Endlich reich ins Heim! Die Rente ist gesichert …

So, das war’s.
Ich bin jetzt vermögend.
Sauvermögend. Supersauvermögend. Stinkreich sozusagen.
Gerade erhielt ich über LinkedLin folgende Mail:

Dear Careca da Silva ,
I am Mrs. XXX I am a citizen of Denmark, I am currently working with Natwest Bank. I have been working here for 17 years now, and I have a good working record with my bank.. I am Making an offer to you in relation to the death of my deceased client who left a huge amount of money £15,812,664 (Fifteen Million, Eight Hundred and Twelve Thousand six hundred and sixty four GBP.) in our bank. After unsuccessful attempts to find his relative then I decided to contact you since you have the same surname with him. For more information, If this proposal is alright by you then kindly get back to me via e-mail (***@hotmail.com) for confidential reasons.I anticipate your co-operation.
Thanks you for your time and do have a great day.
Regards,
XXX
Managing Director Natwest Bank

Habe schon mal bei Sixt nen Transporter bestellt. Schließlich wollen die 15 Millionen Pfund aus Dänemark von mir abtransportiert werden, woll.
Und dann?
Ganz klar: Meine Tochter macht dann in Wuppertal mit dem Papst ne Butike auf. Darin werden wir dann den Modezaren Deutschlands das Fürchten lehren, woll.

Aber jetzt erstmal nen Champagner köpfen. Ich gönn‘ mir ja sonst nichts.

Liebe Grüße vom Neu-Reichen

Careca

P.S.:
Bettelbriefe werde ich gnadenlos nicht lesen und dem Recycling der Wertstoffhöfe durch meinen noch einzustellenden Buttler zuführen lassen.

Kriegsgetrommel

Am 30. August lief die folgende Meldung über die Nachrichtenagenturen:

Litauens Staatschefin Dalia Grybauskaite sieht Russland „praktisch im Krieg gegen Europa“.

Die Medien verbreiteten diese Nachricht und widersprachen dem nicht sehr heftig.
Für alle war diese Nachricht opportun. Ein nachdrückliches Dementi dieser fatalen Ansicht erfolgte bis heute nicht.
Stattdessen die Meldung, dass England eine Eingreiftruppe für die Ukraine zusammenstelle …

Dazu an dieser Stelle das Video zu dem Lied „Krieg“ von Rio Reiser:
http://vimeo.com/51282155

Konsequent wie bei Gustl Mollath?

Gustl‬ ‪Mollath‬ ist nun aus der ‪Psychiatrie‬ entlassen worden.

Nu fordert die bayrische Opposition, dass die bayrische Justizministerin auch entlassen werden möge.
Also liebe ‪‎bayrische‬ Opposition, so geht das nun mal nicht, okay.
Die ‪Merk‬ kann aus der ‪CSU‬ nicht einfach entlassen werden.
Die bleibt dort in der Psychiatrie inhaftiert bis zur nächsten ‪Bayernwahl‬.
Gewählt ist gewählt.
Hafterleichterung ist nicht.
Strafe muss sein …

Unglaubliches aus dem Sommer für den Sommer

Für alle, denen das heutige Wochenende zu heiß war (weil über 26° C) und die jetzt schon übers nächste Wochenende stöhnen (weil wieder nicht unter 26° C):
Es gibt da in den bayrischen Bergen (die eben welche, die der Franz Josef Strauß in einer Nacht und Nebelaktion eigenhändig errichtet hat), da gibt es einen Vanille-Eis-Gletscher. Da findet sich das weltbeste Vanille-Eis wohltemperiert und naturbelassen. Mit meinem Super-Duper-Extrem-Tele konnte ich eine italienische Familie dabei fotografieren, die sich diverse Portionen Vanille-Eis in knusprigen Waffelhörnchen schöpften, und diese dann unter ihrer Kappe talwärts brachten. Leider waren alle Bilder von mir gnadenlos überbelichtet, darum an dieser Stelle jene Stelle mit einem nicht so Super-Duper-Extrem-Tele fotografiert …

Alpen-Gletscher im Sommer

Auf Deutsch: 50 Schattierungen von Grau

Hm, jetzt lese ich auf meinem Kindle gerade das, was ich denke, dass in allen Bestseller-Listen auf Platz 1 platziert ist. Aber irgendwie kann ich die Faszination nicht teilen.

„50 shades of grey“.

Was ist daran erotisch?
Warum stehen Frauen so auf dieses Machwerk?
Und überhaupt, wo ist da irgendeine romantische Handlung?

Fünfzig Schattierungen von Grau

Ja, und je länger ich es anschaue, ja, es könnte was mit Masochismus zu tun haben, sich so etwas als Nicht-Fotograph anzuschauen …

Dinner for Sarkozerkel – das Dream-Team zum Sylvester-Abend

Sylvester ohne „Dinner for one“?
Ehrlich?
Geht das noch?
Nein.
Das geht nicht.
Absolut nicht.
Denn:
„Madame Merkel, die selbe Prozedür wie letzte Gipfel?“
„Dat selbe wie imma, Flitzpiepe.“

‚Dinner for one‘ feat. Sarkozy und Merkel:

Guggst du hier: http://www.youtube.com/watch?v=S8kj4JBf-W0

Ertrage die Clowns (3): Über Gleichschaltungsmentalitäten und Wahrscheinlichkeiten im bayrischen Radio

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Hast du etwas Zeit?
Es wird wieder länger.
Prosaisch episch überzogen.
Erheblich.
Von Hölzcken auf Stöckscken.
Keine Twitter-Kurzmeldung mit 140 Zeichen.
Auch kein Facebook-Status mit maximal 420 Zeichen.
Ich kann es nu mal nicht lassen, die Facebook-Twitter-Zeichenreglementierung oder den »1:30«-Minuten Wortbeitrag einzuhalten …

Im Juni dieses Jahres verstrich ein Jubiläumsdatum, welches weniger Beachtung erhielt, als es eigentlich verdient hätte. Mit dem »3. Rundfunk-Urteil« vom 16. Juni 1981 wurde vor 30 Jahren das Zeitalter der hohen Low-Level-Unterhaltungskunst für private Medien eröffnet. Private Rundfunk- und Fernsehanstalten in Deutschland (West) erhielten Raum für ihre Sendungen. Low-Level-Unterhaltungskunst musste sein. Der Produktionsstandort »Deutschland« vertrug nichts mit der Vorsilbe »Hoch«. Hoch waren die Arbeitslohnnebenkosten, die Steuern für Unternehmer, die Ansprüche der Arbeitslosen und Arbeitssuchenden, der Wille nach einer friedlichen Zeit (geprägt durch die Hochzeit der Anti-NATO-Doppelbeschluss-Demonstrationen, welche den Politikern »hoch« gewaltsam erschienen) … .
Soviel »Hoch« tut nie gut. Daher wird es verständlich, wenn es ein »Tief« – also ein »Low-Level« an sich – benötigte …

Prinzipiell ist nichts gegen eine Pluralität der Medien einzuwenden. Der mündige Zuschauer hatte zu damaligen Zeiten noch immer den Knopf rechts unten am Fernseher. Radioknöpfe und deren Funktionen wurden auch schon damals ausreichend beschrieben. Auch heute sind die Ausschaltknöpfe der Fernbedienung in Rot gehalten. Ein Druck auf entsprechenden Knopf, und der Quatsch hatte ein Ende. Für den »mündigen« Bürger. Was immer das auch sein mochte.

Dass vier Jahre nach jenem Urteil der amerikanische Schriftsteller Neil Postman zur »Frankfurter Buchmesse« seine vielbeachtete Rede »Wir amüsieren uns zu Tode« (»Amusing Ourselves to Death« als mp3-Hörbuch hier runterladbar: http://www.archive.org/details/Amusing_Ourselves_to_Death) hielt, das hatte mit dem Urteil nicht viel gemein. Beide waren unabhängig gehalten: das eine kam aus dem deutschen, demokratischen Rechtsverständnis (West), das andere aus dem real existierenden Leben des US-Fernsehens. Ein Jahr später hatte Neil Postman in einem gleichnamigen Buch seine Thesen ausgearbeitet und mit bemerkenswertem Erfolg auf den Markt gebracht. Für das Buch erhielt er dann auch 1986 den »Orwell Award« (»NCTE George Orwell Award for Distinguished Contribution to Honesty and Clarity in Public Language«; in Anlehnung an Georg Orwell; einen Preis, den es noch immer gibt, was aber keinen mehr großartig interessiert).
Der »mündige« Bürger konnte es lesen, wenn er wollte. Er las es. Geholfen hatte es aber nicht. Denn offensichtlich saßen die Leser bei den privaten Medien-, Rundfunk- und Fernsehanstalten …

Bislang ist mein Artikel hier nervig? Zu viel der Worte? Keine Sorge. Derer habe ich noch mehr gecopyed und gepasted aus Guttenbergs Duden.

Neil Postman hatte etwas in seinem Buch treffend beschrieben: Lesen verlangt intensives Sich-Beschäftigen mit dem Inhalt und ein Nachdenken, ein Reflektieren des Gelesenen. Ein gutes Buch kommt nicht im Stile einer BILD-Zeitung, eines Kölner EXPRESS oder der Schweizer BLICKs daher. Bücher lesen, heißt selber am Geschriebenen teilzunehmen und sich mit dem Inhalt aktiv auseinander zu setzen. Es geht hierbei um die Arbeit eines jeden einzelnen mit dem inhalt eines Buches. Deswegen sind solche Empfehlungen wie »Les‘ dieses oder jenes und du verstehst alles« sinnlos, weil sie einfach das Erkennen des Einzelnen pauschalieren und dessen Eigenheiten platt machen.
Meiner Meinung nach, muss derjenige, der ein oder mehrere Bücher liest, eindeutig intellektuell höher eingestuft werden als diejenige Person, die sich als Lektüre nur auf jene ± 80 Cent-Blätter beruft. Eine Bücher lesende Person setzt sich mehr mit seinem eigenen Leben auseinander als diejenigen, die sich rühmen, nie ein Buch im Leben gelesen zu haben. Natürlich gibt es auch hier Unterschiede: Diejenige Person, die nur John-Sinclair- oder Konsalik-Bücher liest, lässt sich nicht mit der Person auf einer Stufe vergleichen, die alle Philosophen dieser Welt durchackert. Andererseits kommt es immer auf das individuelle Ergebnis des eigenen Engagements an. Auf das Ergebnis der intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Inhalt.
Und genau das unterscheidet beispielsweise einen Anders Behring Breivik von einem Jesus oder Mohammed: Anders Behring Breivik las viel. Die beiden anderen setzten sich mit vielen anderen Schriften auseinander. Anders Behring Breivik mordete mehr als fünf Dutzend Menschen auf jener Insel Norwegens. Die beiden anderen waren keine Massenmörder und hätten dem Anders Behring Breivik ganz was anderes zu dessen morbiden Plänen erzählt. Aber offensichtlich hatte Anders Behring Breivik sich mit deren Bücher nicht auseinandergesetzt.
Versteht mich nicht falsch: Anders Behring Breivik hat sicherlich sich mit diversen Gedankenmodellen auseinandergesetzt und seine Rückschlüsse gezogen. Für seine Fehlschlüsse darf er nun zahlen. Er erhält auf Staatskosten genügend Zeit, über seinen Schwachsinn nachzudenken. Wir können nur hoffen, dass er nicht den Weg eines Horst Mahlers geht. Ansonsten sollte ihm die Nachdenkzeit danach noch einmal gegönnt werden, statt wie im Falle des ehemaligen RAF-Mitglieds und jetzigen Verfechters der rechten Politik Horst Mahler weiterhin in Deutschland Freiraum zu geben, rechte Hatz verbreiten zu dürfen.

Zurück:
Fernsehen wird lediglich passiv konsumiert. Eine intellektuelle Verarbeitung mit dem Gesendeten ist von den Programmmachern nicht vorgesehen. Gescriptete »Realtity«-Serien dienen nur zur Befriedigung der vorurteilsbehafteten Gelüste der Drehbuchschreiber auf Kosten der Fernsehzuschauer, welchen etwas als Realität verkauft werden soll, was solche Schreiber gerne als Realität sehen würden. Gescriptet eben.
Oder Umberto Eco zitiert:
„Klar, du unterschiebst de anderen, was du selber tust, und da du etwas hässliches tust, beginnst du die anderen zu hassen. Aber da die anderen in der Regel genau das Hässliche, das du gerade tust, gerne täten, kollaborieren sie mit dir, indem sie dich glauben machen, was du ihnen unterschiebst, sei in Wirklichkeit das, was sie sich schon immer gewünscht hatten. Gott blendet, wen er verderben will, man muss ihn nur dabei helfen.“
(aus dem Buch »Das Foucaultsche Pendel«)
Wie es Henning Venske und Jochen Busse in deren gemeinsamen Kabarett-Programm bereits sagten: »Fernsehen macht keine Dummen. Sondern Dumme machen Fernsehen.«

Wenn man sich das Nachmittagsprogramm der Sender, die Rechtsurteile über Nichtigkeiten im Privatleben, die Abmahnwellen im Internet und die Zusammensetzung des Bundestags nach Berufsgruppen generell anschaut, dann fällt sofort auf, wo die Not am größten in diesem Lande ist: Rechtsanwälte und Juristen. Die scheinen momentan eine wirkliche Not in Sachen Berufsausübung zu haben. Wer es nicht in den Bundestag geschafft hat, wer im Zivilrecht keine Nische zur Marktführerschaft ausbauen konnte, wer auch im Internet keine juristische Hoheit für sich klamieren konnte, den muss wohl ein Arzt jegliche intellektuelle Tätigkeit untersagt haben, womit dem armen Menschen nur noch eine Laufbahn blieb: Drehbuchschreiber für die Nachmittagsendungen. … oder es hat ihn berufsfremdelnd ins private Radioprogramm verschlagen.
Gut. Belegt ist das nicht. Es ist meine private, persönliche, despektierliche Meinung. Eine zynisch-satirische Meinungsäußerung von mir. Nicht mehr und nicht weniger.

