Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)

Langsam setzt die Weihnachtsgeschenkepanik ein. Oder auch nicht. Es kommt nur darauf an, wie schnell einem eine Idee kommt. Mir kam die Idee ein echtes Buch mal mittels eines Buch-Dienstleisters selber zu erstellen.

In meinen Archiv der nützen und unützen Staubfänger fand ich aus dem Nachlass meines Vaters dessen Memoiren. Er hatte vor 15 Jahren seine Erinnerungen niedergeschrieben und mir dann – „Ich hab dir schließlich geholfen den Computer zu kaufen“ – zum Abtippen und Binden – „Du hast mir mal gesagt, an Eurem Institut könnt ihr Bücher binden“ – gegeben.

So saß ich damals an meinem 386er 40 MHZ (sic!) und tippte das in „WordPerfekt für DOS“ (sic!), was ich so aus meines Vaters Handschrift entziffern konnte. Er hatte eine Vorkriegshandschrift und seitdem ich sie entziffern gelernt hatte, machen mir andere kryptischen „Sauklauen“ (wie die meinige) keine wirklichen Probleme mehr.

Leider musste ich jetzt feststellen, dass die CD mit den Originaldateien Datenverlust verzeichnet. Die CD war altersbedingt unlesbar geworden. Totaler Datenverlust. Vielleicht hätte ich ja mal vorher die CD umbrennen sollen …

CD-Datenverlust hin, CD-Datenverlust nach 15 Jahren her, das Papier, auf dem ich damals ausgedruckt hatte, zeigte keinen Datenverlust. Den Nachlass meines Vaters mit seinen Erinnerungen habe ich jetzt nicht nochmals abgetippt. Es gibt ja Scanner und OCR-Software.

Das Ergebnis davon war also eine verwertbare Datei, die ich zu einem Buch umsetzen wollte. Und dieses habe ich vorgestern bei „BoD“ (Books on Demand GmbH, Norderstedt; http://www.bod.de) durchgeführt.

Gestern las ich dann den Eintrag von Prinz Rupi in seinem Blogeintrag Autor sucht Verleger (5): Der direkte Weg zum eigenen Buch. „Lesen“ ist jetzt allerdings ein wenig zu viel behauptet. Er hat dort in seinem Eintrag ein YouTube-Video verlinkt, welches einen wirklich erhellenden und kurzweiligen 55-Minuten-Vortrag von ihm zeigt (Link: YouTube-Video). In diesem Vortrag geht er besonders auf die Möglichkeiten ein, über Buch-Dienstleister ein eigenes Buch kostengünstig zu produzieren. Er bezog sich hierbei besonders auf „BoD“ (http://www.bod.de) und „Lulu“ (http://www.lulu.com).

Angeregt durch diesen Vortrag habe ich gleich meine Daten nach der Anmeldung auch bei Lulu hoch geladen.

Sowohl bei BoD als auch bei Lulu habe ich die jeweils Option gewählt, welche recht nah an einem veröffentlichbaren Buch liegen. Im Grunde müsste ich bei beiden nur noch eine ISBN beantragen, etwas mehr Geld hinblättern und schon würde jeder die Memoiren meines Vaters bei amazon.de bestellen können.

Bei BoD ist diese publikationsnahe Dienstleistung das „BoD-Fun“-Angebot. Bei Lulu gibt es so etwas explizit nicht, aber wie sich nachher zeigt, wird m.E. jedes Buchprojekt erst einmal privat angelegt und ist dann per Mausklick der Weltöffentlichkeit im Buchhandel zur Verfügung stellbar.

Was ich hier nur zeigen möchte, sind die Unterschiede zwischen BoD und Lulu. Die Unterschiede, die mir direkt auffielen und die mir bei dem einen besser gefiel als beim anderen.

Basis war ein Foto (zur Buchtitelgestaltung) und die entsprechende Datei, um ein Paperback-Buch zu erstellen.

