit Auswahlkästchen zum Ankreuzen halt. Ob ich Allergien hätte. Ob ich schwanger wäre. Ob ich die letzten vierzehn Tage eine Person mit Covid kontaktiert hätte. Ob ich dieses oder jenes hätte oder nicht hätte. Und ob ich bereit wäre auf eine medizinisch-ärztliche Aufklärung zu verzichten. Ja, verzichten, das wollte ich, denn die Infos dazu hatte ich schon mehrfach gelesen gehabt.

Mit den ausgefüllten Zetteln in der Hand, meinem Personalausweis, meinem Impfpass und meinem Genesenen-Zertifikat begab ich mich zu den Tischen und wählte mir einen der Mediziner aus. Ich übergab ihm alle Papiere und setzte mich. Ob es meine erste Impfung oder meine zweite sein würde, war die erste Frage. Ich erklärte, dass ich Genesener sei und ich mir darum jetzt die sogenannte Zwei-Impfung abholen würde. Er schaute mich verwirrt an und beharrte auf die Beantwortung seiner Frage. Ich verwies auf mein Genesenen-Zertifikat, was ihn aber nicht weiter interessierte. Ein Kollege flüsterte ihm etwas zu und erst dann schien er zu verstehen. Darauf wollte er das Datum meiner Erkrankung wissen. Ich verwies erneut auf das Genesenen-Zertifikat. Er erwiderte mir, dass er etwas offizielles benötigen würde. Etwas, worin zu lesen wäre, wann meine Erkrankung festgestellt worden ist. Ich verwies zum dritten Male auf mein Genesenen-Zertifikat. Erst jetzt faltete er es unwirsch auf und erklärte mir:

“Nein, da steht dazu nichts drin.”

“Doch, da steht das Datum der Erkrankung drin. Sie müssen nur lesen.”

“Was soll das überhaupt sein, dieses Genesenen-Zertifikat? Das hab ich ja noch nie gesehen.”

Die Antwort lies mich anfangs sprachlos. Ich erklärte ihm, dass diese EU-Genesenen-Zertifikate seit ungefähr sechs Wochen in Apotheken ausgestellt werden, nachdem eine Gesetzesänderung verabschiedet wurde, welches den Apotheken diese erst ermöglichte. Zuvor war das nur bei Ärzten möglich.

“Ja, aber ich brauche das Datum, wann die Erkrankung festgestellt wurde, und das finde ich hier nicht in diesem seltsamen Wisch.”

Hat schon jemals jemand sich der Versuchung hingegeben, jemand anderem per Telefon die Bedienung eines Fernsehgerätes zu erklären? Oder die Verwendung eines Computers? Oder das Mixen eines primitiven Martini Cocktails? Meine Empfehlung: einfach mal versuchen. Es ist die beste Möglichkeit in tiefen Depressionen zu verfallen und der Menschheit das Überleben aus gewichtigen Gründen abzusprechen. Und bitte! Und bitte, niemals den Satz ‘Lies doch einfach mal in der Gebrauchsanweisung nach’. Das geht gar nicht. Alle Dinge müssen einfach sein. Mundgerecht vorbereitet, abwaschbar, verbrauchergerecht. Und bitte nicht vom Gegenüber verlangen, er müsse selbst etwas tun. Wie lesen beispielsweise. Wer noch nie im Internet eine Gebrauchsanweisung herunter geladen hat, um dem Menschen am anderen Ende der langen Leitung vorzulesen und zu erklären, wie er denn den Fernseher einzustellen habe, der gehört eindeutig zu den glücklichen Teil dieser Menschheit. Zu so etwas fällt mir der Film “Idiocracy” aus dem Jahre 2006 ein. Nicht dass der Film ein wirkliches Kino-Highlight wäre, eher ganz im Gegentum, aber er tröstet so unfassbar sehr. Besonders nach einem Telefongespräch mit Vorlesen und Erklären einer Gebrauchsanweisung, welche der andere Mensch selber lesen und verstehen hätte können.

Und so hatte ich auch meinen positiven PCR-Test von damals dabei. Voraussicht? Vorahnung? Die Gabe? Na gut, eher nur Berufserfahrung. In meinem Beruf rechnet man mit menschlichen Fehlern und versucht diese zu vermeiden. So etwas wirkt sich auch privat aus, was dann von anderen auch gerne als Negativismus ausgelegt wird. Daran habe ich mich bereits gewöhnt. Es ist lediglich die reine Risikoabschätzung. Und somit hatte ich mein damaliges PCR-Testergebnis gleich mit eingepackt gehabt. Somit lagen dann alle meine Papiere vor ihm auf dem Tisch.

Und der gute Mensch mir gegenüber nahm sich mein PCR-Testergebnis und fing auch gleich laut an zu rechnen, ob ich überhaupt impfberechtigt wäre: Erkrankungsdatum plus ein halbes Jahr. Und prompt hatte er sich um vier Wochen verrechnet. Trotz dem Ergebnis seiner Rechnung, wollte er mich ausnahmsweise zulassen.

Demütig schwieg ich zu seinem Rechenfehler. Er war es mir nicht wert. Er war es nicht wert.

Und dann fing er an, mir all jene Fragen zu stellen, welche ich zuvor auf dem Bogen beantwortet hatte und per eigener Unterschrift beglaubigte. Jede dieser einzelnen Fragen nochmals. Den Drang, ihn auf meinen ausgefüllten Bogen hinzuweisen, verkniff ich mir. Dafür unterschrieb ich erneut den Bogen, den er mir frisch aus seinem Laptop ausgedruckt vorlegte. Und auch noch einen Bogen, dass ich auf eine medizinisch-ärztliche Aufklärung zur Impfung verzichten würde. Alles lag nun endgültig auf dem Tisch. Und erst dann durfte ich in den Raum, wo ich den Spritzeninhalt injiziert bekam.

Am Anfang dieses Posts hatte ich übrigens gelogen. ‘Steffen’ habe ich freilich nicht getroffen. Auch nicht in der Fußgängerzone zwischen Marienplatz und Stachus. Und auch nicht im Impfzentrum. Aber ich hätte ihn treffen können. Jederzeit.

‘Steffen’ gibt es natürlich nicht wirklich. Weil ‘Steffen’ nur die Erfindung eines Karikaturenzeichners ist. Von Joscha Sauer. Derjenige, der die genialen “Nicht Lustig”-Cartoons zeichnet. Und das ‘Steffen’-Cartoon (hier) hatte Joscha Sauer über Twitter allen ‘Steffens da draußen’ gezeichnet. Der Arzt im Impfzentrum mir gegenüber war jetzt kein ‘Steffen’, aber er hätte gut und gerne einer der Applaudierenden (- nein, nicht in dem dargestellten Publikum, sondern aus dem applaudierendem Gremium -) in dem Cartoon sein können.

Ach ja. Und heute ist der 1. Oktober. Die Geimpften sind trotz der Aussagen gewisser verquer denkenden Experten gestern nicht wie die Fliegen gestorben, so wie in Kreisen der Impfschwurbler zur Angstmache einfach mal prophezeit wurde. Es ist einfach nicht eingetroffen, dass mal über 64% verstarben, so wie bei dem ‘Thanos’ aus dem Marvel-Universum der Avengers, der mit seinem Snap die Hälfte der Bevölkerung der Erde einfach mal wegschnipste. ‘Thanos’ des Marvel-Universums wohlgemerkt. Nur zum Verständnis: ‘Thanos’ ist das Pendant zu dem ‘Bill Gates’ der Querdenker.

So.

Damit ist das auch mal auf dem Tisch, was unsere vermeintlichen, so ungewertschätzte heimliche Expertenelite da draußen angeht.

#allesaufdemtisch

Kneipengespräch: Die 3-J-Regel

Die Tür schob sich nach innen, ein Windstoß bewegte die Luft im Raum, ein Gast trat ein. Die anderen Gäste am Tresen schauten kurz auf und blickten darauf wieder auf ihre flache Kölsch-Schaumkrone in deren Stange.

Allein der Wirt stockte beim Kölsch-Stangen-Polieren und blickte fordernd den eintretenden Gast an. Der Gast bewegte sich auf den Tresen zu, ergriff sich routiniert den einzige leeren Stuhl, hockte sich drauf, nahm seine Maske ab und sprach die magischen vier Worte:

»Dun mer en Kölsch.«

»Früh, Reissdorf oder Päffgen?«

»Päffgen? Du hast Päffgen?«

»Und du schuldest hier noch drei fuffzich.«

Der Gast zog seine Geldbörse raus und legte dem Wirt einen 50iger auf den Tresen.

»Reicht das?«

»Päffgen ist aus. Reissdorf?«

»Okay, dann zwei.«

»Nimm Früh, kommt früher. Läuft besser.«

Der Nachbar schaute rüber.

»Na? Wette verloren?«

»Wie?«

»Beim letzten Mal war auf ihrem Kopf noch Vollhaar. Weiß, schütter und mittellang. Vormals alter grauhaariger, weißer Mann. Jetzt Glatzköpfiger aus dem Sonnenstudio.«

»Werter Gast«, unterbrach der Wirt und schaute den neu hinzugekommenen Gast an, »ich benötige noch ne Antwort auf dringende Bewirtungsfragen.«

»Akzeptiert. Du darfst mein Glas spülen.«

»Status?«

»Ich gehöre zu den Drei-Jott.«

»Drei Jott?«

»Jeimpft, jenesen und jetestet.«

»Aja?«

»Ich bin jenesen.«

»Nachweis?«

»Schau auf mein schütterndes Haar. Kann diese Glatze lügen?«

Der Wirt schaute ihm auf seine glänzende Billardkugel.

