Schneechaos nur für Anwohner

Für alle, die sich nichts unter den gestrigen Unwetter-Schnee-Warnungen
vorstellen konnten, ein Foto aus dem März des Jahres 2006:

Schneechaos
Ob es noch was wird?
Mit dem angekündigten Schneechaos?

Feiertag

Heute ist bei den Katholiken Gedenktag für den Heiligen Severin.
Mein Toaster hat Namenstag.

Sprachkonvention

Wie heißt denn dieses Jahr nun korrekt?
Traditionell „Zweitausendzehn“ oder Politik-Agenda-mäßig „Zwanzigzehn“?
Oder ganz im Sinne der kommenden Fußballweltmeisterschaft „Zwei Null Eins Null“?

Das unheimliche Hasen-Wunder

Inzwischen geistert zur Weihnachtszeit eine spezielle Hasengeschichte durchs Internet. Die Kurzhandlung der Geschichte ist in etwa so, dass des Nachbarn Hasen stirbt. Dieser vergräbt den toten Hasen heimlich und findet ihn dann später sauber gefönt in seinem Hasenstall wieder.
So oder so ähnlich lautet die Geschichte momentan im Internet und jeder will die Geschichte von seinem Nachbarn erfahren haben.

Manche Cineasten werden sicherlich sofort reagieren und sagen, der Gag käme ihnen bekannt vor. Er sei aus dem Film »Nach Fünf im Urwald« (1995 mit Franka Potente; sie drehte drei Jahre später den Erfolg Tom Tykwers »Lola rennt«). Als ich den Film damals sah, erinnerte ich mich an den Zeitungsartikel, den ich einige Jahre zuvor ausgeschnitten und aufbewahrt hatte.

Ich denke, er passt jetzt ganz gut als Weihnachtsgeschichte. Die Geschichte erschien in der Wochenendausgabe der »Süddeutschen Zeitung« vom 25./26. März 1989 (SZ Nr. 70).

Viel Spaß beim Lesen.
Zum Vergrößern des Bildes dieses anklicken:

Hasenwunder

Frohes Fest allerseits,

wünscht Euch

Careca

Weiße Flächen und eine S-Bahnstation

Was vorher geschah:
Prolog, Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10, Teil 11, Teil 12, Teil 13

***

Durch die Fenster des Wohnzimmers drang das fahle Dämmerungslicht des endenden Tages. Die dunkelbraune Schrankwand des Wohnzimmers schien das gedämpfte Licht der Tütenständerlampe in der Wohnzimmerecke aufzusaugen. Bereits unten von der Straße aus war die alles dominierende Schrankwand des Wohnzimmers sichtbar.

Mein Gastgeber war ein fast 60-jähriger, grauhaariger Herr. Sein Name war Aloisius Küfer. Dessen Adresse hatte ich von dem Ehepaar aus Remagen per Email geschickt bekommen.

Oder besser gesagt, mein alter Arbeitgeber hatte mein Email-Postfach eingesehen, jene Mail ausgedruckt und sie mir mit meinem Entlassungsschreiben zugeschickt. Die private Nutzung meiner Firmen-Email-Adresse wäre mir per Arbeitsvertrag nicht erlaubt. Und nachdem ich bereits eine erste Abmahnung wegen privater Nutzung von Firmeneigentum erhalten hatte, kam jetzt die fristlose Kündigung.
Mein Rechtsanwalt ist inzwischen mein bester Freund und meine Rechtsschutzversicherung sein Liebling. Nachdem meine Frau die Scheidung gefordert hat, ich darauf in eine eigene 1 1/2-Zimmer-Wohnung umzogen bin, hatte sie über ihren Rechtsanwalt 30% meiner Einkünfte für sich als Lebensunterhalt gefordert. Sie argumentierte damit, dass ich wegen meines Umzugs erheblich geringere Lebenshaltungskosten hätte und ich dementsprechend die Zahlung problemlos leisten könne.

Der Duft von Kaffee riss mich aus meiner Betrachtung der Schrankwand. 13 Türen und sieben Schubladen hatte ich gezählt. Alle waren geschlossen. Die gesamte Schrankwand wirkte auf mich erdrückend, monolithisch. Der Ausdruck »Schalker Barock« kam mir in den Sinn.

Aloisius Küfers hatte mir einen Kaffee hingestellt. In seinem dunkelgrauen Pullunder mit jenen Bürokraten-Ärmelschoner, dem darunter getragenen weißen Hemd mit der grau-gemusterten Krawatte wirkte er auf mich wie aus dem Heinz-Erhard-Zeitalter. Eine Kopie der Lieblingsfigur von Heinz Erhard, jenem Büroangestelltem ›Willy Winzigs‹. Küfers hellgraue Stoffhose war einwandfrei gebügelt. Die haarscharfe Bügelfalten in der Mitte der Hosenbeine ließen keinen Zweifel aufkommen: Küfer wollte ein ordentlicher Mensch sein. Als er sich in dem Cocktailsessel neben dem Sofa niederließ, zupfte er seine Hosenbeine hoch. Lange dunkelgraue Socken in seinen Filzpantoffeln kamen zum Vorschein.

Bis auf seine Schrankwand schien der Mann ein Faible für Grautöne zu haben. Seine Haare waren sauber gescheitelt und mittels Haarpomade auf seinem Kopf enganliegend, aber sie waren ebenfalls grau und deshalb machte Herr Küfer nicht wirklich einen strengen Eindruck. Trotz seines sauberen Scheitels und der grauen Hosenbügelfalten. Selbst sein Cocktailsessel und das Sofa, auf dem ich saß, waren grau. Und ebenso der Aktenordner, den er aus einem Nebenraum geholt hatte, er war grau. Herr Küüfer hatte ihn mir auf dem Nierentisch geöffnet hingelegt. Das niedrige Sofa machte es mir schwierig, in den geöffneten Ordner zu schauen.

»Sind das jetzt die Papiere des PentAgrion?«, wollte ich wissen.
»Nicht ganz.«
»Was heißt ›nicht ganz‹?«
»Es sind Ausschnitte. Wenn Sie sich vor Augen führen, dass der Ethnologe PentAgrion zehn Jahre in seinen Aufzeichnungen niedergeschrieben hatte, dann wird Ihnen klar sein, dass dies nicht das Gesamtwerk ist.«

Ich schaute mir die Seiten im Ordner an. Es waren zweifelsohne Ausdrucke aus dem Internet, versehen mit dem Druckdatum und der Quelle, also der Internet-Adresse.

»Das Ehepaar aus Remagen meinte, dass Sie eine komplette Kopie aller Papiere des PentAgrion vorliegen hätten.«
»Nicht ganz. Sie hatten mir zwar alle Papiere kopiert zugeschickt, aber es gab wohl einen Transportschaden bei der Post. Die an mich gerichtete Sendung war jedenfalls in Unordnung. Mein Paket war aufgerissen und viele Papiere sind in Folge des Transportschadens verloren gegangen.«
»Warum haben Sie es nicht nochmals aus Remagen schicken lassen?«
»Eine komplizierte Geschichte. Ich bin mit dem Ehepaar in Streit geraten. Wegen einer Kleinigkeit.«
»Geld? Ging es um Geld für die Papiere?«
»So in etwa. Aber darüber möchte ich jetzt nicht reden. Wichtig ist erst einmal, dass die hier vorliegenden Kopien eh schon verdammt umfangreich sind. Und das ganze ist nicht einfach zu lesen.«

Ich blätterte in dem Ordner und überflog ein paar der Seiten sehr grob. »Der Gottesbeweis durch vollständige Induktion« hieß die Überschrift eines Kapitels:

»Es gilt zu beweisen, dass aus der Menge der natürlichen Zahlen für die Zahl n erst einmal n=1 gilt und dass damit die Eins-Existenz Gottes belegt wird. Auf dieser Basis hin ist dann lediglich noch zu zeigen, dass Gott für alle Zahlen n auch mit n+1 existiert. Denn existiert immer eine um eins größere Menge Gottes, dann ist einwandfrei mathematisch bewiesen, dass Gott existiert und gegen unendlich strebt. Somit wäre bewiesen, dass Gott allumfassend und größenunabhängig sein würde.«

Es folgten eine Reihe mathematischer Konvergenzkriterien und Formeln. Ich las nicht mehr, sondern versuchte das Ende dieser vollständigen mathematischen Induktion zu finden. Eine mathematische Antwort auf die einfache Frage des Gottesbeweises. Wie verführerisch.

»Hm. Ich finde das Ende der vollständigen Induktion nicht. Haben Sie das zufälligerweise irgendwo?«
Aloisius zuckte mit den Achseln.
»Ich bedaure. Leider gehört das Ende des Beweises zu den Seiten, die verloren gingen.«
»Hatten Sie mal in Remagen nachgefragt, ob der Gottesbeweis mit der vollständigen Induktion geglückt ist?«
Er schüttelte wortlos den Kopf. Offenbar hatte auch er keine Information dazu. Vielleicht auch wegen dem Streit zwischen ihm und den beiden aus Remagen. Der Streit war wohl wichtiger als die Antwort auf die Gottesbeweisfrage, sonst wäre die Antwort im Ordner abgeheftet gewesen.

Ich blätterte weiter. Auf einer Seite stach mir die Überschrift »Unter dem Pflaster liegt der Strand« ins Auge. Hieß nicht mal so eine Zeitschrift von dem jetzigen EU-Abgeordneten Daniel Kohn-Bendit und dem ehemaligen Außenminister Joschka Fischer?

Seiten später fiel mir unvermittelt ein Satz auf: »Auf Usjh gab es das nicht« Usjh? War das nicht der Planet, von dem PentAgrion stammen sollte? Ich las mir den Absatz quer. Er handelte über die Sucht von Ski-Fahrer, sich im Winter einer besonders verhassten menschlichen Tätigkeit hinzugeben: dem Sich-anstellen in Warteschlangen. Gerade im Winter erfreuten sich Menschen daran, lange Zeit in Warteschlangen zu verharren, nur um nachher einen Hügel oder Berg hochgezogen zu werden, um dem dann noch schneller wieder herunter zu kommen. PentAgrion hatte den Eindruck, der Mensch wolle das Weiße der Hügel auf diese Weise abtragen. Denn einen tieferen Sinn in dieser Handlung konnte er nicht erkennen. Auf ›Usjh‹ war ihm dieses irrationale Verhalten unbekannt. Weiß erschien PentAgrion als eine für die Menschheit verhasste Farbe. So verbannten die Menschen täglich unzählige Mengen weißer Stengel, ja sie entfachten die Glut der Stengel zielgerichtet durch das tiefe Luftholen der Menschen. Sie nutzten sogar zum eigenen Schutz Filter, um die Gefährlichkeit des inhalierten Rauches zu mindern.

RasenschildAndererseits fand PentAgrion heraus, dass auch die Farbe ›grün‹ als Bedrohung der Menschheit angesehen wird. Denn er traf oft Schilder, die das Betreten von Grünflächen gemeinhin als unerwünscht erklärten. Was PentAgrion dann allerdings überhaupt nicht verstand, war, dass die Ski-Fahrer solange ihrer Tätigkeit nachgingen, bis dass das ›weiߋ durch ›grün‹ weggefahren worden war. Kam ›grün‹ zum Vorschein hörten die Ski-Fahrer sofort auf zu fahren und betraten die grüne Fläche mit ihren Brettern nicht mehr. Andererseits streben die Menschen auf die höchsten Berge dieser Welt, um dort im tödlichen Weiß der Berggipfel als Eissäulen zu verenden. Das Betreten weißer Flächen ist bei den Menschen aber gemeinhin nicht unerwünscht. »Auf Usjh gab es das alles so etwas nicht« schrieb PentAgrion dazu noch einmal als Quintessenz.

»Was hat es eigentlich mit dem Planeten ›Usjh‹ auf sich?«
»Nun, es ist der Planet, von dem PentAgrion gekommen sein soll.«
»Ja, das weiß ich. Nur was bedeutet es? Steht zu diesem Planeten genaueres in den Papieren drin?«
Der Mann schüttelte verneinend seinen Kopf.
»Die Papiere geben nicht viel Informationen dazu. Der Planet ›Usjh‹ wird immer wieder erwähnt, mehr nicht.«
»Kein einziger Hinweis?«
»Nicht direkt. PentAgrion erwähnt, dass die Erde schon in früheren Zeiten von Bewohnern des Planeten ›Usjh‹ Besuch erhalten hat.«
»Wann früher?«
»Er gibt keine genauen Zeiten dazu an. Aber er erwähnt immer wieder das Volk der ›Nuru‹.«
»›Nuru‹? Etwa Sarah Nuru?«
Der Mann lachte.
»Immer wenn der Name ›Nuru‹ fällt, denken jetzt alle an das letzte ›Germans Next Topmodel‹ Sarah Nuru. Nein. Das Wort ›Nuru‹ kommt eigentlich aus dem Japanischen und heißt soviel wie ›schlüpfrig, glitschig‹. In Japan gibt es eine Form der Massage, die ›Nuru‹-Massage. Die Massierende ölt den Klientel ein und massiert ihn dann mit ihrem ganzen nackten Körper.«
»Also sind die ›Nuru‹ die Erfinder der erotischen Ganzkörpermassage?«
»Nein, nein. Überhaupt nicht. Das Volk der ›Nuru‹ erhielt seinen Namen vielmehr wegen ihrer Fähigkeit sich anzupassen. Unter Dicken waren sie dick, unter Dünnen dünn, unter Intelligenten intelligent und unter Dummen dumm. Die perfekten Chamäleons. Einige sollen den Inkas von Machu Picchu und Choquequirão angehört haben, andere sollen an den Kulthandlungen bei Stonehenge beteiligt gewesen sein. PentAgrion hat aber auch Hinweise gefunden, dass ›Nuru‹ bei den alten Germanen gelebt haben sollen.«
»Wer sagt das? Gibt es dafür Beweise?«
»Nein. Nur äußerst schwache Indizien, die PentAgrion zusammen getragen hatte.«
»Welche?«
»Die Einbeziehung der Astronomie in Kulthandlungen, Kultur und Philosophie.«
»Das soll spezifisch für die ›Nuru‹ sein?«
»Nein. Aber ›Nuru‹ waren wohl meistzeit darin involviert.«
»Die Spuren der ›Nuru‹ finden sich nur im Altertum?«
»Indizien, nicht Spuren. Denn jene Kulturen haben keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen. Jedenfalls keine, die in der heutigen Zeit dechiffrierbar sind. Nein, nicht nur im Altertum. PentAgrion fand Hinweise, dass die ›Nuru‹ auch in unserer Zeit noch leben. Selbst hier in Deutschland.«

Bei mir stellte sich ein hohles Gefühl in der Magengegend ein. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass diese Geschichte zu absonderlich wurde. Die Papiere des PentAgrions erschienen mir anfangs wie ein philosophisches Werk, aber jetzt erschien mir das ganze eher wie die Geschichte von Sektierern. ›Usjh‹. ›Nuru‹.

