Wenn die Vuvuzuela viermal trötet …

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

diese WM ist grottenschlecht, so etwas von grottenschlecht, ein Spiel langweiliger als das andere. Wundert es, warum der englische Torhüter Green, den Ball gegen die USA durchließ? Warum der algerische Torhüter Chaouchi am Ball vorbei griff? Die waren eingepennt. Mitten während dem langweiligen Spiel. Und als dann der Ball aufs Tor zu trudelte …
„Hey, aufwachen! Balli kommt!“ …
Verduzt geguckt. Aber zu spät. Da war der Ball auch schon drin.
Und das trotz der Warn- und Weckrufe der Zuschauer mit den Vuvuzuelas.
Die Franzosen und Argentinier haben sich beschwert, die hätten vor Vuvuzuelas ihr eigenes Wort nicht mehr verstanden. Quatsch. Die fühlten sich in ihrem Schlafwagenfußball gestört. Das ist die Wahrheit.

Vuvuzuelas.

Das ist jetzt das Stichwort bei uns in meiner Nachbarschaft.
Vor der Beginn hatte ich sie alle gesehen, wie sie am Kiosk gegenüber sich die Fantüte mit Vuvuzuelas und Mini-Deutschland-Fähnchen besorgten. Alle. Sei ja WM, meinten die. Der miese Spießer aus dem ersten Stock, der sein Toilettenfenster außen mit zehn Deutschland-Fähnchen geschmückt hat. Oder dieser gestrenge Alt-89-er, der seine Tür mit einer Deutschlandfahne aus Seide dekoriert hat. Oder diese linke Type aus dem Dachgeschoss, die sich seinen knatschroten SMART mit zwei Fähnchen bestückt hat.

Denen haben wir es gezeigt. Wir lassen uns nicht nachsagen, wir seien nicht für Deutschland. Wir nicht!

Karl hatte letzte Woche drei Vuvuzulea sich beim EDEKA errubelt, Heiner zwei am Kiosk gegenüber für 10 Euro die Deutschland-Fan-Tüte gekauft und ich, ich habe mir eine im BILD-Shop online bestellt. Genau. Dort, bei der BILD-Zeitung. Die im deutschen Fan-Paket. 3 Stück! Man weiß ja nicht, wie lang die halten.

Man will ja schließlich mitfeiern und nicht am Rande stehen.
Und was jetzt? Jetzt haben die hier alle die Vuvuzuelas beim Public Viewing verboten. Und gerade die BILD-Zeitung stänkert wütend gegen die Vuvuzulas. Aber selber im Shop online Vuvuzulas für gutes Geld verhökern. Geschäfte machen, ist wohl okay. Aber das Gekaufte nutzen? Verboten.
Deutsche Verbieteritis. Typisch. Einfach feierfeindlich. Was hat das mit Einigkeit, was mit Recht, was mit Freiheit zu tun?
Jetzt reden die Wichtigtuer sogar in den Zeitungen, den Internet-Foren, den Blogs und bei Twitter davon, die Südafrikaner sollten den Gästen Toleranz gegenüber zeigen und die Vuvuzulas verbieten. Schließlich seinen wir ja Gast in deren Land und man hätte uns auch so zu behandeln! Als Gäste eben. Haben wir die nicht so behandelt vor vier Jahren und denen gesagt wo unsere No-Go-Areas sind? Also! Sollen die mal unser No-Go-Area im deutschen Fernseher respektieren und ihre Vuvuzulas wegschmeissen. Meinen diese Internet-Nerds. Diese Fuzzis können meinen, sie seinen das Maß der Dinge, wenn sie den Süd-Afrikanern vorschreiben wollen, was Fußball-Kultur sei und was nicht. Aber nicht uns. Nicht mit uns, haben wir uns gesagt. Nicht mit uns.

Wir haben schließlich für die Fan-Pakete bezahlt und wollen feiern. Will man uns jetzt vorschreiben, wie wir lustig zu sein haben?

Bei mir haben wir uns gestern eingerichtet. Zwei Kästen Bier, eine Flasche Vodka Black Label und fünfzehn Dosen Red Bull. Wir haben uns versprochen, bei jedem deutschen Tor mit unseren Vuvuzuelas Deutschland hochleben zu lassen.

Der Polizist an der Türe meinte später, unsere Feierei sei Ruhestörung. Nur weil Deutschland viermal getroffen hat und wir viermal fünf Minuten feierlich getrötet haben? Schweinerei. Die Anzeige werden wir anfechten. Wir gehen in Berufung. Wir lassen uns doch von so miesepetrigen Deutschland-Abstinenzlern hier im Haus doch nicht unsere WM vermiesen. Soll uns schließlich niemand nachsagen, wir würden Deutschland nicht mit jedem Atemzug unterstützen.

Gestern vor dem Schlafengehen – Grün-Weiß-München war schon längst weg – haben wir dann noch zu dritt mit einer Siegesfanfare den Sieg Deutschlands gefeiert. Am offenen Fenster! In den erhabenen Nachthimmel hinein! Deutschland hat 4:0 gewonnen!
Die Klingel hatten wir vorsichtshalber abgestellt. Damit nicht – wie schon bei den vier Toren zuvor – uns dahergelaufene Hobby-Talibans im Hause mit hintervotzigen Klingelterror ärgern.

So.
Wir haben jetzt ausgeschlafen.
Gleich spielt Italien. Wir werden Paraguay unterstützen.
Heiner holt noch nen Kasten Bier. Wenn er erst mal aus meiner Wohnung rausgekommen ist. Irgendwelche dieser Hobby-Terroristen fanden es offenbar toll, unsere Eingangstür mit vier Schichten Eierkartons komplett zuzukleben. Wenn wir die erwischen. Den tröten wir was auf unseren Vuvus im Choral, diesen Spassbremsen!

Törrrrrröööööööööööööööööööööööööööööö!

Hirn aus? Ja, Hirn ist aus!

Der Inhalt der Überschrift dieses Blog-Eintrages könnte sich so in etwa an der Theke eines Metzgerladens abgespielt haben. Wahrscheinlicher ist aber, dass dieser Kurzdialog letztes Wochenende bei der Klausurtagung der Regierungsparteien statt gefunden hatte.

Anders kann ich mir nicht ganz erklären, warum erwachsene, jahrelang studierte Menschen ein derartiges Ergebnis mit hirnbefreiten Sparkonzepten aus der Klausurtagung heraus gebracht haben.

Ja, das Hirn muss vor derer Klausurtagung ausgeschaltet worden sein. Direkt nach dem Ausschalten derer Handys, Blackberries und IPhones mit Flatrate und saftiger Grundgebühr. Wie bei Sitzungen halt so üblich. Wie anders kann man nur glauben, dass man dem Marktgeschehen ungestraft das Geld entziehen kann, ohne dass sich dieses auf das Allgemeinwesen auswirkt? Genau, sie glauben, es sei erforderlich dem Markt eben jenes Geld jetzt zu entziehen, das vorher schon den Banken mit Rettungsschirmen hinein gepudert wurde, welches jene bereits Jahre zuvor locker flockig bei ihren Wettenleidenschaften hirnbefreit verpulvert hatten. Bei irgendwem muss das rausgeschmissene Geld ja eingespart werden.

Hirn aus?
Ja, Hirn ist aus.

Und auch die Opposition hat mal schnell deren Hirn ausgeschaltet und wettert nur darüber, dass die Sparmaßnahmen der Regierung lediglich die soziale Schere aufklappen lassen würde. Als ob das alles wäre. Gegen das Sparen an sich scheint die Opposition von Sonnenblumen-grün über Lachs-Häppchen-rot bis Fahnenschwenker-links ja nichts zu haben. Keiner scheint aber zu blicken, was das Sparen volkswirtschaftlich bedeutet. Das Geld, was der Binnenwirtschaft jetzt dadurch entzogen wird (besser gesagt: nicht zugeführt wird), wird nachher durch rückläufige Steuereinnahmen in den Haushaltsbudgetplanungen nicht einplanbar sein. Jetzt wird auf die Bremse getreten, damit sich nachher ein Jahr später jeder drüber beklagen kann, dass der Aufschwung so langsam einsetzt. Kennt ihr das berühmt berüchtigte, zarte Pflänzchen „Aufschwung“? Also vergesst all die Rufe nach Lohnsteigerungen bei der unteren bis mittleren Gesellschaftsklasse. Wird nicht sein. Könnt ihr schon heute vergessen. Spart euch das!

Nun, sparen wollen sie alle irgendwie. Man hatte sich ja bereits vorher darin geübt. Zu der Zeit, als Deutschland Exportweltmeister war und man sich sparte, diese Gewinnausschüttung der Allgemeinheit zu gönnen. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Geteiltes Sparen macht halt doppelt soviel Spass. Und ist konstruktiv, sagt man uns seit zwei Tagen. Insbesondere die Regierung sagt jetzt, was wahrscheinlich ein Sarazin gerade sich denkt: wenn jemand der Magen knurrt, dann soll derjenige halt weniger essen, weil von dem nicht ausgegebene Geld kann derjenige sich dann was zünftiges zum Essen kaufen.
Vielleicht beim Metzger eine Portion Hirn. Vorher aber an der Theke nachfragen. Nur, was mach ich, wenn auf meine Frage „Hirn aus?“ die Antwort „Ja, Hirn ist aus“ folgt? Am besten sich selber ganz heftig in den Arsch kneifen und versuchen aufzuwachen. Vielleicht sitzt man ja in einer neuen Klausurtagung und erlebt, wie man dann von anderen selber in den Arsch gekniffen wird.

„Sparen“ heißt das Ziel der Regierung.
Sparen. Sparen. Sparen. Koste, was es wolle.

Hirn aus?
Ja, Hirn ist aus!
Haben sich die Politiker auch eingespart …

Da fällt mir noch ein mieser, dummer, niederträchtiger Kalauer ein, der muss jetzt sein:
Wenn ich morgen sterben sollte und Mediziner meinem Leichnam das Hirn für eine Organspende entnehmen sollten, würden sie wahrscheinlich 10.000 Euro mit meiner gräulichen Hirnmasse verdienen. Würden aber die führenden Politiker der hiesigen Parteien morgen allesamt versterben und Ärzte deren Hirne monetarisieren, sie würden damit Billionen Euros verdienen können. Wieso? Sind halt so gut wie ungebraucht …

Hirn aus?
Ja, Hirn ist aus!
Jetzt auch bei mir.
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Politprofi oder Seiteneinsteiger? Die Gretchenfrage

Vier Wochen vor der Wahl stellt die Münchener »TZ« schon einmal die neue First Lady Bettina Wulff vor. Die »TZ« sieht Deutschland schon von einem Wir-sind-Lena-Glück ins Wir-wollen-Bettina-Fieber taumeln. Unverblümt palavert die »TZ« ihren Lesern gegenüber von dem bereits »designierten Bundespräsidenten« Christian Wulff (Zitat von TZ-Plakaten an deren Münchener Zeitungskästen) und welche gute Wahl die drei Parteien CDU, FDP und die bayrische CSU getroffen hätten.

