Während die deutsche Fußballmannschaft gegen die Weltauswahl aus Aserbaidschan versucht, mit Toren einen gebührenden Abstand zu einer theoretisch machbaren Niederlage herzustellen, reicht es mir nicht.
Einfach nur dabei zu sein? Das reicht mir nicht.
Hautnah den deutschen Fußballern auf den Pelz rücken. Das isses.
Training ist vorbei. Die Spieler verlassen den Rasen, gleich geht’s zurück ins Hotel.
15 Minuten Halbzeitpause.
15 Minuten nachdenken, wie das zu schaffen sein könnte.
Was liegt näher als …
15 Minuten Rückfahrt, die Mannschaft ist zurück im Hotel. Gleich geht’s zum Abendessen.
… nein, doch nicht.
IM ARD … pardon, ich meine: … Im ARD läuft das Spiel zwar live. Kommentator und Co-Kommentator plaudern munter die Zeit der Halbzeitpause tot. Nur, das ist mir noch nicht hautnah genug.
Näher, oh näher zu dir, meine Mannschaft, will ich dir rücken!
Der Bus ist da, die Spieler auch. Philipp Lahm und Co. machen sich gerade warm.
Heureka!
Das isses!
Twitter!
Ich verfolge die Nationalmannschaft über Twitter!
„Näher dran“ gibt es gar nicht, wenn Podolski, Klose, Lahm und Badstuber abwechselnd mit Handy ihre Nachrichten ins WorldWide-SocialWeb abschicken.
Und wenn nicht unsere Stars, dann sicher der Niersbach in Vertretung der Mannschaft.
Die Mannschaften laufen ein. Gleich gehts los…
140 Zeichen Fußballlyrik.
Die Suche unter Twitter spukt mir als Twitter-Teilnehmer „DFB_Team“ aus.
Ich logge mich ein und lese …
Wiederanpfiff in Köln, die zweiten 45 Minuten laufen.
… und schließe die Twitter-Seite wieder.
Soviel spannende DFB-Hochlyrik ist mir zu tiefsinnig.
Das 4:0 fällt und ich lese die letzte Twitter-Prosa vom DFB.
Die Diagnose bei Mertesacker: Platzwunde unter dem linken Auge. Vorsichtshalber wird er zum Röntgen ins Krankenhaus gefahren.
Der ARD-Kommentator plaudert weiter wie ein Duracell-Häschen auf AC/DC in sein Mikrofon.
Hm.
Meine Entscheidung für die zweite Halbzeit ist gefallen:
Lieber ARD-Fußball statt DFB-Twitter.
Lieber mittendrin statt hautnah.
Jede Bahn hat ihren Sprecher und jeder Sprecher glänzt so gut er kann wie eine Sternschnuppe:
Erst Stern dann Schnuppe.
Oder so.
Man muss sich mal die Angabe über die Zunge zergehen lassen, was Jürgen Kornmann da binnen 15 Sekunden dem ZDF erzählt:
Auf 1440 Einsätze gab es 3 Ausfälle. Und Herr Kornmann bezog sich auf den Fall, dass es gestern dazu kam, dass Züge wegen dem Ausfall der Klimaanlage überhitzt waren und Passagiere wegen Dehydrierung vor Ort medizinisch versorgt werden mussten (s.a. Video von YouTube unten).
So und nun holen wir mal unsere Hauptschulabschlüsse heraus und fangen an zu rechnen.
Was bedeutet das? 3 ausgefallene Klimaanlagen auf 1440 Zugverläufe.
Erst einmal gar nichts.
Fällt bei einem ICE-Zugverbund eine Klimaanlage aus, so betrifft es im worst-case („schlimsten Falls“) ca. 800 Passagiere eines Zuges (von Klasse 1 bis Klasse 2 und Board-Restaurant). Sozusagen binnenklima-erwärmender Schrott auf Achse.
Die pharmazeutische Industrie hat eine international anerkannte Größe entworfen, die auch in der Automobilindustrie ihre Anwendung verwendet: „ppm“ (parts per million). „ppm“ sagt aus, wie viele Teile auf eine Million Teile ausfallen. 10 ppm sind also 10 fehlerhafte Teile auf eine Millionen Gesamtteile. Also 10 Tote auf 1 Millionen Menschen sind statistisch „10 ppm“. Umgerechnet sind also 3 Zugausfälle auf 1440 Zugvorgänge erst einmal absolut nichtssagend. Nehmen wir also der Einfachheit an, 3 Zügen mit defekten Klimavorrichtungen im gesamten Zugstrang (!) sind unterwegs. Wer die Bahn und ihre Fahrpläne kennt, kommt somit bei drei Zugverbünden auf maximal sieben Zugstrecken, also sieben Zugvorgänge.
Somit hätten wir 21 Zugvorgänge mit defekten Klimaanlagen auf 1440 Zugvorgänge (s.a. Videointerview oben). Das macht dann 14583 ppm (also statistisch 14583 Ausfälle auf 1.000.000 Zugvorgänge).
Im Vergleich mit der Automobilindustrie mit dem Qualitätsziel 0 ppm für Ausfälle im Feld, also im Betrieb, (als Beispiel: unsere Firma liegt bei 1,5 ppm), das ist also eine gnadenlose Katastrophe.
Moment!
In einem Auto sitzen in Deutschland maximal fünf Leute (okay, die Polizei fischt immer wieder auch Autos mit acht Passagieren in einem Twingo bei brütender Hitze aus dem Verkehr), aber bleiben wir mal statistisch: In den meisten Fahrzeugen sitzen statistisch gesehen 2,5 Personen (Zeitung auf dem Beifahrersitz bei Berufsfahrern mal ausgeschlossen). In einem Zugverlauf sitzen aber maximal 800 Leute, was somit die ppm-Zahl auf 19 runter schrumpfen lässt.
19 ppm!
Da wird die Automobilindustrie neidisch. Denn schon im Innenraum eines Fahrzeuges sind laut Verträge für Zulieferer 300 ppm zulässig. Selbst wenn ich 6 Leute in das Fahrzeug stopfe, komme ich personenbezogen nur auf 50 ppm.
Was will ich damit total und überkandidelt ketzerischerweise sagen?
Ganz einfach.
Nachdem Deutschland schon nicht unter die besten zwei der FIFA-Fußball-WM kommen konnte und auch sonst kein Vollidiot etwas presse-würdiges verbrochen hatte, da musste die Bahn dran glaube.
Lesen wir mal die Presseberichte.
Wie viele waren von dem Ausfall der Klimaanlage betroffen?
Es wird von einem Teil einer Schulklasse gesprochen (max. 30 Schüler), in anderen Berichten von 40 Menschen. Gut, lassen wir es mal 100 sein. Seien wir mal realistisch: 1000 Menschen gemäß der Pfeifer’schen Regel „Nur 4% der Kunden beschweren sich über mangelnde Qualität“ (ISBN 3-446-18579-8). Was dann fast genau der Zahl derjenigen Anzahl der Zuginsassen entspricht, die in einem Zug gesessen haben könnten (nämlich 1000 Passagiere entsprechend den Angaben der Journailien). 1000 Passagiere statistisch gesehen auf drei Züge verteilt, denn der 2. Klasse ist es nicht erlaubt im Zugrestaurant, auf der Zugtoilette oder in der 1. Klasse herum zu lungern.
Und dann mal die spontan er-google-te Nachricht:
Auf der A9 bei Gefrees hat Freitag Mittag die Unachtsamkeit eines Lkw-Fahrers neben 100-tausend Euro Sachschaden auch einen 12 Kilometer langen Stau verursacht.
12 Kilometer.
Zweispurig.
Also 24 Kilometer rechnerisch.
Und sicherlich nicht nur dort.
Bei „Jugend forscht“ wurde ausgerechnet, dass auf 3 km Stau 500 Autos kommen. Ergo haben wir hier mal locker 4000 Fahrzeuge mit statistisch gesehen 2,5 Personen drinne (es ist Freitag Mittag bei brüllender Hitze (wer Klimaanlagen kennt, weiß, dass dies jetzt keine rhetorische Phrase sein muss), viele Berufstätige fahren nach Hause und das allein in Begleitung ihrer Tageszeitung auf dem Beifahrersitz), also 10.000 Personen (oder reduziert wegen dem Ich-Will-Jetzt-Nach-Hause-Pendler auf 8000 Personen).
Das sind locker mal 4 so viele Personen als in den ICEs und das bei brütender Hitze in deren Fahrzeugen, die KEINE gut funktionierende Klima haben. Wer nicht genügend im Monat verdient, weiß, was ich meine.
Hm.
War da was?
Eine Nachricht im ZDF?
In der ZEIT?