»Ich wette, Sie glauben, dass ich anfange zu phantasieren, nicht wahr.«

Ich schüttelte hastig verneinend meinen Kopf. Nur nicht unhöflich werden, dachte ich zu mir selber und versuchte interessiert drein zu schauen. Herr Küfer fuhr fort:

»Es wirkt alles recht unwirklich. Gerade wir Deutsche sind doch in Sachen Völkerfragen immer so sensibel. Das ist ja auch kein Wunder, denn wir sind ein ziemlich pluralistisches Volk: Bayern, Preußen, Schwaben, Badenser, Schlesier, Sudeten, Sachsen, Westfalen, Rheinländer, Ostfriesen und so weiter und so fort. Jedes deutsches Völkchen beruft sich offen auf seine Traditionen und das Recht, diese leben zu müssen und zu dürfen. Die ›Nuru‹ lassen sich aber nicht so offensichtlich in solchen Forderungen wiederfinden. Wie ich bereits schrieb, sie sind Chamäleons.«
»Sie meinen die ›Nuru‹ sind ein Volk nicht im Sinne eines Volksstammes sondern im Sinne einer Abstammung?«
»So in etwa. Sie sind ein Volk mehr in geistiger Hinsicht. Sie verstehen?«
»So wie das Volk der Dichter und Denker?«
»So in etwa.«
»Haben Sie Beweise?«
»Nein.«

Herr Küfer zuckte bedauernd mit den Schultern, während ich den Ordner weiter durchblätterte. Beim Blättern stieß ich auf Fotos. Eines zeigte eine alte Betonkonstruktion, es erschien mir wie eine alte trostlose Bahnstation. In der Bildunterschrift stand »S-Bahn Station ›Oberwiesenfeld‹« geschrieben.

»S-Bahn Station ›Oberwiesenfeld‹? Ist das hier in München?«
Herr Küfer nickte.
»Jene S-Bahn Station ›Oberwiesenfeld‹ ist besser bekannt unter dem Namen ›Olympiastadion‹. Sie war zwischen 1972 und 1988 in Betrieb. Seit der Fußball-EM 1988 verfällt sie. Inzwischen ist sie eine Ruine.«

Oberwiesenfeld

»Die Fotos sind aber nicht von PentAgrion.«
»Nein, sie sind von mir. Ich habe sie in den letzten Wochen gemacht. Die Bahnstation ist nicht so leer wie sie ausschaut. Schauen Sie mal hier.«
Er deutete auf das unterste Foto. Es zeigte eine Seite der mit Graffitis besprühten Wand des Betongebäudes.

Bahnhof

»Sehen Sie das? Da waren nicht nur Obdachlose, da existiert eine intelligente Untergrundkultur.«

Er erzählte mir darauf, dass er selber der Spurensuche des PentAgrions verfallen sei. Und er meinte inzwischen auch Spuren der ›Nuru‹ gefunden zu haben. Die Plakate an den un-einsehbaren Wänden der verfallenen S-Bahnstation stellten für ihn so ein Indiz dar.

Ich wusste nicht, wie ich auf dieses reagieren sollte. Innerlich spottete ich über den heiligen Ernst des Herrn Küfers. Nicht nur die haarscharfen Bügelfalten seiner Hose auch die ausgeprägten Kniffe in den grauen Sofakissen zeigten mir, dass Herr Küfer pedantischer Natur sein müsse. Was seine Lebensweise als auch seinen Forschungsdrang anbetrafen. ›Nuru‹. ›Usjh‹. Das erschien mir eher wie ein Auswuchs der Phantasie. Eine Manie. Der Versuch in allem ›PentAgrion‹ zu sehen, wo PentAgrion nicht drin war.

Ich fragte Herrn Küfer, ob ich eine Kopie seiner PentAgrion-Traktats erhalten könne. Die Kopierkosten würde ich ihm auch im Voraus auslegen. Die Papiere des PentAgrion waren es, weswegen ich den Herrn Küfer aufgesucht hatte. Nicht mehr und nicht weniger. Herrn Küfer stimmte mir zu, meinte aber, dass er es in diesem Jahr nicht mehr schaffen würde. Im Januar könne er mir sicherlich die Kopie aushändigen. Ich war einverstanden und reichte ihm 50 Euro mit einen Zettel meiner Telefonnummer. Herr Küfer nickte bedächtig, als ich den Ordner wieder schloss und ihm überreichte. Mit seinem Ärmelschoner wischte er sorgsam über den Ordner, als ob er Fingerabdrücke von mir wegwischen wollte.

»Also dann bis im Januar, Herr Küfer?«
»Bis im Januar. Es hat mich gefreut, ihre Bekanntschaft gemacht zu haben.«

Draußen auf der Straße war es regnerisch kalt. Ich schlug meinen Jackenkragen hoch und stapfte durch den Schneematsch zur Bushaltestelle. Bis zum Januar, dachte ich mir und ich warf nochmals einen Blick zurück auf das Gebäude und die erste Etage, wo Herr Küfer wohnte.

Das Fenster schimmerte in der Dunkelheit. Es war mir, als ob der monolithische Schrankwandblock durch die Dunkelheit hindurch mir nachstarren würde. Aber in Wahrheit war da nichts.
Überhaupt nichts.
Nichts außer meine Einbildung.

(Fortsetzung)

Ist das auch Ihr Laden?

In der Schlange an der Kasse stand er vor mir. Er erinnerte mich ein wenig an Hermes Phettberg. In seinen Händen hielt er einen 50-Euro-Schein und eine DVD. Weil er die DVD in seiner rechten Hand ohne Unterlass drehte, konnte ich frühzeitig den Titel lesen: „Mondo Topless“.

Ich erinnerte mich daran, dass es in der kleinen Nachbarstadt, in der ich zur Schule ging, ein altes Kino-Gebäude gab. Der Gedanke an das Kino ruft in mir Erinnerungen a la „Cinema Paradiso“ wach, an jenen Film, der auf unvergleichlicherweise dem Kino huldigt. In jenem Kleinstadt-Kino liefen immer die aktuellsten Filme. Aber das Kinosterben der 80er Jahre hatte auch jenes Kino erfasst. Die Leute gingen nicht mehr ins Kino und so versuchte sich der Kinobesitzer mit billigen Filmen über Wasser zu halten. Exploitationfilme stellten den Unterbau des wöchentlichen Programms dar. Die „Mondo“-Filme gehörten zu dieser Strategie.
„Mondo“, das war für mich gleichbedeutend mit „frei ab 18 Jahre“. „Mondo Topless“, „Mondo Nude“, „Mondo Cannibale“, „Mondo Cane“ und wie sie alle hießen. Sie liefen in jenem Kino länger als mancher James-Bond-Film. Ob sie mehr Zuschauer hatten, weiß ich nicht, aber sicherlich weniger Lizensgebühren für das Vorführen.

„Mondo Topless“ ist nebenbei nicht wirklich ein brutaler Film im Vergleich zu „Mondo Cane“. „Mondo Topless“ ist ein Film von Russ Mayer und inzwischen schon fast 44 Jahre alt.

Die Schlange an der Kasse schob sich vorwärts und das „Hermes Phettberg“-Double war an der Reihe zu zahlen. Der Mann übergab die DVD und den 50-Euro-Schein. Die Kassiererin hielt den Scanner auf den Barcode und schaute den Mann an.

„Ich brauch ihren Personalausweis.“
„Wie bitte?“
„Ich brauch noch ihren Personalausweis. Ich muss die Nummer ihres Personalausweises notieren.“
„Wozu?“
„Es ist wegen dem Jugendschutz.“
„Denken Sie ich bin unter 18?“
„Das ist egal. Ich brauch ihren Personalausweis.“
„Ich hab ihn nicht dabei.“
„Ich brauch aber ihren Personalausweis, um die Nummer zu notieren.“
„So ein Scheiß.“

Der Mann machte eine abwehrende Handbewegung, drehte sich ab und verließ die Kasse mit schnellen Schritten.

„Wollen Sie nicht mehr? Hey, ihre 50 Euro!“

Der Mann drehte sich nicht um, ging ohne Zögern auf einen Aufzug zu, dessen Türe öffnete sich in dem Moment, er stieg ein und die Türe schlossen sich. Für einen Moment konnte ich dabei sein Gesicht sehen. Er warf einen Blick auf den Ausgang des Media-Marktes.
Die Kassiererin schrieb etwas auf einen Notizzettel und legte den 50-Euro-Schein in die Kasse

An der Kasse erblickte ich dann die Aushangzettel. Auf ihnen wurde erklärt, dass der Laden bei „FSK 18“-Produkten von jedem Käufer die PA-Nummern registrieren werde. Dieses geschehe im Sinne des Jugendschutz. Diesen würden die Leitung des Media-Marktes sehr ernst nehmen.

Sehr ernst. Datenerfassung ohne Sinn und Verstand.

Ist sowas wirklich sein Laden? Passen würde es ja zu Mario Barth. Bei ihm bezahlen ja auch Menschen Eintrittspreise für nichts und wieder nichts.

Der ganz normale Wahnsinn

Das Ziel ist nahe. 50 Feinde soll ich gemäß meines Auftrages töten. Und aber maximal nur 3 Zivilisten.

Ausgerüstet mit der israelischen Tavor Tar-21 und 420 Schuss Munition hatte ich mich auf die stattliche Anzahl von 48 erschossenen Feinden herangekämpft. Der Feind ist gnadenlos, selbst schwer verwundet feuert dieser auf mich. Ich befinde mich in permanenter Gefahr für Leib und Leben. Mehrere musste ich deshalb einen Fangschuss setzen. Nichts bleibt mir erspart. Der Feind besitzt auch noch arg bissige Schäferhunde. Sechs dieser treuen Gesellen musste ich erschießen, zweien habe ich einfach mit bloßen Händen das Genick gebrochen. Das Leben ist gnadenlos.

Der Kampf unter dem blauen Himmel Rio de Janeiros zieht sich hin. Christo Redentor
Noch zwei Feinde. Vom Corcovado lacht mir mit ausgebreiteten Armen der Christo Redentor entgegen. Auf der rechten Seite kann ich sogar den Zuckerhut erkennen. Mein Kampfgebiet ist eine Favela im Süden der Metropole Rio de Janeiro. Bewaffneten Feinde rufen mir immer wieder zu, dass ich gefälligst aus deren angestammten Zuhause abhauen soll, dass ich hier nichts zu suchen habe. Aber ich tue ihnen den Gefallen nicht. Auftrag ist Auftrag. Und es ist ein heherer Auftrag. Es geht nicht bloß ums Töten. Es geht um Frieden, Freiheit und Demokratie. Gegen die Diktatur einzelner Warlords.

Noch zwei Feinde. An der Munitionskiste versorge ich mich nochmals mit Munition und Handgranaten. Der Herzschlagsensor zeigt mir Feindaktivität hinter einer der Favela-Hütten an. Oder sind es Zivilisten? Der Sensor zeigt keinen Unterschied. Ich muss es riskieren. Nur ein toter Feind ist ein guter Feind. Handgranate entsichert und blind geworfen, drei hintereinander. Explosionen und Rauchwolken hinter der Favela-Hütte. Der Zähler der vernichteten Feinde erhöht sich um eins: 49 tote Feinde. Dummerweise auch Kollateralschaden: zwei Zivilisten hat es auch erwischt.

Pao de AcucarEgal. Auftrag ist Auftrag. Wir leben im Krieg. Entweder der Feind oder ich. Der Feind kennt kein Erbarmen. Wieso sollte ich?

Der 50. Feind wird auch noch dran glauben müssen. Wie seine 49 Kameraden zuvor. Das ist mein fester Wille. Erneut werfe ich Granaten Richtung Zuckerhut. Explosionen erschüttern die Umgebung. Und dann die Stimme: „Glückwunsch. Sie haben ihren Auftrag erfolgreich erfüllt.“

Der 50. Feind ist vernichtet, die Favela die reinste Leichenstätte. Zufrieden lehne ich mich zurück.

Der Feind ist vernichtet.
„Vernichtet“.
Was für ein schönes, beruhigendes, entspannendes Wort.

Die nächsten Aufgaben warten. Mit einem Sniper-Gewehr. Das Töten der infamen Feinde auf Distanz. Die Kugel aus der Entfernung in den Kopf des Feindes. Und wenn die dann noch zucken, gleich noch eine Kugel. So ist das PC-Spiel „Modern Warfare 2“. Ein Spiel um Leben und Tod. Auch unter der Sonne Rio de Janeiros, im Angesichts des huldvoll lächelnden Christo direkt am Zuckerhut.

Wie bitte?
Das Spiel ist brutal?
Es gehöre verboten?

Aber nie und nimmer, lieber Leser! Solange wir in der Realität im Auftrage der Bundesregierung am Hindukusch den Feind der Freiheit bekämpfen, solange wir zusammen mit unserer James-Bond-Inkarnation, dem Kriegsminister zu Guttenberg, in der realen Welt Krieg machen dürfen, solange darf ich in „Modern Warfare 2“ die Feinde der Demokratie und Freiheit auch virtuell mit allen waffentechnischen Mitteln bekämpfen. Denn um nichts anderes geht es in „Modern Warfare 2“.

Und kommt nun mir keiner, ich wäre ein potentieller Amok-Läufer. All die deutschen Afghanistan-Veteranen mit ihren physischen und psychischen Schäden werden noch weit bedrohlicher, wenn die erstmal feststellen, was die Bundesregierung bei den Pflegebedürftigen an Leistungen gestrichen haben wird. Da ist meine Frustration, wenn ich in „Modern Warfare 2“ wieder mal in einem Hinterhalt gerate und die Landschaft auf dem Bildschirm rot verschwimmt, diese Frustration ist dagegen noch ein schöner Erfolgsmoment.

Was ich persönlich als perverser empfinde?
„Modern Warfare 2“ oder die deutsche Kriegsbeteiligung in Afghanistan?
Die Antwort ist klar: Nicht das eine ist perverser als das andere. Denn beides liegt voll im Trend des Zeitgeistes. Militär ist wieder in. Noch nie war Verteidigung unserer deutschen Demokratie am Hindukusch so schmuck und gut angezogen wie zu Guttenbergs Zeiten.

Viva la destruction!
Viva le plaisir en déclin!
Viva la mort!

Bücher zum Selberbasteln – Softwareunterstützung bei der Bucherstellung (5)

Der Link zu den Teilen zuvor:
Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)
Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)
Bücher zum Selberbasteln – Drei Verlage, drei Druckergebnisse (3)
Bücher zum Selberbasteln – Sein eigenes Buch veröffentlichen (4)

***

Jetzt komme ich zum letzen Teil und Schluss dieser langen Serie, versprochen.

(… wer eingeschlafen ist, bitte jetzt schon mal die Hand heben! Hm? Niemand hebt die Hand? Gut. Und weiter geht’s …):

Die Frage nach Software, die bei der Bucherstellung sinnvoll den Autor unterstützten könnte, wird häufig im Internet gestellt. Basis für die eigene Schreibarbeit ist ein Programm, welches bei Rechtschreibung und Grammatik helfen kann. Hier ist das kostenfreie OpenOffice-Paket zu nennen, welches ohne Probleme mit dem MS-Office mithalten kann.
Derjenige, dem ein Office-Programm „zuviel drumherum“ ist und sich ganz auf das reine Schreiben fokussieren will, der sollte das Programm „Q10“ (Freeware; http://www.baara.com/q10/ ) ausprobieren. Es kann auf der angegebenen Internetseite mit deutscher Rechtschreibprüfung herunter geladen werden.