Nun. Das Radioprogramm in Bayern glänzt durch katastrophale, gleichmachende Aussetzer. Da wird R&B, HipHop, Rave, Rock und Balladen brav hinter einander abgespielt, ohne das sich jemand Gedanken darüber macht, ob es zueinander überhaupt passt. Keine Rolle spielt es, ob ein raviges Stück a la Dr. Alban »Sing Halleluja« sich mit einer danach gespielten Scorpions-Ballade musikalisch beißt. Da steht ein Programmauftrag eines Senders diametral konträr zum erwartenbaren Geschmack. Offensichtlich denkt jeder Programmdirektor in Gießkannenmodellen: Besser alle erhalten immer mal wieder ein Tröpfchen ihres Musikgeschmacks, dann kann auch keiner sagen, es würde eine Musikrichtung bevorzugt.
Der Jingel »Das beste der 80, der 90, der Nuller und das Beste von heute« drückt das aus, was kein Restaurant servieren dürfte, wollte es überleben: »Das Beste von Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag in einem Eintopf vom Samstag mit einem Häubchen Schlagsahne garniert vom Sonntag«. Versteht jemand warum so etwas niemand in einem bayrischen Restaurant serviert haben möchte? Die Radiomacher sehen das aber anders.
1986 probten Thomas Gottschalk und Günther Jauch im Sender »Bayern3« den Aufstand, banden bayrische Printmedien in ihre Kampagne ein, ein einheitliches Musikprogramm im Radio pro Sendung zu präsentieren. Ziel war es, kein Musikmischmasch zu senden, so dass alle befriedet waren. Deep Purple, Phil Collins, Nicki und Biermösl Blasn wurde von denen als Musikmischmasch abgelehnt. Das war vor einem Vierteljahrhundert als die gleichschaltungsmentalität die öffentlich-rechtlichen Sender wie die Pestilenz umwaberte. Damals. Sie haben sich gebessert.

Aber inzwischen auch wieder verschlechtert. Die private Konkurrenz im Nacken, das war nicht wirklich hilfreich. Es hat längst wieder begonnen. Der Kniefall vor dem Idol »Everybodys darling«.

Leuchtturm dieser Gleichschaltungsmentalität ist »Antenne Bayern«.

Kurzreisen über Bundesländergrenzen hinaus können da immer wieder erhellend sein. »Antenne Bayern« bildet hierbei immer wieder den Kontrastsender. Immer mit dem Besten der Musik und Witzen aus den letzten drei Jahrzehnten. Oder was der Programmmacher gerade dafür hält.
Und wenn es mal nicht gerade Musik ist oder die Nachrichten, die hochdramatisierend über Nichtigkeiten des Lebens berichten, dann reichen auch andere Tagesthemen, welche die Welt beschäftigen. Und – auch das muss gesagt werden – die Zuhörer mögen/ertragen es gerne:
»vox populi vox dei« so wird es den Hörern immer wieder gerne verkauft. Und der Hörer lässt sich halt gerne verkaufen. Welche Alternative hat er schon in dem radioinfernalischen Einheitsbrei? Maximal des Pudels Kern, wie bereits Doktor Faustus mal feststellte, als es zum Tacheles-reden ging.

So. Aber jetzt genug des monologisierenden, einschläfernden Einheitsbrei einer Medienschelte. Ich komme zum Kern des Ganzen. Worte sind schön, aber Hühner Legen Eier. Und Radiosender dem Hörer.

So berichtete »Antenne Bayern« letzte Woche doch glatt mal etwas kritischer über »Leerverkaufsgeschäfte«. Zumindest versucht hatte es der Sender.

»Leerverkaufsgeschäfte« sind das, wenn ich jemanden für ein wertloses Papier beispielsweise 10 Euro gebe, in der Hoffnung, es sei in ein paar Tage mehr wert. Dann – die weiter gehende Hoffnung – ich könne es doch dem Verkaufenden für den neuen Wert zurück verkaufen. Für einen Wert, der gesetzlich öffentlich garantiert wird. Und so liefen derer Tausende – ach was schreib ich; lasst es mich privatfunkrechtlich dramatisieren – es liefen Aber-Millionen zu den öffentlichen Handelsplätzen und jeder wollte ein »Leerverkaufsgeschäft« tätigen. Die Hoffnung auf Gewinn stirbt zu Letzt.

Nun sind allerdings »Leerverkaufsgeschäfte« ins Gerede gekommen. Die sollen wirtschaftlichen Schaden bringen. So sagen manche. Börsenjournalisten sagen das gerne.
Und »Antenne Bayern«?

Jetzt glaubt aber mal nicht, dass sich »Antenne Bayern« aufs wirtschaftliche Eis der Kritikübenden begeben würde. Denn bei obige erwähnten Geschäften ging um die rein private Lust an »Leerverkaufsgeschäfte«: Lotto nennt sich das.
20 Millionen gab es zu gewinnen. Da wird jeder mal gerne zum »Leerverkaufsgeschäftstätigender«.

Mal im Ernst: Wer würde nicht gerne ein Papier für 8 Euro kaufen und nachher diese Wette beim Halter dieser Wette – dem Staat – für lockere 20 Millionen Euro einlösen? Börsenmakler machen nichts anderes. Nur, dass bei Börsengeschäften ein Papier nie nur zwischen den Grenzen »völlig wertlos« (also 0 Eurocent) und »etwas wert« (±20 Euro) schwankt.

Und immer wenn der Jackpot im Lotto hoch ist, dann hat »Antenne Bayern« wieder ihren Professor in der Leitung auf Sendung. Der Professor, der dann dem Hörer erklärt, was es denn nu mit der Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns auf sich hat.

Der rational aufgeklärte Bundesbürger weiß ja inzwischen: der Aufenthalt unter einer Eiche bei Gewitter kann erfolgreicher sein als das Spielen im Lotto an der nächsten Lotto-Annahmestelle (was auch logisch ist: aufgrund deutscher Bauvorschriften haben Lotto-Annahmestellen Blitzableiter installiert und schützen somit folgerichtig den Lotto-Annahmestellenaufsuchenden).

Während also der Professor versucht zu erklären, dass jede Lottozahlenkombination zu jeder anderen gleichberechtigt ist (was in etwa der gleichmacherischen Musikpolitik von »Antenne Bayern« entspricht), hakt der Moderator nach, welche Lottoscheinmuster total ungünstig seien.
Total ungünstig? Richtig gelesen. Das hatte der Moderator gesagt. Wahrscheinlich hatte er dem Professor zuvor nicht zugehört. »Wahrscheinlich« ist hierbei nur ein Euphemismus, eine Beschönigung. In der Schule hätte der Moderator wegen Unaufmerksamkeit die Note »5« kassiert.
.
Der Professor erklärte also auf Nachfrage des Moderators, dass bei einer Auswertung einer Ziehung festgestellt wurde, dass ca. 8.000 Lottospieler eine Diagonale auf dem Lottoschein angekreuzt hätten. Der Moderator merkte sofort an, dass es also unklug wäre, eine Diagonale anzukreuzen. Richtig. Denn sonst müsse man den 20-Millionen-Gewinn mit 8.000 anderen Menschen teilen. Der Moderator verabschiedete den Professor und empfahl den Hörern keine Diagonale anzukreuzen. Vorgerechnet hatte er die Gewinndifferenz nicht. Bei 20-Millionen wäre der Gewinn für eine Diagonale nur 2.500 Euro gewesen. Statt 0 Euro für eine Nicht-Diagonale. Vorausgesetzt die Diagonale hätte gewonnen.

Nebenbei in obiger Rechnung von mir ist noch ein Fehler drin. Welcher? Ankreuzen bringt nur sechs Richtige. Um den Jackpot zu knacken, benötigt es aber noch eine weitere Zahl des Lottoscheins. Und die kann man nicht ankreuzen, sondern nur in der Lotto-Annahmestelle durch Auswahl des Scheins wählen. Aber das ist die höhere Kunst des Lotto-Spiel-Verlierens und selbst das Wissen kann man von »Antenne Bayern«-Moderatoren nicht erwarten. Hauptsache, die amüsieren ihre Zuhörer mit Schein-Fakten zu Tode.

Es gibt viele Sendungen im Radio, worüber ich mich echauffieren kann. Aber immer wenn ich »Antenne Bayern« einschalte, dann verreist es mich regelrecht. Aber den Grund, warum es nur mich zereist und nicht die anderen Hörer, den habe ich bislang nicht heraus gefunden. Mein Intellekt ist dazu noch nicht weitergebildet genug. Ich glaub, ich nehme mir mal wieder ein Buch zum lesen vor …

Ertrage die Clowns (1): Norwegen und seine Interpreter

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Das Attentat des bekennenden Christen lässt wohl allgemein vorgeschobene Ratlosigkeit bei den Journalisten zurück. Wäre er ein Islamist gewesen, die Welt wäre so einfach zu erklären gewesen. Aber es war ja kein Pluderhosenträger sondern jemand, der die Freiheit Europas verteidigen wollte. Das passt vielen ganz und gar nicht ins derzeitige Konzept. Wie schrieb die rechtsgerichtete Internetplattform „PI“ (Quelle des folgenden Zitats ist die Internetseite http://www.pi-news .net):

Im heute viel diskutierten Manifest des norwegischen Terroristen Breivik kommt auch ein Auszug aus einem Interview Henryk M. Broders vor. Der Tagesspiegel kontaktierte Broder darauf in England, wo er sich gerade aufhält, und fragte, wie er sich dazu stelle und ob er sich Sorgen mache. Broders Antwort:
“Das einzige, worüber ich mir Sorgen mache, ist, woher ich Ersatzteile für meinen Morris Traveller aus dem Jahre 1971 bekomme. Sogar in England werden die Teile knapp.”
Eine sehr gesunde Einstellung meiner Ansicht nach!

Weitere Irrungen und Wirrungen der Glaskugelleser finden sich auf den folgenden Internetseiten hier (http://www.bildblog.de/32127/vorzeitiger-mutmassungserguss/) und hier (http://www.stefan-niggemeier.de/blog/feiges-journalistenpack/) trefflich wiedergegeben.

Im DWF (Deutsche Welle Fernsehen) sah ich heute einen Kommentar, der davon sprach, dass solche Terroristen ernst genommen werden sollten und die Ausländerpolitik in Europa besser geregelt werden müsse. Mir fiel das Frühstück dabei fast aus dem Gesicht. Wäre es ein Islamist gewesen, es wäre übrigens der gleiche Kommentar gewesen, aber mit noch wesentlich härter geforderten Gangarten wie Überwachung von Moscheen, Überwachung ausländischer Gruppierungen, Strafe bei Nicht-Integration usw. usf.. Vielleicht hätte auch jemand eine Bestrafung des Berliner Türken gefordert, der den vorsätzlich provozierenden Sarazin mit seinem Kamerateam aus seinem Lokal warf (was ja bereits die BILD-Zeitung indirekt als bestrafungswürdige Häresie wertete).
Nun war es aber keine unrasierte, dunkelhäutige mit gegelten schwarzen Haaren daher-gelaufene Pluderhose, sondern ein blondes, blauäugiges, sauber rasiert und gescheiteltes Bürschlein. Ein ausgewachsenes Jüngelchen, welches mit voller Ratio und hinterhältiger Planung zum Massenmörder wurde und sich inzwischen damit auch noch brüstet, insbesondere Sozialisten getötet zu haben.

Dass der Junge nun nicht wirklich ins derzeitige Raster der gewollten Terror-Ausübenden passt, wird viele nicht daran hindern, neue Daumenschraubengesetze gegen diejenigen zu verhängen, die damit nicht das geringste zu tun haben. Im Namen der Freiheit werden Freiheiten eingeschränkt werden. Das ist so sicher, wie bei bestimmten „Christen“ das Amen in der Kirche.