In der FAZ, der SZ, NHZ oder gar im Buxtehuder Werbeblatt?
Nicht?
Nüscht?
Gar nüscht?
Hm.
Und was war mit den Unwettern in NRW vor knapp 24 Stunden? Glaubt da wer Gutmütiger, dass deswegen weniger als 10 Flüge á 100 Passagiere nicht landen konnten? Das die gar nicht dort ankamen, wohin die wollten?
Kein Wort in der Journalie? Nada? Niete? Nullinger?
Ja, ist denn schon wieder saure Gurkenzeit?
Ja?
Dann taugt die Bahn genau als Depperle der Nation.
Zum Draufschlagen einfach.
Wenn schon ein Westerwelle nicht mehr Angriffsfläche in seinem Sommerurlaub bieten möchte …
Und nun meine Quintessenz?
Jürgen Kronmann ist ein verdammt schlechter Pressesprecher. Genau solch einer, den die Presse braucht, um einen Stellvertreterkrieg für die große Hitze mit irgendwem zu schlagen.
So ein Depperl.
Die Volksseele kocht.
Nicht allein im Stau auf der A8, der Dehydrierung nahe (kein ADAC oder Ramsauer verteilt Wasser gratis und auf den Raststätten gibt es auch nur Kraneburger Jahrgang 2010) fluchen alle auf die Bahn. Weder im Sommer noch im Winter sei sie fähig eine Klimakatastrophe in deren Waggons zu vermeiden.
Aber wir sind auf die Bahn ja nicht angewiesen. Mit dem „Mein-Bac-dein-Bac“-Feeling sicher für die nächsten 8×4 Stunden fluchen wir auf die Bahn und auf den LKW-Fahrer. Denn wäre der mit der Bahn transportiert worden, hätte es auf der A8 keinen Stau gegeben. Und als vorweggenommene Strafe hätte der dort geschmorrt, da wo die 40 bemitleidenswerten Leute im Zug schmorrten.
Mein Beileid. Meinen zumindest die acht bis zehntausend Stauteilnehmer …
Oder etwas anders ausgedrückt, so wie bei Jürgen Kornmann.
Do it again, Jürgen:
Wir schreiben den 15. Juni 2010. Es ist 18:00 Uhr. Bis um 20:00 Uhr sind bislang bei der gesamten WM 20 Tore gefallen. In 13 Spielen. Vor vier Jahren gab es bereits bis zum 15. Juni in 19 Spielen 36 Tore.
Damit im Schnitt bei dieser WM mehr Tore pro Spiel als vor vier Jahren fallen, muss jetzt Brasilien gegen Nordkorea mindestens 7:0 gewinnen. Danach würde zwar jeder von einem erneuten Endspiel Brasilien-Deutschland träumen (inkl. einem 2:0 für Brasilien; mein Déjà-vu-Traum), aber es würde wenig an dem bisherigen Verlauf der WM ändern. Eine grottige WM mit Spielen, bei denen das Einlaufen der Mannschaften spannender als das Spiel an sich ist.
Oder?
Oder etwa doch? Oder etwa nicht?
Was meint Professor Hastig aus der Seamstraße dazu?
Professor Hastig? Professor Hastig! Hm. Na, gut. Dann machen wir mal weiter. Mit dem nächsten Spiel der WM: Brasilien gegen Nord-Korea.
Êbá BRASIL!!!!!!!!!!
Mostra-nos que vocês estão orgulhoso a ser brasileiros!
diese WM ist grottenschlecht, so etwas von grottenschlecht, ein Spiel langweiliger als das andere. Wundert es, warum der englische Torhüter Green, den Ball gegen die USA durchließ? Warum der algerische Torhüter Chaouchi am Ball vorbei griff? Die waren eingepennt. Mitten während dem langweiligen Spiel. Und als dann der Ball aufs Tor zu trudelte …
„Hey, aufwachen! Balli kommt!“ …
Verduzt geguckt. Aber zu spät. Da war der Ball auch schon drin.
Und das trotz der Warn- und Weckrufe der Zuschauer mit den Vuvuzuelas.
Die Franzosen und Argentinier haben sich beschwert, die hätten vor Vuvuzuelas ihr eigenes Wort nicht mehr verstanden. Quatsch. Die fühlten sich in ihrem Schlafwagenfußball gestört. Das ist die Wahrheit.
Vuvuzuelas.
Das ist jetzt das Stichwort bei uns in meiner Nachbarschaft.
Vor der Beginn hatte ich sie alle gesehen, wie sie am Kiosk gegenüber sich die Fantüte mit Vuvuzuelas und Mini-Deutschland-Fähnchen besorgten. Alle. Sei ja WM, meinten die. Der miese Spießer aus dem ersten Stock, der sein Toilettenfenster außen mit zehn Deutschland-Fähnchen geschmückt hat. Oder dieser gestrenge Alt-89-er, der seine Tür mit einer Deutschlandfahne aus Seide dekoriert hat. Oder diese linke Type aus dem Dachgeschoss, die sich seinen knatschroten SMART mit zwei Fähnchen bestückt hat.
Denen haben wir es gezeigt. Wir lassen uns nicht nachsagen, wir seien nicht für Deutschland. Wir nicht!
Karl hatte letzte Woche drei Vuvuzulea sich beim EDEKA errubelt, Heiner zwei am Kiosk gegenüber für 10 Euro die Deutschland-Fan-Tüte gekauft und ich, ich habe mir eine im BILD-Shop online bestellt. Genau. Dort, bei der BILD-Zeitung. Die im deutschen Fan-Paket. 3 Stück! Man weiß ja nicht, wie lang die halten.
Man will ja schließlich mitfeiern und nicht am Rande stehen.
Und was jetzt? Jetzt haben die hier alle die Vuvuzuelas beim Public Viewing verboten. Und gerade die BILD-Zeitung stänkert wütend gegen die Vuvuzulas. Aber selber im Shop online Vuvuzulas für gutes Geld verhökern. Geschäfte machen, ist wohl okay. Aber das Gekaufte nutzen? Verboten.
Deutsche Verbieteritis. Typisch. Einfach feierfeindlich. Was hat das mit Einigkeit, was mit Recht, was mit Freiheit zu tun?
Jetzt reden die Wichtigtuer sogar in den Zeitungen, den Internet-Foren, den Blogs und bei Twitter davon, die Südafrikaner sollten den Gästen Toleranz gegenüber zeigen und die Vuvuzulas verbieten. Schließlich seinen wir ja Gast in deren Land und man hätte uns auch so zu behandeln! Als Gäste eben. Haben wir die nicht so behandelt vor vier Jahren und denen gesagt wo unsere No-Go-Areas sind? Also! Sollen die mal unser No-Go-Area im deutschen Fernseher respektieren und ihre Vuvuzulas wegschmeissen. Meinen diese Internet-Nerds. Diese Fuzzis können meinen, sie seinen das Maß der Dinge, wenn sie den Süd-Afrikanern vorschreiben wollen, was Fußball-Kultur sei und was nicht. Aber nicht uns. Nicht mit uns, haben wir uns gesagt. Nicht mit uns.
Wir haben schließlich für die Fan-Pakete bezahlt und wollen feiern. Will man uns jetzt vorschreiben, wie wir lustig zu sein haben?
Bei mir haben wir uns gestern eingerichtet. Zwei Kästen Bier, eine Flasche Vodka Black Label und fünfzehn Dosen Red Bull. Wir haben uns versprochen, bei jedem deutschen Tor mit unseren Vuvuzuelas Deutschland hochleben zu lassen.
Der Polizist an der Türe meinte später, unsere Feierei sei Ruhestörung. Nur weil Deutschland viermal getroffen hat und wir viermal fünf Minuten feierlich getrötet haben? Schweinerei. Die Anzeige werden wir anfechten. Wir gehen in Berufung. Wir lassen uns doch von so miesepetrigen Deutschland-Abstinenzlern hier im Haus doch nicht unsere WM vermiesen. Soll uns schließlich niemand nachsagen, wir würden Deutschland nicht mit jedem Atemzug unterstützen.
Gestern vor dem Schlafengehen – Grün-Weiß-München war schon längst weg – haben wir dann noch zu dritt mit einer Siegesfanfare den Sieg Deutschlands gefeiert. Am offenen Fenster! In den erhabenen Nachthimmel hinein! Deutschland hat 4:0 gewonnen!
Die Klingel hatten wir vorsichtshalber abgestellt. Damit nicht – wie schon bei den vier Toren zuvor – uns dahergelaufene Hobby-Talibans im Hause mit hintervotzigen Klingelterror ärgern.
So.
Wir haben jetzt ausgeschlafen.