»Aha. Das Äußere deiner Gesinnung haste nu also haarklein angepasst? Balastbefreit?«

»Wie meinen?«

»Du Skinhead. Du Undemokrat.«

»Okay. Und was soll das jetzt darstellen?«

»Haarspalter mit rechtsextremen Argumenten. Spalter von Haaren. Auch mit ner Axt auf fremden Köpfen, wie für Patrioten üblich.«

»Na. Wir wollen doch nicht hier am Tresen Haare spalten, oder?«

»Wenn sich kein Haar in meinen Kölsch-Stangen findet und Gäste wegen rotem Kölsch sich beschweren … also: welches J haste?«

»Die Welt hat letztens sich selber entlarvend berichtet, die haben sich demaskiert …«

»Die Welt ist Medien-Mainstream und Medien-Lügenpresse. Bild-Niveau. Extra Reichelt-tiefergelegt. Wie bei Fahrzeugen: tiefergelegt geht schneller und nimmt keine Rücksicht auf nachhaltige Argumentationen. Die WELT vor unserer Haustür halt. Also. Welches J?«

»Jones.«

»Aja.«

»Indiana Jones.«

»Willst sagen, du hasst Schlangen. Dann kannst du dich jetzt in der Test-Schlange zwei Straßen weiter einordnen. Mit nem positiven Negativ-Test kriegste auch ein Kölsch.«

Der Gast lehnte sich zum Wirt rüber:

»Das letzte Gespräch zwischen uns hängt dir wohl noch arg nach, oder?«

»Gespräch? War eher ein Monolog.«

»Ja, nee, is klar. Die Wahrheit schmerzt, nicht wahr?«

»Nein. Nicht die Wahrheit, sondern deine verblendete Dummheit.«

»Die Wahrheit findest du im Internet bei den alternativen Medien …«

»PI? Nachdenkseiten? Russia Today?«

»WELT. BILD und BILD-TV.«

Der Gast fixierte den Wirt, seine Stirnfalten verkündeten Blitze und Donner.

»Wenn du dich nicht im Internet bei vertrauenswürdigen Medien informieren willst, dann ist das deines Geistes Schwäche. Du solltest mal auf andere hören statt nur den Mainstream-Medien-Lügen. Im Internet findest du die Wahrheit. Unzensiert. Wenn sie nicht gerade auf Youtube oder Facebook oder Twitter zensiert wird, dann auf den Kanälen der alternativen Medien.«

»Wie ich bereits fragte: auf den Seiten von PI oder den Nachdenkseiten?«

»Bei Leuten, die Statistiken mit deren ureigenem Wissen privat, deswegen Respekt und Vertrauen verdienen, das eigene Wissen analysieren und die verblüffenden Ergebnisse dann veröffentlichen!«

»Ureigenes Wissen? Selbst analysiert? Ist das eine Qualifikation? Hört sich nach Selbst-Referenzialität an. Hofnarren-Onanie der eigenen, nach außen verschleierten Überzeugung.«

Der Gast strich sich über seine Glatte Glatze, griff in seine Tasche und tauschte den 50er mit nem 5er aus.

»Sorry, aber du bist mir zu dumm. An dir ist Hopfen und Malz verloren. Mainstream-Trottel. Informier dich mal. Die Einsfuffzich sind für dich, Trinkgeld, aber nicht gleich alles versaufen, okay. Investier das Trinkgeld in deine geistige Zukunft.«

Der Wirt ergriff den 5er und grinste:

»Den 5er nehm ich doch glatt. Jetzt weiß ich, warum du dir ne Glatze hast machen lassen.«

Der Gast blickte skeptisch zum Wirt auf.

»Mit Glatze kann der Gedanke frei fliegen. Ohne von Haaren in seiner Freiheit beschränkt zu sein.«

»Ach ja? Und?«

»Kommt der Gedanke dann zu dir zurück, dann gehört er dir auf ewig. Nur, das wird nie passieren. Gedanken haben auch ihren Stolz. Denn du hast nur Käfige für deine Gedanken.«

Der Gast donnerte seine Faust auf den Tresen.

»Nur weil ich jetzt ein Glatzköpfiger bin, …«

Der Wirt unterbrach ihn: »Speakers room hinten rechts. Für alle, die glauben, dass hier eine Meinungszensur herrscht, Speakers-Room hinten rechts. Freier Zutritt nur für Bekloppte.«

»Nur weil ich Glatzköpfiger bin, …«

»Rasierstube ist zwei Straßen weiter rechts bei den türkischen Friseuren für die Generation U30.«

Der Gast erhob sich wortlos von seinem Hocker und schritt auf die Ausgangstür zu.

Der Wirt schaute in die Tresenrunde und fragte:

»Jemand noch ein Kölsch nach der 3-J-Regel?«

Einer hob seine Stange, dem Wirt zuwinkend:

»Hauptsach joot, jerad und jenau, dann passt et scho. Hauptsach drei-Jot.«

Leise gluckerte der Zapfhahn.

Parkbankgespräch: Brauchse wat zu kaun, Quatsch mit Soße

»Hm. Was’n das?«

»Currywurst a la Bavaria.«

»Heißt was?«

»Bayrische Currywurst.«

»Und was ist das besondere daran?«

»Du kannst wählen, ob du auf dem angewärmten Tomatenketchup Currypulver draufhaben willst oder nicht.«

»Echt jetzt? Currywurst ohne Curry?«

»Warum nicht? Ist für Curry-Allergiker. Die allbekannte ‚C‘-Allergie.«

»Allbekannt. Ja, nee is klar.«

»Doch. Es gibt auch ‚CSU‘ ohne ‚C‘. Für jene Mehrheit der ‚C‘-Allergiker.«

»Also Urrywurst ohne Urry?«

»Soziale Union ohne einen Hauch von ‚Christlich‘. Wählbar. Jederzeit zur Wahl. Du kannst in Bayern auch wählen, ob als Currywurst eine als rot oder weiß verwendet werden soll.«

»Rot oder weiß? Ne Soz’n-Wurst oder ne White-Collar-Wirecard-Verwurstung? So wie  pikant oder normal?«

»Naja. Eher Bratwurst normal oder Bratwurst mit mehr Bratwurstgeschmack.«

»Ich dachte, bei Currywurst gibt es eher die Auswahl ‚mit Darm‘ oder ‚ohne Darm‘.«

»Bei den Preußen. Aber nicht hier in Bayern. ‚Mit Darm‘ oder ‚ohne Darm‘, da sei den Bayern der Leibhaftige vor!«

»Gibt es denn in Bayern kein feurig, voll scharf, mit-schaaf oder larifari?«

»Nur bei den Preußen. Oder Türken im Dönerladen. Aber nicht hier bei den Bayern. Hier gibt es die Currywurst mit Currypulver überm angewärmten Ketchup. Oder halt ohne.«

»Ohne? Ai em schockt.«

»Als Merksatz merke dir: Die Geschichte der bayrischen Currywurst ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Man sieht nichts, man riecht nichts, und außen bleibt alles angenehm sauber.«

»Always? Ultra wie bei der Weißwurst?«

»Wie bei der urbayrischen Version von den Bayern-Currywurst-Enthusiasten. Der ‚mit-schaaf?‘-Abstinenten.«

»Na, dann lieber Currywurst mit Po-ro-we-u-se.«

»Po-ro-we-u-se?«

»Pommes rot-weis mit Senf. Currywurst extra scharf mit Po-ro-we-u-se. Der Klassiker der Pause.«

»Pausensnack. Die Currywurst ist der Kraftriegel am Morgen für den Werker am Band. Halb zehn in Deutschland. Das hieß damals noch Currywurst mit Pommes. Jetzt denkt jeder an Haselnusscremewaffel.«

»In Bayern hat sich die Idee des Werkers am Band doch eh nie richtig durchgesetzt. Die stehen eher mehr auf Kette als auf Band. Die Kette im Steuertrieb der Verbrennungsmotoren. Weil Bayrische Motoren Werke. Kette statt irgend so ein Band oder nen nassen Riemen. Südlich des Weißwurstäquators ist das als Gesetz gesetzt.«

»Und nun streicht gerade der VW die Currywurst von dem Speiseplan einer seiner sieben Kantinen.«

»Der Untergang des Abendlandes.«

»Wie schön, dass du auf das Attribut ‚christlich‘ verzichtet hast.«

»Hatte ich doch bereits gesagt, ‚C‘ geht hier gar nicht. Weil ‚C‘-Allergie in Bayern.«

»Äußert sich wie?«

»Emeritierung als Freisinger Papst. Oder als Rücktrittsgesuch als Münchner Kardinal.«

»Vorsicht, ganz dünnes Eis, du Ketzer!«

»Nö, nur Currywurst-ohne-Darm-extra-scharf-mit-Po-ro-we-u-se.«

»Sei froh, dass die Bayern noch nicht wieder auf Preußen schießen dürfen.«

»Stimmt, weil sie es noch nicht begriffen haben, dass die Preußen so schnell nicht schießen.«

»Bayern hätten zwei Schüsse Vorteil. Matchball bereits vor dem ersten Aufschlag auf dem Tennisplatz des Lebens.«

»Schön philosophiert. Worte sind schön, aber Hühner legen Eier. Darum streicht nun VW die Currywurst von dem Speiseplan einer seiner sieben Kantinen. Und unser Ex-Kanzler Schröder wittert die große Verschwörung. Er meinte, wenn er noch im Aufsichtsrat von VW säße, ja, dann hätte es so etwas nicht gegeben.«

»Schröder? Who the fuck ist Schröder?«

»Hartz-4-Erschaffer und Urheber der folgenden Bemerkung: ‚Vegetarische Ernährung ist gut, ich selbst mache das phasenweise auch. […] Aber grundsätzlich keine Currywurst? Nein! Currywurst mit Pommes ist einer der Kraftriegel der Facharbeiterin und des Facharbeiters in der Produktion. Das soll so bleiben.‘« (hier)

