Bücher zum Selberbasteln – Softwareunterstützung bei der Bucherstellung (5)


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Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)
Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)
Bücher zum Selberbasteln – Drei Verlage, drei Druckergebnisse (3)
Bücher zum Selberbasteln – Sein eigenes Buch veröffentlichen (4)

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Jetzt komme ich zum letzen Teil und Schluss dieser langen Serie, versprochen.

(… wer eingeschlafen ist, bitte jetzt schon mal die Hand heben! Hm? Niemand hebt die Hand? Gut. Und weiter geht’s …):

Die Frage nach Software, die bei der Bucherstellung sinnvoll den Autor unterstützten könnte, wird häufig im Internet gestellt. Basis für die eigene Schreibarbeit ist ein Programm, welches bei Rechtschreibung und Grammatik helfen kann. Hier ist das kostenfreie OpenOffice-Paket zu nennen, welches ohne Probleme mit dem MS-Office mithalten kann.
Derjenige, dem ein Office-Programm „zuviel drumherum“ ist und sich ganz auf das reine Schreiben fokussieren will, der sollte das Programm „Q10“ (Freeware; http://www.baara.com/q10/ ) ausprobieren. Es kann auf der angegebenen Internetseite mit deutscher Rechtschreibprüfung herunter geladen werden.

„Q10“ als auch die Textverarbeitung eines Office-Pakets taugen sicherlich, um konzentriert an Kapiteln oder Szenen zu arbeiten und dann entsprechend abzuspeichern. Aber um ein Werk in seiner Gesamtheit zu überblicken und zu organisieren, sind beide nicht wirklich die richtigen Programme. Ein Werkzeug speziell zu diesem Zweck ist beispielsweise Software „yWriter5“ (Freeware; umschaltbar auf deutsch; http://www.spacejock.com/yWriter5_Download.html ). Es hilft dem Autor, das zu schreibende Werk auf vielfältiger Weise bis ins letzte Detail zu organisieren. Mit „yWriter5“ läßt sich das gesamte Projekt mit seinen einzelnen Dateien verwalten.
Mit „yWriter5“ lässt sich das Projekt jedoch nicht in die passende Buchform bringen, um es bei einem Druckverlag wie BoD, Lulu, Shaker-Media, etc. hochzuladen. Entweder verwendet man hierfür wieder ein Office-Programm (in welchem alle Kapitel der Reihenfolge entsprechend hineingebracht werden).
Oder der Autor verwendet ein Layout-Programm. Solch ein Programm empfiehlt es sich immer dann zu verwenden, wenn Text gestaltet werden soll, wenn Grafiken und Fotos in dem Text eingearbeitet werden sollen. Ein Office-Programm kann das zwar auch, aber wer schon einmal ein Werk versucht hat, mit mehreren Abbildungen in einem Office-Programm sein Werk in vernünftige Bahnen zu lenken, der weiß, dass dieses oft zwar kein Blut, aber dafür umso mehr Schweiß und Tränen kosten kann.

Auf Unix/Linux-Seite gibt es hierfür das berühmt berüchtigte, aber recht geniale LaTEX-Programm (Freeware). Leider ist das Programm recht einarbeitungsintensiv.
Wesentlich einfacher lässt sich ein anderes Layout-Programm verwenden: Scribus (Open Source Freeware; http://www.scribus.net ). Scribus läuft nicht nur auf Unix/Linux-Plattformen, sondern auch auf WINDOWS, OS/2 Warp und 4/eComStationen. Selbst den Apfel-Jüngern wird eine entsprechende Version für das Betriebssystem Mac OS angeboten.
Mit Scribus lassen sich nicht nur Flyer, Visitenkarten, Faltblätter und Zeitschriften erstellen. Mit Scribus wird auch die Erstellung eines Buches erheblich vereinfacht. Grafiken innerhalb eines Textes sind handzahm, statt wie es bei Office-Programmen der Fall ist, dass diese erst einmal mit diversen Tricks auf Format getrimmt werden müssen. Die Gestaltungsmöglichkeiten, die Scribus bietet, sind professionell. Die einfachste Aufgabe für Scribus ist Textgestaltung. Aber selbst Farbmanagement (CMYK-Farben) lässt sich mit Scribus durchführen.

Hauptaufgabe von Scribus ist freilich eine für Druckereien und Medien weiterverarbeitbare pdf-Datei zu erstellen. In Hinblick auf die Gestaltung des Inhalts eines Buches mag die Verwendung von „Scribus“ zu aufwändig erscheinen. Für die Buchcover-Gestaltung ist Scribus allerdings genau das Programm, was einem hilft, den 08/15-Vorschlägen der Druckverlage und ihren Internetseiten auszuweichen. Hiermit lässt sich das Buchcover nach eigenen Wünschen gestalten. In Zusammenarbeit mit dem Bildbearbeitungprogramm GIMP (Freeware; http://www.gimp.org; ebenbürtig zu Adobe Photoshop) und dem Vektorgrafikeditor Inkscape (Freeware; inkscape.org; vergleichbar mit den kostenpflichtigen Programmen Illustrator, Freehand, CorelDraw oder Xara X) besitzt man alle Werkzeuge, um das Buchcover-Design selber zu gestalten.
Eine gute Anleitung und diverse Hilfen zur Bucherstellung finden sich einerseits auf den scribus-Seiten selber, aber ebenfalls verweise ich auf die höchst hilfreichen Seiten von leibi.de. Die dort herunterladbaren Hilfedateien sind wohl das beste mit, was man für den Schnelleinstieg in „Scribus“ bekommen kann.

Bislang habe ich nur jene Softwaren erwähnt, die kostenfrei sind und meiner Meinung nach konstruktiv und unterstützend Autoren beim Schreiben und Gestalten ihres Buches helfen. Das schwierigste bleibt somit (direkt nach dem Schreiben), das Lektorat des eigenen Werkes. Denn eine sprachliche Analyse ist schwierig mit Software zu bewältigen. Zwar gibt es statistische Werkzeuge wie z.B. TextSTAT (Freeware; http://neon.niederlandistik.fu-berlin.de/textstat ), welche schon mal den ersten Hinweis geben können, wo eine Schwäche liegen könnte (z.B. zu häufige Verwendung bestimmter Wörter), aber das „echte“ Sprachgefühl können diese Werkzeuge nicht ersetzen.

Noch ein Wort zu Software, die einem hilft, ein Buch noch einfacher zu schreiben.
Gibt es überhaupt so etwas?
Ja, es gibt sie. Schreiben wie einem der Schnabel gewachsen ist. Sprechen statt mühsam mittippen, was man sich gerade denkt:
Für Windows-Plattformen verweise ich hierbei auf „Dragon NaturallySpeaking Professsional“ („Preferred“: 199 €; „Professional“: ca. 1.000 €) und „Linguatec Voice Pro 12“ („Standard“: 69 €; „Professional“: 169€). Für Mac-OS-X-Benutzer gibt es „MacSpeech Dictate“.
Einen Test- und Erfahrungsbericht von Prinz Rupi findet sich hier:
http://computer-software.suite101.de/article.cfm/spracherkennung_auf_dem_mac

Aber da soll es ja noch eine Software geben, die von Profis benutzt wird, die TV-Serien-Drehbücher damit schreiben oder immer Bestseller damit landen?
Stimmt das?
Da muss es doch noch was anderes geben!
Stimmt.
Es handelt sich hierbei um das sagenumwobene Programm „Dramatica Pro“ (ca.180 €; http://www.dramatica.com ), mit dem schon in der Tat Filmdrehbücher geschrieben worden sind, die sich auf dem Markt als „Renner“ erwiesen. „Dramatica Pro“ bietet einerseits Funktionen wie „yWriter5“ an. Darüber hinaus aber treibt „Dramatica Pro“ den Autoren und dessen Geschichte durch entsprechende Fragen voran (allerdings auf Englisch). Das kann sich hilfreich erweisen in Zusammenarbeit mit der Software seine Geschichte auf logische Fehler oder mögliche Entwicklungen hin abzuklopfen.
Aber es sollte auch klar sein: Das beste Programm nützt nichts, wenn der Autor sich beharrlich weigert, kreativ Schreiben zu lernen. Programme sind immer nur so gut, wie deren Anwender. Es nützt mir der schnellste Ferrari nichts, wenn ich nicht weiß, wie Fahren an sich überhaupt geht. Aber lernbar ist es.

So.
Und das ist jetzt das endgültige

ENDE

meiner (*hüstel*) „Kurzserie“.

Wer auf der Suche nach weiteren Hinweisen ist, oder Zusatzfragen an mich hat (auch Kritiken positiv wie negativ), der Kommentarbereich unter jedem Teil dieser Serie steht offen und bietet inzwischen auch einige Zusatzinformationen an.

Bücher zum Selberbasteln – Sein eigenes Buch veröffentlichen (4)


Der Link zu den Teilen zuvor:
Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)
Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)
Bücher zum Selberbasteln – Drei Verlage, drei Druckergebnisse (3)

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Wer sich dafür entscheidet sein Buch zu veröffentlichen, dem bietet sich jetzt zusätzlich durch diese Druckverlage die Möglichkeit, Bücher über den eigenen Bedarf hinaus drucken zu lassen, ohne über die konventionelle Schiene der Verlage zu gehen. Dafür sind aber die buchbeeinflussenden Bucherstellungsprozesse wie Lektorat und Buch-Design in die eigenen Hände zu nehmen. Das kann sowohl Chance als auch Herausforderung sein. Und je nach eigener Begabung entscheidend für die weitere Vermarktung des eigenen Buches.

Freilich ist es möglich, Angebote der Druckdienstleistungsverlage anzunehmen, um sein Buch auf konventionellem Weg in den Markt einzusteuern. Die bislang besprochenen Dienstleister wie Epubli, Lulu und BoD bieten diese Option. Hierbei kann der Autor, sein Buch mittels ISBN katalogisieren lassen. Jene drei sind aber nicht die einzigen Druckverlage, welche ihre Angebote auf Autoren ausgerichtet haben. Im Rahmen dieser Serie habe ich mir auch noch tredition ( http://www.tredition.de ) und Shaker-Media ( http://www.shaker-media.eu ) angeschaut.

