Da uns schlägt die rettende Stund, Teil 6


[22.12.2016 10:11:21] „Hallo Careca, mit Interesse las ich deine Anzeige, dass auch du Weihnachten nicht allein feiern möchtest. Ist das noch aktuell? Frohe vorweihnachtliche Grüße, Anette“

[22.12.2016 11:21:11] „Hallo Anette, kennen wir uns nicht schon? Bist du nicht die mit den vier lebensfrohen Katzen von vor fünf Tagen?“

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Da uns schlägt die rettende Stund, Teil 5


[21.12.2016 06:01:17] „Hallo Kerstin und Gerd, mit Interesse las ich eure Anzeige, dass ihr Weihnachten nicht allein, sondern in einer größeren Gruppe feiern möchtet. Ist das noch aktuell? Frohe vorweihnachtliche Grüße, Careca“

[21.12.2016 13:21:49] „Hallo Careca! Super! Du bist eingeladen! Wir freuen uns. Grüße Kerstin und Gerd“

[21.12.2016 14:41:14] „Hallo Kerstin und Gerd, das ist schön. Was habt ihr denn geplant?“

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Da uns schlägt die rettende Stund, Teil 4


[20.12.2016 07:31:52] „Hallo sehr geehrte Familie, mit Interesse las ich ihre Anzeige, dass Sie Weihnachten einem einsamen Menschen anbieten, mit Ihnen Weihnachten zu feiern. Ist die Anzeige noch aktuell? Frohe vorweihnachtliche Grüße, Careca“

[20.12.2016 22:35:02] „Hallo Careca, das stimmt. Sie ist noch aktuell. Können Sie mehr zu sich schreiben? Aufgrund der Entwicklung in Deutschland der letzten Zeit müssen wir auf die Beantwortung der nachfolgenden Fragen bestehen: Weiterlesen

Da uns schlägt die rettende Stund, Teil 3


[19.12.2016 09:07:49] „Hallo, mit Interesse las Ihre Anzeige, dass Sie Leute suchen, die Weihnachten nicht allein feiern möchten und mit denen was unternehmen möchten. Ist das noch aktuell? Frohe vorweihnachtliche Grüße, Careca“

[19.12.2016 09:07:59] „Sehr geehrter Interessent. Vielen Dank für Interesse. Weiterlesen

Da uns schlägt die rettende Stund, Teil 2


[18.12.2016 14:30:21] „Hallo Detlev, mit Interesse las ich deine Anzeige, dass du Weihnachten nicht allein feiern möchtest. Ist das noch aktuell? Frohe vorweihnachtliche Grüße, Careca“

[18.12.2016 19:25:19] „Hallo Careca, die Anzeige ist freilich noch aktuell. Weiterlesen

Da uns schlägt die rettende Stund, Teil 1


[17.12.2016 09:16:31] „Hallo Anette, mit Interesse las ich deine Anzeige, dass auch du Weihnachten nicht allein feiern möchtest. Ist das noch aktuell? Frohe vorweihnachtliche Grüße, Careca“

[17.12.2016 11:12:11] „Lieber Careca, schön, dass du dich auf meine Anzeige gemeldet hast. Könntest du dich vielleicht ein wenig beschreiben? Anette“

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Schmonzes zum Jahresstart 2014


Tresenbild #3

Der Jahreswechsel war geglückt. Ich saß in meiner Kneipe und schaute zufrieden von oben in mein gerade leer getrunkenes Kölschglas. Es gibt Momente, da fühlt sich jeder eins mit dem Universum. Und genau das dachte ich mir in jenem Augenblick, dass das Universum und ich …

»Was ist das wieder für eine Kacke!«

Ungefragt nahm er an meiner Seite Platz und winkte dem Wirt zu.

»Zwei Kölsch!«, und schaute mich fragend an: »Du trinkst doch auch noch eins, oder?«

Ich nickte stumm. Sollte er den Preis in Naturalien zahlen, sich so einfach neben mir hocken zu dürfen.

»Mach gleich drei«, rief er dem Wirt korrigierend zu. »Für ihn hier eins«, und deutete dabei auch mich. »Mann, Mann, Mann, ist das wieder für eine Kacke.«

Eigentlich wollte ich den Gedanken an das Universum fortsetzen, nur …

»Und wie war dein Silvester?«
»Mein Silvester verlief ausgesprochen …«
»Haste auch so viel geballert?«
»Ich habe …«
»Silvester ist der reinste nationale Umweltvermüllungstag. Jeder bringt seine Plastiktüten und sein Altglas und seine PET-Flaschen mit raus, qualmt dann mit Raketen in der Luft rum und geht dann weg, ohne um sich um den Müll zu kümmern. Die Straße als Silvester-Müllhalde.«
»Aber das …«
»Und dann erst der Lärm. Denkt eigentlich wer an die vielen Haustiere? Die springen doch vor Angst im Achteck. Das ist vorsätzliche Tierquälerei!«

Der Wirt brachte die drei bestellten Kölsch. Mein Nachbar ergriff sich sofort eines davon und setzte an.
Ich versuchte die Gelegenheit auszunutzen:

»Ach ja, du trägst im Sommer also auch die Kröten einzeln über jede Landstraße, oder?«

Er setzte sein Glas ab.
Leer.
Schaum lief am Glasinnern runter.
Er ergriff das Zweite.