Von den Attentaten hatte ich zuerst nichts mitbekommen, weil ich auf einer Rückreise aus den USA war. Gewundert hatte ich mich am Tage der Attentate lediglich, dass die USA-Ausreise so langwierig wurde. Aber wer die USA-Einreise kennt, den wundert so etwas nicht wirklich. Als ich dann am nächsten Morgen landete und meinen Koffer vom Band holte, fiel mir erst zu Hause auf, dass eines meiner TSA-Schlösser (http://de.wikipedia.org/wiki/TSA-Schloss) fehlte. Es war zusammen mit einer Reißverschlusslasche abgerissen worden (die andere Lasche befand sich kurioserweise verbogen noch dran, so dass das Schloss wohl entweder gewaltsam geöffnet oder gleich zerstörerisch herunter gerissen worden sein musste, wobei die andere Lasche vom Koffer gerissen wurde). Mein Koffer war offensichtlich durchsucht worden. Der Grund präsentierte sich mir auch gleich: Meine vor der Rückreise geleerte Kunststoffwasserflasche. Geöffnet fand ich sie sich in meinem Koffer, obwohl ich sie vorher verschlossen hatte, damit der Rest Wasser nicht auslaufen sollte.
Ja, es war dumm von mir, eine leere Kunststoffwasserflasche im Koffer zu haben. Da sieht der Zöllner am Scanner nichts drin. Keine Flüssigkeit. Nichts. Es könnte ja also auch Gas drin gewesen sein. Richtig dämlich, nicht wahr. So etwas tut man auch nicht.
Aber welches Arsch nimmt sich trotz nicht billigem und für Zöllner jederzeit aufschließbaren TSA-Zahlenschloss (15 Euro das Schloss) heraus, erstens dieses gewaltsam zu entfernen und zweitens meinen Koffer zu beschädigen? Ist das mein Preis für diese deren verdammte Terror-Paranoia?
Super.
Eeeeeeeeeecht toll.
Stürzen die meisten Flugzeuge etwa wegen Terroranschläge ab? Als die Air-France-Maschine zwischen Rio de Janeiro und Paris im Atlantik abstürzte, waren die ersten Vermutungen gleich beim Terrorismus und der „Achse des Bösens“.
Klar, es gibt sie, die Oberärsche, die meinen, Attentate öffnen einem das Tor zur Ruhmeshalle oder zu politischen Lösungen. Ich bezweifle es nicht, dass es solche Gefährliche gibt.
Aber irgendwo hört die Vernunft auf und der Wahnsinn fängt an.
Und das nicht ausschließlich bei Terroristen.

Die Journalisten-Kommentare, die ich inzwischen zu dem Terroranschlag von rechts las, passen zu meinem Erlebnis. Alte Wild-West-Masche: Erst schießen, dann fragen. Und wenn wer dafür seinen Preis zahlen muss, heißt es entschuldigend „Kollateralschaden“. Dann muss auch niemand das zahlen, was eh da ein anderer schon bezahlt hat. So etwas nennt man in der Industrie geflissentlich auch „Eh-da“-Kosten.

Sogenannte Experten (in Regierungen und vor den Kameras und Mikrofonen der Auflagen-hinterher-Hechelnden sind sie eh da … es geht um Werbegelder und Werbeminuten; wer kein attraktives Programm hat, kriegt kein Geld mehr auf dem Markt zusammen und geht im Sinne von „Angebot und Nachfrage“ dem Gang aller wirtschaftlich erfolglosen Unternehmen, den neoliberalistischen Gang …). Und die Exekutiven spielen Hand in Hand.
Teamwork.
Und wir sollen alle brav mitspielen. Respektive mitarbeiten.
Die einen bauen die Pyramide und die anderen haben die Aufpasser und Pläne dazu. Und wir alle spielen brav mit. Denn wir finden Pyramiden toll. Letztendlich können wir darin unsere Freiheit in goldenen Särgen reinstellen. Ist das etwa nichts?

Als 2001 9/11 geschah, waren sich Kommentatoren darüber einig, dass jenes das Ende der „Spaßgesellschaft“ sein müsse. Denn angesichts solch eines ernsten Terroranschlags wäre es unglaublich, dass solche Dinge wie „Love Parade“, Raves und Hedonismus noch eine Berechtigung hätten.

Über zehn Jahre zuvor, Anfang der 1990er wurde in Deutschland der Karneval abgesagt. Denn wenn andere sterben würden (Golf Krieg No. 2, auch unter dem Begriff „Desert Storm“ bekannt), dürfen andere nicht feiern.

Jetzt, 10 Jahre später – wir schreiben das Jahr 2011 -, ertönen bereits die Kommentare, dass Länder zu sehr offen sein können, dass Europa in der Ausländerpolitik irre. Wohlgemerkt, es wird bereits nicht darüber diskutiert, wie gegen Terror von Rechts vorgegangen werden soll, sondern wie rechte Terroristen durch Politikwandel beruhigt werden können.

Selbsternannte Experten aus dem journalistischen „Allzeit-bereit-Experten“-Pool erklären uns, warum uns ein Massenmörder nicht schrecken sollte. Solche „Experten“ füllen Seiten und Sendezeiten. Oder wie BILD darüber unter dem Titel „Wie gefährlich ist dieser Täter-Typus?“ schrieb (ich zitiere lediglich den ersten und den letzten Satz; der Rest dazwischen unterstreicht beides):

Fanatische Einzelgänger oder Amokläufer erschießen nicht selten Dutzende Menschen. […] „Mit diesem Risiko müssen wir leben.“

Quelle des Zitats aus der BILD-Unterseite …/politik/ausland/norwegen-massaker/anders-breivik-wie-gefaehrlich-ist-dieser-taeter-typus-19027034.bild.html
Da muss ich mir mal den polemischen Zwischenruf gestatten dürfen: Wer redet da eigentlich noch von Fachkräftemangel in Deutschland, bei solchen Experten?

Bislang lese ich nicht vieles, was darauf hindeutet, was getan wird, um den Terror von rechten Menschen zu bekämpfen, außer dass man denen nachgeben will, indem man auf deren Forderungen mit Kompromissen eingehen könnte. Eher wird immer wieder darauf hingewiesen, dass es sich um ein Einzeltäter handele und dass Norwegen eine zu freie Gesellschaft sei, aufgrund dessen ein Einzeltäter zum Schluss kam, ein Massaker in Oslo und auf einer Insel zu realisieren.
Wie heißt es doch immer wieder in bestimmten Kreisen: Wozu brauch ich staatlicherseits im Hirn ein erhellendes 100-Watt-Lämpchen, wenn die ganzen Watt gleich in die Exekutive und ihre Oberarme gesteckt werden?

Naja, ich vermute insgesamt wird wieder die Freiheit ein Opfer der Journalisten und Politiker werden. Es wird so kommen, wie es in den letzten Zeiten immer kam: Im Namen der Freiheit werden Freiheiten eingeschränkt. Als Koonzession den Linken und Rechten gegenüber.
Aufklärung dagegen und über die verursachenden Grundübel wird seitens solchen Parteien nicht betrieben, denn Wissen ist Macht. Und es soll doch so bleiben, dass alle Macht vom Volke ausgeht und nicht, dass es zum Volke zurückkehrt.
Wie immer.
Freiheit ist gefährlich. Für Linke insbesondere wie für Rechte.
Wir warten auf deren Einschränkungen.
Im Namen der Freiheit.

Die Freiheit
(von Georg Danzer)

Vor ein paar Tagen ging ich in den Zoo,
die Sonne schien, mir war ums Herz so froh.
Vor einem Käfig sah ich Leute stehn,
da ging ich hin, um mir das näher anzusehn.

„Nicht füttern“ stand auf einem großen Schild
und „bitte auch nicht reizen, da sehr wild!“
Erwachsene und Kinder schauten dumm,
und nur ein Wärter schaute grimmig und sehr stumm.

Ich fragte ihn: „wie heißt denn dieses Tier?“
„Das ist die Freiheit!“ sagte er zu mir,
„die gibt es jetzt so selten auf der Welt,
drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt.“

Ich schaute und ich sagte: „Lieber Herr!
Ich seh ja nichts, der Käfig ist doch leer!“
„Das ist ja grade“, sagte er, „der Gag!
Man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg!

Die Freiheit ist ein wundersames Tier
und manche Menschen haben Angst vor ihr.
Doch hinter Gitterstäben geht sie ein,
denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein.

Blick zurück in den Zorn (oder: Kernschmelze des Vertrauens)

Anfang 1987 fand der damals frisch eingestellte Geschäftsführer der Hanauer Atomfirma „Transnuklear“, Hans-Joachim Fischer, falsche und überhöhte Abrechnungen der Abteilung „Radioaktive Abfälle“ auf. Fischer erstatte Anzeige wegen Veruntreuung von Firmengeldern. Im April 1987 begannen die umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Ende 1987 erreichte der Skandal für nicht möglich gedachte Dimensionen. Kontaminierte Abfälle mit den radioaktiven Elementen Kobald 80 und Plutonium waren in Fässern als harmlosere Abfallstoffe deklariert worden. Diese Umdeklarierung hatten sich mehrere Mitarbeiter der Hanauer Firma „Transnuklear“ sehr gut bezahlen lassen. Fünfzehn Millionen D-Mark Schmiergelder sollen es gewesen sein.
Anfang Dezember tauchten dann die ersten falsch deklarierten Fässer bei der Preussag in Hannover auf. Immer mehr falsche Lieferungen wurden im Dezember letztendlich bei anderen Firmen entdeckt. Am Ende waren es 1942 Fässer. Kurz vor Silvester ’87 hatte der Skandal seinen Höhepunkt erreicht.

Die Firma SIEMENS war dabei im Atomdorf bei Hanau für ca. eine Milliarde D-Mark, eine Anlage zur Produktion von Mox-Brennelementen zu errichten. Das brisante dabei war, dass in Mox-Brennelemente das nach dem Höllenfürsten Pluton benannte Plutonium eingebaut wird. Mox-Brennstäbe bestehen aus einem Uran-Plutonium-Mischoxid.
Das Brennelementewerk sollte das bei der dort ebenfalls geplanten Wiederaufarbeitung von Brennstäben anfallende Plutonium zu MOX-Brennelementen verarbeiten. Die SIEMENS stellte die Anlage zwar fertig, konnte sie aber nie in Betrieb nehmen und verzichtet 1995 komplett auf die Pläne zur Inbetriebnahme.

Zuvor positionierte sich SIEMENS mit seinen Plänen bereits, nachdem sie im Umfeld des Hanauer Bestechungskandals ahnte, dass deren Pläne zum Umsetzen der Anlage problematisch werden würden.
Der Super-Gau von Tschernobyl aus dem Jahr 1986 war noch frisch in Erinnerung. Im September 1988 wurden 100 Eisenbahnwaggons mit Cäsium 137 verstrahlter Molke bei Rosenheim aufgefunden. Die Süßwarenfirma Ferrero stellte ihre Bewerbung deren Produkt „Ferrero Rocher“ mit dem Werbezusatz „mit Bizantiner Königsnüssen“ ein, denn nachdem die Bevölkerung mitbekam, wo Byzanz lag und wie es mit der Kontaminierung u.a.a. von Haselnüssen damals generell aussah.

Der im September 1998 gestorbene SIEMENS-Vorstandsvorsitzende Karlheinz Kaske sprach am 2. Februar 1988 in einer Münchener Pressekonferenz über den damaligen Skandal bei den Hanauer Atomfirmen. Zu einer möglichen Gefährdung durch falsch deklarierte Atommüllfässer meinte er:

„Nur 0,2 Milligramm Plutonium war in den Fässern. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.“

Vielleicht hatte Karlheinz Kaske den damaligen Bayerischer Staatsminister für Umweltfragen Alfred Dick (CSU) als Vorbild. Dieser hatte im September 1988 medienwirksam einen Teelöffel Molke, welche mit Cäsium 137 belastete war und aus den 100 Rosenheimer Eisenbahnwagon stammte, vor laufender Kamera gegessen und dessen angebliche Ungefährlichkeit mit den Worten „Des tut mir nix!“ kommentiert.

Nur, hätte der Atom-Gourmet Kaske das gleiche mit einem Teelöffel Plutonium verseuchten Lebensmittel getan, ihm wäre ein Staatsbegräbnis sicher gewesen. Seinen Worten des „auf der Zunge zergehen lassen“ folgten keine Taten.
Ein Milligramm Plutonium strahlt mit 2,5 Millionen Becquerel. In Konsequenz nach den Strahlenschutzverordnungen Deutschlands hätte dann aber die Aussegnungshalle als „radioaktiv“ und der Friedhof als „strahlengefährdetes Gebiet“ gekennzeichnet werden müssen. Mit 0,2 Milligramm Plutonium lassen sich langfristig 5.000 Menschen in Gräbern befördern, welche dann für die nächsten 100.000 Jahre Sperrgebiet wären. Das würde sich niemand einfach mal so auf der Zunge zergehen lassen, wie es der damalige SIEMENS Vorstandsvorsitzende Kaske lächelnd in die Kameras verkündete.

Die Bemerkung von Karlheinz Kaske war damals von den Medien als Beruhigungsmittel gedacht gewesen. Die Bemerkung fiel in einer durch die Hanauer Atomfabriken „Nukem“ und „Alkem“ aufgeregten Athmosphäre. Und, sie wirkte. Die Bevölkerung war beruhigter.