Aber prinzipiell spricht auch nichts dagegen, eben diesen Weg ohne Hilfestellung eines Druckverlages zu beschreiten. Epubli, Lulu und BoD dienen bei solch einer Wahl lediglich als verlängerte Werkbank seiner eigenen Veröffentlichung. Sprich, der Druck wird bei einem der Druckdienstleister in Auftrag gegeben. Der Vertrieb des Buches erfolgt dann selbstständig, indem der Autor gezielt versucht, Angebot und Nachfrage in Eigenregie zu regeln. Dieses kann mit den selben Marketingmaßnahmen erfolgen, wie sie ein konventioneller Verlag anbietet: Visitenkarten, Flyer, Postkarten, Lesungen, Werbung über Internet. Das hört sich abenteuerlich an, ist aber nicht weniger abenteuerlicher als das, was der Markt veranstaltet, um ein Buch zu promoten. Es ist klar, dass ein Gießkannenprinzip der Werbung und der Probeexemplare – wie letztens bei dem neusten Dan-Brown-Werk – sich kein Autor wirklich leisten kann. Dieses ist das Privileg der finanzkräftigen Buchverlage, die die entsprechenden Mittel haben, den Markt anzukurbeln, um den späteren Kosten-Nutzen-Koeffizienten zu eigenen Gunsten zu drehen.

Der unkonventionelle Weg und sein Erfolg erfordern vor allem eines: Eigeninitiative.
Das Schreiben ist hierbei nur eine Seite der Medaille. Das eigene Geschriebene lässt sich über Lulu und BoD drucken. Das bedeutet, der Autor druckt sich entsprechend den eigenen Bedarfen Fun-Bücher (also jene Bücher für den Privatgebrauch), um diese dann unter anderem auch mithilfe des Internets zu vermarkten und zu vertreiben. Gerade für solch ein Ansinnen ist Lulu ein dafür ideal zugeschnittener Marktplatz. Der Grund dafür liegt auch in der Gründergeschichte dieses Dienstleisters (siehe Interview mit Robert Young bei Stern-Online): Die Rechte am Werk verbleiben komplett beim Autor und der Autor ist für den Absatz seines Werkes selber verantwortlich. Im Gegensatz zu BoD und Epubli bietet Lulu nicht nur die Verkaufsplattform für im eigenen Dienstleistungsverlag ertellte Bücher, sondern auch für das elektronisch Buche (als Download inklusive DRM).

Der Vorteil den konventionellen Weg der Veröffentlichung nicht zu beschreiten, macht sich durch Wegfall von Zusatzkosten wie beispielsweise „Buchhändlerrabatte“ bemerkbar. Diese erlauben den Verkaufspreis tiefer zu kalkulieren, bei gleicher Marge. Dieses kommt dem Käufer durch tiefere Preise für das eigene Werk zu Gute. Dem Autor ist es möglich, sich selbst günstig mit Buchmaterial zu bevorraten, um es über den Eigenvertrieb verkaufen zu können. Erst durch höhere Stückzahlen beim Drucken wird beispielsweise auch ein Druck bei Lulu rentabel. Für Einzelexemplare des Privatregals mag Lulu bei S/W-Taschenbücher nicht ideal sein, aber bei höheren Stückzahlen und dickeren Werken, steigen die Druckgesamtkosten bei Lulu nicht so stark wie bei BoD oder Epuli. Auch beim Druck im edleren Hardcover-Bereich fällt Lulu angenehm auf. Hier stieß ich auf vergleichende Informationen im Internet, welches die Hardcover von Lulu besser darstellen lassen als bei vielen anderen Druckverlagen und Druckdienstleistern. Der unkonventionelle Publikationsbereich bietet Chancen und Möglichkeiten, die aber – wie schon geschrieben – stark mit der Eigeninitiative des Autors zusammenhängen. Und die Kostenschiene ist die des Fun-Buch-Bereichs mit sich stark verändernden Druckkosten, wenn höhere Stückzahlen und andere Formate als dünne SW-Taschenbücher gedruckt werden.

Sollte aber jemand mit dem Gedanken spielen, den konventionellen Weg zu beschreiten, so entbinden meine Überlegungen denjenigen nicht, sich alle Verlage nochmals kalkulatorisch anzuschauen. Denn je nach Buchthema, Buchstärke, Buchbindung und farbigen Inhalten können sich Unterschiede ergeben. So könnte es auch sein, dass der Druckverlage literareon ( http://www.literareon.de ) eine weitere Möglichkeit darstellt.

Ich veranstalte jetzt hier einmal das Gedankenspielchen, die Memoiren meines Vaters auf konventioneller Weise zu veröffentlichen: 52 Seiten im Taschenbuchformat im S/W-Druck als Ausgangsbasis.

Sowohl BoD, Lulu als auch Epubli bieten ein Programm zur Veröffentlichung von Büchern. Hierzu fallen allerdings immer unterschiedliche Zusatzkosten an. Gerade BoD bietet verschiedene Einstiegspakete an. Wer es mag, kann hierbei Layout- und Lektorat-Paket im Werte von bis zu 2000 Euro abschließen. Oder er belässt es beim Basis-Paket für 39?. Prinzipiell umfassen solche Pakete die zur Veröffentlichung notwendige ISB-Nummer, den Barcode, die Veröffentlichung in der Liste lieferbarer Bücher und gegebenenfalls auch noch die Anbindung an einen Großbuchhändler wie Amazon.de oder Libri.de, sodass mein Werk auch über Internet jederzeit bestellbar und abrufbar sein wird.

Hierzu verweise ich auf den Vortrag von Prinz Rupi, in dem dieses Thema sehr gut erläutert wird (Autor sucht Verleger (5): Der direkte Weg zum eigenen Buch)

Was anfangs noch recht günstig ausschaut, ändert sich, werden alle noch weiterhin anfallenden Fixkosten aufaddiert. So entstehen beispielsweise bei BoD durch 39-€-Vertrag weitere monatliche 1,99-€-Kosten über eine Vertragslaufzeit von 5 Jahren.
Bei Epubli tauchen solche Kosten nicht auf. Epubli will für eine Veröffentlichung in den ersten zwei Jahren insgesamt 19,95 € sehen. Soll das Buch dann aber länger auf dem Markt bleiben, kommen Zusatzkosten hinzu, die angedeutet werden, sich aber auf den Internetseiten von Epubli aber nicht quantifizieren lassen.
Bei Lulu sieht die Lage wieder ganz eindeutig anders aus. Lulu bietet die Veröffentlichung und die Anbindung an große Online-Händler wie amazon.com und Barnes&Noble.com . Aber genau hier liegt auch der Knackpunkt bei Lulu. Denn amazon.com und amazon.de greifen NICHT auf den gleichen Datenbankbestand zu. Lediglich auf amazon.com werde ich es finden und direkt bei amazon.com bestellen können. Sollte ich bei amazon.de nach meinem Buch suchen, werde ich es nicht finden, solange kein anderer Anbieter das Buch führt.
Leider hatte Lulu aufgrund der Wirtschaftslage 2009 ein Vertriebspaket aus dem Programm genommen, welches extra auf Deutschland zugeschnitten war („Published by you für Deutschland“).

Was bedeutet das nun für Lulu und dem konventionellen Vertriebsweg?
Ein Beispiel:
Die Suchanfrage für das Buch „Schlangenlinie“ bringt sowohl bei amazon.de als auch bei amazon.com Ergebnisse. Bei amazon.com kann direkt für umgerechnet 13,20 € gekauft werden. Bei amazon.de findet sich das Buch ebenfalls, kostet aber ca. 46 €, weil es von einem New Yorker Anbieter verschickt wird. Amazon.de selber führt das Buch nicht. Ein schneller Blick ins Angebot des englischen amazon.co.uk zeigt, dass das Buch auch hier auf dem Lager liegt und für ca. 15,50 € erstanden werden kann. Selbst in Japan ist es bei amazon.co.jp käuflich. Eine schnelle Überprüfung bei buch.de, buchhandel.de, bol.de und libri.de ergibt für das Buch „Schlangenlinie“ keine Treffer. Das Werk existiert bei diesen deutschen Online-Händler überhaupt nicht. Es steht leider zu vermuten, dass Frau Ingrids Stenders Buch „Schlangenlinie“ (ISBN-13: 978-1409240105) bislang keinen großen Absatz gefunden haben wird. Darum einfach mal hier der Link bei Lulu.com, wo es das Buch auch für 6 € als Download gibt:
http://www.lulu.com/product/download/schlangenlinie/4114437

Doch zurück zu den Kosten einer Buchveröffentlichung. In dem nachfolgenden Diagramm habe ich zu den drei Druckverlagen die Kosten pro Seite bezogen auf die Anzahl der Seiten eines Werkes zusammengestellt.

KostenproSeite

Das Dia zeigt, dass der Vertrag bei BoD (Buchmodell: BoD-Comfort) mit seiner Laufzeit von 5 Jahren nicht unerhebliche Kosten nach sich zieht. Jede einzelne Seite des Büchleins mit seinen 52 Seiten bei BoD veröffentlicht hätte nach fünf Jahren einen Wert von 3,13 €. Das sind Wertsteigerungen, von so etwas träumen die Bänker inzwischen heute schon wieder bezüglich ihrer faulen Papiere in deren Tresoren. Bei Lulu würde der Wert übrigens weiterhin bei 1,51 € stagnieren. Epubli ist zwar nach zwei Jahren noch immer der billigste Druckverlag, aber wer das Buch dann länger halten will, der muss mit Zusatzkosten rechnen, die Epubli dann mitteilen wird. „Wert“ ist freilich das falsche Wort. Denn für den Autor sind das Kosten, die er finanziell zu tragen hat.

Was bedeuten aber diese Zusatzkosten?
Zur Verdeutlichung die entsprechende mathematische Aufgabe: Welchen Verkaufspreis muss ich bei dem Druckverlag im Vertrag angeben, damit ich bei nur einem verkauften Buch und dem daraus erzieltem Autorenhonorar all diese Zusatzkosten bezahlen könnte?
Bei BoD würde mir der Verkaufspreis von 300 € alle meine BoD-Kosten der nächsten fünf Jahren neutralisieren. Ich bräuchte nur einen Käufer, der für mein Büchlein 300 € locker macht. Danach plätschern für jedes verkaufte Buch weitere 300 € in meine Urlaubskasse.
Bei Lulu kann ich den Verkaufspreis geringer ansetzen. Für 149 € könnte das Buch im Buchhandel bestellt werden und mit dem ersten Verkauf wären mir meine Kosten entledigt.
Die Verkaufspreise sind freilich bar jeder Realität. Dieses Szenario diente nur der besseren Illustration.

Die meisten Autoren haben das Ziel, an deren eigenem Geschreibe etwas zu verdienen. Die Höhe des Verkaufspreis regelt hierbei die Erlöse für den Autor. Und eben dieser Verkaufspreis ist die einzige Stellschraube, an der die Druckverlage den Autor drehen lassen. Auf die weiteren Kostenschrauben wie „Distributionsgebühr“, „Herstellkosten“, „Mehrwertsteuer (7%)“ und „Buchhändlerrabatt“ hat der Autor keinen Einfluss.