„Q10“ als auch die Textverarbeitung eines Office-Pakets taugen sicherlich, um konzentriert an Kapiteln oder Szenen zu arbeiten und dann entsprechend abzuspeichern. Aber um ein Werk in seiner Gesamtheit zu überblicken und zu organisieren, sind beide nicht wirklich die richtigen Programme. Ein Werkzeug speziell zu diesem Zweck ist beispielsweise Software „yWriter5“ (Freeware; umschaltbar auf deutsch; http://www.spacejock.com/yWriter5_Download.html ). Es hilft dem Autor, das zu schreibende Werk auf vielfältiger Weise bis ins letzte Detail zu organisieren. Mit „yWriter5“ läßt sich das gesamte Projekt mit seinen einzelnen Dateien verwalten.
Mit „yWriter5“ lässt sich das Projekt jedoch nicht in die passende Buchform bringen, um es bei einem Druckverlag wie BoD, Lulu, Shaker-Media, etc. hochzuladen. Entweder verwendet man hierfür wieder ein Office-Programm (in welchem alle Kapitel der Reihenfolge entsprechend hineingebracht werden).
Oder der Autor verwendet ein Layout-Programm. Solch ein Programm empfiehlt es sich immer dann zu verwenden, wenn Text gestaltet werden soll, wenn Grafiken und Fotos in dem Text eingearbeitet werden sollen. Ein Office-Programm kann das zwar auch, aber wer schon einmal ein Werk versucht hat, mit mehreren Abbildungen in einem Office-Programm sein Werk in vernünftige Bahnen zu lenken, der weiß, dass dieses oft zwar kein Blut, aber dafür umso mehr Schweiß und Tränen kosten kann.

Auf Unix/Linux-Seite gibt es hierfür das berühmt berüchtigte, aber recht geniale LaTEX-Programm (Freeware). Leider ist das Programm recht einarbeitungsintensiv.
Wesentlich einfacher lässt sich ein anderes Layout-Programm verwenden: Scribus (Open Source Freeware; http://www.scribus.net ). Scribus läuft nicht nur auf Unix/Linux-Plattformen, sondern auch auf WINDOWS, OS/2 Warp und 4/eComStationen. Selbst den Apfel-Jüngern wird eine entsprechende Version für das Betriebssystem Mac OS angeboten.
Mit Scribus lassen sich nicht nur Flyer, Visitenkarten, Faltblätter und Zeitschriften erstellen. Mit Scribus wird auch die Erstellung eines Buches erheblich vereinfacht. Grafiken innerhalb eines Textes sind handzahm, statt wie es bei Office-Programmen der Fall ist, dass diese erst einmal mit diversen Tricks auf Format getrimmt werden müssen. Die Gestaltungsmöglichkeiten, die Scribus bietet, sind professionell. Die einfachste Aufgabe für Scribus ist Textgestaltung. Aber selbst Farbmanagement (CMYK-Farben) lässt sich mit Scribus durchführen.

Hauptaufgabe von Scribus ist freilich eine für Druckereien und Medien weiterverarbeitbare pdf-Datei zu erstellen. In Hinblick auf die Gestaltung des Inhalts eines Buches mag die Verwendung von „Scribus“ zu aufwändig erscheinen. Für die Buchcover-Gestaltung ist Scribus allerdings genau das Programm, was einem hilft, den 08/15-Vorschlägen der Druckverlage und ihren Internetseiten auszuweichen. Hiermit lässt sich das Buchcover nach eigenen Wünschen gestalten. In Zusammenarbeit mit dem Bildbearbeitungprogramm GIMP (Freeware; http://www.gimp.org; ebenbürtig zu Adobe Photoshop) und dem Vektorgrafikeditor Inkscape (Freeware; inkscape.org; vergleichbar mit den kostenpflichtigen Programmen Illustrator, Freehand, CorelDraw oder Xara X) besitzt man alle Werkzeuge, um das Buchcover-Design selber zu gestalten.
Eine gute Anleitung und diverse Hilfen zur Bucherstellung finden sich einerseits auf den scribus-Seiten selber, aber ebenfalls verweise ich auf die höchst hilfreichen Seiten von leibi.de. Die dort herunterladbaren Hilfedateien sind wohl das beste mit, was man für den Schnelleinstieg in „Scribus“ bekommen kann.

Bislang habe ich nur jene Softwaren erwähnt, die kostenfrei sind und meiner Meinung nach konstruktiv und unterstützend Autoren beim Schreiben und Gestalten ihres Buches helfen. Das schwierigste bleibt somit (direkt nach dem Schreiben), das Lektorat des eigenen Werkes. Denn eine sprachliche Analyse ist schwierig mit Software zu bewältigen. Zwar gibt es statistische Werkzeuge wie z.B. TextSTAT (Freeware; http://neon.niederlandistik.fu-berlin.de/textstat ), welche schon mal den ersten Hinweis geben können, wo eine Schwäche liegen könnte (z.B. zu häufige Verwendung bestimmter Wörter), aber das „echte“ Sprachgefühl können diese Werkzeuge nicht ersetzen.

Noch ein Wort zu Software, die einem hilft, ein Buch noch einfacher zu schreiben.
Gibt es überhaupt so etwas?
Ja, es gibt sie. Schreiben wie einem der Schnabel gewachsen ist. Sprechen statt mühsam mittippen, was man sich gerade denkt:
Für Windows-Plattformen verweise ich hierbei auf „Dragon NaturallySpeaking Professsional“ („Preferred“: 199 €; „Professional“: ca. 1.000 €) und „Linguatec Voice Pro 12“ („Standard“: 69 €; „Professional“: 169€). Für Mac-OS-X-Benutzer gibt es „MacSpeech Dictate“.
Einen Test- und Erfahrungsbericht von Prinz Rupi findet sich hier:
http://computer-software.suite101.de/article.cfm/spracherkennung_auf_dem_mac

Aber da soll es ja noch eine Software geben, die von Profis benutzt wird, die TV-Serien-Drehbücher damit schreiben oder immer Bestseller damit landen?
Stimmt das?
Da muss es doch noch was anderes geben!
Stimmt.
Es handelt sich hierbei um das sagenumwobene Programm „Dramatica Pro“ (ca.180 €; http://www.dramatica.com ), mit dem schon in der Tat Filmdrehbücher geschrieben worden sind, die sich auf dem Markt als „Renner“ erwiesen. „Dramatica Pro“ bietet einerseits Funktionen wie „yWriter5“ an. Darüber hinaus aber treibt „Dramatica Pro“ den Autoren und dessen Geschichte durch entsprechende Fragen voran (allerdings auf Englisch). Das kann sich hilfreich erweisen in Zusammenarbeit mit der Software seine Geschichte auf logische Fehler oder mögliche Entwicklungen hin abzuklopfen.
Aber es sollte auch klar sein: Das beste Programm nützt nichts, wenn der Autor sich beharrlich weigert, kreativ Schreiben zu lernen. Programme sind immer nur so gut, wie deren Anwender. Es nützt mir der schnellste Ferrari nichts, wenn ich nicht weiß, wie Fahren an sich überhaupt geht. Aber lernbar ist es.

So.
Und das ist jetzt das endgültige

ENDE

meiner (*hüstel*) „Kurzserie“.

Wer auf der Suche nach weiteren Hinweisen ist, oder Zusatzfragen an mich hat (auch Kritiken positiv wie negativ), der Kommentarbereich unter jedem Teil dieser Serie steht offen und bietet inzwischen auch einige Zusatzinformationen an.

Bücher zum Selberbasteln – Sein eigenes Buch veröffentlichen (4)

Der Link zu den Teilen zuvor:
Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)
Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)
Bücher zum Selberbasteln – Drei Verlage, drei Druckergebnisse (3)

***

Wer sich dafür entscheidet sein Buch zu veröffentlichen, dem bietet sich jetzt zusätzlich durch diese Druckverlage die Möglichkeit, Bücher über den eigenen Bedarf hinaus drucken zu lassen, ohne über die konventionelle Schiene der Verlage zu gehen. Dafür sind aber die buchbeeinflussenden Bucherstellungsprozesse wie Lektorat und Buch-Design in die eigenen Hände zu nehmen. Das kann sowohl Chance als auch Herausforderung sein. Und je nach eigener Begabung entscheidend für die weitere Vermarktung des eigenen Buches.

Freilich ist es möglich, Angebote der Druckdienstleistungsverlage anzunehmen, um sein Buch auf konventionellem Weg in den Markt einzusteuern. Die bislang besprochenen Dienstleister wie Epubli, Lulu und BoD bieten diese Option. Hierbei kann der Autor, sein Buch mittels ISBN katalogisieren lassen. Jene drei sind aber nicht die einzigen Druckverlage, welche ihre Angebote auf Autoren ausgerichtet haben. Im Rahmen dieser Serie habe ich mir auch noch tredition ( http://www.tredition.de ) und Shaker-Media ( http://www.shaker-media.eu ) angeschaut.

Aber prinzipiell spricht auch nichts dagegen, eben diesen Weg ohne Hilfestellung eines Druckverlages zu beschreiten. Epubli, Lulu und BoD dienen bei solch einer Wahl lediglich als verlängerte Werkbank seiner eigenen Veröffentlichung. Sprich, der Druck wird bei einem der Druckdienstleister in Auftrag gegeben. Der Vertrieb des Buches erfolgt dann selbstständig, indem der Autor gezielt versucht, Angebot und Nachfrage in Eigenregie zu regeln. Dieses kann mit den selben Marketingmaßnahmen erfolgen, wie sie ein konventioneller Verlag anbietet: Visitenkarten, Flyer, Postkarten, Lesungen, Werbung über Internet. Das hört sich abenteuerlich an, ist aber nicht weniger abenteuerlicher als das, was der Markt veranstaltet, um ein Buch zu promoten. Es ist klar, dass ein Gießkannenprinzip der Werbung und der Probeexemplare – wie letztens bei dem neusten Dan-Brown-Werk – sich kein Autor wirklich leisten kann. Dieses ist das Privileg der finanzkräftigen Buchverlage, die die entsprechenden Mittel haben, den Markt anzukurbeln, um den späteren Kosten-Nutzen-Koeffizienten zu eigenen Gunsten zu drehen.

Der unkonventionelle Weg und sein Erfolg erfordern vor allem eines: Eigeninitiative.
Das Schreiben ist hierbei nur eine Seite der Medaille. Das eigene Geschriebene lässt sich über Lulu und BoD drucken. Das bedeutet, der Autor druckt sich entsprechend den eigenen Bedarfen Fun-Bücher (also jene Bücher für den Privatgebrauch), um diese dann unter anderem auch mithilfe des Internets zu vermarkten und zu vertreiben. Gerade für solch ein Ansinnen ist Lulu ein dafür ideal zugeschnittener Marktplatz. Der Grund dafür liegt auch in der Gründergeschichte dieses Dienstleisters (siehe Interview mit Robert Young bei Stern-Online): Die Rechte am Werk verbleiben komplett beim Autor und der Autor ist für den Absatz seines Werkes selber verantwortlich. Im Gegensatz zu BoD und Epubli bietet Lulu nicht nur die Verkaufsplattform für im eigenen Dienstleistungsverlag ertellte Bücher, sondern auch für das elektronisch Buche (als Download inklusive DRM).

Der Vorteil den konventionellen Weg der Veröffentlichung nicht zu beschreiten, macht sich durch Wegfall von Zusatzkosten wie beispielsweise „Buchhändlerrabatte“ bemerkbar. Diese erlauben den Verkaufspreis tiefer zu kalkulieren, bei gleicher Marge. Dieses kommt dem Käufer durch tiefere Preise für das eigene Werk zu Gute. Dem Autor ist es möglich, sich selbst günstig mit Buchmaterial zu bevorraten, um es über den Eigenvertrieb verkaufen zu können. Erst durch höhere Stückzahlen beim Drucken wird beispielsweise auch ein Druck bei Lulu rentabel. Für Einzelexemplare des Privatregals mag Lulu bei S/W-Taschenbücher nicht ideal sein, aber bei höheren Stückzahlen und dickeren Werken, steigen die Druckgesamtkosten bei Lulu nicht so stark wie bei BoD oder Epuli. Auch beim Druck im edleren Hardcover-Bereich fällt Lulu angenehm auf. Hier stieß ich auf vergleichende Informationen im Internet, welches die Hardcover von Lulu besser darstellen lassen als bei vielen anderen Druckverlagen und Druckdienstleistern. Der unkonventionelle Publikationsbereich bietet Chancen und Möglichkeiten, die aber – wie schon geschrieben – stark mit der Eigeninitiative des Autors zusammenhängen. Und die Kostenschiene ist die des Fun-Buch-Bereichs mit sich stark verändernden Druckkosten, wenn höhere Stückzahlen und andere Formate als dünne SW-Taschenbücher gedruckt werden.

Sollte aber jemand mit dem Gedanken spielen, den konventionellen Weg zu beschreiten, so entbinden meine Überlegungen denjenigen nicht, sich alle Verlage nochmals kalkulatorisch anzuschauen. Denn je nach Buchthema, Buchstärke, Buchbindung und farbigen Inhalten können sich Unterschiede ergeben. So könnte es auch sein, dass der Druckverlage literareon ( http://www.literareon.de ) eine weitere Möglichkeit darstellt.

Ich veranstalte jetzt hier einmal das Gedankenspielchen, die Memoiren meines Vaters auf konventioneller Weise zu veröffentlichen: 52 Seiten im Taschenbuchformat im S/W-Druck als Ausgangsbasis.

Sowohl BoD, Lulu als auch Epubli bieten ein Programm zur Veröffentlichung von Büchern. Hierzu fallen allerdings immer unterschiedliche Zusatzkosten an. Gerade BoD bietet verschiedene Einstiegspakete an. Wer es mag, kann hierbei Layout- und Lektorat-Paket im Werte von bis zu 2000 Euro abschließen. Oder er belässt es beim Basis-Paket für 39?. Prinzipiell umfassen solche Pakete die zur Veröffentlichung notwendige ISB-Nummer, den Barcode, die Veröffentlichung in der Liste lieferbarer Bücher und gegebenenfalls auch noch die Anbindung an einen Großbuchhändler wie Amazon.de oder Libri.de, sodass mein Werk auch über Internet jederzeit bestellbar und abrufbar sein wird.

Hierzu verweise ich auf den Vortrag von Prinz Rupi, in dem dieses Thema sehr gut erläutert wird (Autor sucht Verleger (5): Der direkte Weg zum eigenen Buch)

Was anfangs noch recht günstig ausschaut, ändert sich, werden alle noch weiterhin anfallenden Fixkosten aufaddiert. So entstehen beispielsweise bei BoD durch 39-€-Vertrag weitere monatliche 1,99-€-Kosten über eine Vertragslaufzeit von 5 Jahren.
Bei Epubli tauchen solche Kosten nicht auf. Epubli will für eine Veröffentlichung in den ersten zwei Jahren insgesamt 19,95 € sehen. Soll das Buch dann aber länger auf dem Markt bleiben, kommen Zusatzkosten hinzu, die angedeutet werden, sich aber auf den Internetseiten von Epubli aber nicht quantifizieren lassen.
Bei Lulu sieht die Lage wieder ganz eindeutig anders aus. Lulu bietet die Veröffentlichung und die Anbindung an große Online-Händler wie amazon.com und Barnes&Noble.com . Aber genau hier liegt auch der Knackpunkt bei Lulu. Denn amazon.com und amazon.de greifen NICHT auf den gleichen Datenbankbestand zu. Lediglich auf amazon.com werde ich es finden und direkt bei amazon.com bestellen können. Sollte ich bei amazon.de nach meinem Buch suchen, werde ich es nicht finden, solange kein anderer Anbieter das Buch führt.
Leider hatte Lulu aufgrund der Wirtschaftslage 2009 ein Vertriebspaket aus dem Programm genommen, welches extra auf Deutschland zugeschnitten war („Published by you für Deutschland“).