Jetzt wurde in der Umgebung von Fukushima Spuren von Plutonium nachgewiesen. Spuren von Plutonium. Wer möchte sich diese auf der Zunge zergehen lassen?

Vielleicht könnten sich diejenigen freiwillig zum Kernbrennstäbe putzen melden, welche jetzt meinen, dieser Fund wäre unbedenklich. TEPCO sucht sicherlich noch paar Freiwillige in Schutzanzügen, die deren schmelzende Brennstäbe runterkühlen … .

Quelle des Zitats von Karlheinz Kaske: „Süddeutsche Zeitung“ vom 3.2.1988, Nr. 27

Libyen, eine deutsche Blamage und was uns sonst noch fehlt …

Da tobt also die Presse von links bis rechts:
Westerwelle habe Deutschland blamiert.

So was dummes aber auch.
Da hat Deutschland gerade mal nen temporären Platz in der UN-Sicherheitsexpertenrunde und da macht das D-Land nicht das, was alle machen: Kriegerische Handlungen absegnen.

Wenn ich die renommierten Zeitungen jenseits des Boulevards lese, dann kommt mir der Eindruck, Deutschland habe einer dummen Minderheit gefolgt, den Einsatz gegen Libyen nicht zu legitimieren. Minderheit.
Wenn man dann so am Rande liest, dass die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) sich ebenfalls nicht für einen Militäreinsatz in Libyen …

Moment! Über Libyen. Denn es ging um die Lufthoheit in Libyen, nicht um die Bodenhoheit. Das sollte nicht vergessen werden, wenn Panzer und Truppen vor Bengasi aus der Luft von alliierten Kampfflugzeugen angegriffen werden. Panzer und Truppen können bekanntlich nicht fliegen, aber dieses Detail interessiert niemand. Eine UN-Entscheidung wird mal locker zum Gummiband degeneriert.
Flugverbotszone?
Haut weg, die Truppen von Gaddafi. Mit Bomben und Raketen. Schließlich geht es um den Schutz der apostrophierten „demokratischen“ Rebellen. Rebellen gegen Diktatoren sind automatisch gut.
Und schützenswert.
Sowieso.

Na, da werden wir ja wohl mit dem Angriff gegen Libyen auch militärisch die Bewegungen in Bahrain unterstützen, die niedergeschossen wird. Und die Widersacher bei den Diktatoren der Saudis demokratisierend aufräumen. Und überhaupt die seit 20 Jahren erwartete Demokratie in Kuwait, die soll dann wohl auch mit dem Frühlingsanfang endlich Einzug halten … .

Wurde eigentlich damals in der UNO in Sachen „Dafur-Konflikt“ (Sudan) genauso für einen Eingriff parliert? Hm. War da was? Ich glaube nicht.

Und Somalia? Ich mein, gleich eingreifen und die Piratenfraktion das Lebensgrundrecht entziehen. Was ist mit Kenia? Stimmt. Da wollten wir ja Waffen hinliefern, die uns die somalischen Piraten entführt hatten. Seitdem kreuzen dort Schiffe der Armeen und bewachen die Rüstungsexporte. Kenia gut, Somalia schlecht. Beide Länder sind alles andere als freiheitlich und demokratisch zu klassifizieren. Das eine entspricht Afghanistan, das andere liegt so zwischen Mubarak und Gaddafi.

Und was ist mit China? Dort werden politische Gegner gleich weg gesperrt und erhängt von den dortigen blutrünstigen Machthabern! Die sind genauso so wenig zimperlich wie der Herr Gaddafi. Wieso greift in China niemand ein? Ach, stimmt. Ich vergaß. Wir machen dort ja gute Geschäfte und der chinesische Markt hilft uns aus der Krise. Da sind uns die Demokratiebestrebungen der Leute dort herzlichst egal.

Nur Libyen, die Obersau von Terrorist, der Lockerbie-Bomber, der hatte sein Land nicht mehr im Griff. Vorher war ja alles so toll. Der Gaddafi, sein Öl, seine Armee, welches als Bollwerk für die EU taugte. Und jetzt haut der mit den Rüstungsgütern, die er sich von den Waffenhändlern der 1. Welt zusammen gekauft hat, seine Bürger kaputt. Und der Ölexport nach Europa klappt auch nicht mehr, stattdessen nur Boat People, die nur wegen des Wohlstandes nach EU kommen…

NATOd, übernehmen Sie.

IMHO haben sich unsere oberen Herrschaften Deutschlands, die Westwelles und Merkels, bereits schon lange vorher blamiert, dass sie Nordafrikanische Staaten als stabile und unterstützendwerte Länder klassifizierten, welches sie wohlwollend betrachteten. Und eine wie auch immer geartete Blamage kam nicht mit der Enthaltung im UN-Sicherheitsrat, wo Deutschland am gleichen Strick wie die BRIC-Staaten (Vertreter der Mehrheit der Menschen dieses Globus, so am Rande mal erwähnt, was ich jetzt mal nicht als deren moralische Legitimation verstanden wissen möchte, aber das ist USA und EU ja auch nicht) gezogen hat. Ist ja freilich verwerflich…

Wer es vergessen haben sollte, Haiti liegt immer noch im Erdbebenschutt, den auch Japan gerade neben seiner AKW-Zerstörung bekämpft. Das letztere Land interessiert uns aber erheblich stärker als Haiti oder den 30000 Flüchtlingen in Brasilien wegen den Regenüberschwemmungen.
Oder will wer wissen, dass im worst-case BMW und Daimler seine Produktion hier einstellen muss, weil wichtige elektronische Schaltteile in Japan nicht mehr hergestllt werden?
Eben.
Was ist Haiti uns wert, wenn Japans Wirtschaft Brüderles „XXL-Aufschwung“ im Exportbereich hindern könnte.

Und was hat das mit Gaddafi und der Sperrung seines Luftraums zu tun?
Nun, ich weiß allerdings, dass Gaddafis Sohn den bayrischen KTG in seiner Copy&Paste-Leistung übertroffen hat (die Internetschwarmintelligenz demaskiert inzwischen auch dessen Doktorarbeit und Gaddafis Sohn war ein erheblich besserer Kopierer als KTG), dass Gaddafis Familie vor einem Jahr auf dem Wiener Opernball noch ein gern gesehener Gast war, dass Gaddafi selber vormals in der EU keine persona-non-grata war.
Weil aber die Widerstandsbewegung gegen Gaddafi sich als Windei herausgestellt hat, wollen alle von außen eingreifen. In Tibet, Birma, Dafur und in anderen Ländern wurde zugeschaut. Warum nur?

Dieses Eingreifen ist in meinen Augen ein erneuter Sündenfall und dass Deutschland dabei nicht mitspielt, hat nichts mit moralischer Überlegenheit zu tun, sondern eher von dem Gleichnis von dem mit Blindheit geschlagenen Huhn, der neben dem Gockel auch mal groß da stehen möchte.

Aus dem Bürgerkrieg wurde ein internationaler Krieg.

Der Kommentar zum Donnerstag: Gibt es wichtigeres in Deutschland?

Es funktioniert. Ja, langsam aber sicher funktioniert es.
Die Übersättigung bricht sich ihre Bahn.
Nachdem der Mann per Copy&Paste sich seinen Doktor zusammengebastelte hatte und inzwischen mit dem Verlust seines Doktortitels bezahlte, höre in meiner Umgebung höre ich in meiner Umgebung immer öfters die Phrase, ob es denn nichts Wichtigeres gäbe als jenes leidige Thema „zu Guttenberg“.

Nun, was lernen wir daraus, wenn der Herr Ex-Dr. weiterhin im Kabinett beschäftigt bleibt, während andere für Frikadellen, Gebäck oder Pfandbons gekündigt werden, weil bei jenen die vertragliche Vertrauensbasis vom Arbeitnehmer mutwillig zerstört wurde?

Richtig.
Leistung muss sich wieder lohnen.
Und wer gut entlohnt wird, darf sich auch viel leisten.
Jene werden „Leistungsträger“ genannt, samt derer Fehler und Reue.
Die anderen werden entlassen.
Die Definition von „Leistungsträger“ hat bereits Thilo Sarrazin in seinem Buch niedergeschrieben: Als er bei der Bundesbank arbeitete und gutes Geld als Leistungsträger erhielt, hatte er seine Arbeit bis Dienstag Mittag erledigt gehabt und dann an sein Buch geschrieben.
Ich faule Sau, ich benötige für meine Arbeit 40 Stunden die Woche. Deshalb bin ich auch kein „Leistungsträger“. Ich arbeite zu lange.

Gestern sah ich die „Fragestunde“ und „Aktuelle Stunde“ im Bundestag auf dem Sender „Phoenix“:
Zu Guttenberg verhielt sich Demut simulierend aalglatt. Es steht berechtigterweise zu vermuten, dass alle seine Reue-Erklärungen und Selbstanschuldigungen Guttenberg als eine geritzte aber ehrliche Haut erscheinen lassen. Auch die BILD-Zeitung berichtet vollmundig, dass zu Guttenberg mit 87% Zustimmung der BILD-Leser seinen Job erledige.

Zu Guttenberg beendet somit seinen Gang durch eine Art Fegefeuer, welches er selber mit angefeuert hatte. Recht heiß sollte es erscheinen. Aber er bleibt weiterhin Verteidigungsminister und wird fleißig weiterhin un unsere Freiheit am Hindukush besuchen, wo diese angeblich mit bewaffneter Gewalt verteidigt wird …

In der „Fragestunde“ und „Aktuelle Stunde“ im Bundestag war das Geschrei auf den Abgeordnetenbänken recht groß. Leider waren die vielen Zwischenbrüller der CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne und Linken nicht zu verstehen. Zu Guttenberg stand dabei wie ein Fels in der Brandung der Aufregung und erklärte immer wieder, wie leid es ihm tue.

Irgendwer meinte heute zu mir – ich hörte diese Meinung zum zweiten Mal binnen 24 Stunden -, dass die Opposition nicht so laut schreien solle. Die hätte doch auch alle Dreck am Stecken.
Und dabei fiel mir die FDP auf.
Stimmt, die FDP muss wohl sauber sein, denn während der ganzen Causa „zu Guttenberg“ hat die nichts dazu gesagt. Die ist genauso sauber wie die Bildungsministerin Schavan, die für Uni-Angelegenheiten ihren Job hat. Brutalst mögliche Aufklärung durch beredendes Schweigen einer Ministerin. Und von den anderen Laberköpfen wissen wir ja, dass die alle Leichen im Keller haben müssen, nicht wahr. Das Nichtauffinden dieser Leichen ist doch Beweis genug. Was bedarf es der Schwarmintelligenz eines Internets um eine Doktorarbeit zu diskreditieren. Die Bösen sind immer die anderen, die schreien. Denn wer schreit hat NICHT Recht. Oder hat wer zu Guttenberg schreien gehört? Na also. Dafür war da aber Reue, Demut und Entschuldigung medial zubereitet zu Hauf.

Gibt es denn nichts wichtigeres in Deutschland?
Klar, gibt es wichtigeres als jene Tugenden wie Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Anstand, welche immer wieder mal als Mangelware bei Deutschen durch die presse geistern.

Nichts wichtigeres? Aber sicher gibt es das:
Zum Beispiel Bankenrettung, Wahlen, HRE, Landtagswahlen, Afganistan, Wahlen, Eurorettung, Landtagswahlen, Leistungsgerechtigkeit, Wahlen, Exportweltmeisterschaft, medienwirksame Charity, öffentlichkeitswirksame Medienpflege und dann wieder Wahlen.
Aber weniger Hartz-IV, Armut, noch viel weniger die seit Jahren stagnierende Binnennachfrage und vor allem ganz und gar nicht die seit 10 Jahren stagnierende Löhne in diesem Lande, weil das kostet doch alles viel zu viel und bringt doch nichts … zudem soll sich der Staat endlich aus allen sozialen Dingen raushalten und es der freien Marktwirtschaft überlassen (wie Rente, Gesundheit, Pflege etc.), damit unsere so sehr verehrten deutschen Maschmeyers das Geld dahin schaufeln können, wohin es garantiert gehört: in private Taschen zum Zocken an deregulierten Börsen.

Mein Gott, jeder ehemaliger Ossi wird sofort aus den öffentlichen Dienst rausgeschmissen, wenn später bekannt wird, dass er gelogen hat und es Stasi-Notizen in Akten von ihn gibt (dazu muss jener noch nicht mal IM gewesen sein!), egal welchen Posten der beim Entdeckungszeitpunkt bekleidet hatte. Der wird dann geschmissen, weil der wegen unwahrhaftigen Angaben bei der Einstellung nicht mehr vertrauenswürdig sein soll.

Aber ein zu Guttenberg, der darf das, weil seine Beziehungen als Alumnus der „Atlantischen Brücke e.V.“ so brutal stark verankert sind, dass wir jetzt alle das Credo „Gibt es nichts wichtigeres im Lande?“ runterbeten sollen. Die Presse macht es uns am Altar der Merkel-Regierung vor und wir sollen es gefälligst kritiklos nachbeten.

