B: »Wie soll ich die den sehen, wenn ich nicht hinschauen soll?«
C: »D-d-du muss-mu-sst ja ni-ni-nicht hinscha-auen.«
A: »Die müssen nicht wissen, dass wir sie kennen.«
B: »Wer?«
C: »D-d-die bei-beiden.«
A: »Sie ist die Tochter vom Ewald seiner ersten. Und er der Sohn des Schwippschwagers der Frau, welche damals hier in der Lokalpresse war.«
C: »Weil-weil sie Hä-hä-hengste liebt und zü-hü-züchtete.«
B: »Tochter vom Ewald seiner ersten? War die nicht eng mit unserem Ottokar, Gott hab ihn selig? Sie soll ja in dessen Testament stehen, munkelt man.«
C: »W-w-war ein Hä-hä-hengst, der O-o-otto-kar. U-hu-und sie soll ne Hä-hä-hengstin im Be-hett s-sss-sein.«
B: »Im Bett? Das ist schamlos! Und dann ist sie hier? So eine ausgeschamte Person!«
A: »Warum sollte Ottokar auch wohl sonst einen Herzinfarkt erlitten haben, Gott hab ihn selig. Er war ja bekannt für seinen Bio-Tick. Manchmal können Bettgeschichten nun mal zum Boomerang werden.«
C: »Bu-bu-merang. Der war gut. Be-be-bett-Bu-hu-booster.«
B: »Booster? Im Bett? Klar, junges Blut tut gut. Absolut ehrlos diese Frau. Das die sich traut hier zum Leichenschmaus zu erscheinen. Und er?«
A: »Tja, er soll ihr sexuell hörig sein, hab ich gehört. Eine Freundin eines Bekannten, den ich noch damals auf der Schulabschlussfeier bei dessen´m Sohnes kennengelernt hatte, meinte ihn schon mal auf BDSM-Partys gesehen zu haben.«
C: »Iih, bääh! W-w-wie e-e-ekelhaft!«
B: »Ja, komplett moralisch am Abgrund, diese Welt! Allein der Gedanke daran … total pervers, die beiden. Kein Wunder, dass es Corona gibt. Vielleicht kommt dadurch die Jugend endlich wieder in die Spur und lernt was wahre Werte sind! Wie gut, dass Ottokar das jetzt nicht mehr miterleben muss, Gott hab ihn selig.«
C: »Ah-a-armer O-o-otto-kar.«
B: »Gott hab ihn seelig. Und wer ist der Haupterbe? Wer kriegt jetzt sein ganzes Vermögen? Ich müsste ja alles erhalten, bin ja schließlich die einzige Person mit Erbrecht, weil um zwei Ecken mit Ottokar, Gott hab ihn selig, verwandt, da sollte doch wohl alles für mich drin sein.«
A: »Wahrscheinlich aber diese Nutte hier! Sagte mir die Liesl, als der Sarg niedergelassen wurde. Die Liesl trifft es besonders hart. Seit ihr Mann von ihr gegangen ist, …«
B: »Gott hab ihn selig.«
A: »Nein, nein, der Arsch hat sie dauernd mit einer Jüngeren betrogen, wollte dann neues Frischfleisch und ist dann mit dessen Ergotherapeutin, einer Mittdreißigerin, nach Gran Canaria getürmt. Auf und davon.«
C: »U-hu-unglaub-l-l-lich!«
A: »Und jetzt ist die Liesl unschuldig alleinstehend und muss alle ihre Rechnungen selber bezahlen. Eigentlich hatte sie auf Ottokar gehofft. In den hatte sie sich bereits in der Grundschule verguckt, aber dann kam dieses Mistviech von Nutte und jetzt muss Liesl wahrscheinlich mit Hartz 4 planen …«
B: »Psscht! Da kommt einer von den beiden!«
Die beiden Kellnerinnen schauten die drei schwarz-gekleideten Personen an und bemerkten eine weitere Person, die sich schleichend auf den Weg zu denen begab. Die eine Kellner schüttelte den Kopf und meinte leise zu der anderen:
»Boah ey, wenn man die so reden hört, möchte man nur im Strahl kotzen! Voll socially awkward! Alte, das ist hier ne Beerdigung. Echt total cringe! Das sind die, vor der wir uns safe warnen müssen!«
»Ey, Taschaia, nuff said. Wir jobben nur hier. Undertaker sind andere. Ey, die Dipshit-Peter-Pan-Truppe da drüben, die sieht safe trocken aus. Bring denen mal paar Hard Seltzer, damit die wieder lächeln.«
»Jetzt geh doch mal zur Tante Erna rüber, nu mach schon.«
»Aber Onkel Heinrich labert die doch gerade zu.«
»Na und? Der ist doch nur hinter ihrem Geld her. Wenn du nicht jetzt rüber gehst und mit ihr Small Talk betreibst, wird die ihn noch in ihrem Testament bedenken und dann ist das ganze schöne Geld futsch.«
»Wir könnten auch einen Kredit aufnehmen.«
»Bist du verrückt? Verschulden? Während unsere Verwandtschaft wie Dagobert in Geld badet? Hast du Lack gesoffen? Das ist hier kein Leichenschmaus, sondern knallhartiger Beauty Contest. Erben läuft nicht von selbst, man muss auch was dafür tun. Leistungsprinzip, verstehste! Wenne nix tust, haste es auch nicht verdient!«
»Soll ich etwa den Halbhorst deshalb jetzt wegbunkern, oder was?«
»Ja, was denn sonst. Der geht bei ihr doch ab wie ein rotes Moped! Denk dran, wir müssen noch die Flyer und Kleber bezahlen, um all die Vollhorste aufzuklären, dass Impfen und Boostern Gefahr für Leib und Leben bedeuten kann und das wir Spenden auf unser Konto brauchen, im Kampf gegen Impfidioten und für Aufklärung.«
»Ich denk ja schon an nichts anderes.«
»Und du hast doch seit gestern den positiven PCR-Test erhalten, dann kannste auch zur Tante Erna rüber. Sei mal cool mit denen dort. Yallah!«
»Nur Alphakevins hier, walla.«
»Und Onkel Eduard. Bei dem Elch stehen wir doch garantiert im Testament. Solchen Boomern weint doch eh keiner mehr ne Träne nach. So wie die leben. Die mit ihren SUVs, monatlichen Flugreisen und Kreuzfahrten. Das sind doch die, die unser Klima versauen. Die haben schon genug auf unsere Kosten gelebt und verprassen unsere Zukunft und Geld. Mitleid haben die nicht verdient. Alles stabil bei dir? Du schaffst das.«
»Naise. Da nicht für.«
»Also? Moment. Hab ich da gerade “boostern” gehört? Wollen die Boostern? Reden die Boomer über Boostern? Wollen die etwa noch ewig leben? Solche Azzlacks! Da krieg ich Schnitzelpanik! Du musst sofort dazwischen!«
»Mach ich. Ahem. Und was sag ich?«
»Erst umarmen, intensiv abbusseln, Beileid wünschen und dann sagen, dass Onkel Otto eh nie skin positiv war und das hat ihn dahingerafft. Dann kriegen die alle Schnappatmung und du musst nur überlegen tief ausatmen. Beeil dich, da kommt auch Billo-Opa Rainer, der hat ne Finca auf Mallorca und ein Haus in Schwabing, ich steh auf seiner Erben-Liste! Mach! Denk dran, wenn wir fertig sind, dann zusammen Netflix und chill.«
»On fleek. Auf uns und unsere baldige Gönnjamin-Zeit. Chabos wissen, wer der Babo ist.«
»Eben, you’ve got the drip!«
»Covid-XOXO!«
Die beiden Kellner schauten dem Ehepaar zu, als einer davon sich schleichend auf den Weg zu der in schwarz-gekleideten Personengruppe machte. Der eine Kellner schüttelte den Kopf und meinte leise zum anderen:
»Ehrlich? Und ich dachte unsere Jugend wäre so. Es ist wohl doch die Generation, vor der uns früher unsere Jugend immer gewarnt hatte.«
»Mach dir keinen Kopp. Wir müssen nur arbeiten hier, ist nicht unser Leichenschmaus. Lebbe geht weiter. Die Trauergruppe da drüben sieht trocken aus. Bring denen mal ein Tablett Prosecco, damit die wieder lächeln.«
[…] Neulich sah ich ein Haus. Es brannte. Am Dache
Leckte die Flamme. Ich ging hinzu und bemerkte
Dass noch Menschen drin waren. Ich trat in die Tür und rief ihnen
Zu, dass Feuer im Dach sei, sie also auffordernd
Schnell hinauszugehen. Aber die Leute
Schienen nicht eilig. Einer fragte mich
Während ihm schon die Hitze die Braue versengte
Wie es draußen denn sei, ob es auch nicht regne
Ob nicht doch Wind gehe, ob da ein anderes Haus sei
Und so noch einiges. Ohne zu antworten
Ging ich wieder hinaus. Diese, dachte ich
Müssen verbrennen, bevor sie zu fragen aufhören. Wirklich, Freunde
Wem der Boden noch nicht so heiß ist, dass er ihn lieber
Mit jedem andern vertauschte, als dass er da bliebe, dem
Habe ich nichts zu sagen. […]
aus “Das Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus”, Berthold Brecht, 1937
Joseph. Auf Deutsch: “Gott vermehre”. Im Rheinland nennt man diesen Vornamen auch Jupp, in Bayern Sepp und in Spanien Pep. Sprachgourmands fällt bereits auf Zwei “p”s im Vornamen kommt immer gut. Wie bei “Pömpel”, “poppen” oder “Papst”.
Aloisius (auf Deutsch: “ganz weise”) dagegen … in meiner Schule im Westfalenland hatte ich einen Mitschüler, der diesen Namen trug. Und alle – von Eltern über Pastor bis hin zum Lehrer – sprachen ihn “Alo-i-sius” aus. Knappe 600 km südlich beharren Eltern, Pastoren, Lehrer und Päpste darauf, dass dieser Vornamen “A-läu-si-us” ausgesprochen wird. Was will man auch machen in einem Bundesland, welches versucht sich die Zunge mit “Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid” zu verknoten, während der Westfale leicht angeödet lediglich ein “Rotkohl bleibt Rotkohl und Brautkleid bleibt Brautkleid” verkündet, um sich danach seine Zunge mit einem Pils und nem Korn zu verknoten. “Alo-i-sius” oder “A-läu-si-us”, das ist schon ein bedeutsamer Unterschied, so wie “Karneval” und “Fasching”. Oder “Knäppchen” und “Scherzerl”. Wichtig ist, um was es dabei im Eigentlichen geht.
Joseph Aloisius. So ein Vornamenkonvolut geht ratzfatz am Standesamt eingetragen und bleibt dem Jungen dann mal eben fünf Dutzend Jahre hängen. Unserm Joseph Aloisius Ratzinger. Unserm Joseph Aloisius, der Ursache für den Aufmacher mit den zwei “p”s: “Wir sind Papst”. Vergelt’s Gott.
Je mehr man sich mit den Verlauf der Geschichte des Papstes Benedikt XVI., unserm Joseph Aloisius Ratzinger, anschaut, so mehr habe ich den Eindruck es war immer schon ein Fangen-Spiel. Oder Fangerl-Spiel, wie der Bayer zu sagen pflegt. Und seine Ankündigung, die als Rücktritt aufgefasst wurde, erscheint mir eher dem Wort “Aus” (“Freio”, “Wupp”, “Haus”, “Klippo”), welches Kinder für einen Ort beim Fangenspiel (Greifen, Haschen, Nachlaufen, Fangkus etc.) ausrufen, an dem man “sicher” ist. Bei jener Ratzinger-Erklärung im Februar 2013 könnte man dessen zeitlichen Umfelds niederträchtiger weise die Züge eines gigantisch historischen Karnevalsstreichs unterstellen.
Jetzt sollte man wissen, dass unser bodenständige bayrische Sepp (“Holleri du dödel di diri diri dudel dö”) und gleichzeitig himmlischer Aloisius (“Wann krieg na i wos z’tringe? … Luhja! Sacklzementhalleluja! Luhja, sog i! Mei Lieber Luja!”) eine besondere Vergangenheit hat. Also noch eine speziellere als man dessen Vitae eh als besonders ansieht.
Was hat der Seppeli Aloisili gemein mit folgenden Personen? Franz Josef Strauß, Bruno Kreisky, Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher, Norbert Blüm, Jürgen Möllemann, Edmund Stoiber, Roman Herzog, Horst Seehofer, Markus Söder?
Na? Ihr grübelt noch? Dann noch ein paar Namen zusätzlich: Andreas Gabalier, Heino, Till Schweiger, Thomas Gottschalk, Aenne Burda, Vitali Klitschko und Wladimir Klitschko?
Immer noch nichts? Keine Idee, was alle verbindet? Keine göttliche Eingebung? Ausnahmsweise noch ein paar Namen: Werner Finck, Vicco von Bülow, Sir Peter Ustinov, Ephraim Kishon, Emil Steinberger, Rudi Carell, Hape Kerkeling, Michael “Bully” Herbig, Dieter Hallervorden?
Nun, die alle und noch viel mehr, wurden sie von der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla mit dem “Karl Valentin Orden” ausgezeichnet. Und der Ratzinger-Sepp hat ihn ebenfalls umgehängt bekommen (Foto). Der Grund? Seitens Ratzinger gab schon immer eine innere Verbindung zu Karl Valentin. Im Sommer 1948 ging er auf einer Pilgerfahrt nach Planegg zum Grab von Karl Valentin 15 km zu Fuß. Als er dann vierzig Jahre später seinen Ausspruch „Ich bin nicht befugt, aus dem Vaterunser ein Mutterunser zu machen“ tätigte, da war er fällig und die Münchner Faschingsgesellschaft fragte ihn, ob er den Orden haben wolle. Entgegengenommen hatte ihn während des Verleihungsfestakts allerdings Joseph Aloisius Ratzinger nicht persönlich, sondern seine Schwester Maria, welche dann auch Ratzingers Dankesredetext verlas. Darin erklärte er:
Eine närrische Ordnung, mit der wir uns selbst und die Ernsthaftigkeit der großen Welt verspotten, ist eine gute Sache. Und das ist auch der Grund, warum ich es gerne angenommen habe. Einige Leute haben Zweifel geäußert, ob das zu einem so seriösen Beruf wie dem meinen passt. Das scheint mir sehr gut zu passen, denn es ist bekannt, dass es das Privileg des Volkes ist, die Wahrheit sagen zu können. An den Höfen der alten Potentaten war der Hofnarr oft der Einzige, der sich den Luxus der Wahrheit LUXUS DER WAHRHEIT leisten konnte … Und da ich in meinem Beruf zufällig die WAHRHEIT sagen MUSS, bin ich sehr glücklich, nun in die Kategorie derer aufgenommen worden zu sein, die dieses Privileg genießen … „Wir sind Narren um Christi willen (1. Korinther 4:10)”.
Was hat der Valentin-Orden nun mit seinem Verzicht auf die Machtausübung als Papst zu tun?
Nun, am 11. Februar 2013 erklärte Ratzinger in seiner Rolle als Papst Benedikt XVI. seinen Verzicht auf das Regieren im Vatikanstaat für den 28. Februar.
Der 11. Februar 2013 war ein Rosenmontag. Es war der ROSENMONTAG, Rosenmontag, eine Fortsetzung der alten römischen Traditionen, in denen Sklaven und Diener für einen Tag zu Herren wurden, wo der klassische Topos der „Welt auf dem Kopf“ noch heute verwirklicht wird. Nebenbei: an einem Rosenmontag ist auch Karl Valentin 1948 (9. Februar) gestorben, zu dessen Grab Ratzinger 15 km zu Fuß hinging.
Ratzinger erklärte in einen seiner späteren Bücher, dass er sich nicht bewusst war, dass jener 11. Februar ein Rosenmontag war, obwohl er explizit zwei später die Liturgie zum Aschermittwoch geplant und durchgeführt hatte. Er meinte, er hätte das Datum auch gewählt, weil am 11. Februar 1858 gegen 11 Uhr 11 wohl die erste Lourdes-Erscheinung der 14-jährigen Bernadette Soubirous statt fand.
1858?
In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts fielen drei Straßenkarnevalsumzüge in Köln aufgrund staatlicher Restriktionen aus, zwei wurden gesplittet durchgeführt (weil sich die Jecken nicht auf einen großen Umzug einigen wollten) und die anderen beiden waren keiner Erwähnung wert. Erst 1858 wurde die Tradition des großen Straßenkarnevalsumzugs wieder durchgeführt, welche am Rosenmontag mit 34 Mottowagen, von Vier-, Sechs- und Achtspännern gezogen, umgesetzt wurde (… ob die Gäule danach im Rheinischen Sauerbraten Verwendung fanden ist nicht überliefert …). Mit dem Wieverfastelovend am 11. Februar 1858 um 11:11 Uhr begann der Kölsche Fasteleer.
Und am 11. Februar 1858 gegen 11:11 Uhr hatte Bernadette Soubirous ihre Vision. Natürlich in Lourdes und nicht in Köln. Seitdem gibt es dort Lourdes-Wasser In Kanister gegen teures Geld für Pilger, während Köln nur kostenloses Rhein-Wasser und Kölsch in Stangen zu bieten hat.
Interessant, welche Koinzidenzen es so in der Geschichte gibt. Das kann doch kein Zufall sein, da steckt sicherlich ein ganz großer Plan dahinter. Bill Gates kann es nicht sein, denn der wurde im Oktober geboren und Papst ist er auch nicht geworden. …
Nebenbei für die Historiker unter uns: in Bayern wäre an jenem Tag der “Unsinnige Donnerstag” gewesen, was die Bayern aber zu jener Zeit noch nicht wussten. Abends wurde in München am 11.Februar “Die heimliche Ehe” von Domenico Cimarosa zum zweiten Mal aufgeführt und alle schwelgten in Schöngeisterei. Tags zuvor veranstaltete der bayrische König Ludwig II. (ja genau, eben jener verrückte Neuschwanstein-Erbauer, welcher später im Starnberger See bei 20 Zentimeter Wasserhöhe ertrank) eine Schlittenfahrt mit einem Sechsspänner durch die Straßen Münchens, um mit seiner Gemahlin zu einem Abendessen zu gelangen.
Fasching selber wurde in München drei Tage später begangen. Als Künstlermaskenfest im ehemaligen Odeonssaal: eine italienischen Nacht im Beisein von König Ludwig II., mit dem damaligen “Prinz Carneval” (sic!) und als Höhepunkt dazu noch eine Depesche der Dresdener Künstler zum Lobe des bayrischen Königs.
Eine Verbindung zu den Visionen von Lourdes lässt sich bei allen Münchner Begebenheiten also getrost nicht feststellen. Luhja, sog i!
Zurück zu unserm Joseph Aloisius Ratzinger und seinem 11. Februar. Der 11. Februar, dieses Datum hat eine innere Verbindung, so schreiben Autor Seewald und Ratzinger in deren Buch “Letzte Gespräche” (2016; ISBN: 9783426276952; auch hier). Denn die Visionistin von Lourdes, jene Bernadette Soubirous starb am 18. April (1879; Gründonnerstag). Unser Ratzinger hat nun ebenfalls seinen Geburtstag an einem 18. April (1927; Ostermontag). Innere Verbindung.
So verbindet sich das eine mit dem anderen, das andere mit dem einem und alles mit allem, so dass Ratzinger seinen Ausspruch „Ich bin nicht befugt, aus dem Vaterunser ein Mutterunser zu machen“ tätigt und daher am 11. Februar seinen Abschiedsbrief mit zwei lateinischen Syntax-Fehlern veröffentlichte. Der katholische Teil des “Wir sind Papst”-Deutschlands hielt verstört in ihrem Helau und Alaaf inne und brachte stattdessen lediglich ein Feierbiest-trunkenes “Echt jetzt?” als Bäuerchen heraus.
Selbst von der BILD-Zeitung wird berichtet, dass sie es noch nicht mal schaffte, den naheliegenden Aufmacher “Wir Päpste treten zurück” in Schwarz-Rot-Gold zu bringen. Das wäre allerdings eh nicht so günstig gewesen, denn die Mainstream-BILDungsbüger-Leserschaft hätte einen solchen Aufmacher eh nicht verstanden. Stattdessen hätte sie ob der fehlenden Angabe der Richtung bloß ratlos auf die Buchstaben des Aufmachers gestiert, weil denen die Erklärung gefehlt hätte, gegen wen BILD mal wieder tritt.
Überhaupt ist die Geschichte vom angeblichen Rücktritt des Papstes Benedikt XVI. eh recht schwer verständlich, weil nach kanonischen Recht das Papsttum auf zwei Bereiche (munus und ministerium) sich erstreckt und er wohl nur einen Bereich aufgegeben hat. Oder einfacher, betriebswirtschaftlicher erklärt: das Papstamt umfasst CEO und COO. Der Ratzinger hatte wohl den COO-Bereich einfach abgegeben und den CEO behalten. Es könnte die Erklärung sein, weswegen der Kardinal Jorge Mario Bergoglio bei seinem Amtsantritt nur in Weiß erschien, statt sich in dem üblichen roten Papstroben gekleidet zu haben. Aber das ist nur eine herbeigeklaubte Vermutung, wie man sie nur an einem Donnerstag unsinnigerweise machen kann.
Egal. Fakt ist, der Papst war amtsmüde oder hatte keinen Bock mehr oder beides, und die kirchlichen katholischen Feierbiester mit Rang und Namen versammelten sich in der Sixtinischen Kapelle, um dort beim eintägigen Feiern den Zermonien-Meister Jorge zu inthronisieren. Früher wurden die Feierbiester dann auch schon mal zwei Jahre lang eingesperrt, wenn die sich nicht einigen konnten. Da war dann für diese Rock ’n Roller Feiern bei Wasser und Brot angesagt, im Jahre 1279. Sowas war damals in Rom noch machbar. Im Jahre 2013 waren die Hotelpreise für die Kardinal-Bedienstete in Rom erheblich höher, weswegen das ganze Abstimmen auch nur einen Tag lang dauerte. Man wollte ja nicht arm wie eine Kirchenmaus wieder in deren Kardinalshochburgen zurück kommen … .