»Laich nicht solchen Unsinn ab. Du hilfst doch sicherlich nicht mal einer Oma über die Straße.«
»Warum sollte ich? Jeder ist für sich selbst verantwortlich.«
»Aha, der Herr hat den demographischen Wandel im Blick. Vor der Rente dürfen Ältere über viel befahrene Straßen gehen. Nach der Rente müssen sie. Selbstverantwortlich halt.«

Es war so ein schöner Tag gewesen. Ich hatte zuvor meinen Lottoschein eingelöst und mir das Geld für die drei Richtigen plus Zusatzzahl abgeholt gehabt. Davon wollte ich mich einfach mal selbst belohnen. Doch dann kam er, dieser …

»Mann, Mann, ist das eine Kacke.«
»Hör mal, ich hab dich nicht gebeten, dich an meinen Tisch zu setzten und mir die Ohren mit Kokolores vollzujammern.«
»Das ist kein Kladderadatsch.«
»Quatsch, Mumpitz!«
»Ach, Papperlapapp.«
»Schmarrn!«
»Von wegen Pillepalle.«
»Absoluter Käse!«
»Gute Idee!« Er winkte dem Wirt zu: »Mach mir nen Halven Hahn.« Er schaute mich fragend an: »Du auch?«
»Nein, danke. Kein so’n Firlefanz. Mir ist nach was Herzhaftem«, und rief zum Wirt: »Und mir ein Mettbrötchen. Aber mit einer doppelten Portion frischer Zwiebeln.«
Mein Nachbar schaute mich an: »Noch ein Date mit deiner Frau?«

Ich schüttelte energisch den Kopf.

»Schütteln ist immer gut. Na, dann geh ich mal für Königstiger.«

Er stand auf, griff noch mal nach seinem zweiten Kölsch, leerte es in einem Zug und entfernte sich Richtung dem entsprechend riechenden Königstiger-Männerklo. Hoffentlich entledigte er sich dort seiner Kacke, dachte ich mir dabei noch, als ich ihm nachschaute.
Es war wieder ruhig.
Im Hintergrund lief Musik von Jean-Michel Jarre. Sphärenklänge der 80er in einem dreißig Jahre späteren Jahrzehnt. Sphärenklänge.
Sphären.
Klänge.
Wo war nochmals das Universum?
Es hatte sich aufgelöst. Nur ich saß noch immer in dessen Zentrum. Versuchte zu vergessen und vergaß, was ich vergessen wollte. Ich atmete tief ein und war mir sicher, wieder zuhause zu sein. Hier war mein Revier …
Ich schaute in mein leeres Glas und spürte dessen kalte Leere. Da war es wieder, das Universum. Mein Zuhause.

So ein Quatsch.
So ein Humbug.
Nippes?
Stuss.
Geraffeltes Glumpertes etwas.

Ich drehte mich zur Theke und schaute dem Wirt mit eiserner, grimmiger Entschlossenheit in die Augen. Es musste sein. Wenn das Jahr 2014 weiter gehen sollte, dann war das folgende Verlangen unausweichlich:

»Herr Oberspielleiter, noch ’n Kölsch bitte.«

Die erste Million … und was danach noch kommt


Nee, was ist das wieder schön.
Das Stellensicherungsprogramm für Hebammen (weiblich) und Geburtshelfer (männlich) wurde wieder eröffnet. Was dem Rheinländer zur (biologisch beiläufigen) Vermehrung der Karneval ist, dass ist dem Bayern das Oktoberfest. Der Bayer lästert zwar gen Rheinland, dass der Bayer sich nicht Verkleiden müsse, um Sex zu haben. Nur schaut man sich die Bayern in deren Trachtengefummel an, dann bin ich mir dessen nicht wirklich sicher. Wahrscheinlich müssten die Bayern ohne Oktoberfest paar Österreicherinnen importieren, um als kulturelle Eigenart Deutschlands zu überleben.