Nö danke.
Nicht mit mir.
Diese Einlullungsmethode und Mundtot-Macherei erlaubt doch bestimmten Kreisen genüßlich in Eselsmilch zu baden und die Mehrheit der deutschen Bürger voll zu verarschen …

Denn das Wichtige in diesem Lande wird gar nicht erst angepackt.
Wozu auch?
Geht es den bestimmten Zirkeln etwa schlecht?
Na also.
Und falls es denen schlecht gehen sollte, dann schrauben wir an den da unten rum, bis die noch weniger haben. Warum soll es uns hier besser gehen als den Menschen in den Schwellenländern?

Ergo: Wir sind alle nur arme Würstchen in dem Spiel der Mächtigen.

Im Kommunismus kommt der Senf für die Würstchen, die die Mächtigen verspeisen, aus einem zuvor gemeinsam erarbeiteten Gemeinschaftstopf; in einer nicht-kommunistischen Diktatur wird den Würstchen der Senf heraus gepresst, bevor sie verspeist werden; in einer Demokratie dürfen die Wähler zwischen Löwensenf, mittelscharfen Senf, Dijon-Senf, Weißwurstsenf und so weiter wählen, mit denen die Mächtiger und Politiker ihre Leute nachher verspeisen …

Deutschland ist endgültig in der internationalen Gemeinschaft der Bananenländer angekommen.

Recht haben die da oben allesamt:
Und darum wälze Ich halte lieber mal die Klappe und stelle meine politische Arbeit in diesem Lande ein. Denn es gibt bezahlte, die es besser wissen, können, machen und dürfen.

Ruhe ist des Deutschen erste Bürgerpflicht.
Und Friedhofsruhe ist das Gold im Munde des zu früh aufgestandenen Deutschen.
Und keinesfalls des dabei gefangenen Wurms.

Amen.

Staatsbürger ganz unikonform

Ich gestehe.
Ohne Vorbehalte.
Ganz offen.
Vollkommen ehrlich.
Ich habe sie nicht gesehen, die Neujahrsansprache unseres Kalle-Theo zum gutten Freiberg bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf.

Wie bitte?
Die Vierschanzentournee war heute gar nicht in Oberstdorf? Sondern in Innsbruck?
Macht nichts. Wintersport interessiert mich ja auch nicht die Bohne. Nur, warum war denn dann der Kalle denn dort? Wollte der für die Oberstdorfer Kandidatur zu den Winterspielen mit seiner Neujahrsansprache werden?

Wie? Oberstdorf kandidiert nicht? Warum denn nicht? Und der Kalle war ebenfalls nicht dort? Die Neujahrsansprache hat er auch nicht gehalten? Aber wer hat denn dann der Nation die Neujahrsansprache gehalten? Der Vermittlungs-Heiner, die Geißel? Schrödinger? Von der Leine? Osterwelle?

Wer? Angela Merkel? Die schon wieder? Aber die hatte doch schon letztes Jahr …

Okay, da gehe ich ganz konform. Die darf das. Dafür wurde sie vom Bundestag ja gewählt. Als Stummelmutti der Nation. Und? Hat sie endlich die Wahrheit gesagt? Hat sie gestanden? So wie der Wulf? Nein? Nicht? Sie steht halt nicht zu dem, was sie sagt. Selbst Wulf traute sich vor der Kamera nicht, zu seiner Rede alleine einzustehen.

Wie? Ich hab keine Ahnung? Okay. Da gehe ich ganz konform. Wie es sich eben gehört, für einen Staatsbürger ohne Uniform. Nie war ich in der Staatsschule. Bin vielmehr Angehöriger der PISA-Staatsbürgerkundler. Immer schon gewissenhaft drauf bedacht gewesen.
Drückeberger ohne Uniform.
Die Ablehnung dieser Köpenickiade zur Rückgrat-Ausformung im noch formbaren Alter, diese schriftlich niedergelegte Entsagung war mein Vergehen an der deutschen Demokratie, die damals an den Ostgrenzen zur DDR verteidigt wurde und jetzt – kusch, kusch, kusch – am Hindukush.
Stattdessen hatte ich – gewissenlos dem Staate gegenüber – gewissenhaft Tucholsky und seine Sätze gelesen:

„Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war.
Sagte ich: Mord?
Natürlich Mord.
Soldaten sind Mörder.“

Aber jetzt, ganz nach Kiesingers Leitbild stellt Kanzlerin und Bundesregierung die Bundeswehr so dar, dass wir 08-15-Michel denken sollen: „Donnerwetter, das sind aber ganze Kerle in Afghanistan“.
Haben denn unsere Jungs in Afghanistan fleißig Weihnachtspäckchen bekommen?

Ich weiß.
Päckchen gen Afghanistan bedeuten nur eines: Wohltat und Anerkennung des soldatischen Handwerks.
Päckchen im eigenen Land: Terrorgefahr.
Das zu lernen, ist des Staatsbürgers zweite Pflicht.
Direkt nach dem Schweigen.

Aber ich schweige nicht.
Denn ich gestehe.
Ohne Vorbehalte.
Ganz offen.
Vollkommen ehrlich.
Ich habe sie nicht gesehen, die Neujahrsansprache unseres Kalle-Theo zum gutten Freiberg bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf.

Egal. Auch Merkels Neujahrsansprache, phantasielose Kamerafahrten von links (von Weitwinkel) nach rechts (zur Naheinstellung) und Wintersport haben bei mir die gleiche Chance wie eine Schneeflocke im Hochsommer: Und tschüss …

Wenn das Fernsehvolk Kunst- und Handgriffe erfährt

Die Raute der Macht

Die Hände sind zu einer Raute geformt, die Daumen stützen die Unterarme gegeneinander ab, die aneinander gelegten Finger deuten verhalten auf den Betrachter. Auch wenn sie leicht nach unten gerichtet sind, so sprechen sie den Betrachter offensiv an. Diese Geste ist inzwischen schon all bekannt, von der Kanzlerin Merkel eingeführt (s.a. hier und hier), nach ihren eigenen Worten, um nicht gebuckelt herumzustehen. Das obige Bild sind die Hände vom Bundespräsident Wulff. Zum ersten Mal hielt ein Bundespräsident seine Weihnachtsansprache stehend und umgeben von Menschen. Die WELT schrieb bereits applaudierend, dass Wulff damit bei der Bevölkerung gewonnen habe und seine Sympathie gesteigert hätte.

Weihnachtsansprache Screenshot #1

Ein Bild fast wie bei einer privaten Traueransprache: Der Pfarrer spricht zu der Gemeinde, die wortlos dabei steht. Fast. Denn vor den Füßen von Wulff hocken Kinder, die andächtig seinen Worten lauschen. Das Ganze hat etwas von den Votivbildern, die es vor dreißig Jahren zu Kommunion, Firmung oder Konfirmation gab: Jesus hält Ansprache vor seinen Zuhörern und die Kinder durften zu ihm kommen, während die Erwachsenen andächtig lauschten.
Ja, die Rede hatte ich mir angeschaut. So etwas kann bei mir keine Weihnachtsfeststimmung versauen, das haben bislang immer schon die vier Wochen zuvor geschafft (wie dieses Mal). Aber ich musste mir die Rede nicht nur einmal anschauen. Nicht wegen dem Gerede vom Wulff, sondern weil ich ein Déjà-vu-Erlebnis hatte. Als die laufenden Bilder noch nicht digital korrigiert wurden und Leia Organa in Star Wars von 1979 noch jene bescheuerte Schneckenfrisur hatte, da war es ein Sport festzustellen, welche Unstimmigkeiten es in den Filmen gab. „Goofs“ werden diese Fehler in den Filmen genannt. Mikrofongalgen im Bild (z.B. „Willkommen, Mister Chance“) oder schneller Schuhwechsel von einer Szene zur nächsten („Romancing the Stone“). Ein „Goof“ wird erst dann zu einem richtig guten „Goof“, je perfekter der Film ist. Auch zu den Festtagen liefen wieder diverse Meisterwerke im Fernsehen. Wenn Henry Fonda Charles Bronson im Zug gefesselt zurück lässt und sich dann mit seiner Gangsterbande buchstäblich aus dem Staube macht, dann erscheinen nach 85 Minuten „Spiel mir das Lied vom Tode“ bei der Kamerafahrt in den Hintergrund im Vordergrund die Reifenspuren des Kamerawagens.

Screenshot Once upon a time in the west

Auf dem Fernseher wirkt das nicht mehr so wie damals noch im Kino auf der Riesenleinwand, wo ich tief im Sessel gedrückt diesen genialen Höhepunkt des „Western“-Genres sah. Nun, auch bei der Weihnachtsansprache vom Bundespräsidenten Wulff finden sich „Goofs“. Der Regisseur der Rede hatte versucht, einen Querschnitt durch die deutsche Bevölkerung herzu stellen. Fast – aber auch nur fast – hatte ich den Eindruck aus jedem Sektor des deutschen Lebens hätten die Verantwortlichen ein Paar ausgewählt. So wie damals Noah auf der Arche. Fast so. Denn in Wahrheit waren es entweder drei oder eine Person einer Bevölkerungsgruppe. Fast ein jeder Bevölkerungsgruppe. Denn Gangsta-Rapper und Strauchdiebe fanden sich ebenso wenig wie Banker und Priester. Böse Stimmen könnten zwar behaupten, der Vertreter der letzteren Gruppe der beiden von mir Genannten wäre der Wulff sowieso und die letztere Gruppe versuchte er durch seine salbungsvollen Rede zu repräsentieren. Andererseits wurden diverse Bevölkerungsgruppen geschickt in Stereotypen verpackt um den Bundespräsidenten herum drapiert. So fanden sich in weißer Burka gesteckte Frauen wieder, welche sowohl das Christentum in seiner Asexualität wie die des Islams präsentierten. Soldaten als Repräsentanten der waffengläubigen Gewalt. Multikulti – was doch bereits Frau Merkel als für gescheitert erklärt hatte – repräsentiert durch entsprechende Alibi-Menschen. Und gerade diese Weihnachtsansprachen-Multikulti-Präsentation ließ mir die Goofs ins Auge springen. Schaut einfach mal die nächsten Bilder an:
Weihnachtsansprache Screenie #3 Weihnachtsansprache Screenie #2

 

 

 

 

Weihnachtsansprache Screenie #5

 

Weihnachtsansprache Screenie #4

 

 

 

 

Während der Rede herrschte also ein reger Positionswechsel und keiner hat es im Bild gesehen. Das ist doch mal ein Applaus an den Regisseur vom Wulff fällig, nicht wahr? Ehre, wem Ehre gebührt.
Weihnachtsansprache Screenie #6

Und dann war noch der fromme Wunsch eines 7-jährigen Mädchens: „Mer Zeit mit den Eltern“. Dem Kinde kann geholfen werden. Nicht nur bei der Rechtschreibung, auf welche der Regisseur und der Wulff garantiert geachtet hatten.
Bei momentan de facto mehr als 7,5 Millionen Arbeitslosen, da sollte es doch möglich sein, den Eltern des Kindes ebenfalls ein Platz im Heer der Arbeitslosen zu vermitteln. Und dann können die Eltern in deren Arbeitslosenzeit, dem Kind beibringen, dass ein „Mer“ nicht immer mehr ist, sondern das ein „weniger“ von allem unser aller Zukunft ist, was Hilfe durch den Staat angeht. Das glaubte ich zumindest vom Gesicht unseres Bundespräsidenten ablesen zu können. Oder ich habe es zumindest hinein projiziert. Oder sollte Wulff sich im nächsten Jahr an die Spitze der Gewerkschaften setzen wollen und die 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich zur Ankurbelung der Binnennachfrage und der Wirtschaft fordern?
Aber sicherlich wird es nur so sein wie immer: Die Kinder werden gerne in den Mittelpunkt der Gesellschaft hinein gesetzt, um dann über ihre Köpfe hinweg zu reden. Und die Kinder langweilen sich, schneiden Weihnachtssterne aus und schreiben ihr „Mer Zeit“ drauf. So wie bei dieser Weihnachtsansprache.
Oder lernen von der Straße. So wie im wahren Leben. Und dürfen dafür auch an der nächsten Weihnachtsansprache in der Mitte stimmlos auf dem Boden hocken. Oder auch nicht. Dafür sorgen die Hände der Macht. Und das nicht nur die vom Wulff.

 

Die Raute der Macht

Kunst- und Handgriffe werden durch Hände geführt. Durch eine „Be hand lung“. „Eine Hand voll“. Die entsprechende lateinische Übersetzung dazu heißt „manipulus“. Im Deutschen entstand daraus das Wort „Manipulation“. Uns behandeln derzeit die „Hände der Macht“ auf allen Ebenen. Nicht nur im Fernsehen …

Quellennachweis: Bei allen Bildern handelt es sich ausschließlich um Screenshots aus den entsprechenden Video-Materialien.

