Kneipengespräch: Machtverhältnisse

»Hast du was zu sagen?«

Er schaute seinen Trinknachbarn an. Aber jener schwieg. Ich kannte ihn. Er war schon immer ein Schweiger vor dem Herrn. Seit ich ihn vor vierzehn Tagen an der Hotelbar zum ersten Mal getroffen hatte. Ich musste ihm regelrecht jedes Wort aus der Nase herausziehen. Er nannte sich Andreas und war von FORD Köln nach Detroit geschickt worden, um dort Montagearbeiten bei einem Automobilzulieferer zu organisieren.
Andreas war eigentlich kein Schweiger, aber während der Arbeit musste er immer wieder alles erklären. »Von der Ursuppe bis zur Erfindung der Dampfmaschine, und alles jeden Tag erneut in Details« hatte er mir erklärt. Zuerst hatte ich gegrinst. Da war das Volk, das bereits auf dem Mond war, aber nicht fähig war normale Industrieprozesse zu verstehen. Aber Andreas erklärte mir, dass dies nicht nur auf die Amerikaner zu traf. Es machte ihn fertig, dass selbst andere Kollegen aus Deutschland mit technischem Unverständnis wucherten, bei Themen, bei denen er es nie für möglich hielt.
So saß er vor seinem Glas »Blue Moon« und schwieg. Kölsch hatte es ja nicht an der Bar. Und ansonsten waren die angebotenen Biere bescheiden in ihrer Geschmacksrichtung.

»Hey Andy, wie war dein Tag?«

Sein Trinknachbar blieb beharrlich und schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter.
Andreas schaute auf und blickte ihn mit müden Augen an. Zuerst vermutete ich, dass Andreas ein kölsches »Loss mich en Ruh« dem Amerikaner servieren würde. Weiterlesen

Ertrage die Clowns (6): À tout de suite!

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Charlie Abdullah ist tot. „König“ Charlie Abdullah. So viel Zeit muss sein.
Die Legende besagt, dass dieser letzte großherzigste Herrscher vor Gram starb, weil sein 1.000 PS Bugatti wegen Sand im Getriebe nicht mehr ansprang.
Charlie Wulf ging zu dessen Trauerfeier, weil Charlie Merkel und Charlie Gauck keine Zeit hatten. Charlie Abdullah soll es aber nicht bemerkt haben. Charlie Gabriel wäre auch ganz gerne dahin, aber irgendwie hatte er ein Date wegen Charlie Bachmann und Charlie Oertel und musste absagen. Charlie Obama, Charlie Cameroon und Charlie Hollande haben Charlie Abdullah gleich ihre Meinung verkündet und ihn über den grünen Klee gelobt. Wohlgemerkt „über“, denn ihn unter den grünen Klee zu belobigen, das hätte er schon verdient gehabt. Allein schon dafür, dass er die Freiheit des Bloggens mit 1000 Peitschenhiebe auf den Blogger Raif Badawi (kein Charlie) unterstütze, und dem gestürzten und politisch verfolgten tunesischen Diktator Charlie Ben Ali ein saudisches Asyl-Refugium zugestand. Diese beiden Fakten waren es dann auch, warum Charlie Merkel dessen „Klugheit, Weitsicht und großem persönlichen Einsatz“ […] „für eine behutsame Modernisierung seines Landes“ gepriesen hatte. Fast ähnlich hatte es Charlie Putin formuliert. Selbst UN-Generalsekretär Charlie Ban Ki Moon hat ihn posthum verbal geadelt. Haben eigentlich auch Charlie Netanjahu, Malis Präsident Charlie Keita, EU-Ratspräsident Charlie Tusk, Palästinenserpräsident Charlie Abbas und das Asterix-Imitat Charlie Sarkozy offiziell zitierbares zu dem Tod des Königs von sich gegeben? Weiterlesen

Was ist Zeit? Wird alles anders?