Die erste Millionen Besucher soll auf dem Oktoberfest 2010 gewesen sein, schreiben heute bereits die Medien. Eine Million? Also 500 Tausend jeweils an den ersten beiden Tagen.
Eine Million? Das war die Zahl der Besucher der „Love Parade 2010“ in Duisburg. Anfangs sollten dort auch über 1 Millionen Besucher gewesen sein. Als die Katastrophe dann aber seinen Lauf genommen hatte, gestanden Veranstalter und Stadt Duisburg kleinlaut ein, es wären nur 300 Tausend und weniger Besucher gewesen. Die „1 Million“ sei nur eine Marketing-Zahl gewesen. Und genau so funktioniert das ganze Zeitung-Gejubel auf die „eine Millionen Besucher“ vom Oktoberfest.

Marketing, reines Marketing.

Gerne schreiben die Medien dann mitten in der Woche, dass die Zelte bereits am Nachmittag wegen den vielen Besuchern geschlossen werden müssten. Besucher, die allerdings an solchen Nachmittagen auf dem Oktoberfest waren, konnten mir dann aber das nicht wirklich bezeugen.

Über 6 Millionen Besucher sind für die 17 Tage Oktoberfest zum 200. Jubiläum prognostiziert worden, rein rechnerisch circa 350 Tausend Besucher pro Tag. Es soll eine „Rekord-Wiesn“ werden, ist der überall verstreute Optimismus. Das folgt einer jährlichen Tradition. Die Mär von „1 Millionen Besucher“ binnen zwei Tage klingt dem potentielle Besuchswilligen wie eine Verlockung, etwas verpassen zu können. Perfektes Marketing eben.

Selbst die ersten Fernsehbilder vom Fassanstich („O’zapft is“) folgten dieser Vorgabe. Die Kameras verfolgen, wie der Oberbürgermeister Ude dem Ministerpräsidenten Seehofer und dessen Frau die erste gezapfte Maß überreicht. Mit der Maß in den Händen wandten sich beide, der Seehofer und der Ude, samt Ehefrauen von links nach rechts immer wieder den Fotografen zu. Tapfer lächelten sie und unermüdlich prosteten sich dabei immer wieder für die Fotogallerie zu. Dazu kommentierte der Fernseh-Moderator, dass der Seehofer und der Ude als die Allerersten die Wiesn-Maß genießen würden. Nur die Fernsehbilder dokumentierten das Gegenteil. Die kamen gar nicht erst dazu, überhaupt einen Schluck zu nehmen, geschweige denn zu genießen.

Dafür war aber schon eindeutig im Hintergrund zu erkennen, wie die ersten Besucher fleißig ihre Maß kübelten, während Seehofer und Ude weiterhin für die Fotografen um die Wette lächelten und noch immer sich zuprosteten. Und hätte die Kamera nicht von schräg oben gefilmt, es wäre auch nicht entdeckbar gewesen, wie schlecht dem CSU-Seehofer vom SPD-Ude die Maß eingeschenkt worden war. Aber das muss nun wirklich niemanden von den Besuchern abschrecken. Schlecht eingeschenkte Bierkrüge gehören zu jedem Oktoberfest wie das „O’zapft is“ vom Oberbürgermeister und die erste „1 Million Besucher am ersten Wiesn-Wochenende“.

Beides ist genau so sicher, wie die Vollbeschäftigung der Hebammen und Geburtshelfer im Mai/Juni nächsten Jahres, wenn dann die Babys ihr persönliches „O’zapft is“ feiern.
Prost.

Wenn die Vuvuzuela viermal trötet …


Liebe Leser, liebe Leserinnen,

diese WM ist grottenschlecht, so etwas von grottenschlecht, ein Spiel langweiliger als das andere. Wundert es, warum der englische Torhüter Green, den Ball gegen die USA durchließ? Warum der algerische Torhüter Chaouchi am Ball vorbei griff? Die waren eingepennt. Mitten während dem langweiligen Spiel. Und als dann der Ball aufs Tor zu trudelte …
„Hey, aufwachen! Balli kommt!“ …
Verduzt geguckt. Aber zu spät. Da war der Ball auch schon drin.
Und das trotz der Warn- und Weckrufe der Zuschauer mit den Vuvuzuelas.
Die Franzosen und Argentinier haben sich beschwert, die hätten vor Vuvuzuelas ihr eigenes Wort nicht mehr verstanden. Quatsch. Die fühlten sich in ihrem Schlafwagenfußball gestört. Das ist die Wahrheit.

Vuvuzuelas.