Jetzt einmal angenommen, ich wolle als Autor meines Büchleins 1 € pro Buch als Autorenhonorar erlösen. Zusätzlich zu den bisherigen Druckverlagen nehme ich jetzt auch noch die Druckverlage tredition und Shaker-Media mit hinzu. Somit ergeben sich für mein Büchlein die folgenden Verkaufspreise (in Klammern habe ich die zu verkaufende Stückzahl gesetzt, ab der ich überhaupt erst Gewinn mache):

BoD: 4,50€ (163 St.) // Lulu: 6,12 € (59 St) // Epubli: keine Angabe erhältlich // tredition: 9,80 € (34 St) // Shaker-Media: 8,90 € (keine Angabe erhältlich; in einem Forum las ich, dass zwei Jahre lang jedes mal 25 Bücher vom Autor abzunehmen seien, eine Bestätigung bei Shaker-Media fand ich dafür nicht).

Verglichen mit den Preisen im Buchhandel sind die 4,50 € für mein Büchlein der realistischere Preis. Allerdings muss das Büchlein in den nächsten fünf Jahren pro Monat seine drei Käufer finden. Während tredition und Shaker-Media die Preise für mein 52 Seiten-Büchlein in der Region eines handelsüblichen 250-Seiten Buchs heben, erscheint gerade Lulu noch relativ fair: 1/3 höherer Preis bei nur 1/3 geringerer zu verkaufender Stückzahl im Vergleich zu BoD macht Lulu relativ attraktiv für so ein Kleinsttaschenbuch.

Das bezog sich jetzt alles auf den S/W-Druck im Taschenbuchformat. Aber selbst Farbdruck wird von den Druckverlagen angeboten. Hier unterscheidet sich allerdings Lulu von den restlichen erwähnten Druckverlagen. Bei Lulu heißt es ganz oder gar nicht, während BoD und Co. den Preis je eingefügter Farbseite nach oben korrigieren. Sollte also wer sein Buch mit bunten Buchstaben verlegen oder auf jeder Seite eine Farbgrafik einbinden wollen, der sollte aufpassen: Ein paar farbige Seiten machen sich bei BoD und Co. nicht so stark in der Preissteigerung der Herstellkosten bemerkbar, aber alle Seiten in Farbe gedruckt zu bekommen, der sollte eindeutig Lulu allein schon wegen des Preises den Vorzug geben (wenn die Vertriebsmöglichkeiten von Lulu nicht so bescheiden wären).

Soweit so gut. Dem eigenen Werk auf dem Markt Geltung zu verschaffen, ist nicht einfach und kein Selbstläufer. Das Verlagswesen und sein Buchhandel sind definitiv nicht fair. Es hilft darum auch nicht, den Markt aushebeln zu wollen. Es bleibt nur das Beste daraus zu machen.

Die Bucherstellung liegt völlig in der Hand der Autoren, falls der sich entschlossen hat, sein Werk selbst im Umlauf zu bringen. Andere sehen die neuen Möglichkeiten, die sich ergeben haben. Seit die Digitalisierung des Drucks voranschreitet, ist der Markt reif für das „Buch 2.0“ geworden. „Buch 2.0“ ist jedoch kein bequemer Klappstuhl, von dem aus beobachtbar ist, wie sich das eigene Buch zum Perpetuum mobile zweiten Grades entwickelt. Geschweige denn, dass es überhaupt erst einmal zum Perpetuum mobile (Selbstläufer) wird.

Die Möglichkeit der Designer seines eigenen Buches zu sein, bringt Vorteile wie Nachteile. Vorteil wie Nachteil ist, dass die Verantwortung bei Buch und Inhalt beim Autor selbst liegt. Als ich die erste Ausgabe meines Büchlein vor mir hatte, war mir bereits klar, was ich völlig unberücksichtigt gelassen hatte.

Ein Buch an sich ist schon fast standardisiert aufgebaut. Wer viel liest, dem wird es dann auffallen, wenn gegen diese Standards verstoßen wird. Die ersten beiden Seiten eines Buches haben keine Funktion (maximal mit Widmung und/oder Informationen über Buch und Autor), die nächste trägt den Haupttitel, die vierte das Impressum, die nächsten sind entweder das Inhaltsverzeichnis oder es beginnt das erste Kapitel. Und jedes Kapitel startet immer auf der rechten Seite (mit der ungeraden Seitenzahl)

Ein weiterer Punkt ist Rechtschreibung und Grammatik: Ein Buch mit Grammatik- und Rechtschreibfehler ist für den Leser ein absolutes Ärgernis. Um Rechtschreib- und Grammatikfehler zu verhindern, ist mindestens ein passendes Textverarbeitungsprogramm mit entsprechender Funktion erforderlich. Ansonsten bleibt nur ein Lektorat durch Freunde und Bekannte oder durch eine professionelle Lektoratsstelle. Alle Druckverlage bieten diese Lektoratsdienstleistung kostenpflichtig an.

Zudem würde ich von Internet-Hilfsmitteln der Druckverlage zur Buchcover-Erstellung abraten. Was für die Privattaschenbucherstellung vielleicht noch denkbar ist, wird einer Veröffentlichung nicht gerecht. Die Druckverlage bieten auch hierfür unterschiedliche Dienstleistungen an, die ihren Preis haben. Im Internet finden sich auch Druckverlagsunabhängige Personen, die bei der Buchgestaltung unter die Arme greifen und ihre Dienstleistungen anbieten (z.B. http://www.design.ulinne.de ).

Einen besonders interessanten und lohnenswerten Tipp fand ich hierbei im Buch-Shop von Lulu. Auf dem folgenden Internet-Link (bitte hier klicken) kann sich jeder das Buch „BUCH & COVER HILFE!“ kostenlos herunter laden. In dem Ebook findet sich dann das Angebot, dass der Autor demjenigen bei der Buch-Cover-Gestaltung Unterstützung zusichert, der sich das Buch als Druckausgabe bei Lulu (15,57 €) bestellt. Das Ebook an sich ist selbst schon eine große Hilfe, wer sich mit den oft unbeachteten Details der eigenen Bucherstellung beschäftigt.

Nebenbei, es ist immer ein guter Tip, sich alles Foren der jeweiligen Druckverlage durchzulesen. Insbesondere das Forum bei BoD (zu finden unter http://www.bod.de/autorenpool/index.php ) bietet viel Hilfe bei unterschiedlichsten Fragen.

Eine weitere Entwicklung von „Buch 2.0“ ist der verstärkte Weg zum Ebook. Wie bei demvorhin vorgestellten Buch zu erkennen, ist der Download kostenlos, die Druckausgabe kostet aber 16 € mehr. Der Trend, sich Bücher auf ein mobiles Gerät (Smartphone, Kindle, iTouch, etc.) zu laden, um es später dann dort zu lesen, wird sich immer mehr verstärken. Wer dieses beim Verlegen seines Buchres mit berücksichtigt haben will, der wird bei BoD nicht fündig werden. Dagegen bieten Druckverlage wie Lulu oder tredition diese Formate an. Der Vorteil ist sicherlich, dass man unabhängiger vom Vertriebskanal „Buchhandel“ ist und sich eigene Vertriebswege im Internet für sein „Buch 2.0“ finden kann.

Fortsetzung: Bücher zum Selberbasteln – Softwareunterstützung bei der Bucherstellung (5)

Bücher zum Selberbasteln – Drei Verlage, drei Druckergebnisse (3)


Der Link zu den Teilen zuvor:
Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)
Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)

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Wie man selbst zum privaten Buch kommt, hatte ich oben in den zwei Blogeinträgen bereits beschrieben gehabt. Was noch fehlte, war das Endergebnis meiner Bestellungen. Gestern kam die letzte Auslieferung und somit kann ich ein Fazit der Privatbücher ziehen.

Kurz nochmal zur Erinnerung. Aus dem Erbe meines Vaters hatte ich dessen Memoiren eingescannt und dann jeweils formatiert drei Verlagen zur Drucklegung übergeben:

  • dem Book on Demand-Verlag (BoD) mit Sitz in Norderstedt (bod.de)
  • dem Lulu-Verlag mit europäischem Sitz in der UK (lulu.com) und
  • dem Epubli-Verlag mit Sitz in Berlin (epubli.de)

Am 20. November bestellte ich jeweils ein Exemplar bei BoD und bei Lulu, zwei Tage später (am 22.) eines bei Epubli. Am 2. Dezember kam das Buch von Lulu und von Epubli in meinem Postkasten an. Epubli lieferte somit binnen acht Werktagen. Lulu benötigte 10 deutsche Werktage mit ihrer Lieferung des gefertigten Buches aus England (acht englische Werktage!). Lediglich BoD benötigte mehr Zeit und sein Exemplar traf am 3. Dezember (11 Werktage Lieferdauer) bei mir ein.

Wie ich bereits im ersten Blogeintrag dieser Kurzserie erwähnte, blieben die Versandkosten und die Kosten der Verpackung bei der BoD-Bestellung mit völlig im Dunkeln. Nachdem ich die Rechnung von BoD erhalten habe (das Buch war einfoliert in einem stabilen Pappumschlag), sind auch diese Kosten endlich klar. 85 Euro-Cent (Buchversandkosten) kommen damit auf den Buchpreis drauf.

Epubli hatte mir für die Verpackungs- und Versandkosten 4,95 Euro in Rechnung gestellt. Geliefert bekam ich das in einer Plastikfolienhülle eingepackte Buch in einem stabilen DIN A4-Pappumschlag, handfrankiert mit 1,45 Euro Normalpost aus Berlins Oranienstraße.

Lulu hatte mir für die VV-Kosten 7,99 Euro in Rechnung gestellt. Geliefert wurde per Eilbriefsendung („Priority-Mail“; analoge Kosten bei der DP ca. 8,50 Euro) aus dem Land der angelnden Sachsen.

Aufgrund dieser Erfahrungen stellen sich die Kosten für eine Privat-Buchbestellung anders dar:

Fun-Buecher

Lulu bleibt aufgrund seiner Anlieferung aus England der kostenintensivste Buchdruckverlag. Es können zwar ein paar Euros gespart werden, wenn man den Versand mit normaler Post durchführen lässt. Jedoch bleibt Lulu geldaufwendiger, je mehr Seiten das eigene Buch aufweist.
Epubli wird seine Gründe haben, einen normalen Großbriefversand (statt Büchersendung) durchzuführen. Die VV-Kosten von 4,95 Euro von Epubli verschaffen BoD einen komfortablen Kostenpuffer.
BoD bleibt selbst bei einem Taschenbuch mit 200 Seiten die kostengünstigste Druckwerkstatt der eigenen Schreibkunst. Denn nur BoD greift auf die kostengünstige Versandform „Buchsendung“ zurück.