Das Ergebnis bei „BoD“:
Um ein Paperback zu erstellen sind mindestens 52 Seiten erforderlich. Bei der Buchgröße von 12×21 cm musste ich ein wenig bei den Formatierungen nachhelfen, um auf die 52 Seiten zu kommen.
Der Preis des Buch-Exemplar beträgt 3,62 EUR. Zu Porto-Kosten fand ich keine Angaben. Ebenso wenig zur Dauer bis zum Erhalt des Exemplars.
Die Bezahlung soll auf Rechnung erfolgen. Der Einfachheit halber habe ich dort meine Kontodaten mit Einzugsermächtigung hinterlassen (no risk, no fun).

Das Ergebnis bei „Lulu“:
Die Größe des Paperback-Buchs hatte ich mit 15.24×22.86 cm (6×9“) gewählt, was 38 Seiten ergab. Der Preis des Buch-Exemplar beträgt 7,38 EUR (bei 2 Exemplaren gäbe es schon 10% Rabatt). Das Drucken dauert normalerweise 3-5 Werktage plus Versand mit 7,99 EUR für 5-12 Werktagen. Die Bezahlung erfolgt entweder über Kredit- oder Kontodaten oder über PayPal.

Jetzt zu den einzelnen Punkten bei der Unterstützung zur Buchgestaltung der beiden Anbieter:

Monetäre Bewertung:
Vom Preis her dürfte einwandfrei BOD gewonnen haben. Unklar sind mir aber deren Versandgebühren. Ich werde es wohl noch erfahren.

Buch-Cover-Gestaltung
Eine reichhaltige Vielfalt der Buch-Cover-Gestaltung mit entsprechenden Vorlagen bietet BOD. Lulus Vorlagen sind nicht so reichhaltig. Auffällig war aber, dass die Fotogestaltung auf den Buch-Covern bei BoD recht bescheiden war, während Lulu eine Anpassung der Fotos über Größe und Ausschnitt ermöglichte.

Anwenderfreundlichkeit
Die Anwenderfreundlichkeit bei der Buchgestaltung (sprich: formatieren etc.) geht eindeutig zugunsten von Lulu. Lulu bietet für alle angebotenen Buchgrößen entsprechende Formatvorlagen. Die Formatierung verlief damit sehr einfach. Und das schöne, die Vorlagen sind im Word-doc-Format und im rtf-Format. Mit der aktuellen Version von Open Office hatte ich keine Probleme die Vorlagen zu nutzen.
BoD bietet hierbei gar nichts. Wer die Seiteneinstellung bei dem eigenen Daten nicht korrekt durchführt, wird möglicherweise Überraschungen wegen falschem Buchformat erleben. Die Hilfetexte von BoD auf deren Portal haben mir nicht sonderlich viel Licht ins Dunkle gebracht. Zumindest ich hatte nichts hilfreiches gefunden.
Was mir bei Lulu auffiel, waren zum Teil nicht ins Deutsche übersetzte Sätze im Englischen bei bestimmten Sachen. Für mich ist das kein Problem, für Englisch-Unkundige vielleicht schon.

Logistik und Rechnung
Transparenz in Sachen Rechnung und Lieferzeit liefert eindeutig Lulu. BOD hat es damit weniger. Eigentlich ist mir noch immer schleierhaft, wie lange ich auf mein Buchexemplar zu warten habe.

Portalbewertung
Für registrierte und angemeldete Anwender ist das Portal von BoD („myBoD“) im eigenen Bereich eindeutig aufgeräumter als bei Lulu („Mein Lulu“) und in vier klare Bereiche unterteilt. Allerdings gefällt mir der Aufbau von Lulu besser, weil ich mit der linken html-Menüleiste in meinem bereich kreuz und quer umherspringen kann. Wer klare Strukturen vorzieht, der wird bei Lulu leicht verschnupft reagieren und sich bei BoD wohl fühlen.