Gleich spielt Italien. Wir werden Paraguay unterstützen.
Heiner holt noch nen Kasten Bier. Wenn er erst mal aus meiner Wohnung rausgekommen ist. Irgendwelche dieser Hobby-Terroristen fanden es offenbar toll, unsere Eingangstür mit vier Schichten Eierkartons komplett zuzukleben. Wenn wir die erwischen. Den tröten wir was auf unseren Vuvus im Choral, diesen Spassbremsen!
»Georg Schramm gibt es nicht.«
»Auf der Bühne existiert er nicht.«
Georg Schramm
Der Name »Georg Schramm« ist seit der ZDF-Kabarett-Sendung »Neues aus der Anstalt« für viele Menschen in Deutschland ein Begriff. Bekannter als er selber sind aber inzwischen seine Spielfiguren: Lothar Dombrowski, Oberstleutnant Sanftleben, der alte Sozialdemokrat August und die rheinische Frohnatur des Pharmareferenten.
Wer aber ist Georg Schramm selber?
Lothar Dombrowski schrieb dazu in seinem Buch »Lassen Sie es mich so sagen Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit«:
»Ich habe all die Jahre Georg Schramm als Pseudonym benutzt, seine Vita erfunden. Er der Offizier Sanftleben und der alte Sozialdemokrat August sind Spielfiguren, Abspaltungen meiner Person, . Im realen Leben gibt es nur mich, Lothar Dombrowski, …«
Es verwirrt.
Der Name »Lothar Dombrowski« an sich ist schon länger ein Begriff als der Name »Georg Schramm«. »Lothar Dombrowski« war ein ehemaliger Sprecher der »Tagesschau« (s.a. Bild links).
Aber wer ist jener »Lothar Dombrowski«, dessen Name von jenem Tagesschau-Sprecher entlehnt wurde und den Sprecher vergessen lässt?
Wer ist Georg Schramm?
Wer die Auftritte des unfreundlichen Lothar Dombrowski in der ZDF-Kabarett-Sendung »Neues aus der Anstalt« oder auch von Georgs Schramms letzten Programms »Thomas Bernhard hätte geschossen« her kennt, der gerät leicht in die Gefahr, diese Spielfigur mit der Person Georg Schramm gleich zu setzen.
Wer ist der Georg Schramm also? Hierzu findet sich viel Geschriebenes im Internet. Und es finden sich viele Videos über Georg Schramms Spielfiguren, sei es in der ZDF-Mediathek, sei es bei podcast.de oder bei YouTube.
Durch Zufall traf ich hierbei auf eine Sendung vom Deutschlandfunk aus dem Jahr 2008. Im Programm »Zwischentöne« hat Joachim Scholl mit Georg Schramm an die 90 Minuten ein lockeres Gespräch geführt: über die Figuren des Lothar Dombrowskis, des Oberstleutnants Sanftleben und des Sozialdemokraten August, über Georg Schramms vorherigen Programms »Thomas Bernhard hätte geschossen« und über die Sendung »Neues aus der Anstalt«.
Der Deutschlandfunk bietet dieses Gespräch noch immer in zwei Teilen zum Download im mp3-Format an:
Es lohnt, sich die 1 ½ Stunden Zeit zu nehmen und hinein zu hören.
Es macht Lust auf Georg Schramms neues Programm »MEISTER YODAS ENDE – Über die Zweckentfremdung der Demenz« und tröstet auch darüber hinweg, dass Georg Schramm zum letzten Mal mit Urban Priol in drei Tagen am Dienstag, den 8-Juni-2010, in »Neues aus der Anstalt« auftreten wird (22:15 Uhr, ZDF; Gäste: Frank Markus Barwasser, Monika Gruber und Jochen Malmsheimer).
Wie viel Minuten hat das „ARD Studio Rio de Janeiro“ im letzten Jahr produziert?
Diese Frage stellte das „ARD Studio Rio de Janeiro“.
Es waren 1260 Minuten.
Ich hatte mal 1200 Minuten abgeschätzt, nachdem ich mir deren DVD „Im Fokus: Südamerika Abenteuer Amazonas“ letztens gekauft hatte und dort auf der Rückseite „117 Minuten“ las und das ganze abzüglich den Urlaub der „ARD Studio Rio de Janeiro“-Mitarbeiter abgeschätzt hatte.
So.
La forza del destino.
Nun erhalte ich also jene DVD, die ich mir gestern Abend angeschaut hatte und von der ich morgen eigentlich schreiben wollte.
Und jetzt das unglaubliche:
Ich freue mich trotzdem tierisch drüber. „Gewinnen“ ist nicht gerade eine Gewohnheit von mir, wenn wo Rätseln mit Preise ausgelobt werden.
– Wo ist eigentlich der versprochene 5.Teil?
– Mir sind die Camp-Insassen ausgebüxt.
– Was ist passiert?
– Die sind mir aus dem Camp abgehauen.
– Beweise?
– Hab ich leider nicht. Die Quote war so schlecht, da liefen keine Bestellungen mehr für Werbung. Und ohne Werbung konnte ich nicht mehr die Kosten bezahlen.
– Sie gehen auch nach Quote und Werbung?
– Freilich. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage.
– Ich glaube, Ihnen sind die Ideen ausgegangen und jetzt erzählen Sie den Lesern einem vom Pferd.
– Mit Essen spiele ich nicht.
– Wie bitte?
– Pferde sind ein Nahrungsmittel. Pferdewürste sind wohlschmeckend. Fragen Sie den Pferdemetzger Ihres Vertrauens.
– Ich bitte Sie. Vielleicht lesen hier auch kleine Mädchen mit. Sie sagten, Ihre letzten fünf Kandidaten seien aus dem Camp entwichen? Wie kam es dazu?
– Die sind aufgestanden, haben das Tor geöffnet und sind gegangen.
– Einfach so?
– So einfach.
– Haben Sie den Videobeweis?
– Wir sind hier nicht beim Eishockey.
– Wissen Sie, ich glaub Ihnen nicht.
– Wieso?
– Ich glaube, aufgrund der zurückgegangene Werbeeinnahmen, hatten Sie nach und nach Ihr Equipment verkauft. Daher auch die vielen Tonstörungen. Das waren in Wahrheit Ihre finanziellen Probleme.
– Sagen wir mal, ich hatte entschieden inflationäre Stagnation im ambivalent fluktuierenden Nullwachstum …
– Aha.
– … aber die Merkel hatte mir ein Konjunkturpaket in Aussicht gestellt.
– Und?
– Wurde nichts draus. Zumwinkel konnte ihr nicht sagen, wie viel Porto auf das Konjunkturpaket muss. Es liegt noch immer unverschickt bei Merkel rum.
– Und Lambsdorff?
– Hat mich geflissentlich übersehen.
– Von Brauchitsch?
– Ebenso. Die sprechen nur mit Nicht-Blaublütern nur in äußerster Notwehr.
– Hat der von Brauchitsch Ihnen keinen Briefumschlag übergeben?
– Doch er hat sogar einen extra für mich geklebt und mit „wg. Careca“ versehen?
– Und? Wieviel war drin?
– Nichts. Mein Name wäre zu kurz und von Brauchitsch faltet keine Geldscheine. So barbarisch sei er nicht, hat er mir gesagt.
– Sie sgaten, von Brauchitsch spräche nur in äußerster Notwehr mit Nicht-Blaublütern. Er spach mit Ihnen? Was haben Sie ihm auf die Brust gesetzt?
– Geflickte Informationen.
– Ich dachte Flicks Leichnam sei schon gefleddert?
– Eben drum …
– Aha. Und der Freddy Quinn?
– Wollte zu neuen Ufern aufbrechen und da nähme er nur Seemänner mit.
– Becker?
– Er gab mir die Handynummer der Sandy Meyer-Wölden.
– Von der blonden Sandy?
– Genau der. Er meinte, die sei ganz nett. Aber er hat mich gewarnt. Die würde nicht nachdunkeln.
– Nachdunkeln. Soso. Ah ha.
– Da hätte man ihm vorher falsches erzählt. Er war froh mit einer SMS gekündigt worden zu sein.
– Soso. Zurück zum Camp. Was war das wichtigste, was sie aus dem Camp mitnehmen konnten?
– Die Beleuchtung und die Kameraausrüstung.
– Nein, ich meinte, was das Camp für sie persönlich eingebracht hat? So als Bereicherung für ihr jetziges Leben?
– Die steuerfreien von den Zuschauern gespendeten Gelder für die abgezogenen Kandidaten.
– Abgezogen? Ich dachte, die seien ausgebüxt.
– Erst ausgebüxt und dann von mir abgezogen.
– Sie meinten wohl „abgezockt“, oder?