Doch nun zu den Büchern an sich:

Epubli:
Epublis Buch hat mich am meisten mit dem glänzenden Buchumschlag überrascht. Erwartet hatte ich mir von dem Buchumschlag wenig. Epubli bietet seinen Kunden wenig Unterstützung, auf Design-Seiten ein attraktives Äußeres für das geplante Buch zu gestalten. Entsprechend eintönig sieht denn nun auch meine Auswahl aus. Auf der Rückseite konnte auch kein Buchtext verfasst werden. Allein der Barcode und die Internetadresse von Epubli wurden dort noch aufgebracht. Würde ich jemanden das Buch auf der Straße schenken, ich wette die erste Reaktion wäre »Boah ein Reclam-Heft! Ach nö, doch nicht«, denn dieses Exemplar hat eher das Aussehen eines Arbeitsexemplares für den Deutschunterricht. Fire and forget.
Wer sich nicht in Eigenregie ein Buchcover entwirft und es bei Epubli zu seinem Druck hochläd, der wird letztendlich zum einen mit einem schmucklosen Äußeren, zum anderen mit 4,95 Euro Verpackungs- und Versandkosten bestraft.
Auch der Beschnitt des Buches ist nicht wirklich als erstklassig zu bezeichnen. Am Beschnitt sind Wellen zu erkennen. Beim leichten über-den-Umschlag-gleiten-lassen der Finger spüren diese einen gratigen Buchumschlagrand.War das Messer nicht mehr scharf? Gab es gar eine »Aufbauschneide«? Vielleicht ist es aber auch handgeschnitten mit einem alten »Fallbeil« aus Holzbrincks Devotionalienhandel der Gutenberg-Zeit, genauso wie der Briefumschlag liebevoll handfrankiert wurde (kein Grat an der Briefmarke!).
Das Druckbild ist sauber. Zwei Graustufenbilder (eingescannte Dokumente) hatte ich in die Druckdatei eingearbeitet gehabt. Sie sind einwandfrei wiedergegeben. Auf der letzten Druckseite findet sich rechts unten der kleine Barcode von Epubli, nicht weit unterhalb des Schlussworts. Auf diese technische Ergänzung wurde seitens Epubli nicht hingewiesen. Sie findet sich aber eindeutig in der Vorschau-Ansicht des Buches und ist von mir übersehen worden.
Und noch eine kleine aber nicht unbedeutende Kleinigkeit, die ich ersthaft lobend hier erwähne: Titel und Autor finden sich auf den sehr schmalen Buchrücken. Zwar sind sie in Ameisengröße, aber diese Angaben sind vorhanden, sauber und einwandfrei. Weder BoD noch Lulu wiesen den Buchrückendruck auf, da denen mein Buch zu schmal war..

Lulu:
Da Lulu kein deutsches Taschenbuchformat (12x19cm) anbietet, griff ich hierbei auf das amerikanische 6×9-Zoll-Format zurück. Von allen drei Druckverlagen macht der Buchumschlag von Lulu am meisten her. Das liegt zum einen an der Möglichkeit, ein Foto ganzflächig auf der unteren Buchdeckelhälfte zu platzieren und zum anderen es mit von Lulu-angebotenen Werkzeuge farblich auf den Rest der Umschlaggestaltung anzupassen. Auch wenn das Buch mit nur 38 Seiten richtig dünn ausfällt, das Format gleicht optisch einiges aus.
Der Beschnitt des Buches ist fast erstklassig. Die letzte Seite hatte sich offenbar vor dem Schneiden gefaltet gehabt, sodass die Ecke der Seite ein künstlich gerissenes Eselsohr mit strenger Knickfalz aufweist. Diese falsch beschnittene Ecke hatte ich schon bei Nicht-Remitenten. Sowas ist zwar ärgerlich und definitiv auch reklamationswürdig, aber verschmerzbar.
Das Druckbild ist – bis auf eine Extra-Linie in einem Buchstaben im Text – einwandfrei. Die eingescannten Dateien werden aber mit erheblich mehr Grautönen dargestellt. Hierdurch erhalten die Grafiken einen sichtbaren Weiß-Grau-Rand. Weder bei Epubli noch bei BoD fiel mir das zuvor auf.
Auf der Buchrückseite findet sich lediglich der selbst geschriebene Buchtext und darunter der Barcode. Ein weiterer Hinweis – wie bei Epubli oder BoD – auf den Druckverlag wurde nicht mit aufgedruckt.

Book on Demand (BoD):
Hier macht das Taschenbuch den besten Eindruck. Das Buch könnte aus der Buchhandlung gekommen sein. Folienverschweißt und ein beanstandungsfreier Beschnitt. Das Druckbild ist ohne Mangel und die eingescannten Dokumente geben keinen Grund zum Beklagen. Auf der Buchrückseite findet sich sowohl der Barcode als auch das Logo von BoD in gleicher Größe. Da ich einen dunkelbraunen Umschlagton ausgewählt hatte, fällt das blaue BoD-Logo recht heftig aus dem Rahmen. Und das trübt etwas den gesamten guten Eindruck seitens des Druckverlages.
Will jemand diese Augenfälligkeit des Logos mindern, so müsste dann der Umschlag in den Logo-Farbtönen von BoD gehalten werden. Gut. Stände da jetzt PIPER oder KNAUR, dann wäre es wahrscheinlich mir egal, obwohl deren Logo raumgreifender ist als jenes von BoD. Es ist halt eine Augenfälligkeit, wenn sich die eigens gewählte Umschlagfarbe mit dem Logo-Blau von BoD beißt.

Quintessenz:

Von der Textformatierung über die Bestellung bis hin zum Empfang des Buches gibt es von den drei Druckverlagen schon jetzt einen, der es mir einfach gemacht hat: Epubli kommt an meine Ansprüche nicht heran. Schnittfehlers führen im Buchhandel zu Remitenten, die immer wieder gerne auf dem Wühltisch verkauft werden. Dass so eine Ware zur Auslieferung kommt, deutet auf nicht greifende Qualitätsregelkreise hin. Wenn bei einer Einzelbuchfertigung dieser Fehler nicht beseitigt wird, um dem Kunden ein einwandfreies Produkt zur Verfügung stellen zu können, was muss dann in einer größeren Bestellung erwartet werden? Ein solcher Beschnittfehler darf bei einer korrekt ablaufenden vorbeugenden Wartung der Betriebsmittel nicht auftauchen. Das Beschneiden von Büchern gehört zu der Kernkompetenz eines Druckverlages. Wenn die schon bei einem Einzelbuch nicht korrekt nachweisbar ist, wie sieht es dann mit den anderen Kompetenzen bei größeren Aufträgen aus?
Ein weiterer Punkt sind auch die VV-Kosten. Kundenfreundlichkeit bedeutet nicht, dass jemand eine Sondermarke zum Frankieren aufklebt (ich bin kein Philatelist mehr), sondern dass man den Bedürfnissen der Kunden auch monetär Rechnung trägt und Kosten vermindert. BoD macht es beispielhaft vor.
Epubli war für mich ein »Fire ’n Forget«-Versuch mit »Quick ’n Dirty«-Ergebnis: Zum Drucken von Privatbücher werde ich mich dort nicht mehr umschauen.

Lulu und BoD sind letztendlich die Kandidaten einer engeren Wahl.

Lulu hatte mir das Buch in einem sehr präsentablen Zustand zugeschickt. Bis auf die beiden kleineren Einzelfehlern, die keine systematische Fehlerursache bei der Produktion haben dürften, macht das buch optisch einen starken Eindruck.
Lulu krankt jedoch daran, noch kaum Fuß in Deutschland gefasst zu haben. Diese macht sich nicht nur auf deren Internetseite bemerkbar, wenn ein weiterführender Hyperlink auf einer englischsprachigen Seite endet. Lulu verdirbt sich seine Preise letztendlich durch seine unvermeidbaren hohen Portokosten (Versand aus UK nach D). Sollte Lulu mehr auf die Bedürfnisse des deutschen Marktes eingehen, würde Lulu zu einem ernsthaften Mitwettbewerber von BoD werden.

Es bleibt nur noch BoD. BoD bringt den Kunden dem Traum vom eigenen Privatbuch wirklich näher. Ich selber hatte an dem gelieferten Produkt nichts auszusetzen. Und schaue ich bei der Herstellung des Privattaschenbuchs rein aufs Geld, so bleibt eigentlich wirklich nur noch BoD. Dieser Druckverlag liefert im Bereich der Fun-Bücher bislang den meisten Mehrwert. Die beiden anderen lieferten mir entsprechend Wenigerwert.

Momentan sieht es für die Privatbuchherstellung in der Dreieckskonstellation BoDEpubliLulu so aus, das BoD fett im Geschäft sitzt, Epubli sich mit wenig Aufwand aber mit guten eigenem Kosten-Aufwand-Verhältnis (effizient und effektiv zugleich) am Geschäft beteiligen will und Lulu wie der Ferrari auf dem Kölner Ring zur Hauptverkehrszeit erscheint (ausgebremst und nicht wirklich effektiv).

Um es nochmals klar zu sagen: die Quintessenz bezieht sich nur auf Bücher mit Softcover (Taschenbuchausgaben mit geklebter Bindung). Bei höherwertigen Hardcover-Bücher (also Bücher mit gebundenen Rücken) kann die Bewertung aber ganz anders aussehen. Allerdings würde ich mit meinen jetzigen gemachten Erfahrungen eine Hardcover-Version eines anderen Druckes nur mit Lulu oder BoD planen. Bevor ich bei Epubli einen Hardcover in Auftrag geben würde, müsste ich erst einmal ein anderes zur Begutachtung in den Händen halten.

Und: meine Quintessenz bezieht sich nur auf eine Momentaufnahme der Fähigkeiten der Druckverlage. Das heißt, an einem anderen Tag (also nicht so kurz vor Weihnachten, sondern meinetwegen im Januar) könnte das Ergebnis wieder anders aussehen. Der Dreikampf »Lulu-BoD-Epubli« könnte dann über das Erscheinungsbild des fertigen Produktes wieder anders ausgehen. Allerdings wage ich hier meine Prognose, dass ich von Epubli noch immer genauso begeistert sein könnte.