Was bedeutet das nun für Lulu und dem konventionellen Vertriebsweg?
Ein Beispiel:
Die Suchanfrage für das Buch „Schlangenlinie“ bringt sowohl bei amazon.de als auch bei amazon.com Ergebnisse. Bei amazon.com kann direkt für umgerechnet 13,20 € gekauft werden. Bei amazon.de findet sich das Buch ebenfalls, kostet aber ca. 46 €, weil es von einem New Yorker Anbieter verschickt wird. Amazon.de selber führt das Buch nicht. Ein schneller Blick ins Angebot des englischen amazon.co.uk zeigt, dass das Buch auch hier auf dem Lager liegt und für ca. 15,50 € erstanden werden kann. Selbst in Japan ist es bei amazon.co.jp käuflich. Eine schnelle Überprüfung bei buch.de, buchhandel.de, bol.de und libri.de ergibt für das Buch „Schlangenlinie“ keine Treffer. Das Werk existiert bei diesen deutschen Online-Händler überhaupt nicht. Es steht leider zu vermuten, dass Frau Ingrids Stenders Buch „Schlangenlinie“ (ISBN-13: 978-1409240105) bislang keinen großen Absatz gefunden haben wird. Darum einfach mal hier der Link bei Lulu.com, wo es das Buch auch für 6 € als Download gibt:
http://www.lulu.com/product/download/schlangenlinie/4114437

Doch zurück zu den Kosten einer Buchveröffentlichung. In dem nachfolgenden Diagramm habe ich zu den drei Druckverlagen die Kosten pro Seite bezogen auf die Anzahl der Seiten eines Werkes zusammengestellt.

KostenproSeite

Das Dia zeigt, dass der Vertrag bei BoD (Buchmodell: BoD-Comfort) mit seiner Laufzeit von 5 Jahren nicht unerhebliche Kosten nach sich zieht. Jede einzelne Seite des Büchleins mit seinen 52 Seiten bei BoD veröffentlicht hätte nach fünf Jahren einen Wert von 3,13 €. Das sind Wertsteigerungen, von so etwas träumen die Bänker inzwischen heute schon wieder bezüglich ihrer faulen Papiere in deren Tresoren. Bei Lulu würde der Wert übrigens weiterhin bei 1,51 € stagnieren. Epubli ist zwar nach zwei Jahren noch immer der billigste Druckverlag, aber wer das Buch dann länger halten will, der muss mit Zusatzkosten rechnen, die Epubli dann mitteilen wird. „Wert“ ist freilich das falsche Wort. Denn für den Autor sind das Kosten, die er finanziell zu tragen hat.

Was bedeuten aber diese Zusatzkosten?
Zur Verdeutlichung die entsprechende mathematische Aufgabe: Welchen Verkaufspreis muss ich bei dem Druckverlag im Vertrag angeben, damit ich bei nur einem verkauften Buch und dem daraus erzieltem Autorenhonorar all diese Zusatzkosten bezahlen könnte?
Bei BoD würde mir der Verkaufspreis von 300 € alle meine BoD-Kosten der nächsten fünf Jahren neutralisieren. Ich bräuchte nur einen Käufer, der für mein Büchlein 300 € locker macht. Danach plätschern für jedes verkaufte Buch weitere 300 € in meine Urlaubskasse.
Bei Lulu kann ich den Verkaufspreis geringer ansetzen. Für 149 € könnte das Buch im Buchhandel bestellt werden und mit dem ersten Verkauf wären mir meine Kosten entledigt.
Die Verkaufspreise sind freilich bar jeder Realität. Dieses Szenario diente nur der besseren Illustration.

Die meisten Autoren haben das Ziel, an deren eigenem Geschreibe etwas zu verdienen. Die Höhe des Verkaufspreis regelt hierbei die Erlöse für den Autor. Und eben dieser Verkaufspreis ist die einzige Stellschraube, an der die Druckverlage den Autor drehen lassen. Auf die weiteren Kostenschrauben wie „Distributionsgebühr“, „Herstellkosten“, „Mehrwertsteuer (7%)“ und „Buchhändlerrabatt“ hat der Autor keinen Einfluss.

Jetzt einmal angenommen, ich wolle als Autor meines Büchleins 1 € pro Buch als Autorenhonorar erlösen. Zusätzlich zu den bisherigen Druckverlagen nehme ich jetzt auch noch die Druckverlage tredition und Shaker-Media mit hinzu. Somit ergeben sich für mein Büchlein die folgenden Verkaufspreise (in Klammern habe ich die zu verkaufende Stückzahl gesetzt, ab der ich überhaupt erst Gewinn mache):

BoD: 4,50€ (163 St.) // Lulu: 6,12 € (59 St) // Epubli: keine Angabe erhältlich // tredition: 9,80 € (34 St) // Shaker-Media: 8,90 € (keine Angabe erhältlich; in einem Forum las ich, dass zwei Jahre lang jedes mal 25 Bücher vom Autor abzunehmen seien, eine Bestätigung bei Shaker-Media fand ich dafür nicht).

Verglichen mit den Preisen im Buchhandel sind die 4,50 € für mein Büchlein der realistischere Preis. Allerdings muss das Büchlein in den nächsten fünf Jahren pro Monat seine drei Käufer finden. Während tredition und Shaker-Media die Preise für mein 52 Seiten-Büchlein in der Region eines handelsüblichen 250-Seiten Buchs heben, erscheint gerade Lulu noch relativ fair: 1/3 höherer Preis bei nur 1/3 geringerer zu verkaufender Stückzahl im Vergleich zu BoD macht Lulu relativ attraktiv für so ein Kleinsttaschenbuch.

Das bezog sich jetzt alles auf den S/W-Druck im Taschenbuchformat. Aber selbst Farbdruck wird von den Druckverlagen angeboten. Hier unterscheidet sich allerdings Lulu von den restlichen erwähnten Druckverlagen. Bei Lulu heißt es ganz oder gar nicht, während BoD und Co. den Preis je eingefügter Farbseite nach oben korrigieren. Sollte also wer sein Buch mit bunten Buchstaben verlegen oder auf jeder Seite eine Farbgrafik einbinden wollen, der sollte aufpassen: Ein paar farbige Seiten machen sich bei BoD und Co. nicht so stark in der Preissteigerung der Herstellkosten bemerkbar, aber alle Seiten in Farbe gedruckt zu bekommen, der sollte eindeutig Lulu allein schon wegen des Preises den Vorzug geben (wenn die Vertriebsmöglichkeiten von Lulu nicht so bescheiden wären).

Soweit so gut. Dem eigenen Werk auf dem Markt Geltung zu verschaffen, ist nicht einfach und kein Selbstläufer. Das Verlagswesen und sein Buchhandel sind definitiv nicht fair. Es hilft darum auch nicht, den Markt aushebeln zu wollen. Es bleibt nur das Beste daraus zu machen.

Die Bucherstellung liegt völlig in der Hand der Autoren, falls der sich entschlossen hat, sein Werk selbst im Umlauf zu bringen. Andere sehen die neuen Möglichkeiten, die sich ergeben haben. Seit die Digitalisierung des Drucks voranschreitet, ist der Markt reif für das „Buch 2.0“ geworden. „Buch 2.0“ ist jedoch kein bequemer Klappstuhl, von dem aus beobachtbar ist, wie sich das eigene Buch zum Perpetuum mobile zweiten Grades entwickelt. Geschweige denn, dass es überhaupt erst einmal zum Perpetuum mobile (Selbstläufer) wird.

Die Möglichkeit der Designer seines eigenen Buches zu sein, bringt Vorteile wie Nachteile. Vorteil wie Nachteil ist, dass die Verantwortung bei Buch und Inhalt beim Autor selbst liegt. Als ich die erste Ausgabe meines Büchlein vor mir hatte, war mir bereits klar, was ich völlig unberücksichtigt gelassen hatte.

Ein Buch an sich ist schon fast standardisiert aufgebaut. Wer viel liest, dem wird es dann auffallen, wenn gegen diese Standards verstoßen wird. Die ersten beiden Seiten eines Buches haben keine Funktion (maximal mit Widmung und/oder Informationen über Buch und Autor), die nächste trägt den Haupttitel, die vierte das Impressum, die nächsten sind entweder das Inhaltsverzeichnis oder es beginnt das erste Kapitel. Und jedes Kapitel startet immer auf der rechten Seite (mit der ungeraden Seitenzahl)

Ein weiterer Punkt ist Rechtschreibung und Grammatik: Ein Buch mit Grammatik- und Rechtschreibfehler ist für den Leser ein absolutes Ärgernis. Um Rechtschreib- und Grammatikfehler zu verhindern, ist mindestens ein passendes Textverarbeitungsprogramm mit entsprechender Funktion erforderlich. Ansonsten bleibt nur ein Lektorat durch Freunde und Bekannte oder durch eine professionelle Lektoratsstelle. Alle Druckverlage bieten diese Lektoratsdienstleistung kostenpflichtig an.

Zudem würde ich von Internet-Hilfsmitteln der Druckverlage zur Buchcover-Erstellung abraten. Was für die Privattaschenbucherstellung vielleicht noch denkbar ist, wird einer Veröffentlichung nicht gerecht. Die Druckverlage bieten auch hierfür unterschiedliche Dienstleistungen an, die ihren Preis haben. Im Internet finden sich auch Druckverlagsunabhängige Personen, die bei der Buchgestaltung unter die Arme greifen und ihre Dienstleistungen anbieten (z.B. http://www.design.ulinne.de ).

Einen besonders interessanten und lohnenswerten Tipp fand ich hierbei im Buch-Shop von Lulu. Auf dem folgenden Internet-Link (bitte hier klicken) kann sich jeder das Buch „BUCH & COVER HILFE!“ kostenlos herunter laden. In dem Ebook findet sich dann das Angebot, dass der Autor demjenigen bei der Buch-Cover-Gestaltung Unterstützung zusichert, der sich das Buch als Druckausgabe bei Lulu (15,57 €) bestellt. Das Ebook an sich ist selbst schon eine große Hilfe, wer sich mit den oft unbeachteten Details der eigenen Bucherstellung beschäftigt.

Nebenbei, es ist immer ein guter Tip, sich alles Foren der jeweiligen Druckverlage durchzulesen. Insbesondere das Forum bei BoD (zu finden unter http://www.bod.de/autorenpool/index.php ) bietet viel Hilfe bei unterschiedlichsten Fragen.

Eine weitere Entwicklung von „Buch 2.0“ ist der verstärkte Weg zum Ebook. Wie bei demvorhin vorgestellten Buch zu erkennen, ist der Download kostenlos, die Druckausgabe kostet aber 16 € mehr. Der Trend, sich Bücher auf ein mobiles Gerät (Smartphone, Kindle, iTouch, etc.) zu laden, um es später dann dort zu lesen, wird sich immer mehr verstärken. Wer dieses beim Verlegen seines Buchres mit berücksichtigt haben will, der wird bei BoD nicht fündig werden. Dagegen bieten Druckverlage wie Lulu oder tredition diese Formate an. Der Vorteil ist sicherlich, dass man unabhängiger vom Vertriebskanal „Buchhandel“ ist und sich eigene Vertriebswege im Internet für sein „Buch 2.0“ finden kann.

Fortsetzung: Bücher zum Selberbasteln – Softwareunterstützung bei der Bucherstellung (5)

Bücher zum Selberbasteln – Drei Verlage, drei Druckergebnisse (3)

Der Link zu den Teilen zuvor:
Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)
Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)

***

Wie man selbst zum privaten Buch kommt, hatte ich oben in den zwei Blogeinträgen bereits beschrieben gehabt. Was noch fehlte, war das Endergebnis meiner Bestellungen. Gestern kam die letzte Auslieferung und somit kann ich ein Fazit der Privatbücher ziehen.

Kurz nochmal zur Erinnerung. Aus dem Erbe meines Vaters hatte ich dessen Memoiren eingescannt und dann jeweils formatiert drei Verlagen zur Drucklegung übergeben:

  • dem Book on Demand-Verlag (BoD) mit Sitz in Norderstedt (bod.de)
  • dem Lulu-Verlag mit europäischem Sitz in der UK (lulu.com) und
  • dem Epubli-Verlag mit Sitz in Berlin (epubli.de)

Am 20. November bestellte ich jeweils ein Exemplar bei BoD und bei Lulu, zwei Tage später (am 22.) eines bei Epubli. Am 2. Dezember kam das Buch von Lulu und von Epubli in meinem Postkasten an. Epubli lieferte somit binnen acht Werktagen. Lulu benötigte 10 deutsche Werktage mit ihrer Lieferung des gefertigten Buches aus England (acht englische Werktage!). Lediglich BoD benötigte mehr Zeit und sein Exemplar traf am 3. Dezember (11 Werktage Lieferdauer) bei mir ein.

Wie ich bereits im ersten Blogeintrag dieser Kurzserie erwähnte, blieben die Versandkosten und die Kosten der Verpackung bei der BoD-Bestellung mit völlig im Dunkeln. Nachdem ich die Rechnung von BoD erhalten habe (das Buch war einfoliert in einem stabilen Pappumschlag), sind auch diese Kosten endlich klar. 85 Euro-Cent (Buchversandkosten) kommen damit auf den Buchpreis drauf.

Epubli hatte mir für die Verpackungs- und Versandkosten 4,95 Euro in Rechnung gestellt. Geliefert bekam ich das in einer Plastikfolienhülle eingepackte Buch in einem stabilen DIN A4-Pappumschlag, handfrankiert mit 1,45 Euro Normalpost aus Berlins Oranienstraße.

Lulu hatte mir für die VV-Kosten 7,99 Euro in Rechnung gestellt. Geliefert wurde per Eilbriefsendung („Priority-Mail“; analoge Kosten bei der DP ca. 8,50 Euro) aus dem Land der angelnden Sachsen.

Aufgrund dieser Erfahrungen stellen sich die Kosten für eine Privat-Buchbestellung anders dar:

Fun-Buecher

Lulu bleibt aufgrund seiner Anlieferung aus England der kostenintensivste Buchdruckverlag. Es können zwar ein paar Euros gespart werden, wenn man den Versand mit normaler Post durchführen lässt. Jedoch bleibt Lulu geldaufwendiger, je mehr Seiten das eigene Buch aufweist.
Epubli wird seine Gründe haben, einen normalen Großbriefversand (statt Büchersendung) durchzuführen. Die VV-Kosten von 4,95 Euro von Epubli verschaffen BoD einen komfortablen Kostenpuffer.
BoD bleibt selbst bei einem Taschenbuch mit 200 Seiten die kostengünstigste Druckwerkstatt der eigenen Schreibkunst. Denn nur BoD greift auf die kostengünstige Versandform „Buchsendung“ zurück.