– Oh yeah! That’s the word!
– Ah ha. Nun ja. Ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gewäsch.
Liebe Freunde der Feuchtgebiete draußen vor den Empfangsgeräten,
vier Tage haben die Prominenten aus Show, Politik und Wirtschaft schon im Steuerhinterziehungscamp hinter sich gebracht.
Der Auszug von Patrick Lindner wurde im Gegensatz zu den anderen zuvor nicht mit einem warmen Händedruck seiner Mitinsassen begleitet. Patrick äußerte sich in einem Interview mit unserem Kommentator Michael Schuhmacher enttäuscht über seinen Auszug. Er meinte, dass er mehr verdient hätte als jenes fast auf Hartz-IV-Niveau liegendem Geld. Da läge ja mehr Geld auf der Straße, als man ihm hier gegönnt habe. Michael Schuhmacher meinte darauf, dass er sich mit Straße und liegen besser auskennen würde als mit einem Karnevalspräsidenten wie den Hartz, den vierten.
Michael Schumachers Ausführungen über den Kerpener Karneval seiner Jugendzeit konnten leider wegen Tonstörungen nicht in seiner Gänze von sechs Stunden aufgezeichnet werden, aber es sei Ihnen versichert, dass Patrick Lindner auch in Zukunft auf ihren Empfangsgeräten zu sehen sein wird.
Als die Insassen wegen einem technischen Fehler live Michael Schumachers Ausführungen mit bekamen, fiel der Satz es ist nicht mehr nachvollziehbar, wer diesen Satz ausgesprochen hatte -, dass er so dumm wie sein Kinn lang sei. Als wir Michael Schumacher mit dieser Aussage konfrontierten reagierte dieser beleidigt und ließ energisch kurz angebunden dementieren, dass sein Kinn überhaupt lang sei. Leider konnten wir jenes Kurzdementi eines technischen Folgefehlers wegen leider nicht aufzeichnen.
Trotz dieses kleinen Eklats ist die Stimmung im Lager noch immer ausgezeichnet. Wir blenden mal kurz rein, denn geben alle einen alten Freddy Quinn Schlager zum besten …
Wer will nicht mit Gammlern verwechselt werden? WIR!
Wer sorgt sich um den Frieden auf Erden? WIR!
Ihr lungert herum in Parks und in Gassen,
wer kann eure sinnlose Faulheit nicht fassen? WIR! WIR! WIR!
Die Welt von Morgen sind bereits heute WIR!
Wer bleibt nicht ewig die lautstarke Meute? WIR!
Wer sagt sogar, dass Arbeit nur schändet,
so gelangweilt, so maßlos geblendet? IHR! IHR! IHR!
Die Prüfung des gestrigen Nachmittags stand ganz im Zeichen der Mittwochslottoziehung und dessen Jackpott von 28 Millionen Euro. Es galt binnen 10 Minuten 100 Lottoscheine für 6 aus 49 komplett auszufüllen. Als Belohnung wurde allen beteiligten eine steuerfreie Auszahlung von 40.000 Euro für den Fall geboten, dass keiner der Scheine den Jackpott knacken sollte.
Leider wurde die Prüfung nicht bestanden. Otto Graf von Lambsdorff, von Brauchitsch und Graf Zumwinkel bestanden auf eine persönliche Referentin, die diese Aufgabe erledigen sollte. Von ihnen kam somit kein Beitrag zur Erfüllung der Aufgabe. Boris Becker und Freddy Quinn fielen dabei auf, dass sie entweder zu viele oder zu wenige Kreuze setzten.
Zur Strafe wegen der verlorenen Challenge wurde allen Beteiligten 10 Prozent von deren Kontostand abgezogen. Zumwinkel drohte zwar sofort mit seinem Auszug und seinem Rechtsanwalt. Wir ließen aber durch Security-Beamte der Sonderzugreifftruppe Greifswald sofort dessen iPhone konfiszieren und Herrn Zumwinkel per Spritze ruhig stellen. Leider existieren keine Bilder dazu, weil wir die technischen Störungen von zuvor noch nicht behoben hatten.
Aufgrund dieses nicht wirklich erfreulichen Zwischenfalls verzichteten wir heute auf den Auszug eines der Camp-Teilnehmers.
Und bevor jetzt einige aufgeregt zu den Telefonhörern greifen werden, wird haben Herrn Zumwinkel sein iPhone freilich wieder zurück gegeben, nachdem er sich uns gegenüber wieder kooperativ gezeigt hat. Auch in seinen ersten Gesprächen mit seiner Frau und seinen Managern direkt nach der Rückgabe seines iPhones konnten wir keine weitere Widerborstigkeit von ihm feststellen. Seine Gespräche mit den Angerufenen verliefen in einer freundlichen und konstruktiven Atmosphäre, so unser informeller Mitarbeiter für „Akustik- und Tonangelegenheiten“.
Ansonsten verlief der Rest des Tages harmonisch und ohne Konflikte begleitet von Freddys Gitarre und Gesang.
Morgen steht die ultimative Challenge für die Campinsassen auf dem Plan. Durch konzertierte Aktionen werden alle vier Insassen die Deutsche Bahn AG kaufen und dazu bei diversen Landesbanken hohe Kredite aufnehmen. Danach werden sie gemeinsam feststellen, dass wegen der Finanzkrise die WestLB und BayernLB plötzlich ihr Geld wieder haben wollen. Im Interesse der Sicherheit der Arbeitsplätze der Arbeiter und Angestellten der Deutschen Bahn AG, die alle in den Wahlkreisen der Minsiterpräsidenten, MdB und MdLs einen Bahnhof unterhalten, werden sie dann von der Bundesregierung ein Konjunkturpaket fordern (in Form von Peanuts).
Ziel ist es, ein Geldübergabetermin bis morgen abend auf einem Arbeitsplatzrettungsgipfel zu vereinbaren, an dem dann fünf große Samsonite-Koffer mit nicht registrierten Scheinen aus dem Konjunkturpaket gefüllt werden.
Danach wird die Deutsche Bahn AG wieder an dem Mehdorn verkauft, das geschuldete Geld an die Banken zurückgezahlt und das eingenommene Geld steuerfrei redlich unter alle Camp-Insassen aufgeteilt.
Wir können Ihnen schon jetzt einen spannenden Tag für morgen prophezeien, an dem hemmungslos steuerfreies Geld geschäfflert wird.
Non scholae sed vitae, wie der Lateiner zu sagen pflegt. Nicht für die Schule lernen wir hier, sondern fürs Leben.
Also schalten Sie morgen wieder ein zum „Das Feuchtbiotop – Tag 5 – Die Zusammenfassung“
Meine Damen und Herren,
ich begrüße Sie hier vom ehemaligen Bochumer Kohlebergwerk „Zeche Hannover“ vom dritten Tag des Feuchtbiotops.
Zu Anfangs eine traurige Personalie: Wir mussten uns von Verona und Franjo Poth verabschieden. Ein anonymer Anrufer hatte uns mitgeteilt, er sei im Besitz von Sex-Tapes, welche Verona und Franjo exklusiv beim … nun ja, Sie können sich ja denken wobei … zeigten. Da uns ja auch Kinder zusehen, hatte unsere Redaktionsleitung beschlossen, Verona und Franjo aus der öffentlichen Schusslinie zu nehmen, um Ihnen Zeit zu gewähren, darüber nachzudenken, dass man beim … nun ja, Sie können sich ja denken wobei … erstens das Licht aus macht und zweitens dabei nicht filmt.
Doch zurück zum Lager. Live hinunter ins Feuchtbiotop. Exklusiv hat sich prominenter Besuch angekündigt.
Vor fast drei Jahrzehnten fing er an, unermüdlich in seiner Branche tätig zu sein. Vormals einer der jungen Wilden zählt er heute zu Deutschlands Erfolgreichsten. Bekannt ist er in und aus Funk, Fernsehen, Sport und Politik. Niemand kann ihm nachsagen, dass er Berührungsängste habe, mit Menschen in Kontakt zu treten. Weder damals mit Möllemann, noch mit Merkel, Schmidt, Bohlen oder Verona Poth. Den einen gilt er als moralische Instanz, den anderen als das soziale Gewissen des kleinen Mannes. Er geht dahin, wo es schmerzt, und noch drüber hinaus. Er sitzt gerne in Studios, notfalls geht auch in Containern, wo Kameras stehen und ein Mikro frei ist. Mit geputzter Brille, freundlichem Lächeln und korrekten Wellen im Haar, so kennen wir ihn. Erst letzten Montag war er wieder im deutschen Late-Night-Talk-Fernsehen von der ARD. Fragen perlten genauso an ihm ab, wie an seinem Gegenüber. Guido Westerwelle war sein letzter Promi, heute ist er hier bei uns: Reinhold Beckmann.