Und was sagt uns das? Seit jenem Abend des 13. März 2013, noch kurz vorm Wetterbericht der Tagesschau, seit jener Zeitdürfen nun die Katholen an eine dreifaltige Gottheit (Vater, Sohn und Heiliger Geist) vertreten auf Erden durch ein zweifaltigem Papsttum (Sepp Loisl und Jorge) mit einfaltiger Einheit glauben. Einfaltig. Nicht einfältig. Also einfaltig eher so wie ein gefaltetes Blatt Papier.
Gefaltetes Papier. Wenn man gefaltetes Blatt Papier mit nem Locher stanzt, kriegt man doppelt so viel Konfetti, als wenn man es nur einfach stanzt. Dazu darf man dann aber auch nicht die Hände falten und beten, sonst wird das ganze private Konfetti-Stanzen richtig ineffektiv.
Und es wird wieder Zeit Konfetti zu stanzen. Der Elfte im Elften ist wieder eingetreten. Der Reigen beginnt erneut: Advent, Maria Empfängnis, Weihnachten, Wieverfastelovend, Rosenmontag und dann vielleicht wieder ein Rücktritt? Ratzinger war ja auch nur acht Jahre lang aktiver Papst. Warum sollte Jorge Mario Bergoglio in seiner Hauptrolle als Papst Franziskus es anders halten? Denn am Aschermittwoch soll doch alles vorbei sein. Warum auch nicht dann der jetzige päpstliche Fasteleer? Zumindest hätten dann der Seppl Loisl und der Jorge im März den dritten Mann auf Augenhöhe zum Skat spielen. Papst-Skat. Als Einsatz könnten die Einkünfte der “Brüder im Nebel” verwendet werden. Als Aschermittwoch-Spende. An darbende Personen im Vatikan. Überwiesen vom Kölner Erzbischof Kardinal Woelki, der während seiner geistlichen Auszeit sein volles Monatsgehalt von 13.700 Euro weiter erhält. Jene 13.700 Euro, die von den normalen deutschen Steuereinnahmen an ihn weiter geleitet werden.
Und in der Tradition, dass alle acht Jahre ein Papst zurück tritt, dann wäre in acht Jahren drauf auch Schafskopfen möglich. Das würde den Bayer Seppl Loisl erfreuen. Wäre doch mal ne Anregung, für ein wenig Äkschn im Vatikan.
In der Zwischenzeit lasst uns jetzt Konfetti-Stanzen. Ist ja offiziell wieder Karneval. Und der Wieverfastelovend ist ja nicht mehr weit. Genießen wir also solange das Schisma, solange es noch lebt …
Und es begab sich zu einer Zeit, als der Amtsinhaber seines Amtes überdrüssig wurde. Er wurde seines Amtes müde. Übermüde. So müde wie fast der Zuschauer beim Wort zum Sonntag jener müde werden kann, wenn Wetten-dass mal wieder vom Friedhof der Fernsehsendungen ausgebuddelt und als grandiose Leichenschau ausgestrahlt wurde. Und so wartete der Amtsinhaber Wetten-dass ab, wartete auf die Tagesthemen, hörte sich den Wetterbericht an, lauschte stumm der Ansagerstimme und verkündete dann die Weisheit.
Seinerzeit kam der Amtsmüde aus einem Land, in dem ab 62 für ihn beruflich Ende Gelände gewesen wäre. Nur, durch einen unglaublichen Schicksalsschlag, durch eine von der Vorhersehung unvorhergesehene Fügung, durch das unaussprechliche Wort seines angebeteten Gottes – ausgesprochen heiligerweis aber durch seinem eigenem Munde – musste der Weltenlauf in seiner Historie einen einschneidenden Moment erleben. Ein Momentum, was den Weltenlauf verändern sollte.
Dabei war die Grundlage der Weltenänderung doch so klar. Sie begründete auf den Elften im Elften eines jeden Jahres. Und nur der Heide unter den Heiden weiß nicht, was der Elfte im Elften eines jeden Jahres einläutet: das Sterben und die Auferstehung eines Sohnes eines Gottes. Direkt nach dem Wieverfastelovend. Dem Beginn des Straßenkarnevals. Der, der den Rosenmontag und den Aschermittwoch am Ende des karnevalistischen Umzuges mit dem Schlachtruf „De Zoch kütt“ folgt.
„De Zoch kütt“ ist nicht nur Warnruf im Straßenkarneval für “Kamelle”-sammelnde Kinder, sich nicht überfahren zu lassen, sondern auch der Hinweis für die Katholen, dass darauf am Aschermittwoch alles vorbei sein wird. Es muss nochmals ordentlich gesündigt worden sein, denn danach folgt die Buße per Fastenzeit mit anschließendem Palmsonntag, Karfreitag, Karsamstag und Ostern. Genauer gesagt, errechnet sich der Aschermittwoch aus dem Ostersonntag, welcher Tag auf den Umlauf des Mondes in Referenz zum Frühlingszeitpunkt und dessen Stellung in Relation zur Erde und zur Sonne beruht.
Oder volkstümlicher beschrieben: der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsanfang, der Tag ist der Ostersonntag. Seit nun fast 1700 Jahren ist das so. Die klassische Antwort auf die Frage vom westfälischen Lande im neumodischem Gewande: “Ich hab da noch ein paar alte Autoreifen und paar Kilo Landfolien vom Spargelanbau. Wann ist das Osterfeuer?”.
Wenn das Osterfeuer lodert und die Menschen andächtig in der schützenden Dunkelheit ihre Osterlieder – begleitet vom heimischen Blasorchester und Kirchenchor – wie bei “The Masked Singer” raushauen, dann schwingt die Seele gen Himmel und der CO2-Ausstoß des eigenen SUVs erscheint nicht mehr ganz so sträflich wie der, den das dem Christensohn gewidmete feuerliche CO2-Halleluja. Und ernsthaft: was macht schon den Unterschied zwischen einem deutschen Osterfeuer zur Abendstund im Verhältnis zu den täglichen brasilianischen Urwald-Rodungen. Genau, der Braten wird dadurch nicht fetter, wenn man hier 10.000 km entfernt mal ein paar Feuer zusätzlich anfacht.
Zurück zur angenehmeren Hinterlassenschaft der feierwütigen Gesellschaft. Also demjenigen, was alternative Medien nachdenkensweise seitenweis als unakzeptablen Hedonismus par excellence verteufeln. Verteufeln. Da sind wir gleich wieder bei der Kirche. Die sind die Experten in Sachen Teufel. Daher ist die Zeit vor Ostern auch eine ganz entscheidende. Denn da wurde eine edle Menschengestalt durch niedrigere Daseinsform mit verbrutzelten Engelsflügeln in Versuchung geführt. Dieser edlen Menschengestalt wurden SUV, Grundstücke, Aktien, Fliegzeuge und ultrakostbare Wertgestände angeboten. Diese Menschengestalt sollte sich – so liest man bei einem Zeitzeugen, der seine literarischen Ideen erheblich später in einem christlich-opportunistischem Buchverlag nach vorheriger Lektorierung und konstantinopolitanischer Geschmacksbewertung veröffentlicht bekommen hatte – also, jene semitisch-sektiererische Menschengestalt mit Passion zum Fabulieren ( – da hat er zumindest eine Basiseigenschaft mit mir gemein – ) hat drauf bestanden, dass jene verteufelte Zeit eine Fastenzeit über 40 Tage gewesen wäre. Worauf die nachfolgenden Profanmathematiker des Klerus im Vatikan runtergerechnet hatten: erster Vollmond, davor der Sonntag, minus vierzig Tage, dann ein Mittwoch, davor der Montag, dann der Donnerstag, und somit war der Wieverfastelovend fürn Donnerstag bestimmt, dann der Montag als Rosenmontag und der Mittwoch als Aschermittwoch.
Das eine bedingt das andere. Ohne Wieverfastelovend kein Rosenmontag, ohne Rosenmontag kein Aschermittwoch. Und ohne ersten Vollmond kein Ostern. Helau und Alaaf.
Kompliziert? Zur Berechnung der Daten gibt es sogar eine mathematische Formel, welche den Wieverfastelovend exakt bestimmt und somit auch Ostern.
Lange Rede, wofür der ganze Palaver jetzt?
Ein Kleriker hat immer genau zwei zentrale Daten im Kopf: Weihnachten und Ostern. Weihnachten ist für Kleriker in Deutschland trivial: am 24. Dezember wird die Kirche verdunkelt und am 26. Dezember wird jubiliert, damit man am 26. den Stephanus steinigen kann. Wer dabei fehlt, der hat es zu beichten (bei den Katholen) oder zu bereuen (bei den Evangelen am Buss- und Bettag). Vergebung wird gewährt, gegen geeigneter Spende.
Ostern ist dahingehend ein wenig komplizierter. Es verlangt für klerikalistische Anwärter zumindest einen Mathematik-Abschluss beim Abitur zuzüglich des Großen Latinums. Sonst wird man nie Landesbischof. Oder gar Papst.
Papst.
Wir sind Papst.
So titelte eine harmlose Tageszeitung mit dicken Buchstaben eines Tages protzend auf Seite 1. Der Aufmacher des Jahrhunderts. Und niemand hat es der BILD-Zeitung übel genommen. Nicht mal der Papst. Im Mittelalter wäre allerdings der gesamte Axel-Springer-Verlag dafür wegen Häresie abgefackelt worden. Und nicht nur allein die Redaktion, sondern gleich der ganze Verlag. In den 60ern des letzten Jahrhunderts wurde eben dieses seitens der Staatsmacht eben noch verhindert. Dass dann im folgenden Jahrzehnt eine Günther-Walraff-under-cover-Aktion als Reportage als Buch über die BILD-Machenschaften berichtete und Deutschland ein wenig schockierte … geschenkt … der Sportteil war dafür absolut gut … und das Mädchen auf Seite 2 … obwohl, da waren Playboy und Co in deren fotografischen Darstellung erheblich detailgetreuer …
Was Bundestagsabgeordneten abgeht, das geht auch den deutschen Bischöfen und Kardinälen ab: der Mainstream in Form dessen prägnantesten Vertreter, die BILD-Zeitung. Warum sollten Klerikale etwas anderen glauben, was tagtäglich kritische Gegenmeinungen aus den Axel-Springer-Redaktionen von BILD, WELT, etc, als non-Mainstream-Nachrichten und somit als vertrauenswürdige Nachrichten und Influencer-Statements übernehmen. Da kann man auch locker einem Bodarg oder Whakdi oder Perger glauben schenken, wenn eben jene bei jenen Springer-Mainstreammedien abschreibend ohne Quellenangabe einfach mal so widergeben.
Wie bereits von mir dem Leser insgeheim geframt, die Katholen sind recht pünktlich und genau. Besonders, wenn es um Karneval gibt. Denn ohne Sünde, gibt es keine Reue, gibt es kein Fegefeuer, gibt es keinen Stuhl der Trilliarden Gottesgerechten zu Rechten Gottes. Zu wissen, wann die Fastenzeit beginnt, das ist essentiell. Gerade in Bayern errechnete sich daraus zudem der Beginn der vatikanisch erlaubten Starbierzeit in der Fastenzeit.
Und damit niemand verpasst, wann alles vorbei ist ( – richtig: Aschermittwoch – ) rechnen die Klerikalen penibel deren Kalender durch. Denn gerade nach dem vielen Alk und der vielen Vögelei im Karneval heißt es immer: Bedenke, dass du Staub bist und zu Staub zurück kehren wirst. Daraus wurde dann der populäre Satz: “Ich kann nichts. Ich bin nichts. Gib mir ne Uniform”, der in jeden der Kriegen für die Crash-Test-Dummies eines Landes als Leitsatz postuliert wurden. Der Satz ist eigentlich ein Zitat. Das Original im Holländischen las ich in den 90ern auf einer Wand am Grenzübergang zwischen Vaals und Vaalser Quartier im Aachener Bereich.
Klerikale wissen, wann Aschermittwoch als Beginn der Fastenzeit geschlagen hat. Wann sie das Aschenkreuz in der Kirche zu verteilen haben.
Erstaunlicherweise gibt es aber einen, der es wohl nicht weiß. Begründung? Wir reden hier über Klerikale. Nicht über Menschen mit unzureichendem Bildungshintergrund. Da muss man schon aufpassen, woll!
Eben.
Amen.
Langer Reder kurzer Sinn: Wir sind Papst!
Wolln wir das? Zudem das Blatt mit der Zielgruppe derer bildungsnahen, aber denkensfernen Leser es uns allen angeklebt hat, dieses “Wir sind Papst!”?
Lassen wir doch unsern Ratziger Karl, jenem Papst in Ruhestand reden.
Ratzinger? Ist der schon tot?
Nein. Der alte Holzmichel lebt noch. Und er bildet die unsichtbare Leitplanke seines Nachfolgers. Unsichtbar allerdings auch nur dann, solange der neue Papst Franziskus (seit dem 13. März 2013) in der Spur bleibt. Als Autofahrer schätzt man Leitplanken: sie verhindern einen potentiellen Vollschaden. Allerdings beschränken Leitplanken wie Sicherheitsgurte bekanntlich als auch nachweislich die Freiheit des Menschen. Das haben die Covid-Impfgegner bereits eindeutig nachgewiesen. Nur Deppen, die Häretiker und Ungläubigen, die brauchen noch Zeit, um dies zu verifizieren. Aber die saubere Darlegung der Beweiskette aus Annahmen, Unterstellungen und Glauben, das ist nicht hier das Thema. Zumindest, wenn es um Covid geht. Religion oder Glaubensüberzeugungen sind ein anderes Themengebiet.
Die Tür schob sich nach innen, ein Windstoß bewegte die Luft im Raum, ein Gast trat ein. Die anderen Gäste am Tresen schauten kurz auf und blickten darauf wieder auf ihre flache Kölsch-Schaumkrone in deren Stange.
Allein der Wirt stockte beim Kölsch-Stangen-Polieren und blickte fordernd den eintretenden Gast an. Der Gast bewegte sich auf den Tresen zu, ergriff sich routiniert den einzige leeren Stuhl, hockte sich drauf, nahm seine Maske ab und sprach die magischen vier Worte:
»Dun mer en Kölsch.«
»Früh, Reissdorf oder Päffgen?«
»Päffgen? Du hast Päffgen?«
»Und du schuldest hier noch drei fuffzich.«
Der Gast zog seine Geldbörse raus und legte dem Wirt einen 50iger auf den Tresen.
»Reicht das?«
»Päffgen ist aus. Reissdorf?«
»Okay, dann zwei.«
»Nimm Früh, kommt früher. Läuft besser.«
Der Nachbar schaute rüber.
»Na? Wette verloren?«
»Wie?«
»Beim letzten Mal war auf ihrem Kopf noch Vollhaar. Weiß, schütter und mittellang. Vormals alter grauhaariger, weißer Mann. Jetzt Glatzköpfiger aus dem Sonnenstudio.«
»Werter Gast«, unterbrach der Wirt und schaute den neu hinzugekommenen Gast an, »ich benötige noch ne Antwort auf dringende Bewirtungsfragen.«
»Akzeptiert. Du darfst mein Glas spülen.«
»Status?«
»Ich gehöre zu den Drei-Jott.«
»Drei Jott?«
»Jeimpft, jenesen und jetestet.«
»Aja?«
»Ich bin jenesen.«
»Nachweis?«
»Schau auf mein schütterndes Haar. Kann diese Glatze lügen?«
Der Wirt schaute ihm auf seine glänzende Billardkugel.
»Aha. Das Äußere deiner Gesinnung haste nu also haarklein angepasst? Balastbefreit?«
»Wie meinen?«
»Du Skinhead. Du Undemokrat.«
»Okay. Und was soll das jetzt darstellen?«
»Haarspalter mit rechtsextremen Argumenten. Spalter von Haaren. Auch mit ner Axt auf fremden Köpfen, wie für Patrioten üblich.«
»Na. Wir wollen doch nicht hier am Tresen Haare spalten, oder?«
»Wenn sich kein Haar in meinen Kölsch-Stangen findet und Gäste wegen rotem Kölsch sich beschweren … also: welches J haste?«
»Die Welt hat letztens sich selber entlarvend berichtet, die haben sich demaskiert …«
»Die Welt ist Medien-Mainstream und Medien-Lügenpresse. Bild-Niveau. Extra Reichelt-tiefergelegt. Wie bei Fahrzeugen: tiefergelegt geht schneller und nimmt keine Rücksicht auf nachhaltige Argumentationen. Die WELT vor unserer Haustür halt. Also. Welches J?«
»Jones.«
»Aja.«
»Indiana Jones.«
»Willst sagen, du hasst Schlangen. Dann kannst du dich jetzt in der Test-Schlange zwei Straßen weiter einordnen. Mit nem positiven Negativ-Test kriegste auch ein Kölsch.«
Der Gast lehnte sich zum Wirt rüber:
»Das letzte Gespräch zwischen uns hängt dir wohl noch arg nach, oder?«
»Gespräch? War eher ein Monolog.«
»Ja, nee, is klar. Die Wahrheit schmerzt, nicht wahr?«
»Nein. Nicht die Wahrheit, sondern deine verblendete Dummheit.«
»Die Wahrheit findest du im Internet bei den alternativen Medien …«
»PI? Nachdenkseiten? Russia Today?«
»WELT. BILD und BILD-TV.«
Der Gast fixierte den Wirt, seine Stirnfalten verkündeten Blitze und Donner.
»Wenn du dich nicht im Internet bei vertrauenswürdigen Medien informieren willst, dann ist das deines Geistes Schwäche. Du solltest mal auf andere hören statt nur den Mainstream-Medien-Lügen. Im Internet findest du die Wahrheit. Unzensiert. Wenn sie nicht gerade auf Youtube oder Facebook oder Twitter zensiert wird, dann auf den Kanälen der alternativen Medien.«
»Wie ich bereits fragte: auf den Seiten von PI oder den Nachdenkseiten?«
»Bei Leuten, die Statistiken mit deren ureigenem Wissen privat, deswegen Respekt und Vertrauen verdienen, das eigene Wissen analysieren und die verblüffenden Ergebnisse dann veröffentlichen!«
»Ureigenes Wissen? Selbst analysiert? Ist das eine Qualifikation? Hört sich nach Selbst-Referenzialität an. Hofnarren-Onanie der eigenen, nach außen verschleierten Überzeugung.«
Der Gast strich sich über seine Glatte Glatze, griff in seine Tasche und tauschte den 50er mit nem 5er aus.
»Sorry, aber du bist mir zu dumm. An dir ist Hopfen und Malz verloren. Mainstream-Trottel. Informier dich mal. Die Einsfuffzich sind für dich, Trinkgeld, aber nicht gleich alles versaufen, okay. Investier das Trinkgeld in deine geistige Zukunft.«
Der Wirt ergriff den 5er und grinste:
»Den 5er nehm ich doch glatt. Jetzt weiß ich, warum du dir ne Glatze hast machen lassen.«
Der Gast blickte skeptisch zum Wirt auf.
»Mit Glatze kann der Gedanke frei fliegen. Ohne von Haaren in seiner Freiheit beschränkt zu sein.«
»Ach ja? Und?«
»Kommt der Gedanke dann zu dir zurück, dann gehört er dir auf ewig. Nur, das wird nie passieren. Gedanken haben auch ihren Stolz. Denn du hast nur Käfige für deine Gedanken.«
Der Gast donnerte seine Faust auf den Tresen.
»Nur weil ich jetzt ein Glatzköpfiger bin, …«
Der Wirt unterbrach ihn: »Speakers room hinten rechts. Für alle, die glauben, dass hier eine Meinungszensur herrscht, Speakers-Room hinten rechts. Freier Zutritt nur für Bekloppte.«
»Nur weil ich Glatzköpfiger bin, …«
»Rasierstube ist zwei Straßen weiter rechts bei den türkischen Friseuren für die Generation U30.«
Der Gast erhob sich wortlos von seinem Hocker und schritt auf die Ausgangstür zu.
Der Wirt schaute in die Tresenrunde und fragte:
»Jemand noch ein Kölsch nach der 3-J-Regel?«
Einer hob seine Stange, dem Wirt zuwinkend:
»Hauptsach joot, jerad und jenau, dann passt et scho. Hauptsach drei-Jot.«
Er brabbelte vor sich hin. Nicht laut, aber störend.
“Hey, kannste mal damit aufhören, hier rumzubrabbeln?”
Er starrte mich verwundert an. Wahrscheinlich schon im Delirium Tremens. Ich seufzte und wollte mir gerade das nächste Kölsch bestellen, als er spontan loslegte
“Ich lass mir nichts verbieten!”
Vorsichtig entgegnete ich: “Was bitte?”
“Ich’s bin’s nicht gewesen.”
“Ja?”
“Die anderen war’s.”
“Sie meinen Türkenhochzeiten? Oder Oma-Geburtstag? Motorrad im Hühnerstall?”
“Bürschchen, halt die Klappe.”
“Wie bitte?”
“Das ist momentan normal. Außer Verboten fällt denen nix ein.”
“Verbote? Wem?”
“Ich kenn keinen, den es in Wirklichkeit erwischt hat.”
“Okay …”
“Also wird es wohl nicht so schlimm sein.”
“Und?”
“Mich trifft’s nicht.”
“Echt?”
“Alles übertrieben. Total übertrieben.”
“Hm, warum?”
“Das ist wissenschaftlich nicht eindeutig erwiesen. Und irgendeiner hat’s in die Welt gesetzt, um mich zu unterdrücken. Great Resett. Weiß doch jeder!”
“Ähem, weiß wer?”
“Das Ganze ist lediglich ein primitives Machtinstrument. Ein Spiel der Herrschenden!”
“Ein Machtinstrument?”
“Die da oben gegen uns da unten! Mit Fake-News der Mainstream-Medien wie BILD, EXPRESS und so. Hör mal! Ich hab keinen Bock auf Verzicht!”
“Was?”
“Ich selber hab ein Recht, durch die Welt zu fliegen. Ein natürliches Anrecht auf meine Freiheit! Steht auch im Grundgesetz.”
“Freiheit?”
“Jawohl, meine demokratische Freiheit ist wichtiger als irgend so ein Live time-Fußabdruck für paar Dagegen-Fuzies.”
“Fußabdruck? “
“Hömma, wir reden bekanntermaßen von einer Erfahrungsdimension, von vielleicht jetzt knapp ein Dutzend Monaten.”
“Okay. Erfahrungsdimension?”
“Hey, ein Wandel wird nichts sein, worauf man dann nach paar Monaten Einschränkung keinen Bock mehr hat. Das macht pessimistisch.”