Und: Sollte jemand privat seine eigene „Bibel“ oder seinen eigenen „Krieg und Frieden“ geschrieben haben und dieses Werk dann an alle seine 32 Familien- und Verwandschaftsmitglieder schenken wollen, so sei der Hinweis erlaubt, dass BoD beim Bestellvorgang die VV-Kosten nicht transparent darstellen wird. Die VV-Kosten können dann von der einfachen Black-Box zu einer harten „Büchse der Pandorra“ in Bezug auf den Preis pro Buch werden. Zwar erfährt man bei Lulu die VV-Kosten, aber leider erst nur beim Bestellvorgang. Bei beiden Verlagen hilft hierbei das Abschätzen des Gewichts des eigenen Werkes und das Studium der Tabellen der Deutschen Post (für BoD) oder der USPS („United States Postal Services“ für Lulu).

Ausblick:

Wenn ich vorhabe, meine Bücher zu veröffentlichen, wie sieht es mit Lulu, Epubli, BoD und den anderen bereits erwähnten Druckverlagen aus?
Das Ganze ist nicht so einfach. Auch mit dieser Frage habe ich mich beschäftigt. Anhand vier Verlage habe ich eine Übersicht erstellt, was die Kosten gewesen wären, würde ich das 52-seitige Taschenbuchheft mit den Erinnerungen meines Vaters auf den Markt gebracht haben.

Empfehlenswert für alle eigenen Druck-Vorhaben ist es, die Gestaltung des Umschlages in eigener Hand zu nehmen. Das eigene Buch gewinnt sicherlich mehr als alle drei oben erwähnten Druckverlage mit ihren Vorlagen anbieten können. Im nächsten Teil werde ich weiterführende Gestaltungshinweise zum Buch-Cover und zum Inhalts an sich geben. Nein, es werden keine High-End-Tipps an sich sein. Aber zumindest ein paar Gehhilfen, um zu einem besseren Ziel zu gelangen. Ganz konkret, ich werde auf Anfängerfehler hinweisen, die mir nach dem Erhalt meiner Bücher gleich selbst aufgefallen sind.

Eine weitere Frage, die nicht nur ich hatte, der ich auch im Internet immer wieder begegnete, betrifft die Frage nach Software-Unterstützung beim Schreiben des Buches. Welche Softwaren, die extra auf Autoren abzielen, gibt es? Worin unterstützen sie und wie sieht der Vergleich zu den Office-Paketen aus? Nicht alle marktverfügbaren Softwaren werde ich betrachten. Ich fand aber einige Software-Helferlein, die nicht erforderten, die Urlaubskasse zu plündern.

Dieses findet sich in dem nächsten und definitv letzten Teil dieser Serie.

Fortsetzung: Bücher zum Selberbasteln – Sein eigenes Buch veröffentlichen (4)

Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)


Der Link zu dem ersten Teil:
Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)

***

Aufgrund meiner eigenen Neugierde habe ich mich inzwischen bei zwei weiteren Verlagsdienstleistern angemeldet.

Der eine Dienstleister ist ein Unternehmen der Verlagsgruppe Georg von Holzbrinck. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH, ein Familienunternehmen, hat seinen Sitz in Stuttgart. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH publiziert in klassischen und elektronischen Medien. Dieser Gruppe gehören auch die sozialen Netzwerke schülerVZ, studiVZ und meinVZ. Auch Die Zeit und das Handelsblatt gehören zu dieser Verlagsgruppe.

Als Verlagsdienstleister hat die Verlagsgruppe Georg von Holzbrinck das Produkt „epubli – Buchdruck von morgen“ (http://www.epubli.de) auf den Markt gebracht.

Der andere Verlagsdienstleister ist tredition (http://www.tredition.de), welches seit Anfang 2007 besteht. tredition gehört keiner großen Verlagsgruppe an, sondern wurde von vier Menschen gegründet, die in das Verlagsgeschäft eingestiegen sind.

Während epubli sich an das gleiche Publikum wie lulu und BoD richtet, ist die Ausrichtung von tredition eher auf Audiobools und Ebooks. Gedruckte Bücher kommen bei tredition erst an dritter Stelle und sind ein angebotenes Nebenprodukt der Ebooks. Somit ist tredition eher etwas für Leute, die Bücher schreiben und diese dann im größeren Stil vermarkten wollen. Entsprechend ist auch der Autorenvertrag zwischen tredition und Autor gehalten. Wer mit tredition lediglich ein Dutzend einzelne Bücher herstellen will, ist dort nicht so gut aufgehoben.

Ich habe jetzt bei diesen vier Dienstleister verglichen, was die reine Bucherstellung (Schwarz-Weiß-Druck) kostet. Der Vergleich richtet sich also an all die, welche ein Buch nur für sich erstellen möchten (Fun-Buch).

tredition habe ich trotz seiner Ausrichtung auf spezielles Klientel mit in den Vergleich mit hinein genommen.

Schwierig war es lulu mit BoD und epubli direkt zu vergleichen. Das Problem ist das Angebot der Buchformate. Während BoD und epubli das normale deutsche Taschenbuchformat 12x19cm anbieten, finden sich bei lulu nur ähnliche Formate, welches sich nach dem amerikanischen Zoll-Maßsystem richtet.

Ich habe hierzu das lulu-Format 15,24×22,86cm (lulu-US Trade-Format) und das lulu-Format 10,795×17,463cm (lulu-Paperback) gewählt und anhand meiner im ersten Teil erstellten Datei das Verhältnis auf das Taschenbuchformat 12x19cm umgerechnet.

Das bedeutet, dass der gleiche Text des Taschenbuchformat 12x19cm mit 52 Seiten im lulu-US Trade-Format 38 Seiten ergab. Im lulu-Paperback waren es 64 Seiten. Mir ist klar, dass je nach Art des Textes die Seitenzahl schwanken kann. Dieses kann sich im Buchpreis auf eine Abweichung von 10 Euro-Cent nach oben oder nach unten auswirken. Es hängt vom Text ab.

Mit all diesen Daten (basierend auf ein von mir erstelltes Buchdokument) habe ich die folgenden Preisverläufe (Stand: 23. November 2009) abhängig von der Seitenzahl des Buches in einer Grafik eingebaut:

Preise_Grafik

Hieraus ergibt sich, dass BoD bei einer Seitenzahl bis zu 100 Seiten die kostengünstigere Variante ist. Bei höheren Seitenzahlen ist epubli von allen Anbietern preislich der Günstigere.

Anhand der Grafik zeigt sich auch die Verwendbarkeit von BoD. Für Bücher mit wenig Seiten ist BoD am Günstigsten, wird aber schon ab einer Stärke von ca. 125 Seiten sogar in der Herstellung teurer als das Angebot lulu-US Trade-Format. Nach 200 Seiten hat BoD sogar das Angebot lulu-Paperback übertroffen.

Interessant ist bei diesem Vergleich auch, dass lulu-Paperback immer teurer ist als das Taschenbuch-Format von tredition. tredition wird also dann interessant, wenn jemand größere Publikationen (mehr als 200 Seiten) mittels EBook, Audiobook und mit zusätzlich angeschlossenem Print-Book (auf deutsch: das ausgedruckte Buch) auf den Markt bringen möchte.

Lulu scheint somit bei Büchern bis 125 Seiten abgeschlagen zu BoD und epubli. epubli könnte nach dieser Grafik also eine Empfehlung sein. Dieses stimmt erst einmal, wenn man sich lediglich die Produktionskosten anschaut und sich nur auf die Angebote ohne Veröffentlichung mit ISBN-Erteilung einlässt (also reine Privat-Editionen). Und es stimmt auch nur, wenn man all die Randbedingungen unbetrachtet lässt, die unter dem Bereich ‚Service‘ und ‚Unterstützung‘ für die Privat-Autoren fallen. Denn epubli bot weniger Unterstützung beim Buch-Design als es von BoD und Lulu angeboten wird. Hierzu hatte mir Prinz-Rupi einen treffenden Kommentar gegeben (Link).

Auch die Versandkosten habe ich jetzt außen vor gelassen, da ich diese von epubli, BoD und Lulu nach Erhalt der von mir bestellten Bücher mit einberechnen werde.

Dieses ist erst nur ein Zwischenbericht, was die Kosten anbetrifft. Wichtig dabei ist zu beachten, dass ich als Basis meine Buchvorlage gewählt hatte. Bei anderen Buchvorlagen können sich ohne Zweifel Verschiebungen ergeben. Die Tendenz für die Buchdruckkosten wird aber trotz dieser Verschiebungen die Gleiche bleiben.

Erhebliche Verschiebungen kommen aber dann, wenn der Autor überlegt, nicht nur ein Privat-Buch zu erstellen, sondern es wirklich auf dem Büchermarkt heraus zu bringen. Hierbei fallen bei allen Anbietern Zusatzkosten an, die unterschiedlich sind. Auch die darin dann enthalten Dienstleistungen, ein Buch auf den Markt zu bringen sind unterschiedlich.

Darum wird das, was über diese Kosten hinaus geht, im dritten Teil meiner Kleinserie enthalten sein.

Wie schon geschrieben, das geschieht, sobald ich alle meine bestellten Privat-Bücher bekommen habe.

Fortsetzung: Bücher zum Selberbasteln – Drei Verlage, drei Druckergebnisse (3)

Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)


Langsam setzt die Weihnachtsgeschenkepanik ein. Oder auch nicht. Es kommt nur darauf an, wie schnell einem eine Idee kommt. Mir kam die Idee ein echtes Buch mal mittels eines Buch-Dienstleisters selber zu erstellen.

In meinen Archiv der nützen und unützen Staubfänger fand ich aus dem Nachlass meines Vaters dessen Memoiren. Er hatte vor 15 Jahren seine Erinnerungen niedergeschrieben und mir dann – „Ich hab dir schließlich geholfen den Computer zu kaufen“ – zum Abtippen und Binden – „Du hast mir mal gesagt, an Eurem Institut könnt ihr Bücher binden“ – gegeben.

So saß ich damals an meinem 386er 40 MHZ (sic!) und tippte das in „WordPerfekt für DOS“ (sic!), was ich so aus meines Vaters Handschrift entziffern konnte. Er hatte eine Vorkriegshandschrift und seitdem ich sie entziffern gelernt hatte, machen mir andere kryptischen „Sauklauen“ (wie die meinige) keine wirklichen Probleme mehr.

Leider musste ich jetzt feststellen, dass die CD mit den Originaldateien Datenverlust verzeichnet. Die CD war altersbedingt unlesbar geworden. Totaler Datenverlust. Vielleicht hätte ich ja mal vorher die CD umbrennen sollen …

CD-Datenverlust hin, CD-Datenverlust nach 15 Jahren her, das Papier, auf dem ich damals ausgedruckt hatte, zeigte keinen Datenverlust. Den Nachlass meines Vaters mit seinen Erinnerungen habe ich jetzt nicht nochmals abgetippt. Es gibt ja Scanner und OCR-Software.