Doch inzwischen haben SPD und Grüne auch schon reagiert und zur Verblüffung einiger CDU-/CSU- und FDP-Mitglieder Joachim Gauck vorgeschlagen. Es ist nicht das erste Mal, dass Joachim Gauck zum Bundespräsidentenamt vorgeschlagen wurde. Bereits 1999 stand er auf der Wunschliste der CSU. Doch jetzt ist er der Gegenkandidat von Christian Wulff.

Dies Nominierung durch SPD und Grüne ist ein tiefgründiger Schachzug. Ohne Umschweife kann davon gesprochen werden, dass SPD und Grüne dem Regierungskoalitionsvorschlag einen dicken Stachel ins Fleisch setzen konnten. Und dabei ist Joachim Gauck keineswegs einer, welcher der linken Seite zugerechnet werden kann. Joachim Gauck selber ist nicht nur Mitglied der »Deutschen Nationalstiftung«, dessen Schirmherr Horst Köhler bis zu seinem Rücktritt war. Er ist auch Mitglied der »Atlantik-Brücke«, welche von so führenden Köpfen wie Kai Diekmann (BILD), Guido Westerwelle (FDP), Friedrich Merz (CDU), Martin Winterkorn (VW), Klaus-Peter Müller (Commerzbank), Jürgen Fitschel (Deutsche Bank AG) und Michael Frenzel (Preussag AG) beeinflußt wird. Aber auch Leute wie Helmut Kohl (CDU), Jörg Schönbohm (CDU), Hans-Dietrich Genscher (FDP), Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg (CSU) oder Jörg Allgäuer (Manager von UniCredit Bank AG) gehören der »Atlantik-Brücke« an.

Nachdem Frau Merkel ihre Arbeitsministerin unbekümmert gegen die Wand knallen ließ, indem sie jene offensichtlich darüber im Unklaren ließ, dass von der Leyen im Gegensatz zu Christian Wulff nicht ihr Wunschkandidat ist, seit diesem Zeitpunkt wurde eigentlich klar, dass die Nominierung von Christian Wulff den Zweck haben soll, ihre Position als Bundeskanzlerin und Bundesvorsitzende der CDU zu stabilisieren. Christian Wulff wird dem Kreis eines Männerbundes (»Andenpakt«) zugerechnet. Neben Wulfff sollen diesem »Andenpakt« auch Franz Josef Jung, Günther Oettinger, Volker Bouffier, Elmar Brok, Hans-Gert Pöttering, Friedbert Pflüger, Christoph Böhr, Matthias Wissmann, Peter Müller und Friedrich Merz angehören. Diese Namen lesen sich wie ein Who-is-Who der Rücktritte oder Versetzungen in andere Ämter.

Diese Demissionen hatten gemein, dass jene Politiker sich aus dem direkten Machtbereich Merkels entfernten. Jetzt ist Wulff zwar nicht derjenige, der Frau Merkel ernsthaft das Wasser reichen könnte, nachdem alle anderen des »Männerbundes« der Frau Merkel nicht mehr gefährlich werden können. Christian Wulff, das ist die Antwort auf Unionsfraktionschef Volker Kauders Forderung »Wir glauben, dass wir jemanden mit politischer Erfahrung brauchen«. Nur, nachdem nach Köhlers Rücktritt jeder Berufene und Unberufene vor Journalistenmikrofonen inzwischen erklärt hat, was ein Bundespräsident zu leisten oder nicht zu leisten hat, sind unbequeme Wegpfosten als zukünftige Kriterien für den möglichen Bundespräsidenten Wulff eingeschlagen. Christian Wulff wird sich diesen Kriterien fügen, das hat er erkennen lassen. Und als verlängerte Werkbank der Bundesregierung soll er vor allem nett lächeln und fleißig den neuen deutschen Grußonkel mimen.

Seiteneinsteiger will die Merkel nach eigenem Bekunden nicht mehr. Es soll ein Politprofi sein. Welch Vorschusslorbeeren und Bauchpinselei für Wulff. Und, welche Gelegenheit für Wulff sich in eine bessere Position hinein zu manövrieren, bevor ihn nachrückende Seilschaften der CDU unter Druck setzen könnten. Der Männerbund »Andenpakt« soll ja bereits seit 2007/2008 nicht mehr funktionieren. Für Frau Merkel droht daher nach dem Rückzug von Koch im Grunde keine Gefahr mehr.

Aber jetzt kommt Joachim Gauck. Und es fängt vielen an zu dämmern, dass die Parole »Keine Seiteneinsteiger mehr« eher schädlich als nützlich ist.
Gauck ist parteilos, aber in seiner Zeit als »Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR« wurde eine ganze Behörde nach ihm benannt, die »Gauck-Behörde« (die jetzige »Birthler-Behörde«). Die Nominierung von Joachim Gauck überraschte nicht nur Gauck selber sondern auch die Regierungskoalition. Gerade jener Gauck, den die Regierungsparteien wegen dessen Arbeit immer gerne würdigten. Jetzt kommt einigen zu Bewusstsein, dass der Alleingang der Nominierung von dem Ministerpräsidenten Niedersachsens Christian Wulff gegen jemanden, der von den Regierungsparteien hoch geachtet ist, nun doch nicht das Richtige war. Beide Kandidaten erscheinen wie Antipoden zueinander in deren Positionen. Ein regierungsfreundlicher Grußonkel contra mutmaßlichen kritischen Kopf. Ein Dilemma, welches sich in den letzten Tagen in den Zeitungen Bahn bricht.

Der Vorschlag der SPD und Grünen zielt aber auch in eine zweite Richtung.
Nachdem die SPD und die Grüne die Partei »Die Linke« in Nordrhein-Westfalen in Sondierungsgesprächen medial vorführten (Hannelore Kraft: »Die Linkspartei in NRW ist weder regierungswillig noch regierungsfähig.«), folgt nun der zweite Schlag: Wird die Partei »Die Linke« Joachim Gauck unterstützen? SPD und die Grünen stellen der »Linke« erneut deren eigens in NRW formulierte Gretchenfrage: »Wie haltet ihr es mit der Vergangenheit der DDR?«. Gauck als Prüferlein für die sechste Partei im Staate.

Die »Linke« hat sich noch nicht gemeldet, sucht derweil einen eigenen Kandidaten. Peter Sodan wird es diesmal nicht werden. Vielleicht aber schlägt jene Partei auch niemanden vor. Die Zeit ist knapp und mehr als symbolisch wird eine solche Nominierung eh nicht mehr werden.

Vielleicht könnte die »Linke« auch eine perfide Strategie einschlagen und Wulff empfindlich beschädigen und Frau Merkel eine erhebliche Niederlage bereiten. Wie die Regierungsparteien in Berlin bereits nach der NRW-Wahl bekräftigten, würden Koalitionsverhandlungen in NRW mit SPD und Grüne nur geführt werden, wenn diese NICHT mit der Partei »Die Linke« reden würden. Diese Art des Politik-Verständnisses wurde noch vor über 20 Jahren den Grünen als Verweigerungspolitik und in der Presse den damaligen »Grünen« als destruktiver »Fundamentalismus« vorgeworfen.
Würden die Linken nun Christian Wulff unterstützen, so wäre dessen Wahl zum Bundespräsidenten gesichert. Insbesondere, nachdem sich bereits einige Teile der FDP und CDU vorstellen können, auch für Gauck zu stimmen. Und die »Linken« würden damit nicht nur ihr politisches Gewicht erhöhen, sondern sie könnten auch im Vorfeld Christian Wulff als Kandidaten schaden, weil damit bei der Wahl die Fundis der CDU-/CSU-/FDP-Parteien plötzlich zu Wahl-Abweichlern werden könnten. Der kollaterale Schaden für Frau Merkel wäre immens.

Andererseits könnten die »Linken« sich auch hinter Gauck stellen und damit jene erheblich ärgern, die die »Linke« gerne als politikuntauglich wegklassifizieren würden. Das Argument der »regierungsunwilligen und koalitionsunfähigen« Partei wäre fürs erste blockiert. Der Öffentlichkeit wäre es schwerer zu vermitteln, dass die »Linken« die Spitzbuben der Parteienlandschaft sein könnten. Allerdings – und das ist auch Fakt – wären sicherlich einige der Parteiangehörigen der »Linke« alles andere als glücklich über eine solche Entscheidung. Politik-Fundamentalismus findet sich auch bei der Partei »Die Linken« genauso wie bei den anderen Parteien.

Egal, für wen sich die »Linken« nun entscheiden, Verlierer der Bundespräsidentenwahl werden sie nur sein, sollten sie mit einem eigenen Kandidaten wuchern wollen. Ohne eigenen Kandidaten und mit aktiver Unterstützung eines der beiden Kandidaten können die »Linken« nur gewinnen. Und den Parteien schaden für deren Kandidaten sie sich entscheiden.

Der Ausgang der Wahl ist dabei nicht so zukunftsweisend wie die Wahl an sich. Die Wahl wird auf alle Fälle spannend. Und spannend wird auch werden, ob es die Regierungsparteien schaffen werden, in den verbleibenden vier Wochen ihren eigenen Kandidaten Wulff zu demontieren. Für unwahrscheinlich halte ich das nicht.

Georg Schramm und seine anderen Egos

»Georg Schramm gibt es nicht.«
»Auf der Bühne existiert er nicht.«
Georg Schramm

Der Name »Georg Schramm« ist seit der ZDF-Kabarett-Sendung »Neues aus der Anstalt« für viele Menschen in Deutschland ein Begriff. Bekannter als er selber sind aber inzwischen seine Spielfiguren: Lothar Dombrowski, Oberstleutnant Sanftleben, der alte Sozialdemokrat August und die rheinische Frohnatur des Pharmareferenten.
Wer aber ist Georg Schramm selber?
Lothar Dombrowski schrieb dazu in seinem Buch »Lassen Sie es mich so sagen … Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit«:

»Ich habe all die Jahre Georg Schramm als Pseudonym benutzt, seine Vita erfunden. Er der Offizier Sanftleben und der alte Sozialdemokrat August sind Spielfiguren, Abspaltungen meiner Person, … . Im realen Leben gibt es nur mich, Lothar Dombrowski, …«

Es verwirrt.
Der Name »Lothar Dombrowski« an sich ist schon länger ein Begriff als der Name »Georg Schramm«. »Lothar Dombrowski« war ein ehemaliger Sprecher der »Tagesschau« (s.a. Bild links).
Aber wer ist jener »Lothar Dombrowski«, dessen Name von jenem Tagesschau-Sprecher entlehnt wurde und den Sprecher vergessen lässt?
Wer ist Georg Schramm?

Georg SchrammWer die Auftritte des unfreundlichen Lothar Dombrowski in der ZDF-Kabarett-Sendung »Neues aus der Anstalt« oder auch von Georgs Schramms letzten Programms »Thomas Bernhard hätte geschossen« her kennt, der gerät leicht in die Gefahr, diese Spielfigur mit der Person Georg Schramm gleich zu setzen.

