Ein Satz heiße Löffel

Heute abend zärzelt Uri Geller wieder seine Kaffeelöffel, die er sich in der Buisnessklasse diverser Fluggesellschaften eingesackt hat, und versucht Mehrwert durch Wertverlust zu betreiben.
Gewinnverlustmaximierung sozusagen.
Und wie ein Drittel Jahrhundert zuvor wird der Zuschauer aufgefordert, seine kaputten Sachen um die Fernsehröhre zu platzieren, auf dass sie nachher wieder funktionieren sollen.

Ich habe inzwischen meine gesammelte Elektronikschrottsammlung um meinen Fernseher aufgetürmt.
Man kann ja nie wissen.
Und schaden tut’s ja auch nicht.

Direkt auf dem Fernseher habe ich den alten Herzschrittmacher von Opa gelegt. Er hat zwar protestiert, weil wir Opa mit Seilen bereits auf dem Fernseher fixiert haben. Aber da muss er aber durch. Denn das spart uns die Selbstbeteiligung an der Operation für das Auswechseln des Herzschrittmachers in diesem Jahr. Wir haben freilich drauf geachtet, dass er mit dem Herzen direkt auf dem Fernseher liegt. Opa plärrt zwar noch immer auf dem Fernseher ( – er meint die Stricke schneiden ihm das Blut ab – ), aber wenn Uri seine Löffel biegt, dann muss man dem alles unterordnen.

Dann habe ich da noch den alten Wecker unter dem Fernseher paltziert. Jener Wecker, der fünf Sekunden vor Zwölf stehen geblieben ist. Ein Nachbar hatte ihn mir per Post geschenkt. Mit dem Nachbar stehen wir schon jahrelang in einer mörderischen Privatfehde. Als ich das Paket öffnete, tickte der Wecker noch ein wenig und blieb dann stehen. Der Wecker ist ein wenig unförmig, denn der Nachbar hatte unter dem Wecker zwei dicke rote Rohre montiert und diese mit dem Wecker verbunden. Mittels einem roten und einem blauen Draht. Gut verlötet. Meine Oma meinte, es sei ne Rohrbombe. Tja. Werden wir ja sehen, wenn Uri Geller den Wecker durch mentales Löffel-Reiben wieder zum Laufen bringt.

Dann habe ich noch den alten PC mit der „MS Windows 95“-Version drauf. Den habe ich vor dem Bildschirm platziert. Ich schätze, es wird das erste stabile Windows 95 weltweit werden. Vorausgesetzt Oma hat mit der Bombe nicht doch recht.

Meine Frau legte noch ihren zwanzig Jahre alten Vibrator mit in den Haufen vor dem Fernseher. Sie hat in „Welt für die Frau“ gelesen, dass zuviel „Uri Geller sehen“ Männer impotent macht. Und die kluge Frau solle schon mal vorbeugen. Als hat sie ihren alten schwarzen 20-cm-Jelly-Freund rausgekramt, mit Chlorix desinfiziert und an der rechten Seite vom Fernseher mit Tesa festgeklebt.

Unsere Oma hat in Eigenregie den Fernseher auf ihren alten E-Shopper gestellt. Mit dem E-Shopper versuchte sie damals den Münchener Olympia-See zu überqueren. Erfolglos. Sie blieb zwei Meter vom Ufer entfernt im Seeschlamm stecken. Die Feuerwehr war so freundlich und hat sie dort wieder mit der Seilwinde rausgezogen.
Vielleicht läuft der E-Shopper nach der Sendung wieder.
Wenn freilich nicht eben jene Bombe …
Nein, ich nehme die da nicht weg. Die Wahrscheinlichkeit, dass gerade der Wecker die letzten fünf Sekunden schaffen sollte, das ist ja sowas von gering.

Und zudem:
Wir hier glauben sowieso nicht an solchen Humbug.
Außerdem wurde Uri Geller nachgewiesen, dass er mogelt und gar nicht wirklich was durch Löffelreiben verbiegt.
Wissenschaftlich erwiesen ist das.
Alles nur mieser Hokus-Pokus.

So.
Jetzt muss ich in den Keller.
Die alte Truhe hochholen.
Die werden wir hinter dem Fernseher platzieren.
Man kann ja nie wissen.
Und schaden tut’s ja sowieso nicht.

5 Gedanken zu „Ein Satz heiße Löffel

  1. hehe.

    natürlich bin auch ich dabei. ich setze mich vor meinen kaputten fernseher und schau ob er wieder angeht. oder meinst, ich müsste ihn auf sich selber legen?

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  2. *Lachtamüsiert*… ja, man kann nie wissen, was passiert…

    Wunderbar witzig und ironisierend geschrieben – das war das erste Lächeln meines Tages! Dankeschön dafür.

    Herzliche Grüße von Schnack.

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