»Wahnsinn! Wird er dafür im nächsten Jahr den Nobelpreis für Biologie erhalten?«

»Schlimmer.«

»Den Friedensnobelpreis?«

»Schlimmer.«

»Die goldene Currywurst am Pommes-Bande?«

»So in etwa. Er wird Spitzenkandidat der Partei ‚DIE SONSTIGEN‘, Listenplatz 43 der kommenden Bundestagswahl.«

»Na ja, als Spitzenkandidat der V-Partei³ hat er es sich wohl verscherzt. Das wird ihm die ‚Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer’ niemals verzeihen.«

»Sicher das. Beim Verzehr einer veganen Currywurst werden sie offen dreimal geschlossen ausspucken.«

»Dabei hat Schröder doch extra erklärt: Vegetarische Ernährung sei gut, er selbst mache das phasenweise auch.«

»Das ist wichtig. In der SPD-Tradition von Helmut und Loki Schmidt. Die haben auch erklärt, dass sie nach jeder Zigarette aufgehört haben, zu rauchen.«

»Lobenswert. Und Mutter Beimer brät sich dabei jedes Mal ein Spiegelei.«

»Absolut.«

»Kann ich mal nen Happen Ihrer Currywurst haben?«

»Einen?«

»Einmal einen Happen Heimat kosten.«

»Heimat-Blues? Hm. Bisse richtig down, brauchse wat zu kaun?«

»Ne Currywurst.«

»Gehse inne Stadt, wat macht dich da satt?«

»Ne Currywurst.«

»Kommse vonne Schicht, wat schönret gibtet nich?«

»Als wie Currywurst.«

»Aufm Hemd, auffer Jacke, Ker, wat ist dat ne K … ?«

»Mal ehrlich und ganz ungelogen: Was wäre nur die Currywurst ohne der alten Ode an ihr durch Herbert, dem Grönemeyer?«

»Nur ne christliche Version der bayrische Weißwurst mit süßem Senf?«

»Quatsch mit Soße!«

Die Rückkehr der “Cui-Bono”-Krieger

Lasset uns konjugieren:

Mein Leben läuft. // Dein Leben läuft. // Sein/Ihr/Sein Leben läuft. //

Unser Leben läuft. // Euer Leben läuft. // Ihr Leben läuft.

Es ist ein reinster Lebenslauf, dass das Leben läuft. Manchmal geht es aber auch, das Leben. Oder schleicht. Und so am Ende des Lebenslaufs geht es wieder der Erde entgegen. Der reinste Lebenslauf? Na. So einfach sollte man es sich nicht machen. „Lebenslauf einfach“ geht schon mal gar nicht. Einfach einfach kann jeder einfach mal so einfach. Mal so. So.

Lebensläufe zu analysieren ist wieder total en vogue. Der Baerbocks ihrer. Geht gar nicht, derer ihrer einer. Voll der Fehler und der eindeutig eindeutigen Hinweise, die sie disqualifizieren für den Posten des Kehrpersonals der Republik. Wie schrieb irgend so ein pseudo-investigativer Journalist mal im Internet? „Kanzlerette“. Dabei ist die Baerbock noch nicht mal „Kanzlerin“, damit dieser despektierlich verwendete Ausdruck überhaupt auf sie passen würde. Aber abgeschrieben hat er es woanders, trotzdem. Weil er weiß, dass seine Leser nicht gerade die hellsten Kerzen auf seiner Torte sind.

Ach ja? Super! Voll toll! Machste hier eine Stimme des Widerstandes wieder nieder? Und überhaupt. „Die Baerbock“? Geht’s noch, Herr Schreiberling dieses Blogeintrags? „Die Baerbock“! Die hat einen richtigen Vornamen und der lautet bestimmt nicht „die“. Und Anstand und gute Kinderstube gebietet auch, zumindest ihre Anrede zu nennen: „Frau“, wenn schon der Vorname nicht genannt werden sollte. Herr Schreiberling! Capito, stupido?? Mann, Mann, Mann.

Hm.

Das war ich jetzt nicht.

Das war mein Über-Ich. Nicht ich. Solche Einwürfe schreibe ich nicht. Okay. Weiter im Kontext und das Über-Ich von mir, dieses kleine Monster der gewissen Gewissenlosigkeit, wieder weggesperrt, in den tiefsten Kerkern meines unbewussten Bewusstseins. Was andere schon längst können, kann ich schon länger.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja. Beim Lauf des Lebens. Der Lebenslauf der Baerbock ist inzwischen hinreichend bekannt, ausreichend durchgekaut und mehrfach ausgespuckt worden. Und all die meinungsstarken Schreiberlinge der vorherrschenden Medien und der selbst-ernannten alternativen Medien sind sich einig: Frisieren ist gleich fälschen, und Fälschen ist kriminell. So wie beim Theodore, dem Guttenberger. Oder jetzt wie bei jener, der Annalena, dieser Baerbock. Geht gar nicht. Folglich sieht jeder auch deswegen die automatische Disqualifizierung der Frau fürs Kanzleramt. Somit ist es auch völlig okay und bleibt unwidersprochen, die Baerbock als Moses, dem Oberverbieter von „laissez-faire, laissez-aller“, darzustellen. Klandestiner Antisemitismus geht. Immer. Dann schreit auch keiner auf. Weil: böses Weibchen, ganz böses Frauchen.

Gut. Ein Blick in den Lebenslauf von Armin Laschet, den jener als Kandidat für den Vorsitz der CDU Deutschlands abgab (Stand 28-Okt-2020, abrufbar in den Archivdokumentseiten der CDU im Internet und auf den parlamentarischen Seiten NRWs), lässt putativ ebenfalls auf Frisieren schließen.

Was auffällt ist, dass Laschet in seinem Leben weder Bundeswehr noch Zivildienst absolviert hat, sondern gleich nach dem Abitur gen München ins damalige Herrschaftsreich des Franz-Josef Strauß übersiedelte. Womit sich auch Laschets Verbundenheit zu München und damit zu Herrn Dr. Söder erklärt. Und es wird dann auch klar, warum das NRW-Kabinett deren Kabinettssitzung auf Veranlassung von Ministerpräsident Laschet am 12. März 2019 bei Ministerpräsident Dr. Söder in München durchführen ließ.

Nun, dass Laschet nicht ein Jahr zur Bundeswehr gegangen zu sein scheint oder alternativ 18 Monate lang Zivildienstleistender der Gesellschaft diente, das lässt zwei Schlüsse zu: Entweder wurde er wegen seinem Jura-Studium (erfolglos, da ohne Abschluss) zurückgestellt. Oder er wurde in NRW vom Kreiswehrersatzamt bei dessen Bemusterung als Vulnerabler ausgemustert. Also Klassifizierung „T5“ wegen der Feststellung einer schweren Gesundheitsstörung (will sagen: eine Besserung des Gesundheitszustandes stand nicht zu erwarten). Oder vielleicht auch „T4“. Wegen einer Zahnspange. Oder so.

Nun gut. Herr Laschet dokumentiert drei Tage vor dem 31. Oktober in seinem Lebenslauf, dass er Mitglied des Direktoriums zur Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen war. Das galt exakt bis zum 31. Oktober 2020. Danach schied er aus. Aus dem Direktorium. Wegen der Pandemie allerdings gehörte er informell bis zur Nachholung der Verleihung des Preises 2020 auch 2021 noch dem Direktorium an. Informell. Sagt das Direktorium. Formell wird er von diesem Verein auf seinen Internetseiten seit Dezember 2020 nicht mehr geführt. Und seinen Lebenslauf hat Laschet danach auch nicht angepasst.

Oder es fällt auf, dass etwas nicht vorhanden ist: es fehlt in seinem Lebenslauf, dass Laschet als Lehrbeauftragter an der RWTH Aachen Klausuren verlor und diese dann trotzdem benotete … gut, so etwas steht maximal in dessen Zeugnis: „Herr Laschet gab sich stets äußerste Mühe, seine Aufgaben pflichtgemäß zu erfüllen. Hierbei zeichnete er sich durch Proaktivität auch gegenüber der Zukunft seiner Studenten aus“. So etwas steht natürlich nie in einem Lebenslauf. Stimmt. Gehört auch nicht dort hinein.

Oder er umschreibt seine Lebensphasen: dass er hier in München seine „Ausbildung zum Journalisten“ machte. Nebenbei, das war beim Privatsender „Charivari“ und nicht beim „Bayrischen Rundfunk“ … Privatsender „Charivari“ … ja, nee, is klar, ne … `ne Ausbildung bei der Zeitungbeilage „Prisma“, die Beilage zum TV-Programm, wäre da schon erheblich journalistischer und investigativer …

Dafür ist er aber immerhin Mitglied der „Europäischen Akademie der Wissenschaft und Künste“ in Salzburg. Liegt bei München. Also genau genommen, inoffiziell sehr knappes Oberbayern. Das hört sich nobel an. So nach „Mozart“, „Mozartkugeln“ und „Salzburger Nockerl“. Und in dieser Akademie ist er in der Abteilung „Weltreligionen“ tätig.

Und? Cui bono? Wem tut’s gut? Wer ist ebenfalls mit ihm in der gleichen Abteilung jener Akademie? Richtig. Ein anderer Münchener: Richard Marx. Der zurücktreten wollte. Den der Papst im Vatikan aber nicht ließ. Richard Marx. Nicht zu verwechseln mit Karl Marx (kein Münchner, aber schon im Himmel). Oder gar jenem Rainer Maria Kardinal Woelki (nicht Münchner, nicht Himmelaner), der Nachfolger von Joachim Kardinal Meisner. Meisner das war der, den damals schon Jürgen Becker wegen seiner Managerfähigkeiten als “Nulpe” einordnete (“In der freien Wirtschaft würde er nur als Pförtner eingestellt.” Jürgen Becker, 2007, DFL-Kultur). Und Joachim Kardinal Meisner hat Maria Kardinal Woelki offensichtlich komplett beerbt. Der Apfel stammt nicht weit vom Fall …

Also. Jener Rainer Maria Kardinal Woelki, der an einem 18. Februar zum Kardinal zu Köln ernannt wurde. An dem Tag, an welchem Armin Laschet immer seinen Geburtstag feiert. An dem 18. Februar. An dem gleichen Tag, an dem im Jahre 2014 redaktionell niedergeschrieben wurde, dass Reinhard Marx auf Lebenszeit Kardinal bleibt und was dann am nächsten Tag vom Presseamt des Heiligen Stuhls im Vatikan schriftlich verkündigt wurde.