Wer ist der Georg Schramm also? Hierzu findet sich viel Geschriebenes im Internet. Und es finden sich viele Videos über Georg Schramms Spielfiguren, sei es in der ZDF-Mediathek, sei es bei podcast.de oder bei YouTube.

Durch Zufall traf ich hierbei auf eine Sendung vom Deutschlandfunk aus dem Jahr 2008. Im Programm »Zwischentöne« hat Joachim Scholl mit Georg Schramm an die 90 Minuten ein lockeres Gespräch geführt: über die Figuren des Lothar Dombrowskis, des Oberstleutnants Sanftleben und des Sozialdemokraten August, über Georg Schramms vorherigen Programms »Thomas Bernhard hätte geschossen« und über die Sendung »Neues aus der Anstalt«.
Der Deutschlandfunk bietet dieses Gespräch noch immer in zwei Teilen zum Download im mp3-Format an:

Teil 1
Teil 2
Playlist

Es lohnt, sich die 1 ½ Stunden Zeit zu nehmen und hinein zu hören.
Es macht Lust auf Georg Schramms neues Programm »MEISTER YODAS ENDE – Über die Zweckentfremdung der Demenz« und tröstet auch darüber hinweg, dass Georg Schramm zum letzten Mal mit Urban Priol in drei Tagen am Dienstag, den 8-Juni-2010, in »Neues aus der Anstalt« auftreten wird (22:15 Uhr, ZDF; Gäste: Frank Markus Barwasser, Monika Gruber und Jochen Malmsheimer).

Kein Zutritt von unten (Kneipengespräch)

Tresen 0

»Lang nicht mehr gesehen.«

Er ergriff sich den Hocker neben mir, zog ihn in Sitzposition, deutete dem wird mit dem Zeigefinger an, dass er gerne ein Kölsch haben würde, und zog seine Regenjacke aus.

»Na ja, ich dich ja auch nicht.«
»Ich habe ein wenig privatisiert.«
»Privati … was’n das?«
»Ins Private zurück gezogen. Und was hast du in der Zwischenzeit so getrieben?«

Der Wirt schob ihm eine frisch gefüllte Stange Kölsch auf einem Bierdeckel rüber. Während er seine Regenjacke unterm Tresen an einen Haken aufhängte, langte er nach dem Kölsch, nahm einen Schluck und schwang sich auf den Hocker.

»Getrieben? Ich hab mich mal mit Hartz 4 vertraut gemacht.«
»Gesetzestexte durchwühlt?«

Er schüttelte den Kopf.

»Nein. Ich habe einer Bekannten durch den Formularwust für dieses Arbeitslosengeld II durchgewühlt. Ich sag dir, dieses ALG2 ist der reinste Papierslalom. Für alles und jedes wollen die Belege sehen.«
»Na gut, schließlich soll verhindert werden, dass Betrüger Geld abzocken.«
»Abzocken?«
»Sagt dir der Fall Florida-Rolf noch was?«
»Ja klar. Die BILD-Zeitung und deren Angst, dass es einem Sozialhilfeempfänger besser gehen könnte als deren eigenen Freelancer-Journalisten.«
»Jetzt wirste polemisch!«
»Pass mal auf. Ich bin mit meinem Lebensstandard weit weg von Hartz 4. Irgendwo in der Reihe der Mittelständler zwischen Bild-Zeitungsredakteur und Politiker kannste mich einordnen. Mir klingen noch die Worte eines Geschäftsführer von vor zwei Jahren in den Ohren, der seinen Angestellten erklärte, würde die Banken seine Firmenkredite kappen, dann sei er Ruck-Zuck Hartz 4.«
»Ja und?«
»Die haben doch alle keine Ahnung, was für eine Knochenmühle Hartz 4 geworden ist.«
»Aber du, oder was.«
»Hast du dir mal den Fragebögen zur Antragsstellung für ALG2 durchgelesen? Da sind die Abfragen der persönlichen Daten bei Facebook Kinderkram.«
»Na und? Wer Leistungen vom Staat bekommen will, der muss auch selber dem Staate gegenüber in Vorleistung gehen.«
»Toll. Meine Bekannte hat zwei entschiedene Probleme: Sie ist Ausländerin, spricht deutsch recht schlecht, von Lesen ist mal ganz abzusehen, hat drei Kinder und dann ist ihr Lebensgefährte ausgezogen.«
»Und?«
»Als sie dann noch letztens arbeitslos wurde, hat sie bei den Fragebögen nur noch Bahnhof verstanden.«
»Sie hätte ja vorher deutsch lernen können.«
»Hätte. Selbst ich mit Deutsch als Muttersprache verstand die Fragen nicht beim ersten Mal. Anfangs hatte sie nach einem Gespräch bei der ARGE einen Deutschkurs bewilligt bekommen. Auch mit dem Hintergrund sich für neue Jobs besser bewerben zu können. Dann kam aber der neue Sachbearbeiter. Ein Arsch von Gottes Gnaden. Der hatte ihr den Deutschkurs gleich mal gestrichen. Seiner Ansicht nach sollte sie nach 11 Jahren Deutschland ausreichend deutsch sprechen können. Er hat ihr dann gleich einen neuen Binnenbrief geschickt.«

Sein Gesichtsausdruck hatte sich beim erzählen verfinstert. Seine Stimme war immer eregter geworden.

»Binnenbrief? Was ist denn das?«
»Zu beantworten binnen zwei Wochen oder es gibt Sanktionen der ARGE, weil sie nicht kooperativ sei.«
»Was wollten die?«
»Ihren vollständigen Lebenslauf. Ich hab ihn ihr dann geschrieben. Dutzend von mir ausgefüllte Papiere später hatte sie dann Mietunterstützung für ihre alte Wohung erhalten. Aber sie sollte sich eine neue suchen.«
»Und?«
»Der Münchener Wohnungsmarkt wimmelt von maklervermittelten Wohnungen. Bei den Besichtigungsterminen mit den Maklern wurde ihr dann immer erklärt, dass keine Arbeitslosen mit drei Kindern akzeptiert würden.«
»Wieso? Wenn die Stadt die Miete von ihr zahlt, dann ist die Mietzahlung doch garantiert.«
»Früher, das war früher. Mit der Einführung von Hartz 4 kann die Stadt die Mietzahlung dann kürzen oder sperren, wenn der Empfänger sanktioniert werden muss. Seitdem sind Arbeitslose von Vermietern meistens unerwünscht. Arbeitslose könnten zu Hartz-4-Empfänger werden.«
»Aber sie kriegt die jetzige Wohnung bezahlt?«

Er lachte auf. Ein hilfloses zynisches Lachen.

»Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Hartz-4-Sachbearbeiter nicht gefällt.«
»Wie das?«
»Sie muss jeden Monat 9 Wohnungssuchen nachweisen: Gesprächspartner, Telefonnummern, Wohnungsbeschreibung, Absagegrund, Bewerbungen bei Wohnungsgesellschaften. Und das wird von jemand verlangt, der nur deutsch sprechen aber kaum schreiben kann. Witzig, nicht? der hatte wohl ihren Deutschkurs gestrichen, damit er sie wohl schneller sanktionieren konnte. Wahrscheinlich kriegen die Bonus-Zahlungen für jede eingestellte Hartz-4-Zahlung. Ich habe ihr bei dieser Schreibarbeit dann geholfen. Sie hatte dann nebenbei auch eine Wohnung gefunden. Aber sie war von dem ARGE-Sachbearbeiter angewiesen worden, dass sie nur einen Mietvertrag unterschreiben dürfe, wenn Sie zuvor mit dem Sacharbeiter Rücksprache gehalten hätte. Würde sie vorher unterschreiben, würde die ARGE nicht zahlen.«
»Und?«
»Sie versuchte ihn eine Woche zu erreichen und hat ihm tagelang auf dem Anrufbeantworter gesprochen. Er war nie persönlich zu erreichen. Der Vermieter sagte ihr schließlich ab, weil sie nicht unterzeichnen konnte.«
»Und der Sachbearbeiter?«
»Sie erreichte ihn dann persönlich, nachdem ich mich mal einschaltete und ihr half. Erst auf Umwegen erreichte sie ihn. Als sie ihm sein Leid klagte, dass er nie zu erreichen sei, …«

Er schnappte deutlich Luft, ergriff sein Kölsch, leerte es und starrte vor sich hin.

»Und was sagte der Sachbearbeiter ihr dann?«
»’Ruhe jetzt!’«
»Was? Wieso?«
»Er blaffte ihr nur in den Hörer ‚Ruhe jetzt!‘. Fast wie ein Offizier. Als meine Bekannte verstört nachfragen wollte, was er damit meinte, pfiff er dreimal in den Hörer. Weißt du, es war das Pfeiffen, was normalerweise ein Hundehalter beim Gassigehen seinen Hund zupfeifft.«
»Was?«
»Er hat gepfiffen, als sei sie wie ein Hund zu behandeln! Und ihr dann nochmals ein ‚Ruhe jetzt‘ entgegengeschleudert. Sie bräuchte sich nicht aufzuregen, wenn er wolle, dass sie Ruhe gebe. Verstehst du das? Behandelt man so seinen Kunden? Welches Recht hat so ein Sachbearbeiter jemanden wie einen Hund zu behandeln?«
»Vielleicht hatte er nur einen schlechten Tag.«
»Einen schlechten Tag?«

Er starrte mich an. Sein Gesicht drückte eine Verzweifelung ob meiner Bemerkung aus. Der Wirt schob ihm ein neues Kölsch hin, welches er sofort ergriff und einen tiefen Schluck raus nahm. Seine Hand umfasste die Kölschstange krampfhaft. Fast erschien es mir, er würde das Glas zusammendrücken wollen, als würde es gleich splittern …

»Einen schlechten Tag? Wenn ich in meinem Beruf in der freien Wirtschaft einen Kunden behandeln würde, dann würde ich Ärger mit meinem Chef bekommen. Aber der Sachbearbeiter ist ja Beamter. Ein Beamte, der das Klischee über Beamten füttert. Einen schlechten Tag? Ach ja, nur am Rande, meine Bekannte hatte inzwischen einen neuen Job gefunden und entsprechend den Vorschriften, alle Behörden informiert. Drei Tage später erhielt sie von dem ARGE-Sachbearbeiter einen neuen Binnenbrief. Sie solle ihm binnen vier Wochen bis Mitte Juni eine Kopie des Arbeitsvertrages und der Verdienstbescheinigung zuschicken.«
»Und?«
»Diese Woche sollte eigentlich die Mietunterstützung auf ihrem Konto eintreffen. Sie kam nicht. Sie konnte die Miete bislang nicht zahlen. Gestern hatte meine Bekannte dann bei der ARGE angerufen. Dort erfuhr sie, dass sie gesperrt sei. Sie sei so lange gesperrt, bis sie Arbeitsvertrag und der Verdienstbescheinigung vorlegen würde.«
»Wo ist das Problem?«
»Jener Sachbearbeiter hatte sie direkt nach Versendung des Briefes vor zwei Wochen gesperrt gehabt. Den Arbeitsvertrag erhielt sie erst vor einer Woche und die Verdienstbescheinigung von der ersten Arbeitswoche kommt erst Mitte Ende nächster Woche. Bis dahin bleibt sie gesperrt.«
»Sie kann doch ihre Miete schon mal zahlen.«
»Das waren die Worte des Sachbearbeiters. Aber ihr Konto gibt das nicht her.«
»Schulden?«
»Schulden. Aber dazu hatte der Sachbearbeiter ihr erklärt gehabt, Schulden seien Privatsache. Das interessiere ihn nicht. Sie solle sich Geld leihen.«

Seine letzten Worte hatten einen stark zynischen Klang und ich glaubte noch ein leises »So ein Arschloch« zu vernehmen.