Das Ergebnis davon war also eine verwertbare Datei, die ich zu einem Buch umsetzen wollte. Und dieses habe ich vorgestern bei „BoD“ (Books on Demand GmbH, Norderstedt; http://www.bod.de) durchgeführt.

Gestern las ich dann den Eintrag von Prinz Rupi in seinem Blogeintrag Autor sucht Verleger (5): Der direkte Weg zum eigenen Buch. „Lesen“ ist jetzt allerdings ein wenig zu viel behauptet. Er hat dort in seinem Eintrag ein YouTube-Video verlinkt, welches einen wirklich erhellenden und kurzweiligen 55-Minuten-Vortrag von ihm zeigt (Link: YouTube-Video). In diesem Vortrag geht er besonders auf die Möglichkeiten ein, über Buch-Dienstleister ein eigenes Buch kostengünstig zu produzieren. Er bezog sich hierbei besonders auf „BoD“ (http://www.bod.de) und „Lulu“ (http://www.lulu.com).

Angeregt durch diesen Vortrag habe ich gleich meine Daten nach der Anmeldung auch bei Lulu hoch geladen.

Sowohl bei BoD als auch bei Lulu habe ich die jeweils Option gewählt, welche recht nah an einem veröffentlichbaren Buch liegen. Im Grunde müsste ich bei beiden nur noch eine ISBN beantragen, etwas mehr Geld hinblättern und schon würde jeder die Memoiren meines Vaters bei amazon.de bestellen können.

Bei BoD ist diese publikationsnahe Dienstleistung das „BoD-Fun“-Angebot. Bei Lulu gibt es so etwas explizit nicht, aber wie sich nachher zeigt, wird m.E. jedes Buchprojekt erst einmal privat angelegt und ist dann per Mausklick der Weltöffentlichkeit im Buchhandel zur Verfügung stellbar.

Was ich hier nur zeigen möchte, sind die Unterschiede zwischen BoD und Lulu. Die Unterschiede, die mir direkt auffielen und die mir bei dem einen besser gefiel als beim anderen.

Basis war ein Foto (zur Buchtitelgestaltung) und die entsprechende Datei, um ein Paperback-Buch zu erstellen.

Das Ergebnis bei „BoD“:
Um ein Paperback zu erstellen sind mindestens 52 Seiten erforderlich. Bei der Buchgröße von 12×21 cm musste ich ein wenig bei den Formatierungen nachhelfen, um auf die 52 Seiten zu kommen.
Der Preis des Buch-Exemplar beträgt 3,62 EUR. Zu Porto-Kosten fand ich keine Angaben. Ebenso wenig zur Dauer bis zum Erhalt des Exemplars.
Die Bezahlung soll auf Rechnung erfolgen. Der Einfachheit halber habe ich dort meine Kontodaten mit Einzugsermächtigung hinterlassen (no risk, no fun).

Das Ergebnis bei „Lulu“:
Die Größe des Paperback-Buchs hatte ich mit 15.24×22.86 cm (6×9“) gewählt, was 38 Seiten ergab. Der Preis des Buch-Exemplar beträgt 7,38 EUR (bei 2 Exemplaren gäbe es schon 10% Rabatt). Das Drucken dauert normalerweise 3-5 Werktage plus Versand mit 7,99 EUR für 5-12 Werktagen. Die Bezahlung erfolgt entweder über Kredit- oder Kontodaten oder über PayPal.

Jetzt zu den einzelnen Punkten bei der Unterstützung zur Buchgestaltung der beiden Anbieter:

Monetäre Bewertung:
Vom Preis her dürfte einwandfrei BOD gewonnen haben. Unklar sind mir aber deren Versandgebühren. Ich werde es wohl noch erfahren.

Buch-Cover-Gestaltung
Eine reichhaltige Vielfalt der Buch-Cover-Gestaltung mit entsprechenden Vorlagen bietet BOD. Lulus Vorlagen sind nicht so reichhaltig. Auffällig war aber, dass die Fotogestaltung auf den Buch-Covern bei BoD recht bescheiden war, während Lulu eine Anpassung der Fotos über Größe und Ausschnitt ermöglichte.

Anwenderfreundlichkeit
Die Anwenderfreundlichkeit bei der Buchgestaltung (sprich: formatieren etc.) geht eindeutig zugunsten von Lulu. Lulu bietet für alle angebotenen Buchgrößen entsprechende Formatvorlagen. Die Formatierung verlief damit sehr einfach. Und das schöne, die Vorlagen sind im Word-doc-Format und im rtf-Format. Mit der aktuellen Version von Open Office hatte ich keine Probleme die Vorlagen zu nutzen.
BoD bietet hierbei gar nichts. Wer die Seiteneinstellung bei dem eigenen Daten nicht korrekt durchführt, wird möglicherweise Überraschungen wegen falschem Buchformat erleben. Die Hilfetexte von BoD auf deren Portal haben mir nicht sonderlich viel Licht ins Dunkle gebracht. Zumindest ich hatte nichts hilfreiches gefunden.
Was mir bei Lulu auffiel, waren zum Teil nicht ins Deutsche übersetzte Sätze im Englischen bei bestimmten Sachen. Für mich ist das kein Problem, für Englisch-Unkundige vielleicht schon.

Logistik und Rechnung
Transparenz in Sachen Rechnung und Lieferzeit liefert eindeutig Lulu. BOD hat es damit weniger. Eigentlich ist mir noch immer schleierhaft, wie lange ich auf mein Buchexemplar zu warten habe.

Portalbewertung
Für registrierte und angemeldete Anwender ist das Portal von BoD („myBoD“) im eigenen Bereich eindeutig aufgeräumter als bei Lulu („Mein Lulu“) und in vier klare Bereiche unterteilt. Allerdings gefällt mir der Aufbau von Lulu besser, weil ich mit der linken html-Menüleiste in meinem bereich kreuz und quer umherspringen kann. Wer klare Strukturen vorzieht, der wird bei Lulu leicht verschnupft reagieren und sich bei BoD wohl fühlen.

Datensicherheit
Erstmal habe ich keine Ahnung, wo meine Kontodaten sicherer sind. Im Zweifelsfall sind sie nirgendwo sicher, würde mir jeder Datenbeauftragte erzählen. Aber mir ist aufgefallen, dass meine Kontodaten bei BoD einmal eingegeben nicht mehr editierbar sind. Bei Lulu kann ich diese Daten selbständig editieren und/oder löschen. Sicherlich ist es für BoD praktischer, wenn sich jeder User bei Änderung der Kontodaten bei denen per Mail, Post oder Fax melden muss, anwenderfreundlicher ist aber hierbei Lulu.

Vorläufiges Fazit:
Lulu ist für die Erstellung eines Einzelexemplars sicherlich teurer als BoD. Auch bei den Vorlagen für die Covergestaltung glänzt BoD. Aber dann fällt eigentlich BoD im Vergleich zu Lulu ab.

Ausblick:
Was mir jetzt nur noch fehlt, ist der direkte Vergleich in Sachen Lieferung des Buches. Und freilich die Qualität der beiden Buchausgaben an sich. Sobald BoD und Lulu geliefert haben, werde ich dazu einen weiteren Blogeintrag verfassen und meine endgültige Bewertung dazu geben.

Nichtsdestotrotz, ich finde es faszinierend, wie einfach es ist, ein eigenes Buch zu erstellen. Dieses dann auf den Markt zu bringen, das ist dann wohl mit BoD und Lulu das kleiner Problem. Das größere Problem ist aber dann – wie immer – der Käufer. Aber der Weg zum Pulitzer-Preis war noch nie einfach.

Fortsetzung: Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)

Über allen Gipfeln auf dem Dach der Welt


Nach der Lektüre von John Krakauers Bericht „In eisigen Höhen“ über die Bergsteigerkatastrophe auf dem Mount Everest im Jahr 1996 verfolgte mich für kurze Zeit ein Bild, dass die Routen vom letzten Hochlager bis zum Gipfel des Berges von erfrorenen Bergsteigern am „Wegrand“ eingerahmt sind. Eine Armee der Eis-Gewordenen auf dem Dach der Welt.

Absurd erscheint es, dass Menschen sich in gefährliche Grenzbereiche hinein wagen, ihr Leben als Preis für das Erklimmen des höchstens Erdpunktes in die Waagschale werfen. Im Endeffekt ist es höchstens paradox und surreal. Denn Menschen haben schon immer deren eigene Grenzbereiche ausgelotet.
Gut organisierte, kommerzielle Expeditionen auf den Mount Everest ermöglichen dieses Erlebnis. Die geplante Lebensgefährdung als kommerzialisiertes Kalkül. Der Gefriertod als ständiger Begleiter. Seit der Mount Everst bestiegen wurde, sind bislang mehr als 200 Menschen verunglückt. Abgestürzt oder in der Todeszone nahe des Gipfels schlicht erfroren. Mittels Google finden sich Bilder der Toten, die sich dort noch immer befinden, weil deren Bergung aus der Todeszone des Mount Everest zu gefährlich ist.

Durch Zufall erhielt ich nach der Lektüre des Buches von einem Arbeitskollegen den IMAX-Film „Everest“. Dieser Film wurde an den Tagen jenes Unglücks gedreht, über den John Krakauer schreibt. Im Film sieht es mühsam, aber doch recht einfach aus, wenn die Menschen den höchsten Punkt der Erde begehen. Der Film zeigt keine erfrorenen Bergsteiger. Und er zeigt auch nicht die direkten persönlichen Mühen. Das gelesene Buch im Hinterkopf war mir aber wie ein Untertitel zu dem Film.

Mir fiel dabei das Drama im vergangenen Jahr am Nanga Parbat ein, wo zwei Bergsteiger von einem Hubschrauber aus dem Berg gerettet wurden, nachdem beide zuvor ihren erfahrensten Bergsteiger „verloren“ hatten. In der Presse fand dieses Drama am Nanga Parbat ein großes Echo.
Etwa zu der gleichen Zeit stürzte ein Einkäufer eines großen französischen Autokonzerns mit seinen fünf Begleitern am Mont Blanc in den Tod. Dies fand in der Presse keine Beachtung. Von diesem Unglück erzählte mir ein Arbeiter jenes Autokonzerns. In einer Randnotiz fand ich später in Google das Unglück bestätigt.

Berge reizen mich nicht. Ich finde sie imposant, aber ich schaue lieber zu ihnen rauf. Persönlich bin ich eher derjenige, der am Strand aufs Meer rausschaut. Derjenige, der raus schaut und der hypnotischen Musik der Wellen zuhört.

John Krakauers Buch hat mich trotzdem fasziniert. Aber es hat mich auch darin bestärkt, mutwillig keine Berge zu bewandern oder gar zu erklimmen. Lieber setze ich mich den Tsunami- und Sonnenbrand-Gefahren an Stränden wie oben in meinem Blog-Header aus.