Wird jetzt klarer, warum die Öcher Printe ohne akademischen Jura-Titel, also eben jener Armin Laschet, mehr Münchner ist als es jener hiesige, nach München zugezogene Franke mit Doktortitel, ein gewisser Herr Dr. Söder? Warum Laschet somit das volle Recht hatte, mit seinem Kabinett in jenem März 2019 seine NRW-Kabinettssitzung in München abzuhalten? Und warum Söder fürchten muss, dass Laschet als Kanzler mit der Bundeswehr in München einmarschiert und das Straußoleum (die Münchner Staatskanzlei) einnimmt und Söder zum Postboten von Baerbock degradiert? Cui bono?

Na gut. Details hinter den aufgeführten Punkten in Laschets Lebenslauf kenne ich nicht im Detail. Aber ist das kriegsentscheidend? Gehören die bisher aufgezählten Dinge etwa nicht zum „Frisieren“? Nun, wichtig ist aber lediglich: Hauptsache, sie machen dicke Backen der Empörung. Dicke Backen wie hart gekochte Kohlenhydrate an gematschten Tomaten mit Olivenöl und feinem Grünzeugs drüber. Auf Deutsch: Spaghetti Napoli. Und Krieger brauchen Kohlenhydrate. Ansonsten verhungern sie im Krieg mit den Feind, noch bevor dieser sie hätte töten können. Warum die damals durch das Kreiswehrersatzamt ausgemusterten Vulnerablen nicht trotzdem genommen wurden … sie hätten ja als Pufferweichziele verwendet werden können … Cui bono?

Ich schaue in meinen Lebenslauf. Mein Lebenslauf. Frisiert? Frisieren? Wer ich?

Hm. Herr Schreiberling, was sehe ich da? Keine Lücken? Allerdings auch kein One-Pager wie jener Lebenslauf vom Laschet. Vielmehr ein Mehr-Seiter. Und verdammt viel Text. Sozusagen eine Bleiwüste als Lebenslauf getarnt. Jaja. Und dann noch ein halbes Jahr Südamerika-Praktikum. Soso. Niemals gekündigt und niemals in einer Führungsposition. Aha. Alles so rund. So verdächtig unverdächtig. Was soll verborgen werden? Wo ist der Lebenslauf frisiert? Aber dann der entscheidende Hinweis, nicht wahr: Geburtsdatum des Schreiberlings ist der 18. Februar. Jetzt wird’s aber extrem verdächtig, Herr Schreiberling! Cui bono? Eben! Erwischt! Der 18. Februar als Tag der Nulpen …

Nööööö, ich frisiere doch nicht! Ich nicht! Doppelschwör! Ich bin ehrlich. Wie meine Haut. So wahr, wie ich sie zu Markte trage. So abziehbar, wie die Panini-Klebebildchen in den Schokoladen-Häppchen vom Kiosk an der Ecke. So ehrlich wie Hinz und Kunz hier auch.

Wie Hinz und Kunz? Okay. Dann doch eher wie Kunz. Denn Hinz habe ich bereits kennengelernt. Der beherrscht Photoshop erheblich schlechter als Kunz. Und im Gegensatz zu Hinz hat Kunz auch das passende Druckerpapier für Fake-Impfausweise, also die inoffiziellen Hinzugehörigkeitspapiere der schlaflosen Außerparlamentarischen Fake-News-Opposition, der Abteilung der Trypanophobie-Adepten und sonstige Lebensphobiker …

Menno. Ich muss an dieser Stelle konstatieren: Kerkerwächter sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Alles muss man selbst machen. Gutes Personal ist heuer so schwierig zu bekommen, um sein überwaberndes Über-Ich eingesperrt zu halten.

Damals, ja, damals, da konnte man noch guten Gewissens das eigene Über-Ich wegsperren, zusammen mit all den Bruchstücken der eigenen Vergangenheit. Das war noch der berühmt berüchtigte Zeitgeist, der alles unter Kontrolle hatte. Richtig, daran war nur der Zeitgeist schuld. Der hat damals die eigenen Kerkerwächter vergütet und belohnt. Aber heuer? Wenn nicht mal der eigene frisierte Lebenslauf sicher ist vor den eigenen Ansprüchen, welche man gerecht zur Rache an andere Menschen setzt, …

Komm jetzt trau dich. Sag es schon. Na los. “Cui bono” kannste doch auch aus dem Effeff buchstabieren. Tu es. Trau dich. Du bist jetzt ein alter, grauhaariger weißer Mann. Du darfst jetzt. Soll ich dir den Anfang vorsagen? Das Stichwort geben? Gut: Früher. War. Alles. …

Besser? Nö, nicht wirklich. Früher war nicht alles besser. Eines ist sogar definitiv schlechter geworden. Die Doppelmoral. Die wurde verbessert. Sie fällt jetzt nicht mehr so auf.

Cui bono? Uns Nulpen halt. Frag nicht so blöd! Armin! Äh, „Amen“ wollt ich, äh, ganz lasch dahinrotzen …

Amen.

“Ashes to ashes, clay to clay, if the enemy doesn’t get you, your own folks may.”
(aus “The peacelike mongoose” von James Thurber)

Kneipengespräch: Doppelt dumm gelaufen, du Ehrlicher, du!

Er brabbelte vor sich hin. Nicht laut, aber störend.

“Hey, kannste mal damit aufhören, hier rumzubrabbeln?”

Er starrte mich verwundert an. Wahrscheinlich schon im Delirium Tremens. Ich seufzte und wollte mir gerade das nächste Kölsch bestellen, als er spontan loslegte

“Ich lass mir nichts verbieten!”

Vorsichtig entgegnete ich: “Was bitte?”

“Ich’s bin’s nicht gewesen.”

“Ja?”

“Die anderen war’s.”

“Sie meinen Türkenhochzeiten? Oder Oma-Geburtstag? Motorrad im Hühnerstall?”

“Bürschchen, halt die Klappe.”

“Wie bitte?”

“Das ist momentan normal. Außer Verboten fällt denen nix ein.”

“Verbote? Wem?”

“Ich kenn keinen, den es in Wirklichkeit erwischt hat.”

“Okay …”

“Also wird es wohl nicht so schlimm sein.”

“Und?”

“Mich trifft’s nicht.”

“Echt?”

“Alles übertrieben. Total übertrieben.”

“Hm, warum?”

“Das ist wissenschaftlich nicht eindeutig erwiesen. Und irgendeiner hat’s in die Welt gesetzt, um mich zu unterdrücken. Great Resett. Weiß doch jeder!”

“Ähem, weiß wer?”

“Das Ganze ist lediglich ein primitives Machtinstrument. Ein Spiel der Herrschenden!”

“Ein Machtinstrument?”

“Die da oben gegen uns da unten! Mit Fake-News der Mainstream-Medien wie BILD, EXPRESS und so. Hör mal! Ich hab keinen Bock auf Verzicht!”

“Was?”

“Ich selber hab ein Recht, durch die Welt zu fliegen. Ein natürliches Anrecht auf meine Freiheit! Steht auch im Grundgesetz.”

“Freiheit?”

“Jawohl, meine demokratische Freiheit ist wichtiger als irgend so ein Live time-Fußabdruck für paar Dagegen-Fuzies.”

“Fußabdruck? “

“Hömma, wir reden bekanntermaßen von einer Erfahrungsdimension, von vielleicht jetzt knapp ein Dutzend Monaten.”

“Okay. Erfahrungsdimension?”

“Hey, ein Wandel wird nichts sein, worauf man dann nach paar Monaten Einschränkung keinen Bock mehr hat. Das macht pessimistisch.”

“Dass die Menschheit das hinkriegt? Moment. Erklär mir mal: Worüber hast du gerade geredet? Über Corona an sich? Oder über den Klimawandel generell?”

”Herr Oberspielleiter, zwei Kölsch bitte!”

Gott des Gehäcksels

A: Sie sind …

B: Internet-Künstler. Und Sie?

A: Internet-Künstler? Wie interessant. Ich selber habe im Internet eine Meinungsseite, erkläre meinen Lesern, wie sie mit den neusten Entwicklungen umgehen können. Wie so etwas auch gesehen werden sollte. Ein Angebot für Tausende von Lesern.

B: Tausende?

A: Abertausende. Mindestens Abertausende. Mehr als nur die Tausende. Ich fühle mich der Aufklärung und des klaren Denkens verpflichtet.

B: Über die neusten Entwicklungen?

A: Wenn bei Entwicklungen Börsenwerte steigen, was als Ausgleich dafür sinkt. Wenn Influencer A sagen, was das unausgesprochene B dazu ist. Wenn da jemand etwas ganz deutlich erklärt, was damit aber in Wahrheit vorsätzlich verschwiegen wird. Wenn jemand investigativen Journalismus betreibt, warum es nur pseudo-investigativ ist. Wer lediglich Mainstream ist und wer sich in Wahrheit um die Aufklärung bemüht. Warum die Verwendung von Adjektiven in Artikeln auf meiner Seite lebenswichtig ist zur Meinungsbildung.

B: Nicht schlecht. Meine Kunst ist es Erregungen aufzunehmen und künstlerisch in Worten umzusetzen.