»Und wieso erzählst du mir das?«
»Okay, du verstehst es nicht. Du verstehst wohl nicht, dass meine Bekannte momentan durch ein Spalier der Demütigungen geht.«
»Na und? Es geht halt nicht anders. Zu viele Leute haben die Sozialhilfe genutzt, um den Staat abzuzocken.«

Er drehte seinen Kopf ein wenig und blickte mich leicht säuerlich von unten her an.

»Ach ja? Aber mit den Abzockern der Bankenwirtschaft, da verfahren wir anders, oder etwa nicht? Die werden von unserer Regierung an den Verhandlungstisch eingeladen. Aber Hartz-4’ler sind die Bedrohung der Gesellschaft, oder was?«
»Hey! Übertreib es nicht! Du redest Quatsch. Wir können das Geld nun mal nicht mit der Gießkanne verteilen. Wir sind kein Sozialstaat mehr. Wir müssen sparen. Sonst ergeht es uns wie Griechenland. Wer nichts leisten will, soll halt woanders hin gehen. Meinetwegen nach Griechenland, die aktiv unseren Wohlstand gefährden. Dann werden die schon sehen, wo es besser ist.«
»Ach ja? Schön.«

Abrupt stellte er seine Kölschstange ab, stand er auf, legte ein paar Geldstücke auf den Tresen und nahm seine Regenjacke vom Haken.

»Der 14-jährige Sohn meiner Bekannte redete genau so wie du jetzt. Er hatte Hartz-4’ler als Schmarotzer bezeichnet, die nur faul seien und selber Schuld an deren Misere seien, die nichts leisten würden. Das sagte er, als meine Bekannte noch mit ihrem Lebensgefährten zusammenlebte. So wie du jetzt redete er. So wie es in den Medien immer wieder rauf und runter gebetet wird. Als der Bewilligungsbescheid für meine Bekannte eintraf, kam er hinzu und fragte, ob sie jetzt alle Hartz-4’ler seien. Als seine Mutter bejahte, meinte der nur, dann solle sie halt mehr arbeiten und verschwand in seinem Zimmer.«

Mit Verärgerung im Gesicht drehte er ab und verschwand grußlos durch die Kneipentür.
Mein Kölsch-Glas war fast leer, eine kleine schaumlose Pfütze befand sich noch drin. Ich hob das Glas und winkte dem Wirt zu. Es war noch zu früh, nach Haus zu gehen.

Freunde des Französischen

Französisch ist toll, französisch ist schön, französisch macht träumend beim Zuhören.
Wer diese Sprache aber leider – wie ich – in der Schule abgewählt hatte, weil ein paar Vollpfosten im Kurs denselbigen schnell ruinierten, der wird den folgenden Text leider so nicht direkt verstehen:

http://fichtre.net/yop.html

Aber alle Firefox-Browser-Nutzer haben eine geniale Möglichkeit sich eine schnelle Übersetzung hin zu zaubern:
Einfach den Text mit der Tastaturkombination „Strg“+“A“ oder mit der Maus alles markieren und träumen …

Piep, piep, piep, wisst Ihr eigentlich, …

… wer gestern zurück getreten ist?
Ihr müsst nur mal in Wikipedia nachschauen, dann wird es euch erklärt!

Guildo Horn (* 15. Februar 1963 in Trier, Rheinland-Pfalz; eigentlich Horst Köhler) ist ein deutscher Schlagersänger und Musiktherapeut.

Somit schließt sich der European-Song-Contest-Kreis von Satelliten-Lena über Piep-piep-piep-Guildo Horn und Will-nicht-mehr-Köhler zum Metzger Stefan Raab.

Jetzt frag ich mich nur, wo hat der Guildo Horn nur diesen erfolgreichen Gesichtschirugen aufgetrieben … ?

Und hiermit erkläre ich das Casting zu „Deutschland sucht den nächsten Präsidenten Deutschlands“ (DSDNPD) für eröffnet.

Kleiner feiner Unterschied

Horst Köhler im Wortlaut zu seinem Rücktritt:

[…] Die Kritik geht aber so weit, mir zu unterstellen, ich befürwortete Einsätze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt wären. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. […]

„… jeder Rechtfertigung …“.
Er sagte nicht “ … jeder Basis …“.
Das heißt, er diskutiert gar nicht die Fragen, die er selber aufgeworfen hat. Er will sie auch gar nicht diskutieren. Er nimmt nicht dazu Stellung, ob er sie befürworte.
Es gibt wenige, die sich bar jeder Kritik fühlten.

„L’État c’est moi!“ („Der Staat bin ich!“), wird der „Sonnenkönig“, der absolutistische Monarch Ludwig XIV., zitiert. Horst Köhler hätte den Satz wohl am liebsten auch gerufen. Aber da gibt es einen Unterschied: Wir leben nicht mehr im Absolutismus. Wir leben in einer kritikoffenen, freiheitlichen Gesellschaft.

„Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung.“
Dieser Rücktritt entbehrt jeder Beschreibung. Heinrich Lübke hielt länger durch, bevor der dann freiwillig seinen Stuhl räumte …

Und tschüß, Herr Köhler.
Der nächste, bitte.
Und bitte: Mit mehr Rückgrat.

Und ganz nebenbei:
Jetzt wissen wir auch, warum Roland Koch zurück getreten ist. Der wollte Bundespräsident werden …

Die Büchse der Pandorra (Lebe wild und gefährlich Teil 29)

Zeus wies Pandora an, die Büchse den Menschen zu schenken und ihnen mitzuteilen, dass sie sie unter keinen Umständen öffnen dürften (Prometheus warnte seinen Bruder zudem davor, Geschenke von Zeus anzunehmen) doch – von Neugier übermannt – ließen die Menschen die Büchse trotzdem öffnen. Daraufhin entwichen aus ihr alle Laster und Untugenden. Als einzig Positives entwich auch die Hoffnung.

Text entnommen aus „Wikipedia – Büchse der Pandorra

Und wer es live sehen möchte, was als Screenshot unter diesem Text dargestellt ist, der klicke das Bild an:
2010-05-30_134546

Wenn Vasen zerschlagen werden

Was vorher geschah: Prolog, Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10, Teil 11, Teil 12, Teil 13, Teil 14, Teil 15

***

“Du solltest das Zeug nicht trinken.”

Er schaute mich besorgt an und schob das Glas Absinth aus meiner Reichweite.

“Lass mich.”

Ich beugte mich vor und zog das Glas mit seiner grünen Flüssigkeit zu mir rüber. Mit dem Inhalt einer Wasserkaraffe verdünnte ich meinen Absinth, der eine milchig grünliche Trübung annahm.

In einem Anfall von Wahnsinn hatte ich im Februar den Ratschlag eines ehemaligen Arbeitskollegen befolgt und das Erbe meines Vaters in einen amerikanischen Hedge-Fond investiert. Die mir damals präsentierten Zahlen waren berauschend. Der Hedge-Fond hatte bereits vor drei Jahren seine Investoren mit üppigen Gewinnen überschüttet gehabt. Damals hatte der Fond mit Kreditausfallsicherungen aus US-amerikanischen Immobilien, den sogenannten “Credit Default Swaps”, gehandelt und diese in sogenannte “Collateralized Dept Obligations” (CDO) gebündelt. Von Ratingagenturen hatte der Fond diese mit Hilfe einer Wall-Street-Bank mit Bestnoten bewerten lassen. Diese CDOs gingen an europäische Banken und dagegen hatte der Hedge-Fond dann gewettet. Als die CDOs dann reihenweise ihren Wert verloren, sammelte sich der Gewinn im Hedge-Fond an. Die Renditen waren traumhaft. Das Geschrei der europäischen Staaten, die ihre Banken dann finanziell stützen mussten, war gewaltig. Eben aufgrund jener Gewinnberichte hatte ich mein Geld investiert. Wie ich allerdings später erfuhr, war jener Kopf, der damals für den satten Gewinn zuständig war, aus dem Hedge-Fond abgewandert und jemand anders hatte die Führung übernommen. Im Zuge der Griechenland-Euro-Krise hatte dieser neue Besitzer den Fond schließen müssen. Es wird gemunkelt, er habe mit bestimmten Derivaten eine Wette gegen eine deutsche Bank getätigt. Als der Kurs des Euros im Verhältnis zum US-Dollar fiel, war das Geld weg und der Typ – kurz nachdem er seine Email an uns Investoren rausgeschickt hatte – nicht mehr erreichbar.

Ich hatte meinen Rechtsanwalt eingeschaltet, aber der gab mir wenig Aussicht auf Erfolg. Im persönlichen Beratungsgespräch eröffnete er mir, dass er selber einen guten Gewinn aus der Euro-Krise gezogen hat. Und er sähe nicht wirklich, warum ich selber jetzt gegen jemanden klage wolle, der bei einer Börsenwette mein Geld verzockt habe. Börse, so erklärte er mir mit einem Lächeln, sei nun mal nichts für Amateure. An der Börse könne man alles gewinnen oder alles verlieren. Und wer verliere, der solle sich nicht beklagen, die Gewinner täten es auch nicht. Den letzten Satz brachte er mit solch einem zynischen Lächeln über seine Lippen, dass ich ihm wütend ankündigte, mir einen anderen Rechtsanwalt zu suchen.

Einen neuen Rechtsanwalt habe ich mir nicht gesucht. Warum auch. Er hatte ja recht. Ich hatte gezockt und verloren. Andere haben sich mein Geld unter sich aufgeteilt. Und als Verlierer stand ich nun in solch illustrer Reihe von Börsenverlierern wie HRE, IKB, Island und Griechenland. Nur der Unterschied ist, dass sich für meine Situation niemand wirklich interessiert. Bei Recherchen im Internet stieß ich dann auf das Gerücht, dass jener Hedge-Fond-Besitzer Selbstmord begangen haben sollte. Kurz danach war ich zu meiner Bank und hatte mir einen Kredit besorgt, um finanziell nicht gänzlich unter zugehen. Die Bank zögerte anfangs noch, mir Kredit zu geben. Letztendlich aber erhielt ich den Kredit. Als ich die Kreditpapiere in den meinen privaten Ordner verstaute, fiel mir der Satz ein, den mir ein amerikanischer Banker mal sagte: “Wie gibt man Leute das Gefühl, vermögend zu sein, wenn deren Einkünfte stagnieren? Gebe denen billige Kredite.” Nach diesem Prinzip wurde den Amerikanern Immobilienkredite vergeben. Und als immer mehr nicht mehr fähig waren, die Kredite zurück zu bezahlen, setzte die Finanzkrise ein. Jene Kredite waren von den Kreditverleihern verbrieft worden, um damit an der Börse über Kreditausfallversicherungen (CDS) Geld machen zu können.