“Dass die Menschheit das hinkriegt? Moment. Erklär mir mal: Worüber hast du gerade geredet? Über Corona an sich? Oder über den Klimawandel generell?”
Ein erneutes Match Mensch gegen Virus. Über vierzehn 24-Stunden-Runden. Der Sieger wird durch das Absterben des anderen gekürt. Ein Remis wird es nicht geben. Kampf ums Überleben.
Was ist der Virus? Was ist der Mensch? Ein Raubtier, ein Karnivor, ein Prädator? Ein unbequemer Gast auf dieser Welt? Die Krone der Schöpfung? Eine mit roten Blutkörperchen vollgestopfte Mammalia gesteuert mit ADHS im Hirn? Ein Attentat der Natur auf sich selbst? Eine schlechte Laune der Natur? Ist der Mensch souverän? Ist der Mensch autonom?
Nach Karl Marx, haben Philosophen immer nur die Welt interpretiert: Veränderung war nicht deren Metier. Allein der Kinder wegen müsste die Welt verändert werden. Nur eine neue Realität, die will keiner. Alle wollen nur die alte Realität. Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich.
Und am besten ist, der Mensch partizipiert an der Situation. Die Besten sterben zuerst. Niemand will beim Sterben der Erste sein. Helden, sagt man, Helden sterben immer zuerst. Denn sonst wären es keine Helden. Und Helden sollen immer die anderen sein. Denn man selber hat gerade zu tun. Damit, beim Sterben nicht der Erste zu sein. Erster zu sein, das ist maximal im wirtschaftlichen Leben förderlich. Denn wer Erster ist, der kassiert die ganze Ziffer aus der Bruchrechnung. Und die besteht bekanntlich aus Nenner und Zähler. Die Nenner stehen oben, die Zahler unten und es wird alles gebrochen. Das, was dabei raus kommt, also das Wichtige dabei, das ist der Rest vor dem Komma. Diesen Rest gilt es zu bekommen. Zum Erreichen des Zieles tut es notfalls auch Bestechung.
Das Problem der Bestechung ist nicht das Ungewöhnliche oder das Verwerfliche. Denn eigentlich ist es ja das Normale. Das Ungewöhnliche ist vielmehr bei allen die vielfachen Fragezeichen hinter der Frage: Echt? Hat der so wenig genommen? War der wirklich so bescheiden? Es wird dann auch gar nicht mehr großartig verschleiert. Nein, verschleiern ist ja bekanntlich belügen.
Es wird einfach gemacht, durchgeführt, umgesetzt. Hauptsache, einträchtig einträgig. Immer als Beratertätigkeit abgerechnet. Ist eigentlich bewusst, dass das Justizministerium zur Erstellung von Gesetzen Beraterfirmen beauftragt? Und wenn das Gesetz später kassiert wird, ist die Tätigkeit bereits bezahlt. Und allenthalben erfüllt ein großräumiges Schweigen die enge Sprachlosigkeit darüber, dass sprachgewaltige Experten stumme Experten beauftragen, gemeinsames Experten-Know-How zu simulieren.
Show-Program for customers. Das Handgeschäft der Zauberer. Wenn allerdings echte, also wirkliche Experten komplizierte Sachverhalte einfach erklären, dann ist das Geschrei groß. Denn Zauberer erklären nie deren Tricks. Also ist einer, der erklärt, wie es geht, eben drum allen suspekt.
Denn wer schon alle Herr-der-Ringe-Film-Folgen und alle Avengers-Filme sich einverleibt hat, der gibt sich nicht mehr mit normalen Erklärungen zufrieden. Da ist dann zu wenig Chichi, zu wenig Krach-Bumm-Peng und zu wenig Dutzend tote Affen-Trinitäten. Die Realität ist zu ernüchternd. Und deswegen muss dagegen die eigene Stimme erhoben werde. Gegen die Experten, welche wirklich Ahnung haben. Denn wenn denen keiner widerspricht, dann könnte die Ahnung aufkommen, dass man selber erst recht keine Ahnung habe. Ich frag mich, für wie blöd halten eben solche ihre Mitmenschen eigentlich?
Richtig. Genau für so blöd, wie wir nun mal sind. Wissen ist Macht. Von Experten mit Wissen, davon war ja bei „Wissen ist Macht“ nie die Rede. Es geht darum, Meinung zu äußern. Auch gegen Expertenwissen. Und wenn jene Meinungen kein Gehör finden, dann ist es opportun von Meinungsdiktatur oder Meinungszensur zu reden. Wissen, das ist etwas ganz anderes.
“Ich weiß, dass ich nichts weiß”, sagte irgendwer im alten Griechenland, kurz bevor er den gereichten Schierlingsbecher leer trank
“Ich weiß nicht mehr, was ich gewusst habe”, sagte irgendwer im Mittelalter angesichts der Folterwerkzeuge, die ihm präsentiert wurden.
“Hehehe, mir sollte mal erst jemand beweisen, dass ich etwas gewusst habe”, sagen die Leute von heute, vertreten deren Ansichten felsenfest und pochen auf Meinungsfreiheit.
In der Politik wird immer fatal deutlicher, dass in der Corona-Angelegenheit nie eine einheitliche Linie bestand. Vor zwei Wochen drohte Merkel noch, dass sie sich das Ganze in Deutschland keine vierzehn Tage mehr anschauen und dann reagieren würde. Hat Sie inzwischen auch. Sie denkt jetzt nach. Über eine gemeinsame bundesweite Linie der Länder zur Corona-Frage. Als Physikerin weiß sie, dass die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten keine gerade Linie ist. Bewusst wird ihr allerdings wohl auch, dass momentan die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten eher eine unbestimmte amorphe Linie ist.
Und weil eine gerade einheitliche politische Gedankenlinie nicht existiert, wird sie halt erdacht. Von anderen. Vorsätzlich konstruiert. Wo bestimmte Leute ohne Hosen da stehen, gefällt es den Züchtigen nicht und sie dichten denen eine gestrenge Hosennaht als Linie an. Damit dazu deren eigenes Denken quer gelegt werden kann. Eine erdachte Linie wird als real existierend erklärt. Ansonsten würde dem eigenen Querdenken überhaupt eine Orientierung fehlen. Man müsste dann zugeben, dass man im Denken amorph nachzugeben hätte, um gedacht quer zur Regierungslinie zu kommen. Was im Grunde ein ganz unsympathischer Gedanke ist. Eine schwabbelige undefinierte Linie als Basis der eigenen Querdenkerei.
Bereits damals hatten schon immer die Eltern ihren Kindern versucht zu erklären, der Klügere gibt nach. Der Klügere gibt nach und stellt sich nicht in die Quere. Der Klügere gibt nach und gönnt dem Denken das Verquere. Nur, Nachgeben ist ja nur etwas für Schwächlinge. Also jene, denen eben jene Herr-der-Ringe-, DC- und die vielen Marvel-Filme nicht gewidmet worden waren und die die Q-Denker jahrelang begeistert konsumiert hatten.
Das Prinzip “Der Klügere gibt nach” ist dumm, weil dann alle, die sonst nichts zu sagen haben, das Sagen haben werden. Aber nicht die Klügeren. Was den Querdenkern nicht gefällt. Auch wenn es denen nicht auffällt. Oder sollte den Eltern mal recht gegeben werden, dass sie doch recht hatten und die eigene jugendliche Pubertät nichts als die reine Pubertät war? So etwas geht gar nicht. Schließlich erklären bereits Psychologen, dass die Pubertät immer auch die Verneinung der Prinzipien in sich vereint, welche Eltern den Pubertierenden vorhielten, um sie in deren jugendlichen Handlungen zu entmündigen. Oder wie heißt es so schön: wir sind die, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt hatten. Und womit? Mit vollstem Recht.
Aber das zu erkennen, würde bedeuten, dass Superman, die Hobbits und die Avengers in Ricks Café in Casablanca sich bei einem alten Cognac unter den Augen eines Kommandanten nie die üblichen Verdächtigen zur Brust nehmen würden. So sitzen sie einträglich mit deren Experten am gleichen Tisch und planen die nächsten Predigten für deren Gläubige. Die Bergpredigt über Thanos seinen Finger-Schnipp.
Es werden keine “Glorreichen Sieben” am Horizont zu meinem Kampf “Against all odds” auftauchen und mir helfen. Kein Avengers, kein Batman, keine Wonder Woman, kein Superman wird sich neben mir stellen. Allein.
Der Sauerstoffgehalt liegt bei 98%, Puls bei 79, Temperatur erhöht, leichter Husten, der Blutdruck wie immer zu hoch und das Konto für mein 14-Runden-Match noch gedeckt. Wie geschaffen für ein Duell mit einem Virus, der mit N501Y klassifiziert wird.
Los geht’s.
Lebe geht wieder.
Ich hasse die Wirklichkeit, aber es ist der einzige Ort, wo man ein gutes Steak bekommt. (Woody Allen)
Wie lange ist Warten? Ist Warten länger, wenn es kürzer dauert? Das ist natürlich eine schwachsinnige Frage. Zeit hat eine konstante Beschleunigung. Und zwar keine. Zeit steht für sich alleine. Wäre Zeit variabel, dann gäbe es keine Uhren.
Als in der Gegend von Manchester zur Zeiten des Manchester Kapitalismus festgestellt wurde, dass Terminlieferungen aufgrund unterschiedlicher Zeitdefinitionen nie zuverlässig funktionierten, da führten die Engländer Zeitzonen ein. So wurde einigermaßen sichergestellt, dass der 16-Uhr-Nachmittags-Tee immer von allen zur gleichen Unzeit begangen wurde. Okay, es ging nicht um “tea time”, sondern “just in time”-Lieferungen, aber egal. Prinzip ist Prinzip.
In Deutschland wurde darauf einerseits die kostenlose Zeitansage per Telefonnummer eingeführt, andererseits diente das Signal der “heute”-Sendung oder der “Tagesschau” immer zur genauen Kalibrierung der stoisch ungenauen Küchenuhr.
Mein Vater stellt immer die Uhr um fünf Minuten vor, nur um sicher zu gehen, dass alle nachher auch pünktlich waren. Später aber studierten zwei seiner Söhne, und aus den “nur-fünf-Minuten-zu-spät” wurde gleich eine akademische Verspätungsviertelstunde. Danach stellte er die Uhr immer passend zum “Tagesschau”-Gong. Er war “Tageschau”-Schauer. Der “Tagesschau”-Gong war seine zeitliche Orientierung. Das Zeitalter der Internet-Uhren und die damit einhergehende Reduzierung der analogen Signalübermittlungsverzögerung lernte er nicht mehr kennen.
Der Zettel vor mir sah aus wie ein Kassenzettel. Oder eher so einer, den man an Kassen erhält, wenn man seine Telefonkarte aufladen möchte. Benutzername plus PIN.
Warten. Jeder Versuch des Runterladens des Ergebnis resultierte in der Information, dass die Information noch nicht vorliegt. Eine gewissermaßen validierte Nullinformation.
Von dem Ernst der Lage erfuhr ich durch meine Kontaktperson. Den Beweis erhielt ich direkt auf mein Smartphone. Direkt meldete ich mich auf meiner Arbeit krank. Krank oder potentiell krank sind ernste Angelegenheiten, die über Tod und Leben entscheiden können. Seit dem Germanwings-Flug 9525 von Barcelona nach Düsseldorf, der für deren Passagiere nicht auf der Düsseldorfer Kö, sondern an einer Gebirgswand der Westalpen endete, wurde jedem Menschen blutig vor Augen geführt, dass kranke Menschen oder Menschen, die vor der Gefahr des krank-Werdens stehen, nicht mehr arbeiten sollten. Auch nicht bei leichtem Schnupfen oder zartem schleimigen Husten. Oder einem leichten Unwohlsein.
Wer vor 16 Uhr getestet wurde, sollte das Ergebnis noch am gleichen Tag erhalten. So stand es im Internet. Um Mitternacht gab ich es auf. Immer wieder war die Antwort ein Hinweis, dass Warten angesagt wäre.
Warten war auch vor dem Testzentrum angesagt. Trotz Terminvereinbarung reihte ich mich in eine zwanzig-Meter langen Schlange ein. Zwanzig Meter bedeutete hier 10 Leute vor mir. An Supermarkt-Kassen bedeuten momentan 10 Leute kaum 10 Meter, inklusive natürlich dem Ruf nach einer weiteren Kasse.
Zwei Rumänen vor mir fragten mich, ob ich Ihnen den Platz vor mir frei halten würde. Sie sahen am Ende des Platzes des Verkehrsmuseums eine riesige, putzige in Stein gehauene Schnecke. Sie wollten dort noch ein paar Selfies machen. Erst habe ich verneint. Jeder würde halt warten müssen und warum sollten die gerade ihre Selfies nicht auch nach dem Testen erledigen können. Die Schnecke würden denen schon nicht weggekrochen sein. Aber dann war es mir egal. Ich sagte denen zu, sie vor mir wieder rein zu lassen. Auf die zwei Minuten mehr Warten käme es auch nicht an. Mein Sterbedatum würde von den zwei Minuten nur unwesentlich bis gar nicht abhängen. Außer es würde mir der Himmel auf den Kopf fallen. Mein Blick nach oben zeigte den kalten, grauen April-Himmel. Es roch nach Schnee.
Die beiden verließen die Schlange in Richtung Schnecke. Unweit davon saß eine Gruppe Menschen zusammen. Vielleicht sechs, vielleicht sieben. Ein Hinzukommender wurde per Handschlag begrüßt. Nein, kein Alkohol, keine Musik, keine Feierei oder Party. Smalltalk in der Gruppe. Und wir hier in der Schlange. Wartend. Stumm. Schweigsam. Egal.
In der Schlange fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, die von mir zu Hause zuvor ausgefüllten Fragebögen mitzunehmen. Ärgerlich. Ich hatte diese extra mit der passenden Software am Rechner ausgefüllt, ausgedruckt, unterschrieben, auffällig an meiner Wohnungstür platziert und dann dort vergessen. Warum auch nicht. Hätte ich sie nicht so auffällig platziert, wahrscheinlich wäre mir aufgefallen, dass mir was fehlte … Meine kurz aufkommende Sorge, man würde mich ohne diese Fragebögen abweisen, verwies ich nach kurzem logischen Nachdenken ins Reich der Legenden. Die Basis für solch einen Test kann nicht das Besitzens eines Druckers sein. Wenn jemandem so etwas aufgefallen wäre, dann doch den Schnellmerkern der Querdenkern. Aber die hatte nie darauf hingewiesen. Cui bono? QED.
Nebenbei: Wer momentan Drucker kaufen will, wird überrascht sein. Es gibt nur noch wenige günstige. Falls überhaupt. Überall ist Home Office angesagt. Darum sind alle Drucker ausverkauft und die Druckerindustrie kann nicht mehr ausreichend liefern. Entweder sind die wenigen Billig-Drucker überteuert oder ausverkauft.
Es ist beileibe nicht die einzige Hardware auf dem Markt, welche momentan Mangelware ist. Preisgünstige Grafikkarten gibt es momentan auch nicht mehr. Wer eine sucht, um seine Videos zu bearbeiten oder um Spiele zu spielen, guckt bei schlecht gefüllter Börse in die Röhre. Aber das hängt nicht mit der Pandemie zusammen. Auch nur sekundär mit der Rohstoff-Krise am Weltmarkt, welche die Automobilindustrie momentan am Rande des Produktionsstopps treibt.
Es hängt mit den Bitcoin-Währungen zusammen. Viele der Grafikkarten werden inzwischen verwendet, um nach diesen Bitcoins zu “minen”. Das heißt, die Grafikkarten werden mit Rechenaufgaben (Algorithmen) beschäftigt, die immer wieder virtuelles Geld erzeugen. Wer genug Bitcoins geschürft hat, der hat die Kosten seiner Grafikkarten bald wieder raus. Rechner dienen somit der Vermehrung des eigenen Vermögens. Und verbrauchen dabei Unmengen an Strom. Daher wird inzwischen auch drüber nachgedacht, ob Bitcoins wirklich so umweltfreundlich sind, wie es zuvor erscheinen mag. Sicherlich ist es menschlicher, PCs mit Grafikkarten nach Bitcoins “schürfen” zu lassen, als Kinder in afrikanischen Goldgräberminen oder auf asiatischen Schrotthaufen mit Quecksilber Gold zu waschen … aber so richtig überzeugend sind beide Lösungen nicht.
Warten. Im Innern vom Museum lasse ich mich an einen der fünf Stellen für den Test registrieren, erhalte den Kassenzettel und ein Aufkleber-Etikett und reihe mich in der Schlange vor dem Test-Zelt wieder ein. Im Austausch zum Klebeetikett erhalte ich ein Stäbchen in den Hals und gehe wieder. Die beiden Rumänen sehe ich nirgends mehr, weder in der Schlange zur Registration, noch in der vom Test-Zelt, noch in der Nähe der Schnecke.
Die Gruppe hat sich vergrößert. Jetzt sitzen an die neun Leute auf dem kalten Boden und quatschen miteinander. Ich schaue in den Himmel. Es braut sich etwas zusammen. Der Geruch von Schnee wird penetranter. Eine Flocke segelt auf mich zu.
Um Mitternacht versuchte ich es zum letzten Mal. Direkt nach der Wiedergabe des Film “Fantomas” mit Luis de Funes aus der ARD-Mediathek. Als der damals zum ersten Mal im ZDF lief, war ich noch quietschjung und fand den Film oberspannend und komplett lustig. Wiedersehen macht Freude. Wahrscheinlich kamen auch 50% meiner Lacher daher. Die anderen Fantomas-Filme warten noch aufs Streamen.
Morgens dann, nach dem Aufwachen, der erste Griff zum Smartphone und nach dem Abrufen bin ich noch immer in der Warte-Schleife. Gut Ding will Weile haben. Guten Wein trinkt man auch nicht direkt nach dem Abfüllen aus der Flasche. Okay. Beaujolais Primeur schon.
Auf der Arbeit war man über meine erneute Krankmeldung genau so begeistert wie am Tage zuvor. Wann ich denn vorhätte, wieder zur Arbeit zu kommen. Und dass ich am dritten Tage eine Krankschreibung benötigen würde. Die Schnelltests dort in meiner Abteilung waren bereits durchgeführt. Alle negativ. Warum sollte ich denn bitteschön positiv sein?
Der Guten-Morgen-Kaffee war wie ein Dunlop-Reifen: stark, schwarz und schaumig schön. Mit ein wenig Zucker erhielt er die richtige Süße. Mein innerer Motor startete und hinterließ nach dem ersten Schluck Gummi auf dem Asphalt des morgentlichen Daseins.
Ich malte mir aus, was es bedeuten würde, wenn der Fall der Fälle eintreten würde. Eine ganze Abteilung könnte dann sofort ins Wochenende abtreten. Ich konnte mir das mephistophelische Grinsen nicht verkneifen. Nur danach: Formulare, Formulare, Formulare von der Wiege bis zur Bahre. Jedes Grinsen hat seinen Preis.
Gegen Zehne zeigte mir das heruntergeladene Dokument noch immer nur eine Botschaft: Warten. Der vierte Espresso tröpfelt in meiner Tasse. Etwas Zucker und dann: genießen. Diesen Geschmack aus süßer Bitternis.
Zwischen zwei Kapiteln meines aktuellen Hörbuchs “Die Hungrigen und die Satten” versuchte ich es noch einmal: Seite aufrufen, Benutzername eingeben, PIN reintackern, den Button drücken und dann … das Telefon klingelte:
“Hast du schon dein Testergebnis?”
“Moment.”
“Ja?”
“Hm. N501Y“.
“Was?”
“Warte mal. Ich ruf dich gleich zurück. Warte, okay?”
Jetzt sitz ich hier schon seit knapp zehn Minuten und warte auf den Abflug. Die lassen sich heute aber mächtig Zeit, nicht wahr.
Yep. Die haben die Ruhe weg.
Ich bin schon über 60, da hab‘ ich nicht mehr so viel davon übrig, da könnten die ruhig mal ein wenig hinne machen, nicht wahr.
Na, so schnell werden Sie doch wohl nicht sterben, hier am Gate. Zumindest gleich doch nicht.
Weiß man‘s?
Nö.
Na also. Mich nervt es regelmäßig, wenn jemand von diesen jungen Hüpfern sagt, machen Sie ruhig, lassen Sie sich Zeit, nur Geduld, und so. Haben die überhaupt ne Ahnung, worüber die reden?!
Ach, für solche ist alle Zeit ewig.
Dorian Grays der Neuzeit. So verschwenderisch, wie die mit der Lebenszeit anderer Mitmenschen umgehen, das ist ja nicht mehr normal. Das grenzt an vorsätzlicher Nötigung!
Hm. Oder an nötigenden Vorsatz.
Vorhin in der Lounge, … also, ich mein das, das, was vorher sich mal sich Lounge schimpfte …
Senator-Lounge?
Hon-Circle!
Nicht schlecht. War ich auch mal. Aber jetzt bin ich Platin-Card-Member. Dort werden Sie so richtig wertgeschätzt. So richtig in einem Special-Platin-Room. For Members only. Ich hab sogar den Pan-AM-Kugelschreiber in Gold. Eine Rarität als Special Gift for Special-Platin-Members.
Echt? Ich benötige noch vier Flüge, dann erhalte ich auch die Platin-Card. Vier Flüge noch.
Tja, dann werde ich Ihnen persönlich die Hand geben. Jetzt aber nur den Ellenbogengruß. Sie kommen gerade aus der Hon-Circle-Lounge?
Naja, was sich vorher so Lounge schimpfte. Was ich noch dazu erzählen wollte: also, da meinte doch diese Thai, das Service-Mädl in ihrem kackbraunen Lounge-Kostüm, ich solle doch meine Tasse wegräumen. Meinte die. Einfach so. Zu mir.
Ernsthaft? Hat die wirklich gemeint, Tassen als Gast jetzt selber wegzuräumen, wäre okay?
Ja. Echt jetzt. Hey, bin ich etwa Lounge-Jobber?
Das hätte die mal zu mir im Special-Platin-Room sagen sollen, die wäre gefeuert worden. Direkt. Von jetzt auf gleich. Nur schneller. Hat die denn wenigstens noch gelächelt? So als Thai, meine ich?