A: Dann sind Sie also von meiner Branche?

B: Nein, eigentlich nicht. Sie sind Aktivist, ich bin Künstler. Sie wühlen im politischen Dreck, ich überblicke es und berichte darüber.

A: Über mich?

B: Über den Dreck, der Sie umgibt.

A: Sehen Sie, das sehen Sie eindeutig falsch. Ich lasse mich nie drauf ein, mit Schweinen im Dreck zu suhlen. Die sind eindeutig zu dreckig und wer zahlt mir nachher die Reinigungskosten, nicht wahr.

B: Aber Sie setzen sich mit Schweinen auseinander.

A: Sie verstehen meine Position miss. Ich suhle mich nicht im Schlammloch, ich stehe am Spielfeldrand und gebe Hilfe denjenigen, die im Schlamm die Übersicht verlieren. Dafür werde ich respektiert und geachtet.

B: Also so in etwas wie Billigarbeitskräfte aus Bulgarien oder Rumänien im Schlachterbetrieb mit der Kettensäge.

A: Nicht allein die Kettensäge. Erst das Bolzenschussgerät. Dann zum Zerteilen die gute Stihl-Säge. Wir sind inzwischen humanistisch weiterentwickelt. Wir bieten denen auch Jobs zum unblutigen Spargel-Ernten an.

B: Deutsche Wertarbeit. Frisch auf dem Tisch.

A: Nun, ich bin eher wie ein Trainer der internationalen Fußball-Welt. Wer lediglich lokal denkt, kommt nie in den Schlachtbetrieb einer Champions-Ligue. Gute Trainer betätigen sich auf den Feld der Strategen und Positionierungen. Mein Schlachtfeld als Trainer ist das der Narrative.

B: Narrative.

A: Erzählungen. Der Dichtung. Unaufgeklärten, unreflektierte Narrative. Ungenauen Informationen der anderen. Der Gegner. Mit deren gefilterten Informationen. Das Verschwiegene. Das Unausgesprochene, das Gelogene. In einem Schlachthof ist der erste Schritt immer der radikalste. Beim Spargelstechen geht es sogar unter der Oberfläche beim Abstechen. Beim Spargelstechen und im Schlachthof wird gezielt zugestochen.

B: Sie keulen Ihre Gegner gezielt? Mit was?

A: Ja. Mit Nazi-Keulen, Stasi-Keulen, DDR-Keulen, Antifa-Keulen. Hauptsache keulen. Wie es Schweine im Schlachthof verdient haben. Das ist mein Handwerk.

B: Gut, Keulen ist nicht mein Handwerk. Aber das Stechen. Als Internet-Künstler bin ich auch immer darauf erpicht, im Recht beim Stechen zu sein. Auch wenn ich immer wieder als lächerlich wirkender Schwärmer hingestellt werde, dessen Tatendrang an den realen Gegebenheiten scheitert.

A: Als Gutmensch?

B: Nein, als Don Quijote. Das Leben ist voll der Kämpfe gegen der so viel versteckte Dinge. Letzten wurde mir ein neues Notebook mit Trackpad angeboten. Trackpad. Ich lasse mich doch nicht beim Eintippen meiner Internetkunst zurückverfolgen. Warum sollen meine Blogeinträge getrackpad werden? Ich habe den Kauf abgelehnt.

A: Ihre Kritik ist basal. Einfach gut. Man muss nicht alles akzeptieren, was heute so angeboten wird. Eine gewisser gesunder Menschenverstand sollte immer Basis der eigenen Entscheidungsfindungssuche sein. Mündige Bürger bestehen drauf, schreibe ich als Credo.

B: Richtig. Eine Entscheidungssituation sollte bewusst gemacht werden und formuliert werden.

A: Und jener Prozess, seine Beteiligten und deren Verantwortliche definiert sein.

B: Zudem das Risikomanagement. Absolut unentbehrlich. Erst dann besteht Einigkeit, auch über das festgelegte Maß für den Erfolg. Mit allen Informationen, den Optionen und den Risiken. Eine Risikobewertung gemäß der DIN ISO 9001.

A: Yep. Nur so geht es. Die üblich gemachten Fehler durch kognitive Verzerrungen sind bewusst zu vermeiden. Nur dann können Entscheidungen getroffen werden. Und genau das ist zu kommunizieren. Und umzusetzen.

B: Alles gemäß des DEMING-Kreises “PDCA”: plan, do check, act. Planen, durchführen, überprüfen und aus den Ergebnissen handeln.

A: Lenins Leitsatz hat sich in Deutschland bislang immer bewährt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Aber denke ich an Deutschland in der Nacht, ist Lenin um dessen Schlaf gebracht.

B: Richtig. Ein solcher Leitsatz lässt sich nur als Blockwart-Mentalität ummünzen, wenn es opportun ist. Ich habe dazu ein entsprechendes DIN ISO 9001 Zertifikat erworben. Made in Germany.

A: Als Internet-Künstler.

B: Als Internet-Künstler. Ich bin der erste Internet-Künstler mit PDCA-Zertifizierung. Somit haben Sie und ich einiges gemeinsam, nicht wahr.

A: Meine Meinungsseite baut auf PDCA. Nur bislang ohne Zertifizierung. Weil, wir leben in einer Meinungsdiktatur. Da wird Lenins Meinung nicht akzeptiert. Die Meinung meiner Seite wird klar unterdrückt.

B: Unterdrückt?

A: Verschwiegen. Nicht berücksichtigt. Nicht auf großen Plattformen diskutiert. Und wenn doch, dann wird sie lediglich kritiklos zerpflückt. Von weißen, alten Männern ohne Ahnung.

B: Weißhaarige Dinos.

A: Boomern. Statt meine Meinung als Grundlage zu wertschätzen, wird sie unterdrückt. Oder angegriffen. Man wagt es heute kaum noch seine Meinung zu äußern, weil man dafür angegriffen wird. Wenn ich mal konträre Meinung in den Raum stellen, warum muss sie immer gleich bewertet werden? Warum kann sie nicht mal im Sinne der Meinungsfreiheit als Meinung offen honoriert werden? Warum kann sie nicht auch mal kritiklos übernommen werden?

B: Absolut meine Meinung! Solange unsere Meinungen nicht als Meinungen auf dieser Weise honoriert werden, also kritikfrei, solange gibt es keine echte Meinungsfreiheit.

A: Eben. Kritisierung unserer Meinung ist Meinungsdiktatur! Nicht Meinungsfreiheit.

B: Man darf halt seine Meinung inzwischen nicht mehr ungestraft äußern.

A: Wahrhaft gesprochen! Ihre Meinung ist eine wahrhaftige Meinung. Meinung muss man aushalten dürfen. Und zwar von den anderen! Weil wir halten sie bereits aus.

B: Meine ich auch. Meinung aushalten dürfen. Wie ein Zuhälter. Als Internet-Künstler. Meinungsprostitution ohne legitimen Widerspruch.

A: Dann sind wir uns ja einig. In dieser unerträglichen Meinungsdiktatur.

B: Ich bin stolz auf Sie. Wie war nochmals Ihr Name?

A: Nennen Sie mich Jei-Bi.

B: Gut, Jei-Bi. Ich zieh mich mal kurz zurück. Ich muss mich mal um meine besten Meinungspferdchen im Stall kümmern. Sie müssen endlich mal wieder ertragreicher werden.

A: Sie scheinen mir ein meinungsstarker Meinungscoach zu sein. Kann ich Ihnen mal ein paar meiner besten Pferde im Stall zukommen lassen?

B: Momentan schlecht.

A: Hafer-Rohstoffkrise?

B: Tja, momentan geht der ganze Hafer in die laktosefreie und Gluten reduzierte Hafermilch.

A: Oh.

B: Ich tüftle momentan an einem Programm zum Umgewöhnen meiner Pferdchen auf vegane Mandelmilch. Vegan macht zudem friedlich. Und friedliche Pferdchen ziehen keinen Streitwagen.

A: Ihre Ironie steht Ihnen nicht zu. Zu veganer Mandelmilch kann es keine zwei Meinungen geben. Ihre Ironie setzt aufs falsche Pferd. Satire und Ironie darf nur gegen die Obrigkeit gehen. Ansonsten ist es fehl am Platz.

B: Ich denke einen Monat über ihre Meinung nach. Im Internet. Ich bin Künstler.

A: Dann wünsch ich Ihnen eine gute Meinungsfindungsphase. Mögen Sie in dem Schoße der rechten Meinung zurück kommen.

B: Ich gebe mir rechte Mühe.

A: Habe die Ehre.

König Kunde

»Könnten Sie bitte Ihre Maske aufsetzen? Der Aufenthalt hier ist ohne Maske nicht erlaubt.«

Er reagierte nicht, sah durch sie hindurch. Mit routinierten Handgriffen überprüfte er das, was er glaubte mit seinen eigenen Händen greifen zu können: die Frische der Brötchen.

»Ihre Maske, bitte.« Sie machte eine entsprechende Geste zu ihrem Gesicht und deutete auf ihre eigene FFP2-Maske.

»Was wollen Sie von mir?«

»Mein Herr, ich muss Sie leider nochmals auffordern, Ihre Maske aufzusetzen.«

»Was soll ich?« Sein Blick war weder fragend noch irritiert, er war herausfordernd.