Wir schalten jetzt direkt um ins Lager:
Liebe Campbewohner, liebe Grafen von und zu. Begrüßen Sie bitte den Meister des investigativen Interviews…
– Die schicken uns Jürgen Fliege!
– Oder die Meischberger.
– Ist die Meischberger farbig?
– Quatsch! Kerner kommt.
– Warum nicht der Geissen?
– Ich will den Pilawa!
– Der Geissen soll kommen. Ich möchte seine Frau kennenlernen! Die hab ich schon im Playboy gesehen gehabt.
– Äh, ist die vielleicht farbig?
– Ann Will will ich!
… begrüßen Sie den Moderator aus 10 Jahre Beckmann. Begrüßen Sie Reinhold Beckmann.
Beckmann: Steuerhinterziehung ist so aktuell wie nie. Immer mehr Menschen finden sich vor Oberlandesgerichten wieder, weil der Staat noch Geld von denen zu erhalten hat. Die Ausrede vor Gericht, die Steuergesetzbücher seien zu dick und man sei mit dem Lesen noch nicht fertig geworden und hätte daher vergessen, Steuer zu zahlen, wird meist mit der Auffüllung des persönlichen Vorstrafenregisters durch deutsche Gerichte belohnt. Unsere heutigen Gäste sind alle ohne Ausnahme vorbestraft, also Straftäter. Da muss ich noch mal nachfragen. Freddy und Patrick, ihr beide habt ja letztendlich gesungen, vor dem Richter. Um Strafmilderung zu erreichen. Was macht das mit euch? Wie fühlt sich das an? Lindner: Also mich macht das betroffen. Quinn: Sturzbetroffen. Beckmann: Das will ich genau rausarbeiten. Vorbestraft. Darf man das? Herr Von Brauchitsch? Herr Otto Graf Lambsdorff? Von Brauchitsch: Bestraft vor wem? Passt das in einem Briefumschlag? Welchen Namen muss ich draufschreiben? Wegen wem? Lambsdorff: Hauptsache man ist nicht bestechlich, Herr Beckmann. Und für Briefumschläge gilt bekanntlich das Postgeheimnis. Beckmann: Postgeheimnis. Da sind wir bei Ihnen, Herr Zumwinkel. Wie fühlt sich das an? Sie ließen gestern verlauten, bei Ihrer Hausdurchsuchung wäre es zugegangen wie auf einer Bambi-Verleihung. Sie kennen sich aus, sie haben ein Bambi erhalten. Wie sieht es bei einer Bambi-Verleihung aus? Zumwinkel: Unverschämt war das. Die Beamten sind bei mir einfach eingedrungen, ohne sich vorher anzumelden. So was macht man doch nicht, oder, Herr Beckmann. Haben denn die keine gute Kinderstube? Und überhaupt Postgeheimnis. Höre ich etwa Briefe ab?!? Beckmann: Das ist interessant. Das will ich jetzt genau rausarbeiten. Herr Becker, auch Sie haben ein Bambi erhalten und sind inzwischen auch vorbestraft. Macht das Bambi anfällig für Einträge ins Vorstrafenregister? Becker: Äh, ich sach da mal so. Also, so ein Stück weit, so aus dem Bauch raus. Rehbraune Bambiaugen faszinieren mich schon immer. Beckmann: Hmmm, interessante Geschichte. Augen sind wichtig. Der Spiegel der Seele. Das verstehe ich. Aber was macht das mit uns? Und: Wo sind wir hier eigentlich? Das will ich jetzt genau rausarbeiten.
…
Meine Damen und Herren, an dieser Stelle müssen wir uns aus dieser hochinteressanten Gesprächsrunde über investigativer Steuerhinterherziehung ausblenden.
In der Zwischenzeit hatten wir Anrufe beunruhigter Mütter erhalten, die sich wegen den Sex-Tapes der Poths besorgt gezeigt hatten. Da ja hier auch Kinder zuschauen und damit konfrontiert werden könnten, unsere Botschaft an die Kinder:
Liebe Kinder! Bitte nicht, nie, niemals nicht, unter keinen Umständen nie-nie-niemals-nicht nachmachen! Sex ist nichts für Euch! Ist pfui! Ist bäh!
Den beunruhigten Vätern werden wir später in unseren Nachrichtensendungen bekannt geben, welche Internetadresse sie explizit für ihre Kinder sperren müssen, damit diese nicht die Sex-Tapes der Poths herunterladen können.
Und nun noch schnell den Namen des Kandidaten mit dem niedrigsten Kontostands:
Patrick Lindner.
Seine 371 Euro werden wir ihm in einem von Brauchitsch persönlich abgezeichneten Briefumschlag zustellen. Freilich erst dann, wenn uns Herr Zumwinkel verrät, welche Briefmarke wir draufkleben müssen.
Und auch heute, meine Damen und Herren draußen an den Empfangsgeräten, bieten wir Ihnen eine Zusammenfassung des gestrigen Tages.
Kaiser Franz ist leider nicht mehr als Kommentator dabei. Er hat den Michael Ballack gestern persönlich nach London zurück begleitet. Dafür wird sich Michael Schuhmacher nun ganz seiner Kommentatorenrolle hingeben.
Gestern gab es hat auch einen Anruf seitens der CSU-Politikerin Angela Lieblich gegeben. Sie wollte wissen, ob wir hier wie ZDF und RTL auch Kot als Quotenfänger präsentieren werden. Da hatte sich der Michael Schuhmacher gleich direkt ins Gespräch eingeklinkt. Er selber habe ja nichts gegen Kot. Er habe schließlich auch Kotflügel an seinem Auto. Und die seien übrigens rot. Zwar würde er jetzt eher für Nordrhein-Westfalen international werben. Also mit Motorrad und ohne Kot, äh Kotflügel. Aber das sei ja nicht verwerflich. Denn ansonsten synchronisiere er ja auch rote Ferraris in Zeichentrickfilme und das sei höchst kompliziert, denn die Synchronität zwischen …
Das Gespräch konnte leider wegen Tonstörungen nicht in seiner Gänze von vier Stunden aufgezeichnet werden. Aber es sei Ihnen versichert, Frau Angela Lieblich wurde nicht mit blutendem Ohr an ihrem Hinterbänklertisch aufgefunden.
Der Rest des Tages stand ganz im Zeichen des Urteils von dem Bochumer Landgericht.
Das Urteil gegen Zumwinkel (zwei Jahre auf Bewährung plus 1 Million Euro Strafe) wurde mit einem allgemeinen Kopfschütteln von allen Beteiligten zur Kenntnis genommen. Boris Becker verwies darauf, dass er für die Hinterziehung von 1,7 Millionen Euro nur eine Strafe von 500.000 Euro plus zwei Jahre Bewährung erhalten hatte. Selbst Freddy Quinn musste für 900.000 Euro Hinterziehung nur 150.000 Euro Strafe plus zwei Jahre Bewährung verkraften. Selbst Patrick Lindner zahlte nicht mehr. Und Lambsdorff selber zahlte mit einem Ministeramt plus ca 90.000 Euro Strafe.
Allein Peter Graf und von Brauchitsch waren den Tränen nahe:
Graf erhielt dreieinhalb Jahre Knast ohne Bewährung für über 6 Millionen Euro Hinterziehung. Der ehemalige Flick-Manager von Brauchitsch erhielt zwei Jahre Gefängnis, die aber gegen eine Zahlung von 250.000 Euro auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden.
Schließlich nahm Otto Graf Lambsdorff beide tröstend in die Arme und beruhigte sie, sie sollen sich nicht aufregen, Steuerhinterziehung sei ein weit verbreiteter Vorgang. Also nichts schlimmes. Schlimmer wäre es doch, würden die Roten ab Oktober in Berlin allein regieren.
Auf das Stichwort „Roten“ hin, kommentierte Michael Schumacher auch gleich sofort. Rot sei für ihn kein Problem. Da sei er tolerant. Er habe damals auch für rote Autos seine Synchronstimme gegeben und noch heute könne er seine Sätze auswendig. Er würde sie auch gerne aufsagen, aber leider habe er den Zettel verbummelt, auf denen die Sätze standen. Aber er hätte den Chef des Synchronstudios schon angeschrieben und der wolle ihm eine Abschrift seiner Synchronpassagen …
Michael Schumachers Aussagen konnten leider wegen Tonstörungen nicht in seiner Gänze von zwei Stunden aufgezeichnet werden, aber es sei Ihnen versichert, das Moderatorenpaar Verona und Franjo Poth wurde nicht nicht mit blutendem Ohren aufgefunden.