Ein wenig. Ich hab‘ der Thai gesagt: Mai Ling, habe ich gesagt, Mai Ling, das heißt nicht nur „Bitte“, sondern „Bitte, bitte“, so viel Zeit muss sein, nicht wahr. Und außerdem, habe ich ihr noch gesagt, und außerdem, Mai Ling, dafür wirste doch bezahlt dafür, Mai Ling, nicht wahr, fürs Wegräumen und Putzen, nicht wahr. Oder ist hier auch Servicewüste Deutschland, hab ich gefragt.
Und was meinte sie dazu?
Die wurde doch glatt pampig! Wegen Hygiene-Maßnahmen und Corona und so, meinte die, da soll jetzt jeder Passagier seine eigenen Sachen selber wegräumen.
Nicht wirklich jetzt, oder?
Und außerdem hieße sie nicht „Mai Ling“ sondern „Frau Sibenjürgen“, das stehe doch auf ihrem Namensschild. Ob ich nicht lesen könne, und ich solle sie gefälligst auch so ansprechen.
Typisch. Lounge-Besucher als Analphabeten zu bezeichnen, geht dreimal gar nicht.
Und wegen der Bezahlung, polterte sie noch, wegen der Bezahlung würde sie nicht arbeiten, weil, das wäre ein Hungerlohn. Allein die zusätzlichen Dinge wie vergünstigte Flugangebote und die Trinkgelder würden den Lohn aufwerten.
Echt? So etwas nehmen die sich inzwischen raus? Wirklich dreist! Der Hon-Circle scheint ja inzwischen recht runtergekommen zu sein. Günstig „Urlaub-machen“ wollen, aber dann noch Passagieren deren Geld aus der Tasche schnorren. Unglaublich.
Nicht wahr? Ich versuche schon meine vier Flüge vor zu verlegen. Diese Zustände im Hon-Circle sind unzumutbar. Ich habe zu ihr gesagt: Mai Ling, habe ich zu ihr gesagt, erstens habe ich den Pflicht-Negativ-CoVid-Test der Fluggesellschaft als Lizenz zum Fliegen, habe also kein Corona, und ob sie mir überhaupt einen aktuellen Negativ-Test von sich zeigen könnte, und zwar von heute?
Yep, ich wette, die testen sich erst gar nicht.
Und zweitens, es wäre mir egal, ob sie „Ziegenwürgen“ oder sonst wie hieße, sie solle mal gefälligst honorieren, dass ich überhaupt mit ihr spreche oder dass sie überhaupt den Job in der Lounge erhalten habe.
Es gibt genug Arbeitslose, die sich nach ihrem Job die zehn Finger lecken würden.
Von mir würde sie jetzt kein Trinkgeld erhalten. Dafür erwarte ich besseres Benehmen. Schlechte Kinderstube erfährt von mir keine Wertschätzung. Ihre Mutter solle sich mal für sie schämen.
Haben Sie sich wenigstens über sie beschwert?
Nein, keine Zeit. Musste zum Gate hier, wegen dem Abflug. Nur um dann zu erfahren, dass der Flug Verspätung hat. Im Hon-Circle sagt ja einem keiner was. Und Sie?
Hm. Ich wollte mal ein wenig die reale Welt am Gate kennen lernen. Weil immer nur Special-Platin-Room ist ein wenig zu abgeschottet. Wie in einem schönen Ballon mit Baldachin in der Dämmerung. Trotz den Cocktails und der Schmankerl. Man muss auch offen bleiben für die Welt, Sie verstehen?
Absolut. Immer nur Lounge, immer nur diese Begriffsstutzigen dort, die ihren Job nicht richtig verstehen wollen, das ist nicht wirklich die Realität dieser Welt. Da muss man mal raus, aus dieser Komfortzone, diesem Hon-Circle-Kokon und das Echte genießen, nicht wahr.
Wohin geht’s?
Athen. Verhandlungen. Hoffentlich streiken nicht wieder irgendwelche Piloten. Ich will pünktlich ankommen.
Corona, Piloten, Saftschubsen, Bodenpersonal, Streik. Etwas ist immer. Und dann versagt auch noch vielleicht irgendwo in einem Flugzeug irgendeine Board-Software und dann werden wieder Flüge gestrichen, weil die Fluggesellschaften nicht genug Fliegmaterial haben …
Ja. Leicht hat es nicht in diesen Tagen.
Das Leben wird immer härter. Meine Frau hat neulich die Scheidung eingereicht.
Mein Beileid.
Ach, nicht wirklich tragisch. Sie ist mit einem dieser Millennials der Generation Y liiert.
Generation Yps?
Nein, Generation Y. Also nicht wegen dem damaligen Comic-Heft, sondern das Wort wird englisch ausgesprochen: Why. Weil die jener Generation halt immer so viel fragen.
So einen hat sie sich an Land gezogen?
Yep, Baujahr der 80er/90er. Die stehen ja auf Milfs. Hatte den bereits ein halbes Jahr zuvor zufällig ohne ihr Wissen entdeckt. Nun ja. Aber jetzt, jetzt kann ich endlich mit meiner Freundin ganz offiziell auf Empfänge und in die Clubs oder so.
Clubleben und Empfänge? Ist das alles durch den Lockdown nicht weggebrochen?
Aber sicher gibt’s das noch. Im Platin-Member-Circle haben wir für so etwas eine Anlaufstelle, eine Adresse im Darknet. Da tauschen wir immer unsere aktuellsten Termine für so etwas aus. Wir haben das, wo von andere momentan nur träumen: Spass.
Wie letztens an Silvester in der Bretagne?
Musste ich leider absagen, wegen meiner Scheidungssache. Ich mein, sein wir doch mal ehrlich, keiner will diesen Lockdown, auch wenn er nötig ist. Niemand hier will ihn wirklich. Der Mensch ist ein Gesellschaftstier. Und wenn man, wie ich, auf die 70 zugeht, dann freut man sich über jede bessere Gesellschaft, die man noch bekommen kann.
Keine Angst vor CoVid-Ansteckung?
Iwo. Ich bin der Älteste in unserem Kreis.
Das ist gut, denn die jungen Hüpfer haben weniger Covid-Probleme als Boomer, nicht wahr.
Richtig. In unserem Kreis sind alle in etwa so alt wie meine Freundin, so U45. Also keine dieser alten, grauhaarigen, weißen Männer.
Das ist schön.
Wir sind alle ganz normal, haben auch paar Diverse und auch Colour of People im Kreis. Die Freundin meiner Freundin ist beispielsweise eine junge Brasilianerin aus Sansibar. Ihre Mutter war Deutsche.
Beneidenswert. Meine Frau hätte da was dagegen. Die ist eifersüchtig wie Hölle. Einmal falsch geblickt, schon habe ich ein schlechtes Wochenende. Da sind die Zustände in der Lounge im Vergleich dazu fast schon wieder paradiesisch zu nennen, nicht wahr. Sie kennen sich ja recht gut in Sachen Generationen aus.
Naja, in meiner Branche und im Leben haben Kenntnisse noch nie geschadet. Wussten Sie, dass die meisten Corona-Verschwörungstheoretiker aus der Generation X kommen? Direkt noch vor den Baby-Boomern. Generation X ist die Nachfolgegeneration der Boomer und hat den Ruf, immer vordergründig unabhängig von den Medien und deren Werbung sein zu wollen. “Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom” war deren Slogan, damals in den 90ern.
Ich erinnere mich. Nein, ich erinnere mich nicht wirklich gerne an die.
Und auf der Generation X folgten die Millennials, die Generation Y, welche sich über den Streit zwischen Generation X und Boomer lustig machten, und gleichzeitig alles von denen hinterfragten. Eigentlich eine ganz vernünftige Generation, wenn Sie mich fragen. Weil die haben wenigstens noch das hedonistische Element mit einem gesunden Schuss Narzissmus in sich kultiviert.
Und die findet ihre Frau so toll, weil die auf Milfs stehen?
Scheidung, mein Bester, Scheidung hat immer was Gutes. Zum Beispiel ist jetzt der Euro wieder das Doppelte wert. Und der neue Platz im Haus für mich. Unbezahlbar. Habe mir letztens ein paar antike Amphoren aus der Türkei ins Haus gestellt.
Antike Amphoren aus der Türkei?
Original. Sorgfältig ausgegraben und vorsichtig gehändelt. 1a Handarbeit. 1a Antik.
Und? Selbst importiert?
Iwo. Darknet. Alles Darknet. Offiziell kriegt man sowas doch gar nicht. Einfach per Gepäck einführen, das gäbe nur Ärger mit den Behörden, obwohl es ansonsten hier doch jedem völlig egal ist. Außer dieser ‚jedem‘ kann es sich nicht leisten, dann ist das Geschrei groß. Dann kommt der Shit-Storm.
Ich sag nur Neidkultur.
Das können Sie aber mal laut sagen.
NEIDKULTUR!
Nu schreien Sie doch nicht so. Muss doch keiner wissen. Gibt nur Ärger.
Irgendwie ist das Gate recht verwaist.
Hm. Ob der Flug abgesagt wurde? Können Sie lesen was da steht?
Moment, ich muss meine Brille rausholen, ich seh nichts.
Und?
Verlegt zu Gate 12.
Gate 12? Am anderen Ende des Terminals?
Andere Möglichkeit gibt es nicht.
Doch.In drei Stunden geht von diesem Gate der nächste Flieger nach Athen. Lassen Sie uns umbuchen.
Umbuchen?
Ich lad sie in unseren Special-Platin-Room ein, weil Sie’s sind. Bis zum nächsten Flug können wir uns bei Cocktails und Snacks die Zeit vertreiben. Ich zeig Ihnen dann auch ein wenig vom Darknet. Besser als Parship und Tinder. Alle 10 Minuten treffen Sie im Darknet interessante Kontakte. Für jede Vorliebe. Zudem wird sicherlich noch die Bedienung Susanne anwesend sein.
Nettes Mädl?
Gute Kinderstube. Das wird entspannend. Kommen Sie schon, buchen Sie um. Nehmen Sie sich die Zeit, so schnell werden Sie doch wohl nicht sterben, als dass Sie dazu keine Zeit hätten. Fliegen können wir noch immer. Echte Geschäfte sind zeitlos. Selbst in Athen. Und? Wie wär’s? Ist das nicht ein faires Angebot? Die Welt ist ein schönerer Ort im Special-Platin-Room. Los! Auf, auf und weg von hier!
Liebe Närrinnen und Narren und Narrhalesen, sehr verehrte Faschingsmuffel und Faschingsmuffelinnen, liebe geneigte Mitleser*Innen.
Ich befinde mich hier gerade mitten in der Münchner Innenstadt.
Heute feiert die “Narrhalla München Eeh Vau” ihren jährlichen Faschingsumzug. Dazu muss ich mal kurz allen Faschingsmuffel und Faschingsmuffelinnen, den andren Hiatakinda und Zuagroast*Innen erklären: Ja, es heißt hier nicht Karneval, noi, das heißt hier Fasching. Und ihr rheinisch- und preußischen-abstammenden Mitmenschen, euch sei gesagt, “Fastelovend” kenn ma hier net, nich woar. Und “Fasteleer” bezeichnet bei uns in Bayern maximal den Zustand eines fast in einem Zug ge-exten Bierfasserls, woll. Und für dieses “Mai san mia mia” wird Bayern ja auch so geliebt. Nicht nur in der Bundesliga.
Nachdem das jetzt mal geklärt ist und ich jetzt wahrscheinlich 98% der Fußballfans nicht mehr auf meiner Seite am Lesen habe, … ich steh hier auf dem berühmten Münchner Marienplatz, live und livehaftig, da wo der Bayern München demonstrativ den 1860iger Fans fast jedes Jahr mit der Meisterschale und anderem Fußballgold zuwinkt … und wieder 1% weniger Leser …
Es herrscht hier ausgelassene Stimmung bei diesem einmaligen Narrhalla-Umzug. Die Bundesregierung hat auf starkem Zuspruch von Söder und Bayrischer Co.KG – also der Bayrischen CSU-Ordnung mit derer KoalitionsGemeinschaft aus “Aiwanger undsoweiter-unbedeutend-zu-erwähnen” – den Marienplatz per Corona-Verordnung großzügig räumen lassen, damit keinem die Sicht auf das Faschingstreiben genommen wird. Das Publikum ist bereits – wie immer in München – geil, gamsig und hosad. Übersetzen werde ich das nicht, außer Sie schicken mir eine Kopie Ihres Persos oder Ihres Bayrische-Staatshinzugehörigkeit-Ausweis zu, damit Sie die Ü18-Verifikation bei mir bestehen.
Wie gesagt, es herrscht tollste Stimmung. In einer Ecke sieht man sogar zwei Faschingsgesellen, die sich als Straßenbettler verkleidet haben. Richtig real sehen die aus, mit Einkaufstüten als Hausstand zu deren Füß und trinken dort in aller Ruhe ihr Bier aus Flaschen. Ja – und auch das beherrscht der Münchner Fasching grandios – sie schunkeln! Corona-Regel-getreu schunkelt bei den beiden nur jeder zweite mit Abstand. Ja, so ist München. Immer einen Spaß auf der Kante und Bier überm Herzen, zum Gurgeln gegen böse Ansteckungsgefahren. Weitere wartende Zuschauer stehen auf dem Platz und haben lustige Schirmchen mitgebracht, was allerdings ein wenig die Aussicht auf deren phantasievoller Bekleidung erschwert. Das ist nicht so schön, aber was soll’s. Ist halt so. Jeder Jeck ist anders, gell. Hauptsache, Fasching is dahoam. Und dahoam is eh am gmiatlischsten und darum blaim ma ol dahoam und schaun uns an was auf uns zu kommt, woll.
Schaun mer mal, dann sehn mer scho.
Und wie wir sehn, wir sehn erstmal nüscht. Aber das kann sich noch ändern. Im Fasching ist alles möglich. Da steppt der Bär schneller als Söder in Berlin ist, woll. Zumindest lässt der Bär auf sich warten. Er ist noch in Berlin bei den Preußn, habe ich mir sagen lassen.
Zumindest ist der Marienplatz noch tropfnass von der nächtlichen Putz- und Wischaktion “München muss sauber bleiben”, so dass wir locker vom Marienplatz bis zur nächsten Baustelle blicken können. Und das ohne Fön-Wetterlage. Und das ist doch auch schon mal was, oder.
Also warten wir geduldig.
Wir warten.
Und in der Zwischenzeit bis dass der Zug kommt, ein wenig Werbung für Ongomoier und seine neuen Faschingskostüme:
Ongomoiers Faschingskostüme repräsentieren wie nichts auf dieser Welt, das was den Münchner Fasching ausmacht: Ehrlichkeit, Durchblick und Wahrhaftigkeit. Ongomoiers Faschingskostüme sind das wahre Nichts. Sie sind sogar nachhaltig, biologisch einwandfrei ohne Schadstoffe, biologisch abbaubar, waschmaschinentauglich bei 95 Grad und können auf jeder Münchner Schaber-Nackt-Faschingsparty, in jedem Swinger-Club und an jedem FKK-Strand getragen werden. Sie tragen nicht auf, sie fallen überhaupt nicht auf. Selbst politisch sind sie auf bayrischer Linie, sie sind das sündigste Nichts seit Adam und Eva. Ongomoier Faschingskostüme sind so wunderbar wie unsichtbar. Man gönnt sich ja sonst nichts, nicht. Diese Werbung zur Faschingszeit wurde Ihnen präsentiert von Ongomoier. Nichts ist schöner als nichts.
So.
Wieder zurück auf Sendung und wir warten auf den phantastischen “Narrhalla München Eeh Vau”-Faschingsumzug. Er soll außerordentlich bemerkenswert werden, so wurde mir aus gut unterrichteten Kreisen erzählt. Und ich muss Ihnen gestehen, ich stehe hier schon seit Stunden und sehe wie unermüdlich die Münchner Polizei mit ihren Polizeiwägen mit Bamberger Kennzeichen das Gelände des Faschingszugs umsorgt und absichert. Bislang gab es noch keine Verstöße gegen die allgemeine FFP2-Maskenpflicht und dem Abstandsgebot, wurde mir versichert.
Die Bayrische Bevölkerung hat ja die Bayrischen Hygienemaßnahmen sehr gut angenommen, wie bereits unermüdlich öffentlich Söder betont. Damit luegt Söder richtig. Denn nicht jeder hat 250 Euro (Verstoß gegen die Maskenpflicht) oder 500 Euro (Verstoß gegen die Ausgangssperre zwischen 21 Uhr und 5 Uhr) täglich zur freien Verfügung. Das Lob Söders über die Annahme der Bayrischen Verordnung durch die Bevölkerung gilt somit auch ausnahmslos und uneingeschränkt für die verantwortungsvolle Münchner Stadtbevölkerung, mit Index knapp um die 48 heute. Also auf Hunderttausend Menschen insgesamt, also nicht was Boomer oder grauhaarige, weiße Männer mit Faschingswitzen angeht, woll.
Der Zug lässt noch auf sich warten.
Moment! Ich höre gerade über meinen Kopfhörer, der Zug ist schon vorbei gezogen! Jawohl, liebe Närrinnen und Narren und Narrhalesen, sehr verehrte Faschingsmuffel und Faschingsmuffelinnen, liebe restlichen 1% der geneigten Mitleser*Innen aus dem Fanclub “Bayern München e.V.”, der Faschingszug ist vorhin bereits über den Marienplatz hinweg gefegt! Es war ein atemberaubender Zug mit viel klandestin verteilten Freibier, Weißwürscht, Leberkäs und Lutschbonbons. Ein Umzug verkleidet als echter Geisterzug, wie man ihn noch nie gesehen hatte! Wahnsinn! Eine gelungene Vorstellung des Umzugs. Waaahnsinn! Da können sich die Kölner und Düsseldorfer und auch die Mainzer Faschingstreibenden dicke Scheiben abschneiden. Ein wahrlich gelungener Umzug! Waaaahn-sinnnnn!
Es ist mir klar, dass das, was ich schreibe, immer auf der Kante genäht ist. Wahrheit ist immer eine Händewaschung eines Pontius Pilatus entfernt. Mit Trinkwasser. Nicht mit Klowasser. Ist zwar das Gleiche, aber diejenigen in den Dürreregionen werden so etwas eh nie verstehen.
Ein “Pro” zieht immer genügend “Contra” nach sich. Ein “Contra” begibt sich immer in die Sturmfluten eines “Pro”s. Und ein “Pro” war schon immer in den Wellenbergen des “Contra” ein Schiff ohne Kapitän und Sextanten. Von mir als konstruktive Kritik gemeinte Kommentare in diversen Bloggen, würden – weil unbequem und noch mehr unbequem – schon mehrfach als destruktiv und aversiv eingestuft. Weil die Blog-Owner es so lesen wollten, statt zu fragen, wenn sie Zweifel hatten. Entsprechend waren die Konsequenzen. Belegt mit einem Bann schmücken mich zweifelhaft diverse herausragende Blogs. Gefragt wurde nie von deren Schreiberlingen, was ich meinte. Reagiert wurde lediglich auf deren eigene Befindlichkeit.
Nie ist ein “Pro”-Anhänger damit zufrieden, worüber ein “Contra”-Adept sich in Applaus überschlagen würde. Und umgekehrt. Wenn sich ein Schlager-Adept dazu entschließt, hinsichtlich einer Begebenheit eine von anderen als seltsam empfundene Meinung zu vertreten, dann ist das erst einmal nichts ungewöhnliches. Wenn aber dann ein Sponsor eines jenen sich von eben jenen zurückzieht, dann wird gleich mit dem Begriff “Zensur” gekartet. Denn der Sponsor entzieht jenem die Gelder, die jener vorher erhalten sollte. Der Sponsor fühlt sich nicht mehr von jenem vertreten und entzieht ihm dessen finanzielle Zuwendung. Kein gleiches Ziel ergibt keine gleiche Loyalität per zuvor gemeinsam geschlossenen Vertrag.
Wenn sich ein Ehepaar bei deren Heirat auf Treue vereinbart hat und dann einer der beiden Ehe-Unterzeichnenden später diesen Begriff der “Treue” anders interpretiert, dann ist also die neue Interpretation unadaptiert. Und beide können ihre Ansichten über die Divergenz derer Ziele äußern. Nur wenn beide nicht die gleichen Sprachrohre habe, ist das ungerecht? Haben dann beide sich selbst überhaupt gemeinsam verstanden?
Ist es ein Fall für den Begriff “Zensur”, wenn der eine Mensch seine Interpretation von “Leben” und “Treue” erklärt, und der andere Mensch sich auf gesellschaftlich mehrheitliche Konventionen beruft? Wenn der eine sich auf den Begriff “Wandlung” beruft, der andere Mensch sich auf das „Wort “Loyalität” beruft? Und beide damit deren eigenes Verständnis von “Treue” meinen? Und somit die Abweichung als “Untreue” bezeichnen? Und die geäußerte und untersagte Meinung zur Deklaration dieser Abweichung als Zensur bezeichnen? Oder wird da “Zensur” mit “Loyalität” durchgemixt?
Kompliziert? Sicher das. Je nach Standpunkt.
Das Wort “Zensur” ist immer recht leicht verwendet. In Deutschland kennen 13 Millionen Mitbürger die Auswirkungen von Zensur vor 30 Jahren. Die anderen kennen es nur noch vom Hören-Sagen derer Elterns-Eltern. Wenn überhaupt, dann ist das Wort “Zensur” so eine Vokabel, welche nolens volens als Schlagwort der “Rhetoriker für Arme” dient. Also jenen, die es nur als empathische Vokabel inkarniert haben. “Zensur” war bislang immer etwas, was staatlicherseits den Untergebenen zwangshaft verordnet wurde.
Und jetzt ist ein beliebiger Begriff, unterworfen der eigenen Überlegung. Ohne Sinn und Verstand. Aber schlagkräftig.
“Zensur” ist inzwischen der Kampfbegriff der Linken, der Rechten und der Mitte, welche privat geäußerte Ansichten nicht in dem eigenen Kontext einordnen wollen. Geschweige überhaupt darüber nachdenken wollen. Der wohlfeile Anwurf, der andere mache sich der Zensur verdächtig, wirkt wie ein Anwurf eines Hundert-Gerechten gegen einen Betrüger.
Hm? Was? Was habe ich da geschrieben? Dass private Menschen für deren Meinung von privaten Menschen haftbar gemacht werden? Das private Anwürfe gegenüber anderer nicht mehr privat sein sollten? Privat? Was ist privat? Wenn Frau Merkel sagen würde, dass die Demokratie ein Scheißdreck wäre und Steinmeier als Bundespräsi erklären würde, es wäre nur Merkels private Meinung gewesen … geht das?