»Der Aufenthalt hier in der Lounge ist ohne Maske nicht erlaubt.«

»Warum sollte ich eine Maske aufsetzen? Ich wurde in den letzten 48 Stunden negativ getestet. Extra für meinen Flug.«

»Würden Sie jetzt bitte Ihre Maske …«

»Warum sollte ich? Mein Test war negativ. Wo bitte ist denn der Ihrige, um mich zu schützen?«

»Wie bitte?«

»Sie quatschen mich hier von der Seite an, meine Maske aufzusetzen, dabei wissen Sie doch, dass jeder Passagier einen Test vorzuweisen hat, der diesen als negativ ausweist. Ansonsten kommt er doch gar nicht erst in den Sicherheitsbereich. Und ich selbst, ich bin negativ. Also brauche ich auch keine Maske hier!«

Er war lauter geworden, hatte sich provokant einen Meter vor ihr aufgebaut und starrte sie jetzt durchdringend an.

»Die Maske hier in der Lounge ist eine Pflicht!«

»Ach ja? Und Sie müssen sich nicht testen lassen? Und haben dann das Recht, mich so schwach von der Seite anreden zu dürfen?«

»Ich …«

»Wer sind Sie überhaupt?«

»Ich arbeite hier.«

»Dann sollten vor allem Sie einen Test vorweisen können, um nachzuweisen, dass Sie kein Risiko für uns Passagiere sind! Wir haben schließlich teuer für unsere Tickets und das Zutrittsrecht zur Lounge bezahlt! Da kann man doch auch wenigstens von den Bediensteten verlangen, …«

»Ich diskutiere nicht mit Ihnen. Sie haben Ihre Maske aufzusetzen oder ich muss Sie von hier entfernen lassen.«

»Ach ja? Und wer gibt Ihnen das Recht dazu? Wollen Sie mich etwa als einen dieser dämlichen Querdenker diffamieren? Oder als irgend so ein Leugner? Ich habe einen negativen Test und Sie konnten mir bislang keinen vorweisen, trotz meiner Aufforderung. Ich möchte umgehend Ihren Vorgesetzten sprechen! Sie behandeln mich unverschämt! Typisch Servicewüste Deutschland, mal wieder!«

Die letzten Worte hat er ihr mit lauter, fester Stimme ins Gesicht geworfen, zu ihr drohend vorgebeugt, mit dem erhobenen Zeigefinger fuchtelte er wie mit einem Degen vor ihren Gesicht erregt hin und her.

Eine uniformierte Frau tippte dem Passagier von hinten auf die Schulter: »Kommen Sie doch bitte mal mit. Ich bringe Sie direkt zu der Vorgesetzten unserer Mitarbeiterin. Kommen Sie bitte mit.« Freundlich, aber bestimmt nahm sie ihm beim Arm und schob ihn Richtung Ausgang.

Die Servicemitarbeiterin atmete tief durch, um ihren Ärger herunter zu schlucken. Die uniformierte Frau drehte sich noch kurz zu ihr um und erinnerte sie freundlich: »Und bitte, werfen Sie bitte alle Brötchen weg, die der Mann hier einfach so angefingert hatte. Die können keinem anderen Passagier mehr zugemutet werden.«

Warteschleifen

Wie lange ist Warten? Ist Warten länger, wenn es kürzer dauert? Das ist natürlich eine schwachsinnige Frage. Zeit hat eine konstante Beschleunigung. Und zwar keine. Zeit steht für sich alleine. Wäre Zeit variabel, dann gäbe es keine Uhren.

Als in der Gegend von Manchester zur Zeiten des Manchester Kapitalismus festgestellt wurde, dass Terminlieferungen aufgrund unterschiedlicher Zeitdefinitionen nie zuverlässig funktionierten, da führten die Engländer Zeitzonen ein. So wurde einigermaßen sichergestellt, dass der 16-Uhr-Nachmittags-Tee immer von allen zur gleichen Unzeit begangen wurde. Okay, es ging nicht um “tea time”, sondern “just in time”-Lieferungen, aber egal. Prinzip ist Prinzip.

In Deutschland wurde darauf einerseits die kostenlose Zeitansage per Telefonnummer eingeführt, andererseits diente das Signal der “heute”-Sendung oder der “Tagesschau” immer zur genauen Kalibrierung der stoisch ungenauen Küchenuhr.

Mein Vater stellt immer die Uhr um fünf Minuten vor, nur um sicher zu gehen, dass alle nachher auch pünktlich waren. Später aber studierten zwei seiner Söhne, und aus den “nur-fünf-Minuten-zu-spät” wurde gleich eine akademische Verspätungsviertelstunde. Danach stellte er die Uhr immer passend zum “Tagesschau”-Gong. Er war “Tageschau”-Schauer. Der “Tagesschau”-Gong war seine zeitliche Orientierung. Das Zeitalter der Internet-Uhren und die damit einhergehende Reduzierung der analogen Signalübermittlungsverzögerung lernte er nicht mehr kennen.

Der Zettel vor mir sah aus wie ein Kassenzettel. Oder eher so einer, den man an Kassen erhält, wenn man seine Telefonkarte aufladen möchte. Benutzername plus PIN.

Warten. Jeder Versuch des Runterladens des Ergebnis resultierte in der Information, dass die Information noch nicht vorliegt. Eine gewissermaßen validierte Nullinformation.

Von dem Ernst der Lage erfuhr ich durch meine Kontaktperson. Den Beweis erhielt ich direkt auf mein Smartphone. Direkt meldete ich mich auf meiner Arbeit krank. Krank oder potentiell krank sind ernste Angelegenheiten, die über Tod und Leben entscheiden können. Seit dem Germanwings-Flug 9525 von Barcelona nach Düsseldorf, der für deren Passagiere nicht auf der Düsseldorfer Kö, sondern an einer Gebirgswand der Westalpen endete, wurde jedem Menschen blutig vor Augen geführt, dass kranke Menschen oder Menschen, die vor der Gefahr des krank-Werdens stehen, nicht mehr arbeiten sollten. Auch nicht bei leichtem Schnupfen oder zartem schleimigen Husten. Oder einem leichten Unwohlsein.

Wer vor 16 Uhr getestet wurde, sollte das Ergebnis noch am gleichen Tag erhalten. So stand es im Internet. Um Mitternacht gab ich es auf. Immer wieder war die Antwort ein Hinweis, dass Warten angesagt wäre.

Warten war auch vor dem Testzentrum angesagt. Trotz Terminvereinbarung reihte ich mich in eine zwanzig-Meter langen Schlange ein. Zwanzig Meter bedeutete hier 10 Leute vor mir. An Supermarkt-Kassen bedeuten momentan 10 Leute kaum 10 Meter, inklusive natürlich dem Ruf nach einer weiteren Kasse.

Zwei Rumänen vor mir fragten mich, ob ich Ihnen den Platz vor mir frei halten würde. Sie sahen am Ende des Platzes des Verkehrsmuseums eine riesige, putzige in Stein gehauene Schnecke. Sie wollten dort noch ein paar Selfies machen. Erst habe ich verneint. Jeder würde halt warten müssen und warum sollten die gerade ihre Selfies nicht auch nach dem Testen erledigen können. Die Schnecke würden denen schon nicht weggekrochen sein. Aber dann war es mir egal. Ich sagte denen zu, sie vor mir wieder rein zu lassen. Auf die zwei Minuten mehr Warten käme es auch nicht an. Mein Sterbedatum würde von den zwei Minuten nur unwesentlich bis gar nicht abhängen. Außer es würde mir der Himmel auf den Kopf fallen. Mein Blick nach oben zeigte den kalten, grauen April-Himmel. Es roch nach Schnee.

Die beiden verließen die Schlange in Richtung Schnecke. Unweit davon saß eine Gruppe Menschen zusammen. Vielleicht sechs, vielleicht sieben. Ein Hinzukommender wurde per Handschlag begrüßt. Nein, kein Alkohol, keine Musik, keine Feierei oder Party. Smalltalk in der Gruppe. Und wir hier in der Schlange. Wartend. Stumm. Schweigsam. Egal.

In der Schlange fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, die von mir zu Hause zuvor ausgefüllten Fragebögen mitzunehmen. Ärgerlich. Ich hatte diese extra mit der passenden Software am Rechner ausgefüllt, ausgedruckt, unterschrieben, auffällig an meiner Wohnungstür platziert und dann dort vergessen. Warum auch nicht.  Hätte ich sie nicht so auffällig platziert, wahrscheinlich wäre mir aufgefallen, dass mir was fehlte … Meine kurz aufkommende Sorge, man würde mich ohne diese Fragebögen abweisen, verwies ich nach kurzem logischen Nachdenken ins Reich der Legenden. Die Basis für solch einen Test kann nicht das Besitzens eines Druckers sein. Wenn jemandem so etwas aufgefallen wäre, dann doch den Schnellmerkern der Querdenkern. Aber die hatte nie darauf hingewiesen. Cui bono? QED.

Nebenbei: Wer momentan Drucker kaufen will, wird überrascht sein. Es gibt nur noch wenige günstige. Falls überhaupt. Überall ist Home Office angesagt. Darum sind alle Drucker ausverkauft und die Druckerindustrie kann nicht mehr ausreichend liefern. Entweder sind die wenigen Billig-Drucker überteuert oder ausverkauft.

Es ist beileibe nicht die einzige Hardware auf dem Markt, welche momentan Mangelware ist. Preisgünstige Grafikkarten gibt es momentan auch nicht mehr. Wer eine sucht, um seine Videos zu bearbeiten oder um Spiele zu spielen, guckt bei schlecht gefüllter Börse in die Röhre. Aber das hängt nicht mit der Pandemie zusammen. Auch nur sekundär mit der Rohstoff-Krise am Weltmarkt, welche die Automobilindustrie momentan am Rande des Produktionsstopps treibt.