Doch nun zu den Büchern an sich:

Epubli:
Epublis Buch hat mich am meisten mit dem glänzenden Buchumschlag überrascht. Erwartet hatte ich mir von dem Buchumschlag wenig. Epubli bietet seinen Kunden wenig Unterstützung, auf Design-Seiten ein attraktives Äußeres für das geplante Buch zu gestalten. Entsprechend eintönig sieht denn nun auch meine Auswahl aus. Auf der Rückseite konnte auch kein Buchtext verfasst werden. Allein der Barcode und die Internetadresse von Epubli wurden dort noch aufgebracht. Würde ich jemanden das Buch auf der Straße schenken, ich wette die erste Reaktion wäre »Boah ein Reclam-Heft! Ach nö, doch nicht«, denn dieses Exemplar hat eher das Aussehen eines Arbeitsexemplares für den Deutschunterricht. Fire and forget.
Wer sich nicht in Eigenregie ein Buchcover entwirft und es bei Epubli zu seinem Druck hochläd, der wird letztendlich zum einen mit einem schmucklosen Äußeren, zum anderen mit 4,95 Euro Verpackungs- und Versandkosten bestraft.
Auch der Beschnitt des Buches ist nicht wirklich als erstklassig zu bezeichnen. Am Beschnitt sind Wellen zu erkennen. Beim leichten über-den-Umschlag-gleiten-lassen der Finger spüren diese einen gratigen Buchumschlagrand.War das Messer nicht mehr scharf? Gab es gar eine »Aufbauschneide«? Vielleicht ist es aber auch handgeschnitten mit einem alten »Fallbeil« aus Holzbrincks Devotionalienhandel der Gutenberg-Zeit, genauso wie der Briefumschlag liebevoll handfrankiert wurde (kein Grat an der Briefmarke!).
Das Druckbild ist sauber. Zwei Graustufenbilder (eingescannte Dokumente) hatte ich in die Druckdatei eingearbeitet gehabt. Sie sind einwandfrei wiedergegeben. Auf der letzten Druckseite findet sich rechts unten der kleine Barcode von Epubli, nicht weit unterhalb des Schlussworts. Auf diese technische Ergänzung wurde seitens Epubli nicht hingewiesen. Sie findet sich aber eindeutig in der Vorschau-Ansicht des Buches und ist von mir übersehen worden.
Und noch eine kleine aber nicht unbedeutende Kleinigkeit, die ich ersthaft lobend hier erwähne: Titel und Autor finden sich auf den sehr schmalen Buchrücken. Zwar sind sie in Ameisengröße, aber diese Angaben sind vorhanden, sauber und einwandfrei. Weder BoD noch Lulu wiesen den Buchrückendruck auf, da denen mein Buch zu schmal war..

Lulu:
Da Lulu kein deutsches Taschenbuchformat (12x19cm) anbietet, griff ich hierbei auf das amerikanische 6×9-Zoll-Format zurück. Von allen drei Druckverlagen macht der Buchumschlag von Lulu am meisten her. Das liegt zum einen an der Möglichkeit, ein Foto ganzflächig auf der unteren Buchdeckelhälfte zu platzieren und zum anderen es mit von Lulu-angebotenen Werkzeuge farblich auf den Rest der Umschlaggestaltung anzupassen. Auch wenn das Buch mit nur 38 Seiten richtig dünn ausfällt, das Format gleicht optisch einiges aus.
Der Beschnitt des Buches ist fast erstklassig. Die letzte Seite hatte sich offenbar vor dem Schneiden gefaltet gehabt, sodass die Ecke der Seite ein künstlich gerissenes Eselsohr mit strenger Knickfalz aufweist. Diese falsch beschnittene Ecke hatte ich schon bei Nicht-Remitenten. Sowas ist zwar ärgerlich und definitiv auch reklamationswürdig, aber verschmerzbar.
Das Druckbild ist – bis auf eine Extra-Linie in einem Buchstaben im Text – einwandfrei. Die eingescannten Dateien werden aber mit erheblich mehr Grautönen dargestellt. Hierdurch erhalten die Grafiken einen sichtbaren Weiß-Grau-Rand. Weder bei Epubli noch bei BoD fiel mir das zuvor auf.
Auf der Buchrückseite findet sich lediglich der selbst geschriebene Buchtext und darunter der Barcode. Ein weiterer Hinweis – wie bei Epubli oder BoD – auf den Druckverlag wurde nicht mit aufgedruckt.

Book on Demand (BoD):
Hier macht das Taschenbuch den besten Eindruck. Das Buch könnte aus der Buchhandlung gekommen sein. Folienverschweißt und ein beanstandungsfreier Beschnitt. Das Druckbild ist ohne Mangel und die eingescannten Dokumente geben keinen Grund zum Beklagen. Auf der Buchrückseite findet sich sowohl der Barcode als auch das Logo von BoD in gleicher Größe. Da ich einen dunkelbraunen Umschlagton ausgewählt hatte, fällt das blaue BoD-Logo recht heftig aus dem Rahmen. Und das trübt etwas den gesamten guten Eindruck seitens des Druckverlages.
Will jemand diese Augenfälligkeit des Logos mindern, so müsste dann der Umschlag in den Logo-Farbtönen von BoD gehalten werden. Gut. Stände da jetzt PIPER oder KNAUR, dann wäre es wahrscheinlich mir egal, obwohl deren Logo raumgreifender ist als jenes von BoD. Es ist halt eine Augenfälligkeit, wenn sich die eigens gewählte Umschlagfarbe mit dem Logo-Blau von BoD beißt.

Quintessenz:

Von der Textformatierung über die Bestellung bis hin zum Empfang des Buches gibt es von den drei Druckverlagen schon jetzt einen, der es mir einfach gemacht hat: Epubli kommt an meine Ansprüche nicht heran. Schnittfehlers führen im Buchhandel zu Remitenten, die immer wieder gerne auf dem Wühltisch verkauft werden. Dass so eine Ware zur Auslieferung kommt, deutet auf nicht greifende Qualitätsregelkreise hin. Wenn bei einer Einzelbuchfertigung dieser Fehler nicht beseitigt wird, um dem Kunden ein einwandfreies Produkt zur Verfügung stellen zu können, was muss dann in einer größeren Bestellung erwartet werden? Ein solcher Beschnittfehler darf bei einer korrekt ablaufenden vorbeugenden Wartung der Betriebsmittel nicht auftauchen. Das Beschneiden von Büchern gehört zu der Kernkompetenz eines Druckverlages. Wenn die schon bei einem Einzelbuch nicht korrekt nachweisbar ist, wie sieht es dann mit den anderen Kompetenzen bei größeren Aufträgen aus?
Ein weiterer Punkt sind auch die VV-Kosten. Kundenfreundlichkeit bedeutet nicht, dass jemand eine Sondermarke zum Frankieren aufklebt (ich bin kein Philatelist mehr), sondern dass man den Bedürfnissen der Kunden auch monetär Rechnung trägt und Kosten vermindert. BoD macht es beispielhaft vor.
Epubli war für mich ein »Fire ’n Forget«-Versuch mit »Quick ’n Dirty«-Ergebnis: Zum Drucken von Privatbücher werde ich mich dort nicht mehr umschauen.

Lulu und BoD sind letztendlich die Kandidaten einer engeren Wahl.

Lulu hatte mir das Buch in einem sehr präsentablen Zustand zugeschickt. Bis auf die beiden kleineren Einzelfehlern, die keine systematische Fehlerursache bei der Produktion haben dürften, macht das buch optisch einen starken Eindruck.
Lulu krankt jedoch daran, noch kaum Fuß in Deutschland gefasst zu haben. Diese macht sich nicht nur auf deren Internetseite bemerkbar, wenn ein weiterführender Hyperlink auf einer englischsprachigen Seite endet. Lulu verdirbt sich seine Preise letztendlich durch seine unvermeidbaren hohen Portokosten (Versand aus UK nach D). Sollte Lulu mehr auf die Bedürfnisse des deutschen Marktes eingehen, würde Lulu zu einem ernsthaften Mitwettbewerber von BoD werden.

Es bleibt nur noch BoD. BoD bringt den Kunden dem Traum vom eigenen Privatbuch wirklich näher. Ich selber hatte an dem gelieferten Produkt nichts auszusetzen. Und schaue ich bei der Herstellung des Privattaschenbuchs rein aufs Geld, so bleibt eigentlich wirklich nur noch BoD. Dieser Druckverlag liefert im Bereich der Fun-Bücher bislang den meisten Mehrwert. Die beiden anderen lieferten mir entsprechend Wenigerwert.

Momentan sieht es für die Privatbuchherstellung in der Dreieckskonstellation BoDEpubliLulu so aus, das BoD fett im Geschäft sitzt, Epubli sich mit wenig Aufwand aber mit guten eigenem Kosten-Aufwand-Verhältnis (effizient und effektiv zugleich) am Geschäft beteiligen will und Lulu wie der Ferrari auf dem Kölner Ring zur Hauptverkehrszeit erscheint (ausgebremst und nicht wirklich effektiv).

Um es nochmals klar zu sagen: die Quintessenz bezieht sich nur auf Bücher mit Softcover (Taschenbuchausgaben mit geklebter Bindung). Bei höherwertigen Hardcover-Bücher (also Bücher mit gebundenen Rücken) kann die Bewertung aber ganz anders aussehen. Allerdings würde ich mit meinen jetzigen gemachten Erfahrungen eine Hardcover-Version eines anderen Druckes nur mit Lulu oder BoD planen. Bevor ich bei Epubli einen Hardcover in Auftrag geben würde, müsste ich erst einmal ein anderes zur Begutachtung in den Händen halten.

Und: meine Quintessenz bezieht sich nur auf eine Momentaufnahme der Fähigkeiten der Druckverlage. Das heißt, an einem anderen Tag (also nicht so kurz vor Weihnachten, sondern meinetwegen im Januar) könnte das Ergebnis wieder anders aussehen. Der Dreikampf »Lulu-BoD-Epubli« könnte dann über das Erscheinungsbild des fertigen Produktes wieder anders ausgehen. Allerdings wage ich hier meine Prognose, dass ich von Epubli noch immer genauso begeistert sein könnte.

Und: Sollte jemand privat seine eigene „Bibel“ oder seinen eigenen „Krieg und Frieden“ geschrieben haben und dieses Werk dann an alle seine 32 Familien- und Verwandschaftsmitglieder schenken wollen, so sei der Hinweis erlaubt, dass BoD beim Bestellvorgang die VV-Kosten nicht transparent darstellen wird. Die VV-Kosten können dann von der einfachen Black-Box zu einer harten „Büchse der Pandorra“ in Bezug auf den Preis pro Buch werden. Zwar erfährt man bei Lulu die VV-Kosten, aber leider erst nur beim Bestellvorgang. Bei beiden Verlagen hilft hierbei das Abschätzen des Gewichts des eigenen Werkes und das Studium der Tabellen der Deutschen Post (für BoD) oder der USPS („United States Postal Services“ für Lulu).

Ausblick:

Wenn ich vorhabe, meine Bücher zu veröffentlichen, wie sieht es mit Lulu, Epubli, BoD und den anderen bereits erwähnten Druckverlagen aus?
Das Ganze ist nicht so einfach. Auch mit dieser Frage habe ich mich beschäftigt. Anhand vier Verlage habe ich eine Übersicht erstellt, was die Kosten gewesen wären, würde ich das 52-seitige Taschenbuchheft mit den Erinnerungen meines Vaters auf den Markt gebracht haben.

Empfehlenswert für alle eigenen Druck-Vorhaben ist es, die Gestaltung des Umschlages in eigener Hand zu nehmen. Das eigene Buch gewinnt sicherlich mehr als alle drei oben erwähnten Druckverlage mit ihren Vorlagen anbieten können. Im nächsten Teil werde ich weiterführende Gestaltungshinweise zum Buch-Cover und zum Inhalts an sich geben. Nein, es werden keine High-End-Tipps an sich sein. Aber zumindest ein paar Gehhilfen, um zu einem besseren Ziel zu gelangen. Ganz konkret, ich werde auf Anfängerfehler hinweisen, die mir nach dem Erhalt meiner Bücher gleich selbst aufgefallen sind.

Eine weitere Frage, die nicht nur ich hatte, der ich auch im Internet immer wieder begegnete, betrifft die Frage nach Software-Unterstützung beim Schreiben des Buches. Welche Softwaren, die extra auf Autoren abzielen, gibt es? Worin unterstützen sie und wie sieht der Vergleich zu den Office-Paketen aus? Nicht alle marktverfügbaren Softwaren werde ich betrachten. Ich fand aber einige Software-Helferlein, die nicht erforderten, die Urlaubskasse zu plündern.

Dieses findet sich in dem nächsten und definitv letzten Teil dieser Serie.

Fortsetzung: Bücher zum Selberbasteln – Sein eigenes Buch veröffentlichen (4)

Wasserstandsmeldung

Und nun mal die aktuelle Wasserstandsmeldung:
Es stand mir bis zum Hals.
Gesundheitlich.
Grippe.

Jetzt könnt Ihr Euch ja denken, was in solchen Fällen bei Ärzten passiert. Die ziehen einen sofort vom Arbeitsmarkt ab und stecken diesen dann für die restliche Woche ins Bett.
Gelbe Karte sozusagen. Für Arbeitsgeber und Krankenkasse, zu verteilen von Arbeitnehmer. Damit alles seine Richtigkeit hat und nicht Arbeitnehmerlein wegen Überschreitung von irgendwelchen Kulanzgrenzen vom Platz gepfiffen wird.

Jetzt hat mein Arzt sofort 1 und 1 auseinandergezählt und meinte:
»Ha! 1 ´n 1! Dat hammse! Sischer dat!«
Abstrich gemacht, Blut gezogen, alles ins Labor geschickt und paar Tage später zerknirscht am Telefon:
»Hönnse mal! Jeet et ihne wieder? Sie haben die Schweinegrippe nicht. Is´n ganz normaler Grippevirus. Und überhaupt, sie haben schon Schweinegrippen-Antikörper in ihrem Blut. Woher haben Sie die denn her? Hatten Sie überhaupt schon die H1N1-Grippe gehabt? Warum hammse nichts gesagt? Man hätte Ihnen doch helfen könne.«

Ja, das stimmt. Offenbar hatte ich die schon routinemäßig abgearbeitet gehabt. Abgewickelt sozusagen. Anfang November. Es war wie eine leichte Erkältung vorüber gegangen. Hatte mich nicht wirklich großartig gestört. Dauerte auch nur von Freitag Abend bis Sonntag Mittag.
Von einem Kind habe ich mir die Gruppe partywilliger H1N1-Viren eingefangen. Aber der Körper des Kindes hatte ebenfalls kein Bock auf Party. Lediglich leichte Erkältungssymptome machten sich bemerkbar. Da waren die H1N1-Viren wohl beleidigt und sind dann zur nächsten Party-Location gezogen. Zu mir. Wieder so eine Virenspassbremse. Da war nichts gravierendes in meinem Körper zu bemerken. H1N1? Sicher, H1N1-Light sozusagen.

14 Tage später hatte sich ein Kollege das volle H1N1-Vergnügen abgeholt: Samstag ging es los, Montag war er schon krank und am Dienstag Morgen vermeldete er den H1N1-Laborbefund.

