Kneipengespräch: Telefonzellen und andere Beschränkungen …


Tresen 0

»Lange dich nicht mehr hier im Lokal gesehen.«
»Ich habe Studien betrieben.«
»Studien?«
Teilnahmslos füllte der Wirt diverse Kölschstangen. Mein Nachbar schien mir zuhören zu wollen.
»Am Menschen und seinen Hinterlassenschaften.«
»Bahnhofsklo-Sightseeing?«
»Nein, eher Heldenforschung.«
»Könnte aufs gleiche Rauskommen.«
»Ist aber ein bedeutender Unterschied.«
»Welcher?«
»Jene Schilder auf öffentlichen Klos wurden nie für Helden an Klowänden aufgehangen: Hinterlassen Sie diesen Ort so, wie sie ihn vorzufinden wünschen.«
»Mag sein, aber ich kachel doch nicht ein öffentliches WC, nur weil ein Schild es von mir fordert. Das überlasse ich lieber wahren Helden. Allerdings, ich hätte auch gerne mal meine private Telefonzelle, in der ich mit grauem Anzug und unauffälliger Brille hinein schreite und im blau-rotem Umhang dann wieder rausgeflogen komme.«
»Du würdest gerne ein Held wie Superman sein?«
»Ja, aber andererseits ist der vollkommen überschätzt, für unsere heutige Realität.«
»Nicht ganz. Superman ist bereits Teil der literarischen Kultur geworden.«
»Superman hat in dieser Welt keine Macht mehr und ist maximal nur noch literarische Kultur der Vergangenheit.«
»Warum?«
»Schon mal bemerkt, wie die Anzahl der geschlossenen Telefonzellen in Deutschland zurück gegangen ist?«
»Das liegt wohl an unserem Magenta-Riesen.«
»Lois Lane, Supermans Liebe, könnte ja mal nach Deutschland kommen und einen Artikel drüber schreiben, warum in diesem Land kein Superman auftauchen wird.«
»Warum? Hast du Sehnsucht nach einer starken Hand, die alles regelt?«
»Das meine ich nicht. Es geht um den Einfluss multinationaler Konzerne in Ländern: Unser Magenta-Riese wurde sichdelich aufgrund strategischer Überlegungen vom Lex Luthor übernommen, Supermans Erzfeind. Darüber sollte man sich hier mal Gedanken machen. Und nicht über Bahnstreiks.«

Sprach’s und ging aufs Klo zur aktive Kneipen-Klo-Besichtigung.
Es war keiner mehr vorhanden, der von mir ungefragt über meine Studien unterrichtet werden könnte. Also grübelte ich über den Zusammenhang zwischen Comic-Kultur und dem Aussterben von geschlossenen Telefonzellen, und beschloss dann das einzig Sinnvolle: ich bestellte mir ein frisches Kölsch. Vielleicht könnte ich den Wirt dabei in ein Gespräch über meine Studien einwickeln …

Ein Gedanke zu „Kneipengespräch: Telefonzellen und andere Beschränkungen …

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