Nun ja, wahrscheinlich bin ich einfach nur pragmatisch bewegungsfaul.

Das Buch "Der Dompteur der Affen" von Supergringo (eine Buchrezension)


Der Darsteller, der dem Zaungast ein gesellschaftliches Paradies vorspielt, ist von ihm abhängig, genau wie der Dompteur vom Affen; das Verhältnis beider ist dialektisch verschränkt; die Dressur des Zaungastes wirkt auf den Darsteller zurück; der eine ist jeweils Affe und Dompteur des anderen, beides zu gleicher Zeit.

Hans Magnus Enzensberger (1962)

Buch-Screenshot

Der Autor:
„Supergringo“ ist das Pseudonym eines 40-jährigen Mannes aus der Gegend Mannheim/Frankfurt. Sein Pseudonym hat der Autor nach eigenem Bekunden in Brasilien von Bekannten in Rio de Janeiro erhalten. Der Begriff „Gringo“ bezeichnet in Brasilien wie überall in Südamerika den Ausländer (seinen Ursprung hat das Wort aus dem Englischen „Green go“und bezeichnete anfangs die amerikanischen „Green Barrets“ und wurde dann zum allgemeinsprachlichen Begriff für alle Ausländer Südamerikas). Mit der Vorsilbe „Super“ wurde der Begriff „Gringo“ übersteigert, womit der Autor seinen Spitznamen in Brasilien weg hatte. Unglücklich darüber war er nach eigenem Bekunden nicht, weil er nicht wirklich negativ gemeint war. Lediglich für deutsche Ohren klingt einiges Negative in diesem Wortspiel mit.

Das Buch:
„Der Dompteur der Affen“ spielt in der Metropole Rio de Janeiro Brasiliens. Der Autor verbringt dort 14 Tage Urlaub. Das Ziel für ihn ist klar ausgerichtet: er will die Frauen jener Stadt treffen. Genauer gesagt, er will die Frauen, welche im südlichen Teil der Stadt Rio de Janeiro in jenen weltbekannten Vierteln Cobacabana und Ipanema leben. Und er will sie nicht nur sprechen, er will sie erleben mit Haut und Haaren. Durch seine bereits zehn Aufenthalte zuvor kennt sich Supergringo aus, wo er sie treffen kann. Er spricht nicht nur deren Sprache, er kennt auch deren Art und Weise, wie sie ticken und wie sie denken. In jenen 14 Tagen lebt Supergringo ein unbeschwertes Leben.

„Ich habe mehrere konträre Gefühle und Gedanken. Zum einen, ganz profan, ich bin im Urlaub und will ein unbeschwertes Leben.“

Der Satz im letzten Viertel des 136-seitigen Buchs ist nicht das formulierte Postulat seines Urlaubs, sondern dieser Satz unterstreicht, was bereits über 100 Seiten geschildert war.

Meine Bewertung:
In die Rubrik „Sextourismus“-Berichte lässt sich dieses Buch definitv nicht einordnen. Es ist zwar definitiv erst „frei ab 18 Jahre“ und dessen erotische Schilderungen werden manches Mal auch richtig konkret, aber nie werden sie vulgär. Sicherlich ist es möglich das Buch als „Sextourismus“-Berichte herunter zu machen und zu dequalifizieren, aber sowas wird dem Buch nicht annähernd gerecht.
Im Vergleich zu echten „Sextourismus“-Berichten (a la „Elicsan“, der über seine Tourismus in Thailand im Jahr 2001 berichtet hat, oder „Ebres“, der seinen 14-tägigen Aufenthalt im Jahr 2001 in Rio als Stafettenlauf von Prostituierte zu Prostituierte beschrieb; s.a. http://thailandbuch.de) kann Supergringos „Der Dompteur der Affen“ nicht mithalten. Mit detaillierten Tipps zur Prostituiertenszene in Rio de Janeiro kann dieses Buch nicht dienen. In jenes Paysex-Genres des „Kiss’n tell“ passt dieses Buch einfach nicht rein.
Mir ist klar, dass manche dieses Buch nach dem Klischee „Zuckerhut, Samba, Frauen“ gerne in so eine Schublade packen würden, aber es wird immer nur die eigene Schublade bleiben. Das Buch wird keine neue Schublade aufmachen, wo nicht schon eine vorhanden ist. Und wenn es geschieht, wird es schade sein.

Denn das Buch bietet überraschenderweise eine sehr klar strukturierte Handlung. Nicht nur lernt der Protagonist sein Mädchen kennen, auch lernt er durch sie deren Umgebung kennen, deren Lebensumfeld, deren Mutter und Schwester. Und dieses verkommt nicht lediglich zu einer Randnotiz, einem Einmal-Handtuch der Erzählung, sondern es bestimmt sowohl den Verlauf des Romans und als auch gibt es Einblicke zu den Personen der Geschichte und deren Leben. Dem Mädchen, die Mutter und der Schwester kommt gegen Ende des Romans eine Schlüsselstellung zur Auflösung dieser Konstellation zu.

Erst in den letzten beiden Kapiteln erklärt sich der Titel „Der Dompteur der Affen“. Er hat im Grunde wenig mit dem davor Geschriebenen gemein. Weder hat Supergringo zuvor Chancen die Dompteur-Rolle auszuüben, noch lässt ihn eine der weiblichen Protagonisten diese Rolle belegen. Die Rolle des Dompteurs kommt erst am Schluss, aber wie und warum, dass muss sich jeder selber erlesen.

Der Roman kommt nicht mit gerecktem moralischen Zeigefingern dem Leser daher. Ebenfalls begeht der Autor auch nicht den Fehler, einfach mal direkte und offene Vergleiche zwischen der deutschen und brasilianischen Kultur her zu stellen. Wenn es vergleiche gibt, so fallen sie dezent und fast unauffällig aus. Letztendlich bleibt es dem Leser selber überlassen, solche Vergleiche anzustellen und selber moralisch darüber zu urteilen.

Nebenbei ist die Handlung kein 1:1-Bericht, sondern die Figuren und Handlungen hatte der Autor nach eigenem Bekunden mir gegenüber aus verschiedenen erlebten Dingen verdichtet. Die Personen des Buches an sich sind bis auf den „Ich“-Erzähler wohl alle mehr oder weniger fiktional, deren Leben findet sich aber als mehr oder weniger große Mosaiksteinchen im Leben anderer Brasilianerinnen wieder.

„Der Dompteur der Affen“ ist locker und unterhaltsam. Wer eine Geschichte mit tiefgehender Analytik oder gar moralischen Anwandlungen zu Rio de Janeiro und Sextourismus im speziellen erwartet, der geht in diesem Buch leer aus. In diesem Buch findet sich dazu nicht das geringste.
Bei dem Buch handelt es sich um einen Roman, welches im Tagebuch-Format geschrieben worden ist. Für mich gehört es eindeutig in den Unterhaltungsbereich der erotischen Erlebnisromane.

Zusammenfassung
Auf einer Schulnoten-Skala zwischen 1 und 6 gebe ich dem Buch eine „2“.
Lockere, luftige Unterhaltung leicht und angenehm zu lesen.
Das Buch zu lesen hat sich gelohnt.

Zusatzanmerkungen
Zu den oben von mir erwähnten Schubladen, die bei manchem Brasilienfreund und Brasilienkenner aufgehen, und dort dann das Buch wohl endlagern wollen, fiel mir eine markante Szene aus dem Film „Harold & Maude“ ein. Nicht weil der Autor Supergringo des obigen Buches wie Harold als anfänglicher Antiheld durch den Roman schlurft, sondern weil das Thema „Sex und Brasilien“ bei manchem verdammt strenge Gefühlswallungen hervor ruft:

Mrs. Chasen füllt für ihren Sohn Harold einen Kontaktfragebogen aus und liest deren Fraggen laut vor:
„Wird das Thema Sex ihrer Meinung nach von unseren Massenmedien übermäßig ausgeschlachtet?“
Sie hält kurz inne. Harold lädt einen Trommelrevolver.
„Das muss man mit JA beantworten. Findest du nicht?“
Harold richtet einige Zeit später die Waffe erst gegen seine Mutter dann gegen seine Stirn.
Mrs. Chasen (aus dem Fragebogen vorlesend): „Sind Sie der Meinung, dass die sexuelle Revolution zu weit gegangen ist?“ (ausfüllend, leicht empört) „Aber sicher, ja.“ (wieder aus dem Fragebogen vorlesend) „Halten Sie die Idee des Partnertausch für geschmacklos?“ (selber antwortend) „Ich halte schon die Frage selber für geschmacklos.“
Harold erschießt sich.
Mrs. Chasen empört: „Harold, bitte!“
(aus dem Film „Harold & Maude“)

Weitere Buchdaten:
136 Seiten
Auflage: 2 (11. September 2008)
Bestellnummer: ISBN 978-3837040876
Preis: 9,80 €

"Brasilien im Original" von Peter Reinhold: Eine Buchrezension


Brasilien hat Schönheit.
Brasilien hat Schönheit und Klasse.
Brasilien hat Schönheit, Klasse und Flair.
Brasilien hat Schönheit, Klasse, Flair und am achten Tag der Schöpfung verfügte Gott die erste Ausweisung aus seinem Garten „Eden“, um damit dort die Lebensqualität im Paradies zu steigern. Er siedelte Menschen aus dem Paradies jenseits von „Eden“ in Brasilien an.

Nein, das steht jetzt nicht in der Bibel, aber so erzählen sich die Menschen der ganzen Welt, wenn sie sich über die Situation der Menschen Brasiliens unterhalten.

Brasilien ist nun mal einzigartig. Dessen Land und dessen Leute sucht man in der Welt ein zweites Mal vergebens. Die meisten Menschen, die Brasilien kennen gelernt haben, lässt jenes Land nicht mehr los.
Und so kann es schon passieren, dass dann das ein oder andere Buch darüber geschrieben wird.

Peter Reinhold hat seine Erfahrungen im „Books on demand“-Verlag unter dem Titel „Brasilien im Original“ veröffentlicht.

Der Autor
Wolf Peter Reinhold ist mit 54 Jahren im Jahr 1997 zusammen mit seiner damals 25-jährigen Frau Tina nach Brasilien ausgewandert. Der gebürtige Dresdener kappte seine erfolgreiche Werbetexterkarriere und tauschte seinen damaligen Lebensmittelpunkt Düsseldorf mit dem in Brasilien. Dort lebte er in den zehn Jahren an vier verschiedenen Orten, kehrte dann aber 2007 mit seiner Frau nach Europa zurück. Zuerst zog es ihn nach Lissabon, dann nach Berlin. Seit September 2009 sind Peter und Tina Reinhold wieder nach Brasilien zurück gekehrt: „Nun endgültig“, wie er in seinem im Juli 2009 veröffentlichten Buch „Brasilien im Original“ am Schluss schrieb.