Jürgen ergriff meine Hand und entwand mir mein Glas.

“Das brauchste nun wirklich nicht.”

Jürgen war zum Ökumenische Kirchentag gekommen. Seine Gemeinde in Remagen hatte einen Bus nach München organisiert und Jürgen hatte die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen. Dafür hatte er sogar einen heftigen Krach mit seiner Frau in Kauf genommen. Wir hatten uns im “Cafe Bleu” verabredet.

Das Cafe war geheizt, trotzdem hatte ich mir schon vor Jürgens Eintreffen einen Absinth zum Aufwärmen genehmigt. Das Wetter draußen war regnerisch und kalt. Es passte zu der Stimmung, die wegen dem milliardenschweren Griechenland-Rettungsschirm überall herrschte: Kater-Stimmung vermischt mit Depressionen.

Die Kellnerin erschien und brachte zwei große Becher Tee vorbei, die Jürgen zuvor bei ihr bestellt hatte.

“Trink lieber das. Grüner Tee. Die haben hier eine echt gute Sorte aus Japan, habe ich beim Reinkommen bemerkt. Und nicht dieser Tee in beuteln aus dem Supermarkt.”

Er stellte mein Glas Absinth auf den leeren Nebentisch und hob seinen dampfenden Becher vorsichtig mit beiden Händen hoch. Mit einem leichten Schlürfen trank er etwas von dem Tee.

“Wow, der ist echt gut! Probiere mal.”

Vorsichtig ergriff ich den Becher. Er war heiß, verdammt heiß. Ich nahm einen schnellen Schluck, aber ich spürte nichts. Der Anis aus dem Absinth lag mir noch auf der Zunge und ließ den Tee eigenartig neutral schmecken.

“Hattest du mein Exemplar der Papiere des PentAgrions erhalten?”

Ich nickte. Ja, das hatte ich, aber ich hatte den Umschlag nie geöffnet. Er wanderte damals in meine Schreibtischschublade. Zumindest glaube ich es. Sicher war ich mir nicht mehr. Zu sehr war ich damals damit beschäftigt, mein Geld zu investieren und mich zuvor mit den Chancen und Risiken der Börse auseinander zu setzen. Und dann war da noch die Affäre mit der Kneipenbekanntschaft. All das raubte mir Zeit und Muße mich mit jenem Thema auseinander zu setzen. Das Thema “PentAgrion” war mir dabei total vom Schirm gerutscht. Es hatte mich auch nicht sonderlich weiter interessiert. Nur knapp eineinhalb Monate später verabschiedete sich meine Kneipenbekanntschaft wieder aus meinem Leben. Dafür zeichnete sich der Totalverlust meiner Investition ab. Und danach war ich erst mal mit allem durch.

Mir erschien mir alles recht sinnlos und ich taumelte recht planlos durch mein Leben. Bis dann mein Telefon klingelte und sich Jürgen meldete. Er würde den Ökumenischen Kirchentag besuchen und ob wir uns nicht treffen könnten. Ich schlug das “Café Bleu” vor, ein kleines Café am Rande vom Münchener Stadtteil Schwabing. Er kam ein wenig verspätet. Ich hatte schon den ersten Absinth hinter mir gebracht und auf seiner Frage, warum ich das grüne Zeug schlucken würde, ihm in knappen Worten über meinen finanziellen Fehlschlag erzählt

“Und wie haben dir die Papiere gefallen?”

“Hm. Ehrlich, ich habe sie noch nicht gelesen.”

“Du warst doch so sehr dahinter her?”

Ich nickte. Mir kam das letzte Telefongespräch mit Jürgen in die Erinnerung zurück. Es ging über Schwarze Löcher und das Internet. Über Schwarze Löcher als Archivschrank des Weltalls und Elefanten als Spaghetti.

“Das stimmt. Aber die ganze Sache mit den Schwarzen Löchern und die Schwarzen Löcher als Informationsspeicher, das war mir zu sehr abgehoben.”

“Zu kompliziert?”

“Absolut. Würde das nicht heißen, ich könnte meine Büchersammlung zu Hause anzünden und trotzdem wäre nichts verloren? So wie es Ethnologen immer behaupten?”

Er beugte sich lächelnd vor. Ein Hauch seines After-Shaves erreichte meine Nase. Er faltete seine Hände und legte sie um seinen Becher Tee. Er schaute kurz konzentriert in seinen Tee und blickte mir dann ins Gesicht.

“Hm. Stell dir jetzt mal das folgende vor:  Nimm dir eine Vase. Eine, die du nicht ausstehen kannst. Packe sie in eine Plastiktüte und nimm einen 500-Gramm-Hammer. Setze jetzt gezielt zwei, drei Schläge. Es klirrt. Kaufe dir Pinzette und Klebstoff. Du wärest jetzt im Stande die Vase zusammen zu setzen. Mit etwas höherwertigem Equipment könntest du die Vase so zusammenpuzzeln, dass man meinen könne, sie wäre nie zerbrochen gewesen. Setze jetzt zweihundert Schläge auf die Tüte. Noch immer wäre es möglich die Vase zusammen zu setzen. Freilich wäre damit ein sehr langer Zeitaufwand verbunden. Inklusive viel Geduld und Hilfsmitteln, die dich mehr als nur der Rettungsschirm der Bundesregierung für europäische Banken kosten würden. Zumindest kann dir niemand widerlegen, dass die Informationen innerhalb der Plastiktüte nicht die Vase darstellen würden. Wäre es jetzt keine Plastiktüte, sondern ein abgeschlossenes System, welches dir sogar die dabei freigesetzt potentiellen, kinetische und mechanische Energien zurückgeben würden, dann wäre die Vase komplett. Alle Informationen wären vorhanden. Es gilt der Energieerhaltungssatz, der besagt, dass nichts verloren geht, selbst wenn es umgewandelt wird. Einstein formulierte dieses prägnant mit der einfachen Formel „E ist gleich M mal C-quadrat“ (E=mc(2)). Das Aufspalten eines Körpers in seine Atome, seine Elektronen, seine Quanten und seine Energieformen wird die Informationen des Körpers nicht vernichten, wenn man alle Puzzleteile zusammenhält. Diese Aufspaltung macht die Problematik und das „Mystische“ – die Wissenschaftler mögen mir diesen ketzerischen Ausdruck verzeihen – von Schrödingers Katze und den Schwarzen Löchern aus. Die Frage der Reproduzierbarkeit in dem Falle der zerschlagenen Vase stellt den Perfektionsgrad der menschlichen Technik im Verhältnis zum Chaos dar. Die Thermodynamik spricht hierbei auch von Entropie, dass heißt vereinfacht, alles strebt dem Chaos entgegen und die Errichtung von Ordnung kostet Energie. Und das Maß der dafür benötigten Energie ist die Entropie. Das ist genau der Stoff aus dem Begehrlichkeiten gemacht sind. Denn wenn in allem die Informationen von zuvor rekonstruierbar sind, dann bedeutet dieses das absolute Wissen. Das Überwissen. Die Ethnologen haben recht. Zweifelsfrei. Denn selbst in einer verbrannten Bibliothek ließe sich theoretisch, das vormalige Wissen zurück gewinnen. Theoretisch. Leider ist der Unterschied zwischen theoretisch und praktisch unsere menschliche Natur. Das Wissen hat einen Zustand angenommen, den wir nicht im Stande sind zu lesen, zu verstehen. Es ist wie mit alten Schriftzeichen aus Machu Pichu: Wir können sie sehen, aber wir verstehen sie nicht. Es fehlt uns der Schlüssel. Meine These: Hätten wir den Schlüssel, die Informationen verbrannter Bibliotheken zu öffnen, wird würden den Inhalt der alten Schriften als langweilig empfinden, denn wir wüssten schon mehr, als darin nachzulesen wäre. Da wir aber den Schlüssel nicht haben, wissen wir verdammt wenig und wir wüssten allzu gerne, was in der Bibliothek in Alexandria alles verbrannte. Wir hätten auch kein Internet. Wir bräuchten es nicht.”

Er verstummte. Ich merkte, dass er auf eine Antwort von mir wartete, aber mir fiel dazu nichts ein. Aber dann fiel mir doch noch was ein:

“Jürgen, um es mal auf den Punkt hzu bringen. Ich habe nicht das geringste verstanden, was du gerade gesagt hast. Was hat diese Vase mit Schwarzen Löchern zu tun? Und wenn all das Wissen der Welt vor uns offen liegt, warum können wir dann mit unserem heutigen Wissen neue Lebewesen erschaffen, aber das alte Wissen nicht erschließen?”

“Weil wir Menschen sind?”

“Wir sind keine Menschen mehr. Wir haben inzwischen Gott-Status. Wir erschaffen Leben aus der Retorte, komplett künstlich erzeugt.”

“Aber wir sind nicht fähig zerstörtes wieder in seinen Ursprung zu versetzen.”

“Toll. Für diesen Satz hättest du jetzt nicht den Vortrag halten müssen.”

“Warum liest du nicht mal das durch, was ich dir geschickt hatte?”

Jürgens Stimme schwang ein ärgerlicher Unterton mit.

“Die Papiere des PentAgrions?”

“Die Papiere des PentAgrions.”

Ich ergriff meinen Teebecher und schlürfte vorsichtig vom Tee. Langsam spürte ich ihn auf meiner Zunge. Er hatte einen leicht zitronig-herben Geschmack. Ich schluckte, die Flüssigkeit lief meine Speiseröhre hinab und zu spät bemerkte ich, dass der Tee dafür noch zu heiß war. Ich hustete, schnappte nach Luft. Zu heiß. versuchte mir Luft zu zu fächeln. Jürgen reichte mir die Wasserkaraffe. Ohne Zögern setzte ich an und trank sie in einem Zug leer.

(Fortsetzung)

Das Versprechen

Kinder, wie die Zeit vergeht. Papas neue Armbanduhr ist grad‘ stehen geblieben …
lebenslaenglich

Übersetzung aus dem Englischen:
„Diese Uhr läuft genau so lange wie Sie. Plus sieben Tage.“

Geht’s bei Euch zu wie am Münchener Stachus?

An der Wand gemeiselt seien, die 8 Gebote am Münchener Stachus in deren Einkaufspassage.