Erziehungszeiten im Hause zu Guttenbergs

Mein Gott! Wirklich.War ich geschockt.
»Ai äm schoked«, wie der gepflegte Engländer zu parlieren weiß.
Was musste ich auf einer Seite der Internetseite von BILD.de bei der Suche nach Sportfotos und Fußballberichten lesen?
Stephanie zu Guttenberg in Latex?
Halbnackt auf Postern in Kinderzimmern?

Screenshot BILD--9-2010

Nein, Gott sei Dank, nein.
Zuerst einmal: Stephanie zu Guttenberg, das ist die Frau, die bekanntlich dauernd um ihren Gatten zittern muss, wenn der mal wieder für Fotografen und CSU den James Bond in Afghanistan mimt. Stephanie zu Guttenberg, die dadurch zu Everybodys-Yellow-Press-Darling wurde. Noch direkt platziert vor der tätowierten Gattin des Bundespräsidenten Wulfs.

Diese Stephanie zu Guttenberg also, diese hat nicht nur ein Buch geschrieben sondern es auch noch veröffentlicht: »Schaut nicht weg«, heißt der Titel. Darin schreibt sie unter anderem auch über »Pornografie«.
Nein, nein, sie will nun nicht dazu auffordern, Pornos zu schauen, statt sie nicht zu schauen. Eher ganz im Gegentum. BILD hatte deswegen gestern auch als Aufmacher ihres Blattes eine bedrohliche Überschrift gewählt: »Pornografie verdirbt unsere Kinder«.

Nun, jeder hat das Recht Bücher zu schreiben, besonders wenn sich diejenige Person allein, verlassen und unbedeutend fühlt. Wenn also der Banker Herr S. schreibt und dadurch zu Ruhme und Meinungsbildner bei BILD aufsteigt, warum dann nicht auch eine Stephanie zu Guttenberg? Wie soll sie sonst kompensieren, dass sie nur über den eigenen Ehepartner definiert wird?

»Schaut nicht weg.«
»Pornografie verdirbt unsere Kinder.«
Mein erster Gedanke war:
»Richtig so, Stephanie. Blase ins gleiche Horn wie jenes von Kriminellen durchsetzte Milieu, die sich selber als Experte sehen, was denn nu Pornografie sei und was nicht.«
Mir fiel sogleich Heinrich Böll ein. Böll hatte mal gesagt: »Katholisch sein, ist wie ein Leberfleck. Man kriegt ihn nicht spurlos weg«. Daher habe ich sofort meine Blicke zu Boden gerichtet und innerlich Abbitte gegen solche herätischen Gedanken gegen das Bodenpersonal des allumfassenden Christentums geleistet. Bekanntlich ist es zu vermeiden, Pornografie und Kirche in einem Wort zu erwähnen.
Upps, …
Insofern verwunderte mich doch schon ein wenig ein Zitat der guten Frau zu Guttenberg:

… mit ihren aus dem Rotlichtmilieu entliehenen Outfits gezielt auf Provokation zu setzen. Leder, Latex und Spitze auf der Bühne waren stets ein Garant für Schlagzeilen, vor allem dann, wenn im Hintergrund ein Kruzifix zu sehen war.

Da war sie wieder, die Verbindung von Pornografie und Kirche. Sobald ein Kreuz auftaucht, wird Rotlichtmilieu anstößig. Vorher nicht. Aber hallo, war das ein Geschrei aus Politik und Kirche, als Madonna sich in »Justify my love« auf MTV lasziv an einem Gekreuzigten schmiegte. Und selbst noch im März dieses Jahres griff die katholische Kirche unterstützt von Politikern die Satirezeitschrift TITANIC an, weil ein Priester auf Genitalhöhe eines Gekreuzigten dem selbigen eben auf Genitalhöhe zugewendet dargestellt wurde. Das fanden die gar nicht lustig und sahen sich durch die Darstellung in ihren religiösen Gefühlen gekränkt (s.a. hier).

Unproblematisch dagegen ist die Ehrung des Zeichners des dämlichen … äh, ich meinte, dänischen Mohammed-»Karikaturisten« Kurt Westergaard durch die Kanzlerin Merkel,neulich am 8. September in Potsdam.

»Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut«, meinte Merkel zu dem 75-jährigen unweisen Kurt Westergaard.

Nun ja, die TITANIC wird auf so eine Auszeichnung ewig warten können, auch wenn sie sich über die Missbrauchsfälle in der Kirche lustig machen wollte. Es merke sich halt jeder in diesem unserem Kreuzeslande: Kreuze sind nur Steine des Anstoßes und nicht der Ehrung.
Außer sie werden am Bande und dazu militärisch vergeben.

Doch zurück zu unseren verhinderten Miss Moneypenny, die ihren James Bond im Dienste seiner Angela immer nur selten zu Gesicht bekommt und deshalb über ihre Vorstellungen zu Pornografie schreibt. Stephanie zu Guttenberg ist wegen dem Buch nun freilich nicht zur »Doktor-Sommer-honoris-causae 2010« ernannt worden. Aber sie scheint zu wissen, worüber sie schreibt, wenn es um Porno geht. Und sie weiß auch, wie Pornostars aussehen. Nein, nicht so wie sich der geneigte Leser einen Pornostars nun halt mal so vorstellt. In seiner schmutzigen einfältigen Phantasie. Also nackt. Und in Action. In allen Stellungen.
Nein, Pornostars sind vielmehr so wie Lady Gaga, Christina Aguilerra, Britney Spears, Heidi Klum …
Moment!
Heidi Klum? Echt? Heidi Klum sei ein Pornostar, das meint die zu Guttenberg? Doch sei sie wohl, könnte aus ihrem Geschreibsel heraus gelesen werden. Denn – so schreibt sie – bekleidet sei die Klum auch immer wieder mal mit Overknee-Lederstiefeln (im Volksslang auch »Fick-mich-Stiefel« genannt), Lederkorsett, und gleichermaßen knapp bekleidet sei sie wie die jungen Models ihrer Show.
Also, alles voll Porno für die gute Stephanie.

Da können Gina Wild, Kelly Trum oder Dolly Buster noch so viel GV stöhnend vor der Kamera haben, die wahren Repräsentanten der Pornostars sind für Stephanie zu Guttenberg der Snoop Dogg, der Rapper Nelly, Sido, Frauenarzt oder Bushido. Und deren Gesang würde deshalb auch zu Recht nicht in den Radios gespielt. Darüber könnte man sich jetzt theoretisch freilich ausgiebig streiten. Streiten dürfte man sich aber keinesfalls darüber, um wie viel schöner in den Ohren eines Radiohörers ein lateinisch orgiastisch gesungenes »In dulci jubilo« klingen muss. Oder ein karfreitäglich bluttriefendes »Oh Haupt voll Schmerz und Wunden«. Gesungen vielleicht auch noch von alkoholisierten Priestern, welche zusätzlich noch eine dunkle, unveröffentlichte kriminelle Vergangenheit haben könnten.

Egal.
Das sind nur meine verwerflichen, schwarzen Gedanken.
Stephanie zu Guttenberg hat die ihren. Erleuchtete. Allein ersonnen.

Stefanie allein zu Haus.
Da kann schon mal ein Buch daraus entstehen. Wenn man allein mit sich und seinen eigenen Pornovorstellungen und Pornophantasien ist. Politikergattin sein, ist keine einfache Aufgabe. Das hat auch keiner behauptet. Schließlich warten wir jetzt alle noch auf ein Buch von der anderen Frau. Auch allein zu Haus. Der Bettina. Dem Wulf seine. Vielleicht schreibt die dann mal über ihre Erlebnisse mit Maschmeiers, deutschen Bankern und anderen Sportwagenbesitzern.

Doch erneut zurück zur Stephanie zu Guttenberg. Ich schweife einfach zu oft ab.
Erst heute ist mir dann der tiefere Sinn der BILD-Warnung »Pornografie verdirbt unsere Kinder« aufgegangen. Es ist eine weit angelegte Kampagne. Der beiden zu Guttenbergs. Eine Gemeinschaftsarbeit.

Fast jeder männliche Bürger hat vor nicht allzu langer Zeit noch die erste pornografische Erniedrigung im Alter von 18 bis 20 Jahren auf folgende Weise gemacht:

»Die Hose herunter. Okay. Und jetzt husten Sie mal.«
Seine Hand befand sich unter seinen Hoden und der Junge schaute in das ernste sachlich bemühte Gesicht eines Mannes.
»Nun drehen Sie sich um und bücken Sie sich.«
Der Mann schaute dem Jungen vor versammelter Mannschaft ins Gesäß. Und manchmal berührte er ihn auch intimer. Alles im Dienste einer höheren Weihe, versteht sich.

Solche Szenen haben sich immer wieder Jungen von der Musterung zur Bundeswehr erzählen können. Und eben diese Musterung will dem Stephanie zu Guttenbergs ihr Mann, der CSU-Politiker mit den vielen Vornamen im Pass, abschaffen. Das hat der heute erklärt. Somit kann es sich hierbei eindeutigerweise nur um eine Entpornografisierung der Bundeswehr handeln.

Aber das ist nicht das alleinige Ziel, welches der Ehemann der zu Guttenberg-Frau erreichen möchte. Der will die Bundeswehr zu einer exklusiven Schar Berufener machen. Eben Berufssoldaten. Dressed to kill statt Bürger in Uniform.
Aufgenommen werden dann nur die besten. Die moralisch saubersten. Diejenigen jungen Männer, die bei dem Wort »Porno« noch eine Erektion bekommen, und nicht nur anfangen, müde zu gähnen mit einem »Kenn ich schon« auf den Lippen. Diejenigen sollen es werden, die dem Tode todesmutig ins Auge schauen und ihn nicht fürchten, wenn sie ihn anderen zufügen, und das Ganze nachher auch noch als »Kollateralschaden« verkaufen werden.

Und dann, also wenn er das geschafft hat, eben dann schreibt der Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg ein Buch.
Nein. Keine Fortsetzung von Ian Flemmings Buch »Tschitti Tschitti Bäng Bäng«. Oder eine neue Episode von Ian Flemmings James Bond und dessen Miss Moneypenny.
Nein.
Nur ein 500 Seiten starkes Buch.
Schlicht und ergreifend. Mit einem Titel, der unter die Haut geht:

»Der Tod ist ein besonderes Aphrodisiakum«

Ich garantiere euch, das wird voll Porno, ey. Da können wir noch in vielen Gedenkgottesdiensten von zehren.

P.S.:
»Kirche« und »Tod« in einem Satz zusammen zu erwähnen, ist nicht anstößig. Darum passen Kirche und Bundeswehr auch so gut zusammen. Sie gehen sozusagen »Hand in Hand«. Was der eine liegen läßt, das sammelt der andere auf, um es zu segnen …
»Kirche« und »Porno« gehen dafür überhaupt nicht zusammen. Das ist pfui-bäh.
Außer das erstere sei mosaisch. Das ist dann doch nicht pfui-bäh. Das ist preiswürdig.
Aber das auch nur am Rande erwähnt.
Bereits zum zweiten Male.
Und das auch nur, um es euch hinterhältig einzubläuen … .

Da ist die Presse mal wieder zügig drauf abgefahren …

Jede Bahn hat ihren Sprecher und jeder Sprecher glänzt so gut er kann wie eine Sternschnuppe:
Erst Stern dann Schnuppe.
Oder so.

Man muss sich mal die Angabe über die Zunge zergehen lassen, was Jürgen Kornmann da binnen 15 Sekunden dem ZDF erzählt:
Auf 1440 Einsätze gab es 3 Ausfälle. Und Herr Kornmann bezog sich auf den Fall, dass es gestern dazu kam, dass Züge wegen dem Ausfall der Klimaanlage überhitzt waren und Passagiere wegen Dehydrierung vor Ort medizinisch versorgt werden mussten (s.a. Video von YouTube unten).

So und nun holen wir mal unsere Hauptschulabschlüsse heraus und fangen an zu rechnen.
Was bedeutet das? 3 ausgefallene Klimaanlagen auf 1440 Zugverläufe.
Erst einmal gar nichts.
Fällt bei einem ICE-Zugverbund eine Klimaanlage aus, so betrifft es im worst-case („schlimsten Falls“) ca. 800 Passagiere eines Zuges (von Klasse 1 bis Klasse 2 und Board-Restaurant). Sozusagen binnenklima-erwärmender Schrott auf Achse.

Die pharmazeutische Industrie hat eine international anerkannte Größe entworfen, die auch in der Automobilindustrie ihre Anwendung verwendet: „ppm“ (parts per million). „ppm“ sagt aus, wie viele Teile auf eine Million Teile ausfallen. 10 ppm sind also 10 fehlerhafte Teile auf eine Millionen Gesamtteile. Also 10 Tote auf 1 Millionen Menschen sind statistisch „10 ppm“. Umgerechnet sind also 3 Zugausfälle auf 1440 Zugvorgänge erst einmal absolut nichtssagend. Nehmen wir also der Einfachheit an, 3 Zügen mit defekten Klimavorrichtungen im gesamten Zugstrang (!) sind unterwegs. Wer die Bahn und ihre Fahrpläne kennt, kommt somit bei drei Zugverbünden auf maximal sieben Zugstrecken, also sieben Zugvorgänge.