Geht natürlich nicht. Weil Merkel ist per se politisch. Hätte sie das nicht gewollt, hätte sie auch in den Vorstand von DSDS oder so klettern können.
Nur allein, wenn ein Schnulzensänger sich – angesichts der Tatsache, dass er sich als öffentliche und bedeutsame Person identifiziert hat – dazu entscheidet, seine Hinterlassenschaften auf dem WC des gelben Boulevards (“Yellow Press”) als wichtige Meinung zu hinterlassen, dann ist das “Pulp”. Und was sich daraus entwickelt: “Pulp Fiction”. Trash as trash can. Quentin Tarantino hat bewiesen, dass selbst “pulp” für Niveau bester Güte herhalten kann.
Soweit so lustig. Niemand kann jemand daran hindern, sich als Hahn zu deklarieren,der jeden Morgen auf dem eigenen Misthaufen der aufgehenden Sonne seine Stimme als Protestnote entgegenkräht. …
( … ich bin mir sicher, dass ich mit diesem Satz garantiert 50% Sympathie derer erhalte, die aufgrund ihres Jobs gezwungen sind, vor dem ersten Jesus-Hahnenschrei aufzustehen, obwohl deren Körper das easy-going-Signal “Relax, don’t do it” erhalten … so etwas nennt man wohl Populismus … oder den Reflex der Natur …)
… Also, niemand kann jemand daran hindern, sich als Hahn zu deklarieren, der dreimal kräht, um all deren Jünger aufzuwecken, nur weil er sagt, er habe die nachdenklichen Seiten beim Sonnenaufgang entdeckt.
Das Symbol des Sonnenaufgangs ist ein gängiges. Wie häufig liest man in den Kommentarspalten des Internets den Ruf, dass die anderen aufwachen sollten, weil sie noch schlafen würden. Der Wache ist das Ideal. Im Gegentum zum Un-Wachen. Also, der Wachturm als das Leuchtfeuer der Sektierer.
Man sei ja bereits mehrere Stunden wach und dieser Waschzustand mache nach all diesen Stunden des Wachens müde. Hm, das hör sich nach dem Credo der Frühaufsteher an. Alterssenilität. Grauhaarige, alte Menschen. Ab in die Gruft, ihr Grufties.
Die Sonne geht unter, die Sonne geht auf. Alle anderen starren nach Osten, um das rotierende Rad des Schicksals zu erblicken. Aus den ersten Sonnenstrahlen wird die Zukunft gelesen und als Wahrheit verkauft. Gegenstimmen dienen als Beleg der eigenen Richtigkeit und der Falschheit der anderen. Nachdenken ist nur noch der Reflex auf Einwände der eigenen Seite bezüglich des Nicht-Nachdenkens.
Ich schaue aus dem Fenster. Wie immer seit dem Lockdown im Frühjahr dieses Jahres. Gestern wurde der Kran abgebaut und somit dessen Leuchtfeuer, welches den Werkern am Morgen halfen zu sehen, wo sie arbeiten mussten. Der Kran ist weg. Die Rohbauten werden gerade verputzt. Seit fast einem viertel Jahr erscheint es, als ob die Bautätigkeiten nur noch mir halben Dampf laufen. Ich muss die Fenster mal wider putzen.
Ich schau nach draußen und beobachte die “90/100000 Einwohner”-Auswirkungen. Ich hoffe, es hat keine Auswirkungen. Freundliche Hoffnung. In meiner Firma hatte ein Mensch einen Covid-19 positiv Test und die ganze Abteilung mit 94 Mitarbeitern wurde herunter gefahren. Berechtigt?
Damals hatte auch jemand ein Testergebnis HIV-positiv und es wurde nicht gleich die ganze Sozialabteilung vom hauseigenen Swinger-Club in Quarantäne geschickt. Obacht: HIV, nicht Cov-19. Ficken, statt küssen.
Ich schaue aus dem Fenster meiner Firma in den Sonnenaufgang. Ein Mitarbeiter erinnert mich daran, dass meine Maske nicht korrekt sitzt. Ich entschuldige mich. Home-Office ist halt nicht meine Möglichkeit. Aber ich lese dann, dass meine aufmerksamtrue Kadavergehorsam sei. Treue. Schon wieder das Wort, wo so viele aufschreien. Aufschreie. Durch die allgemeine Zensur unterdrückt?
Ich verfalle ins Grübeln. Es wird mir klar, dass das, was ich schreibe, immer auf der Kante genäht ist. Hart, aber fair? Keine Ahnung.
“Wie soll’s schon sein. Schlecht ist noch geprahlt.”
“Was ist so dringlich?”
“Unser Kölsch soll verboten werden.”
“Red’ keinen Müll.”
“Wenn ich es dir doch sage.”
“Unser Kölsch?”
“Es entspricht nicht dem deutschen Reinheitsgebot. Ich buchstabiere: ein rein, ein Heits, ein Gebot. Es geht um ein reines Lebensmittel. Es entspricht dem nicht. Sagen Biertrinker aus bayrischen Kneipen. Und nicht nur dort.”
“Nicht? Wie kann das sein? Es geht doch rein. Und das zugleich mit jedem Heitsgebot. Oder etwa nicht?”
“Kölsch ist nicht gesellschaftsfähig. Das Reinheitsgebot hat seinen Ursprung in Bayern, nicht in Köln. Das sollte jedem zu Denken geben. Zum Nachdenken.”
“Du machst Witze! Nachdenken über solche Seiten einer Meinung? Welche andere aufziehen wollen? Welche Interessen haben diese? Werden die von wem Speziellen dafür finanziert?”
“Kölsch widerspricht der bayrischen Bierkultur. Und weil das so ist, ist das jetzt ein gesellschaftlich missliebiger Faktor.”
“Hä? Kölsches Obergäriges ist nicht wie obergäriges bayrisches Weißbier zu beurteilen?”
“Es geht darum, welcher gesamtgesellschaftlichen Frage man Priorität einräumt, und wie man das dann gesamtgesellschaftlich löst. Dazu müssen alle Teile der Gesellschaft ihren Beitrag leisten. Auch mit Verzicht. Ansonsten steht eine Infizierung mit dem Kölsch-Virus als Gefahr für das bayrische Bier im Raum.”
“Du redest wie die Klimawarner. Hier geht es um Kölsch. Und nur um Kölsch. Und eben das hat seinen uneigennützigen Status in der einträchtigen Gesellschaft hinsichtlich des Reinheitsgebots.”
“Ein Vergleich mit solidarischem Verhalten bezüglich dem Reinheitsgebot ist absolut treffend. Die Bayern haben dazu eine eindeutig eherne Meinung. Es ist das, was man hier und heute am Tresen besichtigen kann. Das Kölsch in dünnen Stangen-Gläsern versus das bayrische Bier in stabilen Willy-Becher-Gläsern. Das bayrische Bier macht mehr her.”
“Aha.”
“Die Warnung vor dem Kölsch erinnert total an reine Panikmache. Hier wird der Konsum lediglich versucht, durch Angst und negative Gefühle komplett negativ zu beeinflussen. Ohne wissenschaftlich erwiesene Hintergründe, für die man nicht nur ein halbes Jahr analysiert haben muss. Der Bierkonsum und der Kölschkonsum sind gesellschaftlich verankert und bestehen schon länger als nur ein paar Monate. Und eben darum: Ich lass mir nichts verbieten. Ich lass mir meine Freiheit beim Bierkonsum in Bayern nicht einschränken.”
“Aber es gibt genügend Menschen in diesem Lande – und auch in Bayern -, welche Kölsch nicht als Bier klassifizieren. Sondern als pissgelbe Brühe. Menschen, die sich dem sogar vehement verweigern, um deren Gesundheit nicht zu schaden.”
“Ja, ja, jene Sonderlinge mit der Meinung, sie wären es nicht gewesen, Kölsch getrunken zu haben, weil sie nur echtes Bier trinken würden. Maximal waren es immer nur die anderen. Ich kenn keinen, denen ein ehrliches Kölsch nicht geschmeckt hat. Und die, die einmal ein Kölsch ganz unbefangen gekostet hatten, die konnten nicht klagen. Kölsch ist kein Grund sich zu beklagen. Und für die Bayern wird es wohl nicht so schlimm sein.”
“Na gut. Mich trifft’s nicht.”
“Eben. Alles übertrieben. Dass Kölsch kein Bier sein soll, das ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Irgendeiner hat’s in die Welt gesetzt, um Kölschtrinker zu unterdrücken. In Wahrheit geht es lediglich darum, Biertrinker zu mainstreamen, zu manipulieren. Des Biertrinkers ehrliche Meinung soll auf perfider Weise unterdrückt werden. Man will die Bayern nur als bierdimpfelnde Mitmenschen vor deren Maßkrug. Intelligente Menschen vor einer Kölsch-Stange in Bayern, das will niemand. Das ist nicht Mainstream. Und der Mainstream unterdrückt diese Wahrheit. Oder hat der Mainstream jemals darüber berichtet? Aus Bayern?”
“Wie du meinst.”
“Ja, so etwas ist lediglich ein offensichtliches Machtinstrument. Ehrlich. Ich hab keinen Bock auf Verzicht. Ich hab auch ein Recht, durch die Welt zu fliegen und Bier zu trinken, wo ich will, wann ich will und mit wem ich will. Kölsch ist sozialer Klebstoff und bringt Menschen eng zusammen. Meine Freiheit ist mein wichtiger sozialer Bier-Fußabdruck in dieser Gesellschaft. Aber da wollen mich wohl ab jetzt die Oberen disziplinieren und reglementieren. Das lass ich nicht zu, dass jene meine Grundrechte einschränken. Sie wollen uns beherrschen. Mit einem Verzicht-Diktat. Mit dem Reinheitsgebot, welches wissenschaftlich gar nicht erwiesen ist.”
“Reden wir nicht lediglich übers Kölsch?”
“Ja. Und über die Leute, die Kölsch und deren Befürworter aus unerfindlichen Gründen falsch beurteilen und deren Meinung mit diktatorischen Mitteln unterdrücken. Oder hast du schon mal jemand im Paulaner-Garten Geschichten über Küppers-Kölsch erzählen gehört? Das ist doch Meinungsdikatur!”
“Echt. Könnte man den Kölschkonsum nicht für sieben Monate mal untersagen, um festzustellen, ob Kölsch wirklich so wichtig für jedermann ist? Es gibt ja auch noch andere obergärige Biersorten.”
“Wie bitte? Du redest gerade über eine Dimension von jetzt ab sieben Monaten. Kölsch wird nichts sein, worauf man nach sieben Monaten Einschränkung keinen Bock mehr haben wird. Kölsch wird es auch noch geben, wenn man es jetzt verbieten wird. Somit ist so ein Verzicht unbegründet und die Forderung danach nichts als pure Meinungsdiktatur.”
“Äh? Wie? Was?”
“Nichts wird Kölsch per Gesetz verbieten können. Die Leute würden es privat im Keller brauen und in der Gesellschaft klandestin verteilen. Kölsch wird immer sein und nicht ausrottbar sein. Das ist Fakt. Somit ist ein Verbot nichts, was des Volkes Meinung entspricht und was man als Wahrheit zu akzeptieren hat. Und das wird man wohl noch sagen dürfen, oder? Oder ist diese Meinung inzwischen auch schon verboten?”
“Äh, Moment mal. Sich künstlich aufregen und sich laut empörend auf deiner teils abgekupferten und teils selbstgebastelten Argumentation zu berufen, dich dann in Folge beklagend, dass du nicht mehr sagen könntest, was du sagen wolltest, was aber ansonsten eh niemand hören wollte, das ist schräg. Lost. Und dann gar irgendetwas zu sagen oder auch hanebüchen zu fragen, also etwas auf jeden Fall total Provozierendes raus zu hauen, um sich dann als Messias der von dir als Unterdrückten definierten Gesellschaft zu gerieren, weil man als Tabubrecher sich hinstellt, … also, das ist rhetorisch einerseits geschickt, aber andererseits vollkommen mies. Als jemand, der vorgibt, tiefer nachzudenken, so wie du es vorgibst, also mehr zu nachzudenken als jene apostrophierte ‘Null-Acht-Fuffzich-Michel des Mainstreams’, welchen man unterstellt nur zwischen Zwölf und Mittags gedanklich etwas tiefer als die eigene Nasenspitze tauchen zu können, und sich damit sogleich den Orden des gerechten Widerständlers zu verleihen, also mal ehrlich: das ist der wohl kalkulierte, zukünftige Scheisshaussturm für die nicht eigenen Echokammern auf Twitter, Facebook und Instagram. So ein Scheisshaussturm als aufgewärmter Darmwind des eigenen Unverdauten, also, einer, der schlecht im Wasserglas riecht und sogar damit Tote aufwecken müsste, aber als Sturm taugen soll? Also mal ehrlich. Und das alles nur, weil eben jene anderen mit einem schlechten Witz ein angebliches Tabu brechen, um als Helden zu gelten, womit sie im Walhalla der Heldentaten einen Lufthauch von Heldentum aus dem Marvel-Universum an deren Riechkolben vorbeigeweht haben wollen?”
“Hm. Was hast du gesagt? So viele Worte um nichts. Das macht mich pessimistisch, dass die Menschheit so etwas überhaupt verstehen könnte.”
“Davon kannst du ausgehen.”
“Sicher dat.”
“Kölsch?”
“Gerne.”
“Biergartenrevolution?”
“Schon wieder eine in München?”
“Hast recht. Es hatte derer bereits eine in München. Lass stecken. Zuviel davon verdirbt den Mainstream-Charakter.”
“Ja,ja, der Mainstream. Er verdirbt die Menschen. Prost.”
“Jawohl, hast Recht, du Thanos für geistig Arme. Prostata.”
Sehr verehrte Gemeinde! Sehr verehrte Versammelten! Sehr geduldeten Ungläubige!
Wir sind hier versammelt, weil wir hier versammelt sind! Jawohl! Und weil wir hier versammelt sind, werde ich die Versammlung nutzen, um zu sammeln. Nein, nicht Geld. Okay, doch auch. Aber vielmehr euer Verständnis, euer geistiges Potential, euer Reaktionsfähigkeit, eure Unaufgeklärtheit. Und willst du nicht mein Bruder sein, der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, es muss halt auch eine Portion Aufklärung sein.
Lasset uns Psalm Nummer Eins von unserer geliebten schwarz-weiß-rot Abteilung von diesem Wochenende lesen, bevor deren Heroen auf den Reichstag zustürmten. Kniet nieder!
So Leute. Wir schreiben heute in Berlin Weltgeschichte. Guckt euch um. Die Polizei hat die Helme abgesetzt.
Verdammt. Helm ab zum Gebet! Das ist mal eine Handlung. Habet Respekt! Auch du mit dem Schild “Corona Rebellen Düsseldorf”! Habe Respekt! Und beuge dein Haupt vor den Polizisten, die deren Helm zum Gebet abgesetzt hatten!
Vor diesem Gebäude steht keine Polizei mehr.
Habet ihr begriffen, ihr Leute, klein im Geiste, groß im Unverständnis und Gates-gechippt im Hirn für die Zukunft? Das Gebäude war herrenlos! Eine Weltgeschichte der offenen Tore! Tore, aller Länder … könnt ihr mit dem Schild “Corona-Diktatur” bitte die schwarz-weiß-rote Flagge mit dem Adler nicht verdecken? Oder wollt ihr hier offensives Reichsflaggen-Shaming betreiben? Nein? Also bitte. Danke.
Und Trump ist in Berlin.
Oh, ihr Gläubigen und ihr Lügenpresse-Resistenten! Weil ihr nachdenken tuet! Donald wart in Berlin. Gelandet mit seiner Airforce Number One, direkt auf dem neuen, noch nicht eröffneten Flughafen BER in Berlin, herabgekommen vom Himmel, seinen Fuße auf jungfräulichen Flughafenboden setzend! Trump in Berlin! Das ist so wie damals die Avengers im Film “The First Avengers” auf dem Flughafen in Leipzig! Da, wo sie für Recht und Ordnung gekämpft haben! Als eben jener heroische Captain America den Bösen gezeigt hatte, wo der Bartel den Most her holt. Wo der Frosch die Locken trägt. Wo Merkel lang nichts mehr zu sagen hat, mit ihrem Mündigen-Shaming. Da, wo der Arm der Lü-hügenpresse nicht mehr seine ausschlagende Hand ausstrecken kann, um alle über den tosenden und todbringenden Mainstream zu ziehen, und das nur, um uns zu shamen.
Die ganze Botschaft ist hermetisch abgeriegelt. Wir haben fast gewonnen, wir haben fast gewonnen.
Und verstehe die Botschaft, wer erlaucht ist, sie zu verstehen möge. Die Botschaft wart hermetisch abgeriegelt. Betreten nur für Auserwählte! Auserwählte! Ja, Brüder und Schwester im Geiste. Veni, vidi, vici. So wie weiland Caesar, der Gaius, der Julius, der Caesar, als jener 1957 vor der Mauer in Berlin stand und historisch rief: “Ich will ein Berliner”. Und wie am Samstag dessen Neffenneffeneffe auch heute wieder sagte, zwischen all den 5G-Warnungen und den Corona-Shaming-Shamern. Okay, geschenkt. Dessen Onkel stand nicht vor der Mauer, damals, das war eigentlich der Ronald, der Regen. Aber uneigentlich sollte auch klar sein, nur Wichtigtuer und Besserwisser mit niederträchtiger history-knowledge-shaming-Intention weisen auf solche Unwichtigkeiten hin!
Wir brauchen Masse. Wir müssen jetzt beweisen, dass wir alle hier sind. Und wir gehen jetzt da drauf und wir holen uns heute, hier, jetzt unser Haus zurück.
Ja! Da spricht unser Meister die wahren Heimatworte. Heim ins Reich. Heim in den Reichstag. Reich ins Heim. Rein in den Heimstag, für Reiche in den Reichstag. Und diesmal exklusiv ohne Antrag auf AfD-MdB-Begleitung. Kein Besucher-Shaming anymore! No, no, no, no! Einfach so! Rein ins alte Haus. Und back to the roots! Und dann noch hinfort mit den sich marginalisiert fühlenden Mehrheiten, die deren Randstellung bis heute nicht verstanden haben. Die Botschaft ist klar und eindeutig! Rauf gehen. Jetzt. Da rauf. Ins Walhalla! Ins Haus! Da hinauf! Aufi muasi! Aufi allesamt!
Wir werden jetzt gleich diese kleinen Dinger brav niederlegen und gehen da hoch.
Brav! Kleine Dinger. Brav! Keine 20 Zentimeter, kleiner Peter-Diskriminierter! Weg mit den Kondomen im Gesicht. Auch für Frauen. Freie Sicht für freie Bürger. Über Weichen, Stock und Sein. Freiheit! Die kleinen Dinger hindern am Nachdenken, wo nachdenken stattfindet: auf Zungen- und bis zur Nasenspitze. Die kleinen Dinger hindern, wer wir sind, wohin wir wollen und mit wem wir marschieren. Wir wollen hoch. Da hoch! Hoch! Hoch! Höher! Noch höher! Hoch hinaus! Kein Nachdenk-Shaming mehr ever …
Äh, moment. Könnt ihr mit Eurer Merkel muss weg-Fahne bitte wieder die schwarz-weiß-rote Flagge mit dem Adler frei geben? Unsere Hundertschaft von Journalisten mit Handystick und Smartphone werden sonst in ihrer Journalistenpflicht der wahren Berichterstattung gehindert. Das sind Journalisten und dürfen nicht behindert werden, weil wir es wollen, weil wir frei sind und Freie-Presse-Shaming respektlos ist! Und wir sind ja hier nicht bei der Mainstream-Lügenpresse wie BILD, Express, Playboy, Happy Weekend oder St.Pauli Report, okay. Die Welt soll erfahren, dass auch wir Smartphone-Techniken nutzbringend und Wahrheit-finderisch einzusetzen verstehen! No Smartphone-Shaming, please, okay!
Und setzen uns friedlich auf die Treppe und zeigen Präsident Trump, dass wir den Weltfrieden wollen. Und das wir die Schnauze gestrichen voll haben.
Wenn der Prophet zu uns kommt, dann haben wir uns in Ehrfurcht vor dem Berg hin zu setzen. Und wir lassen uns die Schnauze sehr gerne mit seinem Wohlwollen fühlen. Bis zum Strich. Eichstrich. Und zwar voll. Es ist für den Weltfrieden. Gestrichen voll. Die Schnauze. Voll. Weltfrieden. Donald, du bist friedlicher als jener Friedennobelpreisträger Obama, der ein Wolf im Wolpertingerschafspelzderivatsubstitut war. Auch wenn ihr es nicht verstanden habt, glaubt mir! Donald steht für den Weltfrieden, Dagobert nicht! Kein Donald-Shaming! Freiheit für Donald und seine Disney-Figuren!
Und nun, knie-het nieder, ihr Leser dieses geheiligten Berlin-2908-Demo-After Maths. Ehrfurcht und memoriert indächtig die folgenden Worte! Donald Trump unser bei Republikaner verhimmelt, dein Name sei geheiligt, dein Seich komme, dein Drohnen-Wille geschehe wie vom Himmel als auch von Erden. Unser tägliches BummBumm-Manna gib uns heute. Und verdirb uns nicht respektlos unsere Schuld, wie wir verderben wollen unsere respektlosen Schuldner. Und versuche uns nicht mit anderer dubioser Weltenführung, sondern erlöse uns von dem Bösen der Anderen. Denn dein ist mein Donald, mein Mantra und dein Fox-TV in Ewigkeit. Gegen alle Lügenpressen. So sei es.
Moment mal! Hallo! Hallo? Könnt ihr in Reihe sechs euch auch bitte niederknieen? Das hat etwas mit Respekt vor Donald und den schwarz-weiß-roten Fahne zu tun. Zeigt Anstand! Das wurde bereits damals so gemacht, nicht wahr, als die Amis uns nicht so wohl gesonnen waren. Oder wollt ihr jetzt ein respektloses knee-shaming-Furor verbreiten? Lauschet der Rednerin vor dem Reichstag derer letzten Worte, bevor der Reichstag erfolgreich gestürmt wurde:
Wir haben gewonneeeeeen.