Das ist jetzt das Stichwort bei uns in meiner Nachbarschaft.
Vor der Beginn hatte ich sie alle gesehen, wie sie am Kiosk gegenüber sich die Fantüte mit Vuvuzuelas und Mini-Deutschland-Fähnchen besorgten. Alle. Sei ja WM, meinten die. Der miese Spießer aus dem ersten Stock, der sein Toilettenfenster außen mit zehn Deutschland-Fähnchen geschmückt hat. Oder dieser gestrenge Alt-89-er, der seine Tür mit einer Deutschlandfahne aus Seide dekoriert hat. Oder diese linke Type aus dem Dachgeschoss, die sich seinen knatschroten SMART mit zwei Fähnchen bestückt hat.

Denen haben wir es gezeigt. Wir lassen uns nicht nachsagen, wir seien nicht für Deutschland. Wir nicht!

Karl hatte letzte Woche drei Vuvuzulea sich beim EDEKA errubelt, Heiner zwei am Kiosk gegenüber für 10 Euro die Deutschland-Fan-Tüte gekauft und ich, ich habe mir eine im BILD-Shop online bestellt. Genau. Dort, bei der BILD-Zeitung. Die im deutschen Fan-Paket. 3 Stück! Man weiß ja nicht, wie lang die halten.

Man will ja schließlich mitfeiern und nicht am Rande stehen.
Und was jetzt? Jetzt haben die hier alle die Vuvuzuelas beim Public Viewing verboten. Und gerade die BILD-Zeitung stänkert wütend gegen die Vuvuzulas. Aber selber im Shop online Vuvuzulas für gutes Geld verhökern. Geschäfte machen, ist wohl okay. Aber das Gekaufte nutzen? Verboten.
Deutsche Verbieteritis. Typisch. Einfach feierfeindlich. Was hat das mit Einigkeit, was mit Recht, was mit Freiheit zu tun?
Jetzt reden die Wichtigtuer sogar in den Zeitungen, den Internet-Foren, den Blogs und bei Twitter davon, die Südafrikaner sollten den Gästen Toleranz gegenüber zeigen und die Vuvuzulas verbieten. Schließlich seinen wir ja Gast in deren Land und man hätte uns auch so zu behandeln! Als Gäste eben. Haben wir die nicht so behandelt vor vier Jahren und denen gesagt wo unsere No-Go-Areas sind? Also! Sollen die mal unser No-Go-Area im deutschen Fernseher respektieren und ihre Vuvuzulas wegschmeissen. Meinen diese Internet-Nerds. Diese Fuzzis können meinen, sie seinen das Maß der Dinge, wenn sie den Süd-Afrikanern vorschreiben wollen, was Fußball-Kultur sei und was nicht. Aber nicht uns. Nicht mit uns, haben wir uns gesagt. Nicht mit uns.

Wir haben schließlich für die Fan-Pakete bezahlt und wollen feiern. Will man uns jetzt vorschreiben, wie wir lustig zu sein haben?

Bei mir haben wir uns gestern eingerichtet. Zwei Kästen Bier, eine Flasche Vodka Black Label und fünfzehn Dosen Red Bull. Wir haben uns versprochen, bei jedem deutschen Tor mit unseren Vuvuzuelas Deutschland hochleben zu lassen.

Der Polizist an der Türe meinte später, unsere Feierei sei Ruhestörung. Nur weil Deutschland viermal getroffen hat und wir viermal fünf Minuten feierlich getrötet haben? Schweinerei. Die Anzeige werden wir anfechten. Wir gehen in Berufung. Wir lassen uns doch von so miesepetrigen Deutschland-Abstinenzlern hier im Haus doch nicht unsere WM vermiesen. Soll uns schließlich niemand nachsagen, wir würden Deutschland nicht mit jedem Atemzug unterstützen.

Gestern vor dem Schlafengehen – Grün-Weiß-München war schon längst weg – haben wir dann noch zu dritt mit einer Siegesfanfare den Sieg Deutschlands gefeiert. Am offenen Fenster! In den erhabenen Nachthimmel hinein! Deutschland hat 4:0 gewonnen!
Die Klingel hatten wir vorsichtshalber abgestellt. Damit nicht – wie schon bei den vier Toren zuvor – uns dahergelaufene Hobby-Talibans im Hause mit hintervotzigen Klingelterror ärgern.

So.
Wir haben jetzt ausgeschlafen.
Gleich spielt Italien. Wir werden Paraguay unterstützen.
Heiner holt noch nen Kasten Bier. Wenn er erst mal aus meiner Wohnung rausgekommen ist. Irgendwelche dieser Hobby-Terroristen fanden es offenbar toll, unsere Eingangstür mit vier Schichten Eierkartons komplett zuzukleben. Wenn wir die erwischen. Den tröten wir was auf unseren Vuvus im Choral, diesen Spassbremsen!

Törrrrrröööööööööööööööööööööööööööööö!