Es hängt mit den Bitcoin-Währungen zusammen. Viele der Grafikkarten werden inzwischen verwendet, um nach diesen Bitcoins zu “minen”. Das heißt, die Grafikkarten werden mit Rechenaufgaben (Algorithmen) beschäftigt, die immer wieder virtuelles Geld erzeugen. Wer genug Bitcoins geschürft hat, der hat die Kosten seiner Grafikkarten bald wieder raus. Rechner dienen somit der Vermehrung des eigenen Vermögens. Und verbrauchen dabei Unmengen an Strom. Daher wird inzwischen auch drüber nachgedacht, ob Bitcoins wirklich so umweltfreundlich sind, wie es zuvor erscheinen mag. Sicherlich ist es menschlicher, PCs mit Grafikkarten nach Bitcoins “schürfen” zu lassen, als Kinder in afrikanischen Goldgräberminen oder auf asiatischen Schrotthaufen mit Quecksilber Gold zu waschen … aber so richtig überzeugend sind beide Lösungen nicht.

Warten. Im Innern vom Museum lasse ich mich an einen der fünf Stellen für den Test registrieren, erhalte den Kassenzettel und ein Aufkleber-Etikett und reihe mich in der Schlange vor dem Test-Zelt wieder ein. Im Austausch zum Klebeetikett erhalte ich ein Stäbchen in den Hals und gehe wieder. Die beiden Rumänen sehe ich nirgends mehr, weder in der Schlange zur Registration, noch in der vom Test-Zelt, noch in der Nähe der Schnecke.

Die Gruppe hat sich vergrößert. Jetzt sitzen an die neun Leute auf dem kalten Boden und quatschen miteinander. Ich schaue in den Himmel. Es braut sich etwas zusammen. Der Geruch von Schnee wird penetranter. Eine Flocke segelt auf mich zu.

Um Mitternacht versuchte ich es zum letzten Mal. Direkt nach der Wiedergabe des Film “Fantomas” mit Luis de Funes aus der ARD-Mediathek. Als der damals zum ersten Mal im ZDF lief, war ich noch quietschjung und fand den Film oberspannend und komplett lustig. Wiedersehen macht Freude. Wahrscheinlich kamen auch 50% meiner Lacher daher. Die anderen Fantomas-Filme warten noch aufs Streamen.

Morgens dann, nach dem Aufwachen, der erste Griff zum Smartphone und nach dem Abrufen bin ich noch immer in der Warte-Schleife. Gut Ding will Weile haben. Guten Wein trinkt man auch nicht direkt nach dem Abfüllen aus der Flasche. Okay. Beaujolais Primeur schon.

Auf der Arbeit war man über meine erneute Krankmeldung genau so begeistert wie am Tage zuvor. Wann ich denn vorhätte, wieder zur Arbeit zu kommen. Und dass ich am dritten Tage eine Krankschreibung benötigen würde. Die Schnelltests dort in meiner Abteilung waren bereits durchgeführt. Alle negativ. Warum sollte ich denn bitteschön positiv sein?

Der Guten-Morgen-Kaffee war wie ein Dunlop-Reifen: stark, schwarz und schaumig schön. Mit ein wenig Zucker erhielt er die richtige Süße. Mein innerer Motor startete und hinterließ nach dem ersten Schluck Gummi auf dem Asphalt des morgentlichen Daseins.

Ich malte mir aus, was es bedeuten würde, wenn der Fall der Fälle eintreten würde. Eine ganze Abteilung könnte dann sofort ins Wochenende abtreten. Ich konnte mir das mephistophelische Grinsen nicht verkneifen. Nur danach: Formulare, Formulare, Formulare von der Wiege bis zur Bahre. Jedes Grinsen hat seinen Preis.

Gegen Zehne zeigte mir das heruntergeladene Dokument noch immer nur eine Botschaft: Warten. Der vierte Espresso tröpfelt in meiner Tasse. Etwas Zucker und dann: genießen. Diesen Geschmack aus süßer Bitternis.

Zwischen zwei Kapiteln meines aktuellen Hörbuchs “Die Hungrigen und die Satten” versuchte ich es noch einmal: Seite aufrufen, Benutzername eingeben, PIN reintackern, den Button drücken und dann … das Telefon klingelte:

“Hast du schon dein Testergebnis?”

“Moment.”

“Ja?”

“Hm. N501Y“.

“Was?”

“Warte mal. Ich ruf dich gleich zurück. Warte, okay?”

Sire, geben Sie Gedanken …

»Schwingen. Ottoschwingen. Unser Dorf heißt Ottoschwingen. Nicht Wringen, also nicht Ottowringen. Im Dreiländereck von Oberbayern, Franken und Schwaben. Nördlich der Donau, südlich vom Großen Brombrachsee.«

»Ah, ja so, ja, okay. Verstanden. Sie als Bürgermeister von Ottoschwingen haben ein vollkommen, neues Konzept, wie Sie und ihr Ort auf die Corona-Krise reagieren wollen.«

»Ja, das haben wir. Wir wollen mit Schwung in den wirtschaftlichen Aufschwung. Eine win-win-Situation für jedermann. Und erst recht wirtschaftlich für Ottoschwingen.«

»Könnten Sie unseren Hörern am Radio ein wenig ihr Konzept erläutern. Wie sind Sie dazu gekommen?«

»Nun, in unserem Rat hatten wir die letzten Umfragen vorliegen.«

»Die Infratest-Umfrage vom 1. April?«

»Also wo da Leute andere 100% der Leute gefragt hatten, was sie meinen, was andere über die Corona-Krise meinen. 24% von den 100% waren der Meinung, die Maßnahmen auf sich selbst angewendet müssen nicht erweitert werden. 48% meinten, die Maßnahmen für die anderen sind noch nicht weit genug.«

»Und 24% gingen sie zu weit.«

»Was verständlich ist. Bekanntlich stecken sich die einen ja immer von den anderen an. Wenn somit jenen 24% die eigenen Maßnahmen für sich selber verringert würden, und diese dann auf die anderen 74% der Spreader umgelegt werden würden, dann wäre allen 100% geholfen.«

»Worin besteht nun ihr Konzept in Ottoschwingen?«

»Wir bauen ein komplett neues Open-Air-Sportcenter für unseren Ort.«

»Ein neues Stadion?«

»Mit Blick von der Haupttribüne auf das neue Impfcenter. Wir verkaufen dazu Dauerkarten. Dauerkartenbesitzer können 24 Stunden pro Tag Impfcenter Binge Watching betreiben.

»Impfcenter Binge Watching?«

»Auf die Menschen in den Impfschlangen. Eine spannende Sache. Man weiß nie, wie es weiter geht, wie die Menschen reagieren, wenn wieder ein Impfstoff ausfällt. Wir planen schräg gegenüber des Impfcenters ein Supermarktcenter mit angeschlossenem neuartigem Übernachtungscenter.«

»Ein Hotel?«

»Nun, geplant sind modernste, gestapelte Komfort-Schlafkabinen inklusiver selbst reinigender Nasszelle nach neusten, hygienischen Standards.«

»Neuste, hygienische Standards?«

»Sie könnten darin beispielsweise reihenweise Leprakranke und Pestkranke unterbringen, der nächste Übernachtende wird davon nichts bemerken. Weder gesundheitlich, noch anderswie. Alles wird picobello sein. Vorher, wie nachher. Excellence ist unser Standard. Der Gast steht an erster Stelle.«

»Mit welchen Gästen rechnen Sie denn?«

»Nun, wir werden überregional zu Demonstrationen einladen, um zum Anti-Corona-Demo-Zentrums Deutschlands zu werden. Auf dem Sportplatz vor der Haupttribüne können jene ihre Demonstrationen auf nächster Distanz vor dem Impfzentrum ausüben. Die Journalisten erhalten schlagsichere, mobile Reporterkabinen, um hautnah von den Demonstrationen weltweit berichten zu können.«

»Organisierte, überregionale Demos in Ottoschwingen?«

»Es wird auch ein Blockadetrainingscenter geben, in der Übungen für Blockadeschulungen vor dem Impfcenter trainiert werden. Schwerpunkt: “Wie verhindere ich gewaltfrei mit aller Macht, dass Menschen gechipt werden und nachher zur Zombieapokalypse der Impfindustrie erwachen”. Der Bedarf ist enorm, die Nachfrage vorhanden, wie wir auf anderen Corona-Demos erfahren konnten. Organisiert ist die halbe Miete zum Erfolg und für internationale Beachtung. Der brasilianische Samba konnte auch nur mittels des Samabdromos in Rio seinen weltweiten Siegeszug durchführen.«

»Wie bitte? Sie wollen Blockadeschulungen …«

»Ich als Bürgermeister muss betonen, dass Demonstranten für uns Menschen sind. Selbst, wenn es jetzt lediglich die breite gut situierte Mittelschicht der wütenden Freiberufler und Selbständigen sind. Aber die sind es nun mal. Und nicht irgendwelche daher gelaufene Linke mit Stangenzelte, die auf morastigen Wiesen campieren. Nein. Es sind in erster Linie Menschen. Ja, Menschen! Und genau so werden wir sie behandeln. Wie Menschen. Also als Kunden und Konsumenten. Darum wird es neben dem Blockadetrainingscenter auch ein Eroscenter geben.«

»Sie meinen einen Puff gegenüber dem Impfcenter?«

»Und weil heutzutage Sexualität und Glaube eng miteinander verbunden sind, weil viele glauben, dass Sex nun mal wichtig ist, haben wir dort um der Ecke ein Glaubenscenter geplant.«

»Eine Kirche?«

»Und zusätzlich für alle Glaubenscenter-Anhänger, ganz in der Nähe, dort hinten neben der neuen, modernen Polizeistation, also dort hinten, da gibt es gleich die angeschlossene, einmalige heilige Wunderquelle.«

»Eine Wunderquelle zwischen Kirche und Puff?«

»Das musste so sein. Auf Anordnung vom bischöflichen Ordinariat. Sonst hätten es beim Eroscenter nicht zugestimmt. Und unserem Ort wären Fördergelder der katholischen Kirche entgangen.«

»Es wurde also die Lage der aufzubauenden Kirche anhand des Standorts der Eroscenters bestimmt?«