Jaaa! Aus, aus, aus, das Spiel ist aus! Wie 1954! Wie damals. Als danach alle die erste Strophe des Deutschlandliedes bei der Siegerehrung in Bern sangen. Das war kein Nationalhymnen-Shaming, das war Patriotismus!
Ähm. Hallo? Wo geht ihr hin? Warum bleibt ihr nicht? Wollt ihr den Narrativ der anderen unterstützen? Ihr unterstützt den falschen Narrativ! Den total falschen! Den der Lügenpresse! Hey, hallo, wir sind die wirklichen Sieger der Corona-Krise. Ihr seid es nicht! Wir sind nicht irgendein Randbereich von 40.000 Mitläufern. Ihr könnt uns nicht ausschließen. Wir gehören dazu! Wir haben gewonnen! Und weil wir gewonnen haben, haben wir gewonnen und versammeln uns als Gewinner und zeigen jetzt euch allen als öffentliche, nicht-Lügenpresse Premiere einen Film. Einen Film als wahrhaftiges Lügenpresse-Shaming, für die, die es verdient haben, damit jene Lügenpresser in Scham und Schamesröte öffentlich für jeden sichtbar versinken. Damit sie sich schämen. Und die Kinder der Lügenpresse-Schreiber sich schämen. Und deren Kindeskinder! Und Kindeskindeskinder! Aktiv und nachhaltig schämen sollten sie sich angesichts des nachfolgenden Filmes.
Wir zeigen den Film “Indiocracy”. Anschaubar via Amazon Video. Klickt diesen und nur diesen meinen Link an, und ihr unterstützt meine Idee und meinen Geldbeutel, mit dem ich dann die Bewegung unterstützen werde. Und ihr werdet frei sein, vom Schämen von irgendetwas.Amen.
Wir haben gewonneeeeeen.
P.S.: Ach ja, alle Zitate zusammen führten zum “Sturm auf den Reichstag”. Es braucht also nicht viel Schwachsinn, um einen Haufen in Bewegung zu versetzen, der alles schluckt., Hauptsache, es passt für deren Hirn in deren Hirn. Denn da ist so viel Hohlraum vorhanden in deren Birnen. Und diese Hirnlosen sollen harmlos und vernachlässigbar sein? Nie! Niemals! Nicht! Ich mein, weißt du, bist du dir sicher, ob nicht gerade Donald Trump mir diesen Text befahl zu schreiben. Also, nachdem er von Berlin mit dem ICE nach Salzburg reisen wollte, dann in München ausstieg, um sich eines der weltberühmten Münchner Mettigelbrötchen am Münchner Hauptbahnhof zu kaufen, sich dort verlief und dabei irrtümlich jetzt in meiner Wohnung landete? Falsches Narrativ? Okay, du hast recht …
Ich bin unschlüssig. Jetzt habe ich so viel Information, dass ich fast platze vor Informationen. Es muss aus mir raus. Und rein in dir.
Da war doch erst neulich vor einer Woche eine riesen Demonstration. 1,3 Trillionen Leute. Das ist belegt. Da gibt es ein YouTube Video. Es dauert 84 Minuten (hier). Das kann sich man als Zeitraffer in zwei Minuten anschauen. Ungeschnitten. Denn das Zeitraffervideo von diesen 84 Minuten gibt es auch auf YouTube. Das heißt, – einfach einmal nachrechnen und du merkst, liebes Corona Tagebuch, dass ich bestimmt nicht lüge – das Zeitraffer-Video (hier) ist 42 Mal schneller, als die Demo es war. Die Polizei versteift sich trotz des Videos auf der Behauptung, es wären 20.000 Demonstranten. Nur, 42 mal 20.000, das sind doch fast an die 900.000 Menschen. Und wenn man da noch überlegt, dass dann eventuell noch 50% zusätzlich auf anderen Wegen zu den Demos erschienen sind, dann bin ich bei 1,3 Millionen Leute.
Gut. Dann habe ich mit den 1,3 Trillionen Leuten wohl ein wenig übertrieben.
Nur, wenn man davon ausgeht, dass ein normaler Mensch sich mit 3,6 Kilometer pro Stunde durchschnittlich bewegt, dann entspricht dieses einer Wegstrecke von 5 km. Und wenn dann zwischen den Reihen so 75 cm Abstand gelassen wurde, um dem Vormarschierenden nicht in dessen Haxen zu treten, und dann die Reihen so mit 15 Leuten in einer Reihe annimmt (20 Meter breite Straße an der U-Bahnstation Friedrichstraße, auf Höhe von Haus Nr. 147), ja, dann komme ich schon fast auf eine Millionen Menschen.
Das heißt somit nach Adam Riese und Eva Winzig, die Schätzung der Polizei mit 20.000 ist völlig fehl am Platz.
Und dann gab es noch das Foto. Das Beweisfoto. Okay, es war ein Screenshot (hier und hier im Detail). Ein Screenshot von jemanden von “Querdenken 711”. Das belegt völlig, dass es 1,3 Millionen mindestens waren. Aber das wurde als Beweismittel gelöscht. Und wer hat es gelöscht? Es war „Presse.online“. Die haben ihren Sitz im „Haus der Bundespressekonferenz“. Auf der Zunge zergehen lassen: „Haus der Bundespressekonferenz“. Also ganz offiziell.
Gut. Der Screenshot zeigte, dass die Browser-URL von „Presse online“ auf das Archiv vom 28.7.2020 hin wies. Nur, die Demo, die war am 1. August 2020. Aber über solche unwichtigen Details auf dem Beweis-Screenshot (hier) können sich nur Kleingeister wie ich echauffieren. Wichtig daran ist doch, dass dieses Presseorgan mit Sitz im regierungseigenen, offiziellen „Haus der Bundespressekonferenz“ es zuerst gepostet hat. Und danach wohl wieder gelöscht. Weil es garantiert die Regierung so wollte.
Und die Polizei hat die Zahl ja wohl auch gesagt. Das haben zumindest die Sprecher auf den Bühnen immer wieder betont. Und man sollte es ganz schnell im Internet posten, damit es nicht gelöscht würde. Damit es niemand verneinen kann. Damit die Fakten jeder nachlesen könne. Weil nachher der Mainstream es alles löschen würde. Diese Oberzensoren!
Das sagten diejenigen auf der Bühne. Und die haben wohl ihre Quellen bei der Polizei. Also muss das stimmen. Dass die Berliner Polizei, das wieder zurückgezogen hat, das zeigt, wie der Mainstream doch Einfluss nimmt. Da wird zensiert auf Teufel komm raus. Und, Zensur, das weiß jeder Mensch, ist dann, wenn eine offizielle Behörde der Regierung Meinungen löschen lässt. Und jeder weiß, dass der Mainstream der Regierung folgt.
Ach ja, liebes Corona-Tagebuch, Mainstream, das ist ARD, ZDF, also die Öffentlich-Rechtlichen, die großen Zeitungen, die gegen uns schreiben. Die schaue ich überhaupt nicht, und lesen erst recht nicht. Die kann man sich nicht antun. All diese Lügen, diese Zensur und so. Zum Beispiel die Bilder von der Demo. Warum müssen jene die Bilder zeigen, die unsere Bilder, deren Ausschnitt, welchen wir sorgsam gewählt hatten, angeblich widerlegen sollen. Wenn da Lücken waren, vom Brandenburger Tor bis zur Siegessäule, dann doch nur, weil alle sich im angrenzenden Tiergarten im Schatten gestapelt hatten. An die 1,3 Millionen Demonstranten. Und warum dürfen wir keine Bilder als Symbol von der Zürcher Loveparade nehmen? Das machte die Presse doch auch, wenn die von Ballermann-Zustände auf Mallorca berichtet hatte. Einfach Symbolbilder, um zu zeigen, was man meint. Das dürfen wir doch auch, oder? Gut, von Essen hatten wir jetzt keines zur Hand und in Berlin waren wegen den Drohnenverbot keine Bilder von oben machbar …
Aber in Berlin gab es auch die Loveparade. Und die Bilder als Vergleich gehen doch, oder? Auch wenn die in Berlin bei der Demo jetzt alle nicht so eng gedrängt standen. Oder wollen jene Besserwisserischen, dass jene auf der Demo wie bei der Loveparade sich eng auf der Pelle rücken, stinkend, ohne Deo, im Schweiße des eigenen Angesichts? Aufgeputscht durch Drogen, um die Hitze und Sonne durchzustehen? Nur, damit Mainstreamler bessere Fotos haben? Eben jene sind die wirklichen Wirklichkeitsverweigerer. Zeigt doch lieber, ihr Mainstreamler, dass es Menschen gab, die in der Sonne vor der Bühne standen. Das waren schier unglaubliche Menschenmengen. Hättet ihr eure Teleobjektive aus euren Fototaschen verwendet, man hätte deutlich gesehen, wie dicht alle standen. Eure 500 mm Objektive, die ihr sonst immer griffbereit habt. Dann hätte sich abschätzen lassen, wie viele es waren. Auf alle Fälle keine „nur 20.000“. Oder 13.000 Demonstranten in 84 Minuten auf einem YouTube-Video.
Liebes Corona-Tagebuch.
Ich habe letztens eine Studie gelesen, in der Wissenschaftler vor über neun Jahren festgestellt haben, dass zu einer Meinungsführerschaft mindestens 10% einer Bevölkerung eine andere Meinung haben müssen, damit sich die Mehrheit der Minderheit anschließt (hier). Das heißt, wenn die Minderheit es schafft, die 10% Schwelle zu überschreiten, dann ist ein Meinungswechsel machbar. 10% gilt gewissermaßen als kritische Masse in der Meinungsbildung, wenn man etwas als Mehrheitsmeinung etablieren will. Dann wird der Wechsel von Minderheitsmeinung zur Mehrheitsmeinung machbar, Herr Nachbar. Unabhängig von irgendwelchen postulierten Faktenlagen.
Darum sind auch die 1,3 Millionen Demonstranten so wichtig. Das wissen auch die Organisatoren von „Querdenken 711“. Und falls denen dieses wissenschaftliche Wissen fehlen sollte, so habe sie diese magische 10% Grenze wenigstens im Urin, nicht wahr. Darum haben sie jetzt auch heute über Twitter den Meister des Postfaktischen, den Donald Trump, eingeladen (hier; Screenshot hier). Er solle doch bitte auf der nächsten Berlin-Demonstration am 29. August 2020 eine Rede zu halten. Denn Donald Trump ist der einzige Präsident der USA, der in seiner Amtszeit keinen Krieg begonnen habe, so „Querdenken 711“. Und der POTUS weiß, was Fake-News sind. Der kämpft mit “Fox-TV” schließlich auch gegen den Mainstream.
Nur, warum ausgerechnet Donald Trump? Weil der auch nicht daran glaubt, dass das Coronavirus gefährlich sein soll und all die Maßnahmen dazu überhaupt sinnvoll sind. Die Einladung finde ich sinnvoll. Nur habe ich nicht verstanden, warum „Querdenken 711“ seine Twitter-Einladung nicht auch an Bolsonaro, also an Brasiliens Präsident, heraus geschickt hatte. Der ist auch bei Twitter. Und der ist auch gegen Corona-Maßnahmen. Dafür aber wie Thomas Berthold (Fußballweltmeister; hier) für das „alte Normal“, statt des diktatorisch „neuen Normal“s. Donald Trump und Bolsonaro sind ja damit im Sinne von „Querdenken 711“ die Verfechter von Freiheit und Abenteuer. Und nicht Verfechter eines „neuen Normal“s, wie es unsere Regierung und Mainstream-Parteien so gerne hätten.
Liebes Corona-Tagebuch, „Querdenken 711“ hat Donald Trump die Einladung aus vollem Kalkül gemacht. Weil der so ein kluger Kopf ist. Genauso wie die Köpfe bei „Querdenken 711“. Natürlich, ist Meinungsfreiheit ein wichtiges Gut. Deshalb wurde auch Florian Schröder nach Stuttgart eingeladen. Dort durfte er doch seine Meinung kundtun (hier). Hat es geschadet? Hat er nicht gezeigt, wie der fremd-mainstream-gesteuert agiert? Wie rief einer im Publikum: “Lasst ihn doch reden. Das ist doch nur ein Komiker.”
Nun gut, Schröder war jetzt eigentlich nicht wirklich im Sinne von „Querdenken 711“, was jener dort als typisches Propaganda-verbreitendes Regierungsfähnchen im Wind ab lies. Aber Meinungsfreiheit, gilt für jeden. Nur nicht für die Mainstream-Medien. Die sich jetzt auch noch darüber lustig machen. Diese Sackgesichter. Die gehören eingesperrt und verboten! Weil sie immer alles benoten wollen und die Zensoren in diesem Land sind. Und wir brauchen keine Zensuren. Äh, Zensoren.
Liebes Corona-Tagebuch, ich frage mich, ob ich nicht über Twitter auch Putin, Russian Today und KenFM einladen sollte. Im Namen von „Querdenken 711“. Am 29. August bei der Demo als Redner über Skype oder Microsoft Teams oder Facebooks WhatsApp dabei zu sein. Damit die Leute endlich zum Nachdenken kommen. Damit alle einmal neue Seiten zum Nachdenken bei solchen Reden entdecken. Wie bitte? Russian Today und KenFM sind eh schon dabei? Oh. Entschuldigung. Dann ist ja die Authentizität total garantiert.
Und als Zwischenprogramm könnte ich mir noch Dieter Nuhr, Lisa Eckhart und Mario Barth vorstellen. Ein wenig Satire muss doch möglich noch sein. Das Publikum will lachen. Statt dauernd immer nur zu grübeln, nachzudenken. Und mitzudenken. Statt so wie bei Florian Schröder. Es gilt der „Cancel Culture“ die Stirn zu bieten! Wer Dieter Nuhr, Lisa Eckhart und Mario Barth nicht mag, der ist für „Cancel Culture“, jene Kehrseite der Medaille, welche zuvor als „Political Correctness“ bekannt wurde. Die die Liebe-erfüllten Schreiber der Seite für „Political Incorrectness“ geboren hatte. Eigentlich sind die ja jetzt in Ordnung, weil die ja auch gegen all den Corona-Scheiß sind und auch in Berlin dabei waren, diese PI-Fans. Nur leider sind die noch politisch ein klitzeklein wenig inkorrekt. Aber diese Distanz kriegen wir auch noch überwunden. Wir rücken einfach näher an die ran, nicht wahr.
Liebes Corona-Tagebuch, ich habe dich aufgeschlagen, obwohl ich dich schon längst zugemacht hatte. Ich wollte dich nicht mehr öffnen. Aber etwas in mir sagte, schreibe. Schreibe! Denn es wird eh keine Sau lesen. Und als Satire geht so etwas eh nie durch.
Moment, Sau und Satire geht gar nicht. Sorry. Denn damit bin ich real wieder bei Tönnies. Und den Schlachtereien. Den Werksverträgen. Mit denen die Leute geknebelt werden und als Lohn dafür kaum Geld, aber zumindest Coronaviren als Bonus bekommen (… geldwerter Vorteil?!? …). Wären Menschen Vegetarier, gäbe es das nicht. Außer jene Kranken im Landkreis Landshut, bei deren Gemüseernteeinsatz. Und dann in jener Konservenfabrik für das geerntete Gemüse. Die Erntehelfer aus Rumänien und so haben auch Werksverträge. Aber das interessiert nicht weiter. Schließlich arbeiten die nicht in nicht-veganen Schlachtbetrieben. Da, wo Tiere abgeschlachtet werden. Wie in Nordrhein-Westfalen. Nicht wie in Bayern. Wo alles södergesteuert ist. Nicht so laschetmäßig.
Liebes Corona-Tagebuch, für mich ist jetzt klar, ich bin gegen die Corona-Maßnahmen. Ich werde jetzt dagegen sein. Ich werde nach Berlin fahren.
Berlin! Berlin! Ich fahre nach Berlin!
Liebes Corona-Tagebuch, ich hoffe, du findest jetzt keinen nachdenklichen Seiten mehr bei mir. Ich gebe mir jetzt dafür den Berger. Denn der mag auch Monty Python. Und wer Monty Python mag, der kann nicht schlecht argumentieren. Nein, nicht den Jens meine ich, sondern den Helmut Berger. In seiner Rolle der ersten Staffel in Folge 19 von „Simon Templar – Ein Gentleman mit Heiligenschein„. Das war, bevor er in einem der Nicht-Mainstream-Medien in das Dschungelcamp abstieg. Aber das ist jetzt eine andere Nicht-Mainstream-Information, die hier erstmal keinen Wert hat …
Liebes Corona-Tagebuch, ich fand es gut, mich in deinen Seiten auskotzen zu dürfen. Papier ist geduldig. Mehr als diese Mainstreammedien erlauben.
Jetzt werde ich dich wieder zuschlagen.
Und später wird jemand diese vollgekotzte Seite aufschlagen und sich damit einen Rorschach-Test geben, mit dem dann meine Psyche analysiert werden wird.
Später?
Eigentlich direkt nach der Veröffentlichung dieser Satire …
Wenn ihr damit nicht aufhört, spaltet ihr die Gesellschaft! Und eben drum, weil ihr darauf beharrt, obwohl doch jeder nachlesen kann, dass es falsch ist! Ihr seid die wahren Spalter. Nicht wir. Ihr treibt die Keile in Freundschaften, Familien und Bruderschaften mit eurer verblendeten Meinung.
Quizfrage: Wer hat das gesagt?
Richtig! Immer die anderen.
Die Uneinsichtigen. Jene, die gerne Haare spalten. Auf dem Kopf der anderen. Mit einem ordentlich geschärften Beil. Ordentlich geschärft muss sein, denn Respekt und Anstand sind unabdingbar. Nur Barbaren und Nulpen nehmen stumpfe Beile. So viel Zeit muss sein für eine ordentliche Beziehung zwischen verfeindeten Parteien.
Gut. Nicht jedes Beil ist geschärft. Schärfen kostet Zeit, und Zeit ist Geld. Und wer hat heute noch Geld für so etwas übrig? Wozu schärfen, wenn man mit dem Beil auch Hobeln imitieren kann? Und so werden im Galopp Späne erzeugt. Auf jeder Ebene. Von jedem. Jeglicher Couleur. Galopp der Argumentationen im Dorf, als Peripherie des eigenen Gedankenpalasts. Das ist erforderlich. Niemand führt seinen Hund in den eigenen vier Wänden Gassi. Darum muss der Galopp im umgebenden Dorf durchgeführt werden, durch der man das eigene Schwein dann treibt.
Dem Schweinsgalopp der Antreibenden im Sulky kann ich nicht mithalten und kann dem nichts entgegenhalten. Seit Tönnies weiß ich, wohin so ein Schweinsgalopp führt: von 20 Kraftwerke, die verhindern könnten, dass die Afrikaner aufhören würden, Bäume zu fällen, und aufhören, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren, hinüber zu den miesen Werksvertrögen.
Ja, richtig. Vertröge. Nicht Verträge. Denn Tröge ernähren Schweine, die von deren Züchter und Halter im Galopp zum Bolzenschussgerät getrieben werden. Und weswegen? Weil diese die A-Karte haben, auf unseren Grillstationen zu brutzeln, bis sie schwarz werden. Schwarz bis zum Rassismus. Sie erkennen diese auch an deren schwarzen Gewand auf den Fußballplätzen dieser Welt. Die allgemein bei Fußballfans und -Hooligans bekannte „schwarze Sau“. Weil diese zu viel und zu gern schnackselnden Schwarzen – analysierte damals unsere Hochwohlgeborene Mariae Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis – damit Probleme machen, kommt man diesen Schweinen nie auf einen grünen Zweig. Grüne Zweige enden sowieso als Holzkohle, um eben jene Schweine zu grillen, die vorher durchs Dorf getrieben wurden. Halali, die Sau ist tot. Die Sau hat sowieso immer den Schwarzen Peter. Trotz aller “Black Live Matters”-Diskussionen und trotz aller Sprachmoralisten, die entrüstet bei der Erwähnung vom Begriff “Schwarzen Peter” in Schnappatmung verfallen, statt etwas anderes zu begreifen.
Wie Sie, geneigter Leser, erkennen werden, gilt auch hier das anerkannte Peter-Prinzip, welches besagt, dass in einer Hierarchie jeder Beschäftigte dazu neigt, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.
Warum sollte dieses Peter-Prinzip sich nur auf Weiße beziehen? Warum gibt es kein Schwarzer-Peter-Prinzip?
Eben. Weil jene im Sulky beim Sprachgalopprennwettbewerb somit plötzlich weitere Konkurrenz bekommen würden. Dann ist es nichts mehr mit den 20 Kraftwerken, einer gut dotierten Position beim „Schlacke 05“, und geregelter Sex kommt so oft, wie Komet Neowise an der Erde vorbei kommt, um sich dann voller Grausen für die nächsten siebentausend Jahre schnell zu verabschieden. Und letztendlich will doch jeder Sex, 20 Kraftwerke, eine Schwarze Sau, die dem Schwarzen-Peter-Prinzip folgend, die Arschkarte hat, um Mitspieler vom Platz zu stellen.
Hatte ich das aus meinen Kommentaren von mir selber kopiert? Echt? Ich verletzte meine eigenen Copyright-Rechte bei mir selber? Egal. Weiter.
Wie heißt es doch schon im Deutschen: wo gehobelt wird, fallen auch Späne. Alte Zimmermannsweisheit des christlichen Abendlandes, gelebt von dessen Sohne, der damals aggressiv gewalttätig alle aus den Tempel peitschte, die ihn nicht angebetet hatten. Also ihn. Somit eigentlich seinen Vater. Also nicht den Zimmermann, ihr versteht, nicht wahr. Sein Stief-Vater ist gemeint, der aus jener damaligen Patch-Work-Family mit der Jungfrau Maria. Also, jenen mit mehr Chuzpe als Verstand. Und danach mit noch viel mehr Massel-tov, dass mit Hilfe seiner ein neues Goldenes Kalb gegossen wurde.
Nun, heute ist das auf eine Person reduziert worden. So wie heute die DDR, die BRD und der Geist auf gemeinsame Ideale eines christlichen Abendlandes sich reduziert haben. So wie die vier Evangelisten, die folgende drei waren: Peter und Paul. Kurz gesagt: Heilandsack.
Mit dem Beil in der Hand ist es vom Land der “Dichter und Denker” zu den der “Richter und Henker” ein großer Schritt für die Menschheit. Aber nur ein kleiner Schritt für jeden Spalter mit dem Hackebeil. Beim Ritt auf dem Hackebeil bleibt selten eine Backe heil. Egal auf welcher Seite.