1.) Bedenke du Subjekt unserer Begierde, du werdest gefilmt, gefilmt und nochmals gefilmt!
2.) Wenn wir filmen, brauchst du nicht fotografieren, fotografieren, fotografieren!
3.) Es sei dir geschrieben, dreimal: Du sollst nicht plakatieren!
4.) Deinen Dackel hast du an der Leine zu führen! Auch das sei dir dreimal verkündet!
5.) Inline-Skater sind ebenso dreimal unerwünscht.
6.) Auch Fahrräder sind hier unten unerwünscht!
7.) Und Musik wollen wir hier unten auch dreimal nicht!
8.) Und damit Du potentieller Raudi es ganz deutlich verstehst, wir sagen es Dir an dieser Stelle gleich 7 Mal: Rauchen ist auch verboten!
Amen und Basta!

Den Fotoapparat gezückt und somit wohl gegen das 2. Gebot verstoßend gruselte es mich. Aber ich denke mal, die haben mich bei meinem Vergehen gefilmt, also steh ich bei denen auf der Fahndungsliste und brauche nur noch der gerechten Sühne harren.

Lang lebe die Verbieteritis!

Verbieteritis

Foto aus dem Geschäftsbereich unter dem Münchener Karlsplatz, dem Stachus.

Frühlingserwachen?

Fruehlingserwachen
Winter, wo ist dein Sieg? Winter, wo ist dein Stachel?
Krokusse im Februar.
Frühlingserwachen.

Wasserstandsmeldung in Sachen Arbeitslosigkeit

Die Wasserstandszahlen für den Januar sind wieder veröffentlicht. Keine ifo-Zahlen oder neuste Umfragewerte, nein, schlicht und ergreifend die Arbeitslosenzahlen.

Ach so, denkt sich der Leser, die. Ja, da war doch was. Zumindest irgendwas, nicht wahr. Und? Was ist von den Arbeitslosenzahlen hängen geblieben? Alles nicht so schlimm, gelle. Hätte schlimmer kommen können. Noch steht das Wasser nicht Oberkante Unterlippe für die deutschen Bürger. Also kein Grund zur Panik. Cool bleiben. Ist ja schließlich Winter.

Leute! Das kann so nicht gehen! Da muss noch was passieren! Schließlich erwartet in Zeiten des gepflegten Alarmismus auch der Bürger passende Meldungen. Kein Grund zur Panik? Was soll das? Habt Ihr die Unwetterwarnungen der letzten Wochen vergessen und die Aufforderung sich Vorräte anzulegen, weil man mindestens eine Woche wegen brutalen Schneefalls nicht mehr das Haus verlassen könne? Und jetzt „kein Grund zur Panik“ bei den Arbeitslosenzahlen? Das ist bitterster Verrat an den panikbereiten Bürger! Das ist … das ist infam!

Im Blog „Écrasez l’infâme!“ von André Tautenhahn fand ich in seinem letzten Post die Zusammenstellung der Überschriften einiger deutscher Online-Redaktionen zu den Januar-Zahlen:

Winter treibt Arbeitslosigkeit in die Höhe (Deutsche Welle)
Mehr Arbeitslose wegen Kälte (Frankfurter Rundschau)
Kurzarbeit sei Dank: Arbeitsmarkt trotzt auch im Januar der Krise (Stern)
Winter-Schock bleibt aus (Bild)
Robuster Arbeitsmarkt sorgt für Optimismus (RP-Online)
Arbeitsmarkt zeigt sich krisenfest (Financial Times Deutschland)
Eis-Winter treibt Arbeitslosenzahl nach oben (Zeit)

Überschriften. Die sind ja sowas von lasch. Sowas von diffus.
Vielleicht sollten die Macher der Aufmacher ein wenig mehr bei Frau von der Leyen (vdL) studieren. Die hat in ihrem Kommentar zu den Arbeitslosenzahlen folgendes verlautbaren lassen:

Der Anstieg der Arbeitslosen um 342.000 ist eine hohe Zahl, hinter der sich viele Einzelschicksale verbergen. Dahinter steckt allerdings ein hoher saisonaler Effekt.

Quelle: BMAS

Frau vdL gibt jedem dieser qualifizierten Überschriftstexter Ideen vor, da träumt selbst ein Romanbuchautor wie Steven King heimlich von.
Man lasse es sich auf der Zunge zergehen: Hinter den vielen Einzelschicksalen steckt ein hoher saisonaler Effekt.
Gegenfrage: Wie sieht es saisonbereinigt aus? Also bereinigt von diesen individuellen Einzelschicksalssingularitäten?

Saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit im Januar eher typisch für diesen Monat

Quelle: BMAS

Na also. Ist doch alles nur halb so schlimm. Die paar Arbeitslose mehr. Wie viele waren das noch mal? 342.000 Arbeitslose mehr? Eben. Nur 342.000 Arbeitslose mehr.
Saisonbereinigt. Versteht sich.
Also etwas mehr als eine Drittel Millionen. Das ist ja noch mindestens zwei Drittel weit weg von einer ganzen Millionen saisonbereinigter Arbeitsloser, die sowas verstehen.

Also im Grunde sind die Arbeitslosenzahlen doch gar keine Meldung mehr wert. Warum titeln also die Journalisten überhaupt? Die Maßnahmen der Kurzarbeit greifen doch noch alle. Und dass jetzt die Vorbereitungen zur Gründung von Transfergesellschaften verstärkt anlaufen, das interessiert doch nun wirklich keine Sau.

Im März, April können viele Firmen ihre Kurzarbeit nicht mehr verlängern. Und dann wird entlassen werden. Eisern. Viele Einzelschicksale sind dann wieder rhetorisch zu verbergen. Diesen individuellen Einzelschicksalen wird direkt Arbeitslosengeld I drohen. Oder aber Arbeitslosengeld-I-ähnliche Bezüge beim Übergang in einer zuvor gegründeten Transfergesellschaft.
Denn wenn der Arbeitnehmer selber zustimmt und nicht sofort entlassen werden möchte, dann hat die auf ein Jahr befristete Umlagerung eines Arbeitsnehmers in eine Transfergesellschaft sozialversicherungsrechtlich eine Verschiebung des Beginns der Arbeitslosigkeit zur Folge.
Im Umkehrschluss bedeutet das, die Entlassungswelle aufgrund der jetzigen wirtschaftlichen Krise wird sich bei den Arbeitslosenzahlen erst in 12 Monaten bemerkbar machen.
Im Mai 2011.
Im Jahr 2011 haben Wirtschaftsanalytiker vorrausgesagt, dass die Wirtschaft wieder auf dem Niveau Sommer 2008 sein wird. In einem Jahr also. Dann wird es so aussehen, dass Firmen bei reduzierter Belegschaft wieder volle Auftragsbücher schreiben, die Presse vollmundig verkünden wird, dass die Wirtschaft wieder stark anzieht, und dass das starke Ansteigen der Arbeitslosigkeit noch die Auswirkungen der Krise 2008/2009 seien. Dafür könne man nichts. Das wird uns dann als unabänderlich verkauft werden. Und außerdem sind brummende Firmen die Jobmotoren der Wirtschaft und es sei dann nur noch eine Frage der Zeit, bis das Land wieder sinkende Arbeitslosenzahlen feiern wird können.

Also alles kein Grund für Alarmismus.

Nur die Einzelschicksale, die aus den Transfergesellschaften entlassen werden, die werden feststellen, dass jenes eine Jahr mit den „Arbeitslosengeld I“-ähnliche Bezügen auf das dann zu erhaltene „Arbeitslosengeld I“ voll angerechnet wird. Der Arbeitslose wird dann wohl weiteren Konsumverzicht üben müssen, bevor im Folgejahr 2012 das „Arbeitslosengeld II“ droht.

Aber was kümmert es die Frau vdL. Schließlich sind das alles nur Einzelschicksale, die geschickt verborgen werden. Und dann steht ja jedem frei, seine Arbeitskraft als Leiharbeiter zur Verfügung zu stellen. Bei Schlecker beispielsweise. Als entrechteter Leiharbeiter. Und wenn das Geld nicht reicht, dann kann Leiharbeiter ja ein Buch drüber schreiben. So wie der Journalist Markus Breitscheidel es tat und seine Erniedrigungen als Leiharbeiter in seinem Buch „Arm durch Arbeit – Ein Undercover-Bericht“ festgehalten hat.

Aber was kümmert das die Frau vdL. Sicherlich kümmert es sie genauso wenig wenig wie den kochmützenlosen Koch aus dem hessischen Parlament. Ministerpräsident Koch hat lediglich Angst, die Arbeitslosengeld-II-Empfänger könnten arbeitslos bleiben, während er im Dienste der Bürger (und CDU) im Schweiße seines Angesichts für jene auch noch schuften muss. Und das empfindet er als ungerecht. Und sagt es ja auch. In alle Mikrofone, die er so um sich herum finden kann.

Vielleicht kannte er dabei auch schon die neusten Zahlen, die nicht so bekannt sind. Die neuen Januar-Zahlen der Hartz-IV-Empfänger:
Im Januar ist die Anzahl der Leistungsbezieher von „Arbeitslosengeld II“ nach ersten Berechnungen bei rund 6,48 Millionen Menschen angelangt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg die Anzahl um 2,4 Prozent (Arbeitslosenquote-Steigerung im Januar: 0,8%). In den letzten 12 Monaten stieg zudem die Anzahl der Kinder unter 15 Jahren, die von Hartz IV abhängen, um gut 1,6 Prozent auf 1,68 Millionen.
Nur die Geburtenrate ist weiterhin rückläufig.

Tja, das findet sich nicht als fette Überschrift in den Medien wieder. Das würde die Leser auch zu stark beunruhigen.
Zu viel des Alarmismuses.
Dann doch lieber die obigen Überschriften zu den Arbeitslosenzahlen.
Oder zu dem grauslichen Winter, der es in Zeiten der Klimaerwärmung auch noch wagt kalt zu sein.

Mein Tipp an die Medienmacher:
Feilt doch ein wenig mehr an Eure Überschriften. Sie sind noch nicht putzig genug, haben noch zu viele beunruhigende Sinnbeziehungen drin. Darum an dieser Stelle meine eigenen sinnfreien Vorschläge zu den obigen zitierten Überschriften der Medien. Mit ein wenig Umstellung lässt sich jeder der Leser von den 342.000 neuen Arbeitslosen ganz leicht ablenken:

für die DEUTSCHE WELLE: Arbeitslosigkeit treibt Winter in die Höhe
für die FRANKFURTER RUNDSCHAU: Mehr Kälte wegen Arbeitslose
für den STERN: Januar sei Dank: Krise trotzt auch im Arbeitsmarkt der Kurzarbeit
für die BILD: Schock-Winter bleibt aus
für RP-Online: Robuster Optimismus sorgt für Arbeitsmarkt
für die FINACIAL TIMES Deutschland:Arbeitsmarkt: Krisen-Fest zeigt sich
für die ZEIT: Arbeitslosenzahl treibt Winter-Eis nach oben

Wer braucht bei solchen Überschriften noch 342000 Arbeitslose?
Bei deren Arbeits-Los.
Eben.
Also kein Grund zur Panik.
Cool bleiben.
Ist ja schließlich Winter.