Du kommst nach Hause,
legst deine Füsse hoch,
schüttest dir ein Glas Chardonnay ein
und sinnierst darüber nach,
was an diesem Tag geschehen war,
warum es gelaufen ist, wie es lief,
warum Traum und Realität ein Abgrund trennt,
öffnest die Augen und stellst irritiert fest,
dass du dir kein Wein, aber schales Bier eingeschenkt hattest,
schaust in die Firmen-Emails und grübelst,
denkst an den vergangenen Tag,
daran, was sich geändert hat,
daran, was das Leben macht,
daran, was du lebendig geändert haben möchtest.
Und dann summst du das kleine feine Lied …

Ja ich weiß es war ne geile Zeit, uns war kein Weg zu weit du fehlst hier …

Kneipengespräch: Telefonzellen und andere Beschränkungen …

Tresen 0

»Lange dich nicht mehr hier im Lokal gesehen.«
»Ich habe Studien betrieben.«
»Studien?«
Teilnahmslos füllte der Wirt diverse Kölschstangen. Mein Nachbar schien mir zuhören zu wollen.
»Am Menschen und seinen Hinterlassenschaften.«
»Bahnhofsklo-Sightseeing?«
»Nein, eher Heldenforschung.«
»Könnte aufs gleiche Rauskommen.«
»Ist aber ein bedeutender Unterschied.«
»Welcher?«
»Jene Schilder auf öffentlichen Klos wurden nie für Helden an Klowänden aufgehangen: Hinterlassen Sie diesen Ort so, wie sie ihn vorzufinden wünschen.«
»Mag sein, aber ich kachel doch nicht ein öffentliches WC, nur weil ein Schild es von mir fordert. Das überlasse ich lieber wahren Helden. Allerdings, ich hätte auch gerne mal meine private Telefonzelle, in der ich mit grauem Anzug und unauffälliger Brille hinein Weiterlesen

Generationskonflikt

„Hallo, junger Mann, ich sammle für das Seniorenheim von der Caritas.“
„Wie gut. Opa ist oben, den können Sie schon mal mitnehmen, Oma ist noch einkaufen.“

Endlich reich ins Heim! Die Rente ist gesichert …

So, das war’s.
Ich bin jetzt vermögend.
Sauvermögend. Supersauvermögend. Stinkreich sozusagen.
Gerade erhielt ich über LinkedLin folgende Mail:

Dear Careca da Silva ,
I am Mrs. XXX I am a citizen of Denmark, I am currently working with Natwest Bank. I have been working here for 17 years now, and I have a good working record with my bank.. I am Making an offer to you in relation to the death of my deceased client who left a huge amount of money £15,812,664 (Fifteen Million, Eight Hundred and Twelve Thousand six hundred and sixty four GBP.) in our bank. After unsuccessful attempts to find his relative then I decided to contact you since you have the same surname with him. For more information, If this proposal is alright by you then kindly get back to me via e-mail (***@hotmail.com) for confidential reasons.I anticipate your co-operation.
Thanks you for your time and do have a great day.
Regards,
XXX
Managing Director Natwest Bank

Habe schon mal bei Sixt nen Transporter bestellt. Schließlich wollen die 15 Millionen Pfund aus Dänemark von mir abtransportiert werden, woll.
Und dann?
Ganz klar: Meine Tochter macht dann in Wuppertal mit dem Papst ne Butike auf. Darin werden wir dann den Modezaren Deutschlands das Fürchten lehren, woll.

Aber jetzt erstmal nen Champagner köpfen. Ich gönn‘ mir ja sonst nichts.

Liebe Grüße vom Neu-Reichen

Careca

P.S.:
Bettelbriefe werde ich gnadenlos nicht lesen und dem Recycling der Wertstoffhöfe durch meinen noch einzustellenden Buttler zuführen lassen.

Blick ins Tiefkuehlfach

Zustand Mitte September 2014 …
Cooldown

In der Blüte des Lebens

Ihr Mimosen der Welt!
Schaut auf diese Blüte und erkennt, dass unterhalb
dieser Blüte Ihr Mimosen eklig scharfe Stacheln habt!

Blüte einer Mimose