Um die Camp-Kandidaten auf andere Gedanken zu bringen, wurde am Nachmittag die nächste Prüfung, eine Binnen-Aufgabe, angesetzt.
Binnen 30 Minuten sollten so viele Steuertipps aus dem geschenkten Konz der legalen 1000 Steuertricks genannt werden wie nur möglich. Dank Lambsdorff brachte es die Gruppe dann auf 1314 Tricks.
Verlassen musste das Camp im übrigen Peter Graf. Er erhielt 125 Euro aus seinem Kontostand. Auf die Nachfrage von Verona Poth, ob er das gewonnene Geld eventuell für notleidende Geschäftsunternehmer verwenden wolle, nickte er und steckte das Geld ein. In einer Großaufnahme sah man, wie Franjo dabei betroffen ein Tränchen verdrückte.
Auch diesmal verfasste die Gruppe wieder einen solidarischen Dankes-Brief für den Augeschiedenen. Von Brauchitsch hatte dann auch den entsprechend adressierten Briefumschlag mit Inhalt („wg. Graf“) gestiftet, Zumwinkel konnte jedoch erneut keine Auskunft darüber geben, welche Briefmarke denn auf den Brief gehöre.
Wie wir übrigens heute noch kurz vor Redaktionsschluss erfuhren, hat sich für morgen ein Promi angekündigt. Wer es sein wird, erfahren Sie morgen.
Jetzt aber wieder zurück zur Werbung nach Köln.
Und sehen sie danach unsere hochaktuelle Reportage:
„Maria-Elisabeth Schaeffler – eine selbstbewusste Frau plant ohne Gummi aber mit Staatsalimente“.
Der gestrige Tag hielt schon die erste Überraschung parat.
Kandidat Nummer 9 und 89malige Nummer 13-Träger des DFBs, Michael Ballack, musste kurz nach dem Einzug leider seine Sachen wieder packen. Er habe einen Termin beim Münchener Bussi-Bussi-Starfriseurladen „baSH Club“. Der von Joachim Löw kontrollierte Leitwolf Ballack monierte, seine Fönfrisur sei ein wenig zu lang geworden und so könne er nicht arbeiten.
Kaiser Franz kommentierte später die Szene knurrend: „Manchmal sind mir die Empfindlichkeiten ein bisschen zu groß. Das ist ein Mimosenhaufen geworden, das ist schier unglaublich. Die sollen ihren Mund halten und Fußball spielen.“
Als die restlichen Kandidaten bestürzt die Nachricht erhielten, dass Ballack wieder gehen würde, wollten sie diesem einen Dankes-Brief für seine Teilnahme schicken. Das Vorhaben scheiterte am Porto. Peter Graf hatte zwar einen 50 Euro-Schein für Briefmarken und von Brauchitsch den entsprechend adressierten Briefumschlag mit Inhalt („wg. Ballack“) gestiftet, jedoch konnte Zumwinkel keine Auskunft darüber geben, welche Briefmarke auf dem Brief geklebt werden müsse. Als Ersatz stimmte Freddy Quinn stattdessen auf einer Gitarre im Duett mit Patrick Lindner ein wohl gelauntes „Junge, komm bald wieder“ an.
Während Boris Becker und Peter Graf sich im Hintergrund über Steffi und Grafiker im allgemeinen unterhielten, wurde Paul Schockemöhle derweil als erster von den Zuschauern rausgewählt. Paul Schockemöhle verzichtete auf seinem ihm zustehenden Kontostand zugunsten notleidenden Unternehmern und Bänkern und übergab das erhaltene Geld der Moderatorin Verona Poth. Diese leitete den Betrag direkt und unverzüglich weiter und Franjo bedankte sich darauf artig für den erhaltenen einen Euro.
Kurz vor dem Schlafengehen erhielten dann die Campbewohner noch die bereits ersehnte Prüfung. Die Gruppe sollte darstellen, wie es ist, wenn man kein Geld mehr hat und deshalb am Stock gehen muss. Otto Graf Lambsdorff bewältigte die Aufgabe wortlos mit seinem Stock im Alleingang bravurös binnen Sekunden.
Als Belohnung für diese erfolgreich absolvierte Prüfung erhielt jeder aus der Gruppe ein Konz Taschenbuch. Die enthusiastische Freude über 1000 ganz legale Steuertipps für das Jahr 2008 wurde dann aber von jedem Teilnehmern in deren Bescheidenheit gekonnt versteckt.
Meine Damen und Herren,
liebe Fernsehzuschauer,
liebe lesende Schwerhörige auf Videotexttafelseite 351,
liebe sehbehinderte Zuhörer mit Bildsuchlauf,
liebe Kinder und Kleinstkinder
ich begrüsse Sie hier vom ehemaligen Bochumer Kohlebergwerk „Zeche Hannover“ zu unseren neuen Show
„Das Feuchtbiotop“.
Unter der Leitung des reizend insolventen Moderatorenpaares Verona und Franjo Poth werden 9 Kandidaten bekannt aus Sport, Politik, Werbung, Wirtschaft und Fernsehen für Sie daheim an den Fernsehgeräten spannende und lehrreiche Prüfungen bestehen.
Prüfungen, die sich gewaschen haben.
Prüfungen, bei denen die Kandidaten beweisen können, wie sie waschen können. Und zwar Geld. Schwarzgeld. Sie werden uns Tipps geben, wie Geld wieder blütenweiß wird, ohne zur Blüte zu gelangen. Sie werden Tricks erfahren, bei denen Hartz-4-Bürger begeistert Bröckchen lachen werden. Von denen selbst Steinmeier und Merkel noch was lernen können.
Eine Woche lang werden 9 Kandidaten genau dort wohnen, wo die Steuerfahndung sie bereits schon einmal aufgegriffen hatte: am monetären Feuchtbiotop, dem Steuerhinterziehungssumpf.
Sie, liebe Menschen daheim an den Fernsehgeräten, werden Zeuge einer spektakulären Krötenwanderung. Und wie sich unsere Kandidaten für deren Kröten mit Herz und Hirn einsetzen, dass keine Kröte überfahren wird. Sie werden den Kröten Tunnel graben und egal wie schleimig sie ausschauen mögen. Sie werden ihre Kröten herzen, knuddeln und liebkosen.
Seien Sie dabei, wie unsere staatlich geläuterten Kandidaten sich über Steuersparmodelle austauschen werden. Wie sie ihre Mäuse hegen und pflegen, ohne dabei das Mausen zu lassen. Wie sie ihre Knete kneten, ihre Asche äschern, ihren Zaster rastern und hier an der ehemaligen Zeche ihre Kohle fördern, während die Zeche von anderen bezahlt wird.
Sie werden über ihr Vorstrafenregister philosophieren und darüber, welche Posten sie bei renommierten Unternehmen zur Resozialisierung als Straftäter erhalten oder erwirtschaftet haben.
Aber auch für Sie ist dabei etwas drin.
Sie lernen nicht nur was fürs Leben. Sie können auch was gewinnen. Sagen Sie uns, wer von den Kandidaten Ihr Sumpf-Favorit ist, und gewinnen Sie mit etwas Glück die Abwrackprämie von einem dieser Steuerhinterzieher und dessen steuerermäßigten Luxusauto im Werte von 2.500 Euro.
Überweisen Sie dazu jeweils immer ein Euro auf das Konto eines der Kandidaten und der mit dem niedrigsten Kontostand scheidet aus.
Jeder Kandidat erhält beim Ausscheiden seinen Kontostand steuerfrei als Gewinn ausgezahlt. Der Sieger am Schluss der Woche erhält zusätzlich noch eine Siegerprämie von 60.000 Euro aus dem Sozialfonds für straffällig gewordene Prominente.
Als hochkarätige Kommentatoren, die ihren Senf zu den ausgeschiedenen armen Würstchen geben werden, konnten wir seine Hoheit den Kaiser Franz Beckenbauer – ein in Österreich lebender Millionär – und seine Durchlaucht den Flitzer Michael Schuhmacher – ein in der Schweiz lebender Millionär – verpflichten. Regelmäßig werden sie die Steuerspartipps kommentieren und auch von ihren Erfahrungen mit Steueroasen berichten.
Das ganze haben wir für Sie mit den 25 Jahren Erfahrung im Privatfernsehbereich in vorzüglichem High-Tech aufgerüstet:
Die Bilder aus dem Sumpf-Camp werden in HDTV und Dolby-Digital 5.1 ausgestrahlt. Damit können Sie den ganzen Sumpf noch deutlicher sehen und Ihnen wird kein noch so kleines Geräusch entgehen.
Und hier die Kandidaten!