"Franz Josef Strauß" unter Sprengstoffverdacht …

Als ich gestern die diversen Online-Zeitungen durchlas, um mir mal ein Bild über die Terminal-2-Sperrung am Münchener „Franz-Josef-Strauss“-Flughafen machen zu können, fielen mir die unterschiedlichen Darstellungen der Geschehnisse auf:

– Der Täter schnappte sich sein Notebook und rannte weg.
– Der Täter schnappte sich nicht sein Notebook und rannte weg.
– Der Täter rannte ohne seine abgelegten Sachen und ohne Notebook weg.
– Der Täter zog sich an, schnappte sich sein Notebook und rannte weg.

Den Flughafen am „Terminal 2“ kenne ich genau. Dort fliegen alle Star-Alliance-Fluggesellschaften, also auch die Lufthansa, ab. Terminal 2 glänzt durch seine Nadelöhrfunktion nach den Kontrollen. Das heißt, die überprüften Passagiere aller Sicherheits-Check-Portale kommen nur durch einen bestimmten Gang zu den Gates, welche dem Flug innerhalb der EU dienen. Interkontinentalflüge oder Flüge in Nicht-EU-Länder haben ein weiteres Nadelöhr.
Hinter den Sicherheitsportalen stehen jeweils zwei bewaffnnete Bundesgrenzschützer, welche die Situation im Auge behalten.

Folgendes:
Zu jedem Notebook gehört eine Tasche, die berühmte Notebooktasche. Das Sicherheitspersonal sorgt dafür, dass das Notebook aus der Tasche entfernt wird und in eine gesonderte, blaue Kunststoffschale als Transportmittel des Notebooks verwendet wird. Geschieht das nicht, wird die Tasche vom Transportband zurückgefördert und vom Sicherheitspersonal heraus genommen und ein zweites Mal gescannt. Sollte das Sicherheitspersonal das vergessen, am Ausgang des Scann-Gerätes geschieht es auf alle Fälle.

Dieses ist das Prozedere in Sachen „Notebook“ am Münchener Flughafen. Ich kenne es inzwischen in- und auswendig.

Wer als Geschäftsmann schnell durch die Kontrollen will, vollzieht im vorbeugenden Gehorsam folgende Dinge:

– Armbanduhr abnehmen und in die Jackentasche stecken
– Hosentaschen entleeren und Hosentascheninhalt in Jackentasche ablegen
– Handys entweder in Jackentasche oder in einer blauen kleinen Kunststoffschale abgelegen
– Flüssigkeiten im Handgepäck werden generell vermieden. Falls doch, dann immer gleich im Kunststoffbeutel und maximal 100 ml als Menge.
– Hosengürtel wird direkt aus der Hose gezogen und mit der Jacke und anderen Westen, Regenjacken und so weiter in eine der Kunststoffschalen abgelegt.
– Schuhe mit metallischen Aufschlag werden gleich ausgezogen und aufs Band gelegt. Prinzipiell ist es besser immer die Schuhe aufs Band zu legen.
– Brille bleibt aufgesetzt.
– Handgepäck kommt direkt aufs Band.
– Im Falle eines Notebooks wird dieses ebenfalls sofort heraus geholt und in eine der blauen Kunststoffschalen gelegt.
– Die Boarding-Karte wird als letztes in einen der Kunststoffschalen abgelegt, denn vielleicht will der Sicherheitsmensch vor einem mal drauf schauen (geschieht sporadisch).

Somit gilt:
Jede Bemerkung des Sicherheitspersonals, welches der potentielle Fluggastanwärter mit „Ja“ beantworten muss, führt zu Verzögerungen im Prozess.
Jede Verneinung führt zu einer reibungsfreien Abwicklung seiner selbst als Risikopatients des reibungsfreien Flugverkehrs.

Und dann kommt der entscheidende Moment. Das Sicherheitsportal wird durchschritten (und das erst nach Aufforderung des Sicherheitspersonals!). Es ist der spannende Moment, bei dem das Gehör auf „Hab‘ acht!“ steht. Das nächste Geräusch kann entscheidend sein. Und der potentielle Fluggastanwärter stellt sich schon vorher die Frage, wie empfindlich wurde das Portal eingestellt. Fast jede Hose hat einen Metallknopf oder Metallreißverschluss. Die Brille ist metallisch. Oder das intime Piercing? Ist der Cockring abgelegt? Kein Witz, ich habe bereits welche kennengelernt, die sich extra ihren eisernen Cockring anlegen, damit sie vom Sicherheitspersonal befingert werden. :)

Ertönt kein „Piep“ vom Portal, hat der potentielle Fluggastanwärter die erste Hürde überwunden.
Piepst das Portal, stellt sich der Sicherheitsbedienstete einem direkt in den Weg und es heißt Arme und Beine ausbreiten und der Sicherheitsbedienstete fährt mit suchender Hand und einem Detektor den gesamten Körper ab, um die Ursache des „Pieps“ heraus zu finden.

Erst wenn der Suchende zufrieden ist, geht es weiter. Auf dem Transportband taucht das eigene Eigentum aus dem Scanner auf. Drei Meter läuft es auf dem band, bis der Eigentümer darauf zugreifen kann. Und dann geht heißt es, sich wieder ankleiden, sein Handgepäck an sich zu nehmen und nichts in den Schalen zu vergessen.

Wer jetzt in Zeitnot ist, wird anfangen zu sprinten und erweckt durch sein Rennen die Aufmerksamkeit der Sicherheitsbeamten vom BGS. Vom Portal bis an an den bewaffneten BGS-Beamten (einer mit MP) vorbei sind es 10 Meter. Um aus dem Sichtkreis der BGS-Beamten im Nadelöhr zu entschwinden, sind es weitere 10-20 Meter erforderlich.

Ein paar Mal bin ich schon in Zeitnot gesprintet und immer reagierten die BGS-Beamten: Sie schauten mich an und schauten auf das Sicherheitspersonal, um die Lage abzuschätzen. Sie hatten dazu immer an die 5 bis 10 Sekunden Zeit.

Und genau dieses lässt mich bei der Berichterstattung stutzig werden.

Fall 1:

Der Täter schnappte sich sein Notebook und rannte weg.

Damit hätte der so genannte Täter seine Notebooktasche am Portal gelassen. Ein einzelner Mensch mit Notebook in den Händen fällt den BGS-Beamten auf, ist ungewöhnlich und verdächtig. Desweiteren verbleibt noch das gesamte Handgepäck, denn in der Regel wird zuerst das Notebook und dann der Rest aufs Band gelegt. Das Sicherheitspersonal achtet darauf.

Fall 2:

Der Täter schnappte sich nicht sein Notebook und rannte weg.

Damit hätte der Mensch also das als potentielles Sprengstoffpaket entdeckte Notebook an den Portalen hinterlassen. Dem Sicherheitspersonal ist das nicht abgeholte Notebook erst später aufgefallen und die BGS-Beamten fiel keine Auffälligkeit auf. Der Passagier war also ungefährlich. Warum also dann das „Terminal 2“ absperren und nach einem Notebook mit Sprengstoff suchen lassen, wenn das Notebook samt Tasche doch am Portal noch lag?

Fall 3:

– Der Täter rannte ohne seine abgelegten Sachen und ohne Notebook weg.

Es gibt nichts besseres, um die Aufmerksamkeit der BGS-Beamten auf sich zu ziehen, als im Winter frühlingshaft gekleidet an diesen vorbei zu laufen. Zudem blockieren die Handgepäckdinge noch das Portal. Die Beamten hätten das selbst auf jener Distanz schnell feststellen können.

Fall 4:

– Der Täter zog sich an, schnappte sich sein Notebook und rannte weg.

Es ist die einzig wahrscheinliche Variante. Denn dieses passiert nicht selten, wenn Passagiere in Zeitnot sind. So etwas ist nichts ungewöhnnliches.

Aber bei all diesen Fällen fällt eines auf:
Der Befund auf Sprengstoff kommt vom Scanner. Im Falle eines Verdachtbefundes wird von den Monitoren der Sicherheitsbedienstete durch die Scannersoftware genau die verdächtigen Stellen in rot gefärbt angezeigt. Wenn also das entsprechende Notebook aufgrund der Sensorik der Scanner als verdächtig für Sprengstoff angezeigt wurde, gibt es nur eine Möglichkeit, warum das Notebook nicht gegenkontrolliert wurde. Das Sicherheitspersonal hat schlichtweg gepennt. Denn sollte das Personal gemerkt haben, dass das Notebook vom System als verdächtig eingestuft wurde und der Passagier rennt deswegen weg, dann hätten ihn die BGS-Beamten ohne Zweifel gestoppt.
Es lag also kaum an ein Übeles wollenden Passagier.

Gesetz des Falles es war so, wie viele Zeitungen wissen wollten, dass ein Fluggastanwärter in Wahrheit ein Terrorist mit Sprengstoff im Notebook ein Flugzeug sprengen wollte, dann wäre spätestens bei dessen Flucht das Verhalten in den ersten drei Fällen mit Sicherheit und im letzten Fall wahrscheinlich den BGS-Beamten aufgefallen. Aber der Fluggast fiel niemandem auf. Nicht mal der Scan des Systems des Sicherheitspersonals.

Die Aufregung ist jetzt groß. Es wird wieder spekuliert, wie man die Sicherheit nun doch wieder verbessern kann. Der „Nacktscanner“ kommt wieder ins Gespräch. Aber auch die Bezahlung des Sicherheitspersonals wird angesprochen.

Nur eines wird nicht angesprochen:
Der vorbeugende Gehorsam des Sicherheitspersonals ihren Chefs gegenüber. Denn dieser muss wohl für so einen Job unbedingte Voraussetzung sein. Entsprechend ist dann auch die Humorlosigkeit und Freundlichkeit des Sicherheitspersonals.

Ich erlebte es einmal wegen 50 von mir mitgenommenen „Schlüsselanhänger“ (kleine Kettenglieder aus gehärtetem Stahl an dem Leichtmetallring). Diese wurden mit weggenommen, weil sie eine Waffe darstellen sollten. Der Sicherheitsangestellte reihte vier mit dem Leichtmetallschlüsselring an seinem Mittelfinger auf, ballte die Faust um die Kettenglieder und meinte nun könne härter zugeschlagen werden. Der herbeigerufene Vorgesetzte interessierte sich für die Schlüsselanhänger kaum, sondern beharrte darauf, dass der Untergebene richtig geurteilt haben müsse.
Dagegen dürfen weiterhin die Akkus von Notebooks mitgenommen werden. Die sind zwar scharfkantig und massiv stabil, aber generell keine Schlagwaffe.

Jedes Mal, wenn ich in München die Portale passiere, habe ich das Gefühl hinter den Schleusen wieder in ein menschenfreundlicheres Gebiet zu stoßen. Ich kenne viele andere Flughäfen im Vergleich zu München. München und sein Sicherheitspersonal haben nicht nur bei mir sondern auch bei vielen Kollegen und Bekannten den Ruf der freundlichkeitsfreien Zone, direkt vor Düsseldorf.