Und am Dienstag Vormittag kam dann das Sondereinsatzkommando mit Desinfektionsmittel und hat seinen Arbeitsplatz geputzt. Einfach so. Nachdem er schon 3 1/2 Tage nicht mehr am Arbeitsplatz was angefasst hatte. Und die Türklinken wurden desinfeziert. Alle. Sicher ist sicher. An dem Tag titelte Kai Diekmanns BILD auch schon wieder die nächste H1N1-Weltuntergangsmeldung: Die zweite Welle sei im Anmarsch und es sei erforderlich, noch mehr zu desinfizieren.

14 Tage lag der Kollege flach. Jetzt lacht er wieder und freut sich: Impfung gespart. Von mir hatte er es aber nicht. Die Viren hatte er sich offenbar in vollen Zügen der DB reingepfiffen.

Hm.
Ich hab jetzt einen taktischen Fehler begangen. In meiner Firma hätte ich mich jetzt als H1N1-Leidender outen sollen. Mein Schreibtisch wäre endlich mal wieder geputzt worden. Zu spät. Ne stinkelig piefig normale Grippe entlockt nicht mal nem Schwein ein Grunzen.
Egal.

Und darum jetzt nochmals die aktuelle Wasserstandsmeldung:
Ich han‘ den Kanal noch lange net voll.
Wenn ich schon sowas wieder schreiben kann, dann werd‘ ich noch ne ganze Menge leben.

Die wohlfeile Blitzbestellung

Bestellung

Jedes lieferbare Buch wird innerhalb 24 Stunden bestellt? Wahnsinn. Ich selber schaffe eine Bestellung in 5 Minuten bei amazon.de, wenn es lieferbar ist … .

Wenn das eine gemeint sein soll, aber das andere geschrieben wurde, sollte lieber das Geschriebene umgeschrieben werden, damit das Ungeschriebene geschrieben steht.

Oder dem Käufer erklären, dass die berufliche Zielerreichung der Bestellung einer Verkäuferin dann erfüllt ist, wenn diese das Buch in den nächsten 24 Stunden bestellt hat. …

Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)

Der Link zu dem ersten Teil:
Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)

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Aufgrund meiner eigenen Neugierde habe ich mich inzwischen bei zwei weiteren Verlagsdienstleistern angemeldet.

Der eine Dienstleister ist ein Unternehmen der Verlagsgruppe Georg von Holzbrinck. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH, ein Familienunternehmen, hat seinen Sitz in Stuttgart. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH publiziert in klassischen und elektronischen Medien. Dieser Gruppe gehören auch die sozialen Netzwerke schülerVZ, studiVZ und meinVZ. Auch Die Zeit und das Handelsblatt gehören zu dieser Verlagsgruppe.

Als Verlagsdienstleister hat die Verlagsgruppe Georg von Holzbrinck das Produkt „epubli – Buchdruck von morgen“ (http://www.epubli.de) auf den Markt gebracht.

Der andere Verlagsdienstleister ist tredition (http://www.tredition.de), welches seit Anfang 2007 besteht. tredition gehört keiner großen Verlagsgruppe an, sondern wurde von vier Menschen gegründet, die in das Verlagsgeschäft eingestiegen sind.

Während epubli sich an das gleiche Publikum wie lulu und BoD richtet, ist die Ausrichtung von tredition eher auf Audiobools und Ebooks. Gedruckte Bücher kommen bei tredition erst an dritter Stelle und sind ein angebotenes Nebenprodukt der Ebooks. Somit ist tredition eher etwas für Leute, die Bücher schreiben und diese dann im größeren Stil vermarkten wollen. Entsprechend ist auch der Autorenvertrag zwischen tredition und Autor gehalten. Wer mit tredition lediglich ein Dutzend einzelne Bücher herstellen will, ist dort nicht so gut aufgehoben.

Ich habe jetzt bei diesen vier Dienstleister verglichen, was die reine Bucherstellung (Schwarz-Weiß-Druck) kostet. Der Vergleich richtet sich also an all die, welche ein Buch nur für sich erstellen möchten (Fun-Buch).

tredition habe ich trotz seiner Ausrichtung auf spezielles Klientel mit in den Vergleich mit hinein genommen.

Schwierig war es lulu mit BoD und epubli direkt zu vergleichen. Das Problem ist das Angebot der Buchformate. Während BoD und epubli das normale deutsche Taschenbuchformat 12x19cm anbieten, finden sich bei lulu nur ähnliche Formate, welches sich nach dem amerikanischen Zoll-Maßsystem richtet.

Ich habe hierzu das lulu-Format 15,24×22,86cm (lulu-US Trade-Format) und das lulu-Format 10,795×17,463cm (lulu-Paperback) gewählt und anhand meiner im ersten Teil erstellten Datei das Verhältnis auf das Taschenbuchformat 12x19cm umgerechnet.

Das bedeutet, dass der gleiche Text des Taschenbuchformat 12x19cm mit 52 Seiten im lulu-US Trade-Format 38 Seiten ergab. Im lulu-Paperback waren es 64 Seiten. Mir ist klar, dass je nach Art des Textes die Seitenzahl schwanken kann. Dieses kann sich im Buchpreis auf eine Abweichung von 10 Euro-Cent nach oben oder nach unten auswirken. Es hängt vom Text ab.

Mit all diesen Daten (basierend auf ein von mir erstelltes Buchdokument) habe ich die folgenden Preisverläufe (Stand: 23. November 2009) abhängig von der Seitenzahl des Buches in einer Grafik eingebaut:

Preise_Grafik

Hieraus ergibt sich, dass BoD bei einer Seitenzahl bis zu 100 Seiten die kostengünstigere Variante ist. Bei höheren Seitenzahlen ist epubli von allen Anbietern preislich der Günstigere.

Anhand der Grafik zeigt sich auch die Verwendbarkeit von BoD. Für Bücher mit wenig Seiten ist BoD am Günstigsten, wird aber schon ab einer Stärke von ca. 125 Seiten sogar in der Herstellung teurer als das Angebot lulu-US Trade-Format. Nach 200 Seiten hat BoD sogar das Angebot lulu-Paperback übertroffen.

Interessant ist bei diesem Vergleich auch, dass lulu-Paperback immer teurer ist als das Taschenbuch-Format von tredition. tredition wird also dann interessant, wenn jemand größere Publikationen (mehr als 200 Seiten) mittels EBook, Audiobook und mit zusätzlich angeschlossenem Print-Book (auf deutsch: das ausgedruckte Buch) auf den Markt bringen möchte.

Lulu scheint somit bei Büchern bis 125 Seiten abgeschlagen zu BoD und epubli. epubli könnte nach dieser Grafik also eine Empfehlung sein. Dieses stimmt erst einmal, wenn man sich lediglich die Produktionskosten anschaut und sich nur auf die Angebote ohne Veröffentlichung mit ISBN-Erteilung einlässt (also reine Privat-Editionen). Und es stimmt auch nur, wenn man all die Randbedingungen unbetrachtet lässt, die unter dem Bereich ‚Service‘ und ‚Unterstützung‘ für die Privat-Autoren fallen. Denn epubli bot weniger Unterstützung beim Buch-Design als es von BoD und Lulu angeboten wird. Hierzu hatte mir Prinz-Rupi einen treffenden Kommentar gegeben (Link).

Auch die Versandkosten habe ich jetzt außen vor gelassen, da ich diese von epubli, BoD und Lulu nach Erhalt der von mir bestellten Bücher mit einberechnen werde.

Dieses ist erst nur ein Zwischenbericht, was die Kosten anbetrifft. Wichtig dabei ist zu beachten, dass ich als Basis meine Buchvorlage gewählt hatte. Bei anderen Buchvorlagen können sich ohne Zweifel Verschiebungen ergeben. Die Tendenz für die Buchdruckkosten wird aber trotz dieser Verschiebungen die Gleiche bleiben.

Erhebliche Verschiebungen kommen aber dann, wenn der Autor überlegt, nicht nur ein Privat-Buch zu erstellen, sondern es wirklich auf dem Büchermarkt heraus zu bringen. Hierbei fallen bei allen Anbietern Zusatzkosten an, die unterschiedlich sind. Auch die darin dann enthalten Dienstleistungen, ein Buch auf den Markt zu bringen sind unterschiedlich.

Darum wird das, was über diese Kosten hinaus geht, im dritten Teil meiner Kleinserie enthalten sein.

Wie schon geschrieben, das geschieht, sobald ich alle meine bestellten Privat-Bücher bekommen habe.

Fortsetzung: Bücher zum Selberbasteln – Drei Verlage, drei Druckergebnisse (3)

Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)

Langsam setzt die Weihnachtsgeschenkepanik ein. Oder auch nicht. Es kommt nur darauf an, wie schnell einem eine Idee kommt. Mir kam die Idee ein echtes Buch mal mittels eines Buch-Dienstleisters selber zu erstellen.

In meinen Archiv der nützen und unützen Staubfänger fand ich aus dem Nachlass meines Vaters dessen Memoiren. Er hatte vor 15 Jahren seine Erinnerungen niedergeschrieben und mir dann – „Ich hab dir schließlich geholfen den Computer zu kaufen“ – zum Abtippen und Binden – „Du hast mir mal gesagt, an Eurem Institut könnt ihr Bücher binden“ – gegeben.

So saß ich damals an meinem 386er 40 MHZ (sic!) und tippte das in „WordPerfekt für DOS“ (sic!), was ich so aus meines Vaters Handschrift entziffern konnte. Er hatte eine Vorkriegshandschrift und seitdem ich sie entziffern gelernt hatte, machen mir andere kryptischen „Sauklauen“ (wie die meinige) keine wirklichen Probleme mehr.

Leider musste ich jetzt feststellen, dass die CD mit den Originaldateien Datenverlust verzeichnet. Die CD war altersbedingt unlesbar geworden. Totaler Datenverlust. Vielleicht hätte ich ja mal vorher die CD umbrennen sollen …

CD-Datenverlust hin, CD-Datenverlust nach 15 Jahren her, das Papier, auf dem ich damals ausgedruckt hatte, zeigte keinen Datenverlust. Den Nachlass meines Vaters mit seinen Erinnerungen habe ich jetzt nicht nochmals abgetippt. Es gibt ja Scanner und OCR-Software.

Das Ergebnis davon war also eine verwertbare Datei, die ich zu einem Buch umsetzen wollte. Und dieses habe ich vorgestern bei „BoD“ (Books on Demand GmbH, Norderstedt; http://www.bod.de) durchgeführt.

Gestern las ich dann den Eintrag von Prinz Rupi in seinem Blogeintrag Autor sucht Verleger (5): Der direkte Weg zum eigenen Buch. „Lesen“ ist jetzt allerdings ein wenig zu viel behauptet. Er hat dort in seinem Eintrag ein YouTube-Video verlinkt, welches einen wirklich erhellenden und kurzweiligen 55-Minuten-Vortrag von ihm zeigt (Link: YouTube-Video). In diesem Vortrag geht er besonders auf die Möglichkeiten ein, über Buch-Dienstleister ein eigenes Buch kostengünstig zu produzieren. Er bezog sich hierbei besonders auf „BoD“ (http://www.bod.de) und „Lulu“ (http://www.lulu.com).

Angeregt durch diesen Vortrag habe ich gleich meine Daten nach der Anmeldung auch bei Lulu hoch geladen.

Sowohl bei BoD als auch bei Lulu habe ich die jeweils Option gewählt, welche recht nah an einem veröffentlichbaren Buch liegen. Im Grunde müsste ich bei beiden nur noch eine ISBN beantragen, etwas mehr Geld hinblättern und schon würde jeder die Memoiren meines Vaters bei amazon.de bestellen können.

Bei BoD ist diese publikationsnahe Dienstleistung das „BoD-Fun“-Angebot. Bei Lulu gibt es so etwas explizit nicht, aber wie sich nachher zeigt, wird m.E. jedes Buchprojekt erst einmal privat angelegt und ist dann per Mausklick der Weltöffentlichkeit im Buchhandel zur Verfügung stellbar.

Was ich hier nur zeigen möchte, sind die Unterschiede zwischen BoD und Lulu. Die Unterschiede, die mir direkt auffielen und die mir bei dem einen besser gefiel als beim anderen.

Basis war ein Foto (zur Buchtitelgestaltung) und die entsprechende Datei, um ein Paperback-Buch zu erstellen.

Das Ergebnis bei „BoD“:
Um ein Paperback zu erstellen sind mindestens 52 Seiten erforderlich. Bei der Buchgröße von 12×21 cm musste ich ein wenig bei den Formatierungen nachhelfen, um auf die 52 Seiten zu kommen.
Der Preis des Buch-Exemplar beträgt 3,62 EUR. Zu Porto-Kosten fand ich keine Angaben. Ebenso wenig zur Dauer bis zum Erhalt des Exemplars.
Die Bezahlung soll auf Rechnung erfolgen. Der Einfachheit halber habe ich dort meine Kontodaten mit Einzugsermächtigung hinterlassen (no risk, no fun).

Das Ergebnis bei „Lulu“:
Die Größe des Paperback-Buchs hatte ich mit 15.24×22.86 cm (6×9“) gewählt, was 38 Seiten ergab. Der Preis des Buch-Exemplar beträgt 7,38 EUR (bei 2 Exemplaren gäbe es schon 10% Rabatt). Das Drucken dauert normalerweise 3-5 Werktage plus Versand mit 7,99 EUR für 5-12 Werktagen. Die Bezahlung erfolgt entweder über Kredit- oder Kontodaten oder über PayPal.

Jetzt zu den einzelnen Punkten bei der Unterstützung zur Buchgestaltung der beiden Anbieter:

Monetäre Bewertung:
Vom Preis her dürfte einwandfrei BOD gewonnen haben. Unklar sind mir aber deren Versandgebühren. Ich werde es wohl noch erfahren.

Buch-Cover-Gestaltung
Eine reichhaltige Vielfalt der Buch-Cover-Gestaltung mit entsprechenden Vorlagen bietet BOD. Lulus Vorlagen sind nicht so reichhaltig. Auffällig war aber, dass die Fotogestaltung auf den Buch-Covern bei BoD recht bescheiden war, während Lulu eine Anpassung der Fotos über Größe und Ausschnitt ermöglichte.

Anwenderfreundlichkeit
Die Anwenderfreundlichkeit bei der Buchgestaltung (sprich: formatieren etc.) geht eindeutig zugunsten von Lulu. Lulu bietet für alle angebotenen Buchgrößen entsprechende Formatvorlagen. Die Formatierung verlief damit sehr einfach. Und das schöne, die Vorlagen sind im Word-doc-Format und im rtf-Format. Mit der aktuellen Version von Open Office hatte ich keine Probleme die Vorlagen zu nutzen.
BoD bietet hierbei gar nichts. Wer die Seiteneinstellung bei dem eigenen Daten nicht korrekt durchführt, wird möglicherweise Überraschungen wegen falschem Buchformat erleben. Die Hilfetexte von BoD auf deren Portal haben mir nicht sonderlich viel Licht ins Dunkle gebracht. Zumindest ich hatte nichts hilfreiches gefunden.
Was mir bei Lulu auffiel, waren zum Teil nicht ins Deutsche übersetzte Sätze im Englischen bei bestimmten Sachen. Für mich ist das kein Problem, für Englisch-Unkundige vielleicht schon.