»Nun, wie Sie wissen, sind in heutiger Zeit, Kirche und Sexualität eng untrennbar miteinander verwoben. Ohne Sex, keine Sünde. Ohne Sünde, keine Beichte. Ohne Beichte, keinen Beichtstuhl. Ohne Beichtstuhl, keine Kirche. Unser Dorf hätte dann somit einen arbeitslosen Theologen und seine gesamte Entourage durchzufüttern. Solche Kosten kann sich niemand leisten. Zusätzlich hinter der Kirche entsteht auch noch eine Schule unter Leitung und mit Fördermitteln der Kirche. Ist so vertraglich abgemacht.«

»Aber dort, wo die Wunderquelle geplant ist, da soll doch das Entsorgungscenter errichtet werden. Das hatte mir zumindest ihr Stellvertreter im Vorgespräch am Telefon erklärt.«

»Entsorgungscenter?«

»Fäkaliencenter. Öffentliches Klo. Also die noch aufzustellenden, blauen Toilettenhäuschen, die mobilen Toilettenhäuschen mit Sickergrube für die Kirch- und Puffgänger.«

»Hm. Echt? Dann ist aber Kacke mit den Wunderquellen … und mit unserem Aufschwung.«

»Ach, kommense. Drauf geschissen. Danke für das Interview. Und damit gebe ich wieder ab, zurück in die Sendeanstalt. Auf Wiederhören.«

Ars gratia artis, oder: ein Münchner Nachmittag

Ein Aperol, ein Königreich für einen Aperol! Ein Königreich von hier bis zur eingehaltenen eins fuffzig Abstandregel.

Und über allem die Sonne. Die Sonne des Südens. Blauer Himmel. Eiswürfel im durchsichtigen Plastikbecher. Gedeckelt, in der Mitte führt ein Strohhalm durch eine Öffnung zum Aperol.

Ein Strohhalm. Nicht etwa aus Stroh, sondern einer aus Plastik. Aus wahrhaftigem Plastik. Keiner von diesen ökologisch wertvollen Trinkhalmen, die es jetzt überall zum Cocktail dazu gibt. Jener neuen aus Bambus mittels Kunststoffkleber konstruierten Trinkhalmen. Sondern einer aus purem echten PE, Polyethylen. Wenn man sie anzündet, riechen sie nach Wachs, so wie es sich gehört.

Und jetzt herausragend aus einem Aperol bei einem Cocktails-to-go. Bei jenen Cocktails, mit denen die geschlossene Innengastronomie außen wirbt. Cocktails-to-go.

Cava?, hatte er gefragt.

Cava, hatte die Frau am Tisch vor dem Restaurant lächelnd geantwortet. Das Lächeln war die Offenbarung pur. Nur solch ein Lächeln sagte die Wahrhaftigkeit.

Cava. Aperol mit Cava. Und Spritz? Ja, natürlich mit Spritz. Aus feinstem Alpenwasser. Garantiert. Und nicht jenes 15,8° dH des Sendlinger Viertels. Sondern ehrliches Alpenwasser.

Gut. München hat das beste Trinkwasser aus dem Wasserhahn, unbestreitbar den besten Kraneburger Deutschland-weit. Aber ein Aperol mit 15,8° dH, das ist wie eine Espresso-Maschine mit einem Sieb, welches keine Abstimmung zwischen Lochgröße, Druck und Temperatur hat. Ein Touristenfang. Espresso für Arme.

Ein Aperol benötigt mindestens 21,2° dH. Nicht jene 15,8° dH. Jeder wahrhafte Italiener schwört auf den maßgeblichen Geschmack 21,2° dH. Selbst ein Espresso mit dieser Wasserhärte wird vom Genussmittel zum wahrhaften Erlebnis für jeden Feinschmeckergaumen. Mehr Sinnlichkeit ist kaum darstellbar. Ein Erlebnis wie ein Orgasmus für die Sinne.

Wer Norditaliens handverlesene In-Gastronomen kennt, der weiß um deren Aperol-Geheimnis. Jene schöpfen das passende Wasser aus einer speziellen, geheim gehaltenen Alpenregion, unweit des Dreiländerecks Schweiz, Lichtensteins und Österreichs. Also dort, wo unwissende Deutsche meinen, sie hätten das Paradies entdeckt, genau dort schöpfen die Eingeweihten das Wasser und importieren es unter Umgehung der zollrechtlichen Abfertigung im gefrorenen Zustand an die Tische der wohlig entspannten Toskana. Und gegen Bares im Umschlag auch in der nördlichsten Stadt mit italienischen Flair …

… nein, nicht jene Donau-gespaltene Stadt von Johann Adam Weishaupt, dem Gründer der Erleuchteten, jener Illuminaten, die von Aperol nicht den blassesten Hauch eines gesunden Wissens hatten, haben oder jemals haben werden …

… auch in der nördlichsten Stadt mit italienischen Flair war dieses orphische Know-How vorhanden. Und nur die Crème de la Crème der Hinzugehörigen wusste darum. Sie genoss es im Stillen zufrieden, während das Plebs angesichts rosa gefärbten Sekts bereits in Ektase und Urlaubsschwurblereien geriet. Selbst jene Weltstädte wie Berlin, Stuttgart, Köln, Hamburg und Münster waren hinter dem Wissen des Wissens her, aber liefen kontinuierlich ins Leere und imitierten Aperol-Rezepte für deren eigene Adepten.

Nun. Ganz extrem wurde diese Sehnsucht nach italienischem Flair in jener nördlichen italienischen Exklave unter weiß-blauen Himmelsdach im Februar 2020. Da war es besonders schlimm. Schlimmer noch als das berühmt berüchtigte Stangenfieber in deren Englischem Garten.

Nachforschungen der “Aperol-Società per la verità e la saggezza” musste resignierend konstatieren, dass es kein Restaurant in München mehr gab, welches Aperol auf deren Karten nicht anbot. Schlimmer noch, die ersten Döner-Buden boten sogar veganen Aperol zum Knofi-Zaziki-Falafel-Menü im Knusper-Weissbrotbrötchen an. Dubios anmutende mexikanische Burrito-Food- Anbieter folgten. Als dann sogar ein stadtbekannter Weißwurst-Verwurstler seine biologisch-dynamisch hergestellten Weißwürste mit vegetarischen Aperol aus kontrolliert veganen Raubbau mit naturidentischem Bayer-Düngemittel zu angeblich niedrigen Discount-Preisen auf bekanntem Hartz4-Niveau anbot, da war Gefahr im Verzug. Wenn schon die Schickeria ihren Porsche-Gourmet-Sinn gegen einen Daimler-Smart umtauscht, dann muss etwas faul sein. Mitlaufen ohne Denken kann nicht gut sein, auch nicht für eine gute Sache.

Es musste etwas getan werden. Die Weishaupt-Nachfolgeorganisation konnte nicht eingreifen. Sie war in einem staatlich angezetteltem Rechtsverfahren über Auspuffe verhaftet und musste deren Rechtsvertreter von USA über Stuttgart, München bis Wolfsburg voll beschäftigen.

In diesen Stunden der höchsten Not traf ein Abgesandter der Società auf einen Amerikaner in Schottland, der gerade versuchte, einen kleinen, weißen Golfball in ein etwas größeres, schwarzes Loch einzuputten. Anfangs war jener Amerikaner not amused, aber dann wurde der Pakt geschlossen. Auf Ruhm und Ehre. Klandestiner Ruhm und und noch mehr klandestine Ehre. Lunga vita alla patria plus München leuchtet und dazu noch America first. Nur so gelang der Società im Einklang mit der Schutzmacht Europas für amerikanische Produkte und Ideen, der unkontrollierten Ausbreitung einer Aperol-Mentalität auf unterstem Niveau zu verhindern. Ein voller Erfolg. Auf den Restaurantkarten gab es zwar noch Einträge, aber niemand konnte mehr diese bestellen.

Er sog an seinem Trinkhalm. Er spürte das Prickeln des Aperol Spitz. Die pure Erfrischung. Die Blicke der Vorbeigehenden registrierte er. Es waren neidvolle Blicke. Eindeutig. Neid musste man sich erarbeiten, Respekt gab es dann als Kleinod hinzu.

Er genoss diesen Moment der Unbeschwertheit. Die belebende Wirkung des Cavas, die 21,2° dH, die Bitternis des Zusatzstoffes, das Prickeln des Sodas. Alles war eins. Alles um ihn herum umgab ihn in wohligem Sein.

Die Sonne schien und wärmte den Frühling. Die Passanten, die ihn passierten, gaben ihn das Gefühl der Exklusivität. Ihre Blicke waren  neidvoll und bewundernd. Er fühlte sich als  Ausgewählter, als Kenner der Wahrheit, als Begünstigter seines Wissens. Und alle um ihn herum wussten nicht, was sie verpassten. Sie wussten nicht, was sie mit deren gewöhnlich trainierten Gaumen nie erfahren könnten. Würden sie wissen, wo man den Aperol bekommen könnte und wie er wirklich schmeckte, sie würden es selber erfahren können, wie erhaben er sich fühlte.

Die Sonne schien. Er fühlte sich wohl. Er schwebte. Wie ein Auserwählter. Einer der wahrlich Erleuchteten in der Masse jener, die nur einen Sonntag vor dem nächsten rigiden Lock-Down für deren niederen Intentionen nutzen wollten.

Die Sonne schien. Rot versank sie hinter dem Kirchturm Sendlings.

Er sog noch einmal am Trinkhalm. Ein Genuss mit 21,2° dH. Sowas gibt es nicht alle Tage, nördlich Italiens. Das kann nicht jeder haben. Das muss seitens jedem neidlos anerkannt werden.

Leer. Ein schwungvoller Wurf und der Becher landete im Mülleimer an der Ampel im Schatten des Kirchturms.