Und München ist auch immer wieder DER Flughafen, bei dem Limousinen an die Flugzeuge mit Flugrichtung „Brüssel“ heranfahren und wichtige Personen direkt an die Gangway rangebracht werden. Die Fahrzeuge tragen Münchener Kennzeichen und gehören nicht zum Flughafen-Inventar.

Das Studium der Nachrichten gestern Abend und heute morgen der Print-Medien-Schlagzeilen hat mir wieder gezeigt, wie viel Wahrheit bestimmten Nachrichtenorganen eine Schlagzeile wert ist. Es stellte sich mir die Frage, wer von wem gedanken- und hirnlos abschrieb. Denn schon das Hinterfragen der gemeldeten Pseudo-Fakten hätte bestimmtes direkt ausschließen müssen, bevor es auf offiziellem Wege verbreitet wird.

Und es hat inzwischen noch etwas gutes:
Denn wer sich von den Journalisten und Politikern jetzt meldet und aufgrund eines menschlichen Fehlers mehr Maßnahmen fordert, der ist unter den Hirnbefreiten garantiert König.

Und noch etwas in meinen Augen sehr merk-würdiges:
In keiner Zeitung wird die strategische Positionierung von den zwei mal zwei BGS-Beamten am Münchener „Terminal 2“ erwähnt. Es wird jetzt allein auf unzuverlässiges Sicherheitspersonal abgezielt. Aber niemand hinterfragt diese Positionierung und warum es so lange gedauert haben soll, bis die Bundespolizei informiert worden sei …
Das ist wirklich merk-würdig.
Und dann ist der ganze Bereich videoüberwacht. Das Filmen hatte wohl funktioniert, aber die Auswertung nicht. Diese obliegt der Bundespolizei, nicht der Sicherheitsfirma. Wenn diese Auswertung so miserabel ist, dann sollte auch dort angesetzt werden. Oder ist das unzulässig? Begehe ich hiermit Häresie?

Fakt ist, dass die Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen München inzwischen rechte Schikanen für Fluggastanwärter sind. Wer mit Münchener Flughafenpersonal in deren Freizeit ins Gespräch kommt, erfährt, dass das Sicherheitssystem am Münchener Flughafen nur an den Portalen überdimensioniert ist, aber dort wo die Portale nicht sind, schwachbrüstig ist.

Egal. Fliegen ist schon lange keine Dienstleistung, die man nur mit Geld bezahlt. Man zahlt auch mit vorbeugendem Gehorsam, Kritikverzicht und Folgsamkeit seltsamen Regeln gegenüber. Und man ordnet sich diesem System hierarchisch unter.
Genau dem Modell des Sicherheitspersonals: vorbeugendem Gehorsam, Kritikverzicht und Folgsamkeit.
Man gibt mit seinen Habseligkeiten die eigene Mündigkeit an den Sicherheitsportalen ab. Weil es andere unbedingt so wollen. Und es wird noch mehr Demut erforderlich sein, um zu fliegen. Weil es andere so wollen. Und nicht weil der Fluggast es so will.

Und irgendwann geschieht das, was bereits am internationalen Flughafen „Tom Jobim“ in Rio de Janeiro passierte: ein Fluggast musste zur Sicherheitskontrolle seine Hosen runterlassen …

(Edit 22:40 Uhr:
Ich lese gerade in der „Süddeutschen Zeitung Online“, dass die den Aufbau der Sicherheitsschleuse mit den BGS-Beamten dahinter ebenfalls hinterfragen und Unstimmigkeiten in der offiziellen Version festgestellt haben. Die „Süddeutschen Zeitung Online“ ist zwar für mich nicht mehr das Maß der journalistischen Dinge, aber immerhin zeigen die dort, dass deren Journalisten sich anfangen, eigene Gedanken machen.)

Schneechaos nur für Anwohner

Für alle, die sich nichts unter den gestrigen Unwetter-Schnee-Warnungen
vorstellen konnten, ein Foto aus dem März des Jahres 2006:

Schneechaos
Ob es noch was wird?
Mit dem angekündigten Schneechaos?

Sprachkonvention

Wie heißt denn dieses Jahr nun korrekt?
Traditionell „Zweitausendzehn“ oder Politik-Agenda-mäßig „Zwanzigzehn“?
Oder ganz im Sinne der kommenden Fußballweltmeisterschaft „Zwei Null Eins Null“?

Das Wichtigste vom Tage: Cheerio, Miss Sophie, me gal…

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, … Ohne den Mauerfall … völlig anders verlaufen … Herausforderungen der Wiedervereinigung … Kraft der Freiheit … Mut für das neue Jahr und das nächste Jahrzehnt … fern von ihren Lieben … unter Einsatz ihres Lebens … dieser Auftrag … Soldaten, Polizisten und zivilen Aufbauhelfer … nie wieder Gefahr … unsere Sicherheit … unser Wohlergehen … Verantwortung … kein Silvester wie jedes andere. … Gerechtigkeit und Menschlichkeit … die schwerste Wirtschaftskrise … Verantwortung für die nächsten Generationen … Wohlstand erhalten … Krise meistern … neue Regeln … Maßlosigkeit und Verantwortungslosigkeit … Sicherung der Arbeitsplätze … Wachstum … mit mehr Wachstum klug aus der Krise … Ausrede … mehr denn je … Willen … Bereitschaft … Klimakonferenz … Zögern … Eigensinn … globale Probleme … eigene Wirtschaftsweise … mehr Nachhaltigkeit … Umbau … Nachhaltigkeit … gute Geist des Zusammenhalts … Jahr der Krise … freuen … Fußballweltmeisterschaft … Kraft der Freiheit … Erfahrung des Miteinanders … ganz andere Herausforderungen … Herausforderungen unserer Generation meistern … ein glückliches und ein gesegnetes Jahr 2010.“

Miss Sophie: As I was saying, I’ll retire…
James: Ya… ya. By the way, the same procedure as last year, Miss Sophie?
Miss Sophie: The same procedure as every year James!
James: Well, I’ll do my very best!

Das unheimliche Hasen-Wunder

Inzwischen geistert zur Weihnachtszeit eine spezielle Hasengeschichte durchs Internet. Die Kurzhandlung der Geschichte ist in etwa so, dass des Nachbarn Hasen stirbt. Dieser vergräbt den toten Hasen heimlich und findet ihn dann später sauber gefönt in seinem Hasenstall wieder.
So oder so ähnlich lautet die Geschichte momentan im Internet und jeder will die Geschichte von seinem Nachbarn erfahren haben.

Manche Cineasten werden sicherlich sofort reagieren und sagen, der Gag käme ihnen bekannt vor. Er sei aus dem Film »Nach Fünf im Urwald« (1995 mit Franka Potente; sie drehte drei Jahre später den Erfolg Tom Tykwers »Lola rennt«). Als ich den Film damals sah, erinnerte ich mich an den Zeitungsartikel, den ich einige Jahre zuvor ausgeschnitten und aufbewahrt hatte.

Ich denke, er passt jetzt ganz gut als Weihnachtsgeschichte. Die Geschichte erschien in der Wochenendausgabe der »Süddeutschen Zeitung« vom 25./26. März 1989 (SZ Nr. 70).

Viel Spaß beim Lesen.
Zum Vergrößern des Bildes dieses anklicken:

Hasenwunder

Frohes Fest allerseits,

wünscht Euch

Careca

Ist das auch Ihr Laden?

In der Schlange an der Kasse stand er vor mir. Er erinnerte mich ein wenig an Hermes Phettberg. In seinen Händen hielt er einen 50-Euro-Schein und eine DVD. Weil er die DVD in seiner rechten Hand ohne Unterlass drehte, konnte ich frühzeitig den Titel lesen: „Mondo Topless“.

Ich erinnerte mich daran, dass es in der kleinen Nachbarstadt, in der ich zur Schule ging, ein altes Kino-Gebäude gab. Der Gedanke an das Kino ruft in mir Erinnerungen a la „Cinema Paradiso“ wach, an jenen Film, der auf unvergleichlicherweise dem Kino huldigt. In jenem Kleinstadt-Kino liefen immer die aktuellsten Filme. Aber das Kinosterben der 80er Jahre hatte auch jenes Kino erfasst. Die Leute gingen nicht mehr ins Kino und so versuchte sich der Kinobesitzer mit billigen Filmen über Wasser zu halten. Exploitationfilme stellten den Unterbau des wöchentlichen Programms dar. Die „Mondo“-Filme gehörten zu dieser Strategie.
„Mondo“, das war für mich gleichbedeutend mit „frei ab 18 Jahre“. „Mondo Topless“, „Mondo Nude“, „Mondo Cannibale“, „Mondo Cane“ und wie sie alle hießen. Sie liefen in jenem Kino länger als mancher James-Bond-Film. Ob sie mehr Zuschauer hatten, weiß ich nicht, aber sicherlich weniger Lizensgebühren für das Vorführen.

„Mondo Topless“ ist nebenbei nicht wirklich ein brutaler Film im Vergleich zu „Mondo Cane“. „Mondo Topless“ ist ein Film von Russ Mayer und inzwischen schon fast 44 Jahre alt.

Die Schlange an der Kasse schob sich vorwärts und das „Hermes Phettberg“-Double war an der Reihe zu zahlen. Der Mann übergab die DVD und den 50-Euro-Schein. Die Kassiererin hielt den Scanner auf den Barcode und schaute den Mann an.

„Ich brauch ihren Personalausweis.“
„Wie bitte?“
„Ich brauch noch ihren Personalausweis. Ich muss die Nummer ihres Personalausweises notieren.“
„Wozu?“
„Es ist wegen dem Jugendschutz.“
„Denken Sie ich bin unter 18?“
„Das ist egal. Ich brauch ihren Personalausweis.“
„Ich hab ihn nicht dabei.“
„Ich brauch aber ihren Personalausweis, um die Nummer zu notieren.“
„So ein Scheiß.“

Der Mann machte eine abwehrende Handbewegung, drehte sich ab und verließ die Kasse mit schnellen Schritten.

„Wollen Sie nicht mehr? Hey, ihre 50 Euro!“

Der Mann drehte sich nicht um, ging ohne Zögern auf einen Aufzug zu, dessen Türe öffnete sich in dem Moment, er stieg ein und die Türe schlossen sich. Für einen Moment konnte ich dabei sein Gesicht sehen. Er warf einen Blick auf den Ausgang des Media-Marktes.
Die Kassiererin schrieb etwas auf einen Notizzettel und legte den 50-Euro-Schein in die Kasse

An der Kasse erblickte ich dann die Aushangzettel. Auf ihnen wurde erklärt, dass der Laden bei „FSK 18“-Produkten von jedem Käufer die PA-Nummern registrieren werde. Dieses geschehe im Sinne des Jugendschutz. Diesen würden die Leitung des Media-Marktes sehr ernst nehmen.

Sehr ernst. Datenerfassung ohne Sinn und Verstand.

Ist sowas wirklich sein Laden? Passen würde es ja zu Mario Barth. Bei ihm bezahlen ja auch Menschen Eintrittspreise für nichts und wieder nichts.