Logistik und Rechnung
Transparenz in Sachen Rechnung und Lieferzeit liefert eindeutig Lulu. BOD hat es damit weniger. Eigentlich ist mir noch immer schleierhaft, wie lange ich auf mein Buchexemplar zu warten habe.

Portalbewertung
Für registrierte und angemeldete Anwender ist das Portal von BoD („myBoD“) im eigenen Bereich eindeutig aufgeräumter als bei Lulu („Mein Lulu“) und in vier klare Bereiche unterteilt. Allerdings gefällt mir der Aufbau von Lulu besser, weil ich mit der linken html-Menüleiste in meinem bereich kreuz und quer umherspringen kann. Wer klare Strukturen vorzieht, der wird bei Lulu leicht verschnupft reagieren und sich bei BoD wohl fühlen.

Datensicherheit
Erstmal habe ich keine Ahnung, wo meine Kontodaten sicherer sind. Im Zweifelsfall sind sie nirgendwo sicher, würde mir jeder Datenbeauftragte erzählen. Aber mir ist aufgefallen, dass meine Kontodaten bei BoD einmal eingegeben nicht mehr editierbar sind. Bei Lulu kann ich diese Daten selbständig editieren und/oder löschen. Sicherlich ist es für BoD praktischer, wenn sich jeder User bei Änderung der Kontodaten bei denen per Mail, Post oder Fax melden muss, anwenderfreundlicher ist aber hierbei Lulu.

Vorläufiges Fazit:
Lulu ist für die Erstellung eines Einzelexemplars sicherlich teurer als BoD. Auch bei den Vorlagen für die Covergestaltung glänzt BoD. Aber dann fällt eigentlich BoD im Vergleich zu Lulu ab.

Ausblick:
Was mir jetzt nur noch fehlt, ist der direkte Vergleich in Sachen Lieferung des Buches. Und freilich die Qualität der beiden Buchausgaben an sich. Sobald BoD und Lulu geliefert haben, werde ich dazu einen weiteren Blogeintrag verfassen und meine endgültige Bewertung dazu geben.

Nichtsdestotrotz, ich finde es faszinierend, wie einfach es ist, ein eigenes Buch zu erstellen. Dieses dann auf den Markt zu bringen, das ist dann wohl mit BoD und Lulu das kleiner Problem. Das größere Problem ist aber dann – wie immer – der Käufer. Aber der Weg zum Pulitzer-Preis war noch nie einfach.

Fortsetzung: Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)

Neugierde tötete Schrödingers Katze (Kneipengespräch)

Was vorher geschah:
Prolog, Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10, Teil 11, Teil 12

***

Tresen1

Ich starrte auf den Tresen. Er hatte mir geduldig zugehört. Bis seine Kölsch-Stange leer war. Dann orderte er eine neue, nahm einen Schluck daraus und schaute mich an.

– Wie furchtbar ist Wissen, wenn es dem Wissendem keinen Gewinn bringt.
– Du zitierst Lui Cifre aus dem Film „Angel Heart“?
– Ja. Und noch ein Zitat aus dem Film: Wie geschickt du dich an einen Spiegel heranschleichst, das Spiegelbild schaut dir direkt ins Auge.
– Ich bin nicht geschlichen.

Meine Kölsch-Stange war noch halb voll. Nur der restliche Schaum auf dem Kölsch schien mir eher „halb leer“ zu erzählen.

– Ich hatte dir ja erzählt, dass das Traktat von PentAgrion existiert. Du hast es ja selbst vor deinen Augen gehabt und auszugsweise gelesen.
– Es hat mir kein Glück gebracht. Es stand viel zu lesen drin.
– Und du hast viel erfahren, bei deiner Suche.
– Ich hab nicht gesucht.
– Stimmte, es hat dich gefunden.
– Gesucht. Gefunden. Wir haben uns getroffen. Zufällig.

Er leerte sein Kölsch mit einem weiteren Schluck. Der Wirt brachte ihm sofort ein neues und schaute mich dabei ironisch grinsend an.

– Und? Auch in Amsterdam nach PentAgrion gefahndet?
– Arsch.

Er lachte und entfernte sich wieder. Mein Nachbar setzte fort:

– Du hast einen Teil der Wahrheit gefunden.
– Meine Ehe ist ruiniert. Meine Frau will sich scheiden lassen. Momentan wohnt sie bei ihrer Mutter.
– Weil deine Frau eine der Möglichkeiten, warum man sich in einem Puff aufhalten kann, als die einzige Wahrheit gehalten hat.
– Ich meine, ich verstehe sie ja, dass sie glaubt, ich wollte dort. Aber sie glaubt mir nicht, dass ich nicht hatte.
– Sie sieht eine der Möglichkeiten als Wahrheit an.
– Was ist schon Wahrheit.
– Du zitierst den Statthalter Jerusalems, als er Jesus zum Kreuzigen verurteilt hatte.
– Na und?
– Angenommen ich werfe jetzt mein Kölschglas hoch, was passiert dann?
– Es wird auf dem Boden zerbersten.
– Warum sollte es so sein? Wenn ich das Glas hoch werfe und es zu Boden gefallen ist, dann weiß ich – ohne wenn und aber – ob es zerbrochen ist.
– Schön. Und was willst du damit sagen?
– Solange ich das Glas nicht geworfen habe, gibt es unter anderen die folgenden Möglichkeiten: das Glas zerbricht, das Glas bleibt ganz, das Glas erhält nur einen Sprung, das Glas bleibt oben, das Glas bleibt in der Luft stehen, das Glas löst sich in seine Atome auf, das Glas fällt ewig durch ein Loch ins Universum …
– Jetzt bleib mal auf dem Teppich. Das Glas wird auf den Boden fallen und zerbrechen.
– Nicht wahr? Das Ergebnis raubt uns alle Möglichkeiten, die ich mir gerade überlegt hatte, nicht wahr. Das Ergebnis macht arm.
– Schön. Und nochmals: Was willst du mir damit sagen?
– Die Wahrheit raubt uns alle Möglichkeiten. Das Ist an sich ist einfältig. Das Kommende, das Zukünftige, dagegen aber ist vielfältig. Nur die Wirklichkeit, also das Ergebnis, ist ohne Möglichkeit.
– Herr Oberspielleiter! Nochmals ein Kölsch für zwei! Der hier neben mir will in meinen Synapsen einen Kurzschluss verursachen.

Der Wirt blickte maliziös lachend zu uns herüber und fuhr fort, Gläser zu spülen. Mein Nachbar versuchte meinen Blick aufzufangen.

– Deine Frau hat eine Möglichkeit als Wahrheit ergriffen und damit dem Kommenden alle Zukunft beraubt. Sie hat euch eurer zukünftigen Vielfalt beraubt.
– Stimmt. Sie ist Schuld, dass ich im Puff war!
– Quatsch. Ich rede nicht von Schuld, sondern Verursachung und Ursache. Schuld ist eine moralische Frage.
– Aber darum geht es doch.
– Okay für dich schon. Aber nicht bei den Papieren von PentAgrion.
– Sondern?
– Gewissheit und Wissen machen arm. Das wurde bereits auch schon in der Bergpredigt der christlichen Bibel geschrieben: „Selig sind die, die geistig arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich.“ Anders ausgedrückt formuliert: Wissende werden mit Glücksentzug bestraft. So wurden auch Adam und Eva gleich aus dem Paradies geschmissen.
– „Sie wussten zu viel.“ Hört sich ja an wie in einem Mafia-Film. Der letzte Satz bevor der Schuss fällt und der Mitwisser röchelnd stirbt.
– Mag sein. Aber das Fehlen oder der Entzug von Glück hat die Menschheit weiter gebracht. Jemand, der immer ausgeglichen, zufrieden und selbstgenügsam ist, der empfindet niemals den Drang nach Forschung und Wissen. Und zu allem Verhängnis kommt auch noch hinzu, dass das Gefundene und Entdeckte nur kurzfristig zufrieden stellt.
– Und das heißt jetzt?
– Hättest du die Papiere von PentAgrion jetzt vor dir liegen gehabt, dann hätte dich diese Wahrheit aller Möglichkeiten beraubt gehabt.
– Und weil ich sie nicht vor mir habe, erlebe ich jetzt ein Chaos in meinem Leben?
– Eine Zukunft mit vielen Möglichkeiten.
– Super. Mir stehen wieder alle Frauen der Welt offen? In meinem Job kann ich wieder von vorne anfangen? Sind das die vielfältigen Möglichkeiten?

Ich griff nach meinem Kölsch und leerte es ärgerlich.

– Die Wissenschaftler haben für deine Situation ein herrliches Gedankenexperiment.
– Welches?
– Schrödingers Katze.
– Was für ne Pussy?
– In der Quantentheorie der Physik gibt es den Satz, dass Messungen physikalische Zustände beeinflussen. Beispielsweise hat jedes Wasserstoffatom ein Elektron, welches sich in einer Art Hülle um das Atom herum bewegt. Zusätzlich hat das Elektron auch noch eine Eigenrotation. Aber jedes Mal wenn dieser sogenannte Spin gemessen wird, kann der sich ändern. Es ist daher nur eine Momentan-Aussage über den Zustand möglich.
– Sind wir in einer Kneipe oder im Chemieunterricht?
– Warte. Schrödinger hatte aufgrund dieser Sache in einem Gedankenexperiment eine Katze in einer Holzkiste mit einer definierten Menge instabiler Atome gesetzt. Zerfällt jetzt ein Atom in der Kiste, löst dieses einen Mechanismus aus, der wiederum eine Zyankali-Kapsel zerstört, womit die Katze getötet wird.
– Danach hat Schrödinger sicherlich Probleme mit PeTA erhalten.
– Es scheint also nur zwei Zustände zu geben. Zustand 1: Atom ganz, Katze lebt. Zustand 2: Atom zerfallen, Katze tot. Jetzt befinden wir uns also auf Atomebene und das Atom befindet sich auf dem Weg zum Zerfall. Also befindet sich auch die Katze in einem Zwischenstadium aus Tod und Leben.
Aber dann brauch ich ja nur die Kiste zu öffnen, und schon sehe ich, ob die Katze tot oder lebendig ist.
– Genau. Und da greifst du in dem Experiment mit deiner Messung ein und veränderst die Realität. Tot ODER lebendig, während sie vor deiner Messung Tot UND Lebendig war.
– Curiosity kills the cat. Neugierde tötet die Katze.
– Richtig. Die Messung und die Befriedung des eigenen Wissens bestimmt den Zustand der Katze. Sie greifen in die Wirklichkeit ein und rauben vielfältige Zukunftsmöglichkeiten.
– Wie? Sollte die Katze etwa spurlos aus der abgeschlossenen Kiste verschwinden? Sie kann doch nur tot oder lebendig sein. Die Chancen sind 50:50.
– Mit dieser Annahme und Erzwingung der Wirklichkeit raubst du dir die Zukunft. Deine Frau nimmt an, dass du im Puff zum Vögeln warst. Sie wird dir nie glauben, dass du in Architektur und mathematischen Verhältnissen weiter gebildet wurdest.
– So ein Quatsch!
– Bestimmten Heiligen wird die Fähigkeit der Bilokation nachgesagt. Sie sollen zeitgleich an zwei verschiedenen Orten aufgetaucht sein.
– Das kenne ich von Handwerkern. Wenn man die braucht, sind die überall und nirgends. Aber nur nicht dort, wo man sie braucht.
– Andere Heilige sollen über die Fähigkeit des Fliegens, der Levitation, verfügt haben. Schließt man dieses aber von vornherein aus, dann bleibt nur der Schluss, dass es sich hierbei um fromme Legenden handeln muss.
– Du glaubst doch nicht etwa an den Quatsch?

Er schaute mich lächelnd an. Doch, er glaubte daran. Diese Antwort schien ihm auf der Stirn gemeisselt.

– Was wäre, wenn es kein Quatsch wäre?
– Dann müsste Bilokation und Levitaion reproduzierbar sein. Warum sollte es nur von Heiligen beherrschbar sein?
– Im alten Ladakh in Tibet gibt es Mönche, die von sich behaupten, dass sie es beherrschen.
– Und warum tun sie es dann nicht, um Zweifel auszuräumen?
– Weil es denen nicht wichtig ist. Weil es die ganzen anderen Materialisten in die Verzweiflung treiben würde. Denn deren existentialistisches Leben bar jeder vielfältigen Zukunft ist nicht nicht das der Mönche. Wie furchtbar ist Wissen, wenn es dem Wissendem keinen Gewinn bringt?

Ich rollte mit den Augen. Mein Kölsch neigte sich wieder dem Ende entgegen. Proportional zu meinem Unverständnis dem gegenüber, was er mir da so erzählte.
Ich setzte noch einen neuen Versuch ihn zu verstehen:

– Und die Papiere von PentAgrion?
– Wären sie Realität geworden, hättest du sie vor dir, dann hätten sie dein Leben einfältiger und einfarbiger gemacht.
– Eintöniger?
– Du hast die Messung nicht vollzogen, die Kiste zu Schrödingers Katze noch nicht geöffnet. Du kannst nicht definitiv sagen, das Atom sei zerfallen und die Katze deswegen tot. Die Katze schwebt für dich noch immer zwischen tot und lebendig.
– Tot oder lebendig?
– Tot UND lebendig! Erst wenn du in die Kiste hinein schaust kannst du das Wort ODER nutzen. Vorher ist der Zustand zwischen den beiden Extremen.
– Soll das heißen, nur wenn ein höheres Wesen uns beobachtet, dann kann damit etwas über unseren Zustand ausgesagt werden? Jemand, der unser Biotop wie unter einem Mikroskopenauge betrachtet, und dann seine Erfahrungen vom aktuellen Zustand niederschreibt ? Damit wir es lesen? Damit wir wissen, wer wir sind?
– Du sagst es. Wie PentAgrions Papiere, die PentAgrion in seiner zehnjährigen Aufenthaltsphase zusammengestellt hatte.
– Und solange diese Papiere nicht der Öffentlichkeit wieder zugänglich sind, sondern lediglich bei einigen wenigen herum fliegen, solange interpretieren wir nur unsere Welt unzulänglich?
– Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert. Letztendlich kommt es ja darauf an, sie zu gestalten.
– Jetzt hast du fast Karl Marx zitiert. Aber der Marx hat in Schrödingers Kiste auch nicht hinein blicken können.
– Einige haben es vor 20 Jahren aber getan.
– Und dann haben sie festgestellt, dass die Katze nicht gefüttert wurde, der Sozialismus tot verhungert war.
– Dafür haben sie sich konsequent des „Oder“s angenommen und die Mauer fallen lassen.
– Eine Warnung für uns heute. Wir sollten den Blick in der Kiste Schrödingers dem Kapitalismus verbieten. Sonst bliebe uns wieder nur ein ODER.
– Wiederholungen gefallen nicht.
– Und wer weiß dann schon, vielleicht existiert die Kiste mit Schrödinger seiner Katze auch gar nicht. Vielleicht ist unsere Kiste zum Öffnen lediglich die verkleidetet Büchse der Pandorra und alles käme noch schlimmer.
– Ja, wer weiß.

Das Thema war zerredet.
Wir saßen schweigend nebeneinander.
Während ich meine Kölschstange schweigend auf dem Tresen drehte, fragte ich mich, ob sich mir ein zweites Mal die Chance bieten würde, nach Remagen zu reisen, um an die Papiere des PentAgrion zu gelangen.