Das Buch
„Meine 10 Jahre auf einem anderen Planeten“ so lautet der Untertitel des Buches. Auf 438 Seiten versucht Peter Reinhold nicht nur spannende Lektüre zu bieten, sondern auch Anregung für Urlaubsplaner und Hilfe für Auswanderer. Höhepunkte des Buches sind nicht nur die Tagebuch-ähnliche Beschreibungen seiner Rundreise durch halb Brasilien (ca. 11.000 km in 26 Tagen) und die diversen Schicksale von deutschen Auswanderern mit Träumen, die von der brasilianischen Realität mehr oder weniger einkassiert werden, sondern auch die Beschreibungen der Umgebung im Nordosten in der Nähe des Amazonas-Deltas.
Peter Reinhold hatte vor seinem Leben in Brasilien bereits Erfahrungen als Camel-Trophy-Fahrer in Papua-Neuguinea sammeln können. Diese konnte er dann in Brasilien entsprechend bei seinen Fahrten über Dünen und unwegsamen Straßen mit seinem Landrover einbringen. In Randbereichen seines Buches geht er auch kurz auf brasilianische Realitäten ein, die ziemlich drastisch und kontrastreich dem zuvor beschriebenem entgegen stehen.

Meine Bewertung
Das Buch ist im Grunde kurzweilig und auch interessant geschrieben. Reiseberichte und Reisebeschreibungen sind lesenswert und detailliert. Das Buch hat zwar die Anwandlungen eines Romans. Es ist aber eher ein Zwitter aus reiner Reiseberichterstattung und Betrachtungen der brasilianischen Realität.
Allerdings liegt hier auch die Schwäche des Buches. Der Autor und seine Frau sind einerseits die Protagonisten des Buches, die als Klammer der Handlung dienen, andererseits bringt der Autor sich nur distanziert in bestimmten Situationen ein und seine Frau taucht eher als Randfigur auf.
Als ich das Buch in meinen Händen hielt und auf dem Buchrücken vom erklärten Ziele des Autors der Aufklärung über das wahre Brasiliens las, steigerten sich meine Ansprüche. Aber ein Buch, welches sowohl als „spannende Lektüre, Urlaubsplaner oder Hilfe für Auswanderer“ dienen soll, muss mehr bieten.
Um es vorweg zu nehmen, Auswanderungswillige nach Brasilien erfahren in diesem Buch zwar einiges detailliertes über Schicksale von Auswanderern, viel mehr als in jeder Doku-Soup der privaten Fernsehprogramme. Aber welche weitreichenden Schwierigkeiten Brasilien einem Einwanderer bietet, das findet sich nicht beschrieben. Dass Brasiliens Bürokratismus organisatorisch alles auf die Verantwortung seiner Bürger abschiebt und somit heftiger ist, als wie man den Bürokratismus aus Deutschland kennt, das wird in einem eigenen Kapitel über die Ummeldung eines Fahrzeugs nach Umzug beschrieben. Aber Tipps, wie man den Bürokratismus Brasiliens erträglicher machen kann, sind nicht beschrieben. Insofern bedient das Buch die Zielgruppe der Auswanderungswilligen nur am Rande. Zudem fehlt auch der eindeutige Hinweis, dass Brasilien längst kein Einwandererland mehr ist und insofern Einwanderer es heute erheblich schwerer haben als noch vor zehn Jahren.

Als „spannende Lektüre“ empfand ich das Buch nicht. Das Buch ist interessant. Das Buch beschreibt Gegenden und gibt merkenswerte Reisetipps.
Nur wenn sich für mich Spannung mal aufgebaut hat, so hat es der Autor geschafft, diese durch seine Ausdrucksweise zu reduzieren. Ich weiß nicht, wie oft ich die Worte „herrlich“, „köstlich“, „schmackhaft“ und „knusprig“ im Zusammenhang mit Essen oder „eisgekühlt“, „eiskalt“ oder „sehr kalt“ in Zusammenhang mit Bier lesen musste. Wie oft er sich Bier oder Kokosnuss-Wasser in den „Schlund geschüttet“ hatte, kann ich jetzt nicht sagen. Es waren viele, viele Male. Und das jedes mal erneut zu lesen, hat doch ermüdet.

Darüber hinaus nervten mich auch noch dann Wiederholungen: Beispielsweise findet sich in dem Buch dreimal an verschiedenen Stellen die Beschreibung, wie der Junge „Pedro“ einem undankbaren Holländer dessen Brille aus dem brauen Wasser eines Flusses gefischt hatte, nachdem jenem Tourist sie ins Wasser fiel. Und diese Beschreibungen waren fast identisch, ohne eine wirkliche Variation. Oder er schreibt über Jürgen Klinsmann in einem Zusammenhang, der in Deutschland schon längst keine Rolle mehr spielt, nachdem Klinsmann zweimal erfolglos Trainerjobs ausgefüllt hat.

Ebenso finden sich in dem Buch Rund-um-Schläge gegen verwöhnte deutsche Europäer, die nur ausgetretene Touristenpfade von Reiseveranstalter betreten möchten, und faule Brasilianer, die zwar höflich bedienen aber ansonsten keine europäische Ethik kennen. Es ist diese Art Überheblichkeit, wie ich sie schon bei anderen Auswanderern beobachten konnte. Eine Überheblichkeit, die die bedingungslose Lufthoheit über jeden Stammtisch sofort für sich einfordert. Ich spreche damit dem Autor nicht seine Kompetenz ab. Nur leidet darunter das Buch, wenn er fast generell kein Einfühlungsvermögen für unterschiedliche Positionen zeigt.

Der Sprachstil des Buches schwankt. Mal anspruchsvoll, dann wieder dahin gerotzt. Schreibt der Autor beispielsweise, wie er sich mit seiner Reisegruppe aufgrund des Fehlens von Trinkhalmen und Bechern „das frische Kokoswasser direkt ins weit geöffnete Maul“ gießt und zwei Sätze später schreibt er von „Reklame mit großmäuligen Qualitätsversprechen“ (bezogen auf ein gebrochenes amerikanischen Bärenmesser), dann ist das ganze nicht nur eine stilistische Blüte. Auf mich machte das eher den Eindruck einer sprachlichen Blutgrätsche als wirklich durchdacht. Solche Dinge mögen vielleicht sogar als Ironie gedacht gewesen sein, aber indirekte Hinweise, dass solche stilistische Blüten vorsätzlich begangen worden sein könnten, fand ich nicht.
Es scheint wohl dem Naturell des 66-jährigen Autors entsprechen.
Der Sprachstil ließ dann auch mehr auf den Autor blicken, als er von sich selber beschreibend frei gab. Aber ich kann mich meines Eindruckes ja auch irren.
Oftmals kratzt das Buch auch nur an der Oberfläche der brasilianischen Realität (jedes persönliche Gespräch mit Brasilianern bringt mehr soziologische Hintergrundinformationen zu Brasilien als dieses Buch).
Verwirrend ist auch, dass der Autor bei der Umrechnung der Landeswährung immer wieder zwischen Euro und D-Mark hin- und herspringt und das obwohl das Buch erst im Juli 2009 rausgebracht wurde.
Das Buch „Brasilien im Original“ von Peter Reinhold ist im Großen und Ganzen schon lesenswert. Der Autor steuert durch den Inhalt seines 10-jährigen Brasilienaufenthalts wie er seine Fahrzeuge durch unwegsames Gelände steuert.
Wer wissen will, welche persönliche Kämpfe der Autor in dem 10-jährigen Brasilienaufenthalt ausfechten musste, der wird nicht fündig.

Die Person „Peter Reinhold“ ist zwar der Motor des Buches, aber nicht Protagonist. Daher kommt das Schlusskapitel „Der Lack ist ab“ mit seiner Erklärung, warum der Autor mit seiner nach Europa zurück kehrte, auch genauso überraschend wie er manche brasilianische Regengüsse beschrieb: Völlig aus dem heiteren Himmel heraus.
In dem ganzen Buch fand sich nicht wirklich ein Hinweis, dass der Autor Probleme in Brasilien nicht souverän bewältigen und lösen könnte. Umso überraschender ist dann im Schlusskapitel die Verkündigung vom Ende des Brasilienaufenthalts.
Im Vergleich zu den ganzen beschriebenen Rückblenden auf des Autors schlechte Erfahrungen mit Deutschland und dessen Nachteile war die Erklärung für die Motivation nach Europa zurück zu kehren schon verdammt dünn.

Und auch hier taucht dann die weitere Schwäche des Buches auf. Seine Frau ging mit. Einfach so. Spannend wäre gewesen, auch von der Position seiner Frau und den Diskussionen zwischen den beiden zu erfahren. Aber in dem ganzen Buch findet ein Dialog zwischen dem Autor und seine Frau nicht statt. Die Frau des Autors taucht nur als beobachtetes Objekt auf.
Und auch die Lebensverhältnisse des Autors werden nie beschrieben. Über die Schicksale anderer deutschen Auswanderer erfährt der Leser mehr Details als über die ökonomischen Wirtschaftsbedingungen des Autors. Es muss nicht sein, aber interessanter wäre es schon gewesen. Denn in jedem Brasilien-Forum findet sich hierzu mehr als in jenem Buch.
Ach ja: Positiv fand ich definitiv, dass Rio de Janeiro in dem Buch nicht existierte. Dieses Reiseziel hat er sich und dem Leser zugunsten anderer guten Detailbeschreibungen erspart.
Wer nach Reise-Alternativen in Brasilien sucht, der wird in dem Buch garantiert fündig. Der Werbetexter Perter Reinhold hat seine Arbeitsprobe mit diesem Buch geleistet. Meine Anerkennung.
Wer Auswanderinformationen und behördliche Details in dem Buch sucht, wird nicht direkt fündig. Als Behörden-Reiseführer Brasiliens ist das Buch absolut ungeeignet.

Zusammenfassung
Auf einer Schulnoten-Skala zwischen 1 und 6 gebe ich dem Buch eine „3“ mit Tendenz zur „2“. Ausschnittsweise werde ich das Buch sicherlich noch lesen, aber sicherlich nicht in seiner Gänze.

Nebenbei:
Das Buch hat der Autor seiner brasilianischen Frau Tina gewidmet. Ob sie überhaupt ein bisschen deutsch? Im Buch erfährt der Leser es jedenfalls nicht.
Das Buch „Brasilien im Original“ findet sich bei Amazon hier.