Somit hätten wir 21 Zugvorgänge mit defekten Klimaanlagen auf 1440 Zugvorgänge (s.a. Videointerview oben). Das macht dann 14583 ppm (also statistisch 14583 Ausfälle auf 1.000.000 Zugvorgänge).

Im Vergleich mit der Automobilindustrie mit dem Qualitätsziel 0 ppm für Ausfälle im Feld, also im Betrieb, (als Beispiel: unsere Firma liegt bei 1,5 ppm), das ist also eine gnadenlose Katastrophe.

Moment!

In einem Auto sitzen in Deutschland maximal fünf Leute (okay, die Polizei fischt immer wieder auch Autos mit acht Passagieren in einem Twingo bei brütender Hitze aus dem Verkehr), aber bleiben wir mal statistisch: In den meisten Fahrzeugen sitzen statistisch gesehen 2,5 Personen (Zeitung auf dem Beifahrersitz bei Berufsfahrern mal ausgeschlossen). In einem Zugverlauf sitzen aber maximal 800 Leute, was somit die ppm-Zahl auf 19 runter schrumpfen lässt.

19 ppm!

Da wird die Automobilindustrie neidisch. Denn schon im Innenraum eines Fahrzeuges sind laut Verträge für Zulieferer 300 ppm zulässig. Selbst wenn ich 6 Leute in das Fahrzeug stopfe, komme ich personenbezogen nur auf 50 ppm.

Was will ich damit total und überkandidelt ketzerischerweise sagen?
Ganz einfach.
Nachdem Deutschland schon nicht unter die besten zwei der FIFA-Fußball-WM kommen konnte und auch sonst kein Vollidiot etwas presse-würdiges verbrochen hatte, da musste die Bahn dran glaube.
Lesen wir mal die Presseberichte.
Wie viele waren von dem Ausfall der Klimaanlage betroffen?
Es wird von einem Teil einer Schulklasse gesprochen (max. 30 Schüler), in anderen Berichten von 40 Menschen. Gut, lassen wir es mal 100 sein. Seien wir mal realistisch: 1000 Menschen gemäß der Pfeifer’schen Regel „Nur 4% der Kunden beschweren sich über mangelnde Qualität“ (ISBN 3-446-18579-8). Was dann fast genau der Zahl derjenigen Anzahl der Zuginsassen entspricht, die in einem Zug gesessen haben könnten (nämlich 1000 Passagiere entsprechend den Angaben der Journailien). 1000 Passagiere statistisch gesehen auf drei Züge verteilt, denn der 2. Klasse ist es nicht erlaubt im Zugrestaurant, auf der Zugtoilette oder in der 1. Klasse herum zu lungern.

Und dann mal die spontan er-google-te Nachricht:

Auf der A9 bei Gefrees hat Freitag Mittag die Unachtsamkeit eines Lkw-Fahrers neben 100-tausend Euro Sachschaden auch einen 12 Kilometer langen Stau verursacht.

12 Kilometer.
Zweispurig.
Also 24 Kilometer rechnerisch.
Und sicherlich nicht nur dort.
Bei „Jugend forscht“ wurde ausgerechnet, dass auf 3 km Stau 500 Autos kommen. Ergo haben wir hier mal locker 4000 Fahrzeuge mit statistisch gesehen 2,5 Personen drinne (es ist Freitag Mittag bei brüllender Hitze (wer Klimaanlagen kennt, weiß, dass dies jetzt keine rhetorische Phrase sein muss), viele Berufstätige fahren nach Hause und das allein in Begleitung ihrer Tageszeitung auf dem Beifahrersitz), also 10.000 Personen (oder reduziert wegen dem Ich-Will-Jetzt-Nach-Hause-Pendler auf 8000 Personen).

Das sind locker mal 4 so viele Personen als in den ICEs und das bei brütender Hitze in deren Fahrzeugen, die KEINE gut funktionierende Klima haben. Wer nicht genügend im Monat verdient, weiß, was ich meine.

Hm.

War da was?
Eine Nachricht im ZDF?
In der ZEIT?
In der FAZ, der SZ, NHZ oder gar im Buxtehuder Werbeblatt?
Nicht?
Nüscht?
Gar nüscht?
Hm.
Und was war mit den Unwettern in NRW vor knapp 24 Stunden? Glaubt da wer Gutmütiger, dass deswegen weniger als 10 Flüge á 100 Passagiere nicht landen konnten? Das die gar nicht dort ankamen, wohin die wollten?
Kein Wort in der Journalie? Nada? Niete? Nullinger?
Ja, ist denn schon wieder saure Gurkenzeit?
Ja?
Dann taugt die Bahn genau als Depperle der Nation.
Zum Draufschlagen einfach.
Wenn schon ein Westerwelle nicht mehr Angriffsfläche in seinem Sommerurlaub bieten möchte …

Und nun meine Quintessenz?
Jürgen Kronmann ist ein verdammt schlechter Pressesprecher. Genau solch einer, den die Presse braucht, um einen Stellvertreterkrieg für die große Hitze mit irgendwem zu schlagen.
So ein Depperl.
Die Volksseele kocht.

Nicht allein im Stau auf der A8, der Dehydrierung nahe (kein ADAC oder Ramsauer verteilt Wasser gratis und auf den Raststätten gibt es auch nur Kraneburger Jahrgang 2010) fluchen alle auf die Bahn. Weder im Sommer noch im Winter sei sie fähig eine Klimakatastrophe in deren Waggons zu vermeiden.

Aber wir sind auf die Bahn ja nicht angewiesen. Mit dem „Mein-Bac-dein-Bac“-Feeling sicher für die nächsten 8×4 Stunden fluchen wir auf die Bahn und auf den LKW-Fahrer. Denn wäre der mit der Bahn transportiert worden, hätte es auf der A8 keinen Stau gegeben. Und als vorweggenommene Strafe hätte der dort geschmorrt, da wo die 40 bemitleidenswerten Leute im Zug schmorrten.
Mein Beileid. Meinen zumindest die acht bis zehntausend Stauteilnehmer …

Oder etwas anders ausgedrückt, so wie bei Jürgen Kornmann.
Do it again, Jürgen:

Wenn Heilige enthauptet werden …

Die Katholische Kirche ist momentan ein Sumpf, in dem viele Frösche quaken und sich einer Trockenlegung verweigern, damit keine Leichen auftauchen. Das Bodenpersonal arbeitet momentan emsig wie die Putzerfischchen. Putzerfische sind die Fische in den Gewässern, die größere Fische von Dinge befreien, die jene bedrohen.

Wie schön für die Rotte der Putzerfischchen, wenn es dann was gibt, was ein wenig von diesem Bestreben ablenkt. So geschehen in einer Kirche in Dinkelsbühl. Dort haben Kriminelle den Schrein des Heiligen Aurelius zerstört und dem Heiligen ein Bein ausgerissen, was jener zu Lebzeiten immer schon zu vermeiden wusste.
Die Münchener TZ hatte heute darüber geschrieben (siehe Foto):
Aurelius
Der „Heilige Aurelius“?
Wer das ist?
Auch darüber schreibt die TZ:

Aurelius war römischer Soldat. Im Jahr 63 wurde er unter Kaiser Nero in Rom enthauptet, weil er als Christ als Sündenbock herhalten musste. […]

Aurelius_Text
Soweit die TZ.

Moment.
Wie war das?
Was geschah mit dem „Heiligen Aurelius“?
Enthauptet?
Wow.
Da ziehen hundsgemeine Diebe den Heiligen aus seinem Schrein unachtsam und brutal auf den Boden der Kirche, fliehen dann mit einem Bein als Beute und …
Genau.
Der Kopf bleibt dran. Vom enthaupteten Heiligen.

Und wer jetzt an dem heiligen Wunder der Erneut-Verhauptung eines Enthaupteten trotz obigen Bildes zweifelt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Oder wie schon mein Vater zu sagen pflegte:
„Was Gott trennt, darf der Mensch nicht fügen. Außer mit Uhu.“

Wie schön zu wissen, dass der Enthauptete nicht völlig kopflos am Boden lag. So etwas nennt man auch katholische Dialektik. Womit wir wieder bei den Putzerfischchen wären, …

"Franz Josef Strauß" unter Sprengstoffverdacht …

Als ich gestern die diversen Online-Zeitungen durchlas, um mir mal ein Bild über die Terminal-2-Sperrung am Münchener „Franz-Josef-Strauss“-Flughafen machen zu können, fielen mir die unterschiedlichen Darstellungen der Geschehnisse auf:

– Der Täter schnappte sich sein Notebook und rannte weg.
– Der Täter schnappte sich nicht sein Notebook und rannte weg.
– Der Täter rannte ohne seine abgelegten Sachen und ohne Notebook weg.
– Der Täter zog sich an, schnappte sich sein Notebook und rannte weg.

Den Flughafen am „Terminal 2“ kenne ich genau. Dort fliegen alle Star-Alliance-Fluggesellschaften, also auch die Lufthansa, ab. Terminal 2 glänzt durch seine Nadelöhrfunktion nach den Kontrollen. Das heißt, die überprüften Passagiere aller Sicherheits-Check-Portale kommen nur durch einen bestimmten Gang zu den Gates, welche dem Flug innerhalb der EU dienen. Interkontinentalflüge oder Flüge in Nicht-EU-Länder haben ein weiteres Nadelöhr.
Hinter den Sicherheitsportalen stehen jeweils zwei bewaffnnete Bundesgrenzschützer, welche die Situation im Auge behalten.

Folgendes:
Zu jedem Notebook gehört eine Tasche, die berühmte Notebooktasche. Das Sicherheitspersonal sorgt dafür, dass das Notebook aus der Tasche entfernt wird und in eine gesonderte, blaue Kunststoffschale als Transportmittel des Notebooks verwendet wird. Geschieht das nicht, wird die Tasche vom Transportband zurückgefördert und vom Sicherheitspersonal heraus genommen und ein zweites Mal gescannt. Sollte das Sicherheitspersonal das vergessen, am Ausgang des Scann-Gerätes geschieht es auf alle Fälle.

Dieses ist das Prozedere in Sachen „Notebook“ am Münchener Flughafen. Ich kenne es inzwischen in- und auswendig.

Wer als Geschäftsmann schnell durch die Kontrollen will, vollzieht im vorbeugenden Gehorsam folgende Dinge:

– Armbanduhr abnehmen und in die Jackentasche stecken
– Hosentaschen entleeren und Hosentascheninhalt in Jackentasche ablegen
– Handys entweder in Jackentasche oder in einer blauen kleinen Kunststoffschale abgelegen
– Flüssigkeiten im Handgepäck werden generell vermieden. Falls doch, dann immer gleich im Kunststoffbeutel und maximal 100 ml als Menge.
– Hosengürtel wird direkt aus der Hose gezogen und mit der Jacke und anderen Westen, Regenjacken und so weiter in eine der Kunststoffschalen abgelegt.
– Schuhe mit metallischen Aufschlag werden gleich ausgezogen und aufs Band gelegt. Prinzipiell ist es besser immer die Schuhe aufs Band zu legen.
– Brille bleibt aufgesetzt.
– Handgepäck kommt direkt aufs Band.
– Im Falle eines Notebooks wird dieses ebenfalls sofort heraus geholt und in eine der blauen Kunststoffschalen gelegt.
– Die Boarding-Karte wird als letztes in einen der Kunststoffschalen abgelegt, denn vielleicht will der Sicherheitsmensch vor einem mal drauf schauen (geschieht sporadisch).

Somit gilt:
Jede Bemerkung des Sicherheitspersonals, welches der potentielle Fluggastanwärter mit „Ja“ beantworten muss, führt zu Verzögerungen im Prozess.
Jede Verneinung führt zu einer reibungsfreien Abwicklung seiner selbst als Risikopatients des reibungsfreien Flugverkehrs.

Und dann kommt der entscheidende Moment. Das Sicherheitsportal wird durchschritten (und das erst nach Aufforderung des Sicherheitspersonals!). Es ist der spannende Moment, bei dem das Gehör auf „Hab‘ acht!“ steht. Das nächste Geräusch kann entscheidend sein. Und der potentielle Fluggastanwärter stellt sich schon vorher die Frage, wie empfindlich wurde das Portal eingestellt. Fast jede Hose hat einen Metallknopf oder Metallreißverschluss. Die Brille ist metallisch. Oder das intime Piercing? Ist der Cockring abgelegt? Kein Witz, ich habe bereits welche kennengelernt, die sich extra ihren eisernen Cockring anlegen, damit sie vom Sicherheitspersonal befingert werden. :)

Ertönt kein „Piep“ vom Portal, hat der potentielle Fluggastanwärter die erste Hürde überwunden.
Piepst das Portal, stellt sich der Sicherheitsbedienstete einem direkt in den Weg und es heißt Arme und Beine ausbreiten und der Sicherheitsbedienstete fährt mit suchender Hand und einem Detektor den gesamten Körper ab, um die Ursache des „Pieps“ heraus zu finden.