Fakt ist, dass – als der schwarze Urmensch Afrika verließ – ein Teil der Auswanderer nach Europa kam, dort auf Wälder und Neandertaler stieß und als erstes deswegen den Spalthammer erfand. Wie wir wissen, Neandertaler gibt es nicht mehr und der Spalthammer wurde danach seinen eigentlichen Zweck zugeführt. Haare der anderen Falschdenker gab es nicht mehr. Dafür aber immerhin noch ein paar deutsche Eichen zum Spalten, damit sich daran keine Sau mehr dran reiben sollte.
Es ist eigentlich egal, wer jene Beile in seinen Händen hält, entsprechend der Bibel des christlichen Abendlandes sollte immer nur der andere gekreuzigt werden. Derjenige, der im Tempel randaliert hat und die eigenen Geschäfte gestört hatte. Also des Zimmermanns Judenbengel. Als Stellvertreter für die miesen Geschäfte danach. Stellvertreterkreuzigung als Vorform der modernen Kriege im aktuellen Jahrhundert. Wenn das der biblische Gott gewusst hätte. Er hätte die Welt zu seinem Salzsäulenkammergut gemacht.
Schuld abladen verboten. Bei mir gibt es auch ein klares Schuttabladestellenverbot. Auch wenn die langläufige Meinung herrscht, Schuld sind immer wir anderen, die sich nicht einer Meinung zuschlagen lassen wollen. Ob wir für oder gegen Maske sind, wir sind die Schuldigen. Ein wenig zu fröhlich alkoholisiert durch die Gegend gelaufen? Verantwortungsloser Corona-Party-Rebell. Oder jemand, der nicht für seine Freiheit den genügenden Ernst aufbringt, weil er keinen Anlass hat zu feiern und deshalb nicht feiern dürfte. Zum Thema “Maske” keine messerscharfe Meinung zu haben? Dann ist man schlichtweg jemand, der sich einfach keine Meinung machen will und somit der Grabschaufler der freiheitlichen Menschheit ist. Oder folgsamer, braver Bürger, der dann wie ein krummbeiniger Dackel gestreichelt wird.
Wer wie all jene, die wie Altmeier schärfe Strafen für Leute fordern, die sich nicht an die Eins Fuffzig und die Einhaltung der Maskenpflicht halten, jene haben genauso viel Berechtigung für das Anrecht auf Verstand, als auch wie jene, die alle, die Masken tragen oder auf Eins Fuffzig bestehen, als Mainstream-Uninformierte klassifizieren, alle beiden dieser jenen haben sich einen Rang im Olymp der Hardliner verdient. Gott erhalte sie. Möglichst schnell. Die braucht kein Mensch dieser Welt. Auf mit denen nach Wallhalla
Wenn einer mit Vergnügen zu einer Musik in Reih und Glied marschieren kann, dann hat er sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde.
Albert Einstein
Einstein hat das auf Soldaten bezogen. So wie Tucholsky sein berühmtes angefeindetes Zitat.
Ich münze es um.
Analog ist es mit den Standpunkten jener beiden Parteien im Corona-Streit pro und contra der Maßnahmen, jene Parteien, die sich selber vor jeweils den anderen warnen. Um Keile zu treiben. Weil nur die anderen die Beratungsresistenten, die Sich-der-echten-Information-Widersetzenden, die Spalter der Gesellschaft sind. Immer die anderen, die immer zu einer Musik in Reih und Glied marschieren. Dafür reicht wirklich nur Rückenmark. Zu mehr erfordert es nun mal Hirn.
Seit geschlagenen sieben Minuten wimmerte er in sein Kölsch hinein. Er war mir zwar entfernt, aber ich hörte es trotzdem und – das Schlimmste dabei war – ich musste es ertragen.
»Oje, oje, oje.«
Dann nahm er einen Schluck aus seinem Kölsch starrte für knappe 40 Sekunden Löcher in die Luft über der Theke, wimmerte erneut und dann wieder:
»Oje, oje, oje.«
Ich bin ja ein geduldiger Mensch, ein wirklich sehr toleranter Bürger, einer mit dem man auch Pferde stehlen kann, wenn sie niemandem gehören und es zudem legal ist. Aber das sprengte nun doch den Rahmen jeglicher Toleranz.
Nachdem er mit seinem Blick erneut ein Loch mit seinem leeren Blick über der Theke gefüllt hatte und es mit seinem »Oje, oje, oje«-Kit zugeschmiert hatte, riss mir mein eherner Geduldsfaden.
»Sag mal, hast du zuhause keine Klagemauer an der du dein ‘Ojeojeoje’ ablassen kannst? Muss das ausgerechnet hier sein? Das ist ja schrecklich.«
Ich erwartete, dass er mich verblüfft anstarren würde. Aber nein, in seiner Arroganz stierte er weiterhin auf seine Kölsch-Stange und ließ lediglich einen tiefen Seufzer ab.
»Was ist nun, Menne? Etwa weiter rumjammern oder mal ein wenig Kneipenkommunikation anstrengen?«
Der Wirt stellte uns beiden jeweils ein neues Kölsch hin und warf mir einen verwunderten Blick zu.
»Was ist, Herr Oberspielleiter? Mir geht dieses typisch deutsche Gejammere auf den Sack. Immer nur jammern, aber nie das Maul mal aufmachen, um Tacheles zu reden.«
Der Wirt warf mir einen warnenden Blick zu: »Stimmt, ich bin der Oberspielleiter. Und du stehst vor der ersten Gelben Karte. Benimm dich.«
»Ach, geh doch Kölsch einlassen und lass uns in Ruhe!« Ich schaute den Theken-Seufzerer an: »Und? Was ist? Was hast du zu seufzen und zu wimmern?«
»Ich bin Rassist.«
»Ist ja gediegen. Woran machst du das fest?«
»Ich habe den Schwarz-Weiß implizierten Assoziationstest der Harvard Uni gemacht und das Ergebnis war, dass ich eine ausgeprägte Bevorzugung von Weißen gegenüber Schwarzen habe.«
»Was für ein Test? Einen implizierten Assoziationstest? Was soll denn der Schwachsinn sein?«
»Ich habe auch den Homosexuell-Heterosexuell implizierten Assoziationstest gemacht. Ich bevorzuge Heteros moderat vor Homos.«
»Wow. Wer hat den Test entwickelt? Jens Spahn mit Herrn Drosten beim gemeinsamen Virusforschungsumtrunk?«
»Nein, eine indisch-amerikanische Soziologin, ein grauhaariger weißer und ein anderer weißer Yale-Soziologiemensch.«
»Typisch, zwei Weiße und eine Quotenfrau, die auch noch farbig ist. Und die sollen Garanten dafür sein, beurteilen zu können, was und wer Rassist ist? Mit einem Test auf Basis von Assoziationen? Das ich nicht lache!«
»Habe ich anfangs auch. Jetzt nicht mehr.«
»So ein Quatsch. Nur weil so eine Indien-Tussi eine Idee hat, und damit zwei Männer bezirzt, ist das nicht Wissenschaft. Das ist so wie das Triumvirat Drosten-Spahn-RKI.«
»Du hast es nicht verstanden.«
»Doch!« Ich klopfte energisch mein Kölsch auf die Theke. »Doch habe ich! Nur weil ein paar Spinner meinen, uns in Angst und Panik zu versetzen, nur um uns die Luft in der Demokratie zum Atmen zu nehmen und die Atmungsorgane als potentiell lebensbedrohlich einzustufen. Dabei ist wohl die Sterbequote des ganzen nur 0,6% gemessen an der Weltbevölkerung! 0,6%! Das musst du dir mal über die Zunge gehen lassen. Und dafür all die Angst und all den Schrecken, den diese Trinität verbreitet. Das ist doch ein Skandal.«
Mein Atem ging schwer. Zu reden ohne Luft zu holen, ist nicht einfach. Aber die Wahrheit musste raus. Und das Kölsch rein. Ich setzte an und machte es mit einem Schluck nieder. »Oberspielleiter, neues Kölsch!«
Der Wirt schaute mich an: »Noch einmal und du hast die Gelbe Karte. Maat ens höösch.«
Meine Augenlider gingen auf Halbmast. Das Wort verbieten lassen, das musste ich mir nicht gefallen lassen. Als mündiger Bürger nicht. Ich nicht.
»Oje, oje, oje.«
»Ach, du schon wieder. Vergiss diesen Harvard-Assoziationstest-Scheiß . Die haben doch keine Ahnung, diese Wissenschaftler. Die schweben doch Kilometer über dem Boden und reden von Bodenhaftung wie die Politiker. Wie hat schon Einstein richtig bemerkt: ‘Wenn man mit dem Mädchen, das man liebt, zwei Stunden zusammensitzt, denkt man, es ist nur eine Minute; wenn man aber nur eine Minute auf einem heißen Ofen sitzt, denkt man, es sind zwei Stunden – das ist die Relativität.’ Und jetzt wollen die uns erzählen, die wären in dem Besitz der absoluten Wahrheit, diese Drostens und so? Die wollen uns doch nur ins Bockshorn jagen, in jenem Horn, auf dem die uns das Lied vom Tod vor flöten. Nur verängstigte Bürger sind brave Bürger für die da oben.«
»Oje, oje, oje«, seufzte er schon wieder, »ich bin der Sohn von Weißen, ging in den Kindergarten von Weißen, meine Schullehrer waren Weiße, meine Vorbilder waren Weiße und alle haben mir erklärt, wie schön das Leben von uns weißen Menschen ist und wie dreckig und elend die Nicht-Weißen leben. Und dann soll ich kein Rassist sein? Und dann soll ich den strukturellen Rassismus nicht stützen und davon gefeit sein?«
»Was?«
»Ich bin doch geprägt von einer weißen Kultur von Kindesbeinen an. Und dann soll ich kein Rassist sein? Bislang dachte ich, dass ich es nicht wäre. Dass ich meinen Rassismus unten im Keller eingesperrt hätte, so wie ein wildes Tier. Ganz tief unten. Und somit kein Rassist wäre. Dachte ich. Nur der im Internet aufrufbare Test wies mir das Gegenteil nach.«
»Aber diese von der Industrie bezahlten Günstlingswissenschaftler …«
»Der einzige nicht-weiße Mensch in meiner Jugend war der katholische Priester aus der zentral-afrikanischen Diaspora. Wir hatten bei der Kommunion immer insgeheim kritisch kontrolliert, ob es stimme, dass schwarze Priesterhände nicht auf Hostien abfärben. In unserer Gemeinde waren bereits die Evangelen die Randgruppe mit gesellschaftlich, weil religiös seltsamen Ansichten. Nicht-Weiße waren aber die erklärten Nickneger der Gemeinde.«
»Aber jetzt übertreib mal nicht. Ich habe auch in einem erzkonservativen, münsterländischen Dorf meine Jugend verbracht. Und hat es mir geschadet? Nein. Überhaupt nicht! Ich bin weder Rassist, noch Macho. Trotz all der Männer und Weißen und Schullehrer. Aber ich habe mir eine kritische Distanz zu den angeblichen Göttern der Wissenschaft erarbeitet, die ja alle nur im Dienste …«
»Ich hatte immer meiner Freundin, einer Mulattin, vorgeworfen, sie wäre Rassistin. Aber ich bin ja auch nicht besser.«
»Diese Mischlinge, also jene nicht weiß, nicht schwarz, die sind eh die größten Rassisten. Das hat man damals schon in Südafrika unter Pieter Botha gesehen. Die waren noch größere Rassisten als die Weißen. Da sind wir ja die reinsten Engel, während jene komplett rabenschwarze, grausame Ansichten unter deren brauen Haut haben. Da ist das, was ja andere versuchen als Rassismus zu geißeln, in Wahrheit das reinste Gold.«
»Das interessiert mich aber nicht. Wir hatten in unserer Grundschule einen Peter, der hieß der ‘Schwarze Peter’, weil wir ihm immer die Sündenbockrolle zugeschoben hatten.«
»War er dunkel-pigmentiert?«
»Nein, er hatte damals mal vor vierzig Jahren gesagt, dass auch schwarze Menschen Menschen seien und unsere Vorfahren alle auch mal schwarz waren.«
»Und?«
»Wir haben ihn danach dauernd gehänselt und gemobbt. Denn wir waren der Überzeugung unsere Vorfahren waren Adam und Eva und beide waren Weiße. So wie Gott und Jesus und Maria und der Heilige Geist. Der Peter bekam nach seiner Aussage vor der Klasse nur noch den ‘Schwarzen Peter’ zugeschoben. Sogar der Lehrer fand seine Aussage bedenklich.«
»Ach komm! Erzähl doch nicht so einen Schwachsinn. Das hast du dir doch jetzt gerade aus den Fingern gesogen. Und gleich erklärst du auch noch, dass Drosten und Co.KG alle Recht haben. Ich hab dich durchblickt, verzäll nix!«
Ich nahm mein Kölsch, leerte es in einem Zug, hielt es dem Wirt entgegen: »Passt so?«
Der Jammerlappen schaute mich zum ersten Mal direkt an. Ich erwartete einen provozierenden Blick, einen ironischen oder so etwas in der Art. Aber es war wohl der gleiche leere Blick, mit dem er seine in die Decke gestarrten Löcher gefüllt hatte.
»Ich verzäll nix. Aber der Test hatte recht. Nur erzählt mir jeder das Gegenteil, dass ich dem Test nicht trauen solle. Aber ich traue mir und meiner Erkenntnis. Ich habe erkennt, dass ich Rassist bin.«
»Und macht es dich zu einem besseren Menschen, weil du es erkannst hast? Besser als mich? Das glaubst du doch wohl selber nicht! Das ist reine Hybris. Narzissmus der besonderen Art!«
»Das ist es ja eben. Es geht nicht ums reine Bewerten, sondern ums Ändern und Verbessern. Bewerten kann jeder, aber es geht ums strukturelle und was jeder daraus macht.«
Ich musterte ihn von oben bis unten. Eine Gestalt entsprechend seinen Äußerungen. Unaufgeklärt und unmündig. Ein Fähnchen im Wind, aber eben darauf gerade heraus als Qualitätsmerkmal pochend: »Klar. Verstehe ich komplett. Dir geht’s lediglich ums Vergleichen mit anderen. Du bist neidisch auf jene, die von sich sagen, sie wären weder rassistisch, machistisch oder sexistisch. Deutsche Neidkultur. Typisch mal wieder. Die typische deutsche Neidkultur. Niemand gönnt niemanden etwas. Es nervt langsam, das zu hören. Echt jetzt!«
»Typisch deutsch ist ‘typisch deutsch’ zu sagen«, warf er mir eine lakonische Bemerkung wie ein Knochen hin.
»Ach ja?«
Er zog aus seiner Tasche eine schwarze Maske, zog sich diese über Mund und Nase und warf mir einen Blick zu, der mich wohl provozieren sollte.
»Weißte was, du Pimpf?« herrschte ich ihn ungehalten an, »du kannst mich nicht provozieren mit deiner Maske. Du willst mir sagen, dass ich ansteckend bin, nicht wahr, Covid positiv. Ein Virus der Gesellschaft. Aber das ist Quatsch. In meiner Umgebung sind alle clean. Und ich auch. Und alle um mich herum auch. Da wetten ich jeden PCR-Test drauf. Da kannste tausend Masken tragen. Du kannst mir keine Angst einjagen. Weder du die RKIS, die Drostens und Spahns. Die da oben wollen das doch und dich en top als nützlichen Idioten haben. So wie es von oben geplant ist. Um uns zu verblöden. Gegen so etwas bin ich immun. Komplett. Ich kann selber denken, du regierungsopportunes Arschloch!«
Etwas Gelbes drängte sich in mein Gesichtsfeld. Ich schaute irritiert zur Seite. Der Wirt hielt mir einen gelben Karton vors Gesicht.
»Was?«, fragte ich irritiert.
»Du bist jetzt still. Oder du gehst nach Hause. Meine Gäste beleidigen geht gar nicht!«
»Ach ja? Aber der hat doch angefangen!«
Der Wirt blickte mich ernsthaft warnend an. Das musste ich mir nicht antun. Ich warf einen Zwanziger auf die Theke und verließ das Lokal.
Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:
“Hört sich aber so an. Nochmals von vorne. Verheiratet? Kinder?”
“Nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Ja. Ja.”
“Was ‘nein’?”
“Weder verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden, verkindert. Und glücklich.”
“Wofür stand das letzte ‘Ja’?”
“Ob ich Hedonist bin.”
“Aha. Also Ballermann all night long, was?“
“Wie bitte?”
“Sie sind garantiert einer dieser Urlauber, die sich verantwortungslos daneben benehmen, wenn sie rausgehen. Sei es Leopoldstraße, Berlin-City, Ibiza, Balearen, Ballermann, Las Palmas, Kanaren, Cap d’Agde, Oktoberfest, Ibiza.”
“Ich verstehe nicht. Sie erwähnen so völlig indiskret meine Verhältnisse und Destination. Ist das üblich?”
“Ledig, unverbandelt, ohne Verantwortung, in den 50ern mit 50mal 200er-Viagra im Gepäck, ohne Nachdenken ob der Probleme von Familien. Hirn frei, aber feierwütig. Und dann alles ohne Mundschutz. Und Bussi Bussi.”
“Heißt es nicht ‘Feiern in Bayern’? Wer braucht dazu plärrende Kinder, die einem die ganze Feierstimmung auf im heißen Wasser platzende Weißwürste reduzieren?”
Er holte Atem: ”Ganz am Rande meine Meinung: Echt gut, dass bald eine Vermögenssteuer für Singles eingeführt werden soll. Bin ich voll für.”
“Wer will das?”
“Ich. Und viele andere werktätigen, rechtschaffende deutsche Bürger, die Familie haben. Die jeden Euro umdrehen müssen, weil die Corona-freien Länder so weit weg sind zum Urlauben, weil unverantwortliche alte weiße Sackgesichter Ü50 wie Sie die klassischen Urlaubsgegenden mit Covid-19 verseuchen..”
“Soso.”
“Jaja. Jetzt ist mal Schluss mit der billigen Bums- und Feiermeile aufm Ballermann. Einfach feiern und Bier saufen, während …”
“… unsere Soldaten und Jungs in Afghanistan oder sonst wo erschossen werden?Recht so.”
“Wie meinen?”
“Dass Kriege mehr Opfer fordert als Covid-19, aber keine Sau wegen einem Krieg jemals einen Lock-Down hier durchgeführt hat, wenn im Bundestag Bundeswehrmandate für Auslandseinsätze verabschiedet wurden.”
“Was hat das mit einer Pandemie zu tun, Sie elender Honk von Ritchie Rich? Haben wir hier Kriege in Deutschland, Sie Tatsachenwämser? Ihr Whataboutism nervt!”
“Die größte Pandemie dieses schmutzigen Klumpens Weltraumsdreck mit humaner Atmosphäre ist das Virus des Bellizismus.”
“Oh Gott. Schon wieder so ein weltenentrückter und weltfremder Pazifist. Könnt ihr euch nicht eigentlich alle eine Rakete Richtung Mars kaufen? Dann wären wir euch Pazifistengesocks für immer los. Haben Sie überhaupt eine Vorstellung davon, wie viel Leben unsere Bundeswehr bewahrt hat? Ohne den Armeen dieser Welt gäbe es mehr ungerichteten Mord und Totschlag als ohne.”
“Lassen Sie Gott aus dem Spiel. Um Himmelswillen, das hat den Soldaten mit deren Koppel in Stalingrad damals auch nicht das Leben gerettet.”
“Arschloch!”
“Because I’m happy. Falls Sie überhaupt wissen, was happy ist.”
“Ich weiß, was Glück ist, aber deswegen werde ich nicht applaudieren, nur damit Sie besoffen, fickend und glücklich überm Ballermann wanken können, um alle mit Corona zu infizieren! Nochmals! Wir sind hier hart arbeitende Menschen, denen es nur gut geht, wenn es unserer Wirtschaft gut geht. Ohne gut gehender Wirtschaft, ist Glück lediglich eine Illusion zwischen dem Ausfüllen zweier Lottoscheine und der Ziehung im Fernsehen.”
“Das haben Sie aber schön gesagt. Und wohin geht die Wirtschaft, wenn es ihr gut geht? Schon mal drüber nachgedacht?”
“Nee, nö. Solche wie Sie gilt es zu bekämpfen. Wer Sie als Freund hat, braucht keine Feinde mehr. Es kann nicht sein, dass das Glück des Einzelnen wie Ihrem dem Glück aller entgegensteht.”
“Warum denn nicht?”
“Ins Hirn geschissen, oder was? Die Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied es ist!”
Ich nickte freundlich aufmunternd dem jungen Mann am Schalter zu. Es erfreute mich, dass es offensichtlich mehr differenziert denkende Menschen in systemischen Jobs gibt, als ich dachte. Nun gut. Jener war nicht gerade ein ideal mündig denkender Bürger, weil er mein bescheidendes großes Vermögen in Frage stellte, aber er war immerhin auf den Weg dahin. Er musste halt noch lernen. Junger Hüpfer.
Zumindest war er jemand, der meine Interessen nicht gleich in Bausch und Bogen verdammt hatte. Und das, obwohl er locker erkennen konnte, wie viel mehr ich als er verdiene. Ihm musste doch beim Check-In aufgefallen sein, dass sein Jahresgehalt gerade die Charterkosten meines Jet decken würden. Nur, dass er deswegen nicht gleich die Revolution ausgerufen hatte, das hielt ich ihm als Bonus entgegen. Kein Revoluzzer eben. Den Sozialismus in seinem Lauf kommt für mich weiter eine Stufe weiter rauf, dank der unermüdlichen, systemischen Servicekraft am Check-in …
Ich nahm mein Smartphone und telefonierte, ob mein Charterjet gen Ibiza schon vollgetankt wäre und ließ den planlosen Meckerer am Check-In allein in seinem München zurück.
Auf zum Feiern in erlauchter Runde. Senhor St. Rache hatte sich auch zu Besuch gemeldet. Er benötigte mal wieder ne Auszeit von den Journalisten, schrieb er mir per Threema. Ein paar sexy Doppel-D-Russinnen oder langhaarige Rumäninnen als Serviererinnen könnte er sich nach der geschäftlichen Besprechung vorstellen. Nur vorher sollten jene gefälligst mittels PCR kontrolliert werden, ansonsten könne er nicht kommen. Seine Frau ließe das nicht zu. Sie wolle schließlich nicht 14 Tage in Quarantäne wegen seiner Feierei …
Ein zweiter Versuch. Etwas kürzer, aber weiterhin lang. Lange Stille.