Kandidat Nummer 1:
Boris Becker
Namensgeber der „Becker-Rolle“ am Netz (nicht zu verwechseln mit seiner in der Öffentlichkeit bekannten „Prinzenrolle“ für dunkles) mit nachfolgender Becker-Faust. Die „Becker-Rolle“ ist auch als „Becker-Hecht“ bekannt. Hierbei handelt es sich bei dem „Becker-Hecht“ nicht um ein Tier und er darf auch nicht mit der philippinischen „Bufonaria borisbeckeri„-Schnecke verwechselt werden. Aber Namenspate für die Schnecke ist Boris Becker trotzdem.
Desweiteren ist BB legendär wegen seines bekannten postorgasmischen Ausrufs „Ich bin drin“. Drin ist er nicht nur im Internet sondern auch als Poker-Face in der Werbung und ebenfalls damals auch als Hauptdarsteller von Gerichtsverhandlungen.
Kandidat Nummer 2:
Joachim Albrecht Eberhard Kurt Konrad Ferdinand von Brauchitsch
Ein Mann mit verdammt langem Namen und noch verdammterer Flick-Spenden-Affäre-Karriere. Er bewies, dass er ein Meister im Verpacken von Geldscheinen in Briefumschlägen ist. Er gilt ferner als Erfinder der Abkürzung „wg.“ (wegen), mit der die Spenden gezeichnet wurden („wg.“ gefolgt vom Namen des Empfängers). Prominente Empfänger dieser Briefumschläge waren unter anderen Franz Josef Strauß, Helmut Kohl, Walter Scheel (FDP) und Hans Friderichs (FDP).
Ein weiterer Empfänger hatte auch so einen Briefumschlag erhalten und dann nicht versteuert. Jener Briefumschlag wurde nach unbestätigten Gerüchten nur deswegen gefunden, weil der Name darauf fast so lang wie der von Brauchitsch war. Er hieß …
Kandidat Nummer 3:
Otto Friedrich Wilhelm von der Wenge Graf Lambsdorff
Ein Musterbeispiel für resozialisierte Kriminelle mit Krückstock. Ihm wird fälschlicherweise der legendäre Satz „Geld? Brauchitsch nich“ untergeschoben. Straffällig geworden und am 16. Februar 1987 rechtswirksam vorbestraft half die FDP ihm im Jahre 1988 auf den Parteivorsitzsessel.
Kandidat Nummer 4:
Klaus Peter Richard Otto Zumwinkel
Das neue schwarze Schaf vom Niederrhein, ein erfolgreicher Briefmarkenkleber (feuchte Zunge, trockene Rede), Manager des Jahres 2003, Sprachpanscher des Jahres 2002, ausgezeichnet mit dem Medienpreis Bambi, dem Großen Bundesverdienstkreuzes und einen weiteren Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Er war beinahe erfolgreicher Gründer der Liechtensteiner Pseudo-Stiftung „Devotion Family Foundation“.
Kandidat Nummer 5:
Patrick Lindner
Schlagersänger, Moderator, Schauspieler und für ältere Frauen der ideale Schwiegersohn, der niemals seine Frau mit anderen Frauen betrügen würde.
Kandidat Nummer 6:
Freddy Quinn
Ebenfalls Schlagersänger, Moderator, Schauspieler, dazu noch Artist, Bundesverdienstkreuzträger I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland und Inhaber der Biermann-Ratjen-Medaille. Der gute alte Freddy, der nicht mit Gammlern verwechselt werden will.
Kandidat Nummer 7:
Paul Schockemöhle
Springreiter, Fast-Olympia-Sieger, ehemaliger Pferdebarrer und jetziger Geschäftsmann.
Kandidat Nummer 8:
Peter Graf
Gelernter Versicherungskaufmann und Gebrauchtwagenhändler. Auf Basis dessen weitergebildet zum Tennistrainer, ehemaliger Finanzberater von Boris Becker und Vater von Tennis-Wunderkind Steffi Graf.
Kandidat Nummer 8:
Michael Ballack
Balltreter, mehrfacher „Deutschlands Fußballer des Jahres“-Sieger und Liebhaber von unverzollten Handtaschen aus Schlangenleder.
Meine Damen und Herren!
Das Spiel beginnt!
Die Sumpfcampbewohner werden vorgefahren und steigen aus. Von luxuriösen Stretchlimousinen über Audis Q7 bis hin zum röhrenden weißen Hummer ist alles, was bedeutenden Hubhohlraum unter der Haube hat, vertreten.
Keine Sorgen, meine Damen und Herren.
Die Fahrzeuge, die Sie jetzt sehen sind zwar alles spritfressende SUVs, aber jedes einzelne Fahrzeug hat die grüne Plakette, so dass man mit denen auch innerhalb den Umweltzonen der Großstädte schnell von Tankstelle zu Tankstelle kommt.
Ich denke, wir lassen die Bilder auf uns wirken und schalten jetzt wieder zurück nach Köln. Zur Werbung.
(Diese Sendung wurde Ihnen gesponsert durch die Dresdner Bank und staatliche Commerzbank. Ihre Beraterbank. Das ist nicht mehr normal für eine Bank …)
Da hatte ich mich gerade an eine neue amerikanische Comedy-Serie erfreut, die erfreulicherweise sogar ohne Lachen aus der Konserve oder Pseudo-Außenaufnahmen lebt, da muss ich lesen, dass sie auch gleich wieder abgesetzt wird.
Es geht dabei um die Serie „Mein Name ist Earl“. Sie handelt von einem Halunken, der das Gesetz des Karmas erkennt und beschließt nur noch gutes in seinem Leben zu tun und all die Halunkereien aktiv zu bereuen.
Die Serie lebt von Situationskomik und vom Wortwitz. Im Deutschen hinkt zwar das ganze ein wenig in der Synchronisation, es ist aber trotzdem ganz gut. Ein wenig erinnert das alles an „Al Bundy“. Es ist aber nicht „Al Bundy“. Es ist einfach „Mein Name ist Earl“.
Ungünstig ist der Sendetermin. Direkt nach Flachwitzreißer Mario Barth und seinen geistigen tieffliegenden Comedy-Volk. Freitag abend auf RTL um 23:30. Wer sich die ermüdenende Barth-Sachen reingepfiffen hat, der wird hilflos auf das reagieren, was da kommt. Denn dazu gilt es einfach, wach zu sein. Ansonsten verpasst man die Hälfte.
RTL hat beschlossen die nächsten beiden Folgen noch zu zeigen und dann stattdessen „Alles Atze“ zu wiederholen.
Der Grund? Fallende Einschaltquoten. Kein Wunder nach der brontalen Barthberieselung.
Tja. Für die wenigen Fans der Serie (gibt es die überhaupt außer mir?) bleibt dann nur danach im Internet zu suchen. Es gibt sie. Schon in der dritten Staffel auf Englisch mit asiatischem Untertitel.
Für weitere Informationen auf Deutsch:
Hier ist eine Fanpage und dort ne weitere Fanpage und den dortigen Foren.
Und jetzt?
Weg damit, RTL!
Zuviel Comedy-Niveau überfordert bekanntlich den Fernsehzuschauer …
Schön ist es draußen. Und diesmal still.
Nicht wie gestern. Da herrschte in Nachbars Garten das pralle Leben.
Kinder spielten mit einem herumliegenden Wasserschlauch Feuerwehr. Und die Eltern sahen es frohgemut.
Da war ein Päpen und Plappern. Ein Stimmengewirr und immer wieder die kindlich freudig erregten „Mami“-Rufe. Und den Mammis hat es gefallen. Schließlich war „Muttertag“.
In meiner Phantasie sah ich ein Stadion und darin alle Kleinstkinder dieser Welt am Kieksen, Brabbeln und Kichern. Und wie ein tausendfaches Echo aus der Arena Richtung Tribüne:
„Mammi!“
Und auf den Rängen alle Mütter dieser Welt. Sich knuffend und puffend und mit „Ach wie süß, ach wie putzig“-Rufen antwortend. Tränen in den Augen verbunden mit einem unübersehbaren Leuchten. Mutterträume aller Länder vereinigt vor sich in der Arena in ihren Windeln.
Und dann eine kleine Stimme glockenklar, kindlich, laut und deutlich:
Nun gut.
Ich hab nichts zu tun und verfolge die Live-Sendung von und mit Uri Geller.
Amüsiert.
Irgendwie distanziert.
Aber was ist, wenn sich einer der Mentalisten eine Nagelschuß-Maschine an den Kopf hält und einfach abdrückt? Russisch Roulette live.
Der Mentalist war sich sicher, dass die Maschine nicht geladen war.
Und drückte ab.
Und hätte er sich geirrt?