Erst wenn der Suchende zufrieden ist, geht es weiter. Auf dem Transportband taucht das eigene Eigentum aus dem Scanner auf. Drei Meter läuft es auf dem band, bis der Eigentümer darauf zugreifen kann. Und dann geht heißt es, sich wieder ankleiden, sein Handgepäck an sich zu nehmen und nichts in den Schalen zu vergessen.

Wer jetzt in Zeitnot ist, wird anfangen zu sprinten und erweckt durch sein Rennen die Aufmerksamkeit der Sicherheitsbeamten vom BGS. Vom Portal bis an an den bewaffneten BGS-Beamten (einer mit MP) vorbei sind es 10 Meter. Um aus dem Sichtkreis der BGS-Beamten im Nadelöhr zu entschwinden, sind es weitere 10-20 Meter erforderlich.

Ein paar Mal bin ich schon in Zeitnot gesprintet und immer reagierten die BGS-Beamten: Sie schauten mich an und schauten auf das Sicherheitspersonal, um die Lage abzuschätzen. Sie hatten dazu immer an die 5 bis 10 Sekunden Zeit.

Und genau dieses lässt mich bei der Berichterstattung stutzig werden.

Fall 1:

Der Täter schnappte sich sein Notebook und rannte weg.

Damit hätte der so genannte Täter seine Notebooktasche am Portal gelassen. Ein einzelner Mensch mit Notebook in den Händen fällt den BGS-Beamten auf, ist ungewöhnlich und verdächtig. Desweiteren verbleibt noch das gesamte Handgepäck, denn in der Regel wird zuerst das Notebook und dann der Rest aufs Band gelegt. Das Sicherheitspersonal achtet darauf.

Fall 2:

Der Täter schnappte sich nicht sein Notebook und rannte weg.

Damit hätte der Mensch also das als potentielles Sprengstoffpaket entdeckte Notebook an den Portalen hinterlassen. Dem Sicherheitspersonal ist das nicht abgeholte Notebook erst später aufgefallen und die BGS-Beamten fiel keine Auffälligkeit auf. Der Passagier war also ungefährlich. Warum also dann das „Terminal 2“ absperren und nach einem Notebook mit Sprengstoff suchen lassen, wenn das Notebook samt Tasche doch am Portal noch lag?

Fall 3:

– Der Täter rannte ohne seine abgelegten Sachen und ohne Notebook weg.

Es gibt nichts besseres, um die Aufmerksamkeit der BGS-Beamten auf sich zu ziehen, als im Winter frühlingshaft gekleidet an diesen vorbei zu laufen. Zudem blockieren die Handgepäckdinge noch das Portal. Die Beamten hätten das selbst auf jener Distanz schnell feststellen können.

Fall 4:

– Der Täter zog sich an, schnappte sich sein Notebook und rannte weg.

Es ist die einzig wahrscheinliche Variante. Denn dieses passiert nicht selten, wenn Passagiere in Zeitnot sind. So etwas ist nichts ungewöhnnliches.

Aber bei all diesen Fällen fällt eines auf:
Der Befund auf Sprengstoff kommt vom Scanner. Im Falle eines Verdachtbefundes wird von den Monitoren der Sicherheitsbedienstete durch die Scannersoftware genau die verdächtigen Stellen in rot gefärbt angezeigt. Wenn also das entsprechende Notebook aufgrund der Sensorik der Scanner als verdächtig für Sprengstoff angezeigt wurde, gibt es nur eine Möglichkeit, warum das Notebook nicht gegenkontrolliert wurde. Das Sicherheitspersonal hat schlichtweg gepennt. Denn sollte das Personal gemerkt haben, dass das Notebook vom System als verdächtig eingestuft wurde und der Passagier rennt deswegen weg, dann hätten ihn die BGS-Beamten ohne Zweifel gestoppt.
Es lag also kaum an ein Übeles wollenden Passagier.

Gesetz des Falles es war so, wie viele Zeitungen wissen wollten, dass ein Fluggastanwärter in Wahrheit ein Terrorist mit Sprengstoff im Notebook ein Flugzeug sprengen wollte, dann wäre spätestens bei dessen Flucht das Verhalten in den ersten drei Fällen mit Sicherheit und im letzten Fall wahrscheinlich den BGS-Beamten aufgefallen. Aber der Fluggast fiel niemandem auf. Nicht mal der Scan des Systems des Sicherheitspersonals.

Die Aufregung ist jetzt groß. Es wird wieder spekuliert, wie man die Sicherheit nun doch wieder verbessern kann. Der „Nacktscanner“ kommt wieder ins Gespräch. Aber auch die Bezahlung des Sicherheitspersonals wird angesprochen.

Nur eines wird nicht angesprochen:
Der vorbeugende Gehorsam des Sicherheitspersonals ihren Chefs gegenüber. Denn dieser muss wohl für so einen Job unbedingte Voraussetzung sein. Entsprechend ist dann auch die Humorlosigkeit und Freundlichkeit des Sicherheitspersonals.

Ich erlebte es einmal wegen 50 von mir mitgenommenen „Schlüsselanhänger“ (kleine Kettenglieder aus gehärtetem Stahl an dem Leichtmetallring). Diese wurden mit weggenommen, weil sie eine Waffe darstellen sollten. Der Sicherheitsangestellte reihte vier mit dem Leichtmetallschlüsselring an seinem Mittelfinger auf, ballte die Faust um die Kettenglieder und meinte nun könne härter zugeschlagen werden. Der herbeigerufene Vorgesetzte interessierte sich für die Schlüsselanhänger kaum, sondern beharrte darauf, dass der Untergebene richtig geurteilt haben müsse.
Dagegen dürfen weiterhin die Akkus von Notebooks mitgenommen werden. Die sind zwar scharfkantig und massiv stabil, aber generell keine Schlagwaffe.

Jedes Mal, wenn ich in München die Portale passiere, habe ich das Gefühl hinter den Schleusen wieder in ein menschenfreundlicheres Gebiet zu stoßen. Ich kenne viele andere Flughäfen im Vergleich zu München. München und sein Sicherheitspersonal haben nicht nur bei mir sondern auch bei vielen Kollegen und Bekannten den Ruf der freundlichkeitsfreien Zone, direkt vor Düsseldorf.

Und München ist auch immer wieder DER Flughafen, bei dem Limousinen an die Flugzeuge mit Flugrichtung „Brüssel“ heranfahren und wichtige Personen direkt an die Gangway rangebracht werden. Die Fahrzeuge tragen Münchener Kennzeichen und gehören nicht zum Flughafen-Inventar.

Das Studium der Nachrichten gestern Abend und heute morgen der Print-Medien-Schlagzeilen hat mir wieder gezeigt, wie viel Wahrheit bestimmten Nachrichtenorganen eine Schlagzeile wert ist. Es stellte sich mir die Frage, wer von wem gedanken- und hirnlos abschrieb. Denn schon das Hinterfragen der gemeldeten Pseudo-Fakten hätte bestimmtes direkt ausschließen müssen, bevor es auf offiziellem Wege verbreitet wird.

Und es hat inzwischen noch etwas gutes:
Denn wer sich von den Journalisten und Politikern jetzt meldet und aufgrund eines menschlichen Fehlers mehr Maßnahmen fordert, der ist unter den Hirnbefreiten garantiert König.

Und noch etwas in meinen Augen sehr merk-würdiges:
In keiner Zeitung wird die strategische Positionierung von den zwei mal zwei BGS-Beamten am Münchener „Terminal 2“ erwähnt. Es wird jetzt allein auf unzuverlässiges Sicherheitspersonal abgezielt. Aber niemand hinterfragt diese Positionierung und warum es so lange gedauert haben soll, bis die Bundespolizei informiert worden sei …
Das ist wirklich merk-würdig.
Und dann ist der ganze Bereich videoüberwacht. Das Filmen hatte wohl funktioniert, aber die Auswertung nicht. Diese obliegt der Bundespolizei, nicht der Sicherheitsfirma. Wenn diese Auswertung so miserabel ist, dann sollte auch dort angesetzt werden. Oder ist das unzulässig? Begehe ich hiermit Häresie?

Fakt ist, dass die Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen München inzwischen rechte Schikanen für Fluggastanwärter sind. Wer mit Münchener Flughafenpersonal in deren Freizeit ins Gespräch kommt, erfährt, dass das Sicherheitssystem am Münchener Flughafen nur an den Portalen überdimensioniert ist, aber dort wo die Portale nicht sind, schwachbrüstig ist.

Egal. Fliegen ist schon lange keine Dienstleistung, die man nur mit Geld bezahlt. Man zahlt auch mit vorbeugendem Gehorsam, Kritikverzicht und Folgsamkeit seltsamen Regeln gegenüber. Und man ordnet sich diesem System hierarchisch unter.
Genau dem Modell des Sicherheitspersonals: vorbeugendem Gehorsam, Kritikverzicht und Folgsamkeit.
Man gibt mit seinen Habseligkeiten die eigene Mündigkeit an den Sicherheitsportalen ab. Weil es andere unbedingt so wollen. Und es wird noch mehr Demut erforderlich sein, um zu fliegen. Weil es andere so wollen. Und nicht weil der Fluggast es so will.

Und irgendwann geschieht das, was bereits am internationalen Flughafen „Tom Jobim“ in Rio de Janeiro passierte: ein Fluggast musste zur Sicherheitskontrolle seine Hosen runterlassen …

(Edit 22:40 Uhr:
Ich lese gerade in der „Süddeutschen Zeitung Online“, dass die den Aufbau der Sicherheitsschleuse mit den BGS-Beamten dahinter ebenfalls hinterfragen und Unstimmigkeiten in der offiziellen Version festgestellt haben. Die „Süddeutschen Zeitung Online“ ist zwar für mich nicht mehr das Maß der journalistischen Dinge, aber immerhin zeigen die dort, dass deren Journalisten sich anfangen, eigene Gedanken machen.)

Die Quintessenz

Je weniger man weiß, um so mehr muß man glauben.
Glauben ist einfacher als denken.

Prominente durch Schweinegrippe bedroht (Fake der Woche)

Es ist die Meldung, die die Redaktionen von „Punkt 12“, „total“, „Brisant“, „Prominent“ und „taff“ aufgeschreckt hat:
Wie uns Mitarbeiter, die ihren Namen nicht nennen wollten, mitteilten, bedroht die Schweinegrippe – auch unter dem Namen „H1N1“ bekannt – auf Mallorca nicht nur normale Touristen sondern inzwischen auch schon völlig harmlose, unschuldige Prominente.

„Wenn uns wegen der Schweinegrippe unsere Prominenten wegsterben sollten, dann sind in unserer Redaktion nicht unerheblich wenige Arbeitsplätze bedroht“, erklärte uns Alfred T., ein Leiharbeiter aus der Pro7-Redaktion.

Alfred T.’s Befürchtungen sind nicht unberechtigt. Noch ist kein Prominenter der A-, B- oder C-Klasse erkrankt oder gar gestorben, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es weniger Promis als normale Menschen gibt. Und gerade wegen deren geringen Anteil an der Normalbevölkerung sind Promis besonders durch die Krankheit bedroht.

Auch Petra F., Mitarbeiterin aus einem ARD-Vorabend-Boulevardmagazin, deren Name sie nicht genannt haben wollte, erklärte uns: „Es ist absolut berechtigt, sich darüber Sorgen zu machen. Wenn uns die Promis an der Schweinegrippe wegsterben, dann wird sicherlich darüber diskutiert werden müssen, ob Redaktionsstäbe nicht unerheblich verkleinert werden müssen, ob Mitarbeiter freigesetzt werden müssen. Die Schweinegrippe bedroht unseren Berufsstand.“

High Society-Expertin Klara Denk: „Ja, aufgrund ihres Standes sind auch Adlige und Promis nicht automatisch vor Krankheiten geschützt. Insbesondere herrscht ja hier eine Gefahr, dass die C-Promis den ganz normalen Menschen begegnen wollen, um sich ihren Promi-Status zu versichern, und sich dadurch Krankheiten einfangen und diese dann sukzessive an B-Promis und diese dann an A-Promis und Adlige weitergeben. Insofern herrscht wirklich schon eine Beunruhigung auch in Königshäusern. Denn nicht alle Königshäuser haben ihre Erbangelegenheiten eindeutig geklärt.“

Mittlerweile soll Lorenzo Loriella London – bekennende, bekannte Transe aus den DSDS und dem DschungelCamp – bereiterklärt haben, sich als erster Promi mit der Schweinegrippe anstecken zu lassen, damit ein Kamerateam den Verlauf der Krankheit für deren Fernsehzuschauer dokumentieren kann. Als Bezahlung soll er/sie/es sich eine Silikonaufpolsterung seiner Pobacken ausgehandelt haben.

Wir bleiben für Sie am Ball und berichten sobald Lorenzo Loriella London bei dem Selbstversuch gestorben sein wird.

Guten Tag.

Das jüngste Gerücht (Fake der Woche)

Michael Jackson soll Selbstmord begangen haben. Nachdem ein Pater dem Jacko einen Film über barocke Engelsputten vorführte und meinte, dass solche Putten den Himmel bevölkern würden und auch auf Jacko zu Diensten sein würden, da wollte Jacko einfach nicht länger warten …