‘Still sein’ ist wie das neue Rufen im gerodeten Walde. Je stiller man hinein brunft, desto weniger tiriliert es vogelnderweise heraus. Brünftig sein, ist ja nichts schlimmes. Vorausgesetzt, der Vorhang ist zugezogen, die Bettdecke hochgezogen und der Rest vom Toilettenpapier ist in der Nähe griffbereit. Dann ist Stille. Das neue stille Schweigen. In Schweigen gehüllt. Des Kaisers neue Kleider. Du hast nichts zum Anziehen? Hülle dich in Schweigen. Das Normal aller Schweiger.
Das neue Normal ist jetzt das Beaugapfeln. Ist jemand gegen die Kritik an dem System kritisch eingestellt? In der Internet-Galaxis und der Blogosphäre gerät jeder Mensch ins Fadenkreuz der Systemkritiker, wenn nur ein Hauch von Häresie der Systemunkritischheit weht. Bin ich systemkritisch genug? Wenn nein, dann bin ich Systemsympathisant. Mainstream-Schreiber. Mainstream-Presse-Förderer. Fake-News-Unterstützer. Also so eine Art “Erdoğan für Arme” mit dem christlichen Anspruch eines Donald Trump: “Seelig sind jene geistig Armen, denn irrer ist nur das bekloppte Himmelreich”.
Freilich liegt damit die Verwendung des Wortes “Verschwörungstheoretiker” nah. Näher, bei denen, die in Schubladen denken müssen, weil deren Abstellräume das reine Chaos sind. “Rumpelkammern” werden solche Abstellräume auf deutsch gerne genannt. Aber Schubläden sind die hohe Kunst des Einräumens von Chaos auf kleinstem Raum: ein Clustern von klandestinen Ansichten, welche man gerne als Konspiration ansehen möchte, weil es dann kaum Erklärungsbedarf geben soll. Nur eine derartige Verschwörung ist keine Verschwörung mehr, wenn jene Verschwörung bereits überall herum vagabundiert und sich selber implizit anpreist wie sauer Bier. Annahmen über Zusammenhänge, welche den eigenen Horizont übersteigen und zum Zwecke der konsequenten Ablehnung der Existenz eines wie immer auch gearteten Zufalls, also solche Annahmen, sie sind wie Straßenhuren: billig, willig und von allen Seiten mit dem steifen Willen der Überzeugungstäterschaft zu penetrieren.
Hört sich seltsam kompliziert an, aber es ist die geschäftliche Basis der Prostitution durch weiblichen und männlichen Prostituierte. Dass trotzdem dieses kaum einer verstehen will oder möchte, gleicht den Tipps aus jenen Büchern wie “So werde ich in vierzehn Tagen Millionär”. Lediglich der aufmerksame Nachdenker fragt gleich nach, in welcher Einheit der Begriff “Millionär” definiert wird. Als Währung “Bolivar fuerte”? Oder Einheit “Wassertropfen”? Und was mit den verbleibenden vierzehn Nächten in Zeiten der Globalisierung ist, die dann immer noch übrig bleiben würden, das treibt dann jene in Bücher wie “Sixty Shades of Grey”. Hurra, wir lesen noch. Dieser Begeisterungsausruf darf doch wohl noch geschrieben werden, oder etwa nicht?
Oder etwa nicht? Ich erinnere mich an eine Messenger-Nachricht, die ich erhielt, dass der Inhalt der zitierten Nachricht regierungsseitig schon bald zensiert würde und deshalb schnell weiter verteilt werden sollte. Dass meine ersten Nachforschungen mir zeigten, dass der Inhalt der “bald zensierten” Nachricht schon fünf Jahre alt war (Herkunft: AfD), stellt eigentlich den vollkommenen Beweis der Unsinnigkeit der Nachricht dar. Sie erreichte mich aber im Rahmen der “zeitlich nahenden” Zensur mehrmals und wurde mir auf Rückfragen als seriös eingestuft.
So erhielt ich international in meinem Messenger auf meinem Smartphone die Warnung wegen CoVid-19 das Medikament “Ibuprofen” zu nutzen. Auf meinen provokative Antworten, dass diese Nachricht aus dem Bodensatz der Aluhutträger stamme, kamen dann nur Antworten, die vergleichbar sind mit Deos mit Aluminium und Deos ohne Aluminium. Dabei gibt es doch so viele Forschungen ohne Peer-Review, die vor Aluminium in Deos warnen. Weil jenes dann duhn in den Köpfen machen soll. Und die logischen Rückfolgerungen, dass Aluminium schon seit Gottes Schöpfung gefährlich für den Menschen sei. Ergo schuf Gott schon das Mittel der Zerstörung für das Lebewesen, welches sich als die Krone der göttlichen Schöpfung ansieht
Moment, ich wollte jetzt keine religiöse Überzeugung beleidigen. Was ich gerade schrieb, würde bedeuten Gott/Allah/Jehova/etc. hätte schon die intellektuelle Vernichtung des Menschen bei dessen Schöpfungsakt mit eingeplant gehabt …andererseits haben die ganzen Gottesdienste und Gebete bis jetzt noch keine Problemlösung gebracht … Gottesbeweis? …
Seitdem jenem Freitag, dem letzten 13ten, den wir in diesem März hatten, zwei Tage vor den Iden des Märzes, an dem Gaius Julius Caesar vor 2064 Jahren das Opfer einer Verschwörung (und nicht lediglich Opfer einer Verschwörungstheorie) wurde, seit es also an jenem Freitag, dem 13ten, mit bundesstaatlichen Verordnungen losging, konnte ich folgendes feststellen: es hat weniger Flieger in der Luft, somit hat es weniger Chemtrails, hat es jetzt immer mehr Gesichtsmasken und dazu immer mehr Verschwörungstheoretiker. Aber kaum Verschwörungen. Das ist doch auffällig. Oder etwa nicht?
Und dann ist jetzt auch noch heute die Alufolie im Supermarkt gegenüber ausverkauft. Aber da klingelt es bei niemanden. Weder bei Verschwörungstheoriegegnern, noch bei Verschwörungserzählern, die jetzt mit Alubällchen am Rucksack durch die Gegend laufen. Einfach kein Klingeln, Null klingelingeling. Fällt das nur mir auf? Meine erste Intention war: Ich geh dann mal runter und klingle bei allen in der Straße, damit die endlich mal aufwachen. Klingelstreich.
Was sich in diesen Zeiten rauskristallisiert, ist ein Standes-Denken vieler Mitbürger. “Ich bin Akademiker!”, “Ich bin Lehrer!”, “Ich hab nen Doktortitel!”, “Ich habe allen drei schon mal für nen Fuffi einen geblasen!” Das letztere bezog sich freilich auf einen Marsch, den wütende Mitbürger gerne blasen, und nicht auf eine sexuelle Praktik. Diese sexuelle Praktik geht eh nicht. Unhygienisch. CoVid-19- und HIV-Befürchtungen lassen grüßen.
HIV war Mitte der 80er das gesundheitliche Angstthema. Bayern wollte damals einen HIV negativ-Test von seinen Staatshinzugehörigen als Standard haben. So etwas könnte als Pawlowsche Experiment unter der freien Sonne bezeichnet werden. Menschen massiv zu ängstigen und gleichzeitig als Retter zu einem Gegenpol aufzubauen. Jene “Retter” lassen sich in Folge leicht zu Tätern umfirmieren. Und weil sich Situationen immer stetig ändern und das Vergangene aus einer Gegenwart generell anders beurteilt werden kann (und das in unterschiedlicher Weise), ist alles im Fluss. In dynamischer Bewegung. Und generiert Gewinner und Verlierer, Helden und Opfer.
Wie schrieb mir jemand recht angepisst über seine Einstellung zur aktuellen Situation: “Zum Dank für die Rettung durch unserer Helden werden wir ihnen die Füße lecken.” Eine Einschätzung, die eine dezidierte Gedankenwelt und Disposition wieder spiegelt. Mit dem “wir” wollte er mich vereinnahmen. Nur musste ich es zurückweisen, weil ich nicht so pauschalierend systemnegativkritisch denke. Daher erhielt ich auf meine Rückweisung auch eine negatives Reaktion.
Ich verstehe, dass es Kritik an der Berichterstattung über die Corona-Sachlagen gibt. Es ist auch nur zu verständlich. Waren vor sechs Wochen die “Johns Hopkins University & Medicine”-Zahlen noch die begehrtesten Statistiken, die wie Medaillenspiegel bei einer Olympiade behandelt wurden, so langweilt es die Menschen, diese Tabellen weiterhin anzuschauen (“Crisis? What crisis?”). Unter den Top-5 ist letztendlich nur ein EU-Land. Und zweieinhalb der Top-5 lassen sich nicht einmal dem Kontinent Europa zuordnen.
Who cares? Wayne interessiert’s, dass in Brasilien nicht nur der Regenwald niederbrennt, sondern auch die Leute im Bundesstaate Amazonas in deren Bundeshauptstadt Manaus wegen CoVid-19 flach liegen und sterben? Wie die Fliegen? Fake News? Hauptsache, es nervt niemanden. Und auch mich nicht, mit jenen Abstandsregeln im Biergarten oder an der Isar …
Während der Gouverneur von Manaus und der Präsident von Brasilien so populär wie eine Furunkel am aller wertesten After erscheinen, so erscheint Markus Söder wie der Fackelträger von Gesundheit und Ordnung in Deutschland.
Was haben Karl Lauterbach, Christian Drosten und Markus Söder gemeinsam? Brief-Post mit Inhalt. Einen Umschlag mit einer mit Flüssigkeit gefüllten Phiole und dem Hinweis “trink das – dann wirst du immun”. Das ist freilich ein gutes Fundament, auf welches Söder bundesweit bauen kann und welches nützliche Idioten mit solchen hirnverbrannten Aktionen zementieren. Trotzdem hat eben dieser Wahnsinn einzelner, die derartige Bedrohungen verschicken, nichts mit dem zu tun, was wirklich bedeutsam ist.
Da wird man still. Stad wurds, wie der Bayer zu sagen pflegt. Knistern tuts. Und dem stillen Pfeifen im Walde wird leise nachgehorcht.
Und dann fang ich an, die Gegenreaktion einzuordnen, zu klassifizieren. Und egal ob sie von links, rechts, oben, unten oder diametral digital kommt, ich konnte sie nur auf einem Nuhr-Level verorten. Freilich mit der Gefahr, für meine stille Dieter-Nuhr-Verortung einen lauten Ordnungsruf zu erhalten. Wegen Systemkritik-Kritik. Ich mag es nicht, wenn auf unterstem Niveau unter dem Deckmantel des eigenen Satireverständnisses andere das Nachdenken anderer mit dem hauseigenen, röhrenden Rasenmäher niedergemeuchelt werden. Denn erst wenn fremdes Nachdenken als Nicht-Nachdenken ab klassifiziert wird, kann die eigene Argumentation auf dem wichtigen Begriff “Nachdenken” aufgebaut werden. Auch wenn die eigene Argumentation kaum über die beliebte Dieter-Nuhr-Niveau-Messlatte in jenem Moment herausragen mag. Auch wenn sie von Nachdenkseiten stammen mögen. Ich bin still. Die jetzige Zeit erinnert mich an das Verhältnis von Hans Wolfgang Otto Neuss, Franz Josef Degenhardt, Hans Dieter Hüsch und Dieter Süverkrüpp mit der damaligen Studentenbewegung und deren SDS. Freies Nachdenken versus Dogmatismus.
Es gibt Seiten im Internet, welchem sich dem Nachdenken verschrieben haben. Auf der einen Seite ist das positiv zu werten. Jedoch wenn die Kritik an das System in ihrer Systematik sich hinsichtlich deren eigenen Kritik in den Arsch beißt, dann tut da mir weh. Hic Rhodus, hic salta! Hier ist Rhodos, hier springe! Nur wenn der Kritiker immer von sich aus zu verstehen gibt, dass seine auf Rhodos getätigte Kritik generell “Rhodos exterritorial” sei, dann wird es seltsam. Ich selber bin nicht perfekt, von der Unfehlbarkeit Lichtjahre entfernt, aber auf der Brennsuppe, die andere köcheln, daher geschwommen, das bin ich nicht. Da gehe ich nicht mit denjenigen konform, die – egal ob christlich oder nicht – immer im Geiste aus der Bibel des zweiten Teils “Das neue Testament” jenen Autor “Matthäus” im Kapitel 12, Absatz 30, monologisieren.
Es ist eine Binse, dass das Wort “Nachdenken” immer in einem Zusammenhang verwendet wird, in dem es dem Schreibenden mundet. Ich denke auch nach. Und meine Nachdenk-Ergebnisse munden mir. Andere mögen sich dadurch angewidert fühlen, ohne meine Nachdenk-Gedanken durchzudenken, weil sie entweder keinen Nerv, keine Zeit oder keine Lust dazu haben (sprich: empathisch negativ leben). Für deren gelebte Ignoranz würde einem schon mal der Hut hochgehen. Aber jener bleibt unten. Um des lieben Friedens willens und aufgrund der bitteren und der daraus folgenden unergiebigen Diskussionserfahrung “es bringt nix”. Da bleibste lieber still. Lebenserfahrung macht den Unterschied dazu.
Ich bin still. In diesen stillen Momenten beim Lesen der Bußgeldbescheide in Zeiten des bayrischen Kontaktverbotes errechne ich Einnahmen von mindestens einer Viertel Millionen Euro allein für die Stadt München, weil Leute ohne “triftige Gründe” raus gingen oder ohne “triftige Gründe” mit einer anderen fremden Person in deren eigenen Haushalt einen Abend verbrachten. Und dann erinnere ich mich, dass hier das Markus-Söder-Land ist, in denen diese Bußgelder sich aufsummierten. Und dann sehe ich seine Popularität und ganz intuitiv kommt es mir in dem Sinn, dass eben deswegen so viele den Herrn Söder bundesweit mögen, weil er fähig war, aus billigstem bayrischem Stroh Gold für die Bundesstaatskasse Bayerns zu stricken. Und jeder weiß, die deutschen Kommunen sind klamm. Somit sind Bußgeldbescheide das Manna des Volkes, welches aus Ägypten geführt wurde, um ein Land zu erobern, wo Smarties, Schweinshaxe und gefüllte Bier-Seidel permanent den Bürgern zum Greifen nah vor den Augen herum schweben.
Wenn der Stalinismus eines hervorgebracht hat, dann ein semantisches Konstrukt, was auch hier für viele Bundesbürger komplett funktioniert: Von Söder lernen heißt, siegen lernen. Masochismus ist halt en vogue.
Als damals der Stoiber in Bayer scheinbar primär negatives in Bayern für dessen Bevölkerung vor der Landtagswahl verordnete (z.B. weil er für Eltern die Schulgeldzuschüsse zusammen strich, so dass die Eltern mehr für Schulausgaben zahlen mussten), holte er im September 2003 für die CSU die 2/3-Mehrheit im Landtag.
Nun hat Söder das rigideste Programm in CoVid-19-Krise für sein Bundesland aufgelegt gehabt. Dafür liebt ihn der Rest Deutschlands. Was allerdings klar sein sollte, denn alles, was nördlich des Weißwurst-Äquators liegt, ist gleich Schweden. Und Schweden hat mit deren Politik in der CoVid-19-Krise miserabel abgeschnitten. Wer will da schon als Südschwede nicht doch lieber zu Nord-Bayern gehören?!? Das sind verdammt viele. Sogar von denen, die man zu den Verschwörungserzählern zählt.
Das frustriert. Das frustriert unheimlich. In Bayern gibt es das PaG (Polizeiaufgabengesetz). Im Vergleich zu den CoVid-19-Verordnungen sind jene Aufgabengesetze alles andere als Pille-Palle. Aber außerhalb Bayerns war das allen komplett Wurst. Weißwurst. So wie Stuttgart-21 keine Rolle in Aachen, Bielefeld, Hannover oder Berlin spielte … Gab es für Stuttgart-21 in jenen Regionen mehr als ein Schulterzucken, so ist dass das PaG in Bayern für jene komplett unwichtig erachtet wurde? So heuer Sexismus in Indien. Das PaG betrifft allerdings alleinigst nur Bayern.
CoVid-19-Verordnungen stellen für viele den Untergang derer Existenz dar. Nur Herr Söder hat die Korona einer männliche “Jeanne d’Arc”, Held der Republik. Und das PaG als unbedeutendes Übel, welches Rest-Deutschland nicht interessiert. Dafür hat man dann aber den Krankenpflegenden, den Bahnmitarbeitern und den anderen Systemrelevanten mehrfach auf den Balkonen Deutschlands als “Helden” eine Ludwig vans Ode “An die Freude” gespielt. Mit der Textzeile “alle Menschen werden Brüder” (wohl auch Schwestern). Die offizielle EU-Europahymne. Gespielt und beklatscht von seinen Brüdern und Schwestern.
Das Ergebnis der Beklatschungen: paar Groschen extra für Krankenpfleger und dazu inzwischen Entlassungspläne bei der DB vom Herrn B. Scheuer (“Maut? Wasn das? CO2 relevant? Kann man das auch Maßkrug weise trinken?”). Gott mit Dir, du Land der Bayern. Frohe Arbeit, frohes Feiern, reiche Ernten jedem Gau. Gott mit Dir, du Land der Bayern. Den anderen möge das Geleut auf deren Flure unterm Himmel, weiß und blau, Zeitvertreib bieten. …
Ich läute nicht. Ich verbleibe still. Mein vormaliges Corona-Tagebuch starb an den Widersprüchen der Gesellschaft, in der ich lebe. Widersprüche, die ich nicht erfassen konnte, weil sie nicht so ernsthaft empor ploppten und den anderen wichtigen Themen das Wasser abgruben.
Es hat sich nichts an meiner privaten Solitär-Stellung verändert. Ich konnte feststellen, dass in den Zeiten des Kontaktverbots und der Ausgangsbeschränkung bestimmte Menschen auf dicke Hose gemacht hatten, also sich als jene generierten, die die Ausgangsbeschränkung und das Kontaktverbot großzügig für sich ausgelegt hatten. Aber letztendlich hielten sie sich genauso an die gesetzlichen Vorschriften, wie ich es auch tat. Sie beaugapfelten ihre Umgebung genauso auf Verstöße, wie ich es tat. Und sie meldeten jene Verstöße genau so oft, wie ich es tat, nämlich gar nicht. Aber sie beklagen sich darüber, genau so wie ich. Die anderen verhielten sich immer falsch.
Wir dagegen, waren immer die Guten. Und die Dummen. Weil die Guten ja immer die Dummen sein sollen. Sagt der Volksmund. Volksmund, nicht Kindermund. Wer tut nur die Wahrheit kund? Gemäß Boëthius hätte ich in diesem nicht so viel schreiben sollen. Wenn ich geschwiegen hätte, wäre ich vorm Leser ein Philosoph geblieben.
Ich bin still. Absolut still. Stille Wasser sind über allen Dächern Ruh. Und aller tiefer Laster Anfang.
Alois Hingerl – Dienstmann Nr. 172 am Münchner Hauptbahnhof mit göttlichen Ratschlägen an die Bayerischen Regierung als Brief in seiner Tasche – führte sein Weg am 18. Mai 2020 aus der himmlischen Quarantäne einer alten Gewohnheit gemäß herunter zum Münchner Hofbräuhaus. Und er fand seinen Stammplatz wieder, fand den Stammplatz leer, die Kellnerin, die Kathi, kam auf ihn zu … und er b’stellte sich a Maß … und b’stellte sich noch a …
Kathi reichte ihm einen Kugelschreiber und Zettel. Stumm, aber bestimmt deutete sie Alois an, dass er darauf seinen Namen, seine private Telefonnummer und ebenfalls seine voraussichtliche Verweildauer im Hofbräuhaus-Biergarten eintragen müsse, bevor er überhaupt irgendetwas bestellen könne.
„So – hmhm – ja, wann kriag na i wos z’trinka?“
Kathi tippte enerviert energisch auf den Zettel. „Sie werden Ihr Manna schon bekommen“ und drückte dem Alois den Kugelschreiber in seine Hand.
“Waas? Z’trinka kriagat i überhaupts nix? Mei Liaber: a Manna hat se g’sagt, a Manna kriagat i! Mei Liaber, da wennst ma net gehst mit Dei’m Manna, gell, den kennts selber saufa, des sag i Eich, aber i trink koan Manna, daß Di auskennst!“
Kathi schüttelte ihren Kopf und meinte lediglich:
„Ja, was ist denn das für ein Lümmel“,
ließ darauf zwei private schwarzgewandetet Sicherheitsdienstmänner (Nr. 42 und Nr. 98) den Alois packen und raus aus dem inneren Biergarten des Hofbräuhaus vor die Tür des Hofbräuhaus schleppen. Dort stellten ihn beide ab und gaben ihm noch einen Schubs.
“Ja, sagen Sie mal, warum plärr’n Sie denn auch da herinne so unanständig?”, merkte Nr. 42 kopfschüttelnd an und zog seine schwarze Gesichtsmaske ein wenig höher über seine hohe, weiße Nase.
“Mit dem können wir hier nichts anfangen”, stimmte ihm Nr. 98 zu und nahm dem Alois den Kugelschreiber und den unausgefüllten Antrag auf eine persönliche und nicht übertragbar eingeschenkte Maß ab.
“So hat denn auch jene liebe Seele ihre Ruhe”, flachste Sicherheitsdienstmann Nr. 42, maß mittels Zollstock sicherheitshalber den Sicherheitsabstand zwischen allen drei Beteiligten aus und bewegte sich 23,81 Zentimeter von seinem Kollegen Nr. 98 nach rechts.
Alois Hingerl – Dienstmann Nr. 172 am Münchner Hauptbahnhof und eingedenk seines Auftrages, einen göttlichen Brief zu überbringen – sank vom Schlag getroffen zu Boden und verstarb nun endgültig.
Und so wartet Söder – mit 1 Meter 50 Sicherheitsabstand zu seiner Vernunft – bis heute weiterhin vergeblich auf göttliche Eingebungen.
frei nach nach einer Geschichte von Ludwig Thoma (1867 – 1921)