Draußen wurde es dunkel. Ich zahlte. Um 18:00 hatte ich noch einen Termin beim Scheidungsanwalt.

PentAgrion und seine Papiere.
Ich wurde das Thema nicht los.

(Fortsetzung hier)

Auf den Weg zu den Papieren des PentAgrions

Was vorher geschah:
Prolog, Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10, Teil 11

***

Längst sitze ich nicht mehr am Hotelfenster, wenn ich jetzt aus einem Fenster hinaus schaue. Mueder_JesusDas Hotelzimmer konnte ich wieder mit meinen eigenen vier Wänden tauschen. Irgendwie geht das Leben weiter. Nur, getrennt in den eigenen vier Wänden zu leben, ist schwierig. Im Endeffekt ist ein gemeinsames Leben manchmal wie ein Ausziehtisch: Ausgezogen gibt es für alle mehr Platz.

Die Suche nach dem PentAgrion-Traktat habe ich für mich beendet. Meine letzte Hoffnung, noch eine Kopie der Papiere zu erhalten, war hinüber, als ich meine Hose in dem Waschsalon in die Waschmaschine schob. Ich zog es beim Bügeln sauber gefaltet und gewaschen aus der linken Hosentasche. Das Faltblatt, welches ich in Köln erhalten hatte, vom Jürgen aus Remagen, der mir eine Kopie zuschicken wollte. Lediglich der Goethe Text vom Hexen-Einmaleins war dort noch zu entziffern:

„Du mußt versteh’n! / Aus Eins mach Zehn, / Und Zwei laß geh’n, / Und Drei mach gleich, / So bist Du reich. / Verlier die Vier! / Aus Fünf und Sechs, / So sagt die Hex’, / Mach Sieben und Acht, / So ist’s vollbracht: / Und Neun ist Eins, / Und Zehn ist keins. / Das ist das Hexen-Einmaleins!“

Auch ohne dieses faustische Gedicht hatte ich bereits Probleme „eins“ und „eins“ zusammen zu bringen. Die Fülle der Informationen hatte mich im wahrsten Sinne des Wortes überwältigt, aber dem Ziel, dass zu erkennen, was sich dahinter verbarg, ein Stückchen näher zu kommen. Mir erging es wie dem Jesus, den ich über einer Dominikanerkirche in Rottweil antraf: Ratlos. Da saß ich nun ich armer Tor, klüger war ich nicht geworden. Diese Situation frustrierte, weil das ganze Wissen ohmächtig machte. Was nützt das ganze Wissen, wenn man damit nichts anfangen kann.

Hermann Hesse hatte mal geschrieben:

„Echte Bildung ist nicht Bildung zu irgendeinem Zwecke, sondern sie hat, wie jedes Streben nach Vollkommenen, ihren Sinn in sich selbst.“

Vielleicht lag ja hierin der Schlüssel zu den Papieren des PentAgrions.

Goethe verfasst einen Brief an Karl Ludwig von Knebel, dem Hofmeister des Prinzen Konstantin in Weimar, mit folgenden Sätzen:

„Die rechte Art, ihm beizukommen, es zu beschauen und zu genießen, ist die, welche Du erwählt hast: es nämlich in Gesellschaft mit einem Freunde zu betrachten. Überhaupt ist jedes gemeinsame Anschauen von der größten Wirksamkeit; denn indem ein poetisches Werk für viele geschrieben ist, gehören auch mehrere dazu, um es zu empfangen; da es viele Seiten hat, sollte es auch jederzeit vielseitig angesehen werden.“
(Brief vom 14. November 1827)

Philosophenweg

Vielleicht müsste das Traktat von PentAgrion genauso behandelt werden. Vernetzt betrachtet, wäre dem auf die Spur zu kommen. Auf mich allein gestellt konnte die Suche nach dem Wissen um die Papiere des PentAgrions nur sinnlos sein und in einer privaten Katastrophe enden. Alleine und zu Fuß war der Weg zu den Papieren nicht beschreitbar.

Diese Erkenntnis vermochte mich allerdings nicht wirklich zu trösten. Jenes Gefühl, einen Zipfel der Erkenntnis zu erlangt zu haben und das dieser mir dann entwischt ist, dieses Gefühl war nicht wirklich erbaulich. Wie gewonnen, so zerronnen. Der Weg zu den Papieren des PentAgrions hatte sich mir verschlossen.

Es bleibt nur noch die letzte Hoffnung, dass sich der Zipfel von jenem Mantel der Geschichte noch wiederfindet, der den Blick auf die Papiere des PentAgrion verschleiert.
In der Hoffnung, dass sich bei solch einer Gelegenheit erklärt, was es mit den Papieren des PentAgrion nun wirklich noch auf sich hat, leite ich an dieser Stelle die Einladung zur langen Deniere-Lesenacht bei Trithemius weiter:

Einladung-Lesenacht

Fortsetzung

Maxwells Silberhammer

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Draußen ist Vollmond, während ich diese Zeilen in meinem Zimmer schreibe, der 2. November 2009.

Dem Vollmond werden starke Kräfte nachgesagt. Hexen reiten dann auf ihren Besen, einsame Werwölfe streifen durch nebelverschleierte Wälder, Eulen haben besonders große Augen und Fledermäuse fleddern im Lichte des Vollmondes außer Motten und Mücken auch noch Kühe, Ratten und Menschen. Hunde jaulen wehmütig den Vollmond an, weil sie vermuten, was wir bereits seit Langem wissen: Da oben wohnt kein Mensch. Eine menschenfreie Zone.

Ich sitze hier und lecke mir meine Wunden. Heulen könnte ich wie ein Hund. Die Ereignisse hatten sich mit jener Polizeikontrolle verselbständigt. Die Polizei nahm mich mit, weil ich meinen Personalausweis nicht dabei hatte. „Wir müssen Ihre Personalien auf dem Revier überprüfen. Kommen Sie bitte mit“, waren die Worte des Polizeibeamten. Unter Aufsicht durfte ich mich anziehen und nach etlichen Stunden des Wartens wurde ich gegen vier Uhr morgens in ein Polizeirevier gefahren. Eine knappe halbe Stunde später stand ich wieder an der frischen Luft, orientierungslos nach einem Taxi Ausschau haltend.

Bei meinem Abschied vom Revier meinte der protokollierende Polizeibeamte nur noch:
„Sie erhalten einen Anhörungsbogen von uns geschickt. Wir brauchen noch weitere Angaben von Ihnen. Sie sollten es Ihrer Frau beichten, damit ihr Schock nicht zu groß wird.“

Das war jetzt allerdings mein kleineres Problem. Ich war hundemüde und hatte zu allem Überfluss auch noch den Geschäftstermin in Wuppertal-Elberfeld vor mir. Im Hotel angekommen war mein erster Gang zur Kaffeemaschine vom Frühstücksbuffet. Ich schenkte mir eine große Tasse ein und ging Richtung Aufzug. Den ersten Schluck nahm ich noch vor dem Aufzug, den Zweiten im Aufzug, den Letzten, als ich die Code-Karte in den Türschlitz zu meinem Zimmer schob. Den Mischhebel der Dusche hatte ich auf „kalt“ gestellt. Trotz heißem Kaffee und kalter Dusche war ich noch immer nicht so richtig wach. Eine halbe Stunde später stand ich erneut vor dem Kaffeeautomat.

Kurz vor sieben. Der Termin war für elf angesetzt. Ich setzte mich in der Hotellobby in eine der Sessel, um noch bis zur Abfahrt ein wenig Zeitung zu lesen. Als mich der Hotelangestellte weckte, war es bereits fast zehn Uhr. Meine Kalkulation, rechtzeitig vor elf in Wuppertal einzutreffen, wurde am Leverkusener Kreuz gründlich zunichtegemacht. Entsprechend begeistert war dann der Anruf meines Chefs.

„Da spendiere ich dir einen Wellness-Abend und du übertreibst es. Hast du wenigstens den Mietwagen heil gelassen?“
„Ich konnte nichts dafür, ich bin in eine Polizeikontrolle geraten.“
„Ja, ja, ja, Ausreden hast du dauernd auf Lager. Aber erst die Arbeit und dann das Vergnügen, Junge!“
„Das ist keine Ausrede!“
„Und noch was: Wenn du jemanden unsere Faxnummer gibst, dann stelle vorher sicher, dass damit kein Faxspam geschickt wird. Einer deiner sauberen Freunde hat 50 Seiten Müll übers Pentagon gefaxt. Einen Termin schmeißen und dann noch geschäftliche Nummern für Privates nutzen, du kannst dich auf eine scharfe Abmahnung einstellen.“

Mein Chef warte meine Antwort nicht mehr ab und legte auf. Na, toll. Ich befürchtete, dass das, was mein Chef „Pentagon-Faxspam“ nannte, offensichtlich die Papiere des PentAgrion gewesen waren. Ich versuchte, unsere Teamassistentin anzurufen, um in Erfahrung zu bringen, ob die 50 Seiten noch aufbewahrt oder bereits weggeschmissen waren. Nach fünf Minuten hatte ich die Teamassistentin am Telefon. Sie reagierte kühl und distanziert. Ja, sie hatte das Fax entsorgt. Nein, es wäre ihr egal, ob es „Pentagon-“ oder „PentAgrion“-Papiere seien, sie würde die Papiere nicht wieder aus dem Müll fischen. Und süffisant fügte sie hinzu, zudem könne sie nicht mehr weiter telefonieren. Sie würde gerade an einer Abmahnung für denjenigen schreiben, der das Wuppertal-Projekts geschmissen hätte. Noch bevor ich mich rechtfertigen konnte, hatte sie aufgelegt. Ich schien beliebt wie die Pest.

Den dunkelblauen Audi TT neben mir auf der Autobahn hatte ich nicht beachtet gehabt. Erst als aus dessen Seitenfenster energisch winkend eine rote Polizeikelle auftauchte, merkte ich, dass es etwas Besonderes mit den beiden Fahrern auf sich hatte. Nach dem Vollstrecken der Formalitäten (ein Punkt in Flensburg und 40 Euro für das Telefonieren hinterm Steuer) und der Bemerkung, dass ich etwas übermüdet aussehe, konnte ich weiter fahren.

Drei Staus später kam ich am Kölner Flughafen an. Die Fahrzeugrückgabe zog sich in die Länge. Der Mann an der Rückgabestation ließ sich beim Begutachten der Karosserie Zeit. Der Mann war einer der gründlicheren Sorte. Sorgen machte ich mir deswegen aber keine, denn mein Flug ging am frühen Abend und Zeit hatte ich ja genug.

Zeit. Kaum hatte ich das Wort gedacht, wurde mir klar, dass ich die mir verbliebene nicht richtig genutzt hatte. Das Mietfahrzeug hatte ich nicht vollgetankt zurückgegeben. Somit erhöhte der Mann die Rechnung pauschal um 100 Euro. Super. Wie sollte ich das meinem Chef erklären? Die 100 Euro durfte ich selber tragen, da war ich mir sicher.

Zeit. Zu allem Überfluss hatte der Flieger auch noch Verspätung. Eine Stunde. Da konnte ich die Personenüberprüfung innerlich für mich zum Sicherheitsbereich des Flughafens schon als soziale Zuwendung wegbuchen. Der Sicherheitskontrolleur meinte es besonders gründlich mit mir. Dreimal schickte er mich durchs Metalldetektor-Portal. Beim zweiten Mal ohne Schuhe, beim dritten Mal ohne Gürtel. Aber das Portal wollte nicht schweigen. Danach griff er mich manuell ab. Letztendlich musste ich meine Krawattennadel abgeben. Er meinte, ich könne sie als Waffe verwenden. Meine Proteste blieben wirkungslos. Selbst sein Chef war der Meinung, mit meiner Krawattennadel würde ich die Flugzeugsicherheit gefährden.

Zeit. Von der erhielt ich im Laufe des Abends noch genügend. Der Flug wurde wegen technischer Probleme annulliert und ich auf den ersten Flieger am nächsten Morgen gebucht. Ich beschloss am Flughafen zu bleiben, denn ich befürchtete, würde ich in ein Hotel gehen, ich könnte verschlafen. An einem Kiosk kaufte ich mir ein Buch, eine Ersatzkrawattennadel und drei Flaschen Kölsch als Einschlafhilfe. Eine Sitzreihe diente mir als Schlafgelegenheit. Der Weckdienst kam pünktlich gegen fünf Uhr morgens: Ein Schäferhund begleitet von zwei Polizeibeamten. Eine Personalausweiskontrolle später erhielt ich den Hinweis, dass mein Schnarchen Lärmbelästigung gewesen wäre und ich nicht mehr weiterschlafen dürfe.
An einem Kiosk organisierte ich mir Kaffee.

Das Warten auf meinen Flieger in zwei Stunden hatte begonnen. Ist es erwähnenswert, dass mein Flieger mit einer Stunde in München landete? Oder interessiert es wen, dass der Triebwagen meiner S-Bahn für weitere Verspätung sorgte? Oder dass mir mein Chef kurz angebunden per Handy Urlaub bis zum Ende der Woche verordnete? Der nächste Schicksalsschlag erwartete mich dann zu Hause. Im Grunde war es aber nicht wirklich eine Überraschung. Die Polizei arbeitete schneller, als ich mir dachte. Meine Frau hatte den Briefumschlag bereits geöffnet gehabt und las das Schreiben und den Anhörungsbogen. Sie erwartete mich bereits am Wohnzimmertisch, den Brief vor sich liegend. Es war ihr gleichgültig, ob ich nur Kölsch getrunken hatte oder ob ich eine Frau gebucht hatte. Für sie zählte allein die Absicht und der Wunsch mich nicht mehr in der Wohnung zu haben.

Draußen ist Vollmond, während ich diese Zeilen schreibe, an diesem 2. November. Durch das Hotelzimmerfenster starre ich hinaus in die Nacht. Der Mond erleuchtet den Hinterhof. Am Fenster gegenüber konnte ich ein Pärchen ausmachen. Und das gibt sich jetzt bei geöffnetem Fenstervorhängen dem klassischen Akt hin, worum mich wahrscheinlich jetzt alle Spanner dieser Welt beneiden werden.
Im Hintergrund startete das kleine Nachttischradio, ein altes Beatles-Lied zu spielen. Ein Déjà-vu der letzten Tage:

Joan was quizzical / Johanna war skeptisch
Studied pataphysical / studierte pataphysische
Science in the home. / Wissenschaft zu Hause.
Late nights all alone / Nachts mutterseelenallein
With a test tube. / mit einem Reagenzglas
Oh, oh, oh, oh.

Maxwell Edison
Majoring in medicine / Studienschwerpunkt Medizin
Calls her on the phone. / rief sie an
„Can I take you out to the pictures, / Kann ich dich ins Kino ausführen?
Joa, oa, oa, oan?“

But as she’s getting ready to go, / Als sie sich aber zum Ausgehen fertig macht
A knock comes on the door. / klopf es an ihrer Tür.

Bang! Bang! Maxwell’s silver hammer / Bäng! Bäng! Maxwells Silberhammer
Came down on her head. / traf sie auf ihren Kopf

Bang! Bang! Maxwell’s silver hammer / Bäng! Bäng! Maxwells Silberhammer
Made sure she was dead. / stellte sicher, dass sie tot war.

quoted lyric by The Beatles

(Fortsetzung hier)