Datensicherheit
Erstmal habe ich keine Ahnung, wo meine Kontodaten sicherer sind. Im Zweifelsfall sind sie nirgendwo sicher, würde mir jeder Datenbeauftragte erzählen. Aber mir ist aufgefallen, dass meine Kontodaten bei BoD einmal eingegeben nicht mehr editierbar sind. Bei Lulu kann ich diese Daten selbständig editieren und/oder löschen. Sicherlich ist es für BoD praktischer, wenn sich jeder User bei Änderung der Kontodaten bei denen per Mail, Post oder Fax melden muss, anwenderfreundlicher ist aber hierbei Lulu.

Vorläufiges Fazit:
Lulu ist für die Erstellung eines Einzelexemplars sicherlich teurer als BoD. Auch bei den Vorlagen für die Covergestaltung glänzt BoD. Aber dann fällt eigentlich BoD im Vergleich zu Lulu ab.

Ausblick:
Was mir jetzt nur noch fehlt, ist der direkte Vergleich in Sachen Lieferung des Buches. Und freilich die Qualität der beiden Buchausgaben an sich. Sobald BoD und Lulu geliefert haben, werde ich dazu einen weiteren Blogeintrag verfassen und meine endgültige Bewertung dazu geben.

Nichtsdestotrotz, ich finde es faszinierend, wie einfach es ist, ein eigenes Buch zu erstellen. Dieses dann auf den Markt zu bringen, das ist dann wohl mit BoD und Lulu das kleiner Problem. Das größere Problem ist aber dann – wie immer – der Käufer. Aber der Weg zum Pulitzer-Preis war noch nie einfach.

Fortsetzung: Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)

14 Gedanken zu „Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)

  1. Danke für den Hinweis auf antholog.
    Im überarbeiteten vierten Teil nehme ich auf das Buch-Modell „BoD-Comfort“ Bezug und vergleiche nochmals die Preise von BoD und Lulu. Dass BoD-Titel als Spielerei weggeparkt werden, habe ich schon öfters lesen können. Es wird sogar ein BoD-Titel als negativ seitens den konventionellen Verlagen für Autoren gewertet.

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  2. Interessante Gegenüberstellung. Einige Nachteile wären noch zu nennen, allerdings nur bezogen auf BoD: BoD behält die Rechte am Buch für fünf Jahre. Will man das Buch später bei einem richtigen Verlag veröffentlichen, muss man das Buch für 299 Euro freikaufen. Die monatliche Datenvorhaltungsgebühr von 1,99 innerhalb von 5 Jahren kostet ca. 120 Euro zusätzlich. Für Autoren mit Ambitionen: BoD-Titel werden in Zeitungen nicht rezensiert. Die öffentliche Wahrnehmung ist nicht gegeben, das BoD-Buch gilt als Hobbybastelei.
    Der Einzelpreis liegt auch viel zu hoch. Bei einer Druckerei bekommt man ein Buch wie deines zum halben Preis und darunter und erhält sogar ein Probeexemplar vor dem Auflagendruck. Wenn man mehrere Bücher machen will, ist es sinnvoller, einen eigenen Verlag zu gründen. Solange man nicht viel verkauft, wertet das Finanzamt den Selbstverlag als Hobby, und es fallen keine Steuern an. Informationen hier:
    http://www.antholog.de/tipps2.shtml

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  3. Danke für die Infos. An ein derartiges Geschenk zu Weihnachten hatte ich auch schon mal gedacht – allerdings fehlt mir der Nerv, mich durch die verschiedenen Portale zu wühlen. Ich warte auf Deinen Schlußbericht und verschiebe die Idee auf das nächste Weihnachtsfest. ;)

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  4. Informativ, übersichtlich strukturiert mit klarem Urteil – ein lesenswerter Beitrag und eine gute Ergängung zum gestrigen Vortrag des Berliner Verlagsfachmannes.

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  5. Genau so habe ich vor Jahren begonnen, mit mit dem »Selbermachen« von Büchern zu beschäftigen. Seitdem hat sich, wie dein Bericht zeigt, auf beiden Plattformen einiges bewegt.

    Zu den Preisen sei noch gesagt, dass schmalbrüstige Broschüren und Bücher bei Lulu teurer sind als bei BoD. Das verkehrt sich aber sehr schnell ins Gegenteil, wenn die Bücher umfangreicher werden.

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