Dann hätte Pro7 die erste Live-Selbsthinrichtung übertragen gehabt.
Der Mentalist hatte auch mit ungeladener Maschine nen Schuß weg.
Schließlich schauen auch Kinder zu.
Pro7 hat seinen Skandal.
Und wir unsere Sensation.
Morgen in allen Zeitungen …
Es gibt für diese Aktion des Mentalisten zwei Möglichkeiten:
Durchgeknallt oder alles Fake …
Hm.
Mist.
Den ganzen Tag gesucht und dann hab ich es gerade unter der Tastatur meines PCs gefunden. Der Flieger ist jetzt wohl weg.
Flucht misslungen.
Werde mir heute abend doch wieder Aachener Karneval „Wider den tierischen Ernst“ anschauen.
Scheiße, seitdem der Fernseher nur noch „Das Erste“ reinkriegt und ich meine Bücher seit gestern abend ausgelesen hatte …
Das Leben ist sooooo ungerecht …
Heute abend zärzelt Uri Geller wieder seine Kaffeelöffel, die er sich in der Buisnessklasse diverser Fluggesellschaften eingesackt hat, und versucht Mehrwert durch Wertverlust zu betreiben.
Gewinnverlustmaximierung sozusagen.
Und wie ein Drittel Jahrhundert zuvor wird der Zuschauer aufgefordert, seine kaputten Sachen um die Fernsehröhre zu platzieren, auf dass sie nachher wieder funktionieren sollen.
Ich habe inzwischen meine gesammelte Elektronikschrottsammlung um meinen Fernseher aufgetürmt.
Man kann ja nie wissen.
Und schaden tut’s ja auch nicht.
Direkt auf dem Fernseher habe ich den alten Herzschrittmacher von Opa gelegt. Er hat zwar protestiert, weil wir Opa mit Seilen bereits auf dem Fernseher fixiert haben. Aber da muss er aber durch. Denn das spart uns die Selbstbeteiligung an der Operation für das Auswechseln des Herzschrittmachers in diesem Jahr. Wir haben freilich drauf geachtet, dass er mit dem Herzen direkt auf dem Fernseher liegt. Opa plärrt zwar noch immer auf dem Fernseher ( – er meint die Stricke schneiden ihm das Blut ab – ), aber wenn Uri seine Löffel biegt, dann muss man dem alles unterordnen.
Dann habe ich da noch den alten Wecker unter dem Fernseher paltziert. Jener Wecker, der fünf Sekunden vor Zwölf stehen geblieben ist. Ein Nachbar hatte ihn mir per Post geschenkt. Mit dem Nachbar stehen wir schon jahrelang in einer mörderischen Privatfehde. Als ich das Paket öffnete, tickte der Wecker noch ein wenig und blieb dann stehen. Der Wecker ist ein wenig unförmig, denn der Nachbar hatte unter dem Wecker zwei dicke rote Rohre montiert und diese mit dem Wecker verbunden. Mittels einem roten und einem blauen Draht. Gut verlötet. Meine Oma meinte, es sei ne Rohrbombe. Tja. Werden wir ja sehen, wenn Uri Geller den Wecker durch mentales Löffel-Reiben wieder zum Laufen bringt.
Dann habe ich noch den alten PC mit der „MS Windows 95“-Version drauf. Den habe ich vor dem Bildschirm platziert. Ich schätze, es wird das erste stabile Windows 95 weltweit werden. Vorausgesetzt Oma hat mit der Bombe nicht doch recht.
Meine Frau legte noch ihren zwanzig Jahre alten Vibrator mit in den Haufen vor dem Fernseher. Sie hat in „Welt für die Frau“ gelesen, dass zuviel „Uri Geller sehen“ Männer impotent macht. Und die kluge Frau solle schon mal vorbeugen. Als hat sie ihren alten schwarzen 20-cm-Jelly-Freund rausgekramt, mit Chlorix desinfiziert und an der rechten Seite vom Fernseher mit Tesa festgeklebt.
Unsere Oma hat in Eigenregie den Fernseher auf ihren alten E-Shopper gestellt. Mit dem E-Shopper versuchte sie damals den Münchener Olympia-See zu überqueren. Erfolglos. Sie blieb zwei Meter vom Ufer entfernt im Seeschlamm stecken. Die Feuerwehr war so freundlich und hat sie dort wieder mit der Seilwinde rausgezogen.
Vielleicht läuft der E-Shopper nach der Sendung wieder.
Wenn freilich nicht eben jene Bombe …
Nein, ich nehme die da nicht weg. Die Wahrscheinlichkeit, dass gerade der Wecker die letzten fünf Sekunden schaffen sollte, das ist ja sowas von gering.
Und zudem:
Wir hier glauben sowieso nicht an solchen Humbug.
Außerdem wurde Uri Geller nachgewiesen, dass er mogelt und gar nicht wirklich was durch Löffelreiben verbiegt.
Wissenschaftlich erwiesen ist das.
Alles nur mieser Hokus-Pokus.
So.
Jetzt muss ich in den Keller.
Die alte Truhe hochholen.
Die werden wir hinter dem Fernseher platzieren.
Man kann ja nie wissen.
Und schaden tut’s ja sowieso nicht.
Wie geil ist das denn?!?
Gerade gefunden und ich staune noch immer. http://www.orschlurch.de/video/die-ultimative-kinofilm-montage.html
Überm Daumen gepeilt habe ich von diesem Zusammenschnitt unterschiedlichster Kinofilme vier von fünf Filmen selber im Kino gesehen …
Einfach genial, dieser mit Musik unterlegter Zusammenschnitt von Filmen.
Anschauen und in Erinnerungen schwelgen!
Gott, ist das geil!
Empfehlenswert!
Bekannt wurde er durch das satirisch bissige Fernsehmagazin „ZAK“, welches 1988 im dritten Programm des WDRs startete und dann 5 Jahre später ins ARD übernommen wurde. Drei Jahre später wurde die erfolgreiche Sendung jedoch eingestellt. Küppersbusch erhielt als Ersatz das neue Programm „PrivatFernsehen“, welches aber nicht wirklich erfolgreich war. Ein Jahr später war er dann endgültig vom Bildschirm gekegelt.
Friedrich Küppersbusch war im Fernsehen nicht sehr gelitten, weil er seine Gesprächspartner aus Show und Politik vom ersten Moment an durch seine ungewöhnliche Fragetechnik unter Kontrolle brachte. Selbst den damaligen österreichischen Rechtspopulisten und Rattenfänger Jörg Haider hatte er locker in die Tasche gesteckt gehabt.
Nebenbei:
Wolfgang Korruhn (2003 gestorben) wurde ebenfalls bei der Sendung „ZAK“ berühmt. Seine Fragetechnik war ebenso berühmt berüchtigt, eben weil er bei seinen Interviewpartnern die 50-cm-Privatsphäre nie beachtete und denen jeweils auf die Pelle rückte.
Legendär ist auch jene Antwort, welche Wolfgang Korruhn damals 1991 der Claudia Schiffer entlockte, als gerade in Hoyerswerda ausländerfeindlichen menschenjagende Krawalle um ein Wohnheim für Asylbewerber stattfanden. Als Wolfgang Korruhn die Claudia Schiffer nach Hoyerswerda fragte, kam von ihr die Antwort:
„Hoyerswerda? Ist das eine neue Farbe?“
Eine Antwort sprichwörtlich „dumm wie Schifferscheiße“, wie die Reeperbahnmatrosen zu sagen pflegten.
Doch zurück zur Eingangsfrage:
Was macht eigentlich Friedrich Küppersbusch?
Ja, der Adolf-Grimme-Preis-Träger von 1991 ist noch im Bereich der Fernsehmedien und produziert selber.
Aber viel erfreulicher, er schreibt auch weiterhin scharfzüngig seine Kommentare.
Zum Beispiel heute im Bildblog.de: „Weltuntergang wird durch „Bild“ erst schön“
von Friedrich Küppersbusch
Viel Spass beim Lesen!
Mehr „Küppersbusch“ für Nostalgiker der „ZAK“-Zeit findet sich auf dessen CD „Küppersbusch“.
Zum Beispiel hier oder hier oder hier.
Anmerkung: Das war jetzt keine billige Reklame für Küchen und deren Installationen sondern für den Menschen „Küppersbusch“ …
Die ersten Fans machen sich ausgehfertig.
Vorzugsweise mit Schals, Hemden, Hosen und Schuhen in den Farben des von jenen favorisierten Vereins.
Es sieht immer ein wenig aus wie Karneval.
Aber es nur die Bundesliga.
Bundesliga-ernst.
Für die Fans.
Und zum Einstimmen für alle Bundesliga-Uninteressierten das folgende Video: